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Texas Wolf #34: Burke, der Rächer

©2017 120 Seiten

Zusammenfassung

James Burke hat Rache geschworen. Seine einstigen Kumpane haben Burkes Familie ausgelöscht und sind anschließend untergetaucht. Aber Burke gibt trotzdem nicht auf. Drei lange Jahre hat er nach den Mördern seiner Familie gesucht – und jetzt hat er den ersten von ihnen gefunden. Er wird auch die übrigen Männer finden. Koste es was es wolle, und eal, wie lange es noch dauern mag. Sein Racheschwur wird sich auf jeden Fall erfüllen.
Burke ahnt noch nicht, dass einige seiner damaligen Kumpane zwischenzeitlich eine Bank in Waco überfallen haben. Texas Ranger Tom Cadburn, sein Partner Old Joe und der Schwarztimber Sam verfolgen die Flüchtigen. Und dabei begegnen sie auch Burke, der ganz eigene Pläne mit den Bankräubern hat ...

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Burke, der Rächer

Klappentext:

Roman:

TEXAS WOLF

 

Band 34

 

Burke, der Rächer

 

Ein Western von Roland Heller

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Klaus Dill, 2017

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Klappentext:

James Burke hat Rache geschworen. Seine einstigen Kumpane haben Burkes Familie ausgelöscht und sind anschließend untergetaucht. Aber Burke gibt trotzdem nicht auf. Drei lange Jahre hat er nach den Mördern seiner Familie gesucht – und jetzt hat er den ersten von ihnen gefunden. Er wird auch die übrigen Männer finden. Koste es was es wolle, und eal, wie lange es noch dauern mag. Sein Racheschwur wird sich auf jeden Fall erfüllen.

Burke ahnt noch nicht, dass einige seiner damaligen Kumpane zwischenzeitlich eine Bank in Waco überfallen haben. Texas Ranger Tom Cadburn, sein Partner Old Joe und der Schwarztimber Sam verfolgen die Flüchtigen. Und dabei begegnen sie auch Burke, der ganz eigene Pläne mit den Bankräubern hat ...

 

 

 

Roman:

 

Aus der Deckung eines Gebüsches heraus betrachtete er im Morgengrauen die Ranch.

Es handelte sich um ein bescheidenes Anwesen. Das Wohnhaus bestand aus nicht mehr als drei, vier Zimmern und war ebenerdig. Links neben dem Wohnhaus schloss sich ein verfallen aussehender Stall an.

James Burke konnte sich nicht vorstellen, womit der Bewohner der Ranch sein Geld verdiente, denn das Anwesen sah ziemlich heruntergewirtschaftet aus. Im Grunde aber konnte es ihm egal sein, wie der Besitzer finanziell über die Runden kam; es war nur ein Gedanke unter vielen, mit denen er sich beim Beobachten beschäftigte.

Noch rührte sich in dem Haus kein Leben. Während Burke den Brunnen vor der Haustür beobachtete, spielte seine rechte Hand mit dem Revolver. Fast liebevoll strichen seine Finger über den Lauf, während in seinem Geist der Hass loderte.

Er musste sich beherrschen, nicht blind loszustürmen, mit dem Schießeisen in der Hand einfach in das Haus zu laufen und den Besitzer zu erschießen.

Nein, er konnte warten.

Endlich regte sich etwas.

Knarrend öffnete sich die Tür und ein vielleicht vierjähriger Junge lief auf den Hof.

Wusste gar nicht, dass er einen Sohn hat, überlegte Burke und betrachtete das Kind ohne sonderliches Interesse. Es konnte ihm nicht gefährlich werden.

Hinter dem Kind erschien eine junge Frau, Adams‘ Ehefrau, wie Burke vermutete. Ihr schenkte er bereits mehr Aufmerksamkeit. Er schätzte sie auf dreißig Jahre. Langsam bewegte sie sich nun mit ihrer etwas fülligen Gestalt auf den Brunnen zu.

Kann sie mit einem Gewehr umgehen?, fragte er sich und wog seine Chancen ab, wenn er sofort zur Tat schreiten würde. Verdammt, er musste sich zuerst davon überzeugen, ob sich Adam tatsächlich auf der Ranch befand.

Missmutig entschloss er sich, weiter zu warten.

Die Frau füllte einen Eimer mit Wasser und verschwand damit im Haus, warf die Tür hinter sich zu.

Unbekümmert sprang er auf dem Hof herum. Spielend näherte er sich dem Stall, aus dem er dann wenige Sekunden später mit einem Gewehr in der Hand trat.

Im ersten Moment erschrak James Burke heftig, doch dann verzog ein grimmiges Lächeln sein Gesicht. Der Junge spielte nur, und sein Gewehr bestand aus Holz.

„Jeff, Frühstück!“

Adams‘ Stimme!

Es bestand kein Zweifel daran. Burke hatte sie eindeutig erkannt. Jetzt konnte er zur Tat schreiten, und dabei kam ihm das Kind gerecht.

Langsam kam er hinter dem Gebüsch hervor. Der Revolver stak bereits wieder im Holster, denn schließlich wollte er das Kind nicht kopfscheu machen, bevor er es erwischt hatte.

„Hallo, Jeff“, sagte er. Und seine Stimme klang dabei freundlich.

Das Kind, das sich gerade auf die Haustür zubewegt hatte, drehte sich überrascht um und blickte den Fremden misstrauisch an.

„Dein Vater heißt doch Jason Adams?“, erkundigte er sich, während er sich weiter dem Kind näherte, das nun unschlüssig keine zehn Yards von der Tür entfernt stehenblieb.

„Daddy ist drinnen“, antwortete der Knabe mit seiner hellen Stimme und deutete mit dem Holzgewehr auf das Haus.

Jetzt hatte Burke das Kind erreicht und beugte sich zu ihm herab. Einen Augenblick sah er in die Kinderaugen, die ihn offen und freundlich anblickten, dann umschlossen seine Arme den schmächtigen Körper und hoben ihn hoch.

