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BRADDOCK #11:Die Spur führt nach El Cementerio

2017 130 Seiten

Leseprobe

Die Spur führt nach El Cementerio


BRADDOCK


Band 11



Ein Western von U.H. Wilken


Früherer Originaltitel: Spring oder stirb!



IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Klaus Dill (mit Steve Mayer), 2017

Früherer Originaltitel: Spring oder stirb!

Redaktion & Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de








Klappe

Während des Bürgerkriegs verschwand ein Geldtransport der Union – und mit ihm auch ein Teil der Männer, die den Transport damals begleiteten. Skrupellos töteten sie ihre Kameraden, raubten das Geld und tauchten unter. Sieben Jahre später begeben sich die beiden Special Deputys Braddock und Yumah auf die Suche nach dem Geld. Die Behörden haben alles versucht und sind dennoch bis jetzt erfolglos geblieben. Braddock und Yumah dagegen haben bereits eine erste Spur gefunden – und als sie dieser bis in die abgelegene Stadt El Cementerio folgen, entdecken sie auch die Männer, die damals den Überfall begangen haben. Jetzt wird es hart für die beiden Special Deputies – und für die Frau, die sich ihnen angeschlossen hat. Cat Webb ist die Tochter eines der Soldaten, die damals ermordet wurden. Und sie hat geschworen, die Mörder zu finden ...










Roman

Vor ihm lauert der Abgrund - hinter ihm droht ein Kugelhagel.

Der Mann am Ufer hat keine Chance. Hinter ihm taucht jemand auf.

Lautlos kommt der Mestize näher. Bloße Füße tasten über den feuchten Boden. Matt schimmert die Klinge eines indianischen Messers.

Gerade schiebt sich eine Fähre über den Rio Grande. Sie trägt eine schwarze Kutsche. Unruhig stampft das Gespann.

Der Mann am Ufer ist nicht der einzige, der die Fähre sieht.

Etwas flussabwärts verhält ein Reiter. Er trägt Leder. Das ist so schwarz wie die Nacht.

Beide Männer wissen voneinander. Beide sind auf derselben heißen Spur. Doch sie kennen sich persönlich nicht.

Keiner ahnt, dass der andere in der Nähe ist.

Jetzt taucht die Fähre in die Nebelbank hinein. Still ist es auf dem Wasser. Nebel ziehen herüber. Sie legen sich um den Mann, der am Ufer steht. Wie graue Leichentücher hüllen sie ihn ein.

Hinter ihm richtet sich der leibhaftige Tod auf. Die Hand mit dem Messer zuckt hoch.

Irgendwo rufen schaurig Eulen.

In diesem Moment geschieht es.

Gleich zweimal stößt der Mestize zu.

Schwer fällt der Mann nach vorn. Das Messer bleibt stecken. Schlaff stürzt der Körper ins Wasser. Klatschend schlagen die Wasser über ihm zusammen. Das Geräusch ist weithin hörbar. Vögel flattern aus den Baumkronen. Hart ist ihr Flügelschlag.

Angespannt horcht der Reiter flussabwärts. Das Vogelgeschrei warnt ihn. Sachte reitet er an. Das Pferd trägt ihn unter die Bäume. Hier in dunkler Deckung verhält er. Das schwarze Leder macht ihn eins mit der Nacht. Die aufgescheuchten Vögel streichen über ihn hinweg. Dann ist es wieder still.

Dicht am Wasser stehend, beobachtet der Mestize den leblosen Körper. Strudel erfassen den Toten und ziehen ihn weg.

Die Leiche des Amerikaners soll für immer verschwinden. Er hat zuviel gewusst.

Lautlos zieht sich der Mestize vom Ufer zurück. Er hat nun ein Messer weniger. Zynisch ist sein Lächeln. Bestimmt glaubt er, den verdammten Schnüffler für immer beseitigt zu haben.

Er irrt.

Schon bald wird die Strömung den Toten zurück ans Ufer drücken. Schilf und angeschwemmtes Treibholz werden den Körper festhalten.

Der Mestize wendet sich dem fernen Lichtschein zu. Dort liegt das Nest Puebla. Noch vor dem Nest steht das Haus des Pulqueria Saloons. Das ist sein Ziel.

Der Reiter ist ebenfalls unterwegs. Er nähert sich jener Stelle, wo es geschehen ist.

Er hat das Klatschen gehört. Doch an Mord denkt er nicht. Er will sich mit einem Mann treffen. Sie haben ein Kennwort vereinbart. Er hofft, den Mann in jenem Pulqueria Saloon zu treffen.

Ahnungslos reitet er an der Mordstelle vorbei.

Am Boden ist nichts von einer Spur erkennbar. Der Mestize hat alle Spuren verwischt und selber keine hinterlassen. Nur etwas Schilf ist ins Wasser gedrückt worden.

Längst ist der Mestize verschwunden.

Jetzt sieht der Reiter den trüben Lichtschein des Gasthauses. Es steht nahe am Fluss, halb im Schatten alter Laubbäume.

