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Ihr Kampf auf Leben und Tod

2017 120 Seiten

Zusammenfassung

Es wütet ein unerbittlicher Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten, bei dem jeder auf seine Art ums nackte Überleben kämpft.
Eine Schwadron reitet mit einem äußerst gefährlichen Sonderauftrag und ungewissem Ausgang nach Westen. Ihr Weg führt durch Wüsten und Einöden, durch Comanchen- und Apachengebiet, ständig verfolgt von Yankeetruppen. Das sind jedoch nicht die einzigen Gefahren, die das Gelingen ihres Trails quer durchs Land bedrohen …
Was viele von ihnen vermuten, jedoch keiner so recht wahrhaben möchte – sie reiten in das größte Abenteuer ihres Lebens, dessen Härte und Erbarmungslosigkeit keine Grenzen kennt …

Leseprobe

IHR KAMPF AUF LEBEN UND TOD


Larry Lash


Western



IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E‑Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author/ Titelbild: Nach einem Motiv von Charles Schreyvogel, 2017

Korrektorat: Kerstin Peschel

Früherer Titel: Die letzte Schwadron

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de



Klappentext:


Es wütet ein unerbittlicher Krieg zwischen den Nord- und Südstaaten, bei dem jeder auf seine Art ums nackte Überleben kämpft.

Eine Schwadron reitet mit einem äußerst gefährlichen Sonderauftrag und ungewissem Ausgang nach Westen. Ihr Weg führt durch Wüsten und Einöden, durch Comanchen- und Apachengebiet, ständig verfolgt von Yankeetruppen. Das sind jedoch nicht die einzigen Gefahren, die das Gelingen ihres Trails quer durchs Land bedrohen …

Was viele von ihnen vermuten, jedoch keiner so recht wahrhaben möchte – sie reiten in das größte Abenteuer ihres Lebens, dessen Härte und Erbarmungslosigkeit keine Grenzen kennt …




1.


Die Pferde stampften schleppend, als hätten sie nicht mehr viel Kraft, durch den Staub, vierzig Pferde mit schweißverkrusteten Fellen.

Ihre Reiter trugen Zeichen des Krieges, Narben und Wundverbände. Alle waren zum Umfallen müde, wie es nur Soldaten sein können, die seit Wochen keinen richtigen Schlaf mehr bekommen hatten. Vornüber geneigt und zusammengesunken hockten sie in den Sätteln. Manche schwankten, und es hatte den Anschein, als müssten sie beim Stolpern ihrer Pferde aus den Sätteln fallen.

Die Männer trugen die Uniform der Südstaatler. Doch bei keinem war sie mehr so, wie sie nach den Bekleidungsvorschriften hätte sein müssen. Einige von ihnen hatten die fehlenden Uniformstücke durch Zivilkleider ersetzt.

Wer diese vierzig Reiter sah, konnte erkennen, dass er eine harte Kampfabteilung vor sich hatte, die aus der Schlacht kam. Zwei Geschütze wurden in der Truppe mitgeführt. Sie rumpelten über den steinigen Weg.

Eine Trompete schmetterte ein Signal. „Alles absitzen, die Geschütze am Wegrand in Stellung bringen und die Sergeanten zu mir!“, tönte der laute Ruf von Captain Bell.

Emmet Stadlee sagte heiser zu seinem Nebenmann:

Endlich, der Alte hat ein Einsehen! Noch einige Meilen mehr, und ich wäre im Sattel eingeschlafen. Die Augen fielen mir immer wieder zu.“

Das hättest du verhindern können, wenn du dir Streichhölzer zwischen die Lider geklemmt hättest“, grinste Sergeant Red Hunter ihn an. „Ich glaube nicht, dass es eine lange Rast gibt, Emmet, der Alte kann sie sich nicht leisten. Der Feind ist dicht hinter uns, und wir haben keine Verbindung zur Truppe. Wir wissen nicht einmal, wo unsere Armee ist. Vor zwei Tagen sind wir abgesprengt worden, und seitdem schlagen wir uns durch. Es sieht nicht gut aus, für unseren Haufen.“

Das brauchte Emmet Stadlee niemand zu sagen. Alle Reiter wussten das. Die vierzig Mann fühlten sich wie in einer Falle, die jeden Augenblick zuschnappen konnte. Das Schlimmste aber war, dass man sich nicht in Feindesland bewegte, sondern auf dem Boden der Südstaaten, von dem der Gegner mehr und mehr Besitz ergriff. Die Baumwollfelder reiften im Gluthauch der Sonne, doch man sah keine Sklaven, die dabei waren, die Ernte einzubringen. Das ganze Land schien verlassen zu sein, doch dieser Eindruck täuschte.

Captain Tab Bell ließ sich nicht bluffen. Er wartete, bis seine beiden Sergeanten Red Hunter und Billy Blagan bei ihm waren. Mit ihnen kam Leutnant Orne Kay.

Gents“, eröffnete Captain Bell das Gespräch, „es sieht böse aus! Vor einer Woche hätte sich wohl keiner von uns träumen lassen, dass wir sozusagen im Niemandsland reiten würden, so traurig das jetzt auch klingt. Leutnant, reiten Sie mit Hunter und Stadlee zur Plantage. Ich muss wissen, ob sie von Unionstruppen besetzt wurde. Nehmt euch vor herumstreifenden Schwarzen in Acht! Den ehemaligen Sklaven ist nicht zu trauen. Man sagt, dass sie von der Unionsarmee befreit wurden und dass sie sich Waffen besorgten. Es ist also Vorsicht geboten!“

Sir, Sie wollen die Plantage als Nachtquartier benutzen?“, fragte Leutnant Orne Kay.

Vielleicht, es wird sich noch finden“, antwortete Captain Bell. Er sah zu seinen Männern hin, die die Geschütze an den Wegrand gefahren hatten und abgesessen waren. Müde ließen sie sich ins Gras fallen.

Leutnant Kay, Sie kennen diese Gegend und wissen, wo die Plantage liegt. Es stimmt doch, dass Sie aus dieser Ecke stammen?“ Orne Kay nickte. Auf seinem schmalen Gesicht lag der Staub. Er schien sich in die Haut eingefressen zu haben. Leutnant Kay unterschied sich durch grünblaue Augen, rotes Haar und einen kleinen Schnurrbart von den anderen Männern. Er nickte, sagte aber kein Wort.

Ich hätte es gern genauer gewusst, Kay“, knurrte Captain Bell, „oder schämen Sie sich, dass Sie hier zu Hause sind?“

Warum sollte ich, Sir? Die Unionstruppen werden noch tiefer in die Südstaaten vordringen, man wird sie nicht aufhalten können. Neun Millionen Menschen leben in den Südstaaten. Von ihnen sind sechs Millionen schwarze Sklaven, die praktisch ausfallen. Der Norden hat nicht nur zweiundzwanzig Millionen Menschen, er hat auch die Flotte und die Industrie. Alle Schlüsselpositionen sind in den Händen der Nordstaaten. Wer von uns also auf dem Standpunkt steht, dass der Krieg für uns erfolgreich verlaufen kann, der macht sich selbst etwas vor, Captain.“

Sie sprechen wie ein Yankee, Leutnant“, erwiderte Captain Bell. „Mit einer solchen Ansicht schaden Sie uns, mehr noch, Sie untergraben die Moral der Mannschaft. Ich kann so etwas nicht dulden, Leutnant, Sie werden bestraft!“

All right, Sir!“

Es wird geschehen, sobald wieder ordentliche Verhältnisse herrschen. Jetzt führen Sie meinen Befehl aus!“

Orne Kay schlug die Hacken zusammen und winkte Emmet Stadlee und Red Hunter zu sich.

