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Sheng #9: Rivalen bis zum bitteren Ende

2017 120 Seiten

Leseprobe

Rivalen bis zum bitteren Ende


SHENG – Der Kung Fu-Kämpfer


Band 9


Ein Western von Uwe Erichsen




IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Edward Martin/ Schottland, 2017

Früherer Originaltitel: Shingo auf der Todesranch

Redaktion & Korrektorat: Alfred Wallon

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de



Klappe

Als der Kung Fu-Kämpfer Sheng den Hilferuf seines alten Freundes Sun Lai erhält, ist es bereits zu spät. Der Chinese wurde das Opfer eines heimtückischen Überfalls, der der Baker-Ranch und seinen Bewohnern galt. Sun Lai kam dabei ums Leben. Als Sheng die Ranch erreicht, findet er nur noch rauchende Trümmer und die Leiche seines Freundes. Die Geschwister Miriam und Jim Baker, denen die Ranch gehört, konnten zum Glück noch entkommen. Aber ihr Leben ist nach wie vor in Gefahr, denn dies ist erst der blutige Auftakt eines erbitterten Kampfes um die Vorherrschaft in dieser Region – und Sheng steht schon bald zwischen zwei Fronten.







Roman


Sun! Sun Lai!“

Die Stimme des Mädchens gellte über den Ranchhof, übertönte das Prasseln der Flammen und das Krachen einstürzender Balken.

Wie versteinert verharrte die junge Frau, sah die Gestalt, die im wabernden Rauch die Arme hochwarf und lautlos zusammenbrach. Eine Sekunde lang versank das Chaos, schien sich die Stille des Todes wie ein Mantel über die schreckliche Szene zu legen, und erst eine andere, vor Erregung heisere Stimme brachte das Mädchen wieder zu sich.

Miriam! Dein Bruder ist verletzt! Wir müssen hier weg, sonst sind wir verloren!“

Miriam Baker riss es herum. Ihre grünen Augen flackerten auf, als sie den grauhaarigen alten Mann erkannte, der einen Bewusstlosen unter den Achseln gepackt hielt und hinter sich herschleifte. Schüsse peitschten, wirbelten eine Kette kleiner Staubfontänen hoch. Mit einem Schrei schwenkte das Mädchen den Lauf der Winchester nach oben ...

Sie drückte ab, repetierte und schoss von neuem auf die grellen Mündungsblitze, um dem Cowboy und ihrem verletzten Bruder Feuerschutz zu geben.

Rauch und Flammenschein nahmen die beiden Gestalten auf. Das rothaarige Mädchen grub die Zähne in die Unterlippe, bis sie Blut schmeckte. Alles in ihr drängte danach, zur Remise hinüberzulaufen und sich über den Jungen zu werfen, auf dessen Brust sie dunkle Blutflecken erkennen konnte. Aber sie zwang sich, die Nerven zu behalten. Wenn sie die Angreifer nicht auf Distanz hielt, waren sie alle verloren. Ihr Blick streifte den toten chinesischen Koch, glitt weiter. Mit zwei langen Sprüngen erreichte sie den Ziehbrunnen und ging in Deckung.

Das Haupthaus brannte, in den Corrals stampften die Pferde in panischem Entsetzen den Boden. Dahinter erschwerten nur wenige Rauchschwaden die Sicht auf den Hang, wo sich die Mörder hinter Felsen und niedrigem Buschwerk verschanzt hatten. Miriam sah huschende Bewegung, sah für Sekunden eine schattenhafte Gestalt und feuerte. Grell gellte ein Schrei herüber. Die Augen des Mädchens folgten dem zuckenden Bündel, das den Hang hinunterrollte, und ihre Finger zitterten nicht, als sie repetierte, von neuem anlegte und ein Ziel suchte.

Der alte Cowboy hatte den Verwundeten auf die Ladefläche eines Einspänners gehoben. Jetzt schwang er sich auf den Bock und ließ die Zügel klatschen.

Miriam!", schrie er heiser - doch das Mädchen hatte ihn bereits gesehen. Sprungbereit kauerte sie in ihrer Deckung. Noch einmal schoss sie, jagte heißes Blei zwischen die Büsche am Hang, und als der Wagen dicht an dem Brunnen vorbeikam, schnellte sie wie eine Katze vorwärts, und sprang auf den Bock.

Noch in der Bewegung riss sie die Winchester hoch und feuerte auf einen der Kerle, der mit angeschlagenem Gewehr aus seiner Deckung sprang. Die Kugel stieß ihn zurück. Miriam repetierte, im nächsten Moment nahm ihr die brennende Ruine des Haupthauses die Sicht. Sie klammerte sich fest, starrte auf ihren Bruder hinunter, der auf der harten Ladefläche des Wagens hin und her geworfen wurde. Jim war bewusstlos, wächserne Blässe überzog sein Gesicht. Zwei Kugeln hatte er abbekommen. Die Einschüsse saßen auf der rechten Brustseite, und beim Anblick des Blutes krampfte sich Miriams Herz zusammen.

Er braucht einen Arzt“, flüsterte sie. „Wir müssen in die Stadt! O Chap, Chap, wenn wir es nicht schaffen ...“

Wir schaffen es!“ Chap Conways Stimme knarrte, sein zerfurchtes Gesicht unter dem struppigen grauen Haar war rußgeschwärzt. Dreißig Jahre seines Lebens hatte er als Vormann für die Bakers gearbeitet. Er war mit dem alten Jeffris Baker ins Land gekommen. Er hatte die Ranch mit ihm aufgebaut und war sein Trauzeuge gewesen, als er Mary O’Kelly, das wilde rote Mädchen von der grünen Insel Irland als seine Frau heimführte. An Marys Sterbebett hatte Old Chap gestanden, den alten Jeffris Baker hatte er begraben und jetzt die Ranch in Flammen aufgehen sehen. Nur Miriam und Jim waren noch übrig. Chap Conway dachte an die Verfolger, an diese gnadenlosen Bestien, die auch vor einem Verwundeten und einer Frau nicht Halt machen würden, und der ohnmächtige Hass schien sein Gesicht förmlich zu zerreißen.

Sie haben Sun Lai umgebracht“, sagte Miriam erstickt. „Wie einen tollen Hund haben sie ihn zusammengeschossen! Diese gemeinen Feiglinge! Nicht einmal ihre Gesichter zeigen sie uns, nicht einmal...“

Sie stockte.

Der Wagen hatte das offene Land erreicht, jagte rumpelnd und schlingernd über den unebenen Boden. Schwarz stand ein Rauchpilz über den Trümmern der Ranch - und daneben, jenseits des Hügels, war jetzt deutlich eine Wolke von hellem, wirbelndem Staub zu erkennen.

Die Mörder nahmen die Verfolgung auf.

Sie würden kommen. Würden den Wagen einholen und die Flüchtenden stellen. Und dann würden sie ...

Miriam Baker erzitterte.

Ihre Handflächen an der Schäftung der Winchester waren nass von Schweiß, und ein eiskalter Ring der Furcht schien sich um ihr hämmerndes Herz zu legen. Mit schussbereitem Gewehr kauerte sie auf dem Bock, starrte zu der Staubwolke hinüber, hörte den Hufschlag - und sie wusste, dass der Tod ihr noch nie so nah gewesen war.


