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Texas Mustang #18: Sterben in Casa Grande

©2017 120 Seiten

Zusammenfassung

Die Wells Fargo Bank in Silverbell wurde überfallen. Unbekannte haben insgesamt 50.000 Dollar in Silber geraubt und konnten entkommen. US Marshal Jim Allison verfolgt die Fährte der flüchtigen Bankräuber, aber in der Wüste verliert sie sich. Allison erreicht kurz darauf Casa Grande, eine kleine Stadt am Rand der Wüste. Dort trifft er den Spieler Tobe Shaw, den er von früher kennt. Aber aus Shaw ist ein zwielichtiger Kartenspieler geworden, dem man nicht mehr trauen kann. Und das ist nicht die einzige Gefahr, die auf Allison wartet. Denn es verdichten sich Hinweise darauf, dass sowohl die Bankräuber als auch ihre Beute nach Casa Grande gekommen sein müssen – und vermutlich sind sie immer noch hier ...

Leseprobe

Table of Contents

Title Page

Sterben in Casa Grande

Klappentext:

Roman:

TEXAS MUSTANG

 

Band 18

 

Sterben in Casa Grande

 

Ein Western von Heinz Squarra

 

 

 

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Edward Martin/Schottland, 2017

Früherer Originaltitel: 5.000 Dollar Belonhung

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappentext:

Die Wells Fargo Bank in Silverbell wurde überfallen. Unbekannte haben insgesamt 50.000 Dollar in Silber geraubt und konnten entkommen. US Marshal Jim Allison verfolgt die Fährte der flüchtigen Bankräuber, aber in der Wüste verliert sie sich. Allison erreicht kurz darauf Casa Grande, eine kleine Stadt am Rand der Wüste. Dort trifft er den Spieler Tobe Shaw, den er von früher kennt. Aber aus Shaw ist ein zwielichtiger Kartenspieler geworden, dem man nicht mehr trauen kann. Und das ist nicht die einzige Gefahr, die auf Allison wartet. Denn es verdichten sich Hinweise darauf, dass sowohl die Bankräuber als auch ihre Beute nach Casa Grande gekommen sein müssen – und vermutlich sind sie immer noch hier ...

 

 

Roman:

Gewehrfeuer hallte aus der Wüste. Und die Sonne brannte, dass es den Augen schmerzte, hinaus in das flimmernde Nichts zu blicken.

Samuel Tucker, der alte Postagent, stand vor seinem Stationshaus und beobachtete das weite Land, in dem er auf der schimmernden Spiegelfläche ein paar Punkte sah, einen näher und die anderen weiter entfernt.

„Indianer“, sagte der ebenfalls, steinalte Gehilfe des Stationers der Wells Fargo Station. „Die sind hinter einem Weißen her, Samuel.“

„Sieht so aus.“ Tucker griff hinter sich und nahm das Gewehr, das an der Wand lehnte.

Das Gewehrfeuer verstärkte sich. Der eine Punkt schob sich rasch näher, während die anderen hinter einer Wand aus Staub und Dunst immer wieder verschwanden.

Der Gehilfe holte sein Gewehr aus dem Blockhaus, blickte brummend zum Stall und zur Remise hinüber und auf die acht Wagenpferde, die im Korral in der brennenden Sonne den ausgetrockneten Creek umstanden, der durch die Koppel führte.

„Was ist?“, fragte Tucker.

„Sollten wir sie nicht in den Stall bringen, Samuel? Das wäre sicherer!“

„Dazu reicht die Zeit nicht mehr.“

Der Postagent repetierte sein Gewehr und spuckte auf den Boden. Er sah die anderen Punkte nun wieder und erkannte ebenfalls, dass es Indianer waren. Apachen, wie er vermutete.

Der Reiter vor den Indianern schoss hinter sich und baute seinen Vorsprung immer weiter aus. Fontänen des hellen Staubes wurden von den Hufen seines schwarzweiß gefleckten Pferdes in die Luft geschleudert und standen wie Wolken über der Gila-Wüste.

Und dann sah Samuel Tucker noch etwas: Der Reiter trug den Stern eines US Marshals, der an seinem buntkarierten Hemd steckte. Dem Mann war der Hut von den dunklen Haaren gerutscht und hing an der Windschnur in seinem Nacken. Er wandte sich immer wieder im Sattel um und schoss auf die Verfolger, deren heiseres Geschrei durch die Wüste zu hallen begann. Dann stürzte ein Indianer von seinem Pferd, und der Pulk geriet für ein paar Herzschläge durcheinander. Der US Marshal gewann weiter an Boden und sprengte der Station im weiten Nichts der Wüste entgegen.

