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Tony Ballard #68: Wenn sie aus den Gräbern steigen

2017 130 Seiten

Leseprobe

Wenn sie aus den Gräbern steigen

Dämonenhasser Tony Ballard Band 68

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 109 Taschenbuchseiten.

 

Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner.

Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

„Edition A. F. Morland“ ist ein Imprint von Alfred Bekker & Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte des Titelbild-Logos by Jörg Martin Munsonius/Edition Bärenklau

Illustrator: Michael Sagenhorn, 2017

 

 

Prolog

Geistererscheinungen! Ein Knochengesicht!

Verschwundene Menschen!

Was hatte das zu bedeuten? Ich ging der Sache auf den Grund und geriet in den Strudel tödlicher Ereignisse, die mich auf den Friedhof der Zombies führten. Angst war mein Begleiter – Zombies meine Gegner. Der Fall war voller unangenehmer Überraschungen, und die schwarze Macht legte gefährliche Fußangeln aus, in denen ich mich fangen sollte ...

 

 

1

»Mistwetter!«, brummte Clifton Capra. Er klebte mit dem Gesicht fast an der Windschutzscheibe. Es war kalt, und die Heizung des Wagens funktionierte nicht. Seit Wochen wollte er sie schon reparieren lassen, aber er brauchte das Fahrzeug täglich und fand keine Zeit, eine Werkstatt aufzusuchen.

Jetzt, kurz vor Weihnachten, mussten die Geschenke an die Kunden ausgeteilt werden.

Capra arbeitete für eine große Mineralölfirma, die es eigentlich nicht nötig gehabt hätte, sich mit Geschenken beliebt zu machen. Ihr Produkt war gut. Der Preis nicht überhöht. Es war eine sogenannte ‚Muss‑Ware‘, die Capra verkaufte. Ohne sie kam man nicht aus.

Da es aber seit jeher üblich war, die Kunden zu Weihnachten zu beschenken, und da es die Konkurrenzfirmen auch taten, behielt man diese Gewohnheit bei, obgleich man sich von Jahr zu Jahr mehr den Kopf darüber zerbrach, was man nun schon wieder schenken sollte.

Die Frontscheibe sah beinahe wie Milchglas aus. Jeder Atemzug des Fahrers blieb daran haften. Er wischte ab und zu mit der Hand darüber, aber die Sicht wurde dadurch nur unwesentlich besser, denn über der Straße hingen frühe Dezembernebel.

Die Fahrbahn war feucht. Laub lag darauf, und es bestand erhöhte Schleudergefahr.

Die Ortschaft Sevenoaks lag hinter ihm. Nur noch ungefähr fünfundzwanzig Kilometer bis zur Stadtgrenze von London. Ein Katzensprung. Clifton Capra war froh, dass die Fahrt bald zu Ende war.

Er hasste das Autofahren, seit es zu einem Teil seines Berufes geworden war. Früher, als junger Mann, hatte er davon nicht genug bekommen können, und je kurvenreicher eine Strecke gewesen war, desto mehr hatte es ihn gefreut. Heute zog er gerade Strecken vor. Die Autobahn war ihm am liebsten, denn da brauchte man nicht so höllisch aufzupassen. Der Mensch ändert sich eben und wird bequemer.

Doch diesmal hatte er auf die Autobahn verzichten müssen, denn sie führte nicht zu den Käffern, in denen er seine Vorweihnachtsbesuche abgehalten hatte.

Die Straße schlängelte sich durch einen dichten Mischwald.

Ein Warnschild wies darauf hin, dass gleich eine Haarnadelkurve kommen würde. Ein unangenehmes Gefühl kroch Clifton Capra über die Wirbelsäule. Er hatte etwas gegen diesen Wald.

Und das aus gutem Grund.

Man sagte, in ihm würde es neuerdings spuken. Als echter Engländer glaubte Capra das, ohne zu zweifeln. Er vertrat die Auffassung, dass es mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gab, als es sich seine Schulweisheit träumen ließ. Geister, Monster, Dämonen. Capra glaubte an ihre Existenz, und er hoffte, ihnen niemals in die Hände zu fallen.

Die Haarnadelkurve.

Clifton Capra nahm Gas weg. Er tippte zweimal auf die Bremse, natürlich mit Gefühl, denn sonst hätte sich der Wagen in einen Schlitten verwandelt und wäre geradeaus weitergerutscht.

Capra drehte kräftig am Lenkrad.

Die Scheinwerfer rissen eine weiße, unwirkliche Welt aus der Dunkelheit. Nebelschwaden ragten wie unheimliche Horrorgestalten auf. Mit ein wenig Phantasie konnte man in ihnen graue Kuttenträger erkennen, die auf der Fahrbahn tanzten.

Ein neuerlicher Schauer durchrieselte Capra.

Er dachte an die Geschichte, die man ihm erzählt hatte.

Von einem Knochengesicht war die Rede gewesen. Wem es erschien, dessen letzte Stunde hatte geschlagen. Und dieses Knochengesicht sollte schon einigen Menschen hier in dieser Gegend erschienen sein.