*


Wie ein Schatten stand der Mann in der roten Glut der untergehenden Sonne.

Er stand reglos, ruhig - ein Mann ohne Waffen und ohne Pferd in der endlosen Weite des Landes. Staub puderte seine Kleidung, das leichte Deckenbündel auf seiner Schulter war seine ganze Ausrüstung. Aus dunklen, schmalen Augen blickte er in das kleine Tal hinab, musterte die schwarz verkohlten Gebäudereste, die rauchenden Trümmer, den niedergebrochenen Stangencorral, und in seiner Haltung schien sich eine unsichtbare Stahlsaite zu spannen.

Er spürte den Tod.

Er spürte ihn, wie ein Mensch nur die Dinge spürt, die ihm vertraut sind, mit denen er auf Du und Du steht und die ihn ein Leben lang begleitet haben. Er wusste, dass er zu spät kam. Niemand hatte es ihm gesagt, er war fremd in diesem Land, er wusste nicht, was geschehen war - aber er nahm mit jeder Faser den Hauch des Unheils wahr, der über dem Tal hing.

Langsam, mit gleichmäßigen Schritten, ging er den Hang hinab. Der Wind wirbelte Funken und schwarze Rußflocken auf, ein Balken knarrte. Zwischen der ausgebrannten Remise und den Trümmern des Bunkhouses blieb der Fremde stehen und rief.

Sun Lai! Ich bin hier! Sheng...“

Dumpf kam das Echo von dem nahen Berghang jenseits des Creeks zurück: Sheng ... Sheng ...

Die schwarzen Augen des großen schlanken Mannes wurden noch schmaler. Er wusste die Wahrheit, wusste, dass keine Antwort kommen würde. Mit drei Schritten glitt er auf den Ranchhof, ließ den Blick wandern - und da sah er ihn.

Sun Lai lag zusammengekrümmt auf dem Boden.

Blut tränkte den Staub, die Lache unter dem reglosen Körper war bereits eingetrocknet. Das Gesicht des Chinesen war verzerrt, erstarrt zu einem Ausdruck gefrorenen Entsetzens. Er lag auf der Seite, und im Rücken seines einfachen blauen Kattunhemdes zeichneten sich schwarz die beiden Einschusslöcher ab.

Sie hatten ihn ermordet.

Wie einen Hund erschossen, feige aus dem Hinterhalt...

Lange sah Sheng auf den zusammengekrümmten Körper hinab, sehr lange - und dann erst glitt sein Blick weiter und suchte die schwarzen, schwelenden Trümmer der Ranch ab.

Niemand war zu sehen.

Die Pferde mussten ausgebrochen sein, ihre Hufspuren fächerten auseinander, die Angst vor dem Feuer hatte die Tiere in alle Winde getrieben. Von der zerstörten Remise führten die Abdrücke von Wagenrädern quer über den Hof und verloren sich im offenen Land. Jemand hatte mit einem leichten Einspänner das Tal verlassen.

Die Mörder?

Die Bewohner der Ranch, für die Sun Lai gearbeitet und bei denen er sich zu Hause gefühlt hatte?

Sheng kannte die Namen, kannte sie aus Sun Lais Briefen, von zufälligen Treffen und gemeinsamen Tagen. Da war Jeffris Baker, da waren ein Sohn und eine Tochter, da war ein alter Cowboy, der seinem Rancher schon seit dreißig Jahren die Treue hielt. Sun Lai hatte diese Menschen geliebt, hatte hier eine Heimat gefunden. Und jetzt...

Der große Mann ließ die Schultern sinken.

Sein Blick kehrte von weither zurück, schien sich nur widerstrebend von den Bildern der Vergangenheit zu lösen und wieder auf die reglose Gestalt im Staub zu richten. Sun Lai war sein Freund gewesen. Er hatte ihn gerufen, weil er Hilfe brauchte - und jetzt war es zu spät. Sheng fühlte Trauer und Bitterkeit wie eine Säure, die an ihm fraß, aber in seinem Gesicht zuckte kein Muskel, als er sich abwandte und zu den Trümmern eines Schuppens hinüberging, zwischen denen er einen angesengten Spatenstiel entdeckt hatte.

Er hob eine Grube aus - unter dem knorrigen Cottonwood-Baum, der seinen Schatten schon über andere Kreuze warf. Shengs Lippen lagen hart aufeinander, als er den toten Freund zu dem Baum trug, behutsam ins harte Erdreich bettete und Steine auf das Grab häufte. Lange stand er da, ruhig, mit gesenktem Kopf - und die Worte, die er in seiner chinesischen Muttersprache murmelte, klangen wie ein Schwur.

Erst danach ging er zum Brunnen, trank beherrscht aus der hohlen Hand, obwohl er schon vor langen Stunden das letzte Wasser verbraucht hatte, und füllte die Flasche auf. Seine hohe Gestalt straffte sich, als er für einen kurzen Moment in die rote Sonne blickte. Ruhig schulterte er die Deckenrolle, atmete tief und wandte sich mit geschmeidigen, raumgreifenden Schritten nach Osten, wo die Spur des Einspänners in den Schatten einer Hügelfalte führte.

Sein Gesicht wirkte steinern. Eine Maske, in der nichts außer den schmalen, jettschwarzen Augen zu leben schien. In seinem Gehirn war nur noch ein einziger Gedanke.

Sun Lai, klang es ihn ihm.

Wispernd, singend - eine unermüdliche Stimme:

Sun Lai... Sun Lai...

Die Worte brannten ihn ihm. Ein Name - und ein Ziel! Sheng war unterwegs, um die Mörder seines Freundes zu finden....


*


Braaah! Braaaaaahhhh ...“

Rau dröhnte die Stimme des alten Mannes; in fiebernder Hast peitschte er das Pferd vorwärts. Der Einspänner rumpelte. Längst hatte Miriam Baker die Winchester leergeschossen, Reservemunition besaß sie nicht. Und die Verfolger, jene unheimlichen Kerle in ihren schwarzen Kapuzen, kamen immer näher.

Das Mädchen hielt den Colt in der schmalen Hand - aber die Mörder blieben außerhalb der Revolverschussweite. Ihre Gewehre peitschten. Dass sie nicht längst das Pferd getroffen hatten, grenzte an ein Wunder. Flüchtig fragte sich Miriam, ob die Burschen mit ihnen spielten, sich einen Spaß daraus machten, sie zu hetzen — da stieß Chap Conway neben ihr einen erstickten Schrei aus.

Im Bogen stürzte er vom Bock und prallte ins niedrige, harte Gras. Die Zügel schleiften. Miriam begriff, dass der Fuchswallach sich binnen Sekunden verheddern, sich vielleicht die Beine brechen würde - und sie handelte so, wie es nur eine Frau fertigbrachte, die seit ihrer Kindheit mit der Rancharbeit vertraut war.

