Lade Inhalt...

Tony Ballard 66: Die Teufelsschlange

2016 120 Seiten

Leseprobe

Die Teufelsschlange

Dämonenhasser Tony Ballard Band 66

von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 107 Taschenbuchseiten.

 

Tony Ballard ist der Dämonenhasser. Er kämpft gegen die Mächte der Finsternis und begegnet dem Unfassbaren. Vampire, Dämonen, Werwölfe und andere Kreaturen der Schattenwelt sind seine unbarmherzigen Gegner.

Erfolgsautor A. F. Morland schuf diese einzigartige Horror-Serie, die jetzt endlich auch im E-Book vorliegt.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

„Edition A. F. Morland“ ist ein Imprint von Alfred Bekker & Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte des Titelbild-Logos by Jörg Martin Munsonius/Edition Bärenklau

Illustrator: Michael Sagenhorn, 2017

 

 

 

Prolog

Roxane lebt!

Die Totgeglaubte befindet sich im Labyrinth der Dämonenschlange Tingo. Das Untier, dem sie geopfert wurde, hat ihr noch eine Galgenfrist eingeräumt.

Aber in der Nacht des schwarzen Mondes ist es soweit. In dieser Nacht muss Roxane sterben.

Unwiderruflich. Die Hexe aus dem Jenseits weiß, dass ihre Stunden gezählt sind …

 

 

1

Sie bildeten die Vorhut, und Ytlar führte sie an. Mit geschmeidigen Flügelschlägen schwebten die Vogelbestien über das Land. Wälder, Wiesen, Seen, Flüsse – über alles glitten die Eindringlinge majestätisch hinweg.

Ytlar hatte sein Volk ins Reich der grünen Schatten geführt, um sich hier niederzulassen. Er wollte die Wesen, die in dieser Welt wohnten, unterdrücken, hatte die Absicht, sich alles Leben untertan zu machen.

Sie stammten aus einer anderen Dimension, in der wilde Kämpfe getobt hatten. Ytlars Volk wäre dem Untergang geweiht gewesen, wenn es das Feld nicht geräumt hätte. Die Übermacht war zu groß gewesen. Nur die Flucht konnte die Vogelbestien retten.

»Ich kenne ein Land, in dem wir leben können«, hatte Ytlar zu seinen Getreuen gesagt. »Im Reich der grünen Schatten werden wir herrschen und ein drohnenhaftes Leben führen.«

»Und die Schattenwesen, die da leben?«, hatte man ihn gefragt.

Er hatte verächtlich abgewinkt. »Schwächlinge. Die können sich mit uns nicht messen. Wir zwingen sie in die Knie und machen sie zu unseren Sklaven.«

Es war ein langer, beschwerlicher Weg bis hierher gewesen. Die Vogelbestien hatten viele Gefahren überwinden und unzählige Entbehrungen auf sich nehmen müssen.

Einige von ihnen wollten schon verzagen, aber dann erblickten sie in der Ferne das dunkle samtige Grün und wussten, dass sie es geschafft hatten. Das Ziel war erreicht.

Ytlar war groß, und seine Flügel hatten eine beeindruckende Spannweite. Sie schillerten golden und bewegten sich langsam auf und ab. Er besaß aber auch Hände und Füße. Sein Körper, der dem eines Menschen glich, steckte in einem eisernen Brustpanzer. Der Schädel wies die Schnauze eines Raubtieres auf, mit langen, säbelartigen Zähnen, während Augen, Stirn und Ohren wieder von einem Menschen hätten stammen können.

»Wie gefällt euch das Reich der grünen Schatten?«, fragte Ytlar seine Begleiter.

»Ausgezeichnet«, antwortete die Vogelbestie neben ihm. »Aber ich sehe keine Farben. Alles ist grün.«

»Hier gibt es kaum Farben. Wer Farben besitzt, ist reich«, sagte Ytlar. »Eines Tages wird dies hier eine bunte Welt sein, und wir werden sie geschaffen haben. Wir werden das Reich der grünen Schatten verändern. Ich bin sicher, mein Volk wird sich hier sehr wohl fühlen und die alte Heimat bald vergessen haben.«

»Du bist ein großer Führer, Ytlar«, sagte die Vogelbestie neben ihm, ein Priester. »Du bist weise und mutig. Unsere Götter sind dir gewogen. Sie lieben dich.«

»Sie haben auch allen Grund dazu«, sagte Ytlar unbescheiden.

»Wir sollten ihnen ein Wesen dieses Reichs opfern.«

»Wozu?«

»Damit sie uns helfen, rascher hier Fuß zu fassen.«

»Meinetwegen«, sagte Ytlar. »Wir werden ein Wesen fangen und es unseren Göttern opfern.«

Sein scharfes Auge entdeckte in weiter Entfernung einen Reitertrupp. Er machte seine Begleiter darauf aufmerksam.

