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Trent McShanes Schatten

2017 130 Seiten

Leseprobe

Trent McShanes Schatten

 

Ein Western von Larry Lash

 

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach Motiven von Meinard Dixon & Sidney Laurence mit Steve Mayer, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Klappe

Trent McShane hat eine dunkle Vergangenheit hinter sich gelassen. Einige Jahre hat er im Gefängnis gesessen, und nun kommt er endlich frei. Doch diese neue Freiheit nimmt einen tragischen Verlauf, denn McShanes einstiger Zellengenosse Mort Hayle hat in der Zwischenzeit ein abgekartetes Spiel begonnen und sich die Ranch der McShanes in Montana unter den Nagel gerissen. Denn er sieht aus wie Trent McShane, und damit hat er alle in die Irre geführt.

Als Trent das erfährt, kennt er nur noch ein Ziel. Er muss Hayle zur Rechenschaft ziehen und dieses Spiel beenden. Zusammen mit seinem Partner Bass Mitter reitet er nach Montana. Auf dem Weg dorthin müssen die beiden Männer um ihr Leben kämpfen, denn Mort Hayle weiß natürlich längst, dass Trent McShane frei ist – und er wird alles tun, um zu verhindern, dass dieser sein Ziel erreicht.

 

 

 

 

 

 

 

1.

 

 

Eine Tür flog auf. Der Beamte am Schreibtisch hob den Kopf, blinzelte gegen die Sonnenstrahlen, die durch die geöffnete Tür fielen. Die Silhouette eines Mannes, der abwartend mit einem Begleiter in der Tür stand, fiel ihm ins Auge.

Beide Männer warteten, der Wärter im Hintergrund, den Mann beobachtend, der abgehärmt, hager und blass, seine Augen senkte, gegen die Lichtfülle im Raum ankämpfte und starr auf seine Füße herabschaute.

Nummer 345, Chef.“

Yeah, gewesen! Treten Sie näher, Trent McShane. Unterschreiben Sie Ihre Entlassungspapiere.“

Das war kein Befehl mehr, sondern eine Aufforderung. Die Stimme des Allgewaltigen, Chef des Zuchthauses von Prescott, hatte an Härte eingebüßt. Er war nur noch Beamter, der leise vor sich hinlächelte, sich die Bemerkung aber nicht verkneifen konnte: „Rein will keiner, aber raus wollen alle. Jetzt sind Sie dran, Mister. Vor fünf Jahren wussten wir wirklich nicht, wen wir entlassen sollten.“

Es war nicht meine Schuld, dass Mort Hayle mit mir die Zelle teilte, Mister“, schleppte Trent McShane. Nur zögernd ging er mit hängenden Schultern auf den Schreibtisch zu, blieb einen Yard davor stehen und wartete.

Jovial lächelnd legte der Chef die Papiere zurecht. Stellte Tinte und Halter daneben.

Sicher, Sie haben damit nichts zu tun, und Sie können auch nichts dafür, dass jener Ihnen wie ein Ei dem anderen glich. Man nannte euch nur die Zwillinge...“

Das ist mir bekannt, Chef“, brach es fast heiser von den Lippen des Gefangenen, der gleich keiner mehr sein sollte. „Schätze, dass es doch eigenartig ist, dass Mort Hayle schon vor fünf Jahren entlassen werden konnte. Er hatte doch dieselbe Strafe bekommen, wir hätten am gleichen Tag entlassen werden müssen.“

Sicher — aber auch jetzt kann ich Ihnen nichts darüber sagen, Mister Trent McShane. Tut mir leid.“ Er zuckte mit den Achseln, sah zu, wie die nervige Hand McShanes den Halter ergriff, ihn vorsichtig in die Tinte tauchte und in kühnem Zug seinen Namen unter das Entlassungspapier setzte.

Bin ich nun entlassen?“

Das war eine verdammt sonderbare Frage. Der Boss riss die Augen auf, rieb sich kurz die Nase, blickte zu dem verlegen grinsenden Wärter hinüber.

Yeah, das sind Sie!“, platzte er heraus. „Meinen Glückwunsch!“

Den behalten Sie für sich, Mister“, klang es rau, abgehackt zurück.

Das war noch nicht vorgekommen. Der Wärter zuckte wie unter einem Hieb zusammen, verhielt so, bereit, jeden Augenblick zuzuspringen. Der Boss schnappte nach Luft, war einem Schlaganfall nahe.

Sie haben es nötig... Sicher werden Sie bald wieder hier landen, Mister“, explodierte er grimmig. „Verlassen Sie den Raum, lassen Sie sich Zivilzeug geben, und dann ... so long!“

Der Wärter winkte. McShane drehte sich schwerfällig auf dem Absatz, hatte fast die Tür erreicht, als der Chef ihm nachbrüllte: „Sagen Sie einmal, Mister, welche Laus ist Ihnen denn über die Leber gelaufen, heh?“

Trent blieb wie unter einem Kommando stehen. Es war nicht leicht, ein freier Mann zu sein. Zehn Jahre Zuchthaus konnten aus einem Mann eine Maschine machen, der auf Anhieb stand und sich auf Zuruf bewegte... der nur auf eine Nummer hörte, und jetzt plötzlich doch keine mehr war.

Wenngleich der Allgewaltige auch nicht mehr die Nummer 345 herausbrüllte, so war das Ertönen seiner Stimme einem Hieb in den Rücken gleich.

Aus düsteren Augen schaute er den Chef an. Entsann sich, dass er keine Nummer und auch kein Gefangener mehr war, hob ruckartig den Kopf, lachte seltsam vor sieh hin, gab aber keine Antwort auf die Frage.

Verzeihung, Chef, vielleicht hält er sich für unschuldig“, gab der Wärter mit einem Augenzwinkern zu verstehen. „Vielleicht ist er genau so wie alle anderen. Sie wissen nie was sie ausgefressen haben und weshalb sie hier waren!“

Yeah, das hätte er vor zehn Jahren der Jury sagen sollen und nicht uns an seinem Entlassungstag“, sprühte der Mann hinterm Schreibtisch heraus, hob wie in Abwehr oder im großen Ärger beide Hände, krampfte sie in seinen dunklen Vollbart hinein. „Vor zehn Jahren hätte er Gelegenheit dazu gehabt, etwas zu seiner Verteidigung zu unternehmen.“

Hören Sie, McShane, was werden Sie jetzt tun?“

Reiten“, klang es dumpf, hallte durch den schmucklosen Raum, ließ den Chef die Hände zu Fäusten ballen und sie mit einem Ruck niedersausen, auf den Schreibtisch aufkrachend. Er stemmte sich in seinem Sessel hoch, wirkte wie die verkörperte Drohung, aus Fleisch, Muskel und Knochen. Sein kantiges Kinn schob sich vor.

Reiten? Sie wollen wieder auf den langen Trail? Ich sage Ihnen, McShane, das wird Sie bald unter einen Galgen führen!“

McShane ließ die Worte an sich abprallen. Hager, blass und mit dunkel glühenden Augen stand er im Raum, Er war groß, knochig, hatte ein männliches Gesicht mit regelmäßigen Gesichtszügen und eine kräftige Nase. Er wirkte wie eine in Stein gehauene Statue eines Kämpfers. Sein volles, schwarzes Haar zeigte graue Strähnen. Buschig standen die Brauen in dem bleichen Gesicht. Jetzt kam ein undeutbares Lächeln in sein Gesicht, kerbte sich in den Mundwinkeln ein und verharrte dort.

Ich werde nach Montana reiten, Chef. Dort haben meine Eltern eine Ranch ...“

Himmel, weshalb sagen Sie das erst jetzt?“

Weil ich nicht wollte, dass ein Brief aus dem Zuchthaus meinen Dad erschreckte, er sollte sich nicht meinetwegen schämen. Jetzt bin ich frei... so long!“

So long, McShane. Bis nach Montana ist es sehr weit. Halten Sie die Ohren steif, Mann, und denken Sie immer daran, was hinter Ihnen liegt. Vielleicht können Sie das Jucken in den Handflächen überwinden. Reiten Sie jedem Streit aus dem Weg und wenn Sie einen Sheriff sehen, ziehen Sie die Eisen und entfernen Sie vorher alle Patronen. Man kann sich nur einmal gegen das Gesetz vergehen und mit einem blauen Auge davonkommen. Beim zweiten Mal würde selbst der Teufel Sie nicht vor dem Galgen retten können. Bedenken Sie das, McShane!“

Chef und Freigelassener standen sich gegenüber, musterten sich kalt und aufmerksam.

Auf McShanes wuchtiger Stirn standen glitzernde Schweißperlen. Langsam hob er die Rechte, wischte mit dem Ärmel über die Stirn und keuchte: „Was vor zehn Jahren geschah, ist in wenigen Worten erklärt, Boss... und das sage ich Ihnen noch einmal... ich habe den Sheriff von Danton nicht erschossen! Well, bevor ich das Zuchthaus verlasse, soll es gesagt werden, und Sie können es zu den Akten nehmen, oder nicht!“

Interessant, McShane. Aber wie wollen Sie sich da herauswinden? Sie haben zugegeben, auf den Sheriff geschossen zu haben, und werden jetzt auch dabei bleiben müssen."

Yeah, das kann ich nicht bestreiten. Aber ich weise es ab, dass meine Kugel ihn getötet hat. Bei mir war es Notwehr.“

Notwehr? Warum?“

Es war sehr einfach, Boss. Ich kannte Danton kaum, als ich vor zehn Jahren in das kleine Nest einritt. Außerdem war es in der Dämmerung. Plötzlich stürzte eine Gestalt auf die Fahrbahn, schrie mir etwas zu und schoss auch schon. Mein Pferd brach unter mir zusammen. Ich konnte noch durch einen Sprung aus dem Sattel kommen und feuern. Deutlich sah ich, dass meine Kugel die Revolverhand des anderen traf. Im nächsten Moment dröhnte etwas seitlich von mir ein Schuss auf, hieb zu dem waffenlosen Mann mitten auf der Fahrbahn, streckte ihn lang...“

Yeah, zwei Kugeln hatten den Sheriff von Dalnon niedergestreckt... Well, McShane, nur der Sheriff wusste, weshalb er Ihnen in den Weg sprang. Leider ist er tot und nahm sein Geheimnis mit sich. Sie wollen also bestreiten, dass Sie Mort Hayle damals schon gekannt haben?“, lauerte der Mann hinter dem Schreibtisch.

Durch Trent McShane ging ein Beben. Finster zogen sich seine Augenbrauen zusammen.

Yeah, ich bestreite es... Ich war selbst überrascht, als ich nach meiner Festnahme Mort Hayle gegenüberstand. Und nicht nur ich war es... alle anderen, die uns beide sahen, waren es ebenfalls.“

Well, Sie kommen reichlich spät mit Ihrem Bericht heraus, McShane. Vor fünf Jahren hat Mort Hayle bereits die damalige Tat rekonstruiert, und — hören Sie genau zu — fast dieselben Worte zu seiner Entlastung gebraucht wie sie. Das war auch einer der Hauptgründe, dass er vorzeitig entlassen wurde. Außerdem hatte er einflussreiche Freunde, die sich um ihn kümmerten!“

Es traf den anderen wie ein Schlag. Er zuckte wie unter einem Peitschenhieb zusammen. Sein Gesicht verzerrte sich. Sein Blick irrte zum Chef. „Sie hätten sich das alles vor zehn Jahren ausdenken, oder Mort Hayle zuvorkommen sollen“, klang es kalt. „Ihre Erklärung ist reichlich abgedroschen, denn Sie haben mir wirklich nichts Neues berichtet.“

Wortlos, mit hängenden Schultern machte Trent McShane kehrt, schritt steifbeinig hinter dem voranschreitenden Wärter her, und wieder klappte eine Tür zu, ein Gang nahm die beiden auf. Rechts und links Zellen, Nummern, dahinter Gitter... Kerle, mit bärtigen, grauen Gesichtern, die durch die Gitterfenster spähten, böse grinsten, grimmig dreinblickten, doch allen gemeinsam war das erschreckend ausdruckslose Glimmen in den Augen, der Hunger nach Licht...

