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Circle C-Ranch 13: Gewehre für Durango

2016 120 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

CIRCLE C-RANCH

Klappe

Roman

CIRCLE C-RANCH

 

Band 13

 

Gewehre für Durango

 

Ein Western von Bill Garrett

 

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: nach einem Motiv von H.W.Hansen, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

Klappe

Als Jimmy Copper der schönen Dolores Hunter zum ersten Mal begegnet, ist er gleich Feuer und Flamme. Dolores bittet Jimmy, sie und ihren Partner Nat Castello nach Mexiko zu begleiten. Jimmy ist sofort damit einverstanden, denn er kennt den Weg zur Hazienda Durango. Jimmy glaubt, dass er das Richtige tut. Schließlich geht es ja um eine Wagenladung Decken, Kleidung und sonstige Waren, die dort dringend benötigt werden. Jimmy ahnt nicht, dass er nur Mittel zum Zweck ist. Denn auf dem Wagen befindet sich eine ganz andere Ladung – nämlich Gewehre! Und die sind für General Durango und seine aufständischen Rebellen bestimmt. Als Jimmy schließlich die Wahrheit erkennt, ist es schon fast zu spät für ihn. Denn er steht bereits mit einem Bein im Grab...

 

 

 

 

 

 

Roman

 

Jimmy Copper betrat Mrs. Radstones Hotel und blieb in der Halle stehen, um sich erst einmal an das Halbdunkel des Raumes zu gewöhnen. Er war ein großer, starker Bursche von einundzwanzig Jahren mit blonden Haaren und hellen Augen, in denen sich die ganze Wildheit spiegelte, die in ihm steckte. Er glich seinem Vater, dem Boss der Circle C-Ranch, buchstäblich aufs Haar, nur dass er nicht ganz so breit und so mächtig in den Schultern war wie der alte Buster Tom. Noch nicht.

„Welcher Wind weht dich denn schon am frühen Morgen in die Stadt?“, fragte Mrs. Radstone von der Rezeption her. „Wenn dich nur mal ein Hurrikan so richtig aus Tucson hinauswehen würde.“

Jimmy Copper blinzelte, erkannte Julie Radstone hinter der Rezeption, grinste geradezu unverschämt und setzte sich in Bewegung.

„Es ist so verdammt heiß heute, dass es einen bei der Arbeit hinten und vorn sticht, und da habe ich mir gedacht, trinkst du zur Abwechslung mal einen bei Julie Radstone. War das nicht ein prächtiger Gedanke?“

Er schob sich den Hut aufs rechte Ohr und stützte sich auf das Pult.

Julie Radstone hatte sich an diesem Morgen bereits sorgfältig zurechtgemacht und wirkte glatt zehn Jahre jünger, als sie in Wirklichkeit war. Die etwas zur Fülle neigende Frau sah frisch aus und beinahe jugendlich. Doch ihre Augen sprühten Feuer, da sie an den Ärger dachte, den ihr Jimmy Copper in diesem Haus schon bereitet hatte.

Sie schüttelte den Kopf. „Das hier ist kein Laden, in dem etwas über die Straße ausgeschenkt wird. Hier gibt es nur etwas für Hotelgäste. Der Drink kostet fünfzig Cents. Aber zuerst vier Dollar für ein Zimmer auf den Tisch des Hauses!“

Jimmys Grinsen wurde so breit wie der Mississippi. Während er in die Hemdtasche griff, warf er einen Blick durch die offenstehende Tür in den Speiseraum, aus dem verhaltenes Stimmengewirr und Gläserklirren klang. Karten wurden auf den Tisch geschlagen.

„Da sind vier Dollar, und noch sechs für eine Flasche dazu, Julie“, sagte er aufgeräumt. „Du bist verdammt gerissen und hast bestimmt schon bei meinem Eintreten erkannt, dass ich heute morgen etwas auf die Platte schlagen möchte, wie? Sind das vielleicht Hotelgäste da drüben?“

„Natürlich!", erwiderte Julie Radstone spitz und kassierte den Zehndollarschein.

„Jetzt bin ich auch einer“, sagte Jimmy Copper und sah seinem Geldschein nach, der ziemlich rasch in Mrs. Radstones Kasse verschwand.

Julie Radstone lief in den Speiseraum und kehrte kurz darauf mit einer Flasche und zwei Gläsern zurück. „Hier, du Gast!“, sagte sie und goss ein. Dann stellte sie die Flasche vor Jimmy auf das Pult.

Jimmy griff nach einem Glas und hob es hoch. „Auf dich, Julie, meine stille Liebe!“

„Auf Rip O’Hagan, der dich glatt drei Tage einlocht, wenn ich ihm das sage“, erwiderte Julie Radstone trocken und leerte ihr Glas in einem Zug.

Auch Jimmy trank. „Ich sagte stille Liebe “, erklärte er, als er das Glas zurücksetzte. „Also rede nicht darüber.“

Julie Radstone goss noch einmal ein. „Zur Sache, Junge! Was willst du?“

Im Speiseraum wurde es plötzlich laut. Zwei Männer waren in Streit geraten. Um was es ging, vermochten Jimmy Copper und Julie Radstone nicht zu verstehen. Julie Radstone wollte zur Tür laufen, um nachzusehen. Aber da war es schon wieder ruhig. Julie Radstone verdrehte die Augen. Jimmy Copper zuckte die Schultern.