Blitzartig sprang sie hoch, schnellte mit einem geschmeidigen Sprung auf den Rücken des Pferdes. Mit der Linken griff sie in die Zügel, parierte den Wallach durch, und kaum dass er stand, war sie schon wieder von seinem Rücken geglitten und landete federnd am Boden.

Geduckt stand sie da, den Revolver angeschlagen. Wie eine rote Lohe fiel das lange Haar um ihre Schultern. Vor ihr hatten sich die Verfolger auseinandergezogen, kamen in breit gefächerter Front auf sie zu - und Miriam war sich nicht bewusst, dass sie den Männern in ihren schwarzen Kapuzen ein Bild voll unbezähmbarer, wilder Schönheit bot.

Nur noch ein einziger Schuss fiel.

Das Mädchen spürte den Gluthauch der Kugel wie einen Peitschenhieb. Die Waffe wurde ihr aus der Hand gerissen und fiel ins Gras. Miriams Muskeln spannten sich, in einem Reflex wollte sie zur Seite hechten, um den Colt wieder zu packen - aber ein Blick auf die vielen Gewehrmündungen zeigte ihr, dass es sinnlos war.

Aus, dachte sie.

Es gab keine Chance mehr... Langsam, mit schleppenden Schritten, ging sie zu Chap Conway hinüber, kauerte sich neben ihn und drehte ihn vorsichtig auf den Rücken. Er war bewusstlos. Der Streifschuss an seiner Schläfe würde schnell verheilen - falls der alte Mann noch so lange zu leben hatte. Miriam dachte an ihren Bruder, der schwerverletzt im Wagen lag, sie wurde sich mit schmerzender Klarheit bewusst, dass sie ganz allein war, und die jähe, herzbeklemmende Furcht schnürte ihr die Kehle zusammen.

Als sie sich aufrichtete, hatten die maskierten Reiter einen Kreis um sie gebildet.

Gewehrmündungen gleißten im Licht der untergehänden Sonne. Kalte, mitleidlose Augen funkelten hinter den Sehschlitzen, tasteten über den Körper der jungen Frau und zogen sie förmlich aus. Miriam hatte das Gefühl, als strichen eisige Finger über ihren Rücken. Sie starrte von einem zum anderen, suchte nach einem Zeichen von Erbarmen, von Menschlichkeit - aber sie begegnete nur nackter Gier, die sich mit jeder Sekunde steigerte.

Wie auf ein geheimes Kommando saßen die Maskierten ab.

Der Anführer grinste. Jedenfalls bewegte sich sein Mund unter dem schwarzen Stoff der Kapuze. Die Stimme klang fremd, gedämpft und seltsam verzerrt.

Hallo, Täubchen!“, krächzte er.

Warum so eilig? Ich schätze, wir werden eine Menge Spaß miteinander haben.“

Mörder!“, flüsterte Miriam tonlos. „Ihr gemeinen Mörder, ihr...“

Der Maskierte lachte nur.

Ein herrischer Wink - und drei, vier von den anderen Männern stürzten sich auf die junge Frau und packten sie. Miriam spürte gierige Hände an ihrem Körper, spürte Whiskydunst und heißen Atem. Ihr Herz hämmerte. Sie wusste, dass sie keine Chance mehr hatte, dass es keinen Ausweg gab - und sie starrte dem Anführer der Mörderbrut mit all ihrem Hass und all ihrer Verachtung in die Augen.

Immer noch grinste er.

Fast spielerisch stieß er den bewusstlosen Chap Conway mit dem Fuß an, und als er wieder den Kopf hob, schienen gelbliche Funken in seinen Pupillen zu tanzen.

Ihr werdet hängen“, zischte er. „Alle!“

Miriam zitterte. Sie hatte es geahnt, sogar gewusst, und doch war es ein Schock, die Worte ausgesprochen zu hören. Ungläubig sah sie von einem zum anderen, mit zuckenden Lippen.

Mein Bruder“, flüsterte sie. „Jim ist schwer verletzt. Ihr könnt ihn doch nicht...“

Bald wird er nichts mehr davon spüren. Und der Graukopf da ist ohnehin viel zu alt geworden.“ Mit einer zynischen Geste der Gleichgültigkeit stieg der Maskierte über den bewusstlosen Cowboy hinweg und näherte sich dem rothaarigen Mädchen. „Um dich ist es schade, Baby. Eigentlich bist du viel zu schön zum Sterben, aber leider kann ich nichts daran ändern. Immerhin wirst du Gelegenheit haben, noch einmal dein Leben zu genießen, bevor wir dir die Schlinge um den hübschen Hals legen.“

Bei den letzten Worten war er dicht vor seinem Opfer stehengeblieben. Miriam konnte seinen Atem spüren, sah das grausame Funkeln in seinen Augen. Einen Herzschlag lang begegneten sich ihre Blicke, fraßen sich ineinander - und dann holte das Mädchen tief Atem und spuckte ihren Peiniger an.

Er erstarrte förmlich.

Scharf pfiff der Atem über seine Lippen, das Gesicht unter der Maske verzerrte sich.

Blitzschnell holte er aus, schlug zu in blinder, besinnungsloser Wut - und Miriam Baker konnte nicht einmal den Versuch machen, sich zu wehren.

Irgendwann, als schon die schwarzen Wogen der Bewusstlosigkeit nach ihr griffen, glaubte sie, jenseits der Senke auf dem Hügel eine huschende Bewegung zu sehen.

Sie war ihrer Sache nicht sicher.

Blutrote Schleier tanzten vor ihren Augen, die Umgebung verschwamm. Undeutlich fühlte sie, wie ihr die Kleider vom Leib gerissen wurden. Verzweifelt schrie sie auf, versuchte noch einmal, etwas zu erkennen - und dann vergaß sie alles, weil ein neuer brutaler Hieb ihr Gesicht traf und die Welt um sie versinken ließ...


*


Mit einem tiefen Atemzug nahm Sheng das Bild in sich auf.

Die kleine Senke, in der die Wagenspuren endeten.

Der Einspänner mit dem Verwundeten, der angeschossene, bewusstlose alte Mann im Gras, die Gruppe der Maskierten, die sich um die schöne rothaarige Frau scharte.

Gespenstische Stille hing über der Szene - eine Stille voll fiebriger Spannung, die nur unterbrochen wurde vom Knarren des Sattelleders, von klirrenden Gebissketten und erregtem Lachen. Die rothaarige Frau lag am Boden. Sie war jung, ein Mädchen fast noch. Wie ein Vlies breitete sich die lohfarbene Mähne um das totenbleiche Gesicht, in dem eine erlösende Ohnmacht die Linien der Furcht ausgelöscht hatte. Ihre Kleider hingen in Fetzen herab, fast nackt war der schlanke, prachtvoll gewachsene Körper den gierigen Blicken preisgegeben. Zwei von den Männern hielten sie an den Armen, während ein dritter neben ihr kauerte und mit sadistischem Vergnügen darauf zu warten schien, dass sein wehrloses Opfer wieder erwachte.

Sheng spürte den kalten Zorn mit jeder Faser.

