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HELDENHAFTE SEEMÄNNER #15: Die Suche nach der PEER GYNT

2017 120 Seiten

Leseprobe

Die Suche nach der PEER GYNT


Ein Abenteuerroman von HORST WEYMAR HÜBNER







IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach einem Motiv von Willy Stöwer, 2017

Früherer Originaltitel: Das Schatzschiff

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de







Klappentext:

Es ist ein eigenartiges Gefühl, tot zu sein! Natürlich nicht richtig tot. Nur auf dem Papier! Sogar einen Grabstein gab es von mir. Und ich hätte sonst etwas dafür gegeben, zu wissen, wer da unten in dem Sarg lag. Denn irgendwen mussten sie ja bestattet haben. Es war ein richtiges Grab mit einem Stein, auf dem mein Name stand. Aber ich hatte mich selten so lebendig gefühlt wie in diesem Augenblick, als ich diesen Grabstein betrachtete.

Erst war ich betroffen. Aber dann musste ich mich fragen, wieso sie mich für tot erklärt hatten. Und das alles nur, weil ich nach einigen Jahren gezwungener Abwesenheit zurück nach Hause kam, um meine Frau Hanna nach Valparaiso zu holen. Allerdings erlebte ich dann eine böse Überraschung – und nicht nur das ...



Roman:

Natürlich war ich nach meiner Ankunft nicht sofort auf den Friedhof gegangen. Wer hätte gedacht, dass es da ein Grab von mir gab. Ich war bei Hanna gewesen. Die vertraute alte Wohnung, drei Jahre nicht gesehen; eine lange Zeit. Und es hatte sich in diesen drei Jahren - eine lächerlich kurze Zeitspanne - sehr viel verändert.

Die Platanen waren gefällt worden, und die Straße wirkte jetzt viel breiter und heller. Auch ein paar neue Häuser gab es. Hoch, wuchtig, reine Zweckbauten, die mir kalt und abstoßend vorkamen.

Aber sonst war noch alles beim alten. Der Vorgarten, der Flieder, der gerade jetzt blühte und duftete, die Tulpen, es waren sogar noch die von mir seinerzeit gesetzten Sorten. Kleiner waren sie geworden; nicht mehr ganz so füllig in der Blüte.

Und noch immer donnerte und dröhnte es von der Werft herüber. Die Straße war erfüllt von diesem Lärm. Aber so war es immer gewesen. Daran hatte sich offenbar nichts geändert.

Drei Jahre, und niemand in dem Haus, in dem ich fünf Jahre gewohnt hatte, kannte mich. Lauter neue Gesichter, neue Namen.

Auch mein eigener stand nicht mehr auf dem Schild vom ersten Stock.

Ich läutete trotzdem. Eine kleine dicke Frau machte mir auf. Ich hatte sie noch nie im Leben gesehen. Und ich fragte sie nach Hanna; nach Hanna, meiner Frau. Genau gesagt, ich fragte nach Hanna Renz.

Sie zuckte die Schultern, sie schüttelte den Kopf, sie hatte offensichtlich noch nie von Hanna Renz gehört.

Ich begriff nicht, dass es hier wenig half, dass ich Hanna beschrieb. Und dennoch tat ich es. Das Kopfschütteln blieb, das Schulterzucken auch. Dann musterte sie mich von unten bis oben, von oben bis unten, und irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie in mir trotz der Tatsache, dass ich ihre Sprache redete, einen Wildfremden sah. Und dann knallte sie die Tür zu.

Ich ging zum Meldeamt, und dort erfuhr ich mehr. Da sagte man mir, dass ich tot sei. Hanna Renz war verzogen, zurück in die kleine Stadt im Hinterland, zurück zu ihren Eltern. Der Mann, sagte mir die Angestellte in der Meldestelle, ist doch verstorben.

Ich hielt die Luft an.

Es muss ein Irrtum sein. Dieser Mann ist doch nicht verstorben.“

Die Beamtin nickte ernsthaft. „Doch“, beteuerte sie. „Warten Sie mal!“ Sie blätterte in den Akten, und dann sagte sie fast freudig, weil sie gefunden hatte, was sie suchte: „Ja, hier hab’ ich es. Er war Seeoffizier. Er ist beim Schiffsunglück ums Leben gekommen. Vor anderthalb Jahren ist seine Leiche von Südamerika nach Deutschland überführt worden.“

Seine Leiche? Sagen Sie bloß noch, es gibt ein Grab von ihm.“ Es reizte mich zum Lachen. Ein Grab von mir, ich, der quietschfidel war.

Sie sah mich an, ganz ernst, fast traurig. „Zufällig kenn’ ich sein Grab“, erklärte sie mir. „Es ist gleich neben dem meines Vaters. Vater ist damals drei Tage später beerdigt worden. So lagen die ganzen Kränze alle noch auf dem frischen Grab von Walter Renz.“

Hören Sie: ich bin Walter Renz. Ich weiß ja nicht, wer da begraben worden ist, aber keinesfalls kann es Walter Renz gewesen sein, denn der lebt, und ich bin es!“

Sie sah mich an, als wäre ich ein Wahnsinniger. Ich konnte deutlich an ihrem Blick erkennen, dass sie mir keine Silbe glaubte.

Ich griff in die Tasche meiner abgeschabten Jacke und zog den Pass heraus, den mir der Konsul in Valparaiso ausgestellt hatte, klappte ihn auf und hielt ihn noch in der Hand. Mein Misstrauen Behörden gegenüber war groß.

Da sehen Sie. Walter Renz, und nicht nur der Name, sondern auch die Geburtsdaten, alles.“

Sie warf einen Blick auf den Pass, dann auf mich, dann wieder auf den Pass. Schließlich sah sie abermals auf, und ich merkte richtig, wie sich alles in ihr versteifte. Sie zweifelte nicht nur an der Richtigkeit meiner Behauptung, sie hielt mich ganz einfach für einen Schwindler. Es war nicht nötig, dass sie das erst sagte; ich sah es ihr an.

Ich weiß, was Sie denken“, meinte ich dazu. „Also gut, träumen Sie weiter davon, dass in Ihren Büchern ein Evangelium verkündet wird. Die sollten Sie in den Ofen werfen, so weit es mich betrifft. Nichts darin stimmt!“

Aber er ist ja begraben hier. Glauben Sie denn …?“

Hat jemand im Sarg nachgesehen? Seine Frau vielleicht?“

Das ist eine Voraussetzung, möchte ich annehmen. Soviel ich weiß, muss ein Toter immer in einem solchen Fall von den nächsten Angehörigen identifiziert werden.“

Im Normalfall vielleicht. Ich werde mich erkundigen, ob das jemand getan hat. Auf alle Fälle weiß ich ja jetzt, wo meine Frau ist. Sagen Sie mir nur noch, wo in drei Teufels Namen dieser angebliche Walter Renz begraben liegt. Wo ist dieses Grab?“

Es widerstrebte ihr fast, es mir zu sagen, aber dann murmelte sie: „Sankt Johann. Fragen Sie den Friedhofswärter. Er wird es Ihnen zeigen.“

Ich hatte noch die Türklinke in der Hand und blickte noch einmal zurück, da sah ich, wie sie zum Telefonhörer griff. Ich war sicher, dass sie jetzt ihren Vorgesetzten oder vielleicht gar die Polizei anrufen würde.

