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San Angelo Country #49: Sterben für 20.000 Dollar

2017 120 Seiten

Zusammenfassung

Zwei gewissenlose Halunken namens Waller und Parker überfallen die Bank in San Angelo und rauben 20.000 Dollar. Sie können entkommen, aber ein Aufgebot unter Führung von Marshal Tate Clayburn ist ihnen hart auf den Fersen. Ausgerechnet der Rancher Tom Calhoun und seine Cowboys, die gerade eine Herde nach Norden treiben, werden zum entscheidenden Zünglein an der Waage. Die Situation spitzt sich sogar noch zu, als Comanchenkrieger auftauchen, die auch noch mit Waller und Parker abrechnen wollen. Tom Calhoun muss eine folgenschwere Entscheidung treffen ...

Leseprobe

Sterben für 20.000 Dollar


Ein Western von Hans W. Wiena






IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach einem Motiv von W. Herbert Dunton, 2017

Früherer Originatitel: Eine Kugel für den Sheriff

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de


Klappentext:

Zwei gewissenlose Halunken namens Waller und Parker überfallen die Bank in San Angelo und rauben 20.000 Dollar. Sie können entkommen, aber ein Aufgebot unter Führung von Marshal Tate Clayburn ist ihnen hart auf den Fersen. Ausgerechnet der Rancher Tom Calhoun und seine Cowboys, die gerade eine Herde nach Norden treiben, werden zum entscheidenden Zünglein an der Waage. Die Situation spitzt sich sogar noch zu, als Comanchenkrieger auftauchen, die auch noch mit Waller und Parker abrechnen wollen. Tom Calhoun muss eine folgenschwere Entscheidung treffen ...




Roman:

Der erste Schuss fiel in San Angelo an diesem Tag bereits in den frühen Vormittagsstunden. Es war kurz nach zehn. Er erschreckte einige fette Truthähne in einem Drahtkäfig hinter dem Saloon und gab dem einzigen Bestattungsunternehmer der Stadt Anlass, noch einmal schmunzelnd nachzurechnen, wieviel Schießereien weiterhin stattfinden mussten, bis er ausreichend Geld für seinen großen Umzug nach Westen zusammenhatte.

Verletzt hatte die Kugel niemanden. Pitty Growan, der neunjährige Sohn des Drugstorebesitzers, hatte den Revolver seines Vaters in einem unbewachten Augenblick vom Nagel neben der Tür genommen und mit einem unsichtbaren Feind Marshal und Pferdedieb gespielt.

Pitty selbst war Marshal, die große, alte Standuhr im Wohnzimmer war der flüchtende Pferdedieb. Pitty Growan hatte den Banditen nach einem langen harten Ritt gestellt. Jetzt wollte er ihn dem Bezirksrichter vorführen, der ihn hängen sollte.

Der Pferdedieb glaubte, er hätte noch eine Chance. Er griff zu seinem Revolver, aber er war zu langsam. Pitty Growan hatte bereits gezogen und geschossen, bevor der Halunke auch nur den Kolben seiner Waffe berührt hatte.

So zersprang die große, gläserne Vordertür der Standuhr, und das Uhrwerk blieb mit einem letzten, gequälten Gongschlag für immer stehen. Der Schuss und die Scherben holten den neunjährigen Marshal Pitty Growan in die Wirklichkeit zurück. Er zog es vor, auf weitere Heldentaten vorerst zu verzichten und hängte den Revolver wieder neben die Tür. Dann schlüpfte er aus der Hintertür und suchte für die nächsten Stunden ein sicheres Versteck.

Er tat gut daran, zu verschwinden. Denn kaum eine Viertelstunde nach dem ersten Schuss brach in der Stadt die Hölle los. Die Luft wurde so bleihaltig, dass man kaum noch einen ruhigen Atemzug machen konnte. Und keiner dieser Schüsse galt einer alten Standuhr.

Der Mann, der hinter dem Fenster in der Bank stand, hatte den Schuss ebenfalls gehört. Erschreckt schob er den schweren Vorhang einen Spalt weit auf und spähte auf die nur mäßig belebte Mainstreet hinaus.

Seine schmalen, dunklen Augen wanderten unruhig hin und her. Nervös kratzte er sich mit der linken Hand an einem Ohr, während der Daumen der Rechten mit dem gespannten Hahn seines gezogenen Revolvers spielte.

Auf der Mainstreet war der Schuss kaum aufgefallen. Ein alter, bärtiger Mann, der in einem aus Rohr geflochtenen Schaukelstuhl schlief, schreckte kurz auf, öffnete mühsam ein Auge und schnarchte dann seelenruhig weiter. Die übrigen Passanten blieben einen Augenblick stehen, drehten sich vielleicht auch um, gingen dann aber weiter, als ob nichts geschehen wäre.

Ein einzelner Schuss war nichts Besonderes. Das war noch keine Schießerei, die eventuell hätte interessant werden können. Auch Marshal Tate Clayburn, der gerade aus seinem Office getreten war und nun gelangweilt über dem Haltebalken lehnte, achtete nicht weiter darauf.

