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Saltillo #5: Todesfalle Santa Fe

2017 120 Seiten

Leseprobe

Todesfalle Santa Fe


Ein Western von John F. Beck




IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach einem Motiv von Charles M. Russell, 2017


Redaktion & Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de



Klappentext:

Seit die schöne Kreolin Layla Sheen aus New Orleans fliehen musste, weil man sie des Mordes an William B. Scrantons Sohn Steve bezichtigte, ist sie immer noch nicht in Sicherheit. Nach wie vor sind Männer auf ihrer Fährte, die sich die von Scranton ausgesetzte Kopfprämie verdienen wollen. Zwei von ihnen entdecken Layla in der Bodega von Nuevo Saltillo und entführen sie.

Als Saltillo davon erfährt, macht er sich sofort an die Verfolgung der Halunken. Er wird nicht aufgeben, bis er Layla befreit hat - bevor ihre Entführer New Orleans erreichen. Laylas Lage ist immer aussichtsloser geworden, und in diesen entscheidenden Stunden erinnert sie sich wieder daran, wie damals alles in New Orleans begann und unter welchen dramatischen Umständen sie entkommen konnte, bevor die Falle zuschnappte …


Ein spannender und eindrucksvoller Roman von John F. Beck. SALTILLO ist nach über 35 Jahren immer noch die einzige deutschsprachige Westernserie, die zur Zeit des Mexikanischen Krieges spielt.





Roman:


Der Beutel mit den Goldpesos rutschte dem graubärtigen Mexikaner aus der zitternden Hand. Die Münzen klirrten auf dem Lehmfußboden der Bodega. Einige rollten unter die Tische und Stühle.

Layla Sheen bückte sich gleichzeitig mit dem alten Weinhändler. Das Gesicht des Mannes war schweißbedeckt.

»Fliehen Sie, Senorita«, flüsterte er mit gesenktem Kopf. »Die Hombres, die mit mir gekommen sind, wollen Ihren Tod! Sie sind ...«

Das Klimpern der Perlenschnüre am Eingang ließ ihn verstummen. Er verharrte auf den Knien, während die hübsche, schwarzhaarige Bodegabesitzerin sich langsam aufrichtete.

Die beiden Männer am Tisch neben der Tür erhoben sich ebenfalls. Der eine war ein drahtiger, dunkelhäutiger Mexikaner. Er trug Vaquerotracht und im Gürtel eine Pistole. Ein Daga, ein langer, schmaler Dolch, steckte daneben in der perlenbestickten Scheide.

Die speckige Hirschlederkleidung seines Begleiters verriet den ehemaligen Mountain Man. Er war klein und kräftig. Ein struppiger Bart umrahmte das derbe, knollennasige Gesicht. Er war mit einer schweren Hawkenbüchse und einem Tomahawk bewaffnet.

Eine dritte, sehnige Gestalt war in der Tür aufgetaucht. Dieser Mann stellte gerade einen Stiefel auf die vor ihn rollende Münze. Deutlich spürte Layla die Drohung, die von dem Trio ausging.

Es war still. Bruthitze lag auf der Plaza des Mexikanerdorfs. Vor der Bodega stand der Planwagen des Händlers, der eine Ladung Weinfässer, Tequila und Mescalflaschen aus dem hundertfünfzig Meilen entfernten El Paso gebracht hatte. In diesem Jahr 1846 war das Land am Rio Bravo unsicherer denn je. Krieg herrschte zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten. Banden Gesetzloser durchstreiften die Wildnis. Deshalb hatte Layla sich nichts dabei gedacht, dass Armijo die drei Hartgesottenen als Begleitschutz mitgebracht hatte. Jetzt aber wünschte sie, die Männer des Dorfes wären bereits von den Feldern zurück.

Neal Teggard, der sehnige Gringo mit dem blonden Schnurrbart, ließ den Perlenschnurvorhang hinter sich zufallen. Eine Zigarette klebte zwischen den schmalen Lippen. Die blauen Augen blickten kalt.

»Was ist los mit dir, Armijo? Seit wir hier sind, schwitzt und zitterst du. Nun rutschst du auch noch auf den Knien rum. Bist du krank, Amigo? He, Sam, Catalo, helft ihm hoch.«

»Rührt mich nicht an!« Keuchend zog Armijo eine langläufige Pistole unter seiner Jacke hervor. Er stand auf. Die Waffe in seiner knochigen Faust zitterte.

»Fliehen Sie, Senorita!«, wiederholte er krächzend. »Diese Hombres haben mich gezwungen, sie herzuführen. Ich wollte...«

»Du bist ein Narr, Armijo.« Teggard ließ die halb gerauchte Zigarette fallen und trat sie aus. Die Waffe des Graubärtigen beeindruckte ihn nicht. »Du hattest alle Chancen, mit heiler Haut davonzukommen. Du hättest nur die Klappe halten müssen. Doch nun ...« Das Achselzucken war ein Todesurteil.

»Was wollen Sie?«, fragte Layla scharf.

Teggards durchdringender Blick heftete sich auf sie. In seinem kantigen Gesicht bewegte sich kein Muskel.