Dass es die Polizei war, merkte ich am Eingang des Friedhofs. Dort standen zwei Polizisten, und sie schienen auf mich gewartet zu haben. Ich weiß nicht, wieso sie mich sofort erkannten. Aber der eine, ein großer Dicker, trat auf mich zu, als ich den Friedhof betreten wollte, und sagte: „Augenblick mal, mein Freund!“

Ich kann mich nicht erinnern, mit Ihnen schon jemals Freundschaft geschlossen zu haben.“

Er ignorierte meinen Einwand und schnarrte mit kehliger Befehlsstimme: „Ihren Ausweis!“

Dazu ist die Polizei nun mal im Recht. Sie können ihn von mir verlangen, also zeigte ich ihm den Ausweis.

Er riss ihn mir aus den Fingern, blätterte in dem Pass herum und sagte: „Valparaiso ist weit. Wir können es nicht sofort nachprüfen. Aber er sieht echt aus, dieser Pass.“ Er grinste hinterhältig und fügte hinzu: „Tut mir leid. Den muss ich leider einziehen. Ich werde mich erkundigen. Dann können Sie ihn wieder abholen. So in drei, vier Tagen vielleicht.“

Ich brauche den Pass jetzt“, erwiderte ich. „Ich kann ihn nicht hergeben. Mein einziger Ausweis.“

Ich werde Ihnen eine Quittung ausstellen. Nicht hier allerdings. Auf der Wache.“

Ich geh’ jetzt nicht mit Ihnen auf die Wache. Ich will hier auf dem Friedhof ein Grab besuchen.“

Das wird keine Ewigkeit dauern“, bemerkte er und warf seinem schmächtigen Kollegen einen verständnisinnigen Blick zu. Dann sah er mich wieder an und knurrte: „Wir warten hier auf Sie.“

Sie hatten den Pass von mir, und das war die absolute Gewähr für sie, dass ich wieder zu ihnen zurückkäme.

Und dann ging ich zum Grab. Ein verrücktes, makabres Gefühl, vor dem eigenen Grab zu stehen, in dem irgendein Fremder lag. Ja liegen musste. Aber wer lag in diesem Grab?

Ich kehrte zurück zu den beiden Polizisten, die sich offensichtlich in der Zwischenzeit meinen Pass ausgiebig angesehen hatten. Wahrscheinlich hatten sie nichts Beanstandenswertes gefunden und betrachteten mich lauernd, ob ich nicht vielleicht selbst in irgendeiner Form einen Anlass böte, dass sie mehr mit mir anfangen konnten, als mich nur bis zur Wache mitzunehmen.

Ich musste erst einmal auf der Polizeiwache warten. Vielleicht gehörte es dazu, dass man auf Polizeiwachen grundsätzlich warten muss. Schließlich kam ich dran. Ein älterer Beamter blickte mich über den Rand seiner Brille hinweg an, und irgendwie kam er mir bekannt vor. Wenn er volles blondes Haar gehabt hätte... aber das hatte er nicht, da war gar nichts mehr an Haaren. Doch sonst das Gesicht...

Ich musste ihm wohl auch bekannt vorkommen. Er musterte mich sehr lange, blickte dann auf den Pass, den er in den Händen hielt, blätterte darin, sah mich wieder an und fragte plötzlich:

Wie war das damals mit den Zeugnissen?“

Da fiel es mir siedend heiß ein. Ich hätte jubeln können vor Begeisterung. Also war er doch der Kerl mit dem blonden Haar; der Polizist damals, als wir, zwei Freunde und ich, durch das Hoffenster in die Schule eingestiegen waren. Die Zeugnishefte hatten wir aus dem Lehrerzimmer holen wollen. Das war auch so ein aufregendes Abenteuer gewesen. Ein Dummejungenstreich, einer von vielen; und dass es nach dem Gesetz sogar eine kriminelle Handlung war, mussten wir uns anhören, als ein großer blonder Polizist uns beobachtet und dann erwischt hatte.

Ich erzählte ihm die Geschichte von damals und konnte mich eines Lächelns nicht erwehren. Mein Gott, was hatten wir Angst empfunden, als die Sache geplatzt war. Heute konnte ich darüber nur lachen. Aber er wusste es noch. Er hatte sich nach all diesen vielen Jahren daran erinnert. Mehr als zwanzig Jahre waren seitdem vergangen.

Er grinste, ließ meinen Pass achtlos auf den Schreibtisch fallen, lehnte sich in seinem Sessel zurück und sagte zu dem dicken Polizisten, der mich hereingeschleppt hatte: „Er muss es sein. Daran hätte sich ein Fremder jedenfalls nicht erinnert, und ich finde, er sieht sich auch noch ähnlich.“

Sie sind mir auch bekannt vorgekommen. Aber damals hatten Sie blonde Haare“, erklärte ich.

Es war der I-Punkt auf allem; als hätte er gerade noch darauf gewartet, sagte der einstmals Blonde und jetzige Glatzkopf: „Ich glaube, da brauchen wir nichts zu überprüfen. Aber zum Donnerwetter, wie ist denn das passiert? Wieso kann er tot sein? Wen hat man denn da begraben?“

Das ist eine lange Geschichte“, sagte ich. „Eine sehr lange Geschichte, aber ich würde jetzt ganz gern meinen Pass wiederhaben, damit ich zu meiner Frau fahren kann.“

Er wusste nicht, was mit Hanna war. Er hatte sich nur rein zufällig noch an diese alte Geschichte aus meiner Kindheit erinnert. Mehr war da nicht.


*


Also fuhr ich zu Hanna. Es war schon spät. Trotzdem wollte ich unbedingt los, bekam einen Zug, aber ich musste umsteigen. Kein Anschluss, auf einem zugigen kleinen Bahnhof herumsitzen bis zum frühen Morgen, dann kam der Anschlusszug. Ich fuhr in diese kleine Stadt, die mitten in der Marsch stand. Und da steht sie heute noch. Der Kirchturm, alte, schwere Kastanien und Buchen, dazwischen herausleuchtende rote Dächer. Die Zeit, wo sie ihre Häuser nur mit Reet deckten, schien endgültig vorbei zu sein. Ziegel decken ein Haus problemloser ab.

Vom Bahnhof war es ein gutes Stück bis ins Dorf, und hier schien die Zeit stehengeblieben zu sein. Viehkoppeln, beiderseits des Weges, die Schlaglöcher, ausgefahren der Weg, alles wie einst. Kinder jagten mit einem Handkarren an mir vorbei, so waren auch Hannas Brüder herumgetollt.

Mir fiel ein, dass Hannas jüngerer Bruder den Hof führte. Er würde es sicher noch jetzt tun. Was mochte Hanna bei ihm machen? Half sie ihm?

