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Dr. Mystery #13: Die Folterkammer des Hexenjägers

2017 120 Seiten

Leseprobe

Die Folterkammer des Hexen-Henkers

von Franc Helgath


Dr. Mystery Band 13 ‒ Der Meister des Unerklärlichen

Episoden aus den zahlreichen Leben eines Parapsychologen und Dämonenjägers

präsentiert von Steve Salomo


Der Umfang dieses Buchs entspricht 110 Taschenbuchseiten.


Eine unheimliche Burg erscheint nachts in den spanischen Pyrenäen und lockt ihre Opfer an. In ihren Verliesen befindet sich die Folterkammer eines Hexen-Henkers, der vor über fünfhundert Jahren selbst auf dem Scheiterhaufen verbrannte und nun mit seinen dämonischen Kräften in die Welt der Lebenden zurückkehren will, um Schrecken und Mord zu verbreiten. Selbst Luc Morell, der erfahrene Parapsychologe, der das Geheimnis der »Weißen Burg« ergründen will, geht ihm in die Falle…

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

Bearbeitung: Peter Thannisch

Titelbild: Klaus Dill

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de



1

Blitze zuckten pausenlos vom Himmel, und das schmetternde Krachen des Donners ließ die Erde erbeben. Piere Laguère hatte seine Hände um das kleine Steuerrad des Lieferwagens gekrallt. Graue Regenschleier verbargen die Bergspitzen der Pyrenäen.

Vor drei Stunden waren sie aufgebrochen. Da hatte die Sonne noch von einem nur dünn verhangenen Himmel gelacht, und jetzt waren sie in ein Gewitter geraten, wie es Piere Laguère noch nie erlebt hatte. Die Natur war entfesselt. Das Wasser lag wie ein armdicker Film auf der mit Schlaglöchern übersäten Bergstraße Nordspaniens. Der Lieferwagen kam nur mehr im Schritttempo voran. Bald würde Piere Laguère ganz anhalten müssen, wenn er es nicht riskieren wollte, in den bodenlosen Abgrund links der Straße zu stürzen.

»Merde«, entfuhr es ihm, und seine Fäuste spannten sich noch fester um das Lenkrad. »Ist das ein Urlaub! Da hätten wir genauso gut zu Hause bleiben können. Einmal im Leben möchte man sich ein paar schöne Tage machen, und was passiert dann: Es regnet Hunde und Katzen vom Himmel.«

»Es vergeht schon wieder, Pa.«

Das war Nana gewesen, die jüngste Tochter des Bäckers aus dem Loiretal. Nana glaubte selbst nicht, was sie sagte. Ängstlich starrte sie zur grau verhangenen Windschutzscheibe hinaus, auf die pausenlos dicke Tropfen prasselten.

Wieder ein Blitz und wieder dieser ohrenbetäubende Donner, der den ganzen Wagen erzittern ließ. Nana zuckte zusammen. Das Mädchen im Fond des Wagens sagte nichts.

Josephine war mit ihren zwanzig Jahren drei Jahre älter als Nana. Sie gab sich den Anschein, als würde sie keine Angst vor diesem Unwetter haben. Doch auch ihre Hände waren zu Fäusten geballt.

Seit einer halben Stunde ging es schon so, und Josefine wurde den Verdacht nicht los, dass ihr Vater sich verfahren hatte. Den letzten Wegweiser hatten sie vor zwanzig Minuten gesehen. Seither fuhren sie blind durch einen Vorhang aus Wasser, Blitzen und Donnergrollen. Wie Grabsteine ragten die steinernen Begrenzungspfosten in das undurchsichtige Grau.

»Ich habe Angst«, flüsterte Nana plötzlich und strafte damit ihren kurz vorher noch gezeigten Optimismus Lügen. Ihr Gesicht war kreidebleich geworden.

Erst im letzten Augenblick konnte Piere Laguère vor einem Wildbach stoppen, der sich wie ein Wasserfall auf die Straße ergoss. Unmöglich, da ein Durchkommen zu finden. An dieser Stelle musste der Weg zu Ende sein. Die Wassermassen stürzten mit einer derartigen Gewalt zu Tal, dass sie den kleinen Lieferwagen mitgerissen hätten. Das Licht der eingeschalteten Scheinwerfer riss ein kümmerliches Fahlweiß aus der grauen Finsternis.

»Hier ist unser Ausflug zu Ende«, meinte Piere Laguère. »Da ist kein Durchkommen mehr.«

»Aber wir können nicht wenden«, kam es bebend von seiner Seite.

