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Der Höllendämon - Totentanz in Venedig: Vincent Drago 3

2017 120 Seiten

Leseprobe

VINCENT DRAGO – Der Höllendämon

Band 3

Totentanz in Venedig

von

Bernd Teuber




IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de


Klappentext:

In den Schlupfwinkeln der alten Lagunenstadt Venedig lauert der Tod.

Unbemerkt von den zahllosen Touristen, spielt sich während des Karnevals ein gnadenloser Kampf ab. Salvatore Mannozzi gehört zu den reichsten Männern Italiens. Der Medienmogul ist bekannt für seine ausschweifenden Partys, zu denen er nur seine engsten Geschäftsfreunde einlädt. Niemand ahnt, dass er seinen Reichtum einem Pakt mit der Hölle verdankt.

Der Preis!

Seine Seele!

Und genau die will Vincent Drago sich holen.

Aber auch der geheimnisvolle Graf Umberto hat es auf den Medienmogul abgesehen. Er bittet Mannozzi und seine Freunde, als Ehreng äste an einem Kost ümball teilzunehmen. Doch diese Einladung wird zu einem Totentanz ...




Roman:

Gebannt starrte Vincent Drago nach vorn. Nirgendwo stieg mehr Staub empor. Nur daran erkannte er, dass er sich in Gefahr befand. Die Verfolger waren ihm dicht auf den Fersen. Er hatte sich flach auf den sandigen Boden gelegt. Rechts von ihm erhoben sich einzelne Felsen. Dazwischen tauchten plötzlich die drei dunklen Gestalten auf, die ihm gefolgt waren. Geduckt traten sie hintereinander aus den schwarzen Schlagschatten der Felsblöcke.

Drago stutzte. Ein unförmiger Schatten zeichnete sich am grauen Himmel ab. Unscharf, verschwommen erschien ein Körper – der Schatten eines Körpers – dessen Arme in Schwingen übergingen. Nein, jetzt wurde das Bild deutlicher. Unterhalb der Flügel entwuchsen dem Leib normale Arme. Doch die Hände mit den dürren klauenartigen Fingern glichen scharfen Waffen. Der riesige Schatten bewegte sich flatternd, aber völlig lautlos über ihm. Und er wirkte ungemein bedrohlich.

Ein Höllendrache, schoss es dem Dämon durch den Kopf. Sie gehörten zu den dümmsten Kreaturen der Hölle und wurden meistens für niedere Arbeiten eingesetzt. Aber leider waren sie auch sehr stark. Drago zog den Kopf ein. Der Schatten stürzte nach unten, um ihn anzugreifen.

Drago geriet ins Stolpern und prallte hart auf den Boden. Er bekam einen schmerzhaften Schlag genau auf die Nase. Der Dämon spürte das Blut hervorschießen. Bevor er wieder klar sehen konnte, traf ihn ein weiterer Schlag an der Schläfe. Er sah bunte Lichter, drohte das Bewusstsein zu verlieren. Er schrie.

Seine Finger klammerten sich um den Hals der Kreatur. Mit aller Kraft drückte er zu. Nichts sollte ihn mehr losreißen können. Entweder dieser Höllendrache oder er – einer würde auf der Strecke bleiben. Zuerst erwies sich seine Methode als sehr wirkungsvoll. Der Körper krümmte sich. Doch dann fuhr er mit seinen Krallen über Dragos Gesicht. Mit einem wütenden Laut schloss der Dämon seine Finger noch fester. Aber sein Gegner besaß unheimliche Kräfte. Er stand auf. Drago musste mit, ob er wollte oder nicht.

Gleichzeitig mobilisierte er seine Kraftreserven. Mit einem Tritt beförderte er seinen Gegner zur Seite. Drago wälzte sich nach rechts und sprang auf. Der Höllendrache kam nicht so schnell wieder auf die Füße. Diesen Vorteil nutzte Drago. Bevor sein Gegner sich erheben konnte, trat er zu. Doch es kam zu keinem Treffer, denn die Kreatur fing den Fuß ab und stieß ihn zurück. Drago verlor das Gleichgewicht und kippte nach hinten. Hart prallte er auf den Boden. Bevor er wieder auf die Füße kommen konnte, war der Höllendrache schon über ihm und schlug mit seiner Rechten zu.

