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Milton Sharp #10: Dämonenfalle in New York

2017 120 Seiten

Leseprobe

Dämonenfalle in New York


(ein Milton-Sharp-Roman)


Nr. 10





IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2017

Ursprünglicher Titel: Karas dämonischer Auftrag

Korrektorat: Dr. Frank Roßnagel

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de










Klappentext:

Jason Brewster, ein ehemaliger Journalist, bittet den Schattenjäger aus den USA zu Hilfe. In New York geschehen mysteriöse Dinge, für die es keine rationale Erklärung gibt. Die Fäden scheinen bei dem größenwahnsinnigen Wissenschaftler Dr. Benson zusammenzulaufen. Milton arbeitet fieberhaft an der Entschlüsselung des Schreins der Tränen, um Xurus besiegen zu können. Trotzdem folgt Milton, ohne zu zögern, dem Hilferuf seines alten Freundes. Damit jedoch tappt er genau in die Falle, die Xurus der Düstere ihm gestellt hat, um den Schattenjäger und alle, die er liebt, endgültig zu vernichten.




Charaktere:


Milton Sharp

Der Schattenjäger steht vor der finalen Konfrontation mit Xurus dem Düsteren. Davon hängt es ab, ob Milton seinen Bruder Glyn retten und ihm die Frau wiedergeben kann, die er mittlerweile selbst liebt.


Jennifer Britten

Glyn Sharps Verlobte wird nach New York gelockt, wo auch sie nach dem Willen Xurus' sterben soll, anstatt Glyn wiederzusehen.


Jason Brewster

Der ehemalige Kollege Miltons wird gekidnappt und für ein diabolisches Komplott missbraucht, das dem Schattenjäger den Tod bringen soll.


Kara

Der unscheinbar wirkende Mann ist ein Teil von Xurus' Persönlichkeit und die Schlüsselfigur in dem teuflischen Plan des Düsteren, Milton ein für alle Mal zu vernichten.




Roman:

Xurus, der Düstere, kreischte vor Wut. Er wollte nicht wahrhaben, dass ihm sein Gegner schon wieder zuvorgekommen war.

Sein Blick war starr geradeaus gerichtet. Die Fingerspitzen presste er gegen die Schläfen. Er versank in Nachdenken. Das Resultat sollte für seinen Widersacher tödlich sein.

Seine Augen färbten sich blutrot. Das Gesicht veränderte sich zur abscheulichen Fratze.

»Du wirst sterben«, hechelte er hasserfüllt. »Ich stelle dir eine Falle, in der du umkommst. Bisher hast du Glück gehabt, weil ich dich unterschätzt habe. Jetzt weiß ich Bescheid. Ich werde dir den Stempel des Verderbens aufdrücken!«

Xurus’ ganzer Körper färbte sich rot. Er wurde durchscheinend und glühte von innen heraus. Dort, wo bei Menschen das Herz sitzt, kauerte bei dem Düsteren eine kleine, geduckte Gestalt, ein Wesen, das noch scheußlicher war als der Dämon selbst.

Xurus bohrte die rechte Klaue in seine Brust und riss das Wesen heraus. Er schleuderte es mit aller Kraft auf den Boden und stieß dabei einen lästerlichen Fluch aus. Dann stampfte er das Ding ins dampfende Erdreich, bis es vollständig darin verschwunden war.

»Geh zu ihm!«, raunte er unheilvoll. »Stricke ihm ein Netz, das ihm zum Verhängnis wird! Und wenn du ihn gefangen hast, rufe mich, damit ich diesen verfluchten Milton Sharp endgültig auslöschen kann!«


*

Zur gleichen Zeit, als das kleine, grauenvolle Wesen im Waldboden verschwand, kroch an einer ganz anderen Stelle des Erdballs eine Gestalt aus einem Grab. Sie wand sich einige Zeit im Staub und schien zu lauschen. Als kein verdächtiges Geräusch zu hören war, richtete sich das unheimliche Wesen auf und schüttelte den Schmutz von der Kleidung.

Die Schattengestalt drehte sich nach allen Seiten um. Beim Anblick der mächtigen

Kreuze zuckte sie unwillkürlich zusammen.

»Hilf, Xurus!«, murmelte sie.

Im selben Moment konnte der Gesandte des Bösen ohne Schwierigkeiten an den Grabdenkmälern Vorbeigehen.

»Prächtig!«, flüsterte die Gestalt. »Das Spiel kann beginnen. Ich bin bereit.«

Bedächtig schritt sie an den Reihen der Gräber entlang zum Ausgang. Das Tor war zwar verschlossen, doch es genügte eine Berührung, und es sprang auf.

Das unheilvolle Wesen glich äußerlich einem Mann von etwas über zwanzig Jahren. Die Kleidung war schäbig und gab der Person einen ärmlichen Anstrich.

Den Eindruck hatten auch die zwei finsteren Gestalten, die hinter einer Hecke kauerten, in deren Richtung der Mann ging.