»Catalo und Indian-Joe sind auf die fünftausend Bucks scharf, die auf dein hübsches Köpfchen augesetzt sind, Lady. Ich führ nur einen Auftrag aus. William B. Scranton, der die Prämie ausgesetzt hat, ist mein Boss. Pech, Lady, dass ich ihm ’ne Menge zu verdanken hab’.«

Scranton...

Der Name beschwor Bilder der Vergangenheit herauf. Die Erinnerung, wie sie unter falschem Mordverdacht aus New Orleans hatte fliehen müssen, wurde wieder in Layla Sheen lebendig. Erst hier auf Saltillos Land, in seinem Dorf, hatte sie sich wieder sicher fühlen und frei atmen können. Schon einmal hatten Kopfgeldjäger sie hier aufgespürt. Doch sie hatten den Versuch, die Kreolin Scrantons Rache auszuliefem, mit dem Leben bezahlt.

»Wir hatten dich eigentlich in El Paso vermutet, nachdem du damals nach Westen geflohen bist, Lady«, hörte sie Neal Teggards Stimme wie von weit her. »Ausgerechnet Armijo hat uns schließlich auf die richtige Spur geholfen.«

»Lasst sie gehen!«, stieß der alte Mexikaner hervor. »Ich hab zwar nur eine Kugel, Teggard, aber sie trifft dich.«

Teggard schüttelte den Kopf.

»Du beschützt eine Mörderin.«

»Das ist nicht wahr!«, wehrte sich Layla. »Ich habe Scrantons Sohn nicht umgebracht.«

»Weshalb bist du dann in jener Nacht Hals über Kopf aus New Orleans geflohen?«

Layla atmete schnell. Ihre schweren Brüste hoben und senkten sich heftig unter der weißen Bluse. Sie wehrte sich gegen die Panik, die sie wieder befiel - wie in jener Nacht, als das Unheil über sie hereingebrochen war.

»Alles sprach damals gegen mich. Steves Freunde hetzten die halbe Stadt gegen mich auf. Das war eine Gelegenheit, die sich auch meine Neider nicht entgehen ließen. Deshalb musste ich fliehen und den Saloon aufgeben.«

»Scranton hat Beweise. Steve war vielleicht ein Hitzkopf, ein Abenteurer und Spieler, doch er war auch der einzige Mensch, an dem Scranton hing. Er wird erst wieder Ruhe finden, wenn der Mord an dem Jungen gesühnt ist. Komm jetzt! Dieser alte Narr kann ja doch nichts für dich tun. Seine Pistole ist nicht mal geladen. Dafür haben wir längst gesorgt.«

Der bärtige Indian-Joe kicherte, Catalo, der Mexikaner, grinste verhalten. Armijo verharrte einen Augenblick wie betäubt. Dann stieß er einen wilden Schrei aus.

Die Pistole ruckte in seiner Hand. Er krümmte den Finger, aber es klickte nur. Da ließ er die Waffe fallen. Er strebte an Teggard vorbei zur Tür.

Teggard rührte sich nicht. Trotzdem hatte Armijo keine Chance. Die rechte Hand des dunkelhäutigen Mexikaners zuckte. Ein kurzes Blinken folgte, dann brach der Weinhändler aus El Paso mit einem Messer in der Brust zusammen.

Layla erbleichte. Sie wollte zu ihm. Teggard vertrat ihr drohend den Weg. Noch immer war sein schnurrbärtiges Gesicht völlig unbewegt. »Ich hatte ihn gewarnt.«

»Mörder!«, keuchte die Frau. Sie wich zurück, stieß gegen die Theke. Ihre Rechte verschwand in einer Faltentasche des knöchellangen, weiten Rocks.

Der Anführer der Menschenjäger bewegte sich plötzlich.

Layla brachte zwar noch die einschüssige Taschenpistole heraus, doch Teggards Hieb prellte ihr die Waffe aus der Hand. Im nächsten Moment erwischte Teggard Laylas Arm. Sie schrie auf, als er sie heftig herumwirbelte und zu Catalo und Indian-Joe stieß.

»Fesselt sie und schafft sie raus! Wir lassen den Wagen stehen und verschwinden zu Pferd.«

Die Pesos auf dem Boden klirrten. Layla wehrte sich. Ihre Augen blitzten.

»Saltillo wird auf eurer Fährte reiten, bevor ihr das Land verlassen habt.«

Teggard ergriff einen Krug, der auf der Theke stand. Er trank erst, ehe er sich umwandte und zu ihr ging. Sie hatte die Gegenwehr eingestellt. Das blauschwarze Haar umzüngelte wild ihr bleiches Gesicht. Teggard starrte sie an.

»Vergiss ihn, Lady. Wir haben alles gut geplant, bevor wir mit Armijo El Paso verlassen haben. Wir wissen Bescheid und werden nicht riskieren, dass Saltillo auf unserer Fährte reitet.«


*


Sie waren zu viert.

Zehn Meilen westlich der Hazienda, die Saltillo und Tortilla-Buck mit dem Gefangenen am frühen Morgen verlassen hatten, versperrten sie den Freunden plötzlich den Weg.

Sie lauerten hinter der Biegung eines gewundenen, von schroffen Felshängen gesäumten Tals. Ihre Kleidung war staubbedeckt. Reglos saßen sie im Sattel, hielten die Zügel in der Linken und in der Rechten den fünfschüssigen Paterson Colt.

