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Lieber fremdes Blut am eigenen Messer

2017 60 Seiten

Leseprobe

Lieber fremdes Blut am eigenen Messer …

HORST BOSETZKY schrieb als -KY


KRIMI


IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E‑Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Pixabay mit Steve Mayer, 2017

Korrektorat: Kerstin Peschel

zuerst erschienen als Hörspiel unter denselben Titel.

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de





Klappentext:


Manfred Markulla ein wegen verschiedenster Vergehen, mehrfach verurteilter Straftäter, wird nach verbüßter Haft wieder auf freien Fuß gesetzt und kommt bei seiner Freundin Monika Marotzke, genannt Mona, unter. Markulla ist geheilt, will von nun an ein Leben ohne Kriminalität führen. Das jedenfalls hat er Mona versprochen.

Sein ehemaliger Kumpane Dieter Zitzner, genannt Zitze und selbst ernannter Gangsterkönig, versucht jedoch, ihn mit allen Mitteln in seine neue Gang zu integrieren, was Markulla immer wieder vehement ablehnt. Auch als man ihm droht, gibt er nicht nach.

Die Bewohner der Gegend, in der Mona und Manfred wohnen, machen Manfred, den verurteilten Straftäter, für die verschiedensten Vergehen verantwortlich, die in letzter Zeit in ihrer Umgebung passieren. Alles scheint gegen Markulla zu sprechen, denn man will ihn bei einigen Überfällen erkannt haben. Er jedoch streitet ab, wird angegriffen, kämpft um sein Leben …weil niemand ihm Glauben schenkt. Findet er Beweise für seine Unschuld oder läuft die Zeit ihm davon?



Krimi


Verschiedentlich lässt die Amerikanisierung unseres Lebens noch zu wünschen übrig, etwa auf dem Gebiet der organisierten Kriminalität. Doch erste Ansätze gibt es schon. Etwa dort, wo professionelle Täter, oft arbeitsteilig und nach außen abgeschaltet, in Gruppen oder Banden arbeiten – am augenfälligsten beim Rauschgifthandel und, so der Fachausdruck, bei der Kriminalität im Zusammenhang mit dem Nachtleben, aber auch in der Wirtschafts-, Eigentums- und Fälschungskriminalität. Kontrolliert werden diese Gangs zumeist von Franzosen, Italienern und Orientalen; deutsche Profis finden sich im Allgemeinen nur in untergeordneten Positionen.

Kein Wunder, dass da ein Mann wie Dieter Zitzner von einer eigenen Gang träumte, ja sogar, in der Hoffnung auf ein Heer jugendlicher Desperados, von einer deutschen Cosa Nostra.

Im Augenblick ließ er sich von Rocky zum Bahnhof chauffieren. Dabei war noch Yvonne, eine seiner Freundinnen.

Zitzner war heute gereizt. „Rocky, du bist nicht auf dem Nürburgring hör endlich auf mit der Raserei, verdammt noch mal!“

Is’ ja gut, Chef. Aber wenn Yvonne um zehn auf’m Flugplatz sein will …“

Ich will nicht – ich muss!“, betonte Yvonne.

Zitzners Stimme wurde hart und bestimmt. „Klar musst du! Giuseppe hat gestern fünf Leute einfliegen lassen. Ich will, dass du weg bist, wenn sie losschlagen.“

Die schlagen nicht los, wenn du ihnen vierzig Prozent anbietest“, sagte Yvonne.

Woher weißt du ’n das?“, fragte Zitzner.

Das wissen doch alle“, erklärte Yvonne.

Zitzner schlug mit der flachen Hand auf seinen schwarzen Aktenkoffer. „Das ist mein Revier hier, ich lass mich doch nicht von Rom oder Marseille aus rumkommandieren.“

Vielleicht sind die stärker als du“, wagte Yvonne einzuwenden.

Vielleicht, vielleicht auch nicht … Hast du ’ne Zeitung gekauft?“

Wer, ich?“, fragte Rocky.

Wer denn sonst, Idiot!“, schnauzte Zitzner.

Hinterm Rücksitz, Chef … ’tschuldigung!“

Zitzner angelte nach der Zeitung. „Schon gut, wir sind alle ein bisschen …“ Er schlug die Zeitung auf. „Ist die Anzeige drin?“

Ja, auf Seite zwölf.“ Rocky wusste Bescheid.

