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LEADVILLE #3: Sheldons Revolvergarde

©2017 90 Seiten

Zusammenfassung

Es ist kein leichter Job, den Marshal Clay Caldwell in Leadville angetreten hat. Zumal der berüchtigte Doc Holliday sich in der Stadt aufhält und es Leute gibt, die es auf ihn abgesehen haben. Die Ereignisse in der Minenstadt spitzen sich zu, als auch Linda Johnson und ihr Partner Arthur Black ihre eigenen Pläne schmieden und dabei buchstäblich über Leichen gehen. Sie haben jedoch nicht damit gerechnet, dass es noch andere Männer in Leadville gibt, die nicht dulden, dass jemand zu schnell erfolgreich ist. Die beiden neuen Eigentürmer des Silver Dollar Saloons werden sehr rasch mit der rauen Wirklichkeit konfrontiert – und dazu gehört auch Schutzgelderpressung. Durchgeführt von Sam Perkins und seinen Revolverschwingern, die auf der Lohnliste der beiden Minenbesitzer Robert Sheldon und David Moore stehen.
Aber das ist noch nicht alles. Auch Doc Holliday gerät allmählich in Bedrängnis, denn seine Verfolger wollen ihm eine Falle stellen. Und sie glauben, dass Holliday nichts von allem ahnt ...

Leseprobe

Sheldons Revolvergarde


Ein Western von Alfred Wallon & Marten Munsonius





IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Whitman + jtanki/123rf.com, 2017

Redaktion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de



Klappentext:

Es ist kein leichter Job, den Marshal Clay Caldwell in Leadville angetreten hat. Zumal der berüchtigte Doc Holliday sich in der Stadt aufhält und es Leute gibt, die es auf ihn abgesehen haben. Die Ereignisse in der Minenstadt spitzen sich zu, als auch Linda Johnson und ihr Partner Arthur Black ihre eigenen Pläne schmieden und dabei buchstäblich über Leichen gehen. Sie haben jedoch nicht damit gerechnet, dass es noch andere Männer in Leadville gibt, die nicht dulden, dass jemand zu schnell erfolgreich ist. Die beiden neuen Eigentürmer des Silver Dollar Saloons werden sehr rasch mit der rauen Wirklichkeit konfrontiert – und dazu gehört auch Schutzgelderpressung. Durchgeführt von Sam Perkins und seinen Revolverschwingern, die auf der Lohnliste der beiden Minenbesitzer Robert Sheldon und David Moore stehen.

Aber das ist noch nicht alles. Auch Doc Holliday gerät allmählich in Bedrängnis, denn seine Verfolger wollen ihm eine Falle stellen. Und sie glauben, dass Holliday nichts von allem ahnt ...




Roman:

Er spürte das bedrückende Schweigen, als er den Silver Dollar Saloon betrat und dabei einen Blick in die betretenen, teilweise verunsichertern Gesichter der Menschen warf. Marshal Clay Caldwell spürte instinktiv, dass hier etwas geschehen war, das noch weitreichende Folgen haben würde. Auch wenn er in diesem Moment noch gar nicht sagen konnte, warum das so war.

Gut, dass Sie so schnell gekommen sind, Marshal“, hörte er plötzlich eine aufgeregte Frauenstimme in der Nähe der Theke. Er schaute in die betreffende Richtung und entdeckte, wie die schwarzhaarige Linda Johnson auf ihn zueilte. Ihr Blick spiegelte eine Mischung aus Sorge und Betroffenheit wider. Mit ihrem grünen, raffiniert geschnittenen Kleid zog sie die Blicke vieler Männer im Silver Dollar Saloon auf sich. Aber das registrierte Caldwell nur am Rande.

Was ist passiert?“, fragte er.

Patterson – er ist … tot!“, stieß Linda aufgeregt hervor. Sie schaute beunruhigt in die Runde. „Er ist oben in seinem Zimmer.“ Ihre Stimme wurde immer leiser.

