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Dr. Mystery #5: Des Teufels Braut

2017 120 Seiten

Leseprobe

Des Teufels Braut

von Franc Helgath

Dr. Mystery Band 5 ‒ Der Meister des Unerklärlichen

Episoden aus den zahlreichen Leben eines Parapsychologen und Dämonenjägers

präsentiert von Steve Salomo


Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten.


Was ist dran an der Legenden von der »Schwarzen Frau«, die in einer Gegend von Südfrankreich spuken soll? Wer ist die unheimliche Gestalt, die sich die »Teufelsbraut« nennt? Und warum erheben sich ihre schrecklich verstümmelten Opfer aus den Särgen? Nur der Parapsychologe Luc Morell, genannt »Doktor Mystery«, kann das grauenvolle Geheimnis lösen…


Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

Bearbeitung: Peter Thannisch

Titelbild: Klaus Dill

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de




1

»Ich haben Angst, Michel«, flüsterte das Mädchen, »grässliche Angst!«

Michel Barrat lachte. Er fasste seine neue Eroberung an beide Schultern und wollte sie an sich ziehen. »Du tust gerade so, als wäre ich der erste Mann für dich, Marie.«

Marie Fraisson schüttelte den Kopf. »Das ist es nicht, Michel. Aber wir sind hier im Wald von Le Cheylard…«

»Na und?«

»Ein Fluch liegt über diesem Ort.«

»Unsinn, ich…«

»Da! Sieh doch!«, schrie Marie plötzlich. Ihre Augen weiteten sich entsetzt, und der fahle Mond beleuchtete die nackte Angst, die in ihnen schimmerte. »Des Teufels Braut! Sie – sie – kommt!«

Das Mädchen wurde plötzlich schlaff in seinen Armen. Es war ohnmächtig geworden. Michel Barrat ließ es ins taunasse Gras sinken und wandte sich um. Er blickte in die Richtung, in die Marie geschaut hatte.

Zuerst sah er gar nichts. Dann hatten sich seine Augen an die Dunkelheit am Rande der Lichtung gewöhnt. Dorthin traf das Licht des Mondes nicht.

Die Gestalt war dunkel. Sie war noch schwärzer als ihre Umgebung. Langsam kam sie näher.

Michel Barrat war ein Kind seiner Zeit. So schnell konnte ihn nichts aus den Socken werfen. Mädchen waren ängstlich. Sie sahen überall gleich Gespenster. Deshalb blickte er der Gestalt mehr interessiert als beängstigt entgegen.

Es war eine Frau. Eine teuflisch schöne Frau. Wenn man Marie mit einer Glasmurmel verglich, dann war sie ein feurig leuchtender Rubin. Und sie kam auf ihn zu.

»Habe ich Sie erschreckt?«, fragte sie mit rauchiger Stimme. Sie knisterte vor Sex. Michel hatte ein geschärftes Ohr dafür.

»Kaum«, sagte er, doch er konnte es nicht vermeiden, dass sich ein dumpfes Gefühl in seiner Magengrube einnistete. »Wer sind Sie? Wo kommen Sie her?«

Die Frau war vor ihm stehen geblieben.

»Ihre Kleine erwähnte es bereits«, sagte sie. »Ich bin des Teufels Braut.«

»Aber das ist doch himmelschreiender Unsinn!«, rief Michel erbost.

Die Frau schaute ihn aus unergründlich tiefen Augen an. Michel fiel auf, dass sie schwärzer als die Nacht waren. Und er sah auch das geheimnisvolle Feuer, das in ihnen brannte.

»Sie haben recht«, meinte sie schließlich nach einer kurzen, abwartenden Pause. »Natürlich haben Sie recht.« Sie brachte eine Art amüsiertes Lächeln zustande. Ein sphinxhaftes, nachdenkliches Lächeln. »Ich bin eine Frau…«

Sie hatte die Hände vor der Brust verschränkt gehabt. Ein schwarzer knöchellanger Umhang verhüllte die Gestalt. Jetzt breitete sie langsam die Arme aus. Wie eine kostbare Blume, die sich langsam entfaltete.

Unter ihrem Umhang trug sie nichts. Ihr makelloser Körper schimmerte wie Alabaster im Mondlicht. Noch nie hatte Michel einen so schönen Körper gesehen. Wie hypnotisiert sogen sich seine Blicke daran fest. Und an dem feenhaft schönen Gesicht, dessen blasses Oval von pechschwarzen Locken umrahmt war.

Michel Barrat schluckte.

»Willst du mich haben?«, fragte die Frau mit ihrer rauchigen, verlockenden Stimme.

Der junge Mann brachte keinen Ton heraus. Er nickte nur. Und er schaute auf die bewusstlose Marie hinunter.

Als hätte die Fremde seine Gedanken erraten, sagte sie: »Marie wird noch länger schlafen.«

Michel Barrat wunderte sich nicht, woher die Fremde den Namen des Mädchens wusste. Er war nur von einem Gedanken besessen: Diese Frau musste er haben!

Und wenn es sein Leben kosten sollte.

