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320 PS-Jim #68: Eine Mündung im Kreuz

2017 120 Seiten

Zusammenfassung

Ein Roman aus der Serie 320 PS-Jim.

Abenteuer auf den endlosen Highways Amerikas – Trucker-Stories um die modernen Cowboys des amerikanischen Westens.

Leseprobe

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Roman

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Das Gelände der Hoover Company erinnerte an einen Flugplatz. Die Lagergebäude, alle aus Profilblech, sahen wie Flugzeughallen aus. Rundum viel freies ebenes Land. Vor einer der Hallen standen wie verloren drei Kleinlaster. Vor dem etwas abseits liegenden, geduckt wirkenden Bürogebäude stand ein Fahnenmast, an dem die texänische Flagge im heißen Südwind flackerte. Das Stahlseil polterte an den Mast, daß es sich anhörte, als schlüge jemand ständig auf einen Gong.

Jim Stonewall hatte seinen roten Sattelzug angehalten, lehnte sich aufs Lenkrad und blickte suchend von einer Halle zur anderen.

Neben ihm räkelte sich Chris Morris im Sitz. Er war bis Fort Oaks die ganze Zeit gefahren und wirkte müde und abgespannt.

»Wo ist es nun?« meinte Jim. Er hatte ein ungutes Gefühl. Woher es kam und wieso, hätte er nicht sagen können. Irgend etwas gefiel ihm nicht.

»Es steht doch in den Papieren, Halle 2«, sagte Chris. »Hast du das nicht gelesen? Nun schieb schon hin, damit wir den Mist runterbekommen!«

Jim warf einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr. Sie mußten am anderen Ende von Oaks in drei Stunden laden. Nicht viel Zeit für eine Rast. Und das Zeug mußte wirklich schnell herunter.

»Wo nur Harry bleibt«, meinte Jim.

»Fahr doch zu Halle 2! Er wird schon dort sein«, sagte Chris.

Jim schob den Gang wieder hinein und fuhr an. Vor Halle zwei stieß er zurück bis ans Tor.

Vom Bürogebäude kam ein Innrer dünner Mann mit einem Strohhut auf dem Kopf näher.

»Das ist doch nicht Harry«, meinte Jim.

Seine Abneigung wuchs, als er den Typ näher sah. Mochte der aus größerer Entfernung wie ein Mexikaner Aussehen, aber er war keiner. In seinem unrasierten Gesicht blitzten zwei helle Augen. Die breitgeklopfte Nase war Zeugnis von mancher Auseinandersetzung. Auch die Narbe auf der rechten Wange.

Jim beugte sich aus dem Fenster »Wo steckt denn Harry?«

»Nicht mehr hier«, erwiderte der lange Dürre mit schnarrender Stimme und schob sich ein Zigarillo zwischen die Lippen. Als er es anbrannte, fragte Jim:

»Wer lädt denn ab?«

»Mache ich mit dem Muli.«

»Soll ich ihn in die Halle schieben?« Statt zu antworten, fragte der Dürre und schaute Jim zum ersten Male voll an: »Bist du Stonewall?«

»Ja. Ihr wißt doch, daß wir kommen. Also macht schon, wir müssen laden.« Über das stoppelbärtige Gesicht huschte ein Grinsen. »Na, wenn schon. Wir laden rasch ab. Mach dir keine Gedanken! Wenn du willst, kannst du schon mal rüber zum Büro gehn und abrechnen. Aber setz vorher noch an die Rampe!«

»Wieso an die Rampe? Fahr'n wir nicht in die Halle?«

»Ich sagte: an die Rampe«, erwiderte der Dürre. Dann ging er am Auflieger vorbei zum Tor hinüber.

»Das ist vielleicht ein Armleuchter«, meinte Jim, an Chris gewandt. »Da ist Harry anders gewesen. Na ja, ich bin ja nicht mit ihm verheiratet. Wenn wir leer haben, kann er uns mal.«

»Dann geh doch schon mal rüber zum Büro«, meinte Chris. »Diese Korinthenkacker brauchen immer ein Jahr, bis sie alles fertig haben. Nun geh schon! Ich mach’ das bißchen.«

Jim ging doch nicht sofort und half Chris noch, an die Rampe zu setzen und den Auflieger hinten zu öffnen. Indessen fuhr der Dürre mit dem Stapellader heran, dem Muli. Er betätigte ihn sehr ungeschickt, rempelte an einen Stoß Kisten und fuhr dann fast mit voller Wucht gegen die Kante vom Tor.

»Na, der lernt das auch noch. Wenn ich da an Harry denke! Er ist damit umgegangen, als wär’s ein Stück von ihm selbst. Also, ich geh’ schon mal zum Büro! Paß auf, daß er dich nicht über’n Haufen fährt, Chris!«

»Vorher häng’ ich mir seine Haut an den Zaun«, erwiderte Chris grinsend und sah amüsiert zu, wie sich der Dürre mühte, mit dem Stapellader zurechtzukommen.

Als Jim schon halbwegs auf dem Weg zu dem etwa dreihundert Schritt entfernten Büro war, sah er, daß von rechts aus einer der Hallen drei Typen auftauchten, die sich in Richtung auf Halle 2 bewegten.

Na ja, dachte Jim, dann haben wir das Zeug bald herunter.

Aus der Nähe betrachtet, war das Büro nichts weiter als eine massive Baracke. Aber auch das interessierte Jim wenig. Er hoffte, rasch an die Papiere zu kommen, die er brauchte, und an die Zahlungsanweisung. Denn schließlich fuhren sie für Geld und nicht aus Idealismus.

Als er eintrat, spürte er die Gefahr fast körperlich.

Es war bereits zu spät.