Nana schwitzte. Ihre dunklen Augen waren weit aufgerissen und starrten den Vater an. »Die Straße ist hier doch viel zu eng.«

»Das weiß ich selbst«, brummte Laguère. »Wir müssen eben sehen, dass wir rückwärts wieder rauskommen.«

»Jetzt, bei diesem Regen? Da ist das Rückwärtsfahren doch viel zu gefährlich.«

»Dann schau mal vor auf die Straße«, knurrte der Franzose und legte den Rückwärtsgang ein. »Ein paar Minuten noch, dann hat der Bach die Straße weggeschwemmt.«

Wie zur Bestätigung seiner Worte donnerte in diesem Augenblick ein riesiger Felsblock den Hang herunter. Nur knapp am Lieferwagen vorbei schoss er in den Abgrund hinaus.

Piere Laguère gab Gas. Surrend setzte sich der Wagen rückwärts in Bewegung. »Keine Angst«, meinte Piere Laguère und streifte mit einem Blick kurz seine beiden Töchter. »Wir kommen hier schon wieder raus. Ewig kann das Unwetter ja nicht dauern, und außerdem habe ich vor hundert Metern einen Weg gesehen, der zum Berg hinaufführt. Wir werden diese Strecke nehmen. Irgendwie müssen wir doch nach Ainsa zurückkommen.«

Ainsa war das Dorf, in dem sie Quartier genommen hatten. Zum ersten Mal in seinem Leben machte Piere Laguère Urlaub. Seine Töchter Nana und Josephine hatte er mitgenommen. Sie hatten es bei Gott verdient, dass sie sich ein paar schöne Tage machten. Immer nur arbeiten? Das war kein Leben. Einmal musste man raus.

Wenn sie erst einmal in ihrem Dorf zurück waren, dann sollte seine Frau ein paar Tage wegfahren und sich erholen. Dass alle zusammen fuhren, ließ das Geschäft nicht zu.

Vorsichtig nach hinten spähend, steuerte Piere Laguère den Wagen jenen Weg zurück, den sie gekommen waren. Die Abzweigung war bald erreicht. Doch der Sturm hatte an Stärke zugenommen. Der Wind peitschte den Regen vor sich her. Er riss die dürren Äste von den Kiefern, und sie rasten wie Schlagstöcke durch die Luft. Es grenzte beinahe an ein Wunder, dass der Lieferwagen nicht getroffen wurde.

Piere Laguère steuerte einen Schotterweg an, der sich steil am Hang nach oben zog. Das Bersten und Krachen war plötzlich überlaut.

»Jetzt hat der Bach die Straße mitgenommen«, sagte Laguère und fröstelte bei dem Gedanken, dass er der Katastrophe nur knapp entronnen war.

Stotternd quälte der Citroën Fourgonette sich den Abhang hinauf.

Die Luft war schon sehr dünn in diesen Höhen. Immerhin ragte der Pico de Aueto fast dreieinhalbtausend Meter weit in den Himmel.

Jetzt sah man nichts von ihm.

Piere Laguère schaltete in den ersten Gang zurück. Das kleine, für diese Strecke total untermotorisierte Auto zuckelte weiter. Es war eine Fahrt ins Ungewisse.

»Hast du auch die Karte an Mama eingeworfen?«, fragte Nana plötzlich. Das Mädchen wollte sich ablenken. Nur um irgendetwas zu sagen, hatte sie gefragt. Es wollte von der rauen Wirklichkeit abgelenkt werden.

»Aber ja, ich habe die Karte eingeworfen«, antwortete Laguère und zwang sich zu einem Lächeln. Es sollte beruhigend wirken, doch im selben Augenblick wusste er, dass er seine kleine Tochter damit nicht beruhigen konnte. Zu nah war noch der schreckliche Tod, dem sie soeben um Haaresbreite entronnen waren.

Der Weg wand sich in Serpentinen den Hang hoch. Die Kurven schienen kein Ende zu nehmen.

Doch immerhin ließ der Regen nach, je höher sie kamen. Nach knapp zehn Minuten war er einem leisen Tröpfeln gewichen. Nur die Wolkendecke lastete immer noch dick und schwer über dem Land. Immerhin konnte man jedoch schon fast wieder hundert bis zweihundert Meter weit sehen.

Und Piere Laguère sah auch etwas, das nicht unbedingt in diese Gegend passte. Er hatte ganze Reihen von Reiseführern gewälzt, bevor er mit seinen Töchtern ins nördliche Spanien gefahren war.

Doch dass es hier eine Burg geben sollte, das hatte in keinem gestanden. Aber auch wenn er sich über die Augen wischte, das Bild blieb.

Auf dem Gipfel des Berges erhoben sich weiße Mauern.

Es war auch der Augenblick, in dem der Motor des Fourgonette von einer Sekunde zur anderen zu rattern aufhörte. Nicht einmal ein letztes Stottern. Der Motor lief einfach nicht mehr. Schnell zog Laguère die Bremse an, sonst wäre der Wagen zurückgerollt. Er trat das Kupplungspedal und drehte den Zündschlüssel im Schloss.