„Also, was soll ich wohl wollen, he?“, sagte Jimmy Copper. „Mich in deinem schattigen Haus abkühlen. Ist das kein Grund, um hier hereinzuschneien? Drüben in Madsons Laden ist es mir einfach zu voll. Deshalb habe ich mir gedacht, lass Julie Radstone etwas zukommen.“

„Ja, zehn Dollar, und die bist du los“, erwiderte Julie Radstone. „Aber ich meinte, was du in der Stadt willst? Gibt es bei euch draußen auf der Circle C nichts zu tun?“

Jimmy Copper grinste. „Ich habe mir hier ein Zimmer gemietet. Ist das vielleicht keine Beschäftigung?“

„Ach, lass den Quatsch!“, wehrte Julie Radstone verärgert ab. „Mit dir ist heute nicht zu reden. Du langweilst mich, Junge! Jetzt ist mir tatsächlich nach einem Hurrikan zumute, der dich aus meinem Bau hinausweht und auch gleich aus der Stadt. Für Tucson wäre das kein Verlust. Bestimmt nicht.“

Jimmy wollte etwas erwidern. Aber er kam nicht mehr dazu. Im Speiseraum wurde es wieder laut. Stühle wurden gerückt, eine Frau schrie entsetzt auf. Dann war es plötzlich totenstill.

Jimmy und Julie Radstone sahen sich an und liefen beide los.

 

*

 

Jimmy hatte den Tisch, an dem die Leute saßen, von der Rezeption her nicht sehen können. Als er auf der Schwelle zum Speiseraum stehenblieb, erblickte er drei Männer und eine Frau. Einer der Männer hielt einen Colt in der Faust, einer ein Messer. Der dritte hatte die Hände erhoben und blickte bestürzt von einem zum anderen.

Die Frau war bildschön. Sie hatte pechschwarzes Haar, das ihr in schweren Flechten auf der linken Schulter hing. Sie trug ein dunkelgrünes Reitkostüm und hohe Stiefel. Jimmy schätzte sie auf höchstens fünfundzwanzig Jahre. Er vermochte einen Moment lang nicht einmal zu atmen, so gut gefiel sie ihm.

Julie Radstone wollte in den Raum laufen, um die Männer abzuhalten, sich gegenseitig umzubringen. Jimmy hielt sie jedoch fest und schob sie mit sanfter Gewalt zurück.

„Hallo, Gentlemen!"; sagte er laut. „Sie befinden sich in Gegenwart einer Dame! Darf ich bitten, sich entsprechend zu benehmen?“

Der Mann mit dem Messer in der Faust und der andere mit dem gezogenen Revolver, die beide den dritten Mann bedrohten, fuhren wütend herum und starrten Jimmy Copper feindselig an.

„Halten Sie sich heraus, Sie Sumpfbiber!“, rief der Mann mit dem Messer.

Sie waren alle vier fremd in Tucson; die drei Männer sowie die Frau. Jimmy konnte sich jedenfalls nicht erinnern, sie jemals in der Stadt gesehen zu haben.

„Keinen Streit hier!“, sagte Jimmy unbeeindruckt. „Nicht in diesem Haus!“

Der Fremde mit dem Messer machte Front zu Jimmy. Er hielt die Klinge so, als wäre er entschlossen, Jimmy den Leib aufzuschlitzen.

Jimmy blieb auch sofort stehen, den Blick auf das Messer gerichtet. „Dieses Haus hier ist ein friedliches Haus“, sagte er wider besseren Wissens. Wie oft hatte er schon dazu beigetragen, dass man glatt das Gegenteil behaupten konnte.

„Bleiben Sie, wo Sie sind, Junge!“, zischte der Mann mit dem Messer wütend. „Es sei denn, Sie verspüren Lust, sich Ihre Eingeweide mal genauer zu betrachten. Dieser Kerl und sein Frauenzimmer haben uns beim Spiel hereingelegt. Da wird kein Mensch etwas dagegen haben, wenn wir uns unser Geld wieder holen. Es sei denn, er ist lebensmüde.“

Jimmy sah die Frau an. Wieder beeindruckte ihn ihre Schönheit. „Sie haben gehört, welche Anschuldigung er erhoben hat, Ma'am.“

„Diese Männer sind Betrüger!“, rief die Frau wütend und entsetzt zugleich. „Es sind gemeine Betrüger. Sie haben falsch gespielt!“

„Mrs. Radstone, rufen Sie den Marshal!“, sagte Jimmy förmlich.

Julie Radstone wollte loslaufen.

„Halt!“, rief da der Fremde mit dem Colt in der Faust. „Bleiben Sie, wo Sie sind, Mrs. Radstone, oder es passiert was.“

Das war genau der Ton, den Jimmy Copper nicht leiden konnte. Mrs. Julie Radstone war eine ehrenwerte Frau. Kein Copper hätte still zugehört, wenn ein Mann, welcher auch immer, mit Mrs. Radstone in dieser Weise sprach. Weder Buster Tom, der alte Copper, noch sein ältester Sohn Cliff. Doch schon gar nicht Jimmy. Er kochte sofort vor Zorn und winkelte kampfbereit und zu allem entschlossen die Arme an.

„Ich glaube, Freunde, ihr wisst nicht ganz genau, wo der Chili wächst“, sagte er grollend und setzte sich in Bewegung.