Beruhigt ließ der Mann in der Bank den Vorhang wieder zufallen. Er wandte sich einem Mann zu, der hinter dem Zahltisch in der Kasse stand.

Okay, Waller, du kannst weitermachen. Das galt nicht uns. Hat wahrscheinlich nur jemand seinen räudigen Köter erschossen.“

Die Stimme des Mannes klang sehr heiser. Aber sie wurde durch das schwarze Halstuch gedämpft, das er sich vor die untere Gesichtshälfte gebunden hatte. Nur seine Augen waren zu erkennen. Sie blickten scharf und funkelten gefährlich.

Der Mann, der Waller genannt wurde, nickte. Dann stieß er den Lauf seines Revolvers in den faltigen Nacken des hageren Kassierers.

Du hast gehört, was mein Freund gesagt hat“, zischte er. „Du kannst weitermachen!“

Mit der freien Hand hielt er dem Bankangestellten seine Satteltaschen hin und zwang ihn, die Scheine aus der Kasse einzupacken.

Dem Kassierer stand kalter Angstschweiß auf der Stirn. Er fühlte den Stahl des Revolvers an seinem Hals. Es schien ihm so, als ob sich die Mündung in sein Fleisch brennen wollte. Er hatte seine Hände kaum noch unter Kontrolle. Mit zitternden Fingern nahm er die zerknitterten Dollarscheine aus der Lade und schob sie in die aufgehaltenen Taschen.

Die beiden Männer hatten den Tag gut gewählt. Er war heute morgen der einzige Angestellte in der Bank. Erst gegen Mittag würde der Direktor der Bank, David Douglas, zurück sein. Außerdem kamen um diese Zeit nur selten Kunden. So wenig er sich sonst auch Kundschaft wünschte, weil sie ihm immer neue Arbeit brachte, so sehr flehte er sie jetzt herbei.

Aber sein Flehen schien umsonst. Bis auf den letzten Schein musste er mit dem Geld herausrücken. Dann nahm er sich das Hartgeld vor.

Die Dinger kannst du liegen lassen“, befahl der Mann, der ihm den Revolver in den Nacken presste. „Das bringt nur Ballast und hat keinen Wert. Wenn wir weg sind, kannst du dich selbst bedienen.“ Unterdrücktes Lachen begleitete seine Worte.

Mach jetzt den Tresor auf“, kommandierte Waller.

Der Tresor stand in der hintersten Ecke des Bankraumes. Er war mit kostbarem Holz verkleidet und sah eher wie ein Schrank aus. Es gab nur drei Menschen, die die Kombination kannten. Der Direktor der Bank, er, der Kassierer, und ein Schlosser aus New Orleans, der das Schloss konstruiert hatte.

Im Tresor lagen fast 20.000 Dollar. Das gesamte Geld der Rancher, die in den letzten Wochen Geld für die Löhne ihrer Crews dort deponiert hatten. Außerdem lag ein geladener Colt im untersten Fach. An ihn dachte der Kassierer zuerst. Gleichzeitig kam ihm der Gedanke, das Geld der Bank zu retten.

Zitternd erhob sich der Kassierer und ging torkelnd zum Stahlschrank. Er wusste, dass er weder ein Held noch ein guter Schütze war. Aber er arbeitete jetzt fast zehn Jahre in dieser Bank und fühlte sich für das Geld mit verantwortlich. Außerdem hatte er eine geringe Chance. Die Überraschung war auf seiner Seite.

Während sich der Kassierer am Tresor zu schaffen machte und die erste Zahl der vierstelligen Kombination einstellte, beobachtete einer der beiden Banditen weiter die Straße. Der andere stand nur drei Schritte von dem Bankangestellten entfernt und hielt ihn mit seiner Waffe in Schach.

Als die schwere Stahltür aufging, stieß Waller einen leisen Pfiff aus. Die beiden obersten Fächer im Tresor waren prall mit Geldscheinbündeln gefüllt. Es war ein angenehmer Anblick.

Sieh dir das an, Parker“, forderte Waller seinen Begleiter auf. „Mir scheint, wir haben heute unseren Glückstag.“

Parker ließ das Fenster einen Augenblick aus den Augen und sah sich genüsslich den Inhalt des Schrankes an.

Das ist genug, um ein sorgenfreies Leben zu haben!“, schätzte er.

Waller stieß dem Kassierer den Revolver in die Seite.

Wieviel ist da drin?“, fragte er. „Du weißt doch sicher, was ihr hier gehortet habt!“

20.000!“, antwortete der Kassierer tonlos. In seinem Kopf arbeitete es fieberhaft. Er überlegte, wie er am sichersten und schnellsten den schweren Revolver fassen sollte, der auf dem untersten Regal, versteckt von drei Säcken Hartgeld, lag.

