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Circle C-Ranch #14: Durchbruch nach Fort Bowie

2017 130 Seiten

Leseprobe

CIRCLE C-RANCH

Band 14

Durchbruch nach Fort Bowie

 

Ein Western von Bill Garrett

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach einem Motiv von N.C. Wyeth, 2017

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Klappe

Buster Tom Copper, sein Sohn Cliff und zwei weitere Cowboys der Circle C-Ranch treiben eine Pferdeherde nach Fort Bowie. Dort wollen sie die Tiere verkaufen und mit dem Erlös ihre Schulden bei der Bank in Tucson bezahlen. Aber es gibt da jemanden, der nicht will, dass die Coppers ihre Schulden tilgen können. Abe Morrison, der Besitzer der Wagenrad-Ranch, würde es am liebsten sehen, wenn die Circle C-Ranch pleite geht. Um hier ein wenig nachzuhelfen, hat er einen Revolvermann namens Mellet und dessen Kumpane angeheuert. Die sollen einen Hinterhalt legen und den Coppers die Pferdeherde stehlen. Aber ganz so einfach wie Morrison und Mellet sich das vorgestellt haben, wird es nicht. Denn Buster Tom Copper und seine Leute können kämpfen – auch wenn es zunächst sehr aussichtslos erscheint ...

 

 

 

 

 

Roman

Die Sonne am Himmel war ein großer weiß glühender Fleck, und es war so heiß, dass selbst die geringste Bewegung wahre Schweißausbrüche verursachte. Bereits in einem Umkreis von einer Viertelmeile begannen die Hitzeschleier zu tanzen und zu flimmern. Der kahle Felsenring, vor dem die Männer ihr Camp aufgeschlagen hatten, warf nicht einen Fetzen Schatten.

Limpy trat in seiner langsamen und schwerfälligen Art auf den kostbaren Braunen zu, auf dem Andrew Morrison, der Boss der großen Wagenrad-Ranch, zu ihnen herausgekommen war. Während seine Hand über den Sattel glitt, drehte er sich nach Chauncey um, der groß und hager, wie er war, an der Felswand lehnte und den mächtigen Rancher nicht aus den Augen ließ.

Wenn du noch nie einen Vierhundert Dollar-Sattel gesehen hast“, sagte Limpy, „dann schau her! Hier ist einer. Das ist beste Pueblo-Arbeit. Bestimmt bei Frazier gemacht. Die Beschlagteile sind pures Silber.“

Chauncey sah ihn an und blies sich den Schweiß von der Lippe. „Ja, ein guter Sattel, Limpy, und ein stinkreicher Bursche, der ihn reitet. Ich verstehe Mellet nicht. Wir sollten diesen stinkreichen Bastard hier behalten. Es wird schon eine Seele geben, die eine Menge dafür ausschwitzt, dass wir ihn unversehrt zurückgeben.“

Limpy schloss die Augen zu schmalen Schlitzen, beschattete sie noch mit der Hand und blickte zu Morrison und Mellet hinüber, die neben dem Seilkorral im Gespräch standen.

Ich schätze, Mellet verfolgt eine ganz besondere Absicht“, sagte er.

Chauncey spie verdrossen aus und fuhr sich dann über das bleiche Gesicht, dem in den letzten vierzehn Tagen nicht einmal die sengende Arizonasonne hatte Farbe verleihen können. Chauncey war die ersten Tage nur krebsrot gewesen. Doch dann hatte seine Haut die alte bleiche Färbung wieder angenommen, die ihn so weich, so kränklich und elend aussehen ließ. Was er jedoch gar nicht war. Er hatte nur mächtig unter der Hitze zu leiden. Mehr als alle anderen.

Mellet und der Wagenradrancher trennten sich plötzlich. Morrison kam allein zu seinem Pferd herüber. Chauncey und Limpy traten lässig zur Seite und blickten ihm gelangweilt in die Augen.

Morrisons Blick war jedoch noch gleichgültiger. Er schien glatt durch sie hindurch zu sehen. Er trat an sein Pferd, nahm die Zügel auf, schwang sich in den Vierhundert Dollar-Sattel und ritt davon.

Limpy und Chauncey sahen ihm nach. Chauncey blies dabei die Backen auf und lächelte wütend. „Ein Großkotz ist das und ein Hundesohn noch dazu, der in seinem Schatten keinen anderen leben lässt“, sagte er grollend.

Wir sind auf seinen Schatten auch gar nicht scharf“, sagte da Mellet hinter ihnen, den sie beide gar nicht hatten herantreten hören. Sie wandten sich ihm sofort zu.

Stan Mellet war ein großer, massiger Mann, der beinahe fett wirkte. Sein mächtiger fleischiger Kopf saß auf einem kurzen starken Hals. Wer genau hinsah und ihn in seinen Bewegungen beobachtete, erkannte auf den ersten Blick, dass es sich bei ihm jedoch um einen durchtrainierten Mann handelte, der es gewohnt war, sich Wind und Wetter und jeglichen Strapazen auszusetzen. Er lächelte breit, als er Chaunceys Ärger bemerkte.

Ihr habt eben unseren neuen Arbeitgeber wegreiten sehen“, sagte er und blickte von einem zum anderen.

