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Tony Ballard #67: Sonne, Sand und Höllenmonster

2017 130 Seiten

Leseprobe

Sonne, Sand und Höllenmonster

Dämonenhasser Tony Ballard Band 67

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 107 Taschenbuchseiten.

 

Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner.

Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

„Edition A. F. Morland“ ist ein Imprint von Alfred Bekker & Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte des Titelbild-Logos by Jörg Martin Munsonius/Edition Bärenklau

Illustrator: Michael Sagenhorn, 2017

 

 

Prolog

Es war eine schwüle Nacht. Andrew Wyke trug nur ein Unterhemd, doch selbst das klebte auf seiner Haut. Er wusste, dass es nicht gut war, bei solchen Temperaturen Alkohol zu trinken, aber er konnte nicht anders. Er brauchte einen Drink.

Seit kurzem fühlte er sich nicht wohl. Es war kein körperliches Unwohlsein, das ihn plagte.

Das Unterbewusstsein schien ihn zu stimulieren. Er hatte Angst, ohne zu wissen, wovor.

Er hätte sich in diesem Augenblick nur umzudrehen brauchen, dann hätte er es gewusst, aber das tat er nicht. Und der Tod schlich langsam auf ihn zu …

 

 

1

Wyke war ein großer, muskulöser junger Mann. Gutaussehend und sonnengebräunt. Er lebte schon seit drei Jahren auf dieser Insel in der Straße von Florida und verrichtete seine Arbeit mit Interesse und Begeisterung.

Der Job machte ihm Spaß. Er hatte sehr viel mit den Geheimnissen der Natur und mit der Erforschung des Lebens zu tun.

Wyke hatte in Washington Biologie studiert. Er stammte aus New York, dieser trostlosen Steinwüste, in die er nie mehr zurückkehren wollte, obwohl seine Eltern und seine Geschwister noch dort wohnten. Er besuchte sie einmal im Jahr. Das reichte ihm. Diese riesigen Häuser hatten ihn von jeher schon fast erdrückt. Die Abgase hatten ihn halb erstickt. Deshalb hatte er sich darum bemüht, so bald wie möglich Arbeit weit weg von dieser Hektik, dem krankhaft geschäftigen Treiben und dem hochgezüchteten Profitdenken zu finden.

Als diese Stellung hier ausgeschrieben wurde, meldete sich Andrew Wyke als einer der ersten.

Zusammen mit insgesamt acht anderen Kandidaten ließ er sich dann testen und erhielt den Job, worüber er sehr glücklich war.

Drei Jahre waren seither vergangen, und Andrew Wyke hatte viel dazugelernt. Er war zu einem vollwertigen Mitglied dieser Forschungsstation geworden, die mit Regierungsgeldern unterstützt wurde.

In den letzten drei Jahren waren zahlreiche interessante Experimente durchgeführt worden. Die Anlagen der Forschungsstation kosteten ein Vermögen, aber Alec Channing, der Leiter der Inselstation, war immer noch unzufrieden. Er plante, demnächst nach Washington zu reisen, um noch mehr Geld zu fordern.

Die Regierung unterstützte ihn selbstredend nicht uneigennützig. Sie erwartete, Channings Forschungsergebnisse für militärische Zwecke verwenden zu können.

Offiziell war das Ganze aber noch nicht spruchreif. Nur die Insider kannten diesen Plan. Vorläufig durfte Channing noch in aller Heimlichkeit arbeiten. Man ließ ihn weitgehend in Ruhe, redete ihm in seine Arbeit nicht rein, und die Ergebnisse, die er erzielte, konnten sich sehen lassen.

Andrew Wyke war stolz darauf, dass Alec Channing ihn zu seinem Assistenten gemacht hatte, denn Channing war eine Kapazität auf den Gebieten der Meeresbiologie und der Verhaltensforschung.

Drei herrliche Jahre lagen hinter Wyke.

Doch plötzlich war eine Veränderung eingetreten. Keine sichtbare, aber eine fühlbare.

Irgendetwas war auf der kleinen idyllischen Insel, die mitten im azurblauen Meer lag und wie das Paradies selbst aussah, anders geworden. Niemandem sonst war das bisher aufgefallen.

Das war vermutlich darauf zurückzuführen, dass keiner so sensibel war wie Andrew Wyke. Er schien einen besonderen Sensor für Gefahren zu haben. Und irgendeine Gefahr war auf die Insel gekommen.

Steckte sie im Dickicht hinter den Stationsgebäuden? In den Wasserbecken, in denen die Versuchstiere untergebracht waren? Im angrenzenden Meer? Wyke fühlte sich belauert und beobachtet. Er glaubte, keinen Schritt mehr unbemerkt tun zu können. Ein scheußliches Gefühl war das.

Manchmal drehte er sich blitzschnell um, um denjenigen, der ihn beobachtete, zu überraschen, doch niemand war zu sehen.

Und doch war jemand da.

Wykes Gefühl trog ihn nicht.

Er wurde unruhig, verrichtete seine Arbeit unkonzentriert. Dadurch misslang einiges, und er hatte sich schon ungehaltene Vorwürfe des Stationsleiters anhören müssen.