»Da haben wir, was wir brauchen!«, rief er begeistert aus. »Bereitet euch auf den Angriff vor, und merkt euch: Wir benötigen nur einen einzigen Gefangenen.«

»Was soll mit den anderen geschehen?«, fragte der Priester.

»Die müssen sterben!«, entschied Ytlar kalt.

 

 

2

Ugar, der Einäugige, zügelte sein Pferd. Er war ein Wesen dieses Reichs, sah aus wie ein grüner Schatten. Nur wenn man ganz genau hinschaute, sah man in diesem Schatten die Merkmale eines Körpers und eines Gesichts.

Ugar war der persönliche Berater von Prinzessin Ragu. Und mehr als das. Die beiden wollten bald heiraten. Dann würde Ugar an Ragus Seite herrschen.

Vor kurzem hatten die Wogen im Reich der grünen Schatten ziemlich hochgeschlagen.

Es gab zwei Völker hier. Jene, die in Dargan lebten und nur ein Auge besaßen, und jene, die in Markia zu Hause waren und über drei Arme verfügten. Darganesen und Markiasen waren lange Zeit verfeindet gewesen.

Im friedliebenden Dargan war man deswegen sehr unglücklich gewesen.

Skup, der Tyrann von Marika, hatte sein Volk immer wieder gegen Dargan gehetzt, und viele Darganesen hatten in dieser schweren Zeit ihr Leben verloren. Doch nun lebte Skup nicht mehr. Auch Arrgo, seine rechte Hand, war getötet worden, und der Friede war in das Reich der grünen Schatten eingekehrt.

Markiasen und Darganesen lebten nun zusammen, und Prinzessin Ragu versuchte, ihnen allen eine gerechte Gebieterin zu sein.

Ugars Trupp bestand aus zwei Einäugigen und zwei Dreiarmigen.

Die beiden Völker gehörten jetzt zusammen. Das wurde auf diese Weise deutlich dokumentiert.

Ugar stemmte sich aus dem Sattel und wies zum Fluss, der einst die Grenze zwischen Dargan und Markia gebildet hatte.

»Was haltet ihr davon, wenn wir dort unten eine Staumauer errichten würden. Ein künstlicher See wäre für uns hier von großem Nutzen.«

»Es gäbe keine bessere Stelle, den Fluss zu stauen«, sagte Pannor, dessen einziges Auge auf Ugar gerichtet war.

Dieser nickte. »Ich werde der Prinzessin einen diesbezüglichen Vorschlag unterbreiten.«

Sie wollten weiterreiten, doch Pannor rief plötzlich erschrocken aus: »Ugar!«

Der Berater der Prinzessin riss sein Pferd, das wie er nur ein grüner Schatten zu sein schien, herum.

Auch die anderen Männer wandten sich in die Richtung, in die Pannor mit ausgestrecktem Arm wies.

»Riesenvögel!«, rief Pannor. »Golden gefiedert. Die können nicht von dieser Welt sein.«

Ugar kniff sein Auge misstrauisch zusammen. Er witterte Gefahr. »Das hat nichts Gutes zu bedeuten.«

»Sie sind in der Überzahl. Wir sind nur fünf. Sie sind mindestens doppelt so viel!«, stellte Pannor fest.

»Besser, wir machen uns aus dem Staub«, schlug einer der beiden Markiasen vor.

Ugar zog sein grünes Kurzschwert. »Ich fürchte, wir können nicht so schnell reiten, wie die zu fliegen imstande sind. Es wird uns nichts anderes übrigbleiben, als uns zu verteidigen.«

»Vielleicht haben sie nicht die Absicht, uns anzugreifen«, sagte Pannor.

»Wir werden gleich sehen, was sie von uns wollen.«

Die Vogelbestien flogen mit weit ausgespannten Flügeln auf die fünf Reiter zu. Majestätisch segelten sie heran. Ihnen allen voran Ytlar. Er zog sein Schwert aus der Scheide und freute sich auf den bevorstehenden Kampf. Er liebte es, seine Kräfte mit anderen Geschöpfen zu messen. Bisher war er aus allen Auseinandersetzungen als Sieger hervorgegangen. Selbst in seinem Volk gab es keinen Krieger, der sich mit ihm messen konnte.

Zehn Vogelbestien bildeten die Vorhut.

Brüllend und kreischend fielen sie über Ugar und seine Männer her. Der Berater und Freund der Prinzessin stieß sein Schwert nach oben.

Ytlar hieb es zur Seite und ließ sich auf Ugar fallen. Er riss den grünen Schatten aus dem Sattel. Sie stürzten beide vom Pferd und landeten hart auf dem Boden.

Pannor sprang selbst vom Pferd. Die anderen folgten seinem Beispiel. Sie drängten sich zusammen, versuchten einander den Rücken zu decken. Schwerter klirrten. Die Vogelbestien stießen markerschütternde Kampfschreie aus, während sie wild auf die grünen Schatten eindrangen.

