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Dr. Mystery #12: Das Geheimnis der kopflosen Leichen

2017 120 Seiten

Leseprobe

Das Geheimnis der kopflosen Leichen

von A. F. Morland


Dr. Mystery Band 12 ‒ Der Meister des Unerklärlichen

Episoden aus den zahlreichen Leben eines Parapsychologen und Dämonenjägers

präsentiert von Steve Salomo


Der Umfang dieses Buchs entspricht 105 Taschenbuchseiten.


Als Dr. Luc Morells Sekretärin in Bangkok spurlos verschwindet, macht sich der berühmte Parapsychologe auf nach Thailand und erfährt, dass in der Umgebung der Stadt immer wieder junge Frauen ermordet werden. Und stets fehlen ihren Leichen die Köpfe!

Und dann erhebt sich eine der kopflosen Leichen, um einen brutalen Mord zu begehen!

Ein Roman von Horror-Spezialist A.F. Morland, Autor der Kultserie »Tony Ballard«!


Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

Bearbeitung: Peter Thannisch

Titelbild: Klaus Dill

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de




1

Voodoo in Bangkok!

Dumpf hämmerten die Trommeln durch die rabenschwarze Nacht.

Die gespenstischen Schläge nahmen kein Ende. Zuckendes Feuer hing zwischen den Ästen.

Eine hübsche nackte Frau wand sich in Krämpfen. Sie hatte eine gertenschlanke Figur, kleine feste Brüste, einen flachen Bauch, volle, schwellende Schenkel. Sie war Europäerin. Fünf Scheiterhaufen brannten fast bis zu den Baumwipfeln hinauf.

Die blonde Frau stampfte auf den Boden und lallte schauderhaft. Sie sprang in die Luft, umtanzte die Scheiterhaufen, griff in das zuckende Feuer, ohne sich zu verbrennen. Dann wiederum wälzte sie sich im Staub und schrie gellend. Hässlich geschminkte Musikanten hockten um blutgefüllte Schalen und beschworen den Fürsten der Finsternis.

Plötzlich begann die Tanzende, sich tiefe Kratzwunden zuzufügen.

Blut quoll aus den Wunden.

Der Anführer der Musikanten trat auf die Stöhnende zu und machte mit dem Daumen und mit ihrem Blut seltsame Zeichen rund um ihre kleinen Brüste, auf den flachen Bauch, auf den Rücken.

Dann hob er die Hände.

Die Trommeln verstummten.

»Tochter der Sünde!«, schrie der Mann, dessen Gesicht mit weißer Farbe beschmiert war. »Ich komme, um dich mit dem Blut der Vergebung zu bemalen! Mach dich nun bereit! Bete! Bete zu Asmodis. Bitte um deinen Tod!«


*


Monique Dumas warf sich in ihrem Bett unruhig hin und her. Sie hatte schlecht geschlafen. Vielleicht war die abendliche Schwüle daran schuld.

Sehr spät erst war sie zur Ruhe gekommen.

Nun war es zwölf, und die Nerven rebellierten in ihrem jungen Körper.

Sie war allein in dem bungalowähnlichen Haus am Rande der Stadt.

Vor einer Woche war sie nach Bangkok gekommen, um für eine bekannte Pariser Zeitschrift einen Reisebericht zu schreiben.

Jean-Paul Rovel hatte sie dazu veranlasst. Rovel, der quirlige Junge aus der Nachbarschaft, der Monique früher immer den Hof gemacht hatte. Rovel, der Streber, der Zeitungswissenschaften studiert hatte, als er aus Moniques Nachbarschaft fortgezogen war. Rovel, den Monique vor einem Monat auf den Champs Elysees wiedergetroffen hatte, der inzwischen Chefredakteur jener bekannten Zeitschrift geworden war, der immer noch für Monique entflammt war und ihr auf Verlagskosten eine Reise in den Fernen Osten zukommen lassen wollte. Er war der Meinung, dass eine Frau, die für einen Parapsychologie-Doktor als Sekretärin arbeitete, auch in der Lage sein müsse, einen packenden Reisebericht über Thailand zu verfassen.

Die reiselustige Monique hatte die Gelegenheit sofort beim Schopf gepackt.

Nach einer Rückfrage bei Doktor Luc Morell hatte sie eingewilligt, den Bericht zu schreiben.

Rovel hatte sich vor Freude mehrmals überschlagen. Er hatte versprochen nachzukommen, sobald es sein Job zuließe.

Dann hatte er ihr eine Adresse genannt, an die sie sich in Bangkok wenden solle, und so war sie zu diesem schönen Haus, das auf einem idyllischen Fleckchen Erde stand, gekommen.

Das Einzige, was die Stille der Nacht fast täglich störte, war jenes ferne unheimliche Trommeln, das sich tief in Monique Dumas' Unterbewusstsein bohrte und in ihr eine seltsame Unruhe aufkommen ließ, die sie nicht abzuschütteln vermochte.