Kaum stand James Burke, als wie hingezaubert der Revolver wieder in seiner Hand lag.

„Jason Adams“, drang im nächsten Moment seine Stimme laut über den Hof. „Komm heraus, wenn dir das Leben deines Sohnes lieb ist, aber ohne Waffe!“

Es schien, als begriff das Kind die Tragweite seiner Worte, denn plötzlich wehrte es sich heftig gegen Burkes Umklammerung, wand sich wie eine Schlange und tat alles Mögliche, damit es seine Arme frei bekam, die wie mit einem Schraubstock an seinen Körper gepresst wurden.

„Sei ruhig, du Balg, sonst setzt es etwas!“, zischte er das Kind an. Mit der Waffe fuchtelte er vor dem Gesicht des Knaben herum, bis dessen Gegenwehr erstarb.

Aus dem Haus drangen nun Geräusche. Burke vernahm die Stimme der Frau.

Sein Blick wanderte zu einem der Fenster. Für einen kurzen Moment konnte er ein herausspähendes Gesicht ausmachen. Ein Gewehrlauf blitzte am Fenster auf. Burke hielt den Knaben wie einen Schild vor seinem Körper. Nein, sie würden es nicht wagen, auf ihn zu schießen.

„Wie lange soll ich noch warten? Komm endlich heraus!“

Die Tür knarrte, und sofort wandte ihr Burke seine gesamte Aufmerksamkeit zu. Die Frau trat mit einem Gewehr in der Hand heraus.

„Was wollen Sie von meinem Mann?“

Burke starrte das Gewehr an. Sie hielt es in der rechten Hand und der Zeigefinger lag am Drücker, aber der Lauf zeigte auf den Boden. Fürchtete sie sich, er könnte ihrem Sohn etwas antun? Der interessierte ihn nicht, er konnte nichts dafür, dass sein Vater ...

„Legen Sie das Gewehr weg, Ma’am. Ich bin nervös, und es könnte leicht sein, dass das Kind dabei eine Kugel fängt, wenn Sie eine Dummheit begehen.“

„Was wollen Sie von meinem Mann?“, wiederholte sie die Frage.

„Das sage ich dem Feigling selbst!“

„Genügt es nicht, wenn er bereits verkrüppelt ist?“

Burke blickte sie überrascht an. Nein, das hatte er nicht gewusst. Damals besaß er keine Zeit, an irgendetwas anderes als das Überleben zu denken.

Von hinten näherte sich eine Hand der Frau. Sie schob die Frau leicht beiseite. „Du kannst es mir sagen.“

Jason Adams stand im Eingang des Gebäudes, knapp einen Schritt hinter seiner Frau. Sekundenlang starrten sich die beiden Männer an, keiner wich dem Blick des anderen aus.

„Was willst du?“, fragte schließlich Jason Adams.

„Kannst du es dir nicht denken?“

„Lass Jeff frei, dann können wir reden.“

Burke schüttelte den Kopf. „Als ihr meine Familie umbrachtet und das Haus angezündet habt, bekam ich diese Chance auch nicht. Warum sollte ich es jetzt tun?“

„Ich bitte dich! Verdammt Burke, ich war damals noch keine sechzehn Jahre alt. Ich wusste nicht, was ich tat. Ich war jung und mächtig eingebildet. Foster hat mich einfach überfahren.“

Bitter blickten Burkes Augen Adams entgegen.

„Alle hielten dich für tot, Burke ... „

„Aber ich lebe noch“, unterbrach Burke sofort. „und du warst dabei. Vielleicht hast sogar du die Kugel abgefeuert, die meine Frau getötet hat.“

Jason Adams senkte einen Augenblick beschämt den Kopf und kam dann einen weiteren Schritt aus dem Eingang hervor. Dabei zog er ein Bein steif nach.

„Nein, ich war es nicht, denn deine erste Kugel hat mich bereits aus dem Sattel geholt. Du hattest mich ausgeschaltet, bevor die Schlacht überhaupt begann. Und danach getraute ich mich zu keinem Doc. Die Kugel wurde erst ein halbes Jahr später entfernt, aber da war es bereits zu spät, und ich besitze seit damals ein steifes Bein. Ich bin ein Krüppel, Burke. Du willst Rache? Rache an einem Krüppel? Verdammt Burke, knall mich doch ab, wenn dir danach leichter ist, aber lass meinen Sohn und meine Frau in Ruhe.“

Burke richtete seine Waffe auf die Frau. Erschrocken wich sie einen Schritt zurück. Das Gewehr in ihrer Hand zitterte leicht.

„Lassen Sie das Gewehr fallen, Ma’am.“

Ängstlich warf sie einen Blick ihrem Mann zu, der nur wenige Schritte entfernt stand und seine Hände in stummer Verzweiflung zu Fäusten geballt hatte, jetzt einen zögernden Schritt auf Burke zu tat.

„Keinen Schritt näher“, warnte Burke mit eindringlicher Stimme. Seine Waffe zielte noch immer auf die Frau.

„Wo befinden sich Foster und Grenier jetzt?“

„Ich weiß es nicht. Ich habe den Kontakt mit ihnen schon lange abgebrochen.“

Burke drückte ab.

Der Schuss kam für alle völlig unerwartet.

Im selben Moment schrie die Frau schrill auf, und das Gewehr flog ihr aus der Hand. Kreidebleich im Gesicht wankte sie zurück, bis sie mit dem Rücken an der Hauswand anstand, dann rutschte sie langsam daran herab, blickte mit weitaufgerissenen Augen auf den Revolver in Burkes Hand.

„Stehenbleiben!“, rief Burke scharf, als Adams zu seiner Frau eilen wollte. Der Revolver wies nun auf ihn.