»Was hältst du von dem, Kovac?«

Der andere kicherte.

»Wenn der verschwindet, sucht ihn bestimmt niemand.«

»Er hat keine Ahnung, was ihm bald blüht.«

»Das erfährt er früh genug.«

»Dann ist es zu spät für ihn.«

»Na, wenn schon! Pass lieber auf, dass du nicht zu hart zuschlägst. Benson will unbeschädigtes Material.«

»Halte keine großen Vorträge!«, maulte der andere. »Ich weiß, was so ein Schädel aushält.«

Die beiden Kerle brachen die Unterhaltung ab, denn ihr Opfer hatte sich inzwischen auf Hörweite genähert. Die ärmliche Gestalt hatte eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen und wusste noch nicht, dass Schwierigkeiten bevorstanden. Als der Mann auf gleicher Höhe mit den Gangstern war, brachen diese durch die Hecke. Einer riss dem Opfer die Füße weg. Der andere schlug kraftvoll zu.

»Verdammt! Der hat aber ’nen dicken Schädel, wie ’ne Kokosnuss.«

Kovac kam seinem Kumpan Hyde zu Hilfe. Gemeinsam schlugen sie auf den am Boden Liegenden ein, der aber einfach nicht bewusstlos wurde.

»Das gibt es doch nicht«, keuchte Hyde. »Jeder andere wäre schon tot. Aber der Kerl macht sich anscheinend noch über uns lustig.«

»Das liegt wirklich nicht in meiner Absicht, meine Herren«, versicherte der Überfallene mit seltsamem Lächeln. »Falls Sie es auf mein Geld abgesehen haben, so muss ich Sie leider enttäuschen. In meinen Taschen werden Sie keinen Cent finden!«

»Wir sind nicht scharf auf deine Mäuse«, erwiderte Kovac schroff. Dieser Typ hatte ihn seine ganze Kraft gekostet. Anscheinend handelte es sich um einen Boxer oder etwas in dieser Preislage.

»Dann begreife ich Ihre Aufregung nicht.«

»Unser Boss möchte dich zu gern kennenlernen«, behauptete Hyde grimmig.

»Warum sagen Sie das nicht gleich, meine Herren? Werden noch mehr Gäste anwesend sein?«

Die Schufte tauschten rasche Blicke und zwinkerten sich zu. Offensichtlich hatten ihre Schläge doch ihre Wirkung hinterlassen. Es konnte doch keiner so naiv sein, in solch einer Aufforderung eine normale Einladung zu sehen. Doch ihnen sollte es recht sein. Benson hatte nicht verlangt, dass sie die Opfer unbedingt mit Gewalt zu ihm schleppen sollten.

»Ein paar sind schon da«, verriet Hyde.

Er dachte an die seltsame Menagerie in den Laboratorien des Professors und schüttelte sich unwillkürlich.

Kovac grinste nur. Ihm war klar, an was sein Kumpan dachte.

»Ausgezeichnet!«, freute sich der Unbekannte. »Bitte, helfen Sie mir wieder auf die Füße! Ist es weit bis zu Ihrem Boss?«

»Wir haben den Wagen dabei. Wenn Sie uns folgen wollen?«

Kovac schlug jetzt ebenfalls einen höflichen Ton an. Verrückte sollte man besser nicht reizen.

Der Fremde zeigte keinen Argwohn. Er ging mit den Gangstern bis zu einem grau lackierten, geschlossenen Lieferwagen und zwängte sich zwischen die beiden auf die einzige Sitzbank im Fahrerhaus. Während der Fahrt hielt er die Augen geschlossen und lächelte wieder in dieser seltsamen Weise.

Erst als der Wagen stoppte, schlug er die Augen auf und sah sich um.

»Hier?«, fragte er zögernd. »Reichlich unheimliche Gegend. Dass in diesen Bruchbuden überhaupt jemand wohnt!«

»Die meisten stehen leer«, verriet Hyde. »Nur der Professor ist hiergeblieben. Er will …«

»Halt’s Maul!«, herrschte ihn Kovac zornig an. »Wir werden nicht fürs Quatschen bezahlt. Benson wartet bestimmt schon ungeduldig.«

Der junge Mann schritt zwischen den beiden Gaunern auf das zerfallene Gebäude zu und erkundigte sich nach den Hobbys seines Gastgebers.

»Man möchte sich doch gut mit ihm unterhalten.«

»Dann sollten Sie mit ihm über das menschliche Hirn reden«, sagte Kovac. »Es gibt nichts, das ihn mehr fasziniert.«


*


Professor Benson sah steinalt aus. Seine Haut, gelblichgrau und ledern, bestand aus unzähligen Falten. Entzündete Augen blinzelten hinter starken Brillengläsern, die sie übergroß scheinen ließen. Verkrüppelte Gichtfinger verdammten ihn scheinbar zum Nichtstun. Doch das war ein gefährlicher Irrtum.

