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Das magische Amulett 83: Die Geliebte des Besessenen

2016 100 Seiten

Leseprobe

Die Geliebte des Besessenen

Das magische Amulett Band 83

Roman von Jan Gardemann

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 95 Taschenbuchseiten.

 

Als Brenda erwacht, kann sie sich an nichts mehr erinnern. Ist dieser fremde Mann wirklich ihr Ehemann und das mysteriöse Castle ihr Zuhause? Einzig ihr Wissen über Archäologie und Amulette scheint aus ihrem früheren Leben geblieben zu sein. Ist wirklich ein Sturz vom Pferd schuld oder steckt mehr dahinter?

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

© by Author

© Cover by Firuz Askin, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

© Logo by Steve Mayer unter Verwendung von Motiven by Pixabay, 2016

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Prolog

John sah mich eindringlich an. Ich drehte mich demonstrativ zur Seite und erstarrte. An der Wand vor mir hing ein altes, stark gedunkeltes Gemälde, das mir zuvor nicht aufgefallen war. Nun sah ich es um so deutlicher, zumal gerade ein verirrter Sonnenstrahl durch das Fenster drang und direkt auf das Bild fiel. Auf dem Gemälde war ein blasser Junge dargestellt. Er trug einen altertümlichen Mantel mit einer Doppelreihe schimmernder Messingknöpfe. Sein lockiges, schulterlanges Haar sah sehr gepflegt aus und glänzte vor Pomade. Es bestand kein Zweifel. Der Junge auf dem Gemälde war mit dem gespenstischen Kind identisch, das ich heute morgen auf der Burgzinne gesehen hatte!

 

 

1

»Ich liebe dich, Brenda.«

Es war eine weiche, männliche Stimme, die mir diese Worte zuflüsterte. Sie war mir vertraut und angenehm und machte die nachtschwarze Dunkelheit, die mich umgab, erträglicher und auch weniger unheimlich.

Ich versuchte, etwas im Dunkeln zu erkennen. Der Mann musste ganz in meiner Nähe sein. Aber außer Schwärze war nichts zu sehen.

Suchend und wie ein verirrter Blinder wischte ich mit den Armen durch das Dunkel.

Da berührten meine Hände plötzlich einen Körper. Mit den Fingern tastete ich über eine breite Brust und muskulöse Arme. Ich arbeitete mich zu dem Gesicht empor, strich zärtlich die Konturen nach und fuhr dann mit gespreizten Fingern durch dichtes, lockiges Haar.

Der Mann im Dunkeln war mir so vertraut. Trotzdem suchte ich in meinem Gedächtnis vergeblich nach seinem Namen.

»Wer... wer bist du?«, fragte ich flüsternd und mit bebender Stimme. Ich sehnte mich danach, von diesem aufregenden Mann berührt und gestreichelt zu werden. Ich wollte seine Lippen auf den meinen spüren und von ihm zärtlich umarmt werden.

Plötzlich zerriss die Dunkelheit und ich erwachte!

Es war nur ein Traum!

Enttäuscht und schläfrig rekelte ich mich in meinem Bett. Ich gähnte herzhaft und tastete dann wie automatisch über das Bett, bis meine Hände den Mann berührten, der neben mir lag.

Sanft streichelte ich seine Schulter.

»Aufstehen, Faulpelz«, sagte ich schlaftrunken. Ich drehte mich um und schmiegte mich an den Rücken des Mannes, der nun langsam zu erwachen schien.

Es war ein muskulöser, drahtiger Körper und er kam mir auf seltsame Weise fremd und ungewohnt vor.

Verwirrt öffnete ich die Augen nun ganz. Auch der Geruch des Mannes war mir nicht vertraut. Ich rückte von ihm zurück und betrachtete seinen Hinterkopf.

Der Mann neben mir hatte graumeliertes, glattes Haar und musste um etliche Jahre älter sein als ich!

Kalter Schrecken durchfuhr meine Glieder. Ich öffnete den Mund, um etwas zu sagen. Aber mir fiel nicht einmal der Name des Mannes ein.

In diesem Moment drehte sich der Mann zu mir um. Ich schrak zurück, als ich in sein hageres Gesicht blickte. Die schmale, gerade Nase und die grauen Augen verliehen ihm ein aristokratisches Aussehen.

Aber ich kannte diesen Kerl nicht, da war ich mir ganz sicher.

Entsetzt kroch ich von dem Mann weg.

»Wer... wer sind Sie«, fragte ich krächzend. Das Grauen schnürte mir die Kehle zu, sodass ich kaum ein verständliches Wort hervorbringen konnte. Fieberhaft überlegte ich, woher ich den Mann kannte und wie ich in sein Bett gekommen war.

Aber mein Kopf war völlig leer! Wenn ich die Augen schloss, war da nur diese nachtschwarze Finsternis, die auch in meinem Traum geherrscht hatte. Es gab keine Bilder, keine Erinnerungen!