Als der Marshal bis auf hundert Yard an die Station herangekommen war, pfiff der Gehilfe des Agenten durch die Zähne.

„Was ist, Mac?“, knurrte Tucker.

„Erkennst du ihn nicht?“

„Nein.“

„Er ist Marshal Jim Allison! Hast du nie von ihm gehört?“

„Gehört schon, nur gesehen nicht. Der Mann, der so gnadenlos hinter Banditen her sein soll?“

„Natürlich! Den hab’ ich in Tucson schon mal gesehen. Aber da hatte er das flotte Pferd noch nicht. Alle Teufel, der läuft wie ein Blitz, der Gaul!“

Der Postagent nickte, legte das Gewehr an, zielte an dem Marshal vorbei und schoss auf die schreienden Indianer, deren Geheul an seinen Nerven zerrte.

Auch der Gehilfe schoss.

Allison erreichte den Hof und sprang aus dem Sattel, noch bevor sein herrlicher Hengst stand. „Danke!“, rief der große Mann keuchend, wirbelte herum, schlug das Gewehr an und schoss mit den beiden anderen auf die Apachenhorde, die von den Kugeln förmlich auseinandergerissen wurde. Drei, vier, fünf stürzten, ein Pferd brach zusammen und eine Wand aus Staub stieg in die Höhe. Wie von jäher Panik erfasst warfen die anderen die Pferde herum und stoben in die braune, flimmernde Wand zurück, die sie aufsaugte.

Allison ließ das Gewehr sinken, zog den im Nacken hängenden Hut auf den Kopf und wischte sich den Schweiß mit dem Ärmel vom Gesicht.

Die beiden Männer der Station schossen noch ein paar Sekunden auf die Staubwolke, dann ließen sie ebenfalls die Waffen sinken.

„Danke“, sagte Allison noch einmal.

„Ist doch selbstverständlich, Marshal“, brummte Tucker. „Was wollten die denn von Ihnen?“

„Ich habe es nicht darauf ankommen lassen, dass sie mich fragen konnten“, erwiderte Allison. Sein hartes Gesicht verzog sich .kaum, als die Andeutung eines Lächelns über seine Züge huschte und wie ein Blitzen in seinen Augen aufflammte und erlosch.

„Verdammt schönes Pferd“, sagte der Gehilfe. „Als ich Sie in Tucson sah, hatten Sie es noch nicht, Marshal Allison.“

„Wir kennen uns?“

„Sie werden mich kaum bemerkt haben. Ich sah Sie, das ist alles.“

Der Gehilfe schaute immer noch auf den schwarzweiß gefleckten Hengst, der vom Korral zurückkam und wie ein treuer Hund neben seinem Herrn stehenblieb.

„Aber noch ziemlich jung“, brummte der Stationer.

„Es geht.“ Allison strich dem Pferd über den Hals. „Gut gemacht, King! So schnell wie du ist keiner!“

„Das muss man zugeben“, brummte der Stationer. „Nun kommen Sie erst mal herein, Marshal! Den Indianern ist sicher die Lust vergangen.“

Allison schob sein Gewehr in den Sattelschuh, führte das Pferd zum Korral und sattelte es ab.

Der Gehilfe war ihm gefolgt und betrachtete immer wieder fachmännisch das gefleckte Tier, indem er sich mal am Kinn und mal im Nacken kratzte. „Selbst eingebrochen?“

„Ja. Ich fand es, als ein paar Pumas gerade eine Mahlzeit suchten und es sich selbst nicht wehren konnte. Als Fohlen.“

Der Gehilfe nickte verstehend. Er hängte die Fenz aus und wartete, bis Allison das Pferd in den Korral gebracht hatte und wieder draußen stand. „Ich hole dann Wasser, wenn es sich abgekühlt hat, Marshal.“

„Danke.“ Allison wandte sich ab und ging zum offenen Stationshaus hinüber. Als er es betrat, sah er sekundenlang nichts in dem Halbdunkel, weil er vom grellen Sonnenlicht der Wüste noch geblendet war. Dankbar empfand er die angenehme Kühle, die den langen Raum beherrschte.

„Hier ist die Theke und kalter Whisky mit Sodawasser, Marshal“, sagte der Stationer links.

Da konnte Allison schon alles erkennen und ging auf den langen Tresen zu.

Der Stationsraum war aus den krummen Stämmen der Krüppelkiefer errichtet, die am Rande der Wüste in großen Mengen geschlagen werden konnten. Der Raum hatte eine ganze Reihe kleiner Fenster, die wie Schießscharten aussahen. Ein paar rohe Tische mit Bänken standen vor dem Tresen.