Der Hieb traf Drago mit voller Wucht. Er krümmte sich. Ein höllischer Schmerz raste durch seinen Körper. Das gab dem Drachen mächtigen Auftrieb. Er deckte seinen Gegner mit brutalen Schlägen ein. Jeder einzelne war qualvoll. Dragos Körper verwandelte sich in einen Herd des Schmerzes. Er biss die Zähne zusammen, wich den Krallen aus, die nach seinem Kopf griffen, und kämpfte sich wieder hoch. Gleichzeitig begann er, einige Formeln aufzusagen, uralte Überlieferungen, Worte, hinter denen die ganze Kraft des Bösen stand.

Langsam flüsterte er die Worte, die er einst von seiner Mutter gelernt hatte. Wort für Wort kam klar und deutlich über seine Lippen – und Wort für Wort schien die Gestalt wie ein Keulenschlag zu treffen. Drago holte tief Atem. Seine Stimme hob sich und wurde immer lauter. Dann drückte er die Kreatur von sich. Der Höllendrache stieß einen lauten Schrei aus.

Dann wurde er von den Flammen gefressen und vernichtet. Für Sekunden bewegten sich noch die Wolken von tanzenden Funken in der Luft, lösten sich auf zu einem blassen Lichtschein – und dann verschwanden sie vollständig, als habe es sie nie gegeben.

Drago ging sofort wieder in Deckung, kniff die Augen zusammen und ließ seinen Blick umherschweifen. Kein Laut war zu hören. Kein Staub wirbelte auf. Seine Verfolger hatten sich zwischen den Sanddünen versteckt. Vermutlich wollten sie erst abwarten, wie der Kampf endete. Aber es war nicht so gelaufen, wie sie es sich vorgestellt hatten. Nun mussten sie selber tätig werden.

Sie bewegten sich flink und geschickt. Der erste tauchte zwischen den Sanddünen auf. Er sah Drago, feuerte einen roten Energieblitz ab und wollte schreien, um die anderen zu warnen. Doch der Dämon kam ihm zuvor. Mit beiden Händen bildete er eine Faust. Milchiger Schimmer sickerte durch seine Finger. Ein rotglühender Lichtstachel entstand vor seinen Händen. Und den feuerte er ab.

Das donnernde Geräusch zerriss die Stille und hallte von den Hügeln wider. Ein Schrei ertönte. Die Gestalt wurde zu Boden geworfen. Dann war es wieder ruhig. Drago ließ seinen Blick umherwandern. Schon tauchte der nächste Gegner auf. Der Tod seines Gefährten hatte ihn vorsichtig werden lassen. Flach auf dem Bauch liegend robbte er vorwärts. Und er nahm Drago sofort unter Beschuss. Vier Energieblitze feuerte er ab. Das Geräusch hing noch in der Luft, als er von Drago getroffen wurde. Auf dem Rücken liegend blieb der Angreifer neben seinem Gefährten liegen.

Drago wechselte seine Position und wartete. Der dritte Gegner schätzte das Risiko einer Flucht zu hoch ein.

„Ich gebe auf!“ rief er aus sicherer Deckung.

Drago grinste. Er hatte eigentlich vorgehabt, ihm den Weg abzuschneiden.

„Zeig dich!“

Das grünhäutige Gesicht kam zum Vorschein. Rote Augen leuchteten in dunklen Höhlen. Darunter befanden sich eine breite Nase und ein Mund mit spitzen Zähnen. Drago blieb hinter dem Felsen und bereitete sich drauf vor, eine weitere Energieladung abzufeuern.