Wo ist das?“, wollte Caldwell wissen.

Ich zeige es Ihnen. Kommen Sie bitte mit“, erwiderte Linda und ging voraus. Caldwell folgte ihr und registrierte dabei am Rande, dass auch Arthur Black sich von der Theke löste und in Richtung Treppe ging.

Caldwells Miene verdüsterte sich, als er das bemerkte, aber er sagte nichts dazu. Er mochte diesen aalglatten Kerl nicht. Er war schon einmal mit ihm aneinandergeraten. Die Spannung zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Männern war sofort wieder spürbar – zumindest für den Marshal.

Schweigend folgte er Linda hinauf in die oberen Räumlichkeiten und sah, wie sie vor einer Tür auf dem Gang stehen blieb.

Hier ist es“, sagte sie und drückte die Türklinke herunter. „Ich kann es immer noch nicht fassen. Es muss … ganz plötzlich geschehen sein. Aber sehen Sie doch bitte selbst. Vielleicht finden Sie mehr heraus ...“

Clay betrat das Zimmer und ließ kurz seine Blicke in die Runde schweifen. Er sah das Bett und die reglose Gestalt, die darin lag. Es war Al Patterson, der Besitzer des Silver Dollar Saloons. Im ersten Moment sah es so aus, als wenn Patterson nur schlafen würde. Erst beim zweiten genaueren Hinschauen konnte man erkennen, dass der Mann nicht mehr atmete. Die Augen des Toten waren geschlossen, und seine Gesichtszüge waren maskenhaft bleich. Wie die eines Menschen, der ganz friedlich eingeschlafen, aber nicht mehr aufgewacht war.

Wer hat ihn gefunden?“, wollte Caldwell wissen.

Ich“, erwiderte Linda Johnson. Sie wirkte angespannt in ihrem ganzen Verhalten. „Ich wollte doch nur nach dem Rechten sehen, und dann ...“

Miss Johnson war überrrascht von Pattersons plötzlichem Tod“, kam ihr nun Arthur Black zu Hilfe, der noch in der Tür stand. „Niemand hat damit gerechnet, Marshal. Es kam alles sehr überraschend. Wir hätten besser einen Arzt holen sollen, weil er ...“ Er hielt einen kurzen Augenblick inne, bevor er fortfuhr. „Er fühlte sich nicht wohl.“

Was heißt das genau?“

Wenn ich das wüsste, würde ich es Ihnen sagen, Marshal“, erwiderte Black mit kalter Stimme. „Ich habe nur mitbekommen, dass er auf einmal Magenkrämpfe bekam. Ihm war vermutlich übel. Deshalb ist er gegangen.“

Er wollte sich ein paar Stunden hinlegen und ausruhen“, fügte Linda hinzu, nachdem sie kurz zu Black geschaut und dessen Nicken registriert hatte. „Er war so schwach auf den Beinen, dass ich ihn auf dem Weg zu seinem Zimmer stützen musste.“

Dann waren Sie also die Letzte, die ihn vermutlich lebend gesehen hat?“, schlussfolgerte Clay.

Vermutlich ja“, sagte Linda seufzend und strich sich dabei eine widerspenstige Haarsträne aus der Stirn. „Aber da hätte ich doch nicht ahnen können, dass ...“ Sie brach ab, weil sie nicht wusste, wie sie die Flut der Gedanken, die von allen Seiten auf sie einzustürmen schienen, in Worte fassen sollte.

Black, holen Sie den Doc“, wandte sich Clay an Lindas Partner. „Nun schauen Sie mich nicht so erstaunt an. Worauf warten Sie noch?“

Vergreifen Sie sich nicht im Ton, Marshal“, erwiderte Black mit mühsam unterdrückter Wut. Clay sah, wie er beide Fäuste zusammenballte, aber ansonsten ruhig blieb. „Gut, ich gehe...“

Er drehte sich um und verließ das Zimmer. Wenige Sekunden später verhallten seine Schritte draußen auf em Flur. Für wenige Sekunden herrschte eine bedrückende Stille im Zimmer.