„Ich meine es verdammt ernst, Adams. Wo finde ich Foster und Grenier! Antworte! Ich habe deine Frau nicht verletzt, nur dafür gesorgt, dass sie endlich das Gewehr fallen lässt.“

Mit langsamen Schritten näherte er sich nun dem Gewehr, das nur eine Armeslänge neben der Frau am Boden lag. Jede seiner Bewegungen verfolgte die Frau.

Das Kind in Burkes Armen weinte leise, und sie streckte ihre Arme dem Kind entgegen.

Als sich Burke nach dem Gewehr bückte, ließ er Jeff frei, der sofort auf seine Mutter zurannte, die ihn umarmte und an sich drückte, seine Augen von dem Geschehen abwendete.

Mit dem Gewehr in der linken Hand näherte sich Burke Adams.

„Wann bist du ihnen zuletzt begegnet?“

„Vor drei Jahren ungefähr. Foster wollte sich bei mir vor einem Aufgebot verstecken.“

„Du hast ihm geholfen?“

„Was sollte ich machen? Ich bin ein Krüppel, und er und seine beiden Freunde waren bewaffnet, ich musste ihm Schutz gewähren, ob ich wollte oder nicht.“

„Gute Freunde vergisst man nicht!“

Burke betrachtete Adams abschätzend. Der konnte seinen Augen nicht lange standhalten, wich bald seinem Blick aus. Da wusste Burke, dass Adams noch nicht alle Informationen preisgegeben hatte.

„War Foster allein?“

„Er hat sich von Grenier getrennt, schon vor drei Jahren.“

„Ich verwette jede Kugel in diesem lausigen Gewehr, dass es dir noch einfällt, wo sie sich befinden.“ Ein gefährlicher Unterton schwang in Burkes Stimme mit, der ahnen ließ, dass ihn seine Geduld bald verlassen würde. Er hielt den Lauf seiner Flinte Adams unter die Nase. „Habe ich recht?“

„Verdammt, Burke, mach endlich Schluss! Erschieß mich, ich kann dir nichts sagen!“

Burke atmete tief aus. „Du machst es mir wirklich schwer. Vielleicht hast du auch von einem Freund gehört, wo sich Foster zurzeit aufhält!“

„Er ist in Waco!“, schrie plötzlich die Frau. „Sag es ihm endlich, damit er von hier verschwindet und uns in Ruhe lässt!“

Sicherer geworden, schickte sie Jeff in das Haus und verschloss die Tür von außen, dann kam sie auf Burke zu und blieb zwei Schritte vor ihm stehen, die Arme wütend in den Hüften abgestemmt.

„Jetzt wissen Sie, wo Foster zu finden ist - und nun verschwinden Sie! Sie haben meinen Mann zu einem Krüppel gemacht und das sollte Rache genug sein. Und von mir aus sorgen Sie ruhig dafür, dass uns Foster nicht mehr belästigt. Mein Mann hat bereut für seine Tat. Er hat es bereits seit über zehn Jahren getan und wird es bis an sein Lebensende müssen. Es gehört nicht viel Mut dazu, mit einem Kind als Schild einen wehrlosen Mann einzuschüchtern.“

Erschrocken über ihren plötzlichen Mut hielt sie abrupt inne und schlug ihre Hand vor den Mund. Plötzlich blickten ihre Augen zu Boden, als fürchtete sie, neuen Zorn in dem Mann geweckt zu haben, der die Mörder seiner Familie suchte.

Nur einen kurzen Augenblick blickte Burke die Frau fast bewundernd an, doch als sie in ihrer Moralpredigt plötzlich abbrach und schuldbewusst schwieg, schwand diese Bewunderung von einem Augenblick zum anderen.

Es war nur das Temperament, das mit ihr durchgegangen war.

„Ich finde sie, darauf können Sie sich verlassen. Und wenn es das Letzte in meinem Leben ist, ich schicke sie zur Hölle!“

 

*

 

Mit einem lauten Knall fiel die Tür der Bank zu. Bevor noch jemand die Zeit fand, auch nur den Kopf zu heben, hielten die drei eben in den Raum eingetretenen Männer ihre Waffen in den Händen.

„Ruhig bleiben, keine Bewegung!“

Die Stimme kam von dem Mann, der die Tür zugeschlagen hatte und davor stehenblieb. Seine Waffe zielte auf den Kassierer, der ihm noch überrascht und irgendwie ungläubig entgegen blickte.

Während sich der zweite Mann neben dem einzigen Fenster der Bank postierte und die Straße im Auge behielt, schlug der dritte Mann die Schwingtür auf, die in den Schalterraum führte. In einer Hand hielt er einen groben Leinensack, den er nun dem Kassier zuwarf.

„Los, stopf das Geld hinein, dann öffne den Tresor!“

Der Kassier fing den Sack auf und begann nervös die einzelnen Banknoten hineinzustopfen. Immer wieder wanderten dabei seine Augen zu dem Mann, der ihn mit dem Revolver bedrohte. Der hatte eine hochgeschossene, schlaksige Gestalt. Über seine Backenknochen spannte sich eine lederartige Haut, und in den Augen lag ein finsterer Ausdruck. Keine Sekunde ließen ihn diese Augen unbeobachtet.

Sein Revolver! Der Kassierer dachte natürlich an ihn. Er lag unmittelbar unter der Schublade, in der er das Wechselgeld ablegte.

Er warf seinem Bewacher einen misstrauischen Blick zu.

Ich muss es bald wagen oder vergessen!

Nur mehr wenige Banknoten lagen in dem Fach. Schließlich hatte er die letzte verstaut, dann glitt seine Hand nach unten, seine Finger griffen unter die Lade und tasteten nach der Waffe.

Fast schien es, als habe der Bandit nur darauf gewartet, dass der Kassierer eine Dummheit beging, denn mit einem schnellen Schritt hatte er ihn erreicht und schlug ihm den Lauf seiner Waffe mit aller Wucht auf das Handgelenk.

Aufschreiend ließ der Kassierer von seinem Vorhaben ab.

