Lade Inhalt...

Sieben Ladykiller Western - Sieben mal heißes Blei

von Alfred Bekker (Autor:in) Timothy Stahl (Autor:in)
2017 800 Seiten

Zusammenfassung

Sieben Ladykiller Western: Sieben mal heißes Blei!
von Alfred Bekker & Timothy Stahl

Der Umfang dieses Buchs entspricht 800 Taschenbuchseiten.
Harte Männer, wilde Cowboys und scharfe Ladies - Romane aus einer wilden Zeit und einem ungezähmten Land; tabulos, prickelnd und authentisch in Szene gesetzt.

Dieses Buch enthält folgende Western:
Alfred Bekker: Die Bande der Revolvermänner
Alfred Bekker: Das heiße Spiel von Dorothy
Alfred Bekker: Die wilde Brigade
Timothy Stahl: In Devil Town ist die Hölle los
Timothy Stahl: Die Legende vom goldenen Mustang
Timothy Stahl: Ein Greenhorn auf gefährlicher Spur
Timothy Stahl: Zwei wie Dynamit und Feuer

Schüsse peitschten draußen, auf dem Vorhof der Sundance Ranch, dem Freudenhaus am Rande von Lincoln.
Town-Marshal Clay Braden steckte im wahrsten Sinne des Wortes in der Klemme.
Alles, was er trug, war der Stetson auf seinem Kopf. Die blonde Dorothy, mit der er sich in den Kissen wälzte, war ebenfalls nackt. Ihre langen Beine hatte sie um Clays Körpermitte geschlungen. Damit zog sie ihn zu sich heran, hinein ihre Wärme.
"Lass die Kerle da draußen sich doch gegenseitig erschießen!", keuchte sie. "Aber jetzt kommst du hier nicht weg..."

Cover: Firuz Askin

Leseprobe

Sieben Ladykiller Western: Sieben mal heißes Blei!

von Alfred Bekker & Timothy Stahl

Der Umfang dieses Buchs entspricht 800 Taschenbuchseiten.

Harte Männer, wilde Cowboys und scharfe Ladies - Romane aus einer wilden Zeit und einem ungezähmten Land; tabulos, prickelnd und authentisch in Szene gesetzt.

Dieses Buch enthält folgende Western:

Alfred Bekker: Die Bande der Revolvermänner

Alfred Bekker: Das heiße Spiel von Dorothy

Alfred Bekker: Die wilde Brigade

Timothy Stahl: In Devil Town ist die Hölle los

Timothy Stahl: Die Legende vom goldenen Mustang

Timothy Stahl: Ein Greenhorn auf gefährlicher Spur

Timothy Stahl: Zwei wie Dynamit und Feuer

Schüsse peitschten draußen, auf dem Vorhof der Sundance Ranch, dem Freudenhaus am Rande von Lincoln.

Town-Marshal Clay Braden steckte im wahrsten Sinne des Wortes in der Klemme.

Alles, was er trug, war der Stetson auf seinem Kopf. Die blonde Dorothy, mit der er sich in den Kissen wälzte, war ebenfalls nackt. Ihre langen Beine hatte sie um Clays Körpermitte geschlungen. Damit zog sie ihn zu sich heran, hinein ihre Wärme.

"Lass die Kerle da draußen sich doch gegenseitig erschießen!", keuchte sie. "Aber jetzt kommst du hier nicht weg..."

Cover: Firuz Askin

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / Cover Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Bande der Revolvermänner

von Alfred Bekker

1

Zwei Reiter zügelten ihre Pferde vor dem Marshal Office in Deadwater. Ihre Kleidung war von dem scharfen Ritt über und über mit Staub bedeckt.

"Schätze, hier finden wir die Ratte!", sagte einer der beiden. Der dunkle Bart wucherte ihm fast bis unter die Augen.

Der andere grinste dreckig. "Soll ja ein ganz schlimmer Finger sein, dieser Danny Wilbur!", meinte er. Dabei schlug er seinen Saddle Coat zurück, so dass der tiefgeschnallte Revolver zum Vorschein kam. Er zog das Eisen kurz heraus, überprüfte die Ladung und ließ es dann wieder ins Leder gleiten.

"Wir sollten es hinter uns bringen!", knurrte der Bärtige.

"Soweit ich gehört habe, ist Wilbur hier Assistant Marshal!"

"Mach dir nicht in die Hosen. Schließlich wollen wir uns das Kopfgeld verdienen, das auf diesen Sternträger ausgesetzt ist..."

Die beiden stiegen aus den Sätteln und machten die Pferde an der Querstange fest. Als sich die Tür des Marshal Office öffnete, erstarrten sie.

Ein kleiner, ziemlich hagerer Mann in den Sechzigern trat ins Freie. Er trug keine Waffe um die Hüften. Aber an der Weste blinkte ein Stern im Licht der tiefstehenden Sonne.

Der Alte blinzelte die beiden Gunslinger an, musterte sie. Der Bärtige trug einen Gürtel mit zwei Holstern.

Eines tief an der Seite, das andere vorne links mit dem Revolvergriff nach vorn, so dass er beide Waffen mit der Rechten ziehen musste. Er gehörte also nicht zu den raren Revolverschützen, die in der Lage waren, mit beiden Händen das Eisen zu ziehen und dann auch zu treffen.

"Tag, Gents", grüßte sie der Alte. "Wollen Sie vielleicht zu mir?"

"Wenn Sie Danny Wilbur sind, dann ja!", meinte der Mann im Saddle Coat.

Danny Wilbur setzte ein joviales Lächeln auf. "Der bin ich. Womit kann ich Ihnen dienen? Hatten Sie irgendwelchen Ärger in unserer Stadt?"

Der Bärtige bleckte die Zähne. "Bis jetzt noch nicht."

Wilbur hob die Augenbrauen. Er wirkte etwas erstaunt. "Und Sie sind sich sicher, dass Sie wirklich zu mir wollen - und nicht etwa zu Marshal Glenn Morgan?"

Die beiden nickten.

"Da sind wir uns wirklich ganz sicher, Wilbur...", meinte der Mann im Saddle Coat.

Der Bärtige deutete in Richtung von Wilburs Hüften. "Sie tragen überhaupt kein Eisen..."

"Ich pflege mit einer Schrotflinte zu schießen!", meinte Wilbur.

Die beiden Gunslinger lachten schallend.

"Kaum zu fassen!", kicherte der Bärtige. "Mit so einer Schrotflinte kann man natürlich kaum danebenschießen."

"Allerdings ist auch nicht unbedingt gewährleistet, dass man nur seine Feinde trifft", ergänzte der Mann im Saddle Coat.

Danny Wilbur schöpfte jetzt erstmals Misstrauen. Er kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen. "Ich wüsste jetzt langsam schon ganz gerne, was ihr eigentlich von mir wollt..."

Der Kerl im Saddle Coat riss zur Antwort den Colt heraus.

Aber sein Komplize fasste ihn am Arm.

"So nicht", meinte er. "Ich habe keine Lust, den Marshal auf meiner Fährte zu wissen, wenn wir diesen alten Zwerg hier erledigt haben..."

"Alter Zwerg?", meckerte Danny. "Ich höre wohl nicht richtig."

"Steck das Eisen wieder weg!", forderte der Bärtige dann.

Der Mann im Saddle Coat folgte widerwillig dieser Anweisung.

Der Bärtige trat an Danny heran.

"Sie schnallen sich jetzt einen Revolver um und kommen zum Saloon. Wir sind durch die Stadt geritten. Dahinten gibt es einen vielversprechenden Laden, der sich Long Branch nennt. Dort warten wir auf Sie. Schätze, gegen ein faires Revolverduell wird dieser Marshal wohl nichts einwenden können..."

"Wie bitte?", stotterte Danny. Er war ganz blass geworden. "Wieso wollt ihr euch denn mit mir schießen?"

Der Bärtige spuckte geräuschvoll aus, schwang sich dann auf sein Pferd. "Sie scheinen eine blutige Vergangenheit zu haben, Wilbur!", rief er. "Jedenfalls hat jemand 3000 Dollar dafür ausgesetzt, Ihnen ein Loch in den Kopf zu schießen!"

Der andere schwang sich jetzt ebenfalls in den Sattel.

"Wenn Sie ein Kerl sind, dann erscheinen Sie in zehn Minuten im Long Branch!"

Die beiden gaben ihren Pferden die Sporen und jagten die Main Street entlang.

2

Peggy Watson stützte sich mit den Händen auf der Fensterbank ihres Geschäftszimmers auf der Rising Star Ranch ab. Das blonde Girl atmete schwer. Sie war vollkommen nackt. Hinter ihr stand Marshal Glenn Morgan, der ebenfalls keinen Faden am Leib trug. Er umfasste ihr Gesäß und presste seine Lenden gegen sie. In regelmäßigen Stößen drang er in sie ein. Ihre Brüste wippten im gleichen Rhythmus. "Ja, gut so", flüsterte sie. Aber Glenn hörte kaum zu. Viel zu sehr war er auf den aufregenden Körper dieser Klasse-Frau konzentriert.

Immer heftiger wurden die Bewegungen.

"Oh, Glenn! Keiner besorgt's mir so wie du!", stöhnte sie.

"Schön, dass du das zu schätzen weißt, Peggy!"

"Und du willst wohl behaupten, dass du überhaupt nichts davon hast, was?"

Glenn grinste. "Dumme Angewohnheit von euch Frauen..."

"Was?", keuchte Peggy.

"Die Quatscherei beim Sex!"

"Ich weiß dein Opfer zu schätzen, Glenn!"

Glenns Hände wanderten höher, strichen über ihre Taille, ihren Bauch, umfassten dann ihre festen Brüste und kneteten sie. Dann riss der Sturm der Leidenschaft sie beide fort.

Schweiß perlte von Peggys Haut. Das Girl schloss die Augen, presste die Lippen aufeinander. Ihr Becken drückte sie Glenn entgegen, der immer wieder tief in sie hineinstieß.

Dann endlich kam der erlösende Höhepunkt.

Peggy konnte sich nicht mehr abstützen. Aber Glenn hielt sie von hinten mit seinen kräftigen Armen. Sie atmeten beide schwer. Seine Hände hielten ihre Brüste, spürten ihren rasenden Herzschlag.

"Bleib so", flüsterte sie. "Nicht weggehen... noch nicht..."

Ein Reiter preschte in diesem Augenblick auf den Vorplatz der Rising Star Ranch. Er kam von der Brücke her, die über den Cold River führte. Auf der anderen Seite des Flusses befand sich die Stadt Deadwater. Eine wahre Staubfontäne zog der Reiter hinter sich her, so dass man zunächst kaum etwas von ihm sehen konnte.

Vor dem Ranchhaus zügelte er seinen Gaul.

"Das ist Danny Wilbur", stellte Glenn verwundert fest. "Mein Gott, der ist geritten wie der Teufel! So habe ich ihn noch nie daherpreschen sehen. Höchstens seinen Gaul, nachdem er ihn abgeworfen hatte..."

Peggys Arme wanderten nach hinten, hielten seine Hüften fest und zogen sie wieder näher zu sich heran. Sie schmiegte sich dabei an ihn. Ihre Augen waren geschlossen. Ein versonnenes Lächeln spielte um ihre Lippen. "Hierbleiben, Glenn..."

"Wenn Danny so daherreitet ist in der Stadt irgendetwas los", meinte Glenn, dessen Blut sich langsam wieder aus anderen Körperregionen zurückzog, um in den Kopf zurückzukehren.

"Ach, Glenn... gönn den armen Bankräubern und Banditen doch auch mal einen guten Tag... und mir ebenfalls!"

Glenn glitt aus ihr heraus. Sie drehte sich um, schlang die Arme um seinen kräftigen Hals. Glenn hob sie hoch, trug sie zum Bett und legte sie dann behutsam nieder.

Als er sich erheben wollte, zog sie ihn zu sich, küsste ihn.

"Komm", sagte sie.

Es klopfte an der Tür. "Glenn! Hörst du mich Glenn?"

"Ich höre dich, Danny", rief Glenn Morgan zurück. Peggy verzog in gespieltem Zorn das Gesicht. Glenn zuckte grinsend die Achseln.

"Glenn, in der Stadt ist der Teufel los! Ich störe dich ja höchst ungern, aber Jane-Mary sagte mir unten in der Bar, dass du hier oben wärst und... du kannst mir glauben, dass ich nicht so einen Aufstand machen würde, wenn es nicht nötig wäre."

"Schon klar", meinte Glenn, der bereits damit begonnen hatte sich anzuziehen.

"Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr du hier störst!", rief Peggy ihm zu. "Glaub mir, wenn du so etwas noch einmal machst, werde ich Jarmus dahingehend beeinflussen, dass du auf der Rising Star Ranch keinen Drink mehr bekommst!"

"Lass ihn", unterbrach Glenn sie. "Du merkst doch, wie konfus er ist. Da muss wirklich was passiert sein!"

Rasend schnell knöpfte er sich das Hemd zu und schnallte sich dann den Colt um.

Anschließend öffnete er die Tür.

Peggy verkroch sich unter die Decke.

Wenn dieser verdammte Assistant Marshal ihr schon den Geliebten entführen musste, dann sollte er nicht auch noch mit dem Anblick ihres wunderschönen Körpers belohnt werden.

Danny stierte sie trotzdem an.

"Nichts für ungut, Peggy!"

Das Girl machte eine wegwerfende Handbewegung. "Scheint so, als ginge es abwärts mit mir! Wenn deine Anziehungskraft auf Glenn schon stärker ist als meine..."

Glenn setzte den Hut auf, zwinkerte Peggy noch einmal zu.

"Mach dir ein paar schöne Gedanken, bis ich wieder zurückkomme", meinte er.

Sie warf ihm ein Kissen hinterher.

Glenn duckte sich, so dass Danny es mitten ins Gesicht bekam.

Der Marshal schloss die Tür, so dass das nächste Kissen gegen das Holz prallte.

Zusammen gingen Glenn und Danny dann die große Freitreppe hinunter, die in die Eingangshalle der Rising Star Ranch führte.

"Meinst du das mit den Drinks in der Bar meint sie ernst?", fragte Danny.

"Einstweilen bin ich der Besitzer der Rising Star Ranch", erklärte Glenn. "Und Jarmus ist mein Angestellter. Er wird also tun, was ich ihm sage - gleichgültig, was Peggy meint."

"Na, wenigstens eine gute Nachricht."

"Nun mal raus damit, was ist los?"

"Da warten ein paar Kerle im Long Branch auf mich und wollen sich mit mir schießen."

"Mit dir, Danny?"

Jetzt verstand Glenn natürlich, was den Assistant Marshal bis ins Mark erschüttert und zu einem Nervenbündel hatte werden lassen. Der alte Danny erzählte zwar bei jeder Gelegenheit Geschichten aus seiner angeblich so wilden Vergangenheit als Fährtensucher der Army oder Hilfssheriff in den wilden Rinderstädten, aber das meiste davon war vermutlich schlicht und einfach erfunden. Danny war im Umgang mit Waffen ein ziemlicher Trottel. Mit einem Revolver konnte er so gut wie nichts anfangen. Er war einfach zu ungeschickt dazu. Wenn er an Glenns Seite ritt und die beiden ihres Amtes walteten, dann hatte der Alte eine Schrotflinte dabei. Eine Waffe also, mit der es beinahe unmöglich war, ein Ziel, das in ihrer Reichweite lag, nicht zu treffen. Seine Freunde taten gut daran, sich genauso vor dem Schießprügel in acht zu nehmen wie seine Feinde.

"Das musst du mir erklären, Danny", meinte Glenn, als sie die Tür ins Freie passierten. "Wieso wollen die sich mit dir schießen?"

"Angeblich hat jemand dreitausend Dollar auf meinen Kopf ausgesetzt..."

Glenn stoppte abrupt.

"Du erzählst mir jetzt keine deiner wilden Stories, oder?"

"Glenn, die Kerle wollen mich umbringen, und ich kann von Glück sagen, dass sie es noch nicht getan haben!"

3

Die Schwingtüren des Long Branch Saloons flogen auseinander, als Glenn Morgan und Danny Wilbur eintraten. Danny trug seine Schrotflinte unter dem Arm. Glenn hatte die Hand in der Nähe des tiefgeschnallten Revolvers. Er ließ den Blick schweifen. Der Long Branch Saloon gehörte Ross Cimarron, Glenn Morgans Widersacher in Deadwater. Cimarron hatte sein Ziel noch längst nicht aufgegeben, den Marshal aus dem Weg zu räumen und durch einen Mann zu ersetzen, der leichter zu beeinflussen war. Es gab zwar einige Bürger in Deadwater, denen es nicht gefiel, dass ihr Gesetzeshüter gleichzeitig ein Bordellbesitzer war, aber die Mehrheit war nach wie vor mit Glenn Morgan zufrieden. Schließlich hielt er das Gesindel in Schach. Und das war genau das, was man von ihm erwartete.

"Da vorne, die beiden an der Bar - das sind sie, Glenn", raunte Danny dem Marshal zu.

Glenn und Danny gingen auf die beiden zu.

Die Gespräche verstummten.

Zwei Girls mit aufgeknöpftem Mieder und herrlichen vollen Brüsten hatten die beiden Gunslinger mit mäßigem Erfolg umgarnt. Jetzt merkten sie, dass ein Gewitter im Anmarsch war, rafften ihre Kleider zusammen und rauschten davon. Die beiden Kerle drehten sich um. Der Bärtige hatte gerade ein Bier geleert und wischte sich jetzt den Schaum aus dem Bart.

Der Mann im Saddle Coat hatte die Hand schon am Revolver.

Sie musterten zunächst Danny Wilbur, anschließend Glenn Morgan.

"Ich habe gehört, Sie suchen hier Streit in der Stadt", stellte Glenn ruhig fest.

"Sie müssen dieser Glenn Morgan sein", knurrte der Bärtige.

"Ich habe schon von Ihnen gehört."

"Ich hoffe nur gutes."

"Naja, wie man's nimmt."

"Hören Sie zu, ich mache Ihnen beiden einen Vorschlag."

Glenn klemmte die Daumen hinter den Revolvergurt.

Der Kerl im Saddle Coat schob sich den Stetson in den Nacken. "Da bin ich aber mal gespannt!"

Glenns Augen wurden schmal. Sein Blick drückte Entschlossenheit aus. "Nach dem nächsten Glas Whiskey setzen Sie sich auf Ihre Gäule und reiten aus der Stadt."

Der Bärtige stützte die linke Hand auf dem nach vorne zeigenden Griff des zweiten Colts. "Wir haben hier niemandem etwas getan, Mister..."

"Sie haben einen Assistant Marshal bedroht, das genügt für mich, um Sie der Stadt zu verweisen..."

"Hombre, es ging um ein faires Revolverduell! Dagegen können Sie doch nichts einwenden!"

"Solange es nicht hier in Deadwater stattfindet habe ich nichts dagegen. Aber hier werde ich das nicht dulden."

Die Gesichter der beiden Männer erstarrten zu Masken.

Der Kerl im Saddle Coat ging ein Stück zur Seite. Er wandte Glenn und Danny die linke Schulter zu, so dass nicht erkennbar war, was er mit dem Revolver an seiner rechten Seite machte.

"Hören Sie zu, Morgan", knurrte der Saddle Coat-Mann, "wir haben eine Rechnung mit dem Zwerg da neben Ihnen auszufechten. Am Besten Sie gehen jetzt zur Seite Marshal, sonst kriegen Sie auch noch etwas ab..."

Aber Glenn Morgan dachte gar nicht daran, auch nur einen einzigen Zentimeter zurückzuweichen.

"Jedenfalls gehen wir hier nicht weg, ehe die Sache nicht beendet ist", kündigte der Bärtige an. Er musterte Danny abschätzig. "Ohne deinen Aufpasser hast du wohl nicht genug Mumm in den Knochen, du Zwerg, was?" Er lachte heiser.

"Er hat keinen Revolver", erinnerte ihn sein Komplize.

"Ja, richtig..."

"Aber wir werden doch fair bleiben..."

Der Bärtige holte den zweiten Colt aus dem Leder. Er hielt ihn umgedreht, mit dem Griff nach oben. Er streckte ihn in Dannys Richtung. "Nimm dieses Eisen hier, alter Mann!"

"Das tust du nicht, Danny", wies Glenn ihn an.

Danny begann zu schwitzen.

Es herrschte jetzt Totenstille im Long Branch Saloon.

Alle starrten auf die Kontrahenten.

Oben, an der Balustrade tauchte das von einer hässlichen Messernarbe entstellte Gesicht des Saloonbesitzers auf.

Ross Cimarron stand kalt lächelnd da und blickte hinab.

Zwischen den Zähnen steckte ein Zigarillo, sein Arm war um die Taille eines seiner Saloon-Girls gelegt, das nichts weiter als eine knappe Corsage trug.

"Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches, Marshal?", fragte er in die Stille hinein. Glenn blickte hinauf.

Er registrierte, dass Cimarrons rechte Hand, der Revolvermann Reilly sich einige Yards weiter, auf der anderen Seite der Balustrade postiert hatte. Auch ihn musste Glenn im Auge behalten.

Nicht zum ersten Mal hatte Cimarron bezahlte Gunslinger auf den Marshal von Deadwater angesetzt.

Das allerdings der harmlose Danny Wilbur ins Visier dieser Revolverschwinger geraten war, passte irgendwie nicht ins Bild.

"Ihr Laden scheint übles Publikum anzuziehen, Cimarron", rief Glenn zu ihm hinauf.

"Was Sie nicht sagen... Ich sehe das eher umgekehrt: Überall, wo Sie auftauchen gibt es kurze Zeit später Ärger, Morgan!"

In diesem Moment warf der bärtige Danny den zweiten Colt zu.

Danny war völlig unschlüssig. Er griff nach der Waffe, fing sie mit Mühe. Dabei rutschte ihm die Schrotflinte weg.

Hart fiel sie auf den Bretterboden. Ein Schuss löste sich.

Der Bärtige schrie auf, als ihm das Schrot in die Unterschenkel sengte.

Im selben Moment riss der Mann im Saddle Coat seinen Colt heraus.

Glenn war um den Bruchteil einer Sekunde schneller.

Seine Kugel traf den Mann im Saddle Coat mitten in der Brust und nagelte ihn förmlich an den Schanktisch. Mit einem ungläubigen Staunen in den Gesichtszügen rutschte er am Holz entlang zu Boden, presste dabei die Linke auf die stark blutende Wunde.

Nur einen Augenaufschlag später feuerte der Bärtige auf Glenn. Aber der Schuss traf nicht. Nahezu gleichzeitig riss Glenn seinen Colt herum und feuerte erneut. Sein Schuss traf den Bärtigen an der rechten Schulter. Sein Waffenarm wurde herumgerissen, die Kugel zertrümmerte einen der neuen Kronleuchter, die Ross Cimarron aus Europa hatte importieren lassen.

Der Bärtige zielte erneut auf Glenn.

Er ließ dem Marshal keine Wahl.

Glenn feuerte noch einmal. Und dieser Schuss war tödlich.

Der Bärtige klappte zusammen wie ein Taschenmesser. Schwer fiel er zu Boden und blieb regungslos liegen.

Glenn steckte den Revolver ein.

"Hier sieh mal", meinte Danny. "Ich habe den Revolver abgedrückt, aber irgendetwas hat damit nicht funktioniert."

Glenn nahm den Revolver an sich, den der Bärtige Danny zugeworfen hatte. Der Marshal öffnete die Revolvertrommel.

"Wie ich mir gedacht habe", knurrte er. "Das Eisen ist nicht geladen!"

Dannys Gesicht verlor jetzt den letzten Rest an Farbe.

"Dieser Hund hätte..." Er stockte.

"Ja, Danny. Bei eurem Duell hättest du verdammt schlechte Karten gehabt!"

"Früher hat es so viel Niedertracht nicht gegeben, Glenn! Nicht mal in den wildesten Zeiten von Abilene..."

Ross Cimarron kam jetzt die Freitreppe herab. Seine Augen waren schmal. Etwas unterhalb der hässlichen Narbe, die sein Gesicht verunzierte, zuckte unruhig ein Muskel. Er bleckte die Zähne. "Gratuliere, Morgan! Eine weitere Kerbe an Ihrem Revolver! Ich schätze, dort dürfte kaum noch Platz sein..."

"Ich bin nicht stolz drauf, Mr. Cimarron."

"Ehe Sie wieder irgendwelchen üblen Gerüchten Glauben schenken, dass ich diese Männer angeheuert hätte..."

"...wollen Sie mir sagen, dass Sie damit nichts zu tun haben" unterbrach Glenn ihn. "Ihr üblicher Spruch. Ich habe schon verstanden, Cimarron."

"Sie tragen Ihr Kinn reichlich hoch, Morgan! Aber eines Tages wird ein Kreuz auf dem Boothill alles sein, was Ihnen bleibt!"

"Ihre Drohungen erschrecken mich schon lange nicht mehr!"

Aus den Augenwinkeln heraus bemerkte Glenn, wie Reilly, der Leibwächter und ständige Schatten des Saloonbesitzers oben an der Balustrade stand und provozierend mit dem Revolver herumspielte. Glenn zog den Colt blitzschnell und feuerte. Die Kugel riss Reilly den Hut vom Kopf. Reilly erstarrte. "Für Ihren Wachhund gilt das im übrigen auch", setzte Glenn noch an Cimarron gewandt hinzu. Dann verließ er zusammen mit Danny den Raum.

Cimarron wandte sich an Barkeeper.

Er stieß dabei mit dem Fuß gegen eine der Leichen auf dem Boden.

"Die beiden taugten nicht viel, was Clem?"

"Hat nichts genützt, dass Sie Ihnen noch ein paar Dollar mehr angeboten haben, wenn sie den Marshal auch erschießen, Boss!", stellte Clem breit grinsend fest. "Aber wenn das stimmt, was die beiden hier erzählt haben und jemand auf Danny Wilburs Kopf ein Preisgeld ausgesetzt hat, dann werden noch mehr Gunslinger kommen..."

Cimarron lachte rauh. "Ja, und da Glenn Morgan den alten Sack nicht im Stich lassen wird, besteht die reelle Chance, dass unser Sternträger sich eine Kugel einfängt!" Ross Cimarron deute auf die Reihe der Flaschen. "Darauf trink ich einen! Gib mir die mit dem Whisky! Whisky ohne e vor dem y. Das ist nämlich der echte aus Schottland - nicht der nachgemachte Whiskey mit e, der aus Kentucky kommt."

"Ich kann sowieso nicht lesen, Boss! Die Flaschen erkenne ich immer an den Bildern auf den Etiketten..."

4

Die beiden ritten zurück zur Rising Star Ranch. Auf den Schrecken brauchten sie erst einmal einen Drink. Und außerdem wollte sich der Marshal ungestört mit Danny unterhalten.

Arlène, die rothaarige Französin saß in der Bar der Rising Star Ranch und alberte mit Jane-Mary, einer ehemaligen Quäkerin herum, die jetzt als Rising Star Ranch-Girl die Sünde pur war. Peggy Watson gesellte sich auch zu ihnen. Etwas abseits saß Fanny, die seit einiger Zeit ein breites, mit billigem Glasschmuck besetztes Halsband trug, um einen Peitschenstriemen zu verdecken. Welche ihrer Kunden ihr den beigebracht hatte, damit wollte Fanny einfach nicht herausrücken. Die anderen hatten es schließlich aufgegeben, sie danach zu fragen.

Hinter der Bar stand Jarmus O'Haggarty, der ehemalige Butler eines schottischen Lords. Seine Herrschaft hatte in den Armen eines Rising Star Ranch Girls seine letzten Atemzüge ausgehaucht und seitdem war Jarmus hier als eine Art 'Mädchen für alles' hängengeblieben. Meistens war er als Barkeeper tätig, aber wenn es sein musste, dann konnte er ungehobelte Gäste auch mit dem Spencer-Karabiner vertreiben.

"Hauen Sie ein Steak in die Pfanne, Jarmus!", meinte Glenn an den Ex-Butler gewandt. "Danny braucht auf den Schrecken etwas zwischen die Rippen..."

"Sehr wohl, Sir", antwortete Jarmus in seiner für ihn typischen, etwas gestelzten Art. Er wandte sich an Danny.

"Wünschen Sie eine bestimmte Zubereitungsart, Mr. Wilbur?"

"Die Preiswerteste!", erwiderte Danny. "Ich muss nämlich leider sagen, dass ich nicht besonders flüssig bin..."

"Geht auf Kosten des Hauses", fuhr Glenn dazwischen. Er bedachte seinen Assistant Marshal mit einem sehr ernsten Blick. "Und jetzt mal raus mit der Sprache - wieso setzt jemand dreitausend Dollar auf deinen Kopf aus? Das ganze klingt für mich etwas konfus..."

Danny zuckte die Achseln.

Die Gespräche unter den Girls verstummten auf der Stelle.

Sie sahen alle in Dannys Richtung, warteten darauf, dass er etwas dazu sagte.

Danny nahm erst einmal den Hut ab, knautschte ihn verlegen zusammen und legte ihn auf den Tisch.

"Ich habe auch keine Erklärung dafür", druckste er herum und kratzte sich dann am Kinn.

"Zut alors!", stieß Arlène hervor und stemmte einen ihrer schlanken Arme in die geschwungene Hüfte. "Unser guter Danny hat doch noch nie einer Fliege etwas zu Leide getan! Wer könnte ihn denn so sehr hassen, dass er ein Kopfgeld auf ihn aussetzt!"

"Mit Verlaub, das würde ich auch gerne wissen, Sir!", meldete sich Jarmus zu Wort.

"Also um ehrlich zu sein, kann ich mir auch keinen Reim darauf machen", meinte Danny.

"Aber es muss doch jemanden geben, dem du mal ganz gewaltig auf die Füße getreten bist, Danny!", gab Glenn zu bedenken. "Denk mal darüber nach...."

Aber Danny schüttelte nur den Kopf. "Ich habe euch ja immer wieder von meinem bewegten Leben erzählt", meinte Danny und atmete dabei tief durch.

Allerdings hatte bislang niemand die Stories des Alten so richtig ernst genommen. Und auf Grund seiner sympathischen Art hatte es ihm auch bislang niemand verübelt, dass er seine Erlebnisse gern etwas ausschmückte. Jarmus stellte Danny ein Whiskeyglas hin und dieser nahm den Drink und kippte ihn sofort hinunter.

Auf das Steak musste Danny noch ein bisschen warten.

Plötzlich wurde sein Gesichtsausdruck sehr nachdenklich.

"Komisch", sagte er dann. "Diese Sache erinnert mich daran, dass ich selbst auch mal ein Kopfgeld kassiert habe..."

"Du?", entfuhr es Jane-Mary etwas erstaunt.

"Ja - allerdings ein Legales, das der Staat Missouri auf einen Posträuber ausgesetzt hatte. Tot oder lebendig! Hundert Dollar waren auf seinen Kopf ausgesetzt. Aber das war damals verdammt viel Geld..."

"Du hast einen Posträuber gefangen?", wunderte sich Arlène und trat etwas näher an Danny heran. "Das wusste ich ja gar nicht."

"Oh, ich dachte, ich hätte die Geschichte schon einmal erzählt. Aber ich tue es gerne noch einmal..."

"Ist das nicht die Story von dem Maskierten, den du erschossen hast, als du für die Linie zwischen Kansas City und Wichita auf dem Bock gesessen hast!", unterbrach ihn Glenn.

"Richtig! Ich wusste doch, dass ich das schon mal erzählt hatte!" Er wandte sich Arlène zu. "Aber für dich, mein schönes Kind... Also ich muss etwas weiter ausholen. Das war lange vor dem Bürgerkrieg. Ich ritt in jenen Jahren nämlich für Wells Fargo. War 'ne harte Zeit, kann ich euch sagen. Wenn ich daran zurückdenke, dann tut mir jetzt noch der Hintern von dem ungepolsterten Bock weh, auf dem ich gesessen habe. Tja und dann haben uns diese Maskierten überfallen. Einen Riesenspektakel haben die mit ihren Colts angestellt. Die Pferde waren kurz davor durchzugehen. Einer der Maskierten zielte auf meinen Partner. Da griff ich zu der Doppelläufigen und feuerte dem Banditen eine Ladung in den Bauch. Das hat die anderen dann so erschreckt, dass sie das Weite suchten."

"Incroyable!", stieß Arlène hervor. "Wie viele Banditen waren das denn?"

"Tja, um genau zu sein und außerdem der Wahrheit die Ehre zu geben..."

"Ja?"

"Insgesamt zwei. Aber der zweite Bandit hätte mich ja auch noch durchlöchern können!"

"Oui, c'est vrais! Das stimmt!"

"Jedenfalls stellte sich später heraus, dass der Kerl gesucht wurde, und ich bekam hundert Dollar!"

"Die Preise sind wohl etwas gestiegen", meinte Glenn trocken. Für Dannys großspurige Erzählung hatte er jetzt wenig Sinn.

"Ja, das ist der Lauf der Dinge."

"Was war das denn für ein berühmter Gangster?", hakte Arlène nach. "Einer von denen, über die man sich später grausige Legenden erzählt hat?"

"James Thornton war sein Name."

"Nie gehört", bekannte Arlène. "Und du, Glenn?"

Der Marshal ging nicht weiter darauf ein. Stattdessen meinte er: "Ich will dir ja keine Angst machen, Danny, aber wenn jemand dreitausend Dollar auf deinen Kopf setzt, muss das ein ziemlich reicher Pinkel sein! Bete dafür, dass die beiden Kerle, die ich heute umlegen musste, die Geschichte nur erfunden haben - denn sonst tanzen hier die Gunslinger bald in Scharen an. So etwas spricht sich nämlich herum."

Danny Wilbur machte ein ziemlich betroffenes Gesicht.

Die Aussicht, demnächst Gelegenheit dazu zu bekommen, seinen Ruf als knallharter Schütze unter Beweis zu stellen schien ihm überhaupt nicht zu behagen.

"Ich kann doch auf dich zählen, Glenn, oder?", vergewisserte er sich.

Glenn atmete tief durch, schob sich dann den Stetson nach hinten. "Für wen hältst du mich, Danny? Ich lasse Freunde nicht im Stich."

Danny Wilbur nickte.

"Tut verdammt gut, das zu hören..."

"Nichts für ungut."

"Ich kenne 'ne Menge Leute, die da anders denken würden. Zum Beispiel traf ich da mal einen im Apache Bow Saloon von Wichita, der meinte..."

Glenn machte eine wegwerfende Handbewegung.

"Für heute reicht's, Danny."

5

In den nächsten Tagen geschah nichts besonderes. Glenn bot seinem Assistant Marshal an, für die nächste Zeit zu ihm auf die Rising Star Ranch zu ziehen, um besser geschützt zu sein. Aber das lehnte Danny vehement ab. Es ging dem Alten einfach gegen die Ehre. Und außerdem gab es da noch einen weiteren Grund.

Und der hieß Patsy Forrester.

Patsy war die Tochter des ehemaligen Marshals von Deadwater, der von einem Revolverschwinger ins Jenseits befördert worden war. Sechzehn Jahre alt war sie, und Danny lebte mit ihr zusammen im Haus ihres Vaters. Er sah es als seine Verpflichtung an, sich um Patsy zu kümmern und sie zu einer Lady zu erziehen, auch wenn er des öfteren den Eindruck hatte, dass da Hopfen und Malz verloren waren. Patsy war nämlich ein wahrer Satansbraten. Jedenfalls konnte sie reiten und schießen wie ein Mann. Und so wirkte sie auch nicht besonders verängstigt, als Glenn ihr erzählte was geschehen war.

"Wenn hier einer aufkreuzt, der meint, dass er mit dem Revolver herumballern muss, werde ich ihm schon zeigen, wo's lang geht!", sagte Patsy voller Optimismus. "Schließlich bin ich die Tochter eines Marshals!"

"Das allein schützt noch nicht vor einem Bleigewitter!", gab Glenn daraufhin zu bedenken.

Aber er wusste, dass es wenig Sinn hatte, mit Patsy zu diskutieren, wenn das junge Girl sich in Rage redete.

Sie musste dann in jedem Fall das letzte Wort haben.

In der folgenden Zeit hielt Glenn die Augen besonders offen. Aber die erwarteten Kopfgeldjäger blieben aus.

Es war beinahe schon verdächtig ruhig in der Stadt.

So ruhig, dass einige Girls der Rising Star Ranch sich schon über mangelnde Beschäftigung zu beklagen begannen.

Immerhin war die als ziemlich rauflustig verschrieene Mannschaft der Big-B-Ranch zur Zeit auf Viehtrieb. Das mochte die Ruhe zu einem Teil erklären.

Danny Wilbur begann sich inzwischen auch wieder zu beruhigen. Er hatte die Schießerei im Long Branch Saloon schon fast wieder verdrängt, als ein Farmer aus der Umgebung berichtete, eine Gruppe von sechs Reitern hätte sich bei ihm nach Wilbur erkundigt, die Pferde getränkt und sei dann weitergeritten.

Glenn Morgan war sich ziemlich sicher, dass die Sache noch nicht erledigt war. Er hatte einen Instinkt dafür. Und der hatte ihn selten getrogen.

6

Es war am fünften Tag nach der Schießerei im Long Branch, als Glenn und Danny unerwarteten Besuch im Marshal Office bekamen.

Glenn musste erst einmal schlucken, als die Frau ins Office trat. Sie trug das dunkelbraune Haar verhältnismäßig kurz.

