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Top Grusel Thriller #6: Irrfahrt der Geisterhände

2017 120 Seiten

Leseprobe

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Al Frederic: Irrfahrt der Geisterhände

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Unheimliche Begegnungen mit den Mächten des Bösen, finstere Geschöpfe des Todes, die die Lebenden mit ihren namenlosen Schrecken heimsuchen und Dämonen, die durch einen unbedachten Gedanken gerufen wurden oder einem Ort anhaften wie ein böser Fluch – darum geht es in den Romanen der Reihe TOP GRUSEL THRILLER.

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author /Cover Klaus Dill

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Roman

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Die eigentümliche Versammlung fand in einer Wellblechhütte statt – in den Slums von Kingston, Jamaika.

Magische Zeichen waren auf den Boden des großen Raumes gemalt worden. Im wesentlicher, stellte dieses Kreidebild einen Stier mit überdurchschnittlich ausgebildeten Geschlechtsmerkmalen dar, und Pfeile, die nach allen Richtungen aus einem breiten, gelben Kreis ragten. Rundherum hatten sich zwei Dutzend Menschen versammelt. Zum größten Teil waren sie dunkler Hautfarbe, stammten aus den Elendsvierteln. Aber auch wohlsituierte Jamaikaner befanden sich unter ihnen, wie Red La Menthe, der gutaussehende junge Bankangestellte, oder Irving Gonsalves, ein Mann mit breitem Stiernacken. Sogar zwei weiße Amerikaner wohnten der Versammlung bei: Der Playboy Joe Kandell und die bildhübsche Ethel Pavageau, seine Kusine.

Der Houngan – das war die Bezeichnung für den Voodoo-Priester – löste sich aus der Gruppe und trat an den Rand des magischen Kreidekreises. Der Mann war von mittlerer Statur, jedoch breit und hatte kräftig ausgebildete Muskeln, die sich unter dem Stoff seines roten Phantasiekostüms spannten, als er in die Hände klatschte.

Zwei hochaufgeschossene schwarze Burschen begannen auf Trommeln zu schlagen. Ein Mundharmonikaspieler fiel ein. Wenig später griff der treibende Rhythmus ihres Spiels auch auf die übrigen Anwesenden über. Sie wiegten sich in den Hüften und summten leise die Melodie mit.

Der Houngan – er hieß Dieufort – hatte eine laute, durchdringende Stimme, die alles übertönte.

„Ihr habt einen Schwur geleistet“, rief er den Sektenmitgliedern zu. „Ihr habt euch durch Blutsbrüderschaft und Feuerprobe verpflichtet, auf ewig der Gemeinschaft anzugehören. Unsichtbare Ketten schmieden uns zusammen, Brüder und Schwestern.“

„Ja“, antworteten sie im Chor.

Dieufort wippte auf den Spitzen seiner blanken Schuhe. Er stemmte die Fäuste in die Seiten. „Keiner von euch wird jemals die geheimen Riten an Ungläubige weitergeben. Niemand darf sie verraten, denn der Zauber, der uns von den Göttern eingegeben wird, würde dadurch vernichtet werden.“

„Du sagst es“, kam es vielstimmig zurück.

Dieufort fuhr fort: „Wir haben eine Novizin unter uns, Brüder und Schwestern. Sie möchte zur Hounsi-Canzo getauft werden, zur Eingeweihten. In den vergangenen Versammlungen hat sie alle Bedingungen erfüllt, die sie von der großen Stunde trennen. Jetzt fehlt ihr nur noch die Feuerprobe. Seid ihr einverstanden, daß sie sie ablegt?“

„Ja“, stimmten die Umstehenden zu. Diesmal klang es heftiger, drängender und ungeduldiger.

„Bringt jetzt das Kohlenbett her“, rief Dieufort den Versammelten zu.

Vier Männer traten aus dem Kreis und eilten zum gegenüberliegenden Ende des großen Raumes. Dort hoben sie vorsichtig einen ausladenden Gegenstand an. Es war ein feines Eisengitter, eine Art Rost, gut zweimal zwei Meter groß und mit schwelenden Holzstücken ausgefüllt.

Die Männer setzten den Eisenrost vor Dieufort ab. Danach reihten sie sich wieder in die Gruppe der Summenden ein. Härter wurde nun der Rhythmus der Trommeln.

Der Houngan ließ sich einen Holzstock reichen. Mit hektischen Bewegungen zerrte er die glühenden Teile auseinander und verteilte sie bis an die äußeren Ränder des Rostes. Das Kohlenbett war bereit, Dieufort klatschte von neuem in die Hände.

Ein Mädchen sprang in den magischen Kreis. Es war barfuß, und die vollendeten Formen des gertenschlanken, hellbraunen Körpers wurden von dem kurzen blauen Kleid nur unzureichend bedeckt. Das Mädchen war erst zwanzig Jahre alt.

Ihre Verwandten hatten alle Ersparnisse zusammenkratzen müssen, um die für die Einweihung erforderlichen 500 Dollar aufzubringen. Der Houngan ließ sich gut bezahlen.