Doch da krachte und knallte es plötzlich. Der Fremde mit dem Colt schoss, und sein Kumpan warf das Messer. Doch nicht auf den Mann, der sie angeblich betrogen hatte, sondern auf Jimmy Copper.

Jimmy hatte jedoch damit gerechnet. Er warf sich flach auf den Bauch, dass die Klinge und die Geschosse über ihn hinwegzackten, rollte sich blitzschnell zur Seite, ergriff einen Stuhl am Bein und warf ihn auf den Coltschützen, den er damit genau vor die Brust traf und aus dem Gleichgewicht brachte. Dann war er schon wieder auf den Beinen. Seine Linke kam gestochen und gerade und traf den Messerwerfer so knallhart, dass er zurückflog, sich überschlug und durch das eine Fenster hinaus verschwand.

Im Vorwärtsstürmen ergriff Jimmy eine Whiskyflasche vom Tisch, schlug ihr den Boden mit einem kurzen Hieb auf die Platte ab und stürzte sich damit auf den Coltschützen, der sich gefangen hatte und erneut auf ihn anlegte. Aber er kam nicht mehr zum Schuss, weil er blitzschnell am Boden Deckung suchte. Zu seinem eigenen Glück. Denn dadurch verfehlte ihn Jimmy. Die Flasche zersplitterte an der Wand. Der etwas stärkere Hals blieb im Holz stecken.

Jimmy heulte auf, weil er sich den Ellenbogen dermaßen verstaucht hatte, dass er glaubte, der Arm würde ihm in zwei Hälften gerissen. Dann brach er über seinem Gegner förmlich zusammen. Es gab einen kurzen, wilden Kampf, den Jimmy gewann. Als er aufstand und sich den Staub von der Hose klopfte, schlug Julie Radstone in der Halle die Hände über den Kopf zusammen und rief: „Jimmy, die schönen Fenster!“

Wo die beiden Fenster gewesen waren, klafften zwei Öffnungen. Von Glas war nichts mehr zu sehen. Staub und Putz rieselten von der Decke. Splitter und Holzteile ragten aus der Wand.

Jimmy hob den Hut auf, den er im Kampf verloren hatte, beulte ihn aus und sah die schöne dunkelhaarige Fremde an, die bleich an der Wand lehnte.

„Tut mir leid, Ma’am. Aber Tucson ist eine sehr ruhige und friedliche Stadt. Kann ich Ihnen sonst noch behilflich sein? Mein Name ist Jimmy. Jimmy Copper!“

Die Frau lächelte unsicher. „Ich danke Ihnen, Mr. Copper. Ich bin Dolores Hunter. Das ist Castello, Mr. Nat Castello.“

Sie hob kurz die Hand und wies auf den Mann, der nach wie vor an der Wand stand, die Arme immer noch erhoben.

Jimmy grinste. „Nehmen Sie die Flügel nur ruhig wieder herunter, Mister.“

Stimmengewirr drang von der Straße herein. Marshal Rip O’Hagans Stimme war zu vernehmen. Dann polterten schon Stiefel im Haus. Eine Gruppe Männer drang von der Straße her ein. Allen voran der Marshal. Julie Radstone schloss sich der Gruppe in der Halle an, und als der Marshal im Speiseraum stehenblieb, die Fäuste in die Hüften stemmte und sich kurz umsah, war er schon über alles im Bilde.

„Jimmy!“, sagte er nur und blickte auf die Fensteröffnungen, deren Flügel samt den Rahmen mit den beiden Fremden hinausgeflogen waren.

Jimmy klopfte sich den Staub von der Hose. „Der eine ging mit dem Messer auf mich los, der andere mit dem Colt. Da dachte ich mir, schaff sie erst einmal hinaus. Das war eben der kürzeste Weg. Rip O’Hagan wird dann schon weitersehen.“

Der Marshal trat an die eine Fensteröffnung und blickte auf den Sideway. Jimmy folgte ihm. Ein paar Männer bemühten sich um die Fremden, die noch auf der Fahrbahn lagen. Einer stöhnte laut und warf den Kopf hin und her. Fast fünfzig Bürger hatten sich versammelt.

„Tragt sie zum Padre in die Kirche!“, rief der Marshal hinaus. „Ich komme gleich nach. Ihr anderen verzieht euch! Geht aus dem Weg!" Dann sah er Jimmy wieder an.

Jimmy wedelte mit der Hand. „Diesmal ist’s Essig mit dem Ersatzleisten. Es war ein Angriff auf mein Leben, Mr. O'Hagan. Die Streithammel sollen die Fenster bezahlen, und wenn sie kein Geld haben, lochen Sie die Brüder einfach ein!“

 

*

 

Er schaute hinaus aut die Trümmer. „Guggenheimer kann die Flügel wieder zusammenflicken und neue Scheiben einziehen. Beim Einsetzen der Fenster will ich ihm dann gern behilflich sein. Aber zu mehr kann ich mich nicht verpflichten.“

Rip O’Hagan sah ihn brütend an. „Kennst du die beiden überhaupt?“

Jimmy schüttelte den Kopf. „Nein! Diese Typen habe ich hier noch nie gesehen.“

„Es sind Prewitt Westhams Typen!“, versetzte der Marshal bissig. „Er hat sie von weit her kommen lassen, wie es heißt. Aber bestimmt nicht, um sie sich von dir krankenhausreif schlagen zu lassen.“

„Zum Falschspielen hat er sie aber bestimmt auch nicht nach Tucson kommen lassen“, erwiderte Jimmy mit gleicher Schärfe.