Ihr Gesicht war hübsch und sehr feingeschnitten, die Lippen voll und sinnlich. In ihren Augen brannte etwas, das Glenn sofort erkannte. Unstillbares Verlangen. Sie trug ein kostbares Kleid, das jedem, der sie sah, sofort klarmachte, es mit einer echten Lady zu tun zu haben, für die Geld kaum ein Problem darstellte. Der Ausschnitt war tief und gab den Blick auf den größten Teil ihrer prallen, wunderschönen Brüste frei.

Eine goldene Kette hing um ihren Hals.

Der dazugehörige Anhänger rutschte immer ein Stück zwischen ihre Brüste.

Die Lady war nicht allein gekommen. Ein mindestens zwei Meter großer, sehr breitschultriger Mann war ihr gefolgt. Er trug einen dunklen Anzug mit schwarzer Schleife, was ihm fast das Aussehen eines Predigers gab. Der breite Revolvergurt, den er um die Hüften herum trug, korrigierte diesen Eindruck jedoch sofort wieder.

Sein Gesicht war hart und kantig. Es wirkte wie in Stein gemeißelt.

"Guten Tag, Marshal. Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie störe..." Die Stimme der Lady klang dunkel und verführerisch.

Was für eine Frau!, dachte Glenn.

Er war ganz fasziniert und musste aufpassen, sie nicht zu unverhohlen anzustarren. Sie bemerkte das und es schien ihr zu gefallen. Ein halb amüsiertes, halb verführerisches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

"Sie müssen Glenn Morgan sein."

"So ist es."

"Ich habe schon viel von Ihnen gehört."

"Nur gutes, wie ich hoffe!"

"Die Bürger dieser Stadt scheinen mit Ihnen jedenfalls zufrieden zu sein." Sie wandte sich an den Kerl im Prediger-Anzug. "Lass uns bitte allein, Dale... "

Der zwei-Meter-Mann machte einen etwas unwilligen Eindruck. Er bedachte Glenn mit einem misstrauischen Blick und trat dann ins Freie. Die Tür fiel hinter Dale ins Schloss.

"Mein Name Madeleine Bridger. Ich bin heute mit der Postkutsche gekommen und in Hendersons Hotel abgestiegen. Nun habe ich eine größere Geldsuumme bei mir, die ich gerne sicher untergebracht wüsste!"

"Soweit ich weiß hat Henderson einen Safe im Hotel."

"Das ist richtig, aber offen gestanden wirkte der auf mich nicht sehr vertrauenserweckend..."

"Dann versuchen Sie es in der Bank. Die nimmt jeden Dollar mit Kusshand..."

"Ich weiß nicht, irgendwie habe ich wenig Vertrauen zu den Banken... werden die nicht so oft überfallen?"

Glenn grinste. "Nicht in meiner Stadt."

Madeleine Bridger war immer näher an Glenn herangetreten.

Mit dem Finger tippte sie gegen den Stern an seiner Brust.

"Na, wenn Sie das sagen, Marshal... dann kann ich mich in Ihrer Stadt ja vollkommen sicher fühlen!"

"Wie in Abrahams Schoß!", ergänzte Danny.

Madeleine wandte jetzt den Kopf, sah Danny von oben bis unten an, was den Assistant Marshal ziemlich verlegen machte.

"Sie müssen Danny Wilbur sein, dieser berüchtigte Schießer..."

"Was?"

Danny verschluckte sich beinahe.

Er stand ziemlich hilflos da, zuckte die Achseln und meinte dann. "Man tut, was man kann, Ma'm."

Madeleine Bridgers Tonfall wurde härter, kühler. Eine Nuance, die Glenn kaum bemerkte, so fasziniert ruhte sein Blick jetzt ungeniert auf der aus dem Mieder drängenden Oberweite dieser Klasse-Lady.

"Auch von Ihnen habe ich einiges gehört, Mr. Wilbur", sagte sie. "Die Leute reden überall von einer Schießerei, die hier vor kurzem stattgefunden hat...".

"Ja, Ma'am, so etwas kommt schon mal vor", wich Danny aus.

"Angeblich soll ein Kopfgeld auf Sie ausgesetzt worden sein..."

"Dreitausend Dollar!", nickte Danny. "Mehr als ich in meinem Leben je besessen habe, selbst wenn man jeden lumpigen Dollar zusammenzählt, den ich in meiner Tasche hatte!"

Madeleine wandte sich wieder Glenn zu.

"In Ihrer Stadt wird ihm ja wohl nichts passieren oder?", meinte sie mit leicht spöttischem Lächeln.

"Keine Sorge", erwiderte Glenn.

"Das mit der Bank werde ich mir durch den Kopf gehen lassen."

"Tun Sie das."

"Und wer weiß, vielleicht sieht man sich ja mal..."

Glenn sah jetzt wieder unstillbaren Hunger in ihren Augen.

Sie strich sanft mit den Finger über seine Weste. Glenn war Mann genug, um sofort zu spüren, wie sehr sie ihn wollte.

Und ihm erging es nicht anders. Es knisterte förmlich zwischen ihnen. Glenn war sich ziemlich sicher, dass auch Funken sprühen würden, wenn sie sich das nächste Mal über den Weg liefen und die Gelegenheit günstig war.

Sie ging zur Tür. Ihr Kleid raschelte dabei. Bevor sie ging, drehte sie sich noch einmal kurz um. Der Blick ihrer dunklen Augen schien den Marshal geradezu zu verschlingen.

Dann trat sie ins Freie und ließ sich von ihrem grobschlächtig wirkenden Begleiter davonführen.

"Hast du bemerkt, wie die dich angesehen hat, Glenn?", meldete sich Danny zu Wort. "Lass dir von einem erfahrenen Mann einen Rat geben: Nimm dich vor der in acht! Sonst frisst die dich mit Haut und Haaren!"

7

Das Wasser des Cold River spiegelte sich im Mondlicht.

Fanny zügelte ihr Pferd. Die junge Frau stieg ab. Sie trug eine praktische Jeans und ein kariertes Hemd. Aus dem Scubbard holte sie einen Spencer Karabiner hervor. Sie war keine gute Schützin. Das Gewehr hatte sie Jarmus O'Haggarty entwendet. Sie hoffte nur, dass der Ex-Butler es nicht ausgerechnet heute dazu brauchte, um unliebsame Gäste von der Ranch zu verscheuchen.

Aber dieser Karabiner war ja schließlich nicht die einzige Waffe auf der Rising Star Ranch.

Ein Lächeln umspielte Fannys Züge.

In ihren Augen blitzte es.

Aus der Ferne hörte sie das Geräusch eines galoppierenden Pferdes.

Das war er.

Der Mann, mit dem sie hier verabredet war. Ross Cimarron, der Besitzer des Long Branch!

Fanny zog das Pferd mit sich, verbarg sich hinter ein paar Bäumen und band es fest. Dann ging sie in Deckung und wartete.

Cimarron preschte heran.

Für einen kurzen Moment war das von einer Messernarbe entstellte Gesicht im Mondlicht zu sehen. Er erreichte das Flussufer, stieg aus dem Sattel und ließ den Gaul ausgiebig saufen. Er selbst beugte sich auch nieder, benetzte etwas die Stirn. Es war eine heiße Nacht, die kaum Abkühlung brachte.

Jetzt!, durchzuckte es Fanny.

Sie nahm den Spencer-Karabiner in beide Hände, kam aus ihrem Versteck hervor.

Ross Cimarron hörte ihre Schritte.

Er wirbelte herum, fuhr hoch.

Seine Rechte schnellte zum Colt. Doch dann erstarrte er mitten in der Bewegung. Ein dreckiges Grinsen spielte um seine Lippen. Im Gegensatz zur oberen Hälfte seines Gesichts, die im Schatten der Hutkrempe lag, war die Kinnpartie deutlich zu sehen.

"Sieh an, Fanny... Da bist du ja!"

"Ja, da bin ich..."

"Ich dachte schon, du hättest was besseres zu tun gehabt..."

"Nein, ich halte meine Versprechungen", erwiderte sie.

Und der klirrend kalte Unterton in ihrem Tonfall gefiel im nicht. Sie Art und Weise, in der sie das ich betonte ebenfalls nicht.

"Was soll das denn heißen?"

"Wolltest du Glenn Morgan nicht längst die Rising Star Ranch weggenommen und mich zum Rising Star Ranch Girl Nummer eins gemacht haben? Wolltest du nicht all die anderen Hühner in die Wüste jagen, so dass ich endlich bekomme, was mir zusteht?"

"Nun mal ganz sachte, Baby!"

"Große Pläne, Ross! Aber was ist bislang draus geworden? Ich spiele immer noch die Spionin für dich und du..."

"Ich tue was ich kann!"

"Dann ist das eben nicht genug!"

"Ach, komm schon..."

"So leicht kommst du mir diesmal nicht davon! Meinst du, ich kann mir nichts anderes vorstellen, als mich mit dir an den unmöglichsten Orten zu treffen, nur damit niemand in Deadwater etwas davon mitbekommt! Glaub ja nicht, dass ich das noch lange mitmache!"

Cimarron brach in schallendes Gelächter aus.

"Natürlich wirst du das!", war er überzeugt. "Schließlich bist du mir doch hörig... und das weißt du auch!" Er machte einen Schritt sie zu. Aber Fanny hob das Gewehr um einige Zoll an. "Halt!", sagte sie.

Cimarron gehorchte. Dabei grinste er breit.

"Und was jetzt?", fragte er.

"Du magst doch solche Spielchen, Ross. Jetzt spielen wir sie mal unter umgekehrten Vorzeichen..."

"Da bin ich ja mal gespannt!"

"Schnall den Revolvergurt ab und zieh dich aus."

Cimarron zögerte zunächst, dann ließ er sich darauf ein.

Er schnallte den Revolvergurt ab, hängte ihn an den Sattelknauf seines Pferdes, das noch immer neben ihm stand.

Dann streifte er sich nach und nach die Klamotten ab.

Sorgfältig legte er sie über den Sattel.

"So gefällt mir das schon viel besser", murmelte Fanny.

"Viel besser als zum Beispiel das hier!" Mit diesen Worten riss sie sich das breite Halsband herunter. Ein gerade fast verheilter Peitschenstriemen befand sich darunter. Er war selbst bei Tageslicht kaum noch zu sehen, aber Fanny nahm Ross das noch immer übel. Und so trug sie demonstrativ das Halsband.

"Na los, Ross! Auch die Unterwäsche! So wie Gott dich schuf sollst du da stehen!"

"Alle Achtung. Heute gehst du aber scharf ran! Ich lerne ja immer noch neue Seiten an dir kennen, Kleine!"

Cimarron legte also auch den letzten Rest seiner Kleidung ab. Selbst die Stiefel zog er aus.

Dann stemmte er die Arme in die Hüften.

"Na los, worauf wartest du noch?", rief er. "Jetzt bist du dran, Baby..."

Er nahm das Lasso vom Sattelknauf seines Pferdes.

Dann trat er auf sie zu.

"Ich habe gesagt: Keine Bewegung!", rief sie.

"Du hast deine Spencer noch nicht einmal durchgeladen, Kleine! Und ich wette, du weißt auch nicht so genau, wie das geht. So einfach wie bei einer Winchester ist das nämlich nicht."

Sie atmete tief durch.

Ihre prächtigen Brüste drückten sich dabei durch den Stoff des groben Hemdes, das sie trug.

"Spielverderber!", stieß sie hervor und ließ das Gewehr zu Boden sinken. Dann knöpfte sie das Hemd auf, ließ es dann langsam über die Schultern hinabgleiten.

Cimarron betrachtete sie mit einem wohlgefälligen Lächeln, sah ihr zu, wie sie sich auch aus der Hose herauspellte.

Schließlich trug auch sie keinen Faden mehr am Leib. Das Mondlicht ließ ihre Haut schimmern.

Cimarron schwang das Lasso. Die Schlinge legte sich zielsicher um den Körper der jungen Frau, zog sich um ihre Taille herum zusammen. Mit einem Ruck zog er sie in seine Richtung. Sie stolperte ihm entgegen. Dann sanken sie in den weichen Sand. Mit ein paar schnellen, geschickten Bewegungen hatte Cimarron die junge Frau an Händen und Füßen gefesselt.

Es ging viel zu schnell, als dass Fanny noch hätte groß protestieren können.

"Merk dir eins", flüsterte er ihr dann ins Ohr. "Was auch immer wir zwei für Spielchen spielen - die Dinge laufen nach meinen Regeln ab. Hast du das verstanden?"

Als sie nicht gleich antwortete, schlang ihr Cimarron ein loses Ende des Lassos um den Hals und zog die Schlinge zu.

Ein ächzender Laut kam über ihre Lippen. Sie rang nach Luft.

"Ob du mich verstanden hast!"

"Ja!", stöhnte sie.

Er ließ locker.

Sie atmete schwer.

Schließlich brachte sie heraus: "So gefalle ich dir wahrscheinlich: gefesselt und völlig willenlos!"

"Und wenn schon..."

"Nur eins hast du dabei vergessen!"

"So?"

"Wie willst du Sex mit mir machen, wenn du mir die Beine zusammengebunden hast!"

"Das werde ich dir gleich zeigen, Fanny!", versprach Cimarron. Er packte sie und setzte sie auf seinen Schoß. Sie spürte, wie er dabei in sie eindrang. Fanny musste unwillkürlich schlucken. Ihr Becken begann wie von selbst kreisende Bewegungen zu vollführen, die immer heftiger und schneller wurden. Buchstäblich jeden Muskel ihres herrlichen Körpers vermochte Fanny hervorragend zu kontrollieren.

Immer heftiger schwang sie ihr Becken hin und her. Schweiß glänzte auf Ross Cimarrons Stirn. Ein angestrengt wirkender Zug beherrschte das Gesicht des Saloonbesitzers, bis schließlich der Höhepunkt ihn erlöste. Er setzte sie von seinem Schoß herunter, keuchte dabei. Noch immer rang er nach Atem.

"Ich hoffe, das war erst der Anfang", maulte Fanny. "Du hast dein Feuer gelöscht, aber ich..."

Cimarron atmete tief durch, schloss dann für wenige Sekunden die Augen. Als er den Kopf wieder völlig klar hatte, stand er auf. Er ging auf Fanny zu, packte sie.

Cimarron war ein kräftiger Mann. Die zierliche Fanny war für ihn kein Gewicht. Die Gefesselte sah ihn erstaunt an.

"Was hast du vor, Ross?"

"Du brauchst also eine Abkühlung, ja?"

"Ross!"

Ehe sie noch etwas sagen konnte hatte Ross Cimarron die junge Frau ins Wasser geworfen. Sie schrie auf. Ross rannte hinterher. Bis zur Hüfte ging er ins Wasser. Fanny konnte aufgrund ihrer Fesseln ja nicht schwimmen. Sie wandte sich wie ein Fisch, strampelte mit den zusammengefesselten Füßen wie wild herum.

Bevor die Strömung dieses Bündel mitnehmen konnte, packte Ross Cimarron es und zog es mit sich. Augenblicke später befand sich Fanny wieder an Land. Sie spuckte Wasser.

"Du Schuft!", stieß sie hervor. "Glaub mir, das war das letzte Mal!"

Cimarron lachte rau.

"Vergiss es! Du kommst immer wieder angekrochen, Fanny! Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche!"

"Binde mich los, verdammt nochmal!"

Cimarron packte sie bei den Haaren und drehte ihr Gesicht so hin, dass das Rising Star Ranch-Girl ihn ansehen musste, Auch wenn sie sich förmlich die Augäpfel verrenkte, um seinem Blick auszuweichen.

"Wenn du mir die Neuigkeiten von der Rising Star Ranch erzählt hast, werde ich mir wohlwollend überlegen, ob ich dich losbinde", versprach er.

"Bastard!"

"Ich weiß, dass du Feuer hast! Aber das schätze ich auch an dir! Nur zu, spuck all den Dreck aus, den du mir noch entgegenschleudern willst - und dann berichte mir! Hast du auch davon gehört, dass Danny Wilbur, der größte Trottel, der je einen Stern getragen hat, angeblich früher ein ganz scharfer Hund war?"

8

Es war schon ziemlich dunkel, als Danny und Glenn ihre letzte Runde durch die Stadt machten. In den Saloons herrschte ausgelassene Stimmung, aber bis jetzt hatte es an diesem Abend keinen nennenswerten Ärger gegeben. Die Musik aus dem Long Branch oder dem Silvermoon Saloon war weithin zu hören.

Die beiden Sternträger bogen jetzt in eine Seitenstraße ein und gingen auf Paco's Bodega zu, aus der der laute Gesang einiger Zecher zu hören war. Der reichlich fließende Tequila hatte offenbar ihre Gehörnerven so weit betäubt, dass keinem von ihnen auffiel, wie schlecht sie sangen. Ein verstimmtes Piano spielte dazu. Auf der anderen Seite dieser bislang namenlosen Straße befand sich ein Store, der keinem geringeren als Franklin J. Coldwater gehörte, der nicht nur einer der reichsten Geschäftsleute des ganzen Countys war, sondern auch der Bürgermeister von Deadwater.

Coldwater hätte liebend gern gesehen, wenn diese Straße nach ihm benannt worden wäre.

Aber dafür hatte er im Stadtrat bislang keine Mehrheit.

Vor allem Miss Griffis, die Vorsitzende des örtlichen Bibelkreises war in dieser Frage mit ihm uneins. Eine Straße nach Coldwater zu benennen, um dessen Eitelkeit zu befriedigen, das ging der resoluten alten Jungfer gehörig gegen den Strich. Als Frau hatte sie zwar weder Wahl- noch Stimmrecht, aber ihre in Predigerseminaren geschulte Rhetorik vermochte die Bürger sehr wohl zu beeinflussen. Und keiner der gewählten Stadträte hätte sich von Miss Griffis gerne nachsagen lassen wollen, es mit den Prinzipien des christlichen Glaubens nicht so genau zu nehmen!

Und so blieb die Straße zunächst ohne Namen.

Eine Einigung war nicht in Sicht.

"Vorsicht!", zischte Glenn plötzlich. Aus den Augenwinkeln heraus hatte er eine Bewegung wahrgenommen. Oben auf dem Dach von Paco's Bodega war jemand.

Glenn riss Danny zu Boden, während der Kerl auf dem Dach bereits losfeuerte. Er war nicht allein. Es wurde aus zwei Gewehren von dort aus geschossen. Hinter dem hölzernen Reklameschild der Bodega hatten die beiden sich verschanzt und abgewartet. Ein leichter Job, hatten sie wohl gedacht.

Aber da hatten sie die Rechnung ohne Glenn gemacht.

Der Marshal zog den Revolver, feuerte zurück.

Einen der Kerle erwischte er. Mit einem gellenden Schrei fiel er vornüber, rutschte über das Vordach der Bodega und ließ dann die Pferde an der Querstange auseinander stieben, als er schwer zu Boden fiel.

Danny schoss seine Schrotflinte ab. Zweimal. Beides Schüsse, die ins Nichts gingen. Die Reichweite der Schrotflinte war nicht so groß, um die Gegner auf der Bodega überhaupt treffen zu können.

Glenn ließ mehrere Schüsse in Richtung des unbekannten Schützen krachen. Aber er erwischte ihn nicht. Der Marshal packte Danny bei der Schulter, zog ihn hoch. Gemeinsam stolperten sie in Richtung des Coldwater Stores. Der Schatten des großen Gebäudes verschluckte sie. Die Schüsse pfiffen dicht an ihnen vorbei, schlugen rechts und links von ihnen in den Boden ein.

Sie pressten sich gegen die fensterlose Wand des Stores.

Glenn öffnete den Revolver, steckte neue Patronen in die Trommel.

Danny lud seine Doppelläufige ebenfalls nach.

Allerdings brauchte er dafür etwas länger.

Dann herrschte Stille.

Der Schütze auf dem Dach von Paco's Bodega wartete, lag weiter auf der Lauer.

Glenn atmete tief durch.

"Meinst du, das waren die Kerle, die sich auf der McClelland-Farm nach mir erkundigt haben?", wisperte Danny.

"Keine Ahnung... Aber das spielt auch keine Rolle..."

"Bis jetzt waren es nur zwei! Aber McClelland sprach von sechs Mann, Glenn!"

"Vielleicht haben sich zwei davon selbständig gemacht. Dreitausend Dollar teilen sich doch viel netter durch zwei als durch sechs."

Ein knirschender, kratzender Laut...

Stiefelabsätze auf dem hartgetrockneten, steinigen Boden.

Glenn wirbelte herum.

Ein Mündungsfeuer zuckte aus der Dunkelheit heraus. Glenn duckte sich instinktiv.

Die Kugel riss ein faustgroßes Loch in die Außenwand des Coldwater Stores. Der nächste Schuss folgte nur Sekundenbruchteile später. Schattenhaft nur schälte sich die Gestalt des Schießers aus der Dunkelheit. Trotzdem war die ruckartige Bewegung erkennbar, die seinen Körper durchfuhr. Ein Schrei gellte durch die Nacht.

Glenn und Danny hatten nahezu im selben Moment gefeuert und offenbar getroffen. Die Wucht der Geschosse hatte den Kerl nach hinten taumeln lassen. Er kam gegen die nächste Wand, rutschte an ihr hinunter.

Der Kerl auf der Bodega feuerte jetzt auch noch ein paar Kugeln ab. Offenbar schoss er einfach in die Dunkelheit hinein. Auf gut Glück. Die Schüsse, mit denen Glenn und Danny den Mann im Schatten niedergestreckt hatten, schien er auf sich zu beziehen. Glenn presste sich gegen die Wand des Coldwater Stores und pirschte sich dann an die Ecke heran.

Der Geschosshagel verebbte.

Glenn tauchte aus der Deckung hervor.

Für den Bruchteil einer Sekunde sah er den Schützen mit weiten Schritten über das Dach laufen. Die harten Schritte auf dem Holzdach waren nicht zu überhören.

Glenn riss den Revolver hoch, zielte.

Er feuerte zweimal kurz hintereinander.

Dann war der Kerl auf einmal verschwunden.

"Hast du ihn erwischt?", fragte Danny ungeduldig.

"Ich glaube nicht."

Eine Sekunde später hatten die beiden Männer die Antwort.

Ein Pferd wieherte laut auf, dann konnte man hören wie das Tier im Galopp davonpreschte. Der Schütze war offensichtlich auf der Rückseite der Bodega vom Dach gesprungen und nun auf und davon.

"Schätze, dem Kerl werden wir noch wieder begegnen", vermutete Glenn.

Er steckte den Revolver ein, wartete einen Moment ab, dann trat er aus der Deckung heraus.

"Was hast du vor, Glenn?"

"Ich will mich mal in Paco's Bodega umhören. Vermutlich waren die Kerle vorher dort..."

Danny folgte ihm.

Wenige Augenblicke später hatten sie die Bodega erreicht.

Keiner machte so gute Steaks wie Paco. Nirgends waren sie so groß und saftig. Deswegen kam Danny auch so oft er es sich leisten konnte hier her, um etwas zu essen.

Ein Betrunkener torkelte durch die Schwingtüren. Er hielt eine Tequila-Flasche in der Hand, grüßte lallend den Marshal und schaffte es schließlich mit einiger Mühe, auf eines der angeleinten Pferde zu kommen. Glenn hoffte nur, dass es auch der richtige Gaul war, sonst gab es möglicherweise schon bald irgendwo in Deadwater ein Revolverduell.

Glenn und Danny traten ein.

In der Bodega herrschte nur sparsames Licht.

Einige Männer saßen an den Tischen. Ihre Gespräche verstummten, als der Marshal eintrat. Sie alle mussten die Schießerei gehört haben. Glenn fragte sich, ob sie für oder gegen ihn gewettet hatten.

Der Marshal ging geradewegs zum Schanktisch.

Paco, ein kleiner, drahtiger Mann mit dunklen Haaren und einem so buschigen Schnauzbart, dass die Lippen darunter nicht mehr zu sehen waren, wirkte etwas verschüchtert.

"Welche Ehre, Señor Marshal!", stieß er hervor.

"Mal halblang. Wir brauchen beide einen Drink auf den Schrecken eben."

"Si, Señor! Un momento, por favor!"

Paco stellte die Gläser geräuschvoll auf das Holz und schenkte dann ein.

Glenn leerte sein Glas und drehte sich dann herum. "Ihr habt alle die Schießerei gerade gehört...."

Er bekam keine Antwort.

Sie starrten ihn alle nur an.

"Ist euch vorher vielleicht irgend jemand aufgefallen?, fragte der Marshal dann. "Zum Beispiel jemand, der sich nach meinem Assistant Marshal erkundigt hat."

Wieder herrschte Augenblicke lang Schweigen.

Dann meldete sich Paco zu Wort. "Da war einer. Heh, Gus, er war doch an deinem Tisch!" Paco blickte zu einem graubärtigen Mann hin, der an einem der Tische Karten spielte.

"Er hatte oben keine Schneidezähne!", meinte Gus schließlich. "Mir hat er gesagt, er hieße Stacey. Eine Runde hat er mitgespielt, aber er war wohl nur daran interessiert, uns auszufragen."

"War dieser Stacey allein?", fragte Glenn.

Gus nickte. "Ja."

"Allerdings waren draußen mehrere Pferde zu hören, kurz bevor er hereinkam!", mischte sich jetzt Paco ein. "Ich dachte schon: Jetzt wird der Laden voll... Wo die anderen geblieben sind, weiß ich nicht."

Glenn schob sich den Hut in den Nacken. "Okay, Jungs, ich danke euch für eure Auskünfte..." Er gab Danny einen Klaps auf die Schulter. "Komm, wir gehen... Ach ja, es wäre nett, wenn einer dem Totengräber Bescheid sagen könnte! Da draußen liegen zwei Männer im Staub. Aber die Kerle sind gut bewaffnet und wenn er die Schießeisen verscherbelt, wird er seinen Aufwand leicht herausbekommen!"

"Ich sorge dafür!", meinte Paco.

Sie gingen zum Ausgang. Kurz bevor die beiden die Schwingtüren der Bodega erreichten, meldete sich noch einmal der Mann namens Gus zu Wort.

"Heh, Marshal!"

Glenn blieb stehen, drehte sich halb herum. "Was ist noch?"

"Nehmen Sie sich vor diesem Stacey in acht. Das muss ein schlimmer Finger sein."

"Wie kommen Sie darauf?"

"Er hatte zwölf Kerben an seinem Revolvergriff. Das habe ich genau gesehen - und ich schätze, diese Kerben werden auch etwas zu bedeuten haben!"

"Das fürchte ich auch", knurrte Glenn düster zwischen den Zähnen hindurch.

9

Glenn und Danny gingen zurück zum Marshal Office. Sie kamen am Rowland Store vorbei. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand sich Hendersons Hotel. In einem der oberen Fenster brannte Licht.

Madeleine Bridger stand dort am Fenster. Einen Augenblick lang begegneten sich Glenns und Madeleines Blicke.

"Die Lady hat es dir aber angetan, Glenn!", stellte Danny fest. "Und wie es scheint ist sie auch noch stinkreich. Manche Leute haben das Glück wirklich mit Löffeln gefressen! Ich kannte da mal einen in Wichita, der..."

Sie gingen weiter und Glenn hörte Dannys Story nur ganz beiläufig zu.

Ihre Pferde waren vor dem Marshal Office angebunden.

Als sie dort anlangten, fluchte Danny inzwischen vor sich hin. "So schnell werde ich ganz bestimmt nicht mehr die Runde durch die Stadt zu Fuß machen", knurrte er. "Da qualmen einem ja die Stiefel!"

"Wenn du vor Pacos Bodega auf einem Pferd gesessen hättest, wärst du jetzt tot", stellte Glenn fest.

Danny kratzte sich am Kinn. "Auch wieder wahr... Trotzdem!"

Danny stieg auf sein Pferd und stöhnte laut dabei. "Meine alten Knochen werden auch immer unbeweglicher!"

Glenn schwang sich ebenfalls in den Sattel "Ich bringe dich noch nach Hause!"

"Brauche ich vielleicht einen Aufpasser? Nein, du reitest schön zur Rising Star Ranch! Wer weiß, was dort inzwischen wieder für ein Krawall ist..."

Glenn grinste. "Ich reite natürlich nicht deinetwegen mit", meinte er.

"So?"

"Ich dachte mir, ich sehe bei Patsy mal wieder nach dem Rechten. In letzter Zeit bin ich dazu nicht gekommen. Und auch wenn sie behauptet mit ihren sechzehn Jahren längst erwachsen zu sein..."

"Patsys Erziehung kannst du auch getrost mir überlassen!", unterbrach ihn Danny. Dann zuckte er die Achseln. "Verdammt noch mal, davonscheuchen werde ich dich natürlich auch nicht!"

Sie ritten die Mainstreet entlang, bogen dann ab.

Schließlich erreichten sie ein ziemlich am Rand von Deadwater gelegenes Haus. Die beiden Männer machten die Pferde an der Querstange fest und gingen zur Tür. Sie klopften an.

"Patsy! Wir sind es!", rief Danny.

Wenig später öffnete das Girl.

Patsy trug eine Winchester unter dem Arm. Dann atmete sie tief durch. "Mein Gott, ich bin vielleicht froh, dass ihr das seid!"

Glenns Augen wurden schmal.

"Was ist denn los?"

"Hier war ein Kerl, der sich nach Danny erkundigt hat. Er wollte wiederkommen...."

Glenn wandte sich an seinen Stellvertreter: "Du packst jetzt deine Sachen und reitest zur Rising Star Ranch!"

"Aber..."

"Keine Widerrede. Alles andere ist einfach zu unsicher. Hier bist du ja wie auf dem Präsentierteller. Und ich schätzte, du willst nicht unbedingt die 13. Kerbe auf dem Revolvergriff dieses Stacey sein..."

"Und was ist mit Patsy?", wandte Danny ein.

"Ich komme auch mit!", meinte sie. "Ihr werdet ja wohl noch ein Zimmer für mich haben!"

Danny zerknautschte seinen Hut. "Wie soll aus diesem Girl eine richtige Lady werden, wenn sie sich in einem Bordell aufhält?"

Patsy grinste. "Von Jarmus könnte ich sicher einiges lernen..."

Danny machte eine wegwerfende Handbewegung. "Das ist doch nicht dein Ernst, Patsy!"

"Jedenfalls würde Jarmus einer angehenden Dame wohl nicht beibringen, wie man sich die Fingernägel mit einem Bowie-Messer pflegt", erwiderte Patsy spitz.

Dannys Gesicht wurde dunkelrot.

"Du musst auch immer das letzte Wort haben! Kein Respekt mehr vor dem Alter!"

"Ach, Danny. So war das doch nicht gemeint", versuchte Patsy ihn dann zu beschwichtigen. "Aber als dieses Haus renoviert wurde, habe ich doch auch auf der Rising Star Ranch gewohnt.

Und du kannst nicht im ernst behaupten, dass ich dadurch jetzt viel verdorbener geworden bin..."

"Macht doch, was ihr wollt!", knurrte Danny.

"Allein möchte ich jedenfalls auch nicht hierbleiben!", erklärte Patsy.

Glenn wandte sich jetzt an Danny. "Nun macht schon! Reitet zur Ranch..."

"Und was hast du vor, wenn ich mal fragen darf?"

"Ich versuche diesem Kerl auf den Zahn zu fühlen, der sich hier bei Patsy und in Paco's Bodega nach dir erkundigt hat."

Danny kicherte. "Auf den Zahn fühlen ist gut!", meinte er.

"Wo der Kerl doch angeblich kaum noch welche davon hat!"

"Er muss ja irgendwo in der Stadt stecken. Ich werde einfach mal die Saloons abklappern..."

Danny strich sich mit der flachen Hand das schüttere Haar zurück. Dann verengte er die Augen etwas. "Soll ich dir nicht doch besser dabei helfen?"

Aber Glenn schüttelte den Kopf.

"Nimm's mir nicht übel, Danny, aber deine Anwesenheit würde alles nur komplizierter machen. Leider sind im Augenblick einfach zu viele Leute darauf aus, dir eine Kugel in den Kopf zu jagen."

10

"Wo ist Cimarron?"

Bürgermeister Franklin J. Coldwater stellte sich breitbeinig vor den Schanktisch im Long Branch. Der Barkeeper hatte ihm schon unaufgefordert einen Drink auf Kosten des Hauses eingeschüttet. Jeffrey Polland, Coldwaters ständiger Begleiter stand neben ihm und grinste schief. Die Hand war immer in der Nähe des tiefgeschnallten Revolvers.

Das war bei Männern wie Polland eine Art Reflex.

Reilly, der Leibwächter des Saloonbesitzers, wechselte einen etwas ratlosen Blick mit dem Barkeeper.

"Mr. Cimarron ist nicht hier", erklärte Reilly schließlich.

"Und das soll ich Ihnen glauben, Reilly?" Coldwater lachte rau und leerte sein Glas. "Wenn Sie hier sind, dann ist auch Cimarron hier..."

"Wie Sie sehen trifft das nicht immer zu."

"Ich habe etwas mit ihm zu besprechen..."

Reilly zuckte die Schultern. "Wie gesagt, er ist nicht hier..." Dann beugte sich Reilly etwas näher zu Coldwater.

"Schätze, da steckt 'ne Frau dahinter. Sonst wäre er nicht allein geritten..."

"Wusste gar nicht, dass Ross eine romantische Ader hat!", grinste Coldwater.

Reilly amüsierte das. "Das ist wohl kaum die richtige Bezeichnung für das, was der Boss so mit Frauen für gewöhnlich anstellt..."

"Vielleicht haben Sie da recht..."

"Apropos Frauen... Wollen Sie sich vielleicht die Zeit wieder mit der Chinesin vertreiben? Ich kann ja mal schauen, ob sie frei ist. Und wenn nicht, dann sorge ich dafür, dass sie es wird..." Er grinste dreckig.

Der Bürgermeister schluckte. Er schob sich seine Melone ein Stück in den Nacken und lockerte die Schleife, die er um den Hals trug.

"Warum nicht?", meinte er dann. "Sie wären übrigens ein guter Marshal, Reilly! Schnell mit dem Colt sind Sie ja..."

"Leider sitzt im Moment noch jemand auf dem Posten, der bei den Leuten sehr beliebt ist, Mr. Coldwater."

"Er wäre nicht der erste Marshal, dessen Beliebtheit abrupt mit einer Kugel im Kopf endet..."

"Bis jetzt stehen die Chancen besser, dass der Posten des Assistant Marshals frei wird", meinte Reilly. "Können Sie sich vorstellen, wieso auf einen Mann wie Danny Wilbur ein Kopfgeld ausgesetzt wurde?"

In Coldwaters Augen blitzte es. "Er ist ja auch ein sehr gefährlicher Kerl, unser Wilbur!"

Die beiden Männer brachen in schallendes Gelächter aus.

Dann erstarrten Reillys Züge plötzlich.

Er stierte an Coldwater vorbei in Richtung der Schwingtüren.

"Wenn man vom Teufel spricht", murmelte er.

Jetzt drehte sich auch der Bürgermeister um.

Glenn Morgan war eingetreten. Er hielt eine Winchester in der Hand.

Glenn Morgan legte zwei Finger an die Hutkrempe und grüßte damit den Bürgermeister.

Dann ließ der Marshal den Blick schweifen.

Er entdeckte den Mann mit der Zahnlücke an einem der Pokertische. Er lachte breit, weil er gewonnen hatte und gerade damit beschäftigt war, sich einige Dollars in den Hut zu schieben.

Glenn ging zu ihm an den Tisch.

Dann hielt er die Winchester hoch. Es war das 66er-Modell in der Rifle-Version. Eine ziemlich lange Waffe, verglichen mit den sonst üblichen Sattel-Karabinern.

"Gehört dieser Schießprügel ihnen?", fragte Glenn an den Mann mit der Zahnlücke gewandt.

Dessen gute Laune war auf einmal verflogen. Er rutschte ein Stück mit dem Stuhl zurück. Die Rechte wanderte zur Seite - dorthin, wo der Coltgriff aus dem Leder ragte.

Noch ein zweiter Mann in der Runde erstarrte plötzlich.

Er trug einen schwarzen Texas-Hut, wie ihn viele mexikanische Vaqueros aufsetzten.

"Ja, die Waffe gehört mir", sagte der Mann mit der Zahnlücke grimmig.

"Wie heißen Sie?"

"Roy Gaines ist mein Name. Und jetzt geben Sie mir Rifle zurück!"

"Mein Assistant Marshal ist vor kurzem beinahe vom Dach einer Bodega aus erschossen worden - und ich hätte um ein Haar auch etwas mitgekriegt."

"An Ihren Stories bin ich nicht interessiert, Morgan!", knurrte Gaines.

"Wie ich sehe, wissen Sie wer ich bin!"

"Es wird viel über Sie in der Stadt geredet."

"Was Sie nicht sagen..."

"Ich will jetzt meine Rifle zurück, oder..."

"Oder was?" Einige Augenblicke lang herrschte Schweigen.

Im Raum war es absolut still geworden. Glenn bemerkte zwei Kerle, die mit einer halbnackten Mexikanerin herumgealbert und es schon geschafft hatten, ihr die Corsage zu öffnen.