Der Arzt wird hoffentlich feststellen können, woran er genau gestorben ist“, sagte Clay und warf nochmals einen Blick auf das bleiche Gesicht des Toten, als würden die erstarrten Gesichtszüge ihn mehr über die Todesursache verraten. „Wissen Sie, ob es ihm schon einmal so schlecht ging wie gestern Abend?“

Er wandte den Blick von dem Toten ab und schaute der Frau in die Augen.

Linda verneinte mit einem eindeutigen Kopfschütteln.

Meine Truppe und ich sind doch erst seit wenigen Tagen in Leadville, Marshal. Im Grunde genommen habe ich Patterson kaum gekannt. Das einzige, was ich sagen kann, ist, dass er ziemlich nervös und hektisch war. Vermutlich hat er ganz viel Stress in den letzten Wochen gehabt. Das konnte man ihm auch deutlich ansehen. Umso besser für ihn, dass er sich nun endlich kürzer treten wollte und ...“

Wie bitte?“, unterbrach sie Clay. „Er wollte den Silver Dollar Saloon aufgeben?“

Nicht ganz – Arthur und ich haben ihm ein sehr gutes Angebot gemacht, das er nicht ablehnen konnte. Wir dachten, dass wir ihm damit entgegenkommen, wenn wir als gleichberechtigte Partner mit einsteigen und so die Last auf mehreren Schultern verteilen. Gestern Mittag erst haben wir den Vertrag unterzeichnet, und jetzt ...“ Sie wich den Blicken des Marshals für Bruchteile von Sekunden aus. „Niemand hätte doch ahnen können, dass er so plötzlich sterben würde, oder?“

Vermutlich nicht“, stimmte ihr Clay zu. „Trotzem möchte ich, dass der Doc die Leiche noch einmal untersucht. Und was den Vertrag angeht, den Sie und Black mit ihm geschlossen haben – den würde ich auch gerne sehen.“

Sie zweifeln doch nicht etwa an meinen Worten, Marshal?“ Lindas Stimme klang ein wenig entrüstet.

Ich mache nur meinen Job, Lady – mehr nicht“, erwiderte er etwas schroffer als er das eigentlich beabsichtigt hatte.

In diesem Moment erklangen draußen auf dem Flur wieder Schritte. Clay erkannte das Aufblitzen in Lindas Augen. Es galt Emily Dunn, die in diesem Moment das Zimmer betrat. Und dass dies Linda störte, spürte der Marshal sofort. Die beiden so unterschiedlichen Frauen empfanden nicht unbedingt Sympathie füreinander.

Ich hörte unten von Pattersons Tod“, ergriff Emily nun das Wort und zückte dabei ihren kleinen Notizblock. „Ich denke, dass es wichtig ist, aus erster Hand Details zu erfahren. Sie haben doch nichts dagegen, Marshal?“

Noch gibt es nichts zu berichten, Miss Dunn“, lautete Clays Antwort. „Ich will erst wissen, was der Doc sagt.“

Sie können aber schon mal berichten, dass der Silver Dollar Salonn ab sofort unter neuer Leitung steht, Miss Dunn“, mischte sich Linda Johnson ein. „Mein Partner Arthur Black und ich haben mit Mr. Patterson eine entsprechende Vereinbarung getroffen. Es ist bedauerlich, was geschehen ist. Vermutlich war Mr. Patterson sehr krank, und niemand hat das gewusst. Ich würde deshalb gerne im „Leadville Chronicle“ eine Anzeige schalten. Natürlich verbunden mit einem speziellen Angebot und...“

Das besprechen Sie am besten zu einem späteren Zeitpunkt, Miss Johnson“, meinte Clay. „Holen Sie jetzt erst einmal den Vertrag. Ich möchte ihn sehen – und zwar gleich.“

Es passte der schwarzhaarigen Frau überhaupt nicht, dass der Marshal sie in Gegenwart Emilys zu maßregeln versuchte. Hoch erhobenen Hauptes verließ sie das Zimmer und schlug die Tür etwas heftiger zu als es angebacht war.