Die drei Männer schwangen sich in die Sättel ihrer Pferde. Voller Neid sahen sie zu den anderen hin, die sich jetzt ausruhen durften.


*


Wenig später ritt die Drei-Mann-Gruppe durch die Baumwollfelder.

Wie im Frieden“, sagte Leutnant Orne Kay und atmete sichtlich auf. Seine Augen schweiften in die Runde.

Aber es ist Krieg, Sir“, sagte Emmet Stadlee. „Schauen Sie doch genauer hin! Die Baumwollfelder müssten abgeerntet werden. Niemand stört sich daran. Wertvolle Rohstoffe gehen verloren. Durch die Maisfelder dort sind unsere Gegner gestampft. Durch dieses Land zogen Karawanen von Flüchtlingen. Machen Sie sich keine falsche Illusion, Leutnant, es ist Krieg!“

Er trinkt zu viel“, flüsterte Red Hunter dem neben ihm reitenden Emmet Stadlee zu. „Er ist wieder betrunken. Eine Schande ist das! Ich habe gesehen, wie er eine leere Flasche wegwarf. Ich vermute, dass er sich betäuben und nicht sehen will, dass die Yankees im Lande sind. Captain Bell sollte ihm so etwas nicht zum Vorwurf machen, es verärgert den Leutnant nur noch mehr. Ich habe das Gefühl, als habe Bell es besonders auf Kay abgesehen, als bestünde eine regelrechte Feindschaft zwischen den beiden. Es muss selbst dem Dümmsten aufgefallen sein, dass Bell den Leutnant schikaniert, wo er nur kann.“

Leutnant Orne Kay kümmerte sich nicht um die Unterhaltung. Er war tatsächlich wieder betrunken, das war an seiner schlaffen Haltung und der Rötung seiner Augen festzustellen. Die Augen hatten einen träumerischen Ausdruck. Aber nur wer Leutnant Kay nicht kannte, hätte sich täuschen lassen. Nie ritt ein Mann wacher als er, nie konnte sich ein Mann von einem zum anderen Augenblick rascher wandeln.

Hunter und Stadlee hielten ihre Pferde etwas zurück, sodass sie sich lauter unterhalten konnten.

Es ist auffallend, dass der Captain uns nicht nach Süden, sondern immer weiter nach Westen führt. Im Westen aber ist keine Front, dort ist Indianer-Territorium.“

Was willst du damit sagen?“

Nun, ich habe das Gefühl, dass wir nicht zufällig abgesplittert sind, dass sich unsere Schwadron auf einen bestimmten Auftrag hin absetzen musste, dass es aber so aussehen soll, als wäre es nicht beabsichtigt. Seit Tagen reiten wir immer nur nach Westen. Es scheint sich niemand dagegen aufzulehnen.“

Doch, ich!“, meldete sich Leutnant Orne Kay. Er hatte das Tempo verringert und alles gehört. „Es sieht tatsächlich so aus, als wollte uns Captain Bell aus den Kampfgebieten herausbringen. Seit zwei Tagen ist kein Kanonendonner mehr zu hören, sind keine Flüchtlingstrecks mehr zu sehen. Die Front scheint irgendwo zu sein, nur nicht in der Richtung, in die wir reiten. Ausgerechnet Captain Bell kann die Wahrheit über uns und die Nordstaaten nicht hören. Er tut so, als wäre in diesem Krieg alles für uns offen. By Gosh, was ist das für ein Optimist!“

Der Krieg ist noch nicht entschieden“, erwiderte Stadlee rau. „Sie tun, als hätten uns die Yankees bereits Handfesseln angelegt. Dieser Krieg wird für den Süden gewonnen! Wenn Sie es besser wissen, hätten Sie sich doch gleich auf die andere Seite schlagen sollen. Das hätte Ihnen dann bestimmt viel Bitteres erspart.“

Stadlee, ich bin kein Rebell!“, unterbrach ihn Kay. „Ich mag die Yankees nicht, aber das ist nicht ausschlaggebend und wird auch nichts an meiner Voraussage ändern. Der Krieg wird nicht von uns gewonnen, Männer!“

Kay lachte seltsam rau. Seine beiden Begleiter, Sergeant Hunter und Kavallerist Stadlee, sahen sich einen Augenblick verdutzt an, dann betrachteten sie ihren Leutnant scharf. Sie vermuteten, dass die ungeheuren Strapazen und der Alkohol, den der Leutnant getrunken hatte, Anlass zu seiner Äußerung waren.

Leutnant Kay schien keinen Wert darauf zu legen, die alten Parolen vom Endsieg an den Mann zu bringen. Er sprach offen seine Befürchtungen aus. Das hatte ihm die Ablehnung und den Hass Captain Bells und einiger Leute der Schwadron eingebracht. Alle glaubten fest an den Sieg des Südens. Alle waren Patrioten, Freiwillige, die in diesen männermordenden Krieg gezogen waren, um ihrer Sache zum Sieg zu verhelfen und dem Norden eine scharfe, aber heilsame Lehre zu erteilen. Keiner von ihnen ahnte, dass die große Zeit der Plantagenbesitzer und Sklavenhalter bald vorbei sein würde. Das hektische Treiben der Nordstaaten und die Jagd nach dem Dollar waren nicht mehr aufzuhalten.

Leutnant Orne Kay war nicht naiv genug, um die Stärke des Nordens zu übersehen. Für ihn war der Strom aus dem Norden unaufhaltsam. Die alte Tradition des Südens würde hinweggefegt werden. Der bisherige Verlauf des Krieges zeigte, dass der Süden bereits wankte. An all das musste Orne Kay denken, aber auch daran, dass er durch die Heimat ritt und dass keine zwei Reitstunden von hier entfernt, im Osten, das Haus lag, in dem er geboren wurde. In dieser Gegend hatte er seine Kindheit und seine Jugend verbracht. Das alles glaubte er überwunden und weit hinter sich zu haben. Doch jetzt, beim Anblick der blühenden Baumwollfelder, trieb es ihm die Müdigkeit aus dem Körper. Die Sehnsucht war da und wurde so mächtig, dass er das Verlangen heimzureiten kaum noch unterdrücken konnte.

Jahre waren vergangen, seit Orne Kay seine Eltern und die Heimat verlassen hatte. Was mochte sich inzwischen ereignet haben? In der letzten Zeit hatte es keine Postverbindung mehr gegeben. Monate vergingen, ohne dass man eine Nachricht bekam. Die Unionstruppen drangen ins Land, und damit waren die Verbindungen nach Hause abgerissen. Nur zwei Stunden Ritt, dann konnte Orne Kay die Heimat mit eigenen Augen sehen, mit ihren Häusern und Stallungen, mit den Corrals und der Reitbahn. Auf den gepflegten Park waren die Eltern besonders stolz.

