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Hochsaison im Mordgeschäft: N.Y.D. - New York Detectives

2017 130 Seiten

Leseprobe

Hochsaison im Mordgeschäft

Krimi von A.F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 105 Taschenbuchseiten.

 

Vernon Clouse, ein Künstler-Manager und Selfmademan, sammelte Informationen über Menschen, mit denen er zu tun hatte, und nutzte sie zu seinem Vorteil - das machte ihn nicht gerade beliebt. Er wollte den bekannten Privatdetektiv Bount Reiniger engagieren, doch bevor Reiniger mit seinem Auftraggeber sprechen kann, wird dieser vor seinen Augen ermordet. Dass er den Mord aufklärt, ist für den smarten Detektiv Ehrensache. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, zumal er nicht weiß, womit Clouse ihn beauftragen wollte …

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Prolog

Um die Umsätze der Firma zu steigern, erscheint ihnen jedes Mittel recht ...

Ihr Geschäft war Mord, und davon verstanden sie eine ganze Menge.

Deshalb griff der Boss gern auf sie zurück, wenn es ein Problem gab, das er rasch und schmerzlos gelöst haben wollte.

Während Rossman Smith den Wagen steuerte, zog Bobby Mandan seinen Revolver aus dem Schulterholster und ließ die Trommel ratschen.

Er liebte Waffen.

Er war ein richtiger Waffennarr. Er kaufte sich die einschlägigen Journale und studierte sie gewissenhaft. Vor allem für Neuerungen interessierte er sich sehr.

„Wir sind gleich da“, sagte Smith, ein magerer, pockennarbiger Typ, der so kalt wie ein Eisblock sein konnte. Der Wagen erreichte die Flushing Bay. Es war Abend. Das Wasser glänzte wie starres schwarzes Glas.

Über dem La Guardia Airport kreisten zwei Flugzeuge, eines startete gerade.

Es war ein Abend wie jeder andere, hätte man meinen können.

Doch dieser war anders, denn Vernon Clouse sollte ihn nicht überleben.

 

 

1

Clouse war Manager. Ein hektischer Mensch, immer in Eile. Klein wie Napoleon. Manchmal fahrig und schusselig wie Louis de Funès, aber schlau wie ein Fuchs.

Er behauptete von sich, Gott und die Welt zu kennen. In gewisser Weise stimmte das auch. Was er allerdings verschwieg, war die Tatsache, dass er nicht überall gern gesehen wurde. Zu viele Leute hatte er schon hereingelegt. So etwas sprach sich herum.

Wenn man ihm die Hand gab, war es ratsam, hinterher nachzusehen, ob noch alle Finger dran waren. So einer war Vernon Clouse. Clever und geschäftstüchtig. Immer auf der Suche nach neuen Einnahmequellen, wobei er nicht darauf bestand, dass sie auch lupenrein waren.

Das Leben, das er führte, war nervenaufreibend. Und weil es das war, kam er ohne Doping nicht aus.

Alkohol, Weckamine, Haschisch, LSD, Kokain. Er half sich mal mit diesem, mal mit jenem Stimulans, um auf wichtigen Partys mit Schlagfertigkeit und scharfem Verstand zu brillieren. Die verrücktesten Kombinationen hatte er schon ausprobiert. Manchmal war er dabei mächtig ins Schleudern gekommen. Heute wusste er, welche Tabletten sich mit Alkohol nicht vertrugen. Es passierte ihm auch nicht mehr so häufig, dass er sich zu viel zumutete.

Er wusste, dass er seine Gesundheit systematisch kaputt machte. Ihm war klar, dass er nicht alt werden würde, wenn er so weitermachte. Es war der aufreibende Job, der ihn eines Tages umbringen würde.

Manchmal sagte er sich, es wäre vernünftiger, einfach abzuspringen. Aber das Karussell, auf dem er saß, drehte sich immer schneller. Irgendwann würde er sich den Hals brechen, wenn er es verließ.

Aussteigen. Das hörte sich schön und einfach an. Aber das war es nicht. Jedenfalls dann nicht, wenn man so viel wusste wie Vernon Clouse.

In so einem Fall hatten einige Leute etwas gegen dieses Wort. Regelrecht allergisch reagierten sie darauf.

Clouse wusste von anderen, die ausgestiegen waren. Wenn er nicht auch so ein Ende wie sie finden wollte, musste er sich etwas einfallen lassen.

Also versuchte er, den Spieß umzudrehen. Damit man ihm keine Schwierigkeiten machen konnte, musste er den andern so viel an den Hals hängen, dass sie sich nicht auch noch um ihn kümmern konnten.

Clouse grinste. O ja, er war ein schlaues Bürschchen. Die ihn bisher unterschätzt hatten, würden jetzt ihr blaues Wunder erleben.

Mit einem Bourbon on the rocks in der Hand begab sich der Manager zum Fenster. Das Wohnzimmer seines Hauses war teuer eingerichtet. Fast hätte man meinen können, Vernon Clouse wäre reich. Aber das war er nicht.