Aber das alles sah McShane nicht. Dagegen war er abgestumpft. In zehn Jahren war er selbst zu einer Nummer geworden. Ja, Nummer 345, und Mort hatte die Nummer 346 gehabt.

Türen öffneten sich vor ihm und schlossen sich hinter ihm. Wieder Gänge, Zellen, Gitter und vor ihm die breiten Schultern des Wärters, der ab und zu zurückblickte und kalt grinste.

Wachen Sie auf, McShane“, brummte die Stimme des bulligen Wärters. „Mann, Sie träumen ja ... Dort liegen Ihre Zivilsachen, Ihre Auslöhnung und Ihr Eisen. Munition müssen Sie sich selbst beschaffen; früher war man hier großzügiger, aber wie gesagt, früher. Bis dann der Teufel los war und so ein Bursche auf den verteufelten Einfall kam, sofort sein Eisen in Gebrauch zu nehmen, seine Wärter ins Jenseits zu befördern, und versuchte, aus dem Zuchthaus ein Freudenhaus zu machen. Er ließ eine Anzahl wilder Vögel hinaus, und eine Revolte brach aus. Aber solche Gedanken haben Sie sicher nicht, McShane?“

Nein, nein, ich habe mich noch nicht genügend an die wiedergewonnene Freiheit gewöhnt, ich muss erst wieder lernen, keine Nummer mehr zu sein ...“

Ich sage Ihnen, wenn sich die Tore des Zuchthauses öffnen und Sie die ersten Schritte auf die Straße getan haben, wird es anders sein. Und nun los, ziehen Sie die Anstaltskleidung aus. Wenn Sie in Zivil vor mir stehen, werde ich wohl Mister sagen müssen!“ Sein Grinsen verstärkte sich. Mit flinken Händen drehte er zwei Zigaretten, hielt eine davon Trent entgegen.

Rauchen Sie, McShane. Ein freier Mann kann selbst in diesen geheiligten Mauern rauchen.“ Nur zögernd griff Trent zu, steckte das Tabakröllchen zwischen die blutleeren Lippen, ließ sich Feuer geben, hörte das leise, kichernde Lachen des Wärters hinter sich und hörte ihn sagen:

Sie sehen aus wie ein Cowboy, der dem Totengräber von der Schippe gesprungen ist!“

Das war kein Wunder. Hose, Baumwollhemd und Weste waren viel zu weit. Trent zerrte den Leibgurt straff, langte nach seinem Eisen. Es war ein 45er alter Ausführung. Kolben und Lauf verschrammt. Fast andächtig nahm er das Eisen in die Hand, blickte in die Mündung, ins Magazin, und nickte befriedigt.

Kein Rost“, murmelte er vor sich hin.

McShane, das würde sich der Chef nicht nehmen lassen. Er lässt alle Waffen immer sorgfältig pflegen. Schauen Sie auch ihre Chaps an, als Sie vor zehn Jahren ankamen, fehlten drei Zierknöpfe, hier auf dem Schein steht’s ...“

Yeah“, hauchte Trent, schüttelte sich etwas und murmelte, „es ist alles in Ordnung!“

Scheinbar nicht“, entgegnete der Wärter und ließ keinen Blick von Trent. „Sie benehmen sich reichlich sonderbar, Mister... Jetzt kann ich ja Mister sagen, Sie stehen in Zivil vor mir. Jeder andere ist ziemlich protzig, wenn er hier heraus kann und prahlt schon von seinem neuen Leben. Well, schauen Sie durch das Fenster und nehmen Sie den Eindruck mit, es sind die Lebenslänglichen...“

Ich kenne den Anblick.“

Trotzdem sollten Sie noch einmal hinunter schauen, könnte nicht schaden. Jedem Mann, der entlassen wird, sage ich das.“

Warum?“, klang es düster zurück.

Er soll eine heilsame Lehre mitnehmen. Einen Anblick, den er nie vergessen soll. Hören Sie, Mister, es sind lebende Tote, ohne Hoffnung, ohne Zukunft. Jeden Tag eine halbe Stunde frische Luft ... immer im Kreis ... endlos, bis an das Ende ihrer Tage. Diese halbe Stunde ist der einzige Lichtblick ...“

Er brach ab, sah mit verkniffenen Augen sein Gegenüber an, der sich mit einem Ruck seinen Waffengurt um die Hüften schlang, das Halfter mit der Waffe nach vorn rückte, schnell und heftig atmete.

Ich sage Ihnen, dass ich niemals unter ihnen sein werde ... solange ich meine Eisen habe ... Mag kommen was will, aber in diese Mauern werde ich nie wieder einkehren!“

Yeah, viele haben das gesagt, außer einem. Er war sechzig Jahre, sollte entlassen werden, bat, man solle ihn behalten, und dann musste er doch gehen. Man kann doch einen Mann, der seine Strafe verbüßt hat, nicht hier behalten... Nun ja, er ging, eine halbe Stunde später saß er wieder hinter Gittern. Grund? ... Er wollte wieder hinein, hatte diese halbe Stunde der Freiheit dazu benutzt, mit seinem Colt Amok zu laufen!“ Rau, abgehackt klang das Lachen des Wärters. „Dabei war der Oldtimer nicht einmal verrückt...“

Sicher, er fand sich nicht mehr zurecht“, murmelte Trent McShane.

Yeah, es gibt seltsame Sachen, Mister. Hier in diesem Umschlag ist Ihre Löhnung. Sie wollen nach Montana?“

Yeah!“

Mit dem Geld können Sie sich Reit- und Packpferd kaufen und können sich mit Proviant und Munition versorgen. Sie sollten doch lieber mit der Postkutsche reisen. Es kommt billiger.“

Ich werde reiten“, sagte Trent, nahm die Zigarette aus dem Mund, ließ sie fallen und trat darauf, löschte mit der Stiefelsohle die Glut, lachte rasselnd vor sich hin. „Die Löhnung von zehn Jahren. Dasselbe hätte ich als Cowboy in drei Monaten verdienen können!“

Yeah, als Cowboy ..., wir sind jedoch kein Wohlfahrtsinstitut, Mister“, schroffte es zurück. „Und nun kommen Sie!“

Wieder folgte Trent dem Wärter, aber jetzt behinderte ihn keine Zuchthauskleidung. Leise klirrten seine Sporen, flappten die Chaps bei jedem Schritt und seltsam, McShanes Lungen dehnten sich, sein Gang wurde beschwingter, freier.

Die Freiheit ist schon in Ihnen, Mister. Vergessen Sie nicht, dass diese Freiheit da draußen auch begrenzt ist, dass es Gesetze gibt, die ... na Sie wissen schon, was ich meine. Freiheit im eigentlichen Sinne steht nur in den Sternen geschrieben. Wir dürfen nur davon träumen, das ist aber auch alles!“

Der Teufel mochte wissen, woher der Wärter seine philosophischen Anwandlungen nahm. Was er eigentlich wollte, weshalb er immer wieder Trents verkniffenes Gesicht fast scheu von der Seite musterte, und warum er noch am Zuchthaustor sagte: „Hören Sie, Mister..., Sie gleichen einem Loafer, der sich auf eine Fährte setzen will. Habe das Gefühl, dass so eine Fährte für Sie schrecklich enden könnte, denn am Ende aller Fährten ist immer etwas, was mit Kugeln behoben werden muss. Niemals steht nur eine Eins dort... immer sind es mehrere, vergiss das nicht, Cowboy, werde nicht zum Schatten!“

Trent McShane hob überrascht den Kopf. Sonnenfluten prallten auf den Hof. Wachposten schauten grinsend zu ihm hin.

Ich werde es nicht vergessen, und Dank für den Rat!“

Er tippte an die verwaschene Hutkrempe seines Stetsons, passierte mit schnellen Schritten das Tor, die Wachposten, stand auf der Straße, und hinter ihm lagen die grauen, vergitterten Fenster, lagen Wachtürme, Wärter, Elend und Not.

 

*

 

Er blickte sich nicht um. Hastig überquerte er die Fahrbahn, rannte fast, und blieb erst stehen, als er sicher war, dass das Zuchthaus nicht mehr zu sehen war. Nun schaute er wie erwachend um sich.

Es wimmelte in den Straßen wie in einem aufgescheuchten Ameisenhaufen. Reiter und Fuhrwerke aller Art kreuzten auf. Planwagen, Prärieschoner, die plump und schwer von Ochsengespannen gezogen wurden, bis zum eleganten Einspänner, alles war vertreten. Staub und Dreck schwängerte die Luft. Lärm brandete ringsumher. Musik dröhnte aus den Kneipen, den Bars, Spielrooms und den Tanzhallen. Store an Store reihte sich...

Für McShane bedeutete dies alles den Eintritt in ein neues Leben. Er saugte alles in sich hinein, wie ein Verdurstender. Was tat es, dass seine Blässe immer wieder prüfende Blicke anzog. Es machte ihm nichts aus, verstärkte nur seinen Abwehrwillen, erfüllte ihn mit einem gewissen Trotz, einer Gleichgültigkeit gegenüber seiner Umwelt. Einmal gurrte ein Frauenlachen dicht an seinem Ohr. Fast erschrocken wirbelte er herum. Sah eine betörende Frau, die verlegen zurückprallte.

Entschuldigung, Mister, ich hielt Sie für einen Bekannten“, sprudelte es von ihren Lippen.

Er konnte nichts erwidern, sah sie nur beobachtend, misstrauisch an, und sie wandte sich schroff herum, ließ ihn einfach stehen. Lange stand er auf einem Fleck und sah ihr nach. Ihr Blondhaar faszinierte ihn, und seine Blicke hingen an ihr, bis das Gewühl der Menschen sie aufgenommen hatte.

Das war seine erste Begegnung mit einer Frau ... seit zehn Jahren. Das waren die ersten Worte, der erste Eindruck, der sich in ihm einbrannte. Sie hatte ihn stehen lassen... na ja, er hatte sich ja auch recht tölpelhaft benommen. Ein leises Lächeln in den Mundwinkeln, ging er seines Weges. Sein erstes Ziel sollte ein Mietstall sein. Den Lockungen der Kneipen, die mehr als genug vorhanden waren, widerstehend, hatte er sein Ziel bald erreicht. Ein Stallknecht kam ihm entgegen.

Kann man hier Pferde kaufen?“

Der krummrückige Stallknecht mit den gichtigen Fingern musterte ihn schnell, abschätzend, sagte: „Man kann, wenn man Money genug hat, Mister!“

Trent überhörte das Anzügliche, duckte sich unter dem Holm durch, trat in den Stall und warf dem anderen zu: „Hol den Besitzer, aber ein bisschen fix!“

Das ist nicht nötig, Mister.“

Dann sind Sie etwa selber ... ?“

Yeah, kommen Sie. Ich habe Reit- und Tragetiere sowie auch gute Gespannpferde. Bei den ersten Boxen finden Sie einige gute Pferde... aber Sie sind wohl lange genug über eine Weide geritten, ich brauche Ihnen sicher keinen Wink zu geben, stimmt’s?“

Ruckhaft blieb Trent stehen, sah den Buckligen seltsam an, barschte: „Wenn sich ein Mann wie ein Cowboy kleidet, braucht er noch lange keiner zu sein, Mister.“

Sicher, aber ich habe meine Erfahrungen“, murrte der Alte. „Außerdem habe ich nicht gesagt, dass Sie von einer Weide kommen...“

Was wollen Sie damit sagen?“, explodierte Trent. Er war stehengeblieben, lehnte sich an eine Box und ließ den Verwachsenen nicht aus den Augen.