Der Forscher war außerordentlich aktiv. Ganz besonders nachts.

In dieser Zeit experimentierte er in den Kellerräumen seiner Behausung. Zu diesem Zweck hielt er sich einen ganzen Zoo von Ratten, Meerschweinchen, Katzen, Hunden, aber auch Schlangen und größere Säugetiere.

Sein bisher größtes Exemplar war ein Reitpferd gewesen. Das Tier war unter seinem Skalpell verendet – ein Kunstfehler. Benson bedauerte ihn sehr, denn es war nicht so leicht, einen hochklassigen Vollbluthengst aufzutreiben.

In jüngeren Jahren hatte der Professor in Schottland eine ganz normale Arztpraxis betrieben. Als seine Patienten entdeckten, dass er zu immer seltsameren Heilmethoden griff, blieben sie nach und nach weg. Das hatte ihn so verbittert, dass er sich völlig aus der Öffentlichkeit zurückzog.

Er würde beweisen, dass er kein Scharlatan war! Die Welt sollte noch aufhorchen, wenn sie seinen Namen hörte.

Seit Dr. Frankenstein im 19. Jahrhundert versucht hatte, einen künstlichen Menschen zu schaffen, hatte es unzählige Nachahmer gegeben. Allerdings auch ebenso viele Gescheiterte. Sie alle waren den verkehrten Weg gegangen. Benson lachte spöttisch in sich hinein. Es war einem Menschen unmöglich, ein Lebewesen mit gezielten Eigenschaften zu fertigen. Hier versagten Chirurgie und alle anderen bekannten Techniken. Man benötigte einfach die richtige Unterstützung, und die war ausschließlich in der Magie zu finden.

Benson hatte sich bereits in jüngeren Jahren den finsteren Mächten verschrieben. Bei ihnen fand er mehr Anerkennung als bei den Menschen. Die Fortschritte, die er in den letzten Jahren mit Hilfe dämonischer Unterstützung erzielt hatte, konnten sich sehen lassen.

Doch am Ziel war er noch längst nicht. Wenn er auch erreicht hatte, dass eine Ratte Schlangengift verspritzen und eine normale Hauskatze eine Strecke von zwölf Yard fliegen konnte, so sah er sich erst am Beginn seiner Arbeit.

Die heutige Nacht sollte ihn ein entscheidendes Stück weiterbringen. Er hörte seine Gehilfen kommen. Sie lärmten wie immer. Wenn die Kerle ihm nicht das lästige Besorgen geeigneten Menschenmaterials abnehmen würden, hätte er sie längst auf seinen Experimentiertisch geholt.

Kovac und Hyde betraten den durch eine Lichtbarriere gesicherten Vorraum.

Der Professor sah ihre Gestalten mitten im Raum stehen. Ein Monitor ohne Materie war hier installiert. Dämonenwerk! Es war gut, Besucher schon vorher zu kennen. Hier in dieser verkommenen Gegend, der Bronx in New York, kümmerte sich zwar keiner um den alten, verschrobenen Mann, aber Benson hatte gelernt, vorsichtig zu sein.

Er streckte die Arme aus und kreuzte die Handflächen. Das Geisterbild zerfloss. Irgendwo schwang knarrend eine Tür auf. Polternde Schritte näherten sich.

Sekunden später traten die drei Männer ein.

Der Professor und der Unbekannte musterten sich mit unverhohlener Neugier. Jeder versuchte herauszufinden, was er vom anderen zu erwarten hatte.

Kovac stand hinter dem jungen Mann und tippte sich mit seinem Zeigefinger an die Schläfe. Damit wollte er seinem Boss einen Hinweis auf den Geisteszustand des Opfers geben.

»Mein Name ist Benson«, schnarrte der Professor. »Willkommen in meinem Haus!«

»Ich heiße Kara«, stellte sich der Besucher mit leichter Verbeugung vor und sah sich flüchtig im Raum um. »Hübsch haben Sie es hier.«

Er musste wirklich nicht ganz richtig im Kopf sein, denn jede andere Bezeichnung hätte für das Kellerlabor besser gepasst. An den Wänden hingen ausgestopfte Tierkörper – Resultate misslungener Versuche. Hunde mit Vogelkrallen, Mäuse mit zwei Köpfen, Tiere, denen kaum noch anzusehen war, zu welcher Gattung sie ursprünglich gehört hatten.

»Ich freue mich, Mister Kara. Darf ich mir die Frage erlauben, wie es Ihrer Familie geht?«

»Ich habe keine Familie.«

»Wie traurig«, krächzte Benson.

Er zwinkerte seinen Helfern wohlwollend zu. Ein Bursche ohne Angehörige wurde auch nicht vermisst.

»Ihre Freunde sprachen von weiteren Gästen«, sagte Kara.

In seiner Stimme schwang kein Argwohn.

»Natürlich! Bedauerlicherweise haben sie sich etwas verspätet. Vielleicht trinken wir inzwischen ein Glas und plaudern miteinander.«

Kara war einverstanden.

