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Circle C-Ranch #17: Duell am Apache Pass

2017 120 Seiten

Leseprobe

Duell am Apache-Pass


Ein Western von Bill Garrett




IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach Motiven von F.T. Johnson, 2017

Redaltion und Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de







Klappe

Der Storekeeper Fred Guggenheimer aus Tucson hat ein großes Geschäft angekurbelt. Mit einigen Männern will er Frachtwagen mit dringend benötigten Waren in eine Siedlung nach New Mexiko bringen und dort verkaufen. Aber dazu kommt es nicht, denn nur wenige Meilen außerhalb von Tucson wird der Transport überfallen. Der gewissenlose Bill Sticker und seine Kumpane schießen Guggenheimer nieder und vertreiben die anderen Männer. Der verletzte Storekeeper kann noch mit letzter Kraft Tucson erreichen.

Als sich die Nachricht vom Überfall in der Stadt verbreitet, herrscht Entsetzen. Und Wut! Denn Matt Jackson, der Vormann der Circle C-Ranch, hat seine Ersparnisse in diese Fracht investiert. Als er seinen verletzten Geschäftspartner beim Doc besucht, verspricht er ihm, die Halunken zu verfolgen. Sein Boss Buster Tom Copper und dessen jüngster Sohn Jimmy schließen sich ihm an. Die Jagd nach den Dieben führt schließlich zum Apache Pass. Und als die Coppers erkennen, wer in diesem schmutzigen Spiel noch mitmischt, gibt es für sie nur noch eins: Vergeltung!







Roman

Die vier Männer auf den beiden Planwagen sahen geblendet dem Sonnenaufgang zu, der den eben noch perlgrauen Himmel über den Gipfeln und Zinnen der Caliuro Ranges in lohende Farben tauchte. Es war ein oft erlebtes Schauspiel, das sie jedoch immer wieder faszinierte. Hinter den Bergen schienen Feuer zu lodern, deren Flammen die Felsränder zum Glühen brachten, wie es schien.

Fred Guggenheimer, der neben dem Kutscher auf dem ersten Murphy saß, lehnte sich zurück und zog sich den Hut tiefer in die Stirn.

Fahr schneller, Wes!“, sagte er. „Leg etwas zu!“

Wes, ein Bursche von zwanzig Jahren, nickte und warf die zwanzig Fuß lange Peitsche aus. Doch bevor er zuschlug, knallte es schon.

Der Knall klang dünn und scharf. Er hörte sich an wie das Brechen eines Stockes. Fred Guggenheimer, der Stellmacher von Tucson, wusste sofort, dass dies ein Schuss war. Er riss die Winchester aus der Halterung vor seinem Sitz und flog herum. Über den stürzenden und sterbenden Wes hinweg sah er die drei Reiter um den Felsen kommen, der sich wie eine Mauer fast eine Viertelmeile entlang der Straße erstreckte.

Beim Anblick der Reiter wollte er vom Wagen springen, um in Stellung zu gehen. Doch da krachte es abermals. Eine ganze Serie von Schüssen zerriss die Luft. Ein Geschoss schien das andere zu jagen. Der hintere Wagen blieb stehen, und Guggenheimer hörte die Männer auf dem Bock getroffen aufschreien.

Einen Lidschlag lang verharrte Fred Guggenheimer im jähen Entsetzen. Doch dann reagierte er. Er warf die Waffe auf den Sitz, griff nach Peitsche und Zügeln, die Wes noch in den Fäusten hielt. Er stellte sich breitbeinig über den Toten, der in seltsam starrer Haltung auf den Fußbrettern des Kutschbockes lag, und ließ dem Sechserzug das Leder um die Ohren fahren.

Die Braunen warfen sich erschrocken vorwärts und befanden sich nach zwei Pferdelängen im Galopp. Fred Guggenheimer schrie und fluchte. Dabei warf er einen kurzen gehetzten Blick zurück.

Auch die drei Reiter waren angaloppiert und setzten dem Wagen nach. Dabei schossen sie blind und wütend darauf los. Fred Guggenheimer fegten die Geschosse der drei nur so um die Ohren.

Staub stieg hinter dem Wagen auf. Der dahinjagende Sechserzug riss den schweren Frachtwagen von einer Straßenseite zur anderen. Räder und Achsen quietschten und krachten. Die breiten Radreifen machten ein knirschendes mahlendes Geräusch auf dem von der Sonne hartgebrannten Boden der alten Poststraße.

Camp Lowell! schoss es Fred Guggenheimer durch den Kopf. Ich muss es schaffen!

Die Reiter holten rasch auf. Sie befanden sich bereits dicht hinter dem Wagen. Das wilde Pochen der Pferdehufe drang Guggenheimer in die Ohren und versetzte ihn in Furcht und Schrecken. Er war noch kein alter Mann. Doch er war auch kein junger Bursche mehr. Zudem vermochte er mit einer Axt besser zu hantieren als mit einem Colt oder mit einem Gewehr. Nicht, dass er dieses Handwerk nicht auch beherrscht hätte. Schließlich hatte er Jahre an der Grenze gelebt. Aber er besaß mit einer Waffe nicht die Fertigkeit wie jene Burschen, die ihn da verfolgten. Darüber war er sich sofort im klaren.

Er dachte nicht darüber nach, was diese Kerle wohl wollten. Sein Instinkt sagte ihm nur, dass er auf diese Frage von ihnen todsicher eine Kugel zur Antwort erhalten würde. Seine Gedanken befassten sich deshalb nur mit Flucht, und Verstand und Blick waren auf der Suche nach der Chance, am Leben zu bleiben.

Doch Camp Lowell war noch weit. Tucson lag fünf Meilen zurück. Und in dieser Einöde, durch die die alte Poststraße führte, war nicht einmal eine Rothaut zu sehen, die ihm hätte helfen können.

Fred Guggenheimer schlug auf die Pferde ein, in sinnloser Heftigkeit; denn die Verfolger jagten schon links und rechts am Wagen entlang. Die Köpfe ihrer dahingaloppierenden Pferde tauchten zu beiden Seiten in Fred Guggenheimers Blickfeld auf, ohne dass er den Kopf zu drehen brauchte.

Da fiel sein Blick auf die mauerartige Felswand, die auf einmal dicht an die Straße reichte.

Guggenheimer schaute kurz nach rechts. Der Bandit auf dieser Seite war mit ihm auf gleicher Höhe und lachte voller Niedertracht und Gemeinheit zu ihm auf. Es war ein junges Gesicht, verschwitzt von der Anstrengung des scharfen Rittes und gerötet vom Spaß an dieser ungleichen Jagd. Doch Sekunden später gruben Angst und Entsetzen ihre Krallen in dieses junge Gesicht.

Guggenheimer riss den Sechserzug von der Straße, bis die Schulter des rechten Führpferdes den Staub von der Felswand zu wischen schien. Wie ein verzweifelter Ton aus der Tiefe kommen mochte, gellte der Todesschrei des Banditen auf. Es krachte und polterte, als der Wagen Pferd und Reiter gegen die Felswand quetschte. Die Räder blieben fest auf dem Boden. Ladung und Wagen waren schließlich schwer genug. Nur der Kasten neigte sich etwas unter dem Druck.

