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Kit Carson 13: Die goldene Stele

2017 120 Seiten

Zusammenfassung

Am „Fluss der Verlorenen Seelen“ in den Vorbergen der San Juan Mountains erzählt Kit Carson seinem Freund, dem Schoschonen Washakie, wie er unter Charles Bent mit einem Wagenzug zum ersten Mal in den unerschlossenen Westen zog und welche Freundschaften und Feindschaften daraus entstanden.
Jahre später stoßen Kit und Washakie auf dem Camino Real in einer verlassenen Mission auf einen Toten, der die Erinnerungen an jene vergangenen Ereignisse erneut heraufbeschwört. Nun gilt es, ein Verbrechen zu sühnen, von dem nur wenige wissen: Eine goldene Stele, die einst geraubt wurde, soll ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgebracht werden. Doch dies scheint unmöglich …

Leseprobe

DIE GOLDENE STELE

Kit Carson

Band 13

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Ein Roman von Leslie West

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IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach einem Motiv von C.M.Russell, 2017

Redaktion und Korrektorat:  Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Am „Fluss der Verlorenen Seelen“ in den Vorbergen der San Juan Mountains erzählt Kit Carson seinem Freund, dem Schoschonen Washakie, wie er unter Charles Bent mit einem Wagenzug zum ersten Mal in den unerschlossenen Westen zog und welche Freundschaften und Feindschaften daraus entstanden.

Jahre später stoßen Kit und Washakie auf dem Camino Real in einer verlassenen Mission auf einen Toten, der die Erinnerungen an jene vergangenen Ereignisse erneut heraufbeschwört. Nun gilt es, ein Verbrechen zu sühnen, von dem nur wenige wissen: Eine goldene Stele, die einst geraubt wurde, soll ihren rechtmäßigen Besitzern zurückgebracht werden. Doch dies scheint unmöglich  ... 

EIN JAHRESTAG

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Jenseits des Fichtenwäldchens stürzte die Erde unvermittelt und ohne ersichtlichen Grund 600 Yards tief ab. Durch den Talboden hatte sich der Rio de las Animas Perdidas in Jahrmillionen währender Arbeit sein Bett gegraben, schäumend, rauschend; brodelnd.

Niemand wusste, welcher Hidalgo diesem „Fluss der verlorenen Seelen“ einst seinen Namen gegeben hatte. Lange vor den ersten Amerikanern hatten sich bereits spanische Abenteurer aus Santa Fé in den Vorbergen der San Juan Mountains herumgetrieben. Seinen Namen hatte der Fluss wegen der fünf Soldaten des spanischen Königs erhalten, die ihn nach einer Legende hinauf gewandert waren, um nie wieder aus diesem südlichen Teil der Rocky Mountains zurückzukehren.

Seine Ufer waren von zwergwüchsigen Scheinzypressen und Yuccas gesäumt. Auf der anderen Seite des Canyons türmten sich Bergrücken bis hoch über die Baumgrenze auf, wo im Gefolge zurückweichender Schneemassen ganze Felder von Gletscherlilien blühten.

Washakie ließ seine Blicke aus den Tiefen des weiß schäumenden Hexenkessels zu den rostroten, dem Fichtenwald gegenüberliegenden Gipfeln hinaufgleiten. Dieser Teil des Massivs bestand überwiegend aus relativ jungem Sedimentgestein - jung nach geologischer Zeitrechnung, denn er war immerhin 150 Millionen Jahre alt. Seine Farben umfassten ein ganzes Spektrum: Sandstein und Schieferton in leuchtenden Schichten von Rot, Elfenbein, Braungelb, Safran, Holzkohle, Lavendel und Mauve.

Vor einer Viertelstunde war der junge Halbschoschone auf ein Häufchen ganz frischer Tierlosung gestoßen, braune Kugeln von Murmelgröße, zu groß für die Exkremente eines Kaninchens, zu klein für die eines Wapitis. Somit konnte es sich nur um den Kot eines Maultierhirsches handeln, der für den Speiseplan der letzten Woche eine nicht unerhebliche Bereicherung darstellen würde.

Und vor wenigen Minuten war noch das leise, melodische Flöten, das so gar nicht zu dieser unansehnlichen Kreatur mit buckligem Rücken, Wamme und überdimensionalen Ohren passen wollte, aus dem höherliegenden Waldbestand erklungen, um dann abrupt in einen klagenden Schrei, der höchste Todesnot verriet, überzugehen.

Washakie war zusammengefahren, hatte den Bogen von der Schulter genommen und einen Pfeil aufgelegt. Geduckt war er weiter geschlichen:

An manchen Fichten war die Rinde in Fetzen abgelöst, so dass man aus der Ferne den Eindruck bekam, jemand hätte sie mit einer Axt bearbeitet. Der hochgewachsene Halbschoschone erkannte jedoch rasch, dass es sich dabei um Schäden handelte, die Wapiti- oder andere Hirsche verursacht hatten, als sie ihr Geweih an den Stämmen gefegt hatten, um es vom Bast zu befreien. Nicht das, was er zunächst vermutet hatte. Dennoch blieb er auf der Hut. Noch war der Schrei nicht in seinen Ohren verklungen.

Washakie pirschte unter einem grün gesprenkelten Baumkronendach seitwärts, durch das sich die Sonne ihren Weg mühselig erkämpfen musste. Unter den Fichten, Tannen und Pappeln belebten Gänseblumen, Himbeeren, wilder Wein, Geißblatt und Rittersporn den Waldboden, bis der Halbschoschone unversehens auf eine Lichtung geriet, die die Form eines auf dem Kopf stehenden Ls hatte, wobei er an ihrem unteren Ende aus dem Baumbestand trat. In ihrem Winkel stieg eine unübersichtliche Wand aus ineinander verkeilten Felsbrocken unterschiedlichster Größe empor, während auf der Lichtung selbst Gebirgsblumen in unvorstellbarer Farbenpracht und Fülle aus dem Boden sprossen: Kaiserkrone und Indianerpinsel, in Karminrot, Hahnenfuß und Nelkenwurz in Goldgelb, Penstemon und Berufskraut in Rosa und Lavendelblau, Glockenblume und Akelei in einem ernsteren Ton der gleichen Farbe.

Zu Füßen der Felsmassen lag der Maultierhirsch. Sein Rücken war eine einzige rote Wunde, aber er lebte noch. Um ihn herum war die Wiese in einem beträchtlichen Kreis zerwühlt: Er musste seinem Angreifer noch einen tapferen Kampf geliefert haben.

Aus diesem Kreis führte eine Schneise in das obere Ende der Lichtung zurück, das dem Standort des jungen Kriegers gegenüberlag.

Mit gebotener Vorsicht schlich er, nach allen Seiten sichernd, auf das blutende Wild zu und erlöste es mit dem Messer von seinen Qualen. Er wischte es sauber, steckte es in die Scheide zurück, griff wieder zum Bogen, legte einen Pfeil auf und schickte sich an, der frischen Schneise zu folgen.

Noch mitten im ersten Schritt fuhr er instinktiv herum. Schützend riss er den linken Arm hoch, bevor ihn eine fellbekleidete, krallenbewehrte, fauchende Masse, geschmeidig und zugleich von tödlicher Kraft, ansprang und zu Boden warf.

Der junge Halbschoschone besaß die Geistesgegenwart, seinen Bogen zwischen die Zahnreihen des Silberlöwen zu drücken. Tobende Wut ließ das wilde Fauchen zu einem fürchterlichen Gebrüll anschwellen.

Washakie erkannte, dass es sich um ein altes, erfahrenes Tier handelte, aber er verlor nicht die Nerven. Seine erprobten Fäuste umkrallten den Bogen zu beiden Seiten der schnappenden Fänge, wodurch die Unterarme die Pranken auf Distanz hielten. Raubtierspeichel tropfte auf sein Gesicht, als er den Bogen mit voller Kraft nach hinten stieß.

In dem Sekundenbruchteil, in dem der Oberkörper des Silberlöwen nach oben gereckt wurde und die beiden Kontrahenten sich anschickten, sich voneinander loszureißen, fiel der Schuss. Er schlug ein Loch in das graue Brustfell des Pumas und warf ihn nach hinten. Washakie rollte sich zur Seite, während die Raubkatze in einem furchtbaren Todeskampf den Wiesenboden zerwühlte, bis nach kurzer Zeit sämtliche Glieder erschlafften. Noch Minuten nach dem Tod zuckten etliche Muskeln.

Währenddessen ließ Kit Carson seine Deringer-Rifle ausrauchen, um sie dann nachzuladen. Washakie hatte sich erhoben und brachte seine Kleidung aus Bisonleder in Ordnung. Er hatte keine ernsthaften Wunden davongetragen.

„Du kamst äußerst gelegen, Gelbhaar.“

„Dein Dank wird mir ewig nachschleichen, nicht wahr? Jedenfalls länger als dir der Puma.“

Mit diesen Worten trat der junge Waldläufer, der sein dichtes blondes Haar schulterlang trug, an die Seite seines indianischen Freundes. Sie hatten die gleiche Größe.

„Die Frage ist, ob meine Hilfe überhaupt vonnöten war. Schau dir diesen Kerl an.“

„In der Tat. Noch nie habe ich einen Silberlöwen gesehen, der ein solch hohes Alter erreicht hat. Sein Gebiss ist äußerst lückenhaft, aber seine Krallen waren noch gefährlich genug. Beinahe hätte ich meinen sträflichen Leichtsinn büßen müssen.“

„Ich hätte diesem steilen Felsenhaufen nicht mehr Aufmerksamkeit gewidmet als du, Washakie. Diese Schneise vom toten Maultierhirsch über die Lichtung in den Fichtenwald hinein ist einfach zu offensichtlich und noch dazu so frisch, als sei sie unmittelbar vor unserem Erscheinen getreten worden. Gewiss ist dies auch der Fall.“

„So stehe ich allerdings vor einem Rätsel.”