Er sah den alten Buchhalter in merkwürdig erstarrter Haltung an seinem Pult sitzen, ihm ‘gegenüber das Mädchen, das sonst immer hier vor dem Bildschirm ihres Computers arbeitete. Und auch sie hatte so eine merkwürdig starre Haltung. Es blickte nicht einmal auf, als Jim eintrat.

Jim wollte noch nach draußen. Wollte zurück ins Freie.

Plötzlich spürte er einen Stoß zwischen die Rippen und hörte eine rauhe Stimme sagen:

»Mach keinen Blödsinn! Es ist eine Schrotflinte.«

Als er sich umsah, sah er die drei.

Der eine hatte hinter der Tür gestanden und rammte die Mündung seiner doppelläufigen Greener Jim in die Hüfte. Es war ein untersetzter dunkelhaariger Bursche Mitte Vierzig.

Die beiden anderen traten nun hinter einem der Stahlschränke hervor, die im Büro standen. Beide hatten Pistolen in den Händen. Und beide trugen Kleidungsstücke, die ihnen nur schlecht paßten. Der eine war groß, breitschultrig, hellblond und kurz geschoren. Jims Meinung nach war er höchstens Anfang Zwanzig. Die Jacke, die er trug, war zu kurz. Die Hose ebenfalls.

Bei seinem Nachbarn war es gerade umgekehrt. Dem schien alles zu weit und zu lang zu sein. Ein kleiner dürrer Mann, vielleicht Mitte Dreißig. Obgleich sein verlebtes Gesicht ihn älter wirken ließ. Die Augen waren gerötet. Alles in allem machte er auf Jim den Eindruck eines Süchtigen, der sich bereits in einem weit fortgeschrittenen Stadium befand. Die Pistole in seiner Hand zitterte ein wenig. Aber das machte ihn im Grunde nur gefährlicher als die anderen.

»Was soll der Zauber?« fragte Jim.

Der Dunkelhaarige verzog keine Miene. »Setz dich dort auf den Stuhl und mach keine Zicken, dann geht alles astrein Über die Bühne!« Er wandte sich an das Mädchen am Bildschirm. »Nun schreib schon deine Zahlungsanweisung. Schließlich hat er euch das Zeug nicht für lau hergebracht.«

Der kleine Dürre, dem die Pistole in der Hand zitterte, kam jetzt näher. Während der Dunkelhaarige Jim bedrohte, begann der Kleine, Jim von hinten abzutasten.

»Er ist clean. Keine Waffe«, sagte er dann.

Jim lachte wütend auf. »Glaubt ihr, ich laufe mit dem Ballermann herum?«

»Reg dich nicht auf, Freund!« meinte der Dunkelhaarige, der Jim wirklich wie ein Mexikaner vorkam. Aber hier unten in Texas gab es viele, die so aussahen wie er. »Du brauchst dich nicht aufzuregen. Also setz dich dorthin! Ich werde dir alles erklären, sobald die Kleine mit der Zahlungsanweisung fertig ist.«

Die Angestellte hatte alles in den Computer gegeben, und der schrieb jetzt eine Abrechnung.

»Nun gib es ihm schon«, sagte der Mann mit der Flinte. Und das Mädchen stand auf, zitternd vor Angst, und brachte die Abrechnung an die Schaltertheke.

»So, Leute, das wäre es jetzt«, meinte der mit der Flinte. »Mach die Leitungen dicht, Toby.«

Der kurzgeschorene große Blonde ging um den Tresen herum und zu einem Schrank an der Wand. Die Tür stand schon offen. Hier befand sich die Telefonanlage des Büros. Toby hantierte kurze Zeit, dann schob er die Tür zu, wandte sich um und sagte: »Alles klar, Bingo.«

Bingo, das war der mit der Flinte. Der nickte nur und deutete mit dem Flintenlauf auf die hintere Tür. »Im Gleichschritt marsch, Stonewall!«

»Woher kennst du mich?« fragte Jim, bevor er sich in Bewegung setzte.

»Du fragst einfach zuviel. Komm, bewege dich! Oder willst du unbedingt wissen, wie es ist, wenn man den Hintern voll gehacktem Blei hat? Also los!« Jim sah im Augenblick keine Möglichkeit, diesen Bingp zu überwältigen, zumal Toby und der kleine Schmächtige ihn in Schach hielten.

»Und ihr beiden kommt auch mit! Na los, wird’s schon!« rief Bingo der Angestellten und dem Buchhalter zu.

Der Alte erhob sich, und es schien schon, als wolle er widerstandslos mitgehen. Doch plötzlich blieb er stehen, wandte sich um und sagte zu Bingo:

»Ihr seid und bleibt Idioten! Ihr habt keine Chance. Für die fünfhundert Dollar, die ihr gefunden habt, riskiert ihr euern Hintern.«

»Schon gut, Opa, das soll nicht deine Sorge sein. Mach schon. Du könntest ruhig noch zehn oder zwanzig Jahre dranhängen. Spiel jetzt nicht den Helden!« meinte Bingo nachsichtig. »Los, geh mit dem Mädchen und mit Stonewall!«

Es gab wirklich keine Chance für Jim. Durch die hintere Türe ging er nach draußen, und da stand ein Personenwagen. Ein Chevi, letztes Modell. Gut in Schuß. Am Steuer saß ein Neger. Ein Stück dahinter stand ein fahrerloser Station-Waggon, ein nicht mehr ganz so taufrisches Oldmobil.

Der Schmächtige dirigierte die beiden Büroangestellten zu dem Station-Waggon. Bingo hingegen deutete mit dem Flintenlauf auf den Chevi.