»Schatz, was ist mit dir?«, erkundigte sich der Mann. Er streckte seinen Arm aus und strich mit seinen Fingern liebevoll durch mein weizenblondes Haar.

Ich schrie auf und stieß die Hand fort. Hastig kroch ich aus dem Bett. Dabei bemerkte ich, dass ich nur ein dünnes Nachthemd trug.

Unwillkürlich sah ich mich nach meinen Klamotten um. Doch mein Blick irrte nur unstet in dem großen Schlafgemach umher.

Der Raum war mir völlig fremd. Das große, runde Bett, über dem sich ein schneeweißer Baldachin spannte, sah ich heute zum ersten Mal. Neben dem Bett standen zwei zierliche Nachtschränke, die reich verziert waren und aus der Zeit des Rokoko stammten. Aus der gleichen Epoche stammte auch der große Spiegelschrank, der dem Bett gegenüber stand und in dem sich die hohen Fenster mit den nebelweißen Gardinen spiegelten, die bis zum Boden hinab reichten, und hinter denen sich trübes Tageslicht abzeichnete.

Dann endlich entdeckte ich meine Sachen. Fein säuberlich zusammengelegt hingen sie über einem antiken Sessel. Es handelte sich um ein elegantes schwarzes Kleid und dunkle Seidenstrumpfhosen. Auf dem Boden standen hochhackige Slipper.

Für die Arbeit sind diese Klamotten viel zu unpraktisch!

Dieser Gedanke schoss mir ganz automatisch durch den Kopf, doch ich verstand nicht, was er zu bedeuten hatte.

»Was ist los?«, erkundigte sich der Mann. Er lag auf der Seite, hatte den Kopf auf die Hand gestützt und sah mich unverwandt an. Er trug, wie ich jetzt bemerkte, einen gestreiften Pyjama, den ich ziemlich geschmacklos fand.

»Wer... wer sind Sie?«, wiederholte ich meine Frage.

Der Mann stieß ein unsicheres Lachen aus. »Was soll der Unsinn?«, fragte er und zog unwillig die Augenbrauen zusammen.

»Ich will wissen, wer Sie sind!«, rief ich und raffte das Nachthemd über der Brust zusammen. Es behagte mir ganz und gar nicht, so spärlich bekleidet vor diesem wildfremden Mann zu stehen.

Der Mann setzte sich in dem Bett auf. Sein Gesicht wirkte nun ernst und auch ein wenig streng. »Ich weiß nicht, was das soll, Brenda«, meinte er rau. »Wenn du vorhast, mich zu kränken, muss ich dir gestehen, dass es dir hiermit gelungen ist.«

Er schleuderte die Bettdecke zurück und verließ das Bett. Und während er sich seinen Morgenmantel überwarf, sagte er: »Nun sind wir schon über drei Jahre verheiratet. Es war nicht immer leicht, das gebe ich zu. Aber dass du so tust, als würdest du mich nicht kennen, habe ich nun wirklich nicht verdient.«

»Wie bitte?«, rief ich und ein eiskalter Schauer rieselte mir den Rücken hinunter. »Sie und ich, wir... wir sind ein Ehepaar?«

Der Mann drehte sich zu mir um und starrte mich mit seinen grauen Augen durchdringend an. »Genug jetzt!«, rief er zornig. »Wenn dich irgendetwas verärgert hat, sage es mir offen und ehrlich! Ich weiß, ich war in letzter Zeit oft fort und du ganz allein auf Danmoor Castle. Wahrscheinlich bist du sauer auf mich, weil du dich verlassen fühlst. Aber deshalb muss ich mir deine unerhörten Verletzungen trotzdem nicht gefallen lassen!«

Wütend schnürte er seinen Morgenmantel zu und stapfte dann auf die Tür zu, die reich verziert war und aus altem, stark gedunkeltem Holz bestand.

Bevor der Mann die Tür erreichen konnte, trat ich ihm in den Weg. »Sie nennen mir jetzt sofort Ihren Namen!«, verlangte ich. »Und dann will ich sofort nach Hause!«

Der Mann kräuselte die Stirn und sah mich prüfend an. »Dir ist es ja wirklich ernst, Brenda«, sagte er verwundert, wobei allerdings nun auch etwas Sorge und Bestürzung in seiner Stimme mitschwang.

»Natürlich ist es mir ernst«, erwiderte ich bebend. »Ich werde zur Polizei gehen, wenn ich nicht sofort eine Antwort bekomme.«

Der Mann ergriff meine Schultern und sah mich prüfend an. »Kannst du dich denn wirklich nicht erinnern?«

Ich schüttelte den Kopf und spürte, wie mir Tränen in die Augen traten. Das ganze war zu viel für mich. Ich fürchtete, jeden Moment durchzudrehen.

Der Mann ließ mich los und straffte sich. »Ich bin Sir John Severen«, erklärte er dann nicht ohne Stolz. »Dein geliebter Ehemann!«

Ich konzentrierte mich und horchte in mich hinein. Aber der Name verursachte keinerlei Echo in meinem Innern. Es blieb völlig stumm und kalt in meinem Herzen.