„Versuch das kein zweites Mal!“, warnte der Mann und hob drohend seinen Colt vor die Augen des Kassierers. „Es lohnt dir niemand, wenn du jetzt den Helden spielst. Los, öffne den Tresor, bevor ich ungemütlich werden.“

Eingeschüchtert nickte der Kassierer und führte den Banditen in einen Nebenraum.

Es bedurfte keines weiteren Wortes mehr, und wenige Sekunden später war es soweit. Etwa 10.000 Dollar befanden sich im Tresor, Lohngelder für ein ganzes County.

Ohne viel zu fragen, stopfte der Bankangestellte die gebündelten Geldscheine in den Sack. Er tat es hastig und ohne Sorgfalt, dann reichte er dem Banditen den gefüllten Beutel. Mit einer gierigen Bewegung griff dieser danach, und ein triumphierendes Lächeln glitt um seinen Mund, als er das Gewicht der Banknoten spürte.

„Los, leg dich auf den Boden!“

Der Kassierer bekam es plötzlich mit der Angst zu tun. Er atmete heftig und stoßweise. Sein Mund öffnete sich zu einem Protest, doch bevor er einen Ton sagen konnte, blickte er direkt in den Lauf des Revolvers, der keine Fingerlänge vor seinen Augen hin und her pendelte.

Widerstandslos kam der Angestellte der Aufforderung nach. Bereits während er sich bückte, ließ der Bankräuber den Knauf des Revolvers auf den Schädel des Bankbeamten sausen, und ohne einen Laut von sich zu geben sank dieser bewusstlos zu Boden.

„Na, das ging ja leichter als ich dachte“, meinte der Mann an der Tür, als er seinen Kumpan aus dem Tresorraum zurückkehren sah.

„Pass lieber auf, dass niemand unvorhergesehen die Bank betritt“, warnte der andere, ehe er zum Fenster schritt und einen Blick auf die Straße warf.

„Es ist alles ruhig, niemand hat etwas bemerkt“, sagte der dritte Mann.

„Gut, dann raus hier! Und keine Unbesonnenheiten! Wir gehen ganz ruhig zu unseren Pferden und reiten langsam aus der Stadt. Und lasst um Himmels Willen die Kanonen stecken!“

Beispielgebend steckte er seinen Colt zurück und schritt zur Tür. Den gefüllten Geldsack hielt er in der Hand wie etwas, dem man keine besondere Beachtung schenken musste.

Noch einmal blickte er auf die Straße hinaus. Draußen spazierten Leute vorbei. Es schien alles normal.

Dann öffnete er die Tür. Einen kurzen Augenblick nur blieb er in der offenen Tür stehen, bereit, jederzeit wieder seinen Revolver zu ziehen, wenn es sich als notwendig erweisen sollte. Aber es war nicht notwendig. Der Bankangestellte „schlief“ noch fest. Er konnte ihnen auf keinen Fall in den Rücken fallen.

Einmal noch atmete er tief durch, dann verließ er vollends die Bank und schlenderte den Gehsteig entlang. Seine beiden Kumpane folgten ihm. Jetzt wirkten sie wieder wie tausend andere, wie normale Bürger, die in ihrer Freizeit durch die Straßen schlenderten.

Sie hatten ihre Pferde vor dem Saloon angebunden, etwa 50 Yards von der Bank entfernt.

Sie mussten sich dazu zwingen, damit ihr Gang nicht mit jedem Schritt schneller wurde, denn jeden Augenblick konnte jemand die Bank betreten oder konnte der Kassierer überraschend aufwachen, doch ihre Befürchtungen bewahrheiteten sich nicht. Ungeschoren erreichten sie ihre Pferde, schwangen sich in die Sättel.

Der Anführer stopfte den Geldbeutel in die linke Satteltasche. Mit ruhigen Fingern verschloss er ihn anschließend, stieg auf und trieb sein Tier zu einer gemächlichen Gangart an. Mehrmals blickte er sich dann noch um, und immer suchten seine Augen dann die Bank, fixierten die Eingangstür, aber nach wie vor blieb alles ruhig.

Dann hatten sie die Stadt verlassen. Jetzt konnte sie nichts mehr aufhalten, sie mussten auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen. Sie hieben ihren Tieren die Absätze in die Flanken, und die Pferde galoppierten los.

 

*

 

Jeremy Baxter betrat ahnungslos die Bank. Eigentlich wunderte es ihn ja, dass sie zu so später Stunde noch offen stand, aber vorerst machte er sich keine Gedanken darüber. Dies änderte sich erst, als er hinter dem Schalter keinen Angestellten vorfand, denn er wusste genau, dass dies nicht sein durfte.

Verstohlen blickte er sich um. Es sah alles normal aus. Dann wanderte sein Blick zum Fenster. Draußen konnte er niemanden sehen. Und plötzlich erinnerte er sich auch, dass ihn niemand beim Betreten der Bank gesehen haben konnte. In diesem Augenblick kam ihm ein fürchterlicher Gedanke, und einen Augenblick hatte er sogar selbst davor Angst. Er, Jeremy Baxter, hatte die Gelegenheit zu einem Bankraub bekommen.

Aber so ganz traute er sich doch nicht. Laut räusperte er sich, damit ihn der Angestellte, der sich wahrscheinlich im Büro nebenan befand, hörte, aber nichts regte sich auf sein Räuspern. Mutiger geworden, schlich er zum Schalter, blickte zu der Lade, in der hinter einem Drahtgitter das Geld der Tageskasse lag.

Im nächsten Moment zog er überrascht die Luft ein, denn die Lade stand offen und war leer.

Die Erkenntnis, die Bank musste ausgeraubt worden sein, kam ihm fast augenblicklich.