»Setz dich hinten rein, Stonewall!«

»Was soll das werden, wenn es fertig ist«, sagte Jim und dachte:

Sie teilen sich. Jetzt habe ich doch eine Möglichkeit, irgendwie mit ihnen fertigzuwerden. Verdammt noch mal, wenn Chris das doch mitbekommen könnte!

Der Schmächtige und Toby stiegen in den Station-Waggon. Der Schmächtige setzte sich ans Steuer. Dann fuhr er los.

Bingo blieb mit Jim allein. Der Neger saß stoisch hinter dem Lenkrad und blickte Jim entgegen.

Jim stieg ein und wartete nur auf eine Gelegenheit, Bingo zu überwältigen.

Bingo war sehr kräftig. Und nicht nur das. Jim spürte, daß dieser Bingo ein mit allen Wassern gewaschener Bursche war. Kein Süchtiger wie der Schmächtige und nicht unerfahren wie Toby.

»Sieh dir meine Flinte an«, sagte Bingo, als Jim schon eingestiegen war und Bingo noch in der Tür stand. »Sieh dir an, daß die Hammer gespannt sind! Einen davon halte ich mit dem Daumen. Das Geringste, und ich lasse los. Die Mündung habe ich auf dich gerichtet, Stonewall. Wenn du also Zicken machst, knallt das Ding los. Dann ist die Sache erledigt. Allerdings nicht nur für dich, sondern auch für uns. Nur weiß dein Freund Morris nicht, daß du inzwischen hin bist. Also, wenn du willst, daß es für dich glatt geht, dann sitz ganz friedlich. Ich werde dir jetzt alles erklären.«

Er stieg ein, setzte sich neben Jim und hielt die Mündung der Flinte jetzt Jim zwischen die Rippen.

Jim schielte auf die rechte Hand Bingos, und es war so, wie der angedroht hatte. Ein Hammer war eingerastet zurückgelegt. Der andere wurde nur von Bingos Daumen gehalten. Wenn der vorschnappte, löste sich der Schuß, und die Ladung eines Laufes würde voll in Jims Brustkorb fliegen. Daß es da kein Überleben gab, dazu brauchte Jim keine technischen Kenntnisse über Waffen zu haben.

»Hör zu, Stonewall! Wir haben uns viel Mühe gemacht, auf dich zu warten. Natürlich sind wir nicht wegen der fünfhundert Dollar gekommen. Das haben wir nur so am Rande mitgenommen. Wir brauchen deinen Truck. Du sollst eine Fracht für uns machen.«

»Ausgerechnet ich?« wollte Jim wissen.

»Ausgerechnet du«, bestätigte Bingo. »Das heißt, noch nicht einmal du. Dein Partner wird es tun. Wäre er hergekommen, hätten wir ihn geschnappt, und du müßtest fahren. Nun ist es anders. Er wird fahren, und du bist bei uns. Du bist, wie man so schön sagt, unser Faustpfand.«

Jim blickte gespannt in das sonnengebräunte, von Falten zerfurchte Gesicht Bingos.

»Was seid ihr? Entlaufene Sträflinge?«

Bingo grinste. »Das ist schon eine Weile her, seit ich aus dem Bau raus bin. Aber so weit weg bist du von der Geschichte nicht. Wir haben einen Transport, und der wird heute nacht stattfinden. Er könnte ein paar Tage dauern. Und dein Fahrzeug ist uns aus vielen Gründen nützlich. Dein guter Ruf, Stonewall, und der deines Trucks sind die wahren Gründe. Wenn die Bullen deinen RED BARON sehen, den die meisten von ihnen in dieser Gegend kennen, winken sie ihn durch. Das ist es. Wir wollen, daß sie uns durchwinken. Vielleicht wird keiner auf das kommen, was wir fahren. Aber wie gesagt, du bist aus allem raus. Du hast es gut. Wir bringen dich an einen sicheren Ort, und dort kannst du in aller Ruhe abwarten, bis es vorbei ist - vorausgesetzt, du bist nicht so bescheuert, daß du ein Denkmal gesetzt haben möchtest. Das wäre nämlich ein Denkmal für einen Toten. Und wenn du erst einmal die Löffel abgegeben hast, spielt sich bei dir nichts mehr ab. Darüber solltest du auch jetzt nachdenken, wenn wir losfahren. Komm, Slim, gib deinem Affen Zucker!«

Der Neger vorn am Lenkrad wandte sich kurz um und grinste, dann startete er den Wagen und fuhr los.

Jim hatte nur die Sorge, daß der hagere Neger womöglich durch ein Schlagloch fuhr und dabei Bingos Daumen vom Hammer des Gewehres rutschte. Wenn das so war, da sah Jim absolut klar, hatte er eine Sekunde keinerlei Sorgen mehr.

Wer will schon ins Gras beißen, zumal es noch tausend Möglichkeiten gab, wie sich Jim sagte, um mit heiler Haut davonzukommen.

Slim, der Neger, fuhr aber nicht in derselben Richtung wie der Station-Waggon, sondern schlug einen Bogen und hielt jetzt direkt auf die Halle 2 zu, vor der der RED BARON stand und entladen wurde. Er näherte sich der Halle bis auf etwa zweihundert Schritt, dann hupte Slim viermal hintereinander, machte wieder einen Bogen und fuhr nun in derselben Richtung weg wie der Station-Waggon.

»Das war das Zeichen für meine Freunde, die drüben abladen.«

»Also gehören die auch dazu«, meinte Jim. »Ich habe Harry vermißt, wo steckt er?«

»Harry ist heute nicht da. Er wollte schon lange einmal einen freien Tag machen. Und heute macht er ihn.«

»Ihr habt ihn zusammengeschlagen?« erkundigte sich Jim und sah Bingo haßerfüllt an.