„Ich für meinen Teil nicht weniger, alter Gefährte. Wir können es nur lösen, indem wir dieser Spur folgen.“

Nicht ohne Mühe bekam Washakie seinen Bogen frei. Sodann drangen sie in den Baumbestand ein. Zertretene Farne und durchbrochenes Gestrüpp wiesen ihnen den Weg, der in Richtung des Abgrunds führte.

Der junge Trapper, der vorausging, blieb unvermittelt stehen. Aus geringer Ferne vernahmen seine in der Wildnis geschulten Ohren das nur allzu vertraute wütende Surren und Brummen mehrerer Hundert aufgebrachter geflügelter Waldarbeiterinnen. In der Luft lag ein ebenso würziger wie appetitanregender Geruch.

„Und das da, Gelbhaar?“

Washakies nach oben gestreckter Zeigefinger wies auf Einkerbungen im nächststehenden Fichtenstamm, die noch eine halbe Manneslänge über ihren Köpfen zu erkennen waren.

Kit musterte die rätselhaften Krallenspuren mit äußerster Sorgfalt. In den Stamm waren tiefe, parallel verlaufende Rillen gekerbt, als hätte ihn jemand mit einem Messer bearbeitet, jede drei Fingerbreiten tief. Kein Silberlöwe besaß Krallen von solchen Ausmaßen.

„Old Ephraim“, murmelte der junge Scout.

Das wütende Summen und Sausen kam gefährlich näher.

„Lass uns verschwinden, Stolz der Schoschonen“, schlug Kit vor.

„Falls es dazu nicht längst zu spät ist, Leuchte der Mountain Men.“

„Greif an trockenem Reisig auf, was du nur unter die Arme bekommst. Zurück auf die Lichtung, rasch!“

Der hochgewachsene Waldläufer folgte dem eigenen Rat ebenfalls. Zuletzt hatten sie keine Hand mehr frei, wodurch ihnen bei ihrem gebückten Lauf tiefer gewachsene Zweige die Gesichter zerkratzten.

Endlich hatten sie das freie Gelände erreicht, auf dem der tote Maultierhirsch lag. Rasch bildeten sie mit dem gesammelten Reisig einen Kreis um sich. Mangels Zeit und Materials blieb es ein Dreiviertelkreis, dessen Rest die steile Anhäufung herabgestürzter Felsbrocken bildete. Wie abgesprochen griffen die beiden Gefährten nach ihren Schwefelhölzchen, entfachten sie, hielten sie in kurzen Abständen an den niedrigen Reisigwall und bliesen tüchtig nach. Zunächst wollten die Flämmchen nur schwach greifen.

Kit und Washakie kauerten sich auf dem Boden zusammen, als der rachsüchtige Schwarm heran surrte. Endlich züngelten kräftigere, handtellergroße Herde empor. Hurtig ließ Washakie eine Handvoll zerriebener Kräuter in ihnen verglimmen.

„Halte deine Ärmel in den Rauch, Gelbhaar“, riet er dem Freund. „Der Geruch wird sie dann auch noch fern halten, wenn das Feuer längst erloschen ist.“

Kit folgte dem Rat des geringfügig Älteren. Beizende graue Schwaden wälzten sich halb dahin, halb stiegen sie empor. Rasch erlosch das grimmige Brummen in der Luft, erst eine Viertelstunde später das letzte Feuerzünglein.

„Ich könnte mich daran gewöhnen“, stellte der junge Trapper fest, als er am mit langen Fransen verzierten Ärmel seiner Wapitilederjacke schnupperte. „Auch wenn deine Gewürzmischung in einem frischen Braten eine bessere Verwendung gefunden hätte.“

„Hätten wir sie dafür aufgespart, Gelbhaar, so hätten wir danach erheblich weniger von unserem Braten gehabt.“

„Weil wir ihn vor lauter Stichen nicht mehr hätten kauen können. Wo du recht hast, hast du recht.“

Das Überstandene hatte sie hungrig gemacht, der letzte Teil des Gesprächs hatte sein übriges dazu getan. Washakie begann den Maultierhirsch zu zerlegen, Kit sammelte mit geladener Pistole größere Holzstücke.

Bald war die Luft von einem appetitlichen Duft erfüllt. Auch beim Essen hing jeder seinen Gedanken nach. Der hochgewachsene Halbschoschone ergriff als erster wieder das Wort.

„Mir scheint, so ungewöhnlich das auch immer klingen mag, dass der alte Räuber mit einer Art  ...  Partner zusammengearbeitet hat. Ein anderer Silberlöwe scheidet mit großer Wahrscheinlichkeit aus, hingegen nicht ein Mensch.“

„Wenn ich es mir recht überlege, hätte diese Vermutung sogar etwas für sich. Das, was ich vermute, klänge kaum näherliegend, wenn ich nicht bereits von anderen Umständen ausgehen würde, die zwei Jahre zurückliegen. Auf den Tag genau zwei Jahre.“

„Umstände, von denen du bisher einfach nicht reden wolltest, Gelbhaar. Verständlicherweise interessiert mich trotzdem, ob der Bratengeruch unseren Unbekannten, sei er nun Mensch oder Tier, anlocken könnte.“

Kit gestattete sich ein zurückhaltendes Lächeln.

„Wer weiß, vielleicht  ...  es hätte sein Gutes. Mir scheint, wir haben den idealen Platz zum Übernachten gefunden.“

„Mir hingegen drängt sich dieser Eindruck nicht auf. Einen Feind in der Nähe zu wissen erfordert eine intensive Nachtwache; von der Leben und Tod abhängen kann.“

„Da widerspreche ich dir überhaupt nicht, Krieger. Dir kann ich indes garantieren, dass deine Nachtruhe gewährleistet ist, solange unser Unbekannter nicht auf den Plan tritt.“

„Das klingt, als wolltest du dir ganz allein mit der Wache die Nacht um die Ohren schlagen. Warum sollte ich dieses Angebot abschlagen? Schließlich bist du es, der auf diesem Lagerplatz besteht.“

„Du hast recht. Von mir aus gesehen ist es auch kein Opfer. Ich weiß, dass ich in dieser Nacht so oder so keinen Schlaf finden werde. Und ich hätte dir längst sagen sollen, wie dankbar ich dir bin, dass du überhaupt mitgekommen bist.“

„Du wolltest mir schließlich etwas sehr Interessantes zeigen, etwas, das man nirgends sonst zu sehen bekommt.“

„Dieses Versprechen werde ich morgen halten.“

„Vielleicht wird mir diese Überraschung zu gewaltig. Bereite mich wenigstens ein kleines bisschen darauf vor.

Der junge Trapper warf eine abgenagte Rippe hinter sich. Er wirkte jetzt weniger bedrückt.

„Ich weiß, Alter, dass dir nicht Neugierde zusetzt, sondern Anteilnahme. Nun, was vermutest du denn?“

Washakie war froh, dass bei seinem Freund endlich ein gewisses Mitteilungsbedürfnis aufkeimte. Offensichtlich lag ihm etwas auf der Seele, das loszuwerden ihn große Überwindung kostete.

„Nachdem es heute genau zwei Jahre her ist, geschah es immerhin auch, nachdem wir uns bereits in Franklin für Sekunden über den Weg gelaufen waren, ohne freilich Gelegenheit zu finden, uns einander vorzustellen.“

„Das waren bewegte Zeiten, in der Tat. So gesehen hättest du recht, doch damals fand nur etwas ein Ende, was über vier Jahre vorher begonnen hatte und somit inzwischen länger als sechs Jahre zurückliegt.“

„So warst du damals zwischen sechzehn und siebzehn Sommer alt. Wofür interessiert man sich in diesem Alter, wenn nicht für Mädchen? Gab es vor Linda Carlisle gar noch eines, das dir sehr viel bedeutet hat?“

Kit war so rot angelaufen, dass sich seine Gesichtsfarbe nur noch unwesentlich von der Washakies unterschied.

„Wie nahe du doch der Sache so schnell gekommen bist! Es war  ...  nun, es war  ...  eine ganz außergewöhnliche Gefühls- und Sinnesverwirrung.“

Das Eis war gebrochen, und Kit begann zu erzählen.

AUS DER VERGANGENHEIT

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Tulads Anschlag auf Xochicalco IV. war fehlgeschlagen. Der Herrscher hetzte dem verräterischen Bruder sämtliche verfügbaren Krieger nach, doch diesem gelang mit seinen wenigen verbliebenen Getreuen die Flucht in den Nordwesten.

Dabei nahmen sie die Goldene Stele mit, die von unschätzbarem Wert war.

Dass Tulad bald darauf einem tödlichen Schlangenbiss erlag, hätte als gerechte Ironie des Schicksals ausgelegt werden können. Seine Begleiter wurden von einem Stamm Küstenindianer aufgenommen, in dem sich ihre Spuren nach wenigen Generationen verloren hatten.

Nur das Geheimnis der Goldenen Stele wurde von jedem Häuptling an seinen Nachfolger weitergegeben.

In den folgenden Jahrhunderten erlitten die Indianer unter den Spaniern Unsägliches. Doch erweckte Mexikos Unabhängigkeit unter ihnen neue Hoffnung.