Der Professor schob ihn durch eine Seitentür und knipste im angrenzenden Raum das Licht an. Danach kehrte er zu Kovac und Hyde zurück und raunte ihnen mit funkelnden Augen zu:

»Ihr habt recht. Der Bursche ist ein ausgesprochener Trottel. Ich bin zufrieden mit euch. Trotzdem müsst ihr mir noch einen bringen. Diesmal aber jemanden mit scharfem Verstand!«

»Ist das nicht zu gefährlich, Professor?«, wandte Hyde ein. »Er könnte zu leicht alles durchschauen.«

»Ist er erst einmal hier, hat er keine Chance mehr. Wenn es nicht anders geht, schleppt ihn eben mit Gewalt her. Aber keine Verletzungen, die sich nur schwer wieder richten lassen. Wir haben uns wohl verstanden. Beeilt euch!«

Die beiden Gangster sahen ihren Auftraggeber irritiert an.

»Doch nicht noch in dieser Nacht?«

»Meint ihr etwa in einem Jahr, ihr Trottel?«, schnauzte Benson böse. »Vorwärts! Lasst euch etwas einfallen. Ich zahle dafür den doppelten Lohn.«

Das wirkte. Kovac und Hyde verdrückten sich.

Kara hatte inzwischen in einem der bequemen Sessel Platz genommen, die um einen runden Tisch gruppiert waren. Dieser Raum strahlte Behaglichkeit aus. Er ließ die benachbarte Schreckenskammer nicht vermuten. Normalerweise betrat man dieses Zimmer von der anderen Seite. Bei Kara erübrigte sich diese Vorsichtsmaßnahme. Er schien naiv und gutgläubig.

Benson entkorkte eine Weinflasche.

»Bester kalifornischer Tropfen«, verkündete er.

Der Professor schenkte ein und trank seinem Gast mit lauerndem Grinsen zu.

Kara schnupperte an der bernsteinfarbenen Flüssigkeit. Dann setzte er das Glas an die Lippen und ließ den Inhalt in die Kehle rinnen.

Augenblicklich begannen die Augen des jungen Mannes zu flattern. Seine Hände zitterten, und der ganze Körper wurde geschüttelt.

»Ist Ihnen nicht gut?«, erkundigte sich Benson scheinheilig.

Kara kam zu keiner Antwort mehr. Mit einem Seufzer glitt er aus dem Sessel. Reglos blieb er auf dem Boden liegen.

Der Professor nickte zufrieden.

»Ausgezeichnet! Jetzt fehlt nur noch dein Partner. Dann kann das Spiel beginnen.«


*


Kovac und Hyde mussten sich beeilen. Sobald es hell wurde, war das Unternehmen fast zu schwer.

»Verrückt!«, schimpfte Kovac. »Jahrelang experimentiert er nun schon, und plötzlich kommt es auf einen Tag an.«

»Denk an die Mäuse!«, erinnerte Hyde. »Der Alte hat sich noch nie lumpen lassen.«

Gegen Geld hatte Kovac nichts einzuwenden. Also stellte er seine Bedenken zurück und überlegte, wo man ein geeignetes Objekt auftreiben konnte.

»Intelligent soll er sein«, murrte er. »Sollen wir mit ihm ein Quiz veranstalten, bevor wir ihm eins über den Scheitel ziehen?«

Hyde wusste etwas Besseres.

»Quatsch! Wir holen uns einen, von dem wir genau wissen, dass er ein kluger Kopf ist.«

»Hast du schon eine Idee?«

»Goddard!«

Kovac blickte seinen Komplizen verblüfft an.

»Den Mathematiker?«

Hyde grinste spöttisch.

»Sieh dich nur vor, dass deine Klugheit nicht überhand nimmt!«, warnte er. »Sonst weckst du noch Bensons wissenschaftliches Interesse. Goddard wohnt ganz in der Nähe, und über die Qualität seiner Hirnzellen gibt es keine Zweifel.«

»Aber er ist viel zu bekannt. Wenn der verschwindet, ist der Teufel los.«

»Was kümmert das uns? Wir stehen zu Goddard in keinerlei Beziehung. Es gibt tausend andere Kerle, die verdächtiger sind als wir. Wenn du allerdings einen besseren Vorschlag hast …«

Den hatte Kovac nicht. Das Denken überließ er ohnehin lieber seinem Partner. Er war der Praktiker.

»Und wie stellen wir es an?«, fragte er.

»Lass mich nur machen!«

Sie fuhren nach Fordham, wo der Gelehrte in der Nähe der Universität ein Apartment bewohnte. Von einer Telefonzelle aus rief Hyde den Wissenschaftler an. Es dauerte einige Zeit, bis Goddard sich verschlafen meldete.