Capra schluckte trocken. Hoffentlich bleibe ich davon verschont, dachte er.

Er war ein braver, redlicher Mann, blond, vollschlank, groß. Sein Haar lichtete sich schon stark, die Kopfhaut schimmerte bereits durch, und seine Freunde meinten scherzhaft, er würde immer noch wachsen.

Er hatte keine Familie, lebte in einer kleinen Dachgeschosswohnung, und seine ständige Freundin kümmerte sich zweimal in der Woche auch um seinen Haushalt. Während der restlichen fünf Tage musste er selbst zusehen, dass er zurechtkam.

Ganz langsam rollte das Fahrzeug durch die Kurve.

Clifton Capra warf einen Blick auf die Uhr am Armaturenbrett. »Gleich acht«, murmelte er. »Andere Leute sitzen längst beim Fernsehen, und du bist immer noch unterwegs. Im Grunde genommen bist du ein dämlicher Hund. Wofür strampelst du dich so ab? Du hast keine Kinder, keine Frau, für die du sorgen musst, und dennoch lässt du dich in diese idiotische Tretmühle einspannen. Warum machst du das?«

Er dachte an die Aussteiger, von denen man jetzt immer wieder hörte und die er bewunderte. Es gehörte ein gewisser Mut dazu, alles hinzuschmeißen, und den brachte Capra nicht auf.

Deshalb würde er weiter in der Tretmühle bleiben und sich hin und wieder Selbstvorwürfe machen.

Er wollte, als das Fahrzeug den Scheitelpunkt der Kurve erreicht hatte, leicht Gas geben.

Da erschrak er.

Die Scheinwerfer erfassten einen bleichen Fleck inmitten der tanzenden Nebel. Nein, es war nicht bloß ein Fleck. Capra erkannte schwarze Augenhöhlen. Gebleckte Zähne.

Das Knochengesicht!

Und im selben Moment schoss es ihm durch den Kopf: Du bist des Todes!

 

 

2

Umrahmt war das Knochengesicht von einer schwarzen Kapuze. Die leeren Augenhöhlen schienen Clifton Capra böse anzustarren. Der Mann verlor vor Angst beinahe den Verstand.

Warum ich?

Warum muss dieses verdammte Gesicht ausgerechnet mir erscheinen?, schrie es in ihm.

Er hatte das Gefühl, sein Herz würde ihm aus dem Hals springen. Ihm war nicht bekannt, was aus den Menschen geworden war, denen dieses Knochengesicht schon vor ihm erschienen war.

Hatten sie sich vor lauter Angst in ihr Schicksal ergeben? Hatten sie gekämpft? Auf welche Weise waren sie umgekommen?

Capra war jedenfalls entschlossen, bis zum letzten Atemzug um sein Leben zu kämpfen. Das Knochengesicht hing über der Fahrbahn. Capra gab wild Gas. Der Motor heulte auf.

»Du kriegst mich nicht!«, schrie Clifton Capra wild. »Mich nicht!«

Seine Finger krampften sich um das Lenkrad. Der Wagen beschleunigte rasch. Capra war sich der Tatsache bewusst, dass es gefährlich war, auf dieser Strecke schnell zu fahren, aber er musste dieses Risiko auf sich nehmen. Er musste so rasch wie möglich raus aus diesem unheimlichen Wald. Er glaubte zu wissen, dass ihm nichts passieren würde, wenn er den Wald hinter sich gelassen hatte.

Die Gefahr schien sich nur auf diesen Bereich zu beschränken.

Capra schaltete hart.

Der Wagen schoss auf die Knochenfratze zu, die den Mann triumphierend angrinste. Sie schien sich ihres Opfers ganz sicher zu sein.

Vor Capras Augen wurde das Knochengesicht immer größer. Er dachte schon, der Schädel würde gegen die Windschutzscheibe knallen, und schloss unwillkürlich die Augen.

Aber der Knall blieb aus.

Und als Clifton Capra die Augen wieder öffnete, war das furchterregende Knochengesicht nicht mehr zu sehen. Aber die Angst saß dem Mann weiterhin im Nacken.

Er knüppelte seinen Wagen die Straße entlang.

Wieder eine Kurve.

Capra fuhr zu schnell darauf zu. Er war zwar ein routinierter Fahrer, doch die Aufregung ließ ihn zu viel riskieren, und das wäre ihm beinahe zum Verhängnis geworden.

Als er merkte, dass er bei diesem Tempo aus der Kurve getragen würde, bremste er und schaltete gleichzeitig zurück. Das Fahrzeug geriet ins Rutschen. Capra biss die Zähne zusammen. Er riss den Fuß von der Bremse, trat gleich wieder darauf. Der Wagen schlingerte.

Der Fahrbahnrand kam rasch näher.

Capra brach der kalte Schweiß aus.

Jetzt half nur noch eines: Gas geben! Er nagelte das Pedal gegen das Bodenblech. Die Pneus drehten quietschend durch, griffen und rissen das Auto aus der Kurve. Capra atmete auf. Die Gefahr war gebannt. Er warf einen Blick in den Rückspiegel. Hinter ihm lag pechschwarze Dunkelheit.