„Was wollt ihr von mir? Wer seit ihr?“

Langsam kam die Gestalt zum Vorschein. Schultern und Brust tauchten auf. Gleichzeitig streckte er die Hand nach vorn und jagte Drago einen feuerroten Blitz entgegen. Der Dämon feuerte ebenfalls. Seine Energieladung traf den Gegner und warf ihn zurück. Sofort ging Drago wieder in Deckung. Er wartete. Noch war er nicht sicher, ob er den Anderen tödlich getroffen hatte. Bevor er weiter darüber nachdenken konnte, ertönte ein Geräusch. Dann tauchte der Gegner in einiger Entfernung auf. Drago feuerte. Doch er traf nicht. Seine Energieblitze waren zu ungenau.

Fluchend verließ er seine Deckung, stellte sich breitbeinig hin und streckte die Arme aus. Abermals schossen Energieblitze aus seinen Fingerspitzen. Diesmal hatte er besser gezielt. Sein Gegner überschlug sich, schrie laut auf und landete im Sand. Drago wartete noch einen Moment. Als sich nichts rührte, setzte er sich langsam in Bewegung, um nachzusehen, wen er da eigentlich getötet hatte.

Es waren zweifellos Dämonen, doch er kannte sie nicht. In den Taschen ihrer zerlumpten Kleidung war nichts Wesentliches zu finden, nichts, was Aufschluss über ihre Identität gab oder warum sie ihn verfolgt hatten. Als Höllendämon dritter Ordnung und Seelenfänger war er ständig irgendwelchen Angriffen ausgesetzt. Sowohl von seinen potenziellen Opfern als auch von Dämonen, die ihn um seinen Erfolg beneideten.

Drago wandte sich ab und setzte seinen Weg fort. Er hatte eine wichtige Verabredung in der Menschenwelt, die er auf keinen Fall verpassen wollte. In der Ferne konnte er bereits das Höllentor entdecken, das ihm den Zugang ermöglichte. Es war so hoch wie drei Dämonen. In seiner Mitte drehte sich ein roter Nebel um eine unsichtbare Achse. Drago näherte sich dem Tor und ging langsam hindurch.




Nacht lag über der Lagunenstadt Venedig.

Aber es war keine von jenen Nächten mit weichen Schatten, funkelnden Sternen und sanftem Meeresrauschen, sondern sie war zerrissen vom Knallen der Feuerwerke und lautem Gelächter – von Menschen, die in bunten Kostümen durch die Straßen zogen. In Venedig feierte man den Carnivale di Venezia, eine ausgelassene Zeit, zu der viele Touristen in der Stadt waren und zahlreiche Bekanntschaften geschlossen wurden.

In ihren bunten Kostümen flanierten sie über den Markusplatz, vorbei an den vielen imposanten Palazzi, die trotz ihrer bröckelnden Fassaden nichts von ihrer Pracht eingebüßt hatten. Hier und da zweigten Kanäle ab, die von Brücken überspannt wurden. Überall sah man Menschen in barocken Gewändern. Der Carnivale zeigte sich in vorbeifahrenden Booten und schwarzen Gondeln.

Richtig bunt wurde es auf der Insel Burano, die zirka sieben Kilometer von Venedig entfernt lag. Schon von Weitem konnte man den schiefen Turm der Kirche San Martino sehen. Auch die Häuser fielen sofort auf. Jedes von ihnen war in einer anderen, kräftigen Farbe gestrichen und spiegelte sich im Wasser der Kanäle. Die Farben sollten es den Fischern früher leichter machen, ihre Häuser im Nebel wiederzufinden.

In der Punta della Dogana lag eine weiße Yacht. Sie gehörte Salvatore Mannozzi, einem der größten Medienunternehmer Italiens. Sein Name stand für lüsterne Dekadenz der ausschweifenden Sorte. Er war berühmt für seine Partys, bei denen es alles gab, was man sich vorstellen konnte. Erlesene Speisen, teure Getränke und natürlich Sex.