»Sind Sie es, Professor? Entschuldigen Sie die Störung zu so ungewöhnlicher Zeit. Wahrscheinlich werden Sie sich gar nicht mehr an Ihre alten Schüler erinnern. Smith und Rower. Wir sind zufällig in der Stadt und kauen schon die ganze Nacht an einem mathematischen Problem. Wir hatten gehofft, dass Sie uns vielleicht helfen können.«

»Smith?«

»Charles Smith. Ich arbeite für eine Computerfirma in San Francisco. Unsere Maschine geht leider wieder morgen früh. Sonst hätten wir es nicht gewagt, Sie mitten in der Nacht zu belästigen.«

»Was ist das für ein Problem?«

Goddards Interesse war unüberhörbar.

»Wir müssten Ihnen das skizzieren.«

»Also gut! Wann können Sie hier sein?«

»In einer Minute. Und vielen Dank. Sie sind sehr freundlich.«

Hyde hängte den Hörer ein und zog Kovac aus der Zelle. Er grinste.

»Noch Bedenken?«

Die beiden betraten das Apartmenthaus und fuhren mit dem Lift in die elfte Etage. Der Mathematiker erwartete sie bereits.

Goddard versuchte, sich an die Männer zu erinnern. Doch da trat Kovac in Aktion und schlug dem Gelehrten auf den Hinterkopf. Hyde fing ihn auf. Das Ganze hatte nicht länger als ein paar Atemzüge gedauert. Nun kam der schwierigere Teil. Sie mussten den Bewusstlosen ohne Zeugen in den Lieferwagen verfrachten. Mitten in der Nacht gab es in diesem seriösen Haus kein Kommen und Gehen.

Sie nahmen Goddard in die Mitte und bugsierten ihn zum Aufzug. In direkter Fahrt glitten sie nach unten und verließen die Kabine. Die Straße war menschenleer. Es fuhren zwar ein paar Autos vorbei, doch die Fahrer achteten nicht auf die drei Männer.

Hyde und Kovac hasteten zu dem wartenden Wagen und schleppten den Mathematiker zwischen sich. Der Mann stöhnte leise, kam aber nicht zu sich. Sie legten ihn vorsichtig in den Laderaum und schlossen die Doppeltür. Kovac klemmte sich hinters Steuer. So schnell und mühelos hatten sie sich die Prämie noch nie verdient.

Sie konnten es kaum erwarten, ihre Beute bei Benson abzuliefern.

Vor dem Haus stoppte der Wagen. Hoffentlich war Goddard durch die Schaukelei nicht schon zu sich gekommen ...

Doch es war ruhig. Kovac kletterte in den Wagen. Hyde zog den Mathematiker an den Füßen heraus.

Als das trübe Licht einer entfernt stehenden Laterne auf Goddards Gesicht fiel, schrie Kovac auf.

»Bist du verrückt?«, tobte Hyde. »Willst du uns die Bullen auf den Hals hetzen?«

Kovac war unfähig, ein Wort hervorzubringen.

Nun sah auch Hyde, was seinen Kumpan so außer Fassung brachte. An Goddards Kopf klaffte eine tiefe Wunde. Sie blutete nicht, aber der Mann war tot!

»Du Idiot hast ihn erschlagen«, heulte Hyde auf.

Kovac schüttelte den Kopf.

»Red keinen Stuss, Mensch! Du warst doch selbst dabei. Ich habe ihn fast gestreichelt. Wenn ich da an diesen Kara denke. Der konnte viel mehr einstecken.«

»Willst du damit sagen, dass er sich während der Fahrt den Schädel eingeschlagen hat?Dann müsste er bluten. Hast du seine offenen Augen gesehen?«

Hyde nickte.

»Das Grauen steht darin, als hätte er etwas ganz Entsetzliches gesehen.«

»Was wird Benson sagen?«

»Na, was schon? Toben wird er.«

»Er braucht es gar nicht zu erfahren. Wir schaffen die Leiche weg und besorgen ein neues Opfer.«

Hyde wehrte entrüstet ab.

»Das ist Schwachsinn! Es ist höchstens noch eine halbe Stunde dunkel. Benson muss sich wohl oder übel bis morgen gedulden. Aber der stumme Kerl hier muss verschwinden. Ich habe mir sagen lassen, im Hudson sei noch ’ne Menge Platz für derartige Besucher. Pack mal mit an!«

Kovac schüttelte sich. Er drehte seinen Kopf zur Seite, als er Hyde half, den Leichnam in den Wagen zurückzuschieben.

Dabei fiel sein Blick auf die Brust des Toten. Das Hemd war versengt. Auf dem weißen Stoff zeichnete sich ein merkwürdiges Gebilde ab. Es hatte ungefähr die Form eines Gesichts, einer grässlichen Fratze … Kovac schlug unwillkürlich das Kreuz.

Hyde lachte verhalten.