Der Hufschlag verstummte. Schweigen breitete sich aus. Mortimer war zusammengesunken, mit nach vorn gebundenen Händen zwischen Saltillo und Buck geritten. Nun hob er den Kopf. Sein schweiß- und staubverschmiertes Gesicht spannte sich. Das alte, wilde Glitzern erschien in seinen Augen. Dann lachte er hart.

»Nun bleibt dir nicht mal mehr genug Zeit, dein Testament zu machen, Saltillo«, höhnte er. »Doch wenn du mich zu deinem Erben bestimmst, Bastard, leg ich vielleicht ein Wort bei den Jungs dort für dich ein. Aus dem Ritt nach San Antonio wird jedoch bestimmt nichts mehr.«

Mortimers Gier nach Macht und Reichtum waren wie eine Krankheit. Vor Wochen, kurz nach Kriegsausbruch, hatte er mit Hilfe eines fanatischen Mexikanergenerals versucht, die Hazienda und das Land am Fluss in seine Gewalt zu bringen. Doch Saltillo, der große, indianerhafte Kämpfer, hatte sich den Besitz im verwegenen Handstreich zurückgeholt. Mortimers Verbündeter hatte das Land verlassen. Mortimer selbst war dem Haziendero in die Hände gefallen. Doch Saltillo wollte keine Rache, sondern Gerechtigkeit. Deshalb hatte er sich entschlossen, Ben Mortimer durch die menschenleere Wildnis, die seine Hazienda umgab, nach San Antonio zu bringen. Doch die alte, noch von den Spaniern gegründete Stadt war für Saltillo und Buck gegenwärtig so unerreichbar wie der Mond.

Ihre Mienen waren erstarrt. Saltillos Hand lag am Walnussholzgriff seines Fünfschüssers. Buck Mercer, genannt Tortilla-Buck, hielt die langläufige Harpers Ferry Rifle vor sich auf den Knien. Der Kolben der Waffe war mit schimmernden Messingplättchen besetzt. In ganz Texas gab es wenige so hervorragende Gewehrschützen wie den bulligen Kentuckier.

Mortimer rechnete damit, dass die vier Reiter ihn befreien würden.

Saltillo verließ sich deshalb darauf, dass sie nicht schossen, solange dies auch Mortimer gefährdete. Das war ein folgenschwerer Irrtum.

Der bärtige Anführer schrie ein heiseres »Jetzt!«, und vier Paterson Colts flogen hoch. Es blitzte und krachte, als würde eine Sprengladung gezündet. Gleichzeitig spornten sie ihre Gäule vorwärts.

Doch noch vor dem Schrei hatte das wilde Glühen in den Augen des Bärtigen Saltillo und Buck gewarnt. Beide bewiesen ihre katzenhafte Schnelligkeit. Sie versuchten gar nicht erst, den Gegnern zuvorzukommen, sondern hechteten im Krachen der ersten Salve von den Pferden.

Saltillo riss Mortimer mit. Plötzlich bestand die Gruppe aus einem Durcheinander scheuender Pferde, brodelndem Staub und Männern, die sich zwischen den stampfenden Hufen wälzten.

In dieses Knäuel jagten die Angreifer.

»Wir haben sie!«, schrie einer.

Doch Buck, der Draufgänger, drehte sich geistesgegenwärtig vor einem auskeilenden Huf weg und antwortete auf seine Weise: Das Donnern der Rifle löschte für eine Sekunde den übrigen Lärm aus.

Die Kugel fegte den zu spät herumzuckenden Schießer aus dem Sattel.

Saltillos Schuss folgte wie ein Echo. Der Rücken eines zweiten Pferdes war damit leer.

Geschmeidig fuhr Saltillo zwischen den Gäulen hoch. Der Staub wallte so dicht, dass er nur Schatten um sich sah. Einer davon nahm plötzlich deutlichere Konturen an.

»Pass auf, Amigo, sie kommen zurück!«, brüllte Buck irgendwo in der grau-gelben Wolke.

Ein bärtiges, wutverzerrtes Gesicht über einer flatternden Mähne tauchte vor Saltillo auf. Der Haziendero schnellte zur Seite und schoss. Der Mündungsblitz stieß gleichzeitig auf ihn zu. Ein heißer Luftzug streifte seine Wange. Dann verschwand das bärtige Gesicht in Staub und Pulverrauch.

Saltillo rollte sich herum. Krampfhaft hielt er die Waffe fest. Ein Pferd setzte über ihn, die Hufe berührten ihn fast.

»Amigo!« Das war wieder Bucks Löwenstimme. Dann krachte es zweimal. Ein reiterloses Pferd stürzte mit durchdringendem Wiehern neben Saltillo in den Staub.

Saltillo erreichte die Felsen am Hang. Die Schwaden um ihn lichteten sich. Hufschlag trommelte davon, und als er aufsprang, sah er gerade noch den letzten Angreifer hinter der Biegung verschwinden.

Drei schlaffe Gestalten lagen in dem von Hufen zerwühlten Sand. Eine davon war Mortimer, aber er bewegte sich nun. Der Sturz hatte ihn entweder betäubt, oder er war verletzt. Nicht weit von Saltillo lehnte der Bärtige an einem Felsblock. Er hielt noch den Colt, hatte jedoch nicht mehr die Kraft, die Waffe auf ihn zu richten. Ein großer, dunkler Fleck war vom auf seiner Jacke.