Er hatte in seinem Leben zwar schon viel Geld verdient, aber es war ihm durch die Finger geronnen wie dünner Sand. Die guten Dollars waren draufgegangen für rauschende Feste, leichte Mädchen, falsche Freunde, Wetten und viele harte Drogen. Er hatte gespielt und verloren, aber es reute ihn nicht. Dafür hatte er vom Leben auch mehr mitbekommen als die meisten anderen.

Vernon Clouse liebte die Abwechslung. Bei ihm musste immer etwas los sein. War mal nichts los, so inszenierte er irgendetwas, damit keine Langeweile aufkam.

Er schob die Gardine zur Seite und blickte in die Dunkelheit hinaus. Durch die Flushing Bay fuhr ein Schiff auf das Boat Basin zu, geschmückt wie ein Weihnachtsbaum. Das erinnerte Clouse unwillkürlich an ein Bordfest, an dem er vor etwa einem halben Jahr teilgenommen hatte.

Lieber Himmel, war da einiges gefällig gewesen. Tolle Mädchen hatte der Gastgeber aufgetrieben. Fotomodelle, allererste Garnitur. Für gewöhnlich zogen sie sich nur für die bekanntesten Herrenmagazine aus. Aber da das finanzielle Angebot des Gastgebers verlockend gewesen war, hatten sie mal eine Ausnahme gemacht.

Vernon Clouse nahm einen Schluck. Leise klirrten die Eiswürfel im Glas. Er wandte sich vom Fenster ab und ließ den Blick durch den großzügigen Raum schweifen.

Der Mann, den er angerufen und zu sich gebeten hatte, war pünktlich und gewissenhaft. Er würde sein Trumpf-Ass sein. Und er würde diese Karte so geschickt ausspielen, dass ihm daraus keine weiteren Probleme erwachsen konnten.

Als sein Glas leer war, hielt ein Wagen vor dem Haus.

Der Manager grinste. Seine Stimmung war großartig. Das kam natürlich auch vom Alkohol und den Tabletten, die er hineingetan hatte. Er war aufgedreht und bester Laune.

Es läutete.

Vernon Clouse kam zwar nicht auf die Idee, es könnte jemand anderes sein als der Privatdetektiv Bount Reiniger, aber Vorsicht war die Mutter der Porzellankiste.

Er nahm seinen Revolver, der schon seit ein paar Tagen griffbereit neben der antiken Uhr auf dem Kaminsims lag. Schwungvoll öffnete er die Tür – und blickte direkt in die Mündung einer Schalldämpferpistole.

Vernon Clouse kam nicht mehr dazu, noch etwas zu sagen.

 

 

2

„Hast du Zeit, Bount?“, fragte Captain Toby Rogers seinen guten alten Freund.

„Kommt darauf an“, erwiderte Bount Reiniger. „Wann und wofür?“

„Wie wär’s mit ein bisschen Bowling?“

„Hat dir der Arzt geraten, mal wieder etwas für deine Figur zu tun, die immer breiter wird?“, fragte Bount Reiniger in die Sprechmuschel. Er befand sich in seinem Büro. Gerade als das Telefon klingelte, hatte er weggehen wollen.

„Von wegen breiter. Ich bin am Abnehmen.“

„Mal wieder. - Ist nicht wahr.“

„Tatsache. Bald werde ich die Arme abspreizen müssen, wenn ich über einen Gullydeckel laufe, damit ich nicht im Schacht verschwinde.“

„Wie viel Pfund hast du denn schon runter?“

„Zwei. Und ich kämpfe weiter.“

„Das geht an die Nerven. Da du an manchen Tagen ohnedies schon ungenießbar bist, sei vorsichtig, dass dir nicht die ganze Mannschaft davonläuft. Ein Captain, der eine leere Dienststelle leitet, ist auch nicht das Wahre. - Zwei Pfund. Eine tolle Leistung“, sagte Bount grinsend. „Das bedeutet, dass dies die erste Woche ist, in der du, seit wir uns kennen, nichts zugenommen hast.“

„Du übertreibst wieder mal maßlos. - Also was ist nun mit einer kleinen Bowling-Partie? Ich mache hier in zehn Minuten Schluss, und dann kann der Abend uns gehören. Du bist natürlich eingeladen.“

„Eingeladen? Von dir? Da stimmt doch irgendetwas nicht. - He, Mister, sind Sie sicher, dass Sie Captain Toby Rogers, der Leiter der Mordkommission Manhattan C/II, sind?“

„Was soll der Blödsinn, Bount?“

„Soweit ich zurückdenken kann - und ich habe ein Gedächtnis wie ein Elefant -, hat mich Toby Rogers noch nie eingeladen.“

„Also an der Lüge solltest du ersticken, mein Lieber. Wenn ich aufzähle, wie oft ich dich schon eingeladen habe, dauert dieses Gespräch noch bis Mitternacht.“

„Hör auf, Toby. Sonst wird’s peinlich für mich. Ich komme mir schon fast wie ein Schmarotzer vor.“

„Ron Myers hat bei einer Tombola zwei Stunden Bowling gewonnen. Er ist heute Abend aber leider verhindert und hat daher mir seinen Gewinn übertragen.“

Lieutenant Ron Myers war Tobys Stellvertreter.