»He! Was ist mit dir los?«

»Ach! Halt doch dein Maul! Das geht hier nicht mit rechten Dingen zu.«

»Das Hemd hat Goddards Haushälterin beim Bügeln versengt. Er hatte keine Zeit, ein anderes zu suchen. Du wirst langsam wunderlich. Jedenfalls werde ich morgen die Sache übernehmen, sonst bringst du wieder jemanden um.«

Er überhörte Kovacs Protest. Sie fuhren ein Stück in nördlicher Richtung und bogen dann zum Hudson ab. An einer besonders dunklen Stelle stießen sie den Toten in den Fluss, nachdem sie ihn zuvor mit Steinen beschwert halten. Dann fuhren die beiden zurück.

Benson war zwar wütend über den Misserfolg, aber er sagte sich, dass es dafür morgen um so besser klappen würde. So konnte er in Ruhe die erforderlichen Vorbereitungen treffen.


*


Einige tausend Kilometer östlich von New York war um diese Zeit bereits heller Tag. In Brighton saßen drei Menschen an einem Tisch und grübelten über ein Problem.

Milton Sharp war noch vor wenigen Monaten Reporter der kleinen Zeitung »Seaford Post« gewesen. Über Geschichten von Geistern, Dämonen und anderen finsteren Wesen hatte er nur gelacht. Doch inzwischen war Milton Sharp erklärter Gegner aller dunklen Mächte.

Seit der Dämon Xurus seinen Zwillingsbruder Glyn verschleppt hatte und in dessen Körper geschlüpft war, kannte der Reporter nur ein Ziel: Er wollte Glyn aus der Hand des Dämons befreien.

Die Erkenntnis, dass die Erde von unheilvollen Wesen bevölkert war, hatte ihn anfangs ziemlich erschreckt. Doch bald hatte er den Dämonen einen erbitterten Kampf angesagt und sie vernichtet, wo immer sich ihm die Gelegenheit bot.

Auch seinem Erzfeind Xurus war er schon mehrfach gegenübergestanden. Doch mit dessen Vernichtung hätte er gleichzeitig seinen Bruder getötet. Das durfte nicht passieren.

Es gab nur einen Weg, Glyn wieder zu einem Menschen zu machen. Xurus hatte seine geistige und seelische Identität in einen anderen Menschen verpflanzt. Wenn es gelang, sie in den angestammten Körper zurückzuführen, konnte Glyns Rettung vollzogen werden.

Außer Milton befanden sich ein Mann und eine Frau im Zimmer. Beide wussten von dem Vorhaben des Schattenjägers, aber sie sahen der Verwirklichung mit unterschiedlichen Gefühlen entgegen.

Bei dem Mann handelte es sich um Lee Fallon. Der hatte bis vor kurzem noch die Polizei als raffinierter Juwelendieb zur Verzweiflung gebracht. Dafür hatte man ihm den Beinamen »die Ratte« gegeben. Er wusste, dass sein Tod besiegelt war, falls es zu der Zusammenführung von Glyns Körper und Geist kam. Lee war derjenige, in dem die geistige Identität des Entführten jetzt wohnte.

Eine Teufelei des Dämons!

Denn wenn »die Ratte« zufällig von einer Kugel getötet wurde, war Glyn für ewig verloren. Aus diesem Grund hatte Milton alles darangesetzt, Lee Fallon zu finden und ihn vor der Polizei zu schützen.

Lee wäre ohne Milton längst tot. Deshalb hatte er sich bereit erklärt, dem Schattenjäger zu helfen.

Die junge Frau hieß Jennifer Britten und war die Braut von Glyn. Einen Tag vor der Trauung hatte Xurus zugeschlagen und das Glück brutal zerstört.

Anfangs war es ihr undenkbar erschienen, auch nur an einen anderen Mann als Glyn zu denken. Doch dann hatte sie Milton kennengelernt, Glyns Zwillingsbruder. Sie empfand Bewunderung für den Mann, der es sich nicht zur Aufgabe gemacht hatte, seinen Bruder wiederzufinden, sondern auch selbstlos sich in Lebensgefahr begab, um Unschuldige aus den Klauen der Schattenwesen zu befreien. Sie dachte oft an Milton und freute sich, wenn sie seine Stimme hörte. Manchmal fragte sie sich, ob dies alleine aus Freude passierte.

Vor den dreien lagen unzählige Bücher auf dem Tisch. Die meisten stammten aus der Bibliothek von Kisimul Castle. Milton hoffte darin die Antwort auf die Frage nach der Bewandtnis des »Schreins der Tränen« zu finden.

Er hatte diesen Schrein, der in uralter Zeit aus menschlichen Knochen gefertigt worden war, unter Lebensgefahr von den Hebriden geholt. Xurus selbst hatte ihn erwähnt. Offensichtlich barg er eine Gefahr für den Dämon. Doch das Kästchen enthielt nichts weiter als drei einseitig polierte Metallplatten in der Größe von Spielkarten.

Wo lag das Geheimnis?

Jenny hob den Kopf. Ihre langen, rotblonden Haare passten wunderbar zu den blauen Augen, die in letzter Zeit jedoch viel geweint hatten.