Als Capra wieder auf die Straße schaute, fuhr ihm ein Eissplitter ins Herz. Eine Gestalt trat aus dem Wald!

»Ja, ist denn der ...!«, schrie Clifton Capra erschrocken, als der Mann, der so unverhofft aufgetaucht war, mitten auf der Fahrbahn stehenblieb.

Es war unmöglich, ihm auszuweichen.

Capra standen die Haare zu Berge. Wieder musste er scharf bremsen. Aber die feuchte Fahrbahn hob die Bremswirkung fast völlig auf. Dem Autofahrer kam es vor, als würde sein Wagen immer schneller werden und nicht langsamer. Die Katastrophe war nicht mehr abzuwenden.

»Weg!«, brüllte Capra. »Weg!« Als würde die seltsame Erscheinung ihn verstehen.

Doch der Mann rührte sich nicht von der Stelle. Starr wie eine Statue stand er da. Er schaute dem Fahrzeug, das auf ihn zuschlitterte, mit regloser Miene entgegen.

Es hatte den Anschein, als wollte er sich auf diese Weise das Leben nehmen. Ausgerechnet meinen Wagen muss er sich aussuchen!, dachte Clifton Capra, dann krachte es.

Mit großer Wucht prallte das Fahrzeug gegen den Mann. Er wurde hochgeschleudert. Das Glas eines Scheinwerfers klirrte. Der Unbekannte flog wie eine Gliederpuppe durch die Luft und landete so hart auf der Fahrbahn, dass er keine Chance hatte zu überleben.

Es kam Capra endlos lange vor, bis sein Fahrzeug endlich stand.

Ihm zitterten die Knie. Seine Nerven flatterten. Er hatte wieder kalte Schweißausbrüche.

Was sollte er jetzt tun? Er war ratlos.

Verzweifelt dachte er an das Knochengesicht, das ihm erschienen war. Er hätte dringend diesen Wald verlassen müssen. Aber er konnte doch nicht einfach weiterfahren und sich nicht um den Toten kümmern. Das wäre Fahrerflucht gewesen. Man hätte ihm den Führerschein abgenommen, und den brauchte er zur Ausübung seines Berufes.

Vielleicht lebt er noch, dachte Capra. Vielleicht kann er gerettet werden.

Er konnte sich das zwar kaum vorstellen, aber hin und wieder geschehen auch Wunder.

Zaghaft öffnete er den Wagenschlag.

Stille herrschte. Totenstille. Die Kälte kroch ihm nasskalt in den Kragen und ließ ihn frösteln. Er stieg aus und schaute sich den Schaden an seinem Fahrzeug an. Der Kühlergrill war eingedrückt. Das Fahrzeug war nur noch einäugig: Der rechte Scheinwerfer war geradezu atomisiert worden.

Keine Blutspuren.

Clifton Capra richtete sich nervös auf. Er ging an seinem Wagen entlang, berührte das Fahrzeug bei jedem Schritt mit der rechten Hand, erreichte das Fahrzeugheck.

Der Motor blubberte.

Am Auspuff stiegen helle Wolken auf, tanzten an der roten Heckleuchte vorbei und zerfaserten.

Capra schaute sich misstrauisch um. Seit er dieses Knochengesicht gesehen hatte, saß ihm die Angst tief in den Gliedern. Er musste sich einen Ruck geben, um nach dem Mann zu sehen, den er überfahren hatte. Zögernd setzte er seine Schritte. Wie ein Bündel alter Wäsche lag das Unfallopfer auf der Straße. Capra leckte sich aufgeregt die Lippen. Er wünschte sich einen Autofahrer herbei, der ihm half, mit diesem Problem fertigzuwerden.

Doch die Strecke wurde wenig befahren. Es kam kein Wagen. Clifton Capra war und blieb allein.

Er erreichte das Unfallopfer.

Mit heftig pochendem Herzen beugte er sich über den Mann, dessen Gesicht so bleich war wie ein Laken. Blicklose Augen, weit aufgerissen, starrten Capra an.

Obwohl Clifton Capra damit gerechnet hatte, dass der Mann tot war, schnürte es ihm jetzt doch die Kehle zu.

Du hast ihn nicht auf dem Gewissen, sagte er sich. Du kannst nichts dafür, dass es zu diesem Unfall kam. Es war seine eigene Schuld.

Aber es ging Capra nicht allein um die Schuldfrage. Der Mann war tot, und das schockte ihn so sehr, dass er nahe daran war, sich zu übergeben. Er kämpfte gegen die aufsteigende Übelkeit an. Mit einer fahrigen Bewegung strich er sich über die Augen.

Plötzlich zuckte der Tote!

Wie wenn ein Stromstoß durch seinen Körper gefahren wäre.

Die Nerven, dachte Clifton Capra. Aber er irrte sich, denn in diesem Moment richtete sich der Tote auf, und das war keine Nervenreaktion, die sich rational erklären ließ.