Bount lachte. „Jetzt sieht die Geschichte schon etwas glaubwürdiger aus. Die Einladung kostet dich also nichts. Das ist dein Stil. Nun erkenne ich meinen Freund Toby wieder.“

„Hast du Interesse?“, brummte der Captain. „Ich würde dann schon vorausfahren und eine Bahn reservieren.“

„Ich kann nicht sofort kommen“, antwortete Bount. „Habe vorher noch einen Termin.“

„Ja, ja. Am Abend werden die Faulen fleißig. Wann kannst du?“

„Gib mir eine Stunde.“

„Okay. Dann brauche ich mich nicht zu beeilen.“ Toby nannte die Telefonnummer der Bowlingbahn. Er bat Bount noch, ihn anzurufen, falls ihm etwas dazwischenkommen sollte. Natürlich hatte er keine Lust, zwei Stunden allein die Kugel zu schieben.

„Das würde dich glatt noch ein Pfund kosten“, sagte Bount neckend. „Und man soll’s mit dem Abnehmen auf keinen Fall übertreiben.“

„Du nimmst mich nicht ernst, wie?“

„Für ,FdH‘ braucht man einen eisernen Willen.“

„Den habe ich“, behauptete der Captain.

„Schade. Und ich dachte, ich könnte mich für die Einladung zum Bowling mit einem großen, saftigen Steak und einem Berg knuspriger Pommes frites revanchieren.“

„Ab und zu darf man eine Ausnahme machen, Bount. Das ist nicht weiter schlimm.“

„Vor allem dann, wenn es nichts kostet. Also dann bis nachher.“ Bount Reiniger legte auf.

Es war Zeit, zu Vernon Clouse zu fahren. Bount verließ sein Büro-Apartment. Im Lift zündete er sich eine Pall Mall an. Wenig später saß er in seinem silbergrauen Mercedes 450 SEL und war nach Queens unterwegs.

Er mochte Toby Rogers sehr. Sie kannten einander seit einer Ewigkeit. Bount hatte keinen besseren Freund. Für Außenstehende mochte das, was sie sich manchmal an giftigen Bosheiten an den Kopf warfen, verletzend erscheinen. Aber es war niemals so gemeint. Selbst die Tiefschläge teilten sie mit einem kleinen Augenzwinkern aus. Der eine wusste vom andern, dass er ihm nie weh tun würde. Toby hätte sich für Bount jederzeit in Stücke reißen lassen, und umgekehrt war es genauso. Sie verband die wetterfesteste Freundschaft, die man sich vorstellen konnte, und davon profitierten sie beide.

Bount steuerte auf den Queens Midtown Tunnel zu und reihte sich in den Verkehrsfluss ein. Auf dem Interstate Highway 495 erreichte er den Flushing Meadows Corona Park und wechselte auf den Grand Central Parkway über. Die Adresse, die ihm Vernon Clouse genannt hatte, fand er ziemlich sofort.

Da der Manager nur einige dürftige Andeutungen über einen möglichen Auftrag gemacht hatte, wusste Bount Reiniger nicht, worum es bei der Angelegenheit im Einzelnen ging.

Er liebte seinen Job zwar, hoffte aber, dass er sich nicht gerade heute Abend sofort in die Arbeit stürzen musste. Viel lieber wollte er Toby Rogers zeigen, was meisterhaftes Bowling war. Er hatte in letzter Zeit öfter gespielt und befand sich daher in einer Bombenform. Toby würden die Augen übergehen.

Bount fuhr etwas langsamer. Als er um die Ecke bog, sah er Clouses Haus und das Heck eines Wagens, das dahinter hervorragte. Er hielt an und stieg aus.

Hilfeschreie! Schüsse!

Bounts Kopfhaut spannte sich. Er riss die Automatic aus dem Schulterholster.

Die Haustür flog auf. Zwei Männer kamen heraus. Als sie Bount Reiniger erblickten, begannen sie sofort, auf ihn zu schießen. Bount hechtete hinter seinen Wagen und erwiderte aus der Deckung das Feuer.

Einer der beiden Männer zuckte heftig zusammen. Als er losrannte, humpelte er. Eine von Bounts Kugeln hatte den Gangster scheinbar erwischt.

Die Schüsse der Verbrecher zwangen den Privatdetektiv, den Kopf unten zu halten und in Deckung zu bleiben. Als er einen Motor aufheulen hörte, sprang er auf. Reifen quietschten. Das Fahrzeugheck verschwand.

Bount wollte gerade in seinen Wagen steigen und die Verfolgung aufnehmen, als Vernon Clouse in der Tür erschien. Er war blutüberströmt. Bount Reiniger fand, dass es wichtiger war, ihm zu helfen, als hinter den Killern herzujagen.

Er stieß die Automatic ins Leder und lief auf Clouse zu.

„Mr. Reiniger ...“, röchelte der Manager. Seine Lider flatterten. Plötzlich kippte er nach vorn.