Sein Blick glitt umher, erfasste die Pferde am Rand der Senke und kehrte zurück zu den Männern. Neun waren es - jeder einzelne schwer bewaffnet. Er wusste, dass er keine Chance gegen diese Übermacht besaß, nicht im offenen Kampf - und für eine kurze Sekunde glaubte er, wieder in den Mauern des Klosters vom Weißen Lotus zu sein und die Stimme seines Lehrers Li Kwan zu hören:

Nicht immer sind es die Größe und die Macht, die den Sieg erringen. Jedes Wesen unter der Sonne besitzt seine ureigene, tiefinnere Kraft. Stark und zäh ist der Tiger im Bambus-Dschungel. Doch die Natur gab der Schlange Geduld und tödliche Schnelligkeit, um den Tiger zu schlagen, und wie der Blitz ist die Adlerkralle, die auf die Schlange herabstößt...“

Geduld und tödliche Schnelligkeit!

Die Schlange, die als Zeichen eines Kung Fu-Meistergrades auf Shengs linken Unterarm tätowiert war...

Seine dunklen, leicht geschlitzten Augen schimmerten im letzten Licht der untergehenden Sonne. Lautlos verließ er seine Deckung hinter dem Felsblock und huschte über den staubigen Boden. Rot brannte der Himmel über den Sangre de Cristo Mountains, in jeder Mulde, jeder Gesteinsfalte nisteten tiefe Schatten. Shengs Gestalt verschmolz mit der Umgebung, wurde eins mit den unregelmäßigen Bodenwellen des Hangs, bewegte sich gleich einem wandernden Schatten. Es gab keine Büsche mehr, keine Felsbrocken - nichts, das ihn schützen würde. Aber er hatte keine Zeit, er konnte nicht auf die Nacht warten - denn er durfte nicht zusehen, wie sich diese Bestien dort unten an der wehrlosen Frau vergriffen.

Ein Pferd schnaubte unruhig.

Zwei, drei Männer wandten die Köpfe - doch Sheng war mitten in der Bewegung wie zu Stein erstarrt. Seine Lider senkten sich, verbargen das Glitzern seiner. Augen. Erst nach Sekunden entspannte er sich und glitt weiter. Lautlos und unsichtbar. So lautlos und unsichtbar wie die Schlange, die in tödlicher Geduld ihre Beute belauert...


*


Mit einem tiefen, qualvollen Stöhnen kam die Frau wieder zu sich.

Ihr Körper zuckte. Sheng konnte ihr Gesicht nicht sehen, doch er wusste um die Angst in den aufgerissenen grünen Augen. Männer lachten, rau und erregt. Der hünenhafte Maskierte, der neben dem Opfer kniete, griff brutal nach den schlanken Leib, der sich unter seinen Händen wand. Die übrigen Kerle rückten näher heran, und für einen Moment waren sie so gebannt von dem niederträchtigen Schauspiel, dass sie nichts anderes zu hören oder zu sehen vermochten.

Wie ein Schatten richtete sich Sheng neben einem der Pferde auf.

Sanft streichelten seine Finger die warmen Nüstern, fuhren beruhigend über den straffen, muskulösen Hals. Seine Rechte tastete nach dem Gewehr im Scabbard. Geräuschlos zog er es hervor, eins mit dem dunklen Umriss des Pferdeleibes, und erst als er sicher war, dass das Tier ihn nicht verraten würde, glitt er davon und huschte hinüber zum Kreis der Männer.

Sechs, sieben Yards von ihnen entfernt erhob sich ein grauer Felsbuckel.

Geschmeidig schwang sich Sheng hinauf - und jetzt konnte er sehen, was sich im Kreis der maskierten Verbrecher abspielte.

Seine Kiefermuskeln strafften sich.

Hart wie eine Steinmaske war sein hageres, dunkles Gesicht. Er sah die verzerrten Züge der Frau, das wirre, schweißnasse Haar, den Kopf, den sie in stummer Qual hin und her warf. Ihre Augen flackerten. Verzweifelt bäumte sie sich auf, versuchte mit letzter Kraft, ihren Peiniger abzuwehren - doch ihr wilder Widerstand steigerte nur noch das perverse Vergnügen des Maskierten.

Erst das Knacken des Gewehrhahns schien den Fiebernebel seiner Gier zu durchdringen.

Er zuckte zusammen.

Rechts und links von ihm fuhren maskierte Männer herum, Hände stießen gleich Raubvögeln auf die Kolben der Waffen - und blieben in der Schwebe, als sich dicht vor den staubigen Stiefelspitzen eine Kugel ins Gras bohrte.

Scharf und peitschend klang der Schuss durch die Stille.

Genauso scharf und peitschend wie Shengs Stimme, die den rollenden Nachhall zerschnitt:

Keine Bewegung! Das Spiel ist zu Ende! Wenn ihr schießt, nehme ich mindestens drei von euch mit. Und du bist der erste!“

Die letzten Worte waren an den Anführer der Maskierten gerichtet, der neben der Frau kauerte - immer noch keuchend in dumpfer Gier. Jetzt richtete er sich langsam auf, wie erwachend. Ungläubig starrte er den großen, schlanken Mann an, der lässig auf dem Felsen stand. Sein Blick senkte sich, sog sich sekundenlang an dem matt schimmernden Waffenstahl fest, und über seine verkrampften Schultern lief ein Schauer.

Du Narr!“, krächzte er. „Du verdammter Bastard! Wir werden dich in Stücke schießen. Wir werden dich in ein Sieb verwandeln! Wir werden ...“

Fangt an!“ Shengs Stimme klirrte, und tödliche Entschlossenheit strahlte von ihm aus wie ein Eishauch. „In ein Sieb werde ich dich nicht verwandeln, du verdammter Frauenschänder, aber ich verspreche dir, dass ein einziges Loch in deiner Kapuze genügt, um dir das Handwerk zu legen. Du stirbst als erster. Und du hast nur noch eine einzige Chance, dein schäbiges Leben zu retten - wenn du deinen Leuten befiehlst, die Waffen wegzuwerfen und zu reiten.“

Stille folgte seinen Worten.

Eine dichte, lastende Stille, in der die Spannung knisterte wie vor der Entladung eines Gewitters.

Die Maskierten verharrten reglos. Wie gebannt starrten sie den großen Mann auf dem Felsen an. Er war allein. Er stand auf verlorenem Posten, hatte nicht die geringste Chance. Er würde binnen Sekunden in einem Inferno aus Feuer und Blei untergehen — und dennoch wagte niemand, die Waffe zu ziehen und auf ihn zu schießen.

Da war die steinerne Ruhe in seiner Haltung.

Da war dieses hagere, seltsam fremde Gesicht, waren die dunklen, harten, wissenden Augen. Irgend etwas strahlte von der reglosen, einsamen Gestalt aus, das die Männer warnte, das sie wie eine übermächtige Kraft in ihren Bann schlug - und noch ehe der hünenhafte Anführer einen Befehl gab, begannen seine Leute zurückzuweichen, als ständen sie unter einem Bann.

Die Waffen weg“, sagte Sheng ausdruckslos. „Geht einer nach dem anderen zu den Pferden, aber vergesst nicht, die Gewehre hierzulassen! Euer Boss bleibt, wo er ist. Er wird es sein, der bezahlt, wenn einer von euch etwas versuchen sollte.“

Die Männer gehorchten.