Saltillo kniete bei ihm nieder.

»Was, zur Hölle, hattet ihr vor?«

Trübe Augen starrten ihn an. Die trockenen Lippen bewegten sich mühsam.

»Der Teufel soll Teggard holen. Er hat uns verschwiegen, wie gut du mit dem Schießeisen bist, Mister. Wenn ich das gewusst hätte, wär ich auch für tausend Bucks nicht bereit gewesen, ihm die Kastanien aus dem Feuer zu holen.«

»Wer ist Teggard?«

Ein letztes triumphierendes Aufflackern zeigte sich in den Augen des Sterbenden.

»William B. Scrantons bester Mann. Sicher ist er jetzt schon mit deiner Querida auf dem Weg nach Santa Fe. Er wird fünftausend Dollar für sie kassieren - und dich zur Hölle schicken ...»

Der Kopf des Mannes sank zur Seite. Sein Blick brach. Saltillo kniete wie betäubt bei ihm.

Scranton ... Teggard ... Santa Fe ... fünftausend Dollar ... Das wirbelte durch seinen Kopf.

»Mortimer!«, schrie Buck im nächsten Augenblick.

Ein Schuss peitschte, ein Pferd wieherte. Erneut brach sich Hufschlag an den schroffen Hängen.

Saltillo federte hoch. Der Colt lag noch in seiner Rechten. Der Lauf schwang empor. Mortimer hatte mit einem im Staub liegenden Messer die Fesseln zerschnitten und sich aufs nächstbeste Pferd geschwungen. Er schien nicht mal einen Kratzer abgekriegt zu haben. Nun lag er fast auf dem davongaloppierenden Tier.

Buck kniete, den Colt in der ausgestreckten Faust. Ein Feuerstoß verließ die Waffe, doch die Entfernung war bereits zu groß.

Saltillo ließ den Revolver sinken.

Scranton, Teggard, Santa Fe - hallte es wie ein Echo in seinen Ohren. An seinen Weichlederstiefeln schienen Bleisohlen zu kleben.

Buck sprang fluchend auf, bückte sich hastig nach seinem leergeschossenen Gewehr und landete mit einem Panthersatz im Sattel seines rammsnasigen Pinto. Die blonde Zottelmähne umstand zerzaust seinen Schädel. Die blauen Augen funkelten wild.

»Mann, worauf wartest du?« Dann veränderte sich sein Gesichtsausdruck. Er zog das Pferd herum und ritt zu Saltillo. »Was ist?«, fragte er besorgt. »Es hat dich doch nicht etwa erwischt?«

Saltillos Gesicht war grau, die Wangenmuskeln verkrampft. Er schüttelte den Kopf.

»Jag ihn allein, Amigo.«

Bucks Herz klopfte hart.

»Und du?«

Saltillos Worte klangen wie ein Schwur.

»Scrantons Kopfgeldjäger waren in Nuevo Saltillo. Sie haben Layla. Ich hol sie zurück.«


*


Er entdeckte sie noch am selben Tag von einer buschbewachsenen Anhöhe aus. Die Sonne stand schon tief im Westen. Der Rio Bravo, der sich zwischen Klippen, Hügeln und Buschketten dahinwand, glänzte wie aus geschmolzenem Gold. Ein sanfter Wind bewegte die Zweige, die den einsamen Reiter verbargen. Seine Rechte schloss sich hart um den Kolben des Paterson, als sie nur eine halbe Meile entfernt an einer Flussbiegung auftauchten. Sie folgten der Uferlinie nach Norden. Dort und auf der anderen Seite des Flusses begann Mexiko.

Es waren zwei Männer. Der Sehnige mit dem blonden Schnurrbart ritt voraus, dahinter Layla. Ihr Pferd war mit einer Reata am Sattel des Blonden angeleint. Ihre Handgelenke waren gefesselt. Saltillos Herz schlug heftig. Schweiß bedeckte seine Stirn. Eine Weile blieb sein Blick an ihr festgebrannt.

Laylas Bluse war ein leuchtender Tupfer in der grau-grünen Flussniederung. Ihr langes Haar glänzte in der Sonne. Sie ritt aufrecht, den Kopf erhoben, die Schultern gestrafft. Genauso stolz und ungebrochen würde sie auch vor Scranton treten.

Doch Saltillo wusste, wie heftig sich alles in ihr dagegen aufbäumte, für eine Tat zu bezahlen, die ein Unbekannter begangen hatte.

Dann hefteten sich Saltillos Augen auf den Mann, der hinter der Bodegabesitzerin ritt. Das war ein drahtiger, dunkelhäutiger Mexikaner. Sein spitzkroniger Sombrero hing am Riemen auf dem Rücken. Silberknöpfe funkelten an den Nähten der Chivarrahose.

Der Wind trug Saltillo das dumpfe Pochen der Hufe zu.