Der Reiter verzieht das raue Gesicht.

Kartoffeln oder Agaven.“

Niemand hört ihn das Kennwort murmeln.

Mondschein trifft seine Augen. Sie funkeln kalt wie das Nordlicht. Sekunden später fällt wieder der Schatten der Bäume auf ihn.

Er lässt sich Zeit.

Zuviel steht auf dem Spiel.

Noch immer sickert Lichtschein durch das verhangene Fenster des Pulqueria Saloons. Die letzten Gäste sind längst gegangen. Mitternacht ist bereits vorbei.

Langsam trottet das Pferd um Bäume, Sträucher und Felsen. Ein Kauz ruft. Wind raunt durch das Ufergehölz.

Im Haus vor dem Dorf weiß niemand, dass ein Reiter kommt.

Zwei junge Männer sind im Gastraum.

Die braune Haut des Mestizen ist noch feucht vom Ufernebel. Sand haftet an den Füßen. Mit schlanker Hand streicht er sich durchs Haar. Lang fällt es auf die muskulösen Schultern. Die Bewegung ist so sanft wie die einer Frau.

Der fette kleine Gringo ist tot“, sagt er. „Der schnüffelt nicht mehr.“

Der junge Mexikaner kommt hinter dem Tresen hervor. Zufrieden nickt er vor sich hin.

Was hat er nur gemeint mit Kartoffeln und Agaven, Carlos?“

No lo se.“ Der Mestize Carlos zuckt die Achseln. „Wie soll ich das wissen? Vergessen wir ihn. Er ist mausetot.“

Muy bien - ja, das finde ich sehr gut, Carlos. Du hast die Sache gut gemacht. Dein Vater wird mit dir sehr zufrieden sein und deine Schwester Juanita kann mit der Kutsche ruhig durch die Gegend schaukeln. Das macht ihr Spaß, wie?“

Ja - aber mir nicht!" Carlos hat seine Mordtat wohl schon vergessen. Die Sache ist für ihn aus und vorbei. Doch seine Schwester, die Mestizin Juanita, macht ihn zornig, auch wenn sie schon weit weg ist. „Sie hält sich für was Besseres. Sie bekommt alles geschenkt. Dafür verschenkt sie sich selber! Nein, Amigo Jose - sie wirft sich weg!“

Reg’ dich nicht auf, Carlos.“ Der junge Mexikaner lächelt sanft. „Wir sind nicht allein im Haus...“

Der Mestize vergisst plötzlich seinen Zorn. Grinsend sieht er sich im Raum um. „Wo ist Dolores?“

Da, wo sie nachts immer ist, Carlos - auf ihrem Zimmer hinten."

Carlos leckt sich die Lippen. Leidenschaft macht den Blick unruhig.

Sag ihr, dass ich am Fluss bin, Jose. Ich warte an der alten Stelle. Sie soll nachkommen.“

Jose, der Mexikaner, ist religiös, was Liebe und Ehe betrifft. Mord und Totschlag schließt er von seinem Glauben aus. Darum sagt er jetzt besänftigend leise: „Tu's nicht heut’ Nacht, Carlos. Ja, ich weiß, dass du sie haben willst - aber lass ihr Zeit.“

Carlos runzelt die Stirn.

Warum? Sie ist schön, wild, heiß. Sie hat zu gehorchen. Sonst fressen sie die Fische.“

Dios mio! Beruhige dich, Carlos. Dolores arbeitet bei mir, sie ist meine Criada. Was kann ich von einer Magd an Arbeit erwarten, wenn sie einen dicken Bauch hat, Amigo mio?“

Da winkt der Mestize lässig ab und geht lautlos an die Tür.

Ich bin am Fluss. Ich warte auf sie. Bis morgen früh. Dann verschwinde ich.“

Bueno, ich sag’s ihr. Wohin willst du morgen? Juanita holst du nicht mehr ein. Deine Schwester fährt bestimmt durch ganz Mexiko! Sie hat ja Zeit. Irgendwann wird sie vielleicht nach Felipe fahren - wer weiß?“

Ich geh zu unserem Vater.“

Nach diesen Worten gleitet der Mestize Carlos aus dem Haus und verschwindet. Seine Gestalt wird zum Schatten. Wie ein Schemen löst er sich auf. Lautlos schlupft er ins Unterholz.

Jose ist allein im Gastraum. Gedankenversunken starrt er ins Licht. Er selber will seine Magd haben. Er hat eine ganze Menge dagegen, dass Carlos sie sich nimmt. Also wird er auf Dolores aufpassen. Er traut diesem blutjungen Luder nicht so ganz. Darum sucht er Dolores auch gar nicht auf. Er verschweigt ihr, dass Carlos sie lieben will.

Porqueria!“, faucht er und flucht. „Schweinerei!“

Er reißt sich zusammen, bezwingt die Wut. Verdrießlich macht er sich an den Rest der Arbeit, schiebt die Hocker an die Tische, wischt feucht ab. Mit leeren Krügen kehrt er hinter die Theke zurück.