Plötzlich kam Leben in den Mann. Geschwind eilte er zu der Schwingtür und schritt durch. Die Tür zum Tresorraum stand offen. Baxter warf einen Blick hinein. Tatsächlich, da lag Farmer, der Bankangestellte, am Boden und rührte sich nicht mehr. Baxter bückte sich und brachte seinen Kopf an seinen Brustkorb. Er wollte sich vergewissern, dass der Mann noch lebte. Erleichtert atmete er auf, als er den regelmäßigen Herzschlag vernahm. Farmer lebte also noch.

Als er so kniete, fiel sein Blick auf den offenen Tresor. Man hatte ihn ausgeräumt. Im selben Augenblick überfiel Baxter eine schier unbändige Wut auf die Banditen, welche die Bank ausgeraubt hatten, denn auch seine geringen Ersparnisse hatten sich in der Bank befunden. In diesem Augenblick dachte er nicht mehr daran, noch vor wenigen Sekunden ebenfalls mit dem Gedanken gespielt zu haben, die Bank etwas zu erleichtern.

Er packte den schmächtigen Clerk an den Füßen und zog ihn aus dem engen Raum, dann beugte er sich wieder zu ihm herab, gab ihm ein paar leichte Schläge ins Gesicht, aber seine Bemühungen, den Mann aus seiner Bewusstlosigkeit zu wecken, blieben erfolglos. Schließlich wusste er sich nicht mehr zu helfen und lief aus der Bank.

„Überfall! Überfall!“ Laut rief er es. „Man hat die Bank ausgeraubt!“

Es dauerte nicht lange, dann umringte ihn eine Schar von Männern. „Man muss den Sheriff verständigen!“, verlangte jemand lautstark.

„Wer war es?“

„Farmer ist noch bewusstlos. Anscheinend war er allein in der Bank.“

„Meine Bank! Meine Bank!“

Die Stimme gehörte Henrix, und sie überschlug sich fast vor Aufregung. Henrix gehörte die Bank. Mit wehendem Rock kam er über die Straße gerannt und bahnte sich rücksichtslos einen Weg in das Gebäude, wo er sofort nach hinten in den Tresorraum eilte. Dort verharrte er einen kurzen Augenblick, dann ließ er sich schwer in einen Sessel fallen, der links neben dem Tresorraum vor einem wuchtigen Schreibtisch stand.

„Erledigt!“, murmelte er niedergeschlagen. „Sie haben mir alles geraubt.“

Er stemmte seine Ellbogen an der Schreibtischkante ab und stützte sich auf die Handballen, während seine Finger unruhig auf seiner Stirn trommelten.

 

*

 

Kurz darauf kamen Sheriff Lewis, Tom Cadburn und Old Joe in Begleitung des Docs in die Bank.

Während sich der Doc sofort um den niedergeschlagenen Bankangestellten Farmer kümmerte, fragte Sheriff Lewis: „Wer hat den Überfall entdeckt?“

Jeremy Baxter trat vor. „Ich war es, Sheriff. Ich habe alles so vorgefunden, wie es jetzt aussieht. Ich habe mich nur um Farmer gekümmert, das heißt, ich überzeugte mich davon, dass er noch am Leben ist, aber ich konnte ihn nicht aus seiner Bewusstlosigkeit befreien.“

„Wann war das?“

„Schätze vor drei oder vier Minuten.“

Baxter entging der misstrauische Blick des Sheriffs nicht, aber er kümmerte sich nicht weiter darum, denn schließlich besaß er in diesem Fall ein reines Gewissen. Dass er die Tat entdeckt hatte, konnte man ihm ja nicht zum Vorwurf machen.

„Wie geht es ihm?“, erkundigte sich Sheriff Lewis beim Doc.

„Er hat eine mächtige Beule, aber die Schädeldecke scheint unverletzt zu sein. Dennoch wird er eine Zeitlang mit einem Brummschädel herumlaufen. Auch mit einer Gehirnerschütterung ist nicht zu spaßen.“

„Wann kann ich mit ihm sprechen“!

„Sobald ich es geschafft habe, ihn aus seinem Schlaf zu reißen.“

Er wandte sich an zwei herumstehende Männer und deutete auf den Kassierer. „Bringt ihn in mein Haus!“ Dann wandte er sich wieder an den Sheriff. „Sie können etwas später bei mir vorbeischauen, dann wird er wach sein und kann ihre Fragen hören.“

Lewis nickte und wandte sich an Henrix, der nach wie vor wie erschlagen an seinem Schreibtisch kauerte.

„Wie viel haben die Banditen mitgenommen?“

„Alles. Sie haben alles mitgenommen. Es waren mehr als 10.000 im Tresor. Alle Lohngelder, die in dieser Woche ausbezahlt werden sollten.“

„Befinden sich in regelmäßigen Abständen solche Summen im Tresor?“, meldete sich ein schwarz gekleideter Mann mit dem Stern der Texas Ranger.

Henrix warf dem Texas Ranger einen hilfesuchenden Blick zu. „Die Löhne werden regelmäßig ausbezahlt.“

„Also bekommt mit der Zeit jeder mit, der die Bank beobachtet, welche Summen hier aufbewahrt werden.“

„Ja, verdammt, jeder kann es gewusst haben. Ich hänge es natürlich nicht an die große Glocke, aber jeder, der zwei und zwei zusammenzählen kann, konnte sich ausrechnen, dass es eine schöne Stange sein musste.“

„Es ist kein Schuss gefallen, sonst hätte man den Überfall früher bemerkt“, sinnierte der Sheriff und blickte sich im Raum um. Hier stimmte alles. Die Gauner hatten keine Spuren hinterlassen, wie sich Cadburn und Lewis überzeugten.

Schließlich schlossen sie ihre Untersuchung in der Bank ergebnislos ab.

„Gehen wir zum Doc. Vielleicht ist Farmer inzwischen aufgewacht. Verdammt, Tom, es sieht so aus, als wäre dein Freundschaftsbesuch durch diesen Vorfall abrupt zu Ende gegangen.“

„Wir helfen dir, damit die Sache ein schnelles Ende findet, nicht wahr, Old Joe?“

„Freunde lässt man nicht im Stich“, bekräftigte der Oldtimer.