 

 

3

Ich saß neben Tucker Peckinpah in dessen silbermetallic gefärbtem Rolls Royce. Der Wagen rollte nicht auf der Straße, er schwebte. Weiche Polsterung. Gute Federung. Bequeme Sitze. Wir fuhren Erster Klasse. Leider saß ich, Tony Ballard, der Nichtraucher, im ‚Raucherabteil‘, das war der einzige Nachteil. Der sechzigjährige Industrielle wäre ohne seine unvermeidliche Zigarre nicht vollständig gewesen. Ihm zu raten, sich das Rauchen abzugewöhnen, hatte keinen Sinn. Das hatte ich schon längst aufgegeben. Einen Mann wie Tucker Peckinpah konnte man nicht mehr ändern.

Wir waren Partner – einer der reichsten Männer Englands und ich.

Es war eine ungewöhnliche und einmalige Partnerschaft, die uns verband. Ich bin Privatdetektiv, und Tucker Peckinpah engagierte mich vor Jahren auf Dauer, damit ich mich ohne finanzielle Sorgen dem Kampf gegen Geister und Dämonen widmen kann.

Seither tue ich meinen Job mit mehr oder weniger spektakulärem Erfolg, und wo es Peckinpah möglich ist, mich zu unterstützen, tut er es.

Vor drei Tagen war ich noch in Amerika gewesen. Das Abenteuer auf der Insel des Schreckens, wo mein Freund Mr. Silver und ich gegen einen Höllenkraken gekämpft hatten, steckte mir immer noch in den Knochen.

Es war ziemlich hart hergegangen, und ich hätte ein paar Tage auf der Insel ohne Stress sehr gut vertragen, aber eine Vorahnung hatte mich nach Hause getrieben. Ich hatte den Eindruck gehabt, als hätte mich eine geheimnisvolle Stimme nach Hause zurückgerufen, weil ich gebraucht würde, doch nach unserem Eintreffen in London hatte sich dieses Gefühl als scheinbar falsch herausgestellt.

Bis heute.

Da hatte mich Tucker Peckinpah angerufen und mich zu sich gebeten.

Der rundliche Mann hatte mich mit einem freundlichen Lächeln in seinem noblen Haus empfangen. »Ich hoffe, es geht Ihnen gut, Tony«, hatte er gesagt.

»Ich kann nicht klagen«, hatte ich erwidert.

Er bot mir einen Pernod an, und da dies mein Lieblingsgetränk ist, lehnte ich natürlich nicht ab.

»Wie war's in Florida?«, erkundigte sich der Industrielle.

»Strapaziös«, gab ich zurück, und ich berichtete ihm, was Mr. Silver und ich jenseits des großen Teichs erlebt hatten.

Mir fiel ein dünner Schatten in Peckinpahs Gesicht auf. Er hatte mich also nicht nur zu sich gebeten, um sich nach meinem werten Befinden zu erkundigen. Ihm schien etwas Kummer zu bereiten.

»Wo drückt denn der Schuh, Partner?«, erkundigte ich mich.

»Sie haben recht, ich habe Sorgen«, gab der Industrielle zu. Er schlug ein Bein über das andere. Wie stets war er elegant gekleidet. Der graue Nadelstreifenanzug passte ihm wie angegossen und war selbstverständlich nach Maß gearbeitet.

»Kann ich helfen?«, fragte ich und nippte von meinem Drink.

Tucker Peckinpah betrachtete die Glut seiner Zigarre. »Wie lange sind wir nun schon Partner, Tony?«

»Acht, neun Jahre«, sagte ich.

»Eine lange Zeit, nicht wahr? Und eine erfolgreiche Zeit. Sie haben der schwarzen Macht immer wieder die Stirn geboten, haben die Hölle in die Schranken gewiesen und eine erkleckliche Anzahl von Geistern und Dämonen unschädlich gemacht. Aber die Unterwelt wird sich niemals geschlagen geben. Der Kampf wird ewig weitergehen. Die Hölle wird uns immer neue Gegner entgegenwerfen. Es ist ein fast aussichtsloser Kampf, beinahe zum Verzweifeln.«

»So sehe ich das nicht, Partner«, widersprach ich dem Industriellen. »Sie müssen den positiven Aspekt betrachten. Männer wie ich verhindern, dass das Böse die Welt wie ein Krebsgeschwür überwuchert. Solange wir weiterkämpfen, bleibt das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse gewahrt. Wenn wir aufgeben, ist die Welt verloren.«

Peckinpah nickte. »Erinnern Sie sich noch an Paco Benitez?«

»Den Blutgeier von Castell Montgri. Selbstverständlich.«

Damals waren Tucker Peckinpah und ich zusammengekommen. Der Blutgeier hatte Peckinpahs Frau Rosalind getötet. Ich hatte es nicht verhindern können, aber es gelang mir, Paco Benitez zu vernichten.

Peckinpah hatte seiner Frau über den Tod hinaus die Treue gehalten, hatte nicht mehr geheiratet und sich nur noch seinen Geschäften gewidmet. Nach dem Tod seiner Frau hatte er mir die bis heute bestehende Partnerschaft angeboten, und ich hatte angenommen.