Draußen kommt ein Mann näher.

Jose hört es nicht.


*


Knarrend schwingt die Tür auf.

Die Flammen über den Dochten von Petroleumlampe und Talglichtern flackern. Feuchtwarm schlägt die Nachtluft herein.

Ein großer Fremder steht in der Tür. Schwarzes Leder glänzt bläulich. Matt schimmert das Gewehr in der Rechten. Der Lauf zeigt zu Boden.

Jose rührt sich nicht.

Im Haus ist es totenstill.

In den Augen des Fremden bricht sich der Lichtschein. Kein Muskelstrang zuckt im Gesicht. Falten um den Mund verraten, dass er gern lächelt. Jetzt ist ihm nicht danach.

Draußen steigen die Flussnebel über den sanften Uferrücken. Dunkel heben sich die massigen alten Bäume vor dem Sternenhimmel ab. Wasser schlägt schmatzend an den Steg. Dort ist der Liegeplatz für die Dampffähre. Ein kleines Boot schlingert im Uferschilf.

Jose denkt in diesen Sekunden an den Mestizen. Carlos steckt im Dickicht. Er hat lautlose Waffen. Das sind Messer, deren Klingen von Indianerhand geschmiedet sind. Carlos muss diesen großen Gringo im Lichtschein des Pulqueria Saloons sehen ...

Der Fremde macht einen Schritt herein. Die Tür fällt ins Schloss. Unheimlich schnell fährt der Blick des Fremden über alles im Gastraum hinweg. Dann kommt er langsam näher.

Vielleicht ist es reiner Zufall, dass er dem hellen Licht der Petroleumlampe ausweicht. So fällt sein Schatten nicht auf das verhangene Fenster. Seine Bewegung ist von draußen nicht erkennbar.

Vor dem steinernen Tresen bleibt er stehen. Schweigend legt er sein Gewehr ab. Wieder blickt er auf die leeren Tische und Hocker.

Jose atmet hörbar schwer. Irgendwie ist der Gringo ihm unheimlich. Und deshalb zuckt er auch heftig zusammen, als der Gringo jäh sagt: „Bin ich allein hier? Sieht so aus, wie?“

Ja, Senor“, flüstert der Mexikaner, „ganz allein.“

Der Fremde lächelt auf einmal. „Schnaps macht man auch aus Kartoffeln, oder?“

Der Mexikaner weiß nichts von einem Kennwort. Sonst würde er mit „Ja - und aus Agaven" antworten. Er schweigt also, blickt verstört und hebt ratlos die Schultern an.

Hast du keinen Kartoffelschnaps, mein Freund?“

Nein, Senor.“

Zu dumm!“ Der Amerikaner lächelt weiterhin. Dabei ist ihm gar nicht mehr danach zumute. Der Mexikaner weiß nichts oder will nichts wissen. „Yeah, wirklich dumm. Kartoffelschnaps ist gut. Was kann besser schmecken, Amigo - weißt du das? Nein? Verlangt denn niemand Kartoffelschnaps bei dir?“

Nein, Senor - nein.“ Jose hütet sich, auch nur ein einziges Wort über den kleinen dicken Mann zu sagen, den Carlos getötet hat. „Warum Kartoffelschnaps?“

Weil man davon lange Ohren kriegt, mein Junge.“

Ich hab’ nur Mescal, Pulque, etwas Whisky.“

Alles minderwertig, Amigo. Zeckenblut. Trinkt ihr das ruhig. Bei uns säuft das kein Aas. Du hast wohl lange nicht mehr einen Americano zu Gast gehabt, wie?“

Nein, Senor.“

Jose verneint so schnell, dass es auffällt. Der Fremde merkt, dass er lügt. Der Mann, mit dem er sich hier treffen wollte, muss hiergewesen sein. Irgendwas ist passiert. Gutes kann es nicht sein.

Bueno, dann gib mir einen Whisky.“ Der Fremde nimmt das abgestoßene Glas in die Linke und zahlt gleich. Dann zieht er das Gewehr vom Tresen und geht an die Tür zurück. Scheinbar unbeholfen öffnet er sie und blickt hinaus in die Mondnacht. Anheimelnd gelb schimmern noch ein paar Lichter vom Dorf herüber. Der Nebel trübt den Schein.

Schön friedlich hier“, murmelt der große Fremde. „Ein stilles Örtchen. Da fällt mir ein: ich muss mal...“

Mit einem einzigen großen Schritt ist er draußen. Stählerne Sporen klirren an den staubigen alten Stiefeln. Auf langen Beinen stakst er weg.

Der Mexikaner starrt ins Leere. Dunkel wölben sich die Bäume. Vom schwachen Wind bewegt, knarrt die Tür.

Das Sporengerassel verliert sich unter den Bäumen.