Der Stationer hatte Whisky eingeschenkt und schob die Sodawasserflasche neben das große Glas. „Da, bedienen Sie sich! Was wollen Sie denn hier draußen?“

Allison griff nach der Flasche, goss das Glas voll und trank erst mal einen tüchtigen Schluck. „Die Bank in Silverbell ist ausgeraubt worden.“

„Was sagen Sie?“

„Haben Sie es nicht verstanden?“

„Verdammt, doch, aber ich dachte, ich könnte meinen Ohren nicht trauen!“

„Sie können.“ Allison trank noch einen Schluck und stellte das fast leere Glas aus der Hand.

Der Keeper schenkte ihm aus der Whiskyflasche nach, aber Allison winkte ab.

„Nicht soviel von dem Zeug bei der Hitze, Mann!“

„Wieviel ist denn geklaut worden?“ Tucker stellte die Flasche aus der Hand.

„Fünfzigtausend Silberdollar.“

„Fünf ...“ Tucker verschluckte sich und vergaß, den Mund zu schließen. „Das gibt es ja gar nicht, Marshal! Sie wollen mich verschaukeln, verdammt! In Silverbell liegt soviel Zaster nie herum!“

„An dem Tage lag soviel Geld in der Stadt. Die Bank der Wells Fargo wurde bei Nacht und Nebel überfallen, der Postagent erschossen und die umliegenden Häuser wurden unter Beschuss genommen. Niemand wagte sich auf die Straße, bis die Horde verschwunden war.“

Der Gehilfe war hereingekommen und stehen geblieben.

„Hast du es gehört, Mac?“, fragte der Agent gepresst.

„Ich bin nicht taub.“

„Fünfzigtausend Dollar in Silverbell! Das war noch nie da. Kannst du dir das vorstellen, soviel Zaster in dem Nest?“

„Vorstellen kann ich mir es kaum.“ Der Gehilfe kam näher und blieb neben Allison stehen. „Aber neu ist es auch nicht.“

Jetzt war es an Allison, dem Marshal, zu staunen. „Sie wussten davon?“

„Ja“

„Woher?“

„Der Fahrer der Kutsche hat es erzählt, der den Kies von Tucson nach Silverbell brachte.“

„Und wieso weiß ich davon nichts?“, schimpfte der Postagent.

Der Gehilfe zuckte die Schultern. „Weiß ich doch nicht, Samuel. Vielleicht hat er vergessen, es dir auch zu erzählen. Und vielleicht habe ich es auch vergessen. Ist es wichtig für uns, wenn in Silverbell Geld für einen reichen Rancher abgeladen wird? Der gibt uns doch keinen müden Dollar davon!“

„Es ist geraubt worden“, sagte Allison scharf.

„Interessiert mich doch nicht, Marshal.“ Der Gehilfe verzog das Gesicht. „Ich habe keine fünfzigtausend Dollar, die mir jemand klauen könnte.“

„Der Postagent wurde umgebracht“, entgegnete Allison leise.

„Tut mir leid.“ Der Gehilfe zuckte abermals mit den Schultern. „Das hatte er sicher nicht verdient, denn er war auch ein armer Hund.“

„Ich wollte eigentlich nur wissen, ob ihr jemanden gesehen habt.“ Allison trank wieder einen Schluck, musste den Whisky aber verdünnen.

„Wann?“ fragte der Agent.

„Vor zwei Tagen im Morgengrauen.“

Der Agent blickte den Gehilfen an. „Da hab’ ich noch geschlafen, Samuel, das weißt du doch. Tut mir leid, Marshal. Sind denn die Banditen hierher ...?“

„Sie sind in die Wüste. Aber dann habe ich die Spuren verloren.“

„Wir haben niemanden gesehen.“ Tucker schüttelte den Kopf.

Allison blickte forschend von einem der beiden zum anderen. „Die Wells Fargo zahlt fünftausend Dollar Belohnung. Die könnte möglicherweise schon der bekommen, der den entscheidenden Hinweis auf die Bande liefert.“

Der Gehilfe zuckte wieder mit den Schultern. „Was nützt uns das, wenn wir nichts wissen und niemanden gesehen haben? Wie viele Banditen waren es denn?“

„Ein halbes Dutzend mindestens.“

„Donnerwetter!“ Der Gehilfe nahm seinen alten Hut ab und raufte sich in den spärlichen grauen Haaren. „Und hinter denen sind Sie ganz allein her?“

„Ich und mein Pferd“, sagte Allison. „Wir sind zwei, Mister.“ Er trank das Glas aus, stellte es auf die Theke und winkte ab, als der Stationer erneut nach der Flasche griff.