Jetzt raffte das Girl seine Sachen zusammen und bedeckte die schweren, wohlgeformten Brüste. Die beiden Männer wandten sich dem Geschehen am Spieltisch zu. Der eine trug eine schwarze, abgewetzte Lederweste. Das Holster hatte er darüber gegürtet. Es war ein Army-Futteral. Der Griff des 45ers zeigte nach vorn. Die Verschlusslasche war abgeschnitten worden, so dass man die Waffe jederzeit blitzschnell herausziehen konnte. Seine Hand war bereits auf dem Weg dorthin. Der Mann machte ein paar Schritte zur Seite, blieb dann schließlich in der Nähe des Pianos stehen.

Der Piano Player hatte sich ganz offensichtlich aus dem Staub gemacht. Er hatte wohl keine Lust, sich bei dem zu erwartenden Ärger eine Kugel einzufangen.

Der zweite Mann bewegte sich zur anderen Seite. Er trug ein fleckiges Wildlederhemd indianischer Machart. Es war in demselben vergrauten Ton gehalten wie die bei jedem Schritt herumflatternden Chaps. Den Revolver trug er links und sehr tiefgeschnallt, so dass die Waffenhand genau über dem Griff hing. Der zusätzliche Patronengurt, den er wie eine Schärpe über der Schulter trug, sprach dafür, dass er offenbar einen ziemlich hohen Verbrauch an Patronen hatte.

Vier Mann!, dachte Glenn. Dann handelte es sich vermutlich doch um die Sechser-Gruppe, die sich auf der McClelland-Farm nach Danny Wilbur erkundigt hatte. Zwei davon hatte es bei der Schießerei um Paco's Bodega herum erwischt.

Gaines blinzelte zur Seite, wartete ab, bis seine Leute in Position standen. Ihr Ziel war es zweifellos, Glenn Morgan einzukreisen.

"Mr. Cimarron wäre Ihnen sicher sehr dankbar, wenn Sie Ihren Streit an einem anderen Ort austragen würden!", mischte sich jetzt Reilly ein. "Beim letzten Mal ging schließlich ein Kronleuchter zu Bruch."

Seine Worte galten Glenn.

Der Marshal lächelte dünn.

"Dann sollte Mr. Cimarron vielleicht etwas wählerischer bei der Auswahl seiner Gäste sein."

Glenn registrierte beiläufig, dass auch der Schatten des Saloonbesitzers die Hand an der Waffe hatte und bereit war, sein Eisen sekundenschnell herauszureißen und abzufeuern.

Dasselbe galt für Jeffrey Polland, den Leibwächter des Bürgermeisters. Franklin J. Coldwater fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Haut. Schweißperlen glänzten auf der Stirn des kleinen, beleibten Mannes.

Gaines' Augen wurden schmal. Seine Nasenflügel bebten leicht. Die Hand war unter dem Tisch. Glenn schätzte, dass die Finger den Coltgriff umschlossen.

"Die Rifle!", knurrte er. "Was fällt Ihnen überhaupt ein, an meinen Sattel zu gehen..."

"Ich habe alle Sattelgewehre vor dem Saloon überprüft", erklärte Glenn. "Aber nur mit diesem wurde vor kurzem geschossen." Glenn trat nahe an den Tisch heran und hielt Gaines die Mündung des Rifle-Laufs unter die Nase. Gaines verzog das Gesicht.

"Ich wette, Sie waren gerade bei Paco's Bodega."

"Das können Sie nicht beweisen!"

"Danach haben Sie sich bei Patsy Forrester nach Danny erkundigt... Sie wollten sich dieses verdammte Kopfgeld verdienen, dass irgend jemand auf meinen Stellvertreter ausgesetzt hat!"

Gaines' Gesicht lief dunkelrot an.

Er atmete tief durch.

Es dauerte ein paar Sekunden, ehe er seine Sicherheit zurückgewann. "Was haben Sie jetzt vor, Marshal? Mich ins City Jail sperren?" Er grinste überlegen. "Sie sehen hier ein paar Gentlemen, die etwas dagegen haben!"

"Und ob!", meldete sich der Kerl mit dem Army-Holster zu Wort. Er spuckte geräuschvoll aus. Die Daumen klemmten lässig hinter dem Gürtel.

Gaines verzog das Gesicht. "Sie machen sich nur lächerlich, Marshal... Es gibt keinen Beweis!"

"Da haben Sie leider recht!"

"Na also! Was soll das ganze Theater dann?"

Jetzt mischte sich der Bürgermeister ein. Coldwater hatte sich inzwischen von seinem ersten Schrecken erholt. "Geben Sie dem Mann das Gewehr zurück!", forderte er.

"Genau das hatte ich vor", murmelte Glenn.

Er nahm den Lauf aus der Nähe von Gaines Gesicht. Dann hielt er die Rifle mit beiden Händen und warf sie Gaines zu.

Reflexartig hob er die Hände, fing sie auf. Genau darauf hatte Glenn gesetzt. Gains' Waffenhand war jetzt nicht mehr am Colt. In derselben Sekunde, in der er Gaines die Rifle zuwarf, riss er den Colt aus dem Holster. Er richtete die Waffe mit gespanntem Hahn auf Gaines' Kopf. Das ging so schnell, dass weder Gaines noch einer seiner Leute rechtzeitig reagieren konnte.

"Keine Bewegung - oder eurem Boss fehlt mehr als nur eine Reihe Zähne!", rief Glenn.

Der Mann mit dem Army-Holster hatte die Waffe schon halb herausgerissen und ließ sie jetzt zurück ins Leder gleiten.

Der Kerl im Lederhemd knurrte etwas Unverständliches vor sich hin.

"Wenn sich einer von euch rührt, ist euer Anführer tot", sagte Glenn.

"Was haben Sie jetzt vor?", fragte der Kerl mit dem Army-Holster.

Der Mann mit dem Texas-Hut legte die Karten auf den Tisch, blickte kurz zu Gaines hinüber. Dann versuchte er es.

Seine Hand glitt blitzartig unter den Tisch. Glenn hatte das vorausgeahnt. Er versetzte dem Kerl einen wuchtigen Tritt vor die Brust. Er kippte nach hinten, stöhnte auf.

"Steck das Eisen weg, Larry!", knurrte Gaines tonlos.

Larry rang nach Luft, ließ dann den Revolver zurück ins Holster gleiten.

Glenn ließ den Blick schweifen. "Jetzt schnallt ihr einer nach dem anderen die Revolver ab!" Glenn umrundete den Tisch, setzte Gaines den Colt an die Schläfe. "Na los, ein bisschen schneller!"

Zögernd gehorchten die Männer.

Glenn wies sie an, die Revolvergurte auf den Tisch zu legen.

Die Rifle, die Gaines bis dahin noch in den Händen gehalten hatte, wurde auch dazugelegt.

Glenn hängte sich die Revolvergürtel über die Schulter, nahm die Rifle in die Linke und ging dann zum Ausgang.

Dort drehte er sich noch einmal halb herum, wandte sich an den Kerl mit dem Lederhemd. "Ich nehme an, die Pferde mit den Double-D-Brandzeichen gehören euch. Jedenfalls habe ich bei einem davon die Rifle aus dem Sattel genommen..."

"Heh, was soll das!", ereiferte sich der Kerl mit dem Lederhemd. "Wollen Sie uns jetzt auch noch die Pferde wegnehmen?"

"Nein. Aber ich brauche noch eure restlichen Gewehre."

Gaines meldete sich zu Wort.

"Dafür werden Sie bezahlen, Morgan! Ihr Assistant ist schon so gut wie tot - aber die nächste Kerbe auf meinem Colt, das sind Sie! Ich lass mir nicht einfach so die Kanone wegnehmen!"

Glenn ging wortlos hinaus ins Freie.

Die Revolvergurte hängte er seinem Pferd an den Sattelknauf. Die Rifle schnallte er ebenso hinten zu seiner zusammengerollten Decke auf den Sattel wie die anderen Gewehre, die er aus den Scubbards der Double-D-Gäule herausholte. Vier Double-D-Pferde standen an der Querstange vor dem Long Branch. Und dieses Brandzeichen war keins aus der Gegend. Die Sache war für Glenn von Anfang an ziemlich klar gewesen. Er schwang sich auf den Sattel und ritt die Mainstreet in Richtung Marshal Office entlang.

Wenig später hatte er das Office erreicht.

Er stieg ab, nahm die Waffen von Gaines und seinen Leuten an sich und betrat dann das schlichte Büro. Es war ziemlich dunkel, aber Glenn kannte sich hier aus wie ein Blinder. Er verzichtete darauf, Licht zu machen. Die Gefängniszelle war zur Zeit nicht belegt. Also legte Glenn die Waffen auf der Pritsche ab. Dann schloss er die Zelle hinter sich ab und steckte sich den Schlüssel in die Tasche seiner Weste.

Selbst wenn Gaines und seine Leute auf die Idee kamen, ins Office einzubrechen, um ihre Schießeisen wiederzubekommen, würden sie ihre Schwierigkeiten mit den gusseisernen Gitterstäben bekommen.

Als er sich in Richtung Tür wandte, sah er dort den Umriss einer menschlichen Gestalt.

Ein Schatten, mehr nicht.

"Guten Abend, Marshal", sagte eine warme, rauchig klingende Stimme. Glenn Morgan erkannte sie sofort wieder.

Vor ihm stand die Lady, die sich nach einem Safe erkundigt hatte: Madeleine Bridger.

"Hallo Ma'am", murmelte Glenn und schluckte unwillkürlich dabei.

Der Augenblick ihrer ersten Begegnung war ihm noch lebhaft im Gedächtnis. Ihre hungrigen Augen, die schwindelerregende Silhouette ihres Körpers...

Sie trat ein, schloss die Tür hinter sich.

Mondlicht fiel durch das Fenster, schien auf ihr makelloses Gesicht und ihren atemberaubend tiefen Ausschnitt.

"Nenn mich Madeleine", hauchte sie. "Nicht Ma'am..."

"Ganz wie du willst... Madeleine!"

Sie trat an ihn heran, begann mit der Hand die Knopfleiste seines Hemdes entlangzufahren. "Du weißt doch ganz genau, warum ich hier bin, Marshal! Du willst mich doch genauso wie ich dich... Das habe ich vom ersten Augenblick an gespürt."

Ein Lächeln flog über Glenns Gesicht.

Der Marshal von Deadwater war kein Mann, der sich lange bitten ließ, wenn ihm ein Girl wie Madeleine über den Weg lief. Eine junge Frau, die zudem ziemlich scharf auf ihn zu sein schien.

Sein Blick streifte ihren Ausschnitt, die prallen Rundungen, die sich daraus hervorwölbten.

"Habe ich das eigentlich schon erwähnt?", fragte sie, "ich trage nichts drunter..."

Sie drehte sich herum, schmiegte ihren Rücken gegen ihn, presste ihm ihr Gesäß entgegen. Glenn fuhr zärtlich mit der Hand ihren Hals entlang.

"Wird sich Ihr Begleiter keine Sorgen machen, wenn Sie einfach so aus Hendersons Hotel verschwinden?", fragte Glenn.

Sie war überrascht. "Dale?"

"Ja."

"Ich bezahle ihn nicht dafür, dass er sich Gedanken macht."

"Ach, wirklich?"

"Den Verschluss am Kleid wirst du ja wohl finden, oder Marshal?"

"Nenn mich Glenn."

"Aber 'Marshal' klingt einfach aufregender..."

Glenn fand tatsächlich den Verschluss ihres Kleides. Er löste ihn, öffnete eine Knopfreihe. Dann schob er ihr das Kleid von den Schultern. Sie ließ es sich gerne gefallen, schnurrte leise dabei. Der Stoff glitt raschelnd zu Boden.

Sie trat aus dem Kleid heraus und drehte sich herum. Ihre schweren, wohlgeformten Brüste reckten sich ihm entgegen.

"Na, was ist, Marshal? Hat es dir die Sprache verschlagen? Dabei kriegst du doch auf deiner Rising Star Ranch jeden Tag ein paar appetitliche Ladies zu sehen..."

Er sah an ihr herab, folgte der aufregenden Kurvenlinie, die ihr sehr weiblicher Körper bildete. Glenn blieb mit den Augen einen Augenblick bei ihren Brüsten hängen, ließ den Blick dann tiefer gleiten, zu dem flauschigen Haardreieck zwischen ihren Schenkeln. Und in diesem Moment bedauerte er, dass er sich nicht die Mühe gemacht hatte, Licht im Office zu entzünden.

Auf der anderen Seite hatte das allerdings wohl auch sein Gutes.

Licht im Marshal Office - und das um diese Zeit!

Glenn vermutete, dass das nur Neugierige angezogen hätte.

Ein Lächeln flog über Madeleines Gesicht.

"Ich hoffe, du hast keinen allzu anstrengenden Tag hinter dir, Marshal!"

"Nun, ich..."

"Wir werden ja sehen... Worauf wartest du noch? Runter mit den Klamotten!"

Sie begann die Knöpfe seines Hemdes zu öffnen.

Nacheinander glitten Revolvergurt, Weste und Hemd zu Boden. Ihre Hände glitten über Glenns muskulösen Oberkörper.

Dann wanderten sie tiefer. Glenn zog sie zu sich heran. Ihre schweren Brüste drückten sich gegen ihn.

"Ich werd's dir so besorgen, dass du noch lange daran denken wirst", schnurrte sie.

Sie öffnete seine Hose, nahm sein bereits zu voller Größe angeschwollenes bestes Stück zwischen ihre Hände und begann es zu massieren. Erst sehr zart, dann immer intensiver und heftiger. Glenn verging hören und sehen dabei. Kurz vor dem Punkt, an dem es kein Zurück mehr gegeben hätte, hörte sie auf.

"Ich will ja nicht, dass du dein Pulver vorzeitig verschießt", schnurrte sie.

"Und selbst wenn! Es ist genug davon da!", erwiderte Glenn grinsend.

"Ich werde dir Gelegenheit geben, es zu beweisen!"

"Mit Vergnügen..."

Gemeinsam sanken zu Boden. Glenn spürte das ungeheure Feuer, dass in dieser Frau loderte. Er streifte sich die Hose vollends vom Leib. Dann begann er, Madeleine am ganzen Körper zu streicheln. Sie reckte sich wohlig unter seinen Berührungen. Ihr Gesicht befand sich im Schatten aber Glenn war nahe genug bei ihr, um sehen, dass ihre Augen geschlossen waren. Ein beinahe entrückter Zug spielte um ihre Lippen.

"Ja, mach weiter", flüsterte sie.

Seine Hände fuhren über ihren heißen Körper, zeichneten die Linien und Rundungen nach. Ihre Brustwarzen richteten sich steil auf. Glenn liebkoste sie mit dem Mund, und Madeleine stöhnte erregt auf. Dann zog sie ihn zu sich heran, schlang die Beine um seine Hüften. Glenn fasste sie in der Taille und stützte sich mit der anderen Hand auf dem Boden auf. Dann glitt er in ihre Wärme hinein.

Vorsichtig aber dennoch kraftvoll stieß Glenn in sie hinein.

Madeleine drückte ihr Becken dagegen.

"Ja, mach's mir, Marshal!", rief sie.

Ihre Bewegungen wurden immer heftiger. Schweiß glänzte auf Glenns Stirn.

Unaufhaltsam jagten sie dem Höhepunkt entgegen. Als Glenn sich in ihr ergoss, krallten sich Madeleins Fingernägel in seinen Rücken. Sie stöhnte laut auf. Seinen Kopf drückte sie keuchend zwischen ihre vollen Brüste.

Dann lagen sie einige Augenblicke einfach nur so da und rangen nach Luft.

Er glitt schließlich aus ihr heraus, setzte sich auf den Boden.

Sie lag ausgestreckt da, stützte den Kopf dabei auf den Ellbogen.

"Erwartet dich irgend jemand, Marshal?", fragte sie.

"Nun, nicht direkt."

"Das ist schön, dann haben wir ja noch viel Zeit. Die Nacht ist jung. Und hast du mir da nicht irgendetwas von einer gewaltigen Menge an Pulver erzählt, die noch verschossen werden soll?"

Glenn grinste. "Schätze, da hast du was missverstanden."

"Nein, das glaube ich kaum..."

Sie stand auf, streifte ihr Kleid über und zog es etwas zurecht. Glenn sah ihr dabei zu.

"Komm, zieh dir deine Klamotten über und dann..."

Sie sprach nicht weiter. Ihr hungriger Blick sagte alles.

Das Mondlicht spiegelte sich in ihren Augen. Diese Lady hatte noch lange nicht genug.

Glenn sollte es recht sein. Er begann nun ebenfalls, sich anzuziehen.

"Was hältst du davon, wenn wir in Hendersons Hotel gehen?, fragte sie. "Ich habe die Suite gemietet..."

"Hendersons beste Räume... alle Achtung", meinte Glenn.

"Ich stehe auf dem Standpunkt, dass es wenig Sinn hat, mit einem Sack Geld im Arm zu sterben!"

Glenn lachte. "In dieser Gefahr werde ich wohl nie sein."

"Aber wie ich gehört habe, hast du neben deiner Tätigkeit als Marshal ja noch eine andere Möglichkeit Geld zu verdienen..." Sie kicherte. "Und du wirst mir ja wohl nicht erzählen wollen, dass diese Bordell-Ranch kein Geschäft ist, das einen ordentlichen Gewinn abwirft!"

Glenn zuckte die Achseln. Dann schnürte er sich wieder den Revolver um die Hüften.

"Betteln muss ich jedenfalls nicht."

"Du hast übrigens einen interessanten Assistant Marshal", meinte sie dann plötzlich. "Der hat sicher schon eine Menge erlebt... Henderson hat mir erzählt, dass Mr. Wilbur früher mal Postkutschenfahrer und Fährtensucher bei der Army war."

"Danny war alles mögliche", meinte Glenn.

"Er hat wohl eine bewegte Vergangenheit hinter sich... Jedenfalls reden die Leute darüber."

"Ich würde nicht alles glauben, was die Leute so reden."

Sie schlang die Arme um Glenns Hals. Der Marshal war inzwischen wieder ganz angezogen.

"Seit wann ist er schon hier in Deadwater."

Glenn zuckte die Achseln. "Auf jeden Fall länger als ich... Warum fragst du das?"

"Ich habe mir so meine Gedanken über ihn gemacht. Überall, wo ein paar Leute zusammenstehen gibt es nur das eine Thema."

"Du sprichst von dem Kopfgeld, das jemand auf Danny ausgesetzt hat!"

"Ja."

"Ein Berufsrisiko, Madeleine. Wenn man lange genug in dem Job ist, gibt es genug Leute, denen man mal auf die Füße treten musste."

"Komisch... Wilbur wirkt eigentlich wie ein harmloser, etwas ungeschickter alter Mann, der keiner Fliege was zuleide tun kann. Aber wenn er nicht auch eine andere Seite hätte, wäre er wohl kaum Ihr Assistant Marshal."

"Nun..."

"Schließlich dürfte es schonmal ziemlich hart her gehen, wenn es darum geht, durchgedrehte Cowboys zu bändigen und das Gesindel in Schach zu halten..." Ihre Hand strich seine Schulter empor, erreichte dann seinen Nacken. Er war ein Stück größer als Sie. "Glaubst du, Danny Wilbur wird seine Sachen packen und einfach verschwinden?"

"Nein, da kennst du ihn schlecht."

"Hat der arme Kerl nicht irgendwelche Freunde, bei denen er eine Weile untertauchen kann, bis Gras über die Sache gewachsen ist?"

"Ich werde schon dafür sorgen, das Danny kein Haar gekrümmt wird. Und wer es trotzdem versucht, bekommt es mit mir zu tun!"

Sie zog seinen Kopf zu sich herab und küsste ihn. Glenn nahm sie in den Arm. Er spürte die Hitze ihres aufregenden Körpers, die schweren Brüste, die sich gegen seinen Oberkörper drückten und den Schlag ihres Herzens. Erneut kam Lust in ihm auf.

"Wollten wir nicht noch in die Suite in Hendersons Hotel gehen?"

"So fern das mit deiner Stellung in der Öffentlichkeit vereinbar ist..."

Glenn grinste und meinte dann in gespieltem Ernst: "Ich denke, jede Stellung ist mit dem Marshalamt vereinbar. Zum Glück macht mir da wenigstens niemand Vorschriften..."

Sie gab ihm einen leichten Stoß. "Witzbold!" Dann hakte sie sich bei ihm unter und hauchte: "Komm, die Nacht ist kurz..."

"Ich weiß."

11

Gaines und seine Männer hatten sich an einen Tisch zusammengesetzt. Dieser Tisch lag in einer hinteren Ecke des Long Branch Saloons. Sie steckten die Köpfe zusammen und berieten, was sie tun sollten.

Gaines war ziemlich ärgerlich.

"Verdammt nochmal, wenn ihr rechtzeitig bei Paco's Taverne gewesen wärt, dann hätten Morgan und Wilbur jetzt eine Kugel im Kopf. Aber stattdessen seid ihr hier im HAPPY SINNER versackt!"

"Boss, da war so eine dunkelhaarige Mexikanerin, die sich völlig ausgezogen hat!", meldete sich der Mann mit dem Lederhemd zu Wort. Er deutete dabei quer durch den Raum.

"Sie stand dahinten auf dem Tisch!"

"Ja, und wenn du eine Frau siehst, die mehr als die Knöchel entblößt, dann setzt anscheinend bei dir der Verstand aus, Larry! Wenn ihr dort gewesen wärt, hätten die beiden keine Chance gehabt! Lou und Tommy mussten deswegen ins Gras beißen. Dieser Morgan ist nämlich ein wahrer Teufel..."

Der Mann, der das Army-Holster getragen hatte trank sein Whiskey-Glas leer. Da er es mal bis zum Corporal in der Army gebracht hatte, nannten ihn die anderen auch einfach so. "Hat auch sein Gutes... Jetzt brauchen wir das Kopfgeld nicht mehr durch sechs teilen..."

"Eins sage ich dir, 'Corporal'! Ihr hättet keinen Cent abbekommen, wenn wir das Ding allein zu Ende gebracht hätten!"

'Corporal' verengte die Augen, zog sich den Hut etwas tiefer ins Gesicht.

"Ist mir schon klar, dass du eine Ratte bist, Roy Gaines!"

Gaines Hand ging instinktiv zur Hüfte. Es dauerte einen Sekundenbruchteil, ehe ihm klar wurde, das dort nichts mehr hing.

Larry, der Mann mit dem Texas Hut mischte sich jetzt ein.

"Wir sollten uns lieber einen Plan zurechtlegen, anstatt uns gegenseitig an die Gurgel zu gehen!", meinte er.

"Ganz meine Meinung!", nickte der Mann im Lederhemd.

"Als erstes brauchen wir Waffen!", knurrte 'Corporal'. Er schlug mit der Faust auf den Tisch. "Verdammt, seit ich unehrenhaft aus der Army geflogen bin, hat es niemand mehr gewagt mich derart zu demütigen wie dieser Morgan!

Zu Hölle mit ihm!"

"Das wird er schon bald sein, 'Corporal'!", meinte Larry.

"Und Danny Wilbur auch. Fragt sich nur, ob wir es noch schaffen, uns das Kopfgeld zu verdienen oder uns jemand anderes zuvorkommt. Ihr wisst doch, wie das ist. Wenn es irgendwo zum Himmel stinkt kommen die Geier..."

Ross Cimarron betrat in diesem Augenblick den Schankraum.

Seine Kleidung sah etwas zerzaust und staubig aus. Reilly grinste dem Barkeeper zu, als er das sah. Aber er enthielt sich eines Kommentars. Ganz im Gegensatz zum Bürgermeister.

Franklin J. Coldwater musterte den Saloonbesitzer von oben bis unten.

"Meine Güte, mit wem hast du dich denn im Dreck gewälzt, Ross?"

Cimarron grinste. "Nur kein Neid!", meinte er.

"Du hast einiges verpasst..."

"Ach, ja?"

In knappen Worten fasste Coldwater dem Saloonbesitzer zusammen, was geschehen war. "Jetzt sitzen die armen Trottel ohne Kanone da... Du weißt ja, dass es in meinem Store ein umfangreiches Angebot an Waffen gibt. Ich schlage vor, du gibst den Gentlemen etwas Kredit."

"Warum ich?"

"Weil ich als Bürgermeister etwas weiter im Hintergrund bleiben muss... Schließlich muss ich ja offiziell mit Morgan zusammenarbeiten."

Cimarron nickte. "Verstehe..."

"Sobald Danny Wilbur über die Klinge gesprungen ist, können sie ihre Schulden leicht zurückzahlen! Wahrscheinlich geben sie den größten Teil ihrer Dollars sowieso hier im HAPPY SINNER aus!"

Cimarrons Linke bildete eine Faust.

"Oder in der Rising Star Ranch", murmelte er.

Coldwater begriff.

"...an deren Umsatz du dann ja vermutlich auch wieder beteiligt bist!"

"Worauf du dich verlassen kannst, Franklyn!"

Coldwater hob sein Glas. "Auf die arme Seele des alten Mannes!"

"Wieso?", fragte Cimarron etwas irritiert.

Coldwater zuckte die Achseln. "Der alte Mann ist doch völlig harmlos. Ich habe ihn nie richtig ernst genommen und frage mich, wer so verrückt sein kann, ein Kopfgeld auf jemanden auszusetzen, der noch nicht einmal den Colt richtig zu halten vermag!"

"Ist ja nicht unser Problem, Franklyn."

"Ja, so sehe ich das auch."

"Ich habe übrigens noch ein paar Leute angeheuert, die sich an der Jagd beteiligen wollen. Wer hinterher das Kopfgeld kriegt, sollen die Schweinehunde unter sich ausschießen..."

Coldwater lachte dröhnend.

Cimarron schnipste. Das Zeichen für Reilly, seinen Schatten.

Zusammen gingen sie zu Gaines und seinen Männern an den Tisch.

"Ich habe von eurem Ärger gehört!", meinte er. "Und ich könnte mir denken, dass ihr euch nichts so sehnlichst wünscht, wie mit Morgan und Wilbur abzurechnen..."

12

Glenn Morgan sah hinauf zu Madeleines Brüsten, die rhythmisch auf und ab schwangen. Die schöne Lady saß auf Glenn und bewegte ihr Becken immer schneller hin und her. Das gedämpfte Licht ließ ihre Haut schimmern. Glenn hielt mit dem Becken dagegen. Das Bett in der Suite von Hendersons Hotel war schon völlig durchwühlt, so wild hatten der Marshal und die schöne Fremde darin herumgetobt.

Und ein Ende war noch nicht absehbar.

Immer rasender wurde der Rhythmus. Madeleine atmete schwer, keuchte dabei. Und auch Glenn stand der Schweiß auf der Stirn.

Der Höhepunkt war dann wie ein Wirbelwind.

Madeleine schrie laut auf vor Lust. Und auch Glenn verging für einige Augenblicke hören und sehen.

Die schöne Frau sank dann auf ihn hernieder. Ihre schweren Brüste drückten sich auf seinen Oberkörper. Sie keuchte, rang nach Atem. "Oh, Glenn! Warum sind wir uns nicht viel früher begegnet...", hauchte sie. Sie rollte zur Seite, schmiegte dann ihren warmen Körper an ihn.

Glenn blickte auf die Uhr an der Wand, als er wieder richtig bei Sinnen war.

Schon weit nach Mitternacht.

Es wurde jetzt Zeit.

Er sah sie an, strich ihr zärtlich erst über die Schulter, dann über ihre Brüste und Hüften.

Sie schloss die Augen dabei, genoss es sichtlich und stieß einen Laut aus, der entfernt an das Schnurren einer Katze erinnerte.

Eine ganze Weile ging das so, dann öffnete sie die Augen, sah ihn an. Ein verhaltenes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.

"Ich kenne diesen Gesichtsausdruck bei Männern...", meinte sie dann plötzlich.

"Ach, ja?"

"Du hast jetzt genug und willst gehen - aber höflich dabei bleiben!"

Glenn lachte. "Du scheinst eine Gedankenleserin zu sein, Madeleine!"

"Dazu gehört nur ein Minimum an Lebenserfahrung..."

Glenn erhob sich, begann sich anzuziehen. "Ich hoffe, du bleibst noch eine Weile hier in Deadwater", meinte er.

"Wenn es sonst keinen Grund gäbe - die Aussicht darauf, mit dir noch einmal durch die Kissen zu toben wäre schon Grund genug!"

"Hast du inzwischen eine Möglichkeit gefunden, dein Geld sicher unterzubringen?"

"Ich bin deinem Rat gefolgt und habe es zur Bank gebracht."

"Wie kommst du zu deinem Reichtum - wenn ich fragen darf."

Sie räkelte sich auf dem Bett, streckte sich und Glenn konnte dabei kaum den Blick von ihrem nackten Körper wenden.

Dann erhob sie sich, stand auf und blieb einige Schritte vor ihm stehen.

"Ich habe früh und reich geheiratet. Marvin T. Bridger, der größte Fuhrunternehmer von Kansas City war mein Mann..."

"War?" echote Glenn Morgan.

"Ja, der arme Marvin starb recht bald danach..."

"Das tut mir leid."

Ihre Trauer schien nicht besonders tief zu sein. "Keine Sorge, ich bin darüber hinweg, Glenn... Marvin T. Bridger war schon in den Sechzigern und ich ein junges Girl." Sie seufzte. Ihre Brüste hoben und senkten sich dabei.

"Offenbar hatte der gute Marvin die körperlichen Anforderungen der Ehe etwas unterschätzt..."

"Scheint nicht ganz ungefährlich für jemanden zu sein, sich mit dir einzulassen."

Sie grinste. "Gesund und kräftig sollte man schon sein!"

Glenn schnallte sich den Revolvergurt wieder um die Hüften.

"Da habe ich ja noch mal Glück gehabt..."

"Unsinn! Du bist ein ganzer Kerl Glenn! In jeder Hinsicht."

Sie kam zu ihm, schmiegte ihren formvollendeten nackten Körper gegen ihn. Ihre Hand strich ihm über das Hemd, glitt dann tiefer über die Schnalle seines Revolvergürtels...

"Das wird ja schon wieder eng in deiner Hose."

"Ich bin ja nicht aus Holz..."

"Aber leider musst du gehen!"

"Sorry, Baby!"

"Warum entschuldigst du dich? Das Schlimmste tust du dir damit doch selber an. Ein bequemer Ritt wird das jedenfalls nicht..."

"Schon möglich."

"Gleich, wenn du auf deinem Gaul sitzt und dir klar wird, dass du auf etwas ganz anderem reiten könntest, wirst du deine Entscheidung mit Sicherheit bereuen..."

"Auch möglich. Aber so bin ich nunmal. Danny Wilbur ist mein Freund und er braucht mich jetzt."

Sie zog einen Schmollmund.

"Fast müsste ich eifersüchtig auf Mr. Wilbur sein", sagte sie dann. Und während ihre Stimme diesen Namen aussprach veränderte sich der Tonfall. Er wurde klirrend kalt. Es war so deutlich, dass selbst Glenn es bemerkte, dem es im Augenblick schwerfiel sich auf irgendetwas anders zu konzentrieren, als auf Madeleine Bridgers aufregenden Körper. Sie sah ihn an. "Du würdest diesen alten Mann auf jeden Fall verteidigen, gleichgültig wie viele Gunslinger es auf ihn abgesehen hätten, habe ich recht?"

"Ich bin jedenfalls nicht so leicht einzuschüchtern. Andernfalls wäre nicht nicht Marshal von Deadwater..."

"Hast du mal darüber nachgedacht, aus welchem Grund jemand ein Kopfgeld auf Danny Wilbur ausgesetzt hat?"

"Ich habe mir schon den Kopf darüber zerbrochen", bekannte Glenn. "Danny ist ein harmloser alter Kauz, der keiner Fliege was zuleide tut."

"Offenbar ist da irgendjemand anderer Meinung..."

"Ja, scheint so."

"Hast du Danny mal gefragt, was er für den Grund hält?"

"Ja." Glenn zuckte die Achseln. "Danny ist ein Mann, bei dem sich Fantasie und Wirklichkeit etwas vermischen. Er erzählt immer von den großen Zeiten, in denen er Fahrer bei Wells Fargo oder Fährtensucher der Army und was weiß ich noch alles war. Aber ich habe den Verdacht, dass das alles nicht sehr spektakulär verlief..."

Glenn blickte aus dem Fenster. Ein einsamer Reiter kam die Mainstreet entlang.

Er hielt vor Hendersons Hotel, stieg ab und band sein Pferd an die Querstange vor dem Eingang. Wenig später klopfte es unten wie wild an der Tür.

"So spät noch ein Gast", murmelte Glenn.

Madeleine küsste ihn, dann schob Glenn sie sanft von sich.

"Wir sehen uns wieder", hauchte sie ihm hinterher.

"Gerne."

"Ich wünsche dir unruhige Träume, Marshal!"

Glenn grinste. "Ich werd's schon überleben!"

Damit verließ er die Suite. Wenig später ging er die Treppe hinunter, die in die Eingangshalle des Hotels führte. Von dort hörte er Stimmen.

Henderson, der Hotelbesitzer war aus dem Bett gesprungen und kümmerte sich um den späten Gast. Seine Geschäfte gingen schließlich nicht so blendend, dass er auf ein Geschäft verzichten konnte.

"Mein Name ist Knowle!", sagte der Fremde. "Ben Knowle.

Ich brauche ein Zimmer für die Nacht und eine scharfe Frau, um gut einschlafen zu können..."

"Das mit dem Zimmer ist kein Problem", antwortete Henderson ziemlich unterwürfig. "Aber was die Frau betrifft... am ehesten finden Sie so etwas im Long Branch, ein Stück weiter die Main Street entlang. Aber ich schätze, da es schon so spät ist, dass der Betrieb selbst dort inzwischen beendet sein dürfte!"

Der Mann, der sich Ben Knowle nannte, hustete erbärmlich.

"Kleines Kaff hier, was?"

"Naja, eine Stadt von Welt ist Deadwater nicht, aber wenn man nicht gerade in den frühen Morgenstunden antanzt, findet man hier alles, was man braucht!"

"Schon in Ordnung.."

"Tragen sie sich bitte hier in das Buch ein... Ich nehme einen halben Dollar für das preiswerteste Zimmer..."

"Es soll hier einen Sternträger namens Danny Wilbur in der Stadt geben", sagte Knowle.

Henderson antwortete nicht.

Glenn Morgan kam die Treppe herab.

Knowle war ein hochgewachsener Mann mit grauen Haaren. Er trug eine dunkle Jacke, die ihm gerade bis zur Hüfte ging und den tiefgeschnallten Revolvergurt freiließ. ein langes Bowie-Messer hing auf der linken Seite vom Gürtel. Knowle erstarrte förmlich, als er Glenn Morgan erblickte.

"Sie haben sich nach Danny Wilbur erkundigt", stellte Glenn fest.

Knowles Rechte glitt zum Quick-Draw-Holster an der Seite.

Der Revolvergriff ragte weit heraus.

Er bleckte die Zähne. Sie waren makellos und blitzten regelrecht auf. Seine augen waren ebenso grau wie seine Haare. Das Gesicht hatte etwas Falkenhaftes an sich.

"Wenn man vom Teufel spricht", meinte er. "Wie es scheint, habe ich ihn gefunden..."

Glenn widersprach nicht.

"Sie sind hier, um sich das Kopfgeld zu verdienen?"

"Na, dann wissen Sie ja Bescheid..." Knowle stellte sich breitbeinig auf, die Hand am Coltgriff.

Glenn machte noch einen Schritt auf ihn zu.

"Das ist nicht Wilbur!", kreischte Henderson.

"Ich lass mich nicht für dumm verkaufen!", knurrte Knowle.

"Es heißt, dass Wilbur hier in Deadwater mit dem Stern herumläuft..."

"Wer hat dieses Kopfgeld ausgesetzt?", fragte Glenn.

Knowle grinste schief.

"Kann Ihnen doch egal sein, Mister! Schließlich schlägt jetzt Ihre letzte Stunde... und da gibt es sicher anderes, woran man denkt!"

Er lachte heiser.

Dann zog er urplötzlich den Colt heraus.

Ben Knowle war verdammt schnell. Aber Glenn hatte diesen Angriff erwartet. Er war um Sekundenbruchteile schneller als sein Gegenüber.

Kurz hintereinander feuerten die beiden Männer.

Um einen Augenaufschlag vor seinem Gegner erwischte Glenns Kugel Knowle an der Schulter. Die Wucht des Projekzils riss den Fremden zurück und lenkte seinen eigenen Schuss ab. Dieser pfiff jetzt in einen der Schränke hinein, riss ein daumengroßes Loch ins Sperrholz.

Knowle riss die Waffe erneut herum, legte noch einmal an.

Er ließ Glenn keine andere Wahl.

Bevor Knowle zum zweiten Mal feuern konnte, hatte Glenns Kugel ihn in der Herzgegend erwischt.

Knowle taumelte zurück, fiel der Länge nach hin. Glenn steckte den Revolver wieder ein.

Dann beugte er sich über den Mann, kniete nieder.

Ben Knowle lebte noch.

Sein Blick war glanzlos.

Er atmete schwer. Die Linke presste er auf die Wunde im Oberkörper. Das Blut rann ihm zwischen den Fingern hindurch.

"Tut mir leid, dass Sie falsch informiert waren", sagte Glenn kalt. "Ich bin wirklich nicht Danny Wilbur. Allerdings hätte ich in keinem Fall zugelassen, dass Sie ihn erschießen..."