Haben Sie die Frau so sehr verärgert, Clay?“, wollte Emily nun wissen.

Keine Ahnung“, erwiderte dieser achselzuckend. „Ich will nur wissen, ob die neuen Besitzverhältnisse der Wahrheit entsprechen.“

Zweifeln Sie etwa daran?“

Bestimme Dinge laufen manchmal etwas zu unerwartet ab“, erwiderte Clay ausweichend. „Es ist schon ein merkwürdiger Zufall, dass Patterson mit Linda Johnson und Arthur Black eine Vereinbarung trifft und schon einen Tag später das Zeitliche segnet, oder?“

Das schon“, musste nun auch Emily zugeben. „Aber schauen Sie sich den Toten doch einmal an. Er sieht nicht so aus, als hätte man ihm Gewalt angetan.“

Zumindest keine sichtbare“. Er hatte noch mehr sagen wollen, aber in diesem Moment kam Linda wieder zurück und reichte ihm wortlos ein zusammengefaltetes Stück Papier. Clay nahm es entgegen, öffnete es und überflog die wenigen Zeilen sowie die Unterschriften.

Ich sehe mir das mal genauer an, Miss Johnson“, rang er sich schließlich zu einem Entschluss durch, nachdem er im Stillen das Für und Wider sorgfältig abgewogen hatte. „Sie bekommen das Dokument selbstverständlich gleich morgen früh wieder zurück.

Aber das ist doch...“, kam es ihr über die Lippen. Sie brach jedoch wieder ab, als nun Arthur Black mit dem Doc ins Zimmer kam. Clay war dem Arzt letztes Jahr schon einmal in Leadville kurz begegnet, aber er erinnerte sich in diesen Sekunden nicht mehr an den Namen.

Dr. Randolph Craven“, stellte er sich kurz vor, als er das kurze Zögern des Marshals bemerkte und damit dessen Wissenslücke schloss. „Ich schaue mir den Toten einmal an. Und in der Zwischenzeit lassen Sie mich jetzt bitte in Ruhe alles untersuchen. Gehen Sie bitte.“ Diese Aufforderung galt insbesondere den beiden Frauen und Arthur Black. „Sie können selbstverständlich bleiben, Marshal“, fügte er noch kurz hinzu.

Emily passte das nicht, aber sie sah ein, dass jetzt der falsche Augenblick war, um auf ihren Status als Chefredakteurin des Leadville Chronicle hinzuweisen. Ihre Blicke und die des Marshals trafen sich noch kurz, dann wandte sie sich ab und verließ als erste das Zimmer. Black zögerte noch, aber Linda Johnson packte ihn am rechten Oberarm und zog ihn einfach mit sich.

Wissen Sie, wie das passiert ist?“, riss Clay die Stimme des Arztes aus seinen Gedanken.

Angeblich ist er eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht“, klärte Clay Dr. Craven auf.

Aha“, sinnierte dieser. „Wer hat ihn gefunden?“

Linda Johnson – die neue Eigentümerin des Silver Dollar Saloons“, erwiderte Clay und beobachtete gleichzeitig, welche Reaktion diese Bemerkung bei Dr. Craven auslöste.

Interessant“, meine dieser, während er seine Tasche auf einem kleinen Tisch neben dem Bett abstellte und dann den Toten inspizierte. Clay beschloss den Arzt dabei nicht zu stören und hielt sich mit weiteren Fragen zurück. Obwohl er jetzt und hier gerne mehr gewusst hätte.