Guggenheimer trieb das Gespann auf die Fahrbahn zurück. Dabei geriet er dicht an die beiden anderen Strauchritter, von denen einer sofort Anstalten unternahm, sich vom Sattel heraus auf den Wagen zu schwingen. Guggenheimer dachte an sein Gewehr, schlug aber mit der Peitsche zu.

Der Bandit kippte in den Sattel zurück, einen dunklen Streifen quer über dem Gesicht, das nichts mehr von der eben zur Schau getragenen Verbissenheit zeigte, sondern nur Schmerz verriet - wilden wütenden Schmerz.

Da gaben die beiden Banditen auf, den Wagen am Zügel zu stoppen. Ihre Revolver schwangen hoch und krachten.

Guggenheimer ließ die Peitsche fallen und griff nach dem Gewehr, das bis an das Lehnenbrett gerutscht war. In dieser Haltung trafen ihn ihre Schüsse. Er sackte über Wes zusammen, ließ das Gewehr los und stützte sich auf den Rücken des Toten, um nicht vornüber zwischen die Stangenpferde zu fallen. Dabei glitt ihm der linke Zügel aus der Hand. Den anderen hielt er jedoch krampfhaft fest und riss daran, um den Sechserzug in Gang zu halten — bis Camp Lowell hinauf, wie er inbrünstig hoffte. Doch die Felswand war auf einmal zu Ende, die Pferde gerieten unter seinem Zügelzug von der Straße und rasten auf den schmalen Canyon zu, der hinter der Felswand wie eine riesige Platzwunde den kargen Boden spaltete.

Guggenheimer sah den Canyonrand auf sich zukommen, ohne sich darüber zu entsetzen; denn er gewahrte, dass ihm die Banditen auf den Fersen blieben, dass sie die Schwenkung des Gespannes mitmachten und sich bemühten, dicht heranzukommen.

Doch da geriet der Wagen in tiefen Sand. Die Pferde wurden schlagartig langsamer. Dieser unerwartete Ruck und ein dritter Treffer warfen Guggenheimer vom Bock. Er stürzte kopfüber vom Wagen, fiel hart und überschlug sich ein paar Mal, dabei vernahm er das scharfe Knattern ihrer Revolver, und er hörte auch die Kugeln pfeifen und singen. Dann konnte er schon in den Canyon hinabschauen, und er spürte, wie er flog. Er drehte sich im Flug, sah den Himmel und den Canyonrand und hoffte, dass ihm der Wagen samt Gespann folgen würde. Aber da schlug er schon auf.

Er rollte noch ein Stück in Gebüsch hinein. Aste und Zweige gaben brechend nach. Dann lag er auf einmal still. Er spürte nicht, wo er von den Banditen getroffen worden war. Er wusste nur, dass ihn diese Geschosse erledigt hatten, dass er verloren war, wenn ihn niemand finden sollte. Das waren seine letzten Gedanken. Schwarzes, bodenloses Nichts schien ihn aufzunehmen. Wie aus weiter Ferne hörte er das Fluchen der Banditen über sich.


*


Prewitt Westham, klein, dick und glatzköpfig, schaute auf die Uhr und hielt sie Bill Sticker hin. „Jetzt!", sagte er langsam und voll satter Zufriedenheit. „Jetzt, Bill, habe ich die Wagen in der Hand.“

Bill Sticker war ein großer Mann, dessen städtische Kleidung und Gebaren auf einen Geschäftsmann schließen ließen, der er auch war. Jedoch anders, als man auf den ersten Blick hin vermutete.

Seite an Seite betraten die beiden ungleich großen Männer den Speiseraum von Julie Radstones Hotel. Julie Radstone war seit einiger Zeit mit Rip O’Hagan, dem ehemaligen Marshal von Tucson, verheiratet und hieß somit Julie O’Hagan. Sie stand an der Küchentür und nickte dem dicken Westham und seinem Begleiter freundlich zu. Westham nickte teilnahmslos zurück. Sticker jedoch musterte die hübsche Frau verblüfft und lüftete überrascht den Hut.

Während sie am Tisch vor dem Fenster Platz nahmen und Westham sich den Schweiß von der Glatze, Gesicht und Nacken wischte, blickte Sticker unverwandt zu Julie O’Hagan hinüber, die keinesfalls mehr eine jung zu nennende Frau war, deren Formen aber die Blicke der Männer noch immer auf sich zogen. Sie war zudem äußerst hübsch, besaß rotblondes Haar und hatte eine Art sich zu bewegen, dass selbst ein Stockfisch bei ihrem Anblick in Gefahr geriet, sich in sie zu verlieben.

Schau nicht so zu ihr hin, Sticker!", brummte Westham, während er sich rasch umschaute und verstohlen die wenigen Gäste musterte. „Sie ist verheiratet. Mit Rip O’Hagan!“

Sticker machte schmale Augen und ließ überrascht die Kinnlade sinken. „Was! Das ist Rip O’Hagans Frau? Sie und dieser sture Wolf? Das ist doch nicht möglich! Dieses rassige Weib und dieser Hinterwäldler! Wer hat denn die beiden zusammengebracht? Das möchte ich wirklich wissen.“

Prewitt Westham nahm einen Zahnstocher aus der Jackentasche, schob ihn in den Mund und betrachtete Sticker lustlos. „Ich möchte jetzt von dir wissen, ob ihr die Wagen übernehmt oder nicht. Nur das ist für mich interessant. Wenn du mir geantwortet hast, steht es dir frei, dich ausfühlich über Rip O’Hagans Frau in Tucson zu erkundigen.“

Sticker, der extra zu diesem Geschäft hergekommen war, wandte den Blick von Julie und sah Westham in die Augen. Doch nur ganz kurz. Dann spähte er schon wieder zu Julie hinüber.

Wir übernehmen die Wagen und karren sie auch über den Apache Pass zu den Siedlern jenseits des Peloncillo Gebirges. Aber es muss ein Fünfzig zu fünfzig-Geschäft sein. Das ist Bedingung.“

Westham schwitzte plötzlich noch mehr. Er verlor nach dieser Bemerkung mehr Schweiß, als ihn drei Sommertage auf einmal hätten aus den Poren treiben können. „Bist du verrückt?“, schnaufte er erbost. „Du musst übergeschnappt sein. Fünfzig-fünfzig! Du hast keine Ahnung, was ich bereits in die Sache investiert habe.“

Wie alt ist sie?“, fragte Sticker abwesend.

Wer?“, krächzte Westham.

Sticker wies mit dem Kopf zur Küchentür, durch die Julie O’Hagan den Raum eben verlassen hatte.

Westham zuckte verärgert die Schultern. „Frag Rip O’Hagan! Der muss es schließlich genau wissen. Mich interessiert nur, ob du die Wagen übernimmst, oder ob ich mich nach anderen Partnern umsehen muss.“

Sticker grinste. „Du kennst meine Bedingungen.“

Westham schüttelte energisch den Kopf.