Bount fing ihn auf und zerrte ihn ins Haus. Er legte den Schwerverletzten auf ein Sofa. Hastig öffnete er die Kleidung des Mannes. Mehrere Einschüsse hatten den Manager schwer verletzt. Es grenzte an ein Wunder, dass er überhaupt noch lebte.

„Mr. Reiniger“, flüsterte er und krallte seine Finger in Bounts Jackett. Seine Lippen bebten. Kreidebleich war sein Gesicht.

„Der Scheck ... auf dem Tisch ... ist für Sie ...“

Die Worte strengten Clouse so sehr an, dass er eine Pause machen musste. Er japste nach Luft. Dann wurde er ohnmächtig.

Die kraftlosen Hände des Managers glitten von Bount ab. Er holte ein Taschentuch heraus, reinigte oberflächlich seine Hände und eilte zum Telefon.

Wenn er Toby noch im Büro erreichte, brauchte er nicht extra die Rettung anzurufen. Das würde dann der Captain für ihn tun, und er konnte sich wieder um Clouse kümmern.

Hastig wählte er.

Tobys Stimme klang mürrisch. Er hatte einen schweren, arbeitsreichen Tag hinter sich und freute sich auf die Bowling-Partie mit seinem Freund. Deshalb empfand er jeden Anruf, der das eventuell verhindern konnte, als störend.

Als der Captain Bount Reinigers Stimme erkannte, brummte er: „Sag bloß nicht, du lässt mich aufsitzen. Das würde ich dir nie verzeihen.“

„Auch du wirst gleich keine Zeit mehr haben, dich in der Bowling-Halle zu vergnügen“, sagte Bount trocken.

Er berichtete dem Freund kurz, was geschehen war. Bount konnte sich darauf verlassen, dass Toby alles Weitere in die Wege leiten würde. Er legte den Hörer auf und begab sich eiligst wieder zu Clouse.

Das Gesicht des Managers war mittlerweile wächsern geworden. Bount machte sich nichts vor. Er sah, dass er einen Sterbenden vor sich hatte. Kein Arzt würde Clouse noch helfen können. Sein Lebenslicht leuchtete immer schwächer, flackerte nur noch.

„Mr. Clouse!“

Der Manager reagierte nicht. Aber er lebte noch.

„Mr. Clouse, hören Sie mich?“, fragte Reiniger eindringlich.

Die Lippen des Mannes zuckten jetzt. Bount hatte den Eindruck, Clouse wollte noch etwas sagen. Der Mund des Managers öffnete sich. Bount beugte sich über ihn, aber Vernon Clouse konnte nicht mehr sprechen.

„Warum haben Sie mich angerufen? Aus welchem Grund wollten Sie mich engagieren?“, fragte Bount.

Mit großen, verzweifelten Augen sah Clouse ihn an. Mit seinem Blick flehte er um Hilfe, die er von niemandem mehr bekommen konnte.

„Wer hat das getan?“, wollte Bount wissen. „Waren Ihnen diese beiden Männer bekannt? Nicken Sie, wenn es der Fall ist.“

Clouse bewegte den Kopf. Aber war es ein Nicken? Ein schwerer Hustenanfall schüttelte ihn jetzt.

„Es waren bezahlte Killer, nicht wahr?“

Clouse nickte diesmal deutlich.

„Bezahlt von wem?“, fragte Bount Reiniger.

Verdammt, er hatte schon viele Menschen sterben sehen. Aber er würde niemals so hartgesotten sein, dass es ihn völlig kaltließ. Vor allem machte es ihn wütend, dass er nichts mehr für diesen Mann tun konnte.

Der Manager schloss den Mund. Nein, er schloss ihn nicht, sondern er bildete mit den Lippen einen Buchstaben. Ein M vermutlich.

„MMM … MMMo... Mooo...“

Bount war sicher, dass das ein Name werden sollte.

„Ja?“, sagte er gespannt. „Ja? Ich höre, Mr. Clouse.“

„Morrr... Moriii...“

„Mori?“, fragte Bount. „Oder ist der Name noch nicht komplett?“

Vernon Clouse schaute ihn auf einmal erschrocken an. Es sah so aus, als könnte er nicht begreifen, dass sein Leben in diesem Augenblick zu Ende ging. Irgendetwas schien er noch sagen zu wollen. Aber der Tod kam ihm zuvor. Er seufzte ein letztes Mal, dann schloss er die Augen.

Bount richtete sich mit einem jähen Ruck auf und sah sich im Livingroom um. Angesichts des Todes war sogar er manchmal ratlos.

Eine heiße Zornwelle stieg in ihm hoch. Wie kommen Menschen dazu, Mord zu ihrem Beruf zu machen? Niemand hatte das Recht, einem andern das Leben zu nehmen. Aber es gab immer wieder welche, die sich mit dieser blutigen Tätigkeit ihren Lebensunterhalt verdienten und oft sogar sehr viel Geld damit machten.

Bount ging in die Küche und wusch sich die Hände. Anschließend rauchte er eine Pall Mall.