Niemand entfernt sich von der Truppe, hörte Orne Kay Captain Bells Stimme in seinem Innern. Was, zum Teufel, Leutnant, glauben Sie noch vorzufinden? Ihr Elternhaus wird eine Ruine sein, zerstört von unseren Feinden. Ihre Eltern wurden Flüchtlinge, als die Front heranrückte. Ersparen Sie sich das also, Leutnant, und tun Sie nur, was ich Ihnen befohlen habe. Bringen Sie heraus, ob die Plantage besetzt ist, alles andere darf Sie nicht interessieren. Sie scheinen immer wieder zu vergessen, dass Sie Soldat sind, Leutnant. Sie benehmen sich wie ein schäbiger Zivilist!

Diese Worte waren es, die Orne Kay dazu zwangen, seinen Wunsch zu unterdrücken. Vielleicht erfuhr man auf der Plantage etwas.

Leutnant Kay trieb sein Pferd schneller an.

Seine beiden Begleiter schienen damit nicht einverstanden zu sein, das zeigten ihre Blicke. Aber sie mussten ihrem Leutnant folgen, ob sie wollten oder nicht.

Orne Kay ritt vom Weg ab und nahm Kurs auf die Hügel, hinter denen die Plantage liegen musste. Er zog es vor, den gut zu übersehenden Weg zu verlassen und in dem mit Buschwerk durchsetzten Gelände Deckung zu suchen. Die Baumwollfelder blieben zurück. Büsche und Dornengestrüpp erschwerten das Vorwärtskommen.

Leutnant Kays Pferd wieherte plötzlich und stieg jäh auf die Hinterhand, dann setzte es über ein Hindernis hinweg. Es gelang Kay, das Tier zu zügeln. Im gleichen Augenblick erkannten auch seine beiden Begleiter, was das Pferd des Leutnants unruhig gemacht hatte.

Ein toter Schwarzer lag vor ihnen. Er war halbnackt. Auf seinem Oberkörper waren die Striemen von Peitschenschlägen zu sehen.

Kay kletterte aus dem Sattel und beugte sich über den Toten.

Das ist Tom“, sagte er überrascht, „mein Diener Tom!“

Wie kam Tom hierher, zwei Reitstunden von dem Ort entfernt, an dem. er eigentlich sein müsste? Er war von zwei Kugeln niedergestreckt worden. Kay schätzte, dass er etwa zwei oder vielleicht drei Stunden tot sein mochte. Was hatte er hier gesucht? Die fest zusammengepressten Lippen würden es nicht verraten. In dem großflächigen Gesicht des Schwarzen stand das Grauen.

Mein Vater kaufte ihn mir zu meinem zehnten Geburtstag. Tom wurde mein Diener, aber auch mein Spielkamerad. Ich kann ihn hier nicht liegenlassen.“

Leutnant, ich rühre keinen Sklaven an!“, murrte Sergeant Red Hunter.

Denken Sie auch so, Stadlee?“, wandte Kay sich an seinen anderen Begleiter.

Nein“, entfuhr es Emmet Stadlee. „Ich habe nie etwas von der Sklaverei gehalten. Die Schwarzen sind Menschen wie wir. Wenn das bestimmte Männer eingesehen hätten, gäbe es jetzt keinen Bruderkrieg.“

Stadlees dunkelbraune Augen richteten sich fest auf seinen Leutnant. Kay blickte in das sympathische Gesicht des ehemaligen texanischen Cowboys, das von Wind und Sonne braun gegerbt war.

Reiten wir erst einmal weiter, Leutnant. Ich denke, die Plantage ist nicht mehr fern. Wenn wir zurückkommen, bringen wir Tom unter die Erde.“

Wir sind nicht mehr weit vom Plantagenhaus entfernt. Das Haus von Jem Davidson liegt dort hinter dem Hügel.“

Wer ist Jem Davidson, Leutnant?“

Er war einst der mächtigste Mann in dieser Gegend“, erklärte Kay und schwang sich wieder in den Sattel. „Jetzt dürfte das kaum mehr der Fall sein. – Schauen Sie nur, dort an der Hügelflanke standen die Hütten der schwarzen Sklaven. Sie wurden niedergebrannt. Alles ist dem Erdboden gleichgemacht worden. Früher war das fast eine Stadt.“

Die Erde war schwarz. Nur einige verkohlte Balken erinnerten noch daran, dass hier einmal die niedrigen Hütten der Sklaven gestanden hatten. Die Schwarzen waren wie Tiere gehalten worden. Jem Davidson war dafür bekannt, dass er seinen Leibeigenen die Hölle bereitete. Seine Aufseher hatten manchen Schwarzen zu Tode geprügelt.

Die Hütten der Aufseher und der Zwinger der Bluthunde waren ebenfalls verschwunden. Von den besonders abgerichteten Tieren, die man auf entflohene Sklaven ansetzte, war nichts mehr zu sehen.

Das Haupthaus der Plantage, die dem unbeugsamen Jem Davidson gehörte, stand noch. War der Alte noch am Leben?

Beim Näherreiten sahen die drei Männer, wie jemand aus dem Haus lief und in der Deckung der Stallungen verschwand. Das zwang sie anzuhalten und außer Schussbereich zu bleiben. Plötzlich wurden drei weitere Personen sichtbar. Es waren drei Männer, denen der Anblick der Südstaatenreiter nicht geheuer zu sein schien. Sie kamen zögernd aus dem Haus und warteten, bis die drei Reiter in Rufnähe waren.

Kommen Sie nur, Gents“, sagte einer der Männer. „Wenn Sie tatsächlich der Südarmee angehören, dann sind Sie uns willkommen.“

Davidson?“

Einer der Männer, sehr groß, hager und grauhaarig, zuckte zusammen. Er hatte wohl nicht erwartet, dass ein Südstaatenreiter ihn mit seinem Namen anrufen würde.

Der Alte schien ziemlich überrascht zu sein, aber er erkannte den Mann nicht, der ihn angesprochen hatte.

Woher kennen Sie den Namen dieses Mannes?“, wollte einer der anderen wissen.

Wenn Davidson nicht so kurzsichtig wäre, könnte er Ihnen das selbst beantworten. – Hören Sie, Davidson, wer erschoss meinen Diener Tom auf Ihrem Plantagengebiet?“

Ein wildes Lachen kam über Jem Davidsons Lippen. Jäh brach es ab, dann trat er einige Schritte vor und sagte heiser:

Orne Kay! Sie sind Orne Kay! Großer Gott, die glorreiche Südarmee ist wieder da! Sie wird die Yankees jetzt aus dem Lande jagen. Die Yankees werden dafür büßen, dass sie meine Sklaven befreiten, meine Sklavensiedlung niederbrannten und mich jagten und hetzten. Ich lief nicht davon, ich blieb in der Nähe. Jetzt werde ich meinen Triumph auskosten. Wo steht die Südarmee?“

Das kann Ihnen Captain Tab Bell beantworten“, sagte Orne Kay, der mit seinen beiden Begleitern näher herangeritten war und jetzt auf dem Plantagenhof anhielt. „Sie haben mir meine Frage nicht beantwortet, Davidson. Wer erschoss meinen Diener Tom?“ Die Männer sahen sich an, keiner von ihnen antwortete. Ihre misstrauische Haltung hatte sich auch jetzt nicht geändert, als sie die Reiter klar als Soldaten der Südstaatenarmee erkannten. Durch die bösen Erfahrungen, die sie gemacht hatten, schien ihr Misstrauen zu groß zu sein. Es war bekannt, dass es zwischen den Fronten Räuberbanden gab, die abwechselnd die Uniformen der Südstaaten und der Nordstaaten trugen. Wie die Aasgeier fielen diese Banden in Gebiete ein, deren Bewohner man niedergezwungen hatte.