Hast du das gehört, Parker?“, rief Waller und lachte wild. Er begann vor Aufregung zu schwitzen und wischte sich mit seinem Halstuch über die Stirn. Dabei entblößte er sein Gesicht. Der Kassierer sah den Banditen an.

Wallers Lachen gefror zu einer bösen Maske. Sein unrasiertes, von einer Messernarbe entstelltes Gesicht bekam einen brutalen, grausamen Zug. Der Kassierer wusste, dass das sein Todesurteil war. Der Bandit würde keinen Mann lebend zurücklassen, der ihn wiedererkennen könnte.

Der Bankangestellte hatte jetzt keine andere Wahl mehr. Er musste den versteckten Revolver nehmen und versuchen, die beiden Männer zu töten. Er war dazu entschlossen. Er würde das Geld verteidigen und sein eigenes Leben.

Waller warf die Satteltaschen vor den Tresor. Mit dem Lauf seiner Waffe wies er den Kassierer an, das Geld einzupacken.

Beeil dich“, knurrte Waller. „Pack rein, was reingeht. Es ist schließlich dein Job, Geld auszuzahlen!“

Der Kassierer kniete sich vor den Geldschrank und begann die Bündel in die Satteltaschen zu schieben. Noch war der Moment des Handelns nicht gekommen. Er wartete noch auf den günstigsten Augenblick. Er hatte noch so viel Zeit, wie man benötigt, um 20.000 Dollar einzupacken.

Parker stand wieder am Fenster und beobachtete das Treiben auf der Hauptstraße. Jetzt, wo es feststand, dass der Kassierer sterben würde, hatte er auch sein Halstuch aus dem Gesicht gezogen und stocherte mit einem Streichholz zwischen seinen Zähnen.

Der Sternträger da drüben gefällt mir überhaupt nicht“, knurrte er schließlich. „Der lungert schon die ganze Zeit vor seinem Büro herum. Ich hoffe nicht, dass er uns noch Ärger macht. Ich schieße ungern auf so einen Blechstern.“

Meinst du, dass er die Sache gerochen hat?“, fragte Waller und ging langsam, Schritt für Schritt rückwärts zum Fenster. Er ließ den Bankangestellten nicht aus den Augen. Nur in dem Augenblick, als er neben Parker stand und aus dem Fenster sah, war der Kassierer für Sekunden unbeobachtet. Er nutzte die Gelegenheit sofort.

Er ließ die Scheine fallen, die er gerade in die Taschen stopfen wollte und schob die Hartgeldsäcke mit der linken Hand zur Seite. Dann hatte er den schweren Kolben des Revolvers in der Hand und zog mit beiden Daumen den Hammer nach hinten.

Der Lärm der Detonation schien den Raum sprengen zu wollen. Der Kassierer selbst war für einen Moment betäubt und erschrocken. Aber als er sich von dem ungeheueren Rückstoß und dem Lärm erholt hatte und den Hahn erneut spannen wollte, war es bereits für ihn zu spät.

Parker feuerte sein gesamtes Magazin auf ihn leer und hatte ihn bereits getötet, noch bevor der Körper des Kassierers von den Projektilen gegen den Stahlschrank geschleudert wurde und daran schlaff zu Boden rutschte.

Die beiden Banditen wussten, dass in wenigen Sekunden die Mainstreet von bewaffneten Männern wimmeln würde. Eine Schießerei in der Bank würde jeden, der eine Waffe tragen konnte, alarmieren und herbeirufen. Waller und Parker durften keine Zeit verlieren.

Fast gleichzeitig sprangen sie vom Fenster weg und auf den Tresor zu. Parker schnappte sich den Revolver des Kassierers, da er keine Zeit mehr hatte, seinen eigenen zu laden. Waller ergriff die Satteltaschen mit dem Geld. Er achtete nicht auf das Blut, das aus einer unbedeutenden Fleischwunde am Arm auf die Erde tropfte. Der Kassierer hatte ihn mit dem Schuss nur leicht verletzt.

Bevor sie das Bankgebäude verließen, blieben sie noch kurz hinter der Eingangstür stehen. Dann traten sie beide Türflügel auf und liefen auf den kleinen Vorplatz. Sie ballerten wild in die Gegend.

Etwa sechs Männer erwarteten die beiden Banditen auf der Straße. Vier von ihnen wälzten sich auf dem Boden in ihrem eigenen Blut, als Waller und Parker ihre Pferde erreicht hatten. Waller warf seinem Hengst die Satteltaschen über und stieg auf. Er riss sein Gewehr aus dem Scabbard und schickte Schuss um Schuss gegen die beiden letzten Männer.

Der Marshal von San Angelo, Tate Clayburn, hatte hinter einem umgestürzten Wagen Deckung gesucht. Die beiden Banditen hatten bisher ununterbrochen gefeuert und ihm keine Gelegenheit zu einem sicheren Schuss gelassen. Doch jetzt sprang er vor und riss seinen Karabiner an die Schulter.