Einige Meter entfernt lagen Motorboote und Kajütenkreuzer. Die schnittigen Wasserfahrzeuge waren an einem Anleger vertäut. Auf der Yacht hatte sich an diesem Abend ein bemerkenswertes Völkchen versammelt. Zu ihnen gehörten Wissenschaftler, Doktoren, Künstler, Anwälte, Industrielle, eine fröhliche Witwe mit einer Kaufhauskette, Juweliere und Bankdirektoren. Es handelte sich um einen Querschnitt durch die Berufsstände, vorausgesetzt natürlich, man betrachtete reich sein auch als Beruf. Und sie gehörten allesamt zu Mannozzis Geschäftspartnern.

Rings um die Yacht leuchteten bunte Lämpchen. Köche hatten ein Barbecue zubereitet. Der Duft von gegrilltem Rinderfilet und Gewürzen lag in der Luft. Kellner schlichen umher und servierten Getränke. Lucio Calamai, ein langjähriger Geschäftspartner von Mannozzi, stand an der Bar, schlürfte Bourbon und erzählte seinen Zuhörerinnen einen zotigen Witz nach dem anderen. In unregelmäßigen Abständen ließen die leicht bekleideten Frauen ein schrilles Kichern ertönen.

Calamai sah blendend aus – groß, blond, mit einer breiten Brust. Seine Züge waren markant, sein Kinn eckig und er wirkte ungemein männlich. Ein Typ, auf den die Frauen flogen. Eine verblichene weiße Baseballkappe bedeckte seinen Kopf. Er hatte ein weißes Hemd an, dass er über den blauen Bermudashorts trug, wahrscheinlich um einen Bauchansatz damit zu kaschieren.

„Kennt ihr den von der Nonne und dem Arzt?“ brüllte Calamai. Er schwenkte ein leeres Glas, ließ es nachfüllen und blickte in die Runde.

„Also, sagt der Arzt zur Nonne: „Glückwunsch, Sie sind schwanger.“ Daraufhin schüttelt die Nonne den Kopf und antwortet: „Was die Leute so alles an die Kerzen schmieren.“

Sofort stießen die Frauen wieder ihr schrilles Lachen aus, was Calamai dazu bewog, den nächsten Witz zu erzählen.

Salvatore Mannozzi hockte in einem Korbsessel. Seine ganze Aufmerksamkeit war auf die junge blonde Frau gerichtet, die sich wie eine Schlange hin und her wiegte. Sie tanzte so etwas wie den Tanz der sieben Schleier. Genau genommen war es nichts anderes als ein Striptease, den Mannozzi fast schon nicht mehr aushielt. Er hatte sie zu seiner Party eingeladen, weil er auf schönes, junges Fleisch stand. Sein diesbezüglicher Verbrauch war nicht zu unterschätzen.

Es gab etliche Menschen, die behaupteten, er wäre irgendwie besessen, und er stellte das nicht in Abrede. Er war verrückt nach schönen jungen Frauen. Gab es eine angenehmere Art, um das Leben zu genießen?

Die Frau, die dort vor ihm tanzte, hieß Cassie Williams. Sie war langbeinig, schwarzhaarig und ungeheuer sexy. Sie sah aus wie eine Schönheitskönigin und nicht wie das bestbezahlte Callgirl von ganz Italien. Zu ihren Kunden gehörten Geschäftsleute, hochgestellte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und natürlich auch Salvatore Mannozzi.

Cassie war kultiviert und gebildet. Sie gehörte nicht zu diesen drittklassigen Nutten, die von Bett zu Bett hüpften. Bei ihr hatte alles Niveau. Sie stilisierte ihre Besuche zu einem unvergesslichen Erlebnis hoch. Sie erwartete, dass man ihr Champagner zu trinken gab und dazu bevorzugte sie Austern und russischen Kaviar. Obwohl sie ein kleines Vermögen verlangte, war sie das Geld wert. Sie kannte Liebespraktiken, die einen Mann um den Verstand bringen konnten.