Davidson, wir glaubten, Ihr Haus verlassen vorzufinden.“

Das glaubte ich auch“, erwiderte der alte Mann, „aber ich täuschte mich. Im Haus sind noch mehr Leute. Es sind Menschen, die sich beim Herannahen der Yankees irgendwo versteckten. Sie kamen dann hervor, als die Front weiterrückte. Jetzt wissen die meisten von ihnen weder ein noch aus. Hören Sie, Leutnant Kay, Ihr Captain muss sich um diese Leute kümmern!“

Ich weiß nicht, ob er das tun wird, Davidson. – Emmet Stadlee, reiten Sie zur Abteilung zurück. Captain Bell kann mit der Schwadron hierherkommen.“

All right, Sir“, erwiderte Stadlee und ritt an.

Ihr Captain wird sich der Leute annehmen müssen, Leutnant!“, beharrte Davidson. „Es sind einige wichtige Persönlichkeiten unter ihnen, die keinesfalls im Niemandsland bleiben können. Außerdem sind vier Frauen dabei.“

Auch Kinder?“

Nein, keine Kinder. Das erleichtert die Sache etwas. Die Frauen und Männer sind alle gute Südstaatler.“

Erzählen Sie das dem Captain, Davidson. Ich möchte jetzt die anderen sehen.“ Orne Kay ließ sich vom Pferd gleiten. „Sergeant“, wandte er sich an Red Hunter, „Sie bleiben im Sattel!“

In Ordnung, Leutnant.“

Kay warf Hunter die Zügel seines Pferdes zu, und der Sergeant fing sie geschickt auf.

Mir ist hier so manches nicht ganz geheuer, Sergeant“, wandte Orne Kay sich leise an seinen Untergebenen. „Lassen Sie vor allen Dingen Davidson nicht aus den Augen. Die Tatsache, dass er sich hier aufhält, gefällt mir ganz und gar nicht. Hätten die Yankees ihn bekommen, lebte er nicht mehr. Er ist aber noch recht munter und tritt ziemlich großspurig auf. Er tut so, als wüsste er nichts über Toms Tod. Ich kann mir kaum vorstellen, dass er die Schüsse nicht hörte, durch die Tom starb. Er scheint die Kerle hier zu beeinflussen. Ich werde jetzt herauszubringen versuchen, wer noch mit von der Partie ist, wer sich auf dieser berüchtigten Plantage ein Stelldichein gab. Halten Sie die Augen offen, Sergeant.“

Ich werde achtgeben, Leutnant“, versprach Hunter.

Zusammen mit Davidson betrat Orne Kay das Haus. Von der alten Pracht war nichts geblieben. Die Seidentapeten hingen in Fetzen von den Wänden, alles war verschmutzt und besudelt. Die alten Möbel waren verschwunden, die prächtigen Bilder und die dicken Teppiche fehlten.

Im Hintergrund des Raumes hockten vier Frauen auf einen Haufen Tannenreisig. Zwei von ihnen waren Weiße, Mädchen von etwa zwanzig Jahren. Beide waren ausnehmend schön. Sie kümmerten sich um ein Mädchen, ein Mischling, das weinend am Boden lag und deren Körper von Weinkrämpfen geschüttelt wurde. Neben dem Mädchen, das nicht älter als siebzehn Jahre sein mochte, hockte eine große Schwarze. Sie hielt den Kopf des anderen Mädchens in ihrem Schoß und streichelte über deren krauses Haar. Sie sah stur geradeaus, als blicke sie durch die Wände hindurch, als wäre ihr alles gleichgültig, was um sie herum geschah.

Wer sind die Frauen?“, wandte Kay sich an Jem Davidson.

Der Alte antwortete nicht. Er blieb stehen und wartete auf seine Begleiter. Es zeigte sich, dass insgesamt fünf Männer seine Gefolgschaft bildeten. Zwei hatten mit ihm zusammen die Ankunft der Soldaten erwartet, drei weitere waren vorher in die Deckung der Stallungen geeilt. Zwei von ihnen erkannte Kay wieder. Es waren Sklavenaufseher von Davidson. Weit und breit gab es keine übleren Burschen als Sid Cochar und Max Dam. Im Augenblick verhielten die beiden sich ruhig. Kay konnte das Lauernde in ihren Augen allerdings nicht übersehen.

Cochar war es, der heiser von Kay verlangte:

Tun Sie bald etwas für uns, Leutnant! Nur mit Mühe sind wir den Yankees entkommen! Das schwarze Pack war mächtig hinter uns her. Wir sind durch eine Hölle gegangen. Jetzt werden wir mit Ihnen weiterreiten.“

Das kann ich nicht entscheiden. Fragen Sie den Captain. Ich glaube aber nicht, dass er Zivilisten mitnimmt.“

Er muss uns mitnehmen, Sir!“, fauchte der zweite Sklaventreiber, Max Dam, wütend. „Ich möchte nicht noch einmal das mitmachen, was ich in den letzten Tagen hinter mich gebracht habe. Diese Yankees befreiten die Sklaven und haben damit zusätzliche Banden zwischen den Fronten geschaffen. Die Sklavenhorden ziehen plündernd umher. Sie haben sich bewaffnet und gehen gegen ihre einstigen Herren an.“

Sie sollten meine Frage beantworten, Davidson: Wer sind die Frauen?“, wandte sich Kay an Davidson, ohne dem Sklaventreiber zu antworten.

Verzeihung, ich stelle sie Ihnen gern vor, Leutnant Kay“, sagte der Alte grinsend. „Jennifer Laland“, wandte er sich an das blondhaarige junge Mädchen, „Leutnant Orne Kay, ein Nachbar, möchte Sie gern kennenlernen.“ Das Mädchen neigte leicht den Kopf, dann blickte es wieder weg, als wäre es nicht sonderlich interessiert. Anders verhielt sich Esther Thorne. Ihr Mann war bei der Südstaatenarmee Major. Sie erhob sich und fragte Kay sofort, ob er etwas über ihren Mann wüsste.

Orne Kay konnte sich an keinen Major Thorne erinnern. Die Hoffnung der jungen Frau, etwas zu erfahren, erfüllte sich nicht.

Es tut mir leid, Madam, aber die Armee ist sehr groß.“

Ich werde ihn Wiedersehen“, sagte sie leise, „gewiss werde ich ihn Wiedersehen. Die Welt kann nicht groß genug sein, um uns für immer zu trennen. Ihr Captain, Leutnant, kann und darf uns nicht im Stich lassen!“ „Madam, ich weiß nicht, ob er Zivilisten mitnimmt.“

Ich werde mit ihm sprechen, Leutnant Kay.“

Tun Sie das, Madam. Die Frau neben Ihnen ist wohl Ihre Dienerin?“

Esther Thorne wollte sprechen, doch ein Blick Davidsons schloss ihr den Mund.