Dem Priester Hidalgo, der zum bewaffneten Widerstand gegen die Spanier aufrief und den Indianern die Rückgabe ihrer Länder versprach, wurde dadurch von diesen ein Vertrauensbeweis ganz besonderer Art zuteil, dass man das Wissen um die Goldene Stele an ihn weitergab, damit er es im Bedarfsfall zum Wohle der Indianer nutzen konnte. Ihm nutzte es indes wenig, da er bereits 1811 mit seinen engsten Mitstreitern hingerichtet wurde. Noch in der Todeszelle gab er sein Geheimnis an Morelos weiter, einen anderen Priester, der sich wie er für die Interessen der Indianer einsetzte. Seinen Mangel an Bildung machte Morelos mit seinem größeren strategischen Geschick mehr als wett.

Doch auch dieses Geschick konnte ihm nicht gegen die erdrückende Übermacht der königstreuen Truppen helfen. Von einem Heeresführer namens Iturbide geschlagen, wurde er gefangengenommen und 1815 erschossen.

Wieder aber war ein einziger Priester im Besitz des Geheimnisses um die Goldene Stele geblieben.

Als 1825 die ersten drohenden Wolken der Säkularisation am politischen Horizont aufzogen, traf im mexikanischen Kalifornien Padre Bartolomé die umständlichsten Vorbereitungen, auf dass die Goldene Stele niemals in die Hände unwürdiger und korrupter Politiker fallen würde.

*

Im gleichen Jahr hatten die Osagen durch einen Vertrag mit den Weißen Frieden geschlossen.

Kurz darauf hatte sich ihr Häuptling Graue Feder in die Einsamkeit der Berge zurückgezogen. Nur sein Sohn hatte ihn begleiten dürfen. Es galt, ein Geheimnis an ihn weiterzugeben, das nur von einem Häuptling auf den anderen übertragen werden durfte.

Als über dem nächstgelegenen Kamm eine Gestalt sichtbar wurde, rechnete Graue Feder mit seinem Sohn. Im nächsten Augenblick erkannte er, dass es sich um einen Weißen handelte. Seine Nackenhaare richteten sich auf.

Er konnte gute Absichten hegen, da er sich offen näherte, doch eine innere Stimme warnte das Stammesoberhaupt der Osagen. Er ließ den anderen keine Sekunde aus den Augen, bis dieser auf Sprechweite herangekommen war.

„Sei gegrüßt, Graue Feder“, erhob er seine Stimme.

„Du kennst mich?“

„Du warst mein Ziel“, fuhr der Neuankömmling fort. „Ich wollte etwas von dir erbitten.“

Bei diesen Worten wickelte er das Stoffbündel auseinander, das er in der linken Hand hielt. Die Hälfte eines in der Mitte auseinandergebrochenen Tellers kam zum Vorschein. Das in den Boden gebrannte Bild verriet seinen indianischen Ursprung.

„Der sechsbeinige Jaguar“, stellte Graue Feder fest. „Er gehört dir?“

„Er ist mein rechtmäßiges Eigentum.“

„Dann willst du die andere Hälfte des Tellers?“

„Gerade darum wollte ich dich bitten, Häuptling.“

„So folge mir.“

Graue Feder ging auf eine nahegelegene Höhle zu, der Weiße folgte ihm. Auf halbem Weg fuhr der Indianer so blitzschnell herum, dass sein Besucher völlig überrascht wurde.

„Dein gieriger und heimtückischer Blick hat dich soeben verraten. Die Cardenas-Brüder haben dich geschickt. Den rechtmäßigen Besitzer deiner Tellerhälfte aber hast du hinterrücks ermordet.“

Die Reaktion des anderen lieferte ihm dafür letzte Gewissheit. Der Weiße hatte während seiner Worte die Pistole an seiner Seite gezogen.

„Es geht auch anders, Graue Feder. Ich hatte gehofft, du würdest vernünftig sein.“

„Töricht, meinst du.“

„Heraus mit der anderen Tellerhälfte!“

„Sie ist nicht in der Höhle. Wenn du sie  ...  “

So wie der Mörder zur ersten Tellerhälfte gekommen war, wusste Graue Feder, was ihm bevorstand. Mitten im Satz sprang er.

Der Schuss krachte und riss ihn nach hinten.

Als der Weiße erkannte, dass er mit seiner verhängnisvollen Reaktion seine finstere Absicht selbst vereitelt hatte, packte ihn unmäßige Wut. Er setzte nach und verpasste dem in seinem Blute Liegenden einen brutalen Tritt in den Leib.

„Noch kannst du dir aussuchen, ob du schnell oder unter größten Qualen sterben willst.“

Er zog sein langes Messer und ließ dessen Spitze einen Fingerbreit vor Graue Feders linkem Auge in der Schwebe verharren.

„Holt dich hier jemand ab oder kehrst du allein zurück? Sprich, bevor ich zusteche!“

Der sterbende Häuptling spürte eine letzte Erleichterung in sich aufglimmen. Sein Mörder wusste nicht, dass er in Begleitung seines Sohnes hierhergekommen war. Für ihn selbst aber spielte dies keine Rolle mehr. Es würde nichts an dem Fürchterlichen ändern, das ihm vor seinem Ende noch bevorstand.

Sein Sohn war viel zu weit entfernt gewesen, als dass er den Schuss hätte hören können. Eine Jagd in diesen kargen Gebirgsbreiten erforderte das Zurücklegen großer Entfernungen.

Als er viele Stunden später bestürzt über seinem Vater kauerte, lebte dieser trotz seiner entsetzlichen Verstümmelungen noch lange genug, um ihm seinen Mörder zu beschreiben und ihn vollständig in das Geheimnis und das Versteck der anderen Tellerhälfte einweihen zu können.

*

Kopfschüttelnd musterte Charles Bent den hochgewachsenen Jungen.

„Vielleicht bist du außerstande, dir auch nur die geringste Vorstellung davon zu machen, was uns bevorsteht, Boy.“

„Auf keinen Fall, Mr. Bent!“, widersprach sein Gegenüber heftig. „Ihr Wagenzug soll Handelsgut sowie lebenden und toten Proviant zu den Regierungsforts im fernen Westen bringen.“

„Richtig erkannt, Junge“, knurrte Bent. „Ein Sonntagsausflug wird das nicht.“

„Ich war Sattlergehilfe“, erklärte der Youngster. „Außerdem kann ich kochen, schlachten und jagen.“

„Zum Jagen, gehört das Schießen, du Grünschnabel. Da hast du meine Büchse. Nun zeig mir, was du damit fertigbringst.“

Der sehnige Junge wog die Waffe in seinen Händen, visierte zur Probe, legte mehrmals an, setzte wieder ab, riss dann plötzlich den Kolben an die Wange und feuerte so schnell zwei Schüsse auf verschiedene Ziele ab, dass sie wie einer klangen.

Der erste fuhr in eine etwa fünfzig Yard entfernt stehende große Blautanne, der zweite traf einen ihr nahen Stein am Boden und sirrte von ihm als Querschläger ab.

„Luftlöcher“, spottete Bent.

In Schussrichtung stand ebenfalls wahllos Gut der Planwagenbesitzer herum, die beim Auf- und Abladen gerade eine Pause eingelegt hatten, darunter ein volles Fass, auf dem ein Conestoga-Ersatzbrett lag, auf dem wiederum ein kleineres, leeres Fass stand.

Der abprallende Querschläger schlug von unten in das Brett und ließ es soweit hochprellen, dass das leere Fass ins Rutschen kam, um auf der gegenüberliegenden Seite das kippende Brett hinunterzugleiten; Es behielt auch noch sein Gleichgewicht, als es gegen den Stamm der Blautanne polterte. Kaum stand es, als der durch das Astwerk sackende Körper der abgeschossenen Saatkrähe mit einem dumpfen Platschen auf seinem Boden aufschlug.

„Aber hoppla.“ Der Wagenzugführer riss Mund und Augen auf. „Solche Kunst kann sich sehen lassen. Wie heißt du?“

„Christopher, Sir.“

„Dein Name ist länger als ein Waldspaziergang. Ich werde dich Kit nennen.“

Der blonde Meisterschütze schluckte.

„Heißt das  ...  heißt das  ...  Sie wollen mich mitnehmen, Sir?“

„Mag mich der Teufel reiten, du sollst mitkommen. Aber wehe, du widersetzt dich meinen Anordnungen auch nur ein einziges Mal, dann schicke ich dich den ganzen Weg allein zurück. Barfuß.“

„Das wird nicht vorkommen, Sir! Tausend Dank, Sir!“

Wiederum schüttelte Charles Bent den Kopf, als der Junge wie toll davon sprang, doch diesmal lächelte er dabei.

*

Einem anderen Bewerber erteilte der Wagenzugführer am Abend des gleichen Tages einen abschlägigen Bescheid.

Sie saßen sich an einem roh zusammengezimmerten und kerbenübersäten Tisch in einer der beiden Kaschemmen von Fort Osage gegenüber, die voll besetzt war.

„Aber meine Frau  ...  “

„Keine Frauen, Mr. Sheldon. Diesmal nicht. Ausnahmen kann es nicht geben.“

„Aber die Osagen haben einen Friedensvertrag unterzeichnet. Sie werden uns nicht behelligen.“

„Das heißt, Sie wissen noch gar nicht, dass ihr Häuptling ermordet worden ist  ...  und dass es ein Weißer gewesen sein soll.“

Sheldon war blass geworden.