Cassie tanzte immer wilder. Mannozzi war schon ganz kribbelig. Schweißtropfen glänzten auf seiner Stirn. Sobald er sich auf ihren rotierenden Bauchnabel konzentrierte, wurde ihm schwindelig.

„Süße“, stöhnte er. „Komm her. Hör endlich auf, mich zu quälen.“

Doch die junge Frau dachte gar nicht daran. Sie schien ihren Tanz erst beenden zu wollen. Hülle um Hülle ließ sie fallen.

„Wie viele Schleier trägst du eigentlich?“ fragte Mannozzi.

Da sie ihm fernblieb, griff er wieder zum Champagnerglas. Er schwitzte und hatte großen Durst. Cassie heizte ihm tüchtig ein. Sie hatte eine schlanke Figur und ein hübsches, ebenmäßiges Gesicht. Aber mit ihrem Körper konnte es nicht mithalten. Wenn auf eine Frau der Begriff „Sexbombe“ passte, dann auf Cassie Williams. Mannozzi hatte gehört, dass sie in sexuellen Belangen so gut wie keine Tabus kannte.

Der Körper eines Mannes war für sie ein Instrument, auf dem sie virtuos zu spielen verstand. Höchste Lust und Befriedigung vermochte sie zu spenden, und wenn sie sich verabschiedete, tat es niemandem um das Geld leid, dass sie verlangte. Im Gegenteil. Jeder ihrer Kunden freute sich auf den nächsten Besuch. Gierig leckte Mannozzi sich über die Lippen.

„Schluss!“ rief er. „Es reicht!“

„Warte, das Beste kommt noch“, entgegnete Cassie und rotierte mit den Hüften wie eine Bauchtänzerin.

Mannozzi presste die Hand auf sein Herz.

„Hast du denn kein Mitleid? Ich vergehe vor Verlangen. Ich verbrenne.“

Sie trug nur noch ihren winzigen schwarzen Slip und einen hauchdünnen BH. Als sie nach hinten griff, um ihn aufzuhaken, sprang Mannozzi aus dem Sessel.

„Komm her, ich helfe dir.“

„Verdirb mir nicht die Show“, protestierte Cassie.

„Die muss auch mal zu Ende sein. Ich kann nicht mehr warten. Ich halte es einfach nicht mehr aus, Süße. Ich bin auf hundert. Was heißt auf hundert? Auf fünfhundert bin ich. Ich stehe kurz vor einer Explosion.“

Er schlang seine Arme um sie, hob sie hoch und ließ sich mit ihr in den Sessel fallen. Sie quiekte und protestierte, aber er achtete nicht darauf. Mit ein paar schnellen Bewegungen befreite er sie von dem BH, und dann zerriss er ihr in der Aufregung den Slip. Seine zitternden Hände streichelten ihren geschmeidigen Körper. Cassie fand Gefallen daran. Seine Beherrschung hatte er schon verloren. Als sie ihn küsste, verlor er auch den Verstand.

So weich und sanft wie ihre Lippen war sicher auch der Rest ihres Körpers. Allein schon der Gedanke, ihre Rundungen zu liebkosen, ließ das Feuer in seine Lenden schießen. Cassie spürte das genau, so dicht, wie sie sich an ihn drängte. Sie ließ ihre Hand nach unten wandern. Als sie die harte Beule befühlte, leckte sie sich genießerisch über die Lippen und lächelte Mannozzi an.

„Ist da wirklich so viel drin, wie es scheint?“

„Schau doch nach.“

Das ließ sich Cassie nicht zweimal sagen. Sie öffnete seine Hose und ließ die Hand in den Schlitz gleiten. Zufrieden registrierte sie, dass die Spannung hinter dem Stoff nicht zu viel versprochen hatte. Einen Moment lang massierte sie den steifen Schwanz hingebungsvoll, dann entließ sie ihn ins Freie. Mannozzi beugte sich nach vorn und schob seine Zunge zwischen ihre Brüste. Stöhnend legte Cassie ihren Kopf in den Nacken. Er liebkoste ihre Rundungen, bis er schließlich an den Nippeln angekommen war, die nun zu voller Pracht erblühten. Seine Hände gingen weiter auf Wanderschaft und stießen in tiefere Regionen vor. Die rasierte Stelle zwischen ihren Schenkeln war feucht und warm. Sie schien nur darauf zu warten, dass er es ihr besorgte.