Ist es nun Ihre Dienerin oder nicht, Madam?“, fragte Kay.

Nein“, erwiderte die junge Frau und wandte sich hastig ab.

Leutnant, ich bin Sklavin“, sagte die Schwarze.

Sie verstummte sofort, ein Faustschlag von Sid Cochar schleuderte sie zu Boden.

Das könnte ihr so passen, sich frei zu fühlen!“, keuchte Cochar.

Weiter kam Cochar nicht, denn Orne Kay schlug unerwartet zu. Cochar taumelte und krachte mit dem Rücken gegen die Wand. Es sah einen Moment so aus, als wollte er sich auf den Leutnant stürzen, doch ein Blick Davidsons hielt den Sklaventreiber zurück.

Für einen Leutnant der Südarmee scheinen Sie mir die falsche Einstellung zu haben“, wandte Davidson sich an Orne Kay. „Sie sind wohl für den Norden, wie?“

Zum Teufel mit Ihnen, Davidson! Ich bin nicht für den Norden, aber ich weiß, was die armen schwarzen Teufel bei Ihnen zu leiden haben. Ich habe nichts gegen die Sklaverei, solange es human zugeht und die Sklaven mit ihrem Los zufrieden sind. Bei uns und bei vielen anderen wurden sie menschlich behandelt und haben nicht gespürt, dass sie Sklaven sind. Leute Ihres Schlages aber bereiteten ihnen die Hölle.“

Ich warne Sie, Leutnant! Noch ist die Sklaverei nicht abgeschafft, und sie wird auch nicht abgeschafft werden. Wo kämen wir hin, wenn wir dieser schwarzen Flut freien Lauf ließen? Die Schwarze dort gehört mir und ebenso der Mischling. Ich denke nicht daran, die beiden jemals freizugeben!“

Es ist doch eigenartig, dass von all Ihren Sklaven Ihnen ausgerechnet diese beiden Frauen erhalten blieben. Können Sie mir das näher erklären, Davidson?“

Ich kann es!“, rief eines der beiden Sklavinnen mit tränenerstickter Stimme. „Ihr Diener Tom hatte uns versteckt.“

Schweig!“, donnerte Davidson. Er sprang auf das Mädchen zu, das sich ängstlich abwandte. Dann kehrte er wieder zu Orne Kay zurück.

Dieses schamlose Gesindel schreckt nicht davor zurück, die eigene Herrschaft zu denunzieren. Der Krieg hat sie verteufelt aufsässig gemacht. Sie glauben, dass sie befreit seien und dass die Yankees sie bei ihren Frechheiten beschützen würden. Dass sie sich täuschen, wird die schwarze Brut noch erfahren. Sie, Leutnant, kümmern sich gefälligst nicht mehr um mein Eigentum!“

Wir konnten uns schon früher nicht leiden, Davidson.“

Daran hat sich inzwischen von meiner Seite nichts geändert, im Gegenteil“, sagte Davidson grinsend. „Es wäre jetzt besser, wenn Sie sich beherrschen würden. Ich möchte Ihrem Captain nicht berichten müssen, dass Sie auf die richtige Größe zurechtgestutzt wurden, und genau das möchten meine Männer besorgen. Sie …“

Nur Ihre Sklaventreiber, nicht die drei anderen Gents“, unterbrach ihn Kay. „Die anderen Männer machen nicht den Eindruck, als wären sie von Ihnen abhängig.“

Wahrhaftig nicht, Leutnant“, meldete sich Jubal Goog und stellte seine beiden Freunde Bruce Hay und All Cliffort vor. „Wir trafen Davidson vor zwei Tagen“, fuhr er danach fort, „als er mit seinen zwei Leuten auf einen Schwarzen Jagd machte. Sie können den Schwarzen nicht weit von hier tot finden.“

Es war mein Diener Tom. Was hat er Davidson getan?“

Meine beiden Sklavinnen wollte er befreien!“, fauchte Davidson böse. „Er brachte sie in ein Versteck und versuchte, mich zu täuschen. Ich kam ihm auf die Schliche, aber es war zu spät, das Versteck war schon leer. Wenig später konnte ich die beiden Frauen in den Baumwollfeldern einfangen, als Ihr Diener sie der Yankeefront zuführte. Der Bursche konnte fliehen, aber danach versuchte er, die beiden Frauen erneut zu befreien.“

Er stolperte in die von Ihnen gestellte Falle, Davidson“, mischte Goog sich ein. „Es hat keinen Sinn, das zu leugnen.“

Ich will es nicht abstreiten, Goog!“, fauchte der Alte bissig. „Der Neger bekam, was ihm zustand. Ich bin großmütig genug, um Leutnant Kay dreißig Dollar für ihn zu zahlen. Das ist genau die Summe, die ein Neger in Toms Alter kosten würde. Damit wäre die Sache abgetan, und wir wären quitt.“

Davidson zog die Brieftasche, zählte dreißig Dollar ab und hielt sie Leutnant Kay hin.

Mit der flachen Hand schlug Kay Davidson das Geld aus der Hand. Es flatterte zu Boden.

Ein Menschenleben ist mit dreißig Dollar nicht bezahlt, Davidson. Tom war mir trotz seiner schwarzen Haut ein Freund.“

Sie stellen sich ein schlechtes Zeugnis aus, Leutnant. Kein Mann, der etwas auf sich hält, darf so etwas äußern. Sie machen sich selbst unmöglich! Ich werde Ihrem Vorgesetzten einiges über Sie berichten.“

Tun Sie es nur, Davidson. Lieber wäre es mir allerdings, wenn Sie mir sagen könnten, was auf unserer Plantage geschah.“

Es steht kein Gebäude mehr, Sir“, meldete sich die riesige Schwarze. „Das ganze Anwesen wurde noch vor der Ankunft der Nordstaatler niedergebrannt.“

Dolores, es reicht jetzt! Wenn du noch weitere Gehässigkeiten von dir gibst, bekommst du die Peitsche. Was du da erzählst, wird die Situation noch verschärfen. Aber so sind die Schwarzen nun einmal, Gents. Sie nehmen jede Gelegenheit wahr, um weiße Menschen aufeinander zu hetzen. – Hören Sie, Kay: Erst als die Nordstaatler kamen, gingen Ihre Häuser und Stallungen in Flammen auf, keine Stunde früher! Das kann ich bezeugen, und meine Männer können das ebenfalls.“



2.


Das Wort eines weißen Mannes galt in den Südstaaten immer noch mehr als das einer Schwarzen.

In den Südstaaten kannte der Hochmut der Weißen den Schwarzen gegenüber keine Grenzen. Man betrachtete sie als Arbeitstiere, die man behandeln konnte, wie man wollte.

Leutnant Kay kannte seine Landsleute. Er konnte es nicht wagen, weiter gegen Davidson Stellung zu nehmen und ihn der Lüge zu bezichtigen. Er schaute in das hochmütige Gesicht des Plantagenbesitzers und in die Gesichter seiner beiden Sklaventreiber, die nur auf ein Zeichen warteten, um gegen ihn vorzugehen. Er spürte, dass die drei anderen Männer sich jetzt ebenfalls hinter Davidson stellten. Auch für sie galt das Wort einer Sklavin nichts. Sie waren Südstaatler und keineswegs gewillt, die Aussage einer Schwarzen anzuhören.