Layla drehte den Kopf. Ihr Blick streifte die Sträucher, die ihn umwogten, als spürte sie seine Anwesenheit. Saltillo biss die Zähne zusammen. Alles in ihm fieberte danach, mit dem Colt in der Faust aus der Deckung zu jagen. Doch so lässig die Entführer auch auf ihren Gäulen saßen, Saltillo witterte förmlich ihre Wachsamkeit. Das Land war einsam. Die Grenze seines Weidegebiets lag hinter ihnen. Doch sie waren wie Wölfe, die der Stille und dem scheinbaren Frieden ringsum nicht trauten. Und sie hatten einen Trumpf, gegen den sein Colt machtlos war: Layla.

Er duckte sich. Das monotone Stampfen der Hufe setzte plötzlich aus. Die Reiter waren nur mehr zweihundert Yard entfernt. Der Sehnige hatte sich halb im Sattel gedreht. Saltillos Kopfhaut begann zu kribbeln. Ein dritter Reiter kam auf der Spur der Kopfgeldjäger am Fluss entlang, ein kleiner, stämmiger Mann mit struppigem Bart, ganz in speckiges Leder gekleidet. Die Rechte umklammerte ein schweres Hawkengewehr. Mit dieser Kanone konnte ein Mann noch auf eine Meile einen Büffel erlegen.

»He, Catalo!«, drang seine Krächzstimme in Saltillos Versteck. »Ich habe die Schnauze voll. Die nächste Stunde darfst du dich in diesem Teufelsverhau aus Büschen und Felsen herumtreiben und aufpassen, dass uns keiner folgt. Aber gib acht, dass du in keinem Treibsandloch versackst. Das müsste der Lady das Herz brechen.«

Sein misstönendes Lachen ließ Saltillos Miene verhärten. Diese Burschen waren noch vorsichtiger, als er erwartet hatte. Der Mexikaner schien wenig begeistert von seinem Job. Das änderte jedoch nichts an der Gefährlichkeit des drahtigen Mannes. Saltillos Kehle wurde trocken, als Catalo das Pferd herumzog und langsam auf die Kuppe zukam, auf der er sich verbarg.

Rasch saß der Haziendero ab und hielt seinem Falben die Nüstern zu. Wenn Catalo die Richtung hielt, musste er in wenigen Minuten auf seine Fährte stoßen. Mit Gestrüpp umrankte Felsen verdeckten den Mexikaner nun.

Die anderen ritten am Ufer weiter. Noch einmal sah Saltillo den weißen Fleck, als Layla zwischen den Weiden und Cottonwoods verschwand, die sich hier an den Fluss schoben. Dann blieb nurmehr das Raunen des Abendwinds. Auch der Hufschlag von Catalos Pferd war verstummt.

Saltillo wartete. Steckte der Mexikaner noch zwischen den Felsen, oder hatte er nur sein Pferd dort zurückgelassen und schlich bereits in seiner Nähe herum? Saltillos Fünfschüsser glitt aus der Halfter. Schwer und kühl lag die Waffe in seiner Hand. Der Schatten zwischen den Felsen verdichtete sich. Minuten verstrichen, dann löste sich Catalo plötzlich aus ihm. Er kehrte in einem Bogen zum Fluss zurück. Dort ließ er den Braunen saufen, ehe er in der Richtung verschwand, aus der sie gekommen waren.

Saltillo wusste nun: diese Gegner waren erfahren. Erst wenn sie weit genug vom Ort der Tat entfernt waren, würde ihre Wachsamkeit nachlassen. Solange musste er Geduld haben, so schwer das auch fiel.


*


Die Felskante, die über den Wasserspiegel des Flusses aufragte, verlief so niedrig, dass Saltillo auf Händen und Knien weiterkriechen musste. Die deutliche Spur auf dem schmalen Sandstreifen am Ufer war nicht zu vermeiden. Die Sonne brannte noch heißer als an den Tagen zuvor. Aber der Klang der Stimmen, die vom Hang über dem Uferrand drangen, ließ ihn die Hitze ebenso vergessen wie die Strapazen, die hinter ihm lagen.

Drei Tage waren seit Laylas Entführung verstrichen, war sie in der Gewalt des Trios. Saltillo hatte sein Pferd hinter einer dreihundert Yard entfernten Flusskrümmung zurückgelassen. Seine Waffen waren Colt und Bowiemesser. Noch mehr würde es darauf ankommen, dass er die Nerven behielt. Jeder Fehler musste nicht nur sein Schicksal, sondern auch das von Layla besiegeln.

Lautlos richtete er sich hinter einem Felsblock auf. Schweiß glänzte auf seinem Gesicht, dessen scharflinige Züge das Comanchenblut in seinen Adern verrieten. Die Stimmen waren nun genau über ihm. Blechgeschirr klapperte, Pferde schnaubten.

Saltillo wartete, bis sein Atem wieder ruhiger ging, dann riskierte er einen schnellen Blick. Der Bruchteil einer Sekunde genügte ihm, sich die Szene genau einzuprägen.

Der Lagerplatz befand sich etwa fünfzehn Schritte weiter oben am Hang. Das Feuer mit dem Kochtopf gloste nur noch. Teggard zündete sich gerade eine Zigarette an.

Layla saß ihm gegenüber, den Kopf gesenkt. Das schwarze Haar verdeckte halb ihr Gesicht. Nach wie vor war sie gefesselt. Sie schien erschöpft.