Das Mädchen tanzte in einer Art Verzückung – die Musiker verfielen in schnelleren Rhythmus. Der Houngan nickte zufrieden und zog sich bis an das Holzkohlenfeuer zurück.

Der große Eisenrost war so gestellt worden, daß er etwa ein Viertel des magischen Kreises bedeckte. Das Mädchen kam ihm ziemlich nahe. Aber es hütete sich, das heiße Metall mit seinen Füßen zu berühren. Noch hatte es nicht jene geistige Schwelle überschritten, an der das Bewußtsein unter dem Einfluß von Rhythmus und Bewegung seine Grenzen verließ und zur Ekstase wurde.

Lauter klatschte die Versammlung in die Hände. Das Summen der Stimmen schwoll an.

Über eine halbe Stunde erklang das monotone Lied. Dann ging mit dem Mädchen eine merkliche Veränderung vor. Plötzlich begann es zu schwanken. Sein Gesicht verkrampfte sich. Gleich darauf warf es die Hände wie in einem Anfall hoch, um sie abwehrend von sich zu strecken. Die Kleine stolperte, fiel fast, schüttelte den Kopf, daß die langen Haare flogen. Unvermittelt begann sie zu stöhnen. Sie sank dabei auf die Knie. Aber nach wie vor ließ sie die Hüften wippen, geriet nicht für eine Sekunde aus dem Rhythmus.

Ein Schrei löste sich aus ihrem Mund.

„Gut, sehr gut“, tönte die Stimme des Houngan, „jetzt bist du bereit, eine von uns zu werden. Leg die Feuerprobe ab!“

Unendlich langsam richtete sich das Mädchen wieder auf. Seine Augen waren hervorgetreten. Man konnte das Weiß der Augäpfel schimmern sehen. Lallend näherte es sich Dieufort, dem Voodoo-Priester.

Die nackten Füße des Mädchens befanden sich dicht neben dem Eisenrost. Jemand drehte das Licht aus, und es war nur noch der schweißglänzende Körper der Kleinen zu sehen. Das gespenstische Leuchten der Glut zuckte darüber hin.

Wieder stieß das Mädchen einen Schrei aus. Ein heftiger Zugriff ihrer Hände, und die Knöpfe des Kleides lösten sich. Es riß sich den blauen Stofffetzen vom Leib, stand nun völlig hüllenlos da, denn es hatte keine Unterwäsche getragen.

Jäh machte es einen Satz auf die Glut zu.

Seine Fußsohlen standen auf den schwelenden Holzstücken. Aber es war, als spüre die Zwanzigjährige keinen Schmerz. Sie befand sich auf dem Höhepunkt der Ekstase.

Plötzlich knickte sie in den Knien ein. Sie wälzte sich auf dem Holzkohlenfeuer. Ihre zuckenden Gesten wurden von der Musik begleitet, die an Volumen und Tempo noch mehr zunahm.

„Weiter“, heulte der Houngan, „weiter, weiter!“

Das Mädchen krümmte sich, spannte die Muskeln an und streckte sich wieder. Deutlich war zu sehen, wie die Glut den Körper versengte. Aber aus dem geöffneten Mund kam kein Laut. Es war, als ginge ein unheilvoller Bann von dem glühenden Rost aus – er ließ die Kleine nicht mehr los. Plötzlich fiel sie um. Wie gelähmt hob und senkte sie ihre Arme.

Doch niemand kam ihr zu Hilfe.

Erst, als sie sich nicht mehr regte, sprang der Houngan in den magischen Kreidekreis und riß die Arme hoch. Die Musik brach ab. Dieufort brüllte einen Befehl.

Vier Männer holten das Mädchen aus der Glut. Der Körper, den sie vor dem Houngan ablegten, war verkrampft.

„Sie hat nicht bestanden“, verkündete Dieufort.

Er gab den Männern einen Wink. Sie hüllten das Mädchen in Tücher ein und trugen es zum Ausgang der Wellblechhütte. Ein regloses Bündel, dem niemand aus der Runde mehr Beachtung schenkte.

Nur Joe Kandel und seine Kusine Ethel Pavageau wirkten verstört. Die bildhübsche Amerikanerin hatte die Hände vor die Augen geschlagen. Red La Menthe und Irving Gonsalves standen dicht hinter den beiden und hörten, wie Kandell sich flüsternd über das Geschehen äußerte. Auch sie waren entsetzt. Licht flammte auf.

„Geht nach Hause!“ rief der Houngan. „Die Versammlung ist beendet. Ich rufe euch, wenn ich euch brauche!“

Schweigend wandten sich die Männer und Frauen ab. Mit gesenkten Köpfen strebten sie dem Ausgang zu. Es entstand kaum Gedränge, als sie die Hütte verließen.

Zurück blieb – in einer Dunstglocke aus Rauch und Schweiß – der Houngan. Er hatte die Arme vor dem roten Phantasiegewand verschränkt und starrte nachdenklich auf die magischen Zeichnungen.