Polizei und Krankenwagen trafen fast gleichzeitig ein. Ein Leichenwagen wäre richtiger gewesen.

 

 

3

„Was war das für ein Wagen, in dem die Killer das Weite suchten, Bount?“, wollte Captain Rogers wissen.

„Ich habe nur noch das Heck verschwinden sehen“, antwortete sein Freund.

Toby nickte. „Welche Farbe?“

„Es war dunkel. Verschiedene Farben wären möglich. Es könnte sich um einen Buick gehandelt haben.“

„Welches Baujahr?“

„Du verlangst ein bisschen viel“, seufzte Bount.

„Hör mal, ein Mann mit deiner außergewöhnlichen Beobachtungsgabe ...“

„Spar dir' den Schmus, Toby. Ich kann dir das Baujahr nicht sagen.“

„Wie sieht’s mit den Kerlen aus. Kannst du sie beschreiben?“

„Der eine war blond, der andere brünett. Sie waren beide zirka gleich groß und unauffällig gekleidet.“

„Würdest du sie wiedererkennen?“, erkundigte sich der Captain.

„Den Blonden vielleicht. Ich habe ihn mit einer Kugel an der linken Hüfte verletzt. Er konnte zwar noch laufen, aber er humpelte.“

„Wie alt sind die Täter?“

„Ich schätze, zwischen zwanzig und dreißig“, antwortete Bount.

Die Männer von der Spurensicherung waren bei der Arbeit. Polizeiarzt und -fotograf hatten ihre Aufgaben bereits erledigt. Endlich traf der Leichenwagen ein, den Toby bestellt hatte. Vernon Clouse wurde in einem Metallsarg aus dem Haus getragen.

„Er hat die Mörder gekannt“, sagte Bount.

„Hat er dir das gesagt? Wieso hat er ihre Namen nicht genannt?“

„Toby, der Mann war am Ende. Er war nicht mehr in der Lage, lange Reden zu halten. Er hatte gerade noch Zeit, etwas zu hauchen.“

„Was, in Gottes Namen? Lass dir doch nicht jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen!“

,Mori, oder so ähnlich. Ich weiß nicht, ob das überhaupt ein vollständiger Name ist. Aber was es auch ist, ich werde es herausfinden, denn es muss etwas mit dem Mord zu tun haben.“

„Aus welchem Grund wollte dich Clouse engagieren?“

Bount hob die Schultern. „Er rief mich heute an und sagte, er brauche die Hilfe eines Privatdetektivs. Er wusste, dass ich einer der Besten in der Branche bin, und fragte mich, ob ich an einem Auftrag interessiert wäre.“

„Du hast natürlich ja gesagt?“

„Ich lebe davon, dass Männer wie Clouse mich engagieren.“

„Ging er nicht ins Detail?“, wollte Toby wissen. „Machte er keine Andeutung, um dein Interesse zu steigern?“

„Er sagte nur, es wäre eine große Sache, mit der ich mein Bankkonto etwas auffüllen könnte.“

„Hm.“ Toby kratzte sich am Kinn. „Eine große Sache. Und er wollte dir dafür zweitausend Dollar bezahlen“, sagte der Captain. Er wies auf den Scheck, der auf Bount Reinigers Namen ausgestellt war. Bount hatte ihn nicht an sich genommen. „Und du wirst dir das Geld verdienen, indem du Antworten auf die vielen Fragen suchst, die im Augenblick noch offen sind, oder?“

„An und für sich hat es die Polizei nicht so gern, wenn ihr ein Privatdetektiv ins Handwerk pfuscht.“

„Kannst du es dir leisten, auf zweitausend Dollar zu verzichten? Außerdem habe ich nicht gesagt, du sollst uns ins Handwerk pfuschen. Ich erwarte von dir eine konstruktive Zusammenarbeit.“

„Ich verstehe. Die sieht dann so aus, dass ich mir die Hacken schief laufe und du dich dann mit fremden Federn schmückst. Aber okay, ich mach’s.“

Auf dem Kaminsims neben der antiken Uhr stand eine Fotografie in einem Silberrahmen. Sie zeigte ein hübsches blondes Mädchen, das den Betrachter freundlich anlächelte.

Darunter stand: In Liebe - Sally

„Er war Barry Powers Manager“, sagte Toby Rogers.

„Was hast du gegen Barry Power?“, fragte Bount ihn.

„Nichts.“

„Warum verziehst du dann das Gesicht, wenn du seinen Namen nennst?“

„Ich mag die Musik nicht, die Power macht. Sie ist mir zu laut, zu aggressiv. Ich schätze mehr die weichen Töne. Ehrlich gesagt, ich kann nicht verstehen, dass Power auf seinen Tourneen die größten Hallen füllt. Vielleicht hätte es mir Vernon Clouse erklären können. Irgendetwas muss ja schließlich an Power dran sein. Sonst würden ihm die Massen nicht so zujubeln und ihn vergöttern. Clevere Werbung allein kann es nicht sein. Der Mann muss eine besondere Ausstrahlung haben.“

„Die hat er“, sagte Bount.