Ugar entging nur knapp einem tödlichen Schwertstreich. Eine Vogelbestie eilte Ytlar zu Hilfe. Ugar wich zurück. Er sprang zwischen den Schwerthieben der Angreifer hin und her, stach und schlug zurück, fintierte und traf einen Gegner.

Sein grünes Schwert trennte der Vogelbestie den Kampfarm ab. Das Wesen aus der anderen Welt brüllte auf, riss sein Maul mit den langen Säbelzähnen auf und wollte diese Ugar in den Hals schlagen.

Doch Ugar war auf der Hut.

Die Vogelbestie schnellte vorwärts. Ugar wartete mit dem Schwert auf den richtigen Zeitpunkt, und dann stieß er zu. Tödlich getroffen brach der Feind zusammen.

Als Ytlar das sah, wusste er, dass er in diesem Schatten den tapfersten Gegner dieses Trupps vor sich hatte. Er sollte den Göttern geopfert werden. Unversehrt sollte dieser Krieger auf den Opferstein gelegt werden. Ytlar wusste, dass es äußerst schwierig werden würde, diesen grünen Schatten ohne Verletzung in die Hände zu bekommen. Darganesen und Markiasen kämpften verbissen Seite an Seite um ihr Leben. Die Vogelbestien drängten sie zurück. Ein Dreiarmiger stürzte. Sofort war ein Gegner zur Stelle, um ihm das Leben zu nehmen.

Ein weiterer Schwertstreich fegte Pannor von den Beinen.

Der Widerstand der grünen Schatten ermattete sehr schnell. Die Vogelbestien kämpften sie nicht nur mit ihren Schwertern nieder. Sie töteten ihre Gegner auch mit den Zähnen.

Ein Schatten nach dem anderen fiel.

Übrig blieb Ugar, der sich immer noch verbissen wehrte. Doch nun konzentrierten sich alle Vogelbestien auf ihn. Sie kreisten ihn ein. Ihre Schwerter waren von allen Seiten für ihn gerichtet. Er keuchte schwer und wusste, dass er diesen Kampf verloren hatte. Seine Gegner brauchten nur noch zuzustechen, dann war es auch mit ihm vorbei.

»Gib auf!«, verlangte Ytlar. »Lass dein Schwert fallen! Du hast keine Chance mehr!«

Ugar warf sein Schwert weg, aber seine Haltung zeigte Stolz und Trotz. »Warum seid ihr über uns hergefallen? Warum habt ihr meine Freunde getötet?«, fragte er unerschrocken.

»Wie ist dein Name?«, wollte Ytlar wissen.

»Ich heiße Ugar und bin der Berater von Prinzessin Ragu.«

Ytlar lachte. »Da haben wir ja einen ganz besonderen Fang gemacht.«

»Was wollt ihr in unserem Reich?«

»Wir werden hier herrschen.«

»Es wäre Platz genug in unserem Reich für ein friedliches Nebeneinanderleben.«

»Ihr seid Unterkreaturen. Wir werden Sklaven aus euch machen, damit ihr uns in unsere Entscheidungen nicht dreinredet. Ihr werdet von uns regiert werden. Wir werden euch jenen Rang zuweisen, der euch zusteht.«

»Das werden wir uns nicht gefallen lassen. Wir werden kämpfen!«

»Du wirst gar nichts mehr«, gab Ytlar lachend zurück. »Denn du wirst auf unserem Opferstein sterben. Und nach deinem Tod werden wir das Reich der grünen Schatten übernehmen. Wir werden alle niederwerfen, die sich uns in den Weg stellen. Und Prinzessin Ragu wird zu meiner Leibeigenen.«

Diese Bemerkung reizte Ugar so sehr, dass er die Gefahr nicht beachtete, in der er sich befand. Er fegte die Schwerter beiseite und stürzte sich auf Ytlar.

Aber dieser ließ ihn nicht an sich heran. Er stieß ihn zurück, und einer der Umstehenden drosch Ugar die Breitseite seines Schwertes so kraftvoll gegen den Schädel, dass er ohnmächtig zusammenbrach.

Ytlar wies auf ihn. »Er ist sehr tapfer. Die Götter werden mit ihm ihre Freude haben.« Er befahl einem seiner Männer, Ugar mitzunehmen. Dann breitete er die Flügel aus und hob sich in die Lüfte.

 

 

3

Von weitem schon sahen sie das Lager der Vogelbestien. Ytlars Volk hatte sich in einer weiten Senke niedergelassen und wartete auf die Rückkehr der Vorhut, die das Land auskundschaftete. Ytlar schwebte auf ein großes Zelt zu. Seine Untertanen eilten herbei. Ihr Anführer landete zehn Schritte vom Zelt entfernt und legte die Flügel an.

Als die Vogelbestie landete, die Ugar mitbrachte, kam dieser zu sich. Er hörte die Jubelrufe des Volks, das seinen Führer begrüßte, ließ das Auge geschlossen und gab sich den Anschein, immer noch ohnmächtig zu sein. Das geflügelte Wesen ließ Ugar los. Er fiel auf den Boden und blieb liegen.