Sie öffnete die Augen. Schweiß glänzte auf ihrer Stirn.

Sie blickte auf den Reisewecker, der auf dem Nachttisch stand.

Fünf Minuten nach zwölf.

Monique seufzte. Fast jede Nacht wachte sie um diese Zeit auf. Allmählich machte sie das fertig.

So schön das Haus und die Umgebung hier auch anzusehen waren, die Nächte waren in dieser Form ermüdend.

Vielleicht sollte ich mich nach einem anderen Haus umsehen, dachte Monique müde. Es gibt bestimmt Bungalows in einer ruhigeren Lage.

Das dumpfe Trommeln hatte schlagartig aufgehört.

Monique hatte es nicht sofort bemerkt. Dann aber genoss sie mit geschlossenen Augen die Stille.

Sie wusste, dass das Trommeln bald wieder beginnen würde.

Ärgerlich drehte sie sich zur Seite. Sie hatte in den vergangenen Tagen eine Menge Leute nach dem Sinn dieses Trommelns gefragt. Doch niemand hatte ihr eine zufriedenstellende Antwort gegeben.

Man hatte sie mit ausweichenden Redensarten abgespeist, um so wenig wie möglich darüber sprechen zu müssen.

Hing das alles mit den kopflosen Mädchenleichen zusammen, die man in den letzten Tagen und Wochen aus den Klongs gefischt hatte?

Monique Dumas schauderte unwillkürlich.

Und plötzlich setzten die Trommeln wieder ein, um ihre angegriffenen Nerven weiter zu foltern…



2

»Tod!«, röchelte das zuckende Mädchen! »Tod! Tod! Ich bitte um den Tod! Ich will sterben! Ja! Sterben durch seinen kräftigen Arm!«

Das Mädchen schüttelte sich wie ein Hund.

Es fasste sich selbst an den Oberarmen, kratzte sich, stöhnte, keuchte und stieß zischende Laute aus, während es sich zu Boden warf und zwischen den Scheiterhaufen umherschlängelte.

»Tod! Tod! Gib mir den Tod! Ich flehe dich an, Meister! Gib mir den Tod!«

Wieder hämmerten die Trommeln dumpf.

Kreischende Männer warfen die Arme in den Himmel.

Das Mädchen stürzte schreiend auf diese Männer zu. Wo sie auftauchte, fielen die Tanzenden zur Seite. Wie ein Wirbelwind jagte sie durch die Männerreihen. Sie rieb ihren blutigen nackten Körper an den Leibern der Männer. Ehe sie einer von ihnen packen konnte, lief sie weiter.

Schließlich brach sie zwischen den hochlodernden Feuern erschöpft zusammen.

»Fleisch von deinem Fleisch, oh Rajadhon, und Blut von deinem Blut!«, donnerte plötzlich eine Stimme in den anschwellenden Lärm hinein.

Eine Leiter knarrte.

Aus dem Wipfel eines Baumes kletterte ein Mann im schwarzen Havelock herab.

Der Voodoopriester.

»Fleisch von deinem Fleisch, oh Rajadhon…!«, brüllte der kräftige Kerl über die gesenkten Köpfe seiner Anhänger.

Jemand warf ihm einen weißen Hahn zu.

Der Priester fing ihn auf, zerbiss ihm blitzschnell die Halsschlagader und trank das Blut.

Auf einem kleinen Steinaltar lag ein Buch. Das Blut des Hahns sickerte durch die Seiten und zerrann im Staub.

Stärker, immer lauter dröhnten die Trommeln.

Das Mädchen mit den blutigen Zeichen erhob sich wieder. Es tanzte wie ein geköpftes Huhn.

»Tod!«, stöhnte es. »Bitte, gib mir den Tod!«

»Gleich!«, knurrte der Voodoopriester mit einem hässlichen Grinsen.

»Ich will sterben!«

»Du wirst sterben!«

»Jetzt!«

»Sofort!«

Das Mädchen sackte wie eine Strohpuppe zusammen. Es neigte den Kopf, strich die Haare aus dem Nacken, wartete zitternd auf den Streich, der sie enthaupten würde.

Gespenstisch knisterten die Scheiterhaufen ringsumher.

Eine weiß getünchte Bretterwand wurde herbeigeschafft.

Sie wurde vor dem Mädchen aufgestellt.

Am Holz hingen Totenschädel, Schnapsflaschen, Heiligenbilder, Hautfetzen, Vogelschwingen und Hunderte kleine Amulette.

»Sterben!«, zischte das zitternde Mädchen ununterbrochen. »Ich will sterben! Rajadhon soll kommen! Er soll sich mein Leben holen!«

Der Voodoopriester warf die Arme hoch.

Die Trommeln verstummten. Das Feuer knisterte.

»Rajadhon!«, rief der Priester mit donnernder Stimme. »Rajadhon!«

Aus dem dichten Wald schwebte das Echo auf die geisterhafte Lichtung zurück.