»Sei ehrlich, Milton!«, sagte sie leise. »Glaubst du wirklich noch, Glyn retten zu können? Sollen wir besser aufgeben?«

Der Schattenjäger schüttelte entschieden den Kopf.

»Du weißt, dass ich niemals aufgeben kann. Ich habe gelobt, gegen alle Dämonen zu kämpfen. Vor allem Xurus muss sterben.«

»Und wenn du selbst dabei umkommst? Ich könnte es nicht ertragen, Milton. Du und Glyn, ihr seid euch so ähnlich. Dich tot zu wissen, wäre viel zu schmerzlich.«

Bisher hatte Milton sich immer dagegen gewehrt, in Jenny mehr zu sehen als die Verlobte seines Bruders. Er hatte immer versucht, nicht daran zu denken, dass er Gefühle empfand für diese Frau. Doch offensichtlich empfand Jenny ähnlich.

Was war, wenn es ihm tatsächlich eines Tages gelang, Glyn zu befreien? Dann würde er diese Frau verlieren, die doch zu seinem Bruder gehörte. Warum gab er nicht einfach auf? Niemand würde ihm einen Vorwurf machen.

Niemals! Er liebte Glyn. Bis zum letzten Atemzug wollte er für dessen Leben kämpfen und, falls er Erfolg hatte, dem Bruder die Frau gönnen, die er selbst zu lieben begonnen hatte.

»Es gibt für mich keine Wahl, Jenny«, sagte er mit Nachdruck. »Du selbst hast dich für kurze Zeit in Xurus’ Gewalt befunden.«

Jenny biss sich auf die Lippen. Sie war nicht etwa hartherzig oder eigensüchtig. Sie hatte nur keine Hoffnung mehr, dass es Glyn noch gab.

Lee Fallon saß neben ihr. Er besaß jene Eigenschaften, die sie von ihrem Verlobten kannte. Irgendwo existierte nun eine Hülle ohne menschlichen Geist. Ihr Gefühl fasste es nicht, dass daraus wieder der Mann werden sollte, den sie geliebt hatte.

Aber sie schwieg und las in den Büchern.

Auch Lee Fallon nahm das Studium wieder auf. Insgeheim hatte er gehofft, Milton würde auf die Bitte der Frau eingehen. Doch er kannte den Schattenjäger inzwischen gut genug, um zu wissen, dass daran überhaupt nicht zu denken war.

Von Zeit zu Zeit schielte er nach dem Kästchen, das hinter der Glastür des Schranks stand. Würden sie das Geheimnis je enthüllen?

Es läutete an der Tür.

Milton Sharp blickte auf die Uhr.

»Für die Post ist es noch zu früh.«

Er stand auf und verließ das Zimmer. Augenblicke später kehrte er zurück. Er hielt ein Telegramm in der Hand.

»Etwas Unangenehmes?«, erkundigte sich Fallon.

»Das weiß ich noch nicht. Ein alter Freund bittet mich um Hilfe. In New York passieren merkwürdige Dinge. Augenzeugen wollen fliegende Hunde mit mörderischen Krallen gesehen haben, Vögel mit Katzenköpfen greifen Passanten an. Die Polizei misst den Behauptungen wenig Bedeutung bei, zumal sich die Aussagen widersprechen. Mein Freund fürchtet aber, dass es sich hier um dämonische Wesen handelt. Ich soll mich der Sache annehmen.«

»Konnte schon eines dieser Biester gefangen werden?«

»Eben nicht. Sonst müssten sich ja die Behörden einschalten.«

»Wirst du fliegen?«, fragte Jenny hoffnungsvoll.

In den Staaten glaubte sie Miltons Leben sicher.

»Das weiß ich noch nicht. Ich möchte erst mit meinem Freund telefonieren und mir ein paar weitere Fakten geben lassen. Viel zu oft habe ich mich schon von meiner eigentlichen Aufgabe ablenken lassen.«

»Meistens aus gutem Grund, Milton. Die Dämonen treiben nicht nur in England ihr Unwesen.«

Lee Fallon wusste ein Lied davon zu singen, hatte er doch in Frankreich und Italien grauenvolle Erlebnisse mit diesen Schattenwesen überstehen müssen.

»Wer ist dieser Mann eigentlich?«

Aus Jennys Stimme klang Besorgnis.

Der Schattenjäger lachte.

«Jason Brewster war Journalist wie ich. Allerdings war er der Gescheitere von uns beiden. Er wechselte in die Politik und ist anschließend in die Staaten gegangen. Der Bursche hat das Zeug zu einer großartigen Karriere.«

Milton wollte mit dem Anruf noch warten, bis in Amerika der Tag begonnen hatte.

Hätte er die Ereignisse geahnt, hätte er sich mit Sicherheit mehr beeilt …


*


Jason Brewster konnte nicht schlafen. Hätte er das Telegramm doch früher abgeschickt! Falls er Milton überhaupt erreichte, würde der sich vielleicht nicht kurzfristig freimachen und über den Ozean kommen können. Doch auch sonst würde er nicht vor abends hier sein.