Bingo lächelte überlegen. »Menschenskind, wofür hältst du uns? Für hundert Dollar macht er sich einen schönen Tag. Das ist ein Haufen Geld. Und der Junge hat es nötig bei den Hungerlöhnen, die die Hoover zahlt. Also, mach dir keine Gedanken um Harry. Dem geht es blendend, und morgen tanzt er wieder an. Bei der Firma hat er natürlich gesagt, daß er beim Zahnarzt ist. So einfach ist das. Vielleicht ist er auch wirklich hingegangen.«

Sie fuhren auf den Highway, und den ging es ein gutes Stück nach Norden. Dann bog Slim, der Neger, nach rechts in eine schmale, ein wenig holprige Straße.

»Paß bloß auf deinen Hahn auf«, sagte Jim. »Dieser Verrückte fährt wie ein Rennfahrer.«

»Mach dir keine Gedanken!« erwiderte Bingo und grinste schief. »Angst um deinen hohlen Kopf?«

Jim schenkte sich die Antwort. Beschloß aber, Bingo dafür noch die Faust unter die Nase zu setzen, sobald sich eine Gelegenheit ergab.

Um Bingo in ein Gespräch zu verwickeln, fragte Jim: »Und was soll mit unserem Truck gefahren werden?«

»Du bist zu neugierig. Je mehr du weißt, um so gefährlicher für dich. Hast du dir das nicht überlegt, oder bist du so dumm?« meinte Bingo. »Was du nicht weißt, kann niemand aus dir herausholen und dafür wird dir auch niemand eine Kugel in den Kopf schießen. Wenn du alles weißt, bist du ein Mitwisser. Und im geeigneten Moment müßte man dich beseitigen. Also frag nicht soviel!« Jim sah, als er nach vorn blickte, den Station-Waggon an der Seite stehen. Toby und der Schmächtige standen daneben. Das Mädchen und der alte Buchhalter saßen mit angewinkelten Knien gefesselt hinter dem Wagen.

»Was, zum Teufel, habt ihr mit den beiden vor?« fragte Jim.

Bingo lachte. »Du machst dir Gedanken um alles, wie? Kümmere dich nicht! Es wird ihnen schon nichts passieren, wenn sie sich an die Spielregeln halten.«

»Spielregeln?« meinte Jim. »Ihr macht eine Bauchlandung. Das sind die Spielregeln.«

Bingo sagte nichts. Nur Slim lachte leise vor sich hin. Dann hielt er an.

»Raus mit dir!« befahl Bingo. Und Jim stieg aus.

Das Mädchen und der Buchhalter blickten Jim an, als könne er ihnen helfen. In ihrem Blick war so eine Mischung aus Hoffnung und Elend.

Jim hatte eine Mordswut im Bauch. Aber er sah nicht die geringste Möglichkeit, das Blatt zu wenden. Bingo war immer in nächster Nähe mit seiner Schrotflinte. Und der Schmächtige wirkte inzwischen noch erregter als vorhin. Seine Hand, die noch immer die Pistole hielt, zitterte noch viel mehr. Irgendwann einmal, sagte sich Jim, wird er abdrücken.

Toby machte einen ruhigen Eindruck. So, als könne ihn nichts erschüttern.

»Wie spät ist es?« fragte Bingo und wandte sich an Toby. Der schaute auf seine Armbanduhr.

»Zwei Uhr nachmittag.«

»Genau oder ungefähr, verdammt nochmal?«

»Genau zwei Uhr nachmittag«, wiederholte Toby.

»Bis zur Straße sind es gut und gern acht Meilen. Es wird nicht gleich der erste Wagen halten, wenn sie hinkommen. Und zwei Stunden sind dann bereits vergangen. Das könnte reichen. Also, laßt sie hier. Aber gefesselt, damit sie noch eine Stunde brauchen, bis sie freikommen. Solange wird es bestimmt dauern. Das macht dann drei Stunden. Und jetzt weg hier.« Er winkte dem Schmächtigen. »Komm, Hank, du und Toby, ihr paßt jetzt auf ihn auf! Nehmt ihn zwischen euch! Und drückt ihm die Mündung ins Kreuz! Und wehe, ihr macht einen Fehler!«

Endlich war die Bedrohung durch die Flinte vorbei, denn Bingo ging nach vorn zum Station-Waggon, setzte sich hinters Steuer und fuhr los. Er fuhr nur ein Stück weit, drehte dann den Wagen und fuhr zurück.

Inzwischen hatte auch Slim den Chevi gedreht. Es ging wieder zurück zur Straße.

Das Mädchen und der Alte saßen fassungslos da. Die Sonne glühte mit voller Macht auf sie herunter.

Ob die das in einer Stunde schaffen? dachte Jim. Vielleicht schaffen sie es gar nicht, sich zu entfesseln.

»Das ist Mord«, sagte er. »Ihr bringt die beiden um! In dieser Hitze...«

»Schnauze!« befahl der schmächtige Hank, der links von Jim saß. Zu Jims Rechter befand sich Toby, ebenfalls mit einer Pistole. Und er preßte sie so, wie es ihm befohlen war, mit der Mündung in Jims Hüfte.

Vor Toby fürchtete sich Jim weniger als vor dem nervösen, zitternden Hank. Dessen Nervosität war gefährlich, zumal der Wagen jetzt schneller fuhr als vorhin. Es ging durch Löcher, und Jim schwitzte Blut und Wasser, daß dieser nervöse, offenbar süchtige Hank abdrücken könnte.

»Nimm doch schon diese verdammte Pistole weg! Ich sitze ja still«, sagte Jim.

»Das könnte dir so passen«, giftete ihn Hank an. »Solche wie dich habe ich noch nie leiden können.«

Jim hielt es für besser zu schweigen. Dieses nervöse Handtuch war imstande, in einer falschen Reaktion abzudrücken. Nein, Ruhe war besser, als ihn noch mehr zu reizen.