Knowles Augen traten ungläubig aus ihren Höhlen hervor.

Er öffnete den Mund. Blut troff daraus hervor. Er musste immense innere Verletzungen haben.

"Alarmieren Sie den Arzt, Henderson", wies Glenn Morgan den Hotelbesitzer an. "Na, los, worauf warten Sie?" Jetzt erst setzte sich der völlig geschockte Henderson in Bewegung, kam hinter seinem Tresen hervor und ging zur Tür. Im nächsten Moment war er verschwunden.

"Wer hat das Kopfgeld ausgesetzt?", fragte Glenn den Sterbenden. "Sie können nichts mehr verlieren, wenn sie es mir jetzt sagen..."

Knowle versuchte etwas zu sagen. Ein hustender Laut kam über seine Lippen, mehr nicht.

"Ich...", presste er dann heraus, der Rest war unverständlich. Er versuchte die Hand zu heben. Der Colt entfiel ihr.

Dann bemerkte Glenn Schritte hinter sich.

Jemand kam die Treppe hinunter und es hatte fast den Anschein, als ob der Sterbende dorthin deutete.

Glenn drehte sich um.

Es war Madeleine Bridger. Sie hatte sich einen hauchdünnen Morgenmantel übergeworfen, der ihre Körperformen eher betonte als verbarg.

"Was ist hier passiert?", flüsterte sie.

In diesem Moment brachen die Augen Ben Knowles. Sein Kopf fiel zur Seite, sein Gesicht erstarrte zur Totenmaske, während das Blut in einer breiten Lache auf den Boden floss und in die groben Holzbohlen einzog. Glenn erhob sich. Er nahm den Hut ab.

Doc Mill wohnte nur ein paar Häuser weiter.

Glenn hörte von draußen Schritte. Das musste Henderson zusammen mit dem Arzt sein.

"Sie kommen leider zu spät", meinte Glenn.

Die beiden traten ein. Der Doc, mit seiner Tasche in der Hand, nahm den Hut ab. Er sah auf Ben Knowle herab. "Ja, da ist wirklich nichts mehr zu machen", meinte er. "Das ist ein Job für den Totengräber..."

Der wieselhafte Henderson mischte sich in das Gespräch ein. "Hat in letzter Zeit ein bisschen viel zu tun, unser guter Totengräber!" Er kratzte sich am Hinterkopf, wich Glenns Blick aus. "Verdammt viel los in letzter Zeit. Und wenn ihr mich fragt, dann ist das ein bisschen zu viel."

"Der Kerl hielt mich für Danny Wilbur", kommentierte Glenn kühl. "Und solange dieses Kopfgeld auf Danny ausgesetzt ist, werden sie scharenweise hier antanzen, die Gunslinger und Halunken. Das ganze Gesindel westlich des Opecoos wird in Deadwater über kurz oder lang seinen Treffpunkt finden."

"Keine guten Aussichten", meinte der Doc.

Glenn zuckte die Achseln. "Jedenfalls wird es für Sie viel Arbeit geben, Doc, darauf können Sie sich schomal einstellen."

"darauf kann ich gerne verzichten."

"Wird aber nicht zu ändern sein."

"Manchmal wünschte ich mir, Tierarzt geworden zu sein."

der Tonfall des Arztes klang düster. Glenn beugte sich noch einmal zu dem Toten hinunter und durchsuchte ihn. Vielleicht fand sich ja irgendetwas, das auf den Kopfgeldstifter hinwies.

Aber da fand sich nichts.

Nichts außer ein paar lumpigen Silberdollars und einem gut bestückten Vorrat an Patronen. Offenbar war Ben Knowle darauf vorbereitet gewesen, seine Waffe oft zu gebrauchen.

Als Glenn mit ihm fertig war, wandte er sich noch einmal kurz zu Madeleine Bridger um. "Ich hoffe, das hat dir nicht im Nachhinein den Abend verdorben..."

Sie war blass geworden.

Ihre unter der Brust verschränkten Arme gaben ihr etwas abweisendes, kühles.

"Nein", sagte sie tonlos. Sie blickte erst auf den Toten, dann direkt in Glenns Augen. "Pass auf dich auf, mein Freund... Man weiß nie, was geschieht!"

13

Jane-Mary saß in der Badewanne und schloss die Augen. Es war weit nach Mitternacht. Ihr letzter Kunde hatte ziemlich lange gebraucht, um endlich zum Ziel zu kommen. Es war ein Reverend aus Roswell, der den langen Ritt jedesmal hinter sich brachte, weil er glaubte, dass ihn in Deadwater niemand kannte. Jane-Mary hoffte für ihn, dass er sich in diesem Punkt nicht irrte. Sie atmete tief durch. Ihre Brüste hoben sich dabei kurz aus dem Wasser heraus. Ein hörbarer Seufzer ging über ihre Lippen. So ein Bad half ihr einzuschlafen.

Die meisten Männer, die zu ihr kamen, wussten es kaum zu schätzen, dass sie sich sehr pflegte. Sie tat es für sich sich selbst.

Die Tür ging auf.

Arlène Lamont, die rothaarige Französin trat ein. Sie trug nichts weiter als ein durchscheinendes Nachthemd, das kaum etwas von ihrem herrlichen Körper verbarg. Die festen Brüste schimmerten ebenso deutlich hindurch wie das Haardreieck zwischen ihren Schenkeln.

"Ich habe gehört, dass du noch wach bist!", meinte die Französin. "Est-ce que tu n'est pas fatigué? Pardon... Bist du gar nicht müde?"

"Dasselbe könnte ich dich fragen, Arlène!", erwiderte die ehemalige Quäkerstochter, der das Leben in der Gemeinschaft der Frommen einfach zu langweilig geworden war.

Sie tauchte unter. Nachdem sie wieder aufgetaucht war, rieb sie sich das Wasser aus den Augen.

"Ich hoffe, ich mache nicht zu viel Krach!"

"Einen Riesen-Radau machst du!", erwiderte die Französin.

"Oh, sorry!"

"Ah, non! Deswegen bin ich nicht hier, Jane-Mary."

"Ach, nein?"

"Ich muss etwas mit dir besprechen..."

"Worum geht es."

"Um Fanny!"

Jane-Mary sah Arlène jetzt etwas erstaunt an. "Was ist mit ihr?"

"Das ist es ja eben! Sie benimmt sich schon seit längerem sehr, sehr merkwürdig. Bon, ich weiß auch nicht... Sie hatte immer dieses Halsband um..."

"Ja, wegen dem Peitschenstriemen! Jesus, das muss ein Schweinehund gewesen sein, der das getan hat! Ich bin ja dazu erzogen worden, ein Lamm unter Wölfen zu sein, aber das hätte selbst ich mir nicht gefallen lassen! Den Kerl hätte ich ganz unchristlich rausgeworfen! Pah, das wäre ja noch schöner!"

"Heute Abend war sie wieder weg!", berichtete Arlène. "Wohin? Je ne sais pas! Sie sagt ja nichts! Aber es war schon seltsam, dass sie ein Gewehr mitgenommen hat, wo sie doch damit eigentlich kaum umgehen kann! Mon Dieu, irgendetwas stimmt da nicht, ich spüre das einfach..."

Jane-Mary wirkte nachdenklich und nickte leicht.

"Eigenartig ist das schon, da hast du recht. Aber vermutlich gibt es eine ganz harmlose Erklärung dafür..."

"So, denkst du?"

"Sie ist manchmal etwas zickig, Arlène, aber wir können ihr doch trotzdem ihr Privatleben gönnen, oder?"

"Mais oui! Dagegen habe ich ja gar nichts gesagt..."

Jane-Mary erhob sich jetzt. Das Wasser perlte von ihrer Haut. Arlène reichte ihr ein Handtuch. Jane-Mary begann damit, sich abzurubbeln.

"Mach dir keine Gedanken mehr, Arlène!", schlug sie dann vor. "Fanny hat einfach ihren eigenen Kopf. Und uns bleibt nichts anderes übrig, als das zu akzeptieren..."

"Ich weiß nicht..."

"Es lohnt sich nicht, sich darüber den Kopf zu zermartern."

"Vielleicht hast du recht."

Jane-Mary stieg aus der Wanne heraus.

Arlène musterte ihre Kollegin und Freundin dabei. "Du siehst gut aus", fand sie. "Kein Wunder, dass die Männer so scharf auf dich sind!"

"Du kannst dich aber auch nicht beklagen!"

Aus der Ferne waren jetzt Schüsse zu hören. Arlène schnellte zum Fenster, blickte hinaus. Jane-Mary folgte ihr einen Moment später. Die beiden Girls starrten hinaus in die Dunkelheit.

"Das kam von der Cold River-Brücke!", war Arlène überzeugt.

14

Glenn verließ Hendersons Hotel, schwang sich in den Sattel seines Pferdes und ließ es die Main Street in Richtung der Cold River-Brücke traben. Jenseits der Brücke lag die Rising Star Ranch.

Es war ruhig in der Stadt. Selbst die ausdauerndsten Zecher in den Saloons und Bodegas waren entweder nach Hause gegangen oder schliefen jetzt am Straßenrand ihren Rausch aus. Glenn erreichte die Brücke. Nebel stiegen vom nahen Fluss auf. Der Himmel dagegen war sternenklar. Der Mond tauchte die Brücke in ein fahles Licht.

Noch wenige Yards trennten Glenn von der Brücke, als plötzlich ein Schuss aus der Dunkelheit heraus krachte.

Sekundenbruchteile später folgte ein zweiter. Das Pferd stieß ein markerschütterndes Wiehern aus. Es strauchelte.

Glenn sprang gerade noch rechtzeitig aus dem Sattel, um nicht unter dem massigen Körper begraben zu werden. Er kam hart auf den Boden auf, rollte sich über die Schulter ab. Das Pferd zuckte noch. Glenn zog den Colt. An die Winchester konnte er nicht heran. Der Pferdekörper lag auf dem Scabbard. Es wäre aussichtslos gewesen, an die Waffe heranzukommen.

Glenn robbte über den Boden.

Er kam wieder näher an das Pferd heran. Das Tier wieherte immer noch. Sein Bauch war aufgerissen. Blut versickerte in dem staubtrockenen Boden.

Die erste Patrone benutzte der Marshal dazu, dem Tier den Gnadenschuss zu geben.

Sofort danach wurde wieder auf Glenn geschossen. In der Nähe einer kleinen Baumgruppe blitzte ein Mündungsfeuer in der Dunkelheit auf.

Glenn feuerte zurück.

Aber mit Colt hatte er auf die Entfernung keine Chance.

Es sei denn, er vertraute auf einen glücklichen Zufall.

Glenn schoss die Revolvertrommel leer.

Dann lud er nach, während rechts und links von ihm die Projektile einschlugen. Manche in den Sand, andere in den Körper des toten Pferdes.

Glenn wartete, zählte Schuss um Schuss seines Gegenübers mit. Selbst wenn der Kerl eine Rifle hatte, musste ja irgendwann das Magazin leer sein.

Nach zwölf Schuss hörte der Geschosshagel auf.

Wenn der Schütze einen Winchester-Karabiner benutzte, dann war der jetzt leergeschossen und er war vielleicht schon damit beschäftigt, neue Patronen in die Waffe zu laden. Aber falls er mit der Rifle herumballerte, hatte er noch vier Schuss.

Glenn setzte alles auf eine Karte. Er tauchte aus der Deckung hervor.

Offenbar benutzte der Killer eine Rifle.

Dicht neben Glenns Fuß ließ eine Kugel den Staub zu einer Fontäne aufsteigen. Ein weiterer Schuss zischte haarscharf an Glenns Ohr vorbei. Der Marshal feuerte in Richtung seines Gegners, rannte dabei in geduckter Haltung weiter, bis er die Brücke erreicht hatte.

Er hechtete die Böschung hinab.

Der Fluss floss rauschend daher. Glenn rappelte sich wieder auf. Die Brücke bot ihm Deckung.

Ein Pferd wieherte. Dann hörte Glenn das Geräusch galoppierender Hufe. Der Kerl machte sich aus dem Staub.

Glenn tauchte aus der Deckung hervor, jagte der nur als schattenhafter Umriss sichtbaren Gestalt noch eine Kugel hinterher. Aber ohne Erfolg.

Zwei andere Reiter kamen jetzt aus der Richtung, in der die Rising Star Ranch lag. Sie preschten über die Holzbrücke.

Die Hufe der Pferde verursachten dabei einen Höllenlärm.

Schüsse fielen, einer davon wurde aus einer Schrotflinte abgegeben.

Glenn erkannte den Klang dieser Waffe nur zu gut.

"Glenn!", stieß einer der beiden hervor.

Es war niemand anderes als Danny Wilbur. Der andere Reiter war Jarmus O'Haggarty, der seinen Spencer Karabiner abgefeuert hatte. Weder bei Danny noch bei dem Ex-Butler handelte sich um Schützen, die wirklich beim reiten zu schießen vermochten.

"Sir, es scheint als hätte da jemand auf Sie gelauert!", stellte Jarmus O'Haggarty auf seine gewohnt steife Art und Weise fest. "Wenn ich mir eine Bemerkung erlauben dürfte."

"Gehen Sie von ihrem Pferd runter!", forderte Glenn. Er nahm den Gaul des Butlers beim Zügel.

"Willst du den Kerl etwa verfolgen?", meinte Danny.

"Erraten!"

Etwas verdutzt stieg Jarmus von seinem Gaul herunter. Glenn nahm ihm auch noch den Spencer-Karabiner aus der Hand. Dann gab er dem Pferd die Sporen.

In scharfem Galopp preschte der Marshal dann dem unbekannten Killer hinterher, der bei der Baumgruppe auf ihn gelauert hatte. Danny folgte ihm, während Jarmus seufzend stehenblieb. Ihm blieb wohl nichts anderes übrig, als zu Fuß zu Rising Star Ranch zurückzulaufen.

Es dauerte nicht lange und Glenn hatte die Baumgruppe erreicht. Das Mondlicht war sehr hell in dieser Nacht. Es war nicht schwer, die Spur zu finden.

Danny holte den Marshal ein.

"Na, wo steckt der Kerl?"

"Er reitet direkt in die Sacramento Mountains hinein", murmelte Glenn.

"Meinst du, das war eine Verwechslung und der Kerl meinte eigentlich mich?"

"Vielleicht kann er uns selbst darauf eine Antwort geben!", meinte Glenn.

Und damit ließ er den Gaul, den er Jarmus abgenommen hatte, weiter vorpreschen.

Den Spencer-Karabiner musste Glenn die ganze Zeit in der Hand halten. Jarmus hatte den Braunen so schnell gesattelt, dass er keine Zeit dazu gehabt hatte, einen Scubbard zu befestigen. Danny hielt das Tempo so gut mit, wie er konnte.

Einmal glaubten sie beide kurz, in der Ferne eine Bewegung zu erkennen. Möglicherweise der Reiter, dem sie folgten.

"Verdammt noch mal, wir müssen aufpassen, dass der Kerl sich nicht bei dem nächsten Plätzchen, das dafür geeignet ist, einfach auf die Lauer legt und uns aus dem Sattel holt, sobald wir in seine Reichweite kommen!", meinte Danny.

Glenn antwortete nicht.

Er ritt schweigend, hielt zwischendurch immer mal wieder an, um die Spur nicht zu verlieren.

Der Killer hatte sich ganz offenbar nicht weiter Mühe damit gemacht, sie zu verwischen. Einmal sahen sie einen Reiter auf einem Hügel, der sich dunkel gegen das Mondlicht abhob. Das musste er sein.

Glenn und Danny ritten bis in die frühen Morgenstunden hinein. Als die Sonne ihre ersten Strahlen über den Horizont schickte, waren sie bereits tief in den Sacramento Mountains. Ein schroffes, karges Land. Felsmassive ragten spitz empor. Die Morgenkühle ließ die beiden Männer frösteln. Aber Glenn war wild entschlossen, den Kerl einzufangen, der auf ihn geschossen hatte.

An einem Wasserloch machten sie kurz Rast.

Die Pferde brauchten das.

Dann verloren sie auf dem immer steiniger werdenden Untergrund die Fährte des flüchtigen Killers. Sie verlor sich einfach.

"Ich dachte, du bist Fährtensucher bei der Army gewesen!", knurrte Glenn an Danny gewandt. Sie waren von den Gäulen heruntergestiegen und sahen sich um. Es wurde langsam hell und man konnte immer genauer sehen, ob irgendwo auf dem Boden frische Abdrücke waren.

Danny kratzte sich am Hinterkopf.

"Ich weiß auch nicht", meinte er. "Meine aktive Zeit in dieser Hinsicht ist ja auch schon eine Weile her... Das war noch vor der Zeit, als ich in Kansas City war und für Wells Fargo gefahren bin... Captain Drilland von der 3. Kavallerie sagte damals zu mir: Wilbur, Sie sind der beste Fährten..."

"Komm sei still und konzentriere dich lieber auf das, was hier zu sehen ist!"

"Du warst auch schon mal umgänglicher, Glenn! Nur, dass dir das mal gesagt wurde!"

"Da wurde vermutlich auch nicht gerade auf mich geschossen!"

Glenn schob sich den Hut in den Nacken, ging in die Hocke und stützte sich dabei auf den Spencer-Karabiner.

Danny redete weiter.

"Ich vermute, dass deine miese Laune mit etwas ganz anderem zusammenhängt."

"Ach, ja?"

"Du hast einfach zu wenig Schlaf gekriegt! Und daran ist wohl hauptsächlich diese feurige Lady schuld, die vor kurzem in Hendersons Hotel abgestiegen ist! Habe ich recht? Gib's zu, dafür habe ich einen sechsten Sinn, Glenn!"

"Sie war übrigens früher auch in Kansas City."

"Was du nicht sagst!"

"Sagt dir der Name Marvin Bridger was?"

"Ja, sicher! In der Zeit, als ich dort war, war Bridger ein Storeholder. Ich habe zwei Wochen lang für ihn Kisten geschleppt, bis ich den Job bei Wells Fargo bekam. Das war aufregender und wurde auch besser bezahlt... Wie kommst du jetzt auf den? Bridger... Ist die Lady mit ihm verwandt? Könnte seine Tochter sein. Bridger müsste in meinem Alter sein."

"Sie war seine Frau. Bridger ist tot. Er hatte es zum größten Fuhrunternehmer von Kansas City gebracht, wenn das stimmt, was Madeleine mir erzählte..."

"Ehrgeizig war Marvin damals schon. Und sprach auch immer davon, dass eine Frachtlinie gut zu einem Store passen würde... Aber damals war die Konkurrenz von Wells Fargo übermächtig, Glenn. Da hatte kein anderer eine Chance."

Der Untergrund wurde nach einigen hundert Yards wieder staubiger und weicher. Linien zogen sich über den Boden.

"Sieht fast aus, als hätte da jemand mit einem Ast seine Spuren zu verwischen versucht...", meinte Glenn.

"Aber ziemlich schlampig, wenn du mich fragst. Damals, unter Captain Drilland, als wir es mit den Indianern zu tun hatten... Meine Güte, die hatten noch ganz andere Trick drauf um ihre Spuren zu verwischen."

Ein Schuss peitschte in dieser Sekunde haarscharf an Glenn vorbei. Der Schütze steckte irgendwo in den Felsen, die in einiger Entfernung hoch aufragten. Ein wahres Labyrinth aus Spalten und Abbrüchen befand sich dort. Gewaltige Steinbrocken waren von Flüssen aus dem Fels geschält worden, die längst versiegt waren.

Weitere Schüsse peitschten.

Glenn duckte sich, legte das Spencer-Gewehr an und feuerte ein paarmal zurück.

Aber er hatte kaum Chancen, den Unbekannten zu erwischen.

Dessen Deckung war hervorragend. Die Pferde stoben davon.

Glenn und Danny liefen geduckt auf einen Felsbrocken zu, hinter dem sie Deckung finden konnten. Einhändig und aus der Hüfte ballerte der Marshal dabei mit dem Spencer-Karabiner noch einmal in die Richtung, aus der der Angriff erfolgt war. Dicht zuckten die Kugeln an ihnen vorbei.

Kurz bevor sie die Deckung erreichten, hob Danny das Schrotgewehr, legte an und feuerte. Natürlich war das vollkommen sinnlos. Mit der Schrottbüchse konnte er den unbekannten Schützen nicht treffen. Dazu war die Entfernung viel zu groß.

Sekundenbruchteile später schrie Danny auf.

Ein Schuss des Unbekannten hatte ihn erwischt. Die Wucht des Geschosses ließ ihn taumeln und zu Boden gehen. Immerhin schlug er so hin, das er sich jetzt in Deckung befand.

"Verdammt, Danny!", rief Glenn.

Dann endlich hatte auch er hinter einem Felsbrocken Deckung gefunden.

Einer der Schüsse des Unbekannten kratzte am Stein entlang, ließ ein Stück heraussplittern.

Glenn wandte sich Danny zu.

"Lass mal sehen, wo's dich erwischt hat!"

"Halb so schlimm!", ächzte der Assistant Marshal. Er atmete schwer. Sein Gesicht war blass. Er biss die Zähne zusammen. Offenbar hatte er starke Schmerzen.

Glenn tauchte aus der Deckung hervor, feuerte Schuss um Schuss in Richtung des Gegners ab, bis das Magazin des Gewehrs leergeballert war. Dann lud er es nach.

Glücklicherweise passten die Patronen, die Glenn am Gurt trug und normalerweise für seinen Colt und die Winchester benutzte, auch in den Spencer-Karabiner. Der Unbekannte feuerte jetzt Schuss um Schuss in atemberaubender Folge.

Und er traf ziemlich genau. Keinen Zentimeter konnte Glenn sich aus der Deckung hervorwagen. Der Mann war kein schlechter Schütze. Und er konnte mit seiner Rifle umgehen!

Dann verebbte der Geschosshagel.

Glenn wagte sich schließlich aus der Deckung hervor, beobachtete die umliegenden Hänge. Aber es war nirgends jemand zu sehen. Dann hallte plötzlich das Geräusch klappernder Hufe zwischen den Felsen wieder. Es kam von jenseits der Felsen. Beschlagene Hufe auf massivem Stein.

Ein Höllenlärm.

"Verdammt!", fluchte Glenn, denn ihm war klar, dass ihm der Unbekannte jetzt endgültig durch die Lappen gegangen war. Glenn konnte ihm nicht folgen. Er musste sich erst einmal um Danny kümmern.

"Lass mich hier ruhig zurück und kauf dir den Kerl!", ächzte Danny.

"Kommt nicht in Frage", erwiderte Glenn. Er half Danny auf.

"Kannst du reiten?"

"Ich denke schon..."

"Gib mir mal dein Bowie-Messer, Danny!"

"Was hast du vor?"

"Aus einem Ärmel meines Hemdes werde ich dir einen provisorischen Verband machen..."

15

Dale, Madeleine Bridgers Zwei-Meter-Begleiter, ritt in scharfem Galopp die Main Street von Deadwater entlang. Es war noch ziemlich früh. Hier und da krähte ein Hahn, aber ansonsten war noch kaum jemand wach in der Stadt. Das Leben begann erst ein bis zwei Stunden später. Und in den Saloons und Bodegas überwiegend erst, wenn die Dämmerung einsetzte.

Dale stoppte seinen Gaul vor Hendersons Hotel und stieg aus dem Sattel. Er hatte ein ziemlich großes Pferd mit hohem Stockmaß. Aber das brauchte er auch. Das Sattelzeug fiel dadurch aus dem Rahmen, dass es zwei Scubbards aufwies. In einem steckte - mit dem Kolben nach vorne ausgerichtet - ein gewöhnlicher Winchester-Karabiner, wie ihn zwei Drittel aller Cowboys im Sattel stecken hatten. Der andere Scubbard war hinten angebracht. Der Gewehrkolben ragte ein Stück über die Satteldecke hinaus. Das Futteral war ungewöhnlich lang, was auch seinen Grund hatte.

Das 73er Modell einer Winchester-Rifle steckte darin.

Eine ziemlich lange Waffe.

Ein Gewehr für jemanden, der aus der Entfernung töten wollte.

Die Waffe eines Killers.

Dale blickte hinauf zu den Fenstern hinter denen sich die sogenannte Suite in Hendersons Hotel befand. An den Gardinen bewegte sich etwas. Madeleine Bridger stand dort, blickte auf ihn hinab.

Dale erwiderte ihren Blick kurz.

Dann ging der grobschlächtige Mann ins Hotel hinein, passierte die Eingangshalle. Auf den Holzbohlen war noch der große, dunkelrote Fleck zu sehen, den das Blut von Ben Knowle hinterlassen hatte.

Brook, der Gehilfe des Hoteliers, schnarchte hinter dem Tresen vor sich hin.

Mit weiten Schritten ging Dale auf die Treppe zu, nahm dann immer drei, vier Stufen mit einem Schritt.

Als er Madeleines Zimmer erreichte, stand die Tür schon offen.

Madeleine trug nichts weiter, als ihr hauchdünnes Nachthemd, das so gut wie nichts von ihrem formvollendeten Körper verbarg.

"Kom rein, Dale!", forderte sie ihn auf.

Ihre Stimme klirrte wie Eis.

Der Zwei-Meter-Mann nahm den Hut ab, trat dann ein.

"Du kommst sehr spät", stellte sie fest. "Was war los? Ich habe die Schüsse gehört. Ist Glenn Morgan jetzt tot?"

"Nein."

"Du bist ein Versager, Dale... Ich dachte, mit deiner Wunder-Rifle kannst du einem Kerl auf dreihundert Yards die Eier einzeln abschießen! Hast du nicht so herumgetönt?"

"Hör zu, Madeleine..."

"Du bist ein verdammter Angeber, Dale!" Ihr Kinn hob sich ein Stück. Sie wirkte jetzt ziemlich hochmütig.

Dales Nasenflügel bebten.

"Dieser Morgan ist ein Teufel! Ich dachte schon, ich hätte ihn erwischt, aber der Marshal von Deadwater scheint mehr als ein Leben zu haben..."

"Dummes Geschwätz, Dale!"

Madeleine machte eine ausholende, wegwerfende Bewegung, in die sie ihre ganze Verachtung hineinlegte. Ihre vollen Brüste schwangen dabei so doll hin und her, dass Dales Blick unwillkürlich für einen kurzen Moment dadurch förmlich gefesselt wurde.

"Ich musste einen weiten Bogen reiten. Aber Glenn Morgan ist mir zusammen mit seinem Deputy gefolgt..."

"Danny Wilbur?"

"Ja, genau. Ich habe die beiden dann in den Sacramento Mountains erwartet..."

"Und?"

"Wilbur habe ich erwischt. Er ist tot... Um Morgan habe ich mich dann nicht mehr gekümmert. Schließlich sollte der doch nur aus dem Weg geräumt werden, damit das Schussfeld auf Danny Wilburs grauen Schädel endlich etwas freier wird! Also habe ich mich aus dem Staub gemacht."

"Hat Morgan dich erkannt?"

"Das halte ich für unmöglich..."

Sie strich ihm mit dem Fingernagel über das Revers seiner Jacke. "Gut! So hast du meine Rache also vollendet!" Ihre Züge wurden etwas sanfter. "Ich muss mich wohl bei dir entschuldigen..." Sie atmete tief durch. Ein verträumter Zug erschien in ihrem zarten, feingeschnittenen Gesicht. Ein Zug, der allerdings auch mit einer deutlich sichtbaren Portion Grausamkeit gemischt war. In ihren Augen blitzte es.

Sie hatte es kaum erwarten können, Danny Wilbur endlich unter der Erde zu wissen jenen Mann, der vor zwanzig Jahren ihren Vater erschossen hatte.

James Thornton.

Madeleine Bridger, geborene Thornton, war damals noch ein Kind gewesen. Ein Kopfgeld von hundert Dollar hatte man auf ihn ausgesetzt, nachdem er bei einem Überfall einen Mann erschossen hatte. Was für ein lächerlich geringer Preis für ein Menschenleben, ging es Madeleine durch den Kopf. Sie hatte ihren Vater nicht oft gesehen. Er war immer unterwegs gewesen, vor allem nachdem sein Name und sein Gesicht auf Steckbriefen in Missouri und Kansas aufgetaucht war. Aber sie erinnerte sich noch genau an das Gesicht des Mannes, der sich das Kopfgeld verdient hatte. Ein grobkörniges Foto war im Kansas City Star abgedruckt worden, dass Danny Wilbur aufgrund der unglaublichen Belichtungszeit in steifer Siegerpose gezeigt hatte. Der Mann war stolz auf das, was er getan hatte - und ganz Kansas City hatte dem Wells Fargo Fahrer auf die Schulter geklopft. Wie ein Held wurde der kleine hagere Zwerg, diese halbe Portion, vom Bürgermeister und dem Marshal durch die Straßen der Stadt geführt und ein ganzes Rudel von Schreibern, die für Revolverblätter die Feder schwangen, hatte sich wie ein Geierschwarm um ihn geschart.

Es war widerlich gewesen.

Jedenfalls hatte Madeleine es so empfunden.

Denn sie hatte die Version ihrer Mutter über die Geschichte verinnerlicht. Danach war James Thornton ein Mann, der keine andere Wahl gehabt hatte, als sich gegen das Gesetz zu stellen, nicht eigentlich gegen das Gesetz, sondern gegen Wells Fargo. Denn Thornton hatte mit ein paar Partnern eine kleinere Post- und Frachtlinie betrieben, die aber gegen die übermächtige Konkurrenz keine Chance gehabt hatte. Und so hatte James Thornton angefangen, einen einsamen Kampf gegen alle zu kämpfen, die etwas mit Wells Fargo zu tun hatten. Er hatte es nicht als Unrecht empfunden, die Postkutschen dieser Linie auszurauben. Für ihn war es vielmehr das Wiederherstellen von Gerechtigkeit gewesen. Gerechtigkeit, wie James Thornton sie empfunden hatte. Und der hatte einen sehr eigenwilligen Begriff davon gehabt.

Madeleine Bridger erinnerte sich an die Tränen ihrer Mutter, als James Thornton auf dem Boothill der Stadt begraben wurde. Außer dem Totengräber war niemand dem Sarg gefolgt. Nicht einmal der Reverend hatte sich herabgelassen, dem Outlaw mit ein paar passenden Worten die letzte Ehre zu erweisen.

In diesem Augenblick hatte Madeleine Bridger sich geschworen, es dem Mann heimzuzahlen, der ihren Vater auf dem Gewissen hatte. Dem Mann, der in ihren Augen nichts weiter als ein Killer im Sold von Wells Fargo war.

Eines Tages, so hatte sie sich gesagt, soll Danny Wilbur genau dasselbe Schicksal durchleiden! Und wenn es noch Jahre dauert, bis ich das in die Tat umsetzen kann! Eines Tages werde ich die Mittel dazu in den Händen halten...

Und jetzt war es soweit.

Es war gar nicht so einfach gewesen, den ehemaligen Wells Fargo-Mann nach der langen Zeit wiederzufinden. Der Westen war groß und überall gab es neue Städte.

Aber schließlich hatte sie ihn gefunden.

Der Rest war ein Kinderspiel.

Man musste nur dafür sorgen, dass die richtigen Leute Wind davon bekamen, dass ein guter Preis auf den Kopf des Alten ausgesetzt war. Und wenn Glenn Morgan nicht gewesen wäre, dann wäre es längst zu Ende mit Danny Wilbur gewesen. Aber der Marshal stellte sich vor seinen Assistant. Und deswegen musste auch er aus dem Weg. Es wäre schade um ihn gewesen, dachte Madeleine. Sie hatte schon lange nicht mehr so guten Sex gehabt wie mit Glenn.

Er war eben in jeder Hinsicht ein ganzer Kerl.

"Du hast dir das Kopfgeld verdient, Dale... So bist du dieser Meute streunender Hunde zuvor gekommen... Mein Geld habe ich auf der Bank, sonst könnte ich dir deinen Killer-Lohn gleich auszahlen..."

"Du weißt, dass mich Geld erst in zweiter Linie interessiert!", sagte Dale mit tiefer, rauer Stimme. Der grobschlächtige Mann mit dem kantigen Gesicht blickte gierig an dem Körper der jungen Frau hinab, der durch ihr durchscheinendes Gewand kaum verborgen wurde.

Mit seinen gewaltigen Pranken umfasste er sie. Sie versuchte, sich diesem Griff zu entwinden. Seine Hände umfassten ihre schweren Brüste, pressten sie zusammen.

"Komm lass das!"

"Sonst hast du auch nie etwas dagegen gehabt, wenn ich dich mal scharf rangenommen habe!", stellte Dale fest. Er dachte gar nicht daran, sie loszulassen.

"Du stinkst nach deinem verdammten Gaul!", rief sie.

Sie stieß ihn von sich und jetzt ließ er sie los. Er starrte sie an. Sein Blick wurde finster. Sehr finster.

Madeleine erschauderte regelrecht unter diesem Blick.

"Sieh mich nicht so an!", sagte sie.

Dales Augen wurden zu schmalen Schlitzen. Um seine Mundwinkel herum zuckte unruhig ein Muskel. Seine Hände ballten sich zu Fäusten.

"Es ist dieser Morgan, nicht wahr?", murmelte er.

"Ich weiß nicht, wovon du sprichst!"

"Ich habe doch gesehen, wie scharf du auf ihn warst... Vom ersten Augenblick an, als wir das Marshal Office betraten und du ihn angegafft hast wie eine Zirkussensation!"

"Jetzt ist es aber gut", sagte Madeleine so klirrend kalt wie der kalte Nordwind, der in schlechten Jahren die Blizzards bis tief in den Süden bringen konnte.

"Ich habe ziemlich lange auf Morgan warten müssen... Und ich frage mich, ob er nicht in deinem Bett lag, während ich an der Brücke auf ihn lauerte!"

"Und wenn schon!"

"So ist es also wahr!"

"Es geht nichts an, Dale! Wir sind nicht verheiratet. Noch nicht einmal liiert! Ich gehöre niemandem, außer mir selbst. Eines solltest mittlerweile gelernt haben!" Sie deutete zwischen seine Beine. "Ich genieße es zwar ab und zu, wenn du dein schärfstes Eisen blank ziehst, aber wenn du daraus irgendwelche Rechte herleitest, bist du schief gewickelt!"

Sie grinste dermaßen dreckig, dass jedes Rising Star Ranch-Girl und selbst die Long Branch-Mädchen dabei errötet wären.

"Und die Vorliebe für lange Gewehre haben wir ja wohl gemeinsam..."

"Dann weiß ich nicht, was du dich jetzt so zierst!", stieß Dale wütend hervor. "Vielleicht hätte ich Morgan doch umbringen sollen..."

Sie stemmte die Arme in die Hüften.

"Jetzt hör mir mal gut zu, Hombre! Du hast keinerlei Rechte, was mich betrifft! Wir haben ab und zu Spaß miteinander, aber wenn du jetzt auf diese Tour kommst, dann kannst du du dein großes Teil sonst wohin stecken! Ich bin einfach müde - und der Grund dafür geht dich nichts an!"

"So siehst du das also..."

"Wenn dir deine Lenden zu stark anschwellen, dann geh auf die Rising Star Ranch, um dich zu erleichtern, aber lass mich zufrieden. Von den dreitausend Dollar die dir zustehen, kannst du sämtliche Girls dort ein ganzes Jahr lang mieten!"

Sie gähnte.

Kein Auge hatte sie in dieser Nacht zugemacht, und auch auch das wilde Liebesspiel mit Glenn Morgan hatte seine Spuren hinterlassen. Sie wünschte sich jetzt nur eins: Schlafen und ausruhen. Und das in dem angenehmen Bewusstsein, dass ihr schlimmster Feind, der Mann, der ihren Vater umgebracht hatte, seine gerechte Strafe gefunden hatte. Eine Kugel im Kopf. Endlich, dachte sie. Wir lange habe ich darauf hinarbeiten müssen.

Und jetzt war es Wirklichkeit geworden.

Sie wandte sich noch einmal an Dale.

"Verschwinde jetzt! Sobald ich gefrühstückt habe, bekommst du dein Geld!"

"Dieser Morgan mag zur Hölle fahren!"

"Lass Morgan aus dem Spiel, Dale."

"Ich leg ihn um, Madeleine. Dann kommst wieder zur Vernunft."

"Lass mich in Ruhe!"

Er ging zur Tür.

Den Kopf musste er leicht einziehen, als er hinausging, so groß war er. Er sah noch einmal zurück, betrachtete ihren durch das dünne Nachthemd schimmernden Körper.

Es wäre nicht das erste Mal, dass ich einen Mann erschieße, der sich zu nah an sie heranwagt und ihr den Kopf verdreht, ging es ihm durch den Kopf.

"Ach, Dale...?"

Sie wandte noch einmal den Kopf zu ihm.

"Ja?"

"Wenn du jetzt sowieso nichts zu tun hast, dann könntest du zur Telegraphenstation gehen."

"Da ist jetzt noch keiner."

"Lange kann das aber nicht mehr dauern. Schick Rory Jones eine Nachricht, dass es nicht mehr notwendig ist, dass er mit seinen Männern hier auftaucht."

Dale verzog das kantige Gesicht. Das Kinn kam ein Stück hervor.

"Dürfte zu spät sein, Lady. Rory Jones' und seiner Leute sitzen längst im Zug und sind unterwegs hier her. Jedenfalls, wenn Jones sich an die Abmachung gehalten hat. Und davon ist auszugehen."