Ytlar hob die Arme, und das Volk verstummte. »Unser Priester ist der Ansicht, wir müssen unseren Göttern ein Opfer bringen. Ein Opfer aus dem Reich der grünen Schatten. Wir haben uns diesen Krieger geholt. Er ist der Berater der Prinzessin Ragu. Er wird sein Leben auf dem Opferstein verlieren. Danach kann uns nichts mehr daran hindern, die Schattenwesen zu unterwerfen.«

Jubel.

»Wir sind die neuen Herrscher in diesem Reich!«, rief Ytlar. »Und die Schattenwesen werden unsere Sklaven sein!«

Neuerlicher Jubel.

Und dann riefen die Vogelbestien im Chor den Namen ihres tapferen Führers: »Ytlar! Ytlar! Ytlar …«

Die Euphorie steckte sie alle an. Nur einen nicht: Ugar. Er lag auf dem Boden, sein Kopf schmerzte, und er überlegte, ob ihm die Flucht in diesem Augenblick gelingen konnte.

Er wollte es versuchen. Vorsichtig öffnete er sein Auge. Im Moment beachtete ihn niemand. Er spannte die Muskeln, ohne dass es jemanden auffiel, und dann federte er urplötzlich hoch.

Es ging so schnell, dass zwei Vogelbestien verdattert zurücksprangen. Er riss einem Feind das Schwert aus der Scheide und tötete mit kraftvollen Hieben zwei Bestien, die ihm den Weg versperrten.

Die anderen wichen zurück. Eine Gasse bildete sich. Ugar rannte los. Aber er kam nicht weit. Er hätte es wissen müssen, dass das nicht gelingen konnte. Es waren zu viele Feinde.

Einer von ihnen ergriff einen Speer und schleuderte ihn dem Fliehenden nach. Ugar spürte einen harten Schlag an der linken Schulter. Sofort setzte der Schmerz ein. Ugars Mund entrang sich ein heiserer Schrei. Er fiel nach vorn. Sogleich fielen die Vogelbestien über ihn her und hieben mit ihren Fäusten auf ihn ein, bis er neuerlich das Bewusstsein verlor.

Ytlar drängte die aufgebrachte Menge zur Seite. Er riss dem grünen Schatten den Speer aus der Schulter und knurrte: »Das missfällt mir! Wir müssen den Göttern ein unversehrtes Opfer übergeben! Das bedeutet, dass wir dieses Schattenwesen nun erst gesund pflegen müssen, ehe wir es töten können! Dadurch verlieren wir kostbare Zeit!«

Der Krieger, der den Speer geschleudert hatte, senkte verlegen sein Haupt. »Ich bedaure, so gedankenlos gehandelt zu haben.«

Ytlar warf den Speer achtlos weg, drehte sich grimmig um und begab sich in sein Zelt.

Ugar wurde gefesselt und in ein anderes Zelt gebracht. Ein Sklave wurde damit beauftragt, dafür zu sorgen, dass Ugars Wunde so rasch wie möglich heilte.

Sollte der Heilungsprozess zu lange dauern, würde man dem Sklaven den Kopf abschlagen, das sagte man ihm.

 

 

4

Pannor richtete sich ächzend auf. Leichen umgaben ihn. Neben ihm lag eine tote Vogelbestie. Er sah die beiden Markiasen, die Ugar mitgenommen hatte, und er sah auch den Einäugigen, der vor kurzem noch an seiner Seite geritten war. Nun lebten sie alle nicht mehr. So schnell kann das gehen.

Pannor massierte seine pochenden Schläfen.

Plötzlich schoss es ihm siedend heiß durch den Kopf. Ugar! Er vermisste Ugar!

Nervös sprang er auf. Von den Vogelbestien, die grausam über sie hergefallen waren, war nichts mehr zu sehen. Sie mussten Ugar mitgenommen haben. Pannor bemerkte, dass er am linken Oberarm eine Wunde hatte und blutete. Aber er spürte keinen Schmerz.

Große Trauer erfüllte ihn. Vermutlich hatten die Vogelbestien geglaubt, er, Pannor, wäre auch tot.

Diesem Irrtum verdankte er es, dass er noch am Leben war.

Ratlos blickte er sich um. Was sollte er nun tun? Sollte er Ugar suchen? Oder sollte er der Prinzessin berichten, was sich ereignet hatte? Allein konnte er gegen die Vogelbestien wohl kaum etwas ausrichten.

Wenn er genauso in Gefangenschaft geriet wie Ugar, war niemandem geholfen. Dann erfuhr das Volk der Prinzessin erst vom Eindringen der Vogelbestien, wenn es schon zu spät war.

In geringer Entfernung grasten zwei Pferde. Pannor näherte sich ihnen. Sie blieben stehen. Er griff nach den Zügeln des einen und schwang sich in den Sattel.