Nichts, absolut nichts. Der Wagen war alt. Er hatte ihn schon öfter im Stich gelassen, doch so noch nicht. Nicht einmal das gewohnte Husten ließ sich unter der Motorhaube hören. Es war, als wäre die gesamte elektrische Anlage des Wagens außer Betrieb.

»Wir sitzen fest«, sagte Piere Laguère. »Der Wagen tut’s nicht mehr. Habt ihr eine Ahnung, wo wir sind?«

Im selben Moment bereute er die Frage. Seinen Töchtern saß immer noch der Schreck von vorhin in den Gliedern. Die Straße, auf der sie gefahren waren, war von den Gewalten der Natur weggespült worden. Natürlich konnten sie nicht wissen, wo sie sich gerade befanden. Er wusste es doch selbst nicht.

Eine weiße Burg? Seltsam!

Er hatte nie etwas von einer weißen Burg gelesen, und doch stand sie da. Nicht im eigentlichen Sinne abschreckend, nur die Tatsache, dass sie existierte, irritierte Piere Laguère. Sie durfte gar nicht hier stehen. Sie war in keiner Karte vermerkt gewesen.

Aber was sollte jetzt das ganze Grübeln? Sie saßen fest, und es blieb ihnen gar keine andere Wahl, als zur Burg hinüberzugehen.

Und den Weg nach Ainsa zurücklaufen? Ein Wahnsinnsgedanke. Sie wären mehr als einen Tag unterwegs gewesen.

Unter ihnen lagen die Wolken. Tiefer im Tal tobte das Ungewitter wie vorher. Sie waren einer Hölle entronnen, und Laguère wollte nicht dorthin zurück. Er stieg aus. Inzwischen hatte es sogar aufgehört zu tröpfeln. Sie waren nicht weiter als einhundertfünfzig Meter von der weißen Burg entfernt.

Warum eine weiße Burg? Warum hier in dieser Gegend?

Laguère wusste keine Antwort darauf. Er war ein praktisch veranlagter Mensch. Er würde hingehen und fragen. Vielleicht konnte man ihm dort helfen. Vielleicht hatte der Burgherr einen Wagen, mit dem er ihn und seine Töchter zurückbringen konnte.

»Vertretet euch die Beine«, sagte er. »Wir kommen hier ohnehin nicht weiter. Geht mal mit mir. Wer hier lebt, muss ein Eremit sein. Da kann es nicht schaden, wenn ich mit zwei jungen, hübschen Französinnen aufkreuze. Das wird ihn milde stimmen und Verständnis für unsere Lage wecken.« Wohlgefällig betrachtete er seine Töchter.

Bisher hatte der Bäcker aus dem Loiretal streng über die beiden gewacht, und er hatte fest vor, auch weiterhin dafür zu sorgen, dass sie nicht in falsche Hände gerieten. Josephine und Nana waren sein Ein und Alles.

Josephine war etwas kleiner als die jüngere Nana. Aber auch sie war sehr ansehnlich. Sie bediente zusammen mit Nana die Kunden im Laden, und Piere Laguère registrierte nicht ohne Befriedigung, dass sein Geschäft seither einen enormen Aufschwung erlebt hatte.

Laguères Blick löste sich von seinen Töchtern. Das war wirklich nicht der Augenblick, um ans Geschäft zu denken. Der Wagen lief nicht mehr, und er befand sich in einer Gegend, die er nicht kannte und wenig weit von einer geheimnisvollen Burg entfernt, von der er noch nie etwas gehört noch gelesen hatte. »Gehen wir«, entschied er.

Die Töchter folgten ihm gehorsam. Der Regen hatte vollkommen aufgehört. Aber etwas anderes geschah. Etwas sehr Seltsames.

War der Himmel vor wenigen Minuten noch grau gewesen, so verfärbte er sich jetzt zu einem irrlichternden Grün. Laguère hatte so etwas noch nie gesehen, doch er hielt dieses Phänomen für eine Eigenheit, die vielleicht nur in den Pyrenäen auftauchte. Schließlich gab es in seinem Loiretal auch keine Nordlichter, obwohl deren Existenz nie bestritten war.

Der brave Bäcker schritt forsch aus, und seine Töchter folgten ihm willig.

Die Burg – oder sollte man besser sagen: das Schloss – war tatsächlich weiß. Marmorquader war auf Marmorquader getürmt. Es musste ein Vermögen gekostet haben, dieses Bauwerk hier in der Abgeschiedenheit dieser unzugänglichen Berge zu errichten.

Laguère dachte praktisch. Er schloss daraus, dass der Besitzer es sich leisten konnte, gastfreundlich zu sein.

Schließlich stand er am Tor.

Vergeblich suchte er nach einer Klingel. Dafür erspähte er einen Türklopfer, der schon sehr alt sein musste. Überhaupt machte das ganze Gebäude einen Eindruck auf ihn, als hätte es schon mehrere Jahrhunderte überdauert.

Umso frappanter war die Tatsache, dass es eigentlich noch ganz neu aussah. So, als wäre es erst vor wenigen Jahren errichtet worden.