Jim hätte am liebsten drei Kreuze geschlagen, als Slim mit dem Wagen endlich wieder auf dem Highway war und die Räder über Asphalt rollten.

Weit voraus fuhr der Station-Waggon, von Bingo gesteuert. Nun bog er nach rechts vom Highway ab, und es ging wieder über einen holprigen Weg, als der Chevi dem Station-Waggon folgte.

Schließlich war es gar kein Weg mehr, eher eine Art Piste. Das Gebiet hier hatte Wüstencharakter, sobald man nur von der Straße herunterkam. Und es war richtige Wüste, in die sie nun hineinfuhren.

In der Ferne konnte Jim die Reste eines Ölcamps erkennen. Kein Bohrturm mehr, nur zerfallene Baracken. Auf die hielten beide Fahrzeuge zu.

Das einzige, was sich hier bewegte, war ein altes Windrad. Es drehte sich knarrend und ächzend. Sonst gab es hier nur Schleier von Staub, die der Wind in ständiger Bewegung hielt.

Der Station-Waggon hatte neben diesen zerfallenen Gebäuden angehalten. Und auch der Chevi kam zum Stehen.

Die Männer stiegen aus. Bingo wandte sich nun an Hank und sagte: »Fahr den Jeep heraus und bring den Station-Waggon hinein!«

Jim konnte sehen, daß eines der Gebäude noch so weit intakt war, daß man darin ein Fahrzeug verstecken konnte. Hank hatte ein Tor geöffnet und fuhr einen Jeep heraus. Dann brachte er den Station-Waggon hinein, schloß das windschiefe Tor wieder, während Bingo mit einem Reisigbesen die Spuren verwischte. Der Wind half ihm dabei. Und schon wenig später war nichts mehr zu sehen, daß hier ein Fahrzeug herausgefahren worden war.

Der Jeep war über und über mit Staub bedeckt und hatte schon fast die Farbe des Bodens.

»Fahr den Chevi unter die alte Remise«, sagte Bingo zu Slim, »und warte! Ihr beiden«, er wandte sich Hank und Toby zu, »begleitet mich. Du, Toby, nimmst das Steuer vom Jeep! Los, Stonewall, du bekommst einen Ehrenplatz hinten im Jeep. Voran! Tu, was ich sage!«

»Wo geht es hin?« wollte Jim wissen.

»Ich habe dir schon einmal gesagt, daß du einfach zuviel fragst. Voran!«

Als Jim auf den Jeep stieg, sagte Hank grinsend:

»Setz dich nur gut hin! Die nächsten drei Stunden wird es nicht sehr gemütlich sein. Da kannst du dir in aller Stille die notwendige Hornhaut an deinem Allerwertesten zulegen.«

»Heißt das«, fragte Jim, um etwas herauszubekommen, »daß wir drei Stunden mit diesem Ding durch die Wüste karriolen?«

Er bekam keine Antwort. Aber am Grinsen sah Jim, daß sie ihm damit alle drei seinen Verdacht bestätigten.

Und dann ging es los. Toby nahm das Steuer, und Hank hatte immer noch in seiner zitternden Hand die Pistole. Im Augenblick für Jim die größte Gefahr. Denn ab und zu warf Hank Jim einen so haßerfüllten Blick zu, daß er sich fragte, was in diesem Kerl wohl Vorgehen mochte.

Schließlich wurde es sogar Bingo zuviel. Und er sagte:

»Nun steck deine Pistole weg! Ich passe ja mit der Flinte auf ihn auf.« Bingo hatte sich auf dem Beifahrersitz vorne umgedreht und die Läufe der Flinte auf die Lehne gelegt. Die Mündungen zielten genau auf Jims Brust...

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Der Auflieger war fast entladen, und Jim war noch immer nicht zurück. Chris hatte ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Irgend etwas stimmte nicht. Dieses blödsinnige Grinsen von dem Langen mit seiner Matschnase ging ihm langsam auf den Geist. Immerhin fuhr ein anderer mit dem Stapellader. Seitdem klappte es. Der lange Dürre mit der Plattnase hieß übrigens Cyd. Er schien hier das Kommando zu führen.

Chris hörte plötzlich ein Hupen. Viermal hintereinander. Und als er auf die Rampe trat, um zu sehen, was es war, zog gerade ein Chevrolet eine Kurve und fuhr zurück auf das Büro zu.

In diesem Augenblick trat Cyd neben Chris und sagte mit honigsüßem Ton: »Bruderherz, wenn dir dein Freund Jim Stonewall etwas bedeutet, dann solltest du jetzt nicht durchdrehen. Siehst du den Wagen da drüben? In dem sitzt dein Freund. Und ein paar Freunde von mir. Wenn du hier verrückt spielst, geht es deinem Freund Stonwall verdammt dreckig. Wir haben ihn in der Hand, und er wird tun, was wir ihm sagen. Genau wie du das tust, was wir dir sagen.«

Chris war herumgefahren, hatte schon die Fäuste zum Schlag erhoben, ließ sie aber sinken, als der zweite Mann, der noch mit ablud und den sie Andy nannten, ein Walkie-Talkie, ein tragbares Funksprechgerät, in die Hände nahm, während Cyd mit unbewegtem Gesicht vor Chris stand.

»Schlag ruhig zu«, sagte Cyd. »Andy wird meinen Freunden mitteilen, daß sie Jim Stonewall dafür einen Zeh abschießen oder etwas ähnliches. Er wird dann nicht tot sein, aber eine Menge davon haben.«

»Worum also geht es?« fragte Chris beherrscht. Er kochte innerlich, aber er gab sich Mühe, besonnen zu bleiben.