Ich nehme an, dass in ihrer Waffe nicht eine einzige Kugel steckt, Mister“, gab der andere ruhig zurück. „So werden nur Boys behandelt, die aus dem Zuchthaus kommen. Ich habe nichts gegen Sie, werde mich hüten. Aber mein Gedächtnis ist noch gut, und Sie wurden vor fünf Jahren schon einmal entlassen und standen genau da, wo Sie jetzt auch stehen. Was haben Sie denn dieses Mal... ? Ah, es hat mich ja nicht zu interessieren. Sie wollen gewiss wieder ein Reit- und ein Packpferd, wie?“

Genau das, Mister“, entfuhr es Trent überrascht. „Allright. Proviant, Munition und was sonst noch dazu gehört, bekommen Sie gleich drüben auf der anderen Straßenseite. Sicherlich wollen Sie sich wieder für einen langen Ritt vorbereiten?“

Yeah, so ist’s. Können Sie sich denn noch erinnern, wohin ich mich das letzte Mal gewandt habe?“, lauerte Trent, hielt den Atem an, denn er wusste nun, dass Mort Hayle vor fünf Jahren aus diesem Mietstall Pferde bezogen hatte und von hier aus aufgebrochen war. Merkwürdig, dass der Zufall ihn hierher geführt hatte.

Der Mietstallbesitzer duckte sich etwas, schielte ihn an und grinste: „Wenn Sie es wünschen, habe ich das glatt vergessen!“

Ich will aber, dass Sie es noch wissen!“

Well, ich weiß, dass der Trail nach Norden ging, vielleicht erst nach Utah, dann nach Wyoming... vielleicht auch nach Montana... Aber das müssen Sie ja besser wissen, Mister!“, schleppte der Bucklige und lächelte stärker. „Ich würde Ihnen auch raten, schnell aufzubrechen, denn das, was Sie vor fünf Jahren hier angestellt haben, ist noch nicht vergessen. Der alte Groy Mitter lebt noch, seine Tochter auch... und ihr Bruder würde wenig danach fragen, ob ein Mann aus dem Zuchthaus kommt, oder nicht... Doch das wissen Sie ja alles besser als ich, stimmt’s? Sie werden sich doch noch an Nelly erinnern und an das kleine Anwesen vor der Stadt... Na ja, war Ihre Sache...“ Er brach ab, musterte Trent schnell, wie gehetzt, und flüsterte: „Sage Ihnen nur, dass ihr Bruder jeden Tag die Stadt abgrast, immer in der Hoffnung, Sie zu finden. Das tut er schon seit fünf Jahren und wird erst dann Ruhe haben, wenn er Sie vor seinem Eisen hat... Sie müssen wissen, was Sie machen. Gegen Bass Mitter haben Sie jedoch keine Chance, denn er ist ein Revolvermann bester Klasse, ein Beidhandschütze und kalt wie Eis.“

Warum erzählen Sie mir das alles?“, unterbrach Trent den kleinen Mann mit den Gichtfingern.

Einfach ...“ Der Bucklige reckte sich, deutete mit dem Daumen in der Richtung, wo das Zuchthaus stehen musste, und brachte heiser heraus: „Auch ich kam einmal da heraus, und hinter mir schlossen sich die Eisentore ... Ich fing neu an und blieb... blieb in der Nähe des Zuchthauses, damit ich immer wieder vor Augen habe, wie gut es ist. die Freiheit zu besitzen. Well, es ist für mich tagtäglich ein Genuss zu leben. Well, und darum kann ich Kanonen, die in glühend heißen Stiefeln herumlaufen und mit den Eisen fix sind, nicht allzusehr leiden, und wenn es gar Revolvermänner oder Beidhandschützen sind, erst recht nicht, denn diese Kerle gehen immer am Zuchthaus vorbei, ohne darin zu landen. Sie können schießen und wenn sie es tun ... ist es einfach Notwehr, weiter nichts... Der Teufel mag das alles holen. Well... so ist das.“

Sie erklären sich solidarisch mit den Männern, die aus dem Zuchthaus kommen?“, forschte Trent erregt.

Im gewissen Sinne ja“, klang es prompt zurück. „Sie waren zweimal drin und das müsste doch wirklich genügen, um ein anderes Leben zu beginnen. Kommen Sie, Mort Hayle.“

Trent wusste genug. Die Erregung trieb einen dicken Kloß in seine Kehle, ließ ihn schlucken und würgen.

Jetzt wusste er, dass sich sein Schatten auf den Trail nach Norden gemacht hatte, wusste aber auch gleichzeitig, dass Mort im gewissen Sinne dafür gesorgt hatte, dass ein unversöhnlicher Gegner ihn schon hier in Prescot belauerte, um ihn auszulöschen. Das sah nicht nach einem Zufall aus. Mort hatte irgendein Ding gedreht, das war sicher... aber was es war, das entzog sich seiner Kenntnis.

Ah, der Anfang war bitter. Er tappte im Dunkeln, während der Gegner ihn genau kannte, ihn jederzeit stellen und zum Kampf zwingen konnte. Rau, heiser lachte Trent vor sich hin. Der Teufel selbst hatte ihm die verdammte Ähnlichkeit mit Mort Hayle gegeben. Schon einmal hatte diese Ähnlichkeit ihn ins Zuchthaus gebracht, hatte sein Leben und seine Zukunft fast zerstört.

Mort Hayle... der Name trieb ihm das Blut ins Gesicht, ließ sein Trommelfell erdröhnen, sein Herz in rasendem Rhythmus schlagen, gegen die Wandungen der Rippen pochen.

Warum wandte sich Mort nach Norden, als er vor fünf Jahren entlassen wurde... warum schuf er sich einen Feind, der allen Grund hatte, ihn niederzuschießen?

Weil er genau wusste, dass er, Trent, einmal entlassen würde... Es war ein verdammt übles Spiel. Mort wollte seinen Schatten, den Mann, der ihm aufs Haar glich, aus der Welt schaffen ... Ah, warum nur? Hatte er Angst, dass er seine Fährte aufnehmen, ihn verfolgen, stellen und vernichten würde?

Mort, dieser Gaul wäre etwas für Sie“, brummte der Stallbesitzer, blieb stehen und deutete auf einen drahtigen, schlanken Falben. „Er ist ausdauernd, zäh und genügsam, hat einen langen Atem und gute Lungen. Sie sollten ihn sich genauer ansehen.“

Trent beugte sich vor, trat nahe an das Tier heran, untersuchte es fachmännisch, fragte:

Der Preis ... ?“

Dreißig Dollar, Mister!“

Wenn er ein Blender ist, dann ist er nicht mal die Hälfte wert, im anderen Falle ist es ein faires Geschäft. Ich nehme ihn!“

Sie werden es nicht bereuen, Mister. Und nun kommen Sie zu den Packpferden. Sie stehen im Corral. Falls Sie durch die Berge wollen, würde ich Ihnen ein Muli empfehlen. Es braucht aber keins zu sein, habe auch einen Gaul darunter, der fast so gut klettern kann wie der Falbe!“

Wenn er hält, was Sie versprechen, nehme ich ihn. Will ihn mir mal anschauen!"

Der Bucklige schleppte sich vorwärts. Sie ließen den Stall hinter sich und kamen zu dem Corral.

Dort, der hagere Braune mit der Blässe auf der Stirn und den schwarzen Stulpen, das ist er. Er sieht zwar nicht großartig aus, dafür bekommen Sie ihn auch für zwanzig Dollar“, nuschelte der Verwachsene.

Trent stellte den rechten Stiefel auf die Corralstange, schob sich den Stetson etwas aus der Stirn, und sagte: „Ich brauche diesem Burschen nicht einmal in das Zahngehege zu sehen, schätze sein Alter auf neun Jahre. Er ist bodenweit und vorgiebig, die Hinterhand ist nicht nur durchtretend, sondern fast bärentatzig, hat einen zu langen Widerrist, zu steile Schultern und eine ziemlich schwache Hinterhand. Wenn ich alle Fehler aufzählen würde...“

Stopp“, unterbrach der Bucklige. „Schätze, Sie sind nicht nur hinter Rindern hergeritten, wie?“

Ich habe Pferde getrieben“, klang es leise. „Habe Hunderte von Pferden unter meinem Sattel gehabt ...“

Broncobuster?“

Wie man’s nimmt, aber so eine Karikatur ist mir noch nicht begegnet. Der Gaul ist in seiner Hässlichkeit noch kaum mehr zu übertreffen! Schauen Sie dort, den Rotbraunen mit dem Rammskopf und dem überladenen Hals, den werde ich nehmen.“

Vierzig Dollar!“, klang es knapp und mürrisch. „Der Himmel möge mich bestrafen, aber vierzig Dollar ist kein Preis für diesen Gaul“, grinste der Bucklige.

Achtundzwanzig ... und keinen Cent mehr. Sie wissen genau, dass der Rammskopf seine Tücken hat. Außerdem ist sein Kehlgang zu eng...“

Hölle und Teufel!“, unterbrach der Kleine, „wenn Sie so weitermachen, Mister, zweifle ich nicht daran, dass ich in meinem Corral nur Kroppzeug beisammenstehen habe.“

Aber nehmen Sie ihn in Gottes Namen für den Spottpreis!“

Well, und jetzt Sattel und Zaumzeug..

Kommen Sie ins Haus, Mister, schauen Sie sich die Sachen an. Habe alles vorrätig, vom Holzrahmensattel bis zum ..

Der Zwerg verstummte, trat ins Haus. In der weichen Halbdämmerung begann Trent seine Wahl unter den Sätteln zu treffen. Der Bucklige störte sich nicht daran, trat ans Fenster und schaute hinaus.

Plötzlich stieß er einen unterdrückten Schrei aus, winkte aufgeregt mit den Armen.

Bass Mitter... Heh, Mort Hayle, kommen Sie her!“

Bass Mitter?“, fragte Trent, ließ beinahe den Sattel fallen, den er in der Hand hielt, besann sich, schleppte nach kurzem Zögern Reit- und Packsattel beiseite.

Teufel“, zischte der Bucklige ihm zu. „Sie haben verteufelte Nerven. Bass Mitter ist hier, reitet auf seinem Rappen zum Store. Mann Gottes, haben Sie denn gar keine Nerven. Kann sein, dass er zufällig hier hereinschaut, und wenn er Sie entdeckt, dann kann ich Ihnen garantieren, dass es knallt und die Hölle los ist...“

Bass Mitter“, murmelte Trent. Seine Augenbrauen schoben sich drohend zusammen. Er machte einige Schritte, doch der Bucklige streckte ihm abwehrend, fast verzweifelt die Arme entgegen.

Mann“, stöhnte er ächzend, „bleiben Sie, wo Sie sind. Sie haben auch nicht die geringste Chance. Er könnte Sie von seinem Gaul aus sehen und dann... Ah, Sie sind des Teufels... Ich wasche meine Hände in Unschuld. Ich habe Sie gewarnt.“

Es war fast nur noch ein stammelndes Gezische. Die Gichthand des Krüppels klammerte sich an Trents Arm, zerrte an dem Stoff der Weste, krallte sich fest. Doch Trent ließ sich nicht aufhalten, trat an das Fenster und spähte hinaus.

Draußen flirrte die Sonne. Staub wallte in sanften Schleiern. Menschen hasteten hin und her, eilten geschäftig auf den Bohlensteigen. Ein prächtiger Rappe hielt mitten auf der Straße. Sein Reiter war eine Klasse für sich. Man wusste nicht, was es war, was ihn aus dem Rahmen der anderen Menschen heraushob. Es lag nicht allein an den tiefgeschnallten Colts, auch nicht an seiner düsteren Kleidung. Alles war schwarz gehalten. Selbst das Halstuch ... und gewiss würde es das Taschentuch auch sein. Nein, irgend etwas war an diesem Mann, was ihn sofort als Revolvermann kennzeichnete... und sah man ihn richtig an, wusste man plötzlich, dass es seine kalten, hellen Augen waren, die wie Gletscher wirkten.