Er hatte sich entschuldigt und ein leichtes Unwohlsein vorgeschoben. Daraufhin hatte ihn Alec Channing für heute vom Dienst freigestellt. Er hatte sich auf sein Zimmer zurückgezogen und lange Zeit darüber gegrübelt, was ihn so sehr beunruhigte. Er kam nicht darauf.

Um auf andere Gedanken zu kommen, hatte er das Kofferradio eingeschaltet. Ein Privatsender von Miami Beach brachte Tanzmusik, und Andrew Wyke hatte zum ersten Mal den Wunsch, die Insel zu verlassen.

Ein erschreckender Gedanke, denn die Insel war für ihn zum Zuhause geworden, und er hatte sich kaum noch vorstellen können, anderswo zu leben.

Nervös goss er Bourbon auf den dicken Eiswürfel, den er zuvor in das dickwandige Whiskyglas gegeben hatte.

Das Unheil war ihm schon sehr nahe. Doch er wusste es noch nicht.

Etwas hatte sich über das Brett des offenstehenden Fensters geschoben. Lautlos war es herabgeglitten, und nun tastete es sich über den Boden auf Andrew Wyke zu.

Der junge Mann schwenkte das Glas, damit der Bourbon kalt wurde. Der Eiswürfel schlug dabei mit einem hellen Ton an die Glaswand.

Als Wyke den ersten Schluck nehmen wollte, passierte es. Das Verderben hatte ihn erreicht und griff ihn sofort an …

 

 

2

»Na, Frank, wie gefällt es dir hier bei uns?«, erkundigte sich Dr. Alec Channing lächelnd.

Dr. Frank Esslin, ein eleganter, hagerer blonder WHO-Arzt, dessen Fachgebiet die Tropenmedizin war, wandte sich seinem einstigen Schulkollegen zu. »Ich muss gestehen, dass ich sehr beeindruckt bin. Du hast es weit gebracht, Alec. Darauf kannst du stolz sein.«

»Das bin ich«, erwiderte Channing selbstbewusst. Er war kein schöner Mann, hatte eine zu große Nase, ein zu grobes Gesicht, zu derbe Züge, aber er war eine Seele von einem Menschen und ein hervorragender Wissenschaftler.

Alec Channing hatte Frank Esslin zufällig in Miami getroffen. Frank hatte an einem Parteikongress teilgenommen, und Channing hatte dem Schulkollegen das Angebot gemacht, nach dem Kongress für ein paar Tage auf die Insel zu kommen Frank Esslin hatte dieses Angebot gern angenommen. Erstens, weil er früher sehr viel für Channing übriggehabt hatte, und zweitens, weil ihn Channings Arbeit interessierte.

Sie standen vor einer dicken Glaswand, durch die sie in ein großes Innenbecken blicken konnten, in dem sich ein Delphin tummelte. Sie beobachteten das Tier unter Wasser.

Der Delphin war ein Clown, stets zu Schabernack aufgelegt. Frank Esslin hatte sich schon köstlich amüsiert.

In dem Raum, in dem sich Channing und Esslin befanden, gab es zahlreiche elektronische Messgeräte, Tonband- und Videoapparate.

»Hier sieht’s ein bisschen wie bei einem modernen Dr. Frankenstein aus«, hatte Frank irgendwann einmal verlauten lassen. Es sollte ein Scherz sein, aber er war bei Channing nicht angekommen, dazu nahm der Wissenschaftler seine Arbeit viel zu ernst.

Der Delphin schwamm rechts herum im Kreis. Channing drückte auf einen Knopf. Ein rotes Unterwasserlicht leuchtete auf. Der Delphin stoppte sofort. Sobald ein blaues Licht auf Knopfdruck aufleuchtete, wendete das Tier und schwamm in die entgegengesetzte Richtung.

»Er ist in der Gefangenschaft zur Welt gekommen«, erklärte Alec Channing. »Seine Mutter starb bei der Geburt. Wir haben ihn großgezogen. Er wählte mich als seine Bezugsperson aus, und das bin ich immer noch. Er liebt mich. Er liebt auch alle anderen Stationsmitglieder, aber mich liebt er am meisten.«

»Wie macht sich das bemerkbar?«, fragte Frank Esslin.

»Er würde für mich alles tun. Delphine sind die intelligentesten Meeresbewohner. Sie können innige Freundschaften schließen.«

»Hat dein Freund einen Namen?«

»Ja. Er heißt King.«

»Fühlt er sich nicht hin und wieder einsam?«

»Er hat doch mich.«

»Das genügt ihm?«

Channing lächelte. »Nun ja, irgendwann werden wir ihm eine Queen zur Seite geben.«

»Wird er dir die Zuneigung dann entziehen?«

»Bestimmt nicht. Er wird versuchen, zu erreichen, dass auch Queen mich liebt.« Channing beugte sich über ein Mikrophon und schaltete es ein. Er rief Kings Namen. Der Delphin schwenkte sofort ab und schwamm auf die dicke Glasscheibe zu. Er schaute Channing an, und es hatte den Anschein, als würde er freundlich grinsen.

Alec Channing legte Frank Esslin den Arm um die Schultern.

Als der Delphin an die Wasseroberfläche zurückkehrte, um Luft zu holen, sagte Channing: »Jetzt weiß er, dass ich dich mag, Frank. Er wird dich als meinen Freund akzeptieren.«

»Erstaunlich«, erwiderte Frank Esslin voller Bewunderung.

