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Königshaus Norland #9: Wiedersehen in Kenia

2017 120 Seiten

Zusammenfassung

Es soll ein unbeschwerter Urlaub in Kenia werden, den die Prinzessinnen Natalie und Alexa von Norland mit ihren Partnern geplant haben. Aber dann treffen die beiden im Hotel auf einen Mann, der seit einigen Jahren als verschollen gilt: Gerrit von Fallorn. Hier in Kenia nennt er sich Gerry Fallon und arbeitet für eine Firma in Nairobi, die Safaritouren organisiert. Wegen einer unglücklichen Liebe hat er damals Norland verlassen. Viel zu überhastet, wie sich jetzt herausstellt. Denn das Zerwürfnis zwischen ihm und seiner geliebten Mette wurde mutwillig in die Wege geleitet. Alexa und Natalie beschließen deshalb, Gerrit und Mette wieder zusammenzubringen. Ob ihnen das wirklich gelingen wird? Denn die Hindernisse sind größer als sie vermutet haben …

Leseprobe

Wiedersehen in Kenia


Ein Roman von Earl Warren



IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Juan Carlos Jerome Pastor/123RF, 2017

Redaktion & Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de


Klappentext:

Es soll ein unbeschwerter Urlaub in Kenia werden, den die Prinzessinnen Natalie und Alexa von Norland mit ihren Partnern geplant haben. Aber dann treffen die beiden im Hotel auf einen Mann, der seit einigen Jahren als verschollen gilt: Gerrit von Fallorn. Hier in Kenia nennt er sich Gerry Fallon und arbeitet für eine Firma in Nairobi, die Safaritouren organisiert. Wegen einer unglücklichen Liebe hat er damals Norland verlassen. Viel zu überhastet, wie sich jetzt herausstellt. Denn das Zerwürfnis zwischen ihm und seiner geliebten Mette wurde mutwillig in die Wege geleitet. Alexa und Natalie beschließen deshalb, Gerrit und Mette wieder zusammenzubringen? Ob ihnen das wirklich gelingen wird? Denn die Hindernisse sind größer als sie vermutet haben …




Roman:

Natalie und Alexa von Norland tummelten sich im Poolbereich des Hotels Kenia Palms am Diani-Strand von Mombasa. Die bildhübschen norländischen Prinzessinnen zogen die Blicke der Männer magisch an – schwarzhaarig war die eine, blondes, lang herabfallendes Haar hatte die andere. Der String-Tanga betonte bei jeder die schlanke Figur.

Es wäre schwer gefallen, zu entscheiden, welche der beiden Cousinen reizvoller war. Sie hatten im Süßwasser- und im Meerwasserpool getaucht und geschwommen wie zwei Wassernixen.

Mit nassen Haaren schwammen sie nun an die Poolbar, um sich einen leckeren Cocktail zu genehmigen.

Es ist herrlich hier“, sagte Alexa. „Das war eine sehr gute Idee, sich einen Kenia- und Safari-Urlaub zu genehmigen.“

Jambo, Mzungu, kulia“, sagte Natalie.

Sie stützte sich mit den Unterarmen an der Poolbar und zog eine schwarze Haarsträhne wie einen Schnurrbart über die Oberlippe.

Was soll das denn bedeuten?“, fragte Alexa erstaunt.

Hallo, weiße Frau, das ist richtig. Ich habe im Reiseführer ein paar Worte Kiswahili gelernt, die Landessprache. Die respektvolle Anrede für Herr ist übrigens Bwana, die für eine Dame Mama, ob sie nun schon eine ist oder nicht – Mama Alexa.“

Das wollen wir doch nicht hoffen“, sagte die gerade noch 20jährige Prinzessin und klopfte sich unter Wasser auf ihren flachen Bauch.

Am Nabel trug sie ein Piercing. Die beiden Prinzessinnen wollten sich ausschütten vor Lachen. Der schwarze Boy, der im Trockenen hinter dem Tresen der Poolbar saß, gab ihnen freundlich lächelnd die bestellten Cocktails. Es waren exotisch bunte Träume, ein hochstieliges Glas war mit einer Ananascheibe an der Seite drapiert, das andere wies ein paar grüne Blätter und ein Papierschirmchen auf.

Wenn es genauso lecker schmeckt, wie es aussieht, ist es prima“, sagte Alexa auf Norländisch. „Ich will heute noch mal an den Strand – wo bleiben denn Larry und Freddy nur? – Natalie, wo steckt dein frisch verheirateter Ehemann?“

Er klärt mit deinem Larry Einzelheiten für die Safari im Landesinnern. Daraus machen die beiden ein großes Geheimnis, und wir sollen erst heute erfahren, was genau dabei vorgesehen ist.“

Wenn sie irgendwelche unschuldigen Tiere umbringen wollen, streike ich“, sagte Alexa.

Sie hatte die naturschützerische Ader ihres Vaters geerbt, König Renés, der in seiner Zeit als Kronprinz der Moorprinz genannt worden war. Ein paar Monate erst saß er auf dem Thron, nachdem sein mittlerweile 76jähriger Vater Erik nach 50jähriger glanzvoller Herrschaft zurückgetreten war. Zeitweilig hatte es nicht so ausgesehen, als ob René die Thronfolge antreten würde, weil seine Lebensführung und Ansichten seinem autokratischen Vater missfallen hatten.

Fotografieren dürfen sie soviel wie sie wollen, doch Tiere zu morden, da sage ich Nein“, fuhr Alexa fort.