Resigniert ließ ich die Schultern hängen. »Ich... ich kann mich einfach nicht erinnern«, sagte ich verzagt.

John umfasste mein Kinn und zwang mich, ihm in die Augen zu sehen. »Du machst mir wirklich nichts vor?«, fragte er ernst. »Der Name Sir John Severen ruft keinerlei Erinnerungen in dir wach?«

Ich schob seine Hand fort und schüttelte den Kopf.

»Und an dieses Castle kannst du dich auch nicht erinnern?«, fragte John und vollführte mit dem Arm eine alles umspannende Geste. »Du hast jahrelang darin gewohnt!«

Unbehaglich schaute ich mich um. Das Schlafzimmer war stilvoll und teuer eingerichtet. Aber ich war mir sicher, es das erste Mal zu sehen.

»Wie heißt dieses Castle denn?«, wollte ich wissen.

»Danmoor«, erwiderte John und seufzte. »Danmoor Castle. Seit über dreihundert Jahren im Besitz der Severens.«

Es war Wahnsinn. Nichts von dem, was dieser John sagte, regte irgendeine Erinnerung in mir wach. Vielleicht log er sogar!

Verstohlen schaute ich auf meine linke Hand hinab. Ein protziger Ehering mit eingraviertem

Muster prangte an meinem Finger. Ein scheußliches Ding!

»Du hast dich über diesen Ring damals sehr gefreut«, bemerkte John, dem mein Blick nicht entgangen war. »Ich habe es dir nie an etwas fehlen lassen, Brenda, denn du bist es mir auch wert.«

John streckte seine Arme aus und schickte sich an, mich in seine Arme zu schließen. Aber ich wich schaudernd vor ihm zurück.

»Es... es tut mir leid«, stammelte ich und rieb mir mit den Händen fröstelnd über die Oberarme. »Ich begreife das alles nicht. Warum kann ich mich nicht mehr an dich erinnern?«

John zuckte hilflos mit den Schultern. »Du hattest gestern Abend einen Reitunfall«, sagte er dann gedehnt. »Vielleicht liegt es daran. Wir sind zusammen ausgeritten. Auf dem Heimweg hat dein Pferd dann gescheut und dich abgeworfen.«

John sah mich nachdenklich an. »Du warst einige Minuten bewusstlos. Ich habe dich auf meinen Armen zum Castle getragen. Ich war in großer Sorge um dich und rief umgehend Dr. Hyes an. Als sie eine halbe Stunde später kam, warst du aber bereits wieder bei Bewusstsein. Du schienst keinen Schaden davongetragen zu haben. Das bestätigte auch Dr. Hyes, nachdem sie dich untersucht hatte.«

John rieb sich nachdenklich das Kinn. »Vielleicht ist dein Gedächtnisverlust eine Spätfolge des Sturzes«, überlegte er. »Kannst du dich denn an rein gar nichts mehr erinnern?«

Wieder versuchte ich mich zu konzentrieren und irgendeinen Erinnerungsfetzen zu erhaschen.

Aber es war vergebens. Unauslotbare, tiefe Schwärze hatte sich in meinem Bewusstsein ausgebreitet. Sie hatte alles verschluckt. Mein Leben, meine Erinnerungen und meine Gefühle...

Beklommen sah ich John an. Ich konnte mir nicht helfen, aber bei seinem Anblick empfand ich weder Zuneigung noch Liebe. Es war vielmehr so, dass ich mir bei bestem Willen nicht vorstellen konnte, was ich für diesen Mann empfunden haben könnte.

Johns Blick wurde plötzlich hart. Er schien genau zu spüren, was in meinem Innern vor sich ging. »Dein Blick beleidigt mich«, merkte er rau an. »Er ist kalt und gefühllos. Ich verlange, dass du mich respektierst und ehrst.«

Beschämt drehte ich mich zur Seite. Wenn es wirklich stimmte, was John behauptete, musste mein Verhalten ihn tief verletzen. Aber ich konnte nicht anders. Die Vorstellung, mit diesem Mann verheiratet zu sein, löste ein Gefühl des Widerwillens und des Trotzes in mir aus.

»Ich möchte mich jetzt umziehen«, sagte ich und bemühte mich, John dabei nicht anzusehen.

»Ich hindere dich ganz bestimmt nicht daran«, erwiderte John kalt.

»Ich weiß aber nicht, wo sich das Badezimmer befindet«, gab ich kleinlaut zu.

»Den Flur hinunter, die letzte Tür links«, erklärte John rau. »Wir haben jeder unser eigenes Badezimmer. Du bist dort also ungestört. Ich werde Mechthild zu dir schicken. Wenn es wirklich stimmt und du dich an nichts mehr erinnerst, wirst du jemanden brauchen, der dich wieder in alles einweist.«

»Wer ist Mechthild?«, fragte ich.