Groy Mitters Sohn, der Bruder Nellys, der Sie...“ Wieder brach der Bucklige mitten im Satz ab.

Trent streifte mit einem Ruck die Klauenhand des Alten von seinem Arm.

Sie ruinieren mich“, wimmerte er.

Treten Sie um Himmelswillen vom Fenster zurück. Man sagt von Bass Mitter, dass er seine Feinde findet, dass er sie auftreibt und dass ihm keiner entkommt. Nehmen Sie doch Vernunft an, Mort, und bedenken Sie, dass Sie keine Kugel in Ihrem Colt haben. Bedenken Sie ferner, dass dies dem Rappenreiter wenig ausmacht, er würde Ihnen eine seiner eigenen Waffen zuwerfen und Sie zum Ziehen zwingen... und das hier, in meinem Bau ... in meinem Haus.“

Der Kleine war wirklich einem Nervenzusammenbruch nahe, stöhnte immer wieder und. klammerte sich erneut an Trent fest, bemüht, diesen vom Fenster fortzuzerren. Wie ein Spinne hing er an Trent McShane. Seine rotgeflammten Augen weiteten sich vor einer unbegreiflichen Angst.

Mister“, flehte er, „Sie bekommen Sattel, Zaumzeug und alles umsonst... alles ...“

Auch die Pferde?“, spottete Trent, ohne sich von seinem Beobachtungsposten abdrängen zu lassen.

Die nicht...“, wehte es an sein Ohr. „Haben Sie doch ein Herz, wenn Sie hier erschossen werden, muss ich für Ihre Beerdigung aufkommen, und das wird zur Folge haben, dass man meinen Laden meidet, keine Pferde mehr bei mir kauft... mich ruiniert ...“

Trent tat ihm den Gefallen. Blieb jedoch einige Yards vor dem Fenster stehen, schaute aus der Tiefe des Raumes auf den Reiter, neben sich den atemlosen Zwerg.

Inzwischen hatte der Rappe den gegenüberliegenden Store erreicht und hielt an. Sein Reiter schwang sich aus dem Sattel. Sofort spritzten einige Halbwüchsige auseinander, die offenbar Langeweile hatten. Einige Männer wichen scheu zur Seite, stierten feindselig hinter dem Revolvermann her, der sich pantherhaft geschmeidig unter den Holm duckte, auf dem Gehsteig stehenblieb, seltsam eilig nach allen Seiten blickte, als müsse er sich vergewissern, dass keine Gefahr drohte.

Hochgewachsen, mit breiten, athletischen Schultern und unwahrscheinlich schmalen Hüften, stand er an der Verandasäule gelehnt. Verhaltene Kraft, pumahafte Bereitschaft und Kräfte vereinten sich in ihm. Man sah es ihm an, dass er ein Kämpfer war; dass der Kampf für ihn Lebensnotwendigkeit war. Er brauchte ihn wie das tägliche Brot.

Gelangweilt beobachtete er eine geraume Zeit das Treiben auf der Straße. Seine Gelassenheit bedeutete nichts anderes als ständige Bereitschaft. Ein Mann wie Bass Mitter musste immer und zu jeder Stunde damit rechnen, dass ihm ein Möchtegern in den Weg sprang, dass ein hungriger Killer ihm vor die Stiefel stolperte, dass einer der Männer vom langen Trail ihn mit einem Schrei herumriss, um an ihm seine Eisen und die Schnelligkeit seiner Hände auszuprobieren. Well, so unglaublich es klingen mag, aber es gab wirklich solche Männer, die immer auf der Suche nach dem besseren Mann waren, um dann an ihm ihre Kräfte zu messen und erst dann Ruhe fanden, wenn einer ins Gras biss.

Einige Minuten stand er da wie versunken. Scheinbar sah und hörte er nichts, was um ihn herum vorging. Die feindseligen Blicke der Passanten prallten an der kristallenen Kälte seiner Augen ab. Seine hervorstehenden Backenknochen gaben dem Gesicht eine außergewöhnliche Breite. Sein mächtiges Kinn würde selbst von dem Schlag einer Männerfaust nicht gleich splittern. Es war vorgeschoben, wuchtig und beherrschte das Gesicht.

Trent saugte den Anblick dieses Mannes wie trunken in sich hinein. Ah, er kannte solche Männer aus früheren Tagen.

Zehn lange Jahre waren plötzlich wie ausgewischt, waren einfach überbrückt.

Himmel, was ist Ihnen, Mister?“, stöhnte der Bucklige.

Übel ist mir, speiübel; Mort Hayle hat mir eine dicke Suppe zurückgelassen, und ich, ich soll sie auslöffeln“, murmelte er, ohne den Alten anzusehen. Dieser griff sich mit beiden Händen an den Kopf und starrte Trent mit irrem Blick an. Wahrscheinlich zweifelte er plötzlich an seinem Verstand. Sicher war es so, denn sein Blick flackerte und merklich unruhig wich er von ihm ab.

Ah, ich verstehe ... es tut Ihnen leid, wie? Wirklich, das hätte ich von Ihnen nicht erwartet. Hielt Sie bisher für einen Hartgesottenen, für einen, der sich nicht einen Deut daran stört, was er mit seinen Händen zertrümmert. Die Reue kommt etwas spät, Mort Hayle. Das einzige, was Sie noch retten kann, ist die Flucht... und zwar sofort, auf der Stelle. Satteln Sie Ihr Pferd und reiten Sie...“

Ich habe keinen Proviant und keine Munition“, unterbrach Trent. Seine Zähne knirschten aufeinander, als er nach einer Atempause herausstieß: „Ich muss beides haben ...“

Mann Gottes ... reiten Sie, schlucken Sie Staub und reißen Sie die Sporen über Flanken und Weichen. Proviant bekommen Sie auch in Asfork ... überall... aber hier sind Sie keine Minute sicher. Jeder Herzschlag kann Ihr letzter sein. Warten Sie, bleiben Sie hier im Raum, ich sattle die Pferde und führe sie dann durch den Hof in die Nebenstraße. Sie können unbemerkt entkommen, können Ihr Leben retten!“

Der Zwerg war wie toll vor Eifer. Schweiß stand auf seiner Stirn, rann in kleinen Bächlein von seinen Wangen.

Zögern Sie nicht, Mister... es ist verdammt warm hier, und es wird noch heißer werden, wenn Sie bleiben... Es ist unangenehm, wenn ein Mann auf der Schwelle zur Freiheit einer Kugel in die Fluglinie gerät. Mort...“ Er rüttelte Trent heftig am Arm. „Mort, seien Sie doch vernünftig. Ich kann mir denken, was Sie vorhaben. Sie würden am liebsten auf den verteufelten Burschen durch das Fenster schießen ... ohne Anruf, ohne Warnung... aber das wäre gleichbedeutend mit Selbstmord oder ewig hinter Zuchthausmauern unterzutauchen ... und davon haben Sie doch sicherlich die Nase voll, wie? Seien Sie vernünftig, Mann, bedenken Sie, was Freiheit nach zehn Jahren Kerker bedeutet. Freiheit... hören Sie?“

Eindringlich redete der Verwachsene auf ihn ein, doch Trent wehrte fast schroff ab, stieß heftig heraus:

Unter diesen Umständen frei zu sein, bedeutet die Hölle. Ich bleibe und werde mir Proviant holen, werde meine Eisen mit Futter versorgen!“

In Teufels Namen“, schnappte der Alte bissig. „Sie hätten als letzten Eindruck den Marsch der Lebenslänglichen in den grauen Mauern mitnehmen sollen. Es ist eine heilsame Lehre!“

Überrascht schaute Trent auf den verkrüppelten Kerl, wandte sich schweigend ab, wollte gehen. Die Stimme des anderen erreichte ihn unter den Türbalken.

Wo wollen Sie hin?“

Dem Tod geradewegs in den Rachen schauen“, klang es brüchig zurück.

Himmel“, krächzte es erstickt. Die Arme des Verwachsenen hoben sich wie Windflügel, kreisten in den Gelenken, konnten jeden Augenblick abbrechen, durch die Luft sausen. Es war kein schöner Anblick.

Wem soll ich eine Nachricht schicken?“, bellte er.

Trent blieb nachdenklich stehen, wischte mit der Stiefelspitze den Sand durcheinander und murmelte: „Wenn ich mein Ziel nicht erreichen sollte, so ist es besser, wenn meine Angehörigen nichts mehr von mir hören. Ja, Alter, Sie können mich beerben und alles Nötige veranlassen. Wünsch mir einen feinen Sarg, das ist alles!“

Allright, Mort. Sie sind ein harter Mann. Das Zuchthaus war keine heilsame Lehre!“

 

 

2.

 

 

Trent spürte die brennenden Blicke des Mietstallbesitzers in seinem Rücken. Mit fast trippelnden Schritten überquerte er den Hof, blinzelte gegen die flutende Sonnenglut. Blaue und violette Schatten lagen in den Winkeln und Nischen. Irgendwo bellte ein Hund. Genau vor ihm wischte der Schatten eines kleinen Vogels durch die Luft. Er trat schnell in den Stall, schaute nicht in die Boxen links und rechts des Ganges. Irgendwie trieb es ihn vorwärts. Kaum trat er aus dem Stall auf die Straße hinaus, als er auch schon wie angewurzelt stehenblieb und zu dem Rappen hinüberschaute, der auf der anderen Straßenseite an den Holm gebunden war.

Eine seltsame Spannung durchströmte sein Nervensystem, machte ihn hellwach. Im Vorwärtsschreiten tastete er nach seinem Colt. Nur wenige Yards vor dem Rappen blieb er stehen und musterte das gleißende Fell des wunderbaren Tieres.

Sonderbar, für Minuten vergaß er die Gefahr, die der Besitzer dieses Pferdes für ihn bedeutete. Der Teufel mochte wissen, wo sich Bass Mitter im Augenblick aufhielt. Vielleicht war er im Store und kaufte ein, oder er war in die gleich nebenan liegende Kneipe gegangen, um seine staubige Kehle mit einem Whisky zu spülen.

Well, auch Trent war es verdammt trocken in der Kehle. Er schluckte mehrmals, als ob er etwas hinunterwürgen müsste. Bewundernd nahm er das Bild des Tieres in sich auf. Erfasste sofort die edle Herkunft. Das Geäder lag plastisch auf der Haut. Die Nüstern waren rosig, die Fesseln zierlich. Seine größte Aufmerksamkeit galt dem Brandmal. Es war ein Hufeisen, auf der Schulter eingebrannt, kaum im schwarzen Fell erkenntlich.

Well, diesem Rappen konnte man mit einem gewöhnlichen Gaul nicht davonreiten. Es war ein fabelhaft gebauter Wallach, mit breiten Lungen und einem unbezähmbaren Temperament. „Stranger, ein schönes Tier, wie?“

Wie von einer Tarantel gestochen wirbelte Trent herum. Etwas seitlich von ihm, auf dem Bohlensteig, lehnte ein Kerl an einem Stapel leerer Kisten, deutete gemächlich auf den Rappen, grinste breit, murmelte:

Sie sind recht nervös, Mister!“

Ab und zu nur, das ist nicht zu verleugnen. Habe wohl eine schlechte Nacht gehabt, Gent!“

Der Alte mit den lückenhaften Zähnen, schob die Stummelpfeife in eine Zahnlücke, sog kräftig an dem zernagten Mundstück und betrachtete Trent reichlich offen, nickte vor sich hin.

Yeah, man sieht es!“

Ob diese Feststellung sich auf Trents bleiches Aussehen bezog, oder ob er sich über ihn lustig machen wollte? Trent kam nicht dazu, es zu erforschen. Einige Straßenpassanten waren stehengeblieben, lugten neugierig herüber, spitzten die Ohren. Unverkennbar war Trent in den Mittelpunkt des Interesses gerückt.

Es war klar, man kannte den Rappen, kannte den Besitzer und ... man machte sich Gedanken über den Mann, der so interessiert sein Augenmerk auf den Rappen lenkte.