„Das  ...  das wusste ich in der Tat noch nicht, Mr. Bent.“

„Dieser Treck wird ein Himmelfahrtskommando, aber wir dürfen die Soldaten nicht im Stich lassen. Verstehen Sie meine Entscheidung jetzt?“

Der andere nickte. Ihm war jeder Wind aus den Segeln genommen worden.

Graue Feders Mörder stand am Tresen, nur wenige Schritte von Bents Tisch entfernt. Er hatte jedes Wort mitbekommen, das gewechselt worden war.

Charles Bents Beschlussfassung stürzte ihn in nicht geringe Verlegenheit.

*

Christopher Carson hatte es eilig, von Fort Osage wegzukommen, was er natürlich nicht zeigen durfte.

Auf seinen Kopf war eine Belohnung ausgesetzt. Er war seinem Meister davongelaufen.

Nicht, dass ihm seine Anstellung als Sattlergehilfe unerträglich geworden wäre. Alles, was er dabei gelernt hatte, würde ihm im späteren Leben nützlich sein können. An David Workman, seinem Meister, lag es ebenso wenig. Er war immer fair und anständig, sogar gut zu ihm gewesen.

Schuld an seinem Ausbüxen waren letztendlich die Trapper gewesen, die sich oft und lange in Workmans Werkstatt aufgehalten hatten, und ihre Erzählungen von unendlichen Prärien, machtvollen Strömen und sagenhaften Tieren, die westlich von Missouri zu finden waren.

Das Fernweh hatte ihn gepackt. Er hatte alles liegen und stehen lassen, war abgehauen und hatte unter vielen Mühen schließlich Fort Osage erreicht, eine noch junge Befestigung, von der Trecks in den noch weitgehend unbekannten Westen abgingen.

Seine Freude darüber, dass Charles Bent ihn akzeptiert hatte, hielt sich in ihrem Ausmaß mit der Erleichterung darüber die Waage, dass es morgen bereits losging. Je mehr Meilen zwischen Workman und ihm liegen würden, desto sicherer durfte er sich fühlen.

Darüber hinaus war er entschlossen, einen guten Einstand zu geben, und zwar mit einem ordentlichen Stück Wild, auf dessen Spur er sich unmittelbar nach seiner gelungenen Vorstellung bei Bent begeben hatte.

In diesen bewaldeten Hügeln in der Nähe von Fort Osage gab es noch Wildschweine, und unter ihnen Prachtexemplare, von denen Kit bereits eines für die Kochtöpfe und Pfannen des Trecks ausgesucht hatte.

Seine lederbekleideten Beine strichen durch Inseln von Farnen, den zweitältesten Pflanzen der Erde. Er sog sich mit der würzigen Luft des Mischwalds die Lungen voll und genoss die winzigen Tautröpfchen, die seiner Gesichtshaut schmeichelten, ohne in seiner Konzentration nachzulassen.

Da! Eine mächtige Bewegung zwischen den Farnwedeln, die sich in dichtem Gebüsch fortsetzte.

Kit sprang in weiten Sätzen so rasch hinterher, dass die Äste immer noch ausschlugen, als er sie selbst durchbrach.

Ein freier Geländeabschnitt. Der Eber hetzte auf ein gegenüberliegendes Dickicht zu, hatte es aber noch nicht erreicht, als Kit schoss.

Der Kugeleinschlag warf das wilde Tier aus der Bahn. Taumelnd, mit einem schmerzvollen Aufquäken, erreichte es doch noch sein Ziel.

Heftiges Jagdfieber durchschauerte den jungen Schützen. Er vergaß alle Vorsicht und eilte der angeschossenen Jagdbeute in das schützende Buschdickicht nach. So bekam er die über der Erde liegende Eschenwurzel, in der sich sein linker Fuß verfing, gar nicht zu Gesicht. Er schlug der Länge nach voll hin.

Das nächste, was er über sich sah, waren die gewaltigen Hauer des Ebers. Die tückischen kleinen Augen schienen vor Schmerz und Wut zu brennen, der tödlich bewehrte Kopf der verletzten Kreatur schoss auf den wehrlos Liegenden zu  ..  '

Die Klinge schlug von der Seite tief in die linke Halsseite des Ebers, so tief, dass die rote Hand, die sie führte, mit den unteren beiden gekrümmten Fingern im schmutzigbraunen Borstenfell verschwand, um erst dann abrupt loszulassen.

Kit fühlte sich im nächsten Augenblick aus seinem Hindernis befreit. Zwei sehnige Arme griffen unter seine Achseln, und er wurde in Sicherheit gezogen, während sich der Eber noch in einem wilden Todeskampf auf dem Waldboden wälzte. Endlich lag er still.

Kits Retter war ein etwa gleichaltriger Indianer. Sein Anblick löste in dem geflohenen Sattlergehilfen leichtes Unbehagen aus. Er war noch nie einem Indianer auf freier Wildbahn begegnet.

„Danke”, sagte er, wobei er nicht sicher war, ob ihn der andere überhaupt verstehen konnte. Zumindest der Sinn des Wortes aber mochte ihm klar werden.

„Keine Ursache.“

Die Antwort war in Kits Sprache gekommen. Der junge Weiße spürte seine Erleichterung steigen.

In der Tat strömte sein Retter weniger einen kriegerischen als einen kummervollen Ausdruck aus. Unwillkürlich bekam Kit das Gefühl, dem anderen mehr Trost als Dank spenden zu müssen.

„Mein Leben scheint mir Ursache genug. Du wirkst aber nicht sehr zufrieden.“

„Weil ich mich hinreißen ließ, einen Weißen zu retten. Dabei habe ich eurem Volk bittere Rache geschworen.“

„So bist du besser als dein Schwur. Ich habe dir nichts getan. Wenn schon Rache, dann sollte sie etwas Persönliches sein.”

„Du redest leichten Herzens. Du hast nicht erlitten, was ich erlitten habe.“

„So bitte ich dich, es mir zu erzählen.“

Der andere schwieg.

„Dann lass mich dir wenigstens Dank erstatten“, versuchte es Kit auf andere Weise. „Zunächst gehört das Wildschwein auf jeden Fall dir.“

„Ich will es nicht.“

„Also wünsche dir etwas anderes.“

Der junge Krieger schien zu überlegen. Schließlich fragte er:

„Wirst du bei dem Treck dabei sein?“

Kit verbarg sein Erstaunen, dass dieser Wilde so gut über die Aktivitäten der Weißen Bescheid wusste. Andererseits war Spähen eine Spezialität der Indianer.

“Ich werde dabei sein, ja. Warum?“

„Weil wir uns dann wiedersehen werden und du mir dann helfen kannst, die Umstände nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Danach wären wir quitt.“

„Dieser Wunsch lässt sich wohl erfüllen.“

Daraufhin erklärte ihm der junge Indianer einen wohldurchdachten Plan in allen Einzelheiten.

*

Kits Herz schlug schneller, als er sich am folgenden Morgen der Lagerstätte der Pioniere näherte.

Heute würde es losgehen!

In einer nicht ganz nachvollziehbaren Konsequenz hatte Charles Bent keine Frauen, wohl aber eine gute Handvoll Jungen zur Teilnahme zugelassen. Während die Männer beim Aufrüsten ihrer Überlandwagen gerade letzte Hand anlegten, hatten sich die Heranwachsenden in einiger Entfernung um einen wackeligen Tisch versammelt, der zwischen einem glatt abgesägten Baumstumpf und einer Holzkiste aufgestellt war, die beide als Sitzgelegenheit verwendet wurden. Zwei Jungen übten sich darauf jeweils im Armdrücken, während zwei weitere dabei den Tisch, der dieser Beanspruchung aus eigener Festigkeit nicht gewachsen war, an den beiden schmäleren Seiten der Platte festhielten.

Etliche Yard davon entfernt stand eine schlanke Gestalt mit verschränkten Armen an eine Birke gelehnt, die das Treiben mit geringem Interesse verfolgte. Kit schloss daraus, dass dieser Junge entweder kein Interesse an der Teilnahme hatte oder aber bereits ausgeschieden war. Da die anderen untereinander beschäftigt waren, ging er direkt auf ihn zu, um ihm die Hand entgegenzustrecken.

“Ich heiße, Christopher, aber es wird wohl auf Kit hinauslaufen.“

Sein Gegenüber schlug ein.

„George Leduc. Am besten, du reihst dich gleich zum großen Ausscheidungskampf ein.“

„Was meinst du damit?“

„Lance Broadus hat dazu aufgerufen, der große Rothaarige auf der linken Tischseite. Der Ausgang des Armdrückens soll unsere Rangfolge entscheiden.“

„Diese freundliche Aufforderung dürfte ihm wohl keiner abgeschlagen haben“, vermutete Kit nach einem Blick auf den großen vierschrötigen Burschen, von dem die Rede war.

„Doch. Ich.“

Kit fasste seinen Gesprächspartner erneut ins Auge. George war beinahe so groß wie er, doch wesentlich schmaler gebaut. Zwischen der zu kurzen fahlfarbenen Leinenhose und den derben Schuhen schauten schlanke Fesseln hervor, die sehnigen Unterarme zeigten nur wenig Muskulatur. Das haselnussförmige Gesicht mit den hohen Wangenknochen wurde durch den unregelmäßigen Pagenschnitt des hellblonden Haars nicht eben männlicher. Eine Gesichtsseite war etwas stärker gerötet als die andere.