»Vieles ist geschehen, Tony«, sagte der Industrielle, sich erinnernd. »Und vieles wird noch geschehen.«

Ich merkte, dass er auf das Thema überleitete, das ihn bedrückte.

»Kennen Sie Sevenoaks?«, fragte er mich.

Ich nickte. »Ich war schon mal da.«

»Ich habe da einen guten Bekannten«, sagte der Industrielle. »Gene Gallagher ist sein Name. Er besitzt mit seiner Familie ein nettes Rasthaus. Wenn Sie schon mal in Sevenoaks waren, müssten Sie es kennen.«

»Ich erinnere mich, da schon mal ausgezeichnet gegessen zu haben. Wildschwein.«

»Gene Gallagher kocht selbst. Er ist in der Küche ein wahrer Zauberkünstler. Seine Speisen sind ein Fest für den Gaumen.«

»Das kann ich bestätigen.«

»Als ich neulich bei ihm war, machte er einen ziemlich bedrückten Eindruck. Das Rasthaus war fast leer. Die Gäste bleiben aus.«

»Was hat das für eine Ursache?«

»Es liegt nicht an Gallagher.«

»Könnte ich mir auch gar nicht vorstellen.«

»Er, seine Frau Shelley und seine Tochter Stella geben sich die größte Mühe mit den Gästen. Dass die Leute dennoch ausbleiben, hat einen anderen Grund. Es ist diese Geschichte, die sie von dem Rasthaus fernhält.«

»Was für eine Geschichte?«, fragte ich aufhorchend.

»Man sagt, dass es neuerdings im nahen Wald spukt. Es sollen schon einige Menschen verschwunden sein. Die Leute reden von einem Knochengesicht, und dass derjenige sterben muss, dem es erscheint. Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sich die Geschichte von Gene Gallagher selbst anhören würden. Ich will Ihnen nichts Falsches erzählen.«

»Okay«, sagte ich.

»Wenn Sie wollen, fahre ich Sie gleich hin«, bot mir Tucker Peckinpah an.

»Einverstanden«, sagte ich ...

Und nun saßen wir im Rolls-Royce des Industriellen und hatten es nicht mehr weit bis zu jener Raststätte, in der wir eine unliebsame Überraschung erleben sollten.

 

 

3

Clifton Capra prallte mit einem entsetzten Aufschrei zurück. Er traute seinen Augen nicht. Der Tote erhob sich.

Ein Zombie!, schoss es Capra durch den Kopf.

Der Bleiche näherte sich ihm mit eckigen, unnatürlichen Bewegungen. Capra zweifelte an seinem Verstand. Er hatte im Kino Zombie-Filme gesehen. Die Untoten hatten genauso ausgesehen wie dieser da. Als wären sie mit dem Gesicht ins Mehl gefallen. Aber das war Kintopp gewesen. Nicht Wirklichkeit. Nie im Leben hätte er gedacht, dass es solche Wiedergänger wirklich gab.

»Blei... bleib mir vom Leib, hörst du?«, keuchte Capra.

Er dachte an die grinsende Knochenfratze, die ihm erschienen war. War dieser Zombie ihr Werkzeug, ihr ausführendes Organ? Sollte ihn durch diesen Untoten der Tod ereilen?

Der Zombie starrte Capra mit seinen glanzlosen Augen an.

Clifton Capra wirbelte herum. Er wollte zu seinem Wagen zurücklaufen, doch das ließ der Bleiche nicht zu. Er warf sich auf Capra. Seine Hände packten hart zu. Sie rissen Capra zurück. Clifton Capra geriet in Panik. Er schüttelte die harten Hände ab und schmetterte dem Untoten seine Faust ans Kinn.

Der Zombie taumelte einen Schritt zurück.

Capra setzte nach. Mit sechzehn, siebzehn Jahren hatte er mal eine Zeitlang geboxt. Was er damals gelernt hatte, beherrschte er immer noch. Er hieb wild auf den Wiedergänger ein. Seine Schlagkombinationen hatten große Wucht, aber im Großen und Ganzen vergeudete er nur seine Kraft, denn er konnte dem Zombie mit den Fäusten nichts anhaben.

Als ihm das klar wurde, ließ er schwer atmend von dem Wiedergänger ab.

Der Zombie griff ihn sofort wieder an.

Diesmal erwischten die bleichen Hände den Trenchcoat Capras. Es gelang Capra nicht, sich loszureißen, und seine Fausthiebe in die Visage des Untoten hatten nicht den geringsten Erfolg.

Der Zombie ließ Capra mit einer Hand kurz los. Aber nur, um ihm die eiskalten Totenfinger um den Hals zu legen und brutal zuzudrücken. Capra traten die Tränen in die Augen.

Er setzte sich verzweifelt zur Wehr, glitt auf der nassen Straße aus und fiel. Der Zombie ließ sich mit ihm fallen. Ein böses Knurren entrang sich der Kehle des untoten Gegners.

Clifton Capra schlug wie von Sinnen um sich.

Der Zombie legte ihm auch die zweite Hand um den Hals.