Mir fiel sehr viel ein in dieser kurzen Spanne bis zum Dorf, ich dachte daran, dass wir immer Kinder gewollt hatten, aber Hanna konnte keine bekommen. Ich dachte auch daran, dass ihr Bruder Max und ich nicht gerade die größten Freunde waren. Bei ihm war ein Seemann ein Herumtreiber, ein Zigeuner. Er hätte sich einen Schwager gewünscht mit einem Bauernhof, oder wenigstens einen, der auf einem Bauernhof bleiben würde.

Es war merkwürdig, ihn sah ich auch zuerst. Er kam gerade mit einem Pferd aus dem Tor heraus, aus diesem noch immer abgeblätterten, einstmals grünen Tor, das in den Hof führte. Es stand sperrangelweit offen, und er hielt inne mit seinem Pferd und sah mich an. Natürlich erkannte er mich sofort. Aber ich hatte das Gefühl, er sah mich nicht, sondern eine Vision, ein Phantom schlechthin, etwas, das es gar nicht gab, nicht geben durfte. Er griff sich an die Stirn, schüttelte den Kopf, als müsste er üble Gedanken loswerden. Dann rieb er sich die Augen. Aber als er sie wieder öffnete, war ich immer noch da.

Innerlich empfand ich eine diebische Freude, dass dieser stämmige Mann, der soviel auf Bodenständigkeit gab, bis ins Mark erschrocken zu sein schien.

Du kannst dich beruhigen, ich bin nicht tot, ich lebe. Es ist irgendein Irrtum passiert. Ich werde aufklären, was es wirklich war. Aber noch weiß ich nichts. Wie geht es Hanna? Sie hat keinen meiner Briefe beantwortet.“

Er hatte die Überraschung noch immer nicht überwunden. Im Gegenteil, mir schien, sein Erschrecken verstärkte sich noch.

Wo... wo kommst du her?“, krächzte er. Es schien ihn unheimliche Mühe zu kosten, das überhaupt zu fragen.

Du sollst nicht mit einer Frage antworten. Du sollst mir sagen, was mit Hanna ist.“ Plötzlich empfand ich Sorge um sie. Ich hatte das Gefühl, irgend etwas stimmte nicht. Er benahm sich so komisch.

Hanna lebt nicht mehr“, sagte er plötzlich.

Was sagst du?“, rief ich.

Er wiederholte es um eine Spur lauter. Aber ich hatte ja von Anfang an verstanden. Ich konnte es nur nicht fassen. Jetzt war ich der Überraschte.

Was ist mit Hanna los? Wieso ist sie tot? Wie konnte das passieren?“

Er verzog schmerzlich das Gesicht. „Lungenentzündung. Es ging ganz schnell. Der Doktor konnte auch nicht helfen. Er hat getan, was er konnte.“

Mir fiel dieser Doktor ein. Ein alter dicker Mann, dazu ein Säufer.

Alles getan! Als wenn Laurenzius je in seinem Leben alles getan hätte. Er konnte nur saufen!“

Max winkte ab. „Dr. Laurenzius ist schon lange tot. Der starb, kurz nachdem sie dich im ... also, nachdem der Sarg kam“, fuhr er schließlich fort, nachdem er gestoppt hatte. „Nein, wir haben einen jungen tüchtigen Arzt. Aber Wunder konnte er auch keine bewirken. Für Hanna war es zu spät. Es sollte wohl so sein. Sie hatte auch keine Hoffnung mehr. Du hast ihr gefehlt. Und jetzt bist du hier. Alle haben dich für tot gehalten. Wer liegt denn im Sarg? Wer ist in dem Grab?“

Was fragst du mich das? Ich möchte es selbst gerne wissen“, erwiderte ich. Und dann dachte ich wieder an Hanna. Sie war noch so jung gewesen. „Wann ist sie genau gestorben?“ fragte ich.

Es ist jetzt knapp ein Jahr her.“ Dann ist sie siebenundzwanzig gewesen, dachte ich. Ein so junger Mensch stirbt. Wie kann es nur möglich sein, dass eine so junge Frau stirbt, an Lungenentzündung, einfach so.

Ich Narr, natürlich sterben auch junge Menschen. Man kann es immer nur nicht fassen, wenn es um die eigenen nächsten Angehörigen geht.

Geh doch hinein, Walter. Geh hinein! Ich muss bloß das Pferd zum Schmied bringen. Ich komme gleich zurück. Leni ist drin.“

Ich schüttelte den Kopf. Was sollte ich drinnen? Ich wollte nur noch wissen, wo ihr Grab war.

Er sagte es mir, und dann ging ich zum Kirchhof.

Es war nicht schwer, das Grab zu finden. Sie hatten sie nicht in die Stadt gebracht und neben mir begraben, wo sie doch meinen mussten, dass ich dort lag. Sie hatten sie hier begraben, hier bei sich im Familiengrab; sie war noch immer eine der Ihren. Ich gehörte nicht dazu und würde auch nie dazugehören.

Als ich noch am Grab stand, kam Max noch einmal. Er hatte sich seine Schürze hochgebunden, nahm den Hut ab, als er sich neben mir aufstellte, und ich hörte ihn leise beten. Dann fragte er mit rauer Stimme: „Wo hast du nur gesteckt? Wie konnte das nur sein, dass sie dich ... Es macht mich ganz verrückt, ich meine, dass sie den Sarg mit einem Toten drin geschickt haben.“

Hat niemand nachgesehen, wer drin liegt?“, wollte ich wissen.

Er schüttelte den Kopf. „Sie haben gesagt, man könnte den Sarg nicht mehr aufmachen, das wäre niemandem zuzumuten. Die lange Reise von Südamerika, verstehst du nicht? Man hat es auch so gerochen, das war entsetzlich.“

Ich hatte begriffen. Nur so war es möglich gewesen, dass ein Fremder unter meinem Namen in die Erde kam. Aber wer mochte dieser Fremde sein?

Erzähl doch mal, was passiert ist und komm doch mit zu uns! Du kannst doch jetzt nicht einfach weglaufen. weißt du überhaupt, wohin?“

Ich weiß immer, wohin.“

Er ballte die Hände zu Fäusten. „Aber du kannst doch jetzt nicht einfach rumlaufen und irgendwo eine Bleibe suchen. Du hättest doch bei uns vorerst auch ein Dach über dem Kopf.“

Ich weiß nicht, ob er es gut meinte, oder nur glaubte, seine Pflicht tun zu müssen; seine Pflicht als Christ.

Weißt du, Max“, sagte ich schließlich, „ich will dir nicht zur Last fallen.“

Seine Neugierde war größer als alles andere. Ich hatte den dumpfen Verdacht, dass er mich nur deshalb bei sich haben wollte, weil er noch immer nicht wusste, was hinter mir lag. Er konnte es kaum erwarten, dieses Geheimnis zu erfahren. Und schon fragte er wieder:

Sie haben damals gesagt, das Schiff wäre gesunken, die PEER GYNT.“

Sie ist gesunken“, behauptete ich. „Sie sind bis auf drei Männer alle umgekommen. Ich war einer der drei.“

Und alle waren tot? Ja, aber der Sarg; das mit dem Sarg...“

Ich hatte ja selbst keine Ahnung. Was sollte ich ihm dann erzählen, nur um seine Neugierde zu befriedigen? Da fiel mir Leni ein. Wahrscheinlich steckte sie hinter allem. Sie wollte wissen, was hier lief. Am Ende war er von ihr auf den Friedhof geschickt worden.