»Rajadhon!«

Ein Knacken und Knirschen. Ein Knistern. Diesmal aber nicht vom Feuer.

Etwas huschte durch die schwarze Dunkelheit.

Die Männer beugten in hündischer Demut ihre Köpfe.

Nun kam Rajadhon, der Dämon.

Die Männer fürchteten ihn. Jeder von ihnen hatte Angst.

Rajadhon kam, um sich den Kopf dieses Mädchens zu holen.

Gebannt warteten sie.

Mit angehaltenem Atem lauschten sie. Auch der Voodoopriester hatte sich in den Staub geworfen. Der Schein des Feuers verzerrte sein Gesicht zu einer widerwärtigen Fratze.

»Sterben!«, stöhnte das Mädchen. »Ich will endlich sterben!«

Da trat Rajadhon aus dem Wald.

Ein Raunen ging durch die Reihen.

Nur der Voodoopriester blickte die Erscheinung an. Er grinste.

»Hab Dank, dass du unseren Ruf erhört hast, Rajadhon! Nimm hier das Leben dieses jungen unberührten Mädchens! Und halte alles Böse von uns fern.«

Der Dämon näherte sich dem knienden Mädchen.

Er war groß und kräftig. Bis auf einen Lendenschurz war er nackt. Seine Muskeln schimmerten hart, wenn er sich bewegte. Wie eine aus Bronze gegossene Statue sah er aus, wenn er stillstand.

Ein kurzes breites Horn zierte die Mitte seiner gefurchten Stirn. Mit Holzkohle war ein schwarzer, ekelhaft grinsender Totenschädel auf seine breite Brust gezeichnet.

In der kraftstrotzenden Rechten hielt Rajadhon eine blitzende Machete.

»Sterben!«, ächzte das junge Mädchen. »Ich will sterben!«

Rajadhon stellte sich breitbeinig vor ihr auf. Sie hob den Kopf, nur einen Augenblick lang, dann senkte sie ihn sofort wieder.

Noch einmal strich sie das Haar von ihrem schlanken Nacken.

Dann sauste die Machete auf sie herab.

Ihr Gebet war erhört worden…



3

Wenn du nicht schlafen kannst, hast du eine Reihe von Möglichkeiten, um die Zeit besser zu nutzen, als wütend im Bett zu liegen, sagte sich Monique Dumas und stand auf. Du kannst duschen. Und hinterher kannst du ein wenig an deinem Bericht feilen. Der Stil hat dir heute Nachmittag sowieso nicht so recht zugesagt.

Sie duschte, genoss das herrliche Prickeln des Wassers auf der Haut, zog den Hausmantel an, setzte sich an den Schreibtisch und begann in den Blättern zu wühlen, die sie hier abgelegt hatte.

»Wie Pfeile schießen die Ketten der Düsenjäger mit dem thailändischen Wappentier, dem Garuda, im Leitwerk auf das Flugfeld von Don Muang herab«, hatte sie geschrieben. »Der Träger stellt meine Koffer auf die Zollrampe und hebt zum Dank für sein Trinkgeld die gegeneinander gelegten Handflächen vor die Brust. Die Hitze ist unerträglich. Ich komme mir vor wie in einem Dampfbad…«

Plötzlich war ihr, als hätte sie ein fernes, aber näherkommendes Geräusch vernommen.

Das Brechen von Ästen.

So als würde jemand in großer Eile durch den nahen Wald laufen.

Und er schien genau auf ihr Haus zuzukommen.

Monique erhob sich.

Ihr hübsches Gesicht drückte Sorge aus. Sie war allein in diesem einsam gelegenen Haus.

Die Geräusche wurden immer lauter.

Damit wuchs Moniques Erregung. Es war nicht Angst, die sie verspürte. Es war mehr ein Unbehagen, zu wissen, dass sich zu so später Stunde jemand in großer Eile ihrem Haus näherte.

Das musste doch irgendeinen Grund haben.

Hing es irgendwie mit dem gespenstischen Trommeln zusammen, das zwar aufgehört hatte, von dem sie aber wach geworden war?

Nervös schaute sich Monique um.

Ihre Augen wurden zu schmalen Schlitzen.

Sie lief schnell zum Schrank, zog eine Lade heraus und nahm eine kleine Browning an sich.

Sie wurde ein wenig ruhiger.

Die Browning gab ihr den nötigen Halt, den sie brauchte, um entschlossen nach draußen zu gehen.

Die Bretter der Veranda knarrten leise, als sie darauf trat.

Plötzlich war Stille rings um das Haus.

Monique Dumas wurde sofort misstrauisch. Die Person im Wald schien sie gesehen zu haben. Deshalb verhielt sie sich wohl still.

Ein Zeichen für Monique Dumas, dass die Person etwas Böses im Schilde führte.

Was tun?, fragte sie sich. Ins Haus zurückgehen? Die Polizei anrufen?