Natalie schwieg. Sie wusste, dass Prinz Freddy, ihr Ehemann, und Larry Trehearne, Alexas Verlobter, beide Jägerblut in den Adern hatten. Beide waren sie Enkel englischer Lords, Freddy würde sogar einmal den Lordstitel zusätzlich zu dem des Prinzen oder Prinzgemahls erben, den er erheiratet hatte. Larry Trehearne hingegen war ein jüngerer Sohn, dem das nicht bevorstand.

Er liebte Alexa zärtlich und hatte ihr sogar eine Eskapade mit dem amtierenden Formel-Eins-Weltmeister Erno Kirkalää verziehen. Alexa war da auf Abwege geraten und auf einen wenn auch sehr imponierenden Macho hereingefallen. Inzwischen, so schien es, war sie sich ihrer Gefühle sicher.

Doch heiraten mochte sie Larry noch nicht, dazu, sagte sie, wäre noch Zeit – sie war ja erst Zwanzig.

Die Ralstons wie die Trehearnes hatten bekannte Großwildjäger in der Familie. Freddy Ralstons Großvater war gar in der Serengeti von den Löwen gefressen worden, als sein Gewehr versagte. Die einheimischen Träger und Jagdbegleiter waren geflohen.

Im Stammschloss der Trehearnes in Wales wiederum gab es einen Trophäensaal mit ausgestopften Löwen und Nashörner- und Elefantenköpfen. Er war der ganze Stolz des Großvaters von Larry, dem Lord Trehearne. Männer, die in einer derartigen Atmosphäre aufgewachsen waren, würden nicht ohne eine Jagdtrophäe nach Hause zurückkehren wollen.

Natalie schwieg jedoch – Larry und Alexa sollten sich selbst einigen und ihre unterschiedlichen Meinungen unter einen Hut bringen. Sie waren nun schon über drei Jahre zusammen, abgesehen von dem Ausrutscher mit Kirkalää, den Alexa bitter bereut hatte.

Auch sie waren, wie jedes Paar, zwei unterschiedliche Menschen, die lernen mussten, einander zu tolerieren und miteinander umzugehen. Andere Ansichten und Verhaltensweisen des Partners zu akzeptieren und nicht immer den eigenen Kopf durchsetzen zu wollen.

Ich will an den Strand“, sagte Alexa, „und ich will shoppen. Ich will mir Mombasa anschauen – ich war noch niemals zuvor in Afrika. Ach, ist das schön hier, das Hotel mit den Anlagen und dem Grün und den Büschen mit den flammenden Blüten, perfekter Service, eine fremdartige Architektur, Sonne, soviel man will. Schon die Luft schmeckt ganz anders. Wenn Larry und Freddy nicht bald antanzen, gehen wir allein an den Strand. Wir sind schließlich emanzipierte Prinzessinnen, oder?“

Ndiyo, Mama – ja, meine Dame.“

Wieder prusteten beide vor Lachen. Sie waren sehr ausgelassen, und sie freuten sich, der norländischen Hofetikette entronnen zu sein. Zudem befanden sie sich in Norland wie in ganz Europa jeweils im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Für die Presse und die Paparazzi waren sie von großem Interesse.

In Kenia sah es anders aus. Hier galten andere Maßstäbe und Regeln und interessierte sich von den anderen Hotelgästen keiner besonders für die Prinzessinnen und ihre männlichen Begleiter. Doch einer schaute ihnen aus dem Schatten einer Bar im Park des weitläufigen Hotelgeländes in der großen, von Menschen wimmelnden Stadt Mombasa zu.

Es handelte sich um einen hochgewachsenen, kräftigen, doch keinesfalls korpulenten Mann mit Shorts und einem tarnfarbenen Safarihemd. Er trug feste Schuhe und einen breiten Gürtel, an dem die Halfter einer schweren Pistole und ein großes Messer in einer Scheide hingen. Sein breitkrempiger Hut lag auf der Bar.

Das war kein üblicher Tourist.

Er stürzte den Whisky Sour hinunter und wischte sich über die Stirn, wie um Erinnerungen wegzuwischen, die ihn heimsuchten. Sein Gesicht war sonnenverbrannt, sein Alter ließ sich schwer schätzen. Lang fiel ihm das dunkelblonde Haar über den Kragen, und ein kurzgestutzter Bart umrahmte das männlich-markante Gesicht mit den grauen Wikingeraugen.

Noch einen Whisky, Mr. Fallon?“, fragte ihn der schwarze Barkeeper.

Der Mann, der wie ein Großwildjäger wirkte, schüttelte den Kopf.

Es reicht. Wasser. Soda.“

Er erhielt Eiswasser. Der Bedienstete behandelte ihn mit viel Respekt. Das hatte damit zu tun, dass das Band seines breitkrempigen Huts mit Leopardenkrallen und Löwenzähnen geschmückt war. Trotzdem wirkte der Dunkelblonde damit nicht wie ein Angeber, bei dem Hut mit dem Schmuck aus Krallen und Zähnen handelte es sich um einen Teil seiner Arbeitskleidung.

Ist es die Möglichkeit, dachte er, als er Natalie und Alexa wieder anschaute? Natalie ist noch schöner geworden, seit ich sie zum letzten Mal sah – und Alexa – sie hat sich herausgemacht. Das ist Vergangenheit, Gerry, redete er sich selber zu.