»Wenn du klug bist und tust, was ich will, passiert dir nichts, passiert deinem Truck nichts und deinem Freund, Jim Stonewall, auch nichts. Es liegt also ein bißchen an euch. Wenn ihr aber verrückt spielt und durchdreht, drehen wir auch durch. Wir mischen jedenfalls in allen Fällen mit. Und jetzt, wenn wir die letzte Palette herunter haben, schwingst du dich auf deinen Bock, und es geht los.«

»Was geht los?« fragte Chris.

»Dein Auftrag«, erklärte ihm Cyd. »Und denke immer daran, was ich dir gesagt habe. Dein Freund möchte gern seine gesunden Knochen behalten. Wir machen verdammt noch mal keinen Spaß. Wenn du ein Heldenvater sein willst, dann sage es gleich, und wir legen dich und deinen Freund um. Wir können es auch mit einem anderen machen.«

»Umlegen, womit?« fragte Chris mürrisch.

Cyd zog einen kurzläufigen Smith & Wesson-Revolver heraus und richtete ihn auf Chris.

»Überredet«, sagte Chris und grinste schief. »Wo geht’s denn hin?«

»Sagen wir dir, wenn du losgezogen bist. Steig schon drauf! Wir machen hinten zu. Und ich komme zu dir nach vorn. Meine Freunde bleiben hinten. Aber denke nicht, wenn du mit mir allein bist, daß du eine Chance hast. Du könntest sie haben, was mich angeht. Aber deinem Freund Jim Stonewall geht es dann verdammt dreckig.«

Chris zuckte die Schultern. Betont gleichtnütig sagte er: »Du hast mir das jetzt schon so oft gesagt, daß es mir zum Hals heraus hängt.« Und er dachte: Verdammt noch mal, wir hätten laden müssen. Die werden jetzt auf uns warten. Und es war eine eilige Fracht. Statt dessen kurve ich mit diesen drei Idioten in der Weltgeschichte herum.

Chris war einigermaßen überrascht, als ihn Cyd anwies, nach Oaks hineinzufahren.

»Mut hast du«, meinte Chris anerkennend. »In der Stadt wimmelt es von Bullen. Da ist heute irgendein Fest.«

»Eben drum«, meinte Cyd nur. »Die nächste rechts.«

Die Ampel war grün, Chris bog rechts ein.

Oaks war nichts Überragendes. Flache Häuser, die Straßen gesäumt von Strom- und Telefonmasten. Und überall, wenn man nach oben schaute, Drähte, nichts als Drähte. Auf den Dächern riesige Fernsehantennen. Rechts und links an den Straßen Blechkarossen.

Die Straße, die sie jetzt fuhren, kannte Chris nicht. Eine Nebenstraße. Die Häuser wirkten armseliger. Kinder spielten am Straßenrand. Überwiegend wohnten hier Mexikaner.

»An der nächsten Kreuzung links.« Diese Straße kannte Chris wieder. Sie führte zu einem Highway. Und am Gefängnis vorbei. .

Das Gefängnis kam in Sicht, aber vorher sagte Cyd: »Jetzt rechts ran! Da ist ein schönes großes Loch zum Parken.« Chris tat, wie es verlangt war. Er hielt an, ließ den Motor aber laufen.

»Mach das Ding aus!« befahl Cyd, der jetzt seinen kurzläufigen Revolver weggesteckt hatte. Statt dessen hielt er das tragbare Funkgerät in.der Hand.

»Du kannst dir das sparen mit dem Ding. Ich habe auch Funk im Wagen«, sagte Chris.

»Ich verlaß mich auf meine Sachen. Übrigens: Das Ding schalte mal ab. Ich kann das Gequassel nicht hören - es stört.«

Chris überlegte sich, ob er irgendwie über Funk Hilfe heranholen konnte. Aber im Augenblick erschien ihm das als ein Fehler. Vielleicht ergab sich später eine Gelegenheit. Er schaltete also ab und blickte Cyd fragend an.

Cyd starrte nach vorn.

Plötzlich piepste sein Funkgerät. Er drückte auf einen Knopf, meldete sich, und dann kam eine quäkig klingende Stimme aus dem Gerät, die Stimme einer Frau:

»In einer Viertelstunde beginnt das Fest. So lange müßt ihr warten.«

»In Ordnung«, antwortete Cyd. »Wir begeben uns dann auf die Position.« Er schaltete ab und blickte auf Chris. »Nun heiz deinen Schlitten an! Es geht weiter. Die erste hinter dem Gefängnis rechts.« Chris fragte sich, was sie wirklich vorhatten. Das schien eine ganze Bande zu sein. Eine regelrechte Organisation. Warum, zum Teufel, hatten sie nur ihn und Jim ausgesucht? In was waren sie beide hineingeraten?

Chris machte alles, was sie verlangten. Hinter dem Gefängnis bog er ein. Die Straße war schmal. Auf der dem Gefängnis gegenüberliegenden Seite patroullierten Wachbeamte. Sie schauten kurz und argwöhnisch auf den roten Sattelzug, schienen aber nichts Verdächtiges an ihm zu entdecken und blickten wieder geradeaus.

»Weiter, immer der Nase nach«, sagte Cyd. »Dort hinten, an der Gabelung, halblinks.«

Chris fuhr weiter und Melt dann, auf Cyds Anweisung hin, direkt gegenüber von einer Reparaturwerkstatt, in der gerade die eisernen Rolläden geschlossen wurden.

»Die machen aber früh Feierabend«, meinte Chris, um überhaupt etwas zu sagen.

Cyd antwortete ihm nicht. Statt dessen piepste wieder sein Funksprechgerät. Cyd meldete sich, und dann sagte dieselbe klirrende Frauenstimme von vorhin:

»Noch fünf Minuten. Seid ihr jetzt auf Position?«

Cyd bestätigte das.