Catalo, der gerade von den Pferden zurückkam, blieb hinter ihr stehen. Ein Glitzern war in seinen dunklen Augen. Die Tiere standen im Schatten der Felsen und Kreosotbüsche am Hang. Die Kammlinie war gekerbt. Kiefern reckten dort oben ihre verkrüppelten Äste in das weiße Feuer der Julisonne. Saltillo wagte einen zweiten Blick. Nun gab’s keinen Zweifel mehr: Indian-Joe fehlte. Auch sein Pferd war weg.

Der Teufel mochte wissen, wo dieser kleine Bursche mit seinem weit tragenden Hawkengewehr steckte. Auf der Jagd oder auf der Fährte zurück? Das Ausbleiben der Kerle, die Saltillo und Buck in den Ausläufern der Cueste del Burro Range aufgelauert hatten, mochte ein Grund sein.

Saltillos Blick tastete sich am felsigen Ufer entlang; nirgends eine Bewegung, ein verräterisches Blinken von Metall.

Das Land zu beiden Seiten des Flusses war zerklüftet. Der Rio Bravo strömte hier durch das Territorium von New Mexico. In diesem Sommer 1846 gehörte es noch zu Mexiko. Aber mit dem Kriegsausbruch vor wenigen Monaten war schon die neue Zeit heraufgedämmert. In den Mexikanersiedlungen am Fluss gärte es. Der alte Hass gegen alle Gringos und die Tejanos war neu erwacht. Gewiss war das für Teggard mit ein Grund gewesen, einen weiten Bogen um Paso del Norte zu schlagen, das von vielen bereits kurz und bündig El Paso genannt wurde.

Entschlossenheit erfüllte Saltillo. Es gab kein Zurück mehr.

Fünfzehn Schritte lagen zwischen ihm und den Männern, die Layla der sinnlosen Rache eines Mächtigen ausliefern wollten. So nahe würde er kaum jemals wieder an sie herankommen. Laylas Aufschrei unterbrach seine Gedanken.

Catalo lachte kehlig. Ein paar Steine rollten den Hang herab.

»Lass sie los!« Das war Teggards schneidende Stimme. Sie passte zu dem blonden, scharfäugigen Mann.

Einige Sekunden verstrichen, dann knurrte Catalo: »Zum Teufel, Neal, wir haben noch ’nen höllisch langen Trail vor uns. Wenn du weiterhin um jedes Kaff am Fluss ’nen Bogen schlägst, kannst du mir das bisschen Abwechslung schon gönnen. Die ziert sich doch nur, die ist doch nicht... Caramba, Neal, lass den Quatsch! Nimm die Pfote von der Kanone!«

»Ich hab gesagt, du sollst sie loslassen.« Das Geräusch eines dumpfen Aufschlags folgte. »Da, die Wasserflasche ist leer. Geh und füll sie.«

»Diablo! Bin ich dein Peon? Geh doch selber!«

Die Stille danach war von tödlicher Spannung durchdrungen. Saltillo atmete flach. Droben hatte Teggard sich aufgerichtet. Er und der Mexikaner standen sich reglos gegenüber. Teggards Miene wirkte wie unter einer Eisschicht erstarrt. Seine Hand lag am Coltgriff.

Catalo umklammerte den Pistolenknauf. In seinem dunklen, schmalen Gesicht zuckte es. Die Augen glühten. Er hatte Layla losgelassen. Sie lehnte an einem Felsen. Mit einem verzerrten Grinsen ließ Catalo schließlich die Hand sinken.

»Na schön. Scrantons Dollars sind mir wichtiger als die Muchacha. Warten wir bis Santa Fe. Vielleicht ist Scranton großzügiger als du, Neal.«

Er hob die lederüberzogene Sattelflasche auf. Seine Schritte malmten den Hang herab. Er näherte sich dem Felsblock, hinter dem Saltillo sich verbarg. Saltillo bewegte sich nicht. Jetzt blieben ihm nur mehr Sekunden. Steine hüpften über die Uferkante.

Saltillo spürte die Nähe des Mexikaners, bevor er ihn sah. Catalo sprang zwei Yard neben ihm vom Felsrand. Damit stand er auf der deutlich in den Ufersand eingedrückten Spur. Er reagierte gedankenschnell. Die Wasserflasche lag noch nicht am Boden, da war er schon herumgezuckt. Fast im selben Moment hielt er den rasiermesserscharfen Daga zum Stoß bereit.

Saltillo jedoch war noch schneller. Sein Coltlauf traf den Mexikaner an der Stirn. Catalo fiel gegen ihn. Geschmeidig wich Saltillo der Dolchspitze aus und zerrte den Bewusstlosen, auf das Krachen von Teggards Schuss gefasst, hinter den Felsen.

Droben blieb es still. Teggard hatte nichts gemerkt. Noch nicht. Das würde sich freilich ändern, wenn Catalo nicht bald auftauchte.

Saltillo spannte sich. Er durfte Teggard keine Chance lassen, Layla als Geisel zu benutzen. Vorsichtig schob er sich halb um den Felsblock herum. Das stufenförmige Ufer war hier nicht einmal hüfthoch.

»Jetzt! dachte er.

Ein Knall wie von einem Kanonenschuss kam ihm zuvor. Die Kugel schmetterte gegen den Felsen und riss eine Handvoll Splitter weg. Donnernd hallte das Echo über den in der Sonne glänzenden Fluss.