Du bist der alte Gauner geblieben“, sagte Sticker gelassen. „Wie konnte ich nur vermuten, dass du dich verändert hast? Das ist mir selbst nicht mehr begreiflich.“

Da kam Julie O’Hagan zu ihnen an den Tisch und fragte nach ihren Wünschen. Sticker sprang auf und nahm den Hut ab. „Sticker ist mein Name“, stellte er sich vor. „Bill Sticker! Ich bin in Phoenix zu Hause. Wie ich eben hörte, sind Sie Rip O'Hagans Frau. Da kann man dem Marshal wirklich gratulieren. Er muss an einem Sonntag geboren sein, dieser Glückspilz. Meine Verehrung, Ma’am.“

Julie errötete leicht und wiegte sich ein wenig in den Hüften. Bill Sticker war ein sympathischer Mann. Er besaß ein gewinnendes Äußeres und hatte durchaus angenehme Manieren. Kein Wunder, dass ihr seine Schmeicheleien gefielen.

Nett, dass Sie das sagen, Mister Sticker!“, erwiderte sie. „Kennen Sie Rip länger?“

Wir hatten vor Jahren einmal miteinander zu tun“, antwortete Sticker. „Ist er im Haus?“

Julie lächelte und strich sich den Rock glatt. „Rip ist mit Marshal Cliff Copper wegen eines Viehdiebstahls unterwegs. Dabei hätte ich seine Hilfe hier dringend nötig. Was darf ich den Gentlemen bringen?“

Westham bestellte rasch zwei Steaks, um Julie O’Hagan wieder loszuwerden. Ihm stand der Sinn nach anderen Dingen.

Sticker schaute Julie aus schmalen Augenschlitzen nach und setzte sich wieder.

Ich würde trotzdem die Finger von ihr lassen“, murmelte Westham. „O'Hagan und Copper können jederzeit zurückkehren.“

Copper!“, stieß Sticker verächtlich hervor. „Überall stößt man hier auf diesen Namen. Werden euch die Circle C-Leute nicht langsam zu groß?“

Macht bedeutet mir nichts“, erwiderte Westham gelassen. „Da sehe ich gelassen zu, wie sich die Wagenrad-Ranch an der Circle C reibt. Um so ruhiger kann ich meinen Geschäften nachgehen.“

Ich habe gehört, dass sich einer der Circle C-Männer an Fred Guggenheimers Geschäft beteiligt hat“, sagte Sticker leise. „Das ist auch ein Grund, warum wir fünfzig Prozent verlangen müssen. Du bist allein mit deinen fünfzig Prozent. Wir aber sind zu sechst, und wenn irgend etwas schiefgeht, haben wir uns obendrein noch die Circle C-Leute zu teilen.“

Westham winkte ab. „Der Vormann der Circle C ist finanziell an Guggenheimers Geschäft beteiligt. Nur er allein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich die Coppers für die Privatgeschäfte ihrer Leute interessieren. Da sitzt Jackson übrigens. Sieh ihn dir an! So langsam wie er isst, so langsam denkt er auch.“

Sticker drehte den Kopf und blickte in die gewiesene Richtung. Vier Tische weiter saß ein großer älterer Mann in Weidereitertracht und verzehrte in aller Ruhe und Bedächtigkeit ein Steak.

Sticker lachte. „Ja!“, brummte er angewidert. „Der kann wirklich nicht bis drei zählen.“ Er wandte noch einmal den Kopf und schaute in Matt Jacksons hartes, geradezu verknöchert wirkendes Gesicht. „Ich habe gar nicht gewusst, dass die Coppers solche Holzhacker beschäftigen", sagte er dann belustigt zu Westham.

Westham grinste säuerlich. „Das mit dem Holzhacker stimmt vielleicht. Aber wenn der Vormann der Circle C mit einer Axt angesaust kommt, und du hältst den Colt nicht schon in der Faust, gehst du besser erst einmal in Deckung. Hier gibt es jedenfalls Burschen, die tausend Teufel darauf schwören, dass es ratsam ist, so zu handeln.“

Die beiden mit Werkzeug und Proviant beladenen Wagen für die Siedler auf der anderen Seite des Peloncillos Gebirges sind ein gutes Geschäft. Wir karren dir die Wagen über den Apache Pass, Westham! Aber bedenke, dass es dort oben Indianer und Comancheros gibt. Außerdem könnten wir an den US Marshal von Tucson geraten. Und der ist ein Copper!“

Die Zeiten da draußen sind friedlich“, versetzte Westham. „Außerdem wird hier in Tucson kein Mensch erfahren, dass die Wagen den Besitzer gewechselt haben. Meine Leute haben genaue Anweisung.“

Dein Preis?“

Westham musterte sein Gegenüber von unten herauf. „Dreißig Prozent! Ich habe eine Menge Unkosten.“

Sticker schaute zur Küchentür. Julie O’Hagan kam mit den Steaks. „Tut mir leid“, sagte er beiläufig. „Dann ist das Geschäft gestorben.“

Westham biss sich wütend auf die Lippe und schaute zum Fenster hinaus. Während Julie O’Hagan servierte, Sticker mit ihr scherzte, fuhr draußen die Kutsche ein und hielt vor dem Marshals Office. Westham furchte sofort die Brauen und schloss die Augen zu schmalen Spalten. Ein seltsamer Druck lastete plötzlich um seine Brust. Leute liefen zusammen. Mexikaner und Wells Fargo-Stallmänner. Dann tauchten auch die beiden Missions-Padres auf. Jemand hatte Coppers Büro geöffnet. Aus der Stage wurde ein Mann geladen und in das Büro von Cliff Copper getragen. Westham konnte den Mann nicht genau erkennen. Aber er wusste sofort, dass es Fred Guggenheimer war.

Was ist denn mit dir los?“, fragte Sticker.

Westham sah ihn an. Dabei spürte er, dass er bleich geworden war.

Schmeckt dir so etwas nicht?“, fragte Sticker. Dann sah er zum Fenster hinaus.

Westham starrte auf das dampfende Steak vor sich. „All right, Bill! Fünfzig-fünfzig!“

Sticker sah ihn verblüfft aber auch argwöhnisch an. „Ich wusste doch ... aber, he! Wieso? Hat es mit der Ankunft der Stage zu tun?" Er schaute hinaus.

Da ging die Tür auf. Der mexikanische Bäcker kam herein und rief: „Rasch, Mister Jackson! Die Maildriver haben Fred Guggenheimer gerade in die Stadt gebracht. Sie haben ihn zusammengeschossen am Rand der Poststraße gefunden.“

Der Vormann der Circle C erhob sich, nahm den Coltgurt von der Stuhllehne und schwang sich das Leder um die Hüften. Dann stapfte er rasch hinaus, den Hut in der Hand. Eine Reihe der Gäste ließ das Essen stehen und folgte ihm.