John verdrehte die Augen. »Unser Hausmädchen«, erklärte er entnervt. »Mechthild kocht für uns und erledigt die Hausarbeit. Ich war immer der Meinung, dass meine Frau für solche Arbeiten zu schade ist.«

Ich nahm meine Sachen vom Sessel und machte mich auf den Weg zum Badezimmer. John war im Zimmer stehen geblieben und starrte mich durchdringend an. Irgendwie war mir dieser Mann unheimlich, auch ohne die Vorstellung, mit ihm verheiratet zu sein.

 

 

2

Der Korridor, auf den ich nun gelangte, war düster und hoch. Kostbare Kronleuchter hingen an langen, goldenen Ketten von den Decken. Die Wände waren holzvertäfelt und hier und da mit dunklen Ölgemälden geschmückt. Die finster dreinblickenden Männer in ihren altmodischen Klamotten, die darauf abgebildet waren, ließen den Korridor noch unheimlicher und düsterer erscheinen.

Lautlos bewegte ich mich auf das Ende des langen Korridors zu. Ein dicker, blutroter Teppich schluckte meine Schritte. Ich kam an Nischen vorbei, in denen kostbare Statuen standen, die sehr alt und wertvoll aussahen.

Sir John Severen musste ein sehr wohlhabender und einflussreicher Mann sein, wenn er sein Castle mit derartigen Kunstschätzen schmücken konnte!

Im Badezimmer angekommen verriegelte ich die Tür hinter mir. Erst jetzt fühlte ich mich wieder ein wenig wohler.

Das Badezimmer war sehr komfortabel eingerichtet. In den vielen kleinen Details war Sir Johns Vorliebe für Antiquitäten und wertvolle Kunstschätze zu erkennen. In den gekachelten Nischen, die es in dem Badezimmer gab, standen antike römische Adonisstatuen. Auf dem Schminkregal befanden sich altertümliche Gefäße, in denen Salben und edel riechende Parfüms aufbewahrt wurden.

Aber auch an diese Dinge konnte ich mich nicht erinnern, obwohl die Antiquitäten ein unbestimmtes Gefühl der Vertrautheit in mir wach riefen. Ich konnte sogar die kunsthistorischen Epochen und die Stilrichtungen bestimmen, aus denen die antiken Schminkgefäße stammten. Es waren kostbare und wertvolle Stücke darunter und es wunderte mich, dass sie nicht in einem Museum standen, wo sie eigentlich hingehörten, sondern in dem Badezimmer einer Privatperson.

Ich zog das Nachthemd aus und stellte mich dann unter die Dusche. Während ich das prickelnde Wasser über meinen Körper rieseln ließ, schaute ich prüfend an mir hinab.

Nirgendwo war ein blauer Fleck oder eine Prellung zu sehen. Das fand ich ziemlich ungewöhnlich, in Anbetracht der Tatsache, dass ich am Abend zuvor vom Pferd gestürzt war.

Während ich mich abseifte, wurde mir noch einmal ganz deutlich klar, dass ich mit John nichts zu tun haben wollte. Die Vorstellung, die ganze Nacht neben ihm gelegen und geschlafen zu haben, ließ mich innerlich erschaudern. Noch abstoßender jedoch war der Gedanke, mit John Zärtlichkeiten auszutauschen. Er war einfach nicht mein Typ!

Wie hatte ich es all die Jahre nur mit ihm aushalten können? Hatte ich erst vom Pferd stürzen müssen, damit mir die Augen über meinen Mann geöffnet wurden?

Ich war verzweifelt. Wie sollte ich John in Zukunft gegenübertreten? Auf keinen Fall wollte ich eine zweite Nacht mit ihm zusammen in einem Bett schlafen!

Seufzend schob ich die lästigen Gedanken beiseite und versuchte mich zu entspannen. Nach der Dusche fühlte ich mich dann tatsächlich wieder einigermaßen behaglich. Ich schlüpfte in den Bademantel, der neben der Dusche hing und stellte mich dann vor den Spiegel.

Prüfend sah ich in mein Gesicht. Nichts daran kam mir fremd oder unbekannt vor, wie ich erleichtert feststellte. Das schulterlange, weizenblonde Haar, die geschwungenen Lippen, die sehr sinnlich und verführerisch aussahen, meine grünen Augen all dies war mir genauso vertraut, wie das eigene Gesicht einem nur vorkommen konnte.

»Brenda«, murmelte ich meinen Namen. So hatte mich auch der aufregende Mann in meinem Traum genannt.

Ich seufzte sehnsuchtsvoll, als ich nun an den Mann aus meinem Traum dachte.

Wieso hatte ich mich nicht in einen Mann wie ihn verlieben können? Warum musste es ausgerechnet ein so unsympathischer Kerl wie Sir John Severen sein?

»Was ist bloß los mit dir?«, fragte ich mit schwankender Stimme. »Was für eine Frau bist du gewesen? Und was hast du an diesem Sir John Severen gefunden?«

Da klopfte plötzlich jemand an die Tür.

Ich schrak zusammen und raffte den Bademantel vor meiner Brust zusammen.