Der Marshal maß ihn von oben bis unten und wandte sich Mr. Nat Castello und Miss Hunter zu.

„Castello, Sie haben Stadtverbot!“, sagte er schnarrend. „Und ich glaube, Miss Hunter, es ist besser, wenn Sie auch gleich mit abreisen.“

Er ging zu Julie Radstone und legte ihr kurz die Hand auf den Arm. „Ich schaue gleich noch einmal herein. Ich werde sehen, was ich für dich tun kann.“

Er winkte den Männern, die mit ihm hereingekommen waren, und lief mit ihnen rasch wieder hinaüs.

Jimmy sah ihm wütend nach. „Der Marshal spinnt!“, sagte er, als er Miss Dolores Hunter anblickte. „Na warten Sie! Dem werde ich gleich Bescheid sagen.“

„O danke! Bemühen Sie sich nicht, Mr. Copper“, versetzte Dolores Hunter rasch.

„Das wollen Sie sich doch nicht etwa gefallen lassen?“, rief Jimmy erstaunt.

„Die anderen spielen falsch, fangen Streit an, und Sie feuert er einfach aus der Stadt. Ganz so groß ist der Marshal nun auch nicht. Nur keine Sorge. Ich bringe das in Ordnung.“

Er lief zornig los. Aber da rief ihn Castello zurück.

„Einen Moment mal, Mr. Copper!“, rief er. „Sie könnten Miss Hunter vielleicht einen anderen Gefallen erweisen.“

Jimmy machte kehrt.

„Wir wollten ohnehin sofort abreisen“, sagte Dolores Hunter und lächelte und sah Jimmy mit einem Blick an, der ihm förmlich unter die Haut ging.

Castello trat an ihn heran. „Suchen Sie vielleicht einen Job?"

Jimmy sah ihn verblüfft an.

„Ich meine, ob Sie Arbeit suchen?“, grinste Castello. „Gut bezahlte Arbeit natürlich.“

„Na hören Sie!“, lachte Jimmy. „Habe ich nicht eben genug geschuftet? Damit sollte es sich eigentlich für heute haben. Aber wenn ich Miss Hunter behilflich sein kann, natürlich gern.“

„Sie können.“ Castello grinste.

„Geh, Castello!“, sagte Dolores Hunter. „Ich werde mit Mr. Copper sprechen.“

Castello nickte ihr zu und ging sofort hinaus. Jimmy sah ihm nach, erstaunt, weil er ihr so bedingungslos gehorchte. Als er den Kopf wieder drehte, stand Dolores Hunter dicht vor ihm. Ihre Augen waren ganz dunkel geworden, so dass ihm auf eine unbestimmbare Art ziemlich sonderbar zumute wurde. Das Blut in seinen Adern begann plötzlich zu jagen.

„Ich glaube, Sie sind ein besonderer Mann, Mr. Copper“, sagte sie betörend.

Jimmys Atem ging ziemlich flach. Er rückte sich den Stetson gerade und lächelte freundlich.

„Kennen Sie sich in dieser Gegend aus, Mr. Copper?“

Jimmy nickte. „Ich denke doch.“

„Ich bin auf dem Weg nach Mexiko“, erklärte sie ihm. „Auf Castello ist leider recht wenig Verlass. Sie sind genau der Mann, den ich suche. Schon lange!“

Jimmys Augen schlossen sich zu schmalen Schlitzen. Ihm wurde es im Hals trocken und eng.

„Ich bin mit einem Frachtwagen voll Waren unterwegs“, sagte sie. „Decken, Mäntel, Hausrat und dergleichen. Von irgend etwas muss eine Frau wie ich ja leben. Es ist schließlich nicht leicht. Sie wissen schon, wie ich das meine.“

Jimmy nickte. In ihren Augen ist Castello also kein richtiger Mann, schoss es ihm durch den Kopf. Sein Brustkorb spannte sich, auch die Haut über den Kiefern.

„Kennen Sie die Hazienda Durango?“, flüsterte sie. „Da muss ich hin. Vielleicht könnten Sie ...“

Jimmy atmete tief durch. „Well, ich führe Sie hin.“

Sie lächelte - weich und fraulich war dieses Lächeln. Sie kam ihm so nah, dass ihm ihr Atem ins Gesicht schlug.

„Sie wissen nicht, was es für mich bedeutet, einen Mann, wie Sie einer sind, in meiner Nähe zu haben. Ich zahle Ihnen dreihundert Dollar.“

„M'a’am, Sie übertreiben!“, krächzte er. „Es ist eine Kleinigkeit. Und für ein paar Tage kann ich mich immer frei machen.“

Sie hielt ihm die Hand hin. „Ich habe Ihr Wort, Jimmy?“

Jimmy schluckte. „Natürlich“, sagte er und schlug ein. Dann verließ er mit ihr das Hotel und begleitete sie zur Wells Fargo Station, in deren Hof sie ihren Frachtwagen abgestellt hatte.