Trent wurde es langsam unangenehm in seiner Haut, erregt blickte er zu den Menschengruppen, dann zur gegenüberliegenden Straßenseite, dorthin, wo der Mietstall stand und wo hinter den erblindeten Fensterscheiben das verzerrte Gesicht des Verwachsenen, bleich und fast maskenhaft sichtbar war.

Er gab sich einen Ruck, trat an den Bohlensteig, legte die Rechte auf die Klinke, öffnete die Tür zum Store, trat ein. Eilig huschten seine Augen durch den Raum. Zwei Männer zeigten ihm den Rücken. Gedämpft klangen ihre Stimmen zu ihm hin. Ihm gegenüber, hinter der Ladentheke, stand ein Mädchen und richtete ihren Blick auf ihn.

Sie wünschen?“

Diese Frage ließ ihn nähertreten und, den Stetson vom Kopf nehmend, lächelte er sie verlegen an.

Madam, ich habe einen größeren Einkauf zu tätigen. Was ich vor allen Dingen brauche ist Munition für meine 45er.“

Beim Klang seiner Stimme flackerte es seltsam in ihren Augen auf. Sie erwachten sozusagen zu einem erschreckenden Leben, huschten über ihn, krallten sich in seinem Gesicht fest.

Mort“, flüsterte sie beinahe tonlos. „Sie hätten niemals nach Prescott zurückkommen sollen. Bass war hier und kommt gleich wieder, sagen Sie schnell, was Sie brauchen und wo ich es hinschaffen lassen kann, und dann gehen Sie, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist!“ Sie beugte sich über die Theke zu ihm hin, so dass ihr Haar ihn streifte, ihr rot geschminkter Mund ihm sehr nahe war.

Unverkennbar war die Sorge und Furcht aus ihrer Stimme herauszuhören, und etwas Undeutbares schwang darin mit.

Madam, ich sehe keine Veranlassung dazu. außerdem habe ich keine Munition ...“

Ihre Blicke irrten über ihn hinweg, wanderten zu den beiden Männern im Hintergrund des Raumes, die, augenscheinlich mit ihrem Gespräch zu Ende, herüberblickten und Trent mit bedeutsamen Blicken bedachten.

Zu spät!“, hauchte das Mädchen, „Phil Sogan hat dich erkannt. Um Himmelswillen, was auch immer geschehen mag, denk daran, dass ich nicht vergessen habe, was damals geschah, und dass ich immer wieder an dich denken musste; ja, ich habe mich sogar nach dir gesehnt...“, raunte sie aufgeregt, heiser und eilig. „Auch die Sache mit Nelly verzeihe ich dir, Mort, aber Bass wird das niemals können. Sie war seine Schwester... Er wird dich auslöschen ..

Madam, geben Sie mir die Munition ...“

Das wird dir nichts mehr nützen ..., mein Gott“, stammelte sie gequält.

Es bimmelte, ihre Augen brannten über seine Schultern hinweg, wurden weit, starr und erschreckend leer, waren auf die Tür gerichtet.

Auch ohne hinzusehen wusste Trent, wer dort soeben den Laden betreten hatte, wer sich mit pantherhafter Lautlosigkeit näherte, einige Yards hinter ihm stehenblieb und fragte:

Madam, haben Sie meine Sachen bereitgestellt?“

Die Stimme hatte einen weichen Klang und passte nicht zu dem Mann, der in diesen Kleidern steckte. Doch Trent ließ sich nicht täuschen. Er wusste, die melodische Stimme eines Mannes konnte sich oft wandeln, konnte jählings zu einer metallischen Härte, zu einem tödlichen Klirren werden.

Er zog die Schultern ein, fühlte Kälteschauer über seinen Rücken jagen. Hinter ihm stand der Mann, den Mort Hayle auf ihn gehetzt hatte. Ein Mann, dessen Colts Gesetz waren.

Aufmerksam beobachtete er aus den Augenwinkeln heraus die beiden Gents, sah, wie der Bärtige im Hintergrund die Hände ausstreckte.

Phil?“, klang die weiche Stimme hinter Trent fragend. Keine Antwort erfolgte. Der Mann im Hintergrund deutete mit einer seltsamen Bewegung auf Trent, ließ die Arme sinken und an den Seiten herabpendeln.

Bass, ich habe nichts vergessen. Es ist alles bereit!“, bebte die Stimme des Mädchens. „Und wenn alles Bisherige Bass Mitter nicht stutzig gemacht hätte, dieses Beben musste selbst einem Greenhorn auffallen.

Trent senkte den Kopf. Stierte wie verzaubert auf die Theke, starrte auf die ausgestellten bunt bemalten Porzellantassen, ohne sie zu sehen. Vor seinen Augen verschwommen die Gegenstände, dafür wurde sein Gehör aber empfindlicher, registrierte alle Geräusche.

Irgend etwas polterte im Hintergrund dumpf zu Boden. Ein schnelles Schnaufen, abgerissene Atemzüge und das leise Schaben gleitender Stiefelsohlen tönte.

Der Tiger von Prescott stand nun dicht hinter ihm, und Trent fühlte, wie das Baumwollhemd auf seinem Rücken schweißig wurde, auf der Haut klebte.

Es herrschte atemlose Stille.

Vor ihm wich das Mädchen langsam zurück, heftig wogte ihr Busen, dunkelrot leuchtete ihr samtenes Kleid, das eng anliegend die Formen ihres Körpers betonte. Das enge Mieder drohte unter den jagenden Atemstößen zu zerreißen.

Hallo, Stranger“, tönte es in die mit berstender Spannung geladene Stille hinein. „Schätze es nicht, wenn man mir den Rücken zeigt!“

Ein kleiner Schrei kam von den Lippen des Mädchens. Wie abwehrend hob sie die Hände, streckte sie aus, krallte sie in das polierte Holz der Theke und jetzt erst loderten ihre Augen Trent an, brannten sich in seinem Gesicht fest.

Ich habe dich etwas gefragt, Stranger“, klang es aufreizend höflich.

Trent stemmte sich mit den Händen ab, drehte sich langsam herum.

Hallo“, sagte er rau, „wenn einer den Wunsch hat, mit mir zu reden, ich bin nicht abgeneigt!“

Es war erstaunlich. Die Gletscheraugen zeigten weder Überraschung noch Verwunderung. Entweder, der Revolvermann hatte sich und seine Nerven sehr in der Gewalt, oder aber er wusste von seinem Hiersein, wusste es ganz genau ... und das konnte nur bedeuten ...

Sieh an, Mort Hayle“, flüsterte er, neigte etwas den Kopf. „Ich wusste, dass sie dich wohl heute entlassen würden. Jeden Tag wartete ich auf dich. Es freut mich, dass du dich nicht aus dem Staub gemacht hast...“

Sicher“, unterbrach Trent, „es hätte auch wenig genutzt, wer einen so vorzüglichen Gaul unterm Sattel hat wie du, dem sollte es ein leichtes sein, jedes andere Pferd aus dem Rennen zu bringen!“

Der andere lächelte wie geschmeichelt, strich sich eilig mit der Hand eine schwarze Haarsträhne aus der Stirn.

Mort, eigentlich hätte ich niemals gedacht, dass du den Mut haben würdest, mir nochmals gegenüberzutreten, aber um so besser. Willst du es hier oder vor der Stadt austragen? Bedenke, dass du hier Zeugen hast...“

Nicht um einen Grad härter wurde die Stimme Bass Mitters. Sie blieb freundlich, höflich, zuvorkommend. Jeder unbeteiligte Zuschauer hätte angenommen, dass zwei alte Bekannte sich über das Wetter unterhielten.

Bass, tut mir leid, aber den Gefallen kann ich dir nicht tun. Ich schieße mich nicht mit dir!“

Nicht?“, klang es erstaunt, ungläubig, seltsam forschend. Bass hob schnell den Kopf, und seine Gletscheraugen tasteten vorsichtig sein Gegenüber ab. „Ich verstehe, du willst das Mädchen aus dem Raum haben. Sie war ja einmal deine Freundin..., hm, kann ich verstehen, schick sie fort!“

Du verstehst mich falsch, Bass... Bevor du dich mit mir schießt, würde ich dir raten, zum Zuchthaus zu reiten und dich dort zu erkundigen, wie lange ich hinter den Mauern gesessen habe!“

Was sollte das nützen? Das wäre für dich ein Aufschub von höchstens zwei bis drei Stunden, dann aber würde ich dich doch gestellt haben. Wozu willst du mir diese Arbeit machen?“

Bass Mitter kam näher heran, stellte sich neben Trent, legte ihm die Hand auf die Schulter und fuhr in seinem Gespräch fort. „Fünf Jahre hast du hinter dir... und davor ebenfalls fünf. Du bist eben ein Mann, der immer nur herauskommt, um etwas frische Luft zu schnappen, hinter Weiberröcken herzujagen, den Mädels Unglück zu bringen, um dann wieder hinter den grauen Mauern unterzutauchen. Du bist ein eigenartiger Vogel und entziehst dich deiner Unterhaltspflicht auf eine etwas sonderbare Weise

Unterhaltspflicht?“, unterbrach Trent fragend. Der andere lachte rasselnd, nahm seine schwere Hand von Trents Schultern.

Solltest du etwa nicht wissen, dass meine Schwester Nelly ein Baby von dir hat? Es ist ein Boy, und ich möchte dir nur sagen, wir von der Hufeisen-Ranch dulden keine krummen Sachen, das wärst du doch sicher verstehen, oder nicht?“

Yeah, nur zu gut, Bass“, murmelte Trent. Ein galliger Geschmack legte sich auf seine Zunge. Das Mädchen an der Theke richtete sich steif auf. Wieder war die erschreckende Leere in ihrem Blick als sie herausstieß:

Mort, dass Nelly Mitter ein Kind hat, habe ich nicht gewusst, Sie sind ein Schuft!“

Regen Sie sich nicht auf, Madam“, lächelte Bass Mitter hart. „Er wird selbst wissen, was er von sich zu halten hat. Vor fünf Jahren hat er sich nicht gerade gut benommen, und es ist kein Wunder, dass er wieder im Zuchthaus landete. ..“

Yeah“, mischte sich Phil Sogan, der bärtige Mann aus dem Hintergrund, ein. „Mir schulden Sie tausend Dollars ... Spielschulden ... Sie verstehen?“

Trent zuckte die Schultern. Goddam, es wurde verdammt ungemütlich. Mort Hayle schien nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis ein sehr flottes Leben geführt zu haben. Nur der Teufel mochte wissen, was er alles angestellt hatte... Jedenfalls war das, was allein hier in Prescott geschehen war, erschreckend. Er hatte ausreichend dafür gesorgt, dass Trent McShane eine geballte Ladung vor die Füße bekam, sobald auch er entlassen wurde. Himmel und Hölle! Trents Fingerspitzen begannen zu jucken, in seinen Handflächen wurde es schweißig. Er ballte sie zu Fäusten, und Bass Mitter sah es mit grimmiger Genugtuung.

Nun, Mort?“ Die Frage riss ihn aus seinem wirren Grübeln.