"Versuch's trotzdem."

"Erinnere dich: Du hast jedem von ihnen hundert Dollar versprochen plus das Kopfgeld, wenn sie Wilbur erledigen!"

"Die hundert Dollar sollen sie auch bekommen, wenn sie tatsächlich schon unterwegs sind."

"Sie werden sauer sein, weil sie keine Aussicht mehr haben, den Hauptpreis zu gewinnen..."

"Das lass mal meine Sorge sein!"

16

Die Morgensonne stand am Himmel als Glenn und Danny zurückkehrten. Sie waren nicht so schnell vorwärts gekommen, wie normalerweise. Danny hatte starke Schmerzen, konnte sich kaum im Sattel halten.

Wie Watte hing der Nebel über dem Cold River. Man konnte auf diese Weise schon aus der Entfernung einiger Meilen den Flussverlauf sehen. Zumindest jetzt, in den frühen Morgenstunden. Nicht mehr lange und die Hitze der Sonne würde die Nebelschwaden in Nichts auflösen.

Sie ritten über die Rio-Bonito-Brücke, der Rising Star Ranch entgegen.

Peggy empfing sie bereits draußen. Sie trug eine praktische Jeans und ein Hemd, war also gekleidet wie ein Cowgirl. Schließlich hatte sie diesen Job ja auch einige Jahre ausgeübt, bevor sie auf der Rising Star Ranch angeheuert hatte. Aber auch da gab es wilde Hengste einzureiten.

"Glenn!", rief sie.

Die Erleichterung war ihr anzusehen.

Sie hatte sich Sorgen gemacht.

"Was ist mit Danny?"

"Ich denke, es ist ein Durchschuss!", meinte Glenn. "Aber ich bin kein Arzt. Das muss Doc Mill sich ansehen..."

"Ich hole ihn!"

"Nein, das werde ich machen!"

"Du hast die ganze Nacht keinen Schlaf gehabt!"

Glenn grinste. "Jetzt weiß ich, wie es euch Girls manchmal geht, wenn hier viel Betrieb ist!"

Jarmus und Patsy kamen in diesem Moment aus der Tür des Haupthauses.

"Helft mir mal aus dem Sattel!", rief Danny. "Sonst fall ich gleich noch vom Pferd!"

"Sehr wohl, Sir!", beeilte sich Jarmus und trat sofort hinzu.

Glenn lenkte sein Pferd herum. "Wie ich sehe, kommt ihr allein klar. Ich werde Doc Mills aus dem Bett jagen..."

Mit diesen Worten preschte Glenn los, Richtung Deadwater. Er ritt dmit donnernden Hufen über die Cold River Bridge und gelangte dann in die Stadt. Die ersten Gespanne zogen durch die Main Street. Hier und da wurden bereits Waren abgeladen. Das Leben in Deadwater erwachte.

Glenn ritt geradewegs auf das Haus von Doc Mill zu, das sich in der Nähe des Hotels befand.

Ein Mann ritt ihm entgegen.

Es war Dale, der baumlange Begleiter von Madeleine Bridger. Er zügelte das Pferd, starrte den Marshal düster an.

Glenn fielen die beiden Gewehre auf, die am Sattel des Riesen befestigt waren. Vor allem die lange Rifle.

Die Stiefel und die Hosen des Mannes waren von hellem Staub bedeckt. Kalkhaltigem Staub, wie er in den Sacramento-Mountains besonders häufig vorkam. Glenns Stiefel sahen ganz ähnlich aus. Der Sand in der Gegend um Deadwater hingegen war dunkler.

"Guten Morgen", knurrte Glenn, während er sein Gegenüber musterte. "Sie scheinen vor kurzem einen langen Ritt hinter sich gebracht zu haben..."

"Wüsste nicht, was Sie das angeht, Marshal."

"Sie tragen eine Rifle..."

"Ja. Ist das in Ihrer Stadt verboten?" Dale grinste schief. "Wie ich gehört habe, haben Sie gestern einen ganzen Arm voller Waffen eingesammelt!"

"Das ist richtig."

"Ich werde mir das nicht gefallen lassen!"

"Warum glauben Sie, dass ich Ihnen die Waffen wegnehmen will, Dale? Ich möchte nur mal ihre Rifle sehen..."

Dale bleckte die Zähne wie ein Raubtier. "Warum?"

"So eine Waffe hat man nicht alle Tage in der Hand."

"Sie allerdings erst gestern Abend, als sie im HAPPY SINNER-Saloon die Scubbards ausräuberten!"

"Sie sind ja gut informiert!"

"Deadwater ist ein Dorf, Mister!"

"Okay, dann will ich offen sein. Geben Sie mir die Rifle! Gestern Nacht ist an der Cold River Bridge auf mich geschossen worden..."

"Mit einer Rifle?"

"Erraten."

"Woher sind Sie sich da so sicher?"

"Weil kein anderes Gewehr sechzehn Schuss hat!"

Dale zögerte. Seine Rechte war am Revolver, das hatte Glenn bereits registriert. Einen Augenblick lag hing alles in der Schwebe. Dann griff Dale zur Rifle und zog sie aus dem Scubbard. Er warf sie Glenn zu. Der Marshal fing die Waffe auf, roch am Lauf, überprüfte das Magazin.

"Mit dem Ding ist vor kurzem geschossen worden", stellte er fest.

"Ich schieße jeden Tag damit."

"Auch in den Sacramento Mountains? In dieser Nacht?"

"Dafür gibt es keinen Beweis!"

"Der Staub an Ihren Stiefeln... Es ist derselbe, der auch auf meinen klebt!"

Dales Gesicht lief dunkelrot an. "Dieser Staub kommt an vielen Stellen in der Gegend vor. Das ist alles kein Beweis dafür, dass ich auf Sie geschossen habe. Außerdem - warum sollte ich das tun?"

"Gute Frage, vielleicht geben Sie mir die Antwort, Dale..."

Eine Sekunde verstrich.

Glenn bemerkte die Anspannung bei seinem Gegenüber.

Die Waffenhand wanderte in Richtung des Colts, verharrte dann. Dafür zog die andere Hand plötzlich ein Bowiemesser unter der Jacke hervor. Dale schleuderte es blitzschnell Glenn entgegen. Glenn hob die Rifle und hielt den Kolben seitlich vor sich. Die Klinge fuhr in das Holz des Kolbens, blieb zitternd stecken. Blitzschnell ließ Glenn die Waffe herumfahren, gab seinem Gaul einen Hackenstoß in die Weichen, so dass er nach vorn preschte und schlug mit der langen Rifle zu. Der knochenharte Metalllauf erwischte Dale mitten auf der Brust. Er kippte nach hinten, flog aus dem Sattel, während sein Pferd auf die Hinterhand stieg und dann laut wiehernd davonstob.

Ziemlich unsanft flog er in den Staub.

Er zog sofort den Colt, legte an, feuerte.

Glenns Gaul stieg ebenfalls auf die Hinterhand. Er hatte Mühe, sich oben zu halten. Dales Kugel war dicht an ihm vorbeigezischt.

Dale feuerte noch einmal.

Aber diesmal kam Glenn ihm zuvor.

Mit einer Hand hielt er die Zügel des verschreckten Pferdes, mit der anderen hielt er den Colt.

Er schoss.

Dales beinahe gleichzeitig abgefeuerter Schuss ging ins Leere, kratzte an einem der Reklameschilder von Hendersons Hotel entlang. Ein Ruck durchfuhr den Körper des Riesen.

Schwankend stand er eine volle Sekunde noch da, aber seine gebrochenen Augen starrten bereits ins Nichts. Kein Lebensfunke war mehr in ihm. Er war tot, noch bevor sein gewaltiger Körper dann auf den Boden krachte und im Staub der Main Street regungslos liegen blieb.

Glenn blickte hinauf, zu den Fenstern von Hendersons Hotel.

Er hatte eine Bewegung an den Gardinen gesehen.

Zweifellos hatte Madeleine alles beobachtet.

Ich werde mit ihr reden müssen, dachte er. Aber jetzt musste er sich erst einmal darum kümmern, dass Danny Wilbur einen Arzt bekam. Er lenkte sein Pferd zu Doc Mills Haus, stieg davor ab und machte das Tier an der Querstange vor dem Eingang fest.

Der Doc öffnete die Tür.

"Ich habe Schüsse gehört, Marshal..." Er blickte ein Stück die Main Street entlang, wo Dale im Staub lag.

"Für den kommt jede Hilfe zu spät", meinte Glenn. "Nein, es geht um Danny. Der werte Gentleman dort im Staub hat ihn um ein Haar abgeknallt. Er hat einen bösen Durchschuss. Wäre nett, wenn Sie sich um ihn kümmern würden."

"Natürlich."

"Er ist auf der Rising Star Ranch..."

Der Doc nickte. Er machte ein nachdenkliches Gesicht. "Ich kann nur hoffen, dass das bald aufhört", meinte er.

Glenn hob die Augenbrauen. "Wovon sprechen Sie, Doc?"

"Die Sache mit Danny. Die Stadt redet von nichts anderem mehr! Mr. Morgan, ich meine es gut mit Ihnen, aber wenn hier noch wochenlang ein Revolverheld nach dem anderen aufkreuzt, dann könnte sich die Stimmung gegen euch wenden..."

Glenn nickte düster.

"Ich verstehe schon."

"Einen Rat kann ich Ihnen leider auch nicht geben. Aber es wird Zeit, dass endlich wieder Ruhe in Deadwater einkehrt!"

"Ich fürchte, das wird noch etwas dauern", knurrte Glenn.

"Ich werde mich jetzt fertig machen!", versprach der Arzt.

In diesem Augenblick trat Madeleine Bridger ins Freie. Sie hatte sich ein Kleid übergeworfen. Ihr Haar war noch unfrisiert, ihre Gesichtszüge wirkten starr und finster.

Sie blickte auf den Toten herab.

Glenn ging auf sie zu, führte den Gaul dabei hinter sich her. Sie sah ihm entgegen.

Ihr Gesicht veränderte sich. Ein leicht spöttischer Zug stand jetzt darin, gepaart mit Zynismus. Sie stemmte den linken Arm in ihre geschwungene Hüfte.

"Er war eifersüchtig", sagte sie. "Vermutlich hat er deswegen die erste Möglichkeit genutzt, um sich mit dir zu schießen, Glenn Morgan!"

"Er hat versucht, sich das Kopfgeld zu verdienen", sagte Glenn. "Das Kopfgeld auf Danny Wilbur..."

"Ach, ja?" Sie schluckte. Er hat gesagt, dass Dale es versuchte, rief sie sich in Erinnerung. Das bedeutete, dass der Mann, den sie wie nichts anderes in ihrem Leben verachtete, noch am leben war.

"Ist dein Gehilfe verletzt?", fragte sie.

"Woher weißt du das?"

"Du warst beim Doc. Vermutlich soll der sich jetzt auf die Socken machen..."

Glenn nickte.

Madeleines Stimme war belegt, als sie weitersprach.

"Vermutlich ist es meine Schuld."

"Was?"

"Dass Dale auf deinen Assistant geschossen hat!"

"Ach, ja?"

"Schätze, ich hätte ihn einfach besser bezahlen müssen, dann wäre er nicht so gierig auf dieses Blutgeld gewesen..."

Glenn sah sie an. Sein Blick bohrte sich in ihre Augen.

Sie wandte den Kopf. Dann drehte sie sich herum und ging zurück zum Eingang von Hendersons Hotel. "War 'ne aufregende Nacht!", meinte sie dann noch, ohne sich noch einmal umzudrehen.

17

Glenn ritt zum Silvermoon Saloon, um zu frühstücken. Außerdem brauchte er jetzt einen starken Kaffee. Die letzte Nacht war nicht spurlos an ihm vorübergegangen.

Der Silvermoon Sallon war einer der kleineren Saloons von Deadwater. Nicht zu vergleichen mit dem Long Branch, der ja gleichzeitig auch als Bordell fungierte.

Carson McCoan, der Besitzer des Silvermoon, war ein etwas übergewichtiger, ziemlich gutmütiger Mann.

Er begrüßte Glenn freundlich.

"Hallo, Marshal. Was kann ich für Sie tun?"

"Eine Mahlzeit, die unter die Rippen geht und einen Kaffee, der so schwarz und stark sein sollte, dass der Löffel darin stehenbleibt!"

Carson McCoan grinste breit.

"Kein Problem, Marshal."

Glenn setzte sich an einen der Tische, streckte die Füße von sich und schob sich den Hut in den Nacken.

Zu dieser frühen Stunde war niemand sonst im Saloon. Glenn Morgan war der einzige Gast. Ein Frühstück hätte er natürlich auch auf der Rising Star Ranch bekommen können.

Aber er hatte das Gefühl, dass es jetzt gut war, wenn er sich in der Stadt aufhielt.

Die Begegnung mit Dale hatte ihn nachdenklich gemacht.

Er fragte sich, was Madeleine Bridger mit der Sache zu tun hatte. Denn bisher hatte er immer angenommen, dass der große Dale so etwas wie ein Laufbursche der reichen Lady gewesen war. Madeleine und Danny waren beide in Kansas City, ging es Glenn durch den Kopf.

Hatte die schöne Lady etwa das Kopfgeld ausgesetzt?

Aber wenn dem so war - was war der Grund dafür?

Zu jener Zeit, als Danny in Kansas City gewesen war, war Madeleine doch noch ein Kind gewesen. Und was hätte ein kleines Mädchen dagegen haben sollen, wenn ein Wells Fargo Mann einen Posträuber erschoss? Ein Ereignis, von dem sie vielleicht ihre Eltern hatte erzählen hören.

Nein, der Gedanke erschien Glenn zu absurd.

Abgesehen davon, bezweifelte Glenn noch immer, dass die Erzählung seines Assistant Marshals im vollen Umfang der Wahrheit entsprach.

McCoan war damit beschäftigt, dem Marshal ein Frühstück zu machen. Speck mit Eiern. Etwas anderes hatte McCoan auch gar nicht anzubieten. Böse Zungen behaupteten, dass es das einzige Gericht war, das er zubereiten konnte.

Als der Saloonkeeper Glenn das Essen auf den Tisch stellte, kam ein Mann in schwarzer Weste herein. Er trug eine Schleife um den Hemdkragen, außerdem Ärmelschoner. Die flaschendicke Brille machte es fast unmöglich, die Farbe seiner Augen zu bestimmen. Glenn kannte ihn. Es war Allan Runciter. Er betrieb einen kleinen Store, aber wirklich wichtig war er, weil man bei ihm Telegramme aufgeben konnte.

Runciter stürzte zu Glenn an den Tisch, der gerade einen Schluck von dem wirklich rabenschwarzen Kaffee schlürfte.

"Marshal, ich muss Sie sprechen!"

Runciter blickte zu McCoan. Der Saloonkeeper verzog das Gesicht. "Ich geh ja schon!", meinte er und ging davon.

Runciter setzte sich an den Tisch, beugte sich vor und sagte dann in gedämpftem Tonfall: "Es ist wegen diesem Riesenkerl - Dale heißt er. Er war heute Morgen bei mir im Office, um ein Telegramm aufzugeben. Muss ziemlich dringend gewesen sein, denn er war der erste und hatte auch schon eine Weile gewartet." Er wisperte jetzt fast nur noch. "Eigentlich darf ich ja über den Inhalt von Telegrammen nichts sagen, aber... Verdammt nochmal, das müssen Sie wissen, Marshal!"

"Dann raus damit!"

"Das Telegramm ging an einen gewissen Rory Jones in Kansas City! Inhalt ist sinngemäß folgender: Dieser Jones bräuchte nicht mehr zu kommen..., die Sache sei erledigt!"

Glenn Morgan ballte unwillkürlich die Hand zur Faust.

Rory Jones!

Der Name war ihm ein Begriff. Jones war ein Revolverheld, der mindestens zwanzig Mann auf dem Gewissen hatte. Man hatte ihm nie etwas nachweisen können. Seine Gegner hatten stets zuerst gezogen. In den Zaunschneider-Kriegen im Johnson County und anderswo hatte er sich immer wieder mit seinen Leuten für Revolverlohn anwerben lassen. Mal für reiche Rancher, mal für große Farmer, die es leid waren, das die Rinderherden der Rancher ihre Felder zertrampelten. Der Name Rory Jones war seitdem im Westen ein Begriff.

"Ich dachte, das interessiert Sie, Marshal!"

"Und ob!"

"Schätze, es handelt sich um den Rory Jones, von dem in den Revolverblättern zu lesen war!"

"Ja, so häufig ist der Name nicht." Glenn führte den Kaffee zum Mund. Aber auch ohne die schwarze Brühe war er jetzt hellwach. Denn die Aussicht, das Rory Jones nach Deadwater kam, war alles andere als rosig.

"Eigentlich dachte ich, Rory Jones hätte sich zur Ruhe gesetzt!", meinte Runciter.

Glenn zucke die Achseln.

"Vielleicht braucht er Geld."

"Davon müsste er mehr als genug gehabt haben, wenn man nach dem geht, was über ihn in den Zeitungen stand!"

"Aber da stand auch, dass er die Karten liebte", gab Glenn zu bedenken. "Außerdem stimmt auch nicht alles, was in den Zeitungen steht."

Runciter nickte. "Auch wieder wahr." Er sah Glenn erwartungsvoll an, so als wartete er auf etwas. Glenn bemerkte das erst, nachdem er seinen Kaffee ganz geleert und dann ein paar Bissen Eier mit Speck gegessen hatte.

"Was ist noch?", fragte Glenn.

Runciter zuckte förmlich zusammen.

"Rory Jones wäre wegen des Kopfgeldes, das auf Danny Wilbur ausgesetzt wurde, hier her gekommen, nicht wahr?"

"Vermutlich ja."

"Ich bin verdammt froh, dass der Stadt das erspart bleibt!"

"Vorausgesetzt, Jones hält sich an die Anweisung im Telegramm..."

"Glauben Sie, dass Sie das geschafft hätten? Gegen Jones anzutreten, meine ich."

Glenn lächelte matt.

"Das weiß man immer erst hinterher", meinte er.

18

Roy Gaines war nackt. Der Schweiß perlte ihm von der Stirn. Der Mann mit der Zahnlücke lag mit gespreizten Armen und Beinen auf dem breiten Bett. Mit den Fuß- und Handgelenken war er an das Bettgestell gebunden.

Seine Augen waren mit einem dunklen Tuch verbunden.

Neben ihm kniete eine grazile junge Frau auf dem Laken.

Sie trug ebenfalls keinen Faden am Leib. Das nussbraune Haar, das ihr bis weit über die Schultern fiel, steckte sie zu einem Knoten auf.

"Was ist, Baby? Wann fängst du endlich an?", fragte er.

Sie blickte zwischen seine Beine und schmunzelte. "Ist Vorfreude nicht auch etwas?"

"Ich dachte, die Girls aus dem Long Branch gehen richtig scharf an!"

"Das tun sie auch - keine Sorge!", erwiderte die junge Frau, fast ein bisschen beleidigt. "Du wirst schon sehen..."

"Na, dann los! Wie heißt du eigentlich nochmal,... Annie?"

"Ich bin Loretta. Annie war die Blonde, mit der du es gestern Abend getrieben hast!"

"Sorry... Man kann sich ja auch nicht alles merken! Vielleicht hätte ich euch öfter ins Gesicht schauen sollen!"

"Wir sind auch sonst ziemlich unterschiedlich..."

Gaines seufzte. "Das macht der Whiskey..."

"Vielleicht ist es am besten, wenn ich schon jetzt dem Doc Bescheid sage... Nur für den Fall, dass dein Herz zwischendurch schlapp macht!"

"Hör auf mit dem Mist!", rief Gaines. "Ich bin ja schließlich kein alter Mann!"

"Ganz wie du meinst. Also einmal Lorettas Spezial-Behandlung. Aber auf deine Verantwortung!"

"Quatsch nicht, Baby!"

Loretta beugte sich nieder. Sie umfasste sein bestes Stück, massierte es intensiv. Gaines, der eigentlich noch etwas hatte sagen wollen, verschluckte seine Worte. Er atmete schwer, stieß dann einen pfeifenden Laut aus. Kein Zweifel, Loretta verstand ihr Handwerk. Ross Cimarron hatte nicht zuviel versprochen.

Das Geschäft ist nicht schlecht, das wir machen!, dachte er. Cimarron gibt uns nicht nur neue Waffen, er lässt uns auch im Long Branch auf unsere Kosten kommen...

Dazu gab es tausend Dollar zusätzlich für jeden der vier, wenn sie es schafften, nicht nur den Assistant Marshal, sondern auch Glenn Morgan aus dem Weg zu räumen.

Aber diese Gegenleistung war kein Problem, so dachte sich Gaines. Nochmal würde er sich jedenfalls nicht von einem dahergelaufenen Town Marshal die Waffen abnehmen lassen.

Allein schon für diese Demütigung musste Glenn Morgan sterben.

Aber zuerst galt es, zu genießen.

So wie schon am Abend zuvor, als Annie ihn verwöhnt hatte, bis ihm buchstäblich Hören und Sehen vergangen war.

Immer heftiger massierte ihn jetzt Loretta. Dann beugte sie sich hinab und verwöhnte ihn mit dem Mund. Gaines zog an seinen Fesseln, er zuckte, wandt sich und stöhnte auf. Die Lust, die das scharfe Girl ihm bereitete, brachte ihn beinahe zum Wahnsinn.

"Ja, mach's mir!" rief er.

Aber Loretta dachte gar nicht daran, ihm so schnell die ersehnte Erlösung zu schenken.

Sie schaltete einen Gang zurück, kitzelte ihn vorsichtig mit der Zungenspitze.

Das Girl ging gerade immer so weit, dass der Point of no Return nicht überschritten wurde. Loretta war eines der erfahrensten und raffiniertesten Mädchen aus dem HAPPY SINNER Saloon. Sie wusste genau, wie sie einen Mann schier zum Wahnsinn treiben konnte.

Und Roy Gaines war ihr mehr oder minder ausgeliefert.

Er selbst hatte die Fesseln verlangt. Und die Wünsche ihrer Kunden waren für Loretta Befehl. Sollte er bekommen, was er wollte!

Loretta erhob sich, lächelte hintergründig.

Sie blickte an sich herab.

Ihrer Brustwarzen hatten sich aufgerichtet. Sie hatte eine formvollendete Figur. Selber schuld, wenn du das nicht sehen willst!, dachte sie. Aber wenn der Mann mit der Zahnlücke dieses schwarze Tuch unbedingt brauchte, um glücklich zu sein...

Ihr waren Spielchen dieser Art immer willkommen.

"Heh, wo bist du?", rief Gaines. Sie antwortete nicht. Er wirkte etwas irritiert. Ja, dachte sie, jetzt werde ich dafür sorgen, dass du etwas abkühlst. Ist nur zu deinem besten... Dann hast du länger was davon!

"Ist schon Schluss? Ich werde mich bei Mr. Cimarron beschweren, wenn..."

"Wirst du nicht", unterbrach ihn Loretta. "Dafür garantiere ich!"

Gaines schimpfte noch etwas vor sich hin.

Loretta achtete nicht weiter darauf.

Sie wartete noch ab, ließ ihn zappeln.

Dann schwang sie sich auf ihn, ließ ihn in sich hineingleiten.

Das ließ Gaines verstummen. Langsam begann sie mit kreisenden Bewegungen, die sich immer mehr steigerten.

Gaines atmete schneller.

Lorettas Brüste wippten im Takt ihrer Bewegungen.

Sie schloss die Augen, während sie das Tempo noch um einiges steigerte.

Gaines keuchte. Er rang nach Luft. Immer schneller wurde das Tempo, das die junge Frau vorlegte. Der Schweiß rann nur so von Gaines Stirn. Dann endlich kam der Höhepunkt und er ergoss sich in ihr. Er stieß dabei wimmernde Laute aus.

Loretta lächelte.

"Wolltest du dich nicht bei Mr. Cimarron beschweren", säuselte sie. "Oder... kannst du das jetzt gar nicht mehr, weil dein Blut erst von einem anderen Ort zurückfließen muss. Einem Ort, wo es dringender gebraucht wurde..."

Sie beugte sich über ihn. Er spürte, wie ihre Brüste gegen seinen breiten Oberkörper drückten. Dann rollte sie sich von ihm herunter, atmete tief durch.

Es klopfte wie wild an der Tür.

"Aufmachen! Hier ist Cimarron!", schrie eine raue Stimme ziemlich unwirsch. Gaines zappelte an seinen Fesseln. Aber Loretta wusste, wie man Knoten machte, die auch heftigeren Bewegungen standhielten. Er hatte keine Chance, sich zu befreien. Ein hintergründiges Lächeln flog über Lorettas Gesicht.

Dann ging sie zur Tür, nackt wie sie war, und öffnete.

Cimarrons Narbengesicht blickte ihr entgegen.

Der Saloonbesitzer hatte nur einen kurzen Blick für Lorettas exquisiten Körper. Er ging an ihr vorbei, ließ sie einfach stehen. Als er den an das Bett gefesselten Gaines sah, musste Cimarron unwillkürlich breit grinsen.

"Sowas hätte ich Ihnen gar nicht zugetraut, Gaines!", meinte er. Er lachte rau. Dann fuhr er fort: "Jetzt aber raus aus den Federn! Ihr Jungs habt noch einen verdammt harten Job zu erledigen!"

19

Die Saloontüren flogen auseinander. Runciter zuckte zusammen. Glenn Morgan sah auf und blickte in Roy Gaines' Zahnlücke.

Er hielt eine Winchester in der Hand, deren Lauf auf Glenn gerichtet war.

Seine drei Komplizen waren ebenfalls gut bewaffnet.

Jemand hatte sie mit Gewehren und Colts ausstaffiert.

Larry, der Kerl mit dem Texas-Hut, grinste schief und blieb bei den Schwingtüren stehen. Der Lauf seiner Winchester zeigte in Glenns Richtung. Larry hatte mit dem Marshal noch eine besondere Rechnung offen.

Der Mann im Lederhemd bewegte sich in Richtung Theke und postierte sich dort. 'Corporal', der Kerl, der das Army-Holster getragen hatte, blieb nur ein paar Fuß neben Gaines stehen. Er nahm sich einen Stuhl von einem der Nachbartische und stellte seinen Fuß darauf, um sein Gewehr besser abzustützen. In seinem Mundwinkel steckte eine Zigarre.

Runciter perlte der Schweiß von der Stirn. Er hatte eine Höllenangst, das war überdeutlich. Sein Gesicht war kalkweiß geworden. Er schluckte, stand zitternd da.

"Hau ab, du Stutzer!", knurrte Gaines. Er vollführte dabei eine ruckartige Bewegung mit seiner Winchester.

Runciter blickte zu dem gelassen vor seinem abgegessenen Teller dasitzenden Marshal hinüber.

Glenn Morgan nickte ihm zu.

Er ließ dabei durch nichts erkennen, dass ihn die Anwesenheit der vier Killer in irgendeiner Weise beunruhigte.

McCoan, der Besitzer des Silvermoon stand hinter dem Schanktisch.

"Wollen Sie etwas trinken, Gents?"

"Halt's Maul, Fettsack!", knurrte der Mann im Lederhemd.

Und dabei glitt seine Hand zur Seite, dorthin, wo sein Revolver aus einem nagelneuen Holster ragte.

Runciter drückte sich jetzt an Gaines vorbei. Als er den Mann mit der Zahnlücke gerade passierte, versetzte dieser Runciter einen Stoß mit dem Gewehrkolben. Runciter stolperte in Richtung der Schwingtüren.

Larry packte ihn am Kragen und warf ihn hinaus.

Glenns Hand zuckte zur Seite. Dorthin, wo der Colt aus seinem Holster ragte. Aber er erstarrte mitten in der Bewegung. Mit einer energischen Bewegung lud Gaines seine Winchester durch. Die Killer hielten ihre Gewehre auf den Marshal gerichtet. Sie brauchten nicht erst ihre Revolver zu ziehen, um losballern zu können. Und das gab ihnen einen Vorteil, der nicht zu unterschätzen war - von ihrer geballten Feuerkraft mal ganz abgesehen. Glenn wusste nur zu gut, dass er dem nicht viel entgegenzusetzen hatte.

Vier Mann, drei Gewehre. Nur der Mann im Lederhemd, der sich an der Bar hinfletzte, trug lediglich einen Revolver.

Wie viele von ihnen kannst du erwischen?, dachte Glenn.

Zwei? Drei? Spätestens dann hatten ihn mehrere Kugeln durchbohrt.

Gaines lachte rau.

"Schlechte Karten, was, Marshal?"

"Abgerechnet wird immer erst am Schluss", konterte Glenn.

"Falsch, Marshal. Abgerechnet wird jetzt."

"Nur zu, worauf wartet ihr noch?"

Ein Knall ertönte in diesem Augenblick. Er ließ die Männer herumfahren. McCoan war eine Whiskeyflasche aus der Hand gefallen.

Diesen Augenblick nutzte Glenn.

Er zog den Colt. Ehe Gaines seine Waffe abfeuern konnte, war er bereits tot. Glenns Kugel erwischte ihn in der Herzgegend. Er taumelte zwei Schritte zurück, fiel dann rücklings gegen einen Tisch, den er mit einem knarrenden Laut über den Boden schob. Schwer sackte er auf die Bretter.

'Corporal' schoss seine Winchester ab.

Glenn warf sich instinktiv seitwärts. Die Schüsse krachten haarscharf an Glenn vorbei, fuhren hinter ihm in die Bretterwand des Silvermoon Saloons.

Der Schuss, den Glenn im Fallen abgab, traf 'Corporal' im Bauch, er klappte zusammen wie ein Taschenmesser.

Larry hatte vom Ausgang aus zur selben Zeit gefeuert. Aber auch sein Schuss war daneben gegangen. Glenn rollte auf dem Boden herum, riss einen Tisch zu Boden.

Dann zielte er mit dem Colt.

Ehe Larry seine Winchester durchgeladen hatte, um ein zweites Mal feuern zu können, hatte Glenns Kugel ihn bereits erwischt. Er schrie auf, als sie ihm in Brust fuhr. Er fiel rückwärts, ließ die Schwingtüren hin und her pendeln.

Beinahe im selben Moment krachte noch ein weiterer Schuss.

Glenn tauchte hinter dem umgestürzten Tisch hervor. Neben dem Schanktisch stand der Mann im Lederhemd. Er hatte den Colt in der Hand.

Er war vollkommen starr.

Sein Lederhemd hatte sich in Höhe des Magens dunkel verfärbt.

Nicht er hatte den letzten Schuss abgegeben, sondern Carson McCoan. Der Saloonkeeper hatte offenbar eine der Schubladen auf seiner Seite des Schanktisches geöffnet und eine Waffe hervorgerissen. Es handelte sich um einen Derringer. Glenn Morgan wusste, dass McCoan ihn immer irgendwo bereitliegen hatte, um notfalls widerspenstige Gäste in Schach halten zu können.

Der Mann im Lederhemd rutschte am Schanktisch zu Boden.

Glenn erhob sich, steckte dann den Revolver ein. Er nickte dem noch unter Schock stehenden McCoan zu.

"Danke", sagte er. Er deutete auf den Mann im Lederhemd.

"Ein sauberer Schuss. Damit haben Sie mir vermutlich das Leben gerettet, McCoan."

McCoan atmete tief durch. Langsam normalisierte sich seine Gesichtsfarbe.

"Sie haben mir auch schonmal einen Gefallen getan", meinte er.

Glenn gähnte.

"Ich glaube, ich brauche dringend etwas Schlaf", meinte er. "Aber die Eier mit Speck waren hervorragend. Ab und zu ist es mal ganz angenehm, etwas Abwechslung von Jarmus O'Haggartys exquisiter Küche zu haben..."

McCoan schluckte.

Glenn bemerkte, dass der Saloonkeeper ihm überhaupt nicht zugehört hatte. Er war einfach noch zu gefangen von den Ereignissen, die sich soeben in seinem Saloon zugetragen hatten.

20

Bevor Glenn zurück zur Rising Star Ranch ritt, schaute er noch bei Madeleine Bridger vorbei. Sie öffnete ihm überrascht die Tür der Suite von Hendersons Hotel.

"Es hat eine Schießerei gegeben...", stellte sie fest.

"Ich bin froh, dass dir nichts passiert ist!"

Er sah sie nachdenklich an.

"Hör zu, ich habe eine Frage an dich."

"Was für eine Frage?"

"Was kann Dale von jemandem wie Rory Jones gewollt haben?"

"Das verstehe ich nicht?"

"Er hat ein Telegramm aufgegeben."

Glenn fiel die Veränderung in ihrem Gesicht auf. Sie wurde blass. "Ich habe von Rory Jones gehört", sagte sie.

"Kein Wunder, er kommt aus Kansas City, genau wie du!"

Sie sah ihn an. "Du denkst, dass ich Dale den Auftrag dafür gab? Dass ich Rory Jones und seine Revolverleute angeheuert habe?"

"Dale war gewiss nicht der Mann, der sich das hätte leisten können."

"Du musst mir glauben, dass ich davon nichts wusste. Diese Geschichte mit dem Kopfgeld scheint Dale völlig aus der Bahn geworfen zu haben. Er hat schon in Kansas dauernd davon geredet. Vielleicht hat Rory Jones ihn beauftragt, ihm Bescheid zu sagen, falls Danny Wilbur sich tatsächlich hier in Deadwater befindet."

"Du meinst, die Geschichte hat sich schon tausend Meilen weit herumgesprochen? Klingt unwahrscheinlich!"

"Unter Leuten wie Rory Jones kursieren doch dauernd solche Gerüchte. Und diese Killer machen sich dann auf den Weg, um ihr Blutgeld zu verdienen."

"Du scheinst dich ja auszukennen..."

"Glenn, was soll das? Lass uns lieber Sex machen, wenn du noch kannst!" Sie nestelte an ihm herum, aber Glenn blieb kühl.

Er betrachtete sie, ihre herrliche Gestalt, die aufregenden Rundungen, sie sich unter ihrem Kleid sehr deutlich abzeichneten. Sie war wirklich eine ungewöhnlich attraktive Frau. Er brauchte sie nur anzusehen und schon begann in seiner Hose drangvolle Enge zu herrschen. Aber die Sache mit dem Telegramm gefiel ihm nicht.

"Glenn...", flüsterte sie, schmiegte sich an ihn. Er spürte den Druck ihrer großen Brüste an seinem Oberkörper. Auch durch die Kleidung hindurch.

"Ich muss gehen", sagte er.

"Du glaubst mir nicht."

"Glaube ja nicht, dass ich mit dem Schwanz denke, Madeleine. Sollte ich herauskriegen, dass du mit dieser verdammten Geschichte mehr zu tun hast, dann bin ich dein Feind."

"Schon verstanden", erwiderte sie. Sie machte eine wegwerfende Handbewegung. "Fahr doch zur Hölle, Marshal!"

Glenn verzog das Gesicht zu einem dünnen Lächeln.

"Dort wäre ich um ein Haar gewesen", stellte er fest.

21

Als Glenn die Rising Star Ranch erreichte und sein Pferd am Eingang festmachte, traf er Doc Mill.

Der Arzt hängte die Tasche an den Sattelknauf seines Gauls und schwang sich hinauf.

"Dannys Zustand wird sich rasch bessern. Es handelt sich tatsächlich um einen Durchschuss. Der Verband muss zweimal täglich gewechselt werden. Und wenn er sich nicht eine Infektion holt, dann ist er bald wieder einsatzfähig." Doc Mill atmete schwer und machte ein sehr nachdenkliches Gesicht, als er fortfuhr: "Ihr Stellvertreter hatte wirklich verdammt großes Glück."

"Ja, scheint mir auch so."

"Versuchen Sie ihn in seinen Aktivitäten etwas einzuschränken. Ich befürchte, dass Wilbur sich zu schnell zu viel zumutet... Der Jüngste ist er schließlich auch nicht mehr und so eine Schussverletzung ist kein Vergnügen."

"Jedenfalls danke ich Ihnen, Doc!"

Glenn ging in das Ranchhaus. Er betrat die Eingangshalle.

Der Marshal war überrascht, als er aus der Bar eine Stimme hörte, die ihm nur allzu vertraut war. Dannys Stimme. Er war gerade damit beschäftigt, eine seiner erstaunlichen Stories zm besten zu geben.

Glenn betrat die Bar.

Jane-Mary und Arlène hörten dem Alten aufmerksam zu, aber in diesem Moment verstummte er.

Danny saß an einem der Tische. Der Verband schimmerte durch sein Hemd hindurch. Die ganze Schulter musste ihm der Doc bandagiert haben.

"Hallo, Glenn. Du siehst, ich bin wieder völlig okay."

"Der Doc sagt..."

"Der Doc hat keine Ahnung", meinte Danny. "Damals bei Captain Drillands Kavallerie-Einheit, da hatten wir mal einen Doc, der..."

Glenn faltete die Hände.

"Bitte nicht, Danny! Nicht jetzt!"

22

Glenn schlief bis zum Nachmittag. Dann weckte ihn ein Klopfen an der Tür seines Schlafzimmers. "Ich bin's, Peggy!"

"Komm herein", erwiderte er.

Die Tür öffnete sich und Peggy trat ein.

Das blonde Haar fiel ihr über die Schultern. Ein bezauberndes Lächeln stand auf ihrem Gesicht. "Ich hoffe, du hast dich ein bisschen erholt!", meinte sie.