Er schrak zusammen, als er die vier Sektenmitglieder auf sich zukommen sah.

„Was wollt ihr noch? Habe ich nicht gesagt...?“

„Einen Moment, Dieufort“, unterbrach ihn Joe Kandell. „Wir können uns nicht so einfach verdrücken, bevor wir nicht wissen, was mit, dem Mädchen ist.“

„Wohin bringen die Männer die Kleine?“ wollte Ethel Pavageau wissen.

Dieufort schob die Unterlippe vor. „Dumme Frage.“

Die beiden Jamaikaner sahen sich an. Irving Gonsalves hatte eine ausgesprochen finstere Miene aufgesetzt. Er sah aus, als würde er sich nur mit Mühe beherrschen. Red La Menthe fand als erster die richtigen Worte.

„Ich meine, daß du uns die Wahrheit sagen solltest, Dieufort. Das Mädchen wird es nicht überstehen, habe ich recht?“

Der Voodoo-Priester lächelte eigenartig. „Es ist bereits tot.“

„Du Verbrecher“, fuhr Gonsalves ihn an.

„Stop!“ Dieufort trat zurück und hob die Hände. „Ihr habt kein Recht, mich zu kritisieren oder zu verdammen. Ihr seid als legitime Mitglieder in die Gemeinde aufgenommen worden und habt euch dem Zeremoniell und den Riten zu unterwerfen. Dazu verpflichtet euch der Schwur. Ich könnte euch sogar strafen, wenn ich wollte.“

„Dann erkläre erst einmal, wieso wir keine Feuerprobe zu bestehen hatten“, erwiderte Joe Kandell bissig. „La Menthe, Gonsalves, meine Kusine und ich, wir sind seit ungefähr zwei Wochen in dieser Sekte, ohne zu wissen, daß hier derart grausame Dinge geschehen! Hätte ich eine Ahnung davon gehabt, wäre ich niemals beigetreten. Ich schätze, es ist ganz einfach eine Frage des Geldes, unter welchen Umständen man von dir akzeptiert wird, Dieufort, oder? Ich persönlich habe dir jedenfalls mehr als tausend Dollar gezahlt...“

„Ich wußte es“, zischte der Houngan, „man sollte nie einen Weißen einweihen! Es war ein Fehler!“

Ethels Stimme bebte. „Das arme junge Ding! Ich werde den Anblick niemals vergessen! Joe, bringe mich weg aus dieser verflixten Hütte. Ich habe genug.“

„Was du angerichtet hast, ist glatter Mord“, sagte Gonsalves drohend.

„Im Voodoo ist alles gerechtfertigt“, gab der Priester mit schriller Stimme zurück. „Ich bin keiner irdischen Rechtsordnung verantwortlich. Außerdem mache ich euch darauf aufmerksam, daß ihr euch mit eurem Blut verpflichtet habt, kein Sterbenswörtchen über die geheimen Riten der Gemeinde verlauten zu lassen.“

La Menthe nickte. „Stimmt. Unser Eid verpflichtet uns. Ich will damit sagen: Wenn wir schon nicht um Dieuforts willen schweigen, dann aber auf jeden Fall wegen der anderen, die genauso unschuldig an dem Tod des Mädchens sind wie wir.“

Irving Gonsalves packte Dieufort plötzlich am Kragen seines Gewandes. „Spuck endlich aus, wohin das Mädchen gebracht wird! Oder willst du, daß ich dir die Knochen breche? Denk daran – vor vier Jahren war ich Landesmeister im Schwergewicht!“

„Überlege es dir gut“, wandte der Houngan hastig ein.

„Wo ist das Mädchen? Wo?“

„Sie verscharren es auf dem Friedhof“, sagte Dieufort kalt. „Es bekommt ein anständiges Begräbnis, wenn du es so ausdrücken willst. Sei beruhigt, niemand wird es herausbekommen. Sie ist nicht die erste, die ich auf diese Art verschwinden lassen muß.“

„Das... das ist ja ungeheuerlich“, stammelte Ethel Pavageau.

Gonsalves kochte innerlich über. Mit einem Aufschrei hieb er dem Priester eine Faust gegen die Brust. Dieufort taumelte rückwärts. Dann reagierte er. Er nahm die Fäuste hoch, blockte den nächsten Angriff des Exboxers ab. Aber seine Deckung wurde schnell aufgebrochen, der zweite Schlag traf den Houngan gegen die Kinnlade. Er ging zu Boden.

„Steh auf“, schnaufte Gonsalves. „Du kannst mich nicht totschlagen...“

„Wenn du dich nicht wehrst, vergesse ich mich, Mann!“

Dieufort rappelte sich auf. Hustend stürmte er vor, senkte den Kopf und versuchte, ihn dem stiernackigen Gegner in den Unterleib zu rammen. Gonsalves trat blitzartig zur Seite. Dann packte er sich den Vorüberlaufenden, drehte ihn um und ließ eine rechte Gerade gegen seinen Brustkasten dröhnen. Dieufort, seiner Atemluft beraubt, ging von neuem zu Boden.