Auf diese Art von Arbeit bin ich gespannt!“, schnaubte Chauncey.

Durch Arbeit ist noch keiner reich geworden“, sagte Limpy, einen engstirnigen Ausdruck im Blick.

Mellet lachte und zog einen Packen Geldscheine aus der Tasche. „Da! Seht euch das an!“, sagte er und hielt ihnen das Geld hin. „Fünfhundert Dollar habe ich kassiert, ohne dass einer von euch auch nur einen Tropfen Schweiß dafür verloren hat.“

Chauncey sah Mellet herausfordernd an. „Aber ich schätze, das kommt noch, nicht wahr?“

Mellet schob das Geld in die Tasche. „Wir werden jetzt nach Fort Bowie reiten und uns damit einen verdammt guten Tag machen. Dann reiten wir zurück, kassieren noch einmal fünfhundert und bekommen wahrscheinlich einen neuen Auftrag von Mister Morrison.“

Mister Morrison!“, grollte Chauncey.

Und wir müssen gar nichts dafür tun?“, fragte Limpy verständnislos. „Sag nur, er hat dir das Geld gegeben, damit wir in Fort Bowie einen auf ihn heben!“

Warte nur!“, mahnte ihn Chauncey, ohne den Blick von Mellet zu wenden. „Vielleicht ist es die Absicht dieses Mister Morrison, dass wir nach dem Fest dort das Fort für ihn anzünden. Auf irgend so etwas läuft es doch hinaus. Stimmt’s, Mellet?"

Mellet neigte den Kopf. Er lächelte noch immer. Aber sein Lächeln wirkte jetzt kalt, geradezu frostig.

Von dir, Chauncey“, sagte er quälend langsam, „lasse ich mir das Geschäft nicht kaputt machen. Morrison zahlt uns tausend Dollar, damit wir dafür sorgen, dass ein paar Leute, die mit fünfzig Graupferden nach Fort Bowie unterwegs sind, dort nicht ankommen. Die fünfzig Pferde gehören ebenfalls zu unserem Verdienst.“

Limpy stieß einen Pfiff aus. „Hölle! Fünfzig Graupferde! Auf der letzten Auktion in Prescott, von der ich gehört habe, soll für ein ganz gewöhnliches Pferd über vierzig Dollar bezahlt worden sein.“

Mellet starrte Chauncey verärgert an. „Limpy hat weniger Stroh im Kopf als du. Richtig, Limpy! Nach Prescott werden wir die Pferde auch treiben. Dort sind die Preise eher noch gestiegen.“

Das wollte ich eben noch sagen, dass die Preise inzwischen gestiegen sind“, meinte Limpy breit grinsend. Er war klein und untersetzt und musste mithin aufsehen, wenn er Chauncey oder Mellet anblicken wollte. Er stieß Chauncey an und lachte zu ihm hinauf. „Wir bewegen uns auf ein großes Geschäft zu, Junge!“

Chauncey würdigte ihn keines Blickes. Er hatte nur Augen für Mellet, schob sich den Hut aus der Stirn und nickte. „Also auf die Coppers sollen wir losgehen! Für diesen Mister Morrison!“

Ich denke, wir bekommen dafür einen guten Preis“, behauptete Mellet. Langsam wurde er wütend.

Du redest von den Coppers, als wären sie der letzte Fliegendreck!“, knurrte Chauncey. „Ich kenne Tom Copper, den Boss der Circle C-Ranch, Buster Tom, wie er genannt wird. Dieser alte Lederstrumpf hat nicht nur Haare auf den Zähnen, sondern auch auf seinen Fäusten. Von seinem Revolver will ich gar nicht erst reden.“

Was regst du dich denn so auf?“, ergriff Limpy das Wort. „Diesem Buster Tom mag hier kein Kraut gewachsen sein. Das siehst du ja an Morrison. Doch wir, wir sind doch nicht von hier.“

Mellet schnaufte bewegt. „Manchmal, Limpy, bist du nicht mit Gold aufzuwiegen.“

Wir hätten Morrison hierbehalten sollen“, sagte Chauncey. „Eine Viertelmillion Lösegeld wäre bestimmt herausgesprungen.“

Mellet zuckte die Schultern. „Der rennt uns doch nicht weg.“

Greifen wir uns doch Buster Tom“, meinte Limpy. „Hat er nicht Frau und Kinder? Da springt bestimmt eher ein Lösegeld heraus.“

Die Coppers sind zwar mächtig, aber arm“, wehrte Mellet ab. „Wenn sie die Pferde nicht verkaufen können, sind sie erledigt. Jedenfalls sagt das Morrison. Nun sattelt! Später, da können wir immer noch weitersehen. Ihr kennt das Geschäft. Zunächst geht es nur darum. Halten wir uns daran! Die Coppers sind seit dem Morgengrauen unterwegs. Ganze vier Mann!", zischte er in Chaunceys Richtung. „Das wird wohl kein allzu schwieriges Geschäft werden, oder?“

Chauncey grinste. „Nur vier Mann?“

Ja, aber der Alte ist dabei!“, knurrte Mellet.