Die Frau kam ganz nahe zu ihm. Michel hatte genau gesehen, dass sie ihre Beine nicht dabei bewegte, dass sie über das taunasse Gras der Waldlichtung zu schweben schien. Doch ihm war alles egal. Er war nur mehr von einem einzigen Gedanken beseelt.

Automatisch schlossen sich seine kräftigen Arme um die schlanke Taille der Fremden. Jeder Nerv erzitterte, als er ihren Körper spürte.

Seine Finger tasteten über marmorhaftes und trotzdem lebendig warmes Fleisch. Er spürte die Sehnen und Muskeln, die sich in gespannter Erwartung zusammengezogen hatten. Volle, feuchtwarme Lippen legten sich auf die seinen und öffneten sich zu einem brennenden, verzehrenden Kuss.

Michel Barrat wusste nicht mehr, wie ihm geschah. Plötzlich lag er im Gras, und über sich fühlte er die süße Last der Fremden.

Sie entkleidete ihn mit flinken, wissenden Fingern. Die Wogen der Leidenschaft schlugen über ihm zusammen. Er wusste nicht mehr, wie viel Zeit vergangen war, als er die Augen wieder aufschlug.

Die Frau war über ihm. In ihrem Gesicht breitete sich ein triumphierendes Lächeln aus. Ein höllisches Lächeln.

Während sich Michels Leidenschaft entlud, ging eine grässliche Veränderung mit diesem schönen Gesicht vor. Die Haut wurde welk, fiel ein und zog sich von einem grinsenden Totenschädel zurück, in dem nur mehr das brennende Feuer der Augen flackerte.

Hände tauchten vor seinem Gesicht auf. Diese grausamen Hände der Frau. Die Nägel an den Fingern wuchsen zu mörderischen Krallen an, die sich in sein Fleisch gruben und es aus seinem Körper hackten.

Michel Barrat wollte schreien, doch es wurde nur ein ersticktes Gurgeln daraus, weil sich die Finger der Frau in seine Kehle gruben.

Blut schoss ihm in einem dicken Schwall aus dem Mund. Und damit floh das Leben aus dem Körper des jungen Mannes.

Das schwarzumhüllte Gerippe sprang auf. Ein irres Gelächter bahnte sich durch den knöchernen Kiefer seinen Weg hinaus in die Nacht über dem Wald von Le Cheylard. Über jenen Wald, auf dem seit Jahrhunderten ein Fluch lastete.

Marie Fraisson erwachte von diesen Lauten, bei denen die Dämonen der Finsternis im Chor zu heulen schienen.

Das Mädchen sah das schwarzumhüllte Skelett mit den bluttriefenden Klauen. Sie sah auch die zerfetzte Leiche Michels.

Das Mädchen wollte schreien, doch die blutigen Klauen schnitten diesen Schrei ab, noch ehe er geboren wurde. Die Klauen der Teufelsbraut krallten sich in den Hals des Mädchens und zerrissen ihn.

Das irre Gelächter schallte hohl durch den Wald, der von einem Fluch belastet war…



2

»Soll ich Sie wirklich nicht ablösen, Doktor?«, fragte Monique Dumas. »Sie müssen doch müde sein.«

»Es freut mich, dass Sie sich so um mich sorgen«, sagte Doktor Luc Morell. »Aber Sie scheinen meine physische Kraft immer noch zu unterschätzen. Nur weil ich einen Doktortitel habe, bin ich kein durchgeistigter Schlappschwanz.«

Der gepflegte Mann in mittleren Jahren lächelte hinüber zu seiner Sekretärin, die sich im Beifahrersitz hochgesetzt hatte und sich auf die Unterlippe biss. Eine vorzüglich ausgebildete Unterlippe, die zum Küssen einlud.

»Sie wissen genau, dass ich das nicht damit sagen wollte«, schmollte Monique und ließ sich wieder in das weiche Polster des rollenden Sofas sinken, eines schwarzen Citroën DS Injection. »Nur… Sie haben seit unserem Aufbruch vom Château Lamatime keine einzige Pause gemacht.«

»Warum sagen Sie mir nicht gleich, dass Sie mal für kleine Mädchen müssen«, sagte Luc Morell belustigt zu der jungen hübschen Frau an seiner Seite.

Monique zog ihr zierliches Stupsnäschen hoch, und zwischen ihren Augen tauchte eine steile Falte in der Form eines ›V‹ auf. Sie schaute immer so, wenn sie über etwas konzentriert nachdachte oder wenn sie ganz schlicht und einfach verärgert war wie in diesem Augenblick.

»Muss ich nicht«, fauchte sie. »Was rede ich überhaupt mit Ihnen? Sie nehmen mich ja doch nicht ernst!« Jetzt schmollte sie wirklich.

Sie sieht reizend aus, wenn sie wütend ist, stellte Doktor Luc Morell fest, doch wütende Frauen sollte man nicht lange wütend sein lassen. Schon gar nicht, wenn es sich um ein dermaßen temperamentvolles Exemplar wie seine Sekretärin handelte. Man wusste nie, was sie im nächsten Moment anstellte.