Er hatte auf die Brust Parkers gezielt. Aber in dem Moment, in dem er abdrückte, stieg Parkers Pferd nervös vorn hoch und reckte seinen Hals genau in die Schusslinie. Ein fingerdicker Strahl Blut brach an der Stelle hervor, an der das Projektil eingeschlagen war. Als die Vorderläufe wieder den Boden berührten, knickten sie ein. Parker warf sich aus dem Sattel, um nicht vom Leib des sterbenden Tieres begraben zu werden.

Waller hatte den Marsal zielen sehen, aber er hatte den Schuss nicht mehr verhindern können. Jetzt trieb er seinen Hengst mit den Schenkeln zurück und feuerte dabei weiter gegen den Wagen, hinter dem der Sternträger wieder verschwunden war. Parker verstand, was Waller vorhatte.

Wie eine Eidechse kroch er blitzschnell auf sein totes Pferd zu, riss sein Gewehr aus dem Sattelscabbard und sprang dann mit einem Satz hinter Waller auf dessen Hengst. Sofort danach stieß Waller dem Tier die Sporen in die Seite und jagte auf eine kleine Gasse zu. Ohne zu zielen, feuerte Parker in Richtung Marshal.

Einige nutzlose Kugeln folgten den beiden Banditen. Dann hatten sie die Gasse erreicht. Sie preschten an zwei Häusern und einem verfallenen Schuppen vorbei und wandten sich dann nach Norden.

Parker stieß ein triumphierendes Geheul aus, siegessicher schwenkte er seinen Hut. Doch im gleichen Augenblick spürte er ein entsetzliches Brennen in seinem Rücken. Die Detonation eines großkalibrigen Schusses klang in seinen Ohren. Parker hatte das Gefühl, als ob ihm mit glühenden Nägeln der Rücken aufgerissen würde. Für Sekunden senkte sich ein schwarzer Vorhang vor seine Augen. In panischer Angst klammerte er sich in der Kleidung Wallers fest.

Was ist los?“, brüllte Waller, während er alles aus seinem Tier herauszuholen versuchte.

Parker bewegte die Lippen, aber es fiel ihm schwer zu sprechen.

Ich glaube, mich hat’s erwischt“, presste er heiser hervor. Seine Hände verkrampften sich in der Jacke Wallers, seine Zähne bissen die Lippen blutig. „Aber ich schaff’s schon“, versicherte er stöhnend. „So schnell gibt Bill Parker nicht auf."

Er schloss die Augen und versuchte mit aller Gewalt an das Geld zu denken. An das Geld, das sie erbeutet hatten.


*


Tom Calhoun schlug den Kragen hoch und knöpfte seine ganz mit Fell gefütterte Jacke bis oben hin zu.

Ein eiskalter Wind blies aus Norden und brannte auf der unbedeckten Haut im Gesicht. Der Himmel hatte eine dunkle, violette Färbung angenommen, vor der sich schwarze Wolkenberge ballten.

Tom schob beide Fäuste in die warmen Taschen seiner Jacke und stapfte durch das hohe Präriegras auf den Küchenwagen zu. Tully Jenkins, einer seiner Männer, goss ihm frisch aufgebrühten Kaffee in einen Becher und reichte ihm die Tasse.

Es sieht nicht gut aus, Boss“, sagte der hünenhafte Cowboy besorgt. „Die Tiere sind sehr unruhig.“

Tom nickte, und auf seiner Stirn bildeten sich scharfe Falten. Er hielt den Becher mit dem heißen Kaffee mit beiden Händen und genoss die wohltuende Wärme. Dann trank er in kleinen Schlucken.

Tom Calhoun blickte auf seine Herde, die in einem sanften Tal unter ihm stand. Fast zweitausend Rinder waren hier dicht gedrängt versammelt und wurden von Männern, die ihr Fach verstanden, zusammengehalten. Diese Herde war das Ergebnis jahrelanger, harter Arbeit. In ihr steckte Toms gesamtes Vermögen.

Trotzdem war es ihm gelungen, Geld auf die Seite zu legen. Jetzt stand eine Herde unter ihm, mit der er unterwegs war, um sie weiter im Norden zu verkaufen. Sein ältester Sohn John war zurückgeblieben, um den jüngeren Bruder Billy zu beaufsichtigen. Und um ganz sicherzugehen, dass die beiden keine Dummheiten machten, hatte Tom auch seinen Vormann Jay Durango gebeten, auf Rancho Bravo zu bleiben, um die Übersicht zu behalten. Zumindest hatte er das so ausgedrückt, und Durango hatte begriffen, was sein Boss von ihm erwartete.

Der Himmel hatte sich inzwischen fast ganz zugezogen, und ein bleigraues Licht lag über der Prärie. Lediglich im Norden war noch ein rötliches Wolkenloch, aus dem der scharfe Wind immer heftiger blies. Tom wusste, was das bedeutete, und er hatte Angst davor.