Erst jetzt wird Jose munter. Er langt unter die Theke und packt den Colt. Schon läuft er hinter der Theke hervor und eilt auf einen Türvorhang zu.

Dolores!“, ruft er leise. „Komm her! Presto! Beeil dich, Muchacha!“

Was ist?“, tönt es hinter dem Vorhang aus Glasperlen - dann klirrt es leise. Eine blutjunge Mexikanerin erscheint. Mit katzenhaft gleitenden Bewegungen kommt sie in den Gastraum. „Warum schreist du, Patron?“

Dieses Mädchen ist Dolores - Magd und Luder in diesem Haus. Ein begehrenswertes Luder allerdings. Die Armut steht ihr gut. Barfuß auf Sandalen steht sie vor dem Mexikaner Jose. Schwarzes langes Haar schimmert im Lichtschein wie Ebenholz. Hell leuchtet die einst weiße Bluse. Die ist bis zum Bauchnabel geöffnet. Rot wie Feuer ist der weite Rock. Ein seidiger Glanz liegt auf der sonnengebräunten Haut der schlanken Beine.

Dolores läuft immer mit offener Bluse herum. Sie meint, Luft sei gut für den Busen. Der Anblick kann einen Mann schwach werden lassen, womöglich erblinden.

Jose hat sich an den Anblick bereits gewöhnt. Ihm tränen noch nicht einmal die Augen.

Du erkältest dir den Bauch, Dolores!“, sagt er etwas scharf. „Carlos ist hier - draußen am Fluss! Willst du ihm den Rest von Verstand nehmen? Los, zieh dich an!“

Dolores kichert, knöpft die zerschlissene Bluse zu und blickt umher.

Ist der Gringo weg?“

Nicht ganz. Er ist draußen. Ich glaub’, er ist zu seinem Pferd gegangen.“

Hast du mich deshalb gerufen, Patron?“

Si!“ Er nickt wild und grimmig. „Kümmer dich um ihn, Amiga mia! Tu, was du willst, mach mit ihm, was Spaß macht - aber lenke ihn ab!“

Sie schürzt die vollen weichen Lippen und nickt. Dann blickt sie auf den Colt in seiner Hand.

Du willst ihn umlegen, Patron?“

Blöde Frage! Natürlich! Er ist ein Schnüffler! Schon der zweite Gringo, der herumschnüffelt. Vielleicht ist noch jemand da. Das müssen wir herausbekommen.“

Beide horchen nach draußen.

Ich hör' nichts“, flüstert Dolores. Zweifelnd blickt sie den jungen Besitzer des Pulqueria Saloons an. „Woher willst du wissen, dass er ein Schnüffler ist, Patron?“

Weil er was von Kartoffeln gefaselt hat! Das hat dieses dicke fette Gringoschwein auch getan! Carlos hat ihn abgestochen - ritschratsch!“ Jose macht mit der Handkante eine schnelle Bewegung an der Gurgel entlang und schlägt die Faust gegen die Brust. „Das Schwein treibt flussabwärts. Der dicke Gringo hat die Kutsche von Juanita beobachtet. Du weißt, dass das für jeden Gringo tödlich ist.“

Si, ich weiß es.“ Dolores bleibt gelassen und natürlich. Sie dreht nicht durch. Dabei weiß sie, was auf sie zukommen kann. „Du gehst zu Carlos, Patron?“

Sag doch nicht immer Herr zu mir, verdammt! Ich bin Jose - claro?“ Jose hat noch nie was von Arbeitsfrieden gehört. Dennoch will er Dolores näherkommen. Am liebsten würde er sie vergewaltigen. Aber dann wird er mit Sicherheit mächtig viel Ärger mit Carlos bekommen. Carlos will schließlich der erste sein.

Ja“, haucht Dolores artig, „ja - Jose.“

Gut“, strahlt er, „gut.“ Wieder lauscht er. „Ich werde den Gringo abschießen!“

Warum tust du es nicht mit Carlos zusammen? Gemeinsam schafft ihr den Gringo allemal.“

Maldito sea!“ Wild fuchtelt Jose mit dem Colt. „Verflucht nochmal! Glaubst du, ich bin ein Dummkopf? Carlos hat den Fremden bestimmt schon gesehen. Aber dieser Americano ist gefährlich! Er hat einen kalten Blick! Der ist gefährlicher als ’ne Klapperschlange! Dagegen hilft nur dein süßes Gift, Muchacha! Geh raus, tu so, als wenn du vom Fluss ’rüberkommst.“

Dolores lächelt weich, als sei alles halb so schlimm.

Schießt nicht auf mich, wenn ich bei ihm bin, Jose. Dann müsst ihr eben warten."

Er starrt sie wie ein Tier an, knurrt dumpf und eilt dann nach hinten. Lautlos verlässt er das Haus durch die Hintertür. Im Nebel der Nacht ist er nicht zu sehen. Geduckt schleicht er nach den Bäumen hinüber. Plötzlich stößt er gegen einen kleinen Gegenstand am Boden.