Er hing mir mit seiner Neugier zum Halse raus, und obgleich er Hannas Bruder war, hatte ich ihn nie gemocht, diesen bodenständigen stämmigen Max.

Ich stand noch da auf dem Friedhof, unschlüssig, wann ich zurück fahren sollte, denn ich wusste ja nicht, wann der Zug fährt. Da hörte ich eine Lokomotive in der Ferne pfeifen, und plötzlich fiel mir ein, was Hanna immer gesagt hatte, wenn der Mittagszug kam.

Wenn er pfeift, und du hörst ihn, gibt es schönes Wetter, dann kommt der Wind vom Osten“, hatte sie erklärt. „Und wenn man den Zug hören kann, wenn er pfeift vor der großen Kurve, dann schafft man es noch bis zum Bahnhof.“

Ich hatte es plötzlich eilig, zum Bahnhof zu kommen. Max konnte es nicht fassen, dass ich ihn stehen ließ wie einen dummen Jungen, aber was sollte er auch anders von mir erwarten? Wir hatten uns nie gemocht.

Es stimmte, was Hanna seinerzeit erklärt hatte. Ich erreichte den Zug noch. Er fuhr gerade ein, als ich auf dem Bahnsteig anlangte. Der Zug zurück.


*


Am Abend war ich wieder in der Stadt. Eine Stadt, in der ich aufgewachsen war. Ein Mann, der nach drei Jahren wiederkehrt, hat natürlich noch Freunde von früher, und er hat Bekannte, zu denen er gehen könnte. Aber es war merkwürdig, ich hatte nur Hanna sehen wollen, sonst niemanden. Ich hätte Hanna eine Frage gestellt. Ich hätte sie gefragt, ob sie mitgegangen wäre. Mit hinüber nach Südamerika.

Ich war nur hergekommen, um sie das zu fragen. Sie lebte nicht mehr. Es gab nichts, aber auch gar nichts, weshalb ich hier noch warten sollte. Das, was ich vorhatte, hätte ich gemeinsam mit Hanna getan. Andere brauchte ich nicht dazu. Das einzige, was mich hier noch interessierte, war, zu erfahren, wer im Sarg lag.

Ich musste wieder an den Polizisten denken, dessen gutes Erinnerungsvermögen mir so hilfreich gewesen war.

Ob er etwas unternommen hatte? Eigentlich müsste ich ja mit der Kriminalpolizei sprechen, oder, wie ich es mir vorstellte, mit einem Gericht. Dass sie nachsehen, wer nun tatsächlich im Sarg liegt.

Ich wollte keine schlafenden Hunde wecken. Und mit Behörden mochte ich nichts zu tun haben. Nein, sagte ich mir, und wenn ich diese Frage nie beantwortet bekomme: Ich werde still und ohne Aufsehen zu erregen, wieder zurückfahren nach Südamerika. Dort wartet auf mich etwas, das mir die Zukunft verspricht. Hier hingegen wäre nur Hanna gewesen.

Lungenentzündung! Welch teuflischer Zufall! Hanna war immer so stolz darauf gewesen, wie gut sie per Atem war, dass sie die Treppen hinaufrennen konnte bis zum obersten Speicher, ohne nur außer Puste zu kommen. Und sie war an Lungenentzündung gestorben.

Nein, es gab wirklich nichts mehr, was mich hier halten konnte. Gar nichts. Ich dachte an Kapitän Berg, den Mann, unter dem ich viele Jahre gefahren war und mein Offizierspatent gemacht hatte. Aber irgendwie fürchtete ich, dass auch er tot sein könnte, wenn ich hinkäme. Drei Jahre scheinen eben doch eine Ewigkeit zu sein.

Unwillkürlich lenkte ich meine Schritte vom Bahnof aus zum Hafen. Der Hafen, die Schiffe, das ist meine Welt. Ich werde davon nie mehr loskommen. Aber ich wollte weg, weg von hier. Ich hatte etwas vor, das, wenn es mir gelang, mich sehr reich machen würde, so reich, dass ich nie mehr Geld sorgen befürchten musste. Wie schön wäre es mit Hanna gewesen, Seite an Seite mit ihr, dieses neue bessere Leben aufzubauen. Dafür war ich hergekommen, sonst hatte mich wirklich nichts hergezogen.

Es gab Hanna nicht mehr.

Diesen Schock hatte ich noch gar nicht richtig verdaut Mein ganzes Denken, Sinnen und Trachten hatte sich ganz und gar darauf konzentriert, Hanna wiederzusehen, mit ihr glücklich zu sein und einfach neu anzufangen, sie zu nehmen, wegzufahren. Die Karten für die Überfahrt waren gebucht Nein, ich würde nicht auf irgendeinem Schiff anheuern, sondern ebenso, wie ich hergekommen war, als Passagier auf einem Schiff reisen. Als Passagier, von dem niemand an Bord weiß, dass er eigentlich ein Seeoffizier ist. Es hat mir manchmal heimliche Freude bereitet, mich mit den Offizieren des Schiffes zu unterhalten, mit dem ich gekommen war, ohne sie merken zu lassen, dass ich ein Seemann bin. Da gab es viele Gelegenheiten, sie in peinliche Verlegenheit zu versetzen, durch gezielte Fragen und Bemerkungen auf ihre Ausreden, wenn sie den Passagieren etwas vormachen wollten. Zum Beispiel bei dem miserablen Anlegemanöver in Bordeaux.

Es amüsierte mich jetzt noch, wenn ich daran dachte.

Aber dann glitten meine Gedanken wieder zu Hanna. Ich konnte es einfach nicht fassen, dass es sie nicht mehr gab. Plötzlich, seit ich es wusste, war da eine Leere. Ich kam mir vor wie ein Wanderer, der gar nicht mehr wusste, in welche Richtung er marschieren sollte. Dem sein Ziel völlig aus den Augen geraten war.

Es stimmte, ich war ein Wanderer ohne Ziel. Es gab etwas zu erledigen, und hatte ich das geschafft, so fragte ich mich ganz sicher, für wen diese ganze Mühe gewesen sein sollte. Ich fragte es mich ja jetzt schon.

Ein paar Augenblicke lang war ich geneigt, all mein Vorhaben aufzugeben, einfach auf einem Schiff anzuheuern und wieder als Offizier zu fahren. Mein Seemannsbuch hatte ich noch. Die Papiere waren zum größten Teil noch vorhanden. Und doch gab ich diese Idee schnell wieder auf. Es war einfach viel zu verlockend, was mich drüben in Südamerika erwartete. Wenn es klappte, so würde mir ein phantastisches Schiff mitgehören, so gut wie neu, erst vier Fahrten hatte die PEER GYNT gemacht, und dann war das passiert mit dem Gelbfieber.


