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Fünf Wildwest-Romane #1

von Alfred Bekker (Autor:in) Pete Hackett (Autor:in) Glenn Stirling (Autor:in) U. H. Wilken (Autor:in)
2016 500 Seiten

Leseprobe

Fünf Wildwest-Romane #1 - Sammelband

Fünf Western von Alfred Bekker & Pete Hackett & U. H. Wilken & Glenn Stirling

 

Dramatische Western aus einer beispiellos harten Zeit. Männer im Kampf um Recht und Rache in einer Epoche, deren Gesetz der Colt schrieb. Top-Autoren des Wildwest-Roman-Genres haben diese Geschichten in Szene gesetzt. Aufrechte Männer, hinterhältige Schurken und atemberaubend schöne Frauen spielen hier die Hauptrollen.

 

 

Dieses Ebook beinhaltet folgende drei Western:

Geh zur Hölle, John (von Pete Hackett)

Wie ein Rudel Bluthunde (von Pete Hackett)

Das Gesetz des Don Turner (von Alfred Bekker)

Allison hetzt die Teufelsbrut (von U.H. Wilken)

Missouri-Terror (von Glenn Stirling)

 

Titelbild: Klaus Dill

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Geh zur Hölle, John

Western von Pete Hackett

 

1

Die fünf Reiter zerrten ihre Pferde in den Stand. Staub wölkte unter den bremsenden Hufen. Es waren abgerissene, stoppelbärtige Burschen mit entzündeten Augen und rissigen Lippen. Hinter ihnen lag die Felswüste der Maricopa Mountains. Ihre Pferde ließen müde die Köpfe hängen.

Der aufgewirbelte Staub senkte sich auf die Erde zurück. Aus engen Augenschlitzen starrten die fünf verwegenen Kerle auf die Ansammlung von Häusern und Hütten, die sich ihrem Blick bot.

"Casa Grande", kam es staubheiser von einem der Reiter. "Wir sind am Ziel. Endlich ..."

"Ja", knurrte ein anderer. "John Morgan wird die Stunde verfluchen, in der er den Revolver auf Jesse richtete. Wir werden ihn heute noch mit einem Donnerknall zum Satan schicken."

Es war eine düstere Prophezeiung. Das Unheil näherte sich der Stadt mit pochenden Hufen ...

Passanten auf den Gehsteigen blieben stehen und beobachteten das Rudel, das mitten auf der Main Street ritt. Und jeder, der die Männer sah, wusste, dass eine Horde Banditen die Stadt heimgesucht hatte. Lasterhaftigkeit hatte die Gesichtszüge eines jeden der Kerle geprägt. Sie ritten wachsam und ihre Augen waren in ständiger Bewegung.

Die Reiter lenkten ihre Pferde zum Holm vor dem Saloon. Müde zogen die Tiere die Hufe durch den Staub. Ein Pferd stand am Hitchrack. Es spielte mit den Ohren und schlug mit dem Schweif nach den blutsaugenden Bremsen an seinen Flanken.

Es war heiß wie in der Hölle. Erbarmungslos brannte die Sonne hernieder und verwandelte das Land in einen Glutofen. Die Hitze ballte sich auf der Straße.

Irgendwo in der Stadt bellten einige Hunde. Eine Horde Kinder rannte lärmend aus einer Gasse. Vor dem Depot der Overland Mail Company stand eine rotgestrichene Postkutsche. Das Gespann bestand aus sechs Pferden.

Casa Grande vermittelte Ruhe und Frieden. Doch diese Atmosphäre war trügerisch. Der Satan mischte bereits die Karten für ein höllisches Spiel. Noch stand nicht fest, an wen er die Verliererkarten ausgab.

Die fünf Kerle saßen ab und banden ihre Pferde am Querholm fest. Die Tiere stampften und prusteten. Staub rieselte von den Schultern und den Hutkrempen der Reiter. Sie zogen die Revolvergurte in die Höhe und rückten die Holster zurecht. Matt schimmerten die Messingböden der Hülsen in den Schlaufen. Die Knäufe der tiefhängenden Revolver standen griffgerecht vom Körper ab. Aus der Art, wie die Männer die Schießeisen trugen, war ersichtlich, dass sie damit auch umzugehen verstanden.

Sie stiegen nacheinander die wenigen Stufen zum Vorbau hinauf. Die harten Absätze ihrer Stiefel tackten auf den Bohlen. Dann stieß der vorderste der Kerle die Schwingtür auf. Sie betraten den Schankraum. Nur ein Mann saß an einem der Tische. Der Keeper stand hinter der Theke und polierte mit einem trockenen Lappen das Kupferblech der Schanktischplatte. Jetzt hielt er inne und starrte den fünf Männern entgegen.

Hinter ihnen schlugen knarrend und quietschend die Türflügel aus. Die Dielen knarzten unter ihrem Gewicht. Sie gingen bis zum Tresen und bauten sich dort auf.

Der Keeper legte das Tuch, mit dem er die Platte poliert hatte, zur Seite. "Was wünschen die Gentlemen zu trinken? Bier? Whisky?"

"Bier", versetzte einer der Kerle, dann wandte er sich dem Mann am Tisch zu und fragte: "Ist das dein Pferd, das draußen am Holm steht?"

Der Bursche schüttelte den Kopf. "Nein. Der Mann, dem das Tier gehört, hat den Saloon durch die Hintertür verlassen, als er Sie kommen sah. Er sah genauso verschwitzt und verstaubt aus wie Sie."

Der Sprecher des rauen Rudels drehte sich zum Keeper herum. Er sagte: "Mein Name ist Kenneth Brown. Wir folgen seit Tagen einem Burschen, dessen Ziel diese Stadt ist. Er ist ungefähr sechs Fuß zwei Zoll groß, hager wie ein Wüstenwolf und hat blonde Haare. Er trägt den Colt links."

Der Keeper schluckte, dann erwiderte er: "Das könnte der Mann sein, der vorhin den Schankraum verlassen hat. Er fragte mich nach dem Bürgermeister. Es handelt sich um John Morgan, der in Casa Grande den Stern des Town Marshals nehmen will. Die Stadt braucht einen Mann wie ihn. Sie liegt an der Überlandstraße zwischen Tucson und Yuma, und es steigt sehr viel Gesindel hier aus der Postkutsche."

"Casa Grande wird sich einen anderen Town Marshal suchen müssen", knurrte Kenneth Brown. "Denn wir werden dafür sorgen, dass der Totengräber mit Morgan Arbeit bekommt. Geh auf den Vorbau und gib Acht, James. Morgan hat wahrscheinlich den richtigen Schluss gezogen, als er uns kommen sah. Möglicherweise schleicht er um den Saloon herum wie der Fuchs um den Hühnerstall."

Der Keeper schenkte fünf Krüge voll.

James Tanner nahm seinen Krug und verließ den Schankraum. Draußen setzte er sich in den Schaukelstuhl, der auf dem Vorbau stand, und legte seine Füße auf das Vorbaugeländer. Tanner trank einen Schluck. Dann schwenkte er den Blick nach rechts, nach links, zog sich den Hut tiefer in die Stirn und schloss die Augen.

Er hielt Kenneth Browns Vorsichtsmaßnahme für übertrieben. John Morgan würde sich ihrer Übermacht nicht stellen. Also wendete James Tanner keine besondere Wachsamkeit auf, um der Anordnung Browns gerecht zu werden.

Es sollte sich als Fehler erweisen als tödlicher Fehler ...

 

 

2

John Morgan befand sich bei Bürgermeister Lacenby in dessen Büro in der City Hall.

Morgan war ein hochgewachsener Mann um die 40 Jahre. Blonde Haare, die bereits erste graue Strähnen aufwiesen, lugten unter seinem Stetson hervor. Tief an seinem linken Oberschenkel war der schwere Colt-Revolver festgebunden. Der Knauf aus Walnussholz sah ziemlich abgegriffen aus. Bekleidet war Morgan mit einem dunklen Anzug, der jedoch vom gelben Staub der Wildnis gepudert war. Über Morgans Leib spannte sich eine silberne Uhrkette.

"Okay, Mister Lacenby, zu den gebotenen Konditionen bin ich bereit, den Stern in Ihrer Stadt zu nehmen. Ich werde für Ruhe und Ordnung hier sorgen. Von einer Bedingung jedoch mache ich es abhängig, ob ich in Casa Grande den Stern trage."

"Was für eine Bedingung?", fragte Tom Lacenby, der Bürgermeister. Er war ein schwergewichtiger Bursche mit rotem Gesicht und einer Halbglatze.

"Dass mir niemand ins Handwerk pfuscht. Niemand macht mir irgendwelche Vorschriften. Ich mache den Job so, wie ich denke, dass er zu machen ist."

Lacenby lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Zwischen ihm und Morgan stand der schwere Schreibtisch. "Die Stadt beschäftigt Sie, Morgan. Ich bin der Bürgermeister dieser Stadt. Es gibt einige Bürgerräte. Sie sind dem Bürgerrat unterstellt. Also werden Sie sich auch an die Anordnungen halten müssen. Anders geht das nicht. Sie ..."

"Sie haben mich vielleicht falsch verstanden, Bürgermeister. Natürlich halte ich mich an das Gesetz, an die Anordnungen und Weisungen. Wenn ich sagte, dass mir niemand ins Handwerk pfuschen dürfte, meinte ich meine Kompetenzen innerhalb des gesetzlichen Rahmens. Und die Revolverarbeit. Ich werde mein Amt ohne Ansehen der Person ausüben. Vor dem Gesetz und vor mir sind alle Menschen gleich."

"Das ist in Ordnung", versetzte Lacenby, zog den Schreibtischschub auf, griff hinein und als seine fleischige Hand wieder zum Vorschein kam, hielt sie einen Stern. "Stecken Sie sich ihn an die Weste, Morgan", gab er zu verstehen. "Und dann sprechen Sie mir den Eid nach ..."

Als John Morgan wenige Minuten später die City Hall verließ, war er Town Marshal von Casa Grande. Langbeinig schritt er die Main Street entlang. Er ahnte, dass die fünf abgerissenen Kerle, die sich im Saloon befanden, seinetwegen gekommen waren. Er, John Morgan, hatte den Saloon durch die Hintertür verlassen, als er die fünf kommen sah. Der Bursche, den er in Kingman niederschoss, drohte mit seinen Freunden, ehe er starb. Morgan vermutete, dass ihm die Freunde Jesse Sheldons nach Casa Grande gefolgt waren.

Er fürchtete die fünf Kerle nicht. Er war bereit, sich ihnen zu stellen. Dies aber wollte er mit dem Stern an der Brust machen. Er hatte den Stern in vielen Städten getragen. Das Symbol des Gesetzes hatte ihn legitimiert, in Kingman gegen den Mörder Jesse Sheldon vorzugehen. Und in Casa Grande sollte es ihn legitimieren, Sheldons Kumpanen in den Weg zu treten.

John Morgan ging am Fahrbahnrand entlang, bis er schräg gegenüber den Saloon sehen konnte. Die abgetriebenen, verstaubten und verschwitzten Pferde der fünf Coltschwinger standen am Holm. Auch sein Tier stand da. Morgan war vor einer halben Stunde erst in die Stadt gekommen. Ehe er sich beim Town Mayor vorstellte, hatte er sich den Staub aus der Kehle spülen wollen.

Dann kreuzten die fünf Hombres auf.

Die Schießerei in Kingman war seine letzte Amtshandlung dort gewesen. Er hatte ein lukratives Angebot des Bürgerrats von Casa Grande erhalten. Nach dem Kampf mit Sheldon hatte Morgan den Stern zurückgegeben und war losgeritten. Dass ihm Sheldons Kumpane so dicht auf den Fersen saßen, ahnte er nicht.

John Morgan sah einen der Kerle in dem Schaukelstuhl auf dem Vorbau des Saloons sitzen. Der Bursche vermittelte den Eindruck, vor sich hinzudösen. Seine Füße lagen überkreuzt auf dem Vorbaugeländer. Er hielt die Arme verschränkt. Sein Kinn war auf die Brust gesunken.

Der frischgebackene Town Marshal gab sich einen Ruck und überquerte die Fahrbahn. Der Staub knirschte unter seinen Schritten. Sein Handgelenk streifte bei jedem Schritt den Knauf des Revolvers. John Morgan bewegte sich pantherhaft geschmeidig.

Dann stand er am Ende des Vorbaus. Durch das Frontfenster war er für die Kerle im Schankraum nicht zu sehen. Der Stern funkelte im gleißenden Sonnenlicht. "Ihr seid sicherlich meinetwegen nach Casa Grande gekommen", sagte John Morgan halblaut.

James Tanner zuckte zusammen. Er schwang die Füße vom Geländer und setzte sich gerade, rückte sich mit einer hastigen Geste den Stetson aus der Stirn und starrte Morgan an wie eine Erscheinung. Die Zeitspanne zwischen Erkennen und Reagieren dauerte bei ihm einige Sekunden. Dann stieß er hervor: "So ist es. Jesse Sheldon war ein guter Freund von uns. Fahr zur Hölle, Morgan!"

Mit dem letzten Wort wuchs seine Gestalt aus dem Schaukelstuhl in die Höhe. Seine Hand zuckte zum Revolver. Es lief blitzschnell ab. Tanner duckte sich, seine Hand mit dem Colt schwang hoch, er spannte den Hahn ...

John Morgan zog. Es war eine glatte Bewegung von Hand, Arm und Schulter. Das Eisen bäumte sich auf in seiner Faust, Feuer, Rauch und Blei stießen aus der Coltmündung. James Tanner kam nicht mehr zum Schuss. Die Wucht der Kugel warf ihn zurück in den Schaukelstuhl. Seine Faust mit dem Eisen sank kraftlos nach unten, die Hand öffnete sich, der Revolver polterte auf die Bohlen.

John Morgan lief in die Gasse, die am Saloon vorbeiführte.

Im Schankraum erklangen schnelle Schritte. Die Pendeltür flog auf. Zwei Kerle drängten heraus. Sie hielten die Revolver in den Fäusten.

"Verdammt!", zischte einer von ihnen, als er die reglose Gestalt im Schaukelstuhl sah und den sich schnell vergrößernden Blutfleck auf der Brust Tanners wahrnahm. Die beiden tauchten unter dem Geländer hindurch und sprangen auf die Straße.

Aus dem Schankraum trieb eine raue Stimme: "Wer hat auf wen geschossen?"

Einer der Kerle auf der Straße rief: "Tanner ist tot, Ken. Morgan ist verschwunden. Er lauert jetzt wohl darauf, dass wir ihm vor die Mündungen laufen."

Die Schwingtür wurde aufgestoßen. Kenneth Brown trat auf den Vorbau. Sein Revolver steckte im Holster. Er sagte: "Wir werden die Stadt nach Morgan durchkämmen. Es steht immer noch vier zu eins. Wir erwischen ihn."

Er verließ den Vorbau und holte seine Winchester, die im Scabbard am Sattel steckte.

Auch McLeon und Mason holte ihre Gewehre. "Wo ist Lane?", fragte McLeon.

"Er hat den Schankraum durch den Hinterausgang verlassen."

Wie zur Bestätigung seiner Worte begannen hinter dem Saloon Revolver zu donnern. Im ineinander verschmelzenden Schussdonner war ein gellender Aufschrei zu vernehmen, dann verebbten die Detonationen.

Jed McLeon und Phil Mason rannten in die Gasse und bogen in den Hof des Saloons ein.

Da lag ihr Kumpan auf dem Gesicht. Sein Revolver lag neben ihm. Lane Wilder rührte sich nicht.

Gehetzt schauten sich McLeon und Mason um. Der Hof wurde zur Gasse hin und auf der der Gasse gegenüberliegenden Seite von einem mannshohen Bretterzaun begrenzt. Zur Main Street hin schloss ihn der Saloon ab, auf der anderen Seite waren ein flacher Schuppen und ein Stall errichtet.

Das Stalltor knarrte.

McLeon und Phil Mason duckten sich unwillkürlich und schlugen die Eisen an. Niemand zeigte sich. Ihre Anspannung ließ nach. McLeon beugte sich über Lane Wilder. "Tot", murmelte er. "Dieser dreckige Bastard hat auch ihn abgeknallt. Ich ziehe ihm die Haut in Streifen ab, wenn ich ihn in die Finger kriege."

"Ich bin hier!", rief eine dunkle Stimme.

Mason, der dem Stalltor wieder den Rücken zuwandte, wirbelte herum.

McLeon, der noch über seinen Kumpan gebeugt war, richtete sich mit einem Ruck auf. Die beiden Banditen rissen die Colts hoch.

Breitbeinig stand John Morgan in der Tür des Schuppens. In seiner Linken lag wie hineingeschmiedet der Colt. Als Mason und McLeon die Gewehre auf ihn anschlugen, feuerte er. Und mit dem Brechen seines Schusses glitt er zur Seite.

Die Waffen wummerten. Der Knall stieß durch die Stadt wie eine Botschaft des Verderbens. McLeon ließ das Gewehr fallen und griff sich mit beiden Händen an die Brust. Im nächsten Moment brach er zusammen. Phil Mason lag auf den Knien. Er hielt das Gewehr an der Hüfte im Anschlag. Von John Morgan konnte er nichts mehr sehen. Er war hinter der Wand neben der Tür des Schuppens verschwunden. Mason jagte zwei Kugeln durch die Bretter der Schuppenwand. Er wollte sich hochdrücken ...

Da trat John Morgan noch einmal in die Tür. Sein Eisen brüllte auf. Phil Mason brach zusammen wie vom Blitz getroffen. Staub schlug unter seinem aufprallenden Körper auseinander. Er begrub seine Winchester unter sich.

Drückende Stille senkte sich wie ein Leichentuch zwischen die Häuser.

John Morgan betrat den Saloon durch den Hintereingang. Der Keeper und der einzelne Gast waren hinter dem Tresen auf Tauchstation gegangen.

Der Town Marshal durchschritt den Schankraum und baute sich an der Wand neben der Schwingtür auf. Er hielt den Colt neben seinem Gesicht in die Höhe. Die Mündung deutete zur Decke hinauf. Draußen drängten sich die Pferde nervös zusammen. Das Peitschen der Schüsse hatte sie erregt.

Eine Minute verstrich. Dann trat Morgan von der Wand weg, drückte mit seinem Körper die Schwingtür auf und trat hinaus auf den Vorbau. Jeder seiner Sinne war aktiv, jeder Muskel angespannt. Er war darauf eingestellt, gedankenschnell zu reagieren, falls es krachte.

Und da trat auch schon auf der anderen Straßenseite Kenneth Brown hinter einer Hausecke hervor. Er feuerte aus der Hüfte. John Morgan stieß sich ab und die Kugel zerfetzte die Lamellen eines der Türflügel, der wild zu schlagen begann.

John Morgan hetzte schon über den Vorbau, flankte über das Geländer und warf sich sofort zu Boden. Er lag im Schutz des Vorbaus. Er biss die Zähne zusammen. Dem Gewehr gegenüber hatte er mit dem Revolver einen gewaltigen Nachteil. Der Colt war nur im Nahkampf gut.

Kenneth Brown war wieder hinter dem Gebäude verschwunden.

John Morgan erhob sich vorsichtig. Rückwärtsgehend zog er sich zurück, bis ihm der Saloon ausreichend Schutz bot. Er warf sich herum und hetzte los, rannte ein Stück hinter den Häusern entlang und kam zurück zur Main Street. Ihm gegenüber war eine Gasse. Sie führte zwischen zwei Gebäuden und einigen Schuppen hindurch zum Stadtrand, wo die Ödnis begann. Die Gasse war leer. Geduckt spurtete der Town Marshal über die Fahrbahn. Ein Gewehr peitschte. Das Geschoss verfehlte Morgan. Dann war er in der Gasse und in Deckung.

Sein Gegner befand sich ebenfalls auf dieser Seite der Main Street. Das hatte der letzte Schuss gezeigt.

Morgan lief bis zum Ende der Gasse und wandte sich nach links ...

 

 

3

Zur selben Zeit etwa 120 Meilen weiter östlich

Dave Tucker stand am Fenster des Ranchhauses und hielt das Gewehr mit beiden Händen schräg vor seiner Brust.

Am anderen Fenster stand Alice Morgan. Auch sie hielt eine Winchester in den Händen. Die Frau rief mit Entschiedenheit im Tonfall: "Bestell Big Amos, dass ich nicht freiwillig diesen Platz hier räumen werde, Hendrik. Er muss uns schon vertreiben, wenn er Steeple Rock-Rinder auf das Weideland der Morgan-Ranch treiben will. Er wird aber ganz schön Federn lassen müssen, denn wir werden bis zum letzten Atemzug kämpfen. Bestelle es ihm, Hendrik."

"Du machst einen Fehler, Alice", rief Walt Hendrik, der Vormann der Steeple Rock Ranch. "Du hast es versäumt, das Land, das du für dich beanspruchst, ordnungsgemäß zu erwerben. Du hast es nicht mal katastermäßig beim Büro für die Landvergabe erfassen lassen. Es ist also völlig legitim, wenn Big Amos das Land zwischen dem Gila River im Süden und dem Sacaton Creek im Norden für sich beansprucht."

"Du lässt das Gewohnheitsrecht außer Acht, Hendrik. Wir leben seit 13 Jahren hier am Blue Creek. Mit der Steeple Rock Ranch gab es nie Probleme. Es bestand immer ein gutes, nachbarschaftliches Verhältnis. Seit zwei Monaten nun setzt mir Big Amos zu. Ich frage mich, warum?"

"Weil die Herden der Ranch immer größer werden und Platz brauchen. Amos Billinger hat das Land auf seinen Namen katastermäßig erfassen lassen. Du und dein Anhang ihr lebt auf dem Grund und Boden der Steeple Rock Ranch. Und Old Amos hat das Recht, euch zu verjagen."

"Ich werde mich an den Sheriff und an den Friedensrichter wenden. Old Amos kann Land, das seit 13 Jahren von uns genutzt wird, nicht einfach auf seinen Namen eintragen lassen. Auch wenn es sich um freigegebenes Regierungsland handelt, hatte er nicht das Recht."

"Du bist auf dem Holzweg, Alice. Aber ich werde Big Amos gerne deine Antwort vermitteln. Ich schätze, es ist dein letztes Wort."

"Mein allerletztes. Ich lasse mich und meine Kinder nicht vertreiben. Das hier ist unser Platz. Und den werden wir verteidigen. Wenn es sein muss, mit der Waffe in der Faust."

Wortlos zog der Vormann der Steeple Rock Ranch sein Pferd herum, spornte es an und gab ihm den Kopf frei. Die Mannschaft, die Hendrik begleitete es waren vier Reiter , folgte ihm.

Als der Pulk über einer Bodenwelle verschwunden war, ließ Alice das Gewehr sinken.

Auch Dave Tucker entspannte sich.

Alice ging zum Tisch und ließ sich schwer auf einen Stuhl fallen. Sie war eine hübsche, reife Frau mit dunklen Haaren, die zu einem Knoten aufgesteckt waren. In ihren Mundwinkeln hatte sich ein herber Zug festgesetzt, der verriet, dass diese Frau die Höhen und Tiefen des Lebens durchgemacht hatte. Sie sagte schleppend: "Hendrik und die anderen Sattelwölfe kommen wieder, Dave. Und dann, denke ich, werden die Waffen das letzte Wort sprechen. Was ist bloß in Amos Billinger gefahren, weil er uns plötzlich so zusetzt?"

"Du sitzt mit deiner Ranch an der Quelle des Blue Creek, Alice", versetzte Dave Tucker. "Es geht um die Wasserrechte. Big Amos befürchtet, dass du eines Tages seine Rinder nicht mehr zur Tränke an den Creek lassen könntest. Darum hat er das gesamte Land um den Blue Creek auf seinen Namen eintragen lassen, um sich das Wasserrecht zu sichern."

"Ich werde mich an Sheriff Winfield in Redrock wenden", murmelte Alice Morgan. "Er muss mir helfen. Weder er, noch Big Amos, noch der Beauftragte der Regierung können das Gewohnheitsrecht, das wir uns erworben haben, ignorieren."

Dave Tucker schaute skeptisch.

Eine Tür, die in einen Nebenraum führte, wurde geöffnet. Ein Junge von etwa 13 Jahren und ein Mädchen, das nicht älter war als sechs, kamen in die Küche. Der Junge war blondhaarig und blauäugig, das Mädchen hatte dunkle Haare wie die Mutter und braune Augen.

Der Junge fragte: "Wird uns Big Amos von Grund und Boden vertreiben, Ma?"

"Er wird es versuchen", versetzte Alice Morgan. "Aber wir werden ihm die Zähne zeigen."

"Aber er ist viel stärker als wir", murmelte der Junge. Sein Name war John. Genannt wurde er nur Johnny. "Ich will nicht, dass dir von Big Amos' Mannschaft ein Leid zugefügt wird, Ma."

Alice erhob sich, ging zu den beiden Kindern hin und nahm sie in die Arme. Ihre Augen wurden feucht. Mit bebender Stimme sagte sie: "Wir haben das Gesetz auf unserer Seite. Sheriff Winfield wird uns helfen."

Dave Tucker verzog verächtlich den Mund. Winfield ist ein Mann Big Amos', dachte er bitter. Er vertritt das Gesetz der Steeple Rock Ranch. Winfield wird Big Amos höchstens helfen, uns aus dem Land zu jagen.

 

 

4

John Morgan ging bei einem Schuppen auf das linke Knie nieder. Er spähte um die Schuppenecke, konnte aber von seinem Gegner nichts sehen. Morgan richtete sich auf. Er ersetzte die verschossenen Patronen in der Revolvertrommel durch scharfe Munition aus den Schlaufen seines Gurts.