Ah, hier …“ Beamten- und Angestellten-Darlehen … Effektiver Jahreszins: 9,45 Prozent p.a. fest für die Laufzeit. Auszahlung 98 Prozent. Laufzeit bis zu zwanzig Jahren … Vorauszahlung einer Lebensversicherung … Hypothekendarlehen, zinsgünstig, Laufzeit bis zu dreizig Jahren … Umschuldung möglich … Inter-Trade and Finance. Beratung und Vermittlung in Deutschland nur durch Dieter Zitzner in …

Ist doch idiotisch, dass dein Name da auftaucht!“, sagte Yvonne.

Mein Gott, wie kann man nur so dusslig sein! Meinst du, ich mach’s wie dein Vater: hier mal ’n Bruch und da mal ’n Bruch, und dann zwei Jahre im Klingelpütz? Nee, du – die Zeiten sind vorbei. Profi muss man heute sein, Profi!“ Zitzner lehnte sich zurück.

Chef, ich halt hier“, sagte Rocky. „Sie wollten doch noch ’n Happen essen, bevor Sie zum Bahnhof …“

Ich schlag dir sämtliche Zähne ein, wenn du nicht bald mit dem dussligen Gerede aufhörst!“ Zitzner schlug mit der Faust gegen die Kopfstütze vor ihm.

Mensch, bist du gereizt! Wieder beim Roulette verloren, was?“ Yvonne musterte ihn.

Nun halt schon da!“, befahl Zitzner.

Ja, aber nicht mitten auf der Kreuzung“, sagte Rocky.

Nicht mal zum Flugplatz kommst du mit“, beschwerte sich Yvonne.

Herrgott, ich muss Markulla finden!“, rief Zitzner. „Der soll sich jeden Mittag am Bahnhof rumtreiben. Ich brauch ihn jetzt.“

Rocky bremste und hielt. „So, Chef, hier … Schnell, eh der Bus kommt.“

Zitzner nahm seinen Aktenkoffer. „Ja, dann … Mach’s gut, Yvonne, und grüß mir Gran Canaria.“ Er küsste sie flüchtig.

Yvonne strich ihm mit den Fingern über die Revers seines Jacketts. „Und du kommst nach, wenn hier alles vorbei ist …“ Es war ebenso Frage wie Feststellung.

Zitzner machte sich los von ihr und öffnete die Tür. „Ja, ich komm nach.“

Tempo, nun mach schon!“, rief Rocky, als hinter ihnen kräftig gehupt wurde.

Zitzner stieg aus. „Also, dann … Ciao!“

Ciao. Und viel Glück!“, riefen Rocky und Yvonne.

Bis dann.“ Zitzner knallte die Tür wieder zu. „Guten Flug noch …“

Rocky gab Gas. „Wie im Kino, Mensch!“

Yvonne winkte noch ein Weilchen. „Du sollst nicht so rasen!“

Du bist doch angeschnallt“, sagte Rocky.

Dieser Scheißgurt hier, der klemmt einem ja alles ab“, schimpfte Yvonne.

Du hast eben zu viel“, lachte Rocky.

Macht doch mal ’nen neuen ran, so ’n elastischen.“

Wenn ich wieder in die Werkstatt fahre, morgen …“

Was will er denn mit Markulla?“, fragte Yvonne.

Was will er denn mit Markulla?“, wiederholte Rocky. „Dumme Frage! Den braucht er dringend, sagt er doch. Oder? Der ist schließlich gelernter Buchhalter, bilanzsicher. Studiert hat er auch, Wirtschaftsrecht und so ’n Scheiß. Der Markulla ist Gold wert für uns.“

Wie lange war ’n der jetzt im Bau?“

Rocky überlegte. „Fünf Jahre, glaub ich. Falschgeld, Diebstahl, Zuhälterei, schwere Körperverletzung … So einer wie Markulla, der lässt sich auch von Giuseppes Leuten nicht einschüchtern, der macht Ketchup aus denen.“

Hör auf, ich weiß noch, wie er die Mona damals in die Mangel genommen hat …“

„… als die den Autohändler da als Stammfreier hatte und sich selbständig machen wollte“, fügte Rocky hinzu.