»Schimpfen Sie bitte nicht mit mir«, sagte er deshalb. »So war das nicht gemeint. Ich sorge mich eben auch um Ihr Wohlbefinden. Im Übrigen werden wir bald Station machen. Ich habe nicht vor, die ganze Nacht durchzufahren. Könnten Sie bitte mal auf der Karte nachsehen, wo wir genau sind?«

Monique war wieder beruhigt. Sie wurde gebraucht, und das schlug sich sofort auf ihre Stimmung nieder. Die junge Frau knipste die Armaturenbeleuchtung an und holte die gefaltete Straßenkarte aus dem Seitenfach unter der Ablage hervor. Nach einigem Suchen hatte sie das richtige Blatt der Faltkarte gefunden. Ihr Zeigefinger mit dem violett lackierten Nagel glitt über die Karte.

»Eine schrecklich einsame Gegend«, sagte sie schließlich. »Zwischen Le Puy und Valence. Wir fahren immer weiter ins Ardèche Drôme hinein. Von der Gegend sagt man sich, dass sie heute noch so aussieht wie im Mittelalter. Die nächste Ortschaft müsste Lamastre sein.«

»Wie weit bis Valence?«

»Nicht ganz vierzig Kilometer.«

»Dann lade ich Sie in Lamastre zu einem Mokka ein. Irgendein Bistro werden wir schon finden. In Valence suchen wir uns dann ein nettes Hotel. Morgen fahren wir weiter, und am späten Nachmittag sind wir in Nizza. Dann bleiben uns noch vier herrliche Tage, bis der Kongress beginnt…«

»Wie sich nur ausgewachsene Menschen mit so etwas wie Geistern und all dem Zeugs befassen können! Das werde ich nie verstehen«, seufzte Monique Dumas.

»Ich habe Ihnen schon längst verziehen, dass Sie meiner Arbeit nicht das notwendige Verständnis entgegenbringen, und Sie sollten auch etwas toleranter sein. Schließlich ist der Weltkongress für Parapsychologen kein Volksfest für Vollidioten.«

Das hatte leicht verärgert geklungen.

»Jetzt habe ich es zur Abwechslung einmal nicht so gemeint«, zog sich Monique mit weiblicher Raffinesse aus der Schlinge. »Ich gebe ja zu, dass es Erscheinungen gibt, die auf den ersten Blick rationell nicht zu erklären sind. Aber muss man denn immer gleich den Okkultismus zu Rate ziehen, wenn man mit Naturwissenschaften auf Anhieb nicht weiterkommt?«

»Man muss«, sagte Luc Morell so bestimmt, dass sich Monique zu keiner Widerrede mehr aufschwingen konnte. »Eines Tages werden Sie um diese Erkenntnis nicht herumkommen.«

Schweigend fuhren sie weiter.

Luc Morell hatte Parapsychologie studiert. Er war in seiner Geisteshaltung weit von jener der Alchimisten des dunklen Mittelalters entfernt, die aus Blei noch Gold zu machen gedachten. Doch er wusste mit felsenfester Überzeugung, dass sich auf der Erde tagtäglich Dinge ereigneten, die sich mit der herkömmlichen Vernunft nicht erklären ließen. Dass es neben dieser Welt auch noch eine andere gab. Eine grässliche und vom Ungeist besessene. Dass das Element des Guten auch seinen Widerpart im Element des Bösen hatte. Dass den Mächten des Lichtes jene der Finsternis gegenüberstanden und dass sich beide einen ewig währenden Kampf lieferten.

Nachdem sein Name durch ein populärwissenschaftliches Buch, das er verfasst und das es bis auf die Bestsellerlisten gebracht hatte, auch in der Öffentlichkeit bekannt geworden war, hatten ihm angeblich »seriöse« Wissenschaftler und die Presse den Spitznamen »Doktor Mystery« verpasst, an den er sich nicht gewöhnen wollte, weil damit ein leichter Spott verbunden war.

Er erinnerte sich zurück an die Tage, an denen er von seinem Onkel Pierre de Lamatime das Schloss im Loiretal geerbt hatte. Das Schloss, das er zu seinem neuen Wohnsitz auserkoren hatte.

Aber er hatte noch etwas anderes geerbt, und dieses Erbe band ihn ungleich stärker. Es war das silberne Amulett, dessen ganze Kraft er noch nicht ganz kannte, aber von dem er wusste, dass es gegen die Mächte der Finsternis eine starke Waffe war. Dieses Erbe brachte die harte Verpflichtung mit sich, die Dämonen der Nacht zu bekämpfen und unschuldig leidenden Menschen beizustehen.

Luc Morell zog den schweren Wagen dank der Servolenkung leicht durch die engen Kurven und Kehren der Route National 533. Die hydropneumatische Federung schluckte die schlecht reparierten Frostaufbrüche des letzten Winters. Sie näherten sich dem Gerbier de Jonc, der höchsten Erhebung östlich der Stadt Le Puy.