Dann äugte er noch einmal um die Ecke und als er festgestellt hatte, dass keine Gefahr drohte, lief er dicht bei den Wänden der Schuppen und Scheunen, die hier errichtet waren , zur Main Street.

Vom Saloon war Morgan jetzt etwa 50 Yards entfernt. Er sah zwischen den Pferden einen Mann, der einen hellen Hut auf dem Kopf sitzen hatte. Der Bursche machte sich am Holm zu schaffen. Im nächsten Moment schwang er sich in den Sattel. Er dirigierte das Pferd aus dem Pulk der anderen Pferde, zerrte es herum und hämmerte ihm die Sporen in die Seiten. Gleichzeitig ließ er die Zügel schießen. Im gestreckten Galopp jagte das Tier die Main Street hinunter. Tatenlos musste John Morgan zusehen, wie sein letzter Gegner floh.

Er trat auf die Main Street und ging in Richtung Saloon. Wenig später befand er sich im Hof des Saloons. Hier lagen drei der Banditen. Zwei waren tot, Jed McLeon röchelte. John Morgan ging bei ihm auf das Knie nieder. "Warum seid ihr mir gefolgt?"

"Es es war wegen Jesse Sheldon", ächzte der Verwundete. "Er war ein guter Freund Ken Browns. Brown hat Rache geschworen. Gütiger Gott, es es war ein Trail in den Tod ..."

Die Stimme brach. Der Kopf McLeons rollte zur Seite. In seine Augen trat die absolute Leere des Todes.

John Morgan richtete sich auf und holsterte den Colt. Er kehrte auf die Straße zurück. Menschen kamen aus ihren Häusern, nachdem die Gefahr gebannt war.

Eine kalte Hand aus der jüngsten Vergangenheit griff nach John Morgan. Seine Gedanken schweiften einige Wochen zurück. Er hatte den Stern in Kingman getragen. Jesse Sheldon war von einem Rancher am Sacramento Wash angeheuert worden, um die Heimstätter am Fluss zu vertreiben. Nachdem der Killer in der Stadt einen der Siedler erschoss, trat er, John Morgan, in Aktion. Für ihn war es ein eiskalter Mord gewesen. Er wollte den Gunslinger verhaften. Es kam zum Kampf, und Jesse Sheldon starb.

John Morgan verdrängte den Gedanken an die Vergangenheit. Viele Männer waren auf seinem Weg zurückgeblieben. Es erfüllte ihn jedesmal mit Verbitterung. Auch heute hatte er wieder töten müssen. Er tötete zwar mit dem Stern an der Brust, und er war überzeugt, dass er richtig gehandelt hatte, aber dennoch blieb ein galliger Beigeschmack zurück.

Menschen umringten ihn. Manche musterten ihn mit einer Mischung aus Abneigung, kühler Reserviertheit und vielleicht sogar Abscheu. An seinen Händen klebte Blut. Männer seines Schlages waren nicht besonders angesehen. Man brauchte sie. Aber man hatte nichts mit ihnen gemein. Man mochte nichts mit ihnen zu tun haben.

John Morgan kannte das.

Der Bürgermeister kam. Auf seinem Kopf saß eine graue Melone mit abgegriffener Krempe. Schweiß rann ihm über die feisten Wangen. Er keuchte asthmatisch. "Was waren das für Kerle?", stieß er hervor und blinzelte John Morgan an.

"Sie sind mir von Kingman herunter gefolgt", erwiderte John Morgan. "Einer von ihnen heißt Ken Brown. Ich weiß nicht, ob er unter den Toten ist. Einem der Kerle gelang die Flucht. Vielleicht handelt es sich bei ihm um diesen Brown."

"Wir müssen also damit rechnen, dass er wahrscheinlich mit einer neuen Bande wieder in Casa Grande auftaucht", schnappte der Town Mayor. "Warum wollten die Kerle Sie umbringen, Morgan?"

"Ich habe einen Freund Browns in Kingman erschossen. Er war ein Mörder. Ich trug den Stern."

"Wahrscheinlich haben Sie eine Menge Männer erschossen, die Freunde, Brüder und Väter haben, die sich rächen möchten, Morgan", kam es von Lacenby. Er knetete seine feisten Hände und vermied es, John Morgan anzusehen. "Als wir Sie als Town Mayor engagierten, gingen wir davon aus, dass allein die Nennung Ihres Namens das lichtscheue Gesindel von der Stadt fernhält. Es scheint aber eher so zu sein, dass Sie Banditen und Schnellschießer anlocken. Ja, es ist wohl so, dass Sie dieses Gelichter anlocken wie das Licht die Motten."

"Ich verstehe", knurrte John Morgan. "Sie bereuen es, mir den Stern angeboten und schließlich auch gegeben zu haben." Er lachte bitter auf. "Und dieser Stadt wegen habe ich meinen guten Job in Kingman hingeworfen. Aber das wird Sie schätzungsweise nicht interessieren." Voll Verachtung maß John Morgan den Town Mayor. Er nahm das Abzeichen von seiner Jacke und hielt es Lacenby auf der flachen Hand hin. "Ich verzichte darauf, den Stern in dieser Stadt zu tragen, Lacenby. Stecken Sie ihn an, wen Sie wollen. Ich verlasse die Stadt."

Der Bürgermeister trat von einem Fuß auf den anderen. Die Betretenheit stand ihm ins Gesicht geschrieben. "Verstehen Sie mich nicht falsch, Morgan", begann er. "Es ist nur, dass..."

John Morgan drehte die Hand ein wenig. Das Abzeichen fiel in den Staub. "Sie brauchen sich nicht zu rechtfertigen, Bürgermeister", presste Morgan hervor. "Im Übrigen habe ich Sie nicht falsch verstanden. Was Sie zum Ausdruck bringen wollten, ist angekommen."

Mit dem letzten Wort wandte sich Morgan ab. Er schritt zu seinem Pferd, das noch am Holm vor dem Saloon stand, löste den Zügel vom Haltebalken und stieg in den Sattel. Er zog das Pferd herum und trieb es an.

"Wir brauchen keinen Revolverhelden als Marshal", rief ein Mann. "Einen aufrechten und tapferen Mann sicher. Aber keinen, der nur den Revolver schwingt."

John Morgan achtete auf nichts und niemand. Das Pferd trug ihn aus der Stadt. Er drehte sich nicht um. Casa Grande war lediglich eine kurze Station in seinem unsteten Leben gewesen. Er verschwendete keinen Gedanken an die Stadt. Seit fast 12 Jahren trieb es ihn unruhig durchs Land. Er wusste selbst nicht, was er suchte. Er gehörte zu der Sorte, die immer wissen wollte, was sich hinter dem nächsten Hügel zutrug. Es hielt ihn nicht an einem Platz.

John Morgan ritt nach Osten. Er wusste nicht, was ihn trieb. Er dachte nicht darüber nach. Vielleicht war es das Schicksal, das ihn lenkte. Möglicherweise war es auch der Drang, nach 12 langen Jahren nach Hause zurückzukehren.

John Morgan behielt die Richtung bei. Die Meilen schmolzen unter den Hufen seines Pferdes ...

 

 

5

"Sie müssen Billinger zur Raison rufen, Sheriff", stieß Alice Morgan wütend hervor. "Er bricht ansonsten einen Weidekrieg vom Zaun. Big Amos lässt nicht mit sich reden. Er hat mir ein Ultimatum gesetzt. Von heute an gerechnet in drei Tagen soll ich das Land am Blue Creek räumen."

Der Sheriff saß hinter seinem Schreibtisch. Er hatte sich auf dem Stuhl zurückgelehnt und die Beine weit von sich gestreckt. Gedankenvoll spielte er mit einem Tintenstift. Er leckte sich über die Lippen und sagte: "Big Amos hat das Land ordnungsgemäß erworben, Alice. Sie haben es versäumt, Ihre Ansprüche geltend zu machen. Sie können sich auch nicht auf das Gewohnheitsrecht berufen. Solange es sich um Regierungsland handelte sicher. Aber jetzt befindet es sich in Privatbesitz. Und da haben Sie die schlechteren Karten in der Hand."

"Warum hat man mich nicht verständigt, als Billinger das Land erwarb? Das wäre das Mindeste gewesen, was ich erwarten hätte können. Jeder auch Sie, Winfield, und auch der Regierungsbeauftragte , weiß, dass ich seit 13 Jahren am Blue Creek eine Ranch bewirtschafte und dass ich ein entsprechendes Stück Land beanspruche. Wenn Sie mich fragen, dann war es eine abgekartete Sache. Ich möchte nicht wissen, wieviel Geld Big Amos dem Regierungsbeauftragten für die Landvergabe bezahlte."

"Das ist eine Unterstellung, Alice. Lassen Sie so etwas Big Amos nicht hören. Nun, ich kann Ihnen nicht helfen, Alice. Billinger hat das Land auf seinen Namen in das Kataster eintragen lassen, und er hat mit der Regierung einen Vertrag geschlossen. Das Gewohnheitsrecht zählt in einem solchen Fall nicht. Sie werden das Land räumen müssen. Andernfalls würden Sie mich zwingen, gegen Sie vorzugehen."

Alice musterte den Sheriff geringschätzig. In ihren dunklen Augen flackerte der Zorn. Unter ihrem linken Auge zuckte ein Nerv. "Um Big Amos einen Gefallen zu tun, würden Sie wohl sogar die Seele Ihrer Großmutter dem Teufel verkaufen, Winfield, wie?"

Der Sheriff sprang auf. Sein Stuhl rutschte zurück. Er stemmte sich mit beiden Armen auf den Schreibtisch. Die Zornesader an seiner Schläfe schwoll an. "Was wollen Sie damit sagen?", polterte er wütend. "Was unterstellen Sie mir? Raus! Verlassen Sie mein Büro. Ich muss mich von Ihnen nicht beleidigen lassen. Ausgerechnet Sie, die in wilder Ehe lebt und ein Kind von ihrem Liebhaber hat! Die Leute in der Stadt zeigen mit dem Finger auf Sie. Sie sollten demütig sein. Stattdessen sind Sie frech und anmaßend."

"Beruhigen Sie sich, Sheriff", sagte Alice. "Sie sehen aus, als stünden Sie kurz vor einem Schlaganfall. Ich werde mir selbst helfen. Dass Dave Tucker und ich zusammen ein Kind haben, geht weder Sie noch die Heuchler in dieser Stadt etwas an. Dass ich Dave nicht heiraten kann, wissen Sie, denn ich bin bereits verheiratet. Aber nur der Satan weiß, wo sich mein angetrauter Ehegatte herumtreibt. Die Pest an seinen Hals!"

Alice schwang mit dem letzten Wort herum und schritt stolz erhobenen Hauptes aus dem Sheriff's Office. Sie ging zu dem Buggy, in dessen Geschirr ein Pferd stand, kletterte auf den Sitz, nahm die Zügel und trieb das Tier an.

Enttäuscht verließ sie die Stadt.

Du hättest es wissen müssen, durchrieselte es ihren Verstand. Matt Winfield würde sich niemals gegen Amos Billinger wenden. Die Stadt fristet ihr Dasein im Schatten der Steeple Rock Ranch. Man lebt hier nach den Gesetzen, die Amos Billinger aufgestellt hat. Es war das Gesetz des Stärkeren, das Recht des Mächtigen, der vor nichts und niemand Respekt hat.

Der Buggy holperte über die Bodenunebenheiten. Das Fett in den Naben hatte sich mit Staub vermischt und ließ die Achsen quietschen. Alice hatte das Verdeck zurückgeschlagen. Ein Hut mit schmaler Krempe schützte ihren Kopf vor den sengenden Sonnenstrahlen. Die Frau war verbittert. Sie stand allein in ihrem Kampf ums Überleben. Von Seiten des Gesetzes wurde ihr keine Hilfe zuteil. Darüber hatte Matt Winfield keinen Zweifel aufkommen lassen.

"Ich werde kämpfen", murmelte Alice im Selbstgespräch. "Ich bin es mir und meinen Kindern schuldig. Ich wüsste nicht wohin mit meinem Hab und Gut. Wie sollte ich 3000 Rinder wegtreiben? Ich müsste sie zurücklassen, und Big Amos würde mein Vieh seinen Herden einverleiben. Wir würden als Bettler das Land verlassen."

Gedankenvoll fuhr Alice Morgan nach Westen, wo am Blue Creek die Ranch lag, die sie vor 13 Jahren mit ihrem Mann aufgebaut hatte.

Alice war voll Hass, wenn sie an John Morgan dachte. Er war damals weggeritten und nie wieder aufgetaucht. Er hatte sie und den kleinen Johnny schnöde im Stich gelassen. John Morgan hatte sich nicht dazu berufen gefühlt, Vieh zu züchten und für eine Familie zu sorgen.

Sie hatte sich durchgebissen und die Ranch behalten. Doch jetzt, nach 13 Jahren, sollte damit Schluss sein. Das Herz der Frau schlug höher, wenn sie nur daran dachte, und ihre Atmung beschleunigte sich.

Sie trieb das Pferd in eine schnellere Gangart. Die Räder ratterten. Alice benutzt den Reit- und Fahrweg, der von der Ranch zur Stadt führte. Es waren zwei ausgefahrene Spuren, zwischen denen Gras wuchs. Zu beiden Seiten der Frau erstreckte sich Weideland. Wenn sie nach Süden blickte, konnte sie in einiger Entfernung das Ufergebüsch des Gila River sehen und die hohen, alten Pappeln, die ihn säumten.

Alice nahm alle Eindrücke in sich auf, die sich ihr boten. Das Land hier war ihr zur Heimat geworden. Sie hatte etwas geschaffen, das ihren und den Lebensunterhalt ihrer Kinder sicherstellte. Eher wollte sie sterben, als das alles aufzugeben.

Als vier Reiter über eine Hügelkuppe stoben, hielt Alice das Gespann an. In ihrem Gesicht arbeitete es. Sie befand sich auf dem Weideland Amos Billingers. Und bei den vier Kerlen handelte es sich wahrscheinlich um Cowboys der Steeple Rock Ranch.

Voll gemischter Gefühle blickte Alice den Reitern entgegen.

Sie kamen schnell heran und zerrten ihre Pferde in den Stand.

"Aaah", rief einer, "die stolze Rancherin vom Blue Creek." Seine Stimme wurde höhnisch. "Habe die Ehre, Ma'am." Er griff an die Krempe seines Hutes und grinste hämisch.

"Was wollt ihr?", stieß Alice hervor.

Das Grinsen um die Lippen des Reiters gefror. Er erwiderte: "Das Betreten der Steeple Rock-Weide ist Unbefugten verboten. Wir haben überall an den Weidegrenzen Schilder aufgestellt, die darauf hinweisen. Wieso ignorierst du diese Schilder, Lady?"

Die Pferde tänzelten. Mit harter Hand bändigten sie die Cowboys.

"Ich habe kein Schild gesehen", antwortete Alice. "Außerdem benutzen wir diesen Weg seit 13 Jahren ..."

"Die Zeiten haben sich geändert", knurrte der Weidereiter. "Du sitzt mit deinem Anhang widerrechtlich auf Steeple Rock-Land."

"Ich habe noch drei Tage Zeit, das Land zu räumen", versetzte Alice. Ihre Brauen hatten sich zusammengeschoben. Sie erwiderte fast trotzig den Blick des Cowboys. "Also gebt den Weg frei, damit ich weiterfahren kann."

Einer der Burschen verschränkte die Hände über dem Sattelknauf und sagte grinsend: "Dafür, dass du auf die 40 zugehst, bist du noch verdammt attraktiv, Lady. Wirklich. Du kannst ziemlich sündhafte Gedanken in einem Mann entfachen."

Alice ließ die Zügel auf den Rücken des Pferdes klatschen. Das Tier zog an, der Buggy setzte sich in Bewegung. Einer der Cowboys ritt neben das Pferd und packte es mit der Linken am Kopfgeschirr. Das Tier blieb wieder stehen.

Alice griff nach der Peitsche, die in der Halterung neben dem Sitz steckte. "Finger weg von dem Pferd!", stieg es drohend aus ihrem Hals. Sie schlug mit der Peitsche nach der Hand des Burschen und traf ihn. Der Weidereiter zog die Hand zurück, klemmte sie sich unter die rechte Achsel und fluchte lauthals.

Alice ließ das Peitschenleder knallen und peitschte das Pferd mit den Zügeln. Das Tier begann zu laufen. Die Cowboys drängten ihre Pferde zur Seite, ehe das Gespannpferd sie rammte.

"Lauf! Hüh! Lauf!", feuerte Alice das Tier an. Der Peitschenriemen knallte in der Luft wie ein Revolverschuss. Der Buggy holperte und schlingerte.

Die Cowboys gaben ihren Pferden die Sporen und stoben hinter dem Buggy her. Es dauerte nicht lange, dann hatten sie ihn eingeholt. Sie brachten das Gespannpferd zum Stehen. Alice schlug mit der Peitsche nach den Weidereitern. Einen traf sie im Gesicht. Das Leder zog ihm einen roten Striemen über die Wange.

Doch dann erwischte einer das Handgelenk der Frau und schleuderte sie vom Wagen. Alice schrie auf. Sie fiel auf die Knie. Die Peitsche entglitt ihr. Die Cowboys sprangen von den Pferden. Einer griff ihr in die Haare und zog sie in die Höhe, schlang ihr von hinten den Arm um den Hals. Alice trat um sich, wand sich in dem unerbittlichen Griff, kreischte und zeterte.

Der Bursche, der sie hielt, riss sie herum und schleuderte sie von sich. Alice stolperte und stürzte. Sie wollte hoch, doch einer der Kerle warf sich auf sie und drückte sie mit seinem Gewicht zu Boden. Zwei der Cowboys packten ihre Arme. Sie lag auf dem Rücken. Entsetzen und Verzweiflung prägten ihr Gesicht. Sie kämpfte mit stummer Verbissenheit. Aber sie musste unterliegen. Das Kräfteverhältnis war viel zu unausgeglichen, als dass sie eine Chance gehabt hätte. Ihre Kraft erlahmte.

Doch da peitschte ein Schuss. Einer der Cowboys brach zusammen. Ein zweiter Schuss krachte, ein weiterer Cowboy bäumte sich auf, griff sich an die Brust und brach zusammen. Und dann erklang eine brechende Stimme: "Die Finger weg von der Frau! Und die Hände hoch. Was seid ihr bloß für dreckige Schweine?"

"Dave!", entrang es sich Alice.

Die Cowboys ließen sie los. Sie richteten sich auf und hoben die Hände in Schulterhöhe.

Etwa 20 Schritte von ihnen entfernt stand Dave Tucker. Sie waren derart mit Alice beschäftigt gewesen, dass sie ihn nicht hatten kommen hören. Tucker hielt die Winchester im Hüftanschlag.

Alice Morgan rappelte sich hoch, richtete ihren knöchellangen Rock und wischte sich mit fahriger Geste eine Haarsträhne aus der Stirn. "Dich schickt der Himmel, Dave. Wärst du nicht gekommen, hätten diese Schufte mich ..." Ihr Stimme versagte.

"Schnallt eure Revolvergurte ab!", kommandierte Dave Tucker. "Macht schon. Und keine Tricks. Sonst lege ich euch neben eure Kumpane."

Die beiden Weidereiter öffneten die Schließen ihrer Revolvergurte. Die Gürtel fielen zu Boden. Als Tucker mit dem Gewehr winkte, traten sie einige Schritte zurück.

Tucker kam näher. Er stellte sich neben Alice.

Einer der Kerle am Boden stöhnte. Er schlug die Augen auf und schaute verständnislos. Dann schien sich bei ihm die Erinnerung einzustellen, denn er knirschte: "O verdammt. Du hast mir die Schulter zerschossen, Tucker. Dafür wird dich Big Amos vierteilen."

"Ihr seid zu viert über eine wehrlose Frau hergefallen wie wilde Tiere", gab Tucker zu verstehen. "Sei dankbar, dass du die Kugel nur in die Schulter bekommen hast." Tuckers Mundwinkel sanken nach unten. Er schaute die beiden Kerle an, die mit erhobenen Händen wenige Schritte vor ihm standen. "Hebt die beiden auf ihre Pferde und verschwindet", stieß er hervor.

"Das wirst du bereuen, Tucker", knurrte einer der Weidereiter. "Dexter ist tot. Will hat eine Kugel in die Schulter bekommen und ist in den nächsten Wochen nicht einsatzfähig. Das wird Big Amos nicht schlucken. Ich schätze, er wartet die drei Tage nicht ab, die er euch gelassen hat, um die Ranch zu räumen. An eurer Stelle würde ich noch heute meinen Krempel zusammenpacken und verschwinden."

"Zieht Leine", grollte Dave Tucker, ging zu ihren Pferden hin und zog nacheinander die Gewehre aus den Scabbards. Er schleuderte sie weit von sich.

Dann schauten er und Alice zu, wie die beiden Cowboys den Toten quer über den Rücken seines Pferdes legten und festbanden. Sie halfen auch dem Verwundeten in den Sattel. Er presste die rechte Hand auf die Wunde. Zwischen seinen Fingern quoll Blut hervor. Sein Gesicht war bleich. Aus unterlaufenen Augen starrte er Dave Tucker tückisch und voll Hass an.

Die beiden unverletzten Cowboys schwangen sich auf ihre Pferde. Einer griff nach den Zügeln des Pferdes mit dem Toten. Dann ritten sie davon.

Dave Tucker ließ, als die Weidereiter über einem Hügel aus seinem Blickfeld verschwunden waren, das Gewehr sinken und legte seinen Arm um die Schultern der Frau. "Es war wie eine Eingebung", murmelte er. "Irgendein Gefühl sagte mir, dass du mich brauchst."

"Danke, Dave", erwiderte Alice mit belegter Stimme.

"Was hast du beim Sheriff erreicht?"

"Nichts. Ihm zufolge hat Billinger das Gesetz auf seiner Seite." Alice holte Luft. "Wir haben nur zwei Alternativen, Dave. Die eine ist aus dem Land zu verschwinden, die andere ist zu kämpfen."

"Nein", entgegnete Dave Tucker. "Nach dem, was heute geschehen ist, bleibt uns nur eine Alternative, nämlich der Kampf. Wie der Cowboy es sagte: Billinger wird es nicht schlucken, dass ich einen seiner Männer getötet und den anderen verwundet habe. Spätestens morgen kommt er zum Blue Creek, um Rechenschaft zu fordern."

Der Ton, der sich Alice entrang, hörte sich an wie trockenes Schluchzen ...

 

 

6

"Dafür wird diese Hure büßen", stieß Big Amos Billinger zornentbrannt hervor. Soeben waren seine Cowboys von der Südweide auf die Ranch gekommen. Sie hatten ihm einen Toten vor die Füße gelegt. Ein zweiter Mann hatte eine Kugel in die Schulter bekommen.

Aber das alleine war es nicht, was den Ranchboss so maßlos erregte. Es war vor allem die Tatsache, dass es Alice Morgan und Dave Tucker wagten, ihm die Stirn zu bieten. Das erzürnte diesen unduldsamen Burschen. Er war ein Mann wie ein Schrank. Mit einem Schlag konnte er ein Longhorn von den Beinen holen. Seine Männer respektierten ihn jeder im Land respektierte und fürchtete ihn. Nur bei Alice Morgan und Dave Tucker war das anders.

"Sattelt eure Pferde, Männer", grollte Big Amos. Seine Hände hatten sich am Vorbaugeländer verkrallt. Seine pulvergrauen Augen blitzten energisch. Er verströmte natürliche Autorität.

Im Ranchhof hatten sich acht Männer versammelt. Es waren Ranchhelfer und Cowboys. In der Tür des Küchenanbaus stand der Ranchkoch. Big Amos rief ihm zu: "Curly, du kümmerst dich um den Verwundeten. Ihr beide " der Rancher widmete seine Aufmerksamkeit den Kerlen, die mit dem Toten und dem Verwundeten auf die Ranch gekommen waren, " kommt mit. Wir werden es dem Gelichter auf der Morgan-Ranch zeigen. Heute bleibt kein Auge dort trocken."

Die Männer hetzten zum Corral, in dem etwa zwei Dutzend Pferde standen.

Walt Hendrik, der Vormann, wandte sich seinem Boss zu. "Wie es aussieht, sind Alice und ihr Liebhaber wild entschlossen, uns die Zähne zu zeigen. Sie werden uns mit den Waffen in den Händen gegenübertreten."

"Das wäre ihr Todesurteil", knurrte Big Amos.

"Da sind auch noch die beiden Kinder", gab Hendrik zu bedenken.

Amos Billinger winkte unwirsch ab. "Die landen dann eben irgendwo in einem dieser Waisenhäuser. Sie können sich dafür bei ihrer Mutter und deren Liebhaber bedanken." Es klang mitleidlos und schrecklich in seiner brutalen Unmissverständlichkeit.

Nein, Amos Billinger kannte keine Gnade und kein Erbarmen. Er schien nur aus Gnadenlosigkeit, Unduldsamkeit und allem, was grausam und unmenschlich macht, zusammengesetzt zu sein.

Eine Viertelstunde später stob der Pulk vom Ranchhof. Die Männer hatten auch für Big Amos und Walt Hendrik Pferde gesattelt. Die beiden führten das hartbeinige Rudel an.

Sie mussten fast zwei Stunden reiten, dann lag vor ihnen der Blue Creek. Sie folgten ihm ein Stück nach Süden, und schließlich schälten sich die Gebäude der Morgan-Ranch aus der flirrenden Luft. Amos Billinger befahl anzuhalten. Es waren zehn Reiter. Die Pferde traten auf der Stelle. Gebissketten klirrten, Sattelleder knarrte.