*


Ich musste an die vielen Verhöre in Valparaiso denken. Aber die hatte ich ebenso hinter mich gebracht, wie es den beiden anderen gelungen war, die Behörden glauben zu lassen, dass es die PEER GYNT nicht mehr gab. Sie hatten es ja auch glauben wollen. Es war einfach zu viel Zeit verstrichen. Das Schiff galt als gesunken, als verschollen.

Drei waren übrig, wir drei wurden von den Behörden für Schiffbrüchige gehalten, denen es gelungen war, das Festland zu erreichen. Natürlich waren wir die einzigen Überlebenden der PEER GYNT. Aber die PEER GYNT war nicht untergegangen, und sie hatte den Sturm, dem alle die Schuld für den Untergang der PEER GYNT gaben, prächtig überstanden. Eine Krankheit hatte die Mannschaft dieses Schiffes dahingerafft. Und die PEER GYNT war noch heute dort, wohin der Kapitän sie als sterbender Mann noch gefahren hatte.

Genau dort wollte ich wieder hin. Es gab nur noch drei Menschen, die von diesem Versteck wussten, wo ein ganzes Schiff lag.

Die PEER GYNT war für mich zur Lebensaufgabe geworden. Das Schiff, und vor allem die Ladung. Diese Ladung, die wir drei gerettet hatten. Schätze von unvorstellbarem Wert. Ich war nur hergekommen, um Hanna zu holen. Jetzt hatte es sich herausgestellt, dass die ganze Reise nach Europa sinnlos gewesen war.

Zeit war verspielt, kostbare Zeit. Was aber schlimmer war: meine Hoffnung, mein Sehnen nach Hanna, ja eigentlich nach einer Frau überhaupt, war ebenso sinnlos gewesen. Ich hatte, im Gegensatz zu den beiden anderen, drüben in Südamerika Frauen kaum angesehen, geschweige denn berührt. Hanna war in meinen Gedanken immer da gewesen. Und das alles hätte ich mir ersparen können.

Ich merkte immer mehr, dass ich mir von Hanna ein Bild aufgebaut hatte, dem sie bei nüchterner Betrachtung eigentlich nie entsprechen konnte. Hanna war sehr bescheiden, sehr einfach und manchmal auch sehr naiv gewesen. Ich spürte, dass mein Verlangen nach ihr eine Wunschgestalt aus ihr gemacht zu haben schien. Und dass es im Grunde nichts weiter war als das Verlangen nach einer Frau.

Mit vierunddreißig Jahren ist man kein alter Mann. Ich war vierunddreißig Jahre alt. Jetzt, da ich am Hafen stand, in das brackige Wasser blickte, den Duft roch, diesen eigenartigen Geruch, den alle Häfen der Welt an sich haben, als ich die Schiffe sah, die Docks, die Kräne, die Lagerhallen, die Speicher, da fragte ich mich, ob ich nicht eine andere Hanna finden sollte. Eine Hanna vielleicht, die diesem Traumbild, das ich mir in der Fremde von Hanna gezeichnet hatte, in etwa entsprach.

Es war eigenartig, ich trauerte gar nicht um Hanna. Sie war tot. Das hatte mich wie ein Schlag getroffen, es zu erfahren, aber ich war nicht von Trauer erfüllt, sondern eher von einer Leere, von einer Stumpfheit, und gleichzeitig war etwas in mir, das mich antrieb, nach vorn zu sehen und nicht nach hinten.

Ich hatte zwei Plätze gebucht. Sie waren bezahlt. Zwei Plätze auf der PRINCE ANDREW, einem britischen Passagierdamper. Es war schon ein großes Schiff, und es nahm auch sehr viel Fracht mit, aber es würde in neunundzwanzig Tagen in Valparaiso sein.


*


Ich trug nicht ohne Grund diesen abgeschabten Trenchcoat und die nicht weniger ramponierte karierte Jacke. Mich sollte keiner für einen Millionär halten. Und noch war ich es auch nicht.

Da ich bis zur Abfahrt der PRINCE ANDREW noch drei Tage Zeit hatte, mietete ich mich in einem kleinen Hotel ein. Genaugenommen war es eine Absteige, aber dort, so bildete ich mir ein, war ich vor Schnüffeleien der Polizei ziemlich sicher.

Das sollte sich als Irrtum erweisen. Denn ich hatte Max unterschätzt und seine Neugier, alles zu erfahren, was mit meiner Wiederkehr und mir zusammenhing. Vor allen Dingen wollte er etwas wissen, was mich im Grunde auch interessierte: Wer lag im Sarg?

Noch mehr als Max und mich interessierte das die Polizei. Max hatte sie scharf gemacht. Und sie brauchten gar nicht lange, um mich zu finden.

Ein schnauzbärtiger, kahlköpfiger Kommissar führte drei Männer an, die zu mir ins Hotel kamen. Einen ganzen Tag hatten sie gebraucht, um herauszubekommen, wo ich steckte.

Der Kommissar hieß Reiners und hatte eine frappierende Ähnlichkeit mit einem Walross. Die Glatze, der gewaltige Schnauzbart und der Zwicker, den er sich beim Lesen auf die Nase klemmte, das gab ihm schon ein recht martialisches Aussehen.

Ich hütete mich davor, ihn zu unterschätzen. Als er mich ansah, hatte ich das Gefühl, er wollte mich mit seinen Blicken durchbohren. Aber mit glatter Freundlichkeit stellte er sich vor und verkündete dann:

Ich möchte Ihnen doch ein paar Fragen stellen. Ich nehme an, Sie suchen jetzt ein Schiff, auf dem Sie anheuern können.“

Ich ließ ihn in diesem Glauben und sagte gar nichts.

Da haben wir noch eine Menge Zeit, um die Dinge zu klären, die uns beiden doch sehr am Herzen liegen, nicht wahr?“

Jetzt lächelte er mokant. Ich für meinen Teil hätte ihn auf den Mond schießen können.

Er setzte sich auf den Rand meines tristen Hotelbettes, denn der einzige Stuhl im Zimmer war mit Sachen von mir belegt.

Ich lehnte mich an die Waschkommode und sah ihn einfach an. Ich wollte ihn kommen lassen; sollte er reden.

Wir werden den Toten exhumieren. Ist doch klar“, erklärte er, „dass wir das nicht so belassen, wie es ist. Ich hätte ganz gerne, dass Sie dabei sind, wenn wir den Sarg öffnen. Vielleicht kennen Sie den Toten.“

Glauben Sie, dass nach so langer Zeit jemand überhaupt noch zu identifizieren ist?“, wollte ich wissen.

Er nickte. „Manchmal kann man ihn noch erkennen, unmittelbar nachdem der Sarg geöffnet wurde. Es ist, wie ich mir habe sagen lassen, ein Metallsarg. Binnen weniger Minuten zerfällt dann natürlich alles. Aber selbst dann können wir noch einen Menschen identifizieren. Anhand seiner Goldzähne, irgendwelcher gehabter Knochenbrüche und vieler Dinge mehr. Das können Sie unseren Experten überlassen. Ich will aber, wenn wir den Sarg öffnen, dass Sie da sind und vielleicht sehen können, wer es ist.“

Ich wundere mich, dass Sie nicht erst wieder anfangen, daran zu zweifeln, ob ich auch ich bin“, meinte ich spöttisch lächelnd.