»Wer da?«, rief ich unbehaglich.

»Mechthild, Madame«, erklang eine weibliche Stimme hinter der Tür. »Sir John hat mir aufgetragen, nach Ihnen zu sehen.«

»Einen Moment bitte, Mechthild!«, rief ich. »Ich bin gleich fertig!«

Aus einem Schrank holte ich mir frische Unterwäsche, die mir wie angegossen passte. Auch mit dem schwarzen Kleid verhielt es sich nicht anders. Es stand mir ausgezeichnet, war für meinen Geschmack allerdings ein wenig zu freizügig. Für einen Mann, den ich liebte und den ich begehrte, wäre es mir ein Vergnügen gewesen, dieses Kleid zu tragen. Doch bei dem Gedanken, in diesem verführerischen Aufzug vor Sir John hinzutreten, wurde mir ganz unbehaglich zumute.

Ich öffnete die Tür und sah mich einer jungen, brünetten Frau gegenüber. Sie war etwas kleiner und wohl auch jünger als ich, trug ein schlichtes Haushälterkleid mit einer weißen Schürze und sah demütig zu Boden.

»Guten Morgen, Mrs. Severen«, begrüßte sie mich und deutete einen Knicks an. »Ich hoffe, Sie haben gut geschlafen.«

Ich schüttelte mich innerlich. »Nennen Sie mich Brenda«, sagte ich.

Mechthild warf mir einen verstörten Blick zu, nickte dann aber untertänig. »Wie Sie wünschen, Madame«, sagte sie. »Sir John deutete an, dass Sie krank und etwas orientierungslos sind. Ich hoffe, es ist nichts ernstes.«

»Das hoffe ich auch«, erwiderte ich in einem plötzlichen Anflug von Sarkasmus. »Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob ich überhaupt je wieder gesund werden möchte. Ich könnte mich sonst an Dinge erinnern, die ich lieber für immer vergessen möchte.«

»Wie meinen?«, fragte Mechthild verstört.

»Schon gut«, erwiderte ich. »Zeigen Sie mir jetzt bitte das Ankleidezimmer. So etwas wird es in diesem Castle doch wohl geben. Ich möchte ein anderes Kleid anziehen. In diesem hier fühle ich mich nicht wohl.«

»Wie Sie wünschen, Madame«, sagte Mechthild und deutete wieder einen Knicks an. Dann wandte sie sich ab und bedeutete mir, dass ich ihr folgen sollte.

Als wir wenig später das Ankleidezimmer betraten, blieb ich einen Moment überwältigt stehen. Die antiken Schränke standen dicht an dicht. Durch ein schmales hohes Fenster fiel helles Tageslicht herein, das von einem seidigen Vorhang milde gedämpft wurde. Einige der Schranktüren standen offen. Die Schränke waren bis zum Bersten mit den nobelsten Klamotten gefüllt.

John hatte es seiner Frau wirklich an nichts fehlen lassen. War dies vielleicht der Grund gewesen, warum ich mich mit ihm eingelassen hatte?

Ein eiskaltes Frösteln erfasste meinen Körper. Die Vorstellung, dass ich John nur wegen seines Geldes geheiratet hatte, hatte etwas Grauenerregendes und Schreckliches an sich. Niemals würde ich mich dazu herablassen, einen Mann nur wegen seines Reichtums zu lieben!

Entschieden schüttelte ich den Kopf. Es musste einen anderen Grund gegeben haben, warum ich John geheiratet hatte, das stand für mich unumstößlich fest.

»Danke«, sagte ich an Mechthild gewandt. »Ich benötige Ihre Hilfe jetzt nicht mehr.«

Mechthild deutete einen Knicks an. »Wenn Sie mit dem Ankleiden fertig sind, kommen Sie bitte in den Speisesaal, Madame. Sir John wartet dort bereits mit dem Frühstück auf Sie.«

Mechthild wandte sich ab, blieb dann aber zögernd in der Tür stehen.

»Was gibt es denn noch?«, fragte ich.

»Werden Sie den Weg zum Speisesaal denn auch finden?«, erkundigte sich Mechthild.

»Sicherlich«, erwiderte ich leichthin. »Schließlich kenne ich mich mit alten Burgen und Schlössern aus.«

Mechthild sah mich sonderbar an. Dann machte sie einen Knicks und verschwand.

 

 

3

Es war tatsächlich nicht so schwer, den Speisesaal zu finden. Er befand sich im Erdgeschoss und war durch eine hohe, reichverzierte Tür zu erreichen, die direkt von der prunkvollen Eingangshalle abzweigte. Die Tür stand einen Spalt breit offen, sodass ich Sir John sehen konnte, der am Ende einer langen Tafel saß und in einer Zeitung las.

Ich verspürte nicht die geringste Lust, mich zu ihm zu gesellen und beschloss daher, mich erst einmal in meinem >Zuhause< umzusehen.

Ich verließ das Gebäude und trat auf den Burghof hinaus.

Aufmerksam sah ich mich um.