"Verteilt euch rund um die Ranch!", kommandierte Billinger. "Ich warte genau eine Viertelstunde, dann muss jeder auf seinem Platz sein. Zunächst werde ich Alice Morgan und Tucker auffordern, sich zu ergeben. Sollten sie sich weigern, feuere ich einen Schuss ab. Es ist für euch das Zeichen zum Angriff. Dann räuchern wir das Pack aus."

Die meisten der Männer schauten wenig begeistert drein. Zum einen fürchteten sie sich vor den Kugeln Alice Morgans und Dave Tuckers, zum anderen bedrückte sie die Tatsache, dass sich auf der Ranch auch zwei Kinder befanden.

Aber Big Amos duldete keinen Widerspruch.

Darum fügten sie sich.

Der Rancher war wütend und vom Gedanken nach Rache besessen, und das machte ihn ausgesprochen unberechenbar. Keiner wollte sich seiner üblen Stimmung aussetzen.

Die Männer ritten auseinander.

Big Amos hatte seine Uhr aus der Westentasche gezogen und einen Blick darauf geworfen. Er schob sie wieder ein, zog seine Winchester aus dem Scabbard und repetierte. Das metallische Knacken schien sekundenlang in der Luft zu stehen.

Walt Hendrik schoss seinem Boss einen schnellen Seitenblick zu. Das Gesicht Billingers war verschlossen, wie aus Granit gemeißelt. Es verriet nicht die Spur einer Regung.

Dann war die Viertelstunde um.

Big Amos trieb sein Pferd an. Walt Hendrik folgte ihm. Sie ritten auf Rufweite an die Ranch heran. Der Vormann fühlte sich nicht wohl in seiner Haut. Sie präsentierten sich Alice Morgan und Dave Tucker wie auf einem Tablett. Aber Big Amos vertraute darauf, dass weder Alice noch Dave es wagten, auf ihn zu feuern.

Der Rancher legte die Hände wie einen Trichter vor den Mund und rief: "Alice Morgan, hörst du mich?"

Sekundenlang war es still, dann ertönte die Stimme der Frau: "Sehr gut, Billinger. Sag, was du zu sagen hast, dann drehe dein Pferd um und verschwinde samt deinem Anhang. Oder muss ich dir erst heißes Blei servieren, damit du von meinem Grund und Boden verschwindest?"

"Die Ranch ist umstellt, Alice", schrie Billinger. "Wenn ich den Befehl gebe, zu stürmen, werden meine Männer sie dem Erdboden gleich machen. Du und Tucker ihr werdet dann auf diesem Land bleiben. Allerdings sechs Fuß unter der Erde. Denk an deine Kinder, Alice. Willst du, dass sie ohne ihre Mutter aufwachsen müssen?"

"Du hast mir drei Tage Zeit gegeben, Billinger."

"Nachdem Tucker einen meiner Männer getötet und einen anderen schwer verwundet hat, gibt es keinen Grund mehr für mich, dir eine Schonzeit zu gewähren."

"Die Schweine wollten mich vergewaltigen."

"Wäre es darauf bei dir noch angekommen? Du lebst hier auf der Ranch zusammen mit Dave Tucker in Sünde! Der Padre hat dir verboten, die Kirche zu betreten. Du bist nichts weiter als eine billige Hure, Alice. Jeder in diesem Landstrich verachtet dich."

Ein Schuss krachte. Die Kugel pflügte zwischen den Vorderhufen des Pferdes, auf dem Amos Billinger saß, den Boden. Der Knall wurde über den Rancher und seinen Vormann hinweg geschleuert.

"Verschwinde, Billinger!", rief Dave Tucker. "Die nächste Kugel pflanze ich dir in den Schädel. Du hast kein Recht ..."

Die Männer, die Billinger mitgebracht hatte, hielten den Schuss für das Angriffssignal. Hufgetrappel erfüllte plötzlich die Luft. Die Meute, die von allen Seiten auf die Ranch zudonnerte, vermittelte einen erschreckenden Eindruck von Wucht und Stärke. Ein unsichtbarer Strom von Härte und tödlicher Entschlossenheit ging von ihr aus.

Gewehre fingen an zu knattern.

Amos Billinger und Walt Hendrik hatten ihre Pferde herumgerissen und in den Schutz eines Schuppens getrieben.

Der Lärm steigerte sich zu einem höllischen Crescendo. Das Dröhnen der Schüsse vermischte sich mit dem Trommeln der Hufe, dem Gewieher der Pferde und dem Gebrüll der Männer. Es klirrte, schepperte und krachte.

Zwei Pferde brachen zusammen. Einer der Reiter blieb liegen. Der andere schnellte hoch und griff zu Fuß an. Ein Sattel wurde von einer Kugel leergefegt. Der Reiter überschlug sich einige Male am Boden und rührte sich nicht mehr. Die anderen Männer von der Steeple Rock Ranch sprangen von den Pferden und rannten in die Deckung von Schuppen und Scheunen.

Pulverdampf trieb über den Ranchhof. Das Donnern der Schüsse ließ etwas nach. Nur noch vereinzelte Schüsse fielen. Amos Billinger brüllte: "Ihr habe keine Chance, Alice. Willst du wirklich, dass wir euch ausräuchern? Willst du es wirklich darauf ankommen lassen?"

Ein Schuss fiel. Er war aber nicht auf der Ranch abgegeben worden, sondern auf einem Hügel westlich der Ranch. Ein Reiter zeichnete sich deutlich vor dem seidigen Blau des Himmels ab. Es war ein dunkel gekleideter Mann, der einen Rotfuchs ritt. Jetzt schoss er erneut. Die Kugel pfiff über die Gebäude der Ranch hinweg. Dann trieb der Reiter das Pferd an und verschwand vom Hügelkamm.

"Wer war das?", entrang es sich Amos Billinger. Der Reiter hätte ihn jederzeit treffen können. Der Rancher schluckte trocken.

"Keine Ahnung", knurrte Walt Hendrik. "Er hat sich jedenfalls nicht so verhalten, als wäre er unser Freund."

"Er hat zwei Warnschüsse abgegeben", murmelte Amos Billinger.

"Ja. Und seine nächsten Kugeln werden sicherlich treffen."

Wieder peitschte das Gewehr. Der Fremde war zu Fuß auf die Hügelkuppe zurückgekehrt. Er schoss aus der Deckung eines Felsens. Einer der Steeple Rock Reiter brüllte auf. Dann schrie er: "Goddam! Eine Handbreit tiefer und er hätte mir das Hirn aus dem Schädel gepustet."

Wieder krachte es. Das Geschoss strich dicht über Amos Billinger hinweg. Der Schussdonner rollte auseinander und zerflatterte. Mit einem rasselnden Atemzug des lähmenden Entsetzens schrie der Rancher: "Wir verschwinden, Leute. Der Hurensohn ist im Vorteil. Zieht euch zurück. Alice Morgan! Heh, hör mir zu: Denk nur nicht, dass du gewonnen hast. Wir kommen wieder. Und dann wirst du heulen und mit den Zähnen knirschen. Mein Wort drauf."

Billinger und Hendrik zogen ihre Pferde herum und gaben ihnen die Sporen. Sie ritten so, dass sie der Schuppen vor Blicken aus dem Ranchhaus schützte. Dann verschwanden sie über eine Bodenwelle und warteten.

Nach und nach trafen auch ihre Reiter ein. In den Gesichtern zuckten die Nerven. Die Anspannung legte sich nur langsam. "Es hat Cole und Yul erwischt", rief einer der Männer. "O verdammt! Es war Irrsinn, blindlings in das Gewehrfeuer von der Ranch zu rennen."

"Halt die Klappe, Lorimer!", knirschte Big Amos zornig. "Wir hätten die Brut auf der Ranch überrannt, wenn nicht plötzlich der Fremde mitgemischt hätte."

"Cole und Yul gehen auf das Konto Alice Morgans und Dave Tuckers", blaffte der Reiter. "Und sie hätten noch weitere Männer erschossen, wenn wir diesen Irrsinn nicht abgebrochen hätten."

"Du sollst die Schnauze halten, Lorimer!", hechelte Amos Billinger. Seine Stimme sank herab zu einem unheilvollen Grollen, als er fortfuhr: "Ich dulde keine Kritik. Von niemandem. Wenn wir auf der Ranch sind, kannst du deinen Restlohn abholen, Lorimer. Und dann verschwindest du aus dem Land. Sollte sich dein Weg noch einmal mit dem meinen kreuzen, jage ich dich mit der Peitsche zum Teufel. Wir reiten zurück."

Er trieb mit dem letzten Wort sein Pferd an. Der Pulk folgte ihm. Lance Lorimer, der Mann, den Big Amos soeben gefeuert hatte, weil er es wagte, Kritik zu üben, schwieg. Aber der Bursche, der neben ihm ritt, sagte: "Ich gehe mit dir, Lance. Es ist nicht meine Art, gegen Frauen und Kinder zu kämpfen. Ich schmeiße Big Amos den Krempel vor die Füße. Wir verschwinden gemeinsam."

"Ein guter Entschluss, Bill", meinte Lance Lorimer. "Wie es scheint, ist Billinger in seiner Machtbesessenheit nichts mehr heilig. Jeder, in dem noch ein Funke Charakter ist, sollte den Sattel der Steeple Rock Ranch verlassen."

 

 

7

John Morgan folgte zwischen den Hügeln der Steeple Rock Mannschaft, bis er sicher sein konnte, dass sie tatsächlich nicht mehr umkehrte.

Der Mann spürte ein seltsames Gefühl in sich. Er war nach 12 Jahren nach Hause zurückgekehrt. Und wie es schien, platzte er mitten in einen Weidekrieg hinein.

Er fragte sich, wie wohl Alice auf seine Heimkehr reagieren würde. Johnny, sein Sohn, musste 13 Jahre alt sein. Wenn Alice ihn fragte, weshalb er vor 12 Jahren sang- und klanglos verschwunden sei, würde er ihr nicht mal eine vernünftige Antwort geben können.

Ihre Interessen waren einfach viel zu unterschiedlicher Art gewesen. Alice wollte sesshaft sein, einen Platz einnehmen und ihn behaupten. Er hingegen ...

Der Magen zog sich John Morgan zusammen, als er daran dachte, dass er gleich der Frau gegenüber treten würde, die er vor 12 Jahren schmählich im Stich ließ. Wie es schien, hatte sie sich behauptet. Nun, Alice war immer schon eine starke Frau, durchfuhr es ihn. Du warst nicht stark genug, John. Du bist vor der Verantwortung geflohen. Ja, geflohen. Anders kann man es nicht ausdrücken. Aber ist das eine Rechtfertigung? Nein!

Dem eisigen Wind seiner Gedanken ausgesetzt kehrte John Morgan um. Mit jedem Schritt des Pferdes, den er der Ranch näher kam, nahm sein Unbehagen zu. Dann ritt er zwischen die Gebäude. Beim Brunnen in der Hofmitte hielt er an. Er hob das rechte Bein über das Sattelhorn und ließ sich vom Pferd gleiten.

Alice kam aus dem Wohnhaus.

Ihr folgte Dave Tucker.

Während sich die Frau dem Brunnen näherte, ging Tucker zu einer der reglosen Gestalten, die außerhalb des Ranchhofes im braunverbrannten Gras lagen.

John Morgan ließ den Ledereimer in die Tiefe sausen. Er hörte ihn auf dem Wasser aufschlagen. Hinter sich hörte Morgan die Schritte Alices. Dann erklang ihre Stimme: "Wir sind Ihnen Dank schuldig, Fremder. Wenn Sie nicht aufgetaucht wären, hätte uns Big Amos mit seinen Leuten wahrscheinlich überrannt.

John Morgan drehte sich um.

Alice hielt an, als wäre sie gegen eine unsichtbare Wand gelaufen. Sie prallte regelrecht zurück. "Du?!", brach es über ihre Lippen. "Großer Gott ..."

Sie starrte ihn an wie eine übernatürliche Erscheinung.

"Ja, ich", sagte John Morgan. "Ich bin nach Hause zurückgekehrt, Alice. Ich ..."

Ihre Augen versprühten Blitze. "Hier ist nicht dein Zuhause, John. Es wird nie wieder dein Zuhause sein. Verschwinde, so wie du vor 12 Jahren verschwunden bist. Und kehre nie wieder hierher zurück. Geh zur Hölle, John!"

Dave Tucker näherte sich ihnen. Abrupt hielt er an, als er den Fremden erkannte. Er presste die Lippen zusammen. Hart traten die Backenknochen aus seinem Gesicht hervor. Dann aber gab er sich einen Ruck und schritt weiter.

"Hallo, Dave", empfing ihn John Morgan. Er hievte einen Eimer voll Wasser in die Höhe. Die Winde quietschte. Er nahm ihn und stellte ihn vor das Pferd hin. Das Tier senkte seine Nase in das Wasser und begann zu saufen.

"Was willst du hier?", stieß Dave Tucker hervor. Seine Brauen hatten sich zusammengeschoben und bildeten einen durchgehenden Strich über seiner Nasenwurzel. Eine steile Falte zerfurchte seine Stirn. Er musterte John Morgan ohne die Spur von Freude oder Freundschaft.

"Ich bin heimgekehrt", murmelte Morgan. "Ganz einfach. Es hat mich heimgetrieben."

"Wir sind 12 Jahre ohne dich ausgekommen, John", grollte Tucker. "Wir brauchen dich auch künftig nicht. Reite weiter. Verschwinde wieder aus unserem Leben. Wir wollen dich hier nicht."

John Morgan wurde abgelenkt, denn aus dem Haus traten zwei Kinder. Sie musterten ihn neugierig. In John Morgans Augen flackerte es. Dann presste er hervor: "Du du hast zwei Kinder, Alice?"

"Ja. Das Mädchen ist Daves Tochter. Für dich gibt es hier keinen Platz mehr. Wenn du dein Pferd getränkt hast, will ich, dass du die Ranch verlässt."

"Der Junge ..."

"Er kennt dich nicht. Und ich will auch gar nicht, dass er dich kennenlernt. Ich habe ihm erzählt, dass Dave sein Dad sei. Und er redet Dave auch mit Dad an. Du spielst keine Rolle mehr, John. Weder in meinem Leben, noch im Leben Johnnys."

John Morgan nickte. Mit harten Augen fixierten ihn Alice und Dave Tucker. Er und Tucker waren mal gute Freunde gewesen. Er und Alice hatten sich geliebt. Nun musterten ihn die beiden geradezu feindselig.

O verdammt!, durchflutete es ihn. Was hast du denn erwartet, John? Dass dich Alice mit offenen Armen aufnimmt? Du bist mit einer Illusion im Herzen zum Blue Creek geritten. Du warst ein Narr ...

"Wer setzt dir zu, Alice?", fragte er. "Ist es Billinger?"

"Ja. Er ist groß und mächtig geworden. Wir könnten seine Stellung in diesem Landstrich einnehmen, wenn du ... Ach, was rede ich. Billinger hat sich zum ungekrönten König in diesem Landstrich aufgeschwungen. Sein Wort ist Gesetz. Jetzt hat er es auf die Morgan-Ranch abgesehen. Es ist nur eine Frage der Zeit ..."

Alice verstummte bitter. Sekundenlang schien sich ihr Blick nach innen verkehrt zu haben. Jetzt aber hatte er wieder die Härte von Stahl angenommen.

"Ich kann es verstehen", murmelte John Morgan. Er nickte wie zur Bestätigung seiner Worte. Dann griff er nach dem Sattelhorn, stellte seinen Fuß in den Steigbügel und schwang sich aufs Pferd. Er angelte sich die Zügel. Der Rotfuchs prustete. Ohne noch ein Wort zu verlieren ritt John Morgan an. Er schaute zu dem Jungen hinüber, der neben dem Mädchen vor dem Ranchhaus stand. Es war sein Sohn. Auch ihn hatte er schmählich im Stich gelassen damals ...

John Morgan ritt nach Redrock. Östlich der Stadt begann die Felswildnis der Burro Mountains. Gewaltige Berge beherrschten das Blickfeld.

John Morgan brachte sein Pferd in den Mietstall. Der Stallmann nahm ihm das Tier ab und sagte: "An dem Tier klebt der Staub vieler, vieler Meilen. Werden Sie verfolgt?"

"Nein", versetzte Morgan, schnallte die Satteltaschen ab und legte sie sich über die Schulter, dann zog er sein Gewehr aus dem Scabbard. "Ich suche einen Job. Habe ich in diesem Landstrich eine Chance?"

"Was können Sie denn?"

John Morgan zuckte mit den Schultern. "Ich kann das Lasso schwingen, ich kann reiten und schießen. Es gibt eine Reihe von Dingen, die ich beherrsche."

"Versuchen Sie es auf der Steeple Rock Ranch", sagte der Stallbursche. "Big Amos kann Kerle von Ihrem Schlag sicherlich gebrauchen."

"Als was beschäftigt er Kerle meines Schlages?", fragte John Morgan. "Als Cowboys?"

"Es gibt Verdruss in diesem Landstrich", murmelte der Stallmann. "Billinger hat sämtliches Land zwischen dem Gila River im Süden, dem Sacaton Creek im Norden, der Grenze nach Arizona im Westen und dem Mangas Valley im Osten auf seinen Namen ins Landregister eintragen lassen. Jetzt ist er drauf und dran, alle Smallrancher und Siedler, die sich irgendwann mal auf dem Land niedergelassen haben, zu vertreiben. Bei einigen ist es ihm schon gelungen. Am meisten Verdruss bereitet ihm meines Wissens die Morgan-Ranch am Blue Creek. Die Besitzerin lebt dort mit einem Burschen zusammen, der auch der Vater ihrer Tochter ist." Der Tonfall des Stallburschen wurde verschwörerisch. "Der Padre hat Alice Morgan wegen ihres sündhaften Verhältnisses mit Dave Tucker aus der Kirchengemeinde ausgeschlossen."

"Wie interessant", knurrte John Morgan. "Ist Matt Winfield noch Sheriff hier?"

"Sicher. Kennen Sie Matt? Waren Sie schon mal in der Gegend?"

"Ja, ich kenne Winfield", erwiderte John Morgan, dann verließ er den Stall.

Er mietete sich im Hotel ein Zimmer, hinterlegte sein Gewehr und die Satteltaschen und suchte das Sheriff's Office auf.

Matt Winfield saß hinter seinem Schreibtisch und machte Eintragungen in eine Kladde. Er blickte kurz auf, als Morgan das Büro betrat, dann leckte er über die Spitze des Tintenstifts und sagte: "Einen Augenblick noch. Setzen Sie sich einstweilen. Ich schreibe nur noch diesen Satz zu Ende."

Er wollte sich wieder der Kladde zuwenden, doch jetzt erkannte er den Ankömmling. Sein Gesicht zuckte noch einmal hoch, seine Augen wurden eng. "John Morgan!", entrang es sich ihm. "Du bist also wieder auf die Heimatweide zurückgekehrt."

"Sieht ganz so aus, Matt", erwiderte Morgan und ließ sich auf einen Stuhl nieder, der vor dem Schreibtisch stand. "Was ist los in der Gegend, Matt? Ich kam gerade rechtzeitig, als Amos Billinger mit seiner Mannschaft Alice einheizen wollte. Ich konnte die Bande vertreiben. Warum sitzt du tatenlos hier herum, während es auf der Weide am Blue Creek brennt?"

Matt Winfield beugte sich etwas nach vorn. Trotzig schob er das Kinn vor. "Ja, am Blue Creek brennt es", blaffte er. "Aber nicht Billinger hat den Krieg angefangen. Es waren Alice und ihr Geliebter. Sie sitzen auf Land, das Big Amos gehört. Sie begehen Landfriedensbruch. Billinger hat das Recht auf seiner Seite."

"Das Recht des Stärkeren, das Faustrecht? Von welchem Recht sprichst du, Matt? Alice züchtet seit 13 Jahren auf dem Land am Blue Creek Rinder. Kein Gesetz der Welt kann ihr nach diesen vielen Jahren den Anspruch auf das Land streitig machen. Wenn Billinger es erworben hat, dann widerrechtlich. Und wenn er gewaltsam gegen Alice vorgeht, musst du einschreiten. Du vertrittst schließlich das Gesetz."

"Du brauchst mich nicht darüber zu belehren, wie ich meinen Job zu verrichten habe, John. Sich mit Amos Billinger anzulegen, ist gleichzusetzen mit Selbstvernichtung. Die Menschen im Land hier tanzen nach seiner Pfeife. Ich gehe auf die 50 zu, John. Man achtet und respektiert mich. Mein Leben verläuft ruhig und friedlich. Soll ich das auf meine alten Tage aufs Spiel setzen?"

"Du schämst dich nicht, wie?", stieß John Morgan wild hervor und erhob sich mit einem Ruck.

"Nein, Morgan. Ich habe mir gewisse Ansprüche erworben in den vielen Jahren, die ich den Stern getragen habe. In einigen Jahren gehe ich in Pension. Ich will in Frieden alt werden, verstehst du? Und ich will den Platz, den ich mir hier erworben habe, unter keinen Umständen aufgeben. Dir rate ich, die Gegend wieder zu verlassen. Und ich warne dich, Morgan. Solltest du Ärger machen vielleicht aus einem falsch verstandenen Wiedergutmachungsbedürfnis heraus trete ich dir auf die Zehen. Du hast dich 12 Jahre lang weder um Alice, noch um deinen Jungen, noch um die Ranch gekümmert. Fang jetzt nicht damit an. Wenn doch, fällst du auf die Nase."

"Was ist bloß aus dir geworden, Matt", murmelte John Morgan. "Ich hatte dich als aufrechten, geradlinigen Mann in Erinnerung. Ich bin enttäuscht von dir."

"Das ist mir egal. Ich habe dich jedenfalls gewarnt, John. Versuch hier nicht den wilden Mann zu spielen. Du kannst nur verlieren."

"Steck dir deine Warnung an den Hut, Matt. Ich werde in Redrock bleiben. Was meinst du: Gibt es hier irgendwo einen Job für mich?"

"Nein. Alles, was du hier kriegen kannst, ist mächtiger Ärger, wenn du dich einmischst. Das garantiere ich dir."

John Morgan machte auf dem Absatz kehrt und verließ grußlos das Office. Seine Schritte hämmerten auf den Gehsteigbohlen. Leise klirrten seine Sporen.

Amos Billinger scheint sich in der Tat zum ungekrönten König in diesem Landstrich aufgeschwungen zu haben, sinnierte er. Sogar Winfield kuscht vor ihm. Himmel, Alice hat Billinger und den Sheriff gegen sich. Man verachtet sie, weil sie mit Dave Tucker auf der Ranch wie Mann und Frau zusammen lebt. Kannst du unter diesen Umständen einfach weiterreiten? Solltest du nicht hierbleiben und die Entwicklung der Dinge abwarten? O verdammt! Alice will dich hier nicht. Der Sheriff hat keinen Zweifel darüber aufkommen lassen, dass du hier unerwünscht bist. Schwing dich auf dein Pferd und reite, John. Du hast hier nichts verloren.

Gefühl und Verstand lagen bei ihm in zäher Zwietracht. Der Verstand hämmerte ihm ein, dass er weiterreiten sollte. Das Gefühl aber sagte ihm, dass er Alice und seinen Sohn nicht ein zweites Mal im Stich lassen dürfe.

Das Gefühl siegte.

John Morgan entschloss sich, zu bleiben.

 

 

8

John Morgan saß im Saloon an einem Tisch beim Frontfenster. Der Tag ging zur Neige. Zwischen den Häusern, Schuppen und Scheunen wob schon die Abenddämmerung. Vor dem Mann stand ein Krug voll Bier. Er war tief in Gedanken versunken.

Ein Gespann zog in sein Blickfeld.

Auf dem Wagenbock saß Dave Tucker. Auf der Ladefläche zeichneten sich unter einer Decke die Gestalten zweier Männer ab. Dave Tucker brachte die getöteten Steeple Rock-Männer in die Stadt.

John Morgan erhob sich und ging zur Tür. Dann trat er auf den Vorbau. Er blickte dem Gespann hinterher. Auf den Gehsteigen blieben Männer und Frauen stehen und beobachteten ebenfalls das Gespann.

Dave Tucker zügelte das Pferd vor dem Sheriff's Office.

Matt Winfield trat ins Freie. Düster musterte er Dave Tucker. Dann heftete er seinen Blick auf die beiden Gestalten unter der Decke. "Wen bringst du hier?"

"Zwei Reiter der Steeple Rock Ranch", antwortete Dave Tucker. "Fast ein Dutzend von ihnen kam heute auf die Morgan-Ranch, um für Furore zu sorgen. Am Vormittag hatten vier der Kerle versucht, Alice zu vergewaltigen. Ich kam gerade noch rechtzeitig ..."

"Wer hat die beiden erschossen?", fragte der Sheriff, trat an den Wagen heran und schlug die Decke zurück. Er blickte in zwei starre Gesichter.

"Sie griffen uns an", erwiderte Dave Tucker. "Alice und ich wehrten uns. Es war Notwehr, Winfield. Wenn John Morgan nicht aufgetaucht wäre, dann hätten uns Billinger und seine Revolverhorde umgebracht."

Der Sheriff bedeckte die Gesichter der Toten wieder mit der Decke. "Hat etwa John Morgan die beiden erschossen?"

"Nein."

"Ich werde den Vorfall untersuchen, Tucker. Möglicherweise komme ich zu dem Ergebnis, dass hier zwei Morde vorliegen. Dann habt ihr du und Alice ein Problem am Hals. Bring die beiden Toten zum Leichenbestatter. Und dann komm in mein Büro, damit ich ein Protokoll aufnehmen kann."