„Laß es gut sein, Irving“, meinte La Menthe. „Ich halte es für besser, zu gehen.“

Gonsalves hörte nicht auf ihn. Er beute sich über Dieufort, hob ihn auf und stellte ihn auf die Beine. Der Mann schwankte erheblich. Plötzlich aber duckte er sich und bewies, daß er nur gefintet hatte. Er versuchte, einen gemeinen Hieb zu landen.

Der Exboxer winkelte das rechte Bein an. So schnell, daß der Houngan seinen Arm hochgerissen fühlte, bevor die Faust die Leistengegend des Gegners treffen konnte. Innerhalb der nächsten Sekunden prasselte eine Serie von Hieben auf ihn ein, daß er nicht einmal zum Aufbau einer simplen Verteidigung kam. Seine Lippen platzten auf. Er fiel.

Gonsalves stieß ihn mit dem Fuß an. Dieuforts schlaffer Körper rutschte auf den Rücken.

„Diesmal ist er wirklich fertig“, freute sich Kandell. „So, Freunde, und jetzt sollten wir beratschlagen, was wir mit dem Halunken machen.“

Red La Menthe stellte sich zwischen ihn und den Exboxer. „Wir dürfen den Schwur keinesfalls brechen. Er bindet uns. Ihr Amerikaner steht diesen Dingen vielleicht freier gegenüber, aber hier auf Jamaika nimmt man die Zugehörigkeit zu einer Sekte ziemlich ernst.“

„Abergläubisch?“ Kandells Stimme klang spöttisch.

„Nenne es ruhig so. Eine Anzeige wäre unsinnig. Sie macht das Mädchen nicht wieder lebendig!“

„Aber wir könnten weitere Morde verhindern“, flüsterte Ethel.

La Menthe nickte bedächtig. Er war ein sehr feinfühliger Mann und verfügte über einen hohen Grad an Intelligenz. „Trotzdem wird Voodoo weiter existieren. Man kann den Zauber nicht ausrotten! Er ist tief in der Mentalität der Menschen verwurzelt. Sie werden immer wieder versuchen, sich durch Ekstase zeitweise ihrem erbärmlichen Los zu entziehen. Wir selbst war ja bis heute ebenfalls von dem Ritus fasziniert.“

„Ich eigentlich mehr aus Langeweile“, gab Kandell zu. „Und Ethel kam mit, weil sie nicht allein im Hotel bleiben wollte.“

Gonsalves drehte sich um. „Red hat recht. Ich würde sagen, wir gehen jetzt. Meine Wut ist einigermaßen verraucht. Dieufort wird sich noch eine Zeitlang an die Hiebe erinnern.“

„Wir werden die Sekte verlassen“, sagte Joe Kandell.

„Einverstanden“, meinte La Menthe. „Die nächste Versammlung findet ohne uns statt.“

Dieufort stöhnte. Er öffnete die Augen und erkannte die nackte Glühbirne der Wellblechhütte über sich.

Plötzlich wurde das Licht trübe. Er führte die Hand an die Augen, wischte darüber. Seine Finger fühlten sich klebrig an. Sie waren blutig. Gonsalves mußte ihn übel zugerichtet haben.

Der Priester fluchte. Er versuchte sich aufzurichten – es gelang erst nach dem zweiten Versuch. In dem Kopf des Houngans hämmerte der Schmerz. Ein unbezwingbares Gefühl der Übelkeit stieg in ihm auf.

Keuchend schleppte er sich auf den Ausgang der Hütte zu.

Er drehte sich noch einmal um. Die Holzstücke auf dem großen Eisenrost waren verglüht, die magischen Zeichnungen auf dem Steinboden der Hütte jedoch deutlich zu erkennen. Er löschte sie nicht aus. Niemand würde es wagen, den Versammlungsraum zu betreten. Er brauchte nicht einmal abzuschließen. Für die Menschen aus den Slums war Voodoo ein Tabu.

Dieufort stolperte durch die Finsternis. Mitternacht mußte vorüber sein, denn auf den unbeleuchteten Straßen des Elendsviertels sah er nur wenige Menschen. Auch fehlten die Gruppen schwatzender Männer, die sonst bis zur späten Stunde vor nahezu jedem Hütteneingang anzutreffen waren.

Der Houngan hustete. Wieder kämpfte er mit der Übelkeit.

Seine Zunge lag wie ein Schwamm im Mund. Gleichzeitig verspürte er ein pelziges Gefühl in der Gaumengegend. Er hatte Durst.

Größer als sein Durst aber war der Haß, der tief in ihm gärte. Die drei Männer und die Frau durften nicht ungestraft entkommen. Dafür würde er sorgen, und seine Rache würde furchtbar sein!

Dieufort humpelte zu einer Behausung, die nicht weit von dem Versammlungsgebäude entfernt lag.