Die Frau sprach weiter. »Sie werden jetzt gleich das Tor neben der Werkstatt öffnen. Fahrt hinein!«

Chris schaute nach links zur Werkstatt hinüber. Und tatsächlich wurde ein großes schmiedeeisernes Tor neben der Werkstatt geöffnet. Das schwang jetzt langsam auf. Ein junger, wie ein Mexikaner aussehender Mann im fleckigen blauen Overall zog diese Torhälften zur Seite. Er warf einen kurzen Blick in Richtung auf den RED BARON, dann ging er zurück in den Hof hinein.

»Also, los!« sagte Cyd. »Da drüben rein!«

»Kann man da drehen?« wollte Chris wissen.

»Ja ja, fahr nur hinein. Es ist Platz genug zum Drehen.«

Chris tat wie geheißen. Als er auf den Hof kam, sah er ein paar Dutzend zerbeulte Autos herumstehen. Zum Teil waren es nur noch Wracks. Und man hatte sie auch übereinander gestapelt. Aber es war wirklich genug Platz.

»Dreh das Ding um, in Richtung zum Tor!« befahl Cyd.

Das Tor stand noch offen. Aber jetzt tauchte wieder der junge Schwarzhaarige auf, der es vorhin geöffnet hatte, um es nun zu schließen.

»So, Bruderherz, wenn du etwas trinken und essen willst, dann tu es. Du kannst dich auch etwas aufs Ohr legen. Wir haben eine lange Fahrt vor uns. Alles übrige erledigen wir. Und denk an deinen Freund!« mahnte Cyd. »Vergiß ihn nicht! Es geht ihm ganz beschissen, solltest du dir etwas einfallen lassen. Willst du mal mit ihm reden, bevor du dich hinlegst und schläfst?«

»Ich schlafe bestimmt nicht«, erwiderte Chris, obgleich er sich hundemüde fühlte.

»Also willst du mit ihm reden oder nicht?« wollte Cyd wissen.

»Ja, gut, gib ihn mir!«

»Augenblick.« Cyd nahm wieder das Funkgerät in die Hand. Die klirrende Frauenstimme meldete sich.

»Peggy, mein Liebling, verbinde mich doch mal mit Jim Stonewall! Sein Freund Chris Morris möchte ihn sprechen. Sonst kommt er womöglich noch auf den Gedanken, daß wir bluffen.«

»Mach’ ich. Moment noch.«

Dann rauschte es im Gerät. Nach einer Weile meldete sich eine barsch klingende Männerstimme. »Hier ist Bingo. Was willst du?«

»Bingo«, sagte Cyd, »hast du Stonewall bei dir? Sein Freund will ihn sprechen.«

»Kann er haben«, entgegnete Bingo. »Warte!«

Dann auf einmal meldete sich Jim. »Hallo, Chris.«

Chris antwortete und fragte: »Ist mit dir alles okay, Jim?«

»Im Moment ist noch alles okay.«

»Wo steckst du?«

»Ich bin hier...«

Chris hörte, wie jemand herrisch »Schnauze!« sagte.

»Tut mir leid«, hörte Chris die Stimme seines Freundes wieder, »sie haben etwas dagegen, wenn ich es dir erzähle. Auf alle Fälle eine Ecke weg von dir.«

»Aber du bist noch okay?« wollte Chris wissen.

»Bin ich noch. Mach dir keine Gedanken. Was ist mit dir?«

»Alles bestens.«

Bevor Chris noch etwas sagen konnte, fuhr ihn Cyd an: »Sag bloß nicht, wo du bist! Halt die Klappe! Sonst knallt es!«

Aber es war jetzt nicht Jim Stonewall, der weitersprach, sondern diese barsche Stimme von vorhin, die diesem gewissen Bingo gehörte. Und der sagte:

»Hör mir zu, Morris. Wir sind ausgesprochen nett zu deinem Freund Stonewall. Aber wir können eklig werden, wenn du dir ein paar Tricks einfallen lassen solltest. Wir fangen mit seinen Füßen an und hören bei den Ohren auf. Und wenn alles nichts hilft, jagen wir ihm ein Stück Blei ins Hirn. Wir sind keine Spaßvögel, Morris. Da kannst du ganz sicher gehn. Solltest du etwas anderes denken, bist du auf dem Holzweg. Das wird dir dein Freund Stonewall auch bestätigen. Nur für ihn ist es dann immer ein Stück zu spät. Dann hat er entweder keine Zehen mehr oder womöglich einen Fensterplatz im Massengrab, mein Junge. Denke dran! Wir sind knallharte Profis. Keine Amateure.«

Chris sagte nichts. Verzog nur das Gesicht und kochte innerlich vor Wut. Aber was half’s. Damit kam er bestimmt nicht weiter. Und das war ihm auch klar.

Cyd grinste ihn an. »Na, überzeugt?«

»Wo haben die ihn denn?« wollte Chris wissen.

»Irgendwo in der Wüste. Wo kein Aas hinkommt.«

»Habt ihr vergessen, daß es Flugzeuge und so etwas gibt? Ich denke da speziell an Hubschrauber«, meinte Chris.