"Es war Notwehr", wiederholte Dave Tucker noch einmal.

Zwischenzeitlich hatten sich viele Neugierige auf der Straße eingefunden. Sie umringten den Ranchwagen. Gemurmel erhob sich.

Auch John Morgan war näher gekommen. Er hatte die letzten Worte Dave Tuckers verstehen können. "Ich bin Zeuge", rief er. "Ich habe gesehen, wie die Steeple Rock-Mannschaft die Morgan-Ranch angriff. Die Kerle feuerten, was das Zeug hielt."

Matt Winfield schoss John Morgan einen Blick zu, den dieser nicht zu deuten wusste. Dann sagte der Sheriff: "Komm auch du in mein Büro, John, damit ich deine Aussage schriftlich fixieren kann."

Dave Tucker trieb das Gespannpferd an. Die Neugierigen bildeten eine Gasse, durch die er fuhr. Sheriff Matt Winfield schwang herum und ging in sein Büro zurück.

John Morgan holte den Tabakbeutel aus der Tasche und drehte sich eine Zigarette. Als sie brannte, setzte er sich in Bewegung und folgte dem Fuhrwerk mit den Toten. Dave Tucker hatte es in den Hof des Tischlers und Totengräbers von Redrock gefahren. Ben Nelson, der Totengräber, und sein Gehilfe luden die Leichen auf einen flachen Karren, den sie über den Hof in einen Schuppen schoben.

Dave Tucker musterte John Morgan unter halb gesenkten Lidern hervor ohne die Spur von Entgegenkommen. Von der ehemaligen Freundschaft, die die beiden Männer vor vielen Jahren verbunden hatte, war nichts mehr übrig geblieben.

"Warum bist du wirklich heimgekehrt?", wollte Tucker wissen.

"Ich weiß es nicht. Es hat mich einfach zum Blue Creek getrieben. Heh, Dave, du bist der Vater des Mädchens, das ich auf der Ranch sah. Nachdem ich damals weg war wie lange hast du gebraucht, um Alice rumzukriegen?"

Dave Tucker spuckte zur Seite aus. "Du hattest eine Frau wie Alice nie verdient, John. Du hast noch nie etwas getaugt. Denn du warst ein Herumtreiber, ein Abenteurer, der immer wissen wollte, was sich ihm hinter dem nächsten Hügel bot. Es war gewissenlos von dir, als du Alice geheiratet hast. Denn dir war klar, dass du es nicht lange aushalten würdest an einem Platz."

"Mag sein, Dave. Die Jahre haben mich reifer gemacht. Ich bin nicht mehr der wilde Junge, der ich vor 12 Jahren war. Ich war der Meinung, eine zweite Chance verdient zu haben. Doch du hast dich zwischen mich und Alice geschoben."

"Es ist zu spät, John. Hast du allen Ernstes angenommen, dass Alice darauf wartet, dass du zurückkehrst? Wenn ja, dann musst du verrückt sein. Verdammt, John Morgan, du tauchst hier einfach auf und machst Rechte geltend, die du vor Jahren schon verwirkt hast. Ist es Unverschämtheit, Arroganz, oder ist es ganz einfach nur Dummheit? Ich sollte dir mit den Fäusten einhämmern, dass du hier überflüssig bist. Ja, das sollte ich wohl wirklich. Komm her, John, komm, damit ich dich auf deine richtige Größe zurechtstutze."

Dave Tucker machte einige Schritte auf John Morgan zu, winkelte die Arme an und ballte die Hände zu Fäusten. Seine Augen glitzerten gefährlich. Er wollte den Kampf, er wollte John Morgan zertrümmern, ihn in Stücke schlagen.

Doch Morgan schüttelte den Kopf. "Ich prügle mich nicht mit dir, Dave. Ich weiß nicht, ob ich dich schlagen könnte, und ich will es auch gar nicht wissen. Du kannst die Fäuste wieder nach unten nehmen. Denn ich balge mich nicht wie ein Halbwüchsiger mit dir herum."

"Feigling!", knirschte Dave Tucker und stieß sich ab. Er flog durch die Luft, als hätte er die Schwerkraft überwunden, kam mit beiden Beinen gleichzeitig vor John Morgan auf und schlug mit rechts zu.

John Morgan duckte sich. Der Schlag riss ihm den Stetson vom Kopf. Dave Tucker zog einen linken Schwinger aus der Hüfte, und mit diesem Schlag traf er John Morgan. Dieser richtete sich auf und wankte zwei Schritte zurück. Er rieb sich das Kinn, wo ihn Dave Tucker getroffen hatte. "Hör auf, Dave", knurrte Morgan und warf die angerauchte Zigarette fort. "Ich will mich nicht mit dir schlagen. Wenn du mich aber zwingst, werde ich mich zur Wehr setzen."

"Dann wehr dich!", stieß Dave Tucker hervor und sprang Morgan erneut an. Es war wie ein Rausch. Tucker war besessen von dem Gedanken, Morgan mit den Fäusten zu schlagen, ihm auf die raue Art klar zu machen, dass er ihn in diesem Teil des Landes nicht duldete. Er wollte ihn mit seinen Fäusten zerbrechen ...

 

 

9

In Dave Tuckers Augen irrlichterte diese Besessenheit. Er war sich seiner Überlegenheit mit den Fäusten sicher. Schon früher war John Morgan jedem Faustkampf aus dem Weg gegangen. Tucker hatte es für Feigheit und Schwäche gehalten ...

John Morgan war auf der Hut. Er wich Tucker aus, und dieser stolperte, von seinem eigenen Schwung getragen, an ihm vorbei. Morgan schickte eine kerzengerade Rechte auf die Reise und traf Tucker am Backenknochen. Der Kopf Tuckers wurde auf die linke Schulter gedrückt.

Aber Dave Tucker schluckte diesen Schlag und wirbelte zu John Morgan herum. Mit einem wahren Hechtsprung flog er seinem Gegner entgegen. Wie die Fangarme eines Polypen schnellten seine Arme auf John Morgan zu. Dieser glitt geschmeidig zur Seite und schlug einen blitzschnellen Haken auf Tuckers Rippen.

Tucker vollführte eine halbe Drehung. Erneut warf er sich auf Morgan, dieser stolperte rückwärts und stürzte. Ein wildes Lachen ausstoßend kam Tucker auf ihn zugestampft.

John Morgans Beine schnellten Tucker entgegen. Dieser konnte seinen blindwütigen Angriff nicht mehr stoppen. Morgans Stiefel knallten ihm in den Bauch, und Tucker entrang sich ein gequälter Aufschrei. Schlagartig wurde ihm die Luft aus den Lungen gepresst. Er schien einen Lidschlag lang in der Luft zu hängen, dann krachte er rücklings in den Staub, der unter ihm auseinanderstob.

Im nächsten Moment war Morgan auf den Beinen und über ihm. Sie wälzten sich schlagend und keuchend am Boden, rissen sich los und kamen gleichzeitig hoch. Tucker rammte die Rechte kerzengerade nach vorn. Morgan blockte den Schlag ab und schlug einen rechten Haken. Er traf Tucker wuchtig auf das Brustbein. Der Treffer schüttelte diesen und ließ ihn wanken. Verzweifelt japste er nach Luft, indes er zurücktaumelte.

John Morgan folgte ihm. Doch Tucker war ein erfahrener Kämpfer. Trotz seiner Not gelang es ihm, Morgans Schwingern auszuweichen oder sie abzuwehren, nur einmal radierte die Faust schmerzhaft über sein Kinn und hinterließ eine kleine Platzwunde, aus der dunkles Blut tropfte.

Dann war Dave Tucker wieder bei Atem. Mit einem Sprung nach hinten befreite er sich von seinem Gegner, der ihn stark bedrängte. Mit eingezogenem Kopf stand er da. Er schien seinen nächsten Angriff vorzubereiten. Unvermittelt setzte er sich in Bewegung. Er hatte die Fäuste erhoben, um zum einen Gesicht und Oberkörper zu decken und zum anderen blitzschnell schlagen zu können.

Fast gelassen erwartete John Morgan ihn.

Den letzten halben Yard überwand Tucker mit einem Sprung. Aber der schwere Körper flog ins Leere. John Morgan war behände zur Seite ausgewichen, und Tuckers nach vorn schnellende Faust stieß in die Luft. Tucker wollte herumwirbeln, aber da war Morgan schon neben ihm und wuchtete ihm zwei knochentrockene Haken gegen den Kopf. Dave Tucker ruderte mit beiden Armen, taumelte, setzte aber instinktiv das linke Bein zurück und bekam wieder festen Stand.

Ein tiefes Grollen stieg aus seinem Hals, mörderische Wut überspülte seinen Verstand und erstickte alle anderen Empfindungen. Aber er zwang sich zu klarem Denken und versuchte, sich auf den Gegner einzustellen.

John Morgan bewegte sich leichtfüßig, mit der Behändigkeit eines Stepptänzers, federte in den Knien, pendelte vor und zurück. Turner musste zwei knallharte Schwinger wegstecken, doch schließlich schwang er seine Arme wie Dreschflegel und zwang Morgan, zurückzuweichen. Turner bedrängte ihn hart und ließ seine Fäuste wirbeln. Morgan tauchte unter den Heumachern weg, warf sich mit der rechten Schulter gegen Tuckers Leib und knallte ihm gleichzeitig die Faust zwischen die Augen.

Dave Tucker holte rasselnd Luft. Sein Angriff erfolgte eruptiv wie der Ausbruch eines Vulkans. Mit gesenktem Schädel stürmte er wie ein amoklaufender Longhornbulle auf Morgan zu. Dieser wartete, bis Tucker nahe genug war, um seinen eigenen Schwung nicht mehr bremsen zu können. Im letzten Moment drehte er sich blitzschnell zur Seite und stellte Tucker das Bein.

Wie von einem Katapult geschleudert segelte Tucker waagrecht durch die Luft, landete im Staub - und rollte sich sofort herum. Die Panik riss ihn hoch. Er war ziemlich angeschlagen. Seine Bewegungen wirkten hölzern und erschöpft.

Tuckers Atemwege rasselten. Mit alptraumhafter Schärfe erfasste er, dass er am Rande einer Niederlage stand. Ein Grollen kämpfte sich in seiner Brust hoch, quoll über seine aufgeschlagenen Lippen. Er schüttelte seine Benommenheit ab wie eine zweite Haut, und völlig überraschend startete er einen neuen Angriff.

Es war eine Finte. Urplötzlich vollführte er einen Ausfallschritt zur Seite, flog aber unerwartet schnell wieder herum und hämmerte einen mörderischen Schwinger gegen Morgans Kinnlade.

Morgans Kopf flog auf die Schulter. Und wie eine Dampframme sah er die Faust Turners kommen.

Morgan reagierte instinktiv. Er tauchte ab und die Faust Tuckers pfiff über seinen Kopf hinweg. Tucker wurde von der Wucht seines Schlages nach vorne getrieben und prallte gegen Morgan. Dieser empfing ihn mit einem Schlag in den Magen, doch Tucker warf sich schon mit ausgebreiteten Armen auf Morgan, als wollte er ihn umschlingen und zerquetschen.

Mit einem Kniestoß konnte John Morgan sich Luft verschaffen. Er sprang zurück. Wild mit den Armen schwingend folgte ihm Tucker. Er zwang Morgan, immer weiter zurückzuweichen.

John Morgan behielt den klaren Überblick. Seine Linke zuckte nach Tuckers Kopf, seine Rechte folgte und bohrte sich in den Leib seines Gegners. Ein wilder Schrei löste sich aus Tuckers Mund, losgelöst und fast verzweifelt. Er knickte in der Mitte ein, beugte sich nach vorn, genau in Morgans aus der Hüfte gezogenen Schwinger hinein. Der gnadenlose Haken ließ den Schädel Tuckers wieder hochsausen, und Morgan schoss eine knallharte Rechte mitten in das Gesicht Tuckers ab.

Tucker gurgelte und röchelte. Blut rann aus seiner Nase und aus der Platzwunde auf seiner Unterlippe. Die Benommenheit nach den unerbittlichen Treffern ließ seine Augen glasig werden und nahm ihm jeglichen Willen.

Und wieder schöpfte Tucker Kraft. Er stürzte sich Morgan entgegen. Er kämpfte mit übermenschlichem Durchhaltevermögen. Seine Zähne waren fest aufeinandergepresst, seine Lippen in der Anspannung verzerrt. Er hatte die Umwelt vergessen. Nur der eine Gedanke beherrschte ihn: Er musste diesen Kampf gewinnen. Er hatte John Morgan herausgefordert, um ihm eine Lektion zu erteilen. Und jetzt hatte es den Anschein, als wäre er es, dem eine Lektion erteilt werden würde.

Tucker begann zu ermüden und hielt sich mit seinen Schlägen plötzlich zurück. Er fing an, Morgan zu umrunden. Er belauerte ihn und suchte nach einem Loch in John Morgans Deckung.

Und plötzlich trat er nach John Morgan. Sein Bein zuckte hoch, doch Morgan schnappte mit beiden Händen zu und erwischte es. Er riss es in die Höhe, Tucker kippte nach hinten, wollte rasch wieder hochkommen, als er aber auf allen vieren lag, schmetterte ihm Morgan die zusammengelegten Fäuste in den Nacken.

Tuckers Arme knickten in den Ellenbogen ein. Mit einem Keuchton, der sich anhörte wie der Überdruck, der einem Dampfkessel entweicht, fiel er auf das Gesicht.

Morgan hielt inne und sammelte sich. Er war drei Schritte auf Distanz gegangen.

Dave Tucker trieb in der zwielichtigen Welt der Trance. Dumpfe Benommenheit durchströmte sein Gehirn. Und als er die Augen öffnete, war vor seinem Blick nur ein Inferno brodelnder Nebelschwaden. Schließlich taumelte er hoch.

Da erklang auf der Straße Hufschlag.

John Morgan hob seinen Stetson auf, klopfte den Staub ab und stülpte ihn sich auf den Kopf. Er sagte zwischen keuchenden Atemzügen: "Du hattest jetzt deinen Kampf, Dave. Lass es genug sein. Ich könnte dich mit zwei Schwingern von den Beinen schlagen. Aber es muss nicht sein. Nimm Vernunft an und fahr zum Blue Creek. Du hast recht. Ich konnte nicht erwarten, dass Alice darauf wartet, dass ich nach Hause zurückkehre, weil ich mir dir Hörner abgestoßen habe. Keine Sorge, Dave. Ich komme dir nicht in die Quere ..."

Morgan richtete seinen Revolvergurt und rückte das Holster zurecht. Dann machte er kehrt und schritt aus dem Hof.

Die Sonne war zwischenzeitlich hinter dem westlichen Horizont versunken. Der ganze Westen entflammte in intensiv goldenem Rot, das sich ausbreitete und weit im Norden verblasste.

John Morgan sah ein halbes Dutzend Reiter. Sie lenkten ihre Pferde zum Sheriff's Office.

Matt Winfield kam auf den Vorbau und sprach mit ihnen.

John Morgan überquerte die Straße und ging in den Saloon. Einige Schwellungen und Blutergüsse in seinem Gesicht verrieten, dass auch er die Prügelei nicht ungeschoren überstanden hatte. Er stellte sich an den Tresen und verlangte einen Whisky. Mit einem Ruck kippte er die scharfe Flüssigkeit in sich hinein. Den faden Geschmack, den er in der Mundhöhle verspürte, konnte er jedoch nicht hinunterspülen ...

Er stand vor den Trümmern einer Illusion, die ihn bewogen hatte, nach Hause zurückzukehren. Es gab hier keinen Platz für ihn. Das spürte er ganz deutlich.

 

 

10

Es waren Walt Hendrik, der Vormann der Steeple Rock Ranch, und fünf Cowboys, die in die Stadt gekommen waren. Walt Hendrik sagte: "Am Vormittag hat Tucker einen unserer Männer erschossen und einem anderen eine Kugel in die Schulter geknallt. Natürlich ritten wir zur Morgan-Ranch, um ihn zur Rede zu stellen. Er und Alice Morgan eröffneten ohne jede Warnung das Feuer. Zwei weitere Männer starben. Uns anderen gelang mit Mühe und Not die Flucht ..."

"Dave Tucker hat mir eine andere Version der Geschichte erzählt", knurrte Matt Winfield. "Danach habt ihr die Ranch angegriffen. Er und Alice Morgan wehrten sich lediglich. Tucker hat die beiden Toten in die Stadt gebracht."

"Du glaubst ihm doch nicht, Winfield." Zwingend starrte Hendrik den Sheriff an. Es war, als wollte er ihn hypnotisieren.

"John Morgan bestätigte Tuckers Version", erklärte der Sheriff.

Hendrik kniff die Lippen zusammen. Er musste das Gehörte verarbeiten. Dann stieß er hervor: "John Morgan befindet sich also wieder im Lande!" Es war keine Frage, sondern eine glasklare Feststellung.

"Ja. Er ist heimgekehrt."

"Nun, ich habe fünf Zeugen mitgebracht, Matt", sagte Hendrik. "Sie werden jeden Eid schwören, dass Alice Morgan und Dave Tucker ohne jede Vorwarnung das Feuer auf uns eröffneten. Du wirst die beiden wegen Mordes verhaften und vor Gericht stellen müssen."

"Sicher", murmelte der Sheriff. "Wenn sie die beiden Weidereiter ermordet haben, verhafte ich sie, und ich werde sie wegen Mordes anklagen. Ihr seid also zur Morgan-Ranch geritten, um Alice Morgan und Dave Tucker zur Rede zu stellen?"

"Was soll das, Matt?", blaffte Hendrik. "Was ist in dich gefahren? Bezweifelst du meine Worte?"

Diese letzte Frage klang fast drohend. Auch die stechenden Augen des Vormannes zeigten eine unverhohlene Drohung.

"Nein", murmelte der Sheriff und senkte den Blick. "Natürlich nicht. Dave Tucker hat die beiden Toten zum Bestatter gebracht. Ich werde ihn gleich verhaften. Und morgen reite ich hinaus zur Morgan-Ranch, um Alice festzunehmen und in die Stadt zu schaffen."

"Tucker befindet sich also noch in der Stadt?"

In diesem Moment fuhr Dave Tucker mit dem Gespann vom Hof des Tischlers.

"Da ist Tucker", rief einer der Weidereiter, dessen Interesse von dem Gespann geweckt worden war. "Heiliger Rauch! Wie sieht der denn aus? Ist er unter die Räder der Stagecoach gekommen?"

Aller Augen wandten sich Dave Tucker zu.

Hendrik knirschte: "Wir nehmen es selbst in die Hand, Matt. Tucker hat drei Kameraden von uns erschossen und einen vierten Mann schwer verletzt. Du brauchst dir nicht mehr die Mühe zu machen, Tucker zu verhaften. Wir regeln das auf unsere Art."

Hendrik saß ab, nahm sein Gewehr aus dem Scabbard und riegelte eine Patrone in die Kammer. Dann schritt er mitten in die Fahrbahn und blieb breitbeinig stehen.

Dave Tucker zügelte das Gespannpferd. Sein Gewehr hatte er sich zwischen die Beine geklemmt. Mit dem Kolben stand es auf dem Boden des Wagenbocks.

Jetzt nahm Tucker das Gewehr am Kolbenhals, wickelte die Zügel um den Bremshebel und stieg vom Wagen. Er bewegte sich marionettenhaft linkisch. Wahrscheinlich schmerzte ihn jeder Knochen nach den Prügeln, die er bezogen hatte. Sein Gesicht wies viele blaue Flecken und kleine Platzwunden auf. Das linke Auge war zugeschwollen.

Dave Tucker machte drei Schritte auf Hendrik zu und rief: "Du willst den Kampf, Hendrik. Okay, du kannst ihn haben. Ich hoffe, dass deine Leute sich heraushalten."

"Wer hat dich so übel zugerichtet?", fragte Hendrik.

"Das geht dich nichts an."

Sie standen sich auf eine Distanz von etwa zwölf Schritten gegenüber. Walt Hendrik hielt das Gewehr mit beiden Händen schräg vor seiner Brust. Dave Tucker trug es rechts am langen Arm.

Sheriff Matt Winfield kam auf die Straße. Er hielt den Colt in der Faust und rief kehlig: "Schluss damit! Keine Schießerei. Tucker, ich verhafte dich wegen des Verdachts, drei Weidereiter der Steeple Rock Ranch erschossen zu haben. Lass das Gewehr fallen und heb die Hände. Solltest du dich zur Wehr setzen, werde ich dich erschießen."

"Aaah, der Sheriff von Big Amos' Gnaden", stieß Dave Tucker hervor. "Befürchtest du, ich könnte auch den großmäuligen Vormann von der Steeple Rock aus den Stiefeln holen? Mein Gott, Winfield, ich habe dir gesagt, was sich zugetragen hat. Die Schufte wollten Alice vergewaltigen. Und dann kamen sie auf die Ranch, um uns zu töten. Das ist die Wahrheit so wahr mir Gott helfe."

"Lass Gott aus dem Spiel!", knirschte Hendrik. "Und du, Winfield, hältst dich raus. Es ist eine Sache zwischen Tucker und mir. Wir beide werden es hier austragen."

Der Sheriff schluckte. In seinem faltigen Hals rutschte der Kehlkopf hinauf und hinunter. Er blieb am Fahrbahnrand stehen. Seine Faust mit dem Revolver sank nach unten. Er war zu schwach, um sich durchzusetzen.

"Dann fang an, Hendrik", kam es laut von Tucker. Er nahm das Gewehr mit beiden Händen. "Worauf wartest du?"

Hendrik zog den Gewehrkolben an die Hüfte. Ebenso Dave Tucker. Doch der musste erst noch repetieren. Hendriks Schuss krachte. Tucker zuckte zusammen und verriss. Seine Kugel pfiff in schräger Bahn zum Himmel. Er machte das Kreuz hohl. Das Gewehr entglitt seinen Händen. Plötzlich fiel er auf die Knie und dann vornüber auf das Gesicht. Seine Finger verkrallten sich im Staub, ein letztes, unkontrolliertes Zucken seiner Beine dann erschlaffte seine Gestalt.

Ohne die Spur einer Gemütsregung senkte Hendrik das Gewehr. Eine Pulverdampfwolke stieg vor seinem Gesicht in die Höhe und wurde vom sachten Wind zerfasert. Der Vormann setzte sich in Bewegung. Bei Tucker angelangt bückte er sich und drehte ihn auf den Rücken. Gebrochene Augen starrten ihn an. Staub klebte im Gesicht des Toten.

John Morgan hatte, nachdem die Schüsse krachten, den Saloon verlassen und stand nun auf dem Vorbau. Seine Hände lagen locker auf dem Geländer. In seinem Gesicht zuckte kein Muskel.

Matt Winfield sagte: "Es war ein faires Duell. Tucker war eben nicht schnell genug. Ich habe es selbst gesehen. Ich werde ein Protokoll anfertigen, Hendrik, das dich völlig entlastet."

Walt Hendrik hörte nicht auf das, was der Sheriff sprach. Er hatte John Morgan erspäht. Sein Blick hatte sich an diesem verkrallt. Und plötzlich setzte er sich in Bewegung. Er schritt die 50 Yards zum Saloon und blieb zehn Schritte von Morgan entfernt stehen. "Es war ein Fehler von dir, nach Hause zurückzukehren, Morgan. Du hast uns heute ganz schön in die Suppe gespuckt. Das warst doch du, der von dem Hügel aus auf uns feuerte, nicht wahr?"

"Es waren Warnschüsse, Hendrik. Wenn ich auf euch geschossen hätte, dann wärst du samt deinem Boss bereits tot. Hoh, die Steeple Rock Ranch hat sich ja ziemlich gemausert in den Jahren, in denen ich fort war."

"Es wäre ratsam für dich, das Land wieder zu verlassen, Morgan. Deine Frau will sicher nichts mehr von dir wissen. Sie hat sich Tucker an den Hals geworfen, kaum dass du fort warst. Du weißt sicherlich bereits, dass sie eine gemeinsame Tochter haben. Was willst du hier, Morgan? Du bist unerwünscht. Also verdufte wieder."

"Ich gehe von hier fort, wenn ich es für richtig halte, Hendrik. Nachdem du Dave Tucker erschossen hast, hat die Steeple Rock ja kein Problem mehr, mit Alice fertig zu werden. Vor einer Frau und ihren zwei Kindern habt ihr Helden doch nichts zu befürchten. Es wird euch ein müdes Lächeln kosten, sie von Haus und Hof zu vertreiben."

"Verschwinde aus dem Land, Morgan", warnte Hendrik noch einmal. "Hier wirst du nicht alt."

Mit dem letzten Wort wandte er sich ab und stapfte zu seinem Pferd, das einer der Cowboys festhielt. John Morgan blickte ihm hinterher. Von seinem Gesicht war nicht abzulesen, was hinter seiner Stirn vorging.

Walt Hendrik schwang sich in den Sattel und trieb sein Pferd an. Die fünf Weidereiter folgten ihm. Sie ritten aus der Stadt. Aufgewirbelter Staub markierte ihren Weg.

Zurück blieb ein Toter. Sein Blut versickerte auf der Straße.

John Morgan stieg vom Vorbau des Saloons ...

 

 

11

Bei dem Toten trafen sich John Morgan und der Sheriff. Auch viele andere Menschen fanden sich ein. Die Stadt hatte wieder einmal ihre Sensation.

"War es wirklich ein fairer Kampf?", fragte Morgan und fixierte den Sheriff fragend.

"Sie standen sich gegenüber", erwiderte Winfield, "und jeder von ihnen hatte sein Gewehr in den Händen. Ja, es war ein fairer Kampf, Morgan."

"Ich hatte im Hof des Sargtischlers eine Auseinandersetzung mit Dave", murmelte John Morgan.