Ragu würde aus allen Wolken fallen, wenn sie erfuhr, dass sich die Vogelbestien ihren künftigen Ehemann geholt hatten. Würde sie Ugar jemals lebend wiedersehen?

Pannor wusste auf diese Frage keine Antwort. Er setzte dem Pferd seine Hacken in die Weichen und sprengte los.

 

 

5

Ragu war im Reich der grünen Schatten eine Schönheit. Sie hatte eine schlanke, geschmeidige Figur und bewegte sich ungemein graziös. Sie empfing Pannor mit sorgenvoller Miene. Es beunruhigte sie, dass er allein zurückkehrte, und als sie sah, dass er verwundet war, befürchtete sie das schlimmste.

Sie rief zwei Diener herbei, die Pannors Arm sofort verbinden mussten, und während dies geschah, sprach die hübsche Prinzessin mit ihrem Untertan.

»Was ist geschehen?«, wollte sie besorgt wissen. »Wo sind die anderen?«

»Wir wurden überfallen«, sagte Pannor. Schweiß perlte auf seiner Stirn.

»Von wem?«, fragte Ragu verblüfft. »Markiasen und Darganesen vertragen sich endlich. Mir wurden keine Unruhen gemeldet.«

»Es waren Eindringlinge aus einer anderen Dimension«, berichtete Pannor. »Vogelbestien. Sie fielen über uns her, stürzten sich aus der Luft auf uns und machten alle mit dem Schwert nieder. Ich hatte Glück. Sie scheinen mich für tot gehalten zu haben.«

Ragu fuhr sich erschrocken mit der Hand an die Lippen. Ihr Auge weitete sich. »Und Ugar? Ist er … Ist er auch …?«

Pannor schüttelte den Kopf. »Nein, Ugar befand sich nicht unter den Toten.«

Der Prinzessin fiel ein Stein vom, Herzen. »Aber wo ist er? Warum erstattet nicht er mir Bericht?«

Pannor hob die Schultern. »Ich war besinnungslos, aber ich vermute, dass die Vogelbestien ihn mitgenommen haben.«

»Wozu?«, fragte Ragu verzweifelt. »Was haben sie mit ihm vor?«

Pannor schüttelte langsam den Kopf. »Tut mir leid, das weiß ich nicht. Vielleicht wollen sie ihn als Druckmittel gegen uns verwenden.«

Ohne ihren Freund und Berater kam sich Ragu beinahe hilflos vor. Sie musste jemanden an ihrer Seite haben, dem sie blind vertrauen konnte, und da fiel ihr im Moment nur ein einziger Name ein: Tony Ballard.

Er hatte schon einmal im Reich der grünen Schatten Kopf und Kragen riskiert. Wenn Ragu ihn wissen ließ, dass sie seine Hilfe brauchte, würde er sie bestimmt nicht im Stich lassen.

Ja, Tony Ballard musste ihr helfen. Ragu wusste sich keinen anderen Rat.

 

 

6

Der Kampf mit Miles Manda, dem Mörder mit der Geisterschlinge, steckte mir noch in den Knochen. Es hätte nicht viel gefehlt, und dieser Satansbraten hätte mich mit seiner verdammten Schlinge aufgeknüpft. Den Hals hatte ich schon drinnen gehabt. Gebaumelt war ich auch schon. Ich hatte heute, einen Tag danach, noch Schluckbeschwerden.

Ohne Mr. Silvers Hilfe wäre ich nicht über die Runden gekommen.

Der Sieg hatte dem Ex-Dämon einigen Auftrieb gegeben. Er schlich nicht mehr so apathisch durch das Haus, wie er es die Tage davor getan hatte, weil er nach wie vor um Roxane, die Hexe aus dem Jenseits, trauerte, die er im Reich der grünen Schatten verloren hatte.

Er beteiligte sich wieder an den Gesprächen und war wieder etwas lebhafter.

Wir saßen im Wohnzimmer. Ich hielt ein Glas Pernod in der Hand. Draußen herrschte kaltes, klares Spätherbstwetter. In den Morgenstunden war ein Sturm über London hinweggebraust, der uns aus tiefstem Schlaf gerissen hatte. Er hatte geheult und georgelt. Im Radio war davon die Rede, dass er Häuser abgedeckt hatte und dass es in der Stadt einige Verletzte durch umstürzende Bäume und fallende Kräne gegeben hatte.

Vicky Bonney betrat den Raum. Sie trug eine weiße Seidenbluse und modische Kniebundhosen. Die Schriftstellerin setzte sich neben mich und ließ mich lesen, was sie geschrieben hatte. Sie gab sehr viel auf mein Urteil.

Während ich las, nahm sie mir das Pernodglas aus der Hand und trank von der goldenen Flüssigkeit.

Vickys Werke wurden in acht Sprachen übersetzt und turnten auf unzähligen Bestsellerlisten herum.

Ein Buch war sogar schon in Hollywood verfilmt und zu einem Kassenschlager geworden.