Castello wartete bereits und grinste säuerlich, als er sie beide kommen sah. Es freute Jimmy ungemein, so nah an Dolores Hunters Seite zu gehen. Als er mit ihr auf Castello zuging, kam es ihm vor, als wäre es nie anders gewesen. Er machte sich auch nichts vor und gestand sich ein, bis über beide Ohren in sie verliebt zu sein. Zugleich begriff er jedoch, dass er in Castello einen Rivalen besaß. Castello war vielleicht kein sehr großer Kämpfer. Sicherlich fehlte es ihm an Mut und an Erfahrung, sich in der Wildnis zurechtzufinden. Aber schon die Tatsache, dass er mit Dolores Hunter unterwegs war, warnte Jimmy, in ihm einen Blindgänger zu sehen. Im Gegenteil! Er hielt Castello für einen Mann, der sich zumindest auf Frauen verstand.

Um Castello nicht zu zeigen, dass er sich im Grunde genommen nur hatte anwerben lassen, weil ihm Dolores Hunter gefiel und er in sie verliebt war, ging er rasch an Castello vorbei, ließ Dolores Hunter bei ihm stehen und besah sich den Conestoga, an dem er auch prompt ein angebrochenes Rad entdeckte.

„Dieses Rad da vorn rechts müssen wir erst wechseln“, sagte er, zu Castello gewandt. „Damit kämen wir nicht einmal aus der Stadt.“

Castello nickte gnädig. „All right, Jimmy! Tun Sie, was getan werden muss."

Jimmy senkte verärgert die Lider, ließ sich aber nichts anmerken und nahm sich nur vor, Castello sehr bald klarzumachen, dass er Weisungen und Befehle von ihm bestimmt nicht annehmen wollte.

Im Hof der Wells Fargo-Station lag zu einem Radwechsel alles bereit. Jimmy zog die Lederweste aus, warf sie auf den Wagen und schritt zum Haus, um einen Hebebaum zu holen, mit dessen Hilfe er den Wagen hochbocken konnte. Seiner Meinung nach musste Castello sehen, welche Arbeit es zu verrichten galt. Doch Castello unterhielt sich mit Dolores Hunter und machte nicht die geringsten Anstalten, Jimmy behilflich zu sein. Jimmy nahm das hin, spuckte in die Hände und hob einen der Hebebalken aus der Halterung. In diesem Moment kam einer der Clerks aus dem Haus.

„He, du Pfeife, fass mal mit an!“, rief Jimmy freundlich.

Der Clerk fuhr wütend auf dem Absatz herum, grinste aber, als er Jimmy Copper erkannte. „Jimmy, alte Tüte!“, versetzte er gut gelaunt. „Willst du Mrs. Radstones Hotel vielleicht mit diesem Hebebaum den Rest geben?“ Er kam interessiert näher. „Was hat es denn gegeben? Du sollst die gesamte Vorderfront von Mrs. Radstones Laden abgerissen haben?"

„Wenn du mit anfasst, erzähle ich dir die Geschichte.“

Der Clerk rückte sich den Stetson gerade, lief an das andere Ende und half ihm den Hebebaum zum Wagen tragen. Dort fluchte und schwitzte er dann eine geschlagene halbe Stunde mit Jimmy. Doch weniger aus Neugier, mehr, weil er Jimmy Copper mochte.

 

*

 

Rip O’Hagan kramte in seinem Office auf dem altersschwachen Schreibtisch herum, ordnete Schriftstücke, knallte sie auf den Tisch und griff nach anderen Dingen.

„Was suchst du bloß. Rip?“, fragte Julie Radstone, die auf der Bank am Fenster saß und seinem sinnlosen Tun und Treiben zusah.

„Einen Steckbrief auf diesen Castello!“, brummte der Marshal verdrossen. „Bei diesem Burschen weiß man nie genau, woran man wirklich ist. Der kriegt es fertig und rennt glatt zum Richter, weil ich ihm die Stadt verboten habe. Da muss ich schließlich etwas in der Hand haben. Dass mir dieser Kartenhai meinen Frieden stört, hat mir gerade noch gefehlt.“

„Und meine Fenster?“

„Darum kümmere ich mich auch noch“, erwiderte Rip O’Hagan verärgert. „Die beiden Fremden bleiben uns ja. Sie liegen in der Mission, und da werden sie die nächsten acht Tage auch bleiben, wie mir der Padre versicherte. Ich werde auch mit Westham sprechen, sobald er hier auftaucht.“

„Wenn nichts fruchtet, werde ich mich an die Coppers halten, meinst du nicht?“

„Jimmy hat in Notwehr gehandelt!“, erwiderte der Marshal.

Julie Radstones Blick wurde düster. „Hast du schon einmal Gäste in ein Hotel einziehen sehen, in dem die Fenster fehlen? Von was soll ich leben?“

„Deine Fenster kriegen wir schon wieder 'rein!“, brummte der Marshal gereizt. Da fiel sein Blick auf die Straße. „Nein! Buster Tom!“, rief er und lief zur Tür.

Julie Radstone drehte sich um und schaute durch das Fenster auf die Straße hinaus. Ein Reiter hatte vor dem Office angehalten. Er war schon aus dem Sattel und lief um das Pferd. Sie erkannte den großen, schwergewichtigen Mann jedoch auch von hinten.

„Sicher wird er seinen Bronco holen wollen, weil er ihm von der Arbeit ausgerissen ist!“, rief sie dem Marshal nach.

Der Boss der Circle C-Ranch und der Marshal begrüßten sich draußen und betraten zusammen das Office. Tom Copper zog den Hut. als er Julie Radstone erkannte, und lächelte steif.