Kurz darauf standen sie im Haus des Docs. Der Clerk hatte das Bewusstsein erlangt und beantwortete bereitwillig alle Fragen, er schilderte den Vorgang der Tat, bis man ihn bewusstlos schlug.

„Sheriff, ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, einen von den Burschen kenne ich von einem Steckbrief!“, beendet er seine Schilderung.

„Den Namen?“

„Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube, es könnte Foster gewesen sein!“

Einen kurzen Augenblick herrschte Schweigen. Sheriff Lewis stutzte.

„Bist du sicher? Foster soll sich über die Grenze abgesetzt haben. Na, ich habe ja den Steckbrief im Büro, den kann ich dir bringen lassen. Dann kannst du ihn anhand des Bildes identifizieren.“

 

*

 

Zehn Minuten später besaßen sie Gewissheit. Einer der drei Banditen war Foster.

Nun kam die Sache schnell ins Rollen. Mehrere Bürger erinnerten sich, vor etwa einer Stunde drei Männer gesehen zu haben, welche die Stadt in Richtung Osten verlassen hatten.

Sheriff Lewis, Tom Cadburn und Old Joe machten sich sofort an die Verfolgung der Banditen, da sie nun genügend Hinweise besaßen und mit ziemlicher Sicherheit der richtigen Fährte folgten.

Kurz hinter der Stadt stieß Sam zu ihnen.

Eine Stunde später drangen sie in hügeliges, bewaldetes Gelände vor. Und hier fanden sie die erste Spur.

Tom Cadburn hatte die Führung Sheriff Lewis überlassen, da sich dieser in der Gegend besser auskannte und vor allem Kenntnis über mögliche Schlupfwinkel der Gauner besaß.

Neben der Straße, der sie bisher gefolgt waren, zeichneten sich deutliche und allem Anschein nach frische Spuren ab, die von drei Pferden stammten.

Cadburn und Lewis stiegen von ihren Pferden und untersuchten die Abdrücke.

„Was meinst du, können sie es gewesen sein?“, fragte er Cadburn

„Es sieht so aus. Die Spur ist frisch und wir sind niemandem begegnet.“

Der Ranger ließ seine Augen über die Abdrücke schweifen. Vielleicht fand er eine Unregelmäßigkeit an einem Eisen, die es ihm später erleichtern würde, die Pferde der Banditen zu identifizieren, aber er konnte nichts entdecken.

„Etwas mehr als eine Stunde alt“, stellte er fest und verfolgte die Spur mit den Augen. Nur eine kurze Strecke hatten die Pferde die Straße verlassen. Er konnte die Stelle wieder ausmachen, wo sie ihre Tiere wieder auf die Straße zurückgetrieben hatten.

„Ich möchte wissen, was sie hier gewollt haben“, sinnierte Lewis. „Sie sind nicht von ihren Pferden abgestiegen, dennoch mussten sie einen Grund für das Verlassen der Straße gehabt haben. Eine Rast können wir ausschließen, auch die Annahme, dass sich ihnen jemand genähert hat.“

„Ja, wenn sie sich verbergen wollten, wären sie zweifellos weiter von der Straße fortgeritten.“ Der Ranger suchte mit den Augen die Umgebung ab. Das Gelände vor ihnen stieg leicht an und als er in die untergehende Sonne blickte, haftete sein Blick an einem markanten Felsen, der seine Umgebung bei Weitem überragte. Von dort oben musste man einen herrlichen Ausblick über das Land besitzen.

Auch Sam hatte sich mit der Spur beschäftigt und eine feine, dennoch deutliche Witterung aufgenommen. Er lief den klar sichtbaren Abdrücken nach und kehrte schließlich auf die Straße zurück. Hier stieß er auf eine Reihe weiterer Gerüche, doch waren alle schon alt und nur mehr schwach erkennbar.

Er blieb stehen und blickte zu Cadburn zurück.

„Er hat die Spur“, sagte Cadburn fest.

„Folgen wir ihr, solange es noch hell ist!“

Mit zwei schnellen Schritten kehrte er zu Thunder zurück und schwang sich in den Sattel.

 

*

 

In scharfem Tempo ritten Foster und seine beiden Kumpane die kurvenreiche Strecke durch die Hügel. Immer wieder drehten sie sich im Sattel um und blickten zurück, dorthin, wo sie ihre Verfolger vermuteten, aber bislang schienen sie vom Glück begünstigt zu sein.

Nun näherten sie sich jenem Felsen, den auch Tom Cadburn etwas später bemerken sollte.

Foster hob seine Hand und die drei ließen ihre Tiere langsam auslaufen, bis sie schließlich stillstanden. Direkt neben ihnen ragte nun die Felsnadel in die Höhe.

Foster deutete mit der Hand darauf. „Steig rauf, Mac, vielleicht kannst du jemanden ausmachen.“

Der Angesprochene nickte und schwang sich von seinem Pferd, lief um den Felsen herum. Ein Zeichen, dass ihm der Felsen bekannt war, denn von der Rückseite ließ er sich relativ leicht besteigen.

„Warum warst du eigentlich so versessen darauf, dass wir eine so deutliche Spur hinterlassen?“

Foster deutete den Felsen hinauf. „Ich will wissen, wie groß die Meute ist, die uns verfolgt. Außerdem kann man von der Spitze dieses Felsens den ganzen Weg einsehen, und zwar genau von jenem Ort aus, an dem wir den Weg verlassen haben. Denk einmal nach, Steve, es wird bald dunkel, und wir wollen uns doch nicht finden lassen, besonders dann nicht, wenn wir den Weg verlassen. Und in der Dunkelheit kann niemand unsere Spur verfolgen. Wenn wir nicht mindestens eine halbe Stunde Vorsprung besitzen, erreichen wir unser Versteck nicht mehr rechtzeitig.“

„Verdammt, du hast recht, aber damit führst du sie doch nur auf unsere Spur, die sie sonst vielleicht nie gefunden hätten.