Indian-Joes Hawkenbüchse!

Saltillo blieb keine Zeit, festzustellen, von wo der Schuss gekommen war. Teggards Fluch durchdrang den Nachhall der Detonation. Mit dem Colt in der Faust sprang Saltillo auf die Uferkante. Sein rabenschwarzes Haar glänzte.

Joes Schuss hatte den Anführer der Kopfgeldjäger gewarnt. Im selben Augenblick, da Saltillo aus seiner Deckung schnellte, federte Teggard über das niedergebrannte Lagerfeuer.

»Saltillo!«, brachte Layla noch heraus, da riss Teggard sie vom Felsblock, drehte sich mit ihr und richtete den Revolver auf ihre Schläfe.

Saltillo duckte sich. Dieser verdammte Zwerg mit der Hawken hatte ihm im letzten Moment den Angriff verpatzt. Sicher steckte er irgendwo dort oben zwischen den Felsen und lud gerade wieder sein Monstrum von Schießeisen nach.

Saltillo und Teggard starrten sich an. Jeder spürte die Gefährlichkeit des Gegners.

Teggard hielt Layla mit eisernem Griff.

»Schieß!«, keuchte Layla. »Los, Sam!«

Nur Layla verwendete seinen wirklichen Namen. Er hieß Sam O'Hara, doch er wurde Saltillo genannt, seit er die gleichnamige Stadt vor der Vernichtung durch eine Horde Gesetzloser bewahrt hatte.

Teggard zischte: »Du tötest sie, wenn du’s versuchst! Wo sind die Jungs, die dich abfangen sollten?«

Saltillo richtete sich auf. Seine Stimme verriet nichts von dem Aufruhr in ihm.

»Drei sind tot. Nur einer ist entkommen.«

Für einen Moment zerbrach die Maske unerschütterlicher Härte auf Teggards schnurrbärtigem Gesicht. Ein wildes Aufflammen war in seinen Augen.

»Dafür bezahlst du!«

Ein leises Klirren kam aus dem Schatten der Felsen schräg oberhalb von Saltillo.

Indian-Joe. Der kleine, wildniserfahrene Bursche ließ sich noch immer nicht sehen. Im Moment war er vielleicht gefährlicher als Teggard.

Saltillo stand wie auf glühenden Kohlen. Es war nur mehr ein verzweifelter Versuch, Zeit zu gewinnen, als er hervorstieß:

»Gib Layla frei, Teggard, sonst lass ich’s drauf ankommen. Dann erwischt es dich ebenfalls! Soviel Zeit bleibt mir immer.«

»Darauf würd’ ich nicht wetten.« Ein hässliches Kichern kam von dort, wo zuletzt das Klirren gewesen war. Indian-Joes gedrungene, kurzbeinige Gestalt schob sich aus dem Schatten. Von seinem Gesicht waren nur die Knollennase und der struppige Bart zu sehen. Die Krempe des verbeulten Huts verdeckte die obere Hälfte. In seinen Fäusten wirkte die Hawken wie eine Miniaturkanone.

»Na, du zu großgeratener Comanche rechnest du dir noch immer was aus?«, kicherte der ehemalige Trapper.

»Flieh, Sam, sie töten dich sonst!«, rief Layla verzweifelt, und Teggard schnappte: »Halte keine Reden, Sam! Schieß!«

Der Fluss! Es war der einzige Fluchtweg, der Saltillo blieb. Im Aufbrüllen von Indian-Joes Waffe schleuderte er sich von der Felskante ins Wasser. Laylas Schrei ging im Dröhnen der schwerkalibrigen Waffe unter.

Schon rannte Joe wieselflink den steinigen Hang herab. Teggard schwang seinen Colt herum und feuerte dorthin, wo das Wasser hoch aufspritzte.

»Nein!« Layla warf sich gegen ihn, versuchte sich an ihm festzuklammern und ihn am nächsten Schuss zu hindern. Da war Saltillo schon weggetaucht. Ein Schatten, den die Strömung aufzusaugen schien. Teggard stieß die Frau zur Seite und lief ebenfalls zum Fluss hinab.

»Dort!« Joe wies mit seiner leergeschossenen Rifle auf den Fluss unterhalb des Felsblocks, hinter dem Catalo lag.

Saltillos Kopf und Schultern zerteilten die glitzernde Oberfläche des Rio Bravo. Er schnappte nach Luft, vierzig Yard vom Ufer entfernt, damit nahe genug für das Blei aus Teggards Colt.

Der blonde Menschenjäger hielt den Paterson mit beiden ausgestreckten Händen. Seine Miene war starr. Blitzschnell jagte er sämtliche Kugeln aus der ruckenden Waffe. Pulverdampf umwogte ihn.

Vom Fluss gellte ein durchdringender Schrei. Das Wasser um Saltillo schien plötzlich zu kochen. Er hatte beide Arme hochgerissen.

Das war das letzte, was Teggard und Indian-Joe von ihm sahen. Er sackte weg wie ein Stein.


*


Der Fluss glättete sich, während Teggard eilig seinen Fünfschüsser nachlud. Der Tiger vom Rio Bravo tauchte nicht wieder auf. Das Wiehern eines Pferdes riss Teggard und Joe herum.