Ein Unwetter braute sich zusammen, vor dem sich jeder Viehtreiber und Rinderzüchter im ganzen Westen fürchtete. Jeden Augenblick konnte ein Schnee oder Hagelsturm mit unvorstellbarer Gewalt und Geschwindigkeit über das Land hereinbrechen und alles vernichten, was versuchte, sich ihm ungeschützt entgegenzustellen.

Auch die Tiere witterten die Gefahr. Schon Stunden vorher waren sie zusehends unruhiger geworden und ließen sich immer schwerer treiben. Tom hatte seinen Leuten den Befehl zum Anhalten gegeben. Sie hatten ihr Lager aufgeschlagen und die Herde in einem engen Kreis zusammengetrieben.

Unruhig scharrten die Rinder mit den Hufen den weichen Boden und brüllten heiser und ängstlich. Die Herde glich einem Pulverfass. Das kleinste, ungewohnte Geräusch konnte sie gänzlich erschrecken, hochtreiben und in panische Flucht versetzen.

Niemand würde sie dann noch aufhalten können. Alles, was sich den Tieren in den Weg stellen wollte, würde zu Boden gestoßen und von Hunderten von scharfen Hufen zerstampft werden.

Tom hatte es einmal erlebt, dass ein Mann in eine panisch fliehende Herde geriet. Der Mann hatte zuerst versucht, sich mit seinem Pferd der Flucht anzupassen. Doch dann war er plötzlich zwischen den dampfenden Leibern und in dem Wald von zuckenden Hörnern untergetaucht.

Einige Cowboys hatten sich Stunden später auf die Suche nach seiner Leiche gemacht, um ihn wenigstens ordentlich zu begraben. Aber weder er noch sein Pferd wurden je gefunden. Er war einen Tod gestorben, den jeder Cowboy auf einem Viehtrieb fürchtete, aber mit dem er ständig rechnen musste.

Tom ging zurück zum Küchenwagen und gab dem rothaarigen Gus den ausgetrunkenen Kaffeebecher zurück. Dann kontrollierte er die Verspannungen, die die Planen über den Wagen festhielten. Immer schärfer zerrte der Wind an den Leinen.

Ist bereits alles kontrolliert, Boss“, sagte ein Dave Harmon, der plötzlich hinter ihm auftauchte. „Ich habe überall ein zweites Seil zur Sicherung durchgezogen.“

Tom nickte anerkennend. Er hatte eine gute Mannschaft, auf die er sich verlassen konnte. Die Männer wussten, worum es ging. Wenn das Unwetter sie nicht direkt traf und sonst von außen nichts Ungewöhnliches geschah, hatten sie vielleicht die Chance, die Herde ohne Verluste durch den Sturm zu bringen.

Chris Gentry, der die Planen gesichert hatte, horchte angespannt in den pfeifenden Wind. Dann stieß er Tom an und deutete auf einen grauen Schatten, der in einigen hundert Yard Entfernung von Busch zu Busch huschte.

Ein Kojote!“, sagte er leise. Seine Hand fuhr zum Revolverkolben, aber er zog sie ebenso schnell wieder zurück. Ein Schuss würde die Herde sofort in Stampede versetzen.

Aber auch die Anwesenheit eines Kojoten bedeutete höchste Gefahr. Bei der Stimmung, in der die Rinder jetzt waren, genügte der kleinste Anlass, ein Chaos entstehen zu lassen.

Hol mir Bob“, befahl Tom ebenso leise, wie der Cowboy gesprochen hatte. Die Spannung, unter der die Männer standen, dämpfte automatisch ihre Stimmen.

Es vergingen keine zehn Minuten, und ein muskulöser, dunkelhaariger Mann tauchte neben Tom auf. Wortlos wartete er auf Anweisungen.

Da drüben schleicht ein verdammter Kojote um die Herde“, sagte Tom. „Bist du immer noch so gut mit dem Messer?“

Bob Rennington grinste und nickte.

Keine Sorge, Boss. Ich jage die Biester schon seit meiner Geburt!“

Bob schnallte seine Revolverhalfter ab und hing sie an den Küchenwagen. Dann zog er sein Messer aus dem Gürtel und wog es prüfend in der Hand.

Du kannst dich auf mich verlassen, Boss“, versicherte Bob. „Das wird der lautloseste Tod, den du dir nur vorstellen kannst!“ Er verschwand in die Richtung, aus der der Kojote aufgetaucht war.

Tom wusste, dass Bob die Sache erledigen würde. Der Kojote konnte jetzt schon nicht mehr gefährlich werden. Er sah ihm nach, bis sich der Farbige auf den Boden warf und auf dem Bauch weiterkroch. Dann ging Tom zu dem Wagen, an dem sein Pferd angebunden war und stieg auf.

Langsam und aufmerksam umrundete er die riesige Herde. Den Cowboys, denen Tom begegnete, konnte er die Anspannung am Gesicht ablesen. Jeder der Männer hier wusste, um was es ging, und jeder tat sein Bestes.

Am Kopfende der Herde hatten zwei Männer das Leittier mit Lassos eingefangen und ihm mit Lederriemen die Läufe zusammengebunden. Sie wollten verhindern, dass es als erstes aufsprang und die gesamte Herde mitriss.