Channing winkte ab. »Morgen biete ich dir noch mehr. King ist ein äußerst gelehriger Schüler und ein überaus mutiger Kämpfer. Selbst in einem Becken mit zwei Haien hat er keine Angst.«

»Bewundernswert«, sagte Frank. »Wobei ich nicht genau weiß, wen ich mehr bewundern soll, dich oder den Delphin.«

»Am besten uns beide, denn wir gehören zusammen. Der eine ist ohne den anderen eine Null. Komm, wir füttern King ein wenig. Dabei kannst du ihn näher kennenlernen.«

Sie verließen den Raum. Ein schräg nach oben führender Bogengang endete am Beckenrand. King schnellte immer wieder übermütig aus dem Wasser und – tauchte elegant ein. Das edle Tier strotzte vor Kraft.

Channing holte einen Eimer mit Fischen, aber er kam nicht dazu, King zu füttern, denn in diesem Moment gellte ein markerschütternder Schrei auf, der den Forscher und seinen Gast heftig elektrisierte …

 

 

3

Die Bar bot einen vornehmen Rahmen für die drei Gangster, die sich hier treffen wollten. Niemand wäre wohl auf die Idee gekommen, dass hier drei gewissenlose Schurken ihren nächsten Coup besprechen würden.

Im Moment war erst einer von ihnen da: Dan Dillaway, ein Schwergewicht mit ramponierter Nase.

Er hatte versucht, im Boxgeschäft groß zu werden, aber die Mädchen und der Alkohol hatten ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Eine Zeitlang hatte er kleine Brötchen backen müssen. Aber dann war er an Ted Mankiewicz geraten, und der hatte seine Fähigkeiten erkannt. Seither ging es ihm gut. Er besaß ein schönes Haus, einen schicken Sportwagen, und in seinem Notizbuch standen die Adressen von mehr als einem Dutzend Mädchen, die sich alle freuten, wenn er sich mal bei ihnen meldete.

Mehr wollte er gar nicht vom Leben. Er wünschte sich nur, dass es so blieb.

Im mitternachtsblauen Anzug sah er nicht einmal so schlecht aus. Die Fliege unter dem Kinn war ihm zwar ein bisschen lästig, aber die gehörte nun mal dazu. Er fand sich damit ab.

Als der Kellner an seinem Tisch vorbeieilen wollte, rief er ihn.

»Ja, Sir?«

»Bringen Sie mir einen Manhattan.«

»Sofort, Sir.«

Der Drink kam umgehend. Dillaway ließ seinen Blick durch die Bar schweifen. An einem Klavier saß ein gut gekleideter Pianist und spielte Gershwin-Melodien. In der Tür erschien eine attraktive Blondine, die mit ihrer weißen Federboa zu kämpfen hatte. Ihr Dekolleté war eine Sensation, und Dan Dillaway hätte gerne etwas angebahnt, aber das Geschäft hatte Vorrang. Die Blondine schaute sich suchend um und steuerte dann auf einen Tisch zu, an dem zwei junge Männer saßen. Beide spritzten hoch und bemühten sich um das Mädchen.

Dillaway grinste. Die Kerle sahen zwar besser aus als er, aber wenn er mit ein paar großen Scheinen geknistert hätte, hätte er die Blondine bestimmt im Handumdrehen abwerben können.

»Dir werden gleich die Augen aus dem Kopf fallen«, sagte plötzlich jemand neben Dillaway.

Das war Ralph Sorvino. Lackschwarzes Haar, schmal und wendig wie ein Windhund. Seine Großeltern lebten in Neapel. Er schickte ihnen einmal im Monat einen Scheck. Seit er mit Ted Mankiewicz zusammenarbeitete, konnte er sich das leisten. Er hätte auch seine Eltern finanziell unterstützt, aber die wollten von seinem Geld nichts wissen. Sie behaupteten, es würde Blut daran kleben. Das bestritt er zwar immer wieder, aber es stimmte. Mochte der Teufel wissen, wie sie es herausgefunden hatten.

»Die Kleine gefällt dir, wie?«, sagte Sorvino grinsend.

»Was dagegen?«, schnappte Dillaway.

»Nicht im Geringsten. Ich sehe, du hast einen guten Geschmack.« Sorvino setzte sich. »Ist Ted noch nicht hier?«

»Siehst du ihn?«

»Nein.«

»Also, was soll dann die dämliche Frage?«

»Ist dir eine Laus über die Leber gelaufen?«

Dan Dillaway zuckte mit den Schultern, sagte nichts.

»Du bist schon ein bisschen unruhig, wegen der Sache, die wir planen, stimmt’s?«

»Wird uns viel Schweiß kosten«, brummte Dillaway.

»Aber auch viel Geld einbringen. Denk dir, du bist immer noch Boxer, hast zehn Pfund zu viel und …« Dillaway rümpfte die ramponierte Nase. »Das Gewichtmachen war für mich immer eine Tortur. Ich bin froh, dass das vorbei ist.«

»Da kommt Ted«, sagte Ralph Sorvino und hob die Hand.

Ted Mankiewicz kam auf ihren Tisch zu. Er war nicht mehr ganz taufrisch, hatte eine Halbglatze und viele Falten um die Augen. Aber er hatte Köpfchen. Und die besten Beziehungen. Deshalb gelang es ihm immer wieder, gut bezahlte Jobs an Land zu ziehen.