»Verdammt!«, entfuhr es dem kleinen Mountain Man.

Layla nestelte noch an der Leine, mit der ihr Pferd festgebunden war, als die beiden Männer zu laufen begannen. Die Riemen an ihren Handgelenken behinderten die junge Frau. Ihr Atem flog, die Wangen brannten. Dann hatte sie’s geschafft. Teggard und Joe waren auf halber Strecke zwischen Fluss und Lagerfeuer. Katzenhaft schwang sie sich in den Sattel. In diesem Augenblick glich sie eher einer Comanchensquaw als der einstigen Leiterin einer Nobel-Spielhölle in New Orleans.

»Denk an Scrantons Bucks, Neal, und schieß!«, kreischte Indian-Joe. Er hätte sich vor Wut den Bart ausreißen können, weil er das Gewehr noch nicht nachgeladen hatte.

Teggard blieb stehen. Sein Paterson flog hoch. Aber er zielte nicht auf Layla, sondern auf das Pferd.

Da hatte sie das schnaubende Tier schon herumgeworfen. Teggards Schuss peitschte vorbei. Die Zügel lagen in ihren gefesselten Händen. Verzweifelt stieß sie dem Braunen die Fersen gegen die Weichen.

Bevor Teggard nochmals feuern konnte, verschwand die Reiterin zwischen den Kiefern auf dem felsigen Kamm. Drüben ging’s steil hinab. Die stampfenden Hufe brachen Steine los. Staub wallte.

»Lauf!«, keuchte Layla. »Zeig, was du kannst, Amigo!«

Sie jagte auf einen Einschnitt zwischen den Felsen zu. Die Hufe hämmerten jetzt auf hartem Lehm. Laylas Herz trommelte mit ihnen um die Wette. Die flatternde Mähne war dicht vor ihrem Gesicht. In ihren Ohren gellte immer noch Saltillos Schrei, der Todesschrei des Mannes, den sie liebte.

Nein! wehrte sich alles in ihr. Es war nur einer von seinen vielen Comanchentricks; Teggard hat ihn nicht getroffen!

Sie merkte nicht, wohin das Pferd lief. Felswände, Geröllhalden und Buschgruppen wischten vorbei. Sie sah immer nur das glitzernde, zwischen schroffen Hängen eingezwängte Band des Flusses, die Silberfontänen, die Teggards Schüsse hochrissen und mitten in dem Strudel von Gischt und Wellen Saltillos versinkende Gestalt.

Schüsse krachten hinter ihr.

Teggard und Indian-Joe fegten einen langabfallenden Hang herab. Der Reitwind zerfetzte den Pulverqualm vor ihren Waffen. Weiß-gelbe Mündungsfeuer blitzten über den Hälsen ihrer Pferde. Ein Felsvorsprung schob sich zwischen sie und die flüchtende Frau. Laylas Brauner galoppierte an einer turmhohen Felsmauer entlang. Halbverdorrte Kreosotzweige peitschten seine Flanken. Wieder kam eine Biegung. Dahinter klaffte ein staubgefüllter, tief eingeschnittener Canyon.

Layla ritt um ihr Leben, doch ihr Blick war leer. In ihr schien alles wie betäubt, bis ein Gedanke sie durchfuhr: Sie musste zurück und sich Gewissheit verschaffen!

Das Dröhnen der Hufe umbrauste sie. Staub biss in ihren Augen. Weithin sichtbar markierte er ihren Fluchtweg.

Sie sprang ab. Der Schwung riss sie um. Im Nu war sie wieder auf den Beinen, rannte zu einer Felsspalte und zwängte sich keuchend hinein. Das Pferd stürmte weiter und verschwand hinter der Biegung.

Ein dichter Staubschleier hing noch zwischen den Steilwänden, als die Verfolger heranpreschten.

Layla schmiegte sich tiefer in den Schatten. Für Sekunden haftete ihr Blick an Teggards sehniger, wie mit dem Pferd verschmolzener Gestalt.

Zusammenfassung

Seit die schöne Kreolin Layla Sheen aus New Orleans fliehen musste, weil man sie des Mordes an William B. Scrantons Sohn Steve bezichtigte, ist sie immer noch nicht in Sicherheit. Nach wie vor sind Männer auf ihrer Fährte, die sich die von Scranton ausgesetzte Kopfprämie verdienen wollen. Zwei von ihnen entdecken Layla in der Bodega von Nuevo Saltillo und entführen sie.
Als Saltillo davon erfährt, macht er sich sofort an die Verfolgung der Halunken. Er wird nicht aufgeben, bis er Layla befreit hat - bevor ihre Entführer New Orleans erreichen. Laylas Lage ist immer aussichtsloser geworden, und in diesen entscheidenden Stunden erinnert sie sich wieder daran, wie damals alles in New Orleans begann und unter welchen dramatischen Umständen sie entkommen konnte, bevor die Falle zuschnappte …

Ein spannender und eindrucksvoller Roman von John F. Beck. SALTILLO ist nach über 35 Jahren immer noch die einzige deutschsprachige Westernserie, die zur Zeit des Mexikanischen Krieges spielt.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738910759
ISBN (Buch)
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (April)
Schlagworte
saltillo todesfalle santa

Autor

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Titel: Saltillo #5: Todesfalle Santa Fe