Doch plötzlich wich sie einen Schritt zurück. Mannozzi schaute sie einen Moment verwirrt an. Dann sah er aber, das Cassie erst einmal etwas anderes ausprobieren wollte. Sie kniete vor ihm nieder, nahm seinen steifen Schwanz zwischen ihre Lippen und lutschte daran. Mannozzi stieß ein lustvolles Seufzen aus. Er hatte das Gefühl, sie würde all seine Kraft aus ihm heraussaugen. Wild ruckte ihr Kopf vor ihm hin und her. Natürlich dauerte es nicht lange, bis er kam. Cassie kostete diesen Augenblick in vollen Zügen aus. Erst als das Zucken seines Schwanzes nachließ und die Quelle versiegte, ließ sie von ihm ab und erhob sich.

„Na, war das gut?“, fragte sie mit einem schelmischen Grinsen.

„Einsame Spitze“, antwortete Mannozzi. „Aber jetzt bist du dran.“

Er griff nach einem ihrer Beine und schlang es sich um die Hüfte. Sofort drang er mit einem harten Ruck in sie ein. Cassie stöhnte. Er presste ihren Hintern fest an sich. Eine Weile verharrten sie in dieser Position. Aber das reichte Cassie natürlich nicht. Wenn sie seinen Schwanz schon in sich hatte, wollte sie auch, dass er sich bewegte, hart und kraftvoll, wie sie es liebte.

„Los, komm! Zeig‘s mir!“

Das ließ Mannozzi sich nicht zweimal sagen. Er stieß zu. Ihre Brüste hüpften wild auf und ab. Spitze Lustschreie ertönten in unregelmäßigen Abständen und wurde von den ersten Orgasmen heimgesucht. Wie unter einem Peitschenhieb zuckte sie zusammen und presste sich fest an ihn. Mannozzi wollte sich nun nicht länger zurückhalten. Heiß und heftig spritzte sein Sperma in sie. Als Cassie das wilde Zucken seines Schwanzes spürte, kam sie noch ein weiteres Mal.

Erschöpft lag sie in seinen Armen. Mannozzi nahm sie kurzerhand hoch und legte sie in den Sessel. Lächelnd spreizte sie ihre Beine. Doch anstatt gleich wieder in sie einzudringen, begann er erneut, ihre Brüste zu liebkosen – und dann glitt er an ihr hinab. Er küsste ihren flachen Bauch und erreichte schließlich ihre Vagina. Cassie stieß ein langgezogenes „Ooooh!“ aus und legte den Kopf genießerisch nach hinten, während sie ihre Finger in die Armlehnen krallte.

Mannozzi schob seine Zunge zwischen die feucht glänzenden Schamlippen und leckte. Wie eine Ertrinkende schlug Cassie um sich. Endlich löste sich ihre Anspannung in einem lauten Aufschrei. Ein wildes Zucken durchlief ihren Körper, doch Mannozzi wich nicht zurück.

Cassie war völlig außer sich und warf den Kopf hin und her. Erst nach einigen Minuten beruhigte sie sich wieder. Ihr Körper entspannte sich und ein glückliches Lächeln trat auf ihre Lippen.

Keiner der anderen Gäste achtete darauf. Einige waren ebenfalls in heiße Liebesspiele verwickelt, andere betranken sich oder plünderten das reichhaltige Büfett. Nach einiger Zeit verebbten die Gespräche und es wurde still. Zwei Männer betraten den Raum und stellten einen niedrigen Teakholztisch in der Mitte auf.