"Dann warst du es, der ihn so zugerichtet hat?", kam es von Matt Winfield. Und sogleich setzte er hinzu: "Was frage ich? Auch du trägst die Spuren eines Faustkampfes im Gesicht."

"Dave wollte den Faustkampf mit mir. Er ließ mir keine andere Wahl. Ich habe ihn schlimm verprügeln müssen. Hilf mir mal, ihn auf den Wagen zu laden. Ich bringe ihn zu Alice. Schließlich ..."

John Morgan winkte ab und verstummte.

Zusammen mit dem Sheriff legte er Dave Tucker auf die Ladefläche des Ranchwagens. Morgan breitete die Decke, die die beiden toten Steeple Rock-Männer bedeckt hatte, über den Leichnam. Dann stieg er auf den Wagenbock, löste die Zügel vom Bremshebel und ließ sie auf den Rücken des Gespanntieres klatschen. Das Pferd zog an, das Fuhrwerk begann zu rollen.

John Morgan fuhr zunächst zum Mietstall. Er sattelte und zäumte sein Pferd und band es am Wagen fest. Dann verließ er die Stadt. Er benutzt den Reit- und Fahrweg, der von der Stadt zum Blue Creek führte.

Die Dunkelheit nahm zu. Das Fuhrwerk holperte und rumpelte. Dann war die Nacht da. Am Himmel blinkten unzählige Sterne. Der Mond schob sich im Osten über die Grate und Zinnen der Burro Mountains. Dann lag die Ranch vor John Morgan. Aus zwei Fenstern des Haupthauses fiel Licht.

Morgan lenkte das Gespann auf den Ranchhof. Vor dem Stall hielt er an. Die Geräusche verstummten. John Morgan sprang vom Fuhrwerk.

Die Tür des Ranchhauses ging auf, Licht flutete ins Freie, Alice rief: "Dave! Gott sei Dank bist zu zurück. Ich fürchtete schon ..."

"Ich bin es", rief John Morgan.

Ein überraschter Laut entrang sich Alice, dann rief sie mit spröder Stimme: "Was willst du noch hier? Habe ich dir nicht gesagt, dass du ..."

Plötzlich brach die Frau ab. Eine eiskalte Hand schien nach ihr zu greifen. Das Entsetzen kam kalt und stürmisch wie ein Blizzard. Sie presste die linke Hand auf ihren Halsansatz, als hätte sie so ihren fliegenden Atem beruhigen können. "Was ist geschehen?"

"Es hat einen Kampf gegeben in der Stadt", sagte John Morgan und näherte sich langsam der Frau, deren schlanke Gestalt vom Licht, das aus der Tür fiel, scharf umrissen wurde. "Walt Hendrik hat Dave getötet. Er liegt auf dem Fuhrwerk."

"O mein Gott", entrang es sich Alice. "Er hat Dave getötet?" Abgehackt stieß sie die einzelnen Worte hervor. Es überstieg ihren Verstand. Ihre Fassung brach. Aufweinend lief sie zu dem Wagen und zerrte die Decke von dem Toten. "Dave", keuchte sie. "Dave ..."

John Morgan trat hinter sie und legte ihr die Hand auf die Schulter. Mit einer heftigen Bewegung schüttelte Alice seine Hand ab. "Fass mich nicht an!", wies sie ihn scharf zurecht. "Du hast kein Recht dazu."

Sie machte kehrt und ging ins Haus. In der Küche warf sie sich auf einen Stuhl, schlug beide Hände vor das Gesicht und begann hemmungslos zu weinen.

Die Tür zu einem Nebenraum öffnete sich. Johnny, der 13-Jährige, kam in die Küche. "Was ist los, Ma? Warum weinst du? Was ist geschehen? Ich hörte eben Dad zurückkommen ..."

"Komm her, mein Junge, komm her", sagte Alice weinend, und als Johnny vor sie hintrat, umarmte sie ihn. "Wir wir müssen jetzt ganz stark sein", murmelte die Frau und schniefte. "Euer Dad ist tot. Die Steeple Rock Ranch hat ihn getötet."

Johnny schaute sie ungläubig, aber auch mit Entsetzen im Blick an. Dann füllten sich seine Augen mit Tränen ...

Draußen hob John Morgan den Leichnam vom Fuhrwerk. Er trug ihn ins Haus. Alice und Johnny starrten mit vom Weinen geröteten Augen auf die schlaffe Gestalt. Morgan legte sie auf eine Bank. Alice heftete ihren Blick auf den Mann. Sie wischte sich die Tränen aus den Augen, schluckte, musste zweimal ansetzen, dann sagte sie: "Dein Gesicht sieht zerschlagen aus. Auch das Gesicht Daves. Gab es einen Kampf zwischen euch?"

Morgan nickte. "Ich wollte den Kampf nicht. Dave hat ihn mir aufgezwungen. Er hat damals schon immer versucht, Probleme jedweder Art mit den Fäusten aus dem Weg zu räumen. Du kannst hier nicht bleiben, Alice. Wer soll dich und deine Kinder von nun an beschützen? Amos Billinger wird keine Ruhe geben."

Johnny starrte den Mann unverwandt an. Sein Blick hatte sich regelrecht an John Morgan verkrallt.

Ein Ruck durchfuhr Alice. "Es geht dich nichts an, John. Es hat dich vor vielen, vielen Jahren nicht gekümmert, was aus mir und ..."

Sie brach ab, erhob sich und zog Johnny dicht an sich heran. "Verschwinde, John. Verschwinde aus meinem Leben. Ich werde wohl aufgeben müssen. Aber es ist nicht deine Sache. Ich habe mein Leben vor 12 Jahren selbst in die Hand genommen, nachdem ich anfänglich an meiner Verzweiflung fast zerbrochen wäre."

"Ich werde nicht zulassen, dass Billinger dich von diesem Stück Land vertreibt", stieß John Morgen entschlossen hervor. "Ich bin es dir und ..." Er machte eine Pause und sah den Jungen an, nagte kurz an seiner Unterlippe und endete: "... deinen Kindern schuldig, Alice. Ich habe einiges gutzumachen. Ob es dir gefällt oder nicht. Ich bleibe im Land."

Hart musterte ihn die Frau. Sie verströmte Unversöhnlichkeit und Unnachgiebigkeit. Ihrerseits gab es kein Entgegenkommen und kein Verständnis. Sie konnte ihm nicht verzeihen, dass er sie und den Jungen vor 12 Jahren schmählich im Stich ließ.

John Morgan hielt kurze Zeit ihrem Blick stand. Dann nickte er ihr zu, schwang herum und verließ das Ranchhaus. Draußen knirschten seine Schritte im Staub. Er band sein Pferd los und schwang sich in den Sattel. Das Tier trug ihn in die Nacht hinein.

 

 

12

Am darauffolgenden Vormittag kam Sheriff Matt Winfield auf die Morgan-Ranch. Alice sah ihn durch das Fenster. Belinda, das 6-jährige Mädchen, spielte am Fußboden der Küche mit einer Holzpuppe, die ihr Dave Tucker geschnitzt hatte. Johnny saß am Tisch und starrte mit erloschenen Augen vor sich hin. In aller Frühe hatte Alice hinter dem Haus ein Grab ausgehoben und Dave Tucker hineingelegt. Johnny war ihr zur Hand gegangen. Sie hatten den Leichnam in eine Zeltplane eingewickelt, Erde auf ihn geschaufelt und dann gebetet ...

Der Sheriff hielt beim Brunnen an.

Alice trat in die Haustür.

Matt Winfield blieb im Sattel sitzen. Er griff nach seinem Hut, lüftete ihn ein wenig, neigte den Kopf wie zum Gruß, dann sagte er: "Ich ermittle wegen der getöteten Steeple Rock-Reiter. Sie und Dave haben drei von ihnen erschossen. Man hat mir zwei verschiedene Versionen des Tatherganges geschildert. Jetzt will ich von Ihnen hören, wie es sich zugetragen hat, Alice."

Alice nickte. "Vier der Schufte wollten mich vergewaltigen, als ich von der Stadt nach Hause fuhr. Dave kam dazu, tötete einen von ihnen und verwundete einen anderen. Big Amos ließ nicht lange auf sich warten. Er kam mit fast einem Dutzend Reiter, um Vergeltung zu üben. Sehen Sie Kugeleinschläge überall in der Hauswand, Sheriff? Das waren die Geschosse der Kettenhunde Big Amos'. Wir haben uns nur gewehrt."

"Ja", murmelte der Sheriff, "ich sehe eine Menge Kugeleinschläge." Winfield leckte sich über die Lippen. Etwas unbehaglich rutschte er im Sattel hin und her. Dann stieß er hervor: "John ist zurückgekehrt. Und es sieht ganz so aus, als hätte er vor, zu bleiben."

"Er hat mir seine Hilfe angeboten. Ich will sie nicht. Nachdem er damals fortgegangen ist, habe ich ihn gehasst. Im Laufe der Jahre aber wurde er mir egal. Er spielte keine Rolle mehr für mich. Für jeden Fremden habe ich mehr übrig als für ihn."

"Werden Sie bleiben, jetzt, nachdem Dave Tucker tot ist?"

"Im ersten Moment wollte ich aufgeben, Sheriff. Aber als ich die Nacht über keinen Schlaf fand und grübelte, wurde mir klar, dass ich nicht aufgeben darf. Ich werde zwei Cowboys für die Rancharbeit einstellen. Und ich wende mich an Sie, Sheriff. Sie vertreten das Gesetz und wissen genau, dass das, was Billinger veranstaltet, gesetzwidrig ist. Auf den Erwerb des Landes, das ich seit 13 Jahren beanspruche, hatte ich das Vorrecht. Das wurde nicht beachtet. Also wende ich mich ganz offiziell an Sie, Sheriff. Gebieten Sie Kraft Ihres Amtes Big Amos Einhalt. Außerdem werde ich mich an den Friedensrichter wenden. Er muss in einem Gerichtsverfahren meine Ansprüche bestätigen."

Winfield lachte gallig auf. "Mein Stern und ein richterlicher Entscheid interessieren Billinger nicht die Bohne, Alice. Er wird mit seinen Männern kommen und Sie von Haus und Hof vertreiben. Himmel, Alice, weshalb sind Sie nur so stur? Gestern wurde Dave Tucker getötet. Ich habe dabei gestanden und konnte nichts tun. Es war ein fairer Kampf ..."

"Machen Sie sich nicht lächerlich, Winfield", schnappte Alice. "Gegen Hendrik hatte Dave mit der Waffe nicht den Hauch einer Chance. Sie hätten einschreiten müssen, Winfield. Aber Sie waren wohl zu feige dazu. Sie befürchteten, dass Ihnen die Kerle von der Steeple Rock Ranch den Stern von der Weste reißen und Sie aus der Stadt jagen. Das ist doch der Grund, weshalb Sie nicht eingeschritten sind."

Der Sheriff errötete. In seinen Mundwinkeln zuckte es. Es sah so aus, als wollte er etwas sagen. Doch er schwieg. Wortlos zog er das Pferd herum und ritt von der Ranch.

Alice blickte ihm nach, bis sie ihn nicht mehr sehen konnte. Jeder Zug ihres schönen Gesichts drückte Verachtung aus.

Winfield ritt zwischen die Hügel. In ihm stritten sich die Gefühle. Er wusste selbst am besten um seine Schwäche Bescheid. Ja, verdammt, du bist zu schwach, um gegen diesen Strom aus Unduldsamkeit und menschenverachtender Härte anzuschwimmen, der von der Steeple Rock Ranch ausgeht. Was ist bloß aus dir geworden, Matt? Wie kannst du dich jeden Morgen rasieren und dein Gesicht guten Gewissens im Spiegel betrachten? Du müsstest dir eigentlich selbst vor die Füße spucken.

Der Sheriff erschrak, als ein Reiter sein Pferd um einen Hügel herumtrieb und ihm den Weg abschnitt. Er fiel seinem Tier in die Zügel.

Es war John Morgan.

Bei Winfield hielt er an.

Der Sheriff sagte: "Alice will bleiben und Big Amos die Stirn bieten. Sie hat davon gesprochen, zwei Cowboys einzustellen. Heiliger Rauch! Das verrückte Frauenzimmer will mit dem Kopf Wände einrennen."

"Was wolltest du auf der Ranch, Matt?"

"Ich ermittle wegen des Todes von drei Cowboys der Steeple Rock Ranch, John. Ich wollte hören, was Alice dazu zu sagen hat. Sie hat ihre Aussage gemacht. Es deckt sich mit dem, was Dave Tucker sagte und was du bestätigt hast. Heh, was treibst du dich hier in den Hügeln herum, John? Willst du den Schutzengel spielen?"

"Warum nicht? Ich denke, ich bin es Alice und den beiden Kindern schuldig." John Morgan räusperte sich. "Nun mal raus mit der Sprache, Winfield. Wie war das gestern, als Dave von Hendrik erschossen wurde? Hendrik hatte bereits eine Kugel in der Kammer, nicht wahr? Während Dave noch durchladen musste ..."

Die Miene des Sheriffs verkniff sich. Er stieß die verbrauchte Luft geräuschvoll durch die Nase aus. Es hörte sich an wie das Prusten eines Pferdes. Dann knirschte er: "Yeah. Hendrik hatte bereits durchgeladen. Es war kein fairer Kampf, John."

"Ich dachte es mir", knurrte John Morgan. Seine Mundwinkel bogen sich nach unten. Er sagte: "Der Stern an deiner Weste ist der blanke Hohn, Matt. Du degradierst das Gesetz zur Farce. Man sollte dir das Stück Blech herunterreißen und dich zum Teufel jagen."

Matt Winfield nickte schwer. "Ich weiß, John, ich weiß", kam es schleppend über seine Lippen. "Ich bin eine Schande für die Gilde der Sternträger. Ich gehe immer nur den Weg des geringsten Widerstandes. Du hast recht. Man sollte mir den Stern wohl wirklich herunterreißen ..."

Er trieb sein Pferd mit einem Schenkeldruck an und ritt an John Morgan vorbei.

"Du solltest dich auf den Eid besinnen, den du abgelegt hast", rief ihm John Morgan hinterher. "Du hast geschworen, dem Gesetz ohne Ansehen der Person Geltung zu verschaffen. Darauf solltest du dich besinnen, Matt."

Matt Winfield trafen diese Worte wie Peitschenhiebe. Er schien im Sattel zu schrumpfen.

 

 

13

Das Rudel kam um die Mittagszeit. Walt Hendrik führte es an. Es waren insgesamt sechs Reiter.

Alice sah sie kommen. "Setzt euch an die Wand, Belinda, Johnny, und bleibt dort sitzen. Zeigt euch unter keinen Umständen an einem der Fenster."

Die Frau holte sich das Gewehr aus dem Schrank und lud es durch. Sie ging zum Fenster, schob es hoch, baute sich daneben an der Wand auf und schob den Lauf der Winchester am Fensterstock vorbei ins Freie.

Johnny und Belinda saßen am Boden im Schutz der Wand. "Warum gibst du mir keine Waffe, Ma?", fragte der 13-Jährige. "Dave hat mir gezeigt, wie man mit dem Gewehr und dem Revolver schießt. Warum gibst du mir nicht den Revolver, der in der Truhe liegt?"

"Du bekommst ihn nicht, Johnny", sagte Alice mit Entschiedenheit im Tonfall. "Und jetzt sei still. Ich muss mich auf die Schufte konzentrieren."

Der Pulk verhielt im Ranchhof. Staub wölkte zwischen den Hufen. "Alice, bist du zu Hause?", rief Walt Hendrik. Er hatte scheinbar den Gewehrlauf noch nicht wahrgenommen, der aus dem Fenster des Ranchhauses ragte.

"Ich bin am Fenster und ziele auf dich, Hendrik. Du brauchst nichts zu sagen. Ich weiß, was euch hergetrieben hat. Keine Chance, Hendrik. Ich bleibe. Und jetzt nehmt eure Pferde herum und haut ab. Ihr habt auf meinem Grund und Boden nichts verloren."

"Es ist Grund und Boden der Steeple Rock Ranch", rief der Vormann. "Wenn sich jemand hier widerrechtlich aufhält, dann bist du das. Gib Acht, was ich dir zu sagen habe. Nachdem Dave Tucker tot ist, will Big Amos die leidige Angelegenheit in Frieden lösen. Er gibt dir noch einmal drei Tage Zeit, um die Ranch zu räumen. Pack alles, was du mitnehmen willst, auf einen Wagen und verlass zusammen mit deinen Kindern das Land. Drei Tage, Alice. Dann kommen wir wieder. Wenn du dann noch hier sein solltest, wird es hart für dich."

"Ihr könnt mir nicht drohen", rief Alice. "Ich habe mich an den Sheriff gewandt. Und ich werde das Gericht einschalten, damit meine Besitzansprüche geklärt werden. Sollte mir etwas zustoßen, wird das eine Reihe unangenehmer Fragen nach sich ziehen. Billinger sollte sich tunlichst zurückhalten."

"Sag, was du willst, Alice. Du hast es vernommen. Drei Tage! Wenn du nach Ablauf dieser drei Tage noch hier bist ..." Vielsagend brach Hendrik ab. Er zog sein Pferd herum und ritt an. Seine Männer folgten ihm.

Alice ließ das Gewehr sinken und trat an das Fenster. Sie starrte den Reitern hinterher. Ihre Halsschlagader pochte erregt. Resignation wollte sie befallen. Plötzlich erschien ihr alles so sinnlos, kam es ihr töricht vor, sich an etwas zu klammern, was sie wohl niemals würde halten können. Sie musste verlieren. Sie war zum Untergang verdammt, wenn sie blieb.

Versonnen wandte sie sich vom Fenster ab. Gedankenvoll musterte sie ihre beiden Kinder. Ihre Schultern strafften sich. Ihr Gesicht nahm wieder einen entschlossenen Ausdruck an. Sie würde in drei Tagen wieder mit der Waffe am Fenster stehen ...

Währenddessen ritten die Männer von der Steeple Rock Ranch zwischen die Hügel. Die Ranch lag westlich des Blue Creek am Steeple Rock, dem sie auch ihren Namen verdankte. Es war ein turmartiger Felsen, der alles überragte.

Als ein Reiter sein Pferd hinter einem Hügel hervor trieb, zügelten sie.

Bei dem Reiter handelte es sich um John Morgan. Er hielt das Gewehr in der rechten Hand. Mit der Kolbenplatte stand es auf seinem Oberschenkel. Furchtlos ritt er näher. Etwa drei Pferdelängen vor den Reitern hielt er an. "Ihr kommt von der Morgan-Ranch. Ich habe euch beobachtet. Du solltest Alice in Ruhe lassen, Hendrik. Ich habe mich entschlossen, in der Gegend zu bleiben. Sollte die Steeple Rock Ranch Alice und ihren Kindern weiterhin zusetzen, müsst ihr mit mir rechnen."

Walt Hendrik schürzte verächtlich die Lippen. Dann stieß er hervor: "Glaubst du, wir fürchten uns vor dir? Spiel dich nur nicht so auf, Morgan. Von dir nimmt in dieser Gegend kein Hund ein Stück Wurst. Wenn du dich als Beschützer der Hure von der Morgan-Ranch aufspielen willst, werden wir dich schneller aus dem Weg fegen, als du denken kannst."

"So wie Dave Tucker, wie?"

"Tucker war ein Pinscher ..."

"Den du ermordet hast, Hendrik. Ich weiß, dass du eine Kugel im Lauf hattest, während Tucker noch laden musste. Es war Mord, Hendrik. Und du wirst dich dafür verantworten müssen. Du weißt sicherlich, dass man in unserem Land für Mord gehängt wird."

"Wer sollte mich anklagen, Morgan? Du etwa?" Hendrik grinste überheblich.

Einer der Reiter, die ihn begleiteten, knurrte: "Was reden wir überhaupt mit ihm. Warum stutzen wir ihn nicht auf seine richtige Größe zurecht? Dann wird es ihm vergehen, die große Lippe zu riskieren."

John Morgan nahm das Gewehr in die Waagerechte. Die Linke umfasste jetzt den Schaft. Drei Finger steckten im Ladebügel, der Zeigefinger lag um den Abzug. "Worauf wartet ihr?"

Walt Hendrik entging nicht, dass das Gewehr auf ihn gerichtet war. Unbehaglich zog er die Schultern an. Von John Morgans Miene konnte er ablesen, dass Morgan nicht zögern würde, abzudrücken. Hendrik sagte: "Du redest Unsinn, Morgan. Der Kampf, den ich mit Tucker austrug, war fair. Er hatte jede erdenkliche Chance. Ich war eben schneller."

"Man wird dir eine höllische Rechnung für den Mord präsentieren, Hendrik", versetzte Morgan. "Nimm dir meine Warnung zu Herzen. Ich dulde nicht, dass ihr Alice terrorisiert. Bestell das Amos Billinger. Bestellt ihm auch, dass ich morgen oder übermorgen zu ihm auf die Steeple Rock Ranch kommen werde, um ihm persönlich zu sagen, dass er die Finger von der Morgan-Ranch lassen soll."

"Du bist größenwahnsinnig, Morgan."

"Vielleicht. Vielleicht besitze ich aber auch das Format, um es mit Billinger und dir aufzunehmen."

Mit dem letzten Wort trieb John Morgan sein Pferd zur Seite, um die Reiter von der Steeple Rock Ranch passieren zu lassen. Er ließ sie nicht einen Augenblick aus den Augen. Denn er traute diesen Kerlen jede Schandtat zu.

Walt Hendrik ritt nahe an Morgan heran. Er zeigte die Zähne und sagte: "Du bist so gut wie tot, Morgan. Vielleicht schicke ich dich sogar eigenhändig in die Hölle. Billinger macht mit seinen Feinden kurzen Prozess. Du wirst es sehen."

Morgan erwiderte darauf nichts.

Das Rudel zog an ihm vorbei. Als es um einen Hügel verschwunden war, zog John Morgan das Pferd um die linke Hand und ritt an ...

 

 

14

Amos Billingers Zähne knirschten übereinander. Er hatte in der Halle seines Ranchhauses eine unruhige Wanderung aufgenommen. Die Hände hatte er auf dem Rücken verschränkt.

Walt Hendrik stand beim offenen Kamin und hielt seinen Hut in der Hand.

Plötzlich blieb Billinger stehen. Er nahm Front zu Hendrik ein und grollte. "Warum habt ihr John Morgan nicht niedergemacht? Ihr wart zu sechst."

"Er zielte mit dem Gewehr auf mich", murmelte Hendrik. "Und er hätte geschossen. Ich wollte nichts riskieren."

"Er will auf die Steeple Rock Ranch kommen?" Billinger nahm seine Wanderung wieder auf. Fünf Schritte hin, fünf Schritte zurück. "Was will er hier?"

"Wahrscheinlich will er dich warnen. Wir müssen mit ihm rechnen, drohte er, wenn wir Alice nicht in Ruhe lassen. John Morgan ist ein ziemlich beachtlicher Bursche geworden, Boss. Er sieht nicht aus wie ein Mann, der leere Sprüche klopft."

"Warum ist dieser verdammte Hundesohn nach 12 Jahren plötzlich wieder nach Hause zurückgekehrt? Genau zu einer Zeit, in der wir ihn ganz und gar nicht hier brauchen können?"

Darauf konnte Walt Hendrik seinem Boss keine Antwort geben.

Amos Billinger erwartete aber auch gar keine Antwort. Er fuhr fort: "Wir warten nicht ab, bis er auf die Ranch kommt. Nimm dir ein paar Mann und reite in die Stadt, Walt. Schickt John Morgan in die Hölle."

"Fürchtest du ihn?"

"Ich?" Billinger tippte sich mit dem Daumen gegen die Brust. "Ich fürchte keinen Menschen auf dieser Welt. Aber John Morgan kann uns Ärger bereiten. Und dem will ich vorbeugen."

"Ich nehme Jim Balder, Ringo Jackson und Brad Carrington mit, Boss. Die drei können mit dem Schießeisen besser umgehen als mit dem Lasso. Gegen sie hat John Morgan keine Chance."

"Du hast völlig freie Hand, Walt."

"Wir werden Morgan durch Sonne, Mond und Sterne blasen, Boss. Du wirst es sehen. Er ist ein toter Mann."

"Das will ich auch hoffen."

Walt Hendrik verließ das Ranchhaus. Er ging hinüber zur Mannschaftsunterkunft, betrat sie und rief: "Balder, Jackson, Carrington wir haben einen Job zu erledigen. Ich lasse für uns Pferde satteln."

Eine Viertelstunde später ritten die vier Kerle von der Ranch ...

 

 

15

Matt Winfield war in die Stadt zurückgekehrt. Vor dem Saloon standen zwei Pferde am Holm. Der Sheriff ritt hin und stellte fest, dass sie den Steeple Rock-Brand trugen. Winfield saß ab, band sein Pferd an den Haltebalken und betrat den Saloon.

Die beiden Steeple Rock-Männer standen am Tresen und tranken Bier. Winfield kannte sie. Es waren Lance Lorimer und Bill Shaugnessy.

Matt Winfield presste in einem Anflug von Bitterkeit die Lippen zusammen. Dann stellte er sich neben die beiden Cowboys an die Theke und stieß hervor: "Hat euch Big Amos in die Stadt geschickt, damit ihr aufpasst, dass ich auch linientreu bleibe? Befürchtet er, dass ich die Seiten wechseln könnte, nachdem John Morgan wieder im Land ist?"