Der Voodoo-Priester wußte, daß er hier zu jeder Stunde anklopfen konnte, ohne abgewiesen zu werden. Er benutzte ein vereinbartes Zeichen: zweimal lang, zweimal kurz, zweimal lang.

Der Mann, der ihm öffnete, schien bereits neunzig oder hundert Jahre auf dem Buckel zu haben. Sein Gesicht war faltig und schmutzig, seine Kleidung bestand aus Lumpen. Doch er war keineswegs so gebrechlich, wie er ausschaute. Justlon, so hieß er, war einer der Docte Fe der radikalen Voodoo-Sekten von Kingston. Einer ihrer Kräutermänner.

„Du?“ sagte er verwundert. „Wer hat dich derart verprügelt?“

„Frag nicht – laß mich ein.“

„Komm!“

Dieufort humpelte hinter dem Alten her. Justlon führte ihn in seinen erbärmlichen Wohnraum, zündete eine Kerosinlampe an und untersuchte die Verletzungen.

„Die Arbeit eines Fachmannes“, meinte er ironisch, „ich werde dich mit Alkohol säubern und ein paar Kräuter auflegen, um Infektionen zu vermeiden und die Heilung zu beschleunigen.“ Er schlurfte davon und holte einen Verbandskasten herbei.

„Ich bin nicht zu dir gekommen, um mich verarzten zu lassen“, brummte Dieufort, „das hätte ich auch allein besorgen können.“

„Wie fühlst du dich?“ erkundigte sieh Justlon.

„Besser.“

„Na also. Das hättest du selbst niemals so schnell fertiggebracht.“

„Möglich“, zischte Dieufort. „Aber unterbrich mich nicht immer. Ich will, daß du mir einen Rat gibst. Diese vier – La Menthe, Gonsalves, Kandell und die Pavageau – haben mich zutiefst beleidigt. Außerdem sind sie eine Gefahr für die Glaubensgemeinschaft. Was soll ich tun?“

„Glaubst du sie gehen zur Polizei?“

„Wenn sie das tun...“

„...sind sie des Todes“, krächzte Justlon. „Sie haben den Schwur abgelegt und dürfen nie etwas über die Riten des Voodoo verraten. Aber zwei der Leute sind Amerikaner. Ich nehme an, daß sie Anzeige erstatten. Die machen sich nichts aus dem Gelübde!“

„Ich muß sie töten!“ versetzte Dieufort heftig.

„Aber du willst es doch nicht selbst tun, oder?“

„Ich befürchte, wieder von ihnen überwältigt zu werden. Deswegen bin ich ja hier. Wie kann ich mir die Abtrünnigen vom Hals schaffen?“

„Mir scheint, das ist ein Fall für den Henker“, meinte der Alte nachdenklich.

„Für ihn?“

„Du hast noch nie mit ihm zu schaffen gehabt, nicht wahr?“ kicherte Justlon. „Nun, Dieufort, ich kenne den Henker seit vielen Jahren. Er lebt nicht auf unserer Insel, aber er arbeitet für uns und unsere Anhänger im ganzen amerikanischen Raum. Es heißt, er sei sogar schon in Brasilien und Argentinien gesehen worden. Zur Zeit hält er sich in Port au Prince auf. In wenigen Stunden kann er hier sein. Wir brauchen ihm nur eine Nachricht zu schicken.“

„Er... er wird Geld verlangen.“

„Sicherlich. Aber du willst doch mit deinen vier Feinden abrechnen, nicht wahr?“

„Ich will, daß sie sterben!“ stieß Dieufort haßerfüllt hervor.

„Also gut. Überlasse alles Weitere mir. Ich rufe den Henker. Es dürfte dir ja keine Schwierigkeiten bereiten, ihn zu bezahlen. Ich weiß, daß du kein armer Schlucker bist, Dieufort. Übrigens halte ich es für besser, wenn du heute und morgen nacht bei mir bleibst. Hier findet dich die Polizei nicht. Der Slum ist wie ein Dschungel. Bei mir oder in der Nachbarschaft kannst du monatelang untertauchen, ohne entdeckt zu werden.“

Der Houngan grinste plötzlich. „Ich danke dir, Justlon. Ich wußte, daß ich auf dich zählen kann.“

Ethel Pavageau rekelte sich. Sie gähnte, dann warf sie einen Blick auf den Wecker und setzte sich im Bett auf. Es war bereits zehn Uhr. Sie hatte zwei Stunden früher aufstehen wollen, aber die Hitze, die auch während der Nacht nie ganz wich, drückte aufs Gemüt und lähmte die physische Widerstandskraft. In den Staaten fühlte sie sich nie so ermattet wie hier auf Jamaika.