Der Diplomat wälzte sich nervös im Bett hin und her. Ihm war heiß, dabei herrschten in New York ausnahmsweise erträgliche Temperaturen. Es musste an der Aufregung liegen.

Er selbst hatte zwar noch keine dieser Gräuelgestalten zu Gesicht bekommen. Aber die sich häufenden Beobachtungen konnten keine bloßen Hirngespinste sein. Dahinter musste etwas stecken.

Milton Sharp! Dieser Name war innerhalb der letzten Monate mehrfach durch die Presse gegangen. Der Mann hatte für Aufsehen gesorgt, als er unheimlichste Gegner zur Strecke gebracht hatte. Brewster war überzeugt, dass die Presse die tollsten Fälle totgeschwiegen hatte, damit keine Hysterie unter den Lesern entstand.

Milton war zum Schattenjäger geworden. Eine Arbeit, für die es keine Ausbildung gab. Und auch keine Pension. Brewster hätte nie geglaubt, einmal um die Hilfe seines ehemaligen Kollegen bitten zu müssen.

Jason Brewster erhob sich und knipste die Nachttischleuchte an. Der Lichtschein bildete Kreise an der Zimmerdecke. Diese begannen zu rotieren. Dem Mann wurde schwindlig. Er musste wegsehen. Brewster ging zum Fenster und öffnete es. Die Luft des beginnenden Morgens brachte ihm keine Erfrischung.

Er wollte sich schon abwenden, um aus der Küche ein Glas Wasser zu holen, als er die beiden Männer auf der Straße entdeckte. Sie schauten zu ihm empor und diskutierten miteinander. Jason kannte die Kerle nicht. Sie sahen auch nicht aus wie die Leute, mit denen er Umgang pflegte.

Nachdem er etwas getrunken hatte, fasste er den Entschluss, die Nacht zu beenden und etwas Frühsport zu treiben. Er liebte es, durch den Central Park zu joggen, wenn erst wenige Menschen auf den Beinen waren.

Er stieg in Jogginganzug und Sportschuhe. Dann verließ er die Wohnung. Das Haus, in dem er wohnte und auch sein Büro hatte, befand sich in der 74. Straße an der East Side. Bis zum Park waren es nur wenige Schritte.

Als Brewster die Rasenflächen erreichte, trabte er los. Locker und gleichmäßig. Die Schritte' hinter ihm interessierten ihn nicht.

Erst als er die beiden Kerle, die er schon vom Fenster aus beobachtet hatte, neben sich sah, wurde er stutzig.

Es handelte sich um Typen, denen er lieber aus dem Weg ging. Allerdings sagte er sich, dass sie in seinem Jogginganzug kaum eine Brieftasche mit viel Bargeld erwarten konnten.

»Mister Brewster?«

Der Größere der beiden sprach ihn an.

»Sie sind doch Jason Brewster, oder irre ich mich?«

Der Politiker blieb stehen. Er überlegte, ob ihm die gegnerische Partei ein faules Ei vor die Füße werfen wollte. Sie verwickelte ihn in eine Schlägerei, damit er morgen eine ungünstige Presse erhielt.

»Der bin ich«, gab er zögernd zu. »Kann ich irgendetwas für Sie tun?«

Die beiden Männer sahen sich an.

»Wir haben uns sagen lassen, dass Sie sich für die benachteiligten Bevölkerungsgruppen starkmachen, Sir.«

»Gehören Sie dazu?«

Brewster gab sich keine Mühe, den Spott zu unterdrücken.

»Es geht nicht um uns, sondern um eine Frau mit sechs Kindern. Der Vater kam bei einem Betriebsunfall ums Leben. Die Versicherung zahlt nicht. Die Firma hat nur höfliches Bedauern für die Hinterbliebenen. Die Leute wurden aus ihrer Wohnung geworfen. Wir hatten gedacht, dass Sie etwas für die Familie tun könnten.«

Jason Brewster fühlte Zorn gegen diese Ungerechtigkeit. Er musste den Männern, die er um ein Haar für Galgenvögel gehalten hatte, dankbar sein.

»Kann ich mit der Frau sprechen?«, verlangte er.

»Selbstverständlich. Aber erschrecken Sie nicht. Sie ist mager wie ein Skelett. Sie wartet drüben in unserem Wagen.«

Brewster folgte den beiden zu einem Ford-Lieferwagen, von dem der Kleinere die hintere Tür öffnete. Himmel! Die Typen hatten doch hoffentlich nicht die ganze Familie dort hineingepfercht!

Er erkannte die Falle zu spät. Der Wagen war leer. Dafür erhielt er einen dumpfen Schlag gegen den Kopf, der ihm sofort die Besinnung raubte.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738909463
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (April)
Schlagworte
milton sharp dämonenfalle york

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Titel: Milton Sharp #10: Dämonenfalle in New York