„Aber ich spüre sie nicht. Mir gehen seine Songs nicht unter die Haut.“

„Weil du ein Dickhäuter bist.“

„Du weißt, dass dieser Schein trügt. In Wirklichkeit bin ich ungemein sensibel.“

„Powers beste Zeit ist vorbei“, stellte Bount fest.

„Erstaunlich, wie gut du dich in der Musikszene auskennst. Wäre es nicht denkbar, dass dich Clouse deshalb zu sich gebeten hat?“

„Denkbar wäre vieles. Gib mir ein paar Tage Zeit. Vielleicht kann ich dir die Frage dann beantworten.“

„Wirst du mit Power reden?“, fragte Toby.

„Ich werde ihm sagen, dass du ein Fan von ihm bist. Vielleicht kriege ich sogar ein Autogramm für dich.“

„Du weißt immer genau, womit du mir eine Freude machen kannst“, sagte der Captain augenzwinkernd. „Wie heißt eigentlich die Firma, bei der Barry Power unter Vertrag ist?“

„Golden Voice Records.“

„Ohne Manager hängt Power doch in der Luft.“

„Kann sein, dass er künftig direkt von 'Golden Voice' gemanagt wird“, vermutete Bount.

„Hast du mal eine Zigarette für mich?“, fragte der Captain.

„Warum versuchst du’s nicht auch mal mit ,RdH‘?“

„Dieser Doppelbelastung wäre ich nicht gewachsen. Wenig essen und wenig rauchen. Was bleibt mir denn dann noch? - Nur die Arbeit?“

Bount gab ihm ein Stäbchen und auch Feuer. Er nahm sich ebenfalls eine Zigarette, zündete sie an und blies den Rauch über den Scheck, der nach wie vor auf dem Tisch lag.

„Barry Power muss - nach allem was du von ihm erzählt hast – seinen Geschäftspartnern ein Vermögen ersungen haben“, überlegte Toby Rogers. „Für seinen Manager, für 'Golden Voice Records'.“

„Das hat er bestimmt.“

„Und nun ist Powers beste Zeit vorbei, wie du sagst. Darf ich das so verstehen, dass der Verkauf seiner Schallplatten zurückgegangen ist? Barry Power ist nicht mehr der Hitparadenstürmer vergangener Tage. Die Einnahmen lassen zu wünschen übrig. Vielleicht empfindet er seinen Manager auf einmal als Klotz am Bein. Ständig nascht Vernon Clouse an seinem Kuchen mit, der immer kleiner wird ...“

„Vorsicht!“, warnte Bount. „Weißt du, was du soeben konstruierst? Ein Mordmotiv für Barry Power. Ich hoffe, du tust das nicht nur deshalb, weil dir seine Musik nicht zusagt.“

Toby zog an der Pall Mall. „Ein Künstler befindet sich auf dem absteigenden Ast. Mit einem Mal wird sein Manager ermordet. Das lässt eine Menge Schlüsse zu.“

„Spekulationen würde ich sagen“, korrigierte Bount seinen Freund. „Das Leben ist ein Wellental, Toby. Das ist eine alte Weisheit, die ganz besonders in der Unterhaltungsbranche ihre Gültigkeit hat. Einmal oben, einmal unten. Nichts ist so unzuverlässig wie die Gunst des Publikums. Die Massen jubeln dich heute zum Star hoch, und wenn du Pech hast, lassen sie dich morgen schon wieder fallen. Barry Power hat in letzter Zeit einige Flops auf den Markt gebracht. Er braucht nur einen richtigen Hit, und schon ist er wieder obenauf.“

„Ich bin der Letzte, der ihm einen solchen Hit nicht gönnt. Ich muss ihn mir zum Glück ja nicht anhören. Kluge Köpfe haben unsere Radiogeräte so konstruiert, dass man sie nicht nur auf, sondern auch wieder abdrehen kann. - Aber ich bin ehrlich gespannt zu erfahren, warum man Vernon Clouse zwei Killer ins Haus schickte.“

Bount drückte die Zigarette in einen Aschenbecher. „Ich werde versuchen, es für dich herauszukriegen. Einen Grund mehr, Clouses Auftrag anzunehmen.“

 

 

4

Jung, aalglatt und gerissen war Aldo Orsini. Obendrein sah er auch noch sehr gut aus. Er hatte eine sportliche Figur, jettschwarzes, dichtes Haar und verstand es, sich modern zu kleiden. Die Mädchen gingen gern mit ihm aus. Aber der ehrgeizige junge Mann nahm nicht alle Chancen wahr, die ihm geboten wurden. Er ging sehr zielstrebig vor, denn er hatte für sich, sein Leben und seine Karriere eine gerade Linie festgelegt, von der er keinen Millimeter abwich.

Aldo Orsini wollte nach oben und das große Geld verdienen. Er besaß heute schon die nötige Ellenbogentechnik, um dieses Ziel zu erreichen. Kaltschnäuzig und gewissenlos genug war er auch. Er hielt sich wie geschaffen für einen Platz an der Sonne.