Manche Dinge geschehen ganz plötzlich und unerwartet“, seufzte Dr. Craven. „Ich kenne Patterson schon einige Jahre. Er hat zwar gerne einen über den Durst getrunken, aber sein Herz war immer in Ordnung. Daran kann es also nicht gelegen haben.“

Miss Johnson sagte, ihm sei auf einmal übel geworden.“

Wovon?“

Das werde ich sie noch genau fragen, Doc“, meinte Clay. „Ich möchte zunächst nur wissen, ob Sie irgendwelche Anzeichen von Gewaltanwendung feststellen können. Ein Mediziner kann da mehr erkennen...“

Der Arzt öffnete das Hemd des Toten. Rasch, mit geübten Bewegungen tastete er den Toten ab. Er beugte sich über das Gesicht und drehte den Kopf ein paar Mal hin und her. Die Leichenstarre war noch nicht vollständig ausgeprägt. Dann schaute er den Marshal wieder an.

Es sieht nicht danach aus“, erwiderte der Arzt achselzuckend. „Keine blauen Flecken, keine Spuren im Gesicht. Mir jedenfalls scheint es so, als wenn er eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht ist.“

Und was ist die Ursache für solch einen plötzlichen Tod?“

Ein schwaches Herz zum Beispiel – aber das kündigt sich oft vorher mit Schwächeanfällen an“, behauptete Dr. Craven. „Das war bei ihm nicht der Fall. Zumindest weiß ich nichts davon.“

Clay hätte eine weiterführende Aussage mehr geholfen, aber zumindest kam er jetzt und hier nicht mehr weiter.

Sorgen Sie dafür, dass Patterson von hier weggebracht wird?“, riss ihn die Stimme des Arztes aus seinen Gedanken. „Ich kann mich aber auch darum kümmern, wenn Sie wollen. Sie sind ja noch nicht so lange in der Stadt.“

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie das tun, Doc“, antwortete Clay. „Aber sagen Sie dem Bestatter, dass er mit den Formalitäten für die Beerdigung noch warten soll. Ich muss erst noch verschiedene Dinge klären. Ich nehme an, dass Patterson ohnehin keine Hinterbliebenen hatte, oder?“

Nicht dass ich es wüsste“, fügte Dr. Craven hinzu.

Gut, dann höre ich mich noch einmal unten im Saloon ein wenig um. Vielleicht hat ja jemand etwas bemerkt, was im Nachhinein wichtig ist.“

Tun Sie das“, nickte der Doc mit einem letzten Blick auf den Toten. „Er war immer ganz stolz auf das, was er mit dem Silver Dollar Saloon geschaffen hat. Und was hat er jetzt davon?“

Darauf wusste der Marshal auch keine Antwort.


*


Robert Sheldon wandte sich vom Fenster ab. Seine Miene war ein Spiegelbild der Gedanken, die ihm in diesem Augenblick durch den Kopf gingen. Noch immer waren zahlreiche Stimmen unten von der Straße zu vernehmen. Das gute Dutzend Menschen, das vor dem Silver Dollar Saloon zusammengekommen war und beobachtete, was dort weiter geschah, war dem Minenbesitzer natürlich nicht entgangen – ebensowenig wie die Nachricht vom plötzlichen Tod Al Pattersons. Dies hatte sich innerhalb der letzten Stunde wie ein Lauffeuer in ganz Leadville verbreitet.

Wir sollten diesen Dingen keine große Bedeutung zumessen“, meinte Davd Moore, Sheldons Geschäftspartner, der im Gegensatz zu dem grauhaarigen Sheldon in seinem Sessel sitzen geblieben war und in seiner rechten Hand ein Glas Bourbon hielt. Dafür interessierte er sich mehr als für den Tod des Saloonbesitzers. „Schließlich haben wir andere Dinge, um die wir uns kümmern müssen und ...“

David, du hast vermutlich immer noch nicht begriffen, was hier gerade stattfindet“, tadelte ihn Sheldon. Unter seinem Blick zuckte der untersetzte Moore zusammen. „Es geht darum, dass uns die Dinge in dieser Stadt nicht aus den Händen gleiten dürfen. Mittlerweile sieht es ganz danach aus, als wenn sich hier Leute einzumischen versuchen und ihr eigenes Spiel spielen.“