Unsinn. Bis die da sind, kann weiß Gott was passiert sein!, sagte sich Monique aufgewühlt.

Also stehen bleiben und abwarten.

Sie presste die vollen Lippen fest aufeinander. Ja. Abwarten. Das wollte sie vorerst.

Da war plötzlich wieder ein Geräusch. Ein eisiger Schauer rieselte über Moniques Rücken. Sie kam sich verflucht einsam vor in diesem Moment, wo sie die Gänsehaut am ganzen Körper spürte.

Schnell ließ sie die Zunge über ihre Lippen huschen. Die Aufregung hatte ihre Wangen bleich werden lassen. Sie atmete stoßweise.

Der Lichtschein, der aus dem Bungalow fiel, war schwach. Nur wenige Meter wurden davon erhellt. Dann trat schon die schwarze Nacht ihre Herrschaft an.

Monique Dumas warf einen kurzen Blick auf den Browning.

Das fahle Mondlicht schimmerte darauf.

Sie schaute, ob die Waffe auch entsichert war, ob sie sofort abdrücken konnte, wenn es nötig sein sollte.

Der kleine Sicherungshebel war umgelegt. Die Pistole war einsatzbereit.

Monique hielt die Luft an. Sie lauschte angestrengt. Nun hörte sie deutlich eine Gestalt durch den Busch wischen.

Vorsichtig bei jeder Bewegung. Wie ein Tiger auf der Jagd.

Wieder ein Knirschen. Monique fühlte, dass sie dieser nervlichen Anspannung nicht mehr lange gewachsen war. Dann würde sie irgendetwas Verrücktes tun.

»Hallo!«, rief sie, um ihre aufgestaute Erregung abzubauen. »Wer ist da?«

Sie rief es zuerst auf Französisch und dann auf Thailändisch.

Beide Male bekam sie keine Antwort.

Ihr war, als griffe eine eiskalte Hand nach ihrem Herzen. Ein frostiger Druck schmerzte sie in der Brust.

Und dann gewahrte sie eine schnelle Bewegung. Nicht sehr weit entfernt und doch zu weit weg, um mit der kleinen Browning etwas ausrichten zu können.

Monique straffte alle ihre Muskeln.

Bleich, aber entschlossen, nicht von der Stelle zu weichen, erwartete die resolute junge Frau die näher kommende Gestalt.

Es war ein Mann.

Nackt bis auf einen Lendenschurz. Er war groß und kräftig. Wahre Muskelpakete zierten seinen voluminösen Oberkörper.

Er schlich, gleich einem hungrigen Panther, durch die Dunkelheit.

In seinen Augen lag ein dämonisches Feuer, das Monique Angst machte.

Sie presste die Kiefer fest zusammen, weil sie befürchtete, dass sie sonst mit den Zähnen geklappert hätte.

Sie stand unbeweglich da.

Der Mann kam näher.

Bald war sein mächtiger Körper in Licht getaucht. Er grinste. Sein Gesicht war das eines Thailänders. Aber es war nicht freundlich wie die Züge der meisten seiner Landsleute.

Seine Miene war feindselig, hart, grausam und gemein.

Monique atmete tief durch.

Sieben Meter trennten den Kerl noch von ihr.

Jetzt erst fiel Monique das kurze breite Horn auf, das aus der faltigen Stirn des Fremden wuchs. War das denn ein Mensch?

Er kam noch einen Schritt näher.

Wenn man jeden seiner Schritte mit einem Meter maß, dann hatte er bis zu Monique nur noch sechs Schritte zurückzulegen.

Der Blick der Französin tastete die unheimliche Erscheinung langsam ab.

Der Mann verbarg etwas vor ihr. Er hielt beide Hände hinter sich.

Da hob er die eine Hand.

Monique stieß einen spitzen Schrei aus. Der Mann hielt eine bluttriefende Machete in der Rechten. Und als er die Linke hob, dachte Monique, von einem namenlosen Grauen gepackt und erwürgt zu werden.

Grinsend hielt ihr der Fremde den Kopf einer jungen Frau entgegen, während seine sehnigen Finger fest in die gelbe Wolle des blonden Haares vergraben waren.

Blut tropfte aus dem Hals, Monique fühlte, wie sich ihr Magen umdrehte.

Jetzt erst fiel ihr der hässlich grinsende Totenschädel auf, der mit Holzkohle auf die hünenhafte Brust des Fremden gemalt war.

»Wer sind Sie?«, stammelte die Französin mit heiserer Stimme.

Der Mann kam noch zwei Schritte näher.

Monique richtete zitternd die Pistole auf seine Brust.

»Keinen Schritt weiter, sonst schieße ich!«, stieß sie aufgeregt hervor.

Als der Fremde die Browning auf sich gerichtet sah, warf er den Kopf zurück und stieß ein schauriges Gelächter aus.

Dann knurrte er ganz hinten in der Kehle. Seine bösen Augen starrten Monique feindselig an.