Ich sagte schon, gehen Sie zum Gefängnis, Bass, und erkundigen Sie sich. Wenn Sie danach noch die gleiche Ansicht vertreten ... gut, dann werde ich mich mit Ihnen schießen!“

Feigling“, zischte das Mädchen, lachte fast hysterisch und fügte höhnisch hinzu: „Vor fünf Jahren gehörte Ihnen Prescott, Sie hatten jeden Tag Schießereien und brachten die ganze Stadt durcheinander. Man nannte Sie nicht umsonst den wilden Mort. Jeden Tag gab's was Neues. Man hielt Sie für total verrückt! Halten Sie mich nicht auf, Bass“, schrie sie den Revolvermann an, als dieser sie mit einer raschen Handbewegung unterbrechen wollte. „Jetzt und sofort will ich mit diesem sauberen Mister abrechnen, ich habe allzu lange alles hingenommen, habe immer an ihn geglaubt, doch jetzt kann ich es nicht mehr... er soll es wissen, dass ich ihn für den größten Schuft auf Gottes Erdboden halte! Damals ... ganz Prescott brachte er in Aufregung, trieb alles auf die Spitze, um dann, als ihm der Boden zu heiß wurde, plötzlich zu verschwinden ... und wir erhielten die Nachricht, dass er wieder im Zuchthaus gelandet sei, um weitere fünf Jahre abzusitzen. Mort Hayle, Sie sind nicht nur feige, sondern dazu auch noch furchtbar dumm...!“

Schweigend hörte Trent zu, blickte das Mädchen an, zuckte mit keiner Wimper. Als sie ihre Anklage hervorgeschleudert hatte, trat sie rasch an ihn heran, holte aus, doch er fing ihre kleine Hand mitten im Fluge ab, hielt sie fest.

Benommen schrie sie auf, wand und wehrte sich.

Lass sie los“, zischte Bass. Die Sanftheit war aus seiner Stimme wie fortgewischt. Er lächelte nicht mehr, hatte aber seine lässige Haltung noch nicht aufgegeben.

Bass, eine Frage, wenn eine Katze Ihnen ins Gesicht fährt, lassen Sie es zu?“, schroffte Trent.

Ich nicht... aber Sie werden es schon zulassen müssen“, brummte er grimmig. „Die Hände weg, Gent.“

Trent war versucht es zu tun, doch im gleichen Augenblick erwachte ein unbändiger Trotz und eine Leidenschaft in ihm, die sich gegen Bass wandte. Reine Leidenschaft, die sich aus früheren Tagen noch in ihm befand, die selbst das Zuchthaus nicht aus ihm pressen konnte. Seine Rechte klammerte sich noch fester um die Handgelenke des Mädchens.

Und wenn nicht... ?“, schleppte er.

Sofort erstarb der Widerstand des Mädchens. Phil Sogan prallte einen Schritt zurück, und sein Begleiter, ein zerknittert aussehender Mann unbestimmbaren Alters, duckte sich erschrocken.

Ziehen Sie“, sagte Bass. „Ein Eisen haben Sie ja, Mort.“

Well“, murmelte Trent mit verkniffenen Lippen. „Sie wollen es ja nicht anders haben!“

Bass Mitter lächelte grimmig, nickte, schob sich mit dem Rücken von der Theke. „Na, dann los. Ist auch das beste, wenn die Sache gleich hier erledigt wird, denn dann ist sie aus der Welt geschafft. Ich könnte Sie zusammenschlagen ... aber das wäre nicht gerecht. Mit einer Kugel ist die leidige Angelegenheit am besten erledigt... !“

Sein Eisen ist nicht geladen“, unterbrach das Mädchen fast schrill, als sie sah, dass Trent sie losließ, um sich ebenfalls von der Theke zu lösen.

Nicht geladen?“, forschte der Revolvermann. Seine Gletscheraugen gingen von einem zum anderen, blieben dann auf dem Mädchen haften und wanderten zu Trent.

Mort, ich liebe derartige Späße nicht. Sie wollen mich durch Ihren Tod wohl ins Zuchthaus bringen? ... Wäre für Bass Mitter ein schlechtes Zeugnis, wenn man seinen Gegner wohl mit gezogener Waffe, aber ohne Patronen, finden würde. Damned, so etwas dulde ich nicht. Ich bin kein Killer und habe immer fair gekämpft... konnte mich mit meiner Methode selbst in einer Stadt wie Prescott halten ...“

Sie hätten den Mund halten sollen, Madam“, brach es aus Trent heraus. Der Himmel allein mochte es wissen, was die Frauen doch für seltsame Geschöpfe sind. Erst machte sie ihm Hoffnung, dann schrie sie ihm ihre Verachtung ins Gesicht, und nun hatte sie plötzlich Angst, dass er aus den Stiefeln fahren könnte!

Er lächelte verlegen. „Seien Sie überzeugt Bass, dass ich trotz allem kein Selbstmordkandidat bin“, sagte er, als ob er sich für etwas entschuldigen müsste.

Das saß!

Bass Mitter rang nach Luft. Flammende Röte jagte über sein breitflächiges Gesicht, und seine Backenmuskeln zuckten. Mit wenigen Worten hatte ein Mann seine Revolverehre angegriffen, hatte ihn fast lächerlich gemacht. Himmel und Hölle! Gegen eine Kugel aus einem tiefhängenden Colt war selbst der Teufel nicht gefeit, würde den Schweif einziehen und sich auf leisen Sohlen davonmachen.

Seine Rechte fiel herab, kam hinter dem Eisen zu liegen. Mit einer gleitenden Bewegung riss er den Colt heraus, hielt ihn am Lauf Trent McShane entgegen und harschte:

Zwei Chancen für dich, Mort... greif zu und feuere sofort... Du siehst, dass ich dir das rechte Eisen überlasse und links greifen muss!“

Seine athletische Gestalt straffte sich. Kalt, ohne Leben waren die Gletscheraugen, zeigten keine Regung, aber hinter den eisblauen Scheiben brannte gewiss ein Hölle.

Du bist sehr sicher“, dehnte Trent McShane fast spöttisch. Er wusste genau, dass jeder Schießer diese Gelegenheit nicht ungenutzt gelassen hätte. Man brauchte nur die Hand um den Kolben zu krallen und den Hammer springen zu lassen.

Fast verächtlich blickte er auf die Waffe, die weder Kimme noch Korn, noch Abzugbügel hatte, verächtlich auf die nervige Hand, die unter seinem Blick jetzt leise bebte, zurückzuckte. Zwei Griffe, der Waffengurt fiel jetzt hinter Bass Mitter zu Boden, die Eisen schepperten, blieben liegen. In die Stille hinein knarrte Phil Sogans krächzende Stimme, wie hallende Hammerschläge:

Sie tun mir da einen persönlichen Gefallen, Mister Bass Mitter... von einem Toten hätte ich niemals meine tausend Dollar erhalten, lassen Sie ihn leben, aber stutzen Sie den Burschen auf seine richtige Größe zurecht. Meinetwegen besäumen Sie ihm die Ohren, oder lassen Sie ihn tanzen... Sie können ihm auch die Knochen einzeln brechen, und was dann übrigbleibt, überlassen Sie mir...!“

Bass schob seinen muskelbepackten Oberkörper etwas herum, sah den Bärtigen strafend an. „Mister“, sagte er wenig freundlich, „ich liebe den Verrat, aber den Verräter hasse ich. Irgendeiner soll diese Worte schon vor mir gebraucht haben ... der Mann war kein Dummkopf!“

Bass Mitter, ich warne Sie“, zischte der Bärtige.

Sie? He, wohl weil hinter Ihnen einige schmutzige Burschen stehen, was? Sogan, machen Sie sich nicht lächerlich! Wenn ich mit Mort Hayle fertig bin, können Sie es mit mir versuchen, ich stehe Ihnen gerne zur Verfügung!“

Er wandte sich etwas ab, lachte eigenartig und sagte: „Mort, mit dir rechne ich gerne ab, von dir habe ich soweit nichts Schlechtes gehört, sollst ein Kämpfer sein, und wenn du auch oft daneben gehauen hast, so ist das deine Sache. Wenn du mir in die Hand versprichst, zur Hufeisen-Ranch zu kommen, um das Versäumte nachzuholen, wenn du meine Schwester heiratest und dein wildes Leben aufgibst, dann würde ich dich nur etwas zusammentrümmern, sozusagen auf die richtige Größe stutzen ... na?“

Du machst zu viele Worte, Bass.“

Well, ich sehe es ein, habe meinen Atem verschwendet“, entgegnete Bass ruhig, „also los...“

Mit einem langen Satz war er heran, streifte die Schulter Trents, blitzschnell wich dieser aus, holte aus, schlug zu. Seine hartknochige Hand traf Mitters Kinn, ließ den Revolvermann einen überraschten Seufzer ausstoßen, etwas zurücktaumeln, sich sogleich wieder auffangend.

Phil Sogan schrie auf, und das Mädchen schlug beide Hände vors Gesicht, wandte sich ab, und ihre Schultern zuckten unter verhaltenem Schluchzen.

Zwei Männer standen sich geduckt gegenüber, starrten sich an, lächelten sich grimmig zu.

Das Blut schoss dem Revolvermann ins Gesicht. McShanes Faust hatte eine Spur zurückgelassen.

Höre, Mort, damit du klar siehst. Phil Sogan hat nichts mit mir zu schaffen. Er war dein dicker Freund, kann kaum verstehen, dass er sich plötzlich gegen dich stellt. Aber das ist seine Sache, und das musst du mit ihm erledigen, wenn du dies hier durchhältst. Tut mir leid, aber das mit meiner Schwester, hm, das ist eine klare Sache. Solltest du mir aber über sein, kannst du Gift darauf nehmen, dass ich dir bis zum Nordpol folgen werde, um dich vor meine Eisen zu bekommen ... !“

Well, dann reite vorher zum Zuchthaus, wie ich es dir geraten habe ... !“

Den Gefallen kann ich dir tun, Buddy... wenn du gewinnst... in welcher Richtung kann ich dir folgen?“

Komme nach Montana, meine Eltern haben dort eine Pferderanch ... die größte, die es gibt. Es wird dir nicht schwer fallen, mich zu finden!“

Pferderanch ... Montana ... hehehe“, kicherte Phil Sogan, die tausend Dollar scheinen mir sicher zu sein!“

Allright, verlasse mich auf dein Wort, wollen es kurz machen!“

Er wartete unbeweglich Trent McShane schoss vor, griff mit einem schmetternden Schlag an. Mit einer unerwarteten Leichtigkeit war der Schlag gestartet, die Wucht, die dahinter saß, brachte Bass Mitter aus dem Stand, schmetterte ihn gegen die Theke, so dass sie aufdröhnte und das Porzellangeschirr zur Innenseite herabklirrte und in tausend Scherben zerbarst.

Er hätte einige Minuten gebraucht, um diesen Schwinger zu verdauen, aber der andere ließ es nicht zu, griff sofort wieder an, schwang seine Arme, stürmte auf seinen Gegner ein und beide rammten ineinander und tauschten in schwerem Schlagwechsel Hiebe aus. Ihre Fäuste wirkten wie Schmiedehämmer.

Zweimal landete Bass seine Faust auf Trent McShanes zusammengekniffenen Mund, hieb ihn zurück, trieb ihn vor sich her, wurde aber gleich darauf gestoppt. Explosiv, mit einer unerhörten Vitalität brach es aus Trent hervor. Seine Fäuste bahnten ihm einen Weg, erschütterten den Kopf Bass Mitters, prasselten wie ein vernichtendes Feuerwerk auf ihn ein, und der Schwung seines Vorwärtsstürmens war nicht mehr aufzuhalten, nicht mehr zu dämmen. Immer wieder warf er sich vor, schwang die Fäuste, ließ sie kreisen, sausen und aufprallen. Er legte in die Schläge nicht nur sein Körpergewicht und die Kraft des Ansprungs, sondern auch seine geradezu verbitterte Härte. Es war, als ob sich Schleusen geöffnet, oder ein Damm geborsten sei. Zehn verbitterte Jahre saßen hinter diesen Schlägen... zehn Jahre, die in ihm Bitternis, Höllenqualen und Leid angeschwemmt hatten; zehn Jahre, die sich eingebrannt hatten, die sich in diesem Kampf abreagierten.

Bass Mitter konnte sich kaum mehr aufrecht halten, stürzte, rappelte sich wieder hoch, wie durch dunstige Schleier sah er den anderen. Er wich nicht zurück. Sein Starrsinn, sein Stolz ließen es einfach nicht zu, aufzugeben. Immer wieder trieb es ihn dazu, einen Ausfall, einen Gegenangriff zu machen, verwegen auf seinen Angreifer loszugehen.