Sie nickten Tom schweigend zu, als er sie erreichte. Es gab jetzt nichts zu besprechen. Sie konnten nur warten und hoffen, hoffen darauf, dass der Funke nicht in dieses Pulverfass übersprang.

Als Tom das Lager wieder erreichte, schnallte Bob gerade seine Revolverhalfter um. Dann wischte er die blutige Klinge seines Messers an einem Grasbüschel sauber und grinste Tom triumphierend an.

Ich habe noch nichts verlernt, Boss", sagte er. „Die Klinge saß genau. Ich habe aus zwanzig Yard geworfen, und der Satan hat nicht einmal gezuckt. Er ist umgefallen, als ob er schon vorher tot gewesen wäre.“

Tom klopfte ihm anerkennend auf die Schulter und reichte ihm eine Zigarette.

Was ist mit dem Kadaver?“, fragte er.

Ich habe ihn so weit mit etwas Erde verscharrt, dass ihn die Rinder nicht mehr wittern können“, sagte Bob. „Ich hoffe nur, dass es ausreicht.“

Dann stieg Bob wieder auf sein Pferd und ritt zurück zur Herde. Doch bevor er sie erreichte, drehte er sich noch einmal im Sattel um.

Ich glaube, wir bekommen Besuch, Boss“, rief er mit gedämpfter Stimme. Sein ausgestreckter Arm deutete in südlicher Richtung.

Toms Blick folgte seinem Arm. In einiger Entfernung näherte sich ein Reiter. Er schien es sehr eilig zu haben. denn er trieb sein Pferd an, als ob es um sein Leben ginge. Als sich der Fremde genähert hatte, erkannte Tom, dass es zwei Reiter auf einem Pferd waren.


*


Tom hatte ein unbestimmtes, ungutes Gefühl, als ihn die beiden Männer erreicht hatten und ihr abgetriebenes, erschöpftes Pferd zügelten. Einer der Reiter schien schwer verwundet zu sein, denn als das Pferd stand, ließ er sich einfach aus dem Sattel auf den Boden fallen.

Mein Name ist Waller“, stellte sich der andere Mann vor. „Und mein Freund hier heißt Bill Parker. Wir sind einige Meilen zurück Strauchdieben in die Hände gefallen und brauchen unbedingt Hilfe. Meinen Freund hat es schwer erwischt.“

Tom ging auf den Mann, der am Boden lag, zu und kniete sich neben ihn. Er rollte den stöhnenden Mann auf den Bauch und sah sich die Wunde an. Der Rücken des Verletzten war zerfetzt. Auf ihn musste jemand mit einer Schrotflinte geschossen haben.

Sie haben aus dem Hinterhalt auf uns geschossen“, berichtete Waller. „Sie haben uns keine Chance gelassen. Nur durch Zufall sind wir ihnen entkommen.“

In der Richtung, aus der die beiden Fremden gekommen waren, lag San Angelo. Tom hatte noch nicht davon gehört, dass sich in dieser Gegend Strauchdiebe herumtrieben. Aber der Verletzte brauchte in jedem Falle Hilfe.

Tom winkte einen seiner Leute heran. Gemeinsam trugen sie dann den blutenden Mann zu einem Wagen. Sie schlugen die Plane zurück und betteten ihn auf Kleiderballen. Während Gus einen Topf mit Wasser über das Feuer hing, zerschnitt Tom das zerfetzte, blutige Hemd des Mannes.

Parker war übel zugerichtet. Die Schrotladung hatte seinen Rücken zu einer blutigen Masse aus Fleisch und Stoffstücken werden lassen. Aber der Schuss musste aus einer großen Entfernung abgegeben worden sein. Sonst hätte der Mann nicht überleben können.

Als Gus das heiße Wasser brachte, begann Tom die Wunden zu säubern. Parker schrie dabei vor Schmerz auf. Sofort presste Tom seine Hand dem Mann auf den Mund und erstickte den Schrei. Dann lauschte er.

Aber es geschah nichts. Die Rinder blieben ruhig. Es war noch einmal gut gegangen. Doch Tom wollte nichts riskieren. Er würde seine Herde nicht für diesen Fremden opfern.

Ich werde mich um ihn kümmern, wenn das Unwetter vorbei ist“, sagte er zu Waller. „Ich kann jetzt nichts für ihn tun.“

Ärger, was?“, fragte Waller, und dabei grinste er. „Das Wetter hat wohl der Herde zugesetzt. Angst, dass sie in Stampede geraten, was?“

Das dreckige Grinsen von Waller machte Tom wütend. Er hob seine Fäuste und stand auf. Doch plötzlich hatte Waller seinen Revolver in der Hand.