Die dunklen Augen der Sklavin Dolores waren fest auf Orne Kay gerichtet. Er erwiderte ihren Blick. Sie schien zu wissen, dass er nicht an der Wahrheit ihrer Worte zweifelte. Für Orne Kay stand es fest, dass Dolores ihm noch eine Menge mehr sagen konnte. Genauso fest aber stand es, dass Davidson und seine Sklaventreiber das zu verhindern wussten. Sie würden dafür sorgen, dass der Leutnant nicht mit der Sklavin sprechen konnte.

Orne Kay drehte den Kerlen den Rücken zu. Er sah, wie Sid Cochar und Max Dam sich eifrig nach den Dollarscheinen bückten und sie an sich brachten. Goog, Hay und Cliffort waren zu stolz, sich daran zu beteiligen. Davidson schien es nicht zu stören, wer anstelle von Leutnant Kay das Geld für den ermordeten Sklaven an sich nahm. Er hielt die Sache für erledigt. Ihn störte es wenig, dass Kay das Geld nicht angenommen hatte. Es genügte ihm, dass er vor Zeugen den toten Schwarzen bezahlt hatte.

Nicht einer der Männer ahnte, wie es in Orne Kay aussah und wie ihn der Tod seines Dieners erschütterte. Hinzu kam die Sorge um seine Eltern. Er musste erfahren, was mit seinen Angehörigen geschehen war. Wer aber würde ihm etwas sagen?

Konnte Orne Kay etwas von Dolores oder deren Tochter Conchita erfahren? Wo waren Ornes Eltern und Geschwister, wenn das Anwesen niedergebrannt war?

Leutnant, Sie sollten den Tod eines Sklaven nicht so tragisch nehmen“, wandte sich Bruce Hay an ihn. Der Mann versuchte, ihn aufzuhalten und legte ihm die Hand auf die Schulter, doch Orne Kay riss sich heftig los. „So hören Sie doch, Leutnant, machen Sie die Sache nicht noch schwerer! Wir alle sind im Niemandsland, unser Schicksal ist ungewiss. Niemand von uns wusste bisher, wie er hier herauskommen sollte. Jetzt ist für uns alles klar, Ihr Captain wird uns mitnehmen müssen.“

Müssen?“, stieß Orne Kay hervor. „Freuen Sie sich nicht zu früh!“

Wir sind Südstaatler, damit dürfte feststehen, dass Captain Bell etwas für uns tun muss.“

Seine Aufgabe war es, eine ganze Schwadron aus der Kampffront ausbrechen zu lassen. Sicherlich war es nicht Sinn dieser Maßnahme, Ihnen, Hay, Ihren Freunden, Davidson und seinen Sklaventreibern zu Hilfe zu kommen oder zwei weißen Frauen und zwei Sklavinnen einen Dienst zu erweisen. Die Armee kann sich nicht um das Schicksal einzelner Zivilisten kümmern.“

Wollen Sie behaupten, dass Sie nicht zufällig hier sind, dass Sie nicht von der Kampftruppe abgesprengt wurden?“

Darüber können Sie denken wie Sie wollen, Hay. Eins ist sicher, Captain Bell hat nicht einmal versucht, die Schwadron zur Truppe zurückzuführen. Wir haben uns immer weiter von der Armee der Südstaaten entfernt. Was Captain Bell zu dieser Maßnahme veranlasste, hat er mir nicht gesagt. Aber vielleicht gibt er Ihnen Auskunft.“

Mir? Kein Soldat wird einem Zivilisten Auskunft über militärische Pläne geben.“

Sicherlich nicht. Versuchen Sie also erst gar nicht, mit der Schwadron zu reiten. Wir …“

Es geht nicht nur um uns, es geht auch um die Frauen“, unterbrach ihn Hay sachlich und kühl. „Captain Bell wird sich unsere Begleitung gefallen lassen.“

Wenn Sie es durchsetzen können – von mir aus.“

Wo wollen Sie hin, Leutnant?“

Einen alten Freund unter die Erde bringen, bevor Captain Bell mit der Schwadron hier eintrifft. Er würde mir verbieten, einen Sklaven zu bestatten. Er ist ein guter Südstaatler, Hay.“

Wenn das so ist, dann helfe ich Ihnen. Jubal, All, wie steht es mit euch?“

Jubal Goog und All Cliffort schienen ziemlich bedrückt zu sein. Sie schauten zu Davidson und seinen beiden Sklaventreibern hinüber, die unverschämt grinsten.

Nun, ich gehe auch allein mit dem Leutnant“, sagte Hay. Er ließ seine beiden Freunde stehen und schloss sich Orne Kay an.

Sergeant Hunter war immer noch bei den Pferden. Er wusste, was die beiden Männer vorhatten, als sie mit Schaufeln in den Händen aus dem Schuppen kamen, und wandte ihnen den Rücken zu. Ja, auch Red Hunter war ein Südstaatler, ein von sich eingenommener Weißer. Er glaubte, turmhoch über den Schwarzen zu stehen. Kein Befehl könnte ihn dazu bringen, den Sklaven ins Grab zu legen.

Hay, ich werde Ihnen Ihre Hilfe nicht vergessen.“

Hören Sie, Leutnant, wir alle sind armselige Sterbliche, das habe ich in den letzten Wochen und Tagen deutlich gespürt. Wenn man in den Nordstaaten Menschen wie Davidson und seine Sklaventreiber kennt, dann braucht man sich nicht zu wundern, dass man uns dort für Barbaren hält. Es gibt aber nur wenige, die so wie Davidson sind. Für sie müssen jetzt Unschuldige büßen.“

Wenig später hoben die beiden Männer gemeinsam das Grab für den Tom, dem schwarzen Diener, aus.

Bereits nach den ersten Spatenstichen hörten sie, dass die Schwadron herankam.

Sie glauben also daran, dass Captain Bell einen bestimmten Auftrag auszuführen hat?“, fragte Hay und wischte sich den Schweiß von der Stirn.

Ich glaube es nicht nur, ich bin sicher, Hay“, erwiderte Orne Kay. „Und Sie sind hier, um zusammen mit Goog und Cliffort zu erkunden, ob der Durchbruch gelang.“

Hays Augenlider verengten sich zu Schlitzen.