Zuerst hatte er die Schläge hingenommen mit dem Bewusstsein eines Mannes, der seinen Gegner bald erschöpft weiß... dann aber musste er erkennen, dass er den anderen falsch eingeschätzt hatte, und als ihm diese Erkenntnis kam, war es fast zu spät. Wieder stürzte er zu Boden, knallte mit dem Kopf gegen die Theke und rutschte einige Yards auf dem Boden lang.

McShane stand über ihm, wollte jeglichen Kampfgeist in seiner drohenden Haltung ersticken.

Streck sie hoch“, zischte es hinter ihm. Mit einem fauchenden Schrei wirbelte er herum, stierte mit rotgeflammten Augen im blutverschmierten Gesicht auf Phil Sogan, den massigen Kerl mit dem Knebelbart, starrte in das verzerrte Maskengesicht dieses hinterhältigen Burschen.

Was soll das?“, entfuhr es ihm keuchend.

Der andere lachte, deutete mit der Waffe auf den bewegungslos daliegenden Revolvermann, dann auf das Mädchen... „Streckt sie alle beide hoch“, brummte er. Seine Augen glitzerten seltsam. „Will dir etwas sagen, Sonny...“, unterbrach er sich, schaute zu seinem Begleiter, warf ihm zu: „Schau nach, ob keiner in der Nähe ist, und dann hol die Pferde aus dem Stall, bring sie in den Hof... es wird schnell erledigt sein. Heh, Sonny, was sagst du dazu, wenn ich dir jetzt eine Kugel gebe? Bass Mitter konnte mir keinen größeren Gefallen erweisen ..., aber er hätte dich niederschießen müssen, dann wäre alles erledigt, so aber muss ich es tun...!“

Er bückte sich bei diesen Worten, riss den am Boden liegenden Waffengurt des Revolvermannes an sich, richtete sich blitzschnell auf.

Muss dich mit seinem Colt erschießen, Sonny, und jeder wird der Überzeugung sein, dass es Bass Mitter getan hat... Jeder wird ihn verdammen, verfluchen, und wenn man ihn kriegt, wird er lebenslänglich eingelocht oder den Strick bekommen.

Well, Trent McShane... höre, alle sagen Mort zu dir... alle ... und Mort Hayle wird nun sterben ... für immer von diesem Planeten verschwinden und seine Geliebte mit sich nehmen. Die Szene ist zu echt gestellt, als dass ich sie ungenutzt ließe ... Aber bevor du zur Hölle fährst, sollst du wissen, dass Mort Hayle mich hier zurückgelassen hat, um auf dich zu warten, McShane.“

Er brach ab. Rau, abgehackt, widerwärtig war sein Lachen.

Trent fuhr etwas zurück, hielt die Hände hoch. Wut stieg in ihm auf. Alles was bisher geschehen war, hatte ihn nicht so aufgeregt, ihn nicht so tief ins Mark getroffen, wie diese Lumperei. Sein Verdacht war nun Wirklichkeit geworden. Heiser flüsterte er dem Bärtigen zu: „Deine Informationen hast du wohl direkt aus dem Zuchthaus, wie?“

Yeah, es ist mir ein Vergnügen es dir mitzuteilen. Der Chef selbst war so freundlich, mir deinen Entlassungstag zu berichten. Es war nicht schwer, dich zu beobachten, festzustellen, wohin du deine Schritte lenkst und diesen Killer auf dich zu hetzen.“

Er deutete mit dem Daumen auf den am Boden liegenden Bass Mitter, der immer noch nicht aus seiner Ohnmacht erwacht zu sein schien und auf dessen Stirn sich eine mächtige Beule abhob, die zusehends größer wurde.

Sage dir, Buddy, dass Mort in Prescott alles Mögliche angestellt hat, um einige Leute gegen dich zu hetzen und dennoch wollte er ganz sicher gehen ..., ich glaube er hat recht. Du gleichst ihm zu sehr, Buddy, und deshalb musst du auf den langen Trail...!“

Im gleichen Augenblick regte sich Bass Mitter, blinzelte und sagte laut und deutlich „Coyote“, wollte sich hochstemmen und nach dem rechten Stiefel Phil Sogans greifen. Doch der erkannte die Gefahr, trat rücksichtslos zu, Bass stöhnte, gelbe Funken glommen in seinen Augen. Sogans Begleiter kam gerade durch die Hintertür zurück, hatte ein Eisen in der Hand, wedelte damit aufgeregt herum.

Alles o. k., Boss“, grinste er.

Gut“, murmelte Sogan. Mit der Linken strich er über seine fliehende Stirn. Wenn jemals ein Mann morden wollte, so war er es. Man sah es ihm an, dass er zu allem fähig war.

Trents Blut erstarrte in den Adern. Leise schrie das Mädchen auf, denn Sogans Begleiter schob sich an ihr vorbei zur Kasse hin, dehnte: „Können wir gleich mitnehmen.“

Lass das... pass auf Bass Mitter auf“, schrillte Sogan wütend und schielte zu dem ernsten, knochigen Gesicht Trent Mc Shanes hinüber. In diesem Gesicht war keine Regung wahrzunehmen, es war blutverschmiert aber beherrscht.

Geh aus der Schusslinie, Pit... tu, was ich dir sage!“

Bass versuchte sich wieder hochzustemmen, öffnete den Mund, um etwas herauszubrüllen, doch die Stimme versagte ihm. Die Bestie Sogan hatte die Waffe angeschlagen und die drohende Mündung zeigte auf das leuchtend rote Kleid des Mädchens. Sie war am Ende ihrer Beherrschung, ihrer Kraft und ihres Mutes, drohte in sich zusammenzufallen. Das haltlose, fast lautlose Weinen erschütterte Trent, wühlte in seinem Innern, wühlte Ungeahntes auf. Er wusste nicht, was er tat... aber er tat es im Bruchteil einer Sekunde. Wie mit Zauberhänden riss er seine ungeladene Waffe aus dem Halfter, schleuderte sie durch die Luft, hieb dem Killer das Eisen aus der Hand... und im gleichen Moment, als Trent auf ihn zusprang, zuckte eine Flammenzunge über ihn hinweg, rollte die schwere Detonation des Schusses hinterher, breitete sich ätzender Pulverrauch durch den Store, und der grelle Aufschrei des Mädchens zündete in das wütende Knurren Bass Mitters hinein, der sich mit seinem ganzen Körpergewicht vorwarf.

Weder Trent noch Bass erwischten den geschmeidigen Sogan, der eine unvermutete Wendigkeit entwickelte, die niemand seinem massigen Körper zugetraut hätte. Mit einem langen Satz hechtete er über die Theke, war aus dem Feuerbereich seines Partners, der mit rauchender Mündung an der Hintertür stand ... Trent und Bass dazu zwingend, in Deckung zu bleiben.

Soll ich sie ... ?“

Lass das Mädchen raus, sofort!“

Eine Tür klappte zu. Trent schoss wie ein Katapultgeschoss in die Höhe, erstarrte zur Bildsäule. Draußen hieben Pferdehufe den Boden, entfernten sich in rasender Eile. Schüsse bellten.

Buddy ... her mit deiner Hand ... ich lasse von mir hören.“

Bass Mitter schwankte heran. Man sah es ihm an, dass er vom Faustkampf noch reichlich mitgenommen war. Schwer senkte sich seine Rechte auf Trents Schulter, glitt ab, drückte die Hand, die ihm bereitwillig entgegengestreckt wurde. „Bleib und kümmere dich um das Mädchen, Rex steht draußen ... die entkommen mir nicht!“

Er wandte sich schwerfällig ab, stampfte schwankend zur Tür... riss sie auf... und prallte zurück.

Rex!“, gellte es von seinen Lippen wie ein Aufschrei. „Rex!“ ... wehte es leise, wie erlöschend hinter her. Seine Hände griffen ins Leere, fielen herab, und sein Kopf senkte sich. Das Kinn hing ihm auf der Brust. „Sie haben ...“ Er konnte nicht weitersprechen. Seine Worte erstickten ihm in der Kehle. Mit zwei Schritten war Trent McShane neben ihm, sah in die flirrenden Sonnenstrahlen, sah den gelben Staub der Straße und ... einen zusammengebrochenen Rappen.

Trent McShane... Rex war das schnellste Pferd der Hufeisenranch, er war mir mehr als nur ein Reittier“, brach es aus dem Revolvermann heraus.

Ich kann das verstehen, Bass“, murmelte Trent, „dass sie das getan haben, werde ich nie begreifen!“ Die trübe schimmernden Augen Bass Mitters richteten sich düster auf ihn, saugten sich an seinem Gesicht fest.

Du hast mit Mort Hayle eine glatte Rechnung ... und ich mit Phil Sogan ... sagt dir das etwas?"

Yeah, Partner“, klang es leise. „Ich wusste, dass es so kommen würde. Mort Hayle gehört mir!“

Bass gab keine Antwort. Jäh wandte er sich ab, ging mit schnellen Schritten zu seinem zusammengebrochenen Gaul, beachtete die Menschen nicht, die sich angesammelt hatten und die ihn aufmerksam betrachteten, fast scheu vor ihm zurückwichen.

Er nahm Abschied von seinem Pferd, indem er sekundenlang davor verharrte. Dann bückte er sich, löste Sattel und Zaumzeug.

Trent McShane hob rasch seine 46er, Sogans Waffe, und den Gurt des Revolvermannes vom Boden auf.

Die Stimme des Mädchens traf ihn, flüsterte ihm zu: „Sie haben mir das Leben gerettet, Mort.“

Madam, es war nicht der Rede wert, eine Selbstverständlichkeit. Wenn Sie sich jedoch bei Mort Hayle bedanken wollen, dann müssen Sie ihn suchen ... ich bin Trent McShane, möchte nicht mit dem anderen verwechselt werden.“

Aber...“, stieß sie fast wild heraus, kam schnell an seine Seite, stand vor ihm. Verwunderung und Unglaube in den Augen. „Ich habe alles gehört, was gesagt wurde“, murmelte sie, „aber das kann es doch nicht geben ... diese Ähnlichkeit!“

Yeah, Zwillinge gleichen sich manchmal wie ein Ei dem anderen“, entgegnete er reserviert... „allerdings sind es dann Brüder; aber wenn zwei fremde Menschen, wie Mort Hayle und ich einander zum Verwechseln ähnlich sind... dann ist einer zuviel auf der Welt, Mädel. Wenn Sie etwas für mich tun wollen, dann stellen Sie meinen Packen zusammen, hören Sie...“

Sie hörte zu, schrieb alles auf und nickte.

Wo kann ich es hinschicken lassen?“

Ich hole es hier ab, Madam“, erklärte er, tippte an die Stetsonkrempe, stampfte hinaus. Hinter ihm fiel die Tür ins Schloss, leise bimmelte die Ladenglocke.

 

 

3.

 

 

Bass Mitter weilte nicht mehr bei seinem toten Pferd. Nur einige Neugierige standen noch herum. Trent überquerte die Straße, trat in den Mietstall ein. Der Verwachsene kam aus einem Winkel heraus, kreischte in hohen Tönen:

Sie leben, Mister?“

Anscheinend“, murmelte Trent. „Sie haben sich wohl auf mein Erbe gefreut, wie?“

Ich sah Sie schon in einem Sarg. Trotzdem habe ich mir erlaubt die beiden Pferde zu satteln, bereitzustellen in der Hoffnung, dass Sie dieselben für eine schnelle Flucht gebrauchen würden. Übrigens ... Sie haben Bass Mitter arg zerschlagen, meinen Glückwunsch!“

Sagen Sie das nicht so laut. Wenn mein Partner das hört, hängt er Sie an den nächsten Ast... Und nun, wo kann ich mich waschen?“

Partner, Glückwunsch, Ast, waschen“, stammelte der Alle. Er war vollkommen durcheinander, redete wie irr, explodierte wie ein Dampfkessel unter erhöhtem Druck:

Teufel, Mort, Sie haben etwas an sich... Sie wollen sich mit einem Loafer zusammentun? Geben Sie acht, dass er Ihnen nicht an die Kehle fährt und Sie zerreißt!“

Yeah, mit Mort würde er es sofort versuchen“, unterbrach Trent den Redeschwall des Alten.