Die Französin wich Schritt um Schritt vor dem grauenerregenden Kerl zurück.

Sie beabsichtigte, sich ins Haus zurückzuziehen und die Tür zu verriegeln.

Selbstverständlich hatte das keinen Sinn. Der Schreckliche konnte auch durch eines der Fenster ins Haus gelangen, wenn er wollte.

Ein plötzliches Blitzen hellte ganz kurz die Augen des dämonischen Mannes auf.

Er kam mit geschmeidigen Bewegungen näher.

»Bleiben Sie stehen!«, fauchte Monique, während ihr der Schweiß übers Gesicht rann.

Wieder lachte der Mann, dass es ihr eiskalt über den Rücken lief.

Da schoss sie in ihrer panischen Furcht. Sie feuerte dreimal nach seiner breiten Brust, die sie auf diese Entfernung nicht verfehlen konnte.

Der Unheimliche grinste.

Die Kugeln hatten ihm drei Löcher in den muskulösen Oberkörper gestanzt.

Genau dort, wo der hässliche Totenschädel die Brust zierte.

Aber der Mann zeigte überhaupt keine Wirkung. Er behielt sein Grinsen bei, fühlte keine Schmerzen, schien überhaupt nicht getroffen zu sein.

Da begriff Monique Dumas mit einem Mal, wen sie hier eigentlich vor sich hatte.

Das war kein Verrückter, der durch den thailändischen Busch geschlichen war, um irgendeinem blonden Mädchen den Kopf abzuschlagen.

Das hier war ein Bote des Teufels.

Das war ein Vasall des Fürsten der Finsternis.

Dieser Kerl war ein Dämon.

Deshalb konnten ihm die Kugeln nichts anhaben.

Der Unheimliche zeigte Monique, wozu er fähig war. Es schien ihm ungeheuren Spaß zu machen, sich über sie lustig zu machen.

Er stieß ein mordlüsternes Fauchen aus.

Aus den drei Einschusslöchern sickerte ein gelblicher Rauch.

Gleich darauf schlossen sich die Löcher vor Moniques schockgeweiteten Augen.

Die Verletzungen waren nicht mehr vorhanden.

Und nun passierte etwas, das Monique fast den Verstand raubte.

Der Mann blies seinen mächtigen Brustkorb noch mehr auf.

Plötzlich begann die Luft zwischen seinen Brustwarzen zu flimmern.

Der schwarze Totenschädel löste sich von seiner Haut.

Er materialisierte sich auf eine grauenvolle Weise.

Sobald dies geschehen war, verließ der furchtbare Schädel die Brust des Mannes. Mit knöchernem Geklapper kam er auf Monique zugeflogen.

In den finsteren Augenhöhlen schimmerte das Feuer der Hölle.

Monique wollte vor dem schauderhaften Schädel fliehen. Doch etwas lähmte sie.

Sie war nicht fähig, die Beine zu heben. Sie vermochte sich nicht umzudrehen.

Das Scheusal müsste sie mit einem schrecklichen Bann belegt haben, den sie nicht zu durchbrechen vermochte.

Mit klappernden Zähnen flog der scheußliche Schädel auf Monique Dumas zu.

Sie schoss in ihrer grenzenlosen Angst danach.

Die Kugel traf das schwarze Gebilde, prallte davon aber ab und sirrte in die Nacht hinein.

Beide begannen gellend zu lachen.

Der Schädel und der Mann mit dem hässlichen Horn in der Mitte der faltigen Stirn.

Monique war einer Ohnmacht nahe, als sie sah, wie der gespenstische Schädel dicht vor ihr stehenblieb. Er lachte immer noch.

Es klang hohl, als käme dieses Gelächter geradewegs aus der Hölle.

Und plötzlich wuchsen dem Scheusal lange Zähne. Vor allem die Eckzähne wurden zu blitzenden Dolchen.

Monique zitterte am ganzen Leib.

Die Schädelbestie sauste auf sie zu.

»Nein!«, schrie das Mädchen verzweifelt. »Neiiin!«

Sie schlug nach dem Schädel, der hart wie Stein war. Er tanzte zur Seite, griff aber gleich wieder an.

Er biss sie blitzschnell in die rechte Hand.

Ein wahnsinniger Schmerz durchraste Moniques ganzen Arm, bis hinauf zur Schulter.

Sie wankte, hatte das Gefühl, dieser schwarze Schädel hätte ihr mit dem Biss Gift in den Körper gespritzt, denn plötzlich begann sich alles um sie herum zu drehen.

Immer schneller.

Als würde sie Karussell fahren.

Und der grässliche Totenschädel fuhr mit ihr, lachte höhnisch.

Sie sah, dass sie an der Hand blutete. Sie wankte. Die Umgebung verschwand hinter einem lästigen Flimmerschleier.