„Das war seine Reaktion darauf“, erklärte George und verriet damit, Kits Gedanken richtig erfasst zu haben. „Und da ich nicht weiter darauf reagiert habe, dürfte mein Platz in der Rangfolge auch ohne Teilnahme festliegen.“

„Die Verbindlichkeit dieser Rangfolge“, erklärte Kit, „würde mich interessieren.“

Nach diesen Worten wandte er sich von George ab, um sich der Gruppe Gleichaltriger zu nähern.

Lance Broadus musterte ihn prüfend.

„Und? Hat dir der Schwächung die Regeln erklärt?”

„Wessen Regeln?“

„Unsere wohl eben.“

„Deine, meinst du.“

„Was soll das heißen?“

„Wie steht es mit Wettlauf oder Weitwurf? Wer ist da der Beste?“

„Warum sollte mich das interessieren?“

„Warum wohl, ja. Du weißt, dass du nie der Schnellste sein wirst, und hast es obendrein noch nötig, dir ja beweisen zu lassen, dass du unbedingt der Stärkste bist, obwohl es jeder auf den ersten Blick sieht.“

„Du willst gegen mich anstänkern, was?“

„Denk, was dir passt.“

Mit einem Sprung, den er selbst wohl für ebenso überraschend wie schnell hielt, setzte Lance Broadus vor, um dem Jungen aus Kentucky eine Ohrfeige zu versetzen, die ihn zu Boden schleudern würde. Kit aber hatte nicht die geringste Mühe, auszuweichen.

„Feiges Aas!“

„Wozu stehenbleiben, Broadus? Ich sage, es gilt Kraft gegen Schnelligkeit. Versuch doch, mich zu erwischen!“

„Umzingelt diesen Feigling, los!“

Kit schluckte. Seine Strategie war nicht aufgegangen. Der Drang, einfach wegzulaufen, war groß. Er war im Raufen nicht sonderlich erfahren, und seine Chancen gegen diesen Schläger sah er als ziemlich gering an. Broadus allein auszuweichen, hätte er vor sich noch wegstecken können. Vor allen anderen Jungen aber davonzurennen konnte und durfte er sich nicht leisten, wobei es im Moment ebenso wenig Sinn hatte, sie darauf aufmerksam zu machen, dass alle gegen einen kein Zeichen von Tapferkeit war. Diese Anspielung auf ihr eigenes Dilemma würde sie zu allem Überdruss noch gegen ihn aufbringen.

„Feiglinge seid ihr!“

Sämtliche Augenpaare richteten sich auf den „Schwächling”, dem sich die Worte über die Lippen gedrängt hatten, die Kit nicht ohne Mühe zurückgehalten hatte. Die Reaktion Georges war zweifellos ebenso mutig wie hochanständig, aber sie konnte nichts Nützliches zuwege bringen.

„Lass gut sein“, lenkte der junge Kentuckier die Aufmerksamkeit der anderen erneut auf sich, um George keine weitere Opferrolle zukommen zu lassen. „Wenn Broadus das braucht, soll er es bekommen.“

Rasch waren der rothaarige Rüpel und er von einem Kreis Zuschauer umschlossen.

„Komm schon, Aufwiegler.“ Broadus winkte mit beiden Händen auf sich zu. “Zeig, was hinter deiner großen Klappe steckt.“

Kit ging nicht darauf ein. Er wollte unbedingt dem Schläger das erste Manöver überlassen und brauchte auch nicht lange zu warten, bis es kam.

Lance Broadus war in der Tat alles andere als geschickt. Er wusste, dass er sich allein auf seine Kraft verlassen konnte. Kit begann bereits neuen Mut zu schöpfen, als er sich den plumpen Armen mehrere Male hatte entwinden können, wobei ihm selbst mancher geschickte Griff gelang, jedoch kein entscheidender.

Trotzdem war es nur eine Frage der Zeit, bis ihn der andere endlich in den Schwitzkasten bekam.

“Gib auf, Rebell“, keuchte Lance Broadus, der selbst mächtig ins Schwitzen gekommen war. „Du brauchst nur mit dem Kopf zu nicken.“

Kit tat ihm den Gefallen nicht. Broadus verstärkte den Druck. Der Junge aus Kentucky spürte das Blut in seinem Schädel pochen und bekam keine Luft mehr. Panik begann in ihm aufzuwallen, aber lieber wollte er ohnmächtig werden als Schwäche zeigen.

Dicht vor dieser Schwelle kam ein Ruck, und er war frei. Bunte Kreise tanzten vor seinen Augen, und er taumelte zu Boden. Dort lag auch Broadus. Charles Bent stand mit gespreizten Beinen über ihnen.

„Noch weitere Dummheiten, und ich schicke euch zurück!“, zischte er. “Deinen Vater ebenfalls, Lance. Der wird dir dann was husten!”.

Diese Drohung schien den jungen Schläger durchaus zu treffen, denn er zuckte zusammen und wagte kein weiteres Widerwort.

„Idioten seid ihr!“, schimpfte der Treckführer weiter. „Schafft euch untereinander Feindschaften und reibt euch auf, statt eure Kräfte für Kämpfe aufzusparen, die uns vermutlich bald mit Indianern und weißem Räubergesindel bevorstehen. Weiß wenigstens einer unter euch Genaueres über die Route, die wir nehmen werden?“

Die Jungen sahen zu Boden und schwiegen betreten. Kit, der wieder zu Atem gekommen war, meldete sich zu Wort. Er hatte in David Workmans Sattlerei ausreichend die Ohren gespitzt.

„Council Grove, Fort Zarah, Great Bend“, begann er aufzuzählen. „Fort Dodge, Lower Spring  ...  ”

“  ...  Middier Spring, Upper Spring.“ griff George den Faden auf. „Dann führt der Santa Fé Trail über den Cimarron Cutoff nach Canadian Crossing, Fort Union, Barclay ’s Fort und San Miguel, den Glorieta-Pass  ...  ”

„Lass gut sein, das sitzt“, winkte Charles Bent ab, bemüht, seine angenehme Überraschung nicht allzu deutlich zu zeigen. „Ihr zwei kommt mit mir mit.“

Sie schritten die Planwagenreihe ab, bis sie vor Bents eigenem angekommen waren.

„Jetzt möchte ich gerne wissen, wo ihr eure Lektion gelernt habt“, erklärte der Führer des Wagenzugs. „Du aus Kentucky zuerst.“

„In der Sattlerei in Missouri, wo ich gelernt habe, kamen viele Trapper vorbei“, ging Kit auf die Frage ein. „Ich habe sie regelrecht ausgequetscht und kenne auch noch andere Routen.“

„Und du, Leduc?“

„Ich habe eine Karte unseres Trails gezeichnet.“

„Du hast  ...  was?“

„Soll ich sie holen, Sir?“

„Aber flink!”

Im Nu war George mit einer Papierrolle zurück, die er vor Bent auseinanderzog. Der Treckführer, der sein dichtes schwarzes Haar durchaus nach Indianerart bis auf die Schultern trug, studierte sie eingehend. Schließlich nickte er beifällig.

“Sogar mit Pässen, Flussübergängen und Indianerstämmen. Ein wirklicher Künstler. Und das willst du ganz allein vollbracht haben?“

George wurde rot.

„Allein gezeichnet schon, Sir. Aber selbstverständlich hatte ich eine Vorlage, und zwar ...  “

„Sag nichts! Diese Furt hier habe ich selbst erst letztes Jahr entdeckt, und Fort Lamed hat den Doppelbalken zum Verriegeln des Haupttors auch noch nicht solange. Warte mal  ...  ist nicht im Frühjahr, als die Osagen noch friedlich waren, dein Vater allein mit dem Maler Howard Kane nach Westen gezogen.“

„Sie haben es erraten, Sir, in der Tat! Howard Kane stammt aus einem reichen Haus und konnte sich eine solche monatelange Suche nach neuen Bildmotiven ohne weiteres leisten. Davor, als wir ihn kennenlernten, war er sehr freundlich zu mir, besonders, als er entdeckte, dass ich ebenfalls sehr gern zeichne und male. Er ließ etliche seiner einzigartigen Gemälde in unserem Haus zurück, und ich habe die Zeit, in der mein Vater und er abwesend waren, eifrig dazu genutzt, sie zu kopieren und ihren Stil an eigenen Bildern nachzuvollziehen.“

„Und diese Karte  ...  ?“

„Hat er während der Reise mit meinem Vater nebenbei angefertigt, Sir. Der kam dann allein zurück und hat sie mir überlassen.“

Kit hatte nur mit halbem Ohr zugehört, da er bisher mit Malerei noch nie in Berührung gekommen war. Erst sechs Jahre später sollte er auf dem Mississippi den Künstler George Catlin kennenlernen, der in der Folgezeit als Indianermaler Ruhm und Bedeutung erlangen würde.

Bent klopfte George auf die Schulter.

„Du hast Umsicht bewiesen, sie mitzunehmen, Junge. Achte gut auf sie und bringe sie unterwegs auf den neuesten Stand. Jetzt aber macht euch noch bei den Wagen nützlich, damit ihr etwas dazulernt.“

Er überlegte kurz und fügte noch hinzu:

„Nach der Rauferei  ...  bleibt ihr am besten so sehr wie nur möglich zusammen.“

*

Kit wäre Bents klugem Rat gern gefolgt, verbaute sich dazu aber mangels Erfahrung den Weg selbst. Seine angeborene Geschicklichkeit machte ihn bald überall ebenso beliebt wie unentbehrlich.

Der Aufbruch war weniger feierlich erfolgt als erwartet. Zu sehr saß den Männern die Besorgnis über bevorstehende Gefahren im Nacken.