Chauncey nickte. „Den Alten dürfen wir keinesfalls unterschätzen. Das ist ein alter gerissener Wolf.“

Mellet lächelte wieder breit. „Alte Wölfe bieten nur von vorn einen bedrohlichen Anblick. Und alten Wolfsrachen fehlen meist ein paar Zähne.“

Ja, das stimmt!“, behauptete Limpy.

Pfeift Ricky jetzt herunter!“, befahl Mellet. „Wir brechen sofort auf. Ich glaube, wenn wir zurechtkommen wollen, haben wir keine Minute mehr zu verlieren.“

Limpy drehte sich um und pfiff laut. Dann gingen sie alle zu den Pferden hinüber. Kurz darauf kam ein junger Bursche zum Vorschein, der ihr vierter Mann war und oben in den Felsen Posten gestanden hatte.

Dieser Morrison ist ein ziemlich geriebener Bruder“, offenbarte er seinen Gefährten. „Während er hier mit euch gesprochen hat, haben sechs seiner Revolvermänner dort hinten in dem Arroyo gewartet. Er scheint uns nicht über den Weg zu trauen.“

Jeder hat das Recht, misstrauisch zu sein“, wehrte Mellet ab, dem anzumerken war, wie sehr er sich hatte von Morrison einnehmen lassen. Noch während sie sattelten und ihre Siebensachen zusammenpackten, berichtete er dem jungen Ricky, welche Arbeit sie gefunden hatten und was dabei für jeden herausspringen konnte.

Du weißt nicht, wie lange ich mich nach so einem Geschäft sehne“, erwiderte Ricky. „Aber was wird aus Lanning? Ich meine, aus ihm und aus Lena?"

Mellet maß den jungen Burschen, der gerade zwanzig Jahre alt war, von oben bis unten. „Ich wollte diesen Namen nicht mehr hören!“, sagte er klirrend. „Ich hatte mich doch bereits in Yuma deutlich genug ausgedrückt.“

Mellet kochte plötzlich vor Zorn, und für Limpy und Chauncey sah es so aus, als wollte er sich im nächsten Augenblick auf Ricky stürzen, um ihn zusammenzuschlagen. Doch Ricky beeindruckte Mellets Wut nidit im geringsten. Er grinste. „Also gut! Rede ich nur von Lanning. Wir haben ihn und ... wir haben ihn gehetzt und getrieben, dass er hier eigentlich irgendwo auf der Fresse liegen müsste. Er hat... er hat auch noch Geld mitgenommen, als er sich in Yuma aus dem Staub machte. Daran wollte ich nur erinnert haben.“

Er hat auch noch Geld mitgenommen!“, platzte Limpy heraus. „Du bist gut!“

Mellet fuhr herum, als wäre er von einer Tarantel gestochen worden, und starrte Limpy wütend in die Augen. Limpy hörte sofort auf zu prusten und trat unwillkürlich einen Schritt zurück.

Ich denke, wir haben es eilig“, sagte da Chauncey.

Mellets Kopf flog herum. „Das ja!“, polterte er. „Worauf wartet ihr also noch? Los, auf die Pferde!“

Keuchend setzte er sich in Bewegung und stapfte auf seinen Braunen zu. Dabei ruderte er kräftig mit den Armen. Als er im Sattel saß, schaute er Ricky wieder an, wütender noch als zuvor.

Wir reiten jetzt zur Straße nach Camp Lowell“, zischte er. „Ich möchte, dass bis dorthin keiner mehr sein Maul aufmacht. Etwas Gescheites kommt sowieso nicht heraus.“

Er gab seinem Braunen die Sporen und preschte los. Ricky, Limpy und Chauncey sahen sich kurz an. Dann jagten sie hinter ihm her.

 

*

 

Sie hatten noch nicht einmal die Hälfte der Strecke bis zur Poststraße zurückgelegt. Doch nach zwei Meilen hielt Mellet schon wieder an. Als die Männer neben ihm die Pferde parierten, wussten sie auch sofort, warum er angehalten hatte.

Dicht vor Mellets Braunen führte die Spur zweier Reiter vorüber. Sie kam von Westen und lief schnurgerade nach Osten, wo sie sich auf dem Kegel eines fernen Hügels verlor. Bis dort hinauf konnten die Männer die Fährte klar und deutlich verfolgen.

Lanning und ...“, sagte Ricky. Er schaffte es gerade noch, den Namen des Mädchens zu verschlucken, was Mellet freilich nicht erwartet hatte; denn er fuhr schon herum.

Lanning!“, wiederholte Ricky grinsend und schob sich den Hut aus der Stirn. „Und die Spur ist ziemlich frisch. Ich würde sagen, dass er erst vor einer Stunde vorüber geritten sein dürfte.“

Wollte ich das wissen?", grollte Mellet, wandte sich ab und ritt weiter.

Ricky grinste und zuckte die Schultern. Dann ritt er wieder Bügel an Bügel mit Limpy und Chauncey hinter Mellet her.

Nach einer Stunde überquerten sie die Poststraße und stießen kurz darauf auf die Fährte der Coppers. Es gab jedenfalls keine Zweifel für sie, dass es sich um die Spuren der Copper-Herde handelte.

Mellet und Chauncey saßen ab und liefen ein Stück an der Fährte entlang, die Blicke prüfend am Boden.

Was meinst du?“, fragte Mellet nach einer Weile.