Der Biss!, schoss es ihr siedend heiß durch den fiebernden Kopf. Der Biss bringt dich um! Er hatte Gift in seinen grauenerregenden Zähnen. Er hat dir Gift in die Adern gejagt.

Das Gift bringt dich um!

Sie wankte, die Pistole entfiel ihrer Hand. Sie versuchte sich irgendwo festzuhalten.

Unsicher zuckten ihre Hände durch die Luft.

Über ihr hing der scheußliche Schädel, starrte sie schrecklich an, hatte das Maul geöffnet und war bereit, noch einmal zuzubeißen, falls es nötig sein sollte.

Aber es war nicht mehr nötig.

Monique war dem Gift nicht gewachsen. Ihr junger schlanker Körper war nicht widerstandsfähig genug.

Ihre Beine knickten ein, ohne dass sie es hätte verhindern können.

Noch bei Bewusstsein, registrierte sie, wie sie mit dem Gesicht hart auf die Bretter der Veranda aufschlug.

Und sowohl der Dämon als auch dieser schwarze Totenschädel stießen erneut ein triumphierendes Gelächter aus, denn sie hatten erreicht, was sie erreichen wollten.

Ein rabenschwarzes Etwas breitete sich über Monique Dumas' Augen. Sie vergaß sich selbst und die ganze Welt.



4

Steve Pratt und Luc Morell vergnügten sich indessen seit Tagen in Paris.

Luc Morell kletterte vor seinem Hotel aus dem Taxi und betrat die weite stille Marmorhalle. Seine Schritte echoten von den Wänden zurück. Sein Körper schimmerte auf dem blanken Boden.

An der Rezeption schnellte ein Mann mit verschlafenem Gesicht hoch.

»Ah, Doktor Morell!«, sagte der Livrierte freundlich. »Ein schöner Morgen, heute Morgen.«

Luc nickte bloß.

»Wünsche wohl zu ruhen, Monsieur«, flüsterte der Mann hinter dem Pult mit einem verständnisinnigen Augenzwinkern.

Der Mann reichte ihm schmunzelnd seinen Zimmerschlüssel.

Als Luc die Tür fast erreicht hatte, rief ihn der Livrierte.

Luc wandte sich um.

»Beinahe hätte ich es vergessen, Doktor.«

»Was?«

»Ein Anruf… Das heißt … Eigentlich waren es mehrere Anrufe. Sieben oder acht. Monsieur Rovel. Sie wissen schon. Der Chefredakteur…«

Luc Morell nickte. »Was wollte er?«

»Er sagte, er müsse Sie dringend sprechen.«

»Hat er Ihnen nicht anvertraut, weshalb?«

»Nein, Doktor. Aber er hat mich gebeten, Ihnen zu sagen, Sie sollen ihn noch vor dem Frühstück anrufen.«

Luc nickte.

»Gut. Vielen Dank. Das werde ich tun.«



5

Er tat es nicht. Erst mal war er wie ein Stein ins Bett gefallen. Und um halb zehn war er wie gerädert aufgewacht. Nachdem er ein Bad genommen hatte, war er in den Frühstückssalon hinuntergewankt.

Steve Pratt saß grinsend bei Ei, Toast und Tee.

»Na, Freund! Warum hast du denn so schnell das Feld geräumt?«

»Ich lebe eben nach dem Grundsatz, wenn’s am Schönsten ist, soll man aufhören«, gab Luc Morell achselzuckend zurück.

Er bekam sein Frühstück, rührte es kaum an, trank nur starken Kaffee und ließ sich von Steve Pratt, dem Freund und Historiker aus Amerika, erzählen, was er noch alles in der Nacht getrieben hatte.

Steve war der Meinung, Luc hätte einige Dinge versäumt.

Luc Morell fand dies jedoch gar nicht.

Als abserviert war, erschien Jean-Paul Rovel.

Luc sah ihn und wusste sofort wieder, dass er ihn hätte anrufen sollen.

»Tut mir leid, dass ich Sie noch nicht angerufen habe, Monsieur Rovel«, sagte der Parapsychologe, nachdem sich der Chefredakteur zu ihnen gesetzt hatte. »Ich bin ziemlich spät nach Hause gekommen, wissen Sie? Und ich habe meinen Geist immer noch nicht so ganz beisammen. Was kann ich denn für Sie tun? Was regt Sie so auf? Weshalb haben Sie mich achtmal hintereinander angerufen?«

Rovel war groß gewachsen und breit gebaut. Sein Gesicht war auf eine seltsame Weise zerfurcht. Die grün gescheckten Augen lagen in dunklen, wachsamen Augenhöhlen, unter buschigen gelben Brauen.

Die gebogenen Nasenflügel und der schmallippige, zusammengepresste Mund hatten etwas Raubvogelhaftes. Er war blond.

»Ich mache mir Sorgen, Doktor Morell«, seufzte der Chefredakteur.