Norland liegt hinter dir. Keine Norlandtannen und kein Königshaus mehr. Du bist Gerry Fallon, der Großwildjäger, und du lebst jetzt in Kenia. Es war nie anders, und es darf nie anders sein.

Jetzt nahm er doch noch einen Whisky.


*


Weil Freddy und Larry sich immer noch nicht blicken ließen, packten Natalie und Alexa ihre Siebensachen zusammen.

Wir gehen allein an den Diani-Strand“, sagte Natalie, setzte ihren großen Sonnenhut auf und zog einen sehr attraktiven Flunsch. „Dann sollen sie uns suchen. Die Handys stellen wir ab. Das ist dann die Strafe, dass sie uns am Pool versauern ließen.“

Die beiden Paare waren am Vortag angekommen, um einen Bade- und Safariurlaub in Kenia zuzubringen. Alexa überzeugte sich, ob noch genug Sonnenöl da war. Sie hatte eine empfindlichere Haut als Natalie, da sie hellblond war, und die Sonne Afrikas war viel aggressiver als die in nördlicheren Breiten. Auch im Schatten konnte man sich einen ordentlichen Sonnenbrand holen, und Alexa hatte keine Lust, mit sich schälender Haut wie eine gepellte Kartoffel herumzulaufen.

Die beiden Prinzessinnen zogen leichte Strandkleidung über, setzten Hüte und Sonnenbrillen auf und wollten ihre Taschen nehmen. Da schossen zwei halbwüchsige Einheimische herbei. Sie schnatterten auf Kiswahili auf die zwei Schönheiten ein. Sie gaben keine Ruhe, bis sie die Taschen tragen durften, wofür sie natürlich ein Trinkgeld haben wollten.

Die Dienstboten sind hier sehr aufdringlich“, sagte Alexa zu Natalie. „Am Liebsten würden sie einem noch auf die Toilette nachgehen und einem dort Dienste leisten.“

Die Prinzessinnen kicherten. Gut gelaunt schlenderten sie in Richtung Strand, als Natalie, die umherblickte, plötzlich stutzte.

He, dort an der Bar, da, unter dem Palmwedeldach, gleich neben der Säule, das ist doch der junge Graf Gerrit von Falldorn. Der Ex-Verlobte meiner Jugendfreundin Mette von Odinshall.“

Wo?“

Der mit den breiten Schultern und dem großen Hut, den er gerade wieder aufgesetzt hat.“

Ich sehe ihn nur von hinten, ein Kreuz wie ein Kleiderschrank hat der Mann.“

Eben noch schaute er zu uns her. Er hat einen Bart, den er früher nicht trug, und ist ganz braungebrannt. Aber ich bin mir sicher, dass es Graf Gerrit ist.“

Da war doch mal was“, sagte Alexa. „Gab es nicht einen Skandal bei den Falldorns? Ich meine, er hätte das Land verlassen. Ob er das wirklich ist?“

Am einfachsten wird sein, wenn wir einfach hingehen und ihn uns näher anschauen und fragen, Alexa. Oder meinst du nicht?“

Du hast wieder einmal recht, große Cousine. Fühlen wir ihm auf den Zahn.“

Der breitschultrige Mann wendete den zwei Prinzessinnen betont den Rücken zu. Alexa ließ sich davon nicht abhalten und tippte ihm, als sie an der Bar waren, auf die Schulter.

Goden Daag“, grüßte sie auf Norländisch. „Dürfen wir uns zu Ihnen setzen?“

Der Breitschultrige grunzte, was Ja oder Nein heißen konnte. Er drehte sich weg, als die zwei Prinzessinnen auf den Barhockern Platz nahmen. Die Angestellten, die ihr Gepäck trugen, warteten geduldig im Schatten einer Palme.

Der Breitschultrige zog den Kopf ein.

Graf Gerrit von Falldorn?“, fragte Natalie.

Hmp.“

Ist das Samburu, was Sie da sprechen? Auf Swahili grüßt man mit Jambo.“

„’ ambo. I must go. Sorry.“

Der Breitschultrige wollte sich davondrücken, noch immer sein Gesicht abwendend. Da setzte Alexa sich kerzengerade auf.

Sie fragte auf Norländisch: „Schämen sich die Grafen von Falldorn neuerdings, ihr Gesicht zu zeigen? Dieses kühne Geschlecht, das in der norländischen Geschichte eine große Rolle spielte?“

Der Mann blieb stehen. Sein Nacken wurde dunkel, als Röte in ihm hinaufstieg.

Er brummte: „I don’t understand – ich verstehe Sie nicht.“

Sie verstehen mich sehr wohl. Look at me – schauen Sie mich an!“

Da, endlich, drehte der breitschultrige Mann sich um. Stolz hob er den Kopf und schaute die zwei Prinzessinnen abwartend an.

Sie sind Gerrit, Graf von Falldorn in Norland, einziger Sohn von Graf Haakon“, sagte Natalie ihm ins Gesicht.

Sprechen Sie Englisch, bitte“, forderte er die Prinzessinnen auf. „Ich mag diese Sprache nicht mehr sprechen, die Sie da reden.“

Es ist Ihre Muttersprache.“

Meine Mutter ist lange tot. Eine Unwürdige hat ihren Platz eingenommen. Ich wurde…“ Er sprach Englisch. „Ich bin Gerry Fallon, Großwildjäger und Safariführer. Ich arbeite für die Hayden-Reisekette, die in diesem Teil Afrikas führend ist.“

Bei Hayden Beach & Safaris haben wir ja gebucht“, sagte Natalie. „Dann werden Sie unser Safarileiter sein?“

Der Mann, der sich Gerry Fallon nannte, stand wie vom Donner gerührt.