Er schüttelte den Kopf und blieb ernst. „Das haben wir nicht nötig. Ich habe natürlich Nachforschungen angestellt. Ganz klar. Wir hatten ja einen ganzen Tag Zeit, Sie zu finden. Es gibt ein Telegramm nach Valparaiso, denn daher stammt ja Ihr Pass, wie wir wissen. Und außerdem hat Sie ein Kollege der Schutzpolizei wiedererkannt.“

Ich weiß. Und was gibt es noch?“, erkundigte ich mich unwirsch.

Im Grunde nicht viel. Ihre Geschichte interessiert mich natürlich.“

Meine Geschichte? Sie meinen, wieso die PEER GYNT gesunken ist? Oder was?“

Dass sie gesunken ist, steht ja wohl fest. Aber was ich nicht begreife, ist die Tatsache, wieso man von Ihnen nichts gehört hat. Sie mussten doch einmal schreiben. Ihre Frau war hier. Sie konnten ja nicht wissen, dass sie tot ist. Sie ist ja auch erst viel später gestorben.“

Ich habe geschrieben“, erklärte ich. „Ich habe mehrmals geschrieben, aber es ist keine Antwort von ihr gekommen.“

Von Ihnen hat nie ein Brief Ihre Frau oder deren Bruder erreicht Man hat von Ihnen gar nichts gehört, sonst wäre doch das alles nicht passiert mit dem Toten.“

Ich hatte eine dumpfe Ahnung, wie das alles zusammenhing. Aber es gab für mich eine ganze Menge Gründe, das dem Kommissar nicht zu erklären.

Kommissar Reiners traute mir offenbar keinen Meter weit. Er schien es mit seiner altgedienten Polizistennase zu wittern, dass da noch etwas im Busch steckte.

Sollte er ruhig raten, ich hatte nicht vor, ihm dabei zu helfen.

Er zog ein Zigarrenetui aus seiner Tasche, klappte es auf und bot mir davon an. Offenbar hielt er mich für das, was ich zu sein vorgab. Diese Pension, meine ramponierte Kleidung, das alles gab natürlich ein typisches Bild. Ich hatte mir genau überlegt, warum ich diesen Eindruck erwecken wollte.

Wie war es also?“, fragte er noch einmal, als ich mir das Ende der Zigarre abschnitt.

Es war ein schwerer Sturm, die PEER GYNT ist gesunken. Wir waren erst sechzehn Mann im Boot, es war das dritte der Boote, die gut ins Wasser gekommen sind.“

Sind denn alle im Boot gewesen? Ich meine ...“

Es ist niemand auf dem Schiff zurückgeblieben. Es hat alles wunderbar geklappt“, behauptete ich. Es war ein Märchen, was ich ihm da auftischte. Nichts davon stimmte. Aber wir hatten uns alle drei geschworen, bei dieser Version zu bleiben.

Außer zwei Rettungsringen ist nie etwas von der PEER GYNT gefunden worden“, erklärte Kommissar Reiners. „Nun gut, ich bin kein Seeamt, das in Erfahrung bringen müsste, wie die Dinge damals standen. Soviel ich erfahren habe, wurde das alles schon den Behörden in Valparaiso angegeben. Von Ihnen und noch zwei anderen. Wer sind diese beiden anderen?“

Hellström, der Erste Offizier, und der Bootsmann Zadek. Aber fragen Sie gar nicht erst, wo die sind, ich weiß es nicht. Wir sind seit Jahren auseinander, es besteht keine Verbindung mehr.“

Wo sind Sie nur die ganze Zeit gewesen? All die drei Jahre.“

Ich hatte große Mühe, in Chile irgendwo anheuern zu können. Es gab nur Schiffe der zweiten Kategorie, verstehen Sie“, behauptete ich. „Ich musste froh sein, überhaupt eine Heuer zu bekommen. Es waren Trampfahrer und einer, auf dem ich zuletzt fuhr, ist ein ausgewachsener Seelenverkäufer gewesen.“

Fassen wir zusammen“, meinte er, „die ganze Hoffnung richtete sich auf Ihre Frau, nicht wahr?“

Natürlich, ich hatte die ganze Zeit nichts von ihr gehört“, erklärte ich ihm. Und das stimmte sogar. Ich hatte versucht, Verbindung mit Hanna aufzunehmen. Es waren wirklich eine ganze Menge Briefe von mir geschrieben worden, ohne dass ich jemals eine Antwort bekommen hatte. Aber ich war nie auf einem Trampschiff oder Seelenverkäufer gefahren in diesen drei Jahren. Ich hatte mich immer auf derselben Stelle aufgehalten, genau wie Hellström und Zadek. Wir drei waren die Überlebenden, die mit dem gelben Fieber fertig geworden waren. Denn die PEER GYNT war nie gesunken, aber das gelbe Fieber hatte alle bis auf Hellström, Zadek und mich hinweggerafft.

Er ahnte wohl, dass es möglicherweise nicht ganz so war, wie ich sagte. Aber weil er mich für einen armen Hund hielt, kam er vielleicht nicht dahinter. Ich nehme an, das war der Grund. Er bewegte sich auf einer falschen Fährte, denn er fragte plötzlich: „Haben Sie überhaupt noch Geld?“

Nicht viel“, erklärte ich ihm, „aber es wird hoffentlich reichen, wenn ich mich einschränke, bis ich ein Schiff gefunden habe.“

Sieht gegenwärtig schlecht aus hier. Haben Sie das nicht gewusst?“

Ich zuckte die Schultern. „So schlecht wie in Valparaiso sieht es hier bestimmt nicht aus.“

Haben Sie nicht einmal versucht, mit Ihrem früheren Reeder in Verbindung zu treten?“

Ich merkte, dass er doch nicht so im Bilde war, wie ich anfangs gedacht hatte.

Diese Reederei besteht nicht mehr“, entgegnete ich. „Ich bin natürlich schon in Valparaiso zu der Vertretung dort gegangen. Die haben uns nicht einmal geholfen. Und vor zwei Jahren war ich wieder da, als ich gar keinen Ausweg mehr wusste und wieder keine Heuer hatte. Und da stand an dem Büro, es sei geschlossen. Man hat mir erzählt, die Reederei sei bankrott.“

Das habe ich nicht gewusst“, erklärte Reiners. „Nun ja, aber das hat alles weiter keine Bedeutung. Und Sie haben schon Verbindung mit einem Heuerbaas aufgenommen?“ „Machen Sie sich keine Sorgen um mich. Ich werde schon ein Schiff bekommen.“

Das ist nicht allzuleicht hier.“

Leichter als in Valparaiso auf jeden Fall“, widersprach ich ihm.

Schon Aussichten?“, erkundigte er sich lauernd.