Sie schloss die Tür hinter sich.

Glenn setzte sich auf und streckte sich.

Peggy ließ unterdessen das Kleid zu Boden sinken. Nackt stand sie vor ihm, stemmte einen Arm in die geschwungene Hüfte.

Dann ging sie auf ihn zu. In ihren Augen blitzte es.

Sie begann, Glenns Hemd aufzuknöpfen.

"Was hast du vor?"

"Du wirst mir doch nicht weismachen wollen, dass du das nicht merkst, Glenn!"

Er grinste.

Seine Hände berührten ihre Haut, fuhren über ihren Körper, streichelten ihre Brüste. Peggy hielt sie ihm provozierend entgegen. "Ja, schau ruhig genau hin, Glenn Morgan! Ich habe einiges zu bieten, wie du siehst!"

"Daran habe ich nie gezweifelt..."

Sie hob die Augenbrauen. "Wenn man Dannys Geschichten so zuhört..."

Er fasste sie bei der Schulter. "Von was für Geschichten redest du, Peggy?"

Sie wog den Kopf hin und her, zierte sich etwas, ehe sie antwortete.

"Er hat mir erzählt, wie sehr du diese Lady aus Kansas City angestiert hast. Muss ein ganz besonderes Weib sein..."

Ein scharfer Unterton mischte sich in ihre Worte.

"Ich dachte, wir gönnen uns gegenseitig jede Freiheit", erwiderte Glenn.

"Sicher", nickte sie. "Trotzdem kann es ja nicht schaden, wenn ich meine Qualitäten wieder etwas in Erinnerung rufe..."

Glenns Hemd rutschte über die Schultern und landete auf dem Boden. Sie schmiegte sich an ihn. Er konnte die Hitze ihrer Brüste spüren. Ihre Hände wanderten über seinen Oberkörper, dann schließlich auch tiefer. Peggy begann, sich an seinem Gürtel zu schaffen zu machen. Wenig später trugen sie beide nichts mehr und sanken zusammen in die Kissen. Sie küssten sich voll aufbrandender Leidenschaft.

Ihre Zungen berührten sich, während Glenn sie an der Taille umfasste. Sie schlang ihre Beine um seine Hüfte und zog ihn damit förmlich zu sich. Hinein in die Wärme zwischen ihren Schenkeln.

Glenn spürte, wie sie einen bestimmten Muskel ihres makellosen Körpers benutzte.

Sie studierte dabei genau sein Gesicht.

Zufrieden registrierte sie, dass Glenn heftiger zu atmen begann.

"Manches ist einfach eine Frage des Könnens", flüsterte sie.

"Ja."

"Ich glaube nicht, dass diese Kansas-Lady dir das bieten konnte."

"Vergiss sie", murmelte Glenn.

"Hauptsache, du vergisst sie..."

Glenn liebkoste indessen ihre Brüste mit seiner Zunge. Von da an fiel es Peggy schwer, sich auf ihre Worte zu konzentrieren. Nur noch ein paar unvollständige Satzfetzen kamen ihr über die Lippen.

Mit heftigen Stößen drang Glenn in sie ein.

"Ja", flüsterte sie. "So ist es gut."

Immer schneller wurde der Rhythmus. Der Höhepunkt kam schnell, aber er war für sie beide überwältigend. Einige Augenblicke lang hielten sie sich fest. Peggy klammerte sich an ihn, stieß dabei leise, wimmernde Laute aus, ehe endlich die Erlösung kam.

Beide rangen sie nach Atem und es dauerte eine Weile, bis sie wieder in der Lage waren, etwas zu sagen.

Ein beinahe entrücktes Lächeln stand auf Peggys feingeschnittenen Zügen.

"Du bist doch der Beste, Glenn", flüsterte sie ihm dann ins Ohr.

23

Am nächsten Tag kam Runciter in Glenn Morgans Marshal Office. Er wirkte ziemlich aufgeregt. "Ein Telegramm!", rief er. "Rory Jones meldet sich aus Roswell. Er kommt doch nach Deadwater! Sein Zug hätte Aufenthalt. Er würde mit seinen Leuten heute noch Deadwater erreichen."

"An wen ist das Telegramm gerichtet?", fragte Glenn. "An Mr. Dale?"

Runciter schüttelte den Kopf.

"Nein, an Miss Madeleine Bridger."

Glenn nickte düster.

"Das dachte ich mir."

"Was soll ich tun?"

"Haben Sie es Miss Bridger schon ausgehändigt?"

"Nein, Sir, ich bin erst zu Ihnen gegangen."

"Dann geben Sie es mir. Ich werde es ihr geben."

Runciter zögerte einen Augenblick, dann holte er das Telegramm aus seiner Westentasche heraus und gab es Glenn.

Augenblicke später schwang sich der Marshal auf sein Pferd und ritt im Galopp zu Hendersons Hotel. Er hoffte Madeleine dort anzutreffen. Erstaunt öffnete sie ihm die Suite.

"Glenn, was verschafft mir die Ehre deines Besuchs?", sagte sie nicht ohne Schärfe in der Stimme.

Glenn reichte ihr das Telegramm.

Sie las es durch. Eine leichte Röte überzog ihr Gesicht.

"Du hast Rory Jones hier her geholt", stellte Glenn kühl fest. "Und Dale hat nichts anderes gemacht, als deine Aufträge auszuführen."

"Glenn..."

"Ich wette, du hast auch das Kopfgeld auf Danny Wilbur ausgesetzt. Warum auch immer..."

Sie atmete tief durch, schluckte.

"Versuch mich zu verstehen", sagte sie.

"Verstehen? Das ist etwas viel verlangt. Dale hat wohl gedacht, er hätte Danny getötet. Darum das Telegramm, das er abschickte. Offenbar hat es Jones nicht mehr in Kansas erreicht. Er war mit seiner Meute schon unterwegs."

"Was weißt du denn schon!"

"Ich weiß nur, dass du mich beinahe hättest umlegen lassen. Und ich weiß, dass du eine Menschenjagd auf jemanden begonnen hast, der keiner Fliege etwas zuleide tut! Ein völlig harmloser alter Mann!"

"Er hat meinen Vater getötet", flüsterte sie mit belegter Stimme. Und dann berichtete sie ihm von James Thornton und seinem Schicksal. Glenn hörte ihr zu. Als sie geendet hatte, meinte er: "Zieh dir etwas Praktisches an."

Sie sah ihn stirnrunzelnd an.

"Was hast du mit mir vor?"

"Wir werden deinen Gunslingern entgegenreiten. Und vielleicht kannst du sie davon überzeugen, gleich wieder in den Zug zu steigen und sich auf den Rückweg zu machen."

"Und wenn ich mich weigere?"

Glenn zog seinen Revolver so schnell, dass Madeleine den Eindruck hatte, dass die Waffe sich von einer Sekunde zur anderen in Glenns Hand befand. Sie zuckte zusammen.

"Du würdest nicht auf mich schießen, Glenn!"

Glenn zog den Hahn zurück. Es machte 'klick'.

"Nach allem, was gewesen ist, solltest du dich darauf nicht verlassen!", meinte er.

24

Ein paar Meilen von der Stadt entfernt verlief die Bahnlinie. Die kleine Station, die sich dort befand, wurde in erster Linie zum Verladen von Rindern benutzt.

Ein Holzverschlag, unter dem man Schatten finden konnte und ein Schild, das darauf hinwies, dass man sich in Deadwater befand.

Der Zug kam von Roswell und fuhr weiter Richtung Santa Ana. Wann er genau ankam war schwer vorherzusagen.

"Mach es dir gemütlich", meinte Glenn. "Wir werden eine Weile hier warten müssen..."

Sie banden die Pferde fest und hielten sich im Schatten des Verschlags auf. Madeleine kauerte am Boden. Glenn hielt nach dem Zug Ausschau.

Flimmernde Mittagshitze hing über der Station. Glenn bot Madeleine seine Feldflasche an, aber sie wollte nichts trinken.

Dann endlich kroch das Feuerross wie ein langer Wurm über den Horizont. Die Rauchfahne war schon aus großer Entfernung zu sehen.

Der Zug bestand nur aus wenigen Wagen.

Einer davon war für Personen reserviert, bei den anderen handelte es sich um Güter- und Viehwaggons.

Zischend kam der Zug zum stehen.

Vier Männer stiegen aus dem Personenwaggon. Sie trugen Revolver an der Seite. Außerdem trugen sie Winchesters und schleppten ihre Sättel.

"Wer von denen ist Rory Jones?", fragte Glenn.

"Verdammt, du kannst mich mal!"

Ein Bediensteter der Eisenbahngesellschaft öffnete einen der Viehwaggons. Vier Pferde wurden aus dem Waggon geführt.

Augenblicke später wurde das Signal zur Weiterfahrt gegeben. Der Zug quälte sich Richtung Santa Ana davon.

Die vier legten die Sättel auf dem Boden ab.

Einer hielt die Pferde. Die anderen drei konzentrierten ihre Aufmerksamkeit auf Glenn und Madeleine.

"Komm!", forderte Glenn. Er zog Madeleine am Arm empor.

Dann zog er die Winchester aus dem Scubbard am Sattel seines Pferdes. Er schob Madeleine voran.

In einiger Entfernung blieb er stehen.

"Ist jemand von Ihnen Rory Jones?", fragte Glenn.

"Ich bin das!", erklärte ein Mann, dessen Haare bis weit in den Kragen hinein wuchsen. Er trug eine dunkle Weste.

Der Revolver steckte in einem Quick-Draw-Holster. Die Winchester legte er mit dem Lauf über die Schulter.

"Und wer sind Sie, wenn ich fragen darf?", meinte einer der anderen Kerle. Er trug lange Haare und einen buschigen Schnauzbart.

"Marshal Glenn Morgan." Er tickte auf den Stern an seiner Brust. "Ich schlage vor, dass sie sich auf Ihre Gäule setzen und gleich wieder in Richtung Roswell zurückreiten."

Rory Jones kniff die Augen zusammen.

"Das ist nicht Ihr Ernst."

"Ihr seid umsonst hier. Es gibt kein Kopfgeld", sagte Glenn.

Jones wandte sich an Madeleine. Die beiden schienen sich gut zu kennen. "Ich will mein Geld, Madeleine!", stieß Jones hervor. "Glaubst du vielleicht, wir machen eine Reise bis in dieses kleine Nest, ohne etwas dafür zu kriegen? Hundert Dollar pro Nase war garantiert... von den dreitausend mal abgesehen, die auf Danny Wilburs Kopf stehen. Oder ist er schon tot?"

"Ihr bekommt das Doppelte, wenn ihr ihn tötet!", schrie Madeleine. Sie riss sich von Glenn los, der sie am Handgelenk gehalten hatte.

Jones zog seinen Colt. Aber Glenn war schneller. Glenns Schuss traf den Anführer der Gruppe in die Brust. Jones taumelte zurück. Dabei löste sich ein Schuss. Madeleine schrie auf.

Der sterbende Jones hatte sie ungewollt getroffen.

Beide gingen zu Boden. Madeleine presste die Hand gegen den Bauch. Ihre Hemd färbte sich rot. Das Blut troff in den staubtrockenen Boden.

Auch die anderen drei feuerten ihre Waffen ab.

Glenn warf sich zu Boden, rollte sich herum. Dann riss er den Colt empor und feuerte zurück. Ein Schrei gellte. Einer der Kerle wurde getroffen.

Er hielt sich den Arm. "Aufhören!", rief er.

Die beiden anderen hielten ebenfalls inne.

Glenn erhob sich. Den Colt hielt er schussbereit in der Rechten. Einige Sekunden lang hing alles in der Schwebe.

Dann senkten sich die Waffen zögernd.

"Satteln Sie Ihre Pferde und dann lassen Sie sich hier nicht mehr blicken!", knurrte Glenn Morgan. Sie ließen sich das nicht zweimal sagen. Glenn beobachtete genau, was sie taten. Jede Bewegung. Wenig später preschten sie davon.

Glenn wandte sich an Madeleine.

Er kniete sich hin und beugte sich zu ihr nieder.

Sie atmete schwer.

"Ich werde den Doc holen", versprach Glenn.

Aber sie schüttelte den Kopf.

"Nein, dazu ist es wohl zu spät", murmelte sie. Sie schluckte, wollte noch etwas sagen. Aber sie konnte nicht mehr. Ihre Augen wurden glasig und erstarrten.

Glenn erhob sich. Er sah Rory Jones' Männern nach, die auf den Horizont zupreschten. Sollten sie nur davonkommen! Das war durchaus in Glenns Sinn! So wie sich das Gerücht von dem hohen Kopfgeld auf Danny Wilbur in Windeseile verbreitet hatte, so konnte man davon ausgehen, dass die Nachricht von Madeleines Tod auch die Runde machen würde. Es gab niemanden mehr, der das Kopfgeld auszahlte.

Für Danny Wilbur würde endlich wieder ein normales Leben beginnen.

ENDE

Das heiße Spiel von Dorothy

von Alfred Bekker

1

"Du spielst falsch, Hombre!"

Der Blick des Einäugigen war eisig. Noch hatte er die Rechte auf dem Tisch und nicht am tiefgeschnallten Revolverholster.

Rechts und links von ihm saßen zwei seiner Kumpane, mit denen zusammen er am Mittag aus der Postkutsche gestiegen war. Sie trugen - ebenso wie der Einäugige - dunkle, etwas abgeschabte Anzüge. Und Revolver. Gunslinger waren sie, Männer die sich für ein paar Dollars von jedem anheuern ließen, der bereit war, für ihre Dienste zu bezahlen.

Der Einäugige warf die Karten auf den Tisch.

Er spuckte geräuschvoll aus.

Der vierte Mann in der Spielrunde erbleichte.

Es handelte sich um Saul Jackson, einen einfachen Cowboy aus der Gegend. Jackson kniff die Augen zusammen.

"Ich habe nicht falsch gespielt!", behauptete er.

"Doch, du hast!", widersprach der Einäugige.

Seine Stimme klirrte wie Eis.

Am Schanktisch von Eddie Camerons Saloon stand ein weiterer Mann, der mit dem Einäugigen aus der Postkutsche gestiegen war. Er trug einen mehrfach geflickten Anzug. Unter der Jacke sah man die Griffe seiner beiden Colts, die nach vorn zeigten. Seine Shotgun hatte er auf den Schanktisch gelegt.

Jetzt nahm er sie an sich, lud sie demonstrativ durch.

Ein zynisches Grinsen spielte um seine Lippen.

"Soll ich die Schmeißfliege abknallen, Reilly?", fragte er an den Einäugigen gerichtet.

Dieser schüttelte den Kopf.

"Erst, wenn der Hombre hier seine Schulden bezahlt hat!", knurrte Reilly. "Ich hasse blutverschmierte Dollars..."

Reilly lehnte sich zurück. Die Rechte blieb auf dem Tisch.

Ein Muskel zuckte wenige Zentimeter unterhalb der Filzklappe, die sein rechtes Auge verdeckte.

Eben noch hatte im Saloon reges Treiben geherrscht.

Jetzt war es still.

Die zechenden Cowboys hielten ebenso den Atem an wie die appetitlich zurechtgemachten Saloongirls. Auch das Spiel des Piano-Players war verstummt.

Saul Jackson schluckte.

"Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie falsch gespielt!", sagte Saul Jackson in die Stille hinein. "Nimm das zurück, oder..."

"Oder was, Hombre?"

Reilly kicherte. Seine Komplizen grinsten dreckig. Der Kerl mit der Shotgun richtete den Lauf in Jacksons Richtung.

Reilly schob sich selbstzufrieden den staubigen Hut in den Nacken.

"Irgendwann ist es immer das erste Mal!", lachte er. "Und so ungeschickt wie du dich angestellt hast, Hombre, glaube ich dir sofort, dass es dein erster Versuch in dieser Hinsicht war!"

"Ich lass mich nicht beleidigen!"

Jetzt meldete sich der Kerl mit der Shotgun zu Wort.

"Willst du Streit anfangen, Kuhtreiber?"

Einen Moment lang war Saul Jackson unsicher.

Dann stand er auf.

Die Hand immer in der Nähe des 45er Peacemakers, der aus seinem Holster herausragte. Er nahm seinen Stetson ab, wollte das Geld, das auf dem Tisch lag einsammeln. "Ich werde einfach meine Dollars nehmen und gehen", kündigte er an.

Innerhalb eines Sekundenbruchteils hatten die beiden Nebenmänner des Einäugigen ihre Colts aus den Gürteln gerissen und die Hähne gespannt.

Jackson erstarrte mitten in der Bewegung.

"Schön liegen lassen!", grinste Reilly.

Jackson schien einen Augenblick lang den Gedanken zu hegen, seine Waffe herauszureißen. Aber er sah ein, dass er keine Chance hatte.

"Setz dich, Kuhtreiber!", forderte Reilly. "Wir spielen jetzt weiter..."

"Ich habe kein Geld mehr!", meinte Jackson.

Reilly machte dem Mann mit der Shotgun ein Zeichen. Er trank zunächst sein Bier aus, kam dann mit der Waffe im Anschlag auf Jackson zu. "Keine Bewegung, du Ratte, sonst vermodern deine Knochen auf dem hiesigen Boothill!", zischte er. Reilly sammelte unterdessen das Geld ein, das auf dem Tisch lag.

"Durchsuch ihn, Finn!", zischte er an den Mann mit der Shotgun.

Dieser begann sofort damit. Drei Dollar waren alles was, was er noch aus den Taschen des Cowboys hervorholte. Jackson ließ das über sich ergehen. Aber seine Wut war ihm anzusehen. Andererseits war er bei aller Hitzigkeit kein Selbstmörder. Der Lauf der Shotgun drückte ihm in den Bauch. Innerhalb eines Augenauschlags konnte der Kerl mit der Shotgun sein Lebenslicht einfach ausblasen.

Plötzlich riss Finn die Shotgun herum.

Für sein Opfer völlig unerwartet schmetterte er Jackson den Schaft der Waffe in den Bauch. Der Lauf traf Jackson im Gesicht. Der Cowboy taumelte zurück, riss einen Stuhl um, stolperte dann gegen einen benachbarten Tisch, der unter seiner Last zusammenbrach.

"Wir spielen weiter!", sagte der einäugige Reilly.

Finn grinste. "Du solltest ihm dankbar sein!", meinte er.

"Normalerweise pflegt er Falschspieler einfach über den Haufen zu schießen. Dir gibt er noch 'ne Chance!" Finn zuckte die Achseln. "Muss einen Narren an dir gefressen haben..."

Saul Jackson atmete tief durch. Langsam erholte er sich von den Schlägen, die er bekommen hatte. Blut rann ihm aus der Nase, wo ihn der Lauf der Shotgun getroffen hatte.

"Wir spielen weiter - aber der Einsatz ist diesmal etwas heikel für dich."

"Was meinst du damit?", ächzte der am Boden liegende Jackson.

Reilly begann die Karten zu mischen und lachte.

"Wir spielen um dein Leben, Hombre!"

"Ihr seid verrückt!"

"Ich glaube eher, du bist verrückt! Normalerweise wagt es niemand, mit John Reilly falsch zu spielen..." Der Einäugige teilte die Karten aus. Er machte das alles nur mit seiner Rechten. Die Linke blieb unter dem Tisch.

Er hatte eine geschickte Rechte. Es war zweifellos die Hand eines professionellen Kartentricksers. Offenbar war er in der Vergangenheit schon einmal in der Brache tätig gewesen.

Die Karten flogen nur so über den Tisch.

"Nimm dein Blatt, Hombre und sieh dir dein Schicksal an..."

Saul Jackson atmete tief durch.

Sein Blick schweifte.

Von keinem im Saloon hatte er Hilfe zu erwarten, das war ihm jetzt klar geworden. Und bis jemand den Sheriff gerufen hatte, war dieses grausame Spiel wahrscheinlich schon zu Ende.

"Wenn du gewinnst, bekommst du alles, was hier eben auf dem Tisch lag", sagte der Einäugige.

"Und wenn ich verliere, dann..."

"Dann schießt Finn dir mit dem Spielzeug in seiner Hand den Kopf weg!"

Jackson hielt es nicht mehr aus. Er hatte keine Chance, das wusste er. Aber er dachte nicht daran, sich einfach abknallen zu lassen. Seine Hand ging in Richtung des Holsters.

Er kam nicht einmal dazu, die Waffe hervorzureißen, da bellte bereits ein Schuss.

Eine Sekunde später ein zweiter.

Jacksons Körper zuckte, blieb dann reglos liegen.

Reilly hob die linke Hand unter dem Tisch hervor. Er hielt einen Derringer damit, dessen Mündung noch rauchte.

Dann erhob er sich, fingerte in aller Ruhe zwei frische Patronen aus seiner Anzugtasche, mit denen er den Derringer nachlud. Anschließend ließ er die winzige Waffe in der Westentasche verschwinden.

Er drehte sich herum.

Seine Rechte baumelte dabei über dem Revolvergriff.

"Ihr habt es alle gesehen, Hombres!", rief er. "Der Hund wollte seinen Revolver ziehen! Es war Notwehr!"

Einige Augenblicke lang herrschte betretenes Schweigen.

Dann meldete sich ein schwarzhaariger Mann mit dunklem Schnauzbart zu Wort. Eine Narbe verunzierte sein Gesicht. Er war aus einer Seitentür in den Schankraum getreten. Jeder im Raum kannte ihn. Es war Eddie Cameron, der Besitzer dieses Saloons und einer der einflussreichsten Geschäftsleute in Lincoln, New Mexico.

"Ich denke, Ladies and Gentlemen, jeder von Ihnen kann bezeugen, was hier geschehen ist..." Er wandte sich an den Einäugigen. "Sie trifft an diesem Vorfall keinerlei Schuld, Mr. Reilly. Und ich bedaure es sehr, dass Sie Unannehmlichkeiten hatten..."

2

Schüsse peitschten draußen, auf dem Vorhof der Sundance Ranch, dem Freudenhaus am Rande von Lincoln.

Town-Marshal Clay Braden steckte im wahrsten Sinne des Wortes in der Klemme.

Alles, was er trug, war der Stetson auf seinem Kopf. Die blonde Dorothy, mit der er sich in den Kissen wälzte, war ebenfalls nackt. Ihre langen Beine hatte sie um Clays Körpermitte geschlungen. Damit zog sie ihn zu sich heran, hinein ihre Wärme.

"Lass die Kerle da draußen sich doch gegenseitig erschießen!", keuchte sie. "Aber jetzt kommst du hier nicht weg..." Ihre grünen Augen leuchteten. Ihr Mund saugte sich an seinen Lippen fest, sie schlang die Arme um seinen Hals, so dass ihre Brüste sich gegen seinen muskulösen Oberkörper drückten. In immer rasanterem Tempo stieß er in sie hinein.

Dorothy stöhnte dabei vor Lust. Schweißperlen standen ihnen beiden auf der Stirn.

"Mach weiter!", rief sie.

Die Bettfedern quietschten.

Im selben Moment fiel draußen der nächste Schuss.

Ein Gaul wieherte laut auf.

"Verdammt!", knurrte Clay.

"Ja, weiter!", rief Dorothy und biss sich geradezu verzückt in die Unterlippe.

"Dorothy Willard! Mach dich bereit für deinen Chuck!", rief eine übermütige Männerstimme von draußen her. Weitere Schüsse folgten. Dann war das Magazin des Revolvers offenbar endlich leergeballert.

"Oh, nein!", stöhnte Dorothy.

Ihr Atem ging schneller dabei. Sie wollte nicht aus dem lustvollen Traum herausgerissen werden, den sie gerade durchlebte.

Nicht jetzt...

Nicht so kurz vor dem Gipfel.

"Wer ist der Narr?", fragte Clay Braden keuchend. Ihm ging es nicht anders.

"Ein... ziemlich...anhänglicher...", Dorothy stieß einen kurzen, spitzen Schrei aus, bevor sie das Wort "...Kunde!", herauszubringen vermochte.

Chuck, der 'anhängliche Kunde' war ziemlich übermütig. Eine Sekunde lang fragte sich Clay, ob es sich um Chuck Summers, den neuen Vormann der LD-Ranch handelte, dann riss ihn die Leidenschaft fort. Dorothy legte jetzt ein beachtliches Tempo vor. Immer heftiger wurden ihre Bewegungen. Man merkte, dass sie ein gut durchtrainiertes Ex-Cowgirl war, das jeden Muskel im Bereich zwischen Knie und Hüfte hervorragend beherrschen konnte.

Vielleicht war es ja gerade das, was den Sex mit ihr für Clay zu etwas Unvergleichlichem machte.

"Fang schon mal an dein Mieder aufzuschnüren, schöne Dorothy!", rief unterdessen der übermütige Chuck. "Wenn ich oben an deiner Zimmertür ankomme, will ich dich in deiner ganzen Schönheit sehen!"

Dorothy und Clay drehten sich engumschlungen herum. Sie schwang sich auf ihn. Er umfasste ihre Brüste, während sie auf ihm ritt, wie sie es früher vielleicht auf einem wilden Mustang getan hatte.

"Los!", schrie sie.

Ihr Gesicht machte einen völlig entrückten Eindruck. Die Brüste wippten im Takt ihrer Bewegungen auf und nieder. Einem Takt, der immer schneller und hitziger wurde.

"Yeah!", stöhnte Clay. In seinen Lenden brannte es. Ein Brand, der jetzt immer heftiger nach Löschung verlangte.

Dorothy fuhr in ihrem heißen Liebesritt fort. Ihr wohlgeformter Körper war schweißnass. Die Haare wirbelten ihr durch das Gesicht.

Dann klopfte es an der Tür.

"Mach auf, Dorothy-Darling! Ich hoffe, du erwartest deinen Chuck schon!", krakeelte auf der anderen Seite des Holzes eine sonore Stimme.

Ein heftigeres Pochen folgte.

Ein Pochen, das jedoch nichts im Vergleich zu dem war, was zur selben Sekunde in Clay Bradens Lenden tobte.

Dorothy presste die Lippen fest aufeinander, um ihr Stöhnen zu unterdrücken. Sie hatte die Augen geschlossen. Dann entlud sich die Lust der beiden in einem furiosen Finale. Sie sank über ihn, klammerte sich an ihn. Er spürte das Gewicht ihrer Brüste, fasste ihre Pobacken mit den Händen, krallte sich geradezu in sie hinein. Er öffnete den Mund, sie verschloss ihn mit einem Kuss.

"Dorothy-Darling! Nun mach schon auf!", rief der Kerl vor der Tür.

Das harte Geräusch einer Stiefelspitze, die mit voller Wucht gegen das Holz getreten wurde, ließ Clay Braden aus seinem Taumel der Lust erwachen.

Es dauerte ein paar Augenblicke, ehe wieder genug Blut in seinem Hirn war, um einen vernünftigen Gedanken fassen zu können.

Dorothy stieg von ihm herunter.

"Verdammt, ich brech gleich die Tür auf! Einen Chuck Summers lässt keine Frau warten! Oder willst du mich damit nur heiß machen!"

Dorothy flüsterte: "Verschwinde durch das Fenster, Clay!"

Clay Braden glaubte im ersten Moment schon, sich verhört zu haben.

"Was?", flüsterte er. "Ich soll mich aus meinem eigenen Haus davonstehlen wie ein Dieb?"

"Bitte..."

Ihr Blick war drängend, fast flehentlich. Sie kniete auf dem zerwühlten Bett.

Clay fand, dass sie in dieser Pose einfach entzückend aussah. Allerdings hatte er jetzt kaum Zeit dazu, diesen Anblick zu genießen. Denn draußen vor der Tür tobte ein wildgewordener Stier.

"Ich schmeiß den Kerl raus, wenn er mir krumm kommt", murmelte Clay.

"Schschscht!", zischte sie. "Clay, er ist so verdammt sensibel..."

"Mein Gott, es darf nicht wahr sein!"

"Und er ist ein treuer Kunde!"

"Und außerdem macht es dir Spaß, ihn heiß zu machen!", stellte Clay fest.

Sie hob kokett die Augenbrauen.

"Etwas dagegen einzuwenden?"

"Nein."

"Wäre auch verwunderlich. Schließlich ist das mein Job und du verdienst auch daran!"

"Ja, ja..."

"Komm schon, schmoll nicht herum, Clay und mach dich durch das Fenster vom Acker, damit der gute Chuck einigermaßen friedlich bleibt."

Draußen trommelte Chuck mit den Fäusten gegen die Tür.

Etwas fiel herunter, zerplatzte. Es hörte sich an wie eine Whiskey-Falsche. Offenbar hatte der Vormann der LD-Ranch dafür gesorgt, dass seine ohnehin leicht entflammbare Leidenschaft mit Hilfe einer guten Ration Feuerwasser noch etwas explosiver wurde.

Und spätestens dann war einer wie Chuck unberechenbar.

Also sprang Clay auf, begann damit, seine Sachen überzustreifen.

Wenn es schon Streit gab, dann wollte der Town Marshal von Lincoln sich dabei keine Blöße geben.

"Ich mach sofort die Tür auf!", versprach Dorothy ihrem hitzigen Kunden. "Du musst noch einen Augenblick Geduld haben..."

Dann herrschte Stille.

Das nächste Geräusch, das dann vom Flur hereindrang, war nur sehr leise.

Aber Clay Braden kannte es nur zu gut.

Jemand steckte Patronen in eine Revolvertrommel.

Das spornte Clay zu noch größerer Eile an.

Den Revolvergurt schnallte er sich um. Den Rest seiner Sachen, Hemd, Weste und so weiter, nahm er als Bündel unter den Arm.

Dorothy öffnete ihm das Fenster.

Das Sonnenlicht umschmeichelte ihren prächtigen Körper.

Ein seliges Lächeln stand in ihrem Gesicht.

"Vom Dach hinunterzuklettern ist ja wohl kein Problem für dich, oder, Clay?"

Clay Braden grinste.

"Die gefährlichste Akrobatik habe ich ja schon hinter mir!", meinte er.

Sie küssten sich kurz.

Dann schwang Clay sich hinaus.

Über das Dach machte er sich davon.

Sekunden später flog die Tür zur Seite. Chuck Summers hatte sie mit einem gewaltigen Tritt geöffnet. Er stand breitbeinig da, den Colt in der Rechten und ließ den Blick schweifen.

Misstrauen stand in seinem Gesicht. Dann blieben seine Augen an Dorothy haften.

Seine gerade noch ziemlich verzerrten Gesichtszüge wurden milder.

Er schluckte unwillkürlich.

"Meine Güte", murmelte er. "Was für eine Klasse-Frau..."

Dorothy schloss das Fenster.

Sie sah ihn herausfordernd an.

"Du siehst, ich bin zu allem bereit!", meinte sie und blickte an jene Stelle, an der der grobe Stoff von Chucks Hose bereits spannte. "Ich hoffe, bei dir ist es genauso, Hombre!"

"Worauf du dich verlassen kannst, Schätzchen!"

Chuck grinste.

"Dann steck deinen Colt ein und hol dafür etwas anders heraus", hauchte Dorothy mit rauchiger Stimme.

Chuck war einen Augenblick lang etwas verdutzt. Dann gehorchte er, steckte die Waffe ein.

Einen Moment später ließ er den Revolvergurt zu Boden gleiten und näherte sich ihr. Seine Hände waren geöffnet und bewegten sich auf ihre Brüste zu, die sie ihm herausfordernd entgegenreckte.

"Vielleicht machst du als erstes mal die Tür zu, Chuck!", forderte sie.

Chuck ließ sie mit einem Absatz-Kick zufliegen.

"In Ordnung so, Baby?"

"In Ordnung..."

"Dann kann es ja losgehen..."

"Das Schloss reparierst du mir nachher..."

Er grinste. "Klar doch! Dafür bin ich Spezialist!"

Dann packte er die nackte Frau, hob sie hoch und warf sie ins Bett.

Doch plötzlich ging ein Ruck durch seinen Körper. Es war sein Blick, der durch irgendetwas gefangen genommen wurde.

Seine Augen wurden zu schmalen Schlitzen.

Dorothy begriff sofort, was Chuck Summers zu schaffen machte.

Clay Braden hatte seine Stiefel vergessen.

Verdammt...

Aber es war nicht zu ändern.

Zwar konnte Chuck nicht ernsthaft erwarten, dass Dorothy Willard exklusiv nur für ihn zur Verfügung stand. Aber Dorothy hatte ihm immerhin glaubhaft gemacht, dass er etwas ganz besonderes war und ihr all die anderen nichts bedeuteten.

Und Chuck Summers hasste es, wenn äußere Zeichen für die zeitweilige Anwesenheit anderer Männer in Dorothys Zimmer sichtbar waren.

"Was sind das für Stiefel?", knurrte er.

"Meine!", behauptete Dorothy geistesgegenwärtig. Denn das Letzte, was sie jetzt wollte war, dass Chucks Stimmung urplötzlich umschlug. "Nun komm schon... ich habe dir doch erzählt, dass ich früher Cowgirl war..."

"Du hast so große Füße?"

"Verdammt, in den Bergen braucht man dicke Socken darin..."

Sie nestelte an seiner Hose herum, öffnete sie mit ihren geschickten Fingern.

Und einen Moment später hatte Chuck Summers keinen einzigen Gedanken mehr für die Stiefel übrig...

3

"Hey, was machst du denn da oben?", fragte das dürre Männlein mit dem viel zu großen, ziemlich verbeulten Stetson.

Der alte Mann hatte mit seinem Braunen gerade die Brücke über den Rio Bonito passiert und befand sich nun mitten auf dem Vorplatz der Sundance Ranch. Rechts und links waren Scheunen und die Nebengebäude zu finden, in denen die Sundance-Girls ihre Privaträume hatten. Ihren Geschäften gingen sie jedoch in dem riesigen Haupthaus nach, in dem unter anderem auch eine Bar untergebracht war.

Der alte Mann blinzelte gegen die Sonne hinauf zu Clay Braden, der auf dem Dach saß und damit beschäftigt war, seine Kleider der Reihe nach wieder anzuziehen.

Bradens Marshal-Stern blinkte in der Sonne.

"Was ist los, Clay? Sprichst du nicht mit mir oder ist dir sonst irgendeine Laus über die Leber gelaufen?", rief der alte Mann zu ihm herauf.

Braden kannte ihn nur zu gut.

Es handelte sich um niemand anderen als Archie Wayne, seinen Deputy. Eine treue, sympathische Seele, auch wenn man sich besser nicht darauf verließ, dass Wayne einen mit seiner Schrotflinte im Ernstfall heraushaute.

Im besten Fall vermied er es dabei, sich selbst zu verletzen.

Clay Braden bedeutete ihm mit einem Handzeichen zu schweigen.

Schließlich wollte er nicht, dass der wilde Chuck doch noch auf ihn aufmerksam wurde. Allerdings war bei Dorothys exquisiten Liebeskünsten davon wohl auch kaum noch auszugehen.

"Sowas haben wir gerne!", meinte Wayne und wischte sich dabei mit dem Arm über die Stirn. "In der Stadt ist der Teufel los und was macht unser aller Town-Marshal? Er sonnt sich auf dem Dach seiner Ranch!"

Er schüttelte den Kopf, nahm den übergroßen Stetson vom Kopf und fächelte sich damit Luft zu.

"Hast du eine Ahnung!", meinte Clay.

"Du sollst auf der Stelle zu Eddie Camerons HAPPY SINNER-Saloon kommen!"

"Na, wunderbar! Ich habe noch nicht einmal Stiefel!"

"Du hast Probleme, Clay! In der Stadt schießen sie sich die Köpfe ab und du suchst deine Stiefel! Du wirst dir ein anderes Paar suchen müssen..."

Clay Braden verengte die Augen, runzelte die Stirn. "Was ist denn passiert?"

"Im HAPPY SINNER ist einer umgelegt worden!"

"Bin schon unterwegs!"

"Kannst von Glück sagen, dass dieses üble Pack, das heute Mittag aus der Postkutsche gestiegen ist, dich so nicht gesehen hat, Clay! Die würden sonst jeglichen Respekt vor die verlieren..."

"Sehr witzig, Archie!" Clay erhob sich, stopfte sich das Hemd in die Hose. "Wenn du mir helfen willst, kannst du schon mal meinen Gaul satteln! Er steht im Stall!"

"Alles muss ich hier machen, was? So ähnlich wie damals auf dem großen Viehtrieb durch das Gebiet der Kiowas, als der Vormann zu mir sagte..."

"Komm spar dir die Story für 'ne andere Gelegenheit, Archie!"

Mit einem unwirschen Knurrlaut auf den Lippen, stieg der alte Deputy von seinem Gaul, machte ihn fest und ging dann auf den Stall zu.

4

Wenig später preschten sie beide die Brücke entlang, die über den Rio Bonito führte. Dahinter begann die eigentliche Stadt Lincoln. Eine Main Street, daran aufgereiht wie Perlen an einer Schnur die Häuser.

Archie Wayne blieb immer ein paar Meter hinter Clay Braden zurück, auch wenn sich der Deputy redlich Mühe gab, sein Pferd ebenso anzutreiben, wie es der Town Marshal tat.

Der Abstand vergrößerte sich zusehends.

Wayne zeterte herum, aber Braden achtete nicht darauf.

Er jagte am Dolan Store vorbei, dem größten Gebäude der Stadt, und die Leute auf der Main Street sahen ihm verwundert nach.