Laguère nahm sich ein Herz. Er klopfte. Der Bäcker aus dem Loiretal musste auch nicht lange warten. Schon Sekunden später sprang die Pforte auf, obwohl weit und breit kein Mensch zu sehen war.

Wie von Geisterhand bewegt, öffnete sich das Tor.

Sein nächster Schritt war ein Schritt in eine andere Welt. Vergessen waren Gewitter, Donnergegroll und eine weggeschwemmte Straße, die ihm und seinen Töchtern um ein Haar zum Verhängnis geworden wäre.

Piere Laguère war einfach fasziniert. Er hatte nie Bäcker werden wollen. Das war der Wunsch seines Vaters gewesen, und er hatte gehorcht, wie es damals Sitte war. Doch viel lieber hätte er studiert und sich einen Beruf gesucht, der nicht so sehr körperliche Kräfte als einen lebendigen Geist von ihm verlangt hätte. Es war nichts draus geworden, und er trauerte den vergangenen Zeiten auch nicht nach.

Doch von jeher hatte er versucht, mehr als ein Bäcker zu sein.

Er hatte viel gelesen, sehr viel gelesen. Vor allem kunsthistorische Bücher. Deshalb konnte er auch genau beurteilen, in welcher Epoche dieses Bauwerk entstanden sein musste. Er schätzte auf 14. bis 15. Jahrhundert und schalt sich gleichzeitig einen Narren, da das Gebäude, in dem er stand, allenfalls einige Jahre alt sein konnte. Keine Spur von Verwitterung, keine Spuren davon, dass der Zahn der Zeit an diesem Bauwerk genagt hatte.

Er stand in einem Innenhof, der noch so jung war, als wären seine Mauern von kunstvollen Handwerkern erst vor kurzer Zeit aufgeschichtet worden. Wirklichkeit und Historie vertrugen sich nicht miteinander.

Piere Laguère, der belesene Bäcker aus dem Loiretal, stand vor einem Rätsel.

Doch es sollte noch viel schlimmer kommen. In diese architektonische Mixtur aus Orient und Okzident kam plötzlich Leben. Ein spitzgiebeliges Portal tat sich auf. Musik, als würde ein scharfer Wind über die Saiten einer Geige streichen, erklang. Das Grün des Himmels, das den Hof überspannte und seinen Widerschein auf die weißen Mauern warf, wurde noch unwirklicher. Es veränderte sich in einen Gelbton hinüber, und jetzt wusste auch Piere Laguère, dass diese Erscheinungen nicht mehr wirklich sein konnten.

Mit einer unsichtbaren Faust griff nackte Angst an seine Kehle.

Auch die Töchter hinter ihm standen wie erstarrt.

Das Tor war mit einem berstenden Krachen zugefallen.

Laguère wollte schreien, doch er konnte es nicht. Seine Kehle war wie zugeschnürt. Jetzt waren seine Augen genauso weit wie die der Tochter Nana, als sie mit Schrecken hinausgestarrt hatte in eine entfesselte Natur.

Das Gelb des Himmels wandelte sich in einen Orangeton. Piere Laguère fühlte sich wie unter einer riesigen Käseglocke, die diesen grausigen Ort von der Umwelt abschirmte. Und es war ein grausiger Ort.

Hatten bisher noch leichte Zweifel seine Hoffnung genährt, so wurde er eines Besseren belehrt.

Unter den maurischen Bögen der Säulenhalle öffnete sich eine Tür.

Eine Gestalt trat ins Freie. Ein ungeheuer hagerer Mann. Sein Alter war unmöglich zu schätzen.

Sein weißer, bis an das Brustbein reichender Bart sah aus, als hätte er Rostflecken. Er floss in wohlgeordneten Locken herab auf die altertümliche Kleidung. Die Pluderhosen waren an den Oberschenkeln durchbrochen und ähnelten damit der Kleidung, wie spanische Söldner des ausgehenden 15. Jahrhunderts sie trugen. Die dürren Beine steckten in einem schwarzen engen Trikot. Schwarz war auch das silbern bestickte Wams mit den Puffärmeln, aus denen blutig rot der Unterstoff gleißte.

Eigentümlich flackerten die dunklen Augen des Mannes unter der hohen Stirn, auf der ein spitz zulaufender, breitkrempiger Hut saß.

Eine Feder wippte keck. Die Schwanzfeder eines Fasanenmännchens. Sie schillerte wie Öl auf brackigem Wasser.

Die Augen der Gestalt wandten sich in ihre Richtung und schienen sich förmlich an den drei Ankömmlingen festzusaugen. Die Lippen breiteten sich zu einer Art Lächeln aus, wie es Piere Laguère noch nie vorher gesehen hatte.