„Vielleicht. Vielleicht ja, aber die Chance ist gering. Sheriff Lewis ist kein Trottel. Nein, ich gehe lieber auf Nummer Sicher, außerdem ist es mir lieber, wenn ich weiß, woran ich bin.“

Jetzt hatte Mac die Spitze des Felsens erklommen.

Foster und Steve blickten zu ihm empor.

„Kannst du etwas erkennen?“

„Moment ja, ich kann eine Staubwolke ausmachen. Sie müssen gleich zu der Stelle kommen, die wir gekennzeichnet haben.“

Foster nickte befriedigt. „Jetzt bin ich gespannt, ob sie ihnen überhaupt auffällt.“ Dann blickte er Steve an. „Du siehst, sie befinden sich bereits auf unserer Fährte. Du kannst es so klug anstellen, wie du willst, irgendjemand sieht dich doch immer und kombiniert das eine mit dem anderen. - He Mac! Bleib oben!“ Er schrie es, als dieser sich wieder an den Abstieg machen wollte. „Unser Vorsprung ist groß genug. Beobachte sie weiter!“

Plötzlich lächelte er leicht. „Sollen sie ruhig glauben, dass wir unvorsichtig sind und so einfach mir nichts dir nichts eine Spur präsentieren. Sie werden sich schwer tun, wenn sie uns weiterhin folgen.“

Jetzt winkte der Mann am Felsen ganz aufgeregt.

„Sie haben die Fährte entdeckt!“, rief er ihnen zu.

„Kannst du erkennen, wie groß das Aufgebot ist?“

Aufmerksam spähte Mac zu jener Stelle, wo gerade Cadburn und Lewis die Abdrücke untersuchten.

„Sie sind zu weit entfernt ..., aber es sind nicht mehr als drei Leute und ... – he, die führen einen Hund mit sich. – Der Köter scheint auf unserer Spur zu laufen!“

Einen Augenblicklang sah Foster wenig zuversichtlich aus, doch plötzlich erhellten sich seine Gesichtszüge wieder.

„So, sie haben einen Spürhund auf uns angesetzt. Ich wusste gar nicht, dass es das in Waco gibt!“

„Sie reiten jetzt weiter!“, rief ihnen Mac zu.

Foster nickte mit dem Kopf und winkte ihn herunter.

„Das Hündchen wird ihnen auch nicht viel helfen, denn ich kenne ein Mittel, das jede Hundenase zum Schweigen bringt.“ Bei diesen Worten tätschelte er fast liebevoll seine Satteltasche.

„Was meinst du?“

Ein hämisches Grinsen legte sich um Fosters Züge. Lass dich überraschen. Wir werden einen kleinen Umweg unternehmen, und somit kommen wir in den schönsten Sonnenuntergang, den man sich vorstellen kann, und dann nützt ihnen die Dunkelheit nur mehr zum Rasten.“

Plötzlich lachte Foster schrill auf und schlug sich mit der Hand auf den Schenkel. Auch Steve lachte nun, obwohl er nicht genau wusste, was sein Boss plante, aber das Wissen, dass Foster einen Ausweg aus der prekären Situation wusste, wie sie den vermeintlichen Hund und dessen feine Nase austricksen konnten, verlieh ihm Ruhe und Zuversicht.

Mac kehrte zurück, schwang sich in den Sattel und langsam setzen sie ihren Ritt fort. Foster wusste nun, dass sie genügend Vorsprung besaßen, also brauchten sie die Tiere nicht mehr als nötig anzutreiben. Sie machten ohnehin einen erschöpften Eindruck.

Als Mac von Fosters Plan erfuhr, ohne allerdings in eine Einzelheit eingeweiht zu sein, blickte dieser zuerst Foster ungläubig an, dann meinte er: „Der nächste Fluss ist zu weit entfernt. Dieser Umweg kostet uns mehr als er nützt.“

„Ich habe nicht an einen Fluss gedacht. Hm, wie groß wird wohl unser Vorsprung sein?“

Die Frage galt Mac und dieser meinte: „Eine gute Stunde!“

Foster nickte bedächtig, blickte sich um. „Gut, verlassen wir hier die Straße!“

Er lenkte sein Tier rechts von der Straße und ließ es dann geradewegs auf einen Hügel zuschreiten. Bedenkenlos folgten ihm Steve und Mac, auch wenn es beide in ihrem Innersten zu größerer Eile drängte.

 

*

 

„Die Sonne geht bald unter“, stellte Old Joe fest und warf einen sorgenvollen Blick auf die blutigrot aussehende Kugel, die knapp über dem Horizont zu schweben schien. „Wer weiß, wie lange die Gauner noch in ihren Sätteln bleiben.“

„Sie können nicht die ganze Nacht durchreiten“, beruhigte Cadburn seinen Freund.

„Und wenn sie ihre Pferde wechseln?“

„Wo denn? Lewis kennt in dieser Gegend kein Anwesen, das man schnell genug erreichen kann, um dort die Pferde zu wechseln.“

Gerade passierten sie jene Felsnadel, welche Cadburn bereits weiter unten auf der Straße aufgefallen war, aber diesmal achtete er nicht darauf.

In der nächsten halben Stunde, die ereignislos verlief, legten sie mehrere Meilen zurück.

Kurz darauf ließ Sam ein helles Fiepen hören.

Seine Nase richtete sich auf den Boden, dann lief er ein Stück zurück.

Tom Cadburn, Old Joe und Sheriff Lewis, die dem Schwarztimber in kurzem Abstand folgten, blieben stehen und sahen dem Halbwolf zu, der offensichtlich Schwierigkeiten hatte, die Spur zu finden.