Sie gehorchten wie unter einem Zwang - gelähmt von Shengs eisernem Willen. Nur das Poltern der Revolver auf dem harten Grasboden durchbrach die gespenstische Stille. Widerstrebend setzte sich der erste der Maskierten in Bewegung, ging zu seinem Pferd, saß auf, nachdem er das Gewehr aus dem Scabbard gezogen und fallen gelassen hatte. Die anderen folgten seinem Beispiel. Binnen weniger Minuten kauerten acht Männer in den Sätteln, und nur noch ihr Anführer stand mit gesenktem Schädel und geballten Fäusten vor der Mündung von Shengs Gewehr.

Der große Mann machte eine Geste mit dem Kopf. „Verschwindet! Euren Boss schicke ich euch nach, wenn ich nichts mehr von euch sehe. Beeilt euch!“

Auch diesmal wagte niemand zu widersprechen.

Pferde wurden gespornt, Staub wallte auf, die Reiter preschten schräg über den Hang davon. Sheng wartete schweigend, bis sich der Hufschlag entfernt hatte.

Jetzt du!“, sagte er ruhig. „Versuch’ es nicht noch einmal! Beim nächsten Mal kommst du nicht so billig davon.“

Der Maskierte knirschte mit den Zähnen. Hinter den Sehschlitzen der Kapuze brannten seine Augen in einem wilden Feuer. Sekundenlang tauchten die Blicke der beiden Männer ineinander, schienen sich wie messerscharfe Klingen zu kreuzen - und dann war es der Mörder, der die Augen niederschlug, mit einer heftigen Bewegung herumschwang und zu seinem Pferd stolperte.

Sheng sah ihm nach.

Erst als eine Hügelfalte den Maskierten aufnahm, senkte der große Mann den Gewehrlauf. Mit einer fast verächtlichen Geste warf er die Winchester zur Seite und drehte sich der Frau zu, die sich aufgerichtet hatte und zitternd versuchte, ihre Blöße mit den Resten der zerfetzten Bluse zu bedecken.

Danke“, flüsterte sie. „Sie haben unser Leben gerettet, diese Mörder hätten niemanden verschont. Wer sind Sie?“

Der große Mann lächelte. „Man nennt mich Sheng. Und Sie müssen Miriam Baker sein.“

Woher wissen Sie? ...“

Ich bin ein Freund von Sun Lai.“ Sheng wandte das Gesicht ab, aus dem der Schmerz der Erinnerung das Lächeln löschte. „Ich habe ihn gefunden, draußen auf der Ranch. Ich bin der Fährte des Wagens gefolgt, und als ich die Hufspuren sah, die dazustießen, wusste ich, dass ich den Mördern begegnen würde.“

Miriams Lippen zuckten. Im Licht der roten Sonne erinnerte ihr Haar an züngelnde Flammen.

Diese Bestien“, flüsterte sie. „Sie haben uns überfallen, haben Sun Lai wie ein Tier zusammengeschossen und meinen Bruder schwer verletzt. Sie hätten die Schufte töten sollen, Sheng.“

Er schüttelte den Kopf. Seine Stimme klang ruhig. „Der Tod löst keine Probleme. Überdies: Es waren zu viele. Sie hätten gekämpft, wären sie zur Verzweiflung getrieben worden, und dann hätten sie uns getötet. Aber sie werden bezahlen...“

Miriam schauerte.

Irgend etwas in der dunklen ruhigen Stimme des Fremden ließ sie fühlen, dass er jedes Wort ernst meinte, und jetzt erst sah sie ihn genauer an. Die leicht geschlitzten Augen gaben seinem schmalen, markanten Gesicht etwas Fremdartiges. Gekleidet war er wie jeder andere Mann im Westen, wenn man davon absah. dass er flache, weiche Stiefel ohne Sporen trug, statt der üblichen hochhackigen Reitstiefel. Sonne und Regengüsse hatten das einfache Kattunhemd gebleicht, ein Deckenbündel lag zu seinen Füßen und ...

Miriam runzelte die Stirn.

Sie sind unbewaffnet“, sagte sie mit einem Ausdruck tiefen Staunens.

Er lächelte leicht. „Es ist nicht meine Art, mit Revolvern, Gewehren oder Messern zu kämpfen. Ich benutze nur Waffen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Aber jetzt sollten wir sehen, dass wir hier fort kommen.“

Bei den letzten Worten war er zu dem Einspänner hinübergegangen. Der rothaarige, etwa zwanzigjährige junge Mann auf der Ladefläche war immer noch bewusstlos. Sein Atem ging flach und schnell, das Gesicht wirkte eingefallen, und ein einziger Blick genügte, um zu sehen, dass er dringend einen Arzt brauchte.

Auch der alte Mann war noch ohne Bewusstsein. Sheng untersuchte den Streifschuss und stellte fest, dass die Wunde harmlos war. Vermutlich hatte die Schädelprellung eine leichte Gehirnerschütterung verursacht. Der große Mann öffnete das Hemd des Verletzten, massierte einen Moment lang dessen Solarplexus-Gegend mit dem Handballen, und danach dauerte es nur noch Sekunden, bis Chap Conway wieder zu sich kam.

Um sich zurecht zu finden, brauchte er etwas länger. Blinzelnd sah er von einem zum anderen, sog scharf die Luft durch die Zähne, als sein Blick auf Miriams zerfetzte Kleidung fiel, aber das Mädchen lächelte beruhigend.

Sie sind fort, Chap. Mir ist nichts geschehen. Sheng hat die Kerle vertrieben.“

Sheng?“

Der große Mann nickte. „Sun Lai war mein Freund. Er hat mir geschrieben, dass er Hilfe braucht. Ich bin zu spät gekommen...“

Ganz kurz pressten sich Shengs Lippen bei den letzten Worten zusammen. Für einen Moment ruhte ein Blick aus grauen, unbestechlichen Augen auf seinem Gesicht. Chap Conway runzelte die Stirn, dann sprach er aus, was ihn lange Erfahrung sofort hatte bemerken lassen:

Sie haben ebenfalls chinesisches Blut in den Adern, nicht wahr?“

Meine Mutter war Chinesin, und ich bin in China aufgewachsen.“

Sheng lächelte, aber in diesem Lächeln lag eine Schranke, lag eine ruhige Distanz, an der Neugier und Fragen abprallten. Chap Conway spürte, dass er hier einen Mann vor sich hatte, dessen Vertrauen nicht leicht zu gewinnen war. Der alte Cowboy nickte, wie um zu bestätigen, dass er verstanden habe, stülpte sich seinen Hut auf den Kopf und kam mit einem unterdrückten Ächzen auf die Beine.