Das fehlte noch“, sagte er. Er zwang sich zu einem Lächeln. „Das wird eher nicht der Fall sein. Das Hayden-Unternehmen verfügt über viele Angestellte. Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden. Ich habe zu tun.“

Wollen Sie denn so unhöflich zu uns sein?“, fragte Alexa mit unschuldigem Augenaufschlag und bezauberndem Lächeln. „Für einen Drink werden Sie wohl doch Zeit haben?“

Nun gut – aber ich mag nicht über alte Geschichten sprechen. Respektieren Sie bitte einfach meine Entscheidung. Es ist mein Leben, ich bin Gerry Fallon, der Großwildjäger, und ich lebe in Afrika. Alles andere spielt keine Rolle mehr. Doch gern lade ich Sie auf einen Drink ein, Königliche Hoheiten.“

Sie kennen uns“, sagte Alexa.

Fallon, wie er genannt werden wollte, nahm wieder Platz. Er bestellte sich einen doppelten Whisky. Die Prinzessinnen orderten wieder einen alkoholfreien Flip.

Trinken Sie immer so früh am Tag schon soviel?“, fragte Natalie „Fallon“.

Wollen Sie Kindermädchen spielen, Prinzessin?“, fragte „Fallon“ spitz. „Wir sind nicht in Norland, dass ich Ihnen Rede und Antwort stehen müsste. Norland interessiert mich nicht mehr.“

Auch nicht Mette von Odinshall, der die Trennung von Ihnen das Herz brach, Graf Gerrit?“, fragte Natalie und schaute ihn voll an. Sie hatte die Sonnenbrille abgenommen. „Mette ist eine Jugendfreundin von mir.“

Görendör!“

Das war ein norländisches Kraftwort. Das dickwandige Glas in „Fallons“ Hand zerbrach, er zerdrückte es glatt. Whisky und Blut liefen ihm über die Hand. Der Barkeeper reichte ihm eine Serviette. „Fallon“ wickelte sie um die Hand. Er stand auf und warf einen Schein auf die Bar.

Für die Getränke.“ Er verneigte sich vor Natalie und Alexa. „Prinzessin Natalie, Prinzessin Alexa, ich wünsche nicht, daß alte Wunden in meiner Brust wieder aufgerissen werden. Die Vergangenheit ist tot – mit ihr der junge Graf von Falldorn und seine Liebe zu Mette von Odinshall. Nehmen Sie das zur Kenntnis und achten Sie meine Gefühle. Sie kennen die Hintergründe nicht, und ich möchte sie Ihnen nicht erzählen. Ich wünsche Ihnen einen schönen und erholsamen Aufenthalt in Kenia Leben Sie wohl, have a nice day.“

Den Rest hatte er auf Norländisch gesprochen. Damit ging er davon.

Natalie konnte es nicht lassen und sagte ihm hinterher: „Der große weiße Jäger, ein Baum von einem Mann. Bewaffnet. Mit einem Faustschlag streckt er einen Ochsen nieder, und sein Gewehr fällt Elefanten und Löwen. Und vor seiner Vergangenheit rennt er davon.“

Fallon“ zuckte zusammen, ging aber weiter. Er bog um die Ecke, und hinter den Umkleidekabinen nahm er sein Handy. Im Landesinnern funktionierte es nicht, doch in Großstädten wie Mombasa und Nairobi gab es ein Mobilfunknetz, und die Großstädte und Zentren waren meist miteinander verbunden. Wenn es nicht gerade eine technische Panne gab, was nicht selten war – in Afrika gingen die Uhren anders – oder Banditen und Aufständische aus benachbarten Ländern mal wieder die Funkanlagen zerstörten.

Fallon“ rief eine Telefonnummer in Mombasa an.

Eine Frauenstimme meldete sich.

Britt?“, fragte er. Sie war es. „Kannst du mal im Computer nachschauen, ob zwei Prinzessinen von Norland oder zwei Damen Bentwaldt für meine nächste Safari-Tour gebucht haben? Norländer aus dem Königshaus? Natalie und Alexa heißen die Damen mit Vornamen.“

Es dauerte kurze Zeit.

Dann erhielt „Fallon“ die Antwort: „Ich habe hier Natalie und Freddy Ralston, Prinzessin von Norland und Lord Ralston. Sowie Alexa, Prinzessin von Norland, und Lord Larry Trehearne. Sie haben in unserem Hotel jeweils Doppelzimmer.“

Wer nun wirklich den Lordtitel erbte, damit nahm es bei den Hotelbuchungen nicht so genau. Titel brachten durchaus auch Vorteile.

Das sind sie.“

Natalie hat also geheiratet, dachte „Fallon“. Der feine Unterschied, beide gleich nacheinander zu nennen, dann erst die Titel, bedeutete, dass es sich um ein – in dem Fall frisch gebackenes Ehepaar handelte. Alexa würde verlobt sein oder einen festen Freund haben – warum nicht?