Sticker lachte und erhob sich ebenfalls. „Fünfzig-fünfzig! Ja, aber nur weil es brennt, Westham. Genaue Anweisung haben deine Leute bekommen. Wie genau, das weiß ich jetzt. Guggenheimer haben sie dabei übersehen. Ausgerechnet Guggenheimer!“

Sticker!“, rief der fette Westham winselnd. „Lass mich jetzt nicht sitzen!“

Sticker zog sich den Hut tief in die Stirn und schaute durch das Fenster zur Straße hinaus. Der lange Vormann der Circle C verschwand drüben vor dem Marshals Office in der Menschenmenge.

Sticker!“, zischte Westham, dass ihm das Backenfleisch wackelte. „Unser Vorsprung ist groß genug. Die Jungs warten mit den Wagen in den Caliuro Ranges. Also schon auf der anderen Seite des Dragoon Passes. Wo sie kein Mench vermutet! Ihr seid doch sechs Mann.“

Sticker schaute zur Kutsche, warf einen Blick auf das Steak und ging dann rasch hinaus. „Warte hier!“, raunte er Westham noch zu. „Erst muss ich herausfinden, ob wir wirklich eine reelle Chance haben.“

Westham stand auf und folgte ihm langsam.


*


Hep Waller, Cowboy der Circle C, zügelte verwundert sein Pferd, trieb es hinter die Menschenmenge an den Straßenrand und stieg aus dem Sattel. Sein Vormann, Matt Jackson, verschwand gerade im Office.

Hep leinte sein Pferd an und wollte von einem Mann wissen, was es gäbe.

Sie haben Guggenheimer gebracht!“, erhielt er zur Antwort. „Zusammengeschossen und skalpiert! Die Indianer müssen seine Wagen überfallen haben. Er ist doch gestern morgen mit zwei Wagen voll Werkzeug und Proviant nach New Mexiko aufgebrochen. Schätze, es war eine verdammt kurze Reise für ihn und seine Männer.“

Indianer?“ Hep Waller schüttelte den Kopf. „Das ist doch nicht möglich!" Er schob ein paar Männer zur Seite, betrat den Gehsteig und ging ins Office.

Fred Guggenheimer lag auf dem Tisch. Die Missions-Padres bemühten sich um ihn. Matt Jackson stand steinernen Gesichts inmitten einer Gruppe Männer daneben. Hep drang bis zu ihm vor und zupfte ihn am Ärmel.

Was ist denn passiert, Matt?“, raunte er.

Matt Jackson drehte sich langsam um. Als er Hep erkannte, zuckte er die Schultern. „Weiß der Kuckuck, Hep!“, sagte er schroff. „Aber die Burschen, die das getan haben, werden sich noch in der Hölle verfluchen.“

Hep betrachtete Fred Guggenheimer, der wie tot dalag. Skalpiert war er nicht!

Von Guggenheimer werdet ihr nichts erfahren“, sagte einer der Umstehenden zu den beiden Circle C-Männern. „Der bekommt seinen Mund bestimmt nicht mehr auf.“

Matt Jackson warf ihm einen finsteren Blick zu. Dann ging er zu einem der Maildriver. „Wo habt ihr ihn gefunden, Jesse?“

Der Kutscher zuckle die Schultern.

Vier bis fünf Meilen vor der Stadt. Er lag am Wegesrand.“

Genau!“, mischte sich Hep Waller ein. „Wir müssen das genau wissen, Jesse. Also streng deinen großen Kopf gefälligst an!“

Etwa dort, wo das winterharte Nadelholz beginnt“, antwortete der Maildriver. „Aber dort scheint es nicht passiert zu sein. Jedenfalls haben wir außer Schleifspuren, die von Guggenheimer stammen, nichts entdecken können.“

Wo ist denn der Boss dieses Ladens hier?“, wandte sich Hep Waller an seinen Vormann und machte eine umschreibende Geste.

Cliff ist mit Rip O’Hagan noch vor Sonnenaufgang wegen eines Viehdiebstahls ins Santa Cruz River-Gebiet geritten“, sagte Matt Jackson bekümmert.

Hep Waller fuhr sich unter den Hut. „Das ist der nächste Weg. Da müssen sie ja einen Wagen voll Verpflegung mitgenommen haben. Aber wieso mit Rip? Mischt der sich plötzlich wieder ein? Lässt Julie das zu?“

Rip meinte, er wäre der einzige, der diese Sache friedlich regeln könnte“, sagte Matt Jackson. „Du kennst ihn ja.“

Was willst du jetzt tun, Matt?“, fragte Hep Waller. „Schließlich bist du mit tausend Dollar in Guggenheimers Geschäft eingestiegen. Hab’ ich dir nicht gesagt, lass die Finger davon? Wir alle haben es dir gesagt! Nun sind die tausend Dollar zum Teufel. Tausend schöne Dollar, von denen jeder auf einer Theke herrlich geklimpert hätte. Lass dir was gesagt sein! Die Burschen, die Fred Guggenheimer angeworben hat, sitzen mit den Wagen jetzt irgendwo und rechnen auf eigene Faust. Deine tausend Dollar dabei inbegriffen.“

Du bist verrückt!“, wies Matt Jackson diesen Verdacht verärgert zurück, schob Hep Waller zur Seite und verließ das Office.

Hep Waller warf noch einen Blick auf Guggenheimer. Dann rannte er dem langen Vormann der Circle C nach. Auf der anderen Straßenseite holte er ihn ein.

Matt, was willst du unternehmen?“, rief Hep aufgebracht. „Das ist doch verrückt, wenn du diesen Halunken allein nachreiten willst. Warte, bis Cliff zurückgekehrt ist.“

Matt Jackson hatte seinen Braunen vor Fred Guggenheimers Stellmacherei im Schatten des Vordaches abgestellt. Dort blieb er stehen und sah sich nach Hep um, während er den Braunen losband.

Reite zur Ranch, Hep, und richte dem Boss aus, dass er vorläufig nicht mit mir rechnen kann“, sagte er scharf. „Es geht mir nicht um meine tausend Dollar. Aber Fred Guggenheimer liegt in Cliffs verdammtem Office, und er liegt dort mit drei Kugeln im Bauch. Nur davon kann jetzt die Rede sein.“

Bevor Hep Waller etwas erwidern konnte, schwang er sich in den Sattel und jagte davon.

Matt!“, brüllte Hep. „So warte doch, du wütender Büffel. Ich komme mit. So warte doch, verdammt noch einmal!“

Matt Jackson hörte jedoch nicht. Im gestreckten Galopp jagte er die Straße entlang und war schon im nächsten Augenblick hinter dem Stadthaus verschwunden. Ein Rest von Staub kräuselte dort noch in der Luft.

Hep Waller spie wütend aus und lief zum Marshals Office zurück, wo er sein Pferd stehen hatte. Vor der Schmiede stieß er auf einen Mexikanerjungen, den er gut kannte und von dem er wusste, dass er ein verlässlicher Bursche war.