Wir müssen hier weg“, brummte er. „Jim braucht einen Arzt. Sie fahren doch mit, Fremder?“

Selbstverständlich“, fiel Miriam ein. „Er hat kein Pferd, keine Waffen ...“

Ich brauche weder das eine noch das andere, aber wenn Sie wollen, werde ich dennoch mitfahren. Wir sollten die Waffen der Banditen einsammeln. Es könnte leicht sein, dass sie zurückkommen, um die Scharte auszuwetzen.“

Ohne ein weiteres Wort machte sich Chap Conway an die Arbeit. Sheng half ihm dabei. Sie packten die Gewehre und Revolver auf den Wagen, dann kletterte der alte Cowboy zu Miriam auf den Bock, und Sheng kauerte sich mit angezogenen Knien neben den Verwundeten, während das Mädchen die Zügel klatschen ließ und den Wallach antrieb.

Im Westen versank; die Sonne als Glutball hinter den scharfgezackten Gebirgskämmen.

Dunkelheit fiel herab, die Nacht senkte sich auf das Land wie ein Mantel. Holpernd, begleitet von hellem Hufschlag, rollte der Wagen auf den Rio Pecos zu, und im letzten verblassenden Licht am Himmel beobachtete Sheng das Aufglimmen der Sterne.

Sein Gesicht lag im Schatten.

Reglos kauerte er da, versteinert wie eine Statue. Seine Augen wirkten dunkel, unergründlich, und um ihn schien die Welt versunken zu sein.

Seine Gedanken waren weit fort bei seinem toten Freund …


*


Im Saloon verstummte für einen Moment das Stimmengewirr, als die beiden ungleichen Männer durch die Schwingtür traten.

Sheng ließ einen raschen, prüfenden Blick durch den rauchverhangenen Raum gleiten. Sie hatten Jim Baker zum Arzt gebracht, der Doc hatte ihm die Kugel herausgeholt, jetzt wachte Miriam am Bett ihres Bruders. Chap Conways Idee war es gewesen, in der „Pecos Inn“ neben dem Haus des Arztes den Staub aus der Kehle zu spülen. Sheng hatte nichts dagegen gehabt, obwohl er selbst nie Alkohol trank - und jetzt spürte er, wie sich die Luft um ihn von einer Sekunde zur anderen mit einer fast feindseligen Spannung auflud.

Eine Gruppe staubiger Weidereiter stand an der Theke, alle bereits mittelschwer angetrunken. Sheng rechnete mechanisch und kam zu dem Ergebnis, dass es sich unmöglich um die maskierten Killer handeln konnte. Dennoch starrten sie herüber, in einer Art stummer Verbissenheit, die Streitlust signalisierte, und Chap Conways vorgeschobene Kinnlade verriet, dass zumindest er die Männer kannte.

Ingram-Cowboys“, brummte er. „großmäulige Bastarde! Na ja, der Laden hier ist schließlich für alle da...“

Mit wiegenden Schritten setzte er sich in Bewegung. Sheng folgte ihm langsam, nahm mit gespannten Sinnen die Atmosphäre auf, die ihm mehr über die Verhältnisse verriet, als es Worte vermocht hätten. An der Theke war Platz, Chap Conway warf ein paar Münzen für Bier und Whisky auf das blankgescheuerte Holz, und der dicke Keeper taxierte den großen Mann mit den dunklen leicht geschlitzten Augen mit einem fragenden Blick.

Tee“, sagte Sheng. „Wenn Sie keinen haben - Kaffee“, fügte er mit ruhigem Lächeln hinzu. Und der Keeper, dessen Brauen als Antwort auf die vermeintliche Herausforderung nach oben gezuckt waren, entspannte sich wieder.

Tee“, nickte er. „Meine Frau kann Ihnen welchen ..."

He, ist das hier ’n Saloon oder ein Kindergarten?“, rief einer der Betrunkenen grölend.

Und ein anderer: „Lass ihn, Andy! Das ist ein halber Chink, der zählt nicht.“

Sheng wandte nicht einmal den Kopf - er war Schreier dieser Art gewohnt und ignorierte sie. Aber Chap Conway drehte sich langsam um, und seine grauen, von hundert Falten umgebenen Augen funkelten zornig.

Eines Tages gebe ich dir eins auf dein großes Maul, dass du daran erstickst, Andy Wolfe“, verkündete er lauthals.

Ach! Old Chap! Immer noch die größte Klappe im Lande!“ Der Junge mit dem Namen Andy Wolfe stand nicht ganz sicher auf den Beipen. Er hatte struppiges blondes Haar, ein offenes Gesicht und blaue Augen, die der Alkohol leicht glasig machte. „Zieh dir nur nicht die falschen Stiefel an! Bevor du mich auch nur anrührst, wirst du mitsamt der ganzen Baker-Brut zur Holle fahren und ...“

So, wie ihr es heute versucht habt? Feige aus dem Hinterhalt, du Ratte?“

Schlagartig wurde es still.

Jeder begriff, dass der zornige, erregte Oldtimer zu weit gegangen war. Andy Wolfe, Cowboy der Ingram.Ranch und jüngerer Bruder des Vormanns, kniff die Augen zusammen und ließ langsam die Hände von der Theke sinken.

Hast du Ratte gesagt?“, stieß er durch die Zähne. „Feige Ratte?“

Yeah“, knurrte Old Chap. „Ich habe...“

Sheng löste sich von der Theke.

Er wusste, was kommen würde. Er kannte das Gesetz der Weide, den Ehrenkodex der Cowboys, die ihre Händel am liebsten mit der Waffe in der Faust austrugen. Es hatte Zeiten gegeben, in denen er selbst nach diesem Gesetz leben musste, das ihm so fremd war, wie die Weisheit des Tao Chi den schießwütigen Reitern.

Niemand achtete auf ihn, als er mit einem gleitenden Schritt den freien Raum suchte. Es sah aus, als wolle er sich ebenso wie die anderen aus der mutmaßlichen Schusslinie zurückziehen - aber in Wahrheit beobachtete er genau das verzerrte, gespannte Gesicht des jungen Burschen.

In der Sekunde, in der Andy Wolfes Hand herabzuckte, stand Sheng wie aus dem Boden gewachsen vor ihm.

Eine wirbelnde Bewegung - und das Gelenk des Jungen schien wie in einem Schraubstock gefangen. Gleich der blitzartig zustoßenden Adlerkralle hatte Shengs Rechte die Schusshand des anderen abgefangen. Der blonde Cowboy begriff nicht, wie ihm geschah. Kaum dass er die unheimliche Kraft gespürt hatte, die seinen Arm lähmte, ließ sie schon wieder nach - und fassungslos musste er feststellen, dass sich der schwere Sechsschüsser nicht mehr in der Halfter befand, sondern in der locker herabhängenden Hand seines Gegenübers.

Narr“, sagte Sheng in die atemlose Stille. „Wenn du erwachsen bist, wirst du begreifen, dass man mit dem Tod nicht spielt. Ein Menschenleben für ein unbedachtes Wort - glaubst du im Ernst, dass das Mut ist?“

Der Junge schluckte - zu überrascht, um Worte zu finden. Er zuckte zusammen, als Shengs Hand wiederum eine blitzartige Bewegung machte - und dann starrte Andy Wolfe mit weiten, verständnislosen Augen auf seinen Colt, der sich jetzt wieder am alten Platz in der Lederhalfter befand.

Das ist doch ...“, begann einer der Zuschauer tonlos.