Die linke Augenbraue musste genäht werden.“

Rocky lachte. „Das hat die doch weggesteckt wie nichts, das fand die doch prima – seitdem: große Liebe.“

Als ich den Markulla zuerst gesehen habe, dachte ich, das ist ’n Bruder von dir – die Ähnlichkeit…“

Rocky besah sich im Rückspiegel. „Ähnlichkeit? Ja … Ja, kannste recht haben.“

Pass auf, die Schranke da vorne is’ runter!“, sagte Yvonne.

Denkste, ich hab das für ’n Handballer gehalten? Ich kenn doch die Strecke.“

Du fährst wieder wie …“

Da schrie Rocky auf. „Die Bremsen, mein Gott!“

Was is’ denn!?“

Nichts mehr – kaputt …!“

Rocky – Rocky!“ Yvonne riss die Arme nach oben.

Scheiße!“

Nach rechts, nach rechts! In den Zaun rein!“

Ja …“, keuchte Rocky. „Ja …“

Der Wagen durchbrach den Zaun, die Latten flogen meterweit.

Was ist? Wo sind wir denn?“ Yvonne hatte einen leichten Schock davongetragen.

Rocky sah sich um. „Mitten auf den Schienen … Der Zug! Los, raus, raus hier!“ Er klickte seinen Gurt aus und stieß die Tür auf.

Yvonne geriet in Panik. „Mein Gurt geht nicht auf! Rocky, Hilfe! Hilf mir … Hilf mir doch!“

Der Zug!“, schrie Rocky.

Die dröhnende Masse raste heran, das Brüllen des Signalhorns wurde immer heftiger.

Der klemmt hier!“, schrie Yvonne.

Rocky fingerte am Verschluss herum. „Ich krieg ihn auch nicht ab.“

Hol mich raus hier! Rocky!“

Der Zug …“ Rocky hatte kurz hochgesehen.

Die Lok war fast ran. Weinrot und beige, ein ICE.

Todesangst. „Hier, reiß ihn durch, reiß ihn doch durch!“ Yvonne bäumte sich in ihren Fesseln auf.

Geht nicht… Zu fest… Ich muss …“

Rocky sprang ins Freie.

Yvonnes Stimme überschlug sich. „Das könnt ihr doch nicht… nein! Nei…“

In dieser Sekunde hatte die Lokomotive den Wagen erfasst.


*


Markulla schlenderte durch die große Bahnhofshalle und wartete auf Mona.

Was wäre zu Markulla und Mona zu sagen?

Er hieß mit Vornamen Manfred, war achtunddreißig Jahre alt und von Beruf Industriekaufmann. Zuletzt hatte er fünf Jahre abzusitzen gehabt – seine dritte Haftstrafe insgesamt. Im Strafregister waren unter seinem Namen: Verbreitung von Falschgeld, Zuhälterei, Notzucht, schwere Körperverletzung, Diebstahl, Sachhehlerei und gewerbsmäßiger Kreditwucher vermerkt. Markulla galt als ebenso intelligent wie brutal. Wer ihn von früher her kannte, der rechnete auch diesmal mit einem Rückfall; seine gute Führung und seine Sanftheit während der letzten Haft wurden allgemein nur als gängiger Trick gewertet.

Doch er hatte sich fest vorgenommen, anständig zu bleiben und ein bürgerliches Leben zu führen. Gründe dafür gab es mehrere: die Überzeugungsarbeit eines engagierten Sozialarbeiters, die Angst vor einem weiteren Gefängnisaufenthalt, die Sehnsucht nach Ruhe und Gleichmaß – schließlich ging er auf die Vierzig zu – und wohl auch eine gewisse Resignation in Anbetracht einer dreimal gescheiterten Verbrecherlaufbahn. Der gewichtigste Grund aber hieß Mona.