In seiner Todesangst gelang es Capra, fast übermenschliche Kräfte zu mobilisieren. Mit einem Tritt beförderte er den Zombie zur Seite. Er wälzte sich nach rechts, japste gierig nach Luft und sprang auf.

Der Wiedergänger brauchte länger, um aufzustehen.

Diesen Zeitvorsprung nützte Capra.

Er hetzte zu seinem Wagen, sprang hinein, schmetterte die Tür zu und raste los. Er sah den Zombie im Rückspiegel. Der Untote tappte mit schweren Schritten hinter dem Wagen her, schien nicht zu begreifen, dass er das Fahrzeug unmöglich einholen konnte.

Die nächste Kurve.

Der Zombie verschwand.

Der Wald ging zu Ende. Links ein Rasthaus. Kein Auto stand auf dem großen Parkplatz. Clifton Capra überlegte nicht lange. Er steuerte auf das Rasthaus zu. Jetzt brauchte er dringend einen Schnaps, und er musste mit jemandem reden, sonst wurde er verrückt.

Er stoppte das Fahrzeug, stieg aus, schaute sich um.

Vom Zombie war nichts mehr zu sehen. Dafür dankte Clifton Capra dem Himmel. Er hoffte, dass der Untote im Wald bleiben würde. Vier Stufen führten zum Eingang des Rasthauses hinauf. Über die letzte stolperte Capra. Er stieß mit der Schulter gegen die Tür und rammte sie auf.

Gähnende Leere im Gasthaus.

Eichentische, Eichenbänke, geschmackvolle rustikale Vorhänge und Leuchtkörper, Fliesen auf dem Boden, die Decke holzgetäfelt. Es war ein Lokal, in dem sich die Gäste wohl fühlen konnten, und doch war keiner hier. Außer dem Wirt. Der saß an einem der Tische und las Zeitung.

Als Capra eintrat, stand der Besitzer des Rasthauses auf. Er sah den stark verschmutzten Trenchcoat und das verzerrte Gesicht des Eintretenden und fragte beunruhigt: »Ist etwas passiert, Sir?«

Capra zog den Trenchcoat aus, warf ihn über die Lehne eines Stuhls, anstatt ihn an der Garderobe aufzuhängen, und ließ sich ächzend auf eine der gepolsterten Bänke fallen. »Allerdings«, keuchte er. »Bringen Sie mir einen Scotch. Einen dreifachen.«

Gene Gallagher eilte zu den Schnapsflaschen. Er goss ein Whiskyglas bis zum Rand voll. Das war mehr als ein Dreifacher, aber das spielte keine Rolle. Der Mann konnte den Schnaps gebrauchen. Er musste etwas Schreckliches erlebt haben.

Der Spuk, der Gallaghers Geschäft langsam, aber sicher ruinierte, schien wieder aufgeflackert zu sein.

Gene Gallagher stellte das Glas vor Capra hin. »Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich zu Ihnen setze?«

»Nein.«

Gallagher nahm Platz. Er beobachtete Capra, wie dieser gierig die Hälfte des Schnapses trank. Clifton Capra stellte das Glas vor sich auf den Tisch und wischte sich mit zitternder Hand über die Lippen. »Es ist was dran an den Geschichten, die man sich neuerdings erzählt«, sagte er heiser.

Obwohl Gallagher wusste, wovon der Mann sprach, fragte er: »Von welchen Geschichten?«

»Es gibt dieses verdammte Knochengesicht. Ich habe es gesehen. Es ist mir erschienen. Im Wald.«

»O mein Gott.«

»Ja, ich weiß, das müsste mich eigentlich das Leben kosten, und es hat nicht viel gefehlt ... Meine Güte, ich kann von Glück sagen, dass ich jetzt hier vor Ihnen sitze.«

»Wieso? Was ist passiert?«

»Sie können sich vorstellen, dass ich ganz aus dem Häuschen war, als ich diese Knochenfratze sah. Ich dachte, nichts wie weg, raus aus dem verfluchten Wald. Aber ich kam nicht weit, da stellte sich mir ein Kerl in den Weg. Ich habe ihn angefahren, dachte, er wäre tot. Aber das war er nicht. Er war schon vor dem Unfall tot, verstehen Sie? Ich habe einen Zombie überfahren. Der verdammte Wiedergänger wollte mich umbringen, aber ich habe mich gewehrt, und ich hab's geschafft, ihm zu entkommen.«

»Dazu kann ich Sie nur beglückwünschen«, sagte Gallagher mit belegter Stimme. Zum ersten Mal sprach er mit jemandem, der bestätigen konnte, dass die Schauerschichten wahr waren.

Bisher hatte es nur Gerüchte und Mutmaßungen gegeben.

Aber dieser Mann hatte das Knochengesicht gesehen und mit einem Zombie gekämpft.

Clifton Capra nahm wieder einen Schluck von seinem Scotch.

Ein hübsches Mädchen mit langen schwarzen Haaren und eine brünette Frau traten aus der Küche. Tochter und Mutter. Stella und Shelley Gallagher. Gene Gallagher berichtete ihnen in knappen Worten, was Capra erlebt hatte. Stella fuhr sich erschrocken an die Lippen. Sie starrte Capra wie einen Todgeweihten an.