Freude war daraus zu lesen, Erstaunen und vielleicht sogar eine Spur von Mitleid. Doch das Mitleid verschwand zuerst wieder aus diesem Blick. Die Gestalt setzte sich in Bewegung und kam mit seltsam gestelzten Schritten auf die drei Menschen zu.

Wie ein stolzer Reiher, durchfuhr es den Bäcker Piere Laguère.

Doch das war der letzte Gedanke, den er fassen konnte.

Leere breitete sich plötzlich aus in seinem Gehirn. Nur sehen konnte er noch, denken konnte er nicht mehr.

Er war wie seine Töchter gefangen und gebannt von dieser Gestalt. Und diese Gestalt konnte kein Mensch sein.

Laguère registrierte gerade noch, dass er von einer leichenartigen Starre befallen wurde. Eine Starre, gegen die er sich nicht wehren konnte. Er wollte sich umdrehen, doch sein Körper gehorchte nicht mehr seinem Willen. Er schaute den weißbärtigen Mann mit dem spitzen Hut an.

Kein Wort war gefallen, seit sie den Burghof betreten hatten.

Doch jetzt bewegten sich die Lippen der Gestalt, deren Alter nicht zu bestimmen war und die aus den vergilbten Seiten vergessener Geschichtsbücher entstiegen schien.

»Herzlich willkommen auf meinem bescheidenen Gut. Gäste sind hier selten, müssen Sie wissen.«

Laguère verstand jedes Wort, obwohl die Gestalt Spanisch gesprochen hatte. Dabei hatte der einfache Bäcker nie Spanisch gelernt. Es war kein normales Verstehen. Die Lippen des Spitzhütigen bewegten sich zwar, doch seine Stimme klang in Laguères Gehirn.

»Ich freue mich wirklich außerordentlich«, klang es hohl. »Würden Sie mir bitte ins Innere folgen.«

Die Gestalt in der antiquierten Kleidung wandte sich um. Mit hoch erhobenem Kopf stolzierte sie voraus. Verwundert sah Piere Laguère auf seine Beine hinunter. Ohne dass er es wollte, setzten sie sich in Bewegung. Er war reiner Zuschauer. Sein Körper bewegte sich von selbst, als würde an unsichtbaren Fäden gezogen.

Die Tür unter dem Arkadengang war offen geblieben. Kunstvoll gefertigte Mosaike erinnerten fern an die Pracht der Alhambra.

Die Gestalt schritt voraus, und der Bäcker und seine jungen Töchter folgten. Ihr Wille war gelähmt, obwohl ihre Sinne jede Einzelheit wahrzunehmen imstande waren.

Sie kamen in eine riesige Halle, durch deren farbige Glasfenster das Innere in eine verwirrende Vielfalt von Farben getaucht wurde.

Der Saal war groß, seine Marmorfliesen glatt und kalt, die Wände ohne jeden Schmuck. Deshalb wurde ihr Blick sofort von dem einzigen Gegenstand gefesselt, der sich in der Mitte der Halle erhob.

Ein blendend weißer Sarg aus Alabastermarmor.

Neben dem Sarkophag blieb die Gestalt stehen.

»Wir sind hier, liebe Freunde«, sagte er hohl. »Tretet ein in mein Reich.« Der Spitzhütige legte nur die Kuppe eines Fingers an den schweren Deckel des Sarkophages. Lautlos glitt er zurück.

Laguère glaubte seinen Augen nicht zu trauen, als der schwere Deckel in der Luft schweben blieb. Er war von einem blauen, flirrenden Licht umgeben. Dasselbe flirrende Blau entströmte auch der geöffneten Gruft.

Wie in Trance schritt Piere Laguère darauf zu.

Er sah die schmale Treppe und schritt langsam die Stufen hinunter. Seine beiden Töchter folgten ihm in kurzem Abstand.

Aus diesem Kabinett des Grauens gab es kein Entrinnen…



2

Monique Dumas war noch schlaftrunken, als es unten klingelte. Sie fuhr aus dem Bett hoch, schlüpfte schnell in den Morgenmantel, den sie über eine Stuhllehne gehängt hatte. Sie hatte Morgendienst. In diesem Augenblick erinnerte sie sich daran.

Gustve Flaubert, der Hausdiener, hatte drei Tage frei genommen, um zur Beerdigung seiner Schwester nach Vichy zu fahren.

Es wäre nicht Moniques Aufgabe gewesen, schon zu einem so frühen Zeitpunkt aus den Federn zu fahren, doch sie hatte sich freiwillig dazu bereit erklärt. Sie tat oft mehr, als es ihre Anstellung als Privatsekretärin verlangt hätte.

Mit den Fingern fuhr sie schnell ordnend in ihr Haar, bevor sie die Treppen zur Empfangshalle hinunterwirbelte. Die Müdigkeit war trotzdem noch nicht ganz aus ihren Gliedern gewichen, denn sie hatte die halbe Nacht durchgearbeitet. Bis um drei Uhr nachts hatte sie über einem Manuskript gesessen, das ihr ihr Brötchengeber den Tag vorher noch diktiert hatte. Es war ein wichtiger Aufsatz gewesen, der mit der heutigen Post weggeschickt werden sollte, damit er sobald als möglich in Druck gehen konnte.