Das ist das Glas, das der Gringo mitgenommen hat.

Unter den tropfnassen Bäumen entdeckt Jose das Sattelpferd des großen Fremden. Das Tier steht still. Nur wenig Mondlicht dringt durch das Laubdach der alten Bäume

Der Gringo ist nicht da.

Jose sucht weiter. Im Dickicht verharrt er und gibt einen Kauzlaut von sich. Jäh taucht vor ihm Carlos auf. Sie flüstern miteinander. Dann trennen sie sich.

Sie wollen töten.

Der Gringo soll nicht weiterhin her umschnüffeln können. Jose ist auf dieser Seite des Rio Grande der verantwortliche Mann. Er muss alles kontrollieren und bewachen. Schließlich gibt es weit und breit keinen weiteren Anlegesteg für die Dampffähre. Der Strom ist breit. Wer auf die andere Seite will, nimmt die Fähre.

Hier ist Jose also ein Grenzposten.

So hat es Cuchillo befohlen.

Wer sich gegen Cuchillo auflehnt, bekommt ein indianisches Messer zwischen die Rippen.

Das wissen alle. Das weiß auch Dolores. Sie will den Gastraum verlassen und ebenfalls nach dem großen Fremden suchen.

Da klingelt hinter ihr der Vorhang aus Glasperlen.

Sie zuckt zusammen und wirft sich herum.

Die Perlen glitzern im Licht. Zwischen all diesen Perlen ragt ein sonnengebräuntes Gesicht hervor. Dieses Gesicht gehört einem Mann. Und dieser Mann steht hinter dem Vorhang.

Der Gringo!“, haucht Dolores.

Der Fremde lächelt und zwinkert das Mädchen an.

Komm her, Muchacha“, raunt er. „Nun komm schon, mein Hühnchen. Ich will dich rupfen.“

Er sagt das so nett, dass Dolores gar keine Angst mehr hat. Sie ist von diesem rauen Gesicht sogar fasziniert. Das Wetter hat dieses Gesicht gescheuert und geschunden. Schön ist dieses Gesicht bestimmt nicht - doch es ist auf seine Art einmalig. Der Glanz der Augen verrät Entschlossenheit und Härte, aber tief in diesen Augen ist auch Wärme und Güte. Die Augen zwinkern noch einmal.

Beeil dich, mein Hühnchen. Wir beide sind allein im Haus. Lassen wir Jose und Carlos nach mir suchen ...“

Dolores ist ganz hingerissen von diesem Mann. Sie begreift noch nicht, dass sie in seinen Bann geraten ist. Sie vergisst Jose, Carlos und alles andere. Sogar Cuchillo und die schöne Mestizin Juanita, die mit der schwarzen Kutsche durch die Gegend gondelt.

Ihr kann nicht viel zustoßen. Carlos und Jose sind schließlich in der Nähe. Sie braucht nur zu schreien - und der Gringo hat einmal gelebt.

Nur eine Tatsache vergisst Dolores nicht: dass sie nämlich ein sehr schönes Mädchen ist, blutjung und reizvoll. Sie braucht keine anderen Waffen, um einen Mann auszuschalten.

Oh“, tut sie überrascht, „so spät noch ein Gast? Wie sind Sie denn ’reingekommen, Senor?"

Durch dein offenes Fenster, Muchacha. Ich wollte dich überraschen. Die Hombres draußen brauchen nicht zu wissen, dass wir beide zusammenkommen. Du hast ein schönes kleines Zimmer, Dolores, und ein herrlich weiches Lager.“

O ja, das hab' ich!“ Dolores strahlt. „Es ist nur zu groß für mich allein."

Das können wir ändern, Amiga.“ Der große Fremde zieht den Perlenvorhang zur Seite. „Komm.“

Dolores zögert. Sie findet es angebracht, einmal sittsam zu tun.

Senor, wenn Sie mir was tun, dann baden Sie im eigenen Blut.“

Er grinst breit.

Ich bin schon frisch gewaschen, Muchacha. Darf ich bitten?“

Da folgt sie ihm auf ihr Zimmer. Er tritt ans Fenster heran und blickt hinaus. Dann schließt er es, zieht aber nicht den alten Vorhang zusammen. Mondschein erhellt den kleinen Raum ausreichend.

Dolores steht am Lager.

Sie rührt sich auch nicht, als er zu ihr kommt.

Als sie die Hände an den Schultern spürt, durchläuft ein wohliges Zittern ihren Körper.

Dieser Fremde ist wie ein zweibeiniges Raubtier, das gezähmt ist, aber noch Fangzähne und Krallen hat. Der Hauch der Wildnis umgibt den Gringo. Seufzend lässt sie sich zurückgleiten. Auf dem Rücken liegend, breitet sie die Arme aus. Die Bluse klafft von allein auseinander.

Er setzt sich auf die Kante des Lagers und betrachtet anscheinend nur die Bluse.