Der Gast lachte blechern. Er verstand Stellas Blick richtig. »Ich denke, hier kann mir nichts mehr geschehen. Bei Ihnen bin ich in Sicherheit. Oder etwa nicht?«

»Wir haben noch nie einen Zombie gesehen«, sagte Gene Gallagher.

»Wussten Sie von ihrer Existenz?«

»Wir kennen natürlich die unheimlichen Geschichten. Aber was daran wahr ist, haben wir erst von Ihnen erfahren. Die Leute erzählen ja so viel, und jeder dichtet etwas hinzu. Am Ende weiß man nicht mehr, was man glauben soll und was erfunden ist. Sicherheitshalber bleiben die Gäste meinem Rasthaus fern. Hier ist zwar noch nie jemandem etwas passiert, aber die Leute sind vorsichtig, und ich kann es ihnen nicht verdenken. Ich würde diesem verfluchten Spuk gern ein Ende setzen, aber meine Frau lässt es nicht zu. Sie sagt, ich habe meiner Familie gegenüber eine große Verantwortung zu tragen, ich darf mein Leben nicht aufs Spiel setzen.«

Clifton Capra blickte den Besitzer des Rasthauses neugierig an. »Wüssten Sie denn, was man tun muss, um den Spuk zu beenden?«

Gene Gallagher schüttelte den Kopf. »Nein. Ich würde mich einfach in den Wald begeben und warten, was passiert.«

»Du wärst im Handumdrehen tot«, sagte Shelley Gallagher ernst.

»Wenn niemand gegen diesen Spuk ankämpft ...«

Gallagher konnte nicht weitersprechen, denn in diesem Augenblick flog die Tür auf und krachte gegen die Wand.

Und sieben Zombies drängten sich über die Schwelle!

 

 

4

Die Straße war holperig, und das Fahrzeug ächzte. Martin Weaver, ein erzkonservativer Mann, besaß den Vauxhall schon seit sechs Jahren, und wenn es möglich gewesen wäre, hätte er den Wagen noch weitere sechs Jahre behalten, doch das Auto löste sich allmählich in seine Bestandteile auf. Die Sitze waren zerschlissen, der Rost knabberte überall am Blech, und die Reparaturkosten wurden immer höher. Im nächsten Jahr würde sich Weaver wohl oder übel ein neues Auto kaufen müssen.

Seine Frau Maud saß neben ihm.

Schmales Gesicht, spitze Nase, stechender Blick. Jedermann hielt sie zunächst für einen richtigen Drachen, aber das war sie nicht. Sie hatte ein freundliches Wesen, war gut und hilfsbereit, und in den zwanzig Ehejahren hatte es zwischen ihr und ihrem Mann noch nie ein ernsthaft böses Wort gegeben. Zwar waren sie nicht immer einer Meinung gewesen, aber im Großen und Ganzen hatten sie sich sehr gut vertragen.

»Es kann nicht mehr weit sein«, sagte Maud und schaute zum Seitenfenster hinaus.

»In längstens zehn Minuten sind wir da«, sagte Martin Weaver.

»Unheimliche Gegend.«

»Man gewöhnt sich an alles. Außerdem sieht am Tag alles ganz anders aus.« Der Vauxhall rumpelte in ein Schlagloch. »Miststraße!«, schimpfte Martin Weaver. »Also wenn ich den Job kriege, lasse ich als erstes diese Straße reparieren. Darauf geht ja der beste Wagen zu Bruch.«

»Reparieren ist nur drin, wenn Geld vorhanden ist«, meinte Maud.

»Wir werden bald wissen, ob unser Brötchengeber finanziell auf gesunden oder kranken Füßen steht. Sind sie krank, dann nehmen wir die Stellung erst gar nicht an. Sonst können wir unserem monatlichen Gehalt nachlaufen.« Martin Weaver wedelte mit der Hand. »Nein, nein, so etwas käme nicht in Frage.«

»Findest du es nicht eigenartig, dass man uns erst so spät empfangen will?«

»Vermutlich ist unser neuer Chef ein vielbeschäftigter Mann. Und ein Nachtmensch. Hast du immer noch Bedenken wegen dieser Stellung, Maud?«

»Ich weiß nicht, Martin. Ein gutes Gefühl habe ich bei der Sache nicht.«

»Aber du kannst mir nicht sagen, warum nicht.«

»Nein, das kann ich nicht.«

»Es ist bestimmt das Schloss, das dir ein wenig Angst macht, meine Liebe. Wir haben uns jahrelang so recht und schlecht als Makler durchgebissen. Es gab keine rosigen Zeiten für uns. Während unsere Freunde es sich gutgehen ließen, mussten wir jeden Shilling immer erst zweimal umdrehen, bevor wir ihn ausgaben. Viele Makler sind Gauner, Maud. Und wem es nichts ausmacht, seine Mitmenschen laufend übers Ohr zu hauen, der kann in diesem Gewerbe viel Geld verdienen. Ehrliche Leute wie wir können in dieser Branche aber nie groß werden, und so war es nur vernünftig von mir, mich endlich nach einem anderen Job umzusehen. Die Verwaltung eines großen alten Schlosses wäre eine Aufgabe, die mich reizen würde. Wir könnten hier leben, unsere Stadtwohnung aufgeben, ohne Stress arbeiten. Was gefällt dir daran nicht?«