Die Straße folgte endlos dem Auf und Ab der Hügel in den Ardennen. Diese Hügel hatten auch ihre Bewohner von der Neuzeit weitgehend abgeschirmt. Außer Fernsehen, fließend Wasser und Elektrizität war auch in diesen Tagen des Jahres 1974 kaum etwas von den Errungenschaften der modernen Zivilisation zu ihnen durchgedrungen. Hier wurden an den Abenden noch Sagen und Legenden aus der alten Zeit an die Enkel weitergegeben.

Daran dachte Doktor Morell nicht, als er den Wagen über eine Passkuppe ins nächste Tal lenkte. Er dachte an einen pechschwarzen Mokka und wie gut er ihm in diesem Moment tun würde.

In der nächsten Kehre sah er etwas weiter unten Lichter aufflimmern. Dort lag Lamastre. Die Dunkelheit war noch nicht lange hereingebrochen.

Wenig später kam er zur Abzweigung der Umgehungsstraße, die in den Ort führte. Wie viele der Ardennendörfer wurde auch Lamastre von der Nationalstraße nur in seinen Randbezirken berührt. Die Straßenbauer hatten die Trasse an dem Dorf, das an einem steilen steinigen Hang klebte, vorbeigeführt. Bei den winkeligen Gassen im Ortskern gab es für ein Auto kaum ein Durchkommen.

Luc Morell hatte Mühe mit dem Citroën, dann rollte die schwere Limousine vor einem Gebäude aus, aus dem Stimmengewirr erklang und Licht auf die Straße fiel. Die Gäste der Taverne betranken sich mit billigem Wein.

»Und Sie glauben tatsächlich, dass es hier einen trinkbaren Mokka gibt?«, schniefte Monique Dumas und konnte sich nicht entschließen auszusteigen.

»Als gebürtige Französin sollten Sie etwas mehr Vertrauen zu Ihren Landsleuten haben, Mademoiselle Dumas«, meinte Luc. »In den Ardennen braut man sogar einen ausgezeichneten Kaffee. Es liegt am quellklaren Wasser.«

Die Sekretärin des Doktors war immer noch misstrauisch, und ihr Misstrauen stieg, als sie einen Blick in das Innere der Schenke geworfen hatte. Die Wände waren schmucklos in trübem Weiß gehalten, und die Gestalten an den wackeligen Tischen waren auch nicht gerade geeignet, ihre Meinung zu ändern. Die bärtigen Männer brachen ihre Gespräche ab, als Monique vor dem Doktor die Gaststätte betrat.

Sie betrachteten die junge Frau wie ein Fabelwesen. Sofort bildete sich wieder dieses ›V‹ an ihrer Nasenwurzel, als sie sich vorsichtig durch die Tischreihen hindurchschlängelte, damit sie ja nicht versehentlich eine der Gestalten berührte. Sie steuerte einen Platz in der Ecke des Raumes an, in der noch drei Tische unbesetzt waren. Luc Morell grüßte freundlich nach allen Seiten und folgte ihr. Er störte sich nicht an den neugierigen Blicken der Männer. Seine Sekretärin hätte auch er ohne nachzudenken unter »sehenswert« eingestuft.

Die Männer warfen immer wieder einen scheuen Blick in ihre Richtung. Da war jemand in ihre dörfliche Gemeinschaft eingedrungen, und das störte sie. Die Menschen von Lamastre waren Fremde nicht gewohnt.

Doktor Morell ignorierte diese beinahe körperlich spürbare Abneigung. Das würde sich nach wenigen Minuten wieder geben.

Doch er täuschte sich. Selbst als der Wirt ihre Bestellung aufgenommen hatte und weitere fünf Minuten verstrichen waren, hatten die Männer in der Taverne noch nicht zu ihren alten Gesprächen zurückgefunden. Irgendetwas schien sie zu bedrücken.

Luc Morells Sinne waren durch Erfahrung geschärft. Ihm entging die gedrückte Stimmung nicht, in der sich die Männer befanden.

Diese Männer dünsteten riechbare Angst aus.

Doch vor ihnen beiden, die unschuldig ihren Mokka schlürften, konnten sie keine Angst haben. Da musste noch etwas anderes sein.

Etwas, das Luc zu ergründen hoffte.

Er gab sich betont gelangweilt und wechselte mit Monique einige nichtssagende Worte. Dabei beobachtete er die Männer aus den Augenwinkeln. Vermutlich hatten sie ihn für einen Ausländer gehalten, denn als sich der Parapsychologe mit Monique über belanglose Dinge auf Französisch unterhielt, verloren sie ihr gespanntes Interesse an ihnen. Tatsächlich hatte Luc in den Staaten studiert und gearbeitet, ehe er sein Erbe auf dem Château Lamatime angetreten hatte.

Trotzdem konnte auch ein geschultes Ohr keinen Akzent feststellen.

Die Männer von Lamastre entspannten sich. Allmählich nahmen sie ihre Gespräche wieder auf. Von Mord war die Rede. Von einem Doppelmord. Und die »Schwarze Frau« sollte ihn begangen haben.

Luc Morell auf. Monique war diese Reaktion nicht entgangen.