Eigentlich noch nicht. Aber was nicht ist, kann noch werden.“

Er lächelte zufrieden. Seine größte Angst schien wohl die zu sein, ich könnte vor der Exhumierung abreisen.

Also wie gesagt“, fuhr er fort, „das Konsulat in Valparaiso hat mir bestätigt, dass mit Ihnen und Ihrem Pass alles in Ordnung ist, und im Grunde deckt sich das, was Sie sagen, mit den Angaben von dort.“

Ich hätte innerlich lachen können. Natürlich deckte es sich damit, denn wir hatten nie etwas anderes behauptet, zu keinem Menschen der Welt. Wer Millionenwerte haben will, muss sich schon etwas einfallen lassen, wenn ihm kein anderer zuvorkommen soll.

Ich begreife nur nicht“, meinte er, „wer Ihre Post abgefangen haben könnte. Es muss doch jemand sein, in dessen Interesse es gelegen hat, dass Ihre Frau die Post gar nicht bekommt.“

Da hatte er wiederum recht. Das fragte ich mich ja auch die ganze Zeit, ohne nur die geringste Erklärung dafür zu haben. Auch die Geschichte mit dem Sarg und dem Toten war mysteriös.

Haben Sie eigentlich einen Begriff davon, wieso man meine angebliche Leiche hierher geschickt hat? Ist denn das noch von einem anderen der Fall gewesen, wo man den Angehörigen gegenüber ...“

Er schüttelte den Kopf. „Ich habe eine Liste der gesamten Besatzung. Ich habe gestern bei sechs hier wohnenden Angehörigen von Seeleuten der PEER GYNT nachfragen lassen. Zwei von ihnen hätten ihre Toten nach Hause bekommen können, aber die Angehörigen waren nicht in der Lage, die hohe Summe von mehr als zehntausend Mark aufzubringen, damit die Leiche nach hier übergeführt werden konnte.“

Ein stolzer Betrag, möchte ich meinen“, stellte ich fest. „Haben Sie sich einmal überlegt, Kommissar, was es kostet, ein Frachtstück in der Größe eines Sarges von Südamerika mit einem Schiff zu befördern? Das kostet doch den zehnten Teil dessen und nicht mehr.“

Bei Toten ist das so eine Sache“, belehrte mich der Kommissar, „da müssen gewisse Umstände berücksichtigt werden. Der Sarg alleine kostet schon ein kleines Vermögen. Es müssen Zinksärge sein. Das Holz drumherum ist weiter nichts als Attrappe. Und dann die Kosten der Aufbahrung und all dieser Dinge, die Formulare, das ist sehr teuer. Jedenfalls haben diese Angehörigen ihre Leute nicht holen lassen. Ihre Frau hingegen scheint das Geld aufgebracht zu haben. Es fragt sich nur, wie viele noch die Summe bezahlt haben. Ich begreife nur nicht, wieso man in der Lage sein konnte, diese Leute einzusargen. Es könnte ja sein, dass man sich bei Ihnen zum Beispiel vertan hat, dass Behörden geglaubt haben, Sie seien tot, und man hat einen Kameraden von Ihnen in den Sarg gelegt. Das ist es ja, was ich vermute.“

Ich konnte mir denken, wie es wirklich war. Und das sah ganz anders aus als der Verdacht des Kommissars. Aber ich musste ihm seinen Glauben bewahren helfen. Und deshalb sagte ich:

Die PEER GYNT ist an einer Stelle gesunken, wo die Strömung landwärts geht. Eine Reihe der Männer, die zunächst in den Booten waren, sind offenbar angespült worden. Soviel ich weiß, hat man längst nicht alle gefunden.“

Er erhob sich. „Nun gut, wie die Sache auch sei, ich muss sie untersuchen, und ich lasse Ihnen Bescheid geben, wann die Exhumierung stattfindet. Es sind noch ein paar Dinge mit der Friedhofsverwaltung zu klären.“

Sagen Sie mir Bescheid. Und wenn ich nicht hier bin, hinterlassen Sie es der Bedienerin.“

Er stülpte sich seinen Hut wieder auf, tippte an die Hutkrempe und verschwand.

Morgen sollte die PRINCE ANDREW in See gehen. Ich fragte mich, ob es nicht doch besser sein würde, der Exhumierung beizuwohnen. Aber dann würde ich das Schiff verpassen. Das wollte ich und das konnte ich mir nicht leisten.

Aber wen hatten sie in den Sarg gelegt? Wer war überhaupt auf die Idee gekommen, die Toten nach Europa schaffen zu lassen? Gegen eine solche hohe Summe als Preis.

Ich wusste, dass kein einziger Toter der Besatzung von der Stelle weggekommen war, wo Toni Zadek, Jens Hellström und ich sie eingegraben hatten. Das waren die letzten acht gewesen. Die anderen alle, die schon auf See gestorben waren, hatten ein Seemannsbegräbnis bekommen. Und ein Seemannsbegräbnis hieß, dass man sie in eine Persenning nähte, beschwert von Kohlen oder Ketten, und dann im Meer versenkte. Nein, sagte ich mir, von den wirklichen Toten kann nicht einer hier sein. Aber wer hat da ein Geschäft gemacht?

Vielleicht, dachte ich mir, ist es völlig sinnlos, der Exhumierung beizuwohnen. Wenn wirklich von dem Toten noch etwas zu erkennen sein sollte, dann handelte es sich sicher um einen armen Hund, der in Valparaiso in einer Gasse oder sonstwo umgekommen war. Und jemand hatte einen Handel mit dem Toten getrieben.

Womöglich war gar kein Mensch drin. Vielleicht hatten sie ein verwesendes Tier in den Sarg gepackt. Mein Gott, wo soviel Armut herrschte wie in Südamerika, kamen die Leute oft auf die tollsten Ideen, so toll, wie sich in Europa kaum jemand vorstellen konnte.


*


Ich war noch mitten in meinen Überlegungen, da klopfte es.

Ich dachte, es wäre die Bedienerin, denn wer sonst sollte zu mir kommen?

Ja“, rief ich.

Die Tür flog auf. Es war Max.

Ich konnte mir mein Lachen nicht mehr verkneifen, denn er hatte Leni mitgebracht.

In den drei Jahren war sie noch dicker geworden. Ein wandelndes Fass. Die großen Kulleraugen, der dicklippige Mund und die dünnen, blonden Haare, die sie straff am Hinterkopf verknotet hatte. Sie trug ein dunkelgraues Kleid mit einem weißen Kragen in einer Länge, wie sie schon seit Jahren aus der Mode gekommen war.

Irgendwie tat mir Max in dem Augenblick leid. Und ich lachte immer noch.

Verwirrt sah mich Leni an, während Max dunkel im Gesicht wurde. Er spürte wohl den Spott, den mein Lachen bedeutete.

Wir müssen mit dir reden“, sagte er. Er hatte sogar den Hut abgenommen und drehte ihn nervös in den Händen.