Chauncey blieb stehen und sah auf. „Well, fünfzig Pferde! Erstklassig und brandneu beschlagen. Sicherlich möchten die Coppers einen guten Preis herausholen. Aber das ist ja ihr gutes Recht.“ Mellet verzog das fleischige Gesicht zu einem freundlichen Lächeln. „Habe ich zuviel versprochen?“

Ihr Vorsprung dürfte nicht allzu groß sein“, grinste Chauncey. „Wir könnten sie gerade einholen, wenn sie dabei sind, das Camp für die Nacht herzurichten.“

Mellet ging zu ihm und schlug ihm auf die Schulter. „Nichts anderes habe ich im Sinn. Dann könnten wir die Nacht dazu benutzen, um unerkannt nach Norden zu entkommen.“

Lanning!", erinnerte nun auch Chauncey. „Geht er uns wirklich nichts mehr an?“

Mellets Miene wurde düster. Er wollte etwas erwidern, überlegte es sich jedoch, spie aus und trat an sein Pferd.

Ricky, du reitest voraus!“, rief er dem jungen Burschen zu. „Aber lass dich nicht von den Coppers blicken! Überraschen sie dich trotzdem, dann suchst du einfach die Straße, claro?“

Ricky nickte, hob die Hand und trommelte wie wild mit den Hacken gegen die verstaubten Flanken seines Grauen.

Während die Männer dem Jungen nachschauten, stieg Mellet auf. „Ist noch etwas?“, fragte er Chauncey.

Chauncey schüttelte den Kopf, trat an sein Pferd und saß auf.

Mit Lanning, das ist eine persönliche Sache von mir“, sagte Mellet zu ihm gewandt. „Deshalb möchte ich nicht, dass ihr euch die Köpfe zerbrecht."

Chauncey nickte. Doch Limpy war damit nicht einverstanden. Er stützte sich auf die Sattellehne und sah sich nach Mellet um.

Das verstehe ich nicht, Mellet“, sagte er. „Dir hat er Lena weggenommen, well. Aber das Geld gehörte uns allen.“

Chauncey verdrehte die Augen, um Limpy zu warnen, wozu es freilich längst zu spät war. Doch zu seiner Verwunderung wurde Mellet nicht einmal blass vor Wut.

Mellet schaute an Limpy vorbei und sagte - fast gelassen: „Du bist ein alter Idiot, Limpy. Lanning hat mir Lena nicht weggenommen. Ich habe sie zum Teufel gejagt. Und Lanning hat noch nie etwas Besseres gefunden als das, was andere Leute weggeworfen haben."

Ja, aber dann verstehe ich nicht, warum wir so ausdauernd hinter den beiden hergeritten sind?“, sagte Limpy, und er war wirklich ehrlich verblüfft.

Doch damit war es mit Mellets Beherrschung vorbei. „Halt dein Maul, du Idiot!“, brüllte er. „Halt jetzt endlich dein ungewaschenes Maul!“

Limpy zuckte erschrocken zusammen. Sein Gesichtsausdruck verriet deutlich, dass er merkte, einen Fehler begangen zu haben. Doch er wusste nicht, welchen. Auch das sah man ihm an.

Mellet trabte an, und Limpy und Chauncey schwenkten hinter ihm ein. Nach zwei Stunden stießen sie auf Ricky, der hinter einem Mesquitestrauch auf sie gewartet hatte. Weit im Westen stand die Sonne wie eine rostrote Scheibe genau auf dem Horizont.

Keine zwei Meilen von hier entfernt befindet sich eine kleine umwucherte Mulde, in der es auch Wasser gibt“, berichtete Ricky den Männern. „Dort treiben sie ihre Pferde gerade hinein. Wir sollten hier warten, bis es dunkel geworden ist, sonst können sie unseren Staub sehen.“

Mellet stützte sich auf das Sattelhorn und grinste zufrieden. „Das ist bestimmt ein famoser Platz für uns?“

Ricky nickte. „Ja! Weit ab von den Roten, wenn Weiße etwas miteinander abzumachen haben.“

Wieviel Reiter begleiten die Pferde, und ist der alte Copper dabei?“, wollte Chauncey wissen.

Ricky hob die Hand und spreizte die vier Finger hoch. „Well, vier! Wie Morrison gesagt hat.“

Ich möchte, dass ihr von Mister Morrison sprecht, wenn ihr von dem Wagenradrancher redet!“, fauchte Mellet.

Und der alte Copper?“, bohrte Chauncey.

Ricky zuckte die Schultern. „Well, irgend so ein alter Knacker ist dabei, und als sie sich auf dem Rand der Mulde berieten, habe ich die ganze Zeit nur ihn reden hören. Wird er wohl sein. Mister Morrison war es jedenfalls nicht.“ Er grinste breit und herausfordernd, was Mellet jedoch übersah.

Chauncey nahm das Gewehr aus dem Scabbard. „Wenn wir dem Alten gleich am Anfang eins aufbraten, haben wir die halbe Arbeit zu erledigen.“

Den Alten übernehme ich selbst“, erklärte Mellet.