Die Knopflöcher sind ausgeleiert, Muchacha.“

Nur die Knopflöcher, Senor“, versichert Dolores seufzend, „sonst ist alles in Ordnung.“ Wohlig räkelt sie sich auf dem Lotterbett. „Was kann ich dafür, Senor? Wenn alle Hombres daran herumfummeln?“

Du solltest den alten Zwirn wegschmeißen, Liebling.“

Tu du es für mich.“

Na, schön.“ Er zupft an den Zipfeln der Bluse und streift sie sanft vom Leib. Achtlos wirft er sie beiseite. Wohlwollend betrachtet er ihren Busen. „Dios mio! Alles, was recht ist. Da fühlt sich jeder Säugling pudelwohl.“

Säugling?“ Dolores kichert. „Das bist du doch auch einmal gewesen, Senor! Kannst du dich nicht mehr erinnern?“

Nur schlecht. Ich brauch’ was zum Auffrischen.“

Dann frisch’ doch deine Erinnerung auf!“, schlägt sie vor und tut auf naiv.

Aber wie denn?“, gibt er sich ratlos.

So!“ Sie zieht ihn zu sich herunter so tief, dass sein Gesicht den Busen berührt. „Nun?“

Liebling, so schnell geht das nicht. Wenn ich mich erinnern will, muss ich in mich gehen.“

Dann geh doch in dich, verdammt!“, sagt sie und reißt ihn über sich. „Und nicht nur in dich, wenn’s recht ist. Dios mio, stell dich doch nicht so an, Senor! Adelante!“

Attacke“, ächzt er, rollt sich zur Seite und kniet dann. „Nichts ist schöner als das, Liebling.“

Dann liebe mich, Gringo“, haucht sie und schließt die Augen. „Nimm mich, wenn du möchtest. Ich bin ein ganz armes Mädchen.“

Ich möchte." Nur mit dem Colt in der Hand kriecht er zu ihr unter die dünne Decke.

Nicht so wild“, schwärmt sie.

Das ist mein Ballermann, Liebling“, klärt er sie auf, „mein Colt. Du hast zuviel Fantasie."

Davon kann man nicht genug haben“, sagt sie und lacht glucksend auf. „Hauptsache, dir geht die Munition nicht aus.“

Sie ist ganz schön frech. Aber sie ist so wunderbar wild und heiß. Mit ihr zusammenzusein ist jedenfalls zehnmal besser, als eine einzige Meile auf einem Gaul zu reiten. Sie ist besser als der beste Sattel.


*


Draußen lauern Carlos und Jose. Carlos kauert in der Nähe des Anlegestegs. Schatten und Nebel hüllen ihn ein. Er ist kaum wahrzunehmen. Griffbereit steckt das Messer im lockeren Boden. Mühelos kann er es blitzschnell hervorziehen.

Dieser Carlos ist hundsgefährlich! Er ist der Sohn eines Indianers und einer Mexikanerin. Seine Schwester Juanita ist auf ihre Art gefährlich.

Der junge Mexikaner Jose schleicht unter den Bäumen entlang. Immer wieder kehrt er in die Nähe des Sattelpferdes zurück. Der Gringo aber kommt nicht. Oft blickt Jose auf das verhangene Fenster des Pulqueria-Saloons. Dort brennt noch immer Licht. Vielleicht hat Dolores das Haus durch die Hintertür verlassen. Noch wird Jose nicht misstrauisch. Seine junge schöne Criada wird vorsichtig sein. Im Nebel sehen alle gleich aus. Der Fremde kann sie vielleicht für einen Mexikaner halten. Dann legt er Dolores womöglich um ...

Jetzt richtet sich der Mestize auf und zieht das Messer aus dem Erdreich. Seine Waffen sind lautlos. Damit kann er teuflisch gut umgehen. Er braucht eigentlich gar keine Feuerwaffe. Mit dem Messer trifft er alles blitzschnell und traumhaft sicher.

Geduckt schleicht er am Steg entlang.

Er merkt nicht, dass er beobachtet wird.

Irgendwo unter den Bäumen knackt ein Zweig. Jose unterdrückt den Fluch. Er hat das Geräusch verursacht. Jetzt muss er reglos verharren und abwarten. Vielleicht ist der Gringo ganz nahe. Jose will nicht von Blei durchsiebt werden. Er braucht kein Hellseher zu sein, um zu wissen, dass der Gringo ein eiskalter guter Schutze ist.

Mehr als einmal fragt sich Jose, wer dieser Fremde ist. Auch er hat von Kartoffelschnaps gesprochen. Es muss eine Verbindung zwischen ihm und dem dicken kleinen Gringo geben. Jose kann sich nicht vorstellen, dass beide Freunde gewesen sind. Wer kann schon mit so einem fetten Gringoschwein befreundet sein!

Als unter den Bäumen alles still bleibt, schleicht Jose weiter und trifft dann mit dem Mestizen zusammen. Sie flüstern miteinander. Carlos ist wütend.