Sie werden mir langsam unheimlich, Leutnant! Für wen halten Sie uns wirklich?“

Für Männer, die im Auftrag der Regierung der Südstaaten reiten, Hay. Mir kommt es so vor, als wäre dieses Treffen auf der Davidson Plantage vorher vereinbart worden.“

Warum diese Umstände, Leutnant?“

Ich erkläre sie mir durch die Blockade, die durch die Unionsflotte im Osten verhängt wurde.“

Leutnant, Sie drücken sich nicht gerade deutlich aus.“

Das kann ich auch nicht, aber ich denke, dass die Schwadron weiter nach Westen reiten wird, durch das Indianergebiet hindurch bis zum Pazifik. Unser Land braucht Waffen, Munition und Lebensmittel – kurz: alles Erdenkliche, um den Krieg weiterführen zu können. Wichtige Verträge müssen dafür unterzeichnet werden. Dazu ist nötig, dass Sie mit einem Schiff reisen können. Im Atlantik aber ist die Blockade so stark, dass kein Durchkommen ist. Es muss also der Umweg über den Pazifik gewählt werden. Es müssen schon sehr wichtige Verträge sein, die durch das Land geschafft und auf den Weg nach Europa gebracht werden sollen.“

Die Zukunft hängt davon ab. Es wird sich entscheiden, ob der Krieg für die Südstaaten gewonnen werden kann. Ohne fremde Hilfe ist das nicht möglich, Leutnant. Die Männer dieser Schwadron haben das Schicksal des Südens in den Händen.“

Sie wissen es nur nicht, Hay!“

Nein, noch nicht, und das ist gut so. Vielleicht wäre es eine zu schwere Belastung für sie. Ich denke, dass Captain Bell seine Leute zur rechten Zeit informieren wird.“

Mir braucht er keine Informationen mehr zu geben.“

Sie sind von allein darauf gestoßen, und das verpflichtet Sie noch mehr, Leutnant Kay!“

Um mir das zu sagen, kamen Sie mit mir?“

Ich kann es nicht leugnen“, erwiderte Bruce Hay. „Es geht um unser Land.“

Ich weiß, aber was steht uns bevor?“

Ein verdammt langer Trail, auf dem so mancher am Wege zurückbleiben wird. Aber es ist nicht zu ändern. Bringen wir jetzt schnell Ihren Diener unter die Erde.“

Die beiden Männer legten Tom ins Grab und schaufelten es zu.

Sprechen Sie ruhig Ihr Gebet!“, forderte Hay den Leutnant auf. „Es wird Sie erleichtern.“

Bruce Hay nahm die Kopfbedeckung ab und stand still da. Er blickte aber nicht auf Orne Kay, sondern schaute zu den Gebäuden der Davidson-Plantage hin, die von den Soldaten besetzt wurden. Deutlich waren Befehle zu hören. Pferdegewieher drang zu ihnen herüber. Die Geschütze wurden in Stellung gebracht, und Posten ritten in die hereinbrechende Nacht.

Wir werden sicherlich erwartet“, sagte Bruce Hay nach einer Weile. „Kommen Sie, Leutnant, Captain Bell ist als ein unduldsamer Mann bekannt, daher sollte man ihn nicht unnütz reizen.“

Es sieht aus, als hätte man Sie ausgesucht, um dem Captain einen Dämpfer aufzusetzen.“

Vielleicht haben Sie recht, Kay. Ich werde es mit Captain Bell zu tun haben, Sie aber mit Davidson und seinen Sklaventreibern. Lassen Sie Sid Cochar und Max Dam nicht aus den Augen. Diese beiden skrupellosen Schufte kann ein wahrer Gentleman nur verachten. Leider konnten wir sie nicht davonjagen, und jetzt haben wir sie in unserer Gesellschaft. Wir müssen mit ihnen fertigwerden.“

Heißt das, dass man ihnen nicht befehlen kann, zu verschwinden?“

Genau! Keiner darf von hier weg. Das Risiko wäre zu groß für unser Unternehmen. Auch die Frauen bleiben in unserer Begleitung.“

Hay, ich bin zwar nur ein Soldat und habe Befehlen zu gehorchen, aber die Zivilisten werden Schwierigkeiten machen.“

Sicherlich, besonders wenn sie herausfinden, auf was für einem Trail wir sind. Anfangs werden sie glauben, dass die Schwadron sich zur Front durchschlagen wird und dass sie sicher hinter die Front gelangen können. Solange sie nicht wissen, wohin es geht, werden sie zufrieden sein – und Sie werden schweigen, Leutnant!“

Mir hat nur mein Vorgesetzter zu befehlen, und das ist Captain Bell!“, knurrte Kay.

In diesem Fall werden Sie gehorchen müssen, Leutnant“, erwiderte Bruce Hay und zog einen Ausweis aus der Tasche, den er Orne Kay zeigte.

Leutnant Kay nahm Haltung an.

Kay, der Süden braucht Männer wie Sie, Männer, die Geist haben und denken können, auf die man sich unbedingt verlassen kann. Sie wissen selbst, wie schlecht es für uns steht und dass uns nur noch eine europäische Macht helfen kann. Für unser Land sollte uns nichts zu viel sein, Leutnant!“

Bruce Hay steckte seinen Ausweis wieder ein. Zusammen verließen sie das Grab.

Bevor wir bei den anderen sind, Leutnant: Ich möchte keinen Streit!“

Er wird schwer zu vermeiden sein.“

Ich weiß, aber persönliche Angelegenheiten müssen zurückgestellt werden.“

Sie versuchten schon einmal, mir das klarzumachen, Sir“, erwiderte Orne Kay. „Da wusste ich allerdings Ihre Gründe noch nicht. Ich werde gehorchen und Captain Bell nicht um einen Abstecher zu den Besitzungen meiner Familie bitten.“

Ich weiß, was es für Sie bedeutet, Leutnant. Sie würden nur das bestätigt bekommen, was Ihnen die Schwarze bereits sagte.“

Darum geht es mir nicht, Sir. Ich möchte wissen, wo meine Eltern und Geschwister blieben und ob ich eine Fährte finden kann, bevor alles auslöscht.“

Sie sind Soldat und im Dienst!“

Seit Jahren habe ich meine Angehörigen nicht mehr gesehen, und jetzt, wo die Gelegenheit so günstig ist, soll mich ein Befehl abhalten?“

Ja“, erwiderte Bruce Hay sanft.

Orne Kay zuckte zusammen und blickte auf den Mann, der die einfache Kleidung eines Cowboys trug. Er blickte in blaue Augen von unergründlicher Tiefe.

Bruce Hay hatte ein schmalgeschnittenes Gesicht. Seine etwas vorstehenden Wangenknochen störten nicht, sondern gaben seinem Aussehen eine besondere Note.

Sehen Sie, Leutnant, selbst der beste Mann kann durch unvorhergesehene Ereignisse aus der Bahn geworfen werden. Das könnte bei Ihnen eintreffen, wenn Sie Urlaub auf Ehrenwort bekommen. Sie würden jede Fährte aufnehmen und nicht wiederkommen.“

Was denken Sie von mir, Sir?“

Dass Sie ein Kämpfer sind und dass Ihnen die Familie nähersteht als die Armee und dass Ihnen in einem besonderen Fall die persönliche Abrechnung mehr gelten würde als die Rückkehr zur Truppe. Wir aber brauchen Sie, Leutnant, und deshalb wird Captain Bell Sie nicht reiten lassen. Ich denke, wir haben uns verstanden!“

Orne Kay gab keine Antwort. Er schluckte schwer, denn die Kehle war ihm eng geworden.