Setz dich wieder hin, Rinderzüchter!“, drohte er. „Du bist in der schlechteren Position. Ich glaube, wir müssen jetzt erst einmal die Rollen neu verteilen. Du bist nämlich kein Boss mehr. Ab sofort gebe ich hier die Kommandos.“

Tom starrte den Fremden an. Sein ungutes Gefühl hatte ihn nicht betrogen. Er hatte gewusst, dass irgend etwas mit den beiden Männern nicht stimmte. Er hätte ihnen nicht trauen dürfen. Jetzt war es zu spät.

Weißt du, was passiert, wenn du das Ding da abfeuerst?“, fragte Tom und deutete auf die Waffe in Wallers Hand. Waller nickte höhnisch.

Ich weiß genau, was dann passiert“, grinste er. „Deine Cowboys werden ganz schön viel Arbeit haben, die Rinder wieder einzufangen. Wenn sie überhaupt noch dazu in der Lage sind“, fügte er eiskalt hinzu.

Heiße Wut stieg in Tom Calhoun auf. Er sah die Hinterhältigkeit und Bosheit im Gesicht Wallers und wusste, dass dieser Mann zu allem fähig war. Er würde nicht zögern, die Herde in panische Flucht zu versetzen.

Du wirst jetzt tun, was ich dir sage, Rinderzüchter“, begann Waller wieder. „Zuerst einmal entlädst du sämtliche Kammern deines Revolvers. Aber so, dass ich dich dabei beobachten kann. Wir werden nämlich Besuch bekommen. Den Marshal aus San Angelo. Er soll nicht denken, dass hier irgend etwas nicht stimmt. Er könnte leicht darauf kommen, wenn er dich ohne Waffen sieht.“

Tom hatte keine andere Wahl. Er musste sich dem Gangster beugen. Mit der linken Hand zog er seinen Revolver aus der Halfter und schwenkte die Kammern aus. Dann entlud er die Waffe.

Du bist sehr folgsam, Rinderzüchter“, meinte Waller voller Hohn. „Ich glaube, wir werden gut zusammenarbeiten."

Waller hob kurz die Plane und sah hinaus. Dann wandte er sich wieder Tom zu.

Sag deinen Leuten, dass sie einen neuen Boss haben“, befahl Waller. „Sie sollen weitermachen, als ob nichts geschehen wäre. Niemand hat uns hier gesehen.“

Tom drehte sich zu Gus um, der angespannt hinter ihm stand. Er wartete nur auf ein Zeichen, und er hätte Waller mit bloßen Händen den Schädel eingeschlagen. Aber Tom konnte nichts riskieren. Die Herde war zu sehr gefährdet.

Du hast gehört, was der Mann gesagt hat", sagte Tom leise. „Sag den anderen Männern, sie sollen sich ruhig verhalten und ihre Arbeit weitermachen. Ich will nicht, dass einer etwas unternimmt.“

Gus atmete schwer. Es fiel ihm nicht leicht, sich ruhig zu verhalten.

Boss, jeder unserer Männer hat einen Revolver, und jeder kann damit umgehen“, presste er schließlich hervor. „Die Sache wäre sofort erledigt!“

Aber Tom schnitt ihm das Wort ab. „Tu, was ich dir sage. Was glaubst du, was mit den Rindern geschieht, wenn hier nur ein einziger Schuss fällt. Ich will, dass sich die Männer hier nicht einmischen!“

Gus nickte. Er sah ein, dass Tom nicht anders handeln konnte. Aber es war nicht einfach, die Sache so hinzunehmen. Wortlos verließ er den Wagen.

Du bist ein kluger Mann, Rinderzüchter“, stellte Waller spöttisch fest. „Du hast deinen Männern einen guten Rat gegeben.“

Tom blickte dem Banditen fest in die Augen.

Wenn die Herde hochgeht, bist du ein toter Mann“, sagte er dabei mit ruhiger, gefährlich leiser Stimme. „Das verspreche ich dir!“

Waller lachte dröhnend auf.

Du kannst große Sprüche machen, Rinderzüchter. Aber ich glaube, sie sind ein paar Nummern zu groß für dich.“

Tom antwortete nicht darauf. Er hatte im Augenblick keine Möglichkeit, etwas gegen diesen Mann zu unternehmen. Aber er wusste, dass seine Zeit noch kam.

Inzwischen hatte sich Parker stöhnend ein wenig aufgerichtet. Die Wunden auf seinem Rücken brachen wieder auf und begannen heftig zu bluten. Auf seiner Stirn bildeten sich dichte Schweißtropfen. Es stand nicht gut um ihn.

Ich habe Durst", stieß er gequält hervor. „Hol mir Wasser!“

Waller gab Tom mit dem Revolverlauf ein Zeichen.

Los, Rinderzüchter. Tu, was er sagt“, befahl er. „Hol ihm was zu trinken.“

Tom Calhoun schlug die Plane zurück und verließ den Wagen. Er ging zum Küchenwagen und schöpfte in eine Tasse Wasser. Dabei ließ er einen prüfenden Blick über die Herde wandern. Noch schien alles in Ordnung zu sein. Die Tiere waren zwar immer noch unruhig, aber die Cowboys hatten die Sache im Griff. Wenn nichts Außergewöhnliches geschah, war im Augenblick nichts zu befürchten.