Du hast die Muchacha auf den Gringo losgelassen? Und wenn er sie nun kaltmacht?"

Pah! Du kennst Dolores doch! Sie ist voll von süßem Gift. Sie kann ein Engel sein, wenn sie will. Dabei bringt sie den Feind lächelnd um.“

Carlos ist nicht beruhigt, doch er geht nicht zum Haus zurück. Wortlos verschwindet er wieder im Unterholz.

Jose wartet im Baumschatten. Mondschein erhellt die Schneise. Drüben im Dorf sind alle Lichter gelöscht worden. Alles schläft. Die Grenzschmuggler werden erst im Morgengrauen zurückkommen. Wenn der erste Hahn kräht, wird die Fähre leer am Steg anlegen.

Seitdem Juanita die Geliebte eines reichen Haziendero ist, verpulvert sie das Geld, protzt und prahlt und ist maßlos geworden. Jose ist vom Neid gepackt, obwohl sein Pulqueria Saloon auch so einiges abwirft. Er kann sich sogar glücklich schätzen, für jene Männer zu arbeiten, die vor Jahren hier auftauchten und dann nach drüben gingen.

Er darf nur nichts über sie sagen. Ein einziges Wort und man wird ihn töten.

Jose ist gewissermassen der Vorposten auf texanischem Boden. Er kontrolliert alles und jeden, der nach drüben will. So haben es die reichen Männer drüben befohlen.

Jetzt ist ein Fremder hier.

Bestimmt will auch dieser Gringo nach drüben.

Also ist er umzulegen. Er wird der zweite Tote in dieser Nacht sein.

Dolores kommt noch immer nicht.

Jetzt flucht auch Jose.

Er sieht aber, dass es in ihrem kleinen Zimmer dunkel ist. Sie kann nicht mehr auf dem Zimmer sein. Aber wo ist sie dann?


*


Sie seufzt und darf sich als Frau fühlen. Sie wird geliebt und spürt zum ersten Mal, wozu eine Frau gut ist. Und das ist ganz einfach schön. So fühlt sie sich schrecklich alleingelassen, als der Gringo das Lager verlassen hat. Er steht neben dem Fenster und blickt hinaus.

Warum kommt dein Patron nicht, Liebling?“, raunt er. „Er will mich doch kaltmachen.“

Frag’ nicht. Ich mach’ dich nicht kalt. Tequiero - ich liebe dich! Bei mir bist du sicher. Hier vermuten sie dich nicht.“

Sie? Ist Jose nicht allein?"

Carlos ist bei ihm. Carlos ist schrecklich gefährlich! Der bringt dich mit seinen Messern um. Ritschratsch, hat Jose gesagt und du bist erledigt. So wie der dicke fette ...“

Sie verstummt. Mehr will sie nicht sagen. Aber sie braucht auch nicht weiterzusprechen. Sie hat schon genug verraten. Der große Fremde kann schnell denken.

Arglos lächelnd kommt er zurück und steigt in die Hose.

Die beiden werden sich draußen einen Schnupfen holen, wenn ich sie zu lange warten lasse. Das kann ich ihnen nicht antun, Liebling.“

Du willst hinaus?“

Sie fragt es fast entsetzt.

Ja. Ich will nicht, dass sie sich auch noch erkälten, Muchacha. Immer menschlich bleiben, verstehst du?“ Lächelnd legt er den schweren Waffengurt an. „Keine Sorge, meine kleine Freundin - ich komm ja zurück.“

Nein“, widerspricht sie, „niemals! Sie töten dich! Du sollst nicht herumschnüffeln wie der andere Gringo. Der ist schon tot. Aber ich will dich lebend. Nicht als Leiche im Bett!“

Forschend betrachtet er die junge Mexikanerin. Seine Liebe hat wahre Wunder vollbracht. Dolores liebt ihn ja wirklich!

Das ist ja entsetzlich!“, brummt er undeutlich. „Wo gibt’s denn so was?“

Mach keine Witze, du!", flüstert Dolores böse. Sie muss was mitbekommen haben. Sie bangt um ihn.

Nein, nein“, beteuert er. „Ich find’ das alles aufregend. Yeah, wirklich, das regt mich auf. Ich kann dich nicht in Ruhe lieben, wenn dein Patron Jose draußen herumsteht und dieser Carlos durch die Nebel schleicht. Das geht mir auf die Nerven.“

Was willst du denn tun?"

Ich muss an meine Nerven denken. Muss die beruhigen - wahrscheinlich. Wenn du mich liebst, Dolores, dann betest du für mich.“

Sie sitzt aufrecht im Lotterbett. Die Decke hat sie über die Knie und bis ans Kinn gezogen. Sie beobachtet, wie er nach dem Gewehr greift und durch den Raum geht.