Bis jetzt hatte Leni geschwiegen. Aber jetzt legte sie los. Sie redete wie ein Wasserfall. Sie nannte mich undankbar, sie sprach von Pflicht und Treue und der Stimme des Blutes und all solcher Dinge. Aber vor allen Dingen redete sie von Geld. Von zehntausend Mark, die sie angeblich meiner Frau vorgestreckt hatten, damit sie meinen Leichnam aus Südamerika nach Deutschland kommen lassen konnte.

Ich ließ sie reden und irgendwann einmal war sie auch fertig mit ihrem Redefluss. Dann sagte ich: „Von mir kannst du kein Geld bekommen. Oder hast du schon einmal einem Nackten in die Taschen gegriffen? Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren, Leni. Und außerdem glaube ich nicht, dass ihr Hanna nur eine einzige Mark gegeben habt.“

Das war ein Trick. Ein dreckiger Trick von dir“, fauchte sie mich an.

Du wolltest eine andere, nicht wahr? Loswerden wolltest du sie und deshalb hast du ihr vorgegaukelt, du wärest tot.“

Jetzt war sie total durchgedreht. Verwandte sind eben auch Menschen.

Einen kleinen Augenblick“, sagte ich. „Macht es euch hier bequem, ich bin gleich wieder da. Ich will nur die Sachen wegräumen.“

Ich nahm die Kleidung, die auf dem Stuhl lag, herunter, schob Leni noch den Stuhl höflich zu, und sie erwiderte meinen Blick etwas verwirrt. Vielleicht wunderte sie sich, dass ich ihr auch noch einen Platz anbot. Und ihre Verblüffung war noch vollkommener, als ich sagte: „Ich gehe hinunter und lasse etwas zu trinken und zu essen heraufschicken. Ich will nur Bescheid sagen.“

Dann schloss ich die Tür, ging in die Garderobenecke, nahm meinen Koffer und tat den Anzug hinein. Fünf Minuten später war ich unten, bezahlte das Zimmer und ging.

Ich lachte mir ins Fäustchen, versuchte mir vorzustellen, was für ein dummes Gesicht die beiden wohl machen würden, wenn sie merkten, dass ich nicht wiederkam.

Ich ging zum Bahnhof. Am Bahnhof fällt ein Mann mit einem Koffer am wenigsten auf. In einer Toilette kleidete ich mich um. Die alten Sachen warf ich weg. Der Bart, den ich trug, war schnell abrasiert. Das Ganze dauerte keine halbe Stunde.

Ich hatte die Zeit so abgepasst, bis der Schnellzug aus Berlin eintraf. Mit ihm würden ganz sicher auch Passagiere für die PRINCE ANDREW kommen.

Meine Rechnung ging auf.

Wie ein neuer Mensch ließ ich mich mit dem Strom der Reisenden, die den Schnellzug verließen, aus dem Bahnhof heraustreiben, winkte eine Droschke herbei und ließ mich zum Hafen fahren. Es war nicht die einzige Droschke, die zum Überseekai fuhr, denn dort lag die PRINCE ANDREW. Eine ganze Reihe von Droschken und Privatwagen hielten an der Gangway.

In der Dämmerung des einbrechenden Abends betrat ich das Schiff.

Eine Klippe waren die argwöhnischen Blicke der Zollbeamten. Das ging vorbei. Ich redete mir sicher nur ein, dass sie mich beobachteten. Das taten sie gewiss bei jedem anderen auch.

Als ich dann das Schiff betreten hatte und von einem Steward zu meiner Kabine geführt wurde, hatte ich das Gefühl, dass ein neuer Lebensabschnitt für mich begonnen hätte.

Ich bewohnte die Kabine nicht allein. Ich teilte sie mit einem Unbekannten. Wer es sein würde, konnte ich noch nicht wissen. Denn ich hatte ihnen die zweite Karte für Hanna zurückgegeben und sogar einen Teil des Geldes wiederbekommen.

Ich wandte mich an den Steward und erkundigte mich nach meinem Mitreisenden.

Der junge Engländer zückte ein Buch, schlug es auf und sagte: „Er ist ein Landsmann von Ihnen: Mister Hoff.

Ich zuckte die Schultern, der Name schien mir unbekannt. Ich ahnte nicht einmal, wie sehr dieser Mann, der mein Mitreisender sein würde, und sein Name für mein späteres Leben Bedeutung haben sollten.

Der Steward bekam sein Trinkgeld, dankte und sagte mit anerkennendem Lächeln:

Ihrem Pass nach sind Sie Deutscher, Sir, aber Sie sprechen sehr gut Englisch. Ich hätte nie geglaubt, dass Sie ein Deutscher sein könnten.“

Schon gut“, lächelte ich zurück, und er verschwand.

Morgen erst würde die PRINCE ANDREW auslaufen. Noch eine Nacht und ein halber Tag lagen noch vor mir. Ob es diesem Kommissar Reiners gelang, mich hier aufzuspüren und für seine merkwürdige Exhumierung zurückzuholen?

Zunächst erwartete mich eine völlig andere Überraschung. Es war ziemlich spät. Ich hatte unten in der Messe bereits zu Abend gegessen und kehrte in meine Kabine zurück. Da kam mir der Steward entgegen.

Mr. Hoff ist da. Ich glaube, er zieht sich gerade um.“

Ich wollte nicht stören und wartete noch. Als ich meinte, dass man sich mittlerweile dreimal umgezogen haben könnte, klopfte ich und betrat meine Kabine.

Ich sah ihn von hinten. Ein großer breitschultriger Mann mit dunklem Haar. Aber jetzt drehte er sich um.

Im ersten Augenblick schien er so überrascht wie ich selbst. Sein etwas bleiches, wulstiges Gesicht, der vor Erstaunen leicht geöffnete Mund und die großen dunklen Augen. Dieses Gesicht war mir nicht fremd. Aber in meiner Erinnerung hieß der, dem es gehörte, nicht Hoff.

Der Name kam mir fast automatisch über die Lippen. „Joe“, rief ich.

Fritz!“, brüllte er, und da kam er mir schon entgegen.

Ich bin nicht klein, aber er war gut und gerne einen Kopf größer als ich. Ein Bär von einem Manne, und er zerpresste mich fast, so zog er mich an sich und umklammerte mich mit seinen gewaltigen Armen.

Wir schüttelten uns die Hand, wir boxten uns vor die Brust und dann sprudelten wir uns gegenseitig die Erinnerungen jener Zeit entgegen, die wir gemeinsam verbracht hatten. Die Zeit, die wir beide auf dem Schwesterschiff der PEER GYNT, der HOLBERG, gefahren waren, vier Jahre lang. Wir hatten uns immer gut verstanden.

Wieso, zum Teufel“, fragte ich, „nennst du dich Hoff?“

Das ist mein wirklicher Name“, behauptete er und lächelte. Dann ließ er sich in einen der Sessel sinken. „Soviel Zufall auf einmal gibt es doch gar nicht“, meinte er. „Da fährt man auf demselben Schiff und beide sind wir Seeleute. Wie kommst du dir vor als Passagier?“

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738911190
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (Juni)
Schlagworte
heldenhafte seemänner suche peer gynt

Autor

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Titel: HELDENHAFTE SEEMÄNNER #15: Die Suche nach der PEER GYNT