Der Wind hatte sich ein wenig gedreht und schien das Unwetter mehr nach Westen zu treiben. In einigen Stunden konnte alles überstanden sein. Dann würde der Zeitpunkt kommen, an dem sich Tom um Waller kümmern würde.

Als Tom in den Wagen zurückkam, gab er Parker aus einer Blechtasse zu trinken. Waller sah ihm grinsend zu.

Du machst deine Sache gut, Rinderzüchter“, sagte er wiederum voller Hohn. „Ich glaube, wir haben eine gute Wahl getroffen, als wir uns entschlossen, dich zu besuchen.“ Hinterhältiges Lachen begleitete die Worte.

Tom ignorierte den Spott. Er wartete auf den Augenblick, an dem ihm nicht mehr die Hände gebunden sein würden.

Hör mir jetzt gut zu, Rinderzüchter", fuhr Waller fort. „Ich habe noch eine wichtige Aufgabe für dich.“

Der Bandit wartete, bis Tom sich zu ihm wandte. Dann bewegte er drohend den Revolver.

Ich habe schon angedeutet, dass wir eventuell Besuch bekommen werden“, sagte Waller dann. „Ich schätze, dass es nicht mehr allzulange dauern wird, bis der Marshal aus San Angelo hier mit einem Aufgebot erscheinen wird. Er wird zwei Männer suchen. Zwei Männer, die auf einem Pferd sitzen und von denen einer verwundet ist. Weißt du schon, was du ihm sagen wirst, Rinderzüchter, wenn er dich nach den beiden Männern fragt?“

Tom Calhoun antwortete auf die Frage nicht.

Warum jagt euch der Marshal?“, fragte er knapp.

Das Gesicht Wallers verfinsterte sich.

Meine Lebensgeschichte geht dich nichts an, Rinderzüchter. Ich bin es, der hier die Fragen stellt, wenn welche zu stellen sind, und ich möchte wissen, was du dem Sternträger erzählst, wenn er sich nach den zwei Männern erkundigt!“

Ich passe meine Antworten den Umständen an“, antwortete Calhoun.

Waller grinste höhnisch.

Klug von dir, Rinderzüchter“, sagte er. „Ich hoffe, dass dir die augenblicklichen Umstände klar sind. Wenn dir deine Herde was bedeutet, hast du besser die beiden Männer nie in deinem Leben gesehen. Falls der Marshal versucht, uns hier aus dem Wagen zu holert.wird es eine höllische Schießerei geben. Ich bin mir nicht sicher, wie die Schießerei ausgeht. Aber auf jeden Fall werden deine Rinder die Knallerei nicht ohne weiteres ruhig hinnehmen. Ich schätze, sie werden anschließend über Dutzende von Meilen verteilt sein. Halte dir das immer vor Augen. Bei allem, was du sagst.“

Tom sah in den Augen Wallers eine Mischung aus panischer Angst und tödlicher Entschlossenheit. Er wusste, dass dieser Mann seine Drohung wahrmachen würde. Waller würde schießen, und der erste Schuss würde die Herde in ein infernalisches Chaos versetzen.

Tom schlug die Plane zurück und sprang aus dem Wagen. Dann drehte er sich noch einmal zu den beiden Banditen um.

Ich möchte, dass du dir auch etwas vor Augen hältst, Waller“, sagte der Rinderzüchter mit einer gefährlich leisen, drohenden Stimme. „Für jedes Stück Vieh, das ich verliere,und für jeden Tag, den ich später an meinem Ziel ankomme, wirst du bezahlen. Wenn es sein muss, mit deinem eigenen, dreckigen Leben.“

Dann ließ Tom Calhoun die beiden Banditen allein. Er entfernte sich einige Schritte von dem Planwagen und versuchte die Dunkelheit des hereinbrechenden Abends mit seinen Blicken zu durchdringen.

Gleichmässiges Hufgetrappel drang gedämpft an sein Ohr. Es näherten sich Reiter. Nach den Geräuschen zu urteilen, mussten es sehr viele sein. Tom Calhoun erwartete sie gelassen.


*


Nach wenigen Minuten konnte Tom die Reiter als schwarze Silhouetten gegen den schmutziggrauen Himmel erkennen. Es waren ungefähr dreißig bis vierzig Männer. Sie ritten in einer langen Kette, einer hinter dem anderen. Sie kamen aus der Richtung, in der San Angelo lag, aber es war nicht das Aufgebot, das Waller erwartete. So ritten keine Weißen.

Tom drehte sich nach dem Mann um, der in fliegendem Galopp auf ihn zuraste und dann sein Pferd scharf zügelte. Es war Bob Rennington, der die südliche Flanke der Herde bewachte.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (ePUB)
9783738910292
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (Juni)
Schlagworte
angelo country sterben dollar

Autor

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Titel: San Angelo Country #49: Sterben für 20.000 Dollar