Die Augenlider waren noch ein wenig schwer, als Monique die Tür öffnete. Frische Morgenluft strömte herein, und die machte die reizende Frau wach.

Doch das war nicht der einzige Grund, warum der Schlaf schlagartig aus ihren Augen wich. Luc Morells Sekretärin hatte die Bäckerin schon öfter gesehen. Immer wenn sie unten im Dorf einmal eingekauft hatte. Doch wie hatte die Frau sich verändert!

Madame Laguère sah trotz der frühen Stunde verweint aus. Sie musste Sorgen haben, ganz große Sorgen. Ihre Hände zitterten, als sie den Korb mit den frischen, knusprigen Croissants übergab. Sie dufteten ofenfrisch, doch Madame Laguère kämpfte mit den Tränen.

So hatte Monique diese lebenslustige, resolute Frau noch nie erlebt.

»Madame Laguère«, sagte sie, »was ist mit Ihnen? Sonst liefert doch immer Ihr Mann aus oder eine Ihrer Töchter?«

Das war das Stichwort für die etwas dickliche Madeleine, endgültig unter der Last ihrer Sorgen zusammenzubrechen.

Monique hatte den Brotkorb noch nicht richtig gefasst gehabt. Der Korb bekam das Übergewicht, und die frischen Croissants rollten die große Freitreppe vor dem Château Lamatime hinab.

Luc Morells Sekretärin konnte sich nicht darum kümmern. Die Frau machte ihr weit größere Sorgen. Ihre stämmigen Beine knickten ein, und noch ehe Monique etwas dagegen unternehmen konnte, fiel die Bäckerin zu Boden.

»Mon Dieu«, entfuhr es Monique, »Madame Laguère! Was ist los mit Ihnen? Ist Ihnen übel?«

Die dralle Bäckersfrau antwortete nicht. Mit geschlossenen Lidern lag sie auf der Treppe.

Panik kroch in Monique hoch. Was sollte sie nur mit dieser Frau machen? An Situationen dieser Art war sie nicht gewöhnt. Inzwischen konnte sie kaum mehr etwas erschüttern. Ohnmächtige Bäckersfrauen bildeten die berühmte Ausnahme von der Regel.

Sie ließ Madame Laguère liegen und hastete in das Schloss zurück.

Luc Morell kam ihr entgegen. Er hatte um seinen athletischen Körper einen grünseidenen Morgenmantel geschlungen. Die Augenbrauen in dem männlich markanten Gesicht rückten hoch, als er seine Sekretärin mit erhitztem Gesicht auf sich zulaufen sah.

»Was ist los?«, fragte er fast ein wenig amüsiert, »willst du den Weltrekord im Treppenlaufen brechen?«

»Oh, Chef, gut, dass du schon wach bist!«, keuchte Monique. »Etwas Fürchterliches ist passiert.«

»Etwas Fürchterliches?« Luc lächelte und legte seine Hand auf Moniques Schulter. Er spürte, dass seine Sekretärin zitterte. »Oh, da scheint ja wirklich etwas passiert zu sein.«

»Und ob«, keuchte Monique Dumas immer noch außer Atem. »Madame Laguère liegt draußen auf der Freitreppe. Sie ist ohnmächtig geworden.«

»Madame Laguère, wer soll das denn sein?«

»Die Frau des Bäckers im Dorf. Wir bekommen jeden Morgen die frischen Croissants von ihnen.«

»Ach ja, und die ist ohnmächtig. Ich hätte Verständnis dafür gehabt, wenn der Sohn des Bäckers vor der Tür gestanden hätte. Dein Morgenrock klafft nämlich auf, Monique.«

Luc Morells Sekretärin sah an sich hinunter. Sie konnte es nicht vermeiden, dass ihr Gesicht rot anlief. Monique Dumas pflegte nackt zu schlafen.

»Aber Chef!«, sagte sie vorwurfsvoll. »Madame Laguère hat keinen Sohn, und im Übrigen… der Fall dort unten«, sie wies mit dem Daumen über die Schulter zurück, »scheint mir tatsächlich ernst zu sein. Ich gehe nur schnell in mein Zimmer und hole etwas Riechsalz. Würdest du so freundlich sein…«

Luc hatte schon verstanden. »Entschuldige, Monique.«

Er ließ seine Sekretärin stehen, nahm die letzten Stufen immer drei Treppen auf einmal.

Madame Laguère lag noch so, wie Monique sie verlassen hatte. Die Frau rührte sich nicht. Als Luc Morell sie so daliegen sah, erinnerte er sich auch wieder an sie. Und gleichzeitig war er betroffen. Das Gesicht der Bäckersfrau war totenblass. Es musste mehr dahinter stecken, als ein normaler Schwächeanfall.