Die beiden Weidereiter musterten ihn verständnislos. Dann sagte Lance Lorimer: "Big Amos hat mich gefeuert, weil ich es wagte, Kritik an einer seiner unseligen Entscheidungen zu üben. Er hat mir meinen Restlohn ausgezahlt und mir gedroht, mich mit der Peitsche aus dem Land zu jagen, sollte ich mich noch einmal auf der Steeple Rock-Weide blicken lassen."

"Ich habe meinen Namen freiwillig von Big Amos' Lohnliste streichen lassen", gab Bill Shaugnessy zu verstehen. "Es entspricht nicht meiner Einstellung, gegen Frauen und Kinder die Waffe zu schwingen. Deshalb bin ich ausgestiegen."

"Du sprichst von Alice Morgan und ihren Kindern, nicht wahr?", stieß Matt Winfield hervor.

"Ja. Billinger führte uns zur Morgan-Ranch, um auf seiner Weide klare Verhältnisse herzustellen. So drückte er sich zumindest aus. Als wir bei der Ranch waren, mussten wir sie umstellen und angreifen. Nur Gott weiß, wie das alles geendet hätte, wenn nicht plötzlich jemand eingegriffen und uns gezwungen hätte, die Sache abzubrechen."

"Dieser Jemand war John Morgan", sagte Matt Winfield. "Alices Mann und der Vater Johnnys. Alice sagte mir heute, dass sie zwei Cowboys einstellen will. Wäre das kein Job für euch?"

"Ein rauchiger Job unter Umständen", murmelte Lance Lorimer.

"In den Sattel der Morgan-Ranch zu steigen hieße das Schicksal herausfordern", gab Bill Shaugnessy zu verstehen.

Der Sheriff stieß sich vom Tresen ab. "Verständlich, dass ihr unter den gegebenen Umständen nicht für Alice reiten wollt. Seht zu, dass ihr Land gewinnt, Jungs. Es ist nicht auszuschließen, dass am Abend Steeple Rock-Reiter in die Stadt kommen. Möglich, dass sie nicht gut auf euch zu sprechen sind. Heh, wieso reitet ihr Pferde mit dem Steeple Rock-Brand? Hat Big Amos euch die Tiere geschenkt? Das kann ich ja kaum glauben."

"Wir haben die Pferde bezahlt", erwiderte Lorimer. "Schon vor längerer Zeit. Als Cowboy auf der Steeple Rock Ranch bist du für alles selbst verantwortlich. Für deine Bewaffnung und für dein Pferd. Billinger hat für jedes der Tiere 50 Dollar kassiert. Das sind fast zwei Monatslöhne gewesen."

"So müsst ihr wenigstens nicht zu Fuß das Land verlassen", knurrte Matt Winfield. "Ich rate euch, zu reiten. Sollten ehemalige Kameraden von euch auftauchen, kann es leicht Verdruss geben. Möglicherweise wollen sie Big Amos ihre Loyalität beweisen, indem sie euch die Flötentöne beibringen. Ich will aber keinen Verdruss in der Stadt haben. Also reitet beizeiten."

"Es ist bekannt, Sheriff, dass du jedem Verdruss aus dem Weg gehst", sagte Bill Shaugnessy. "Nur darum kann es sich Billinger erlauben, mit brachialer Gewalt gegen Alice Morgan und ihre Kinder vorzugehen."

Der Sheriff biss die Zähne zusammen und schritt aus dem Schankraum. Er leinte sein Pferd los und führte es schräg über die Straße zum Sheriff's Office. Es verfügte über einen eigenen Pferdestall.

Am Ende der Stadt tauchte ein Reiter auf.

Matt Winfield hielt an und blickte ihm entgegen. Es war John Morgan. Er erreichte den Sheriff und parierte das Pferd.

"Hast du dir Hendrik geschnappt, nachdem du weißt, dass er unfair gekämpft hat?", fragte Winfield.

"Nein. Ihn zur Verantwortung zu ziehen ist Sache des Gesetzes, Matt. Ich bin weder Richter noch Henker. Ich habe mit Hendrik gesprochen. Und ich habe ihn gewarnt. Morgen oder übermorgen werde ich zur Steeple Rock Ranch reiten. Ich will mit Amos Billinger reden."

"Rechnest du dir einen Erfolg aus? Gütiger Gott, John! Worten ist Big Amos nicht zugänglich. Er versteht nur eine Sprache und das ist die Sprache der Gewalt. Wer nicht für ihn ist, ist gegen ihn. Und wer gegen ihn ist, ist sein Feind, und den vernichtet er."

"Weil das so ist, vertrittst du sein Gesetz, Matt. Ich habe dir schon gesagt, was ich davon halte."

John Morgan trieb mit einem Schenkeldruck sein Pferd an. Ein Zug eisiger Verachtung lag um Morgans Mund.

Winfield verschwand mit seinem Pferd in der Gasse, die am Sheriff's Office vorbeiführte und durch die man in den Hof mit dem Stall gelangte. Das Wissen, von John Morgan auf das Tiefste verachtet zu werden, nagte und fraß in dem Sheriff.

John Morgan brachte sein Pferd in den Mietstall und ging dann in den Saloon, um etwas zu essen. Ihm war nicht entgangen, dass die beiden Pferde am Holm den Steeple Rock-Brand trugen. Völlig unbeeindruckt betrat John Morgan den Schankraum und setzte sich an einen leeren Tisch. Die beiden Cowboys, die zu den Pferden am Holm gehörten, standen am Tresen.

Der Keeper kam. John Morgan bestellte einen Krug Bier und ein Steak mit Bratkartoffeln und Bohnen.

Als er das Bier hatte, trank er durstig. Über den Rand des Kruges hinweg beobachtete er die beiden Männer am Tresen.

Einer von ihnen setzte sich in Bewegung und kam auf seinen Tisch zu. Jähe Anspannung erfasste John Morgan. Er setzte den Krug mit einem Ruck ab und blickte dem Burschen entgegen, ohne den anderen, der an der Theke stehengeblieben war, aus den Augen zu lassen.

"Mein Name ist Lorimer", stellte sich der Bursche vor, als er den Tisch erreichte. "Lance Lorimer. Du bist John Morgan, nicht wahr?"

"Was dagegen?" John Morgan ahnte, dass ihm die beiden Kerle Ärger bereiten wollten. Er saß sozusagen auf dem Sprung. Mit helläugiger Reglosigkeit musterte er Lorimer.

"Nein. Der Sheriff sagte uns vorhin, dass die Morgan-Ranch zwei Cowboys beschäftigen will. Zunächst lehnten wir ab, weil es uns zu heiß schien, den Sattel einer Ranch zu quetschen, der Big Amos Billinger den Todesstoß versetzen will. Dann aber sind Bill und ich uns einig geworden, dass ..."

John Morgan unterbrach den Mann, indem er sagte: "Ich weiß davon nichts. Ihr müsst euch schon an Alice Morgan wenden. Sie ist der Boss auf der Ranch. Ich gehöre nicht dazu. Also wendet euch an Alice, wenn ihr einen Job braucht. Allerdings glaube ich nicht, dass sie euch einstellt. Ihr seid Steeple Rock-Männer ..."

"Wir >waren< Steeple Rock-Männer. Wir ritten mit Billinger, als er mit seiner Mannschaft die Morgan-Ranch angriff. Es wäre für Alice und Dave Tucker schlimm ausgegangen, wenn sich nicht plötzlich einer eingemischt hätte, mit dem Billinger gewiss nicht gerechnet hat. Vom Sheriff wissen wir, dass du das warst."

"So ist es. Und ich werde auch weiterhin mitmischen. Nehmt es zur Kenntnis und bestellt es auch eurem Boss."

"Du schätzt uns völlig falsch ein, Morgan. Sicher, der Anschein spricht gegen uns. Aber wir reiten wirklich nicht mehr für die Steeple Rock Ranch. Uns interessiert der Job auf der Morgan-Ranch."

"Ein Job auf der Morgan-Ranch ist nicht gerade erstrebenswert bei der derzeitigen Situation", erwiderte John Morgan. "Aus welchem Grund wollt ihr dennoch in Alice Morgans Sattel steigen?"

"Vielleicht sind wir verrückt. Aber ein Mann sollte zu etwas gut sein auf der Welt. Wir halten es für unsere Pflicht, der Frau gegen Billinger beizustehen."

John Morgan schaute zweifelnd. Er wollte nicht so recht glauben, was dieser Lorimer von sich gegeben hatte. Das Misstrauen saß tief. Sicher, man sagte den Cowboys übertriebene Ritterlichkeit gegenüber Frauen nach. Aber dass diese beiden ihr Leben riskieren wollten, erschien Morgan ziemlich zweifelhaft. Er war vielmehr davon überzeugt, dass Amos Billinger zwei Spitzel bei Alice einschleusen wollte, die ihr und jedem, der zu ihr hielt, in den Rücken fallen sollten.

In diesem Moment zogen vier Reiter am Saloon vorbei. Es waren Walt Hendrik und seine drei Begleiter.

Lance Lorimer begann an seiner Unterlippe zu nagen. Dann sagte er: "Sieht aus, als hätte Billinger seine Kettenhunde von der Leine gelassen. Es sind Balder, Jackson und Carrington, die Hendrik begleiten. Drei Kerle, denen das Schießeisen höllisch locker sitzt. Würde mich nicht wundern, wenn Billinger dieses Quartett geschickt hätte, damit es dir die Hammelbeine langzieht, Morgan."

"Waren sie auch auf der Morgan-Ranch dabei?", fragte John Morgan.

"Natürlich. Diese drei Burschen hüten keine Kühe. Sie beschäftigt Big Amos nur, damit sie ihm sämtliche Steine aus dem Weg räumen, über die er auf seinem Weg zu Macht und Ansehen stolpern könnte."

Über den Vorbau polterten Schritte. Dann waren Kopf und Schultern eines Mannes über den geschwungenen Rändern der Flügeltür zu sehen. Er stieß die Türpendel auf und trat in den Schankraum. Zwei weitere Kerle folgten ihm, zuletzt kam Walt Hendrik. Ein Hauch von Gefahr und Gewalttätigkeit lag plötzlich in der Luft. Er berührte John Morgan wie etwas Stoffliches, Greifbares, streifte ihn wie ein eisiger Atem ...

 

 

16

Ohne John Morgan zu beachten, staksten die vier Männer zum Schanktisch. Dort wandten sie sich um. "Sieh an", sagte Hendrik laut. "Lorimer und Shaugnessy. Hat euch Billinger nicht geraten, das Land unverzüglich zu verlassen?"

"Doch", versetzte Bill Shaugnessy grollend. "Das hat er. Aber wir haben Station in der Stadt gemacht. Das kann uns niemand verbieten. Selbst Big Amos nicht, wenn er sich auch für den ungekrönten König dieses Landstrichs hält. Auf Steeple Rock-Land befinden wir uns ja nicht."

Lance Lorimer, der noch beim Tisch John Morgans stand, rief: "Billinger ist nicht allmächtig. Wir sind freie Männer in einem freien Land. Wir lassen uns von Billinger keine Vorschriften machen. Heh, Hendrik, ich sehe es dir an der Nasenspitze an, dass du es nicht durchgehen lassen willst, dass wir uns Big Amos' Anordnung nicht gebeugt haben. Aber denk nur nicht, dass wir uns fürchten. Vielleicht macht ihr uns klein. Aber auch ihr werdet Federn lassen."

Lorimer hatte, während er sprach, seine Rechte auf den Revolverknauf gelegt.

John Morgan fühlte ganz deutlich, dass diese Auseinandersetzung nicht gespielt war. Lorimer hatte also die Wahrheit gesprochen, als er sagte, dass er und Shaugnessy nicht mehr für die Steeple Rock Ranch ritten.

Morgan lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Seine Hand hing locker neben dem Griff des Revolvers. Die Anspannung hatte die Linien um seinen Mund vertieft. Er sagte in die eingetretene Stille hinein: "Du bist doch sicher aus einem guten Grund nach Redrock gekommen, Hendrik. Hast du Billinger bestellt, was ich dir sagte?"

Hendrik neigte den Kopf. "Er legt keinen Wert auf deinen Besuch, Morgan. Billinger verhandelt nicht mit Pinschern wie dir. Er ist aber der Meinung, dass in diesem Land kein Platz ist für dich."

"Um mir das klar zu machen seid ihr gekommen, nicht wahr?"

"Du erwartest doch nicht, dass ich dir hierauf eine Antwort gebe, Morgan. Aber die Gelegenheit ist günstig. Ja, wir werden dir klar machen, dass es hier keinen Platz für dich gibt. Wenn wir mit dir fertig sind, bist du so klein mit Hut." Hendrik zeigte mit Daumen und Zeigefinger einen Abstand von etwa einem halben Zentimeter an. Er grinste boshaft.

Da erklangen wieder Schritte auf dem Vorbau. Im nächsten kam Sheriff Matt Winfield in den Saloon. Er hielt eine Schrotflinte im Hüftanschlag. Mit einer Stimme, die zuweilen die Härte von Stahl annahm, rief er: "Keine Schießerei in der Stadt. Jedem, der nach dem Revolver greift, schicke ich eine Ladung Schrot. Hendrik, falls du mit den drei Schießern gekommen bist, um hier den Teufel aus dem Sack zu lassen, dann schreib dir hinter die Ohren, dass ab heute wieder ein anderer Ton in Redrock herrscht. Die Zeit, in der hier Billinger den Ton angab, ist vorbei. Verlasst auf der Stelle die Stadt. Und bestellt Billinger, dass ich mich wieder auf den Eid besonnen habe, den ich irgendwann mal ablegte."

"Bist du übergeschnappt, Walt?", platzte es über Hendriks Lippen. Ungläubig, als hätte Winfield etwas ganz besonders Blödsinniges von sich gegeben, starrte er den Sheriff an.

Auch John Morgan glaubte sich verhört zu haben. Verdutzt musterte er Matt Winfield. Aber dessen Gesichtsausdruck ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, dass er das, was er von sich gegeben hatte, auch so meinte.

Die Hände der drei Kerle, die Hendrik begleiteten, tasteten sich in die Nähe der Revolver.

"Klinge ich wie einer, der übergeschnappt ist?", stieß Winfield hervor. "Und jetzt zieht Leine. Ich will in fünf Minuten keinen von euch mehr in der Stadt sehen. Redrock ist ab sofort für die Reiter der Steeple Rock Ranch gesperrt. Jeden, den ich in der Stadt erwische, sperre ich ein, bis er schwarz ist."

Entgeistert starrte Hendrik den Sheriff an, dessen Worte wie ein Manifest geklungen hatten. Es dauerte eine Weile, bis der Vormann sie verarbeitet hatte. Dann keuchte er: "Du bist tatsächlich verrückt geworden, Winfield. Was hat diese Wandlung bei dir bewirkt? Hängt es mit dem plötzlichen Auftauchen John Morgans zusammen?"

"Möglich. Sehr wahrscheinlich sogar. Ich habe in den vergangenen Jahren versagt. Das ist mir heute so richtig bewusst geworden. Ich war eine Marionette, deren Fäden Billinger in den Händen hielt. Aber das ist vorbei. Billinger wird sich ebenso wie jeder andere Bürger unseres Landes an Gesetz und Ordnung halten müssen, oder er fällt auf die Nase."

"Ich werde es ihm ausrichten", versprach Walt Hendrik und setzte sich in Bewegung. Die drei Revolvermänner folgten ihm. Matt Winfield nickte John Morgan zu, dann folgte er den vier Kerlen nach draußen. Er beobachtete, wie sie ihre Pferde losleinten, aufsaßen und die Straße hinunter ritten.

Dann kehrte er in den Schankraum zurück.

Lorimer stand wieder am Tresen.

"Du bist also über deinen Schatten gesprungen, Matt", sagte John Morgan beeindruckt. "Wieso dieser jähe Gesinnungswechsel? Hast du plötzlich keine Angst mehr, dass Big Amos mit seiner Mannschaft nach Redrock kommt, um die Stadt niederzureißen?"

"Du hast mir die Augen geöffnet, John. Ja, ich war ein jämmerlicher Gesetzeshüter in all den Jahren, seit Amos Billinger begonnen hat, in diesem Landstrich den Ton anzugeben. Sicher, ich lebte in Ruhe und Frieden. Aber wenn ich jetzt so zurückblicke, dann schäme ich mich. Ich war früher mal ein ziemlich guter Sheriff. Das glaube ich von mir behaupten zu dürfen. Und so soll es ab heute wieder sein. Ich will wieder Achtung vor mir selbst haben."

"Und ihr beide? Seid ihr immer noch an einem Job auf der Morgan-Ranch interessiert?", so wandte sich Morgan an die beiden Cowboys.

Lorimer sagte: "Gewiss, Morgan. Jetzt erst recht. Ich denke, dass im Land am Blue Creek bald wieder ein anderer Wind weht. Wir wollen dabei sein, wenn Big Amos von seinem hohen Ross heruntergeholt wird."

Der Cowboy grinste scharf.

"In Ordnung", sagte John Morgan. "Ich begleite euch zur Ranch. Und wundert euch nicht, wenn Alice mich auffordert, zu verschwinden."

"Nach allem, was wir wissen, ist es ihr nicht zu verdenken, dass sie dich nicht mehr sehen will, Morgan", grinste Bill Shaugnessy.

"Nehmt einen Drink auf meine Rechnung", knurrte John Morgan. "Wenn ich gegessen habe, reiten wir."

"Wirst du auch auf der Ranch bleiben, John?", wollte der Sheriff wissen.

"Dagegen wird Alice eine Menge einzuwenden haben."

 

 

17

Am Abend dieses Tages kamen drei Reiter nach Redrock. Sie ritten den Mietstall an, saßen im Wagen- und Abstellhof ab und führten die Tiere am Zaumzeug durch das geöffnete Stalltor.

Der Stallmann kam ihnen entgegen. Er taxierte die Männer und die Pferde und murmelte: "Ihr seht aus, als hätte euch die Hölle ausgespuckt. Seid ihr durch die Felswüste geritten? Erst vor wenigen Tagen kam einer hier an, der ebenso fertig aussah."

Einer der Kerle sagte: "Nannte der Hombre seinen Namen?"

"Ja. Er lautet John Morgan. Er lebte früher schon mal hier in der Gegend. Am Blue Creek. Dort gründete er mit seiner Frau vor 13 Jahren eine Ranch. Ein Jahr später verschwand er spurlos."

"Ist John Morgan noch in der Stadt?"

"Reitet ihr etwa auf seiner Fährte?"

Die dünne Schicht aus Staub und Schweiß, die das Gesicht des Mannes überzog, brach, als er breit grinste. "Ja, wir sind hinter ihm her. Und wenn wir ihn erwischen, bekommt der Totengräber Arbeit. Also sag schon: Befindet sich Morgan in der Stadt?"

Der Stallmann trat von einem Bein auf das andere, druckste herum und begriff, dass er einen Fehler begangen hatte, als er den drei Sattelstrolchen von Morgan erzählte. Schließlich sagte er: "Nein. Er ist am Nachmittag mit zwei Cowboys zum Blue Creek geritten."

"Zu seiner Ranch?"

Der Stallmann nickte. Er machte dazu ein Gesicht, als hätte man ihn mit einer Zitrone gefüttert.

"Wird er wieder in die Stadt kommen?"

"Das ist anzunehmen. Seine Frau will ihn auf der Ranch nicht mehr haben, nachdem er sie vor 12 Jahren verließ. Ja, John Morgan wird wohl in die Stadt zurückkommen."

"Was will er denn auf der Ranch, wenn seine Frau nichts mehr von ihm wissen möchte?

"Die Steeple Rock Ranch setzt Alice Morgan ziemlich zu. Walt Hendrik, der Vormann der Ranch, hat gestern den Vater ihres zweiten Kindes erschossen. Ich denke, John Morgan hat es sich in den Kopf gesetzt, seiner Frau beizustehen. Auch gegen ihren Willen."

"Ein Weidekrieg also. Alice Morgan gegen die Steeple Rock Ranch. Wie interessant. Ob die Steeple Rock Ranch ein paar Kerle wie uns beschäftigt?"

"Möglich. Reiten Sie einfach hinüber zum Steeple Rock. Sie finden ihn etwa 12 Meilen nordwestlich von Redrock. Der Felsen ist schon von weitem zu sehen. An seinem Fuß liegt die Ranch. Folgen Sie einfach dem Weg, der sich fünf Meilen weiter westlich gabelt. Nehmen Sie die Weggabelung nach rechts. Dann können Sie die Ranch gar nicht verfehlen."

"Wohin führt denn die linke Weggabelung?"

"Zur Morgan-Ranch."

"Aha. Diese Alice Morgan hat also Kinder."

"Ja. Einen Sohn und eine Tochter. Der Junge, Johnny, ist John Morgans Sohn."

"Gut, das zu wissen. In Ordnung. Wir werden morgen zur Steeple Rock Ranch reiten. Wie heißt der Ranchboss?"

"Amos Billinger. Aber jeder im Land nennt ihn nur Big Amos."

"Hört sich nach einem mächtigen und einflussreichen Mann an. Nun, wir werden es sehen ..."

Die drei Reiter nahmen ihre Satteltaschen und Gewehre und verließen den Mietstall.

Der Stallmann wartete, bis sie verschwunden waren, dann lief er zum Hoftor. Er schaute in die Richtung, in die die drei Kerle marschiert waren, und sah sie in den Saloon gehen.

Der Stallbursche rannte zum Sheriff's Office...

 

 

18

"Vielen Dank, Smithy", sagte Sheriff Matt Winfield.

"Keine Ursache", murmelte der Stallmann. "Ich dachte nur, dass man John Morgan vielleicht warnen sollte. Die drei Kerle sehen aus wie Burschen vom heißen Eisen."

Der Stallbursche verließ das Office.

Matt Winfield nahm seine Shotgun und folgte dem Stallmann ins Freie. Er ging zum Saloon. Die drei Fremden standen am Schanktisch.

Winfield betrat den Gastraum. Die Aufmerksamkeit der drei Fremden richtete sich auf ihn. Hämisches Grinsen zog ihre Lippen in die Breite.

Der Sheriff stellte sich neben die drei an den Schanktisch und sagte: "Ihr seid in die Stadt gekommen, weil ihr auf der Fährte eines Mannes reitet. Warum?"

"Er hat in Kingman einen meiner Freunde erschossen. Und vier weitere Freunde von mir blieben in Casa Grande auf der Strecke."

"Hatte er einen Grund, Ihre Freunde zu erschießen?"

"Er trug einen Stern. Aber wen interessiert das? Ich bin hier, um von ihm Rechenschaft zu fordern."

"Sie wollen morgen zur Steeple Rock Ranch reiten?"

"Aaah, der Stallmann, wie?"

"Ja, Smithy hat mich unterrichtet. Er sagt mir immer Bescheid, wenn Fremde nach Redrock kommen und längere Zeit zu bleiben gedenken. Wie ist Ihr Name, Mister?"

"Kenneth Brown. Freunde nennen mich Ken." Der Bandit grinste breit.

"Ich dulde in der Stadt keine Schießerei", stieß Winfield mit Entschiedenheit im Tonfall hervor. "Und ich trete jedem auf die Zehen, der sich an dieses Gebot nicht hält."

Brown wandte sich halb ab, griff nach dem Whiskyglas und nippte daran. Dann sagte er: "Ich kann es kaum erwarten, dass du versuchst, mir auf die Zehen zu treten, Sheriff. Ich sagte es bereits: Ein Stern interessiert mich nicht. Ich benutze ihn allenfalls als Zielscheibe. Also sieh zu, alter Mann, dass ich dir nicht ein Loch hineinstanze."

Sheriff Winfield schwang herum und schritt zur Tür. Die drei Kerle lachten spöttisch. Winfield stockte für einen Augenblick im Schritt, in seinem Gesicht arbeitete es. Für einen Moment sah es ganz so aus, als wollte er sich noch einmal umwenden, doch dann gab er sich einen Ruck und ging weiter.

Er begab sich in sein Büro, stellte die Schrotflinte in den Gewehrschrank und angelte sich eine Winchester. Dann verließ er das Office durch die Hintertür und ging in den Stall, sattelte und zäumte sein Pferd und führte es in den Hof. Winfield saß auf und trieb das Tier an. Er ritt nicht auf der Main Street, um die Stadt zu verlassen, sondern hinter den Häusern entlang und wandte sich nach Westen.

Die Dunkelheit nahm zu. Hoch oben trat der Abendstern aus dem dunkler werdenden Blau hervor. Die Berggrate stießen spitz und bizarr in den Himmel sie muteten an wie verwitterte Grabsteine in einem rauen und wilden Land, das oft auch menschenfeindlich und grausam war, das jeden vernichtete, der nicht stark genug war, sich zu behaupten.

Winfield ließ sein Pferd laufen.

Nach einer Stunde scharfen Rittes erreichte Winfield die Morgan-Ranch. Aus zwei Fenstern des Haupthauses fiel Licht. Der Hufschlag seines Pferdes rollte dem Sheriff voraus zwischen die Gebäude.

"Wer ist da?", rief eine dunkle Stimme.

"Sheriff Winfield? Bist du es, John?"

"Ja. Was treibt dich zum Blue Creek, Matt?"

Der Sheriff ritt bis vor das Haupthaus und ließ sich vom Pferd gleiten.

Über den Hof kam John Morgan. Feiner Sand mahlte unter seinen Schritten. Das Leder seiner Stiefel knarrte leise.

"Drei Kerle vom schnellen Eisen sind in Redrock eingetroffen, John. Sie reiten auf deiner Fährte. Einer von ihnen heißt Kenneth Brown."