Du bist verrückt! Ich will nicht, dass sie dich totmachen!“

Das will ich ja auch nicht, Baby“, knurrt er gelassen. „Zieh dir die Decke über den Kopf - es wird gleich ein bisschen laut draußen.“

Sie will aus dem Bett und zu ihm - aber da ist er schon aus dem Raum verschwunden.

So ein verdammter Idiot!“, grollt sie. „Hol ihn der Teufel!"

Er hört ihre Worte noch. Grinsend reibt er sich das Kinn. Im Raum poltert es dumpf. Die Muchacha Dolores ist vom Bett gesprungen. Jetzt wirft sie sich in ihre ärmlichen Kleidungsstücke.

Dabei überlegt sie fieberhaft. Nicht nur ein Teufel wird ihren geliebten und verhassten Gringo holen. Gleich zwei Teufel liegen auf der Lauer!

Sie reißt die Tür auf und stürzt hinaus, prallt gegen den Gringo und schreit unterdrückt auf.

Caramba! Was stehst du hier herum? Komm zurück ins Bett! Begreifst du es denn nicht? Oder willst du nicht begreifen? Jose und Carlos werden dich töten!“

Er grinst, aber das kann sie nicht erkennen; auf dem schmalen Gang ist es dunkel.

Nein, nein", beruhigt er sie. „Ich hab’ dasselbe mit ihnen vor. Ich werd' sie über den eigenen Haufen schießen. Dann bist du frei, Liebling. Vielleicht findest du im Haus ’ne kleine Kiste, wo Jose sein Geld versteckt hält? Dann bist du auch noch reich. Ist das etwa nichts?“

O verdammt! Hör auf mit diesem Blödsinn!“ Dolores ereifert sich. Dabei packt sie seinen Arm und rüttelt daran. „Was nützt mir Freiheit und Geld, wenn du tot bist? Du liegst irgendwo wie ein Hund verscharrt, und ich laufe mit ’nem dicken Bauch 'rum und heul' den Mond an! No, no, Amigo mio - du bleibst! Ich...“

Sie kann nicht weitersprechen. Er hat die Hand auf ihren Mund gepresst. Beide horchen. Draußen dicht am Haus ist jemand. Langsam nimmt er die Hand weg.

Still!“, raunt er. „Da schiebt sich einer am Haus entlang!“

Komm!“, drängt sie. „Hier ist es kalt. Im Bett ist es schön mollig.“

Geh schon voraus.“ Er drückt sie herum und schiebt sie in den Raum hinein. „Bleib’ hier, Muchacha, verstanden?“

Da lässt sie die Hände sinken. Sie gibt auf. Schwach nickt sie. Die Tür schließt sich. Sie ist allein.

Wenn Jose erfährt, dass sie mit dem Gringo was hat, schlägt er sie tot. Sie weiß das. Dennoch geht sie das Risiko ein. Denn sie will nach Mexiko zurück, in das Land ihrer Vorfahren, die sie nicht kennt. Die Sehnsucht brennt wie Feuer in ihrem Herzen. Das weiß der Patron Jose nicht. Er würde ihr nicht mehr trauen.

Der Gringo wird sie bestimmt mitnehmen. Ist sie erst einmal drüben, dann findet sie den Weg auch von allein.


*


Im Haus ist es totenstill. Der große Fremde bewegt sich lautlos an die Hintertür heran. Die Tür ist angelehnt. Er braucht nur sanft dagegen zu drücken. Unendlich langsam gleitet sie zu einem Spalt auf. Er blickt hinaus. Viel ist nicht zu erkennen. Der Nebel ist noch dicker geworden. Die Bäume stehen wie eine dunkle Wand vor dem Himmel. Über dem Dorf funkeln Sterne. Dort schlägt kurz ein Hund an.

Behutsam schiebt sich der Fremde ins Freie.

Da hört er eine leise Stimme. Sie dringt unter den Bäumen hervor.

Dolores? Bist du es, Muchacha?“

Das ist Jose. Er kann den Fremden wirklich nicht erkennen. Er sieht nur, dass sich was an der Tür hinterm Haus bewegt.

Und jetzt bekommt er die Antwort. „Si, Patron“, quiekt es, „ja.“

Komm endlich!“, zischt Jose wütend. „Der Gringo ist irgendwo! Lock ihn in die Falle!“

Sie, Patron, si.“

Blöde Gans!“, faucht Jose. „Was heißt hier Jaja? Tu was!"

Er ist im Haus, Patron“, antwortet es undeutlich und unnatürlich hell. „Komm schnell!“

Jose ist bestimmt kein Narr, doch er fällt darauf herein. Tatsächlich hält er die Stimme für die seiner jungen Magd. Und er kommt aus dem Dunkel hervor und nähert sich tief geduckt dem Haus.

Da tritt ihm der Gringo entgegen. Die Stimme klingt überhaupt nicht mehr piepsig. Sie ist rau und dunkel.

Details

Seiten
130
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738908176
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (Februar)
Schlagworte
braddock spur cementerio

Autor

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Titel: BRADDOCK #11:Die Spur führt nach El Cementerio