Vor dem HAPPY SINNER Saloon machte er halt. Er sprang aus dem Sattel, machte das Pferd fest und passierte dann die Schwingtüren. Mit einer wuchtigen Bewegung stieß er sie zur Seite. Die Rechte blieb reflexartig in der Nähe des Revolvergriffs, der aus dem tiefgeschnallten Holster herausragte.

Auf dem Boden lag ein Toter in seinem Blut.

Clay kannte ihn.

Es war Saul Jackson, ein Cowboy aus der Umgebung. Clay hatte ihn mal wegen einer wüsten Schlägerei ins Jail bringen müssen, aber abgesehen davon war Jackson ein netter Kerl gewesen.

Ein finster wirkendes Quartett stand am Schanktisch. Der einäugige Reilly und seine Meute blickten den Marshal abschätzig an.

Genüsslich tranken sie ihre Gläser leer.

Einer der Kerle verlangte, dass man ihm nachschenkte.

Eddie Cameron kam jetzt hinter dem Schanktisch hervor.

Der Saloonbesitzer hatte bisher keine Gelegenheit ausgelassen, um Clay Braden das Leben schwer zu machen. Zu gerne hätte der Besitzer des Saloons HAPPY SINNER auch die Sundance Ranch besessen. Und das deren Besitzer gleichzeitig auch der Town Marshal war wurmte ihn zusätzlich.

Allerdings konnte er da wenig machen.

Da Clay seinen Job gut im Griff hatte und das Gesindel der Umgebung gehörigen Respekt vor ihm zeigte, war er bei den Bürgern von Lincoln unumstritten.

Aber irgendwann würde sich auch das ändern! Jedenfalls hatte Eddie Cameron sich das geschworen.

Systematisch arbeitete er daran, dass Clay Braden irgendwann zu Fall kam und nie wieder aufstand.

Dass man dabei Geduld haben musste, war Cameron klar.

Schließlich war Clay Braden seinerseits ein zäher Bursche, der sich nicht so einfach aus dem Weg räumen ließ...

Im HAPPY SINNER Saloon herrschte jetzt vollkommene Stille.

Eddie Cameron nahm die Zigarre aus dem Mund, auf der er bis dahin herumgekaut hatte. Ein Muskel etwas unterhalb seiner hässlichen Gesichtsnarbe zuckte unruhig.

Aus den Augenwinkeln heraus sah Clay Braden, wie eines der Saloongirls hastig sein Mieder wieder zuschnürte, das ein fingerfertiger Gast in mühsamer Kleinarbeit endlich hatte öffnen können. Aber er sah auch noch etwas anders.

Einen Mann mit schulterlangen blonden Haaren und einem beinahe bis zu den Stiefelschäften reichenden Raincoat. Er stand oben an der Balustrade, stieß das heiße, halb ausgezogene Saloongirl, für das er sich vor wenigen Augenblicken noch heftig interessiert hatte, brüsk zur Seite und fingerte an dem 45er herum, den er an der Seite trug.

Clay hatte ihn schon ein paar mal gesehen. Immer in Gesellschaft von Eddie Cameron oder einem seiner Vertrauten.

Auf den werde ich aufpassen müssen!, dachte Clay.

Er hatte einen sechsten Sinn dafür. Andernfalls wäre er längst auf dem Boothill von Lincoln beerdigt worden.

"Erstaunlich, wie schnell das Auge des Gesetzes im HAPPY SINNER ist!", stellte der Saloonbesitzer süffisant fest.

"Nachrichten verbreiten sich schnell in Lincoln!", erwiderte Clay Braden.

"Sie sagen es."

"Sonst sind Sie doch schneller damit, die Toten aus Ihrem Saloon zu räumen, Cameron!"

"Ich wollte Ihnen die Aufklärung des Verbrechens erleichtern, Marshal."

"Das ich nicht lache!"

"Der tote Gentleman hier hat falsch gespielt, wollte mit dem Geld davon und hat die Waffe gezogen, als seine Mitspieler damit nicht einverstanden waren..."

Clay wandte sich an das finstere Quartett um den Einäugigen.

Er hatte diese Männer aus der Postkutsche steigen sehen und es war ihm von der Sekunde an klar gewesen, mit wem er es zu tun hatte. Mit Leuten, die auf Ärger aus waren.

"Wer hat ihn erschossen?", fragte Clay.

"Ich!", erklärte der Einäugige. "Mein Name ist John Reilly. Und alle hier im Raum können bezeugen, dass dieser Bastard da auf dem Boden zuerst gezogen hat..."

Clay drehte sich herum.

Die Rechte blieb immer in der Nähe des Revolvergriffs. Den Kerl hinter der Balustrade behielt er auch im Auge.

"Ist es wahr, was der Mann hier sagt?", rief der Marshal. "Hat Mr. Reilly in Notwehr gehandelt?"

Nacheinander bestätigten einige der Gäste dies. Auch die Saloon-Girls wollten genau gesehen haben, wie Jackson als Erster seine Waffe gezogen hatte.

Ein grimmiger Zug erschien in Clays Gesicht.

"Ich frage mich, ob mancher hier im Raum nicht ein bisschen zu beschäftigt gewesen ist, um das wirklich so genau mitgekriegt zu haben!"

Clays Blick blieb für einen kurzen Moment bei einem dicken Mann hängen, auf dessen Schoß eine Rothaarige mit endlos langen Beinen saß.

Jetzt schaltete sich Eddie Cameron ein.

"Sie gehen entschieden zu weit, Marshal!", rief er. "Oder wollen Sie wirklich allen ernstes die Ehrenhaftigkeit meiner Gäste anzweifeln?"

Clay gab dem narbengesichtigen Saloonbesitzer darauf keine Antwort.

Er ging zu dem Toten, beugte sich nieder.

"Zwei Einschüsse", stellte er fest. "Ein bisschen viel für reine Notwehr", stellte er fest.

"Sie werden schwer das Gegenteil beweisen können, Marshal!", meldete sich der einäugige John Reilly zu Wort.

"Aber wenn Sie unbedingt wollen, dann nehmen Sie uns fest und machen sich zum Gespött des Gerichts!"

Innerlich kochte Clay.

Aber nichts davon ließ er nach außen dringen.

Er blieb vollkommen beherrscht.

Das Schlimme war, dass Reilly sogar recht hatte.

Angesichts der Zeugenaussagen konnte dem einäugigen Gunslinger nichts passieren. Würde mich nicht wundern, wenn Eddie Cameron dich und deine Meute angeheuert hat, um hier Ärger zu machen!, ging es dem Town-Marshal durch den Kopf.

In diesem Augenblick betrat Deputy Archie Wayne den Raum.

Er hielt die Schrotflinte unter dem Arm. Der Deputy-Stern prangte an seiner Brust. Den übergroßen Stetson trug er in den Nacken geschoben.

"Alles klar, Clay?", fragte er.

Clay nickte und erhob sich dabei.

"Alles klar."

Waynes Blick wandte sich für ein paar Augenblicke dem toten Saul Jackson zu. Der Deputy runzelte die Stirn dabei.

Eddie Cameron ging auf den Deputy zu.

"Wie wäre es, wenn Sie Ihr Schießeisen in eine andere Richtung zeigen ließen", schlug er vor. "Sie würden damit die Verletzungsgefahr für uns alle erheblich verringern - Sie eingeschlossen!"

Camerons Tonfall troff nur so vor ätzender Ironie.

Einige der Männer grinsten, ein barbusiges Girl kicherte schrill.

Archie Wayne lief rot an.

"Ich habe das Gefühl, dass ich hier nicht so richtig ernst genommen werde!", stellte er fest. Er tickte gegen den Blechstern an seiner Weste. "Das ist Missachtung der Justiz, würde ich sagen!"

Camerons Augen blitzten.

"Was Sie nicht sagen, alter Mann!"

Clay kümmerte sich nicht weiter um Cameron.

Er ging auf das finstere Quartett um den Einäugigen zu.

Reilly lachte zynisch. Aber als Clay Bradens eisiger Blick ihn traf, verstummte er augenblicklich. "Ich kann Ihnen diesmal nichts nachweisen, aber ich möchte, dass Sie eins wissen: Ich beobachte Sie! Wie lange wollen Sie in der Stadt bleiben?"

"Wir haben uns noch nicht so recht entschieden. Aber da es hier zumindest einen annehmbaren Salloon mit hübschen Girls gibt, bleiben wir vielleicht länger", meinte John Reilly.

Er schob sich den Hut in den Nacken. Seine Hand berührte den Griff des Revolvers an seiner Seite. "Hübsche Girls soll es hier in der Gegend übrigens noch anderswo geben... Auf einer Ranch, die sich Sundance Ranch nennnt, drüben auf der anderen Seite des Rio Bonito..." Er blickte sich zu seinen Begleitern um, in deren Gesichtern sich ein dreckiges Grinsen breitmachte.

"Vielleicht sehen wir uns dort ja auch mal um!", lachte einer von ihnen.

"Verlassen Sie besser die Stadt!", riet Clay. "Sonst wird es Ihnen leid tun."

"Wollen Sie mir drohen?", zischte Reilly.

"Fassen Sie es auf, wie Sie wollen, Reilly!" Clay wandte sich an Cameron. "Das letzte Wort in dieser Sache noch nicht gesprochen!"

"Hunde, die bellen beißen nicht, Braden. Das wissen Sie doch!", versetzte der Saloonbesitzer.

"Beziehen Sie das besser nicht auf mich, Cameron!"

Cameron atmete tief durch. Seine Nasenflügel bebten. Aber er schwieg.

Clay Braden drehte sich herum, ging in Richtung Tür.

In diesem Moment zog der Blonde oben hinter der Balustrade seinen Revolver. Es war langer Army-Colt. Clay hatte die Bewegung aus den Augenwinkeln heraus gesehen. Er ließ sich zur Seite fallen, während die erste Bleibohne haarscharf an seinem Oberkörper vorbeizischte und ein Loch in den Holzboden stanzte.

Ein zweiter Schuss folgte, verfehlte aber ebenfalls sein Ziel.

Clay ließ sich fallen, rollte sich auf dem Boden ab und feuerte hinauf zur Balustrade.

Der Schuss erwischte den Blonden im Bauch.

Er stand schwankend da. Seine Augen quollen hervor. Er presste die Linke gegen den Bauch. Blut quoll zwischen seinen Fingern hindurch.

Der Blonde versuchte noch, den Lauf des Army Colts auf Braden auszurichten. Es gelang ihm nicht. Ein Schuss löste sich, ließ der Kronleuchter des HAPPY SINNER zu Bruch gehen.

Dann stürzte der Blonde vornüber, kippte über die Balustrade und fiel wie ein toter Stein hinunter.

Er landete auf einem der Tische, dessen Beine knickten unter der Wucht des Aufpralls ein. Der Tisch krachte zu Boden. Ein schwarzhaariges, großbusiges Saloongirl mit großem Dekolletee sprang kreischend zur Seite. Der Stutzer mit Melone, dem sie am Hals gehangen hatte kippte mitsamt seinem Stuhl hinten über.

Clay stand auf.

Er steckte den Colt zurück ins Holster, trat dann auf den Blonden zu.

"Keine Bewegung!", rief unterdessen Archie Wayne, der stocksteif dastand und den Lauf der Schrotflinte hin und her schwenkte. "Niemand rührt sich oder macht irgendwelche Dummheiten!"

Clay drehte inzwischen den Blonden an der Schulter herum. Er war tot.

"Kennt jemand diesen Gentleman?", fragte Clay.

Niemand sagte einen Ton. Zumindest für ein paar Augenblicke. Clay durchsuchte die Taschen des Toten, um irgendeinen Hinweis zu finden. Aber da war nichts.

"Möglicherweise war dieser Mann jemand, der mit Ihnen noch eine Rechnung offen hatte, Braden!"

Clay bedachte ihn mit einem kühlen Blick. "Sie scheinen näheres darüber zu wissen!"

"Unterstellen Sie mir nichts!"

"Eines Tages bekommt jeder seine Rechnung präsentiert", erwiderte Clay.

"Wem sagen Sie das..."

Clay drehte sich herum, schlug Archie Wayne auf die Schulter.

"Komm, wir gehen, Archie."

Zusammen traten sie ins Freie.

"Der Kerl, der auf dich geschossen hat...", begann Wayne und brach dann ab. "Ich wette, dahinter steckt unser ach so ehrenwerter Mr. Cameron!"

"Natürlich tut er das!", nickte Braden.

"Und warum unternimmst du dann nichts?"

"Weil ich es ihm dann beweisen müsste. Und das kann ich nicht."

Sie schwangen sich auf ihre Gäule, die an einer Querstange festgemacht waren. Archie steckte sein Schrotgewehr in den Sattelschuh.

"Wir werden auf dieses finstere Quartett am Schanktisch aufpassen müssen", sagte Clay Braden. "Die sind nur auf Ärger aus!"

"Wahrscheinlich hat Cameron diese Gunslinger für irgendeine Teufelei angeheuert!", vermutete Archie Wayne.

Clay zuckte die Achseln.

"Möglich, Archie."

"Der Kerl oben an der Balustrade hätte dich übrigens so oder so nicht erwischt. Ich hatte ihn nämlich schon im Visier."

Clay grinste.

"Es geht doch nichts über einen Deputy, auf den man sich verlassen kann!"

"Wenn du das mal richtig zu schätzen wüsstest!", meckerte Archie. "Manchmal hat man den Eindruck, als würdest du mich nicht so ganz für voll nehmen... und gerade hast du dich selbst unnötig in Gefahr gebracht, in dem du mir davongeprescht und allein in den HAPPY SINNER Saloon gegangen bist!"

Clay lachte. "Ich werde mich bessern", versprach er scherzhaft.

"Der Langhaarige, der auf dich geschossen hat, kam mir übrigens irgendwie bekannt vor."

"Ach, ja?"

"Ich glaube, es war auf einem Treck ins Arizona Territory. Muss noch vor dem Bürgerkrieg gewesen sein. Ich hatte als Treckbegleiter angeheuert und dann tauchte irgendwann ein Kerl auf, der diesem Gunslinger zum verwechseln ähnlich sah... nur jünger natürlich."

Clay schnitt ihm das Wort ab.

"Keine Story, Archie! Nicht jetzt! Dafür habe ich im Augenblick einfach keine Nerven!"

Archie verzog das Gesicht.

Er war ganz offensichtlich ein bisschen beleidigt.

Aber Clay wollte sich jetzt die Geschichte seines Deputys nicht anhören, bei der er ohnehin wusste, was ihn erwartete. Ausgedehnte Schilderungen seiner früheren Abenteuer als Indianerkämpfer, Kavallerist, Revolverheld und was sonst noch alles. Clay glaubte im übrigen kein Wort davon.

Schließlich war Archie Wayne noch nicht einmal in der Lage, mit einem Revolver umzugehen, ohne dass die Gefahr für ihn selbst und seine Freunde dabei wesentlich geringer gewesen wäre als für seine Gegner. Daher benutzte er vorzugsweise eine Schrotflinte. Damit konnte sogar ein Blinder sein Ziel kaum verfehlen.

Als sie den Dolan Store erreichten, zügelte Clay sein Pferd.

"Ich will noch ein paar Besorgungen machen", meinte er.

"Kommst du mit?"

Aber Archie Wayne schüttelte den Kopf.

"Mir knurrt der Magen nach dem Schrecken eben. Ich werde mir in Paco's Bodega die letzten Zähne an einem Steak ausbeißen."

Clay grinste.

"Viel Vergnügen dabei!"

5

Joe Grayson machte sein Pferd vor dem Hauptgebäude der Sundance Ranch fest. Der Vormann der Big B-Ranch klopfte sich den Staub von der schwarzen Lederweste. Sein Gesicht war kantig, die aufmerksamen Augen leuchteten blau. Der ebenfalls schwarze Hut wirkte grau, so viel Staub hatte sich während seines scharfen Rittes von der Big-B-Ranch hier her darauf angesammelt.

Joe Grayson schob sich den Revolvergurt etwas höher, denn in seiner Hose wurde es bereits eng, wenn er an das dachte, was jetzt vor ihm lag...

Ein Besuch bei der unvergleichlichen Dorothy Willard, dem schönsten Girl weit und breit.

Er hatte sich richtig verguckt in die schöne Dorothy, wollte von den anderen Girls auf der Sundance Ranch gar nichts mehr wissen und hatte sie ständig in seinen Gedanken. Drei Tage war er jetzt unterwegs gewesen, um eine kleine Rinderherde nach Roswell zu bringen.

Drei Tage ohne Dorothy!

Ohne die Gelegenheit, ihren herrlichen Körper zu berühren, ihre Brüste, ihre geschwungenen Hüften, das seidige Haar...

Während seines Rittes von der Big B-Ranch hier her hatte er die ganze Zeit über nur einen einzigen Gedanken gehabt. Sich mit Dorothy wild in den Kissen zu wälzen.

Und auch jetzt beherrschte der Gedanke daran ihn vollkommen.

Er trat mit weiten Schritten in die Eingangshalle des Haupthauses der Sundance Ranch. Eine Freitreppe führte von hier aus zu den Geschäftszimmern der Girls. Wer sich dort ausgetobt hatte oder sich etwas Mut antrinken musste, konnte das in der ebenfalls im Haus befindlichen großen Bar machen, in der Butler Cornelius O'Mahoney seine Drinks servierte.

In die Bar ging Grayson zuerst.

Er hoffte Dorothy dort anzutreffen.

Die Schwingtüren flogen auf.

Hinter dem Schanktisch zuckte der grauhaarige Cornelius zusammen. Inzwischen war der gelernte Butler Mitte sechzig.

Seine Lordschaft Sir Graham, dem Cornelius viele Jahre lang treu gedient hatte, war durch seine Abenteuerlust aus dem heimischen Schottland in die Staaten verschlagen worden. In den Armen von Carrie Odell, der ehemaligen Besitzerin der Sundance Ranch, hatte er sich derartig verausgabt, dass er sein Leben damit ausgehauchte.

Ob dieser Vorfall nun eher geschäftsschädigend oder eine Reklame für die Sundance Ranch war, ließ sich schwer beurteilen. Zumindest hatte sich ein Umsatzeinbruch danach nicht feststellen lassen.

Cornelius war daraufhin auf der Sundance Ranch hängengeblieben. Clay Braden hatte den sympathischen, wenn auch manchmal etwas arg steifen und umständlichen Cornelius als eine Art Mädchen für alles eingestellt.

Joe Grayson blieb ziemlich abrupt stehen, blickte sich um.

In letzter Zeit war er Stammgast hier und daher wusste Cornelius genau, was Grayson wollte.

Er schenkte ihm einen Whisky ein und stellte das Glas vorsichtig auf den Schanktisch.

Auf Hockern saßen dort Kendra Lamont und Claire-Jo Jenkins, zwei der anderen Sundance-Girls. Kendra war rothaarig, hatte katzenhafte grüne Augen und galt als die Sünde pur.

Während Kendras Mutter bereits als Edelhure in Frankreich Furore gemacht hatte, kam Claire-Jo ursprünglich aus einem Quäker-Haushalt. Das dunkle Haar fiel ihr über die Schultern und in ihren dunklen Augen brannte ein wildes Feuer. Es ließ vage erahnen, was dem bevorstand, der sich mit ihr durch die Kissen wälzte.

"Wo ist Dorothy?", fragte Joe Grayson.

"Nimm erstmal deinen Whisky!", riet Kendra und deutete auf das Glas. Sie hatte natürlich mitgekriegt, wie sehr der Vormann der Big B-Ranch hinter Dorothy her war. Zur Zeit hatte es wohl nicht den geringsten Sinn für das Girl, sich selbst an Grayson heranzumachen.

Im übrigen bevorzugte sie auch deutlich elegantere Kundschaft, als diesen ungehobelten Cowboy, der ihren Einfallsreichtum beim Sex wahrscheinlich gar nicht zu schätzen wusste.

Wahrscheinlich nimmt der noch nichtmal den Revolvergurt ab, ungeduldig wie der aussieht!, dachte Kendra still für sich.

"Ich will zu Dorothy!", sagte Grayson, trat einen Schritt vor und kippte den Whisky in einem Zug hinunter. "Wo ist sie? Oben in ihrem Zimmer?"

Er wandte sich zum gehen.

Kendra und Claire-Jo wechselten einen erschrockenen Blick. Cornelius zuckte nur mit den Schultern.

Dann stürzten die beiden Girls beinahe gleichzeitig los und hakten sich bei dem Vormann der Big B-Ranch unter.

"Warte, Joe!", riefen sie.

Grayson runzelte die Stirn.

"Hört mal, ihr seid ja auch ganz süß, aber eigentlich..."

"...eigentlich hast du im Moment nur Augen für Dorothy!", vollendete Kendra seinen Satz. "Das ist uns klar..."

"Dann lasst mich jetzt los! Ich will keine Minute mehr verlieren..."

"Setz dich doch erst zu einem Drink zu uns..."

"Ein andernmal, Ladies! Wenn ihr mich jetzt entschuldigt..."

Jetzt stellte sich Kendra ihm entschlossen in den Weg.

"Joe, du kannst da jetzt nicht raufgehen."

Joe Graysons Augen wurden schmal.

"Wieso kann ich das nicht?"

"Weil Dorothy jetzt keine Zeit für dich hat!"

Das Gesicht des Vormanns verfinsterte sich. "Das werden wir ja sehen!", knurrte er. Er schob Kendra einfach zur Seite und ging mit weiten Schritten hinaus. Mary Jane wandte sich hilfesuchend an Cornelius.

"Tu doch was, mein Gott!"

Joe Grayson stürmte aus der Bar. Natürlich konnte er nicht erwarten, dass ein Mädchen wie Dorothy exklusiv nur ihm zur Verfügung stand. Aber wenn er hier auf der Sundance Ranch war, dann stand sie ihm zu. So sah er das jedenfalls. Sollte sich der Kerl, der jetzt bei ihr lag und sich von ihr verwöhnen ließ, mit einem der anderen Girls vorlieb nehmen!

Grayson lief die Freitreppe hinauf. Immer drei bis vier Stufen nahm er mit einem Schritt. Wenig später hatte er Dorothys Tür erreicht.

"Dorothy!", rief er.

Von drinnen hörte er lautes Stöhnen und Lachen.

Grayson wurde zornesrot.

Dafür hatte er nicht den Ritt von der Big-B hier her gemacht!

Ein Tritt und die Tür flog auf. Das Schloss war ohnehin nur notdürftig repariert gewesen.

Breitbeinig trat Grayson in das Zimmer.

Auf dem Bett sah er die vollkommen nackte Dorothy Willard. Sie kniete auf allen Vieren. Der Mann, der sie von hinten wie eine Stute nahm, hatte lediglich Revolvergurt und Hut abgelegt sowie die Hose ein Stück hinuntergezogen.

Bei jedem der kräftigen Stöße, mit denen er in Dorothy eindrang, wippten ihre Brüste hin und her.

Joe Grayson kannte den Kerl.

Chuck Summers von der LD-Ranch. Vor drei Jahren hatten die Beiden sich in Eddie Camerons HAPPY SINNER-Saloon halbtot geprügelt, nachdem sie bei einem Poker-Spiel in Streit geraten waren.

Für sechs Monate hatte der damalige Sheriff ihnen daraufhin verboten, die Stadt zu betreten.

Von da an waren sich die Beiden aus dem Weg gegangen.

Lange war es her - aber es war nicht vergessen.

Joe Graysons Züge verzerrten sich zu einer grimmigen Maske.

Die Hand wanderte reflexartig an die Hüfte, wo der Peacemaker aus dem Holster ragte.

Dorothy stieß einen heiseren Schrei aus - halb vor Lust, weil Chuck Summers sich gerade in diesem Augenblick in ihr ergoss, halb vor Entsetzen.

Natürlich kannte sie Joe Grayson gut genug, um zu ahnen, dass der Spaß jetzt vorbei war.

Grayson bückte sich, hob den Revolvergurt auf, den Chuck Summers dort achtlos hatte fallen lassen.

Er warf ihn Chuck hin.

"Wehr dich, du Bastard!", zischte er.

Dorothy atmete schwer. Chuck löste sich von ihr, taumelte aus dem Bett und zog sich die Hose hoch.

Dann nahm er den Revolvergurt.

"Hey, ihr werdet doch hier kein Revolverduell in meinem Zimmer veranstalten!"

"Aus dem Weg, Schätzchen!", knurrte Grayson.

Inzwischen waren auch Kendra und Claire-Jo eingetroffen.

Sie erstarrten, als sie sahen, was los war.

Natürlich hatte keines der Girls Lust, sich in einen Kugelhagel hineinzuwerfen.

Chuck schnallte sich den Gurt um. Er wankte dabei.

Dorothy stieg aus dem Bett. Sie trat zwischen die beiden Kontrahenten, die sich wie wütende Stiere gegenüberstanden.

Die Tatsache, dass sie nackt war, lenkte Grayson etwas ab.

Selbst jetzt fiel es ihm schwer, den Blick von ihrem herrlichen Körper zu lassen.

"Er ist betrunken", sagte Dorothy an Grayson gewandt. "Das wäre kein Duell! Chuck könnte jetzt wahrscheinlich nicht einmal einen Elefanten treffen!"

Grayson verzog spöttisch den Mund.

"Ach! Er ist zu besoffen, um sich mir zu stellen wie ein echter Kerl, aber um es dir zu besorgen war er nicht betrunken genug! Das ich nicht lache!" Grayson spuckte verächtlich aus. "Verschwinde, du Schwächling!"

Chuck Summers Augen blitzten.

"Wer von uns beiden der Schwächling ist, hat sich doch damals im HAPPY SINNER Saloon eindeutig herausgestellt!", erwiderte Chuck Summers großspurig.

Dorothy stemmte die Arme in die geschwungenen Hüften.

"Genug jetzt!", rief sie. "Ich dulde so etwas hier nicht!"

Dorothy war sich sehr wohl bewusst, dass einzig und allein ihre Anwesenheit die Beiden davon abhielt, zu den Revolvern zu greifen und aufeinander zu schießen.

Schließlich wollte keiner der beiden Wölfe aus Versehen jene Frau treffen, derentwegen der ganze Streit entbrannt war.

So viel Vernunft immerhin besaßen sie im Moment noch.

Aber Dorothy Willard war erfahren genug, um zu wissen, dass auch das sich im Handumdrehen ändern konnte.

Cornelius, der Butler drängte sich jetzt in den Raum.

Er hielt eine Winchester in den Händen, lud sie durch. Es war ihm anzusehen, dass er das noch nicht allzu oft gemacht hatte. Der Lauf der Waffe war auf Joe Graysons Rücken gerichtet.

"Ich möchte, dass Sie dieses Haus auf der Stelle verlassen!", sagte der Butler auf seine steife Art.

Grayson grinste. "Du hast es gehört! Verschwinde!", zischte er seinem Kontrahenten entgegen.

"Sie sind auch gemeint!", korrigierte ihn Cornelius.

Grayson stieß einen dumpfen Knurrlaut aus. Chuck ging indessen in Richtung Tür. Sein Weg führte nahe an Chuck vorbei.

"So ein Hund!", bemerkte Grayson. "Nicht einmal die Stiefel hat er ausgezogen! Nennt sich so etwas ein Gentleman?"

Das war der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte.

Chucks Faust schnellte vor, doch Grayson war schneller.

Er wich aus und konterte mit einer Geraden.

Der Schlag war dermaßen schnell, dass Chuck nicht mehr reagieren konnte. Die volle Wucht traf ihn. Er taumelte benommen zurück, blieb am Boden liegen.

Dorothy wollte sich über ihn beugen.

Joe fasste sie am Handgelenk.

"Du tust mir weh, verdammt nochmal!"

"Gib dich mit diesem Hund nicht ab, Baby!"

"Lass mich los!"

Cornelius hielt ihm die Winchester unter die Nase. "Besser, Sie verschwinden jetzt!"

Joe atmete schwer, dann schob er den Winchester-Lauf des Butlers zur Seite und stampfte hinaus. Sein Kopf war hochrot. "Wir sehen uns noch, Summers!", schrie, als er die Freitreppe schon hinter sich gelassen hatte und auf die Außentür zuging. "Und dann wird abgerechnet!"

Chuck Summers rührte sich jetzt wieder, stöhnte auf und hielt sich das Kinn. Er spuckte Blut.

"Ich kümmere mich schon um ihn", meinte Dorothy an Cornelius und die beiden Girls gewandt.

"Meinst du, du hältst ihn im Zaum?", vergewisserte sich Kendra.

"Keine Sorge. Ich habe da meine todsichere Methode!"

"Na, wenn du meinst!"

Dorothy wandte sich kurz an Cornelius und deutete auf das jetzt völlig herausgebrochene Türschloss. "Dafür könnten Sie sich mal eine dauerhaftere Lösung überlegen, Cornelius!"

Cornelius O'Mahanney hob die Augenbrauen und neigte leicht den Kopf. "Sehr wohl, Madam."

6

Clay Braden kehrte allein zurück zur Sundance Ranch. Sein Deputy Archie Wayne würde im Marshal Office bleiben, nachdem er sich in Paco's Bodega die letzten Zähne an einem Steak ausgebissen hatte.

Clay Braden schwante Übles, wenn er an die nächsten Tage dachte. Es bahnte sich Ärger an. Eddie Cameron, sein verdeckt agierender Gegner, schien eine noch härtere Gangart gegen den Town Marshal fahren zu wollen. Dass ausgerechnet jetzt das finstere Quartett des Einäugigen aufgetaucht war, konnte kein Zufall sein.

Und dann noch der Revolverschütze, der ihn um ein Haar umgebracht hatte...

Die nächsten Tage würden unruhig werden. Daran bestand für Clay kein Zweifel.

Er ging durch den Haupteingang des Ranchhauses, wandte sich dann der Bar zu, um dort erst einmal einen ordentlichen Schluck zu trinken. Einen von Cornelius O'Mahoneys Spezialdrinks vielleicht, überlegte er. Der alte Butler hatte einige wirklich ausgefallene Spezialrezepte drauf, die einem kein anderer Barkeeper im Umkreis von tausend Meilen bieten konnte. Die meisten Cowboys der Umgebung wussten das allerdings ebenso wenig zu schätzen wie die Städter, die hier her kamen. Einfacher Whisky reichte den meisten.

Clay hingegen gönnte sich zwischendurch auch gerne mal eine Abwechslung.

Der Town-Marshal von Lincoln, New Mexico, hatte die Schwingtüren erreicht, da flogen sie ihm schon entgegen.

Joe Grayson stürzte heraus, wischte sich dabei den Mund ab. Grayson rempelte Clay grob zur Seite. Dem Gesicht des Vormannes von der Big B-Ranch war anzusehen, dass ihm nicht nur eine Laus über die Leber gelaufen war.

"Passen Sie doch auf, Marshal!", knurrte er.

Clay sah ihm verwundert nach. Grayson stampfte hinaus.

Draußen hörte man, wie sein Gaul wieherte, als der Vormann ihm die Sporen gab. Clay schüttelte den Kopf.

Er betrat die Bar.

Kendra, Claire-Jo und Cornelius redeten aufgeregt miteinander.

Als der Marshal eintrat, verstummten sie. Clay musterte sie alle drei der Reihe nach. "Hey, was ist los?", fragte er dann.

"Probleme!", brachte es Kendra kurz und knapp auf einen Nenner. Und dann berichtete sie, was während Clays kurzer Abwesenheit auf der Sundance Ranch losgewesen war. Von dem furchtbaren Streit zwischen Chuck Summers und Joe Grayson, den Vormännern von zwei der größten Ranches in der Umgebung.

Als sie geendet hatte, atmete Clay erstmal tief durch, wandte sich an Cornelius und verlangte einen Drink.

"Haben Sie einen speziellen Wunsch, Sir?"

"Irgendetwas, das einen klaren Kopf macht, Cornelius!"

"Ich hätte verschiedene..."

"Ich vertraue Ihnen vollkommen, Cornelius", unterbrach ihn der Town-Marshal.

Cornelius hob das Kinn und setzte eine Miene auf, die für jemanden, der den alten Butler nicht kannte, so aussah, als wäre er leicht pikiert. Clay kannte ihn inzwischen gut genug, um zu wissen, dass das nicht der Fall war.

"Sehr wohl, Sir", sagte er.

"Um zum Thema zurückzukommen", meldete sich Claire-Jo zu Wort, wobei sie von ihrem Barhocker herunterrutschte und neben Clay an den Schanktisch trat. "Du wirst mal ein ernstes Wort mit ihr reden müssen, Clay!"

Clay runzelte die Stirmn. "Mit Dorothy?"

"Ja, sicher! Das geh doch schon eine ganze Weile so! Sie macht die beiden Kerle richtig heiß und jetzt haben wir den Salat. Ich weiß nicht, was sie denen versprochen hat, aber irgendwie bilden sich wohl beide irgendwelche Sonderrechte ein, was Dorothy betrifft!"

"Sowohl Grayson als auch Summers sind als Hitzköpfe bekannt", gab Clay zu bedenken.

"Es gibt Dutzende solcher Hitzköpfe in Lincoln, aber normalerweise schlagen die sich weder Köpfe ein noch fordern sie sich zum Revolverduell oder öffnen die Türen unserer Zimmer mit einem Stiefeltritt. Sollen sie ihre Konflikte austragen, wo immer sie wollen, aber nicht hier auf der Sundance Ranch!"

Kendra unterstützte Claire-Jo vehement. "Wenn wir dem keinen Riegel vorschieben, was meinst du, was wir hier in kürzester Zeit für eine Kundschaft haben! Die Sundance Ranch hat sich als ein Ort herumgesprochen, an dem sich ein Mann nach allen Regeln der Kunst verausgaben kann - solange er seine Fäuste nicht gebraucht und den Colt im Holster lässt! Und das sollte auch so bleiben, sonst treffen sich hier in Zukunft alle schießwütigen Streithähne der Umgebung!"

Clay hatte den beiden Frauen nachdenklich zugehört. Ihre Argumente klangen in seinen Ohren einleuchtend.

"Wenn ich mir eine kleine Bemerkung erlauben dürfte", meldete sich jetzt der Butler zu Wort.

Clay grinste über die Steifheit, mit der Cornelius solche Dinge vortrug.

"Nur zu, Cornelius!"

"Sollte diese Sache eskalieren, dann könnten Sie dadurch in eine prekäre Situation geraten. Schließlich sind Sie gleichzeitig Besitzer der Sundance Ranch und Town-Marshal von Lincoln. Und es gibt mehr als einen, dem das schon lange ein Dorn im Auge ist und der daraus Kapital ziehen könnte."

"Sie denken an Eddie Cameron!"

Cornelius nickte.

"Genau an den! Aber Sie sollten nicht denken, dass der der einzige wäre! Zwar sind Sie mit Mehrheit der Stimmen zum Marshal gewählt worden, aber vergessen Sie nie, dass Ihre Anwesenheit in der Stadt einigen nicht passt!"

Clay nickte.

Claire-Jo fasste ihn am Arm. "Red' Dorothy mal richtig ins Gewissen. Ihr muss klar sein, dass sie mit dem Feuer spielt..."

"Hört mal, ihr seid doch ihre Freundinnen", begann Clay, der von der Aussicht, Dorothy beibringen zu müssen, dass sie ihr Verhalten gegenüber den beiden Hitzköpfen ändern müsste alles andere als begeistert war. "Warum könnt ihr das denn nicht machen?"

"Du weißt doch, dass sie ihren eigenen Kopf hat", sagte Kendra.

"Sicher."

"Aber dein Wort hat bei ihr Gewicht. Nicht nur weil du jetzt der Boss auf der Sundance Ranch bist." Sie grinste und zwinkerte ihm kokett zu. "Schließlich hast du ja auch noch ein paar andere Mittel, sie zu überzeugen, die Claire-Jo und mir von Natur aus nicht zur Verfügung stehen..."

"Sehr witzig..."

"Von was für überzeugenden Mitteln ist hier die Rede?", meldete sich plötzlich eine weibliche Stimme zu Wort. Die Schwingtüren der Bar flogen auseinander.

Ein junges Girl, gekleidet in hautenge Jeans und ein weißes Hemd, dass sie unter der Brust zusammengeknotet hatte, betrat die Bar. Der blonde Haarschopf wirkte etwas zerzaust.

Clay drehte sich zu ihr herum.

"Hallo Erica!", begrüßte er sie.

Erica Forster, sechzehn Jahre jung und schön wie die Sünde war die Tochter des ehemaligen Town-Marshals von Lincoln. Ein Revolverschwinger hatte ihren Vater ermordet. Marshal Forster war ein Freund von Carrie Odell gewesen, der verstorbenen Vorbesitzerin der Sundance Ranch. Hilfesuchend hatte Erica sich an Clay Braden gewandt, als Eddie Cameron versucht hatte, die Ranch widerrechtlich an sich zu bringen.

Clay hatte sie gewissermaßen mitgeerbt und bemühte sich jetzt darum, sie zu einer wirklichen Lady zu erziehen.

Allzu viel Erfolg hatte er bislang dabei noch nicht gehabt.

Erica war ein Teufelsbraten.

Sie konnte reiten und schießen, brachte sich aber immer wieder selbst in unnötige Schwierigkeiten.

Früh am Morgen war sie aufgebrochen, um in Hondo von einem Pferdehändler ein Fohlen zu kaufen. Clay hatte es zwar nicht besonders gern, wenn sie allein unterwegs war, aber er wusste auch, dass es wenig Sinn hatte, sie zu sehr einzuschränken.