Einen zweiten Streifen, zu dem Vicky – wie beim ersten – wieder das Drehbuch geschrieben hatte, befand sich in Vorbereitung.

Genau genommen tat Vicky nichts anderes, als das niederzuschreiben, was ich erlebt hatte, und während ich die Seiten überflog, die sie mir zum Durchlesen gebracht hatte, wurden in mir Erinnerungen wach. Ich erlebte noch einmal das Grauen und die Angst, die mich damals fest im Griff gehabt hatten, und ich dachte unwillkürlich: Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass du immer noch lebst. Was du schon alles hinter dich gebracht hast.

»Ist es so authentisch?«, erkundigte sich Vicky, nachdem ich ihr die Blätter zurückgegeben hatte.

»Ja«, bestätigte ich. »Und es packt einen, geht einem regelrecht unter die Haut.«

»Das soll es«, sagte die blonde Schriftstellerin und hauchte mir einen Kuss auf die Lippen.

Es schellte.

»Turtelt ruhig weiter«, sagte Mr. Silver und erhob sich. »Ich sehe nach, wer draußen ist.«

»Hast du für heute Abend schon etwas vor?«, fragte ich meine Freundin.

»Ich bin ein bisschen im Zeitdruck.«

»Dann werde ich wohl Mr. Silver zum Dinner einladen müssen.«

»Nicht nötig. Die Zeit zwicke ich mir schon irgendwie ab.«

»Dann ist es also abgemacht?«

»Abgemacht«, sagte Vicky Bonney, stupste mit dem Zeigefinger meine Nase und kehrte in ihr Arbeitszimmer zurück.

In der Diele lachte jemand, und ich hörte Mr. Silvers dröhnende Stimme. Er schien über den Besuch erfreut zu sein, und Augenblicke später war ich es auch, denn Jir Karobec, der Hellseher, den wir im Verlaufe unseres letzten Falles kennengelernt hatten, trat ein.

Der Zigeuner war ein dunkelhäutiger Typ mit schwarzen Kohleaugen. Er trat zurzeit in einem Londoner Varietétheater auf und verblüffte sein Publikum mit einer Show, die auch Mr. Silver und mich beeindruckt hatte.

Miles Manda hatte aus Jir Karobec ein willenloses Werkzeug gemacht, das er zweimal gegen uns einsetzte. Beim zweiten Mal wollte mich der Zigeuner mit einem magischen Dolch umbringen. Auf der Wunde, die er mir am linken Arm zugefügt hatte, klebte heute ein breiter Pflasterstreifen.

Grinsend stellte der Wahrsager zwei Flaschen Champagner auf den Tisch. »Die brauchen Sie nicht einmal kaltzustellen, Mr. Ballard. Auf der Straße ist es derzeit nämlich kälter als in Ihrem Kühlschrank.«

Ich ging ihm entgegen und reichte ihm die Hand. »Geht es Ihnen gut, Mr. Karobec?«

Der Zigeuner warf sich stolz in die Brust. »Sie haben einen Hausbesitzer vor sich.«

Ich staunte. »Sie haben sich das Haus des Wiedergängers gekauft.«

Jir Karobec nickte. »So, wie es mir Mr. Silver geraten hat. Gleich heute Morgen rief ich den Makler an. Er wollte es nicht glauben, dass dieses alte Spukhaus nach so vielen Jahren doch noch jemand haben wollte. Er überließ es mir zu einem Spottpreis, nur, damit ich es mir nicht im letzten Moment noch anders überlegte. Und nun bin ich hier, um mit Ihnen, meinen Freunden, auf den Abschluss anzustoßen.«

»Das freut uns«, sagte ich, bot dem Zigeuner Platz an, holte Vicky, stellte sie ihm vor, brachte Champagnergläser, und dann wurde gefeiert.

Er blieb zweieinhalb Stunden, und wir amüsierten uns köstlich. Seit es den Mörder mit der Geisterschlinge nicht mehr gab, war ein harter Druck von unserer Brust gewichen. Miles Manda hatte uns einiges aufzulösen gegeben. Die Zeit, die Jir Karobec bei uns verbrachte, ging Vicky Bonney von der Arbeit natürlich ab, und ich befürchtete schon, sie würde das Dinner sausenlassen, aber sie plante, mit ihrer morgigen Arbeitszeit ein wenig zu jonglieren und das Versäumte nachzuholen.

Als der Hellseher ging, waren die beiden Champagnerflaschen leer.

»Nun wartet eine Menge Arbeit auf mich«, sagte der Zigeuner. »Das alte Haus muss gründlich renoviert werden.«

»Haben Sie vor, selbst Hand anzulegen?«, fragte ich.