»Hören Sie nicht hin, Doktor«, sagte sie, nachdem auch sie eine Weile gelauscht hatte. »Das sind doch alles nur Gerüchte. Eine ›Schwarze Frau‹, ein Fabelwesen, soll einen Mord begangen haben? Kindisch!«

»Doktor Mystery« ging nicht darauf ein. Er hörte, dass die Leichen des Liebespaares im Leichenhaus von Lamastre aufgebahrt lagen. Ein Jäger hatte sie grässlich verstümmelt im Wald von Le Cheylard gefunden. Die Polizei war natürlich eingeschaltet, doch nach dem, was die Einheimischen von sich gaben, hatten ihre Ermittlungen bisher noch zu keinem Erfolg geführt.

Dann brachen die ersten Männer von Lamastre auf. Bald war das Lokal leer.

»Wir sollten jetzt auch gehen«, sagte Monique. »Wir bekommen sonst in Valence kein Hotel mehr.«

»Hm«, brummte Doktor Luc Morell. »Es ist spät geworden. Bis nach Valence fahren wir bestimmt noch fast eine Stunde. Ich denke, es ist besser, wir bleiben diese eine Nacht in Lamastre.«

»Und sofort morgen früh gehen Sie zum Leichenhaus dieses Kaffs und sehen sich zwei Tote an«, resignierte seine Sekretärin. Sie wusste, dass ihr Chef nicht von seinen Vorsätzen abzubringen war. Wenn er eine Spur gefunden hatte, dann verfolgte er sie bis ans Ende. Sie würde mit Argumenten nichts erreichen können.

»Dann sind Sie also einverstanden, wenn wir die Nacht hier verbringen«, grinste Morell. »Ich hatte schon befürchtet, Sie hätten zu große Angst.«

»Ich und Angst!«, entrüstete sich Monique, und ihre Augen funkelten. »Sie denken doch nicht, dass ich dieses Ammenmärchen glaube. Und außerdem ist dieser Wald von Le Cheylard mindestens fünf Kilometer von hier entfernt.«

Luc winkte den Wirt an den Tisch heran.

Dessen riesiger Schädel pendelte auf einem dürren Hals, die Figur war wieder massig und unförmig. Über den fassförmigen Bauch hatte er eine Schürze gebunden. In der Hand hielt er einen Schreibblock. »Wollen die Herrschaften zahlen?«

»Das auch«, antwortete Luc. »Vor allem wollten wir Sie jedoch um Zimmer für die Nacht bitten. Haben Sie Fremdenbetten?«

Der Wirt schien von diesem Wunsch nicht begeistert zu sein. Er musterte die beiden Fremden. »Es übernachtet sonst nie jemand in Lamastre…«

»Aber heute!« Luc ließ sich nicht abweisen. Er zog seine Brieftasche aus dem Jackett.

»Ich habe zwei Zimmer für private Gäste. Die könnte ich Ihnen zur Verfügung stellen. Oder benötigen Sie nur einen Raum?«

»Nein, nein«, wehrte Luc ab. »Zwei Zimmer. Zeigen Sie sie schon einmal meiner Sekretärin. Ich hole inzwischen das Gepäck aus dem Wagen.«

Luc stand auf und nahm den Autoschlüssel aus der Sakkotasche. Er würde versuchen, vor dem Schlafengehen den Wirt noch zu einer Flasche Wein einzuladen und ihn bei dieser Gelegenheit nach der »Schwarzen Frau« auszufragen. Die Sache interessierte ihn.



3

Victor Mannaix wurde von den übrigen Dörflern gemieden. Nicht, weil er so ungepflegt herumlief, aber er war der Totengräber von Lamastre. Die Leute behaupteten, er stinke nach seinen Leichen.

Tatsächlich lastete der Geruch der Verwesung wie ein giftiger Hauch in jeder Fuge und Mauerritze des Bruchsteingebäudes auf dem Friedhof von Lamastre. Auf dem First stand ein kleiner Turm mit der weithin sichtbaren Glocke. Der Totenglocke. Sie sang ihr metallenes Lied, wenn der Sensenmann wieder ein Mitglied der Gemeinde dahingerafft hatte.

Das Gebäude hätte dringend einer Renovierung bedurft. Auf der Talseite hatte sich eine Stützmauer gesenkt, und das Totenhaus geriet in Gefahr, abzurutschen. Mauerfugen waren auseinandergeklafft, und durch die Ritzen schlüpften Käfer und Ratten. Es gehörte mit zu Mannaix’ Aufgaben, diese Ratten zu vertreiben. Im letzten Jahr war es vorgekommen, dass einige der Nager eine Leiche angefressen hatten. Noch dazu im Gesicht, wo es jeder hatte sehen können.

Seitdem wurden die Sargdeckel bis zum Begräbnis aufgelegt. Aber die Ratten bissen sich mitunter auch durch das dünne Holz.

Deshalb lag Victor Mannaix auch in dieser Nacht auf der Lauer. Er bewohnte eine kleine Kammer hinter dem Raum, in dem die Leichen aufgebahrt wurden.