Ein junger Erwachsener namens Juan brachte ihm bei, wie man entlaufene Kühe mit einem Lassowurf zum Stehen brachte, ohne dass sich dabei die Schlinge um den Hals legen musste. Die Ochsenpeitsche musste so geschwungen werden, dass sie dicht bei seinen Fell knallte, ohne dabei aber das Tier berühren zu dürfen.

Vom vierten Tag an bekam Kit die Verantwortung über die Caballada, die mitgeführten Ersatzreit- und -lasttiere, die im Bedarfsfall, also bei Krankheit oder Diebstahl der bereits eingesetzten Vierbeiner einspringen mussten.

Als besonders anstrengend erwies sich diese Aufgabe beim morgendlichen Aufbruch nach Bents „Catch up!”-Rufen. Das störrische Vieh war nur unter größten Mühen in eine halbwegs geordnete Laufrichtung und -geschwindigkeit zu bringen.

Dies hatte einerseits den nicht zu verleugnenden Vorteil zur Folge, dass er mit Broadus jr. überhaupt nicht mehr zusammenkam, aber leider konnte er dadurch auch George nur noch sehr eingeschränkt sehen; dies war meist erst abends der Fall, wenn er seine Schützlinge wieder zusammengetrieben und zur Ruhe gebracht hatte. Erschwerend kam hinzu, dass Georges Vater alles andere als ein umgänglicher Mensch war.

Eine knappe Woche nach dem Aufbruch lag der Treck vor Council Grove. Etwas abseits vom Wagenzug hatte Kit ein eigenes kleines Feuer entfacht, um darüber Fleisch zu braten und in der Glut Kartoffeln zu backen.

George kam mit der Kanne Trinkwasser, die auch einen Schuss Wein enthielt, in der einen und einer Rolle Papierbögen in der anderen Hand heran geschlendert.

Heran geschlendert, ja  ...  Kit hätte gern einen noch salopperen Begriff dafür gefunden und konnte sich auch diesmal, als George in der Abenddämmerung näherkam, nur schwerlich ein Grinsen verkneifen. Irgendwie hatte er dabei zu viel Bewegung in den Hüften. Auch dass er eben geradezu  ...  hübsch und manchmal beinahe weibisch wirkte, konnte ihm in dieser rauen Umgebung niemals zum Vorteil gereichen. Offensichtlich aber war ebenso, dass er einfach nichts dafür konnte. Kit empfand für ihn nicht nur Sympathie, er hatte auch das Gefühl, ihn vor den anderen beschützen zu müssen.

„Endlich hast du dich dazu durchgerungen”, begrüßte er den Freund, „mir einige Muster deines Schaffens mitzubringen.

„Lass dir ruhig damit Zeit“, bat ihn der andere nach dem gemeinsamen Abendessen. „Ich habe mit dem Abhauen gewartet, bis sich der Alte selbst in die Büsche geschlagen hat.“

Von seinen Vater hatte George noch nie mit Anteilnahme gesprochen.

Ganz langsam entrollte Kit ein Bild nach dem anderen. Obwohl er so gut wie nichts von Malerei verstand, stockte ihm doch der Atem.

Es handelte sich um Darstellungen von Naturlandschaften, bei denen jedes Detail stimmte, Farben, Formen und Proportionen eingeschlossen. Nur im Gesamteindruck wirkten sie dunkler und zugleich frischer als die Wirklichkeit.

„Unfassbar“, murmelte Kit ergriffen. „Welche Meisterhand! So kannst du malen?“

„Was denkst du?“

„Das ist absolute Könnerschaft! Dieser  ...  Howard Kane hätte keinen Pinselstrich besser setzen können.“

George lächelte spitzbübisch, wobei er zugleich die Stirn runzelte.

„Deine Worte verraten Unglauben, und ich verstehe wohl, worauf du hinaus willst. Das war vorauszusehen. Um dich zu überzeugen, habe ich folglich mein Werkzeug mitgebracht.“

Bei diesen Worten wandte er sich um und griff unter sein Hemd. Als er sich wieder umdrehte, hatte er einen kleinen hölzernen Kasten in der Hand. Beim Öffnen kamen verschieden starke Pinsel, Stifte und eine Vielzahl Farbschälchen zum Vorschein.

„Füllst du mir diesen kleinen Topf mit Wasser?“

Neugierig geworden, kam Kit dieser Aufforderung sogleich nach, und George machte sich unverzüglich an die Arbeit. Es war ein Vergnügen, dabei zuzusehen, wie rasch mit geschickten Pinselstrichen ein leeres Papierblatt von buntem Leben erfüllt wurde.

George wirkte in seiner Konzentration sehr anmutig. Unablässig wanderten Kits Blicke zwischen den schmalgliedrigen Händen und den dichten gesenkten Wimpern hin und her.

Seine Geduld wurde auf keine lange Probe gestellt.

“Erst anfassen, wenn es trocken ist”, bat George.

Kit beugte sich über das Bild.

Die knapp bemessene Gestaltungszeit hatte den Stil bestimmt. Die Farbtöne eines bewölkten Himmels rangen mit jenen der schneebedeckten Gebirgsgipfel in weiter Ferne. Einen lebhaften Kontrast dazu aber bildeten ein naher Mischwald und eine benachbarte Wiese voller Blumen und Kräuter mit wunderbar aufeinander abgestimmten Farben, die bei aller Vielfalt doch den Gesamteindruck eines stillen, edlen Teppichs vermittelten.

„Genial“, raunte Kit, außerstande, seine Bewunderung in weitere passende Worte zu kleiden.

„Jedes Bild entsteht aus der Seele des Malers und erhält im Entstehen zugleich eine eigene“, erklärte George. „Du solltest einmal Bilder von Mark Catesby oder Thomas Cole sehen. Beide verstehen die amerikanische Wildnis als göttliche Manifestation. Ihre Werke erwecken trotz völliger Wirklichkeitsnähe den Eindruck von Ergriffenheit beim Anblick der von Gott erschaffenen Welt. Sie sind gemalte Gebete.”

“Und Howard Kane?“

„Er hat wieder einen ganz anderen Stil”, gab George zur Antwort und griff nach der einzigen Papierrolle, die bis jetzt verschnürt geblieben war, um das Stoffband, das sie behutsam zusammenhielt, vorsichtig aufzuknüpfen.

In der Tat stand Howard Kanes Werk in einem deutlichen Kontrast zu den bisher betrachteten Bildern. Dennoch erkannte Kit auf ihm zweifelsfrei eine Siedlung am Osage River wieder, die sie bereits passiert hatten.

Schon der Komposition und Auswahl der Farben mussten gänzlich andere Kriterien zugrunde gelegen haben als jene der Wirklichkeit. Umso erstaunter war Kit über die Unmittelbarkeit, mit der in ihm die Überzeugung erwuchs, dass dieses Gemälde die gleiche Tageszeit wiedergab, in der sie sich jetzt gerade befanden, die „spätgoldene Stunde“, wie sie ein Dichter genannt hatte.

Auf dem Bild schien gerade der Tag zu verglühen, während der Mond bereits an Schimmer gewann. Ein weicher, schlaffer Wind mochte es sein, der die ersten Fledermäuse in der grünlichen Flimmerluft vor einem erlöschenden Himmel tanzen ließ. An einem Waldrand standen helle, verblühte Kastanienbäume vor schwarzen Schatten. Die gelblichen Siedlerhütten strahlten leise das eingesogene Tageslicht von sich, sanft glühend wie gelber Topas, ein mattfarbener Weg durch eine Akazienallee an den mit Ginstern, Farnkraut, Brombeeren und Narzissen bestandenen Waldrand. Auf dunklem Grund stach am rechten unteren Bildrand in Ockerfarbe die Schrift „HK 1826“ hervor.

„Mein Gott.“

Georges Stimme riss Kit aus seiner Verzückung. Sie hatte anders geklungen als vorher; flacher, gepresster. Ihr Tonfall erschloss sich Kit unvermittelt: Angst!

Als er aufsah, fand er diesen Eindruck bestätigt. Der Freund war blass geworden, Zittern durchlief ihn. Kit folgte seinem Blick, um die Ursache herauszufinden.

Armand Leduc wies mit seinem Sprössling nicht die geringste Ähnlichkeit auf. Er hatte breite Schultern, schmale Hüften und glattes braunes Haar, das gescheitelt war. Unter buschigen Brauen blitzten dunkle Augen.

Ohne Kit im geringsten zu beachten, zischte er:

„Du hast mir nicht gesagt, dass du weggehst.“

„Du warst nicht da.”

Georges krampfhaftes Schlucken war weder zu übersehen noch zu überhören. Auch Kit spürte sein Herz schneller schlagen und wagte nicht, sich einzumischen.

Leducs Blick fiel auf den bemalten Papierbogen, den Kit gerade in der Hand hielt, und der Junge aus Missouri sah die Augen des Erwachsenen vor Zorn funkeln, bevor Leduc sich wieder in der Gewalt hatte.

„Gib mir das Bild, Boy”, sagte er mit einer ebenso tonlosen wie unheimlichen Stimme.

Kit nickte, rollte es sogleich wieder zusammen und streckte es Leduc entgegen, der es mühsam beherrscht an sich nahm.

„Ich  ...  musste es ihm zeigen, Pa.“ Georges Stimme klang nicht nur noch höher als gewöhnlich, sie war nur noch ein verzweifeltes Krächzen. „Er  ...  wenn er nicht die Vergleichsmöglichkeit gehabt hätte, er hätte mir nie geglaubt, dass die übrigen Bilder wirklich alle von mir stammen. Bitte, Pa  ...  ”

„Komm jetzt mit.“

„Pa  ...  ” Georges Stimme verschwand, doch in seinen, Augen stand helle Panik.