John Morgan war heran. Er sagte: "Alice hat Lorimer und Shaugnessy eingestellt. Und sie hat es mir gestattet, die Nacht in der Scheune zu verbringen." Morgan seufzte. "Brown hat also meine Spur aufnehmen können." Er deutete ein bitteres Lächeln an, dann fuhr er fort: "Es ist wohl so, dass man seiner Vergangenheit niemals entkommt. Ich erschoss einen Freund von Brown in Kingman. Er war ein Mörder. Ich trug den Stern. In Casa Grande nahm ich den Stern in derselben Stunde, in der Brown und vier seiner Kumpane in der Stadt eintrafen. Es gab einen Kampf. Nur Brown entkam. Und jetzt hat er mich eingeholt."

"Die drei Kerle haben vor, auf der Steeple Rock Ranch anzuheuern."

"Haben sie dir das auf die Nase gebunden?"

"Nein. Sie sprachen zu Smithy davon. Ich wollte dich nur warnen, John. Es wäre nicht gut, wenn du ahnungslos in die Stadt zurückkämst und dir das höllische Trio in den Weg träte."

"Ich reite mit dir nach Redrock", erklärte John Morgan. "Sich zu verstecken hat keinen Sinn."

"Ich dachte es mir", murmelte der Sheriff.

Ein Fenster des Haupthauses wurde hochgeschoben. "Was ist los?", erklang eine Frauenstimme. "Wer ist auf die Ranch gekommen?"

"Der Sheriff", antwortete John Morgan. "Ich reite mit ihm in die Stadt."

"Gibt es dafür einen besonderen Grund?"

"Ja. Aber es soll dich nicht interessieren, Alice."

Die Tür eines flachen Gebäudes, das an das Haupthaus angebaut war, öffnete sich knarrend. Ein Mann rief: "Ist es notwendig, dass Bill und ich mitkommen?"

Es war Lance Lorimer.

"Nein", versetzte John Morgan. "Bleibt ihr hier auf der Ranch und steht im Falle des Falles Alice bei. Ich komme alleine zurecht."

Morgan ging zum Stall, öffnete das Tor und zündete eine Laterne an, die an einem Balken hing. Lichtschein kroch auseinander. Der Mann sattelte sein Pferd, legte ihm das Kopfgeschirr an und führte es in den Hof. Er saß auf. Auch Sheriff Winfield kletterte auf sein Pferd. Steigbügel an Steigbügel ritten die beiden Männer vom Ranchhof ...

 

 

19

Es ging auf Mitternacht zu, als sie Redrock erreichten. Nur noch in wenigen Häusern brannte Licht. Der Saloon hatte noch geöffnet. John Morgan und Sheriff Winfield ritten in den Hof des Sheriff's Office. Sie führten die beiden Pferde in den Stall.

"Absatteln können wir später", murmelte Winfield und zog sein Gewehr aus dem Scabbard.

John Morgan nickte und nahm ebenfalls sein Gewehr zur Hand. Er sagte: "Es ist nicht deine Sache, Matt. Du solltest dich raushalten."

"Ich bin Sheriff in dieser Stadt", murmelte Winfield. "Einmal habe ich schon zugesehen, wie ein guter Mann in einem unfairen Kampf zusammengeschossen wurde. Es wird mich bis an mein Lebensende verfolgen. Nun, John, heute werde ich nicht zuschauen. Gehen wir."

Sie begaben sich zum Saloon. "Ich gehe vorn rein", sagte der Sheriff. "Nimm du den Hintereingang."

Sie trennten sich.

Im Saloon war nicht mehr viel los. An drei Tischen saßen insgesamt sieben Männer. Da waren auch Kenneth Brown und seine Kumpane. Als Winfield den Gastraum betrat, wurde er angestarrt wie ein Rind mit zwei Köpfen. Die drei Schnellschießer nahmen eine abwartend-lauernde Haltung an. Lauernde Bereitschaft ließ auch ihre Augen glitzern.

Winfield erhob seine Stimme: "Ich habe lange darüber nachgedacht, Brown. Und ich bin zu einem Schluss gekommen. Zu dem Schluss, Sie und Ihre Freunde aus der Stadt zu werfen. Sie sind mit dem Vorsatz hergekommen, einen Mann zu töten. Das kann ich nicht dulden. Also bezahlt eure Zeche, holt eure Pferde und verlasst die Stadt."

Die drei Kerle erhoben sich langsam.

Die anderen vier Gäste sprangen auf und zogen sich an die Längswand zurück. Stuhlbeine scharrten. Kurze Zeit waren die Schritte der Männer zu hören. Dann trat atemlose Stille ein.

Brown und seine Kumpane traten vom Tisch weg. Ihre Hände hingen neben den abstehenden Revolverknäufen. Kein Muskel zuckte in den kantigen Gesichtern. Die Augen blickten hart wie Bachkiesel.

Locker stand Sheriff Winfield vor der Tür. Die Pendel hatten zu schlagen aufgehört. Er hielt das Gewehr mit beiden Händen, aber die Mündung deutete nicht auf die drei Banditen, sondern schräg zu Boden.

Da wurde die Hintertür aufgezogen.

John Morgan betrat den Gastraum.

Kenneth Brown sah ihn, stieß eine Verwünschung aus und griff nach dem Revolver.

Die Waffen begannen zu krachen. Es war ein höllisches Spektakel. Die Detonationen drohten den Saloon in seinen Fundamenten zu erschüttern. Sie trieben hinaus ins Freie und stießen durch die Stadt.

Pulverdampf wogte nebelhaft. Brown und seine beiden Kumpane lagen auf den Dielen und rührten sich nicht mehr.

Winfield humpelte zu einem Tisch und ließ sich schwer auf den Stuhl fallen. Er hatte eine Kugel in die Hüfte bekommen. Dort, wo er verletzt war, färbte sich seine Hose dunkel und feucht.

John Morgan hatte ein Stück Blei am Oberarm gestreift. Er ignorierte die Verletzung. Das Gewehr an der Hüfte im Anschlag, ging er zu den drei reglosen Gestalten hin. Kenneth Brown war tot. Auch einer seiner Kumpane. Der dritte Mann lebte. Er hatte eine Kugel in die rechte Brustseite bekommen.

Die vier Bürger an der Wand standen starr wie Pfähle. Ihre Gesichter waren bleich, als wäre der letzte Tropfen Blut daraus gewichen. Der Keeper kam vorsichtig hinter dem Schanktisch hoch.

"Hole jemand den Arzt", sagte John Morgan laut. Dann ging er zu Matt Winfield hin. "Hat es dich schlimm erwischt?"

"An der Hüfte. Nichts, was mich umwerfen würde." Winfield versuchte zu grinsen, doch sein Gesicht verzog sich nur zu einer Grimasse des Schmerzes.

In die Bürger kam Leben. Sie kamen zu Morgan und Winfield. Einer lief aus dem Saloon, um den Doc zu holen. Der Keeper murmelte fast andächtig: "Was für ein Kampf! Ich erkenne Matt Winfield nicht wieder."

John Morgan legte dem Sheriff die Hand auf die knochige Schulter. "Danke, Matt. Ohne deine Hilfe ..."

"Schon gut, John. Nicht du bist mir zu Dank verpflichtet. Ich muss dir danken. Du hast mich mit deinen verächtlichen Worten aus meiner Lethargie gerissen. Es hat an dir gelegen, dass ich zu mir selbst zurückgefunden habe. Ich muss dir dankbar sein."

"Unsinn", murmelte John Morgan und wandte sich ab. Er ging zum Tresen, ließ sich eine Flasche Whisky und zwei Gläser geben, und kehrte damit zu dem Tisch zurück, an dem Winfield saß ...

 

 

20

Am folgenden Morgen ritt John Morgan aus der Stadt. Sein Ziel war die Steeple Rock Ranch. Er ließ sich Zeit. Er kam zu der Weggabelung und lenkte das Pferd auf den Weg, der nach Nordwesten führte. Nach zwei Stunden erreichte Morgan den Blue Creek. Auf der anderen Seite führte der Weg weiter. Es war heiß. John Morgan saß ab und ließ das Pferd saufen. Er selbst warf sich einige Hände voll Wasser ins Gesicht und trocknete es mit seinem Halstuch ab. Dann überquerte er den Creek. Das Wasser reichte dem Pferd gerade bis zu den Sprunggelenken. Der Flussgrund war steinig. Pfeilschnell schossen Forellen zwischen dem Geröll hin und her.

Nach einer weiteren Stunde sah Morgan den Steeple Rock. Er hatte seinen Namen nicht von ungefähr erhalten. Der Felsen erinnerte an einen überdimensionalen Kirchturm. Wie ein Mahnmal reckte er sich zum Himmel empor. Ein Bach entsprang an seiner Basis, der weiter östlich in den Blue Creek mündete.

Schließlich lag die Ranch vor John Morgan.

Es gab viele Gebäude; Schuppen, Scheunen, Ställe, eine Mannschaftsunterkunft und ein stöckiges Haupthaus. In einer Remise standen insgesamt vier Fuhrwerke und ein leichter Buggy. Helle Hammerschläge klirrten. Bei einem Korral waren drei Cowboys damit beschäftigt, Pferde auszusortieren. Ein Ranchhelfer schob einen Schubkarren voll Mist über den Hof. Das Windrad am Brunnen drehte sich langsam im lauen Wind.

John Morgan hatte angehalten. Das Pferd unter ihm stand still. Der Mann starrte auf die Ansammlung von Gebäuden. Früher hatte es hier nur ein Ranchhaus, einen Stall und zwei Schuppen gegeben. Damals beschäftigte Amos Billinger zwei Cowboys. Jetzt gab Billinger in diesem Landstrich den Ton an.

Morgan ritt weiter. Wenig später trug ihn das Pferd in den Ranchhof. Die Männer hielten in ihrer Arbeit inne und beobachteten ihn. Er ritt bis vor das Haupthaus. Als er absitzen wollte, wurde die Tür aufgezogen. Walt Hendrik trat auf die Veranda. Er ging bis zum Geländer und legte die Hände darauf. "Schneid hast du, Morgan", stieß er hervor. "Das muss man dir lassen."

"Ich will mit Billinger sprechen", sagte John Morgan. "Du hast ihn doch darauf vorbereitet, dass ich komme?"

"Der Boss wüsste nicht, was es zwischen ihm und dir zu besprechen gäbe, Morgan."

"Es geht um die Morgan-Ranch."

"Dahingehend sind die Würfel gefallen. Billinger hat das Recht auf seiner Seite." Der Vormann legte den Kopf etwas schief, schürzte die Lippen und fügte hinzu: "Du bist umsonst den weiten Weg geritten, Morgan."

John Morgan saß ab. Lose schlang er den Zügel um den Hitchrack, der hier aufgestellt war. Er zog seinen Patronengurt etwas in die Höhe. "Hat dich Big Amos zu seinem Sprachrohr ernannt, Walt?"

"Hau ab, Morgan. Oder muss ich dich mit der Peitsche von der Steeple Rock Ranch jagen?“

"Ist Billinger zu feige, unter vier Augen mit mir zu sprechen?"

"Wohl kaum. Er sieht nur keinen Sinn darin."

"Warum sagt er mir das nicht selbst?"

Kaum, dass das letzte Wort über John Morgans Lippen war, verließ Amos Billinger das Ranchhaus. Er trat neben Walt Hendrik und grollte: "Ich habe Alice drei Tage Zeit gegeben, vom Blue Creek zu verschwinden. Ein Tag ist bereits um. Übermorgen reite ich mit meiner Mannschaft zur Morgan-Ranch. Und wenn Alice dann noch da ist, lasse ich die Ranch von meinen Männern niederbrennen. Wenn sie und ihre Kinder kein Dach mehr über dem Kopf haben, muss sie aufgeben."

"Ich werde da sein, wenn Sie mit Ihren Leuten kommen, Billinger. Die Zeiten, in denen ein Starker und Mächtiger seine eigenen Gesetze machen durfte, sind vorbei. Sheriff Winfield wird Sie und Ihre Männer wie Banditen behandeln, wenn Sie gegen Alice vorgehen."

"Sie hält sich widerrechtlich auf meinem Land auf", knurrte Billinger. "Das muss ich mir nicht gefallen lassen. Winfield soll im Übrigen ganz vorsichtig sein. Ich weiß nicht, was in den alten Narren gefahren ist. Aber wenn mir danach ist, reite ich mit meinen Männern nach Redrock und lasse sie die Stadt niederreißen."

"Ich kann es Ihnen sagen, was in Matt Winfield gefahren ist, Billinger", versetzte John Morgan unbeeindruckt. "Er hat sich darauf besonnen, wozu ihn der Stern an seiner Weste verpflichtet."

"Ich werde ihm den Stern herunterreißen und auf ihn spucken!", knirschte Billinger. "Was wollen Sie, Morgan? Sind Sie gekommen, um mich zu warnen? Oder mir vielleicht sogar zu drohen?" Billinger lachte klirrend auf. "Ein Wink von mir genügt, und meine Männer zerfetzen Sie in der Luft."

John Morgan verschränkte seine Hände auf dem Sattelknauf und beugte sich etwas nach vorn. "Ja, ich wollte Sie warnen, Billinger. Lassen Sie die Finger von der Morgan-Ranch, oder Sie verbrennen sich daran die Hände. Der Beauftragte für die Landvergabe wird Ihnen die Eigentumsrechte an dem Land am Blue Creek wieder aberkennen müssen. Wieviel haben Sie diesem Burschen bezahlt, damit er Sie als Besitzer in das Kataster eintrug?"

Billinger verzog geringschätzig den Mund. "Denken Sie, was Sie wollen, Morgan. Es ist mir egal. Jedenfalls werde ich mein Recht durchsetzen. Wenn es sein muss, über Ihre und Matt Winfields Leichen."

"Damit wäre alles gesagt, was es zu sagen gab", presste John Morgan hervor, löste den Zügel wieder vom Querbalken und zog sich in den Sattel. Ohne noch ein Wort zu verlieren zog er das Pferd herum und trieb es an.

"Geht an eure Arbeit!", schrie Hendrik und meinte die Helfer und Cowboys, die auf dem Ranchhof und bei den Corrals herumstanden. Aus engen Augenschlitzen, zwischen denen es gehässig funkelte, starrte der Vormann hinter John Morgan her. Plötzlich zischte er: "Ich werde dafür sorgen, dass der Hurensohn die Stadt nicht mehr erreicht. Ich schicke ihn in die Hölle."

"Ja, Hendrik, tu das", knurrte Amos Billinger, kaum die Lippen bewegend. "Ich muss diesen Dummkopf zwar nicht fürchten, ich darf ihn aber auch nicht unterschätzen. Also ist es besser, wenn er zum Teufel fährt."

Walt Hendrik tauchte unter dem Verandageländer hindurch und sprang in den Hof. Mit langen Schritten ging er zum Stall und verschwand darin.

Als er wenige Minuten später sein Pferd in den Hof zog, war von John Morgan nichts mehr zu sehen. Er war zwischen den Hügeln aus dem Blickfeld der Männer auf der Ranch verschwunden.

Amos Billinger war ins Haus zurückgekehrt.

Hendriks schwang sich in den Sattel und gab dem Pferd die Sporen.

 

 

21

Schon eine Viertelstunde später sah Hendrik den Reiter weit vor sich. Er verließ den Weg und folgte den Windungen zwischen den Hügeln und Felsen, die hier überall aus dem Boden ragten. Er ließ das Pferd laufen. Nach einiger Zeit trieb er es auf einen Hügel, saß ab, ehe er den Hügelkamm erreichte, band das Pferd am Ast eines Strauches fest und lief das Gewehr in der Hand , auf den Kamm.

Unten führte der Weg vorbei. Hendrik schwenkte den Blick nach Nordwesten, wo sich der Weg zwischen die Hügel bohrte. Von dort musste John Morgan kommen. Dass er Morgan überholt hatte, dessen war sich Hendrik sicher.

Er repetierte die Winchester. Dann setzte er sich in den Schatten eines Felsens und hüllte sich in Geduld. Nach einiger Zeit vernahm er das ferne Pochen der Hufschläge. Er erhob sich und ging hinter dem Felsen in Deckung.

Bald konnte er den Reiter sehen. John Morgan ritt im Schritttempo. Pferd und Reiter warfen einen kurzen Schatten. Die Hufe rissen kleine Staubwolken in die heiße Luft.

Morgan ritt in Gedanken versunken. Er rechnete nicht mit einem Hinterhalt. Dennoch beobachtete er unbewusst die Umgebung. Es war ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Der laue Wind kam ihm entgegen. Und plötzlich prustete das Pferd. Es warf den Kopf in den Nacken.

Alles in John Morgan schaltete auf Alarm. Er zügelte und sicherte um sich. Seine Sinne arbeiteten scharf und präzise. Er war auf das Äußerste angespannt. Unwillkürlich griff er nach der Winchester, die aus dem Scabbard ragte.

Hatte das Pferd die Witterung eines Artgenossen aufgenommen?

Oder trieb sich ein Puma in der Nähe herum, dessen Ausdünstung das Pferd gewittert hatte?

Da krachte auch schon der Schuss. John Morgan duckte sich unwillkürlich. Er spürte den sengenden Hauch des Projektils an seiner Wange. Mit dem nächsten Atemzug war er schon vom Pferd und suchte Zuflucht hinter einem Strauch, der am Wegrand wuchs.

Wieder knallte das Gewehr. John Morgans Pferd brach zusammen. Es hatte die Kugel in den Kopf bekommen und war sofort tot. Und dann jagte der Heckenschütze eine ganze Serie von Schüssen in den Busch, hinter dem Morgan verschwunden war. Zweige und Blätter regneten zu Boden. John Morgan aber war schon nicht mehr an dem Platz, an dem ihn der niederträchtige Bursche auf dem Hügel vermutete. Er war hinter einem hüfthohen Felsen in Deckung gegangen, der gleich neben dem Busch aus dem Boden ragte.

Über dem Felsen auf dem Hügel schwebte Pulverdampf.

Der letzte Schuss war in vielfältigen Echos verhallt.

John Morgan biss die Zähne zusammen. Er ahnte, wer sich auf dem Hügel postiert hatte, um ihm heißes Blei zu schicken. Morgan wusste, dass er sein Leben nur dem Pferd zu verdanken hatte. Hätte es ihn nicht gewarnt, wäre er jetzt schon tot.

Er spähte über den Felsen hangaufwärts. Dann hielt er nach der nächsten Deckung Ausschau. Es war ein dichter Busch. John Morgan schickte zwei Schüsse den Hügel hinauf, schnellte hoch und rannte zu dem Strauch, warf sich dahinter flach auf den Boden und holte tief Luft.

Oben peitschte das Gewehr. John Morgan rollte herum. Kugeln pfiffen durch das Zweiggespinst. Er kam auf die Beine und sah auf dem Hügel Kopf und Schultern des Heckenschützen über dem Felsen. Schießend rannte Morgan ein Stück den Abhang hinauf, dann tauchte er hinter einem bemoosten Findling ab. Eine Kugel strich über den Felsen, ließ eine weiße Spur zurück und jaulte als Querschläger davon.

John Morgan zog den Kopf ein.

Die Waffe auf dem Hügel verstummte.

Morgan kroch um den Findling herum und äugte an ihm vorbei nach oben. In einer Entfernung von etwa zehn Schritten nahm er eine Rinne wahr, die schräg nach oben verlief. Der Abbruch war felsig. In der Rinne lag Geröll. An ihrem Rand wucherte Buschwerk.

Zehn Schritte ohne Deckung galt es zu überwinden.

Und jeder Schritt konnte der letzte sein.

John Morgan setzte alles auf eine Karte, kam hoch und spurtete los. Er schnellte mal nach rechts, dann wieder nach links. Sein Gegner schoss das Rohr heiß. Das Krachen schmerzte geradezu in den Ohren, war trommelfellbetäubend. Morgan schlug Haken wie ein Hase. Aufjapsend warf er sich schließlich in die Rinne. Er schlug sich am Geröll Knie und Ellenbogen an. Schweiß rann ihm in die Augen und entzündete sie. Sein Herz schlug einen rasenden Rhythmus, sein Atem flog.

John Morgan wartete, bis sich Puls und Atmung wieder normalisiert hatten, dann rief er: "Ich weiß, dass du es bist, Hendrik. Ich habe dich immer für einen mutigen Mann gehalten. Dass du versucht hast, mich aus dem Hinterhalt abzuknallen, lässt darauf schließen, dass es mit deinem Mut gar nicht so weit her ist."

Walt Hendrik schwieg.

Morgan erhob wieder das Wort: "Aber dass du ein feiger Mörder bist, hast du ja schon unter Beweis gestellt, als du Dave Tucker getötet hast. Von Winfield weiß ich, dass es Mord war."

Jetzt meldete sich Hendrik. Er brüllte: "Winfield hat sich sein eigenes Grab geschaufelt, als er mit der Shotgun im Saloon auf uns losging. Die Tage des alten Narren sind gezählt. Und du wirst ihm nicht mehr beistehen können, Morgan. Denn dich lasse ich hier als Futter für die Aasgeier und Kojoten zurück."

Langsam kroch John Morgan in der Rinne aufwärts. Manchmal polterte ein Stein ein Stück hangabwärts. Durch den steinigen Abbruch befand er sich im toten Winkel zu Hendrik. Die Büsche taten ein Übriges, um ihn zu decken.

Plötzlich erklangen Hufschläge. Sie wehten über den Hügelkamm und Morgan zerbiss einen Fluch. Er setzte alles auf eine Karte und rannte den Hügel hinauf. Ziemlich außer Atem kam er oben an.

Unten verschwand soeben Walt Hendrik auf seinem Pferd in einer Hügellücke. John Morgan riss das Gewehr an die Schulter und feuerte. Mit dem Brechen seines Schusses aber wusste er, dass er sein Blei vergeudet hatte.

Die Detonation verhallte. Es wurde still. Sekundenlang starrte Morgan auf die Stelle, an der Hendrik aus seinem Blickfeld verschwunden war. Geduckt stand er da. Die Spannung krümmte seine Gestalt. Als nichts geschah, machte Morgan kehrt und lief hinunter zu seinem Pferd. Der süßliche Blutgeruch hatte einen Fliegenschwarm angelockt, der wie eine dunkle Wolke über dem Kadaver in der Luft zu stehen schien.

John Morgan nahm dem Pferd den Sattel ab und legte ihn sich auf die Schulter. Dann marschierte er los. Unablässig waren seine Augen in Bewegung. Jeder seiner Sinne arbeitete auf das Schärfste. Walt Hendrik war irgendwo in der Nähe. Und er war darauf versessen, ihm, John Morgan, das Licht auszublasen.

Schon bald war John Morgan schweißgebadet. Das Hemd klebte ihm wie eine zweite Haut am Körper. Schweiß rann über sein Gesicht und zog helle Bahnen in die Schicht aus Staub, die seine Poren verklebte.

Schon nach einer Meile begannen seine Füße in den Stiefeln zu brennen. Jeder Atemzug wurde bald zur Qual, jeder Schritt war eine Anstrengung, die seinen ganzen Willen erforderte. John schaute nach dem Stand der Sonne. Sie stand hoch im Süden und mutete an wie eine zerfließende Scheibe aus Gold. Nirgendwo gab es Schatten.

Und dann tauchte Walt Hendrik wieder auf. Er riss auf einer Hügelkuppe sein Pferd in den Stand. Sein Gewehr peitschte. Die Mündungsflammen verschmolzen mit dem Sonnenlicht. Kugeln sengten heran, begleitet vom Dröhnen der Detonationen.

John Morgan rannte nach rechts. Er wollte in den Schutz eines Hügels gelangen. Er hätte aufschreien mögen, so sehr brannten seine Füße. Kugeln ließen um ihn herum den feinkörnigen Sand spritzen. Der Sattel behinderte Morgan. Er warf ihn fort. Und dann gelangte er aus dem Schussfeld Hendriks. Seine Bronchien pfiffen, seine Lungen pumpten. Das war verdammt knapp gewesen. Heiliger Rauch!, durchfuhr es John Morgan. Was soll dieses Katz-und-Mausspiel?

Er ruhte nicht, sondern erklomm den Hügel, in dessen Schutz er sich befand. Von der anderen Seite wehte das Klopfen von Hufen auf festgebackenem Untergrund heran. Morgan beeilte sich. Schweiß tropfte von seinem Kinn. Seine Weste war auf dem Rücken durchnässt. Das Hemd wies unter den Achseln riesige, feucht-dunkle Flecken auf.

Dann erschien der Reiter auf der Hügelkuppe. Er sah John Morgan und begann sofort zu feuern.

John Morgan hatte es nicht geschafft. Er schoss und flüchtete sich in den Schutz eines Strauches.

Walt Hendrik sprang vom Pferd und kam hangabwärts. Bei einem Felsen kniete er ab und hielt Ausschau nach John Morgan.

Dieser lag am Boden, hart an einen Felsen geschmiegt, der nicht mehr als anderthalb Fuß aus dem Boden ragte. Es war mehr eine Felsplatte, die der Regen im Laufe der Jahrtausende etwas herausgewaschen hatte. Wenn John Morgan nur den Kopf etwas anhob, musste ihn sein Gegner sehen.

Sie belauerten sich.

John Morgan rührte sich nicht.

Das Warten zerrte an den Nerven. Walt Hendrik brüllte: "Wo bist du, Morgan? Zeig dich! Du hast ohne Pferd sowieso keine Chance. Wozu also Versteck spielen?"

Von John Morgans Seite erfolgte keine Resonanz.

Weitere Minuten verstrichen. Walt Hendrik verlor die Nerven. Er drückte sich hoch, stand geduckt neben dem Felsen und hielt das Gewehr im Hüftanschlag. Sein Blick huschte über die Sträucher und Felsen auf dem Abhang hinweg. Seine Kiefer mahlten. Verunsicherung griff nach ihm. Das Herz klopfte dumpf in seiner Brust; das Pochen in seinen Schläfen war das Echo seiner Pulsschläge. In seinem angespannten Gesicht zuckte es flüchtig. Die Hände hatten sich schweißnass am Gewehr festgesaugt.