Ich muss diese Tour absagen“, sagte „Fallon“. „Nimm John Gatskell oder den alten Trevor Dobbs dafür.“

Das kommt überhaupt nicht in Frage. Trevor Dobbs ist ein Notnagel. Er schwätzt die Leute tot mit seinen Kenia-Anekdoten und Jagdgeschichten, wir nehmen ihn nur, wenn es umumgänglich ist. Red John“ – sie meinte John Gatskell, der rothaarig war wie ein Feuermelder – „ist fähig, aber noch zu unerfahren. Das ist eine Prominentensafari, da brauchen wir einen Tourleiter mit Stil. Einen, der etwas her macht. Hayden Beach & Safari hat einen Ruf zu verlieren. Die Norländer können uns sehr nützen von der Publicity her. Jedes Safari-Unternehmen schmückt sich gern mit Prominenten und Adligen – diese sind sogar Mitglieder des Königshauses. Nein, Gerry, da musst du ran.“

Eine Pause folgte.

Du bist doch selbst Norländer. Du hast deine Nationalität noch nicht abgelegt, obwohl du, was ich nie verstanden habe, deinen Namen ändertest. Sucht dich die Polizei, oder liegst du mit dem Norländischen Königshaus in einer Fehde? Ist es das, weshalb du Norland verlassen musstest?“

Nein, nein, nein, Britt, du verstehst das vollkommen falsch. Ich möchte ganz einfach nicht. Ich habe mit Norland nichts mehr am Hut. Ich mag und ich kann nicht.“

Einen Moment herrschte Stille.

Dann ertönte die Stimme der jungen Frau am anderen Ende mit einem deutlichen Unterton: „Dein Hut geht mich nichts an, Gerry. Aber du hast einen Vertrag mit uns. Du musst diese Safari leiten, wenn du in Norland nichts ausgefressen hast. Und das prüfe ich nach.“

Britt Hayden, so hieß sie, war jung und die Tochter vom obersten Chef. 23 Jahre alt, „Gerry Fallon“ war 28. Britt Hayden war verwöhnt und ein Luder, doch sie hatte die knallharte Art und die Geschäftstüchtigkeit ihres Vaters Herb Hayden geerbt. In geschäftlichen Dingen kannte sie keine Gnade.

Privat hatte sie mehr als ein Auge auf „Gerry Fallon“ geworfen, dessen sichere Hand als Großwildjäger und stille Melancholie sie anzogen. Sonst umschwirrten die Männer sie, doch „Fallon“ schien bisher gegen die Reize der Juniorchefin immun zu sein, was diese gewaltig anstachelte.

Diesen Mann umgab ein Geheimnis, das fühlte und spürte Britt Hayden, die in ihrem großen und luxuriösen Büro in Nairobi saß.

Was willst du nachprüfen?“, fragte „Fallon“ per Handy.

Deine Story. Weshalb du Norland vor zwei Jahren verließest. Und deinen Namen ändertest.“

Und keine Frau anschaust, hätte Britt gern hinzugefügt, ließ es aber.

Das sind Familiengeschichten, Britt, sie gehen die Haydens nicht an. Frage ich dich nach deinen Liebschaften?“

Das war unfair eben, Gerry. Oder sollte ich Gerrit sagen?“

Ihr habt euch also erkundigt?“

Das tun wir immer, bevor wir jemandem eine verantwortliche Position einräumen. Ich kenne deinen richtigen Namen.“

Jetzt ist dieser mein richtiger.“

Die Vergangenheit kann man nicht abstreifen wie ein altes Hemd, Gerry. Sie holt einen immer wieder ein. Wir zogen die üblichen Erkundigungen ein. Interpol teilte mit, dass gegen dich nichts vorliegt. Doch man kann genauer nachgraben. Das Hayden-Unternehmen hat zahlreiche Verbindungen. Mein Vater kennt Morten Hanson gut, den Milliardär und internationalen Finanzmagnaten, der ebenfalls ein gebürtiger Norländer ist, jetzt dort wieder ansässig und der ins Norländische Königshaus einheiratete. Wir finden heraus, was wir wissen wollen – wenn wir es wissen wollen und wenn es für uns relevant ist.“

Der gläserne Mensch, dachte „Fallon“ und „Klein ist die Welt“. Er wünschte die norländischen Prinzessinnen, die sich ausgerechnet Kenia als Ferienort ausgesucht hatten, auf den Mond. Das fruchtete jedoch nicht.

Es sind Familiengeschichten, Intimitäten, Britt“, sagte zu seiner Chefin, die sie ja war, sie hatte weitreichende Vollmachten in der Firma. „Fallon“ stand mit ihr auf dem vertrautem Fuß. „Du würdest es auch nicht schätzen, wenn einer in den Interna den Haydens herumschnüffelte.“

Das mag sein, wir haben ein paar illustre Gestalten in der Familie und in der Ahnenkette. Einer davon brannte mit der Frau von Cecil Rhodes durch, der Rhodesien gründete. Ein anderer hatte eine Räuberbande, mit der er versuchte, sich den Kimberley-Diamantminendistrikt unter den Nagel zu reißen, die größte Diamantenmine der Welt. Er wurde gehenkt, was eine Weile her ist – viele Jahrzehnte. Auch… über Funk sage ich das nicht. Well, Gerry, bis die Safari beginnt, sind es ein paar Tage. Wenn du unbedingt meinst, sie nicht führen zu sollen, dann komm nach Nairobi und überzeuge meinen Vater und mich. Dich einfach zu weigern und vertragsbrüchig zu werden wäre nicht ratsam, wenn du in Afrika deines Lebens froh und in Arbeit bleiben willst. Du bist bei uns im Vertrag und im Wort.“

Fallon“ seufzte.