Wer denn?“, erwiderte Moore leicht gereizt, weil er die Kritik Sheldons nicht auf sich sitzen lassen konnte – und es auch nicht wollte. Er nahm den letzten Schluck Bourbon und stellte das Glas auf einen kleinen runden Tisch neben dem Sessel. „Wer in Dreiteufelsnamen könnte uns denn überhaupt gefährlich werden? Dieser Sternträger Caldwell? Darüber kann ich nur grinsen“

Das Grinsen wird dir vermutlich bald schlecht bekommen, wenn dieser Schnüffler gewisse Dinge herausfindet“, erwiderte Sheldon und rückte sich seine perfekt sitzende Kawatte trotzdem noch einmal zurecht. Das tat er immer dann, wenn seine Nervosität stieg. „Ich für meinen Teil habe nicht vergessen, für welche Unruhe dieser Caldwell letztes Jahr in der Stadt gesorgt hat. Paul Sheridan war ein Narr und musste dafür büßen. Aber daran war er selbst schuld und hat dafür einen hohen Preis zahlen müssen. Was mich betrifft – ich werde nicht zulassen, dass dies ein zweites Mal geschieht.“ (s.STAHLSPUR NACH LEADVILLE – die Vorgeschichte zu dieser Serie).

Auch Caldwell muss sich an das Gesetz halten“, gab Moore zu bedenken und wollte gerade nach der Bourbonflasche greifen, um sich ein zweites Glas einzuschenken. Aber die knurrende Stimme Sheldons ließ ihn innehalten.

Verdammt, David – reiß dich endlich zusammen und hör auf zu saufen!“, warnte er ihn in einem Tonfall, der so eindeutig war, dass Moore seine Hand sofort wieder zurückzog. „Vielleicht hältst du mich für übervorsichtig – aber ich will immer wissen, was in der Stadt geschieht und wer uns gefährlich werden könnte. Deshalb habe ich Perkins losgeschickt. Er müsste jeden Augenbloick wieder zurück sein und ...“

Er hielt inne, als er draußen vor der Tür dumpfe Schritte vernahm. Sekunden später klopfte es.

Kommen Sie rein!“, forderte Sheldon den Besucher auf. Daraufhin wurde die Tür geöffnet, und Sam Perkins trat ein. Er war groß und breitschultrig. Sein kantiges Gesicht wurde von einem schwarzen Vollbart umrahmt. Der Bart ließ jedoch noch auf der rechten Wange Spuren einer länglichen Narbe erkennen. Er trug dunkle Kleidung und einen Revolvergurt, der tief saß. Er war der Anführer der Truppe, die für die Sicherheit der Erztransporte sorgte, die täglich Leadville in Richtung Canon City verließen.

Was haben Sie erfahren, Perkins?“, fragte ihn Sheldon.

Eine ganze Menge“, erwiderte dieser. „Der Marshal ist im Moment oben im Zimmer, und der Doc ist auch schon da.“

Weiß man schon, wie es passiert ist?“, erkundigte sich Sheldon.

Patterson soll angeblich übel geworden sein“, klärte der Revolvermann seinen Boss auf. „In seinem Zimmer ist er dann gestorben. Mehr weiß ich nicht. Als ich den Saloon verließ, waren der Doc und der Marshal noch bei dem Toten.“

Sheldon und Moore warfen sich gegenseitig nachdenkliche Blicke zu. Moore ergriff wenige Sekunden später als erster das Wort.