 

*

 

Cliff Copper grinste über das ganze schweiß- und staubverschmierte Gesicht. Er war sich seiner Sache ziemlich sicher. Hep Wallers Grinsen hingegen war nicht breiter, sondern nur tiefer, viel tiefer. Er hatte den Hut abgenommen, und das brandrote Haar hing ihm strähnig in die Stirn.

Pass auf, Cliff!“, rief Sten über das Feuer. „Hep grinst wie ein Teufel. Er ist seiner Sache sicher.“

Cliff blies sich die Schweißperlen von der Oberlippe und drehte den Kopf. „Weißt du, Sten, ich bin die Strecke schon geritten. Wenn wir uns an der Poststraße halten, ist der Weg einfach kürzer. Das kannst du mit einem Bandmaß nachmessen.“

Hep Waller griff in die Tasche und warf noch einen Dollar in den Hut. „Gehen wir einfach noch einen 'rauf, Junge“, sagte er. „Ich meine, wenn du deiner Sache so sicher bist, will ich nicht unfair sein.“

Was habt ihr denn schon im Hut?“, fragte Sten, als auch Cliff noch einen Dollar in Heps Stetson warf.

Hep hob den Hut auf und schaute hinein. Dabei hielt er ihn sich so dicht vor das Gesicht, als wäre er mehrere Fuß tief. „Dreiundzwanzig Dollar“, sagte er und sah Cliff an.

Dreiundzwanzig!“, rief Sten. „Da muss doch einer betrügen.“

Verdammt, das meine ich auch!“, polterte Cliff sofort.

Hep presste die Lippen zusammen und setzte den Hut wieder ins Gras. „Jetzt höre mal genau zu, mein Junge!“, brummte er gereizt wie ein mittlerer Stier. „Ich habe den ersten Dollar hineingelegt, du den zweiten, ich den dritten, du den vierten, ich den fünften und so weiter und so fort. Da ich immer die ungeraden Zahlen habe, fällt doch die Nummer dreiundzwanzig auf mich, nicht wahr? Demzufolge ist es an dir, gleichzuziehen.“

Cliff schlug sich vor die Stirn. „Bist du verrückt? Den letzten Dollar habe ich hineingeworfen. Sten, das hast du doch gesehen?“

Sten wollte nicken und dem ältesten Sohn der Circle C-Ranch recht geben. Aber da sah ihn Hep so wütend und drohend an, dass er zunächst nur grinste.

Wisst ihr was!“, meinte Sten nach einer Weile, da er es weder mit Cliff noch mit Hep verderben wollte. „Nehmt doch einfach einen Dollar wieder heraus. Dann sind es nur noch zweiundzwanzig.“

Cliff und Hep sahen sich verblüfft an. Heps Zorn war sofort verraucht. Cliff nickte ihm zu. „Warum nicht? Sten hat recht. Ich nehme einfach meinen letzten Dollar wieder heraus.“

Cliff wollte prompt zugreifen. Aber Hep schlug ihm den Arm zur Seite.

Was ist denn mit dir los?“, brummte Cliff gereizt und rieb sich das Handgelenk. „Das war doch ein gescheiter Vorschlag von Sten.“

Gescheiter Vorschlag!“, rief Hep entrüstet. „So wie ihr beiden Halunken das dreht, werde ich immer um einen ganzen Dollar betrogen.“

In diesem Augenblick trat Tom Copper, der Boss der Circle C-Ranch, in den Feuerschein. Groß und massig stand er da, den Kopf vorgereckt, schaute er auf die drei Männer.

Was ist denn hier los?“, fragte er mit sonorer Stimme. „Von den fünfzig Pferden hört man nicht einmal ein kurzes Schnauben. Aber ihr benehmt euch und brüllt hier herum wie eine Herde wilder Affen. Warum schlaft ihr nicht? Wir haben morgen einen harten Tag vor uns. Wir verlassen in aller Herrgottsfrühe die Straße und ziehen in die Mountains hinein. Das ist eine Strecke, auf der ihr jede Stunde Schlaf vermissen werdet.“

Was suchen wir denn in den Bergen?“, fragte Cliff verärgert. Hep sah interessiert auf.

Buster Tom stapfte um das Feuer und ließ sich auf seinen Sattel nieder.

Weil es der kürzere Weg ist“, antwortete er seinem Sohn. „Das haben wir doch schon mehrmals ausprobiert.“

Cliff schüttelte den Kopf. „Da bin ich aber nicht dabei gewesen.“

Das habe ich auch nicht behauptet", versetzte Buster Tom und beobachtete dabei, wie Hep Waller das Geld aus dem Hut schüttete und die Münzen in der Tasche verstaute. „Der kürzere Weg ist es trotzdem, und wenn du nie dabeigewesen bist, wird es Zeit, dass du ihn kennenlernst.“

Du schuldest mir einen Dollar“, grinste Hep, setzte den Hut auf und erhob sich. „Ich gebe dir Kredit bis zum nächsten Zahltag. Ich könnte es nicht ertragen, wenn du deswegen extra deinen Vater anpumpen müsstest.“

Was? Hast du mit ihm gewettet?“, wandte sich Buster Tom an Cliff.