Jetzt durften sie sich noch die Schuhe an ihm abputzen. Aber so würde es nicht immer sein. Eines Tages würden sie einsehen, dass sie ihn verkannt hatten. Dann würde er ihnen alles zurückzahlen. Keine Rechnung würde offenbleiben.

Derzeit war er das Mädchen für alles bei „Golden Voice Records“. Er holte Kaffee für die Stars und ertrug die schrecklichen Launen des Produzenten und Firmeninhabers Harold Conabere. Wenn irgendwo irgendetwas schiefging, fanden sie mit Sicherheit einen Dreh, um es ihm in die Schuhe zu schieben.

Orsini hielt den Mund und schluckte alles hinunter.

Das wäre ihm nicht möglich gewesen, wenn er nicht ganz genau gewusst hätte, dass seine Zeit kommen würde.

Er hatte sich selbst zum Talententdecker ernannt. Der Boss hatte es ihm nicht verwehrt, und so zog Aldo Orsini Abend für Abend durch die Bars und hielt Ausschau nach jungen Künstlern, die noch keinen Schallplattenvertrag hatten.

Dutzende Talente hatte Orsini bereits angeschleppt. Und wenn Conabere Zeit und Lust hatte, hörte er sich die Leute an. Aber bis jetzt hatte er sie alle wieder nach Hause geschickt.

Bei einem einzigen Mädchen hatte Conabere eine Ausnahme gemacht. Ihr wollte der Boss einen Vertrag geben. Später hatte Orsini dann erfahren, dass Conabere nur einen Köder gebraucht hatte, um die Kleine in sein Bett zu kriegen.

Sobald er sein Ziel erreicht hatte, jagte er sie ohne Vertrag, aber mit Schimpf und Schande, davon.

Orsini kreidete es dem Boss nicht an. Schließlich verband auch er nach Möglichkeit das Angenehme mit dem Nützlichen. Wenn ein Mädchen nett zu ihm war, damit er sich mehr für sie einsetzte, und wenn sie ihm dann auch noch gefiel, wäre er ein Idiot gewesen, das Geschenk nicht anzunehmen.

Irgendwann würde er ein Talent an Land ziehen, das Harold Conabere vom Hocker stieß. Aber solche Leute waren dünn gesät. Also musste Aldo Orsini tüchtig suchen.

Er verachtete Conabere. Er hielt ihn für eine selbstgefällige, fett gefressene Spinne, die sich wie ein kleiner Gott aufspielte. Dabei war Conabere nichts weiter als Dreck. Nach außen hin gehörte die Firma zwar ihm, aber in Wirklichkeit hatten andere das Sagen. Harold Conabere war nichts weiter als deren Befehlsempfänger.

Sie führten ihn an ziemlich straffen Zügeln, ließen ihm nur wenig Freiheit. Immer wieder musste er rückfragen. Selbständige Entscheidungen konnte man von ihm nicht erwarten.

Der Boss ordnete nie sofort etwas an. Er zog sich stets in sein Büro zurück und „überlegte“ dort, bis ihm eingeflüstert wurde, was er zu tun habe. Diese Eingebung gab er dann energisch und als seine Meinung weiter.

Aldo Orsini wusste, woher die Order kam, aber er hielt den Mund.

Er war Conabere ein Dorn im Auge. Wahrscheinlich spürte der Plattenboss, dass ihm der junge Mann eines Tages gefährlich werden konnte.

Conabere hätte ihn schon längst hinausgeworfen. Aber er hatte Aldos Vater, mit dem er befreundet gewesen war, versprochen, immer einen Job für seinen Sohn zu haben.

Seit einer Stunde saß Orsini in einer verrauchten Bar in Greenwich Village und hörte sich Charlotte Karras an. Sie wusste, wer er war. Orsini war schon mal hier gewesen und hatte ihr seine Karte gegeben. Daher strengte sie sich besonders an, um ihm zu gefallen.

Sie gefiel ihm tatsächlich, allerdings mehr ihr Aussehen als ihre Stimme. Sie hatte ein niedliches Puppengesicht. Mit entsprechender Werbung hätte man sie ganz gut ins Rennen schicken können. Ein Dauerbrenner wäre sie zwar nicht geworden, aber ein, zwei Jahre hätte sich gutes Geld mit ihr machen lassen.

Doch Aldo Orsini glaubte nicht, dass Harold Conabere auf einen diesbezüglichen Vorschlag einsteigen würde. Trotzdem ließ er Charlotte in dem Glauben, dass er für sie schon so gut wie alles gedeichselt hatte.

Sollte sich Charlotte dafür dankbar erweisen wollen, hätte er absolut nichts dagegen gehabt.

Sie sang gerade ihr letztes Lied auf der kleinen Bühne, wobei sie sich selbst auf der Gitarre begleitete. Das kam bei den Gästen sehr gut an. Der Applaus war fast rasend. Auch Aldo Orsini klatschte sich die Hände rot.