Erica wandte sich an Cornelius.

"Mach mir einen schönen Drink!"

"Sehr wohl, Madam."

Clay Braden sah den Butler streng an. "Aber ohne Alkohol bitte!"

Erica stemmte die Arme in die geschwungenen Hüften. "Was soll das denn!"

"Es reicht, wenn du damit anfängst, wenn du erwachsen bist!"

"Clay, ich bin erwachsen!"

"Die Diskussion führen wir ein andernmal okay?"

"Willst du dir gar nicht das Fohlen ansehen? Das wird mal ein prachtvolles Reitpferd, wenn man es richtig erzieht!"

"Später, Erica..."

Damit ging Clay Braden hinaus. Erica wandte sich fragend an Kendra und Claire-Jo, während Cornelius ihr den Drink machte.

"Was ist denn mit Clay los?", fragte sie.

"Es gibt Ärger!", brachte Claire-Jo es kurz und knapp auf den Punkt.

"Aber diesmal bin ich wohl nicht Schuld, oder?"

7

Anstatt zur Big B-Ranch zurückzukehren, war Joe Grayson auf direktem Weg zum HAPPY SINNER Saloon geritten, nachdem man ihn auf der Sundance Ranch mit vorgehaltener Winchester vertrieben hatte.

Er brauchte jetzt einfach erst einmal einen Drink.

Joe Graysons Wut war noch lange nicht verraucht.

Die Schwingtüren flogen zur Seite, als er den HAPPY SINNER Saloon betrat. Er stellte sich an den Schanktisch, verlangte ziemlich unwirsch nach einem Whisky und kippte ihn in einem Zug hinunter. Der Keeper musste ihm sofort nachfüllen.

Eines der Saloongirls, die bei Eddie Cameron angestellt waren, versuchte sich an ihn heranzumachen. Die dunkeläugige Schönheit hieß Isabelita und hatte schwarzblaues Haar, dass ihr fast bis zu den Hüften reichte. Ihr Dekolletee zeigte beinahe mehr als es verbarg. Ein Anblick, der ansonsten kaum einen Mann kalt ließ. Aber Joe Grayson stand im Moment nicht der Sinn danach. Er schob Isabelita ziemlich unsanft von sich.

"Hey, was ist denn mit dem los!", schmollte das Girl.

Der Saloonkeeper schenkte ihm nach, und Joe Grayson leerte auch den zweiten Whisky in einem Zug. Dann geriet mit einigen der anderen Männer, die am Schanktisch herumlungerten ins Gespräch.

Lauthals berichtete der Vormann der Big B-Ranch von dem, was sich auf der Sundance Ranch zugetragen hatte.

"Chuck Summers, diesen Hund werde ich mir noch zur Brust nehmen!", schimpfte er. "Wenn dieser Aufpasser des Marshals - Cornelius oder so ähnlich heißt der - mich nicht mit seiner Winchester bedroht hätte, dann hätten wir die Sache an Ort und Stelle austragen können!", war er überzeugt. "Außerdem bin ich überzeugt, dass es nicht Dorothys freier Wille war, sich mit diesem stinkenden Summers abzugeben!"

"Wollen Sie etwa behaupten, der Marshal zwingt die Girls der Sundance-Ranch zu ihrem Job!", meldete sich einer der anderen Männer zu Wort.

Joe Grayson verzog das Gesicht.

"Sie können das bezeichnen wie Sie wollen, Mister!", knurrte er düster.

Eddie Cameron saß an einem der hinteren Tische. Er hatte die Szene aufmerksam beobachtet. Jetzt stand er auf und ging in Richtung des Schanktischs. Dabei machte er der schmollenden Isabelita ein Zeichen, ebenfalls dorthin zurückzukehren.

"Mit dem Kerl ist nichts los!", raunte sie Cameron zu und wollte schon an ihm vorbeirauschen. Aber Cameron hielt sie am Arm.

"Du machst, was ich dir sage, Baby!"

"Lass das, du tust mir weh!"

"Na, komm schon! Ich habe dich nicht für teures Geld deinem Boss in Ciudad de Juarez abgekauft, damit du hier herumzickst!"

Er schob sie vor sich her. Sie gehorchte schließlich, auch wenn ihr Lächeln etwas gezwungen wirkte. Beide erreichten sie wenig später Joe Grayson.

"Schenk dem Gentleman noch einen Drink ein, Roy!", befahl der Saloonbesitzer dem Barkeeper.

Dieser nickte und einen Augenblick später war Graysons Glas wieder voll. Cameron setzte ein breites, falsches Lächeln auf, dass durch die hässliche Narbe in seinem Gesicht wie eine Karrikatur wirkte. "Geht auf Kosten des Hauses, Mister", erklärte Cameron in Gönnerlaune. "Und dann erzählen Sie mir doch mal ganz genau, was da auf der Sundance Ranch so abgelaufen ist..."

Das ließ sich Grayson nicht zweimal sagen. Und der Whisky tat ein übriges dazu, dass der Vormann der Big B-Ranch beinahe jegliche Hemmungen verlor und munter drauflos plauderte.

"Glauben Sie mir, Mr. Cameron, dieses Girl will nur mich! Die würde auch mit mir durchbrennen, wenn Clay Braden nicht wäre..."

"Natürlich, daran habe ich nicht geringsten Zweifel. Ich war nie damit einverstanden, dass unser Town-Marshal gleichzeitig Besitzer eines Bordells ist..."

"Sklavenhalter ist er! Und Sklaverei ist seit dem Bürgerkrieg doch schließlich überall verboten, auch in den Territories."

"Sicher."

"Und dann lässt der diesen gewalttätigen Summers mit Dorothy wer weiß was machen. Sie erinnern sich vielleicht, vor drei Jahren hat der Kerl hier in Ihrem HAPPY SINNER Saloon eine Schlägerei angefangen."

"Ich erinnere mich..."

"In dieser Stadt gibt es kein Gesetz", sagte Grayson.

"Clay Braden kann ich jedenfalls nicht als Sternträger akzeptieren!"

"Wollen Sie einen Rat von mir?", fragte Cameron.

Graysons Augen wurden zu schmalen Schlitzen. Er schob sich den Stetson in den Nacken. "Wovon reden Sie?"

"Davon, dass Sie Ihr Recht am besten in die eigenen Hände nehmen!"

"Und wie sollte das Ihrer Meinung nach aussehen?"

"Sie sind doch Vormann auf der Big B-Ranch."

"Yeah."

"Die Cowboys dort werden Ihnen sicher helfen, wenn sie versuchen, Dorothy Willard zu befreien... und gegen eine ganze Mannschaft kann Clay Braden auch nichts machen. Den Deputy, der mit ihm reitet, können sie im übrigen vergessen. Der alte Mann ist eher eine Gefahr für sich und Braden als für seine Gegner." In Joe Graysons Augen blitzte es.

"Vielleicht keine schlechte Idee, Mr. Cameron." Er leerte das Glas erneut und wollte schon in Richtung der Schwingtüren davoneilen.

Aber Cameron hielt ihn an der Schulter. "Warten Sie, Grayson!"

"Was ist noch?"

Cameron deutete auf Isabelita. "Jetzt haben Sie den Ritt von der Big B-Ranch hier her völlig umsonst gemacht und hatten nichts als Ärger."

"Schon richtig, Mr. Cameron."

"Isabelita wird dafür sorgen, dass Sie sich entspannen, Grayson..."

"Ein andernmal", knurrte er und lief dann unbeirrt zur Tür hinaus.

Cameron lachte schallend. Er wandte sich an Roy, den Keeper. "Gib eine ganze Flasche von deinem Besten heraus!", lachte er. Er gab Isabelita einen Klaps auf den Po. Die dunkelhaarige Schönheit sah ihn kopfschüttelnd an. "Ich wette dieser aufgeblasene Gockel namens Grayson wird tatsächlich seine Freunde mobilisieren und mit ihnen zur Sundance Ranch reiten! Und dann wird da der Teufel los sein..."

"Was haben Sie vor, Mr. Cameron?", fragte Isabelita.

"Begreifst du das wirklich nicht?"

"Sie wollen Clay Braden ein paar Knüppel zwischen die Beine werfen. Das verstehe ich schon!"

Cameron nickte. "Ja und wenn es auf der Sundance Ranch richtig heiß hergeht, wird man unseren Marshal irgendwann vor die Alternative stellen, sein Amt als Gesetzeshüter niederzulegen oder die Sundance Ranch aufzugeben. Ich kenne doch unseren Bürgermeister..." Cameron kicherte, nahm einen kräftigen Schluck aus dem Glas, das Roy ihm eingefüllt hatte.

Dann wandte er sich an den Saloonkeeper und fragte: "Wo ist der Einäugige mit seinen Leuten?"

"Mr. Reilly? Sie sind mit ein paar Girls auf die Zimmer gegangen. Schon vor 'ner Weile."

"Sorg dafür, dass die Kerle hier antanzen. Ich habe eine Aufgabe für sie..."

Roy machte ein ängstliches Gesicht.

Cameron grinste breit und zynisch. Er tätschelte gönnerhaft Roys Wange. "Keine Sorge, John Reilly wird dich nicht erschießen. Jedenfalls nicht, solange ich ihn bezahle!"

Cameron lachte heiser.

Roy wurde kreideweiß.

8

Chuck Summers ritt in scharfem Galopp den Rio Bonito entlang, um dann schließlich nach Westen abzubiegen. Etwa eine Stunde dauerte der Ritt zur LD-Ranch. Es war heiß.

Und bevor er den Lauf des Rio Bonito verließ, machte er noch eine kurze Pause, um das Pferd zu tränken. Bei aller Eile er war ein Cowboy und wusste, was er seinem Gaul schuldig war.

So führte er das Tier zum Flussufer und ließ es ausgiebig saufen.

Er selbst tauschte das Wasser der Feldflasche aus, die er am Sattel hängen hatte. Dann beugte er sich nieder, nahm den Stetson ab und steckte den Kopf ins Wasser. Er hatte die Abkühlung dringend nötig.

Den Hass auf Joe Grayson konnte das allerdings in keiner Weise dämpfen. Der brannte noch immer heiß in ihm.

Chuck richtete sich auf, schüttelte sich.

Herrlich wild war das Zusammensein mit Dorothy gewesen. Er kannte kein anderes Girl, dass ihn derartig ins Schwitzen bringen konnte. Sie war einfach eine Frau mit ganz besonderen Fähigkeiten - von ihrem betörenden Körper einmal abgesehen, der natürlich ein übriges tat.

Es war herrlich gewesen.

Bis diese Bastard namens Grayson aufgetaucht war...

Chuck Summers' Fäuste ballten sich unwillkürlich zu Fäusten, wenn er daran auch nur dachte. Wilder Grimm erfasste ihn dann und steigerte sich beinahe zur Raserei. Ich hätte mit Grayson damals schon ein Ende machen sollen!, ging es ihm durch den Kopf. Was bildete dieser Kerl sich eigentlich ein!

Dorothy gehörte ihm.

Natürlich empfing sie auch andere Männer. Schließlich musste sie ihr Geld verdienen. Aber nur er - Chuck Summers bedeutete ihr etwas. Davon war der Vormann der LD-Ranch felsenfest überzeugt.

Und Joe Grayson würde das auch noch einsehen müssen!

Dafür würde Chuck schon sorgen! Das hatte er sich fest vorgenommen. Mit seinem Auftritt hatte er Dorothy und Chuck nicht einfach nur beim Liebesspiel gestört. Er hatte sie beide dadurch erniedrigt. Und Chuck Summers war jemand, der es nicht duldete, wenn man 'seine' Lady in dieser Art und Weise behandelte.

Das wirst du noch bitter bereuen, Joe Grayson!, ging es dem Vormann bitter durch den Kopf. Die Gelegenheit würde schon noch kommen!

Er stand auf und nahm das Pferd beim Zügel. Ein sehr leises Geräusch ließ ihn aufhorchen. Chuck Summers hatte sehr feine Ohren. Die brauchte er auch, um den Gefahren der Wildnis zu trotzen, wenn er mit seinen Männern tage- oder wochenlang auf einem Viehtrieb unterwegs war.

Chuck wandte sich herum, ließ den Blick über das karge, ausgetrocknete Land schweifen.

In der Ferne sah er ein paar Punkte am Horizont, die eine Staubwolke hinter sich her zogen.

Reiter!

Sie kamen aus der Richtung, in der Lincoln lag.

Chuck Summers zog sich den Stetson etwas weiter ins Gesicht, damit ihn die Sonne nicht so blendete.

Sie ritten so schnell, als ob der Teufel selbst hinter ihnen hergewesen wäre.

Ihre Pferde schienen frisch und ausgeruht zu sein. Ganz im Gegensatz zu Chuck Summers' Gaul, der nicht nur heute, sondern vor allem in den vergangenen Tagen arg geschunden worden war. Die Kerle würden ihn also in jedem Fall einholen.

Chuck schwang sich in den Sattel.

Sein Schädel brummte etwas.

Da war einerseits der Faustschlag, den Joe Grayson ihm versetzt hatte, andererseits brummte es hinter seinen Schläfen, weil er wohl doch ein Whisky zuviel genommen hatte.

Er wartete ab, bis die Kerle näherkamen.

Vier Männer waren es.

Er hatte sie noch nie gesehen.

Einer von ihnen hatte eine Augenklappe. Er schien auch der Anführer der Gruppe zu sein. Sie zügelten ihre Pferde, als sie Chuck Summers erreichten. Die Gäule erkannte Chuck.

Zumindest den Schecken, auf dem der Einäugige ritt. Es war ein Pferd aus einem Mietstall in Lincoln. Die Blässe war dermaßen charakteristisch, dass es da für Chuck kein Vertun gab.

"Guten Tag, mein Name ist John Reilly", sagte der Einäugige. "Wir scheinen denselben Weg zu haben..."

"Schon möglich", murmelte Chuck.

"Sie müssen Chuck Summers sein...", meinte der Einäugige.

Er wandte sich zu seinen Kumpanen um. "Was meint ihr?"

"Kann schon sein", knurrte einer der anderen, nahm einen Schluck aus seiner Wasserflasche und spuckte aus.

"Ich wüsste nicht, dass wir uns kennen", erwiderte Chuck kühl.

John Reilly lachte heiser.

"Sie kennen mich nicht - aber wir haben schon von Ihnen gehört, Hombre!"

"Ach, ja?"

"Im HAPPY SINNER Saloon war ein Mann, der Sie offenbar nicht leiden konnte und nur Übles über Sie verbreitet hat!"

Chucks Gesicht wurde zu einer starren Maske. "Joe Grayson!", knurrte er.

Reilly zuckte die Achseln.

"Möglich, dass er Joe hieß. Er war ziemlich aufgebracht. Es ging um ein Girl auf der Sundance Ranch..."

"Dorothy!", entfuhr es Chuck.

"Genau, Dorothy hieß die Perle! Wissen Sie, was er vorhat? Er will seine Cowboys zusammentrommeln und zur Sundance Ranch reiten!"

"Der ist doch verrückt!"

"Und dann will er diese Dorothy entführen, weil er meint, dass der Besitzer der Sundance Ranch sie wie eine Art Sklavin hält."

Chuck Summers' Gesicht wurde finster.

Dann keimte Misstrauen in ihm auf.

"Wer hat Sie geschickt, um mir das zu sagen?"

"Niemand, Mister. Wir sind nur zufällig auf diesem Weg. Vielleicht können Sie uns etwas weiterhelfen. Wir suchen nämlich einen Ort namens Mesa Verde..."

"Reiten Sie weiter den Rio Bonito entlang. Dann können Sie den Ort gar nicht verfehlen. Allerdings sind Sie noch gut zwei Stunden unterwegs."

Der Einäugige legte zwei Finger an die Krempe seines Hutes und nickte Chuck zu.

"Besten Dank, Hombre..."

"Nichts zu danken, Mr. Reilly."

"Vielleicht sieht man sich ja nochmal. Wir bleiben nämlich noch 'ne Weile in der Gegend..."

Chuck riss sein Pferd herum.

"Adios!", zischte er und dann preschte er in wildem Galopp davon, der LD-Ranch entgegen. Er hatte alle Möglichkeiten abgewogen. Allein zur Sundance Ranch zurückzukehren wäre nicht sehr erfolgversprechend gewesen. Aber wenn er sich beeilte, konnte er ein paar Männer der LD-Ranch zusammentrommeln. Es gab genug, mit denen er befreundet war oder die ihm noch einen Gefallen schuldeten. Und was sie in ihrer Freizeit machten, das ging auch den Besitzer der LD-Ranch nichts an. Wenn er sich beeilte konnte er möglicherweise sogar noch vor Joe Grayson und seiner Mannschaft bei der Sundance Ranch eintreffen. Graysons Weg zur Big-B war nämlich um einige Meilen weiter als das Wegstück, dass Chuck noch vor sich hatte.

Das Quartett um den Einäugigen sah dem wie der Teufel dahinreitenden Vormann nach, von dem bald nichts weiter zu sehen war, als die Staubwolke, die er hinter sich herzog.

"Schätze, Mr. Cameron kann mit uns zufrieden sein", meinte John Reilly.

9

Dorothy stand nackt vor dem Bett, auf dem verschiedene Kleider lagen. "Kannst du mir mal sagen, was ich davon anziehen soll, Clay?"

Clay Braden hatte sich in einen der Sessel fallengelassen und betrachtete mit Wohlgefallen die geschwungenen Linien ihres Körpers. Das Sonnenlicht, das durch das offene Fenster fiel, umschmeichelte diesen Körper noch.

Sie stemmte die Hände in die Hüften und sah Clay herausfordernd an.

"Von mir aus kannst du so bleiben!", grinste der Marshal.

"Na, klar, das hätte ich mir ja denken können!"

"Warum fragst du dann?"

"Vielleicht in der irrigen Annahme, dass du mich ab und zu mal angezogen bewundern möchtest..."

Clay streckte die Hand aus.

"Nimm das Rote!", meinte er.

"Und was ist mit dem Blauen?"

"Dorothy, wir müssen über etwas anderes reden. Es geht um die Sache mit Grayson und Summers."

Dorothy befühlte gerade den Stoff des blauen Kleides und hielt dann mitten in der Bewegung inne. Sie warf das Haar zurück und bedachte Clay Braden mit einem entschlossen wirkenden Blick.

"Die beiden sind scharf auf mich - so wie du auch. Was stört dich daran? Wir sind uns doch einig, dass wir uns gegenseitig alle Freiheiten geben. Also sehe ich kein Problem."

"Das ist auch nicht das Problem."

"Sondern?"

"Wir bekommen hier Schwierigkeiten, wenn die beiden weiter Ärger machen..."

"Clay, ich habe das alles im Griff."

"Im Griff?" Clay schüttelte den Kopf. "Davon kann keine Rede sein. Um ein Haar hätte es hier in diesem Zimmer eine Tragödie gegeben und du sprichst davon, alles im Griff zu haben!"

Dorothy atmete tief durch.

Ihre sehr ansehnlichen Brüste hoben und senkten sich dabei.

Es amüsierte sie ein wenig, das Clay nicht einmal jetzt in der Lage war, den Blick davon abzuwenden. Aber sie hütete sich davor, den Town-Marshal von Lincoln zu unterschätzen. So leicht manipulierbar wie andere Männer war er nicht.

"Clay, du bist der Besitzer der Sundance Ranch..."

"Sehr richtig!"

"Aber welche Männer ich empfange, ist ganz allein meine Sache. Und da lasse ich mir auch von niemandem reinreden!"

"Das verlangt auch niemand!", verteidigte sich Clay.

Aber Dorothy ließ sich nicht besänftigen.

"Doch, genau darum geht es, mein Lieber! Merk dir eins, ich bin keins dieser Sklavengirls, die Eddie Cameron auf irgendwelchen dubiosen Wegen dazu bringt, für ihn alles zu machen, was er verlangt!"

"Dorothy!", versuchte er sie zu beruhigen. "Du vergleichst mich allen Ernstes mit diesem Gangster Cameron?"

Er wartete ihre Antwort nicht ab, denn jetzt ließ ein Geräusch ihn aufhorchen. Pferdegetrappel von mindestens einem Dutzend Gäulen.

Clay schnellte hoch, blickte durch das offene Fenster.

Eine Gruppe von Reitern kam über die Brücke, die den Rio Bonito überspannte und hielt auf die Sundance Ranch zu.

Und an ihrer Spitze ritt niemand anderes als Joe Grayson...

Dorothy stand neben Clay, lehnte sich gegen ihn.

Eine leichte Gänsehaut überzog ihren nackten Körper.

"Ich glaube, der Ärger von dem ich gesprochen habe, hat schon begonnen!", kommentierte Clay Braden die neue Lage.

10

Augenblicke später stand Clay Braden mit einer Winchester in der Hand an der Tür des großen Ranchhauses, das das Zentrum der Sundance Ranch bildete.

In Windeseile waren auch alle anderen Bewohner der Sundance Ranch alarmiert worden. Cornelius O'Mahoney  hatte alle mit Winchester-Gewehren versorgt.

Claire-Jo, Kendra, Erica und er selbst gingen an den verschiedenen Fenstern im Erdgeschoss in Stellung.

Denn das, was sich da draußen zusammenbraute sah nach einer echten Konfrontation aus.

Dorothy Willard konnte sich plötzlich ganz schnell für ein Kleid entscheiden. Es war das Blaue. Sie erschien - ebenfalls mit einer Winchester ausgerüstet - bei Clay Braden an der Tür.

Joe Grayson und die Horde Cowboys, die mit ihm ritt, näherten sich langsam.

"Was will Grayson hier - mit einer ganzen Mannschaft?", fragte Dorothy.

"Keine Ahnung. Er ist wohl noch ziemlich sauer darüber, dass Cornelius ihn hinausexpediert hat!", antwortete Clay Braden.

Einige der Kerle hatten die Winchester-Gewehre aus ihren Scubbards herausgezogen. Hier und da hörte man, wie die Waffen durchgeladen wurden.

Ein eindeutiges Zeichen für den bevorstehenden Sturm.

"Ich werde mal rausgehen und mit den Kerlen zu reden versuchen!"

"Versuch das lieber nicht, Clay!"

"Aber wenn es hier hart auf hart kommt, dann stehen unsere Chancen nicht gut..."

"Unterschätz uns nicht! Erica kann schießen wie ein Mann und dass ich das kann, weißt du ja wohl! Schließlich habe ich ein paar Jahre als Cowgirl herumgebracht, wie du wohl weißt..."

Aber Clay war anderer Ansicht. "Warte hier und gib mir Feuerschutz, falls einer der Kerle durchdrehen sollte!"

"Da wirst du bei Grayson nicht lange warten müssen..."

Sie wechselten einen kurzen Blick miteinander. Dann trat Clay Braden hinaus vor die Eingangstür des Ranchhauses.

"Was verschafft uns die Ehre eures Besuchs, Jungs?", fragte er, die Winchester in der Rechten. Den Kolben stützte er auf der Hüfte auf. Er war jederzeit bereit, die Waffe blitzschnell mit beide Händen zu packen und die zwölf Patronen des Magazins zu verschießen.

Eisiges Schweigen schlug Clay entgegen. Es war klar, dass diese Meute nicht hergekommen war, um sich zu amüsieren.

Joe Grayson blickte sich um, so als müsste er sich erst darüber vergewissern, dass seine Leute auch zu ihm hielten, wenn es hart auf hart ging.

Schließlich schob er sich den Stetson in den Nacken. Die Rechte blieb die ganze Zeit über in der Nähe des Revolvergriffs, bereit die Waffe im Bruchteil einer Sekunde hervorzureißen.

"Gib Dorothy frei!", rief er.

"Was?" Clay Braden glaubte schon, sich verhört zu haben.

"Lassen Sie sie gehen, Braden. Sie gehört zu mir!"

"Ich glaube, Sie sind da einem Irrtum erlegen, Grayson!"

"Keineswegs. Und wenn Sie nicht tun, was ich sage, machen wir hier alles kurz und klein!"

Zustimmendes Gemurmel war unter den anderen Cowboys zu hören.

"Ich würde vorschlagen, ihr reitet alle wieder friedlich nach Hause und wir vergessen den Vorfall!", meinte Clay.

Grayson lachte heiser auf. "Wenn Sie glauben, dass wir uns durch Ihren Marshal-Stern einschüchtern lassen, sind Sie schief gewickelt!"

"Wollen Sie Dorothy nicht selbst entscheiden lassen, ob sie mit Ihnen mitreiten will, Grayson?"

"Sie gehört zu mir. Wahrscheinlich haben Sie sie unter Druck gesetzt, so dass Sie hier alles mögliche sagen wird... Nur nicht die Wahrheit!"

Einer der anderen Männer meldete sich. "Bringen wir die Sache zu Ende, Joe!", meinte er an Grayson gewandt und senkte den Lauf seiner Winchester. "Das Gequatsche geht mir auf die Eier."

Auch die anderen blickten erwartungsvoll zu Grayson. Ein Signal ihres Vormanns und das Inferno würde losbrechen. Clay wusste, dass jetzt alles am seidenen Faden hing.

Jetzt meldete sich Dorothy zu Wort. Sie trat ebenfalls einen Schritt aus der Tür, die Winchester in den zarten Händen, die sich sonst mit ganz anderen, brandheißen Spielzeugen beschäftigten.

"Ich bin hier, Joe!", rief sie.

"Komm her, Baby!", rief Grayson.

"Nein, Joe! Ich gehöre hier her. Und wenn du glaubst, das mich irgendjemand unter Druck setzt, dann kennst du mich nicht richtig! Ich lasse mir nämlich keine Vorschriften machen! Außerdem siehst du ja wohl, dass ich eine Winchester in den Händen halte... Wer sollte mich also zu irgendetwas zwingen?"

"Die Waffe ist wahrscheinlich ungeladen!"

"Solltest du Clay Braden ein Haar krümmen, wirst du schon sehen, dass das nicht der Fall ist!"

Grayson sah sie verständnislos an.

"Erinnerst du dich nicht an das, was du mir gesagt hast, als..."

"Joe! Zieh mit deinen Leuten ab! Ich brauche deine Hilfe nicht!"

Graysons Gesicht wurde grimmig.

"Es ist dieser Chuck Summers! Er hat dir den Kopf verdreht, was?"

"Ich bleibe jedenfalls hier!"

Einige Augenblicke geschah gar nichts. Keiner der Männer rührte sich. Ihre Blicke hingen erwartungsvoll an Grayson.

Von ihm hing ab, wie es jetzt weiterlief.

"Geh ins Haus, Dorothy!", verlangte Clay Braden. "Los!" Er wandte den Kopf, sah sie aus den Augenwinkeln heraus. "Ich brauche deinen Feuerschutz.."

Sie gehorchte schließlich, wich zurück zur Tür. Dort blieb sie aber in Position und hob den Lauf der Winchester.

Von der Stadt her waren jetzt Geräusche zu hören.

Eine weitere Horde von wild dahergaloppierenden Reitern überquerte die Rio Bonito-Brücke. Die Gruppe war zahlenmäßig etwa genauso stark wie Joe Graysons Mannschaft.

Eine Staubwolke umgab sie, nachdem sie die Brücke hinter sich gelassen hatten.

Sie hielten direkt auf die Sundance Ranch zu und Clay Braden war klar, dass das nur neuen Ärger bedeuten konnte.

An der Spitze der Ankömmlinge ritt niemand anderes als Chuck Summers.

Grayson und seine Männer wichen ein Stück zur Seite und wandten sich halb herum, um Chucks Männer zu erwarten.

In wildem Galopp näherten diese sich und zügelten ihre Pferde. Chuck Summers's Züge waren eine verzerrte Maske.

Sein finsterer Blick fixierte Joe Grayson.

"Hätte ich mir ja denken können!", knurrte er.

"Summers!", fauchte Grayson.

"Jetzt wird abgerechnet, Grayson!"

"Wird Zeit, dass dir mal einer das Maul stopft, Summers!"

Einer von Chucks Leuten verlor die Nerven, zog die Waffe heraus. Er war Linkshänder. Bevor er seinen 45er Colt abfeuern konnte, peitschte ein anderer Schuss.

Clay Braden hatte die Winchester blitzschnell angelegt und gefeuert.

Der Linkshänder schrie auf, als die Kugel seine Hand traf.

Die Waffe entfiel ihm. Sein Pferd stellte sich auf die Hinterhand. Er fluchte.

"Keine Bewegung!", rief Clay Braden. "Der erste, der sich regt, bekommt eine Kugel zwischen die Augen!"

Einen Augenblick lang herrschte Schweigen.

Die Entschlossenheit, mit der der Town-Marshal vorging, hatte die wildgewordene Meute offenbar beeindruckt.

"Mischen Sie sich da nicht ein, Marshal!", sagte Chuck Summers.

"Den Teufel werd ich! Ihr werdet schön langsam einer nach dem anderen von euren Gäulen steigen und die Waffen ablegen!"

Clay deutete auf eine Tränke, die sich mitten auf dem Vorplatz der Ranch befand. "Tut sie dort rein. Colts, Winchester, alles, was ihr bei euch habt!"

Keiner der Männer sagte einen Ton.

Grayson machte die Augen schmal.

"Wir könnten Sie mit Leichtigkeit über den Haufen schießen, Marshal!", gab er zu bedenken.

Clay verzog spöttisch das Gesicht.

"Sicher. Aber vorher würde ich ein paar von euch in den Tod mitnehmen... Und das Risiko für Sie, Grayson, wäre besonders groß!"

Graysons Nasenflügel bebten.

Clay wandte leicht den Kopf und rief: "Erica? Hast du den Kopf dieses Gentlemen im Visier?"

"Habe ich!", rief Erica aus ihrer Deckung heraus.

Clay wandte sich zur anderen Seite. "Cornelius? Von der Bar aus müsste man einen hervorragenden Blick auf den Schädel von Mr. Summers haben!"

"Ihr Wunsch ist mir Befehl, Sir!", war die Stimme des Butlers zu vernehmen, der sich an einem anderen Fenster postiert hatte. Mehr als der Gewehrlauf war von ihm nicht zu sehen.

Clay deutete auf Chuck Summers. "Sie machen den Anfang, Chuck! Vom Pferd runter und die Waffen in den Bottich!"

Chuck Summers Gesicht wurde dunkelrot.

"Sie sind wahnsinnig, Braden!"

"Na, los, wird's bald!"

Seine Männer starrten ihn an, warteten ab, wie er sich verhielt.

Die Mündung von Clay Bradens Winchester zeigte in seine Richtung. Der Entschlossenheit des Marshals hatte er nichts entsprechendes entgegenzusetzen. Er schluckte als er einsah, dass ihm selbst einfach der selbstmörderische Mut fehlte, um zum Colt zu greifen und ein großes Feuerwerk anzufangen.

Also stieg er ab.

Die Fäuste waren geballt. Er zog die Winchester aus dem Scubbard heraus.

"Am Lauf anfassen!", wies Clay Braden ihn unmissverständlich an.

Chuck gehorcht.

Dann ging er zur Tränke, warf erst die Winchester hinein und ließ dann den Revolvergurt samt 45er Colt folgen.

"Und jetzt der Nächste!", befahl Clay. Er deutete auf Grayson.

Widerwillig stieg dieser ebenfalls ab und ließ seine Waffen in die mit Wasser gefüllte Tränke plumpsen.

Einen nach dem anderen ließ Clay Braden dasselbe tun. Immer abwechselnd einen Mann aus Graysons und einen aus Chuck Summers' Cowboy-Meute.

Schließlich standen sie alle waffenlos da.

"Dafür werden Sie noch bezahlen!", grollte Grayson und schwang die Faust.

Aber Clay beeindruckte das wenig.

"Das städtische Jail reicht leider nicht aus, um euch alle dort eine Nacht lang abkühlen zu lassen", meinte er. "Also steigt jetzt auf eure Gäule und reitet zurück zu euren Ranches..."

"Könnte dir so passen!", zischte Chuck leise vor sich, bückte sich und hob einen Stein auf. Aus dem Handgelenk schleuderte er ihn auf Grayson.

Das war der Funke, der das Pulverfass zur Explosion brachte.

Clay feuerte über die Köpfe der Männer hinweg, aber es war zu spät.

Die Angehörigen der beiden Ranch-Mannschaften stürzten sich mit bloßen Fäusten aufeinander. Die Pferde wieherten, liefen zwischen den Kämpfenden her.

Die ersten Schreie gellten, vermischt mit Wutgeheul.

Innerhalb von Augenblicken war unter den Männer eine Art Flächenbrand entstanden. Ein grimmiger Kampf mit bloßen Fäusten.

Clay gab noch einmal zwei Warnschüsse ab.

Aber das beeindruckte jetzt niemanden mehr.

Überall hagelten die Fäuste gegeneinander. Eine wilde Keilerei wogte hin und her. Es herrschte ein einziges Chaos.

Pferde stiegen wiehernd auf die Hinterhand.

Chuck schlug einem der Big B-Männer die Faust mitten ins Gesicht. Der Cowboy taumelte zurück. Sein Mund war eine blutige Höhle. Wie ein ungestümer Stier ging Chuck vorwärts.

Er schwang sich auf einem der völlig orientierungslos umherirrenden Pferde, riss es herum und preschte auf Grayson zu, der gerade einen Cowboy der LD-Ranch mit einem gemeinen Tritt in den Unterleib zu Boden gehen ließ.

Doch dann hatte Chuck seinen Gegner erreicht.

Er sprang aus dem Sattel, stürzte sich auf Grayson und riss ihn durch sein Gewicht zu Boden. Die beiden rollten übereinander, verkrallten sich. Chuck fühlte plötzlich einen Würgegriff um seinen Hals. Er ächzte, befreite sich dann mit zwei Faustschlägen, die Grayson benommen aufstöhnen ließen.

Beide Kontrahenten rappelten sich auf. Dann umkreisten sie sich mit ausgebreiteten Armen. Grayson hatte ein geschwollenes Auge und außerdem blutete seine Nase. Aber darauf konnte er nicht achten. Er wischte sich das Blut mit dem Ärmel ab. Dann versuchte er eine Finte, schnellte nach vorn und holte zu einem furchtbaren Schlag aus, der seinen Gegner normalerweise ins Reich der Träume geschickt hätte.

Aber Chuck Summers wich aus. Der Schlag ging ins Leere.

Chucks Bewegungen glichen denen einer Raubkatze. Grayson wirkte wesentlich plumper und ungestümer.

"Komm schon, du Bastard!", knurrte Chuck. "Na los, greif mich an!"

Grayson grunzte  etwas Unverständliches vor sich hin.

Er versuchte einen erneuten Angriff zu starten, schnellte vor, aber Chuck wich geschickt aus. Dann ließ Chuck die Stiefelspitze vorschnellen. Der Tritt traf Grayson in die Magengrube.

Grayson taumelte zurück. Aber er hielt sich noch auf den Beinen.

Chuck stürzte sich auf ihn, um im den Rest zu geben.

Er hatte nicht damit gerechnet, dass sein Gegner überhaupt noch zu einer Reaktion fähig war, so schwer, wie er ihn erwischt hatte. Aber der Schwinger, mit dem Grayson seinen Gegner empfing war mörderisch. Der Schlag ließ Chuck benommen innehalten. Gegen den anschließenden Haken konnte er sich kaum noch schützen.

Chuck brach zusammen und blieb reglos liegen.

Grayson machte einen Schritt auf ihn zu, spuckte verächtlich aus.

"Für ein Revolverduell hattest du nicht den Mut, du Hund!", knurrte er heiser. Seine aufgeschlagenen Lippen zeigten ein wölfisches Grinsen. "Aber du hast auch so dein Fett weg gekriegt, Summers!"

Inzwischen waren um ihn herum überall die Kämpfe abgeebbt.

Einige der Cowboys hatte es böse erwischt. Sie lagen ächzend am Boden.

"Verschwindet jetzt", sagte Clay Braden. "Sofern ihr noch könnt... Und in nächster Zeit will ich keinen von euch in der Stadt sehen!"

Niemand widersprach.

11

"Das war verdammt knapp!", meinte Erica. Nachdem die Cowboys der beiden Ranch-Mannschaften abgezogen waren und ihre Verletzten mitgenommen hatten, war das junge Girl ins Freie getreten. Ebenso wie Butler Cornelius O'Mahoney .

Clay Braden blickte den Davoneilenden nach. Nach der Rio-Bonito-Brücke endete ihr gemeinsamer Weg. Danach zogen sie in unterschiedlichen Richtungen davon.

Dorothy legte den Arm um Clays Taille.

"Du bist ein ziemlich großes Risiko eingegangen", meinte sie und deutete dann mit dem Lauf ihrer Winchester auf die Tränke, in der sich das Waffenarsenal der Cowboys befand.

Clay nickte. "Allerdings hätte sich das alles vermeiden lassen", meinte er.

Dorothy seufzte. "Ja, ja, ich weiß schon, worauf du hinaus willst!"

"Das hoffe ich sehr!"

"Clay..."

"Was glaubst du, wie sich das, was hier geschehen ist, herumsprechen wird! Der ganze Lincoln County wird sich darüber das Maul zerreißen! Da kannst du sicher sein!"

Details

Seiten
800
Jahr
2017
ISBN (ePUB)
9783738910582
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2020 (Januar)
Schlagworte
sieben ladykiller western blei

Autoren

Zurück

Titel: Sieben Ladykiller Western - Sieben mal heißes Blei