Seelsorgerisch betreut wurde die Gemeinde vom Pfarrer aus Tournon. Er kam nur ab und zu herüber, um in der halb verfallenen Kirche von Lamastre die Messe zu lesen. Auch wenn Begräbnisse notwendig waren, kam Frère Marcell, ein Franziskaner-Pater.

Es konnte schon passieren, dass er einmal nicht sofort Zeit hatte. Und die Sonne über den Ardennen brannte heiß. Die Angehörigen waren froh, wenn sie die entseelten Körper ihrer Anverwandten schnell aus dem Haus bekamen.

Die Leichen lagen dann in der Friedhofskapelle von Lamastre, in deren Totenraum die Luft zum Schneiden dick wurde.

Deshalb stank Victor Mannaix.

Er hatte sich damit abgefunden, dass die Leute von Lamastre ihn nicht mochten. Er machte sich nichts aus Gesellschaft. Am liebsten war er allein. Der Friedhof war sein Zuhause. Hier war sein Reich, in dem er schalten und walten konnte. Niemand hatte ihm hier etwas dreinzureden.

Victor war nicht ganz richtig im Kopf. Manchmal redete er mit seinen Leichen.

Michel und Marie hatte er nichts zu sagen. Die jungen Leute kannte er kaum. Außerdem waren ihre Leichen zu sehr entstellt. Nein, mit denen mochte Victor Mannaix nicht reden.

Aber das geronnene Blut roch stark. Es lockte die Ratten an.

Da kam wieder eine. Sie versuchte, am sitzenden Mann vorbei in das Innere der Kapelle zu huschen. Doch Victor war auf Draht.

Seine Keule zuckte auf das Tier hinunter. Es quiekte noch mal auf, dann streckte es sich.

Viktor legte die Keule beiseite, fasste die Ratte am Schwanz und schleuderte sie in hohem Bogen hinüber an die Friedhofsmauer. Dort würden sich ihre Kameraden über sie hermachen.

Victor Mannaix griff nach der Rotweinflasche, die an der Bruchsteinmauer der Kapelle stand, und nahm einen tiefen Schluck.

Genüsslich wischte er sich über den Mund.

Er mochte diese mondhellen Nächte, an denen er allein war und er seinen krausen Gedanken nachgehen konnte. Er blinzelte hoch zur Sichel des Mondes, die sich bleich und unmerklich über das nachtschwarze Firmament schob.

Ein Geräusch ließ ihn hochfahren.

Schon wieder eine Ratte?

Seine Hand fuhr zur Keule. Flink wieselten seine Augen über den dunklen Boden. Doch er sah nichts.

Wieder dieses Geräusch. Es kam aus der Leichenkammer. Hatte er eine Ratte übersehen? Es klang jedoch nicht wie das Nagen einer Ratte. Mehr nach einem dumpfen Rumoren.

Victor Mannaix stand auf und ging zu der zweiflügeligen Tür der Kapelle. Er öffnete den einen Flügel. Knarrend drehte er sich in den rostigen Angeln.

Die beiden Särge standen in der Mitte auf schwarz gestrichenen Lattengestellen. Links und rechts von ihnen brannten armdicke Totenkerzen. Ein Lebensbaum stand in einer Ecke in seinem Topf. Die Blätter hingen traurig den graubraunen Steinplatten entgegen.

Der Friedhofswärter lauschte auf das Geräusch. Seine Augen suchten den Boden ab. Keine Ratte. Er atmete auf. Hauptsache, keine Ratte, geisterte es durch sein abgestumpftes Hirn.

Aber woher kam das Geräusch dann?

Aus einem der beiden Särge? Aus beiden Särgen?

Ja.

Die Nackenhaare des Alten sträubten sich.

Seine Gedanken sagten ihm, dass er davonlaufen müsste, schreien, Hilfe holen. Doch Mannaix blieb wie angewurzelt stehen und beobachtete das makabre Schauspiel.

Der linke Sargdeckel schob sich beiseite. Jetzt auch der rechte. Finger schoben sich tastend über den Rand. Blasse, weiße Leichenfinger. Dann die Hände.

Der eine Sargdeckel fiel polternd zu Boden, als sich die Gestalt in der langen Kiste aufrichtete. Die Kerzen flackerten in einem Luftzug, der aus dem Nichts kam. Trotz der lauen Sommernacht wurde es kalt in dem engen, stickigen Raum.

Eisig kalt.

Michels zerrissener Schädel grinste Victor Mannaix, dem Totengräber, entgegen. Dann tauchte auch Marie aus ihrem Sarg auf. Die dunkle Wunde an ihrer Kehle klaffte weit. Ihr Gesicht war zu einer grinsenden Fratze verzerrt. Die Klauen der »Schwarzen Frau« hatten ihr die Lippen weggerissen. Nackt bleckten die Zähne aus dem blassrosa Zahnfleisch.