Als Charlotte wenig später an seinen Tisch kam und ihn fragte, wie sie gewesen wäre, sagte er: „Fantastisch, Baby. Sie waren einfach umwerfend. Wenn ich Mr. Conabere mit meiner Begeisterung anstecke, haben Sie den Vertrag schon in der Tasche.“

Er forderte sie auf, sich zu setzen, und erzählte ihr von Songschreibern, mit denen er sie zusammenbringen könnte. Natürlich waren es Namen, die jedermann kannte. Hitproduzenten allererster Güte.

„Mit maßgeschneiderten Songs schlagen Sie ein wie eine Bombe“, versicherte er dem Mädchen.

Ihre rehbraunen Augen glänzten vor Begeisterung. Sie schüttelte ihre tizianrote Mähne und sah es als echten Glücksfall an, dass Aldo Orsini auf sie aufmerksam geworden war.

„Mr. Conabere wird mir die Hände küssen“, sagte er grinsend. „Eine Sängerin wie Sie sucht er schon lange. Sie sehen hinreißend aus und haben eine großartige Stimme. Ich denke, man wird Sie zuerst in ein paar kleinen Shows auftreten lassen, um zu sehen, wie Sie sich bewähren. Aber ich zweifele nicht daran, dass in ein paar Monaten Goldkehlchen zum ersten Mal nach Gold greift und ganz Amerika Ihnen zu Füßen liegen wird. Ich weiß, wie schnell so etwas gehen kann. Beim ersten Hit, der in die Charts kommt, horcht die Branche auf. Sofort läuft dann bei Ihnen zu Hause das Telefon heiß. Sie werden eine Geheimnummer brauchen, einen dicken Schlitten fahren und teure Kleider tragen. Alle Fernsehstationen werden sich um Sie reißen. Die Angebote, die es hageln wird, werden Ihnen blaue Flecken schlagen, wenn Sie nicht aufpassen.“ Charlotte Karras lachte glücklich. „O Aldo, wäre das schön.“

„Ich finde, wir sollten uns beizeiten einen zugkräftigen Namen für Sie ausdenken.“

„Was haben Sie gegen Karras?“

„Ist mir zu griechisch. Damit wissen die Leute nichts anzufangen.

Denken Sie, Marilyn Monroe hätte als Norma Jean Baker Karriere gemacht? Niemals. Sie brauchen einen Namen, der auffällt, ins Ohr geht und sofort im Gedächtnis haftenbleibt. Einmal gehört, nie mehr vergessen.“

Er tat so, als würde er nachdenken, rieb sich die Stirn rot und schnippte immer wieder mit dem Finger.

„Charlotte Shaw? Nein - Charlotte Davenport? Das ist zu lang. Charlotte Quayle? - Hier kann man sich nicht konzentrieren. Die vielen Leute lenken mich ab. Hören Sie, wie wär’s, wenn wir zu mir gehen würden? Dort würde uns niemand stören. Wir könnten in aller Ruhe über einen Namen nachdenken, der zu Ihnen passt.“

„Wie wär’s mit McDowall? Charlotte McDowall. Das war der Mädchenname meiner Mutter.“

„Kommt der Sache schon ein bisschen näher, trifft den Punkt aber noch nicht ganz“, sagte Orsini und verlangte vom Kellner die Rechnung.

Wenig später verließ er mit Charlotte die kleine Bar in Greenwich Village.

Er wohnte nicht gerade sehr luxuriös, behauptete aber, dies wäre nur eine Zwischenlösung. Sein neues Apartment mit Blick auf den Central Park wäre angeblich noch nicht zu beziehen.

„Einen Vorvertrag habe ich bereits unterschrieben, aber der Hausbesitzer hat Schwierigkeiten, meinen Vormieter rauszukriegen.“

Er führte die Sängerin in ein kleines Wohnzimmer und zeigte ihr die Hausbar. Sie entschied sich für einen leichten Drink, aber er schmuggelte einen Schuss Wodka dazu.

Während er ihr das Glas in die Hand gab, sah er ihr tief in die Augen. „Die Branche ist hart, Baby. Manchmal sogar gnadenlos brutal. Sie werden einen wie mich brauchen, der Ihnen die Steine aus dem Weg räumt.“

„Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie dankbar ich Ihnen bin.“ Sie lächelte naiv. Charlotte Karras gehörte zu den Frauen, die auf den Schmus eines Mannes hereinfielen, weil sie darauf hereinfallen wollten.

„Ich helfe gern, wenn ich kann“, log er frech. „Sie würden mich glücklich machen, wenn Sie in mir einen Freund sehen würden, der es ehrlich mit Ihnen meint.“

„Ich kann einen guten Freund gebrauchen. Es gibt ohnedies so wenig Menschen, denen man trauen kann“, sagte Charlotte.

„Wie wahr“, bestätigte Aldo Orsini. Er lächelte. „Unter Freunden ist es nicht üblich, dass man sich siezt.“ Er stieß mit seinem Glas gegen das ihre. „Ich bin Aldo.“

Details

Seiten
130
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783738907230
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (Dezember)
Schlagworte
hochsaison mordgeschäft york detectives

Autor

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Titel: Hochsaison im Mordgeschäft: N.Y.D. - New York Detectives