Sie lief ins Badezimmer. Rasch hatte sie geduscht, die Zähne geputzt, sich angekleidet. Ethel hatte einen hellblauen Jeansanzug gewählt, dessen Jacke man um diese Stunde gerade noch über dem T-Shirt ertrug. Es war praktischer, die Jacke später auszuziehen und über dem Arm zu tragen, als ständig in einer Handtasche Geldbörse, Kamm und Spiegel spazieren zu führen. Mit ihrer fabelhaften Figur und einer ausgeprägt fraulichen Physiognomie wirkte sie wie Mitte Zwanzig. In Wirklichkeit war sie 22 Jahre alt und studierte Pädagogik und Psychologie an der Universität von Boston.

Nach einem prüfenden Blick auf das sorgfältig frisierte brünette Haar schloß Ethel ihr Zimmer ab und ging über den Flur der ersten Etage. Vor Joes Tür blieb sie stehen und klopfte. Er antwortete nicht.

Sie warf einen Blick aus dem Flurfenster. Joe Kandells weißer Chevrolet Camaro befand sich nicht mehr auf dem Parkplatz des „Blue Mountain Hotels“. Ethel konnte über die Mauer hinweg auf die Straße schauen. Der Autoverkehr war dicht, der Lärm groß. Bunt gekleidete Menschen aller Schattierungen bevölkerten die Bürgersteige. Vor den Läden hatten sich Knäuel aus Männern und Frauen gebildet, die Souvenirs, Rum oder Bananen kaufen wollten. Kingston war das Zentrum für die über die Insel brandende Touristenwoge.

Ethel Pavageau ging in den Frühstücksraum hinunter. Sie war beunruhigt. Schön, Joe brauchte ihr keine Rechenschaft darüber abzulegen, wohin er fuhr, aber nach den Ereignissen der Nacht hätte er ihr wenigstens eine kurze Nachricht hinterlassen können.

Sie fragte den Portier.

„Mr. Kandell hat um halb neun das Haus verlassen“, erwiderte dieser, „aber mir nichts für Sie aufgetragen.“

Ethel Pavageau setzte sich an den Tisch, der ihre Zimmernummer trug. Sie hatte gerade ihre Bestellung aufgegeben, als zwei Gestalten in der Verbindungstür auftauchten.

Es waren La Menthe und Gonsalves. Sie winkten ihr zu.

Sie erwiderte den Gruß. Die Männer kamen auf sie zu.

„Guten Morgen“, sagte Red La Menthe, „hoffentlich stören wir nicht, Miß Ethel. Wo ist Joe?“

„Setzen Sie sich doch“, erwiderte sie. „Er ist nicht im Haus. Ich habe keine Ahnung, wo er sich aufhalten könnte.“

„Wir schon“, brummte der Exboxer.

„Wie meinen Sie das, Mr. Gonsalves?“

„Wir vermuten, daß sich Joe an die Polizei gewandt hat“, entgegnete der junge Bankangestellte an seiner Stelle. „Deswegen sind wir hier.“

„Polizei?“ Ethels Augen verengten sich. Sie versuchte, sich ihren Vetter in einer öden, mit gelangweilten Uniformierten besetzten Polizeistation vorzustellen. Es gelang ihr nicht völlig.

Bevor sie weitersprechen konnte, tauchte Kandell im Frühstücksraum auf. Er lachte und steuerte auf sie zu.

„Macht nicht solche Gesichter“, sagte er, „man könnte ja meinen, euch sei ein ganzes Bataillon Läuse über die Lebern gekrochen. Gibt es etwas Neues?“

„Das wollten wir dich fragen“, erwiderte La Menthe mit gedämpfter Stimme. „Ich schlage aber vor, daß wir nicht hier in der Öffentlichkeit darüber reden.“

„Gut“, gab Kandell zurück. „Warten wir, bis Ethel gefrühstückt hat. Dann gehen wir nach oben.“

„Die Wände haben tausend Ohren“, sagte Gonsalves, während sie später im Fahrstuhl nach oben fuhren. „Sobald man von Voodoo zu sprechen beginnt, wird die Atmosphäre entweder eisig oder erhitzt sich bis zum Siedepunkt, je nachdem, wo man sich gerade befindet. Verstehst du, was ich meine, Joe?“

„Nein“, gab Kandell zu.

Dann saßen sie sich in dem Zimmer des Amerikaners gegenüber, das mit bequemen Ledersesseln ausgestattet war. Sie tranken Martini.

„Kommen wir zur Sache“, sagte Kandell. „Ich bin bei der Polizei gewesen und habe ein Protokoll aufnehmen lassen. Ein Vergnügen war das nicht, das sage ich euch. Die Burschen haben sich angestellt, als könnten sie nicht bis drei zählen. Aber mit einiger Mühe habe ich es fertiggebracht, ihnen die Geschichte von heute nacht brühwarm aufzutischen. Dieufort wird sich noch wundern! Selbstverständlich hat man mich gefragt, warum ich nicht gegen die Feuerprobe eingeschritten bin, als es für das Mädchen noch nicht zu spät war. Ich konnte mich damit aus der Schlinge ziehen, daß ich angab, wir hätten unter hypnotischem Einfluß des Houngan gestanden. Oder hätte ich mich vielleicht wegen gen Beihilfe verhaften lassen sollen? Ihr seht mich an, als hätte ich einen Fehler gemacht. Aber ich konnte die Geschichte nicht verheimlichen – ich habe heute nacht kein Auge zugebracht.“