„Ich schätze, sie haben die Straße verlassen!“, brabbelte Old Joe und wandte sich an Lewis. „Vielleicht haben die Kerle in der Nähe ein Versteck?“

Der Sheriff schüttelte den Kopf. „Das kann ich mir schlecht vorstellen. Ich kenne zwar nicht jeden einzelnen Flecken in diesem Gebiet, aber im Großen und Ganzen handelt es sich um offenes und übersichtliches Gelände. Für Verstecke bleibt da wenig Spielraum.“

Sam hatte in der Zwischenzeit die Spur wieder aufgenommen, und tatsächlich führte er die Männer nun von der Straße herunter und in das offene Land hinein.

Bald bewegten sie sich zwischen weit auseinanderstehenden Bäumen dahin. Die Spur führte direkt auf hügeliges Gelände zu. Der Weg begann bereits leicht anzusteigen.

Tom Cadburn warf einen prüfenden Blick zur Sonne. Die untere Hälfte der Kugel hatte bereits den Horizont erreicht und entzog sich ihren Blicken. Es stand ihnen nicht mehr viel Zeit zur Verfügung.

Die Spur machte einen Knick und führte nun um einen Hügel herum. Plötzlich blieb Sam stehen. Seine Nackenhaare versteiften sich, dann machte er erschrocken einen Sprung zur Seite. Gleichzeitig ließ er ein wütendes Jaulen vernehmen.

Wild warf Sam seinen Kopf hin und her, dabei schnaubte er unablässig. Seine linke Vorderpfote kam hoch und fuhr über die Schnauze, die Nasenöffnungen.

Winselnd ließ er sich dann auf die Hinterpfoten nieder, fuhr wieder mit seinen Pfoten über die Nasenöffnungen und schnaubte.

Cadburn hatte nur einen Augenblick lang zugeschaut, dann sprang er aus dem Sattel und eilte auf seinen vierbeinigen Freund zu.

E nahm den Kopf des Wolfes in seine Hände und betrachtete die Nasenöffnungen. Durch das Scheuern mit den Pfoten waren sie bereits rot angelaufen.

Ehe er begriff, kam bereits Old Joe mit einer Wasserflasche. Vorsichtig tröpfelte der Alte dem Tier ein paar Tropfen in die Nasenöffnungen. Er wusste genau, wie empfindlich dieser Teil war.

Sam prustete und schnaubte wie verrückt und schließlich wandte er seinen Kopf ab, stand auf und lief ein paar Schritte weg. Dann stand er mit leicht gespreizten Beinen da, den Kopf ein wenig gesenkt, und starrte widerwillig auf die Spur, der er gefolgt war.

„Diese Kerle haben Pfeffer auf die Spur gestreut!“, knurrte Old Joe wütend.

„Pfeffer oder etwas Ähnliches“, bestätigte der Ranger. Auch in seinem Gesicht stand Wut geschrieben. Wut auf die Männer, die solche Dinge zuwege brachten.

Mit gesenktem Haupt ging der Ranger auf die Spur zu, die Old Joe bereits untersuchte. Wenig später bestand kein Zweifel mehr daran, dass die Gauner Pfeffer gestreut hatten, um so die Nase des Tieres auszuschalten-.

„Offensichtlich besitzen sie gar nicht so viel Vorsprung, wie wir vermutet haben“, meinte Sheriff Lewis. „Ich möchte nur wissen, wo sie uns gesehen haben. Eigentlich kann ich mir auf der ganzen Strecke keinen Ort vorstellen, denn dann hätten wir sie auch bemerken müssen.“

„Du vergisst die Felsnadel“, erinnerte Cadburn. „Vor ihrer Spitze hat man bestimmt einen hervorragenden Ausblick, einen Überblick über den Großteil der Strecke. Sie ist mir schon aufgefallen, als wir die Spur neben der Straße untersucht haben.“

„Verdammt!“, entfuhr es Old Joe. „Dann ist dieser Weg nichts als eine Finte. Sie haben uns von der Straße weggelockt, als sie Sam entdeckt haben, weil sie auf der Straße ja schlecht Pfeffer streuen können. Der Wolf braucht dort nicht die ganze Zeit mit der Nase auf dem Boden herumzuschnüffeln, aber hier, im offenen Gelände, folgt er seiner Nase.“

Cadburn nickte anerkennend mit dem Kopf. „Das hat etwas für sich, dennoch müssen wir dieser Fährte weiter folgen, auch wenn sie uns nur wieder auf die Straße zurückbringt. Bislang ist sie unser einziger Hinweis.“

„Ja, aber etwas hat uns dieser Vorfall doch verraten“, meinte Lewis. „Jetzt wissen wir sicher, dass wir uns auf der richtigen Fährte befinden.“

Tom Cadburn blickte zu Sam, der immer noch an derselben Stelle stand und die Spur unwillig fixierte. Ihn würde so schnell nichts dazu bringen, dieser Fährte erneut zu folgen. Diesmal hatte Sam im wahrsten Sinn des Wortes die Nase voll.

Da es ohnehin bald dunkel wurde und sie ohne die Hilfe des Schwarztimbers die Suche nicht fortsetzen konnten, schlugen sie widerwillig und ein wenig missmutig das Nachtlager auf.

 

*

 

„Ha, das Gesicht von Sheriff Lewis hätte ich gerne gesehen, als sein Fährtensucher plötzlich ausfiel“, lachte Foster.

„Wenn sich die Sache nur so entwickelt, wie du sie dir vorstellst“, zweifelte Steve.

„Keine Angst, mit Hunden kenne ich mich aus. Pfeffer ist da ein todsicheres Mittel. Dieser Köter wird sich weigern, jemals unserer Spur erneut zu begegnen. Lieber zieht er den Schwanz ein. Das ist etwas, das er sein ganzes Leben lang nicht vergisst. Darauf kannst du dich verlassen.“

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (ePUB)
9783738913842
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (Oktober)
Schlagworte
texas wolf burke rächer
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Titel: Texas Wolf #34: Burke, der Rächer