Tucker ließ die Flasche los. „Wenn wir uns die fünftausend Dollar verdienen könnten, wären wir in einer Woche nicht mehr hier. Was, Mac?“

„Könnte gut möglich sein“, brummte der Gehilfe. „Aber wir werden den Kies nicht verdienen, und du weißt es so gut wie ich. Wir haben es vielleicht buchstäblich verpennt. Aber wer weiß, ob uns die Wells Fargo was geben würde, wenn wir ihr wirklich helfen. Wir gehören ja gewissermaßen zum Inventar der Post mit dazu. Sie müssen wissen, Samuel würde am liebsten zum Pecos River gehen und eine Farm bauen, Marshal. Das beschäftigt ihn so sehr, dass er mitunter nachts im Traum davon redet. Setzen Sie ihm jetzt keinen Floh ins Ohr, damit er nicht noch am hellen Tag zu phantasieren beginnt!“

„Vielleicht können wir Spuren finden, wenn wir alles absuchen“, mischte sich der Agent ein. „Wir kennen uns hier gut aus, Marshal!“

Allison schüttelte den Kopf. „Gestern war Wind, der den Sand bewegt. Da ist nichts mehr zu finden.“ Er ging zur Tür, lehnte sich an den Pfosten und schaute hinaus in das Flimmern über der Wüste.

Der Staub begann sich wieder zu senken und das Flimmern, das weite Wasserflächen vorgaukelte, beherrschte die mörderische Wüste. Von den Indianern war nichts mehr zu sehen.

„Und die Indianer?“, fragte der Postagent.

Allison wandte sich um. „Die waren auf einmal da, das sagte ich doch. Und da ich weiß, was sie immer wieder wollen, habe ich...“

„Aber das meine ich doch nicht“, unterbrach ihn Tucker.

„Was denn?“

„Ob es die Indianer gewesen sein könnten, die Silverbell überfallen haben?“

„Unsinn!“ Allison kam zurück.

„Wieso?“

„Die Leute in der Stadt haben ein paar Rufe gehört. „Beeilung“ soll jemand gesagt haben. Und andere Worte. Nein, das waren keine Indianer.“

„Wenn die Banditen in dieser Richtung geritten sind, dann sollten wir vielleicht doch im Westen und Osten alles absuchen. Es gibt ein paar windgeschützte Stellen, dort können wir vielleicht doch noch Spuren finden!“, beharrte der Agent.

Allison ging abermals zur Tür und stemmte die Hände in die Hüften. Er trug außer dem bunten Hemd eine Levishose, einen breiten Patronengurt mit einer langen Halfter und einem schweren Peacemaker 45, und an den Füßen hatte er Texasstiefel mit großen Durangosporen.

Sein Blick wanderte über den leuchtenden Sand. In der Tat war der Boden uneben. Es gab sogar ein paar vertrocknete Büsche und weitästige Kakteen in einigen hundert Yard Entfernung, und dahinter erhoben sich nackte, graue Felsen.

„Das könnte sich lohnen!“ Der Postagent kam mit schlurfenden Schritten um den Tresen. „Los, Mac, sag auch was! Es wird doch auch deine Farm, wenn wir was finden!“

„Uns gibt die Wells Fargo nichts“, knurrte der Gehilfe. „Die sagen, wir gehören zu ihr und für uns ist es die ganz normale Arbeit. Ich müsste verrückt sein, wenn ich wie ein Luchs in der Sonne herumrenne und mir den Pelz verbrenne. Von mir aus sucht doch, wenn es euch Spaß macht. Es muss ja auch einer hierbleiben.“

Der Postagent blieb neben Jim Allison an der Tür stehen und schaute aus zusammengekniffenen Augen hinaus. „Na, was ist, Marshal, wollen wir es versuchen?“

„Ich weiß nicht. Ich glaube, wir finden nichts. Nicht hier in der Nähe.“

„Und warum nicht?“

„Weil die Banditen sicher einen großen Bogen um die Station gemacht haben. Die mussten doch damit rechnen, dass hier einer munter ist und sie sieht. Und dass man sie irgendwann verfolgen wird, war ihnen sicher auch klar.“

„Wir können ja ein Stück weiter reiten!“, drängte der Postagent. „Und ob Sie ohne etwas nach Mexiko reiten oder hier ein paar Stunden suchen, das ist doch wirklich egal!“

„Sie können ja ein Pferd aus dem Korral nehmen“, wandte der Gehilfe ein. „Ihr Hengst braucht sowieso ein bisschen Ruhe.“

Jim beugte sich etwas hinaus und schaute zum Korral hinüber. Der gescheckte Hengst stand am Korral und schnaubte, als er ihn sah.