Hast du Lust für einen Silberdollar zur Circle C zu reiten, Pepe?“

Si, si, Senor!“, antwortete der Junge, grinste und streckte die Hand vor.

Hep Waller nahm einen Dollar aus der Tasche und drückte ihm den Jungen in die schmutzige Faust. „Aber sause wie der Wind, mein Junge! Richte Buster Tom aus, dass Fred Guggenheimer zusammengeschossen in die Stadt gebracht worden ist und dass Matt Jackson und ich deshalb weggeritten seien. Kannst du dir das merken?“

Der Junge nickte eifrig. „Ich werde reiten, Senor Waller. Auf dem Pferd meines Bruders! Danke für den Dollar!“

Hep grinste, schlug dem Jungen auf die Schulter und lief rasch weiter. Fünf Sekunden später jagte er hinter Matt Jackson her aus der Stadt.


*


Westham und Sticker sahen Hep Waller nach. Westham zog die Uhr und warf einen Blick auf das Zifferblatt. „Zwei Mann, Bill! Zwei Mann! Jetzt werden Stunden vergehen, bevor sich noch weitere Burschen auf den Weg machen. Aber das ist nicht einmal sicher. Cliff Copper ist nicht in der Stadt. Bis die Nachricht zur RRR dringt, können Tage vergehen.“

Nur zwei Mann!“, versetzte Sticker trocken. „Well, aber diese Halunken werden die Wagenspuren finden. Verlass dich darauf!“

Ich glaube“, sagte Westham langsam, „du bist nicht ganz der Mann, für den ich dich immer gehalten habe.“

Du kannst von mir nicht erwarten, dass ich über Leichen gehe, nur weil deine Leute Fehler gemacht haben“, erwiderte Sticker. „Ich bin zu einem Geschäft hergekommen, aber nicht um Fehler auszubügeln. Auch die fremder Leute. Wir übernehmen die Wagen und karren die Fracht zu den Siedlungen in New Mexiko. Sollten wir von Apachen oder Comancheros angegriffen werden, setzen wir uns zur Wehr. Doch was uns aus Tucson folgt, ist deine Sache. Habe ich mich klar ausgedrückt?“

Westham biss sich auf die Lippe und blickte aus kleinen Augen die Straße in beide Richtungen entlang. „Gut!“, sagte er dann knapp. „Reite voraus! Warte auf mich hinter der Stadt! Ich begleite dich, um meinen Leuten neue Anweisungen zu geben.“

Dass unsere Steaks kalt werden, vergesse ich dir nie!“, brummte Sticker. Doch dabei dachte er wohl mehr an Julie O’Hagan, mit der er sich gern noch unterhalten hätte. Er zog sich den Hut gerade und ging zu seinem Pferd, das er vor Joel Madsons Saloon stehen hatte.

Westham wartete, bis er den Hufschlag hörte. Dann überquerte er die Straße und lief rasch zwischen den Mexikanerhäusern hindurch zu seinem Haus. Vor dem letzten Adobehaus lag ein Mestize auf einer Matte im Schatten, einen Weinschlauch in der Hand.

Einen Schluck, Senor Westham?“, grinste er, als Westham schwitzend vorüberstapfte. „Es ist guter Wein. Kalt! Kühl!“

Halt's Maul, Zarco!", schnaufte Westham kurzatmig. „Ich bin in Eile, verdammt noch einmal.“

Da sprang der Mestize auf und stellte sich Westham in den Weg. Er war klein, noch kleiner als Westham, aber sehnig und hager. In seinen kohlschwarzen Augen schienen Feuer zu brennen. „Ich gern verdienen wieder einmal Geld, Senor. Ich nicht bloß alles sehen und hören. Ich nicht nur gutes Auge und gutes Ohr. Ich auch gutes Gewehr und noch besseres Messer.“

Westham senkte kurz die fleischigen Lider. „All right, Zarco! Hol dein Pferd!“

Wie viele Dollar?“

Genug!“, sagte Westham, stieß den Mestizen zur Seite und ging schnell weiter.

Westham stapfte rasch voran. Der Schweiß floss ihm in Strömen über den Körper. Nassgeschwitzt, dass ihm die Sachen am Leib klebten, erreichte er sein Haus. Er schloss die Tür auf, trat ein und schaute sich lauernd um. Seitdem er in diesem Haus überfallen worden war, fürchtete er sich regelrecht, sobald er es nach längerer Abwesenheit betrat. Doch es blieb alles still. Er lief durch die Räume, schaute hier hin und dort hin und begann dann Proviant und Munition einzupacken. Zum Schluss öffnete er die Geldkassette, steckte dreihundert Dollar ein und verteilte den Rest auf verschiedene Verstecke im Haus. Dann schloss er alle Türen sorgfältig ab und ging in den Stall, um seinen Braunen zu satteln.

Als er auf die Gasse hinausritt, wartete dort schon der Mestize.

Zarco schloss zu ihm auf, und Seite an Seite ritten sie rasch aus der Stadt. Draußen im Land, keine zwei Meilen von Tucson entfernt, wartete Sticker mit seinen Männern. Sie verloren keine Zeit und brachen sofort zum Caliuro Gebirge auf, um in dessen Vorbergen auf die Frachtwagen von Fred Guggenheimer zu treffen.

Auf halbem Wege stießen sie auf die Spuren von zwei Reitern, die in aller Eile ostwärts geritten waren. Westham ließ halten, und Zarco untersuchte die Fährte.

Zwei Reiter aus Tucson“, sagte Zarco, als er sich aufrichtete, sich den Sand von der Hose schlug und zu seinem Pferd lief. „Sie haben volle Stunde Vorsprung.“

Sie sind aber nicht in Richtung des Dragoon Passes geritten“, meinte Sticker ergeben und trieb sein Pferd an.

Zarco, der noch nicht wusste, zu welchem Spiel er eingeladen worden war, grinste verständnislos.

Wir müssen die Kerle haben, Zarco!“, schnaufte Westham.

Zarco nickte und schwang sich in den Sattel.

Sticker stützte die Fäuste auf das Sattelhorn. „Es ist deine Arbeit, Westham“, sagte er gelassen. „Das hatten wir abgemacht. Ich reite mit meinen Leuten zum Gebirge.“

Sticker, jetzt kann doch nicht jeder auf eigene Faust reiten“, schnaufte Westham schwitzend.

Ich weiß nicht mehr, ob es eine gute Idee von mir gewesen ist, mich auf diesen Handel einzulassen“, erwiderte Sticker ergeben und trieb sein Pferd an.

Westham hielt kurz den Atem an und atmete erleichtert aus, als Sticker hinter dem Mestizen einschwenkte. Er ließ Stickers sechs Partner passieren und schloss dann rasch auf. Stickers Freunde waren von der harten und zähen Sorte. Im Gegensatz zu ihm waren sie wie Männer gekleidet, die in der Wildnis lebten. Man konnte ihnen auch ansehen, dass sie darin groß geworden waren und ihre Erfahrungen gemacht hatten.