»Sorgen?«, fragte Luc. »Um wen?«

»Um Monique.«

»Warum denn das? Monique macht einen bezaubernden Urlaub in Bangkok. Es geht ihr da gewiss ausgezeichnet. Meine Sekretärin ist ungemein selbständig. Ich bin davon überzeugt, dass man sich um sie keinerlei Sorgen zu machen braucht.«

Rovel zog die Stirn kraus. »Ich weiß nicht… Ich habe so ein Gefühl … Vielleicht lachen Sie darüber, Doktor, aber ich bin ein hypersensibler Mensch. Damit will ich nicht sagen, dass man mich leicht beleidigen kann. Das nicht. Aber ich fühle Dinge, die ein anderer niemals spürt. Ich spüre Unheil. Und ich sage Ihnen, dort in Bangkok ist irgendetwas nicht in Ordnung.«

Nun straffte Luc den Rücken. »Wie kommen Sie darauf, Monsieur Rovel?«

»Seit zwei Tagen… nein, seit drei Tagen versuche ich Monique telefonisch zu erreichen, Doktor. Seit drei Tagen kriege ich keine Verbindung.«

Steve grinste. »Sie geht einfach nicht an den Apparat, das ist das ganze Geheimnis, Monsieur Rovel.«

»Wenn sie zu Hause wäre, ginge sie an den Apparat!«, widersprach der Chefredakteur.

»Sie will eben nicht gestört werden«, meine Pratt.

»Nein, nein. Ich sage Ihnen, da ist irgendetwas nicht in Ordnung. Ich habe mindestens zehnmal im Tag angerufen. Einmal hätte sie abheben müssen. Sie hat es aber nicht getan.«

»Vielleicht hat sie das Haus verlassen«, meinte Luc.

»Das wäre eine Möglichkeit. Fragt sich nur, ob sie es freiwillig verlassen hat.«

»Wie meinen Sie das?«

»Ich kann auf diese Entfernung natürlich nichts behaupten, aber Thailand hat selbstverständlich, wie alle Länder Asiens, seine Geheimnisse. Vielleicht ist Monique Dumas einem solchen Geheimnis auf die Spur gekommen…«

»Verdammt, Rovel!«, knurrte Luc. »Sie verstehen es, einem Menschen Angst zu machen.«

»Ich wollte sowieso nach Bangkok fliegen, um da ein bisschen auszuspannen. Ich wollte das zwar erst in ein bis zwei Wochen tun, habe aber den Termin angesichts dieser geheimnisvollen Situation vorverlegt und fliege deshalb schon morgen.«

Luc schaute den Chefredakteur mit zusammengekniffenen Augen an. »Haben Sie den Flug schon gebucht?«

»Noch nicht. Ich wollte Sie fragen, ob Sie sicherheitshalber mitkommen.«

»Natürlich komme ich mit. Und wie sieht’s mit dir aus, Steve? Machst du die Reise nach Bangkok mit?«

Pratt schüttelte den Kopf. »Tut mir leid. Ich muss passen. In New York wartet eine Menge Arbeit auf mich. Ich hätte Ende der Woche sowieso heimfliegen müssen. Kann nicht schaden, wenn ich drei Tage früher heimkomme. Dann erdrückt mich die Arbeit wenigstens nicht sofort.«



6

Der Mann im schwarzen Havelock saß in seiner kleinen Hütte.

Sein Gesicht war zu einem hässlichen Grinsen verzerrt.

Er, der Voodoopriester, war ein mächtiger Mann. Was er sagte, geschah. Denn ihm war es gelungen, Rajadhon, den Dämon, aus der Höllenversenkung hochzuzaubern und wieder auf die Erde zu bringen. Es war nicht leicht gewesen, Rajadhon zu bewegen die Erde zu betreten.

Der Dämon hatte keine rechte Lust gezeigt zu kommen und Angst und Schrecken in und um Bangkok zu verbreiten.

Aber der Voodoopriester hatte ihn mit seiner geheimnisvollen Magie dazu gezwungen. Und solange der Priester es wollte, würde Rajadhon durch die Nacht ziehen und grauenvolle Morde begehen.

Und zwar an jenen, die an die Kraft von Voodoo nicht glaubten.

Gleichzeitig war es dem Priester möglich, sich immens zu bereichern, denn er ließ alle wissen, dass sie nur dann vor Rajadhon sicher wären, wenn sie Schmuck und Geld opferten. Beides verschwand für alle Zeit in den tiefen Taschen des Voodoopriesters.

Nun hockte er auf dem Boden seiner Hütte.

Es war nicht die einzige Herberge, die er besaß. Er wohnte überall in der Stadt.

Soeben heckte er eine neue Bosheit aus. Er wollte noch mehr Schrecken als bisher verbreiten. Voodoo sollte in aller Munde sein.

Deshalb hatte er beschlossen, das letzte Mädchen, das Rajadhon geköpft hatte, wiederauferstehen zu lassen.

Die Leiche lag seit Tagen irgendwo in den Klongs. Noch hatte sie niemand entdeckt.