Ich kenne Patterson. Der stirbt nicht einfach so aus heiterem Himmel. Das war ein kerngesunder Mann. So habe ich ihn jedenfalls in Erinnerung.“

Sheldon erwiderte nicht direkt etwas darauf. Weil er natürlich wusste, dass Moore ein gern gesehener Gast im Silver Dollar Saloon gewesen war und so manchen Dollar dort ausgegeben hatte. Moore trank gerne Bourbon – in letzter Zeit allerdings ein wenig zu viel. Schon mehr als einmal hatte er Moore darauf hingewiesen, dass er diese offensichtliche Schwäche nicht zu deutlich zeigen sollte. Wer schwach war, der beging irgendwann auch Fehler

Es heißt, dass Patterson zwei neue Partner haben soll“, fuhr Perkins fort. „Raten Sie mal, wer das angeblich ist...“

Sagen Sie´s einfach“, brummte Sheldon. „Und hören Sie endlich auf, um den heißen Brei zu reden“

In Perkins Augen blitzte es kurz auf. Ihm passte es ganz und gar nicht, dass Sheldon seine schlechte Laune jetzt auf ihn fokussierte. Wäre der Grauhaarige nicht sein Boss gewesen, dann hätte Perkins unter Umständen ganz anders darauf reagiert. So aber schwieg er und schluckte seinen Ärger hinunter.

Angeblich hat diese Hurentruppe jetzt einen Anteil am Silver Dollar Saloon“, rückte Perkins mit dem heraus, was er in der näheren Umgebung aufgeschnappt hatte. „Es heißt, dass diese Linda Johnson und ihr Partner nun die neuen Besitzer sind. Denn Patterson ist ja jetzt tot.“

Sieh mal einer an“, nickte Sheldon und kratzte sich dabei nervös an der rechten Schläfe. „Ich glaube, die beiden sollte man mal ganz deutlich darauf hinweisen, dass wir in Leadville den Ton angeben.“

Was hast du vor, Robert?“, fragte Moore. Er war eher ein zögerlicher Mensch, wenn es um unmissverständliche Demonstrationen von Macht ging – aber den Profit, der sich daraus ergab, steckte er umso lieber ein. Sheldon verachtete den untersetzten Minenbesitzer dafür. Aber noch brauchte er ihn und seinen Einfluss in Leadville. Nur zusammen stellten die beiden Männer etwas dar, was jeden automatisch zur Vorsicht mahnte. Zumindest hatten es diejenigen bereits begriffen, was es hieß, sich gegen Sheldons und Moores Interessen zu stellen.

Warten Sie noch ein oder zwei Tage ab, Perkins“, entschied sich Sheldon schließlich nach kurzem Überlegen. „Dann tun Sie alles, was erforderlich ist, um die beiden neuen Besitzer davon zu überzeugen, dass es besser ist, unsere Dienste rund um die Uhr in Anspruch zu nehmen. Auch wenn sie dafür zahlen müssen...“

Robert“, fiel ihm nun Moore ins Wort. Er war jetzt so aufgeregt, dass er sich hastig aus dem bequemen Sessel erhob. „Wir sollten besser nichts überstürzen und ...“

Stillstand bedeutet Niederlage, David!“, unterbrach ihn Sheldon mit einer eindeutigen Geste. „Auf keinen Fall werde ich zulassen, dass sich hier jemand ein größeres Stück vom Kuchen abschneiden will. Wehret den Anfängen, hat mal ein besonnener Mann gesagt. Und ich denke, dass er recht hat.“

Was ist mit dem Leadville Chronicle ?“, fragte Perkins. „So wie es jetzt aussieht, erscheint morgen die erste Ausgabe. Wie lauten Ihre diesbezüglichen Anweisungen, Mr. Sheldon?“

Auch hier warten wir zunächst einmal ab“, erwiderte der grauhaarige Minenbesitzer. „Ich werde einer der ersten, sehr interessierten Leser der Zeitung sein. Und dann werde ich mir den Inhalt sehr genau vornehmen. Gentlemen, machen wir uns nichts vor“, richtete er das Wort an Moore und Perkins. „Diese Frau ist sicher nicht nach Leadville gekommen, um nur eine Zeitung zu drucken. Sie behalten das ganz besonders im Auge, Perkins. Sie haben in diesem Fall ja schon Ihre Erfahrungen gesammelt, nicht wahr?“