Ja, das hat er!“ Hep Waller grinste und zog sich die Hosen hoch. „Und stellen Sie sich vor, Häuptling, er hat mir die Wette regelrecht aufgezwungen! Stein und Bein hat er geschworen, dass wir an der Straße entlang einen ganzen Tag herausschinden würden. Die Gescheiten werden eben nicht alle.“

Cliff starrte ihn wütend an. Buster Tom lachte. „Wie oft habe ich euch schon davor gewarnt, Hep eine Wette anzubieten. Er schlägt nur ein, wenn er weiß, dass er gewinnt, und dann seid ihr schon geleimt. Mit mir hat er es nur einmal gemacht. Und das ist auch gleich das letzte Mal gewesen. Stimmt’s, Hep?“

Heps Grinsen wurde so tief, dass es ihm die Lippen von den Zähnen zog. „Würden Sie darauf wetten, Boss?“

Buster Tom sah auf. „Ja!“, lachte er. „Darauf wette ich.“

Fünfzig Dollar?“

Buster Tom nickte und streckte ihm die Hand entgegen. „Fünfzig Dollar, dass ich nie wieder mit dir wette“, sagte er.

Hep griff so schnell zu, dass Buster Tom die Hand nicht mehr zurücknehmen konnte, wenn er es gewollt hätte, und schüttelte sie kräftig.

Nun lächelte auch Cliff. „Hast du mir nicht eben erklärt, dass man mit Hep nicht wettet?“, wandte er sich an seinen Vater. „Sobald er einschlägt, hat man die Wette doch schon verloren, oder?“

Diese nicht!“, lachte Buster Tom. „Warten wir’s ab!“ bemerkte Hep Waller trocken.

Da krachte plötzlich ein Schuss. Das Geschoss peitschte haarscharf über Hep Wallers Stetson hinweg, so dass er erschrocken die Hände anhob.

Rührt euch nicht!“, ertönte nach dem Schuss eine scharfe Stimme. „Nehmt die Hände hoch und steht auf. Alle!“

Buster Tom blickte sich spähend um, konnte aber nichts entdecken. So nahm er die Hände langsam hoch und stand vorsichtig auf.

Cliff fluchte wütend. Sten wollte nach seinem Gewehr greifen. Doch da trat ihm Buster Tom gegen das Knie.

Still und erhebt euch!“, raunte er seinem Jungen und Sten zu.

Als sie nebeneinander die Hände erhoben, hinter dem Feuer standen, sahen sie Gestalten auftauchen. Doch sie konnten nicht viel erkennen. Die Nacht war fast schwarz, und der Feuerschein blendete sie. Cliff wollte es trotzdem versuchen. Doch als er zur Seite glitt, wurde er von hinten niedergeschlagen. Buster Tom, Hep und Sten hörten ihn stöhnen und fallen und sahen ihn dann liegen.

Da kam einer der Männer in den Feuerschein. In der einen den Colt, in der anderen die Winchester, blieb er stehen und wies auf Buster Tom. „Sie sind Copper, nicht wahr?“

Buster Tom musterte den Mann aus schmalen Augenschlitzen. Viel war nicht zu sehen. Er erkannte nur, dass der andere so groß war wie er, nur etwas breiter in den Schultern dazu.

Ja, ich bin Tom Copper“, antwortete er. „Und nun sagen Sie mir, was Sie und Ihre Leute von mir wollen.“

Sie scheinen hier mit niemandem gerechnet zu haben“, sagte der große und schwere Mann über das Feuer hinweg.

Nein! Mit Weißen haben wir nicht gerechnet“, versetzte Buster Tom.

Mit Roten aber auch nicht“, meinte ein anderer von der Seite her. Es klang gemein und spöttisch.

Buster Tom drehte langsam den Kopf. Nicht weit von ihm entfernt war ein blutjunger Bursche aufgetaucht. „Wir Coppers sind mit den Apachen bisher ausgekommen“, sagte Buster Tom.

Wirklich?“, grinste der Junge und trat näher, bis er Buster Tom den Gewehrlauf in die Seite drücken konnte. „Seid ihr Coppers auch mit den Kastenteufeln gut dran? Ich meine, mit denen in der Hölle unten.“

Buster Tom suchte den Blick des großen und schweren Mannes. „Was wollt ihr?“, fragte er noch einmal, obwohl er längst begriffen hatte, dass es einzig und allein um die Pferde ging.

Die Tiere sind alle gebrannt!“, ließ sich da Hep vernehmen. „Es dürfte schwer sein, sie zu verkaufen. Jedenfalls hier in Arizona.“

Limpy, da redet einer zuviel!“, rief der Mann vor Buster Tom.

Buster Tom nahm hinter seinem Rücken eine schnelle Bewegung wahr. Doch als er sich umdrehen wollte, stürzte ihm Hep schon vor die Füße und blieb besinnungslos liegen.

Ihr steigt hier verdammt rau ein!“, keuchte Buster Tom wütend. Dabei schob er Hep mit dem Fuß ein Stück zur Seite, damit dessen Kleidungsstücke nicht Feuer fangen konnten.

Redet er auch zu laut, Mellet?“, fragte ein Mann hinter Buster Tom.

Mellet nickte. Buster Tom fegte auf dem Absatz herum und duckte sich, um dem Hieb zu entgehen. Doch Limpy hatte schon ausgeholt. Der Gewehrkolben traf Buster Tom mit einer solchen Wucht am Kopf, dass er bereits besinnungslos war, als er noch mit beiden Beinen fest stand.