Red La Menthe hob beide Hände zu einer abwehrenden Geste. „Nein, nein, Joe, wir sind nicht gekommen, um dir Vorwürfe zu machen. Ehrlich gestanden, auch wir konnten unser Gewissen nicht beruhigen. Irving rief mich in aller Frühe an. Wir beschlossen, den Mord zu melden, vorher aber auf jeden Fall mit euch zu sprechen. Wir sagten uns, daß auch ihr den Beschluß von heute nacht revidieren würdet.“

„Ich muß mich ja schämen“, warf Ethel ein, „ich habe geschlafen, während...“

„Ihr habt also wirklich keine Skrupel mehr, den Schwur zu brechen?“ beugte Joe Kandell sich vor.

„Nein“, gab Gonsalves zurück. „Vielleicht kräht der armen Kleinen kein Hahn nach. Aber wir können uns doch nicht an einem Mord mitschuldig machen.“

„Richtig“, kommentierte Kandell. Er lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. „Bleibt zu hoffen, daß der Prozeß gegen Dieufort recht bald stattfindet. Wir werden zu viert gegen ihn aussagen.“

„So einfach, wie du dir das vorstellst, ist es nicht“, gab La Menthe zu bedenken. „Erstens wird der Houngan sich vor der Polizei verstecken. Es gibt tausend Möglichkeiten, sich ihrem Zugriff zu entziehen. In den Slums ist schon mancher spurlos verschwunden, um später überraschend wieder aufzutauchen. Aber selbst wenn sie ihn kriegen würden – es gibt genügend Leute in der Sekte, die uns verfolgen würden.“

„Du meinst aus Rache?“

„Ja. Spätestens, wenn du einen Dolch in der Brust hast, wirst du das begreifen, Joe. Du nimmst die Sache zu leicht!“

Kandells Mundwinkel sanken herab. „Ich glaube dir ja. Schließlich kennt ihr als Einheimische die Verhältnisse auf dieser verdammten Insel besser als wir. Aber was sollen wir tun?“

„Polizeischutz beantragen“, sagte Ethel aufgeregt.

Irving Gonsalves lachte rau „Sie machen Scherze, Miß Ethel. Ich verlasse mich lieber auf mich selbst, als auf ein Dutzend Uniformierter aus Kingston, denen es letzten Endes egal ist, was mit mir geschieht, sobald es um ihre eigene Haut geht.“

„Dann ziehen Sie doch zu uns ins Hotel, bis der Prozeß anläuft“, hakte das junge Mädchen ein.

„Machen Sie sich keine falschen Illusionen“, meinte La Menthe ernst. „Sie werden mit entsprechenden Mitteln arbeiten, um uns umzubringen. Es gibt Pistolen mit Schalldämpfern, aber auch Blasrohre, um nur zwei Beispiele zu nennen...“

Ethel Pavageau war bleich geworden. „Schon gut, konkreter brauchen Sie nicht zu werden. Ich will nicht sterben! Keiner von uns will sein Leben lassen, nicht wahr? Wie sollen wir uns also verteidigen?“

„Die beste Verteidigung liegt in der Flucht“, erklärte La Menthe.

„Ich kneife nicht gern, Red“, sagte Kandel!

„Wir brauchen uns nur abzusetzen, bis Gras über die Geschichte gewachsen ist“, fuhr der junge Bankangestellte rasch fort. „Wir lassen unsere Aussagen bei der Polizei an Eides Statt zurück, die bei Gericht verlesen werden. Nach dem Prozeß kehren wir zurück – so nach drei, vier oder fünf Monaten, wenn sich kaum jemand mehr an den Fall erinnert. Was haben wir schon zu verlieren? Eine Stelle finde ich immer wieder. Irving braucht um keinen Arbeitsplatz zu kämpfen; er lebt von seinen gesparten Wettkampfgeldern. Und ihr beide seid ja auch nicht aus geschäftlichen Gründen nach Jamaica gekommen. Wir können also ohne Komplikationen fortgehen. Noch heute! Oder habt ihr Lust, euch eines Tages von den Mördern erwischen zu lassen?“

„Es hat keinen Zweck, den Helden spielen, Joe“, redete Ethel auf ihren Cousin ein.

„Wohin würdet ihr reisen?“ wollte Kandell von La Menthe und Gonsalves wissen.

„Nach Mexiko zum Beispiel. Es gibt Fährverbindungen von Jamaica nach Yucatan oder Quintana Roo.“ La Menthe setzte sein Glas ab.