Stimmt“, nickte der Revolvermann. „Es wäre schade um diese schöne junge Frau, wenn sie genauso sturköpfig ist wie ihr Vater. Manchmal kommt die richtige Einsicht eben viel zu spät. Ich denke, ich sollte einmal mit den Handwerkern reden, die dort noch mit einigen Bauarbeiten zugange sind ...“

Eine gute Idee, Perkins“, stimmte Sheldon sofort zu. „Kümmern Sie sich gleich bei Tagesanbruch darum. Morgen Abend treffen wir uns alle wieder hier in diesem Büro und besprechen den aktuellen Stand der Dinge. Wie sieht es draußen auf den Transportwegen nach Canon City aus?“, wollte er abschließend von Perkins wissen.

Was unsere eigenen Transporte betrifft – die sind natürlich sicher“, meinte dieser. „Aber es gibt immer noch vereinzelte Leute, die glauben, es wäre besser, das Erz auf eigene Gefahr nach Canon City zu schaffen. Obwohl es da leider schon einige bedauerliche Unfälle gegeben hat.“

In seiner Stimme ließ er anklingen, dass er genau wie Sheldon und Moore mehr über diese Zusammenhänge wusste. Aber er nannte die Dinge nicht beim Namen.

Gut, dann ist jetzt alles Erforderliche besprochen. Perkins, wenn Sie und Ihre Männer die monatlichen Schutzgebühren kassieren – gehen Sie bitte dieses Mal ganz besonders behutsam vor. Ich möchte nicht, dass unser neuer Marshal schon zu früh Wind davon bekommt. Und falls doch, dann müssen wir ihm eben klarmachen, dass es manchmal besser ist, gewisse Dinge zu ignorieren.“

Ich glaube nicht, dass uns das bei einem Mann wie Caldwell gelingt““, gab Moore zu bedenken. „Der lässt sich so schnell nicht einschüchtern.“

Gegen eine Kugel aus dem Hinterhalt ist niemand sicher“, ergriff Perkins noch vor Sheldon das Wort. „Soll ich das entsprechend regeln, Mr. Sheldon?“

Ich behalte Ihren Vorschlag in Erinnerung, Perkins“, lautete Sheldons Antwort. „Wenn es soweit ist, werden Sie es als erster erfahren.“


*


Clay Caldwell verharrte einen kurzen Moment am oberen Teil der Treppe und blickte hinunter in den Gastraum des Silver Dollar Saloons. Er hörte das Stimmengemurmel und registrierte, dass der eine oder andere immer wieder zur Treppe schaute. Jetzt hatten ihn einige der Gäste entdeckt, und Clay wusste, dass er jetzt irgend eine Reaktion zeigen sollte.

Er hob die rechte Hand und wartete ab, bis die Stimmen verstummten. Selbst an der Theke waren die Gespräche jetzt abgebrochen worden, und viele schauten erwartungsvoll zu ihm. Als wenn sie hofften, dass der Marshal die meisten unausgesprochenen Fragen jetzt schon beantworten konnte.

Wie Sie wissen, ist Al Patterson tot“, sagte er so laut, dass es jeder hören konnte. „Es heißt, ihm sei kurz vorher übel geworden. Wenn jemand von Ihnen etwas dazu sagen kann, dann wäre jetzt und hier der richtige Moment“

Er hielt kurz inne, schaute hinüber zur Theke, als wenn er sich von dort die meisten Informationen erhoffte. Tatsächlich war es einer der Keeper, der nun das Wort ergriff.

Details

Seiten
90
Jahr
2017
ISBN (ePUB)
9783738909456
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (Dezember)
Schlagworte
leadville sheldons revolvergarde

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Titel: LEADVILLE #3: Sheldons Revolvergarde