 

*

 

Der Morgen graute, als Cliff Copper aus dem bleischweren Schlaf erwachte, in den er aus der Ohnmacht hinein versunken war. Der Kopf schmerzte ihm derartig, dass er glaubte, mehrmals versucht zu haben, eine dicke Mauer mit dem Kopf zu durchrennen. Er ächzte eine Weile vor sich hin, bis die Erinnerung langsam wiederkehrte. Doch es dauerte noch eine ganze Weile, bis er begriff, wo er sich befand und was geschehen und ihnen zugestoßen war. Als er sich aufrichten wollte, um sich umzusehen, bemerkte er, dass man ihn gefesselt hatte. Er fluchte, drehte langsam den Kopf und blickte in die Runde.

Die weite Mulde war leer. Die Banditen hatten nicht ein Pferd und auch nicht einen Sattel zurückgelassen. Nur die erkaltete Asche war von diesen Halunken nicht angerührt worden. Sein Blick fiel auf Hep, Sten und seinen Vater. Die drei lagen zehn Schritt von ihm entfernt. Ebenfalls gefesselt und mit leeren Revolverhalftern. Keiner rührte sich.

Cliff begann, sich zu den anderen hinüberzurollen. Dabei rief er sie der Reihe nach an. Als er vor seinem Vater liegenblieb, erschrak er vor dessen Anblick. Seine Stirn war stark geschwollen. Selbst unter der Schmutzschicht war zu erkennen, dass sich sein Gesicht bis unter die Augen verfärbt hatte.

Vater! Boss!", krächzte Cliff entsetzt.

Da kam Hep zu sich. Er stützte sich auf die Ellenbogen und sah sich um wie ein Kalb. Langsam kam jedoch Klarheit in seinen Blick.

Was ist denn mit dir los?“, fragte er benommen, als er Cliff Copper entdeckte. „Warum stehst du nicht auf? Wir müssen doch los!“ Dann erst begriff er.

Der nächste, der sein Schicksal auf die gleiche Weise beklagte, war Sten. Nur Buster Tom erwachte nicht, so oft ihn Cliff auch anstieß.

Dieser Hundesohn hat ihm eins mit dem Gewehrkolben verpasst“, fauchte Sten, der von den Banditen als letzter niedergeschlagen worden war.

Mein Gott!“, keuchte Cliff besorgt. „Diese Bastarde werden ihn doch nicht erschlagen haben?“

Der Boss ist zäh!“, brummte Hep. „außerdem atmet er. Wenn die Sonne scheint, wird es ihn schon zu jucken beginnen.“ Er drehte sich. „Sieh doch mal nach, ob die Dreckskerle mein Messer übersehen haben!“

Sten schaute kurz hin und schüttelte den Kopf. „Die haben nichts übersehen. Alles haben sie mitgenommen. Ich wette, in dieser verdammten Kuhle ist nicht einmal ein Hufnagel zu finden.“

Verloren!“ Hep grinste. „Fass mal in meine Tasche!“

Die beiden rückten nah aneinander. „Nur gut, dass ich mit dir nicht wette!“, schnaufte Sten, als er den Hufnagel hochhielt. „Aber was, zum Teufel, fangen wir jetzt damit an?“

Hep setzte sich, rückte herum und hielt Sten die auf den Rücken gefesselten Hände hin. „Mach dich ans Werk! Je eher du fertig bist, desto besser für uns alle.“

Da drüben sind Steine!“, rief Cliff. „Klopf die Spitze platt! Sonst sitzen wir noch heute mittag in diesem verdammten Loch.“

Sten und Hep krochen zu den Steinen, während sich Cliff um seinen Vater bemühte. Doch Buster Tom kam nicht zu sich. Sten und Hep klopften eine Zeitlang dort drüben herum, schimpften und fluchten dabei, schwitzten und schufteten sich an den Rand glatter Erschöpfung. Doch dann kamen sie beide herübergelaufen. Sie befreiten Cliff und auch Buster Tom, der zum erstenmal ein schwaches Stöhnen von sich gab.

Cliff stand auf und massierte sich Hand und Fußgelenke. „Sten, lauf du zur Straße! Hep, sieh dich im Osten um! Wenn wir keine Hilfe finden, hocken wir Mittag noch hier. Wir brauchen einen Wagen, um den Boss nach Tucson zu bringen. Aber ein Pferd tut es auch. Da könnte wenigstens einer zurückreiten und Hilfe holen.“

Hep und Sten machten sich sofort auf den Weg. Als sie verschwunden waren, schlug Buster Tom die Augen auf.

Zum Henker, wo sind wir hier?“, brummte er verdrossen und blickte Cliff mürrisch an.