Er wollte sich in Bewegung setzen.

Da sah er den verhassten Gegner hinter der Felsplatte auf halber Höhe des Hanges hochzucken. Hendrik entfuhr ein erschreckter Laut, er nahm das Gewehr etwas herum, um das Ziel aufzunehmen, doch da peitschte es ihm von John Morgan schon entgegen.

Walt Hendrik spürte den fürchterlichen Schlag gegen die Brust, er drückte mehr instinktiv als von einem bewussten Willen geleitet ab, dann kam der Schmerz. Er tobte in ihm hoch wie Höllenfeuer und drohte ihn zu verzehren.

Plötzlich brach der Vormann zusammen. Er rollte ein Stück hangabwärts und blieb dann mit ausgebreiteten Armen liegen. Sein letzter Eindruck war das endlose Blau des Himmels hoch über ihm. Dann schlug die Dunkelheit über ihm zusammen eine Dunkelheit, aus der es kein Zurück mehr gab.

Walt Hendrik war tot.

John Morgan erhob sich. Er beobachtete Hendrik eine ganze Weile mit der gebotenen Vorsicht. Erst als er sich sicher sein konnte, dass von dem Vormann keine Gefahr mehr ausging, stieg er langsam den Hang empor. Bei dem Toten hielt er an. Hendriks Augen waren halb geöffnet. Der Mund war geöffnet wie zu einem stummen Schrei.

John Morgan hatte kein Mitleid. Hendrik hatte Dave Tucker eiskalt erschossen. Er hatte den Tod verdient.

Morgan stieg auf die Kuppe. Da stand das Pferd zwischen einigen Sträuchern. Es äugte dem Mann entgegen und spielte mit den Ohren. Die Nüstern waren gebläht.

Der Mann näherte sich dem Pferd. Es war ein wenig erregt von der Schießerei und scheute zurück. Doch dann erwischte John Morgan das Tier am Kopfgeschirr und flüsterte ihm einige beruhigende Worte ins Ohr. Das Pferd beruhigte sich. John Morgan saß auf. Im Trab ritt er davon. Um den toten Vormann würde sich Amos Billinger kümmern müssen.

 

 

22

John Morgan ritt zum Blue River und folgte ihm nach Süden. Nach einer guten Stunde Ritts erreichte er die Morgan-Ranch. Er lenkte das Pferd in den Hof und saß ab.

Lance Lorimer und Bill Shaugnessy traten aus dem kleinen Anbau, in dem sie untergebracht waren.

Alice verließ das Ranchhaus. An einem der Fenster stand Johnny und musterte den großen Mann auf dem Pferd. Alice hatte dem Jungen reinen Wein eingeschenkt. Sie fand, dass er alt genug war, um die Wahrheit zu erfahren. Sie hatte ihm erzählt, dass nicht Dave Tucker sein Vater war, sondern John Morgan, der nach 12 Jahren nach Hause zurückgekehrt war.

Johnny hatte kein Verhältnis zu diesem Mann. Er war ihm fremd. Voll Interesse beobachtete er John Morgan. Er erinnerte ihn an einen alten, narbigen Wolf. Johnny konnte in ihm nicht den Vater sehen. Irgendwie aber zog der Mann ihn in seinen Bann. Johnny hatte Vertrauen zu ihm gefasst. Alleine seine Anwesenheit nahm alle Angst von dem Jungen.

John Morgan nickte Alice zu, dann den beiden Weidereitern, die langsam näher schlenderten.

"Du reitest ein Pferd mit dem Steeple Rock-Brand", sagte Lance Lorimer, als sie heran waren. Fragend musterte er John Morgan.

"Walt Hendriks Pferd", erklärte Morgan. "Er ist mir gefolgt. Um ein Haar hätte er mich abserviert. Er hat mein Pferd erschossen. Also habe ich mir seines geholt."

"Walt Hendrik ist also tot."

"Ja."

Lance Lorimer schluckte schwer.

John Morgan fuhr fort: "Übermorgen wird Amos Billinger mit seiner Mannschaft hier auftauchen. Ich war bei ihm. Er hat kein Blatt vor den Mund genommen. Noch habt ihr beiden Zeit, auszusteigen. Wenn Billinger mit seiner Mannschaft aufkreuzt, wird es zu spät sein für euch."

"Willst du etwa alleine den Kampf gegen die Crew der Steeple Rock Ranch aufnehmen?", blaffte Lance Lorimer. "Sheriff Winfield ist verwundet und kann dir nicht helfen. Und sonst gibt es niemand, der für die Morgan-Ranch seine Haut zu Markte tragen würde. Ich für meinen Teil bleibe, John. Ich bin hier in der Gegend aufgewachsen, und ich will hier bleiben. Auf dem Boot Hill in Mule Creek sind die Gräber meiner Eltern."

"Es kann rau werden. Billinger wird mit keinem von uns Erbarmen haben. Es gibt nur zwei Alternativen. Leben oder sterben ..."

"Auch ich bin in diesem Landstrich groß geworden", sagte Bill Shaugnessy. "Es ist meine Heimat. Bei Buckhorn am Duck Creek lebt meine Mutter. Ich muss sie finanziell unterstützen, denn mein Dad ist abgehauen, als ich noch kein Jahr alt war."

Schmerzliche Erinnerungen wurden durch diese Worte in Alice geweckt. Sie schoss John Morgan einen Blick zu, den dieser nicht einordnen konnte. War es Verachtung, was aus diesem Blick gesprochen hatte? War es ein stummer Vorwurf, eine unausgesprochene Anklage? Siedend durchrann es ihn. Du hast sie verloren, John. Für immer. Du hast sie viel zu sehr verletzt, als du damals weggegangen bist. Ihr verletzter Stolz kennt keine Zugeständnisse, keine Versöhnung, kein Entgegenkommen, kein Verständnis. Vielleicht hasst sie dich sogar ...

John Morgan verspürte einen dumpfen Druck in den Eingeweiden, als diese Gedanken durch seinen Kopf zogen.

Jetzt ließ Alice ihre Stimme erklingen. Sie sagte: "Wir haben keine Chance gegen die Steeple Rock Ranch. Darum gebe ich auf. Ich kann nicht zulassen, dass ihr euer Leben für mich und die Ranch aufs Spiel setzt. Ich gehe mit meinen Kindern nach Santa Fé. Dort werde ich Arbeit finden, die es mir ermöglicht, für meinen Lebensunterhalt und den der Kinder zu sorgen."

Fassungslos und betroffen blickten John Morgan und die beiden Cowboys Alice an. Schließlich überwand Morgan seine Überraschung und sagte: "Du willst alles stehen und liegen lassen, Alice? Du willst tatsächlich klein beigeben? Soll alles umsonst gewesen sein? Der Tod Daves, mein Kampf mit Hendrik, der ihm das Leben kostete? Sag, dass es nicht dein Ernst ist, Alice."

Zwingend starrte er die Frau an.

Sie wich seinem Blick aus. "Wenn ich stur bleibe, werden auch Lance und Bill sterben. Billinger wird auch dich töten lassen. Er wird alles hier niederbrennen. Soll ich das Johnny und Belinda antun? Soll ich sie der brutalen Gewalt Amos Billingers ausliefern? Es war Irrsinn von Anfang an. Aber ich klammerte mich an die Hoffnung, mein Recht erstreiten zu können. Es war ein Trugschluss. Darum gebe ich auf, ehe noch mehr Blut fließt."

"Nein", murmelte John Morgan. "Das ist dein Platz, Alice. Du gehörst hierher, ebenso wie Johnny und Belinda hierher gehören. Ich bringe dich und die Kinder nach Redrock. Dort bist du sicher. Dort ist auch Sheriff Winfield, der nicht so schwer verwundet ist, dass er euch keinen Schutz gewähren könnte. Lorimer, Shaugnessy und ich erwarten hier Billinger und seine Kettenhunde. Jetzt aufzugeben wäre Verrat an Dave Tucker, Alice."

"Weißt du, dass Dave dich gehasst hat? Erst hasste er dich dafür, dass du mich damals verlassen hast, dann hasste er dich, weil du zurückgekehrt bist. Er hatte Angst, John, dass du ihm den Platz bei mir wieder streitig machen könntest."

"Er war aber auch mal mein Freund, Alice. Na schön, er hasste mich. Ich habe es bemerkt, als er mir im Hof des Sargtischlers den Faustkampf aufzwang. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er letztendlich für die Ranch gestorben ist. Er hat meinen Sohn angenommen wie sein eigenes Kind. Ich stehe tief in Daves Schuld. Dave kann dir nicht mehr beistehen. Darum fühle ich mich verpflichtet, dir und den Kindern diesen Platz hier zu erhalten."

Alice senkte den Kopf.

John Morgan war nahe daran, sie in den Arm zu nehmen und um Verzeihung zu bitten. Aber da war die unsichtbare Kluft zwischen ihnen, die zu überwinden er nicht imstande war. Alice verströmte etwas, das ihn zurückhielt; Unnahbarkeit, Reserviertheit und Stolz. Auch fürchtete er sich davor, zurückgewiesen zu werden.

Seine Schultern sanken nach unten. Er wollte sich abwenden. Er wusste nicht, was er noch sagen sollte, um sie zu überzeugen, dass er es ernst meinte.

Da ließ Alice ihre Stimme erklingen: "Du hast Recht, John. Ich bin es Dave schuldig, um die Ranch zu kämpfen. Wegzulaufen wäre keine Lösung."

"Ich bringe euch in die Stadt", murmelte John Morgan.

"Ich bleibe", versetzte Alice hart. "Bring von mir aus die Kinder zu Sheriff Winfield. Ich aber bleibe auf der Ranch."

John Morgan musterte die Frau mit durchdringendem Blick.

Ihre Worte hingen zwischen ihnen, hart und endgültig. Alice hatte sich für den Kampf entschieden. Und nichts würde sie davon abbringen können.

John Morgan erkannte es und schwieg.

 

 

23

Am übernächsten Tag kam Amos Billinger mit seinen Leuten. Er ließ die Morgan-Ranch umstellen, und dann befahl er den Angriff. Es gab kein Wortgeplänkel, keine Vorreden. Geredet worden war genug, fand der Weidepirat.

Nachdem Walt Hendrik nicht mehr zurückgekommen war, hatte Billinger einen Suchtrupp losgeschickt. Die Männer brachten Hendrik zurück. Sie legten ihn Big Amos tot vor die Füße. Es schürte seinen Hass ins Unermessliche.

Schießend stürmten die Cowboys die Ranch. Der Lärm steigerte sich zu einem höllischen Stakkato. Die Kugeln zerhieben Fenster, meißelten den Putz von der Wand des Ranchhauses, durchschlugen die Bretter der Schuppen- und Scheunenwände.

Es gab keine Gegenwehr. Es hätte den Männern von der Steeple Rock Ranch auffallen müssen. Aber sie waren so sehr auf ihre Mission konzentriert, dass sie nicht darauf achteten. Im Ranchhof sprangen sie von den Pferden. Zwei drei Kerle stürmten ins Haupthaus der Ranch. Andere rannten in die Schuppen, die Scheune und den Stall. Es waren ein Dutzend Männer, die für Amos Billinger die Waffen schwangen.

Die Kerle kamen wieder ins Freie und sammelten sich im Ranchhof.

Amos Billinger ritt aus einer Hügellücke. Er hatte an der Erstürmung der Ranch nicht teilgenommen. Die beiden Revolvermänner Jim Balder und Ringo Jackson waren bei ihm. Sie bildeten so etwas wie seine Leibgarde. Er ritt zwischen ihnen wie ein siegreicher Feldherr.

Brad Carrington, der dritte Revolverschwinger, der den Angriff geleitet hatte, empfing Billinger mit den Worten: "Die Ranch ist verwaist, Boss. Wahrscheinlich hat Alice es vorgezogen, mit ihren Kindern zu verschwinden. Sollen wir das Gerümpel niederbrennen?"

"Nein", grollte Billinger. "Ich werde hier drei Männer stationieren. Die Morgan-Ranch wird ein Außenwerk der Steeple Rock Ranch. Wir beginnen morgen, Rinder auf die Weiden am Blue Creek zu treiben."

Die Männer, die die Ranch erstürmt hatten, schwangen sich auf ihre Pferde. In vielen Gesichtern spiegelte sich die Erleichterung darüber wider, dass sie auf keine Gegenwehr gestoßen waren. Wenn es hier einen Kampf gegeben hätte, würde der eine oder andere von ihnen jetzt schon tot oder verwundet sein. Und es hätte jeden erwischen können ...

Umso erschrockener waren sie, als ein Schuss peitschte und im Hof das Erdreich spritzen ließ.

Auf einem Hügel im Osten der Ranch zeigte sich ein Mann. Er hielt ein Gewehr im Anschlag.

Ein zweiter Schuss krachte. Er war auf einer Anhöhe im Westen abgegeben worden.

Und in das verhallende Echo hinein peitschte ein drittes Gewehr. Der Schütze war auf einer Bodenerhebung im Süden postiert.

Die Reiter im Hof der Morgan-Ranch waren wie gebannt. Unwillkürlich blickten einige von ihnen nach Norden, in der Erwartung, dass auch dort ein Schütze Stellung bezogen hatte.

Sie täuschten sich nicht. Eine Gestalt wuchs auf der Hügelkuppe in die Höhe. Das Sonnenlicht brach sich auf dem Lauf der Winchester.

Die Reiter von der Steeple Rock Ranch hatten damit zu tun, ihre nervösen Pferde zu beruhigen. Amos Billinger trieb sein Pferd hin und her, schaute mal in diese Richtung, dann in die andere. Er hatte das Kinn trotzig vorgeschoben.

"Es sind nur vier!", stieß er hervor. "Sie haben uns zwar wie auf dem Präsentierteller vor den Mündungen ihrer Gewehre, aber wir sind trotzdem stärker. Wir brechen nach Nordwesten durch. Und dann jagen wir diese Bastarde, bis ihnen die Zungen aus den Hälsen heraushängen."

Auf einem der Hügel ertönte eine Stimme: "Werft eure Waffen weg und ergebt euch. Eine andere Chance habt ihr nicht."

Es war John Morgan, der die Steeple Rock Männer zu Aufgabe aufforderte. Er befand sich auf dem Hügel im Norden. Das Pferd hatte er auf der anderen Seite des Hügels angebunden.

"Zur Hölle", stieß einer der Cowboys, die mit Billinger gekommen waren, hervor. "Sie können uns abknallen wir auf dem Schießstand. Was waren wir für Dummköpfe, als wir in die primitive Falle tappten. Hoh, Leute, ich will nicht ins Gras beißen. Darum gebe ich auf. Ich hab sowieso schon seit einiger Zeit das Gefühl, dass wir auf der falschen Seite kämpfen."

"Du dreckiger Bastard!", knirschte Amos Billinger. "Dafür werde ich dir ..." Er wollte seinen Revolver aus dem Futteral ziehen. Hass verzerrte sein Gesicht und wütete auf dem Grund seiner Augen.

Ein anderer der Weidereiter rief: "Halt ein, Billinger. Wenn du die Waffe gegen Sanders ziehst, schieße ich dich vom Pferd. Sanders hat Recht. Und auch Lorimer hatte Recht. Wir sind Scheißkerle, weil wir gegen Frauen und Kinder die Waffen schwingen. Ich steige ebenfalls aus. Und wer von euch anderen noch einen Funken Verstand unter dem Hut hat, folgt meinem und Sanders' Beispiel."

Der Reiter sprach es, warf sein Gewehr in den Hof, zog den Revolver aus dem Holster und ließ ihn dem Gewehr folgen.

Auch Sanders' Waffen flogen in den Staub.

Nach und nach trennten sich auch die anderen Cowboys von ihren Waffen.

Amos Billinger biss die Zähne zusammen, dass der Schmelz knirschte. Mit hilfloser Ohnmacht musste er erleben, wie sich seine Männer von ihm abwandten. Sogar Brad Carrington, einer seiner Revolverschwinger, hatte die Waffen in den Hof geworfen.

"Verschwinden wir", sagte Carrington. "Auf unbewaffnete Männer werden Morgan und sein Anhang ja nicht schießen."

Sie ritten an. Plötzlich waren nur noch Amos Billinger, Jim Balder und Ringo Jackson auf dem Ranchhof.

Die abtrünnigen Reiter zogen in Richtung Westen davon. Auf dem Hügel dort hatte sich Lance Lorimer postiert. Er verfolgte den Abzug seiner ehemaligen Kameraden mit unbewegtem Gesicht. Lorimer wusste, dass er die richtige Seite gewählt hatte.

Amos Billinger gab seinem Pferd plötzlich die Sporen. Unbarmherzig hieb er sie seinem Pferd in die Weichen. Das Tier streckte sich.

Ehe Balder und Jackson zum Denken kamen, war der Rancher schon fünf Pferdelängen von ihnen entfernt. Jetzt trieben auch sie die Pferde an.

Sie jagten nach Nordwesten.

John Morgan rannte zu seinem Pferd, leinte es los und kam mit einem kraftvollen Satz in den Sattel.

Auf dem Hügel im Westen spurtete Lance Lorimer zu seinem Tier. In einem spitzen Winkel versuchten sowohl er wie auch John Morgan, Billinger und seinen letzten beiden Getreuen den Weg abzuschneiden.

Die Hufe der Pferde schienen kaum noch den Boden zu berühren. John Morgan stellte sich in den Steigbügeln auf und legte seinen Körper weit nach vorn, um dem Pferd jede erdenkliche Erleichterung zu verschaffen.

Schüsse krachten. Jim Balder und Ringo Jackson begannen auf die beiden Reiter, die von Westen und Norden heranstürmten, das Feuer zu eröffnen.

Amos Billinger peitschte sein Pferd mit dem langen Zügel und feuerte es mit heiserem Geschrei an. Die Gegend schien an ihm vorbeizufliegen.

Als er sich einmal umdrehte, sah er, dass der Sattel des Pferdes, das Jim Balder geritten hatte, leer war.

Lance Lorimer näherte sich Ringo Jackson. Jackson feuerte überstürzt. Dann war Lorimer bis auf drei Pferdelängen heran. In seiner Faust lag der Colt. Sie schossen gleichzeitig. Lorimers Pferd brach zusammen. Jackson kippte aus dem Sattel und schlug schwer am Boden auf. Lorimer überschlug sich einige Male und blieb benommen liegen.

John Morgan jagte hinter Amos Billinger her.

Und er holte auf. Billinger drosch seinem Pferd die Faust zwischen die Ohren. Er holte das Letzte aus dem Tier heraus. Doch der Hufewirbel wurde langsamer. Und Amos Billinger begriff, dass er John Morgan nicht entkommen konnte.

Er stemmte sich gegen die Zügel und zerrte das Pferd in den Stand. Schaum troff von den Nüstern des Tieres. Amos Billinger sprang ab. Er zog das Gewehr aus dem Scabbard und wandte sich John Morgan zu. Sein Gesicht hatte sich auf erschreckende Art verändert. Es war nur noch eine Physiognomie des tödlichen Hasses und der mörderischen Wut.

Amos Billinger feuerte aus der Hüfte.

John Morgan riss das Pferd zur Seite. Die bremsenden Hufe schlitterten durch das Gras und hinterließen tiefe Spuren. Grassoden und Erdreich spritzten. John Morgan sprang ab, als das Pferd noch gar nicht richtig stand. Er hatte das Gewehr bereits in der Hand, repetierte und drückte ab.

Ihre Schüsse fielen gleichzeitig.

Und sie brachen beide im selben Moment zusammen.

Der Tod streckte die knöcherne Faust aus ...

 

 

24

Als John Morgan zu sich kam, lag er in einem Bett. Er fühlte sich schwach und elend. Vor seinem Blick schien Nebel zu wallen. Schwindelgefühl erfasste ihn. Der Raum begann sich zu drehen.

Eine helle, klare Stimme sagte: "Er ist zu sich gekommen. Dem Himmel sei Dank. Der Doc meinte, wenn er das Bewusstsein zurückerlangt, ist er über den Berg."

"Er ist stark und verdammt zäh", sagte die dunkle Stimme eines Mannes. "Er schafft es."

John Morgan schloss die Augen, öffnete sie wieder, lauschte den Worten hinterher, und die Erinnerung setzte ein. "Ist ist Billinger tot?", entrang es sich ihm. Seine Stimme kam schwach, das Sprechen strengte ihn an. Sein Atem ging stoßweise und rasselnd.

"Ja", sagte die hellere Stimme. Dann sah John Morgan ein Gesicht über sich. Alices Gesicht. "Alles ist gut, John. Der Sheriff wird dafür sorgen, dass der Katastereintrag rückgängig gemacht wird und dass ich das Land erwerben kann. Ich ich denke, du bist im richtigen Moment nach Hause zurückgekehrt. Ohne dich ..."

Die Stimme der Frau brach.

"Gibst gibst du mir noch eine zweite Chance, Alice?" Erwartungsvolle Hoffnung lag im Tonfall der Stimme John Morgans.

"Ja", erwiderte Alice. "Aber du wirst mir Zeit lassen müssen, John. Viel Zeit ..."

Ein verzerrtes Lächeln umspielte John Morgans bleiche Lippen. "Ja, Alice. Alles ist gut ..."

Sein Gesicht entspannte sich. John Morgan war eingeschlafen.

Alice legte ihre Hände auf die Schultern Johnnys, dessen Augen feucht schimmerten.

"Er ist ein guter Mann", murmelte Bill Shaugnessy. "Er hat eine zweite Chance verdient."

Alice nickte. Die Tränen erstickten ihre Stimme ...

 

E N D E

 

 

Wie ein Rudel Bluthunde …

Western von Pete Hackett

 

1

Die fünf Reiter fielen ihren Pferden in die Zügel. Zu beiden Seiten schwangen sich schneebedeckte Abhänge in die Höhe. Es war Januar, und es war eisig kalt. Ausgeatmete Luft bildete in der glasklaren Luft weiße Dampfwolken. In die stoppelbärtigen, verwegenen, von der schneidenden Kälte geröteten Gesichter schlich sich so etwas wie Erleichterung. Vor ihnen lagen die Gebäude einer kleinen Ranch. Rauch stieg aus dem Schornstein des Wohnhauses senkrecht zum blauen Himmel.

"Na endlich", schnappte Sam Walker. "Dachte schon, wir würden in dieser Einöde nie mehr auf eine menschliche Behausung stoßen. Endlich ein Dach über dem Kopf, Wärme, ein anständiges Essen..."

"Oder ein Empfang mit Pulverdampf und heißem Blei!" So fuhr ihm Slim Stevens, der wegen seines überlangen Halses den Beinamen 'Turkey' erhalten hatte, dazwischen. "Vergiss nicht, dass wir auch in Wyoming gesucht werden."

Stevens war der Anführer dieses falkenäugigen Rudels. Raub und Mord ging auf das Konto der Bande. Sie kam von Montana herunter, wo sie ebenfalls vor dem Gesetz fliehen hatte müssen.

Er ließ seinen wachsam-misstrauischen Blick über die Ansammlung einiger Schuppen und Scheunen springen. Das Muhen einer Milchkuh drang aus einem flachen Stall. Alles wirkte irgendwie aufgeräumt und gepflegt. Es hatte in der Nacht geschneit. Der frische Schnee im Ranchhof war nur zwischen Ranchhaus, Brunnen, Stall und Futterscheune zertreten. Im Übrigen war die weiße Decke unberührt. Es sah nicht so aus, als würden viele Menschen diese Ranch bevölkern.

"Wir reiten hin", erklärte Stevens, zog seine dicken Fäustlinge aus, schob sie unter die Jacke und angelte das Gewehr aus dem Scabbard. Er lud durch und stellte die Waffe mit der Kolbenplatte auf seinen Oberschenkel. Seine Kumpane folgten seinem Beispiel. Es waren Kerle mit dem typisch wachsamen Blick der Gesetzlosen.

Die Pferde sanken bis zu den Knien in den Schnee ein. Unter dem Neuschnee war die alte Schneedecke gefroren. Es krachte, wenn die Hufe einbrachen. Der Pulk zog eine breite Schneise in den weichen, weißen Untergrund.

Als sie auf zwanzig Yards an die Ranch herangekommen waren, trieb ihnen eine erregte, helle Stimme entgegen – die Stimme einer Frau: "Das ist weit genug. Wer seid ihr und was wollt ihr? Ich ziele mit einem Gewehr auf euch, und seid versichert, dass ich schieße, wenn ihr euch verdächtig benehmt."

Sie sprach mit einem kehligen Akzent.

Die Kerle strafften die Zügel, die Pferde standen. Slim Stevens rief: "Wir haben uns in der Felswildnis verirrt, Ma'am, vergangene Nacht, als der Schneesturm tobte. Wir sind durchgefroren, müde und halb verhungert!"

Stevens ruckte im Sattel, das Tier unter ihm setzte sich wieder in Bewegung. Seine Kumpane trieben ihre Pferde gleichfalls an. Die Frau im Haus schwieg jetzt. Sicher war sie ratlos und unschlüssig, konnte sie sich nicht entscheiden, wie sie sich den fünf Fremden gegenüber verhalten sollte.

Details

Seiten
500
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783738906769
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (November)
Schlagworte
fünf wildwest-romane

Autoren

  • Alfred Bekker (Autor:in)

    1243 Titel veröffentlicht

  • Pete Hackett (Autor:in)

  • Glenn Stirling (Autor:in)

  • U. H. Wilken (Autor:in)

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Titel: Fünf Wildwest-Romane #1