Bei Danmoor Castle handelte es sich um einen verschachtelten, ominösen Bau, der sehr düster und abweisend aussah. Das Haupthaus mit seinen unzähligen Erkern und Türmen war von einer soliden Burgmauer umgeben, die hier und da jedoch unverkennbare Verwitterungserscheinungen aufwies. Die Zeit hatte ihre Spuren ebenso hinterlassen, wie längst vergangene Schlachten, die um Danmoor Castle geschlagen worden waren. Einige Zinnen waren abgebrochen und in der Nähe des Aussichtsturmes klaffte gar ein großes Loch in der Mauerkrone.

Der Hof war schattig und groß. Er beinhaltete einen prächtigen Garten und moderne Stallungen für die Pferde. Auf einem Parkplatz neben dem wuchtigen Eingang stand ein chromblitzender Geländewagen und eine Mercedes-Limousine. Die Autos nahmen sich in dem düsteren Burghof neben dem eisenbeschlagenen Tor wie Fremdkörper aus. Sie gehörten in eine andere Welt und in eine andere Zeit.

Versonnen ließ ich meinen Blick schweifen. Aber ich wartete vergebens darauf, dass die unheimliche Burganlage irgendeine Erinnerung in mir wach rief. Es war, als würde ich das düstere, verwinkelte Bauwerk an diesem Morgen das erste Mal sehen. Auch wusste ich gar nicht, in welchem Teil von England ich mich befand.

Unbehaglich schaute ich zu dem wolkenverhangenen dunklen Himmel empor, der sich drohend über den Burghof spannte. Windböen fegten über die Burgzinnen hinweg, pfiffen um die Erker, stießen auf mich nieder und zerzausten mein Haar.

Da bemerkte ich auf der Burgmauer plötzlich eine Gestalt. Es war ein Junge mit schulterlangem, lockigem Haar und altertümlichen Klamotten. Sein langer, dunkler Mantel hatte eine doppelte Knopfleiste mit schimmernden Messingknöpfen daran. Er schien direkt einem der düsteren Gemälde des Castles entsprungen zu sein.

Stumm und starr stand der Junge auf dem Wehrgang und blickte auf mich herab, während der Wind mit seinem blonden Haar spielte und die Zipfel seines Brokatmantels flattern ließ.

Der Junge wirkte unnatürlich blass und seine Körperhaltung drückte eine seltsame Gleichgültigkeit aus. Er stand direkt neben dem klaffenden Loch in der Ringmauer, nur eine Handbreit von dem abgebrochenen Ende des Wehrganges entfernt. Wenn eine heftige Windböe den Jungen erfasste, würde er unweigerlich in die Tiefe stürzen!

»Vorsicht, Kleiner!«, rief ich. »Komm lieber wieder von der Burgzinne herunter. Du könntest abstürzen!«

Meine Worte hatten den Jungen offenbar erschreckt! Er tat einen unbedachten Schritt zurück direkt auf die Bruchkante des Wehrganges zu!

»Achtung!«, schrie ich entsetzt.

Doch es war zu spät. Der Junge ruderte haltlos mit den Armen und kippte dann über das Ende des Wehrganges in die Tiefe.

Entsetzt hielt ich mir mit der Hand den Mund zu. Was hatte ich nur getan! Mein warnender Ruf hatte genau das Gegenteil bewirkt. Der Junge stürzte, ohne dabei aber einen Laut auszustoßen.

Dann geschah etwas Unbegreifliches.

Bevor der Junge auf den gepflasterten Hof aufschlug, löste er sich plötzlich in Nebel auf. Eine Windböe erfasste den Nebelstreifen und blies ihn in alle Richtungen davon, sodass er schließlich ganz verschwand.

Fassungslos und von kaltem Grauen gepackt rannte ich zu der Stelle, wo der seltsame Junge eigentlich hätte aufschlagen müssen. Doch es war nichts Verdächtiges zu bemerken. Das Pflaster sah genau so grau und verwittert aus, wie an den anderen Stellen des Burghofs auch. Nichts deutete darauf hin, dass sich die Tragödie, die sich soeben vor meinen Augen abgespielt hatte, tatsächlich stattgefunden hatte!

»Ich... ich muss mir das alles nur eingebildet haben«, stammelte ich mit rauer Stimme. »Verliere ich jetzt etwa auch noch meinen Verstand?«

Schaudernd wandte ich mich ab und kehrte rasch in das Haupthaus zurück. Ich war total durcheinander und den Tränen nahe. Ich sehnte mich nach einem Menschen, dem ich mich anvertrauen konnte und der mir endlich erklärte, was mit mir los war.

Aber so einen Menschen gab es in meinem Leben nicht. Und wenn doch, so konnte ich mich nicht mehr an ihn erinnern.

 

 

4

Bevor ich den Speisesaal betrat, atmete ich einmal tief durch und versuchte, mein aufgewühltes Inneres etwas zu beruhigen. Dann erst öffnete ich die Tür und trat ein.