„Komm mit.“

Es war Leducs ruhiger Tonfall, der dadurch noch ungleich bedrohlicher wirkte, der Kit spüren ließ, wie sich sein Magen zusammenkrampfte. Er fror, als er beide mit gesenktem Kopf weggehen sah.

*

Die Mittagsrast des Folgetages verbrachte Kit bei seiner Caballada. Überraschenderweise bekam er dennoch Besuch: Juan. Er ließ sich neben ihm nieder.

„Du hast des öfteren nach meinen Messern geschielt, dich aber offensichtlich nie zu fragen getraut.“ Der Ältere lächelte und zog eines seiner beiden Exemplare aus der Scheide. „Da, nimm und prüfe.“

Der Junge aus Missouri wog die Waffe eine Zeitlang in der Hand.

“Der Griff ist ungewöhnlich schwer, aber kürzer als die unseren. Warum?”

„Pass auf.

Juan schleuderte sein verbliebenes Messer aus dem Sitz. Es schlug tief in eine nahe Buche, um dort auszufedern.

„Jetzt du.“

Kit hatte ihm beim Werfen genau zugesehen, schaffte es aber erst beim dritten Mal selbst, dass die Waffe steckenblieb. Dann bekam er Gefallen daran, und die meisten weiteren Versuche waren von Erfolg gekrönt.

„Sie stammen von einem Schmied aus Cumbres de Majalca“, erklärte Juan. „Du lernst schnell.“

„Du hast mir in den letzten Tagen mehr wichtige Sachen beigebracht als alle anderen die Jahre davor, Juan. Meinen Meister eingeschlossen.“

„Behalte ihn.“

„Das kann ich nicht.“ Kit wurde rot. „Er ist zu wertvoll.“

“Ach Unsinn. Mach mir die Freude und lass dir damit ein paar Tricks beibringen.“

„Nur allzu gerne. Und herzlichen Dank.“

„Nicht der Rede wert.”

Juan setzte sein Angebot unverzüglich in die Tat um. So verging die Zeit bis zum erneuten Aufbruch wie im Flug.

Seit dem Verlassen von Fort Osage war so vieles auf Kit eingestürmt. Er war vollauf damit beschäftigt, möglichst viel zu lernen und richtig zu machen, sich mit George zu treffen und den anderen Jungs aus dem Weg zu gehen. Über Juan hatte er sich noch so gut wie keine Gedanken gemacht.

Dabei war Juan ebenso ein Außenseiter wie er und George. Für die Erwachsenen war er noch kein vollwertiger Gesprächspartner, für die Jungen war er ein Großer, und obendrein war er Mexikaner.

„George sieht heute nicht besonders gut aus“, meinte er mit gedämpfter Stimme, als sie die Wurfübungen beendet hatten.

„Das kannst du sagen, Mann.“

Kit hatte den Freund am Vormittag nur aus Zufall zu Gesicht bekommen, war aber bei seinem Anblick erschrocken. Das verschwollene Gesicht hatte weniger auf Tränen als auf Schläge schließen lassen.

Der Hosenboden der viel zu kurzen Beinkleidung war unten beschmutzt gewesen. Ein leichtes Schaudern hatte Kit bei dieser Entdeckung überkommen: Es hatte ausgesehen wie getrocknetes Blut.

*

Im Laufe der Tage hatte Kit es zu genießen begonnen, dass der Morgen ihm ganz allein gehörte. Ein schwaches Rosa am Rand der Finsternis, die Leiber der längst vertrauten Tiere um sich, deren Bäuche sich mit den regelmäßigen Atemzügen des Schlafs hoben und senkten, ihr beruhigender Geruch  ... 

Diesmal war es anders.

„Hallo, Rebell.“

Noch während ihn diese Worte ins Bewusstsein rissen, kam der brutale Tritt unter die Rippen, der ihn um Atem ringen ließ.

Lance Broadus und seine zwei engsten Spießgesellen! Kit taumelte hoch. Instinktiv gab er sich weit angeschlagener als es der Fall war. Einige der Tiere wurden unruhig.

,Was wollt ihr?“

„Dein Kumpel hat ordentlich die Hucke voll bekommen“, grinste der junge Schläger. „Warum sollte es dir da besser ergehen, Außenseiter? Und wofür hat er die Hucke voll bekommen? Hat sein Pa etwa geschnallt, dass ihr euch nähergekommen seid? Ein wenig  ...  zu nahe  ...  vielleicht?“

Es dauerte Sekunden, bis Kit diese ungeheuerliche Anspielung begriff. Dann aber wurde ihm vor Zorn schwarz vor den Augen. Er spürte keinen Schmerz mehr, und er wusste nicht mehr, was er tat.

Sein wuchtiger Tritt saß voll in Broadus’ Schritt. Der hämisch-lüsterne Gesichtsausdruck des Schlägers verwandelte sich in eine Grimasse der Pein, in die sich Kits Fäuste fraßen, bevor der Schmerzensschrei über die Lippen treten konnte.

Lance Broadus wurde über einen Pferdeleib geschleudert. Der Junge aus Missouri setzte mit einem Sprung nach, der beide Füße voll im Bauch des bulligen Halbstarken aufkommen ließ. Während sich Lance noch vor Schmerzen am Boden wand, riss ihm ein weiterer Hieb Kits zwei Zähne aus dem Mund.

Seine völlig unerwartete Reaktion hatte Broadus’ Begleiter fassungslos erstarren lassen. Das Pferd, über das er gefallen war, erhob sich schnaubend. Und schon waren auch die meisten anderen Tiere auf den Beinen.

“Indianer!”

Dieser Ruf brachte Kit abrupt wieder zu Sinnen. Er war aus der nahen Wagenzugburg erklungen. Die nervliche Anspannung des Jungen aus Kentucky löste sich in einem wilden Auflachen. Einer der Treckteilnehmer musste ihre Auseinandersetzung und die daraus resultierende Unruhe unter den Ersatztieren in heller Panik als Angriff der Ureinwohner ausgelegt haben.

„Kein Grund zur Besorgnis!“, rief Kit laut hinüber. “Es sind unsere Pferde, die  ...  “

Sein Ruf wurde von einem Johlen übertönt, das aus der jenseitigen Richtung des Wagenzugs erklang. Kit wurde ein wenig blasser.

Es  w a r  ein Indianerangriff!

Kriegsschreie und Hufgetrappel näherten sich mit beängstigender Geschwindigkeit, aber noch war diese Seite indianerfrei.

„Was steht ihr noch herum und haltet Maulaffen feil?!“, brüllte Kit Broadus’ Begleiter an. “Helft eurem Kumpan in die Wagenburg, rasch! Ich komme mit den Tieren sofort nach!“

Die beiden starrten ihn wortlos und mit offenen Mündern an. In der nächsten Sekunde gaben sie Fersengeld. Der Junge aus Missouri schickte ihnen eine wilde Verwünschung hinterher, um sich dann jedoch unverzüglich dem geschlagenen Gegner zuzuwenden.

„Was ist los, Lance, verdammt? Kommst du nun von selbst auf die Beine oder nicht?“

„Ich  ...  ich  ...  ”

Er war immer noch ganz grün im Gesicht. Außerstande vor Schmerz, sich vollends aufzurichten, torkelte er zusammengekrümmt im Kreis.

„Auf den Gaul, verdammt!“

Kit stemmte den Schläger auf den Rücken des Pferdes, über das Broadus vorhin gestolpert war, und schlug dem Tier die flache Hand auf die Kruppe. Sofort galoppierte es auf die Wagenburg zu.

Seine nächsten Griffe galten den eigenen Waffen. Als er sie gefasst hatte, trieb er mit vor Aufregung heiseren Schreien die übrigen Nutztiere auf den Treck zu.

Keine Sekunde zu früh!

Zwei Drittel der Tiere schafften es noch ins Innere der Wagenburg. Eines blieb in einer Wagendeichsel hängen.

Dann waren die ersten Indianer auch auf dieser Seite heran. Mit gellenden Schreien trieben sie den Rest der Herde in die Flucht.

Osagen!

Kit erkannte sie, ohne jemanden fragen zu müssen. Im wilden Schusswechsel, der längst eingesetzt hatte, hätte er auch schwerlich eine Antwort bekommen. Er erkannte sie, weil der Junge, der ihn vor dem wilden Eber gerettet hatte, ebenfalls Osage gewesen war.

Kit wusste, was er zu tun hatte. Dies war ein Grund, warum seine nun folgenden Schüsse besser saßen, als die der meisten seiner Mitstreiter.

Ein Regen von Pfeilen trieb ihn noch tiefer hinter die Seitenplanke des Planwagens, in dem er Schutz gefunden hatte. Offenbar hatten die Osagen rasch gemerkt, dass er einer der besten Schützen war, und wollten ihn deshalb ausschalten.

Von rechts kam Flankenhilfe. Kits Augen leuchteten dankbar auf, als sich sein Blick mit dem Charles Bents traf, der sich unter Gefahr des eigenen Lebens seinem Schützling weiter genähert hatte, um ihn wieder zu Atem kommen zu lassen. Bent hatte damit keine Dummheit begangen, da er auch nach seinem Positionswechsel die übrigen hervorragenden Schützen gut verteilt wusste. Mit grimmiger Ironie wurde Kit bewusst, dass auch Broadus Senior zu ihnen zählte.