Was wissen Sie über meine Eltern und Geschwister, Sir?“

Nur, dass Sie sie nicht mehr antreffen würden und dass der Ritt sich nicht lohnt. Persönliche Schicksale, so beklagenswert sie auch sind, müssen vor der größeren Not zurückstehen, in der sich unser Land befindet. Beißen Sie die Zähne zusammen, Leutnant!“

Glauben Sie das, was die Sklavin Dolores sagte? Glauben Sie, dass schon vor der Ankunft der Nordstaatler das Verhängnis über meine Familie kam – durch die eigenen Landsleute?“

Wem soll man Glauben schenken in diesen turbulenten Zeiten? Auf keinen Fall den Sklaven, die wissen, dass sie befreit werden sollen. Sie nutzen es auf ihre Art aus, und es gibt sicherlich nur wenige, die sich nicht an dem Gedanken ihrer bevorstehenden Befreiung berauschen. Sie sehen den tatsächlichen Hintergrund des Angriffs der Nordstaaten. Eine Lawine wäre auch ohne das Schild der Sklavenbefreiung auf uns zugerollt. Der reiche, verschwenderische Süden wurde vom Norden zum Untergang verurteilt, und wir müssen jetzt alles tun, um das zu verhindern.“

Der Leutnant folgte Bruce Hay, um wenig später Captain Bell seine Meldung zu machen. Als das geschehen war, wandte Bruce Hay sich an den Captain:

Ich habe Sie unter vier Augen zu sprechen, Captain Bell.“

Sie sind Bruce Hay, nicht wahr? Ich weiß Bescheid. Kommen Sie, unterhalten wir uns draußen. Hier sind zu viele Menschen.“

Sie müssen sich alle daran gewöhnen, den Trail mitzumachen, Captain“, sagte Hay draußen leise.

Bell zuckte zusammen. Seine Augen zeigten Erstaunen und Verblüffung.

Hören Sie, Hay, solche Strapazen können Sie doch den Frauen nicht zumuten!“

Tut mir leid, Captain, ich habe meine Order.“

Es wird Schwierigkeiten geben, Sir. Ich habe Sie gewarnt!“

Morgen vor Tagesanbruch brechen wir auf. Lassen Sie alles vorbereiten. Die Frauen werden in einer Kutsche fahren, die ich in einem der Schuppen gesehen habe.“

Sir, wer gibt nun wirklich die Befehle?“

Wir wollen es gleich richtig festlegen, Captain Bell: Ich erteile die Befehle, und Sie leiten sie an die Truppe weiter. Hier, lesen Sie meine Vollmacht. Sie werden mit Ihrer Schwadron durch das Indianerterritorium bis zur kalifornischen Grenze vorstoßen. Von dort reiten Goog, Cliffort und ich weiter zur Küste, wo uns ein Schiff erwartet, das uns nach Europa bringt.“

Sir, das wird ein Ritt durch die Hölle werden!“

Daran haben weder ich noch meine Begleiter gezweifelt. Wir wissen, dass wir bereits mitten in der Hölle sind. Wir müssen durch Comanchen- und Apachengebiete, durch Wüsten und Einöden, über Berge und durch Täler. Ihre Schwadron war eine der härtesten und hat sich an der Front ausgezeichnet geschlagen. Ihr wurde die besondere Ehre zuteil, für die Nation auf einen gefährlichen Trail zu gehen.“

Wir werden versuchen, unsere Aufgabe zu lösen“, murmelte Captain Bell. „Aber nur ein Narr kann an einen vollen Erfolg glauben. Viele werden auf der Strecke bleiben.“

Es geht nicht um uns und unsere Wünsche, Captain, es geht um mehr. Wir wollen verhindern, dass unsere Nation untergeht. Wir wollen dafür sorgen, dass es keinen Sieg des Nordens über den Süden gibt. Dafür müssen wir jedes Risiko eingehen.“



3.


In dieser Nacht schlief Leutnant Orne Kay sehr unruhig. Oft fuhr er aus dem Schlaf hoch. Wachposten kamen und ritten wieder fort. Die Unruhe blieb während der ganzen Nacht.

Gegen Morgen wurden die Reiter nicht – wie gewohnt – durch ein Hornsignal geweckt. Die Wachposten rüttelten die Männer wach.

Sind Yankees in Sicht?“, erkundigte sich Jem Davidson bei Captain Bell.

Wie kommen Sie darauf, Davidson?“

Ich bin in der Nacht einmal aufgewacht und glaubte fernen Kanonendonner zu hören. Rückt die Front wieder näher?“

Das ist durchaus möglich, Davidson. Eine Front wie diese erstarrt kaum, sie verschiebt sich laufend. Niemand weiß vorher, was geschieht. In einer Stunde brechen wir auf. Sagen Sie Ihren Leuten, dass sie von jetzt an meinem Befehl unterstellt sind.“

Das ist doch wohl ein Scherz, Captain?“

Probieren Sie es lieber nicht aus, Davidson!“

Captain, ich verbitte mir diesen Ton! Nur ich bestimme über mich und meine Leute, sonst niemand. Ich verzichte auf Ihre Gesellschaft, Captain!“

Tut mir leid, Sie werden uns Gesellschaft leisten müssen!“

Die beiden Männer sahen sich in die Augen. Ihre Blicke kreuzten sich. Alle Farbe war aus Davidsons Gesicht gewichen. Es zeigte eine krankhafte Blässe. Wortlos drehte er sich um und ging davon.

Leutnant Kay!“

Orne Kay trat aus dem Haus, um Befehle entgegenzunehmen.

Sie achten darauf, dass Davidson keine Dummheiten macht. Er scheint die Absicht zu haben, sich mit seinen Leuten von uns zu trennen. Das darf auf keinen Fall geschehen!“

Ich verstehe, Captain.“

Sie werden auch die anderen Zivilisten und die Frauen bewachen, das ist Ihre Spezialaufgabe. Fragen Sie mich nicht, warum, Leutnant. Wir haben Krieg, und manchmal werden Befehle gegeben, die nicht immer unseren Beifall finden. Trösten Sie sich damit, dass es Ihnen nicht allein so ergeht. Auch ich muss damit fertigwerden.“

Orne Kay antwortete nicht. Captain Bell sah ihn prüfend an.

Sie gefallen mir gleich besser, Leutnant, wenn Sie nicht trinken und keine Widerworte geben.“

Ich spare es mir auf, Captain. Ich nehme an, dass ich meine Angewohnheiten nicht ganz aufgeben kann.“

Unterstehen Sie sich, Leutnant!“

Ich weiß, Captain! Wenn alles vorbei ist, werde ich vor ein Kriegsgericht gestellt. Sie haben es mir bereits einige Male angedroht. Nun, ich habe mich damals nicht zu Ihnen versetzen lassen. Sie haben mich angefordert. Sie haben es verhindert, dass ich mich zu einem anderen Truppenteil meldete. Bevor es weitergeht, denken Sie darüber nach, ob Sie Ihre Methoden nicht ändern wollen, Captain. Mir scheint eine gewisse Partnerschaft angebrachter zu sein als diese ewige Streiterei, bei der Sie etwas zu sehr den Vorgesetzten herauskehren.“

Leutnant, Sie werden schon wieder unverschämt und …“

Captain Tab Bell schwieg.

Orne Kay hatte sich abgewandt. Aus den Augenwinkeln beobachtete er, wie Davidson, Cochar und Dam sich verständigten. Cochar ging ins Haus und trieb wenig später Dolores und ihre Tochter Conchita vor sich her.

Die beiden Frauen schienen verzweifelt zu sein. Deutlich sah man in ihren Gesichtern die Angst. Sie wagten nicht, jemand anzublicken.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (ePUB)
9783738910667
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (Juni)
Schlagworte
kampf leben

Autor

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Titel: Ihr Kampf auf Leben und Tod