»Wir sind hier ja nicht aus Afrika angereist. Wir wissen, was hier alles geht. Aber du brauchst dir da keine Gedanken zu machen. Einen Hubschrauber haben wir selbst. Wenn es das ist, was du wissen willst.«

»Aber, zum Teufel, nun sag doch mal, was ihr vorhabt? Ich stelle mich ja nicht gegen euch. Ich will nur nicht auf die Schnauze fallen.«

»Das klingt schon besser. Wenn ich dir glauben könnte, Morris. Du und Stonewall, ihr seid harte Burschen. Ich weiß das. Und ihr habt bei dön Bullen einen hervorragenden Ruf aus diesem Grund. Sie wissen, daß ihr mit unsereinem niemals gemeinsame Sachen machen würdet. Seht ihr, und das hat Bingo daran denken lassen, gerade mit euch und mit niemandem anders zu arbeiten. Ihr seid sozusagen eine Art Versicherung für uns.«

»Und was geht hier vor?«

»Du wirst gleich deine Fracht bekommen. Sei nicht so ungeduldig!« Er schaute auf seine Armbanduhr. »Ich denke, daß sie in etwa fünf Minuten hier sind. Und nur wenige Minuten später kannst du losfahren.«

»Und wohin dann?«

»San Francisco ist dein Ziel.«

»San Francisco?«

»Ja. Der Hafen.«

»Menschenskind, das ist ja durch halb Amerika.«

»Kein Problem für einen wie dich. Schnurstracks nach Westen. Die Strecke kennst du ja. Und du wirst alles aus diesem Schlitten herausholen, was er kann.«

»Wenn ihr ein Ding dreht, werden die Bullen die Straßen sperren. Habt ihr darüber mal nachgedacht?«

»Aber immer«, meinte Cyd grinsend. »Deswegen wollten wir ja dich. Sie lassen dich durch. Du wirst ganz allein vorn in deiner Kabine sein. Mutterseelenallein. Ich werde nur darauf achten, daß du am Freitag mittag in San Francisco bist. Im Freihafengebiet am Pier 24b. Dort ist eine große Halle, in die fährst du hinein. Da liegt auch ein Schiff, aber das interessiert dich nicht. Es werden Leute da sein, die dir sagen, was zu tun ist. Deine Fracht abzuladen dauert zwei, drei Minuten. Und dann kannst du fahren, wohin du willst. Wenn das Schiff zwölf Stunden später abgelegt hat, lassen wir auch deinen Freund frei. Bis dahin ist es gut für dich, wenn du an ihn denkst. Er ist nämlich erst dann außer Gefahr, wenn das Schiff aus dem Hafen und aus der Hoheitszone heraus ist. Ich wollte dir das jetzt schon sagen. Denn nachher mußt du allein fahren. Ich werde natürlich auf dich achten. Solltest du auf die Wahnsinnsidee kommen, irgendeinen Bullen an dem riechen zu lassen, was in deinem Truck ist, wird es ganz schlimm.«

»Was tut ihr drauf? Ist das Rauschgift?« wollte Chris wissen.

»Nein, nein. Frag nicht soviel. Du wirst es sehen. Irgendwann siehst du es. In San Francisco bestimmt. Unterwegs würde ich dir nicht empfehlen, die Plombe aufzumachen. Es ist immer gut, wenn du die Bullen davon abhältst, in deinen Auflieger zu schauen, die Ladung zu sehen. Denn wenn sie dich wirklich schnappen, mag es für dich Pech sein, für deinen Freund Stonewall ist es der Tod. Ganz gleich, ob es deine Schuld ist oder ob die Bullen ganz einfach schlauer waren als du. Für Stonewall ist es das Ende der Durchsage. Haben wir uns verstanden?«

Chris sagte gar nichts. Aber er fragte sich, woraus, zum Teufel, diese Fracht bestehen mußte, die da jeden Augenblick kommen konnte.

Und dann auf einmal sah er durch ein Tor ganz hinten im Hof, das ihm noch gar nicht aufgefallen war, einen gepanzerten Geldtransporter kommen. Hinter ihm schloß sich das Tor wieder wie von Geisterhand. In rascher Fahrt fuhr der Geldtransporter auf den RED BARON zu...

*

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Das ist die Chance, dachte Jim, als sich Toby mit dem Jeep plötzlich festfuhr. Es gab da keinen richtigen Weg. Alles war Sand. Der Wind hatte eine Art Düne über den Pfad gelegt, den sie entlangfuhren. Und hier drehten die Räder des Jeeps durch. Da half auch kein Vierradantrieb.

»Du Idiot!« brüllte Bingo. »Du fährst wie der erste Mensch!« Er hatte sich umgedreht und seine Flinte dabei mit nach vorn gezogen. Die Mündungen starrten Jim nicht mehr an wie zwei schwarze tödliche Augen.

Jim warf einen kurzen Blick nach links. Hank war jetzt ebenfalls abgelenkt, beugte sich nach links aus dem Jeep und schaute auf die sich durchdrehenden Hinterräder.

»Na, hör endlich auf!« schrie Bingo. »Du Blödmann, du gräbst dich immer tiefer ein. Stell ihn ab! Wir müssen ihn ausgraben.«

»Er sitzt schon ganz tief drin«, hörte Jim Hank neben sich sagen.

Jetzt oder nie, dachte Jim, schoß die Linke als Heumacher auf Hank ab, traf ihn mit der Handkante mit voller Wucht am Hals.

Ohne die Wirkung abzuwarten, die sein Schlag verursacht hatte, warf sich Jim nach vorn.

In dem Augenblick drehte sich Bingo um, sah die Gefahr, aber es war zu spät. Mit einem unerhörten Schlag traf ihn Jim mit der rechten Faust auf die Nase. Es lag soviel Wucht dahinter, daß es Bingo rückwärts bis an die Windschutzscheibe des Jeeps schleuderte.

Toby fuhr herum, aber da hatte Jim schon die Flinte aus den Händen von Bingo gerissen, wirbelte sie herum und hielt die Mündung auf Toby gerichtet.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (ePUB)
9783738913934
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (März)
Schlagworte
ps-jim eine mündung kreuz

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Titel: 320 PS-Jim #68: Eine Mündung im Kreuz