Taschenspieler-Tricks!“, fauchte ein bulliger, stiernackiger Kerl mit fahlem Stoppelhaar. „Der Bastard glaubt, weil er nackt herumläuft, kann er sich alles leisten. Komm doch her, Gelbgesicht! Fang an, damit ich dich auf die richtige Größe zurechtstutzen kann!“

Ich fange niemals an“, sagte Sheng gelassen.

Ach nein! Und wenn ich dir nun sage, dass du ein verdammter quergestreifter Feigling bist?“

Jeder hat das Recht auf seine eigene Meinung", kam die Antwort pulvertrocken.

Die kleinen, tiefliegenden Augen des Hünen wurden ganz schmal.

Dreckiger Chink!“, zischte er. „Dein Gesicht gefällt mir nicht! Du verpestest die Luft! Mir wird übel, wenn ich deine gelbe Visage sehe!“

Dann sieh eben woanders hin“, sagte Sheng nur. Er stand wieder an der Theke, ruhig, gelassen, in einer Haltung, die ohne jede Herausforderung war. Nur ein guter Beobachter konnte die angespannte Bereitschaft in seinen dunklen Augen bemerken - und der angetrunkene Hüne war kein guter Beobachter.

Scharf sog er die Luft ein.

Er hatte diesen großen, schlanken Fremden mit den leicht exotischen Zügen bewusst beleidigt. Er hatte in provoziert, beschimpft, ihm Dinge gesagt, die ein Mann in diesem Land nicht hinnehmen durfte. Dass der andere immer noch ruhig blieb, ließ ihn fast an seinem Weltbild zweifeln. Für einen Moment lähmte ihn die Verblüffung, dann begann er dunkel zu begreifen, dass nicht er es war, der die überlegene Rolle spielte - und das Gefühl, zum Narren gehalten zu werden, erzeugte jähe, blinde, vernichtende Wut.

Sein Gesicht verzerrte sich.

Mit einem urigen Schrei stürzte er sich auf seinen Gegner. Sein ganzes Gewicht aus zwei Zentnern Knochen, Muskeln und Sehnen legte er in den Sprung, die mächtige Pranke holte aus, wie um einen Bisonbullen zu fällen - und als er zuschlug, ging durch die Reihen der anderen Gäste ein erregtes Stöhnen.

Ein Schrei gellte auf. Durchdringend und verblüffend hoch.

Wie von einem Katapult abgeschnellt, flog der Hüne zurück, überschlug sich drei, viermal auf dem schmutzigen Boden - und die Zuschauer brauchten Sekunden, um zu begreifen, dass er es war, der geschrien hatte.

Sheng stand immer noch an der Theke.

Nur einen halben Schritt von seinem ursprünglichen Platz entfernt...

Prüfend blickte er zu dem Hünen hinüber, der sich ächzend wieder aufrappelte. In seinen ruhigen dunklen Augen lag fast eine Art Bedauern - und es war dieser Ausdruck, der die Zuschauer ahnen ließ, dass das, was sie gesehen hatten, durchaus kein bloßer Zufall gewesen war.

Nur der Stoppelkopf war blind vor Wut.

Wie ein Stier senkte er den mächtigen Schädel und griff erneut an. Sein Gehirn war zu langsam, um die Lektion beim ersten Mal zu lernen. Wieder holte er aus, wieder versuchte er, seinen Gegner mit einem mörderischen Schwinger zu fällen - und diesmal hätte jeder im Raum geschworen, dass er treffen würde.

Aber er traf nicht.

Im letzten Sekundenbruchteil schien sich der große, schlanke Mann förmlich in Luft aufzulösen. Blitzartig ließ er sich fallen. Ein paar von den Zuschauern sahen noch, dass er wie eine Katze über den Boden rollte, geschmeidig wieder aufsprang - und dann dröhnte die ganze lange Theke unter der Wucht, mit der der Hüne seine Schmiedehammer-Faust gegen das Holz rammte.

Er brach in die Knie.

Pfeifend schnappte er nach Luft, dann brüllte er mit einer sich vor Schmerz und Wut überschlagenden Stimme. Verkrümmt blieb er am Boden hocken, presste wimmernd die lädierte Hand in die Achselhöhle - und es dauerte Minuten, bis er wieder genug Luft hatte, um eine Flut von wüsten, unflätigen Beschimpfungen hervorzustoßen.

Mitten in seine wüsten Flüche hinein flog die Schwingtür auf.

Was ist denn hier los, zum Teufel?“, fragte eine nicht einmal übermäßig laute Stimme - und sofort wandten sich dem Sprecher alle Köpfe zu.

Selbst der Hüne stoppte sein Gejammer. Aus blutunterlaufenen Augen starrte er den breitschultrigen blonden Mann an, der den Saloon betreten hatte. Die Ähnlichkeit des Neuankömmlings mit dem jungen Andy Wolfe war unverkennbar. Er hatte das gleiche blonde Haar, das gleiche kantige Gesicht, aber er trug einen struppigen Dragonerbart auf der Oberlippe, die Jahre hatten seine Züge härter gemeißelt als die des Jüngeren, und seine scharfen pulvergrauen Augen blickten vollkommen nüchtern.

Halt’ dich raus, Larry!", fauchte Andy wütend. „Dieser lausige Chink hat mich angegriffen, Will zusammengeschlagen und...“

Ich sehe keinen Chink“, sagte Larry Wolfe trocken.

Dann bist du blind! Schau dir das Schlitzauge doch an, zum Teufel!“

Wolfes graue Augen glitten von seinem Bruder ab und wanderten zu Sheng hinüber. Für einen Moment kreuzten sich die Blicke der beiden Männer. Ruhig, mit unbewegtem Gesicht, lehnte Sheng an der Theke. Er spürte die erregte Neugier der Zuschauer, Andy Wolfes hitzköpfige Wut, den Hass des hünenhaften Will - und er spürte im Blick seines Gegenübers eine nüchterne, forschende Geradlinigkeit, die ihm sagte, dass dieser blonde Vormann ganz sicher nicht der Typ war, der mit einer Maske vor dem Gesicht aus dem Hinterhalt auf Menschen schoss.

Die Stimme des Keepers zerbrach die Spannung: „Dein Bruder hatte Streit mit Old Chap, Larry. Der Fremde verhinderte nur, dass Andy den Revolver zog. Und dann ist Will auf ihn losgegangen.“

Welches Recht hat der Kerl, sich einzumischen?“, ereiferte sich Andy. „Verdammt, ich...“

Sei froh, dass du nicht zum Mörder geworden bist“, knurrte Larry Wolfe. „Jemand sollte euch Narren die Schießeisen abnehmen, bevor ihr eine Flasche Whisky anrührt. Verschwinde, Andy! Wir reiten zur Ranch!“

Verdammt, ich denke nicht daran ...“

Gibst du jetzt neuerdings die Befehle?“

Andy Wolfe zog den Kopf ein. Der Junge schleuderte noch einen wütenden Blick in Shengs Richtung, dann schwang er herum. Auf unsicheren Beinen stolperte er zur Tür, und seine Kumpane packten den Hünen mit dem Stoppelhaar unter den Achseln und schleppten ihn hinterher. Nur der blonde Vormann verharrte noch einen Moment an seinem Platz.