Er hatte in Fort Lauderdale zu tun gehabt und war erst vor einer halben Stunde nach Miami Beach zurückgekehrt.

»Guten Abend, Freunde«, sagte Mankiewicz und setzte sich. Man konnte ihn als einen selbständigen Unternehmer bezeichnen. Er übernahm unsaubere Aufträge. Jeder, der ein Verbrechen prompt und präzise erledigt haben wollte, konnte sich an Ted Mankiewicz wenden. Der nannte dann seinen Preis, und wenn der Auftraggeber einverstanden war, kam die Sache ins Rollen.

»Hallo, Ted«, sagte Dan Dillaway.

»Na, Ted, wie war’s in Fort Lauderdale?«, erkundigte sich Ralph Sorvino.

Mankiewicz verzog das Gesicht, als hätte er Essig getrunken. »Nichts als Ärger. Bob Fosserman will von uns eine Entschädigung, weil wir ihm angeblich einen Coup vermasselt haben.«

»Der hat sie wohl nicht alle«, begehrte Sorvino auf. »Was hast du ihm geantwortet?«

»Dass er seine Forderung lieber fallenlassen soll, sonst werfen wir ihn den Haien zum Fraß vor.«

Dillaway staunte. »Und das hat er so einfach geschluckt?«

Ted Mankiewicz lachte. »So einfach nicht. Aber dann hat er wohl eingesehen, dass es für ihn gesünder ist, zurückzustecken. Ich ließ durchblicken, dass es in seiner unmittelbaren Nähe ein paar Leute gibt, die nicht gut auf ihn zu sprechen sind. Männer, die der Mafia angehören. Als ich ihm sagte, wir würden uns mit denen zusammentun, um ihn fertigzumachen, schlug er sanfte Töne an und meinte, er habe ja nur versucht, ein bisschen was bei uns herauszuschinden, aber darunter solle, bei Gott, unsere Freundschaft nicht leiden. Als wir uns trennten, küsste er mich sogar auf beide Wangen.«

»Der Pharisäer«, sagte Dan Dillaway verächtlich.

»Er weiß eben, dass man in unserer Branche das Gesetz des Stärkeren respektieren muss«, sagte Sorvino.

»Wir werden uns trotzdem zu einem späteren Zeitpunkt um Bob Fosserman kümmern. Der Knabe wird mir allmählich zu keck. Er war nie wirklich unser Freund und wird es niemals werden. Er wartet nur auf eine Gelegenheit, um uns in den Rücken fallen zu können. Aber wir werden ihm zuvorkommen. Sobald wir ein wenig Zeit erübrigen können, servieren wir ihn ab. Seid ihr auch dafür?«

»Klar«, sagte Ralph Sorvino und nickte. »Weg mit ihm.«

Auch Dan Dillaway schloss sich dieser Meinung an. Ted Mankiewicz winkte dem Ober und orderte zwei Drinks.

Sobald die Gläser vor ihnen auf dem Tisch standen, sagte Mankiewicz: »Und nun zum bevorstehenden Geschäft. Wir können die Vorbereitungen als abgeschlossen betrachten. Punkt eins ist erledigt. Wir besitzen eine Yacht und den Sprengsatz. Wir haben die nötigen Waffen an Bord und dafür gesorgt, das Bodie Bannerman an unserer Angel zappelt. Unser Opfer, Ron Conley, ist heute in Miami Beach eingetroffen und wird nun zwei Wochen lang dem Angelsport in der Straße von Florida frönen. Es stehen uns demnach vierzehn Tage für die Erledigung des Auftrags zur Verfügung, wobei ich der Ansicht bin, dass wir die Sache nicht auf die lange Bank schieben, sondern so rasch wie möglich erledigen sollten, ohne jedoch etwas zu überstürzen.«

Ted Mankiewicz nahm einen Schluck von seinem Drink.

Dan Dillaway rieb sich die ramponierte Nase. »Glaubst du, Bodie Bannerman wird bis zum Schluss bei der Stange bleiben?«

»Er hat keine andere Wahl«, sagte Ted Mankiewicz überzeugt. »Vergiss nicht, wir haben dafür gesorgt, dass er eine Menge Spielschulden zusammenkriegt. Er wollte das Geld auftreiben, indem er nach Daytona Beach fuhr und da einen Laden auszurauben versuchte. Die Sache ging schief. Wir wissen davon. Er weiß, dass er erledigt wäre, wenn wir auspacken würden. Keine Sorge. Bodie Bannerman frisst uns aus der Hand.«

»Er ist sehr wichtig für uns«, sagte Sorvino.

»Kein Mensch ahnt, dass unser Mann auf der Insel arbeitet«, sagte Ted Mankiewicz. »Am allerwenigsten weiß es Alec Channing. Er vertraut Bodie Bannerman völlig, und das ist ein großes Plus für uns. Bannerman hat täglich mit dem Delphin zu tun. King akzeptiert ihn. Er nimmt jederzeit von ihm Befehle entgegen. Bannerman wird auf der Insel die nötigen Vorbereitungen treffen. Weder Channing noch sonstwer wird uns Schwierigkeiten machen, dafür wird Bannerman sorgen. Es wird ein Kinderspiel sein, den dressierten Delphin abzuholen und gegen Ron Conley einzusetzen,«

»Conley lässt sich scharf bewachen«, sagte Sorvino.