Das umsichtige Feuer der Pioniere hatte den Kreis der umzingelnden Krieger immer weiter nach außen wachsen lassen. So wurden auch die Abstände zwischen den Osagen größer.

Kit feuerte auf einen entfernten Nachzügler, der sich in Waldrandnähe befand. Er sank aus dem Sattel.

Mit einem Satz war Kit aus der Wagenburg. Mit gezogener Pistole spurtete er in Richtung des Gefallenen und hatte ihn rasch erreicht.

Bent raufte sich die Haare, weil er nicht wusste, was der Junge vorhatte. Schließlich winkte er einige Männer zu einem Ausfall heran.

Ihrem gemeinsamen Feuer hatte es Kit zu verdanken, dass er seinen Gefangenen in die Sicherheit der Wagenburg schleppen konnte. Der Preis dafür waren drei verletzte Männer, was nicht zu hoch schien.

Abrupt wurde die Bestürmung der Wagenburg eingestellt.

*

Ein kurzer Rundgang brachte Charles Bent die Gewissheit, dass es nichts Schlimmeres als Verletzte gegeben hatte. Als er sich danach wieder Kit näherte, schwante diesem nichts Gutes.

„Tecumsehs Socken!“, knurrte Bent. „Warst du von allen guten Geistern verlassen, Junge, oder was hat dich dazu getrieben?“

“Ich dachte  ...  es wäre gut, eine Geisel zu haben”, versuchte sich der Junge aus Missouri zu rechtfertigen.

„Welch doppeltes Glück, dass die Osagen bei deiner Auswärtstour nicht auf den gleichen Gedanken gekommen sind und wir dir gerade noch lange genug für deinen Rückschlupf Feuerschutz geben konnten.“

„Aber es hat sich doch gelohnt, Sir? Darf ich mich jetzt um die Verwundeten kümmern?“

„Falls dir dein Gefangener in unserer Obhut gnädigerweise gut genug aufgehoben ist  ...  nun zisch schon ab dann!”

Froh, dass die Strafpredigt nicht schlimmer ausgefallen war, ließ Kit sich das nicht zweimal sagen. Außerdem hatte er, was seine Geschicklichkeit beim Verarzten betraf, alles andere als übertrieben.

So war er beschäftigt, als ein einzelner Osage an den Wagenzug heran ritt. Zum Zeichen des Friedens stieg er langsam ab und wies die leeren Handflächen vor. Bent kam ihm auf halbem Weg entgegen.

„Was willst du?“, fragte er kurz angebunden.

Damit durchbrach er wissentlich die Regel, dass indianische Verhandlungen aus stundenlangem Schweigen zu bestehen hatten. Die Pioniere hatten ihr Faustpfand und taten am besten daran, so schnell wie möglich aus dem Einzugsbereich der Osagen zu verschwinden.

„Was wollt ihr mit unserem Bruder?“

„Wir werden ihn als Geisel behalten, damit ihr nicht auf weitere dumme Gedanken kommt.“

„Jeder Krieger stirbt gerne für seinen Stamm.“

„Daran zweifle ich nicht. Die Frage ist, ob ihr ihn unbedingt tot sehen und für sein Ableben verantwortlich sein wollt.”

„Er ist ein Krieger wie jeder andere.“

„Gerade das ist er nicht. Glaubst du, ich würde Weiße Feder nicht erkennen, den einzigen Sohn eures verstorbenen Häuptlings?“

Sein Verhandlungspartner war trotz seiner dunklen Hautfarbe blass geworden.

„Es gab bessere Zeiten zwischen uns“, setzte der Treckführer nach. „Sieh mich an. Ich bin beinahe wie ihr gekleidet und trage mein Haar ähnlich. Möge derjenige, der euren tapferen Häuptling feige ermordet hat, seine gerechte Strafe erleiden. Ich war es nicht. Aber ich trage die Verantwortung für das Leben der Männer dieses Wagenzugs. Ich muss Weiße Feder bei mir behalten, bis wir in Sicherheit sind.“

„So werden wir euch folgen.“

„Eine Handvoll, bestenfalls. Ich kenne die hiesigen Verhältnisse gut und lange genug, um zu wissen, dass die meisten Krieger zum Schutz und zur Ernährung ihrer Familien hier unentbehrlich sind.“

„Wenn ihr Weißer Feder auch nur das geringste Leid zufügt, wird keiner von euch für den Rest seines Lebens einen ruhigen Tag haben.“

„Ich weiß, dass dies alles andere als ein leeres Versprechen ist. Teufel auch, warum musste dieser schreckliche Mord geschehen! Vorher hatten wir ein wirklich gutes Verhältnis zueinander.“

„Es kann nie wieder dasselbe sein.“

„Ich gebe dir mein Wort, dass ihr Weiße Feder unversehrt zurückbekommt“, versprach Charles Bent. „Mehr ist im Moment nicht drin. Aber ich wünsche euch von ganzen Herzen, dass ihr das Schwein erwischt, das euch das angetan hat.“

*

In den Folgetagen durchquerte der Treck fruchtbare Regionen, deren Gras in dieser Jahreszeit bis auf die Höhe eines Mannes heranwachsen konnte, der auf einem Pferd saß. Hier ließ Bent von den leinenüberspannten Dächern der Wägen nach allen Seiten sichern. Die Männer wurden erst wieder ruhiger, als das Gelände flacher und das Gras kürzer wurde.

Kraft seiner Autorität war es Charles Bent gelungen, jede Schikane von Weiße Feder fernzuhalten. Dies änderte freilich nichts daran, dass er so gut wie keine Bewegungsfreiheit hatte und dass seine Fesseln regelmäßig streng kontrolliert wurden.

Kits Geduld wurde auf eine harte Probe gestellt. Vier Tage vergingen, bis er die erste halbe Nachtwache bei Weiße Feder bekam. Er hätte schwerlich danach drängen können, ohne dass dies Aufsehen erregt hätte.

In der Dunkelheit umrundete der Junge aus Missouri den Planwagen, an den Weiße Feder gebunden war. Dann setzte er sich vor dem Gefangenen so auf den Boden, dass er unter dem Gefährt hindurch spähen konnte, damit sich auch aus dieser Richtung niemand unbemerkt nähern konnte. Weiße Feder deutete seine Vorsichtsmaßnahmen richtig.

“Ich danke dir“, sagte er dann leise, „dass du mir vertraut und dein Versprechen gehalten hast.“

„Mit dem deinen war es anfangs nicht so weit her“, flüsterte Kit zurück. „Als du mich damals vor dem Eber gerettet hast, durfte ich nicht erfahren, dass du ein Häuptlingssohn bist. Außer dir und mir ahnt hier niemand, dass du freiwillig in unseren Händen bist, weil wir dieses Spiel vorher abgesprochen hatten. Nur, was du davon hast, ist mir völlig unklar.“

Seine Hoffnung, eine Erklärung zu bekommen, wurde dadurch gestört, dass er von hinten das leise Geräusch nähernder Schritte vernahm. Er fuhr herum und erkannte George.

„Ich kann dich für eine Weile ablösen“, bot sich der Freund an.

„Es ist schon nett, wenn du mir Gesellschaft leistest“, wehrte der geflohene Sattlergehilfe ab. „Das heißt - meine Verdauung meldet sich. Ein paar Minuten könnte ich jetzt in der Tat gebrauchen. Hier, nimm die Waffe.“

Rasch verschwand er in der Nacht.

Das Sternenlicht war hell genug, um auf geringe Entfernung Einzelheiten deutlich zu erkennen. Aus unterschiedlichen Motiven musterten sich George und der Gefangene lange und gründlich. Georges Gründe dafür bestanden darin, auf jeden blitzschnellen Fluchtversuch vorbereitet zu sein und auch nicht die geringste Bewegung des Indianers zu übersehen, falls dieser versuchen sollte, im Dunkeln heimlich die Fesseln aufzuknüpfen.

„Bei meinem Volk hättest du um diese Zeit nichts mehr außerhalb deines Zeltes zu suchen“, erklärte Weiße Feder schließlich.

„Warum nicht?“, fragte George leichthin.

Als Weiße Feder seine Behauptung begründete, wurde sein Gegenüber so puterrot, dass es selbst noch in der Dunkelheit zu erkennen war. Folglich hatte er ins Schwarze getroffen. Trotz seiner misslichen Lage, in die er sich allerdings selbst gebracht hatte, und trotz des schlimmen Anlasses, der ihn hierher geführt hatte, konnte sich Weiße Feder nun eines Lächelns nicht erwehren.

„Also hütest auch du ein Geheimnis“, stellte er fest. „Keine Sorge, es ist gut bei mir aufgehoben  ...  falls du mir hilfst.“

George schluckte vernehmbar.

„Ich soll dir zur Flucht verhelfen? Nein, das ist es nicht wert. Lieber verrate ich mich selber.”

„Deine Einstellung ehrt dich. Daher, denke ich, kann ich dir vertrauen. Ich werde dir im Gegenzug mein Geheimnis verraten, das zugleich der Grund meines Hierseins ist. Mir steht der Sinn keineswegs nach Flucht, im Gegenteil. Ich will in eurer Mitte bleiben.“

„Was willst du dann?“

„Den Mörder meines Vaters finden.“

In Georges Kopf überschlugen sich die Gedanken.

„Wenn es ein Weißer war, wie es heißt  ...  ”

„Es  w a r  ein Weißer!“, zischte Weiße Feder. „Belügt ein sterbender Vater seinen Sohn?“

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (ePUB)
9783738908961
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (April)
Schlagworte
carson stele

Autor

Zurück

Titel: Kit Carson 13: Die goldene Stele