„Das stimmt!“, rief der Agent eifrig. „Das beste Pferd muss sich irgendwann mal ausruhen, Marshal Allison!“

„Also gut, versuchen wir es.“ Jim stemmte sich vom Türpfosten los und verließ die Hütte, und die brütende Hitze traf ihn wie ein Schlag ins Gesicht.

„Viel Spaß“, sagte der Gehilfe. „Ich trinke inzwischen einen für euch mit, dann bekommt ihr nicht solchen Durst!“

„Das sage ich dir, du kannst hier kleben bleiben, wenn ich an den Pecos River gehe!“, zeterte der Stationer noch, dann lief er schnell hinter dem Marshal her.

 

*

 

Der Gehilfe grinste fast hämisch, und sein breites Gesicht glänzte im Schein der beiden Petroleumlampen, die der Keeper angebrannt hatte.

Allison saß mit ausgestreckten Beinen auf einer Bank an der Wand und aß den Rest seines Abendbrotes. Der Agent lehnte enttäuscht an der Theke und biss auf einem Schwefelholz herum.

„War doch klar wie Wasser“, sagte der Gehilfe. „Die hätten doch mit einem Holzhammer Hiebe verdient, wenn sie mit dem Sack voll Geld hier vorbeikommen und sich sehen lassen. Und vielleicht wären wir doch munter geworden!“

„Ja, genau.“ Allison trank das Glas aus, zog die Beine an und stand auf. Er ging zum Fenster neben der Tür und blickte hinaus.

Da draußen, wo jetzt silbernes Mondlicht über der Wüste lag, hatten sie vier Stunden lang vergebens gesucht und nicht eine einzige Hufspur gefunden, nicht im Westen und nicht im Osten.

Im Mondlicht ragten die Kakteen wie undeutliche Gerippe gespenstisch in der Nacht. Das. Heulen eines Wolfes hallte klagend über das Land und verklang in der Ferne.

„Bis morgen früh ist von den Toten kein Knochen mehr übrig“, sagte der Agent leise. „Hier draußen verschwindet alles spurlos, Marshal, auch die Leichen!“

Wieder heulte ein Wolf.

„Das sind aber nicht nur die Leichen!“, rief Allison plötzlich. „Da stimmt was nicht!“

Er war mit einem Satz an der Tür und riss sie auf, und in der nächsten Sekunde stand er schon draußen.

Im Korral wieherte sein schwarzweiß gescheckter Hengst, den er erkannte. King jagte durch den Korral und setzte mit einem gewaltigen Sprung über die Umzäunung hinweg.

Kehlige Laute hallten in den prasselnden Hufschlag.

„Die Indianer!“, rief der Gehilfe, der aus der Station kam. „Diese verfluchte Höllenbrut hat es auf Pferde abgesehen, Marshal!“

Das Pferd kam über den Hof.

King stoppte sich mit steifen Beinen, so dass Sand in die Luft flog.

Allison riss den Colt aus der Halfter und schoss auf die schemenhaften Gestalten, die offenbar gerade den Zaun hatten demolieren wollen. Die Mündungsblitze blendeten ihn so sehr, dass er die Gestalten nicht mehr erkannte. Auch der Gehilfe schoss, während der Stationer erst aus dem flachen Haus kam. Aber da hatten sich die Indianer schon auf ihre Pferde geschwungen und flohen in die Nacht hinaus.

Allison ließ die leergeschossene Waffe sinken und beruhigte den aufgeschreckten Hengst.

Auch die anderen stellten das Feuer wieder ein, weil die Indianer nicht mehr zu sehen waren.

„Den regt es noch ziemlich auf, was um einen Marshal herum so alles passiert“, sagte der Gehilfe.

„Daran wird er sich gewöhnen“, erwiderte Allison. „Sehen wir mal nach, ob wir einen getroffen haben!“ Er führte das Pferd auf den Korral zu, durch den die Wagenpferde im Rudel am Zaun entlang sprengten.

Aber sie fanden keinen Indianer, den sie getroffen hatten. Zwei Latten lagen schon am Boden. Nur noch drei weitere hatten die Apachen von den Pferden getrennt, aber diese hätten sie sicher nicht so lautlos in ihre Gewalt bringen können.

Allison lud seinen Revolver und schob ihn in die Halfter.

„Achtung!“, rief der Gehilfe.

Am Zaun bewegte sich etwas. Ein Indianer sprang auf, und ein Messer blinkte im Mondlicht.