Kurz entschlossen bückte sich Luc nieder. Seine Hände fuhren unter den Körper der Frau. Madame Laguère war alles andere als leicht.

Luc schaffte es trotzdem. Er war durchtrainiert. Luc Morell pflegte regelmäßig Sport zu treiben und war auch in Kampftechniken wie Karate und Boxen ständig geübt. Luc trug die Frau in die Empfangshalle und von dort in einen angrenzenden Salon. Auf einer breiten, mit Brokat bestickten Couch legte er sie nieder. Anschließend zog er die mitternachtsblauen schweren Vorhänge zurück.

Warm und hell sickerten die ersten Strahlen der Morgensonne durch die dicken und roh gewirkten Gardinen und warfen damit auch ein freundlicheres Licht in den Raum.

Mit einem Male sah alles gar nicht mehr so düster aus.

Da betrat auch Monique Dumas den Salon. Mit ihrem Fläschchen Riechsalz in der Hand kam sie sich ziemlich nutzlos vor.

Luc gab ihr mit einem Blick zu verstehen, dass ihre Anwesenheit nicht mehr nötig sei. Er wollte mit der Bäckersfrau allein gelassen werden.

Monique verstand diesen Blick. Dezent zog sie sich zurück.

Luc Morell hatte andere Möglichkeiten, eine bewusstlose Frau in die Wirklichkeit zurückzurufen. Er griff nach dem Puls der Frau. Er lief ruhig, wenn auch sehr schwach. Die Stirn fühlte sich kühl an.

Madame Laguère öffnete die Augen von selbst. Sie wollte hoch von ihrem Lager, doch als sie in die Augen Luc Morells blickte, sank sie in die Kissen zurück.

Etwas Beruhigendes ging von diesem Mann aus. Sie hatte ihn noch nie aus der Nähe gesehen.

Unten im Dorf erzählte man sich skurrile Geschichten über den Mann, der dieses Schloss im Loiretal geerbt hatte. Dabei hatte es in der Lokalzeitung bei Gott genügend Berichte über »Doktor Mystery« vom Château Lamatime gegeben.

Die Artikel kündeten regelmäßig von großen wissenschaftlichen Erfolgen, die Luc schon errungen hatte. Sie berichteten davon, dass Luc Morell der Verfasser von richtungsweisenden Werken über Parapsychologie und Dämonologie war. Aber trotzdem hatten viele Leute unten in den Dörfern immer noch ein wenig Angst vor ihm.

Auch Madame Laguère hatte sich immer ein wenig vor ihm gefürchtet. Nur mit Widerwillen hatte sie den Weg genommen, der zum uralten Schloss von Luc Morell führte. Doch ihre Angst schmolz jetzt dahin.

Die Augen, die sie ansahen, waren mitfühlend, ihr Blick voller Güte. In diesem Moment fühlte Madame Laguère: Diesem Mann konnte sie sich ganz anvertrauen. Ihre Angst verflog, als hätte es sie nie gegeben.

»Madame Laguère«, sagte Luc Morell sanft.

»Herr Doktor«, kam müde die Antwort.

»Es ist Ihnen nicht wohl. Ich habe mir erlaubt, Sie in mein Haus zu bringen. Sie sind draußen auf der Treppe zusammengebrochen. Sie erinnern sich.«

Aufs Neue wollten ihre Augen vor Tränen überfließen. Doch etwas in Luc Morells Blick hinderte sie daran.

»Wollen Sie mir Ihre Sorgen nicht erzählen?«, fragte Luc Morell.

Erschrecken malte sich auf das Gesicht der Frau. »Sie wissen…?«

»Man muss kein Hellseher sein, um Ihnen anzumerken, dass Sie leiden. Erzählen Sie mir. Ich möchte Ihnen helfen.«

»Es… es … es ist wegen meinem Mann und meiner Töchter.«

Mehr sagte die Frau nicht. Die Worte waren nur so herausgesprudelt. Doch sie machte keine Anstalten, fortzufahren.

»Was ist mit Ihrem Mann?«, fragte Luc ruhig. »Was ist mit Ihren Töchtern?«

»Weg sind sie, weggefahren und nicht mehr wiedergekommen.«

Die Frau schrie beinahe auf.

»Wann war das?«

»Zwei Wochen ist es her. Und nur eine Woche wollten sie wegbleiben.«

»Und Sie haben kein Lebenszeichen von ihnen bekommen?«

»Doch.« Die Frau nestelte in den Falten ihres Kleides. Ihre fleischige Hand kam mit einer Karte zurück. Einer Ansichtskarte. »Und ich habe von ihnen geträumt.«

Luc Morell erkannte die Burg von Andorra.

»Darf ich die mal haben?«, fragte er.