Der Trupp folgte den Spuren der beiden Reiter. Doch nach einer Meile hielten sie schon wieder an, da die Reiter auf Wagenspuren gestoßen waren. Es handelte sich dabei unverkennbar um die Spuren zweier Frachtwagen, die von Norden her aus einer flachen Mulde gekommen waren und sich ostwärts gewandt hatten.

Westham sprang mit Zarco aus dem Sattel und lief mit ihm ein Stück die Spur entlang, dabei vermied er es, Sticker anzusehen. Sticker ritt aus der Reihe seiner Freunde heraus und folgte den beiden.

Geht es hier vielleicht zum Caliuro Gebirge hinauf?“, fragte er laut. „Oder kannst du mir sonst erklären, weshalb deine Männer mit den Wagen hier unten herumkurven?“

Westham blieb stehen, nahm den Hut ab und wischte sich die Glatze. „Es muss irgend etwas schiefgegangen sein", schnaufte er. „Wenn ich nur wüsste, was!“

Alles!“, erwiderte Sticker wütend. „Alles ist schief gegangen!“

Nein, nein!“, murmelte Westham. „Wir haben die Wagen in der Hand.“

Wenn wir uns nicht beeilen, sind Matt Jackson und Hep Waller vor uns bei den Wagen“, ließ sich da Zarco vernehmen.

Westham flog herum. „Woher weißt du denn, dass sie die Männer sind, die wir jagen?“

Ich gutes Auge und gutes Ohr!“, grinste Zarco.

Westham biss sich auf die Lippe. „Dann kommt!“, rief er krächzend und stapfte durch den Sand zu seinem Pferd.

Sticker ritt ihm nach und stellte sich ihm in den Weg, als er aufgesessen war und anreiten wollte. „Von den Fehlern anderer Leute wird man nicht reich“, sagte Sticker bissig. „Die Fehler anderer Leute verkürzen einem allenfalls das Leben. Aus diesem Grund habe ich die Faxen jetzt satt, verstehst du mich? Ab jetzt bestimmt hier nur noch einer, und das bin ich.“

Sticker zog sein Pferd herum. „Joe, Hank!“, wandte er sich an zwei seiner Männer. „Ihr bleibt hier zurück, bis wir drei Meilen Vorsprung haben. Dann folgt ihr uns. Bis jetzt haben wir eine Fährte hinterlassen wie eine Herde Wildschweine. Kehrt die Spuren aus! Auch die der Wagen! Solltet ihr dazu keine Gelegenheit haben, weil wir bereits verfolgt werden, dann schließt rasch auf, damit wir uns aus dem Staub machen können. In diesem Fall kann Westham das Kommando zurückhaben.“

Westham starrte ihn wütend an, wagte aber keinen Widerspruch. Stickers Männer grinsten.

Vorwärts!“, befahl Sticker.

Die Männer galoppierten an. Joe und Hank aber stiegen von den Pferden und schnallten ihre Decken ab. um damit die Fährten und Spuren zu beseitigen.


*


Jackson und Hep Waller hielten auf dem Höhenrücken unter einer weit ausladenden Sykomore, deren tiefer Mittagsschatten sie schützte, und blickten auf die beiden Wagen hinab, die direkt unter ihnen ostwärts fuhren. Die Entfernung betrug eine gute halbe Meile. Der Wind trug das Knarren der Achsen und das Holpern der Räder bis zu ihnen hinauf. Dann und wann waren auch die Rufe der Kutscher zu vernehmen und das Knallen der langen Peitschen.

Auf jedem Wagen sitzt nur ein Mann“, sagte Hep Waller wütend. „Und es ist so, wie ich dir sage! Zwei von euren Leuten haben eine eigene Rechnung aufgemacht und Guggenheimer und den dritten Mann niedergeschossen.“

Matt Jackson stützte die Fäuste auf das Sattelhorn und schaute brütend hinab. „Ja, aber wohin zum Teufel wollen sie mit den Wagen?“

Das ist doch ganz einfach!“, brummte Hep Waller und zog das Gewehr aus dem Scabbard. „Diese Hundesöhne suchen ein Versteck, um erst einmal unterzutauchen. Vermutlich wollen sie auf Freunde warten. Das liegt doch nahe, wo sie nur zu zweit sind.“

Malt Jackson griff ebenfalls zum Gewehr, lud durch und klemmte sich den Kolben der Winchester unter den Arm. „Diese Kanaillen werden sich gleich höllisch wundern. Komm, Hep! Geben wir ihnen Zunder!“

Bügel an Bügel jagten die beiden Circle C-Männer aus dem Stand heraus vorwärts, verließen den Mittagsschatten der Sykomore und stoben den Hang hinunter. Sie schwenkten hinter den Wagen ein und näherten sich in einem wiegenden Galopp, unbemerkt von den Kutschern. Als sie den letzten Wagen erreichten, turnte Hep Waller aus dem Sattel auf den Frachtwagen hinüber und verschwand unter der Plane. Matt Jackson trabte langsam nach vorn. Gerade als sich der Kutscher erschrocken nach ihm umdrehte, tauchte Hep hinter ihm über die Ladung hinweg auf und hielt ihm das Gewehr in den Nacken.

Halt an, Bruder!“, raunte Hep scharf.

Der Kutscher fuhr entsetzt herum und griff zum Revolver. Aber da schlug Hep blitzschnell zu.

Matt Jackson spornte sein Pferd an und holte den ersten Wagen ein. Der Mann auf dem Bock hatte nichts gehört. Das Hufgetrappel des Sechserzuges und das Poltern und Hämmern des Frachtwagens übertönte alle anderen Geräusche. Als er den Vormann der Circle C neben sich auftauchen sah und in dessen Gewehrmündung blickte, hielt er unverzüglich an und nahm die Hände hoch.

Matt Jackson stoppte sein Pferd und sprang aus dem Sattel. „Runter vom Wagen, du Hundesohn!", fauchte er wütend, „Und von mir aus greif dabei zum Revolver.“

Der Mann nahm die Hände in den Nacken und sprang in den Sand. Matt entwaffnete ihn. „Für wen arbeitet ihr?“, fragte er schroff. „Und wo sind die Männer, die diese Wagen gefahren haben?“

Hep Waller kam heran. „Antworte, Freund!“ unterstützte er Matts Fragen. „Aber rasch, bevor dir Blei in den Kopf fliegt!“

Der Bandit schluckte und schaute bestürzt und eingeschüchtert von Hep zu Matt und wieder zurück. Hep hatte inzwischen auch erkannt, dass diese beiden nicht zu den Männern gehörten, mit denen Fred Guggenheimer aufgebrochen war. „Rede, Freund!“, verlangte er finster. „Ich glaube, dir ist der Strick ziemlich sicher. Es sei denn, du sagst uns, wer euch zu diesem Verbrechen angestiftet hat.“

Lass ihn, Hep!“, brummte Matt Jackson. „Im Jail wird er sein Maul schon aufmachen.“ Er wandte sich ab, um nach dem zweiten Mann zu sehen, der neben dem letzten Wagen im Sand lag. „Wir bringen die Wagen am besten erst einmal nach Tucson zurück.“

Hep blickte Matt kurz nach. In diesem Augenblick glaubte der Mann vor ihm an seine Chance. Er war größer als Hep, fast einen ganzen Kopf, und auch breiter in den Schultern. Als Hep ihn wieder ansah, bekam er dessen Rechte direkt auf den Mund. Hep glaubte im ersten Moment, von einem Pferd getreten worden zu sein. Er sah Sterne und bunte Kreise, und die Lippen brannten ihm wie Feuer. Der Hieb warf ihn zurück. Er wollte schreien, um Matt aufmerksam zu machen. Aber er bekam nicht einen Ton heraus. Der Schlag schien ihn gelähmt zu haben.