Dieser glotzte wie gestochen auf seine Stiefelspitzen. Das sah unangenehm aus... Trent konnte Froschaugen nicht leiden, so sagte er dann nur: „Denke mal etwas nach, Mister. Vielleicht kommst auch du darauf. Und nun will ich mich endgültig waschen!“

Der Bucklige klappte sein Nussknackergebiss zu. „Kommen Sie, Mort“, kreischte er... „aus Ihnen mag der Teufel klug werden, ich schaffe es nicht.“

Das verlangt auch keiner“, entgegnete Trent gelassen hinter dem Kleinen herschlendernd. Draußen im Hof pumpte dieser Wasser in einen Trog. Trent machte den Oberkörper frei und langte nach der braunen Seife. Er spürte die abtastenden Blicke des Kleinen, der nach den braunen und blauen Druckstellen schielte, die Bass Mitters Faust auf seinen Körper zeichnete.

Er wusch und frottierte sich, zog sich sorgfältig wieder an. Der Kleine ließ keinen Blick von ihm, sagte nichts, schwieg wie verbissen.

Etwas später zahlte ihm Trent das Geld für die Pferde, sagte „so long“ und führte die Tiere hinüber zum Store.

Das Mädchen hatte ihn offensichtlich erwartet, öffnete ihm eigenhändig die Tür, blieb im Türrahmen stehen und schaute interessiert zu, wie Trent die Pferde anband, direkt neben zwei anderen Gäulen, davon eins ein Reittier, das andere ebenfalls ein Packpferd, wie er an den verschiedenartigen Sätteln leicht erkennen konnte.

Ist alles bereit, Mister... ?“, sagte sie laut.

Aus der Dunkelheit des Raumes schob sich ein Mann hinter ihr hervor.

Hallo, Trent ich sehe, du hast meinen Gurt aufgehoben!“

Ja, schätze, dass du ohne deine Eisen nicht auskommen kannst!“

Da hast du recht, ich fühle mich ohne sie fast nackt“, nickte Bass Mitter ernsthaft. Auch er war gewaschen. Doch Wasser und Seife hatten die rauen Spuren des Kampfes nicht tilgen können.

Schätze, dass wir gleich aufbrechen müssen, habe das verteufelte Gefühl, Buddy, dass man deinen Trail überwachen wird und du dich über Bleimangel nicht zu beklagen brauchst. Wenn mich nicht alles täuscht, musst du vor jedem Busch die Augen aufreißen, damit dir kein Heckenschütze dein Lebenslicht auspustet... ich glaube, Mort Hayle hat allen Grund, dich aus der Welt zu schaffen... na ja, wir werden ja noch dahinterkommen, Buddy!“

Er brach ab. Trent schleppte aus dem Store seine Packen und verstaute sie. Sein weiter Trail würde ihn durch die Wildnis führen, immer nach Norden. Er musste damit rechnen, Tage hindurch durch unwegsames Gebiet zu reiten, über Berge, durch Täler und Flüsse, durch weite Savannen und blumige Prärien.

Trent McShane war nicht einmal erstaunt, als er feststellte, dass die beiden anderen Tiere Bass Mitter gehörten, der dieselben Vorbereitungen getroffen hatte.

Wortlos reichte Trent ihm die Eisen. Bass nahm sie, lächelte kläglich, raunte fast heiser, indem er auf den Kadaver seines Pferdes blickte: „Well, sie werden beißen, Partner! Schau dort, die Männer drüben werden Rex fortschaffen!“

Auf der anderen Straßenseite, an einer Hausecke, standen drei abgerupfte Gestalten, Kerle, wie sie in allen größeren Städten zu finden waren. Kerle, die dem lieben Gott den Tag stahlen und die zu keiner Arbeit taugten.

Buddy, habe mir die Pferde von einem Freund geliehen. Wir kommen an der Hufeisen-Ranch vorbei, dort werde ich sie auswechseln und du wirst es mit deinen ebenso halten. Nur die besten Pferde garantieren uns einen Erfolg“, schleppte monoton seine Stimme. Trent erhaschte einen Blick seiner Gletscheraugen, die seltsam glühten.

Noch etwas, Buddy ... Nelly wird dich für Mort halten, das wird..."

Ich weiß“, unterbrach Trent rauh, „das wird unangenehme Erinnerungen und die Vergangenheit in ihr wachrufen. Ich sollte ihr besser nicht begegnen.“

Mit fester Hand zurrte er die Packen an, schaute über den Pferdehals nach Bass Mitter, der sich jäh umwandte, ihn aus schmalen Augen musterte und heiser hervorstieß:

Ich habe dich zu Unrecht für Mort gehalten, aber eines weiß ich jetzt, wenn einer einen Grund hat, Mort Hayle zu hassen, dann bist du es. Will nicht fragen, was er dir alles angetan hat, doch wenn ich recht verstanden habe... ist er dein Schatten. Ein ganz übler Schatten, der dir immer wieder über den Weg gefallen ist... Kehre nun den Spieß um, werde du zum Schatten, Trent, hafte dich an Morts Fersen und blas ihm bald die Laterne aus!“

Leidenschaftlich erregt war seine Stimme. Seine hellen Augen standen in seinem ledergegerbten Gesicht wie zwei lodernde Flammen.

Bass Mitter war unweigerlich ein gefährlicher Mann. Sein Kinn wirkte wie aus Granit gehauen. Er war nicht nur ein erstklassiger Revolvermann, sondern auch der Sohn eines reichen Ranchers. Die Hufeisen-Ranch war weit im Land bekannt, jeder Langreiter, jeder Cowboy kannte sie, rechnete es sich zur Ehre an, einmal auf den Weiden dieser Ranch gewesen zu sein.

Es war klar, dass dieser Mann die Schmach, die seiner Familie angetan wurde, mit einer Kugel rächen wollte. Die Sippe der Mitters war stolz, fast unnahbar, und die Sache mit Nelly war ein unauslöschbarer Fleck, der nur mit Blut abgewaschen werden konnte.

Trent verstand seinen neuen Partner nur zu gut. Es würde Aufsehen erregen, wenn er mit ihm über die Weiden geritten käme... man würde ihn für Mort halten, und das war äußerst peinlich.

Bass, wir werden gegen Abend auf der Hufeisen-Ranch ankommen ... Wenn du willst, warte ich einige Meilen davor ...“

Well, du tust mir einen Gefallen, Partner, aber ich denke, dass abends alle Katzen grau sind.“

Sicher, wie du willst“, murmelte Trent. Er schritt zu seinem Reittier, steckte die neue Winchester in den Scabbard, zog die Bauchgurte an, stellte die Steigbügel nach innen, saß auf und wartete.

Unruhe war in ihm. Er wollte die Stadt schnell hinter sich bringen. Zehn Jahre hatte er in ihr verbracht und wahrhaftig keine erfreuliche Stunde hier erlebt. Jetzt brach das Heimweh wie eine lodernde Flamme in ihm empor, füllte ihn ganz aus.

Viel Glück, Trent McShane“, hauchte die Stimme des Mädchens, das etwas abseits stand, ihm zu.

Etwas schwerfällig drehte er sein Gesicht ihr zu. Ihr rotes Kleid leuchtete, schmerzte in den Augen. Ihr farbloses Blondhaar war im Nacken zu einem Knoten zusammengeschlungen. Steif, hoch aufgerichtet stand sie unter der Veranda, lehnte sich gegen eine Säule, stützte die Hände auf das Haltegeländer und blickte lächelnd zu Trent auf.

Danke, Madam“, gab er zur Antwort, sah sie ruhig an und nickte ihr wohlwollend zu.

Viel Glück auch, Bass Mitter“, sagte sie nun dem Revolvermann zugewandt, der sich mühelos in den Sattel schwang und sofort nach den herunter hängenden Zügeln griff. Packpferd und Reittier mit einem leichten Zungenschnalzen antrieb.

Madam, auch für eine Frau kann es manchmal gut sein, wenn sie mit einer Waffe umzugehen versteht“, warf ihr Bass Mitter zu. „Vergessen Sie das nicht!“

Danke für den Rat, ich werde ihn berücksichtigen und nicht vergessen“, rief sie hinter ihnen her.

 

*

 

Die Mittagssonne fiel auf die Rücken der beiden Männer, als sie die Stadt hinter sich gelassen hatten und nach Norden trailten. Sie wechselten kaum ein Wort, waren schweigsam, fast verbissen, doch ihre Augen waren überall, tasteten Nähe und Ferne ab, suchten und forschten. Nichts schien ihnen zu entgehen. Nur einmal sagte Bass: „Schätze, dass sie es beim vollen Sonnenlicht nicht wagen werden ... oder aber das Gelände müsste günstiger werden, sich für einen Hinterhalt eignen. Sage dir, Partner, Burschen wie Phil Sogan fühlen sich nur wohl, wenn sie aus dem Hinterhalt feuern können. Sie tragen nicht gern ihre eigene Haut zu Markte.“

Düster nickte Trent. Er hatte andere Gedanken, andere Sorgen, die Gefahr nahm er nicht einmal ernst. Alle seine Wünsche, seine Hoffnungen und seine Gedanken galten der Heimat. Nichts würde ihn aufhalten können, diese zu erreichen.

Zehn bittere Jahre, ohne Licht, ohne Sonne... zehn Jahre seines Lebens hatte er gar nicht gelebt, jetzt erst begann das Dasein wieder Wert zu bekommen ... jetzt, da der schmeichelnde Wind der Prärie ihn umkoste, in seinen Ohren raunte ... jetzt, da die Lichtfluten der Sonne ihn umhüllten, die Düfte der Wildnis verlockend seine Sinne erweckten und Wermut und Salbei ihn wie alte Vertraute grüßten. Er war wieder frei und besaß ein Pferd, das ihn durch das raue, geliebte Land trug.

Heimat... welch lockendes Wort! Aber das war es nicht allein! Heimat war der Inbegriff all seiner Wünsche, seiner Sehnsucht, seiner Hoffnung, seiner Erfüllung und der Pflicht eines Mannes, der jederzeit bereit war, dieses Land mit der Waffe in der Hand zu verteidigen.

Sie ritten durch Rinderherden hindurch, grüßten Cowboys, die staubverkrustet die Bullpeitsche schwangen, auf mageren, zähen Broncos die Herde umkreisten, schauten interessiert auf das Brandzeichen, und Bass gab Erklärungen, welche klar in wenigen Worten enthüllten, wem die Tiere gehörten und wo die betreffende Ranch zu finden war.

Hereford- und Shorthorn-Rinder-Herden waren vorherrschend. Die Zeit der Longhoms war vorbei. Hin und wieder sah man noch vereinzelte Stiere jener Rasse mit dem großen Gehörn, die zäh, ausdauernd und beweglich einst das ganze Land kennzeichnete.

Longhorns wurden verdrängt. Man hielt sie selten. Die schweren Hereford-Fleischrinder machten sich bezahlter. Andere Rancher versuchten es mit Durhams und wieder andere mit den Shorthorns, die von Weiß bis zum tiefsten Rot ihr Pelzkleid wechselten.

Am späten Nachmittag trafen sie auf einen Küchenwagen, dem sie jedoch auswichen.

Er gehört zu der Ranch meines Vaters und trailt zur Ostweide“, bemerkte Bass. „Die Boys brauchen uns nicht zu bemerken.“

Dein linkes Auge würde sie sicher interessieren“, gab Trent zur Antwort. Sein Partner lachte und grinste, „dein rechtes Auge wahrscheinlich auch.“

Details

Seiten
130
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738907551
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v352702
Schlagworte
trent mcshanes schatten

Autor

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Titel: Trent McShanes Schatten