Mankiewicz lächelte. »Es wird ihm nichts nützen. Er wollte zu hoch hinaus. Er hat schon zu viel Geld und zu viel Macht in seinen Händen. Das gefällt einigen Herren nicht. Deshalb werden wir Ron Conley ins Jenseits befördern. Mit einem Sprengsatz, den ihm der Delphin King unter das Boot packen wird. Er wird mitsamt seiner Leibgarde in die Luft fliegen, und wir kassieren einen schönen Batzen Geld.«

Sorvino grinste. »Steht uns auch zu. Wann erledigen wir Punkt zwei unseres Plans?«

»In zwei, drei Tagen. Ich lasse euch das noch rechtzeitig wissen«, antwortete Mankiewicz.

 

 

4

»Lieber Himmel!«, stieß Alec Channing aufgeregt hervor. Er stellte den Eimer mit den Fischen ab.

Frank Esslin und der Wissenschaftler stürmten aus dem Gebäude. Draußen stießen sie mit Margo Malloy zusammen. Sie assistierte Alec Channing nicht nur, sie war auch seine Freundin. »Was ist passiert?«, fragte der Forscher aufgeregt.

»Ich weiß nicht«, keuchte Margo Malloy und strich ihr sandfarbenes Haar aus dem Gesicht.

»Wer hat geschrien?«

»Vermutlich Andrew Wyke.«

Sie rannten zu dritt zum Wohntrakt der Forschungsstation. Trish Tilton, eine weitere Assistentin, gesellte sich aufgeregt zu ihnen.

Sie hasteten in die Unterkunft. Die Tür zu Andrew Wykes Zimmer stand offen. Soeben wankte Bodie Bannerman heraus. Leichenblass. Seine Augen waren in namenlosem Grauen aufgerissen.

»Bodie, was ist geschehen?«, fragte Channing heiser.

Bannerman war nicht fähig, zu sprechen. Er lehnte an der Wand und zitterte. Fortwährend schüttelte er den Kopf, und Übelkeit würgte ihn.

Channing eilte an ihm vorbei in Wykes Zimmer, in dem es aussah, als hätte ein furchtbarer Wirbelsturm gewütet. Sämtliche Möbel waren umgeworfen. Bücher und Zeitschriften lagen auf dem Boden. Darunter lag ein Kofferradio, das eingeschaltet war.

»Andrew!«, rief Channing nervös.

Margo Malloy und Trish Tilton blieben an der Tür stehen. Sie hatten nicht den Mut, einzutreten.

Nur Frank Esslin war dem Wissenschaftler gefolgt.

»Andrew!«, rief Channing wieder.

»Alec!«, sagte Frank Esslin gepresst. Er wies auf zwei Füße, die hinter einer Sitzbank hervorragten.

Channing eilte darauf zu – und prallte eine Sekunde später entsetzt zurück. »O mein Gott!«, entfuhr es ihm.

Frank Esslin trat neben ihn, und nun sah auch er den Assistenten. Der junge Mann war kaum wiederzuerkennen. Sein Unterhemd und die Jeans waren völlig zerfetzt. Alles war voll Blut. Tiefe Wunden klafften.

Aus Wykes Mund drang in diesem Moment ein leises Stöhnen.

»Er lebt noch!«, schrie Channing. »Margo! Trish! Den Erste-Hilfe-Kasten! Schnell!«

Die beiden Mädchen verschwanden.

Vor der Tür stand immer noch Bodie Bannerman. Er war nicht imstande, das Zimmer noch einmal zu betreten. Frank Esslin untersuchte den Schwerverletzten.

Channing wandte sich Bannerman zu. »Wer hat das getan, Bodie?«

»Ich habe keine Ahnung, Doktor. Ich befand mich in meinem Zimmer. Plötzlich fing es hier drinnen fürchterlich zu rumoren an. Und dann kam dieser schreckliche Schrei. Ich eilte sofort zu ihm …«

»War niemand bei ihm?«

»Nein, Doktor. Er war allein.«

Frank Esslin richtete sich auf.

Channing schaute ihn besorgt an. »Was ist, Frank? Wird er durchkommen?«

Frank Esslin schüttelte bedauernd den Kopf. »Er ist zu schwer verletzt. Es müsste ein Wunder geschehen … Aber die letzten Wunder gab es vor zweitausend Jahren.«

Margo und Trish brachten den Erste-Hilfe-Kasten. Während Frank Esslin trotz geringster Erfolgsaussichten versuchte, das Leben des Assistenten zu retten, rief Channing: »Bodie!«

»Ja, Doktor?«

»Mache das Flugzeug startklar! Wir bringen ihn nach Miami.«

»Sofort«, gab Bodie Bannerman zurück und hastete davon. Er war froh, aus dem Gebäude zu kommen. Die frische Luft tat ihm gut. In Andrews Zimmer roch es ekelhaft nach Blut.

In Bannermans Kopf überschlugen sich die Gedanken. Andrew Wyke sah aus, als hätte man ihn durch den Fleischwolf gedreht. Wer hatte das getan? War ein wahnsinniger Killer auf die Insel gekommen? Würde er weiter morden? Wo steckte er?