Doch das alles währte nur Augenblicke. Als der Bandit nach seinem Gewehr griff und es ihm aus den Fäusten reißen wollte, sah Hep wieder klar, und da kochte er auch schon vor Wut. Er warf sich nach vorn, rammte dem Banditen den Kopf in den Bauch, ließ sich zurückfedern, riss das Gewehr mit und schlug damit zu. Mit voller Wucht. Der Kolben traf den Banditen am Kopf, und dieser Schlag beendete auch den kurzen wilden Kampf.

Matt wurde erst durch den Sturz des Banditen aufmerksam und fuhr herum.

Hep wischte sich Blut von den Lippen und blickte auf den bewusstlosen Burschen. „Diese Kanaille!“, schnaufte er keuchend, da er kaum Luft bekam.

Matt kam zurück. „Warum schlägst du ihn denn nieder?“, fragte er gereizt. Doch da sah er Heps aufgeplatzte Lippen. „Diese Bastarde! Binden wir diese Schakale, damit ihnen die Lust an solchen Dingen vergeht!“

Das taten sie auch. Sie fesselten den Banditen an Händen und Füßen und luden ihn auf den Wagen unter die Plane. Danach holten sie den anderen Burschen, der immer noch bewusstlos war, banden ihn und warfen ihn zu seinem Gefährten auf die Ladung.

Hast du ihre Pferde gesehen?“, fragte Hep, als. sie die Plane festschnallten.

Natürlich!“, brummte Mätt Jackson. „Die stehen hinter dem zweiten Wagen. Groß genug sind sie außerdem.“

Ich meine die Brandzeichen“, erklärte Hep.

Ja!“, versetzte Matt. „Der Wagenradbrand. Aber die Kerle gehören nicht zu Morrisons Mannschaft. Neue Leute hat er nicht eingestellt. Die Halunken können die Pferde gestohlen haben.“ Hep spie aus und blickte sich aus schmalen Augen um. „Ich fühle mich hier nicht sicher, Junge; denn ich lasse mir nicht ausreden, dass diese beiden Strauchritter Spießgesellen haben.“

Wir karren die Wagen in die Stadt zurück“, sagte Matt Jackson. „Auf direktem Weg.“

Das ist es ja, was ich meine“, knurrte Hep. „Ein direkter Weg führt auch in die Hölle. Mich drängt es, so rasch als nur möglich von der Bildfläche zu verschwinden.“

Die Wagen lassen wir hier nicht stehen“, sagte Matt Jackson entschieden. „Ich habe schließlich meine ganzen Ersparnisse in diese Sache investiert. Wir fahren auf direktem Weg zurück. Dann suchen wir Guggenheimers drei Männer.“

Hep Waller biss sich auf die Lippe, zog den Hut, wischte sich den Schweiß von der Stirn und sah sich wieder argwöhnisch um. „Nicht auf direktem Weg, Matt! Verschwinden wir lieber quer durchs Gebüsch nach Norden hinauf. Verwischen wir dabei vor allem unsere Spuren. Wir sind schließlich nur zu zweit. Und dass zwei Männer keine Chance haben, hast du doch eben erlebt.“

Matt Jackson grinste und sah den rotköpfigen Burschen amüsiert an. „Ich wusste gar nicht, dass du um mein Geld so besorgt bist."

Auf dein Geld pfeif’ ich, du Geschäftsmann!“, polterte Hep und zog sich den Hut über den Schopf. „Ich denke einzig und allein an mein Leben, das jetzt neben dir und bei deinen verdammten Wagen nicht viel wert ist.“

Also gut, Hep!“, gab sich Matt Jackson geschlagen. „Trecken wir nach Norden. Fahr du voraus! Ich nehme den zweiten Wagen. Hilf mir aber erst, zwei Äste anzubinden, damit ich die Gegend hinter mir blankfegen kann.“

Während Hep ihre Pferde und die der Banditen an den ersten Wagen band, nahm Matt eine Axt von einem der Murphys, ging zu einem Baum und schlug zwei schwere Äste ab. Der stetige Wind würde den Rest besorgen. Fünf Minuten später rollten die Frachtwagen aus dem Tal nach Norden. Die Hufe der Pferde, die schweren Wagenräder und die beiden Äste, die hinter dem letzten Wagen schleiften, trieben eine Wolke von feinem rötlichem Staub in die Luft.


*


Jimmy Copper, der jüngste Sohn des Circle C-Ranchers, schwang sich vor dem Ranchhaus aus dem Sattel und lief ins Gebäude.

Boss!“, brüllte er. „Wo steckt der Boss?“

Rosalie, seine neunzehn Jahre alte Schwester, kam ihm in der Halle entgegen und schüttelte den Kopf. „Was brüllst du nur so? Wir suchen den Boss schon den ganzen Morgen. Von deinem Geschrei taucht er auch nicht auf. Schwing dich in den Sattel und reite zum Heckenstreifen hinaus! Ich glaube, da haben die Jungs heute morgen ein verendetes Rind gefunden. Nun bilden sich hier alle ein, unsere Herde wäre vom Milzbrand heimgesucht worden.“

Was sagst du da?“, fragte Jimmy betroffen.

Suchst du Vater nun, oder suchst du ihn nicht?“, versetzte Rosalie schulterzuckend und wollte weitergehen. „Ich habe dir gesagt, wo er steckt.“

Jimmy war mit einem Satz bei ihr. „Was ist los? Wir haben den Milzbrand in der Herde, glaubst du?“, keuchte er und hielt sie fest.

Fass doch nicht so grob zu, du Fuhrknecht!“, rief Rosalie schmerzhaft aus und riss sich wütend los. „Ich glaube gar nichts. Ich versuchte nur dir klarzumachen, wie sich hier alle benehmen. Jedenfalls seit heute morgen.“

In diesem Moment tauchte Buster Tom, der Boss der Red Rock Ranch, aus der elterlichen Kammer auf, das Gesicht verquollen und verschlafen. Das graue Haar hing ihm strähnig in die Stirn.