Jetzt sollte sie sich erheben und kopflos durch die Stadt gehen.

Der Priester klatschte begeistert in die Hände.

Er lachte teuflisch. Ja, das würde ein Mordsspaß werden.

Aus Lehm hatte der Mann mit seinen klauenartigen Fingern eine kleine Puppe geformt. Er hatte Haare von dem getöteten Mädchen, das Mia Shagger geheißen hatte, darangeklebt und ihr, nachdem er zahlreiche Geisterbeschwörungsformeln gemurmelt hatte, neues Leben eingehaucht.

Dann zündete er ein kleines Feuer an.

Er legte die kleine Lehmfigur daneben und rührte eine stinkende Paste an. Sie bestand aus Papageienkot, aus dem Leib getrockneter Eidechsen, Grillen, Zikaden, durchsetzt mit Krötenaugen und dem Gift der Kobra.

Damit beschmierte der Voodoopriester die Figur.

Ununterbrochen brabbelte er. Dann begann er wehklagend zu singen.

Er kniete sich vor das Feuer und ließ den Oberkörper vor und zurück schwanken, während er beschwörend die Arme gehoben hatte.

Mit geschlossenen Augen jammerte er alle die schwarzen Gebete herunter, die ihm bei seinem schauderhaften Zauber nützlich waren.

Plötzlich zischte es in der Flamme.

Der Voodoopriester starrte mit geweiteten Augen in das Feuer.

Eine armdicke Schlange ringelte sich darin.

Sie richtete sich züngelnd auf.

Ihre Augen waren glühende Kohlen. Sie starrte den Voodoopriester reglos an.

Allmählich begann sie hin und her zu pendeln. Und sie zischte und züngelte ununterbrochen, während sie wie eine Kobra mitten im Feuer stand, mit einem flammenden Leib, den der Voodoopriester nun geschickt abfangen müsste.

Schweißtropfen standen auf seiner Stirn.

Es war nicht leicht, die Schlange der Hölle aus dem Feuer zu holen.

Wenn sie ihm ihre Zähne in die Hand schlug, gab es für ihn keine Rettung mehr.

Das war eben das Risiko, das jeder Voodoopriester einzugehen hatte, wenn er sich der Hilfe des Satans versichern wollte.

Der Mann spannte die Muskeln.

Er glotzte die tödliche Schlange gespannt an. Sie zischte feindselig.

Der Mann öffnete vorsichtig die rechte Hand. Er hielt den Atem an.

Im richtigen Moment schnellte seine Hand vorwärts. Mitten in das Feuer hinein.

Seine Finger umschlossen den dicken Hals des Ungetüms.

Er riss das brennende Reptil aus dem Feuer. Der flammende Leib ringelte sich sofort um seinen Arm. Ein wahnsinniger Schmerz ließ ihn aufschreien, aber er hielt die Schlange trotz allem fest in seiner Hand.

Zähneknirschend und mit schmerzverzerrtem Gesicht brachte er das mörderische Maul der Feuerschlange an die Lehmpuppe.

Sofort biss das Untier zu.

Die Puppe stieß einen grellen Schrei aus. Es war schauderhaft anzuhören.

Das kleine Gebilde aus Lehm schnellte auf einmal hoch. Der Kopf fiel ab. Und der Rumpf rannte auf das Feuer zu und verkroch sich in der Glut.

»Hab Dank für die Hilfe! Hab vielen Dank!«, ächzte der Voodoopriester erschöpft.

Die Schlange in seiner Hand verlosch.

Sie löste sich in Nichts auf.

Der Zauber begann ab nun zu wirken.



7

Norman Shagger, Mia Shaggers Onkel, trug eine rostbraune Hausjacke, darunter ein blütenweißes Hemd, das am Hals offenstand.

Das weiße, leicht gewellte Haar war ein wenig zerzaust. Die langen Finger der Rechten hielten eine Zigarette, von der der Rauch aufstieg. Ein dunkles Feuer brannte in Shaggers Augen.

Er war wieder einmal betrunken.

Er war es fast immer. Wer ihn nach seinem Beruf fragte, dem antwortete er, er wäre Schriftsteller.

In gewisser Weise stimmte das auch. Er war mal Schriftsteller gewesen. Ein recht guter noch dazu. Doch plötzlich hatte er gedacht, nicht gut genug zu sein.

Er griff zum Alkohol, um sich zu stimulieren, um noch besser zu werden.

Es ging nur eine Zeitlang gut. Dann forderte das Trinken seinen Tribut.

Heute zitterte Norman Shagger, wenn er nichts trank. Er war gereizt und unausstehlich, wenn er keinen Alkohol bekam. Und er lebte von dem Geld, das von seinen früheren Werken immer noch eintröpfelte.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738911220
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (Juni)
Schlagworte
mystery geheimnis leichen

Autor

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Titel: Dr. Mystery #12: Das Geheimnis der kopflosen Leichen