Bodie Bannerman blickte sich nervös um, während er die Mole entlanghastete. Das Wasserflugzeug schaukelte auf der sanften Dünung.

Wykes unverhoffter Tod machte Bannerman große Sorgen. Wie würde es nun weitergehen? Wie sollte der Coup mit Ted Mankiewicz ablaufen?

Abermals schaute sich Bodie Bannerman misstrauisch um. Die Insel war ihm seit Jahren vertraut.

Sie war ein Paradies. War in dieses Paradies nun der Teufel gekommen?

Die Spielleidenschaft hatte den blonden Assistenten in Schwierigkeiten gebracht, die Mankiewicz jetzt geschickt für seine Zwecke ausnützte. Wenn er die Finger von den Karten gelassen hätte, hätte er hier auf der Insel alt werden können.

So aber plante er seit geraumer Zeit, nach dem Coup die Insel zu verlassen.

Erst nach dem Coup?

Sollte er nicht jetzt gleich abhauen?

Er dachte an Mankiewicz. Der Gangster würde ihn überall finden und fertigmachen, wenn er nicht bei der Stange blieb. Aber verdammt noch mal, als sie ihre Abmachung getroffen hatten, war noch keine Rede davon gewesen, dass hier das Grauen an Land gehen würde.

Dieses friedliche Eiland ist zu einer Insel des Schreckens geworden, redete sich Bodie Bannerman ein. Andrews Tod ist nur der Anfang. Weitere Morde werden folgen.

Er wollte nicht auf der Insel sein, wenn es das nächste Opfer erwischte. Aber er konnte nicht fort, denn Ted Mankiewicz rechnete mit ihm. Hölle und Teufel, das war schon eine verzwickte Lage, in der er sich befand.

Inzwischen verabreichte Frank Esslin dem Schwerverletzten eine Spritze. Andrew Wykes Lippen bebten.

»Ich glaube, er will etwas sagen!«, bemerkte Alec Channing.

Der WHO-Arzt beugte sich über Wyke. Er brachte sein Ohr ganz nahe an die Lippen des Assistenten. »Können Sie mich verstehen?«, fragte er eindringlich.

»Ja.« Es war nur ein Hauch.

»Wer hat Sie überfallen?«, wollte Frank Esslin wissen. »Mit wem haben Sie gekämpft?«

Andrew Wyke strengte sich an. Er wollte antworten, doch er war zu schwach dazu. Seine Lippen formten ein Wort, das Frank Esslin nicht verstehen konnte.

»U-g-heu…«, oder so ähnlich presste Wyke schließlich hervor. »Ungeh-«

Der WHO-Arzt erschrak. »Ein Ungeheuer? War es ein Ungeheuer?«

Der Assistent nickte kaum merklich.

»Woher kam es?«, fragte Frank.

Es dauerte lange, bis Wyke den Finger in Richtung Fenster ausstreckte.

»Wie sah es aus?«

Andrew Wyke war nicht in der Lage, es zu beschreiben. Seine Augen weiteten sich plötzlich. Es hatte den Anschein, als würde er die Bestie, die ihn so entsetzlich zugerichtet hatte, noch einmal sehen.

Dann schlossen sich seine Augen, und er hauchte sein Leben aus.

Bodie Bannerman kehrte zurück. »Das Flugzeug ist startklar, Doktor.«

Alec Channing schluckte. »Das hat jetzt keine Eile mehr, Bodie. Andrew ist tot.«

 

 

5

Frank Esslin eilte zum Fenster. Er schaute hinaus. Friedliche Stille herrschte, und doch musste sich in der Dunkelheit ein schreckliches Monster verbergen. Der WHO-Arzt benutzte nicht die Tür, um ins Freie zu gelangen. Er sprang aus dem Fenster.

»Frank, bleib hier!«, rief Alec Channing.

Doch Esslin hörte nicht auf ihn. Er beugte den Rücken und betrachtete den Sandboden. Er hoffte, Spuren zu entdecken, doch das Ungeheuer hatte keine hinterlassen.

War es ein Vogel gewesen?

Frank hob sofort den Kopf. Palmen überragten ihn. Ihre Faserblätter rauschten leise im Wind. Kein verdächtiges Geräusch drang an sein Ohr. Frank eilte zum Strand hinunter, in der Hoffnung, dort Spuren zu finden. Aber der Sand war unberührt.

»Frank!«, rief Channing. »Komm zurück!«

Der WHO-Arzt kehrte um. »Besitzt du Waffen, Alec?«

»Ja«, sagte der Wissenschaftler.

»Wir sollten jetzt die Insel absuchen«, versetzte Frank Esslin. Er hatte einen guten Freund, den Dämonenhasser Tony Ballard. Viele Kämpfe hatte er schon an Tonys Seite gegen die Wesen der Schwarzen Macht ausgetragen. Er wusste, dass man solchen Biestern mit gewöhnlichen Waffen nichts anhaben konnte. Deshalb hatte er sich auch eine Walther PPK zugelegt und sie mit geweihten Silberkugeln geladen.

Aber diese Pistole lag bei ihm zu Hause in New York.

Wenn er nun nach Waffen fragte, dann hoffte er, damit das Ungeheuer verscheuchen, wenn schon nicht vernichten zu können.