Allison ließ sich fallen und riss den Colt erneut aus der Halfter. Das Messer wirbelte über ihn hinweg. Das Pferd ging mit einem Schnauben los, griff den Indianer mit wirbelnden Hufen an und stieß ihn gegen den Zaun. Der Apache stürzte, und als er federnd aufsprang, war King herumgewirbelt und versetzte ihm einen Tritt mit dem linken Vorderhuf, der den Krieger abermals gegen den Zaun schleuderte und besinnungslos zu Boden fallen ließ.

„Sind noch mehr in der Nähe?“, fragte der Stationer verstört. „Hier sind wir unseres Lebens nicht mehr sicher, Mac! Hätten wir doch nur Spuren von den Banditen gefunden, zum Teufel!“

King schnaubte noch.

Allison war aufgestanden, ging zu dem Pferd und lobte es wegen der schnellen Reaktion, die es ohne Befehl instinktiv gezeigt hatte.

„Ein Teufelsbraten, den Sie da haben“, brummte der Gehilfe anerkennend.

Der Stationer beugte sich über den Indianer.

„Dem ist wahrscheinlich das Pferd weggelaufen, als wir geschossen haben“, vermutete Allison.

„Komm, Mac, ins Haus mit ihm!“

Die beiden hoben den Bewusstlosen hoch und trugen ihn fort.

Allison nahm das Pferd mit zum Haus hinüber, dessen Tür noch offenstand. Er sah, wie die beiden Männer den Indianer auf den Boden legten. Tucker holte Stricke, mit denen der Apache gefesselt war, noch bevor er wieder die Augen öffnete. Als er dann zu sich kam, schaute er erst blinzelnd gegen das Licht, dann schien er zu begreifen, wo er sich befand.

Die beiden Männer der Station setzten den Gefangenen an die Wand und redeten auf ihn ein, aber Allison schien es, als würde der Apache sie nicht einmal verstehen.

Er ließ das Pferd stehen und ging in die Station hinein.

„Sinnlos“, sagte der Gehilfe gerade. „Genausogut kannst du direkt mit der Wand reden, Sam!“

Der Stationer fluchte widerlich und hieb dem Indianer plötzlich die Faust ins Gesicht, dass es krachte. Aber das starre Gesicht des Indianers bewegte sich deswegen nicht. Hass leuchtete dem Postagenten entgegen. Das machte ihn noch wütender und er schlug wieder zu.

Allison blieb stehen. „Soll ich Ihnen helfen?“, fragte er schleppend.

„Was?“ Tucker richtete sich auf.

„Ob ich Ihnen helfen soll?“

„Wobei denn?“

„Dabei, Ihren Zorn loszuwerden. Ich kann auch ganz schön zuschlagen und mein Gegner muss deswegen nicht gefesselt sein!“

Tucker begriff, was Allison meinte und ging rückwärts. „Die wollten meine Pferde klauen, zur Hölle!“

„Die Pferde der Post.“ Allison blieb stehen. „Das ist aber kein Grund, einen Mann erst zu fesseln und dann zu misshandeln. Bindet ihn los, damit er sich wehren kann!“

„Seit wann ist denn ein Apache ein Mann?“, knurrte der Postagent gereizt. „Das sind Banditen und Mörder, diese roten Teufel, mehr nicht. Sie sollten froh sein, dass Sie sein Messer nicht zwischen die Rippen bekommen haben!“

Der Gehilfe ging rückwärts zur Theke, nahm von ihr die Whiskyflasche und trank daraus. Er schien sich nicht einmischen zu wollen.

„Was wollen Sie denn mit ihm machen?“, schimpfte .der Postagent. „Hinter Ihnen war die Bande ja her wie der Teufel hinter den Seelen der Armen!“

Der Gehilfe trank wieder aus der Flasche.

„Nun sagen Sie schon, was mit dem roten Halunken werden soll!“, rief der Postagent.

Allison wusste es auch nicht. Sie konnten ihn umbringen oder nach Silverbell bringen, damit er dort umgebracht würde oder sie konnten ihn laufenlassen, damit er seine Bande suchte und bei nächster Gelegenheit erneut über sie herfiel.

„Da fällt Ihnen auch nichts ein, was?“, knurrte Tucker. „Ich werde Ihnen was sagen: Wir knallen ihm eine Kugel in den Kopf. Da wissen wir wenigstens, dass er uns in Zukunft in Frieden lässt.“

„Ich nehme ihn mit“, entschied Allison. „Und zwar jetzt.“

„Was denn, jetzt wollen Sie wegreiten?“

„Ja, jetzt.“

„Sie haben doch gar kein Pferd für den Kerl“, entgegnete der Gehilfe, der abermals aus der Flasche trank und sich mit dem Handrücken über den Mund wischte.