Wieder begegnete sein Blick den ruhigen dunklen Augen Shengs. Sekundenlang sah es so aus, als wolle Larry Wolfe etwas sagen - doch dann schien er zu spüren, dass Worte überflüssig waren und wandte sich ebenfalls schweigend ab.

Seine Sporen klirrten. Schweigend ging er zur Tür, und wenig später entfernte sich draußen auf der Mainstreet bereits das Hufgetrappel.


*


In dem kleinen Raum brannte flackernd eine Kerosin-Lampe.

Miriam Baker hob den Kopf, als Sheng eintrat. Sie sah blass aus, die grünen Augen schimmerten dunkel wie Smaragde. In die schnellen, flachen Atemzüge des Verwundeten auf dem Bett mischte sich das regelmäßige Tick Tack einer alten Standuhr.

Ein bleiches Lächeln glitt über Miriams Züge, als sie auf den freien Stuhl wies.

Es hat Streit gegeben?“, fragte sie leise. „Der Doc erzählte davon ...“

Sheng setzte sich. Die Wärme des Zimmers hüllte ihn ein wie ein Mantel.

Ein betrunkener Junge wollte auf Old Chap schießen“, sagte er halblaut. „Ein Cowboy der Ingram-Ranch, der Bruder des Vormanns.“

Andy Wolfe.“ Miriam zog die Schultern hoch, als friere sie. „Ein junger Hitzkopf. Aber ich habe ihn immer für einen anständigen Kerl gehalten.“ Ihr Blick glitt zu dem bleichen, eingefallenen Gesicht des Jungen hinüber, und ihre Augen schienen sich noch mehr zu verdunkeln. „Auch Jimmy ist ein Hitzkopf, Sheng. Es hat immer Streit gegeben zwischen den Ingrams und den Bakers. Der Creek ... Wasser und Weide ... Auf unserem Land liegen die einzigen Quellen weit und breit in diesem Gebiet.“

Und Ingram braucht das Wasser?“

Nicht nur Emmet Ingram. Seine Weiden liegen südlich der Baker Ranch, im Norden schließt sich das Land von Jet Carlile an. Beide hatten mit meinem Vater Verträge über die Wasserrechte geschlossen ...“

Sie verstummte abrupt. Ihre schmalen Hände verschlangen sich ineinander.

Und jetzt?“ fragte Sheng.

Mein Vater ist tot.“ Miriams Augen richteten sich auf einen unsichtbaren Punkt an der Wand. „Er wurde ermordet, in den Rücken geschossen, das ist jetzt vier Wochen her. Emmet Ingram oder Jet Carlile - einer von den beiden will sich nicht mehr mit den Rechten aus dem Vertrag begnügen. Einer von ihnen will alles - die Quellen, die Ranch, das Land. Ich weiß nicht, wer es ist. Es gibt keine Beweise...“

Und was glauben Sie?“

Ihr Blick kehrte zu ihm zurück. Für einen Moment war in ihrem Gesicht der Ausdruck von Trauer und Schmerz - erschreckend lebendig.

Ich weiß nicht, was ich glauben soll“, sagte sie leise. „Es sind unsere Nachbarn, Sheng! Ich kenne sie seit meiner Kindheit. Sicher, es hat Streit gegeben. Kämpfe um die freie Weide, die demjenigen zufiel, der die Macht hatte, sie zu behalten. Mein Vater kam später ins Land als Jet Carlile und Emmet Ingram, und er musste sich zwischen ihnen behaupten. Vielleicht haben sie ihn gehasst. Aber Mord? Brandstiftung? Offener Terror?“

Es ist geschehen“, stellte Sheng fest.

Ja, es ist geschehen. Sie haben meinen Vater und Sun Lai erschossen, sie wollten Jimmy, Chap und mich umbringen.“ Miriam schüttelte den Kopf, als könne sie es immer noch nicht begreifen. „Ich verstehe das einfach nicht! Es kommt mir wie ein böser Traum vor. Es ist furchtbar, zu wissen, dass einer der Menschen, die man sein Leben lang gekannt hat, so etwas tut.“

Für einen Moment blieb es still.

Sheng hatte sich zurückgelehnt, blickte nachdenklich ins Leere und lauschte dem Echo nach, das Miriams Worte tief in seinem Innern geweckt hatten. Ja, es war furchtbar. Furchtbar und unbegreiflich! Und doch geschah es immer wieder, hier wie überall auf der Welt. Wasser und Weide - das waren in diesem weiten Rinderland die Zauberworte. Anderswo mochten sie Gold oder Silber heißen, Diamantenschätze, neues Land oder geheimes Wissen. Aber immer ging es um Reichtum und Macht.

Um den Reichtum und die Macht, die auch der Schwarze Drache erstrebte. Um derentwillen jener mächtige Geheimbund damals das Kloster vom Weißen Lotus in Schutt und Asche gelegt hatte, wo die Mönche seit Jahrhunderten die Schriftrolle mit den letzten Weisheiten der Lehre des Tao Chi hüteten. Weisheiten, die dem Eingeweihten die größte Kraft und Energie der ganzen Welt versprachen, die der Menschheit vielleicht eines Tages großen Segen bringen würden - und die doch entsetzliches Unheil anrichten konnten, wenn sie in die falschen Hände fielen.

Sieben Siegel besaß die Schriftrolle, in sieben Teile war sie zerschnitten worden, um sie vor dem Zugriff des Schwarzen Drachen zu retten, sieben Mönche und Kämpfer vom Weißen Lotus waren mit dem Geheimnis in alle Richtungen der Windrose geflohen. Sheng hatte einen Teil dieser kostbaren Rolle übernommen. Und seit damals, als er wie tausend andere Kulis beim Bahnbau arbeitete und die Schergen des Schwarzen Drachen auf den unerschrockenen Kung Fu-Kämpfer aufmerksam geworden waren, fand er keine Ruhe mehr, keinen Frieden ...

Mit einem tiefen Atemzug schüttelte er die bedrängenden Bilder ab.

Sein Blick schien von weither zurückzukehren. Er hörte wieder das Ticken der Uhr, die schweren Atemzüge des Verwundeten, und er sah den forschenden Ausdruck in Miriams Augen.

Was wird jetzt Ihrer Meinung nach geschehen?“, fragte er ernst.

Sie zog die Schultern hoch. „Was soll schon geschehen - wir werden die Ranch verlieren! Die letzten Cowboys sind davongelaufen, seit nach dem Tod meines Vaters immer öfter Schüsse aus dem Hinterhalt fielen. Jetzt ist auch noch Sun Lai tot und Jimmy verletzt. Wie soll ich allein mit Old Chap einen Trümmerhaufen und leeres Land verteidigen? Die Baker-Ranch ist eine Todesranch geworden.“

Also wird derjenige, der Sie überfallen hat, die Ranch einnehmen?"

Details

Seiten
120
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738908053
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v354186
Schlagworte
sheng rivalen ende

Autor

Zurück

Titel: Sheng #9: Rivalen bis zum bitteren Ende