Dann fliege ich nach Nairobi“, sagte er. Ein Flug kostete nicht viel, für die Eingeborenen war er allerdings unerschwinglich. „Ich mag nicht mit diesen Norländern zusammen sein. Nehmt von mir aus den alten Dobbs, wenn ihr einen Erfahrenen braucht, und verbietet ihm, dass er zum 10.000 Mal erzählt, wie er das große Nashorn im Swasiland schoss, nachdem seine Flinte versagt und es ihn auf den Baum gejagt hatte.“

Britt Hayden lachte durchs Telefon.

Das arme Nashorn findet im Grab keine Ruhe, solange Trevor Dobbs es mit seiner Jagdstory immer wieder aufleben lässt. Sein Horn haben die Inder längst zu Potenzmitteln verarbeitet.“

Indische Geschäftsleute und Händler waren in Kenia nicht selten.

Hat er dir auch erzählt, wie er den Einsiedlerelefanten mit dem einen Stoßzahn am Fuße des Kilimandscharo erschoss, Gerry?“

Ungefähr fünfhundert Mal. Wenn Trevor mitten im Satz tot umfällt, kann ich die Story wörtlich zu Ende erzählen.“

Fallon“ war ein wenig aufgeheitert. Er schöpfte Hoffnung.

Ich besuche dich in Nairobi“, sagte er.

Britt Hayden freute sich. Sie wollte „Fallon“ ihrer Nähe haben. Er war ein besonderer und sehr attraktiver Mann – und auf Dauer konnte er ihr nicht widerstehen. Warum auch? Sie war jung und sehr reizvoll, dazu ungeheuer reich, mit allen weltlichen Gütern gesegnet. Was hielt ihn ab? Etwa eine alte Liebe und eine sehr tiefe Enttäuschung?


*


Der Strand von Diani-Beach war feinsandig und weiß, ein Gedicht und ein Traum. Die Wellen des Indischen Ozeans brandeten an. Alexa und Natalie stürzten sich in die Flut, die Wogen schlugen über ihnen zusammen und wirbelten. Man konnte nicht weit hinausschwimmen, weil die Strömung dort stark war und der Grund nach wenigen Metern steil abfiel.

Bei Ebbe war Schwimmen lebensgefährlich, da die Tide hinauszog. Am Strand ging es bunt und belebt zu, doch tummelten sich an dem exklusiven Strand die Gäste der benachbarten Hotels. An Farbigen hatten nur diejenigen Zutritt, die hier arbeiteten oder einen Stand betrieben, an denen Snacks und Souvenirs und Drinks angeboten wurden.

Es war eine Touristenindustrie, wie überall und nicht unbedingt nach dem Geschmack der beiden Prinzessinnen, die mehr von Land und Leuten sehen wollten.

Heute Abend treten Massaitänzer im Hotel auf“, sagte Natalie, als sie und Alexa wieder unterm Sonnenschirm lagen. „Schau den Massai dort, der die Souvenirs verkauft. Ist er nicht wunderschön?“

Natalie, so kenne ich dich gar nicht.“

Wieso, man wird doch ohne jeglichen Hintergedanken feststellen können, dass jemand attraktiv ist?“

Er wirkt sehr exotisch mit seinem Hüfttuch, Perlenketten, Armreifen und der Bemalung im Gesicht und auf der Brust. Dazu noch die bis zum Gürtel herabfallenden, in Löckchen gedrehten und rotgefärbten Haare. Ich schätze, er ist zwei Meter groß. Mit dem Schmuck, der Bemalung und den Haaren muss er länger mit seiner Toilette beschäftigt sein als jede Frau. Wie macht er das bloß mit den Haaren? Er kann sie unmöglich jeden Tag neu aufwickeln.“

Ich habe in einem Film gesehen, daß die Massai und Samburu nachts mit dem Kopf auf einer Holzgabel schlafen, einem Gestell. Sie wohnen im Landesinnern in Manyattas, primitiven Hütten, und ernähren sich hauptsächlich von der Viehzucht, Kühe und Ziegen.“

Was du alles weißt, Natalie. Vielleicht ist er ein Häuptlingssohn. Als Brautgabe für die Frau, die sie haben wollen, geben sie ihrer Familie Kühe oder Ziegen. Wieviel bin ich wohl wert?“

Natalie schaute Alexa kritisch an und sagte trocken: „Einen alten Ziegenbock würde ich grade noch für dich geben.“

Was? Das ist eine Majestätsbeleidigung, ich bin eine Prinzessin von Norland.“

Alexa warf im Scherz mit der Sonnencreme nach ihrer Cousine. Als sie auch noch Sand aufhob, wie um damit zu werfen, sprang Natalie auf und rannte ins Wasser. Alexa folgte ihr. Die beiden jungen Frauen lachten und alberten. Nach einer Weile kehrten sie unter ihren Sonnenschirm an dem sieben Kilometer langen Strand zurück, an dem die Hotels sich befanden.

Die Toilettefragen der Massais beschäftigten sie nicht mehr, auch war keine Personentaxierung für Brautpreise mehr angesagt. Sie kamen auf Gerrit von Falldorn zu sprechen.