»Lesen Sie nur! Lesen Sie nur!« Die Frau war schon wieder den Tränen nahe. »Diese Karte habe ich bekommen. Es war das Letzte, was ich von ihnen gehört habe.«

»Von ihnen?«

»Ja, von meinem Mann und meinen beiden Töchtern.«

»Wenn ich Sie richtig verstehe, sind sie nicht pünktlich zurückgekehrt.«

»Nicht pünktlich zurückgekehrt.« Die einfache Frau versuchte ihrer Stimme einen Anklang von Hohn zu geben. Doch dieser Versuch scheiterte kläglich. Vielleicht hatte sie die ganze Situation damit ein wenig herunterspielen wollen. Vielleicht schämte sie sich. Aber bloßes Mitgefühl brauchte sie jetzt nicht. Was sie brauchte, das war Unterstützung.

Sie brauchte einen Menschen, der sich ihrer Sorgen annahm. Und ganz hinten in den Tiefen ihres Gehirns wuchs die Gewissheit, dass Luc Morell, der verschriene Herr des Château Lamatime, den alle Welt »Doktor Mystery« nannte, der Einzige war, der ihr vielleicht noch helfen konnte. Viele Möglichkeiten hatte sie nicht mehr.

Madame Laguère war verzweifelt. Sie war verzweifelt, wie eine Frau nur sein konnte, die ihre Liebsten verloren hatte.

Luc brauchte keine Fragen zu stellen. Er erkannte es auch so. »Ich werde versuchen, Ihnen zu helfen«, sagte er nur. »Sie müssen mir nur vertrauen. Bleiben Sie ganz ruhig liegen.«

Madame Laguère, die Bäckersfrau, streckte sich aus und gehorchte vollkommen den Befehlen Luc Morells. »Ich tue alles, was Sie sagen«, meinte sie, und ein tiefer Ernst klang aus ihrer Stimme.

Sie hatte vorher nie daran gedacht, dass sie dieser Äußerung fähig gewesen wäre. Doch aus den Augen dieses Mannes sprach ein dermaßen tiefer Ernst, der sie nicht anders entscheiden lassen konnte.

»Helfen Sie mir«, sagte sie noch.

Luc Morell legte ihr beruhigend seine Hand auf die Stirn. »Madame Laguère, ich kann nichts versprechen, aber ich werde alles versuchen, Ihnen zu helfen. Darf ich die Karte einige Zeit behalten?«

Die Frau nickte.

Luc sah darauf. Die Schrift war steil und ungelenk. Zu allem Überfluss war sie auch noch von Tränen verwischt. Luc Morell konnte trotzdem noch den Poststempel entziffern.

Ainsa, las er. War das nicht ein Bergnest im nördlichen Spanien?



3

Luc Morell hatte die Vorhänge wieder zugezogen. Der Raum war in diffuses Zwielicht getaucht.

Madame Laguère lag ausgestreckt auf der Couch. Luc hatte ihr geraten, es sich bequem zu machen. Unter dem Eindruck seiner sonoren, freundlichen Stimme gehorchte die Frau. Sie lag da und fixierte Luc Morells Augen so, wie er es von ihr verlangt hatte.

»Ganz ruhig«, sagte Luc Morell und versenkte seinen Blick in die Augen der einfachen Frau. Mit abgespreizten Fingern beschrieb er einige Zeichen vor ihrem Gesicht, die die Frau beeindrucken und ablenken sollten. »Bleiben Sie ganz ruhig, Madame Laguère. Es wird Ihnen nichts geschehen. Sie werden gleich müde werden, furchtbar müde. Und Sie werden schlafen. Es wird ein wunderbarer Schlaf sein, und Sie werden sich erholen. Schon jetzt spüren Sie, wie die Aufregung abklingt. Es wird immer besser, und Sie fühlen sich immer wohler.«

Luc hypnotisierte die Frau. Der Rapport war sehr schnell hergestellt. Madame Laguère erwies sich als ein ausgezeichnetes Medium, das auf jede von Luc Morells Suggestionen einging.

Luc Morell versuchte in die Tiefen ihres Unterbewusstseins einzudringen. Er wollte den Inhalt des Traums erfahren, an den Madame Laguère sich nicht mehr erinnern konnte.

»Schlafen Sie tief und fest«, meinte er nochmals.

Die Bäckersfrau hatte die Augen geschlossen. Die Lider flackerten nicht mehr.

»Sie schlafen wieder, wie letzte Nacht«, versetzte Luc sie in der Zeit zurück. »Und bald schon werden Sie erleben, dass der Traum wiederkommt. Doch jetzt werden Sie mir Ihren Traum erzählen. Wie in der vergangenen Nacht wird Ihnen wieder jede Einzelheit gegenwärtig. Erzählen Sie.«

Die Frau bewegte die Lippen. »Weiße Mauern…«, murmelte sie.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738911237
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v370766
Schlagworte
mystery folterkammer hexenjägers

Autor

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