Er schüttelte den Kopf. »Leider habe ich dazu zwei linke Hände. Aber ich werde die Arbeiten aufmerksam überwachen, und wenn die Umbauten abgeschlossen sind, müssen Sie unbedingt meine ersten Gäste sein.«

Ich lächelte. »Darauf freuen wir uns heute schon.« Ich reichte ihm die Hand. »Ich möchte, dass Sie wissen, dass Sie hier immer gern gesehen sind, Mr. Karobec.«

»Nennen Sie mich Jir.«

»Gut, und Sie sagen Tony zu mir.«

»Einverstanden.«

Der Zigeuner verabschiedete sich auch von Vicky Bonney und von Mr. Silver. Als er gegangen war, meinte Vicky: »Ein netter Mensch.«

»Ein außergewöhnlicher Mensch«, sagte ich. »Du musst dir unbedingt seine Show ansehen. Da bist du platt.«

»Begleitest du mich?«

»Ich war ja schon mal da. Aber warum nicht? Ich werde mir die Vorstellung noch einmal ansehen. In den nächsten Tagen. Sobald du ein bisschen mehr Luft hast«, versprach ich.

Es schellte wieder. Ich dachte, Jir habe etwas vergessen, und begab mich in die Diele. Schmunzelnd öffnete ich. Aber auf dem Fußabstreifer stand nicht Jir Karobec, sondern ein einäugiges grünes Schattenwesen.

 

 

7

Zunächst erschrak ich, denn ich dachte, einen Gegner vor mir zu haben. Es war ein Reflex, dass meine Hand sogleich zum Schulterholster zuckte, aber dann ließ ich den Colt Diamondback stecken, denn mein Gegenüber hob beruhigend die Hände.

»Ich komme in friedlicher Mission, Tony Ballard«, sagte der einäugige Darganese.

Ich schaute ihm über die Schulter. Er war allein. Ich gab die Tür frei.

Er trat ein. Als Mr. Silver ihn sah, zogen sich seine silbernen Augenbrauen zusammen. Kein Wunder. Dieses Wesen stammte aus dem Reich der grünen Schatten. Allein sein Anblick erinnerte den Ex-Dämon sofort wieder an Roxane, die Tingo, der Dämonenschlange, geopfert worden war.

Ich entsann mich nur zu genau dieser Tragödie. Die Erde war aufgeklafft. Ein zwei Meter breiter und mehrere Meter langer Riss entstand, und etwas Dickes, Schwarzes schoss aus dem Boden.

Tingo, die Dämonenschlange …

Ich schauderte bei dieser Erinnerung.

Vicky Bonney stand neben dem Hi-Fi-Turm und konnte den Blick nicht von unserem seltsamen Besucher wenden.

»Was führt dich hierher?«, wollte ich wissen.

»Mein Name ist Pannor«, sagte das Schattenwesen. »Ragu braucht deine Hilfe. Sie schickt mich zu dir. Ich soll dich ins Reich der grünen Schatten holen.«

»Was ist passiert? Das Volk von Markia und das von Dargan vertragen sich doch, seit Skup und Arrgo nicht mehr leben«, sagte ich. »Prinzessin Ragu hat angekündigt, sie würde über beide Völker gerecht herrschen.«

»Das tut sie auch, und noch nie war das Leben im Reich der grünen Schatten friedlicher. Bis heute …« Der Einäugige senkte den Kopf.

»Und heute?«, fragte ich.

»Sind grausame Vogelbestien in unser Reich eingedrungen. Sie haben drei Schattenwesen – zwei Markiasen und einen Darganesen – umgebracht und Ugar entführt.«

Ugar. Ich erinnerte mich noch gut an die Kämpfe, die wir Seite an Seite ausgetragen hatten. Wir hatten uns Skup, den Tyran von Markia, geholt, und wir hatten auf der Halbinsel Sorticas gegen Satansdruiden und Kristallvampire gekämpft.

Ugar war entführt worden.

Ragu brauchte meine Hilfe. Für mich stand fest, dass ich mich unverzüglich ins Reich der grünen Schatten begeben musste. Denn Ragu und ihr Berater waren mir gute Freunde geworden.

»Wenn Ragu mich braucht, bin ich jederzeit für sie da«, sagte ich.

Pannor nickte zufrieden. »Das weiß sie.«

Ich schaute zu Vicky Bonney hinüber. »Nun fällt unser Dinner leider doch ins Wasser.«

»Das macht nichts. Ich glaube, du hast im Reich der grünen Schatten Wichtigeres zu erledigen, als mit mir essen zu gehen, Tony«, gab meine Freundin lächelnd zurück.

Ich dankte ihr für ihr Verständnis.

»So kann ich meine Termine wenigstens einhalten«, meinte Vicky.

»Ich komme selbstverständlich mit euch«, sagte Mr. Silver entschlossen. »Da ist noch eine Rechnung mit Tingo, der Dämonenschlange, offen.«

»Du willst sie bekämpfen?«, fragte ich beunruhigt.

»Ich werde sie, die mir das Wertvollste im Leben genommen hat, vernichten!«, sagte der Hüne mit den Silberhaaren mit dröhnender Stimme.