Sollte es aus dem Meer gekommen sein, dann wäre es schon ein Sieg gewesen, es dahin zurückzujagen.

Channing nickte nach kurzem Überlegen. »Gut. Wir werden uns auf der Insel umsehen, Frank. Kommst du mit, Bodie?«

»Natürlich, Doktor«, antwortete der Assistent.

Channing wandte sich an Margo Malloy und Trish Tilton. »Begebt euch in ein Zimmer und schließt euch ein!«

»Glaubst du wirklich, dass es ein Ungeheuer war, das Andrew …«, setzte Margo an.

»Das werden wir hoffentlich bald wissen«, fiel ihr der Forscher ins Wort und verließ Andrew Wykes Zimmer.

Margo Malloy und Trish Tilton taten, was ihnen Alec Channing geraten hatte. Sie schlossen sich in Trishs Zimmer ein und warteten mit straff gespannten Nerven, was weiter geschehen würde.

»Der arme Andrew«, jammerte Trish. Sie war nicht sehr groß, aber ausnehmend hübsch, hatte flachsblondes Haar und ein niedliches, liebenswertes Gesicht. »Dass er so ein schreckliches Ende finden musste … Ich glaube nicht, dass es ein Ungeheuer getan hat.«

»Aber er hat es selbst gesagt«, erwiderte Margo Malloy.

»Er hatte doch so kurz vor dem Tod seine Sinne nicht mehr richtig beisammen.«

»Das ist natürlich auch möglich«, meinte Margo.

Die Mädchen setzten sich.

Alec Channing gab indessen Schnellfeuergewehre aus. »Wenn wir tatsächlich ein Ungeheuer – was immer es ist – aufstöbern sollten, schieße ich es in Stücke!«, sagte er grimmig.

Sie verließen das Gebäude. Bodie Bannerman ging zwar mit ihnen, aber er fühlte sich absolut nicht wohl in seiner Haut. Er musste immerzu daran denken, ob vielleicht Ted Mankiewicz hinter diesem Mord steckte.

Bannerman reimte sich sofort einiges zusammen: Mankiewicz kam auf die Insel, wurde von Andrew Wyke bemerkt, dieser wollte Alarm schlagen. Da fiel der Gangster über ihn her und machte ihn fertig. Aber womit? Womit hatte Mankiewicz den Assistenten so zugerichtet?

Nein, das konnte kein Mensch getan haben.

Channing hatte auch zwei lichtstarke Handlampen ausgegeben. Eine trug Bodie Bannerman, die andere Frank Esslin. Sie fächerten auseinander und begannen mit ihrem Rundgang, während sich in die Herzen der Mädchen, die auf ihre Rückkehr warteten, eine kalte Angst krallte.

Sie versuchten, sich gegenseitig Mut zu machen. Aber es gelang ihnen nicht, ihre Furcht zu unterdrücken.

»Ich wollte, ich wäre jetzt weit weg«, stöhnte Trish.

»Ich wollte, ich würde in diesem Moment aus dem schrecklichen Alptraum erwachen«, sagte Margo.

Sie erhob sich und begab sich zum Fenster, das geschlossen war. In der klaren Nacht waren deutlich die beiden Lichter zu sehen, die sich von der Forschungsstation mehr und mehr entfernten.

Margo drückte den Männern die Daumen. Sie hoffte, dass Frank Esslin, Bodie Bannerman und Alec Channing den blutrünstigen Mörder erwischten.

Ein Geräusch ließ Margo Malloy zusammenfahren. Ihr furchtgeweiteter Blick pendelte zwischen Trish und der Tür hin und her. »Hast du das auch gehört, Trish?«, flüsterte sie.

»Ja«, gab die zweite Assistentin des Wissenschaftlers zitternd zurück. Sie biss sich auf die Unterlippe, starrte auf die Tür und erhob sich ganz langsam. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt.

Sie entfernte sich von der Tür, war bestrebt, dabei kein Geräusch zu verursachen.

»Ich glaube, ich werde wahnsinnig«, raunte sie Margo zu.

Etwas kratzte über die Tür. Mit einem hastigen Sprung erreichte Trish ihre Kollegin. Die beiden Mädchen umklammerten sich zitternd.

»Mein Gott, da ist jemand draußen!«, hauchte Trish Tilton. »Die Männer suchen den unheimlichen Killer, und er ist hier …«

»Still!«, flüsterte Margo Malloy. »Vielleicht weiß er nicht, dass wir hier drinnen sind!«

Beim nächsten Kratzer bekamen die Mädchen eine Gänsehaut. Sie wichen so weit wie möglich zurück, pressten sich in eine Ecke des Zimmers und wandten den Blick nicht von der Tür.

»Er wird uns auch umbringen«, sagte Trish leise.