»Ich weiß es nicht, Martin. Vielleicht ist es wirklich nur das Schloss, das mir Angst macht. Dicke Mauern. Ein mächtiger Wehrturm. Verliese. Endlose Gänge, in denen nachts womöglich Gespenster herumhuschen ...«

Martin Weaver lachte. »Gespenster. Sie werden uns nichts tun, und wir werden uns sehr bald mit ihnen anfreunden.«

Weaver zog den Vauxhall durch die letzte Kurve, dann stieß das Licht der Scheinwerfer gegen eine hohe graue Mauer. Es gab eine Durchfahrt zwischen zwei hohen Steinpfeilern. Eine spukhafte Aura umgab das Alte Schloss.

Maud warf wieder einen bedrückten Blick zum Seitenfenster hinaus. Sie sah schlanke Zypressen, die wie schwarze Finger zum Himmel wiesen. Dazwischen erblickte sie verwitterte Grabsteine und ...

Huschte da nicht eine Gestalt durch die Finsternis?

Mauds Herz fing sofort schneller zu schlagen an. Sie strengte ihre Augen an, doch die Gestalt war schon wieder verschwunden. Eine Einbildung? Vielleicht. Wer Geister sehen will und sich das lange genug einredet, der sieht auch welche.

Martin Weaver ließ den Vauxhall vor dem mächtigen Schlosstor ausrollen.

»Hier könnte man einen Gruselfilm drehen«, sagte er lächelnd. »Die Kulisse wäre unheimlich genug.«

»Sag so etwas nicht, sonst fahren wir gleich wieder nach London zurück«, flüsterte Maud ängstlich.

Weaver tätschelte ihre Hand. »Du brauchst doch keine Angst zu haben. Ich bin bei dir, und solange es mich gibt, kann dir nichts passieren. Ich würde wie ein Löwe um dich kämpfen, das weißt du.«

Maud schielte beunruhigt in Richtung Friedhof. Die Gestalt tauchte zwischen den Grabsteinen nicht mehr auf. Also – Einbildung ...

Weaver stieg aus. »Hoffentlich machen wir einen guten Eindruck auf unseren neuen Brötchengeber.«

Maud wusste nicht, ob sie sich wünschen sollte, dass der Mann, der sie herbestellt hatte, sie wieder fortschickte oder ihrem Gatten den Verwalterjob übertrug.

Sie glaubte zu wissen, dass sie in diesem Schloss keine ruhige Nacht verbringen würde. Konnte sie so etwas auf die Dauer aushalten?

Mach dich nicht verrückt, dachte Maud. Lasse die Dinge herankommen. Was geschehen muss, wird geschehen. Uns allen ist unser Lebensweg und unser Schicksal sowieso vorgezeichnet.

Sie stieg aus und stellte sich an die Seite ihres Mannes. Da war ihr Platz. Seit zwanzig Jahren schon. Martin Weaver ergriff den Türklopfer und hämmerte ihn gegen die Eisenplatte. Dumpf hallten die Schläge durch das Schloss. Maud wünschte sich, er hätte es nicht getan, doch nun war es geschehen, und die Dinge nahmen unaufhaltsam ihren Lauf.

Schritte.

Die Tür wurde geöffnet, und ein bleicher Mann, von dem eine seltsame Kälte ausging, erschien. Maud hätte sich am liebsten hinter ihrem Mann versteckt.

»Maud und Martin Weaver, Sir«, sagte Mauds Mann freundlich.

Der Bleiche nickte mit finsterem Blick. »Kommen Sie herein. Mein Name ist Rufus!«

 

 

5

Sieben Zombies!

Stella Gallagher stieß einen gellenden Schrei aus und warf sich in die Arme ihrer Mutter, die die Untoten entsetzt anstarrte. Die Wiedergänger mit den wächsernen Gesichtern wandten sich Clifton Capra zu. Der Kerl, der Capra überfallen hatte, war auch dabei.

Fünf Männer, zwei Frauen – strähniges Haar, die Kleidung zerrissen und erdig, die Bewegungen marionettenhaft, so kamen sie auf Clifton Capra zu.

Er hatte das Knochengesicht gesehen.

Er war ein Todgeweihter.

Die Zombies wollten ihn holen.

Gene Gallagher fragte sich unwillkürlich, wie viele Wiedergänger es gab. Zum ersten Mal waren sie aus dem Wald gekommen. Zum ersten Mal betraten sie die Raststätte. Zum ersten Mal sah sich Gene Gallagher mit Zombies konfrontiert. Die Angst schnürte ihm die Kehle zu.

Details

Seiten
130
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738907278
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351800
Schlagworte
tony ballard wenn gräbern

Autor

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Titel: Tony Ballard #68: Wenn sie aus den Gräbern steigen