Hierher hat er sich also verkrochen“, sagte Natalie. „Ich habe mit meiner Jugendfreundin Mette nicht mehr gesprochen, seit er sie verließ. Da muss etwas vorgefallen sein, was die beiden auseinander und ihn aus Norland weg brachte. Das möchte ich gerne wissen.“

Neugierig bist du gar nicht?“

Wer von uns beiden hat denn wissen wollen, wie die Massais nachts schlafen und wie viele Ziegen sie wert ist? Ich werde mich erkundigen. Mit Mette war ich sehr gut befreundet, wir sind in Tjellborg zusammen aufs Gymnasium gegangen, ehe ich in ein Internat kam. Auch später sah ich sie noch ein paar Mal oder rief sie an. Ich hatte den Eindruck, Gerrit von Falldorn wäre ihre ganz große Liebe Mette ist eine Freifrau , niederer Adel. Ihre Familie ist mäßig vermögend, doch was spielt das für eine Rolle? Sie ist hübsch, und ich weiß, dass sie ein gutes Herz hat. In Mathematik hat sie mich immer abschreiben lassen und öfter für mich die Hausaufgaben gemacht.“

Jetzt kommt es heraus. Da bist du ihr ja verpflichtet. Doch im Ernst, auch mich reizt es, das Geheimnis zu ergründen, das Gerrit von Falldorn umgibt. Weshalb er einen anderen Namen annahm und Norland und seine Herkunft verleugnet, mit seiner Vergangenheit brach. Wie ein Schuft und Vaterlandsverräter sieht er mir nicht aus. Ich kann schwer glauben, dass er etwas Unehrenhaftes getan hat.“

Natalie überlegte.

Wir brauchen letztendlich nur daheim anzurufen. Unsere Männer, die beide Engländer sind, kennen sich in den norländischen Interna nicht aus. Wenn ein Skandal zugrunde liegt, und es muss einen gegeben haben, gibt es einen, der mit Sicherheit bestens Bescheid weiß: Das ist Olav Mettlund, der Vorsitzende des Kronrats von Norland. Olav Mettlund weiß alles.“

Alexa sagte: „Das werden wir machen. Doch jetzt vergessen wir diese Geschichte erst mal. Ich freue mich schon auf die Massai-Tanzdarbietungen heute Abend.“

Und auf die Nacht mit Larry?“

Das auch. Er liest mir jeden Wunsch von den Augen ab – manchmal liest er zuviel.“

Das wird sich mit der Zeit geben, wenn ihr zusammen bleibt. Du bist wieder glücklich mit Larry, sei froh darum. Wir müssen uns unbedingt mal in der Stadt umschauen, nur im Touristen-Ghetto mag ich nicht bleiben. Was sieht man da schon?“

Es gibt Slums und dunkle Straßen und Existenzen.“

Unsere Männer, die heldenhaften Lordssöhne, müssen eben mitkommen. Hier kommt Britannien, die Schurken allesamt aus dem Weg.“

Wieder lachten die zwei ausgelassen.


*


An diesem Abend hielten die zwei Prinzessinnen vergeblich nach Gerrit von Falldorn Ausschau, der sich hier Gerry Fallon nannte. Eine Nachfrage bei der Hoteldirektion ergab, er sei nach Nairobi geflogen. Wenn er nicht wieder auftauchte, ergab sich die Frage für Natalie und Alexa, ob sie seinem Geheimnis nachspüren sollten? Vielleicht hatte er tatsächlich eine Schuld auf sich geladen, die ihn Norland und sein altes Leben fliehen ließ.

Zwar war er den beiden Vertrauen erweckend erschienen, doch in einen Menschen konnte man nicht hineinsehen. Die Prinzessinnen begaben sich in luftigen Kleidern, mit nicht zu übertriebenem Schmuck, unter einem funkelnden Sternenhimmel ins Freie, wo in verschiedenen Farben brennende Partyfackeln in die Erde gesteckt waren und Scheinwerfer und Spotlights eine Bühne anstrahlten.

Die Zuschauer aus diesem und anderen Hotels saßen auf Rängen und an ihren Plätzen, auch an den Bars. Auf der Hotelterasse saßen Zuschauer, die Pools im Poolbereich waren in Bonbonfarben erleuchtet.

Dann kam die Massaitanztruppe, die ausschließlich aus Männern bestand. Zwanzig bunt herausgeputzte Personen, in der Art der Massai angezogen, den Natalie und Alexa zuvor am Tag am Diani-Strand gesehen hatten. Sie waren bunt bemalt und geschmückt.

Sie tanzten zum Trommelklang, sprangen hoch in die Luft und hantierten mit Speeren. Es war ein buntes, exotisches Bild. Füße stampften, Hände klatschten. Eine ferne, exotische Welt bot sich dar, allerdings für die Touristen aufgemacht und geschönt.

Alexa schnupperte, als die Tänzer in Schweiß gerieten. Die Massai hatten eine Ausdünstung, die sie von anderen Afrikanern unterschied. Die blonde Prinzessin genoss die romantische Darbietung, sie wollte allerdings mehr von Land und Leuten wissen, und sie würde keine Ruhe geben, bis ihr Wissensdrang gestillt war.

Denn oberflächlich, der How-lovely-Typ, war Alexa nicht. Für Natalie, Larry und Freddy traf das zwar auch zu, doch waren sie eher geneigt, hier den Urlaub zu sehen und nicht auf völkerkundliche Touren zu gehen oder die Einheimischen ungeschminkt in deren wahrem Leben sehen zu wollen.

Nach dem Tanz verkauften die Massai Schmuck und Souvenirs.

Alexa zupfte Larry am Ärmel, als er ihr davon kaufen wollte.