Bei dem Speisesaal handelte es sich um eine hohe Halle mit holzvertäfelten Wänden. Fenster gab es nur im oberen Drittel der Wände und sie waren nicht größer als Schießscharten. Schmale Lichtbalken fielen durch die Fenster schräg in die Halle und warfen eckige Lichtinseln auf die düstere Wandvertäfelung und auf den langen, wuchtigen Eichentisch, der in der Mitte der Halle stand.

Am Ende der riesigen Tafel waren zwei Gedecke aufgetischt. John, der auf einem thronartigen Stuhl saß, sah unwillig von seiner Morgenzeitung auf.

»Warum kommst du erst jetzt, Schatz?«

Seine Stimme hallte kalt und unheimlich in dem Speisesaal wider. John trug einen eleganten Anzug, der maßgeschneidert und bestimmt sehr teuer gewesen war. Mit seinem gepflegten graumelierten Haar und dem hageren Gesicht sah er sehr weltmännisch und aristokratisch aus. Doch seine Gesichtszüge waren auch hart und in seinen grauen Augen blitzte es kalt. Auf mich machte John den Eindruck eines berechnenden, egoistischen Burschen, vor dem man sich in acht nehmen musste.

»Ich... ich musste mich erst ein wenig orientieren«, entschuldigte ich mich. Ich hatte beschlossen, John nichts über den Jungen auf der Burgmauer zu erzählen.

John musterte mich von oben bis unten, während ich an der Tafel vorbei direkt auf ihn zuging. Sofort wurde mir wieder unbehaglich zumute.

Johns Blick war stechend und sezierend zugleich. Ich war froh, den beigefarbenen Hosenanzug gewählt zu haben, der mir ein schlichtes aber auch bestimmendes Aussehen verlieh. Meine weiblichen Reize waren unter dem Hosenanzug weitgehend verborgen. Trotzdem schien John mich mit seinen Blicken förmlich zu verschlingen.

Ich setzte mich und zwang mich zu einem unverbindlichen Lächeln. Dabei fiel mir auf, dass die Stühle, die um die Tafel gruppiert waren, alle sehr alt und wertvoll waren. Auch die Kristallleuchter, die an langen Ketten von der Decke hingen, mussten ein Vermögen gekostet haben.

»Hast du keinen Hunger?«, fragte John, während er die Zeitung zusammenfaltete und beiseite legte.

»Doch«, erwiderte ich und richtete meine Aufmerksamkeit jetzt auf den Teller vor mir. Ein Toast und ein Spiegelei mit Speck lagen darauf. In der Tasse dampfte heißer Kaffee.

Verwundert schaute ich das Porzellan an. Es war handbemalt und kunstvoll verziert. Ich schätzte, dass das Gedeck über hundert Jahre alt war.

Unwillkürlich nahm ich den Teller auf und hob ihn hoch, bis ich auf die Unterseite sehen konnte, ohne dass das Spiegelei dabei herunterrutschte. Auf der Tellerunterseite war ein Spiegel angebracht.

Tief atmete ich ein und hielt die Luft für einen Moment an. Dem Spiegel nach zu urteilen handelte es sich bei dem Teller um ein höchst seltenes Stück aus einer alten Londoner Porzellanmanufaktur, die damals exklusiv für das Königshaus produziert hatte. Der Teller, den ich in der Hand hielt, stellte einen unschätzbaren Wert dar und hätte eigentlich in ein Museum gehört!

»Stimmt etwas mit deinem Essen nicht?«, erkundigte sich John, der mein Tun verwundert verfolgt hatte.

Vorsichtig stellte ich den Teller wieder hin. »Der Teller«, sagte ich verwirrt. »Er... er muss ein Vermögen gekostet haben!«

John zuckte mit den Schultern. »Ich habe nun einmal eine Vorliebe für Antiquitäten«, meinte er lapidar. Dann sah er mich prüfend an. »Du scheinst deine Erinnerung ja wenigstens teilweise wieder zurückgewonnen zu haben«, stellte er fest. »Sonst hättest du den Wert dieses Tellers nicht erkannt.«

»Ja«, sagte ich gedehnt. »Du hast recht. Mir ist schon aufgefallen, dass sich viele Kunstschätze in diesem Castle befinden. Ich scheine einiges davon zu verstehen.«

John nickte gewichtig. »Das stimmt auch«, sagte er. »Du hast dich schon immer sehr für Archäologie interessiert. In diesem Punkt haben wir beide uns immer hervorragend ergänzt.«

John breitete die Arme aus. »All die Kunstschätze, die ich in Danmoor Castle horte, habe ich auch dir zuliebe angeschafft. Du konntest Stunden damit zubringen, die Herkunft der Artefakte zu bestimmen. Es war erstaunlich, was für ein Wissen du dir auf diesem Gebiet angeeignet hattest.«

»Aber dieses Gedeck sollte nicht im Besitz einer Privatperson sein«, gab ich zu bedenken. »Es ist so wertvoll und selten, dass es eigentlich in ein Museum gehört. Könige haben von diesem Teller gegessen. Sie sind ein Stück englische Geschichte und sollten auch der Bevölkerung zugänglich gemacht werden.«

John machte eine wegwerfende Handbewegung. »Seit wann interessieren dich gewöhnliche Leute? Du hast das Leben auf Danmoor Castle zwischen all diesen Kunstschätzen immer sehr genossen. Wir beide sind hier sehr glücklich gewesen und das zählt doch viel mehr als die profane Neugierde irgendwelcher gewöhnlicher Leute, die diese Artefakte sowieso nicht richtig zu schätzen wissen.