„Ich nehme ihn mit auf mein Pferd. Vielleicht finde ich das andere unterwegs.“

„Das ist nach Süden oder Westen.“

„Ja, ich weiß.“

„Was?“ Der Postagent kam wieder näher. „Sie wollen ihn also nicht nach Silverbell bringen?“

„Nein, dort will ich ja nicht hin. Los, schafft ihn hinaus!“, befahl Allison schroff und kalt.

Tucker blickte den Gehilfen an, der die Whiskyflasche hinter sich stellte, zu dem Indianer ging und wartete, bis Tucker bei ihm war.

Gemeinsam trugen sie den Indianer hinaus und legten ihn dem US Marshal aufs Pferd.

Zwei Minuten später war Allison schon unterwegs. Er hatte die Station viel schneller verlassen, als es ursprünglich seine Absicht gewesen war, und er wusste auch immer noch nicht, was er nun mit dem gefangenen Indianer anfangen sollte. Das entflohene Pferd und die anderen herumirrenden Tiere sah er nicht, genausowenig wie die Indianer, denen jedes Mittel recht war, um sich irgend etwas anzueignen.

Tucker und sein Gehilfe sahen den Marshal in der Nacht untertauchen.

„Was denkst du, was er mit dem Indianer macht, Mac?“

„Er lässt ihn laufen, wenn er weit genug von hier weg ist“, entgegnete der Gehilfe.

„Und warum?“

„Weil es seine Art ist. Er bringt keinen um, der sich nicht wehren kann.“

„Und wenn der Indianer auf eine List verfällt?“

„Dann sei Gott seiner Seele gnädig“, brummte der Gehilfe und ging ins Haus zurück.

 

*

 

Allison zügelte sein Pferd und blickte um sich. Der gescheckte Hengst schnaubte leise. Im silbernen Mondlicht war in der Wüste nichts weiter zu sehen als kahle Berge und weitästige Kakteen wie gespenstische Gerippe.

Der Apache lag noch quer über dem Pferd. Allison stieg ab und zog den Indianer an den Beinen herunter. Aber kaum war der Apache auf dem Boden aufgekommen, da wirbelte er herum, fiel den überraschten Marshal an und riss ihm das breite Kampfmesser hinter dem Gürtel hervor.

Allison schüttelte die Überraschung ab und wollte nach dem Handgelenk des Indianers greifen, aber seine Hand fasste ins Leere. Da sprang er zurück und entging dem Stich. Der Indianer war ungeheuer wendig und schnell, was Allison von einer Sekunde zur anderen begriff. Er hieb die Hand mit dem Messer zur Seite und donnerte dem Apachen die Faust ins Gesicht. Die Wucht warf den Indianer rücklings in den Sand, auf dem er sich überschlug.

Das Pferd wieherte, stieg auf die Hinterhand und wirbelte mit den Hufen.

„Nicht, King!“, rief Allison, weil er fürchtete, der eben aufspringende Kerl könnte das Messer nach dem Pferd schleudern.

Der Apache griff an. Allison wich zurück und machte einen Satz zur Seite, aber der Indianer fuhr sofort herum. Das kalte Mondlicht brach sich auf der breiten Klinge von Allisons Messer, mit dem er nun selbst umgebracht werden sollte.

Da spürte er den Kolben des schweren Revolvers zwischen den Fingern, und als der Apache die Hand hob, riss er den Colt aus der Halfter und schoss.

Mit der noch erhobenen Hand und dem Messer in ihr taumelte der Apache zurück und stürzte auf die Knie. Ein Stöhnen kam aus seinem Mund, aber das Messer ließ er nicht los.

Rauch trieb Allison ins Gesicht.

Der Indianer sah aus, als wollte er wieder versuchen, das Messer zu werfen, aber seine Kraft reichte nicht. Plötzlich öffnete sich seine Hand, das Messer fiel vor ihn, und er stürzte steif darauf.

Allison ließ den rauchenden Colt sinken, ging näher, klemmte dem Apachen den Stiefel unter den Leib und schleuderte ihn herum. Wie eine Puppe fiel die Gestalt herum. Gebrochene Augen blickten durch Allison hindurch.

Er bückte sich, hob das Messer auf und schob es hinter seinen Gürtel. Sein suchender Blick glitt weiter über den Boden, aber nirgendwo konnte er den Strick sehen, mit dem die beiden in der Station den Indianer gebunden hatten. Sie schienen es so schlecht gemacht zu haben, dass er sich schon vor einer Weile befreit hatte und dann nur noch auf einen Augenblick hatte warten müssen, der ihm günstig erschien.