Fahr lieber mal mit mir in die Stadt, dann suchen wir Shops auf, wo die Preise nicht so schamlos überzogen sind wie hier. Das meiste von dem Kram da ist Kitsch. Wir können auch mal einen Land Rover chartern und zu einem Massai-Dorf fahren, die Safari beginnt ja erst in einer Woche.“

Der große, gutaussehende, schlaksige Larry, Enkel des Lords Trehearne, schaute seine Verlobte erstaunt am. Im hellen Kleid, schulterfrei, mit ihrem flott frisierten weißblonden Haar war Alexa so bezaubernd, dass es ihm ins Herz schnitt, wie sehr er sie liebte.

Das möchtest du?“

Klar doch, oder meinst du, ich wäre ein Püppchen, das nur am Strand liegt und sich oben ohne die Titten bräunt und an der Hotelbar herumhängt?“, fragte Alexa burschikos. Sie gab Larry einen freundlichen Rippenstoß. „Gib dir einen Ruck, sage Ja, Alter. Wir können auch mit dem Bus fahren, wenn du Angst hast, du würdest dich verfahren.“

Ein paar Buschbabies, eine kleine Affenart, keckerten über ihnen im Baum. Manchmal warfen sie Früchte herunter und waren recht zutraulich zu den Hotelgästen.

Larry lächelte und küsste Alexas Hand.

Wenn du auf den Mond wolltest, Liebste, chartere ich sofort eine Rakete.“

Warum kriege ich nur einen Kuss auf die Hand? Ihr Engländer seid auch zu steif.“

Da küsste Larry sie herzhaft auf den Mund. Erno Kirkalää, mit dem Alexa ein Verhältnis gehabt hatte, als sie auf Abwege geriet, war vergessen. Die Liebe zwischen den beiden stand wieder in voller Blüte und Glut.

Natalie und Freddy, die seit einigen Monaten verheiratet waren und sich noch in den Flitterwochen befanden, hielten sich bei der Hand. Für sie hing der Himmel voll Geigen, und diese spielten allesamt wunderbare Melodien. Sie hatten etwas Schmuck und Souvenirs gekauft, bevor Alexa sie davon abbrachte.

Sie wollten mit Larry und Alexa zusammen in die Stadt gehen, auch ins Landesinnere fahren, obwohl ihnen weniger danach zumute war. Sie wären vermutlich auch in einem kahlen Zimmer mit Blick auf eine Mauer wunschlos glücklich gewesen, wären sie nur zusammen gewesen und hätten sich einander widmen können.

Alexa war quirliger, und sie hielt ihren Larry auf Trab, was diesem nicht schadete. Das kleine Quecksilber, das Alexa gegen den langen Engländer war, trieb ihn zu Unternehmungen an, auf die er sonst nie verfallen wäre, und erweiterte so seinen Horizont.

Er wieder, cool und nüchtern, mit dem englischen Hang zum Understatement, bremste sie manchmal oder führte sie auf den Boden der Tatsachen zurück, was wiederum für sie gut war. Natalie und Freddy waren einander charakterlich ziemlich ähnlich. Sie hatten noch nie einen lauten Wortwechsel gehabt, während bei Alexa und Larry öfter die Funken flogen wenn ihr Temperament mit ihr durchging.

Ganz ohne Humor war Freddy allerdings nicht. Natalie hielt sich die Seiten vor Lachen, als er am folgenden Morgen in ihrem Hotelzimmer mit dem am Vorabend erworbenen Massai-Hüftrock und einer roten Langhaar-Perücke, die er irgendwo aufgetrieben hatte, mit Kurzspeer und Schild vor ihr tanzte.

Ich bin ein Massai, hai-ya-ya-yai. Den Kühen zieh ich hinterher, leb’ in der Steppe, nicht am Meer. Weil ich bin ein Massai, hai-ya-ya-yai. Und wenn ein böser Löwe kommt, stech’ ich mit dem Speer ihn, bis er brommt.“

Freddy, hör auf!“, rief die Prinzessin, die nur einen Slip am Leib hatte und in dem vollklimatisierten Zimmer im breiten Bett saß. „Ich sterbe vor Lachen. Mein Bauch tut schon weh.“

Yaiiiiiiiiiiiiii!“

Das Zimmertelefon klingelte.

Hier ist der Second Manager“, meldete sich eine Frauenstimme. Die Direktion des Hotels. „Gibt es Probleme bei Ihnen? Ist jemand verletzt?“

Nein“, keuchte Natalie.

Sie sprechen so komisch, Prinzessin. Haben Sie Schmerzen?“

Nur vom Lachen. Es ist alles Ordnung.“ Besorgte Hotelgäste hatten die Direktion verständigt, zumal Freddy die Stereoanlage laut aufgedreht hatte. „Wir werden nun leiser sein.“

Nicht, dass wir Ihnen Vorschriften machen möchten, Durchlaucht, doch verstehen Sie bitte, die anderen Hotelgäste haben ein Anrecht auf ihre Ruhe. Auch Sie möchten ja nicht gestört werden. Die Hoteldirektion dankt Ihnen für Ihr Verständnis.“

Natalie legte auf, und Freddy stellte die Anlage leiser. Dann jedoch bohrte er mit einem durchdringenden Schrei seinen Speer ins Bett. Und sprang hinein, zog Natalie an sich, die sich ihm willig hingab.

Du bist ein Kindskopf“, sagte sie hinterher zu ihm.

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (ePUB)
9783738908633
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (März)
Schlagworte
königshaus norland wiedersehen kenia

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Titel: Königshaus Norland #9: Wiedersehen in Kenia