Sie hieß eigentlich Monika Marotzke und war früher einmal, infolge einer gewissen Hörigkeit, für ihn auf die Straße gegangen. Doch nach einem gewaltigen Krach und während seiner Haftzeit hatte sie sich von ihm gelöst und selbständig gemacht. Jetzt, sie war inzwischen fünfunddreißig Jahre alt geworden und ziemlich mollig, gehörten ihr ein Frisiersalon und eine Drogerie, und sie galt als eine ausnehmend tüchtige Geschäftsfrau, die überall anerkannt wurde, auch in einem solchen Nobelviertel wie dem Erlengrund. Sie wohnte hier in einem zweistöckigen Haus und galt als Nichte des Rechtsanwaltes, der es ihr in Dankbarkeit für ihre treuen Dienste nach seinem Tode vermacht hatte.

Das weitere klingt nun wie ein Märchen: Als Markulla nach seiner Entlassung durch die Stadt irrt und nicht weiß, wohin er soll, sagt ihm in seiner alten Kneipe jemand, die Mona, die hat sicherlich auch jetzt noch ein Bett für dich frei – musste mal versuchen. Er fährt zu ihr hinaus – und sie nimmt ihn tatsächlich bei sich auf …

Doch es war kein Märchen.

Mona kam und kam nicht, und Markulla kannte die in der Bahnhofshalle herumhängenden Plakate schon auswendig. Schließlich wandte er sich an einen der Aufsichtsbeamten.

Sagen Sie, um 11:21 Uhr sollte der ICE aus Essen hier sein …?“

Der Mann muffelte ihn an. „Um 11:21 Uhr kommt kein ICE hier an.“

Ich hab doch aber vorige Woche …“

Das is ’n Intercity-Zug – und zwar der …“ Der Beamte blätterte in seinem Kursbuch. „Ja – und zwar der …“

In diesem Augenblick schoss, hinter einer Fahrplantafel hervorkommend, Rocky auf Markulla zu. „Hallo – Markulla! Markulla!“

Markulla ließ den Bahnbeamten stehen und lief auf den Ausgang zu. „Schon gut, danke!“

„… ’ ne Viertelstunde Verspätung – Gleis sechs!“, schrie ihm der Eisenbahner noch hinterher.

Markulla – heh, Markulla!“ Rocky lief im Slalom durch die Bahnhofshalle, und draußen am Taxenstand hatte er Markulla eingeholt.

Hau ab, ich hab keine Lust, mit dir zu reden“, sagte Markulla und wollte weiter.

Rocky verstellte ihm den Weg. „Lust hin, Lust her … Aber ’n Bier wirste doch mittem alten Kumpel noch trinken?“

Nein!“

Wo wir wie zwei Zwillingsbrüder aussehen … Zitzner findet ’s immer zu schön, wenn er uns zusammen hat.“

Zitzner?“ Markulla horchte auf.

Rocky geriet ins Schwärmen. „Der will jetzt groß rauskommen. Der is weg von Berlin und hat hier billig ’ne Firma aufgekauft – für ’n Appel und ’n Ei. Zentrale Lage, mitten drin. Schönet Sprungbrett.“

So …?“

Rocky spuckte seinen Kaugummi aus. „Der hat ’n Narren an dir gefressen, der steht noch immer uff Markulla. Ich sollt’ dich suchen …“

Suchen? Warum sollteste mich suchen?“ Markulla besah sich seine Fingernägel.

Er wollt mal mit dir sprechen.“

Ich bin nicht mehr zu sprechen“, sagte Markulla.

Rocky trat einen Schritt zurück. „Ach, der feine Herr is nich mehr zu sprechen? Weil de jetzt wohl Angestellter bist … Wie heißt die Spedition noch mal, wo de jetzt arbeitest?“

Woher wisst ihr denn das?“, fragte Markulla.

Wir wissen alles.“

Ach nee!“

Ach jaa: Kranold & Co. heißt der Laden, internationale Spedition. Da kontrollierste die Fahrtenbücher und teilst die Kutscher ein.“ Rocky sah ihn triumphierend an.

Na und?“

Rocky legte ihm den Arm um die Schulter. „Komm – trinken wir ’n Bier?“

Markulla machte sich los. „Ich hab doch gesagt, nein!“

Oder woll’n wir zu dir nach Hause fahr’n?“

Nein, woll’n wir auch nich. Ich kann dir auch genau sagen, was ich will: Mich hier auf die Bank setzen, Zeitung lesen und warten.“ Er setzte sich und entfaltete seine Zeitung.