„Hallo, Mrs. Radslone!“, begrüßte er sie. Dann sah er den Marshal wieder an. „Nun, Rip, ihr beiden habt ja richtige Verschwörergesichter aufgesetzt. Aber ich will euch nicht stören. Ich wollte nur mein Pferd vor deinem Haus in den Schatten stellen. Das ist dir doch recht?“

Marshal Rip O’Hagan verzog das Gesicht. „Setz dich! Du weißt gar nicht, wie gerufen du uns kommst.“

„Wieso?“, fragte Tom Copper, der von allen Leuten nur Buster Tom genannt wurde. Er blickte voller Unbehagen von einem zum anderen und zog den Gürtel hoch, an dem ein Peacemaker Colt hing. Seine derbe Kleidung war staubbedeckt. Sein wetterbraunes Gesicht glanzte vom Schweiß, und in jeder Furche seines faltigen Halses schimmerte es nass und feucht. Trotzdem wirkte er wie ein Mann, dem auch die ärgste Hitze in diesem Land nichts anhaben konnte.

„Setz dich, habe ich gesagt!“, brummte der Marshal.

„Du machst mir kein gutes Gesicht, Rip“, knurrte Buster Tom mit sonorer Stimme. „Da bleibe ich schon lieber auf meinen Beinen.“ Seine hellen Augen blickten voller Misstrauen und Argwohn.

Da stand Julie Radstone auf und berichtete, was sich vor einer halben Stunde in ihrem Hotel abgespielt hatte. Noch während sie sprach, blickte Buster Tom zur Jailtür.

„Dafür hast du ihn eingesperrt?“, polterte er dann, als sich Julie Radstone wieder setzte.

Der Marshal schüttelte den Kopf. „Aber nein!“

Buster Tom lachte verärgert. „Das wäre ja auch noch schöner. Ich finde das verdammt anständig von dem Jungen, dass er da eingegriffen hat, obwohl ich es sonst gar nicht mag, wenn er sich in die Angelegenheiten anderer Leute mischt. Aber schließlich waren Damen in der Nähe. Wo ist er jetzt? Und was waren das für Leute?“

„Das ist es ja!“, brummte der Marshal. „Dein Bronco hat sich die falschen gegriffen. Die beiden Männer, die er verprügelt hat, waren Angestellte von Prewitt Westham. Jedenfalls sind sie es seit kurzem. Und falsch gespielt, Buster Tom, haben nicht sie, sondern ein gewisser Castello, der in mehreren Staaten gesucht wird. Und Dolores Hunter ist auch kein unbeschriebenes Blatt. Aber das konnte der Junge ja nicht wissen.“

Buster Tom zuckte die Schultern. „Dann verstehe ich deine Aufregung nicht. Genau genommen ist Jimmy angegriffen worden. Wenn man beim Spiel betrogen wird, besitzt man damit noch lange nicht das Recht oder die Pflicht, auf jeden bewaffnet loszugehen, nicht wahr?“

„Buster, du verstehst die Situation nicht“, erwiderte der Marshal. „Dieser Castello wird steckbrieflich gesucht, und Dolores Hunter ist ebenfalls als Betrügerin bekannt. Hinzu kommt, dass sich dein Jimmy wegen solcher Leute den Zorn von Prewitt Westham auf den Buckel gezogen hat.“

„Mit Westham kommen wir schon ins reine“, erwiderte Buster Tom.

„Ich bin noch nicht fertig!“, versetzte Rip O’Hagan frostig.

„Ja, ich weiß“, meinte Buster Tom mit tiefer Stimme. „Ihr wollt von mir die Fenster ersetzt haben. Aber da müsst ihr euch einen anderen suchen, versteht ihr?“

„Ich wünschte, die Fenster wären jetzt wirklich deine Sorgen!“, grollte der Marshal.

Buster Tom sah ihn aus schmalen Augen an.

„Dein Sohn Jimmy hat sich von Castello und Dolores Hunter anwerben lassen“, sagte der Marshal trocken. „Ich glaube, die Reise geht nach Mexiko. Sie haben im Hof von der Wells Fargo-Station einen Planwagen stehen.“

„Was?“, polterte Buster Tom betroffen.

Der Marshal nickte. „Ich habe dir doch gesagt, du kommst wie gerufen. Oder waren das nicht meine Worte? Wenn ich an Prewitt Westham denke, ist es vielleicht ganz gut, dass dein Bronco Jimmy nach Mexiko geht. Aber ich habe auch an dich gedacht. Denn dir gefällt doch das gar nicht, stimmt’s?“

Buster Tom holte tief Luft, blickte noch einmal rasch von einem zum anderen und machte kehrt. Mit schwingenden Armen und weit ausholenden Schritten stapfte er aus dem Office auf die Straße hinaus. Er wandte sich sofort nach rechts, lief am Haus des Büchsenmachers vorbei und schwenkte vor dem alten Stadthaus über die Straße auf das Wells Fargo-Gebäude ein.

In der Tür kam ihm der Inspektor entgegen. „Ist mein Sohn noch im Haus?“, fuhr ihn Buster Tom an.

Der Inspektor zuckte vor der wilden Stimme zurück und wies über die Schulter.

„Hinten im Hof, Mr. Copper!", stammelte er erschrocken. „Ich glaube, sie fahren gleich los.“

Buster Tom stürmte an ihm vorbei, lief durch den Korridor, trat die Hoftür mit einem wütenden Schwung herum, dass sie fast aus den Angeln krachte, und blieb auf der Schwelle stehen.

