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Texas Mustang #10: Der letzte Kampf des alten Tigers

2016 120 Seiten

Leseprobe

TEXAS MUSTANG

 

Band 10

 

Der letzte Kampf des alten Tigers

 

Ein Western von Wolf G. Rahn

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Edward Martin/ Schottland

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Klappe

Es gab einmal eine Zeit, da war der Name des Revolvermanns Sugar Bates berühmt und berüchtigt. Aber seit etlichen Jahren ist es still um ihn geworden – und es scheint, als wäre er buchstäblich vom Erdboden verschwunden. Bis sich das Gerücht verbreitet, dass er angeblich unter falschem Namen in der Stadt Buffalo lebt. Das führt zahlreiche Abenteurer und Kopfgeldjäger nach Buffalo, denn die Prämie von 800 Dollar auf Bates Ergreifung gilt immer noch. Tot oder lebend!

Auch US Marshal Jim Allison ist auf dem Weg nach Buffalo. Er bekommt sehr früh Ärger mit zwei hitzköpfigen Halunken, kann sie aber noch rechtzeitig in ihre Schranken verweisen. Und als er dann schließlich herausfindet, wo sich Sugar Bates verborgen hält und warum er untergetaucht ist, muss er eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung, die schicksalhafte Folgen hat ...

 

 

 

 

Roman

Noch bevor er mit den beiden Männern ein Wort gesprochen hatte, wusste US Marshal Jim Allison, dass es Ärger geben würde. Er sah es ihren Augen an, mit denen sie ihn verschlagen musterten.

Allison hatte in langen Jahren die Feststellung gemacht, dass sich bei den meisten Menschen der Charakter in ihren Augen spiegelte. Durch sie fand man Zutritt zu ihren geheimsten Absichten. Nicht nur während eines Zweikampfes, wenn das kaum merkliche Aufblitzen den unmittelbar folgenden Angriff ankündigte. Auch sonst konnte der Mund noch so schöne, freundliche Reden führen, wenn die Augen ihm widersprachen, kamen die wahren Gedanken ans Licht.

Bei diesen beiden, die ihm durchaus nicht unfreundlich, ja eher schmierig begegneten, war dies der Fall. Sie übertrafen sich gegenseitig in Höflichkeiten, sie teilten ihren Proviant mit ihm und bewunderten begeistert King, seinen Schecken, aber ihre Blicke warnten ihn, und als sie ihr Lager aufschlugen, wusste er, dass sie die Nacht herbeisehnten, um ihr wahres Gesicht zu zeigen.

Allison hatte sich nicht als US Marshal zu erkennen gegeben. Dafür sah er keinen Anlass, wenn der Stern die beiden Sattelgefährten vielleicht auch von einer Unüberlegtheit abgehalten hätte. Er hoffte, dass er auf diese Weise ein paar interessante Dinge von ihnen erfahren würde, denn sie hatten, wie sich bald herausstellte, den gleichen Weg: Buffalo, das kleine Städtchen im Nordwesten South Dakotas.

Doch Ben Silver und Allan Webster waren vorsichtig. Sie hüteten sich, etwas über ihre wahren Absichten in Buffalo verlauten zu lassen. Sie wussten, dass es Leute gab, die Männer ihres Schlags und ihres Berufs nicht mochten. Deshalb redeten sie über das Wetter, über die Schäden, die der letzte Winter gebracht hatte, und über die Schwierigkeiten, einen gut bezahlten Job zu finden.

Je mehr sie redeten, um so misstrauischer wurde Allison. Als er sich schließlich in seine Decken wickelte, war ihm klar, dass er in dieser Nacht nicht schlafen würde, wenn seine Augen auch geschlossen waren.

Er bedeckte das Gesicht mit seinem Hut. Auf diese Weise hielt er sich nicht nur Insekten fern, ihn störte auch der flackernde Lichtschein des allmählich niederbrennenden Feuers nicht. Außerdem musste er die Augen nicht krampfhaft geschlossen halten, um den Schlafenden zu mimen.

Es dauerte nicht sehr lange, da vernahm er gleichmäßige Atemzüge, und gerade diese Gleichmäßigkeit gab ihm die Gewissheit, dass die beiden Halunken sich genauso verstellten wie er selbst.

Es war nicht anzunehmen, dass sie Angst vor ihm hatten und sich deshalb nicht zu schlafen trauten. Nein, sie hatten eine Lumperei im Sinn, und worin diese bestand, würde er wohl in der nächsten Stunde erfahren.

Allison achtete auf jedes Geräusch.

Das Feuer war nun erloschen. Nicht mehr lange, dann würde die Kälte versuchen, durch die Decken zu kriechen. Allison war so gut verpackt, dass die niedrigen Temperaturen ihm nichts anhaben konnten.

Dass er unter den Decken seinen Peacemaker bereits in der Hand hielt, war von außen nicht zu sehen. Und auch seine Winchester hatte er so abgelegt, dass sie ihm sofort zur Verfügung stand, falls er sie benötigte.

Noch blieb alles still. Die beiden zeigten große Geduld. Sicher versuchten sie nicht zum ersten Mal, einen schlafenden Mann zu überlisten, den sie zuvor in Sicherheit gewiegt hatten.

Misstrauten sie ihm ebenfalls? Nahmen sie ihm nicht ab, dass er bereits schlief?