Saubere Kissen wurden ringsherum platziert. Auf der Platte harrten Pfeifen aus Bambus und Kirschholz ihrer Bestimmung. Sie waren etwa einen halben Meter lang und kunstreich verziert. Eine Asiatin in einem knappen Bikini setzte die Pfeifen mit gewandten Fingern zusammen. Prüfend sog sie an jeder einzelnen. Dann ließ sie sich vor dem Tisch auf die Knie nieder und entzündete eine kleine Öllampe. Als sie ihrer Meinung nach warm genug war, hielt sie eine Opiumschüssel darüber.

Dann begann die Asiatin, sich im Kreis zu drehen. Jedem der umstehenden Gäste hielt sie die Opiumschüssel unter die Nase, damit sie sich am Duft berauschten. Mannozzi beugte sich vor und kratzte mit seinem langen Fingernagel ein paar Krümel Opium heraus, klebte sie an die Zungenspitze und neigte befriedigt den Kopf.

Nach dieser allerhöchsten Zustimmung breitete die Asiatin die Arme aus. Das bedeutete, dass die Gäste sich auf die Kissen setzen sollten. Mannozzi achtete darauf, dass alles reibungslos ablief. Während sich die Männer und Frauen im Kreis um den Teakholztisch kauerten, warf die Öllampe tanzende Schatten auf die erwartungsvollen Gesichter. Gewandt füllte die Asiatin Pfeifen und reichte sie graziös herum. Mannozzi wurde als letzter bedient.

Ein älterer, grauhaariger Mann paffte in kurzen Zügen an seiner Pfeife, wodurch er zu viel Luft ins Opium mengte. Er hätte das Zeug in langen Zügen inhalieren müssen, um auch wirklich was davon zu haben. Die Frau zu seiner rechten konnte es etwas besser, und Mannozzi sah man an, dass er ein Profi war. Mit einem langen Zischen sog er an seiner Pfeife, und als er sie absetzte, schienen seine Augen unnatürlich groß.

Er kam sich vor wie im Paradies, wo Vögel trällerten, Bächlein sprudelten, reife Früchte golden von Bäumen hingen – wo ein Mann nur mit dem kleinen Finger zu schnippen brauchte und fünf willige Frauen erfüllen ihm jeden Wunsch. Mannozzi ließ sich treiben und war fest davon überzeugt, es gäbe kein größeres Glück. Frieden überflutete ihn, Duftwolken erfüllten die Luft. Zwei Stunden lang dauerte der Ritus an, und die Gäste wurden immer stiller.



Im spärlichen Licht einer alten Eisenlaterne stand eine seltsame Gestalt. Der Kopf war mit einem Filzhut bedeckt. Das bunt gescheckte Flickenkostüm wirkte lustig. Doch dieser Eindruck täuschte. Der Träger dieses Kostüms war kein Clown, sondern ein Wesen aus der Hölle.

Vincent Drago, Dämon dritter Ordnung, grinste. Er befand sich ganz in der Nähe seines Ziels. Lange hatte er auf diesen Moment gewartet. Ganz deutlich konnte er die weiße Yacht sehen. Sie lag nur einen Steinwurf entfernt. Auf ihren Besitzer hatte er es abgesehen, genauer gesagt, auf die Seele von Salvatore Mannozzi. So hatten sie es vor über vierzig Jahren vereinbart.

Drago erinnerte sich noch sehr genau an den Tag, als er diesen Mann zum ersten Mal traf. Mannozzi war damals noch kein mächtiger Medienmogul, sondern ein armer Kerl, der sich mit schlecht bezahlten Gelegenheitsjobs notdürftig über Wasser hielt. Doch dann machte Drago ihm ein Angebot, das er unmöglich ablehnen konnte.

Wie selbstverständlich materialisierte der Dämon damals in Mannozzis spärlich eingerichteter Wohnung. Er nahm auf dem zerschlissenen Sofa Platz, schlug die Beine übereinander und gähnte gelangweilt.

„Was zum …?“ stammelte Mannozzi ungläubig.