Cliff ließ sich auf die Knie fallen. „Na, endlich, Boss! Wie fühlst du dich?“

Ich will nicht wissen, wie ich mich fühle. Ich möchte wissen, wo wir hier sind.“

Wir befinden uns am gleichen Fleck wie gestern Abend, als die Banditen wie eine Meute Kastenteufel über uns hergefallen sind.“

Aaah!“, stöhnte da Buster Tom und hielt sich den Kopf. „Das hatte ich tatsächlich ganz vergessen. Wisst ihr schon, in welche Richtung sich diese Brut mit unseren Pferden aus dem Staub gemacht hat?“

Cliff zuckte resignierend die Schultern. „Gar nichts wissen wir“, erwiderte er. „Wir haben uns eben erst befreien können. Sten und Hep sehen sich nach Hilfe um.“

Mein Gott, die Pferde!“, krächzte Buster Tom. „Ich schätze, du weißt, was dieser Verlust für uns bedeutet?“

Natürlich!“ versetzte Cliff. „Aber jetzt sage mir endlich, wie es dir geht. Wie fühlst du dich? Dieser Bastard hat dir den Kolben direkt vor die Stirn geschlagen.“

Ja, so fühle ich mich auch“, bemerkte Buster Tom trocken.

Cliff nahm den Hut und lief zum Wasserloch. Dann kehrte er zu seinem Vater zurück, um ihm zu trinken zu geben. Doch Buster Tom wehrte ab und goss sich das Wasser nur über den Kopf.

So!“, keuchte er dann und grinste dabei ein wenig. „Jetzt geht es mir schon besser. Seid ihr alle in Ordnung?“

Ja!“

Buster Tom nickte. „Dann rufe Sten und Hep zurück. Wir brechen sofort auf! Du wirst doch hoffentlich nicht annehmen, dass wir die Halunken einfach ziehen lassen, die uns die Pferde gestohlen haben. Nicht eine Minute Ruhe sollen die mehr haben.“

Wir besitzen keine Pferde, keine Waffen und keinen Proviant“, offenbarte Cliff. „Wir haben nicht mal Flaschen, um Wasser mitnehmen zu können.“

Das sehe ich!“, brummte Buster Tom. „Ich bin ja nicht blind.“

Willst du nach Tucson laufen? Das sind zwei Tagesmärsche!“

Dann marschieren wir eben nach Camp Lowell!“

Das sind anderthalb Tagesmärsche“, hielt ihm Cliff entgegen.

Dann hätten wir einen halben Tag gewonnen, wenn wir Camp Lowell wählen“, sagte Buster Tom und stand auf.

Cliff half ihm und musterte ihn dabei besorgt. „Du hast bestimmt eine schwere Gehirnerschütterung. Sieh dich vor!“

Andere haben sich jetzt vorzusehen!“, grollte Buster Tom. „Hep! Sten!“

Sten tauchte sofort auf dem Muldenrand auf.

Cliff winkte. „Der Boss will nach Camp Lowell marschieren. Wo ist Hep?“

Sten zuckte die Schultern und kam herunter.

Wo ist denn Hep, dieser alte Bär?“, polterte Buster Tom. „Los, wir haben es eilig! Trinken wir uns noch einmal satt. In der Zwischenzeit wird Hep wohl kommen.“

Er ist nach Osten gelaufen“, erklärte Sten.

 

*

 

Die drei gingen zu dem Wasserloch, tranken und wuschen sich. Dann verließen sie die Mulde nach Osten, auf deren Rand sie jedoch wieder einhielten, da von Hep weit und breit nichts zu sehen war.

Der wird sich doch nicht irgendwo zum Schlafen niedergelegt haben?“, schimpfte Cliff.

Sie warteten, wobei sie sich unverwandt in alle Richtungen umschauten. Dabei konnten sie auch die Fährte ihrer fünfzig Pferde verfolgen, die sich im Norden im hügeligen Land verlor.

Die ziehen mit unseren Pferden nach Prescott“, meinte Sten.

Buster Tom machte schmale Augen. „Wir haben uns gestern Abend wie Anfänger benommen, Sten. Das heißt aber nicht, dass diese Halunken sich ebenfalls wie Anfänger benehmen. Die versuchen uns nur zu leimen. Ich bin beinahe sicher, dass sie die Pferde nach Mexiko hinüberbringen wollen. Wie viele Männer sind das gestern Abend eigentlich gewesen? Habt ihr euch nach Spuren umgesehen?“

Ich habe gestern Abend überhaupt nichts gesehen“, gestand Cliff. „Und hier suche mal Spuren, wo unsere Pferde alles zertrampelt haben!“

Sten zuckte die Schultern. „Ich habe vier Mann gesehen.“

Da kommt ja Hep!“, rief Buster Tom überrascht und wies nach Osten. Sten und Cliff blickten in die gewiesene Richtung. Keiner traute seinen Augen. Jeder blinzelte immer wieder. Aber es war kein Trugbild. Hep Waller, dieser rotschöpfige Ire, näherte sich mit zwei Reitern, die er, der Teufel mochte wissen wo, aufgegabelt hatte.

Heps Nase ist einfach unbezahlbar“, sagte Buster Tom kopfschüttelnd.

Cliff machte schmale Augen. „Du, Boss! Der eine Reiter ist eine Frau.“

Warum denn nicht?“, meinte Buster Tom trocken. „Wichtig ist doch nur, dass sie uns helfen wollen. Kommt!“

Sie setzten sich alle drei in Bewegung und liefen Hep und den beiden Reitern entgegen.

Details

Seiten
130
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738907469
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v352110
Schlagworte
circle c-ranch durchbruch fort bowie

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Titel: Circle C-Ranch #14: Durchbruch nach Fort Bowie