Schon saß Rocky neben ihm. „Alles Wirtschaft! Toll! Willste wieder weiter studier’n?“

Markulla übersah ihn und führte Selbstgespräche. „Sieh an, die Aktien … Siemens ist schon bei zweihundertvierundsiebzig angelangt

Spritzte imma noch? Zitze kann dir billig Stoff verschaffen. Von Hasch bis Heroin, alles …“

Danke, kein Bedarf mehr“, sagte Markulla.

Als geheilt entlassen“, grinste Rocky.

Ja.“

Gratuliere! Aber du bist ja schon immer unser Wunderkind gewesen.“

Markulla überhörte es. „Ha, sieh da: Die letzte Bundesanleihe konnten sie kaum unterbringen.“

Danke fürs Stichwort: unterbringen. Sag mal, wo bisten jetzt eigentlich untergebracht?“

In dem Heim da noch …“, antwortete Markulla.

Haha! Da haben se dich wohl aus Versehen aus der Liste gestrichen?“ Rocky steckte sich ein Zigarillo an.

Ja, muss wohl so sein …“

Und auf wen warteste jetzt?“, fragte Rocky.

Ich wart überhaupt nicht, ich genieß die Atmosphäre hier. So ’n Bahnhof … Fünf Jahre nichts, was …“

Ich dachte, du wartest hier auf Mona.“ Rocky sah Markulla prüfend an.

Mona …?“

Ja, Mona – hörste schwer? Der haste doch vom Bau aus geschrieben. Sie dir auch, ’nen Haufen Kassiber. Meinste denn, Zitze hat da keinen, der die mitliest?“ Rocky schlug die Beine übereinander.

Na und?“

Rocky, der den Paten mehrmals gesehen hatte, spielte weiter einen von Don Corleones Männern. „Die Mona! Angefangen hat se in Berlin in der Potsdamer Straße, dann holterdiepolter die Leiter rauf bis zum Kudamm. Und da ’nen Stammfreier aufgegabelt, ’nen Rechtsanwalt. Nerz und ’ne eigene Wohnung. Als der dann den Schwanz nich mehr hochgekriegt hat, is se höher gekommen und hat auf feine Dame gemacht. Und prompt war ’n Witwer da, der se aufgerissen hat, ’n Friseurmeister, Bahnhofstraße, hierschräggegenüber, wenn de mal aus ’m Fenster siehst …“

Ah ja, da drüben. Toller Laden!“, sagte Markulla, scheinbar gelassen.

Tu doch nich so! Oder hat se dir nich erzählt, dass der Alte sie gleich mithergebracht hat? Die hatte doch mal Friseuse gelernt, oder?“

Kann sein.“

Rocky hatte heute Quasselwasser gesoffen. „Siehste! Und der Alte hat nie gemerkt, was se mal gemacht hat. Keiner hier, nich mal die Bullen. Vielleicht hat’s der Alte auch spitzgekriegt und alles vertuscht, wer weiß … Die hätten sogar geheiratet, wenn der Glatzenschaber nich vorher abgekratzt wär … Ja, die Mona, die versteht ’s … Wenigstens hat se noch den Laden hier geerbt, den 1a‑Damensalon, und die Villa draußen im Erlengrund. Klasse!“

Was erzählsten mir den ganzen Quatsch?“, fragte Markulla.

Rocky versuchte Ringe zu blasen. „Schließlich wohnste jetzt bei Mona, und Zitzner kennt die Mona von Berlin her. Der könnte ihr ganz schön die Hölle heiß machen. Meinste denn, Frau Stadtrat könnte sich bei Mona noch die Haare machen lassen, wenn die alle wüssten, an welchen Haaren die Mona früher ihre Finger dran hatte?“

Zitzner soll sich mal nicht seine Finger verbrennen“, sagte Markulla.

Er will ja bloß, dass du in anständiger Umgebung groß wirst …“

Markulla faltete seine Zeitung zusammen. „Hau jetzt endlich ab!“

Rocky stand auf. „Wie der Herr wollen. Sag der Mona, dass ich ’n netter Mensch bin – und steck ’nen schönen Gruß mit rein.“

Details

Seiten
60
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738908725
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v356828
Schlagworte
lieber blut messer

Autor

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Titel: Lieber fremdes Blut am eigenen Messer