Victor Mannaix wollte weglaufen, aber seine Füße schienen mit den kalten Steinfliesen verwachsen. Die Keule entfiel seinen erschlafften Fingern. Mit einem röchelnden Aufschrei riss er seine Arme vors Gesicht. Doch die spukhaften Erscheinungen blieben. Sie entschwanden auch nicht, als er ein Stoßgebet zum Himmel schickte.

Unbeeindruckt setzten die wandelnden Leichen ihren Weg fort. Direkt auf den Ausgang zu. Victor Mannaix stand dazwischen.

Fassungslos sah er, wie sich die verstümmelten Leichen veränderten. Wie sich die grauenvollen, offenen Wunden mit Fleisch füllten, wie sich die Gesichtszüge entspannten, sich die Körper der beiden jungen Menschen zu ihrer vollen Größe streckten. Die Wunde am Hals des Mädchens wuchs zu. Glatte Haut spannte sich wieder, wo ihre Kehle zerrissen gewesen war.

Die beiden Leichen begannen zu atmen. Ihre Brustkörbe hoben und senkten sich. Michel Barrat und Marie Fraisson lebten wieder.

Sie sahen sich um, als würden sie aus einem tiefen Schlaf erwachen.

»Wo sind wir hier?«, fragte Michel Barrat.

Seine jugendliche, frische Stimme hallte unnatürlich laut in der Kammer.

Victor Mannaix ließ allmählich die Arme sinken. Er fand sich mit dem Unglaublichen eher ab als ein normal vernünftiger Mensch.

»In… der … Leichenkammer … von Lamastre«, antwortete er krächzend. »Ihr sollt bald begraben werden.«

Michel Barrat schaute blicklos durch den alten Mann hindurch.

»Leichenkammer«, wiederholte er dumpf und legte den Kopf schief, als würde er nach innen horchen. »Ja«, sagte er dann.

Der junge Mann wechselte einen viel sagenden Blick mit dem Mädchen. Sie nickten sich zu.

Dann streckten sie ihre Arme in Richtung Mannaix aus. Der Alte wich zurück an die Wand der Leichenkammer.

Die beiden kamen mit ausgestreckten Armen auf ihn zu, trieben ihn wie ein Tier in die Falle. Entsetzt sah Victor Mannaix, dass ihre Fingernägel zu wachsen begannen. Sie wurden immer länger und fester und nahmen das Aussehen glühender Eisenzangen an.

Victor Mannaix’ Fleisch zischte auf, als die glühenden Klauen es berührten. Ein unmenschlicher Schrei entrang sich seiner Kehle, doch er verhallte ungehört. Das Letzte, was er sah, waren die rot brennenden Augen in den Gesichtern seiner Mörder.

Langsam rutschte Victor Mannaix oder das, was von ihm übrig war, an der Wand der Leichenkammer nach unten. Er war tot.

Die beiden Gespenster ließen von ihrem Opfer ab. Marie Fraisson stimmte ein schauerliches Geheul an, und Michel antwortete auf dieselbe Weise. Sie schienen sich derart zu verständigen. Dann traten sie hinaus in die plötzlich kühl gewordene Nachtluft.

Wie Automaten strebten sie gemeinsam ein Ziel an. Nebeneinander gingen sie vom Friedhof und wandten sich dem Tal zu, bis sie auf die Nationalstraße nach Valence kamen. Sie nahmen jedoch die andere Richtung.

Oben, nach der Passhöhe, schlugen sie nach links einen kleinen Waldweg ein. Nur die Ortsansässigen wussten, dass er nach Le Cheylard, einem vergessenen Bergnest, führte. Es war eingebettet in tiefe, abweisende Wälder.

Die beiden von den Toten Auferstandenen hatten ein Ziel. Sie mussten den Basalt erreichen, bevor die Strahlen der Morgensonne auf ihre Körper trafen.

Und am Horizont kündigte sich bereits silbrig der Morgen an. Es blieb ihnen nicht mehr viel Zeit. Sie hatten eine weite Strecke zurückzulegen. Erst am Basalt waren sie gerettet.

Immer schneller wurden ihre Schritte. Sie rannten. Auf der Straße kamen sie rascher voran. Die nächste Biegung!

Sie liefen um sie herum und blieben wie gebannt stehen. Die Morgensonne schien genau in ihre Gesichter. Ihre langfingrigen Strahlen hatten den Weg von einer Bergmulde aus in die Wegschneise gefunden.

Die Gestalten konnten sich nicht wehren. Die Kräfte des Lichts waren zu stark für sie. Geblendet schlossen sie die Augen und brachen mit gurgelnden Lauten zusammen. Ihre Glieder streckten sich zuckend wie im Todeskampf, dann lagen sie still.

Mit der steigenden Sonne begann auch der Zerfall ihrer Körper.

Die Wunden, die die Klauen der »Schwarzen Frau« gerissen hatten, klafften wieder auf, zerschmolzen in jenen Zustand zurück, den sie gehabt hatten, als die verstümmelten Leichen der beiden jungen Menschen gefunden worden waren. Zerfetzt und bestialisch zerrissen. Das rote Feuer in ihren Augen erlosch.

Michel Barrat und Marie Fraisson waren tot wie vorher.