Direkt neben dem Corral stand ein schwerer Conestoga, vor den sechs Maultiere gespannt waren. Jimmy kam gerade unter dem Wagen hervor und schaute sich wegen des Knalls um. Er hielt einen Topf Wagenschmiere in der Hand und in der anderen einen teerigen Quast. Sein Gesicht war schmutzig und schweißverschmiert.

„Boss!“, rief er überrascht. „Wo kommst du denn her?“

Buster Tom trat langsam in den Hof hinaus. Jimmy tauchte den Quast in den Topf, stellte den Topf ab, wischte sich die Hände am Hosenboden sauber und kam ihm entgegen.

„Ich komme von der Circle C“, polterte Buster Tom. „Wo soll ich denn sonst herkommen?“

„Verdammt heiß heute, wie?“, sagte Jimmy unsicher.

Buster Tom blickte seinem jüngsten Sohn fest in die Augen. „Ja! Einen solchen Sommer hatten wir lange nicht mehr.“

„Eben! Das sage ich ja“, wurde Jimmy lebhaft. „Der Schweiß läuft einem wie Bachwasser herunter, wenn man nur daran denkt, sich zu bewegen.“

„Jimmy!“

Jimmy trat von einem Bein auf das andere. „Ich sehe, du weißt schon Bescheid. Na gut! Dieser Job bringt mir dreihundert Dollar ein. Dafür kann man sich schon mal ein bisschen quälen. Meinst du nicht auch?“

„Was sind das für Leute, von denen du dich hast anwerben lassen?“

„Also weißt du, es hat so begonnen ...“

„Ich bin im Bilde!“, donnerte Buster Tom. „Darüber bin ich vollkommen informiert. Aber ich möchte wissen, wieso du jetzt nach Mexiko gehen willst.“

„Weil ich mir dreihundert Dollar verdienen möchte!“, fauchte Jimmy.

Buster Tom spie verächtlich aus. „Was dreihundert Dollar sind, weißt du gar nicht, und du musst es auch nicht wissen. Jedenfalls noch nicht. Nimm dein Pferd und komm!“

„Nimm dein Pferd und komm!“, heulte Jimmy wütend auf. „Ich bin doch kein Karnickel! Ich habe hier zugesagt. Zugesagt, verstehst du? Mein Wort habe ich gegeben, dass ich diesen Wagen zur Hazienda Durango bringen werde. Und mein Wort halte ich auch.“

Buster Tom blinzelte verwirrt. „Hazienda Durango! Wo ist denn das?“

„Ich kenne die Gegend“, erklärte Jimmy, „und ich finde den Weg schon. Der Wagen gehört einer Frau, die ohne mich ziemlich hilflos wäre.“

„Du scheinst gar nicht zu wissen, an was für Leute du geraten bist. Es sind Verbrecher. Auch die Frau. Nicht nur Castello!“

Jimmy duckte sich und winkelte die Arme an. „Wie kannst du so etwas behaupten?“

Buster Tom grinste kalt. „Willst du auf mich losgehen? Dann komm, mein Junge!“

„Aber Boss!“, rief Jimmy erschrocken und ließ die Fäuste sinken. „Wie kommst du denn darauf? Ich will dreihundert Dollar verdienen, und basta!“

„Dummes Zeug!“, hielt ihm Buster Tom entgegen. „Ich glaube eher, du wirst dir den Schädel einrennen.“

„Dann renn’ ich ihn mir eben ein!“, heulte Jimmy auf. „Aber respektiere das doch endlich einmal. Ich bin erwachsen. Außerdem fehle ich euch nicht. Und nun geh! Ich habe zu tun.“

Buster Tom seufzte ergeben. „Was habt ihr denn geladen?“

„Decken! Hausrat und dergleichen.“

„Wann bist du zurück?“, fragte Buster Tom.

„Endlich ein vernünftiges Wort!“, meinte Jimmy erleichtert und wütend zugleich. „In zehn Tagen. Das denke ich jedenfalls.“

„Dann verdiene dir deine dreihundert Dollar!“, brummte Buster Tom. „Vielleicht weißt du hinterher tatsächlich, was dreihundert Dollar sind.“

„Aber ja! Natürlich!“, lächelte Jimmy. „Komm mit ins Hotel. Ich möchte dich mit Miss Hunter und mit Mr. Castello bekannt machen. Du wirst dann bestimmt anders über die beiden denken.“

„Verzichte!“

Jimmy reckte sich herausfordernd. „Die beiden wären von deinem Anblick vermutlich ebenfalls nicht sehr erbaut.“

Buster Tom überhörte den Ton und übersah die aufsässige Haltung seines Jüngsten. „Vermutlich, well! Wahrscheinlich. Adios, Jimmy! Bis in zehn Tagen.“

Er wandte sich ab und verließ die Station so vehement, wie er sie betreten hatte.

Jimmy starrte ihm wütend nach. „Der Boss ist ein sturer Kerl“, murmelte er. „Aber in allererster Linie ist er ein ziemlicher Spießer. Auch noch einer von der schlimmen Sor{e. Leider!“

Als er zum Wagen ging, tauchten Dolores Hunter und Castello auf.

„Wer war denn das?", fragte Dolores Hunter.

Jimmy wehrte ab. „Ach, das war einer, der die Nase immer vorn hat und immer alles ganz genau wissen will.“ Er lachte. „Fahren wir los?"