„Keine Panik“, beruhigte ihn Drago. „Sie brauchen nicht gleich anfangen zu schreien.“

„Das hatte ich auch nicht vor.“

„Ich weiß“, entgegnete der Dämon lächelnd. „Ich habe Sie in den letzten Wochen sehr genau beobachtet.“

„Sind Sie gerade wirklich aus dem Nichts hier aufgetaucht?“

Mannozzi zwang sich zur Ruhe. Er hatte das Unglaubliche gesehen und wunderte sich, dass er nicht in Panik geriet.

„Natürlich“, antwortete Drago. „Doch halten wir uns nicht mit solchen Nebensächlichkeiten auf.“

„O, Scheiße.“ Mannozzi holte tief Luft. „Haben Sie was dagegen, wenn ich Sie anfasse?“

„Nicht im geringsten. An Ihrer Stelle würde ich auch ganz sicher gehen.“

Mannozzi schüttelte den Kopf. Zu absurd war das, was er gerade mit eigenen Augen gesehen hatte. Es konnte sich nur um eine Sinnestäuschung handeln. Er versuchte, sich das einzureden, obwohl die Tatsachen dagegen sprachen. Dieser seltsame Kerl war aus dem Nichts aufgetaucht. Und er hatte keine Ähnlichkeit mit einem Menschen. Im Gegenteil. Er wirkte wie … wie … eine Kreatur aus einem Alptraum.

Das Geschöpf hatte einen völlig kahlen Kopf. In den schwarzen Augenhöhlen glühten rote Punkte. Die Haut hatte eine hellgrüne Farbe mit braunen Flecken. Die Finger waren lang und dünn, mit spitzen Nägeln. Der halb geöffnete Mund glich einer schwarzen Höhle mit spitzen Zähnen in Unter- und Oberkiefer. Er trug ein dunkles Hemd aus Leder und eine dazu passende Hose. Seine Füße steckten in braunen Stulpenstiefeln.

„O, Scheiße“, wiederholte Mannozzi noch einmal und griff nach seinen Zigaretten. „Wie haben Sie das gemacht? Wo ist der Trick?“

„Ich brauche keine Tricks“, entgegnete Drago lächelnd.

„Und wer sind Sie?“

Salvatore Mannozzi war auf der Straße groß geworden und hatte schon so einiges erlebt. Auch für dieses Phänomen musste es eine Erklärung geben.

„Bitte lachen Sie nicht“, sagte Drago. Für einen Augenblick wirkte er fast ein wenig verlegen. „Ich bin ein … Dämon.“

„Aha.“

Mannozzi grinste.

„Ich weiß, es klingt ein bisschen seltsam, aber ich bin wirklich einer.“

„Und Sie kommen wahrscheinlich direkt aus der Hölle, oder?“

Mannozzi war fest davon überzeugt, einen Spinner vor sich zu haben. Wenn nur nicht das plötzliche Auftauchen gewesen wäre. Und natürlich die Tatsache, dass dieser Kerl sehr seltsam aussah.

„Was stellen Sie sich unter der Hölle vor, Signor Mannozzi?“

„Naja, was man sich halt so vorstellt. Feuer, Hitze, Höllenqualen, ewige Verdammnis. Liege ich damit richtig?“

„Das ist ein Märchen für Kinder“, entgegnete Drago grinsend.

„Und was ist die Hölle wirklich?“

Mannozzi hatte die Zigarette angezündet und betrachtete seine Hand. Sie war vollkommen ruhig. Er hatte sich wieder unter Kontrolle. So leicht ließ er sich nicht aus der Fassung bringen.

„Jeder Mensch erschafft sich seine eigene Hölle“, erklärte Drago. „Und wir passen auf, dass sie niemand verlässt.“

„Klingt nicht gerade nach Schwerstarbeit.“

„Ist es auch nicht“, gab der Dämon zu.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738910384
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (April)
Schlagworte
vincent drago höllendämon

Autor

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