Wir hingegen leben mit diesen Kunstschätzen. Wir speisen von Tellern, die einst zu dem Haushalt eines Königs gehört haben und fühlen uns dabei fast selbst wie Könige!«

John ergriff plötzlich meine Hand und drückte sie ungestüm. »Du beginnst dich wieder zu erinnern, Brenda«, sagte er glücklich. »Dass du dieses Gedeck erkannt hast, lässt mich hoffen, dass es nicht halb so schlimm um dich steht, wie ich befürchtet hatte.«

Ich zog meine Hand zurück. »Ich fürchte, ich kann deinen Optimismus nicht teilen«, dämpfte ich seine Freude. »Ich habe sämtliche Erinnerung an mein Leben verloren. Was nützt es mir zu wissen, aus welcher Epoche irgendwelche Kunstschätze stammen, wenn ich mich an nichts aus meinem Leben erinnern kann?«

»Es ist doch bloß ein Anfang«, ließ John nicht locker. »Glaube mir, für mich ist es genau so schlimm, dass du dich nicht mehr an unsere gemeinsame Zeit erinnern kannst. Doch ich bin fest davon überzeugt, dass sich deine Erinnerung wieder einstellen wird. Nachher kommt Dr. Hyes. Ich habe sie bereits verständigt und ihr geschildert, was vorgefallen ist. Ich bin sicher, Dr. Hyes wird dich wieder gesund machen und dir deine Erinnerung zurückgeben.«

Ich bedachte John mit einem flüchtigen Seitenblick. Bisher war mir dieser Mann noch nicht sympathischer geworden. Ganz im Gegenteil. Was er über die Artefakte gesagt hatte, bewies nur, wie eigensüchtig und egoistisch er war. Mir war schleierhaft, wie ich es all die Jahre mit solch einem Mann hatte aushalten können. Ich überlegte ernsthaft, ob ich Dr. Hyes nicht bitten sollte, mir mein Gedächtnis lieber nicht zurück zu geben, denn ich war mir nicht sicher, ob ich an mein Zusammenleben mit John überhaupt erinnert werden wollte.

Doch dann fiel mir plötzlich der mysteriöse Junge wieder ein, den ich auf der Burgzinne gesehen hatte. Irgendetwas stimmte mit mir nicht, wenn ich mir nun sogar schon einbildete, Menschen zu sehen, die sich anschließend in Nebel auflösen.

Dr. Hyes musste mich unbedingt heilen, damit ich wieder normal wurde. Lieber wollte ich die Erinnerung an eine furchtbare Ehe zurück, als in Zukunft ständig irgendwelche Geister zu sehen.

Resigniert machte ich mich über das Frühstück her. Erst jetzt bemerkte ich, wie ausgehungert ich war. Heißhungrig schlang ich das Spiegelei hinunter, dabei peinlich darauf bedacht, dem unersetzlichen Teller keinen Schaden zuzufügen.

 

 

5

»Dr. Heyes ist soeben eingetroffen«, meldete Mechthild, die den Speisesaal durch einen Seiteneingang betreten hatte. »Sie wartet im Blauen Salon.«

»Hervorragend!«, sagte John und erhob sich abrupt von seinem thronartigen Stuhl. Auffordernd streckte er mir die Hand hin. »Komm, meine Geliebte«, sagte er vergnügt. »Dr. Hyes wird dich schnell wieder heilen. Du wirst sehen, sie ist eine ausgezeichnete Ärztin. Du hast ihr immer sehr vertraut.«

Johns Worte ließen mich aufhorchen. War diese Dr. Hyes eine Vertraute von mir gewesen? Wenn ja, konnte ich ihr auch von dem Vorfall mit dem mysteriösen Jungen erzählen?

Ich ignorierte Johns ausgestreckte Hand und stand auf. Mechthild machte sich unverzüglich daran, die Teller fortzuräumen.

»Vorsicht!«, gemahnte ich die junge Bedienstete, die für meinen Geschmack etwas zu sorglos mit dem antiken Geschirr umging. »Wenn Sie etwas kaputt machen, wird Sie das Ihren Job kosten. Dieses Geschirr ist mehr wert, als Sie in Ihrem Leben je verdienen können!«

Details

Seiten
100
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783738906707
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v351044
Schlagworte
amulett geliebte besessenen

Autor

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Titel: Das magische Amulett 83: Die Geliebte des Besessenen