„Wäret ihr einverstanden, daß wir euch begleiten?“

„Du schlägst ein?“

„Ja.“

„Großartig.“ Der Bankangestellte richtete sich auf. „Es freut mich, daß wir uns einig sind. Beeilen wir uns, die nötigen Vorkehrungen zu treffen. Falls wir die Tickets rechtzeitig besorgen, können wir am frühen Nachmittag aufbrechen.“

Der Mann war mit dem Flug Nummer 3358 der Pan Am, planmäßige Ankunftszeit 8.25 Uhr, eingetroffen. Er hatte die Boeing 727 als einer der ersten verlassen und das Abfertigungsgebäude durchquert, ohne sich in der Bar oder an den Verkaufsständen aufzuhalten. Ein Taxi hatte ihn in die Slums gebracht. Jetzt stand er in der Hütte des Kräutermannes Justlon.

Er hieß Pleasant Kamuca. Nur wenige kannten ihn unter seinem richtigen Namen; der alte Justlon zum Beispiel. Nicht einmal Dieufort, der Priester der Voodoo-Sekte, wußte etwas Genaueres von dem Fremden mit der Lederhaut. Auf diese Weise wurde keinem Mitglied der geheimen Glaubensgemeinschaft jemals bekannt, daß Kamuca aus New Orleans stammte, Kreole war und stets einen Metallkoffer mit sich führte. Für sie alle war der Henker ein Mann wie jeder andere.

Auch Dieufort durfte bei der Besprechung nicht zugegen sein. Er hielt sich in einer übelriechenden Nebenkammer der Hütte auf, während der Alte mit dem Kreolen verhandelte. Es gab kein Fenster, kein Loch, durch das der Priester die beiden beobachten konnte.

Pleasant Kamuca hatte den Metallkoffer abgesetzt und sein zweites Gepäckstück danebengestellt, eine handliche Skaitasche mit großem Fassungsvermögen. Die Vermutung lag nahe, daß der Kreole in ihr seine Wäsche aufbewahrte.

„Es war nicht leicht, dich zu finden“, sagte Kamuca. Seine Stimme klang sonor, aber weich und einschläfernd.

„Ich bin froh, daß du auf mein Telegramm hin sofort aufgebrochen bist“, katzbuckelte der Alte. „Was kann ich dir anbieten? Bier, Tee, Kaffee...“

„Machen wir es kurz. Wie lautet der Auftrag?“

„Vier Menschen wurden zum Tode verurteilt. Sie haben sich schwerer Verbrechen schuldig gemacht: Einen Houngan gezüchtigt und des Mordes beschuldigt und ihm gedroht, ihn anzuzeigen, weil er eine Feuerprobe vollzogen hat, die von der Novizin nicht bestanden wurde.“

„Wer hat die Leute verurteilt?“

„Der Houngan.“

„Das genügt. Sind es Eingeweihte?“

„Sie stehen unter dem Schwur des Voodoo.“

Kamuca nickte bedächtig. „Ausreichend Grund, um sie... in die Hölle zu befördern. Wer sind sie, daß sie sich einbilden, Voodoo beschimpfen zu können? Nenne mir ihre Namen, beschreibe sie! Ich muß wissen, wo ich sie finden kann!“

Justlon lieferte eine detaillierte Schilderung. Er wußte inzwischen die Adressen von Red La Menthe und Irving Gonsalves. Zuletzt nannte er den Aufenthaltsort der beiden Amerikaner.

„Blue Mountain Hotel“, murmelte Pleasant Kamuca. „Ich kenne es.“ „Vorzüglich.“

„Dann bleibt nur noch etwas zu regeln“, meinte der Henker. „Seit ich zum obersten Scharfrichter der Gemeinschaft ernannt worden bin, arbeite ich ohne fremde Hilfe. Ich benötige finanzielle Mittel, um diesen Auftrag ausführen zu können.“

„Ich weiß“, lächelte der Alte. „Wie hoch muß die Summe sein?“

„Zweitausend Dollar.“

„In bar?“

„Ja.“

„Mit 500 Dollar weniger wärst du nicht zufrieden, falls nicht ausreichend Bargeld zur Verfügung stehen sollte?“

„Versuche nicht, mit mir zu handeln. Ich verlange zweitausend. Jetzt. Hier.“ Kamucas Miene fror ein.

Justlon schlurfte zu einer wurmstichigen Kommode, zog eine der Schubladen auf und zerrte einen Leinenbeutel hervor. Dieufort hatte ihn dem Alten übergeben. Im Morgengrauen war er zu seiner Hütte geeilt und hatte die Dollarnoten geholt – zur gleichen Stunde, in der Justlon das Telegramm am Flughafen aufgegeben hatte.

Zusammenfassung

Unheimliche Begegnungen mit den Mächten des Bösen, finstere Geschöpfe des Todes, die die Lebenden mit ihren namenlosen Schrecken heimsuchen und Dämonen, die durch einen unbedachten Gedanken gerufen wurden oder einem Ort anhaften wie ein böser Fluch – darum geht es in den Romanen der Reihe TOP GRUSEL THRILLER.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738914405
ISBN (Buch)
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (November)
Schlagworte
grusel thriller irrfahrt geisterhände

Autor

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Titel: Top Grusel Thriller #6: Irrfahrt der Geisterhände