»Denk nicht an das Schlimmste«, riet ihr Margo. »Sollte er die Tür aufbrechen, dann fliehen wir durch das Fenster und laufen, laufen, laufen, ohne uns umzudrehen, verstanden?«

»Und wenn es mehrere Ungeheuer gibt?«, wandte Trish mit bebender Stimme ein. »Vielleicht wollen sie die Insel für sich haben. Vielleicht musste Andrew deshalb sterben.«

»Mach dich nicht noch mehr verrückt, Trish.«

»Ich habe entsetzliche Angst, Margo.«

»Denkst du, ich nicht? Reiß dich zusammen.«

Die Mädchen erstarrten, als sich der Türknauf drehte. Trish und Margo hielten den Atem an. Würde der Mörder die Tür aufkriegen? Es war zwar abgeschlossen, aber ein kräftiger Mann brauchte sich nur einmal heftig gegen das Türblatt zu werfen, und schon war das Schloss kaputt. Und kräftig musste der Kerl sein, sonst hätte er Andrew Wyke nicht so übel zurichten können.

Der Türknauf drehte sich wieder zurück, und dann – kein Geräusch mehr. Aber die Mädchen wagten weiterhin nicht, sich zu rühren. Nach wie vor umarmten sie einander. Die Minuten vertickten. Nichts passierte. Doch die Angst blieb.

Plötzlich Schritte.

Wieder drehte sich der Türknauf. Eine Faust hämmerte. Trish und Margo gerieten in Panik. Sie fingen an zu schreien.

»Margo!«, rief Alec Channing. »Keine Angst! Ich bin es!«

Da lösten sich die Mädchen voneinander. Margo rannte zur Tür und schloss auf. Sie warf sich Channing schluchzend in die Arme. Hinter ihm standen Frank Esslin und Bodie Bannerman.

»Wir konnten niemanden entdecken«, sagte Channing. »Morgen werden wir die Insel gründlicher absuchen. Ist ja schon gut, Margo. War es denn so schlimm, auf unsere Rückkehr zu warten?«

»O Alec, er war hier!«

Channing erschrak. »Wer war hier? Der Killer?«

»Während ihr ihn gesucht habt, wollte er zu uns ins Zimmer. Wir haben Todesängste ausgestanden.«

»Das kann ich mir denken. Habt ihr ihn gesehen?«

»Nein.«

»Ihr habt nicht durchs Schlüsselloch geguckt?« Margo Malloy schüttelte heftig den Kopf. »Wir hatten viel zu viel Angst.«

»Nun kann euch nichts mehr passieren!«, beruhigte Channing seine Freundin. »Bodie!«

»Ja, Doktor?«

»Du bleibst bei den Mädchen.«

»In Ordnung, Doktor.«

»Und wir beide sehen uns in der Forschungsstation um, Frank.«

»Okay«, sagte der WHO-Arzt.

Sie eilten davon und durchsuchten gründlich alle Räume. Nichts. Sie fanden wieder keine Spur des unheimlichen Killers.

Alec Channing kratzte sich am Hinterkopf. »Wie soll’s nun weitergehen?«

»Du musst die Polizei benachrichtigen.«

»Das ist klar. Aber danach? Einer meiner Assistenten hat sein Leben verloren, und wir wissen nicht, wer es ihm genommen hat.«

»Andrew Wyke behauptete, es wäre ein Ungeheuer gewesen.«

»Das muss trotz allem nicht stimmen.«

»Wenn es aber doch stimmt, gibt es meines Erachtens nur einen Mann, der unser Problem lösen kann.«

»Wen meinst du?«

»Den Dämonenjäger Tony Ballard«, antwortete Frank Esslin. »Ich werde ihm telegrafieren.«

 

 

6

Bodie Bannerman holte uns von Miami Beach mit dem Wasserflugzeug ab. In letzter Zeit ging es wieder hoch her. Ich hatte geglaubt, die Hölle würde mir eine kurze Verschnaufpause gönnen, aber da tauchte Miles Manda, der Mörder mit der Geisterschlinge, auf und machte meine Erholung zunichte.

Kaum hatten wir diesen Fall abgeschlossen, wurden wir ins Reich der grünen Schatten geholt, wo wir gegen ein Heer von Vogelbestien und gegen Tingo, die Dämonenschlange, kämpfen mussten.

Von diesem Ausflug in die andere Dimension brachten wir die totgeglaubte Roxane wohlbehalten zurück, und somit war das Ballard-Team wieder vollständig.

Wir hatten diese Freude gerade begossen, als das Telegramm von Frank Esslin bei uns in London eintraf, und wie immer, wenn ich gebraucht werde, machte mich sofort auf die Socken.

Mr. Silver, meinen Freund und Kampfgefährten, nahm ich mit.

Roxane, die Hexe aus dem Jenseits, blieb bei Vicky Bonney, meiner Freundin, um ihr während unserer Abwesenheit Gesellschaft zu leisten.

Bodie Bannerman war ein hervorragender Pilot. Er hatte die Maschine ausgezeichnet in der Hand.

Mr. Silver und ich genossen die herrliche Aussicht: den hellen Sandstrand von Miami Beach, das tiefblaue Meer. Am Himmel war keine einzige Wolke zu sehen.

»Mir ist, als würde ich mich auf einer Urlaubsreise befinden«, sagte der Ex-Dämon, ein mehr als zwei Meter großer Bursche mit Herkuleskörper und Haaren und Augenbrauen, die aus purem Silber bestanden.

»Das wird sich bald ändern«, sagte ich. »Du kennst den Grund dieser Reise.«

Details

Seiten
130
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738907285
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351801
Schlagworte
tony ballard sonne sand höllenmonster

Autor

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Titel: Tony Ballard #67: Sonne, Sand und Höllenmonster