Was ist denn hier los?", polterte er. „Was ist denn das für eine Geschrei? Gibt es in diesem Haus keine Ecke, in der man mal für ein paar Minuten ruhig schlafen kann? Da draußen ist es so heiß, dass man schon schwitzt, wenn man nur daran denkt, sich zu bewegen, und ihr springt hier herum und brüllt euch an wie Eskimos, die sich unbedingt warm machen müssen.“

Rosalie und Jimmy blieben überrascht stehen und sahen ihren Vater geradezu sprachlos an. Jimmy fasste sich jedoch sehr schnell, ging zu seinem Vater und legte ihm die Hand auf den Arm.

Vater!“, rief er aufgeregt. „weißt du schon, was passiert ist?“

Buster Tom verzog das Gesicht und schüttelte sich Jimmys Hand mit einer widerwilligen Geste vom Arm. „Wie könnte ich das?“, brummte er gereizt. „Hast du Sand in den Ohren oder Pferdemist? Ich habe euch doch gerade erklärt, dass ich geschlafen habe. Das heißt, ich habe es versucht.“

Da betrat Buster Toms Frau die Halle. „Was ist denn hier für eine Aufregung? Warum schreist du denn so, Tom?“ Sie warf einen Blick auf ihre Kinder. Dann sah sie ihren Mann vorwurfsvoll an.

Ich schreie?“, sagte Buster Tom wütend und zerknirscht und zeigte dabei auf sich. „Ich? Ausgerechnet ich? Seit einer halben Stunde versuche ich, bemühe ich mich, ein Auge voll Schlaf zu nehmen, aber das ist ja ein Tollhaus hier. Und dann bin ich es noch, der schreit und andere nicht zur Ruhe kommen lässt. Das wird ja immer schöner! Immer schöner wird das hier!“

Ja, also! Ich höre nur dich!“, behauptete Betty Copper.

Buster Tom sah seine Frau verärgert an. „So! Du hörst nur mich." Er nickte wütend. „Gut! Von dieser Plage kann ich euch alle befreien. Wisst ihr was? Ich nehme jetzt mein Pferd und reite zum Mittagsschlaf in die Wüste. Aber damit ich dort auch wirklich meine Ruhe habe, nehme ich mein Gewehr gleich mit! Nehmt das gefälligst zur Kenntnis.“

Er machte auf dem Absatz kehrt. Dann knallte die Tür hinter ihm ins Schloss, dass in dem großen Ranchhaus alle Wände wackelten.

Was hat er denn?“, wandte sich Betty Copper an Jimmy und Rosalie. „Hast du ihn geärgert, Jimmy? Oder liegst du ihm wegen einem neuen Kleid in den Ohren, Rosalie?“

Rosalie zuckte die Schultern. Jimmy wusste auch nicht, was er sagen sollte. Da kam Buster Tom wieder zum Vorschein, den Hut auf dem Kopf, den Revolvergürtel in der Hand. Wieder knallte die Tür hinter ihm ins Schloss. Dann lief er zum Ausgang und schwang sich dabei den Gürtel um die Hüften, ohne nach rechts zu sehen, wo seine Kinder standen, oder nach links, wo seine Frau wartete.

Vater!“, rief da Jimmy. „Einen Augenblick! Heute morgen ist Fred Guggenheimer schwer zusammengeschossen in die Stadt gebracht worden. Von seinen Frachtwagen, mit denen er zu den Siedlungen nach New Mexiko aufgebrochen war, fehlt jede Spur."

Buster Tom hatte die Verandatür erreicht, hielt auf der Schwelle ein und drehte sich langsam um.

Was sagst du da?“, grollte er. „Wieso kommst du denn nicht gleich damit heraus?“

Ich komme ja hier nicht zu Wort!“, beschwerte sich Jimmy.

Rede schon!“, polterte Buster Tom mit sonorer Stimme.

Eigentlich war es das schon“, erklärte Jimmy. „Ich habe die Nachricht von einem Mexikanerjungen, den Hep Waller herausgeschickt hat. Cliff befindet sich nicht in der Stadt. Er ist mit Rip O’Hagan unterwegs.“

Was ist mit Guggenheimer?“, fragte Buster Tom bestürzt. „Ist er tot?“

Es steht verdammt schlecht um ihn. Niemand weiß, ob er durchkommen wird.“

Weiß Matt Jackson Bescheid?“, wollte Buster Tom wissen. „Er ist doch an dem Geschäft beteiligt. Jedenfalls erinnere ich mich, dergleichen gehört zu haben.“

Matt und Hep sind sofort losgeritten“, erklärte Jimmy. „Sie lassen ausrichten, dass wir vorläufig nicht mit ihnen rechnen können. Ich habe mich in Tucson umgehört. Nur Matt und Hep sind aufgebrochen.“

Dann müssen wir Cliff benachrichtigen“, meinte Buster Tom. „Auf schnellstem Weg! Er ist schließlich der Marshal.“

Er ist zu den Siedlungen am Santa Cruz River geritten!“

Das fehlt uns noch!“, donnerte Buster Tom. „Da liege ich hier und schlafe stundenlang wie ein Murmeltier, und so etwas wird einem nicht gesagt. Los, wer von unseren Leuten ist greifbar? Wir brechen sofort auf. Schließlich haben wir als eine der größten Ranches Verpflichtungen. Wir können nicht tatenlos zusehen, wenn sich Pack breitmachen will. Außerdem ist Matt Jackson an dem Geschäft beteiligt. Und mit Fred Guggenheimer habe ich mich immer gut verstanden. Den will ich in allererster Linie nicht enttäuschen.“

Von unserer Mannschaft ist niemand hier“, sagte Jimmy.

Die Männer sind heute morgen in die Gila hinaus“, sagte Betty Copper. „Die neuen San Saba-Stiere sind mit allen Kühen und Kälbern in die Wüste gelaufen. Vor heute Abend wird keiner der Männer zurück sein.“

Also gut, Jimmy!“, sagte Buster Tom. „Dann bleibt das auf uns sitzen. Pack uns etwas zu essen ein, Betty! Wir satteln inzwischen die Pferde."

Nur zu zweit?“, fragte Betty Copper bekümmert und strich sich das blonde Haar aus der Stirn.

Buster Tom winkte Jimmy zu sich heran und legte ihm den Arm um die Schultern. „Wenn wir zwei einen guten Tag haben, sind wir glatt ein volles Dutzend wert. Stimmt’s, Jimmy?“

Jimmy grinste salzig. „Mindestens!“

Also, ich weiß nicht!“, entrüstete sich Betty Copper. „Schließlich handelt es sich um zwei Planwagen voll Werkzeug und Proviant. Die werden nicht von irgendwelchen Tagedieben gekapert worden sein. Seht euch ja vor!“

Das tun wir auch!“, versprach Buster Tom. Dann lief er mit Jimmy ins Freie, um draußen im Korral frische Pferde einzufangen und zu satteln.

An wen wollte Fred Guggenheimer die Wagenladungen eigentlich verkaufen?“, fragte Buster Tom, als sie auf dem Sattelplatz standen und die Proviantsäcke hinter die Sattelpacken schnallten.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738908992
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v358837
Schlagworte
circle c-ranch duell apache pass

Autor

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Titel: Circle C-Ranch #17: Duell am Apache Pass