»Fühlst du dich dafür schon stark genug?«

»Seit ich mit Miles Manda fertiggeworden bin, weiß ich, dass ich kräftemäßig wieder der alte bin.«

»Das freut mich«, sagte ich ehrlich. Ich küsste Vicky zum Abschied.

»Sei vorsichtig«, riet sie mir.

»Ich werd‘s versuchen«, gab ich zurück und deutete einen Kinnhaken an. »Mach keinem anderen Mann schöne Augen, während ich weg bin.«

»Ich werde mich in meine Arbeit vergraben.«

»Das ist eine gute Idee«, sagte ich und verließ mit Pannor und dem Ex-Dämon das Haus. Ich holte meinen weißen Peugeot 504 TI aus der Garage, und wir verließen die Stadt.

Zwanzig Minuten später erreichten wir Waltham Abbey.

Mir fiel der Rockerboss Joe Retzik ein, der hier mit seinen Freunden den Kaufmann Fred Heckart arg gepeinigt hatte. Ich hatte nach meiner Rückkehr aus dem Reich der grünen Schatten dafür gesorgt, dass Retzik sein Fett bekam.

Hier in Waltham Abbey befand sich das Dimensionstor, durch das ich mit Roxane in die andere Welt gelangt war. Ich fuhr in den Wald hinein, soweit es möglich war.

Als wir ausstiegen, öffnete Mr. Silver den Kofferraumdeckel des Peugeot und nahm die magische Streitaxt an sich, die er im Kampf gegen die gelben Drachen erbeutet hatte. Der Schaft bestand aus dickem schwarzem Ebenholz. Auf der scharfen Klinge tanzten blitzende Lichtreflexe. Der Ex-Dämon hatte vermutlich die Absicht, die Dämonenschlange damit in Stücke zu schlagen. Ich konnte seinen Hass auf Tingo verstehen. Er hatte Roxane, die Hexe aus dem Jenseits, von Jugend an gekannt und sie über die Jahrhunderte hinweg geliebt.

Lange hatte er ohne sie leben müssen.

Aber eines Tages hatte Roxane zu uns gefunden, und Mr. Silver hatte geglaubt, sie würde nun für immer bei uns bleiben.

Wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre sie auch immer noch bei uns gewesen. Aber Skup und seine verblendeten Krieger – und vor allem Tingo – hatten uns durch diese Rechnung einen dicken, erschütternden Strich gemacht.

Pannor eilte vor uns auf die unheimliche Ruine zu, zwischen deren Mauern sich das Dimensionstor befand. Er öffnete es für uns und ließ uns in die andere Welt eintreten.

Das Reich der grünen Schatten.

Mir war, als würde ich meine zweite Heimat betreten.

 

 

8

Roxane wusste nicht, wie lange sie schon im Labyrinth der Dämonenschlange gefangen gehalten wurde. Es kam ihr wie eine Ewigkeit vor. Anfangs verstand sie nicht, weshalb Tingo sie nicht gleich verschlungen hatte. Die Dämonenschlange hatte sie lediglich mit ihrer klebrigen Zunge gepackt und in die Tiefe gerissen.

Roxane hatte vorübergehend das Bewusstsein verloren, und als sie wieder zu sich gekommen war, hatte sie gefesselt in dieser unterirdischen Höhle gelegen.

Und sie war nicht allein. Drei weitere Mädchen lagen, verschnürt wie sie, auf dem Boden: Maki, Tindissa und Assara. Mädchen aus Dargan, die alle der Dämonenschlange geopfert, von dieser jedoch noch nicht getötet worden waren.

»Warum hat uns Tingo verschont?«, wollte Roxane wissen.

»Das hat sie nicht«, erwiderte Maki.

»Aber wir leben noch«, sagte Roxane.

»Bestimmt nicht mehr lange«, sagte Tindissa mit weinerlicher Stimme.

Roxane erfuhr, dass Tingo nur die männlichen Opfer sofort tötete. Die Mädchen hob sie auf. Für wann?

Die Hexe aus dem Jenseits dachte an Tony Ballard, der glauben musste, dass sie nicht mehr lebte. Er hatte bestimmt versucht, das Zauberkraut allein von Sorticas zu holen, und er war damit allein zu Mr. Silver zurückgekehrt, falls es ihm gelungen war, alle Gefahren zu überstehen, und er musste Mr. Silver berichten, dass sie, Roxane, tot war …

Das schwarzhaarige, grünäugige Mädchen weinte. Gab es keine Möglichkeit, dem schrecklichen Schicksal zu entrinnen? Was hatte Tingo mit ihnen vor? Die Zeit verging. Roxane versank in tiefen Schlaf.

Plötzlich weckten sie schlurfende Schritte. Sie war sofort hellwach und setzte sich auf.

»Wer kommt da?«, fragte sie flüsternd ihre Nachbarin. Das war Assara.

»Wyxen«, gab Assara leise zurück.

Details

Seiten
120
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783738907186
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351551
Schlagworte
tony ballard teufelsschlange

Autor

Zurück

Titel: Tony Ballard 66: Die Teufelsschlange