Allison schob den Colt in die Halfter, ging zu seinem gescheckten Hengst und schwang sich in den Sattel. Ohne noch einen Blick auf die Leiche zu werfen, ritt er weiter nach Süden und verschwand in der Nacht hinter den Gerippen der Kakteen.

Eine Weile blieb es still, dann tauchten grüne Lichter aus der Nacht auf und lautlos näherte sich ein großer Wolf der Leiche.

 

*

 

Allison hatte den Tag über wieder vergebens nach Spuren in der Wüste gesucht, obwohl er keine Hoffnung gehabt hatte, welche zu finden.

Als die Nacht anbrach, sah er von einem Hügel am Südrand der Wüste aus die Lichter einer Stadt vor einem langen steilen Felsen, der wie ein Monument in den Himmel ragte und an dem die Häuser zu kleben schienen.

Allison hatte den schwarzweiß gescheckten Hengst auf dem Hügel gezügelt und schaute hinunter zu den hellen Lichtpunkten, von denen er nach seiner Schätzung nur noch eine Meile entfernt sein konnte.

Ein Windstoß strich von Süden kommend über das Land und brachte den Sand auf dem Boden in Bewegung.

Allison schnalzte mit der Zunge, ritt die sanfte Hügelflanke hinunter und den Lichtern entgegen.

Neue Windstöße folgten dem ersten. Allmählich wurde der Sand vom Boden aufgehoben und durch die Luft geschleudert. Schon bald konnte Allison die Lichter nicht mehr sehen und musste darauf achten, dass er von der eingeschlagenen Richtung nicht abkam. Er zog sich den Hut tief in die Stirn und das Halstuch bis über die Nase, und er schaute nur blinzelnd voraus. Das Pferd schnaubte immer öfter.

„Komm, es ist nur noch ein Stück!“, ermunterte er das Tier. „Das schaffen wir schon!“

Tatsächlich tauchten die Lichter der Stadt wie winzige helle Flecke wieder vor ihm auf, näher als vorher. Dann sah er eine weiße Adobelehmhütte und dahinter die schroff ansteigende Wand des Felsens, zu der eine rostende Feldbahnschiene führte.

Er erinnerte sich, von diesem Nest schon gehört zu haben. Es musste Casa Grande sein, das Camp, in dem irgendwann einmal nach Silber gesucht und zumindest am Anfang welches gefunden worden war. Er schaute an dem Felsen in die Höhe, an dem der Name des Nestes mit weißer Farbe angeschrieben stehen sollte; so groß, dass ihn bei Tage kein Reiter übersehen konnte. Aber jetzt war da oben nur die Schwärze der Nacht und der treibende Sand, den der hier heulende Wind vor sich herwarf.

Allison blickte in die Gasse hinein, die sich zwischen den armseligen weißen Hütten und dem Felsen bildete. Er sah noch den Zaun eines Korrals und ein Stallgebäude und ein paar Lichter weiter die Straße hinunter vor der verfallenen Kirche, deren Turm mit dem Kreuz darauf und der Glocke hinter dem großen Loch in der Wand alles andere überragte, nur den Felsen nicht, und deren weiße Mauern trotz der Finsternis nicht zu übersehen waren.

Er ritt langsam in die Stadt hinein. Immer neuer Staub trieb ihm entgegen. Der heulende Wind nahm den klirrenden Hufschlag mit und trug das schrille Gelächter eines Mädchens an Allison vorbei.

Vor dem Saloon schwankte eine Lampe mit kreischenden Geräuschen in ihrer Aufhängung und der Lichtschein sprang von rechts nach links und wieder zurück, immer hin und her.

In das kreischende Gelächter mischte sich eine zweite Frauenstimme, die ein Lied aus dem Bürgerkrieg zu singen begann.

Allison ritt bis zu dem Saloon, ohne einen Menschen gesehen zu haben. Er schaute sich um und konnte die weiße Schrift auf den Felsen nun doch undeutlich erkennen. Es war Casa Grande. Er wusste nicht mehr, wo er davon gehört hatte, und er ließ es, darüber nachzudenken. Es konnte ihm doch kaum etwas nützen.

„Los, Kitty, zeig was von deinen Beinen!“, rief eine bellende Stimme, die dem Kläffen eines Hundes ähnelte.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (ePUB)
9783738913804
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (Oktober)
Schlagworte
texas mustang sterben casa grande

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Titel: Texas Mustang #18: Sterben in Casa Grande