„Ja, brechen wir auf!“, sagte Dolores Hunter.

Jimmy sah sie an. „Ich hole nur mein Pferd, Miss Hunter. Castello kann es reiten. Den Wagen werde ich fahren. Ich kann mit Maultieren sehr gut umgehen. Das ist schließlich nicht jedermanns Sache.“

Castello grinste seifig und ließ sich durchaus anmerken, dass er begriffen hatte, weshalb er Jimmys Pferd reiten sollte. Schließlich war es für ihn nicht schwierig zu erraten, dass Jimmy in Dolores Hunters Nähe sein wollte. Aber diesen Platz an Dolores’ Seite hatte er längst für sich auserkoren.

Er nahm Dolores am Arm und führte sie an den Wagen. „Hol nur dein Pferd, Junge!“, sagte er über die Schulter, während er Dolores hinauf half. „Ich kann mit Maultieren besser umgehen als mit Pferden. Außerdem bin ich kein sehr guter Reiter.“

Jimmy zog sich den Hut wütend in die Stirn, machte kehrt und lief auf die Straße hinaus, um seinen Pinto zu holen, den er vor Madsons Saloon abgestellt hatte. Er blickte kurz zum Marshal Office und sah dort den großen braunen Wallach seines Vaters stellen. Der Braune stand noch dort, als er mit seinem Pinto zurückkehrte.

Als er bald darauf hinter dem Planwagen von Dolores Hunter nach Osten aus der Stadt ritt, stand der Braune noch immer am gleichen Fleck. Von seinem Vater war jedoch weit und breit nichts zu sehen.

 

*

 

Auf Karten sind Grenzen nur Striche. Doch in der Wirklichkeit, draußen im Land, da sind sie oft nicht einmal als Striche zu erkennen. Die beiden Männer, die bäuchlings auf dem Hügel lagen, der einsam und wie eine Insel aus dem dürftigen Blaugrasland ragte, bildeten sich ein. dass sie mit den Bäuchen genau auf der Grenze zwischen Arizona und Mexiko lagen. Doch ihr Interesse galt keineswegs dem Verlauf der Grenze, den ohnehin keiner genau kannte, sondern einzig und allein dem schweren Planwagen, der sich da unten in der kargen Einöde knarrend und rumpelnd südwärts bewegte. Lange Zeit ruhte ihr Blick auch auf dem einsamen Reiter, der fast gute dreihundert Yard vor dem Wagen herzog.

„Das muss der Junge von der Circle C-Ranch sein“, sagte der Mann, der Pitt hieß. Er war groß, schwer, ja regelrecht dick, doch von einer Behendigkeit. die ihm keiner so schnell zutraute.

Sein Gefährte, der Dull Salrner hieß, spie gelassen aus. „Unter der Erde ist es dunkel. Pitt“, sagte er. „Und wenn einer mal dort liegt, spielt es keine Rolle mehr für ihn, wo er hergekommen ist."

„Halt dein Feuer, Duff!“, raunte Pitt. „Dolores hat den Burschen in Tucson angeworben. Also wird er den Weg zur Hazienda Durango kennen. Wenn einer eine Kugel im Kopf hat, dann sagt er nicht einmal mehr blaff. Und wir wollen noch eine ganze Menge von dem Jungen wissen.“

Duff riss einen Grashalm aus und schob ihn sich in den Mund. „Wenn wir die Gewehre haben, wird schon einer kommen, der uns den Weg zur Hazienda Durango zeigt. Da bin ich sicher, und der Boss ist es auch. Der Kerl auf der Hazienda Durango will eine Revolution anzetteln. Ohne Gewehre würde es eine ziemlich miese und kurzlebige Revolution geben. Verlass dich darauf, dass er sich bei uns melden wird. Nun sage dem Boss Bescheid! Der Wagen kommt. Er ist gleich da. Dolores Hunters Gewehre werden nur von zwei Männern bewacht, einem grünen Jungen aus Arizona und von Castello, dem Spieler.“

Pitt grinste amüsiert „Dolores hat Castello immer in der Hand gehabt Aber ich bin sicher, dass er nur mit ihr nach Mexiko gefahren ist, um endlich einmal ein Geschäft auf eigene Rechnung zu machen.“

„Dazu wird er nicht mehr kommen“, sagte Duff trocken. „Er kann sich genau noch zwei Meilen an seinen Plänen weiden. Dann ist es aus mit ihm.“ Er lachte. „Du meinst doch nicht im Ernst, dass Castello der Mann ist, der Dolores Hunter hereinlegen kann?“

„Hier draußen in der Einöde ist eine Frau ein ziemlich hilfloses Wesen“, erwiderte Pitt. „Doch zum Teufel, Castello wird nicht mehr dazu kommen, ihr diesen Kummer zu bereiten.“

Er robbte zurück, um zu seinem Pferd hinunterzulaufen. Da fiel sein Blick auf eine dünne Staubglocke, die sich rasch von Süden her näherte.

„Duff, zum Henker!“, krächzte er erschrocken.

Duff drehte sich unwillig um, machte schmale Augen, als er die Staubfahne entdeckte und beschirmte die Augen mit der Hand.

„Das ist Kavallerie“, brummte er dann wütend.

Details

Seiten
120
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783738906202
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v349813
Schlagworte
circle c-ranch gewehre durango

Autor

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Titel: Circle C-Ranch 13: Gewehre für Durango