Doch jetzt hatten sie gemordet.

Sie lagen im Gras neben der staubigen Straße nach Le Cheylard.

Wie geschickt gemachte Wachsfiguren.

Kein Leben war mehr in ihnen. Der Dämon hatte die unbrauchbaren Körper wieder verlassen.



4

Luc Morell hatte unruhig geschlafen. Einmal in der Nacht war er hochgeschreckt, weil er einen fernen Schrei zu hören geglaubt hatte, doch als dann kurz darauf eine Katze vor seinem Fenster vorbeischlich, hatte er sich wieder ins Kissen zurückgelegt.

Trotzdem, an den Betten konnte seine Schlaflosigkeit nicht liegen. Die waren ausgezeichnet.

Luc hatte diesen Schlafkomfort hier nicht erwartet. Außerdem waren beide Zimmer überraschend sauber. Keine Selbstverständlichkeit in einem Ort wie Lamastre.

Er kleidete sich schon früh an. Die Sonne war eben aufgegangen.

Er hatte keinen Schlaf mehr finden können. Eine innere Unruhe hatte von ihm Besitz ergriffen.

Er kannte dieses Gefühl, diese Vorahnungen, die ihn beschlichen, wenn besondere Ereignisse bevorstanden. Nicht zuletzt diese Feinfühligkeit Ungewöhnlichem gegenüber hatte ihn veranlasst, Parapsychologie zu studieren und seine Forschungen auf diesem Gebiet immer weiter auszudehnen.

Die Morgentoilette dauerte nicht lange, denn Luc wollte so schnell wie möglich draußen am Friedhof sein.

Das Gespräch mit dem Wirt am Vorabend war alles andere als ergiebig gewesen. Obwohl sie einen vorzüglichen 56er Bordeaux aus seinem Keller getrunken hatten, hatte sich die Zunge des Wirts nicht gelöst. Seine Antworten waren einsilbig und ausweichend gewesen.

Er gab an, nichts von einer alten Legende über eine »Schwarze Frau« zu wissen. Die Gäste in seiner Taverne hätten sich über die beiden Toten nur deshalb unterhalten, weil in Lamastre einfach zu wenig passiere, worüber man reden konnte. Sicher seien die beiden jungen Leute Opfer eines Verkehrsunfalls gewesen. Mehr zu sagen hatte er sich beharrlich geweigert.

Luc schüttelte in Erinnerung an das erfolglose Gespräch missmutig den Kopf. Die Menschen in den Ardennen konnten Fremden gegenüber schrecklich stur sein.

Zumindest hatte er erfahren, dass in die Ermittlungen ein Inspektor Mallyrand eingeschaltet war. Er kam aus Valence, übernachtete jedoch in Lamastre, weil er hier einen Onkel hatte. Er würde an diesem Morgen hier in der Taverne sein Frühstück einnehmen.

Luc Morell trat an die Wand seines Zimmers und legte sein Ohr daran. Die Wände waren dünn. Auf der anderen Seite hörte er die regelmäßigen Atemzüge Moniques. Sie würde so früh noch nicht aufwachen.

Luc Morell ging nach unten.

Er hatte nicht erwartet, den Wirt schon zu dieser frühen Stunde hinter dem Tresen zu sehen. Doch er stand da und polierte Gläser.

Vor ihm stand das obligate Glas Rotwein.

Noch jemand war in der Taverne. Luc Morell hatte ihn am Vorabend nicht gesehen.

Der Mann trug städtische Kleidung und blätterte in einem Notizblock.

»Inspektor Mallyrand?« Luc war neben den Mann getreten und hielt ihm die Hand zum Gruße hin. »Ich bin Doktor Luc Morell. Darf ich mich zu Ihnen setzen?«

Der Mann schaute irritiert auf. »Woher wissen Sie meinen Namen?«

»Intuition«, lächelte Luc. »Sie sehen nicht aus, als wären Sie aus dem Dorf. Und unser Freund hier«, er deutete unauffällig auf den Wirt, »hat mir verraten, dass ein Inspektor Mallyrand aus Valence in der Mordsache Barrat und Fraisson ermittelt. Ich interessiere mich sehr für Ihre Arbeit.«

»Sind Sie von der Zeitung?«, fragte der Beamte misstrauisch. »Ich gebe keine Auskünfte. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.«

»Ich kann Sie beruhigen, mit der Presse habe ich nichts zu tun«, sagte Luc begütigend. »Ich bin Wissenschaftler. Und mein Interesse an Ihrem Fall ist auch rein wissenschaftlicher Natur.«

»Morell… Morell…«, murmelte der Polizist. »Ach, haben Sie nicht dieses Buch geschrieben?«

»Ich habe mehrere geschrieben.«

»Sie sind der Spinn… äh, der Mann, den die Presse ›Doktor Mystery‹ nennt, richtig?«

Luc seufzte. »Doktor Morell wäre mir lieber.«

Er setzte sich.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738909227
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v364594
Schlagworte
mystery teufels braut

Autor

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Titel: Dr. Mystery #5: Des Teufels Braut