Nein! Das leise Knacken war nicht zu überhören. Jedenfalls nicht für sein geübtes Ohr.

Sie kamen. Sie flüsterten zwar nicht miteinander, aber Allison war davon überzeugt, dass sie sich auch ohne viele Worte verstanden. Ihr Plan hatte mit Sicherheit schon festgestanden, als er am frühen Nachmittag auf sie gestoßen war.

Er blieb völlig ruhig. Dazu gehörten schon eisenharte Nerven, denn immerhin war nicht ausgeschlossen, dass sie ihn kurzerhand aus sicherer Distanz abknallten und anschließend ausraubten.

Doch daran glaubte er nicht so recht. Das hätten sie auch bereits bei Tag versuchen können. Dass es ihnen wahrscheinlich nicht gelungen wäre, konnten sie ja nicht ahnen.

Wieder das kaum vernehmbare Knacken, das ein unvorsichtiger Stiefel verursachte.

Sie mussten ihn für einen reichlich einfältigen Narren halten. Selbst wenn er geschlafen hätte, wäre er jetzt wahrscheinlich wieder wach.

Obwohl Allison nichts sah, spürte er, dass sich die beiden Männer trennten. Einer entfernte sich, der andere kam schleichend näher.

Er grinste böse unter seinem Hut. Worauf sie es abgesehen hatten, war ihm nun klar. Sie wollten King. Das prächtige Tier stach ihnen in die Augen.

Das war kein Wunder. Sie waren nicht die ersten, die den Scheckhengst erwerben wollten. Nicht mal die ersten, die das auf verbrecherische Weise versuchten. Aber sie würden die ersten sein, denen das gelang.

Allison war nun wie eine Stahlfeder gespannt. Er hoffte, dass es nicht nötig war, den Revolver einzusetzen. Pferdediebstahl war zwar eine teuflische Sache, doch für ihn noch lange kein Grund, zum Äußersten zu greifen.

Tief in seinem Innern ahnte Allison, dass Silver und Webster noch etwas anderes im Schilde führten. In Buffalo. Und das wollte er herausbekommen und, wenn es sich um etwas Unehrliches handelte, wovon er überzeugt war, verhindern.

Jetzt musste einer der Halunken direkt hinter ihm stehen. Er konnte den angehaltenen Atem erfassen. Der Kerl bildete sich ein, dass er so seinen Brandygestank nicht spüren würde. Aber der war unverkennbar. Demnach handelte es sich um Allan Webster, den Kleineren, aber kaum Ungefährlicheren der beiden.

Jetzt durfte Allison nicht länger zögern. Sobald Ben Silver sich King näherte, würde der Hengst wiehern und sich auf sehr wirkungsvolle Weise zur Wehr setzen. Webster verlor dann möglicherweise die Nerven und schoss auf ihn, denn dass er von dem Lärm aufwachen musste, war klar.

Der US Marshal steckte so in den Decken, dass sie ihn nicht behinderten. Mit einer einfachen Drehung rollte er sich blitzschnell heraus und packte eines von Websters Beinen. In der anderen Faust hielt er noch den Revolver, ohne ihn jedoch zu benutzen.

Webster stieß einen Überraschungsruf aus, schoss aber ebenfalls nicht. Er mimte im Gegenteil den Erstaunten und wollte wissen, was in Allison gefahren sei.

Dem Marshal blieb eine Antwort erspart, denn in diesem Augenblick ging in einer Entfernung von nur zehn Schritten das Theater los.

King wieherte laut auf und stieg auf die Hinterhand.

Ein Fluch gellte durch die Nacht, und gleich darauf hörte man einen Gegenstand dumpf auf dem Boden aufschlagen.

Vermaledeite Kreatur!“, schrie Ben Silver wütend. Er brauchte ein paar Sekunden, um sich wieder aufzurappeln.

Allison sah Webster fragend an. „Irgend etwas scheint das Pferd erzürnt zu haben“, stellte er fest.

Er steckte seinen Peacemaker erst zurück, nachdem auch der andere den Revolver wieder in das Holster geschoben hatte.

Ich ... ich hörte ein Geräusch“, sagte der Kleinere knurrig. „Das kam mir verdächtig vor. Anscheinend ging es Ben genauso. Ihr Gaul, Mister Allison, scheint ziemlich nervös zu sein. Das ist bei Pferden ein Fehler.“

Bei King nicht", gab Allison eisig zurück. „Er lässt sich von Fremden nur dann anfassen, wenn ich das ausdrücklich erlaube. Halten Sie sich also in Zukunft lieber ein bisschen von ihm fern, denn ich sehe keinen Grund für diese Erlaubnis.“

Er sagte das laut genug, dass es auch Ben Silver hören konnte, der gerade voller Wut einen zweiten Versuch starten wollte, an den Hengst heranzukommen.

Der sehnige Bursche mit der momentan ein wenig verrutschten Kleidung sah ihn wütend an.

Seien Sie froh, dass wir so wachsam sind!", schimpfte er. „Wie leicht kann man in dieser Gegend überfallen werden. Hier schwirren überall Rote umher. Ihr Pferd war so unruhig, dass ich nach dem Rechten sehen wollte, aber dieser Satansbrocken scheint ja direkt drauf zu warten, dass ihn ein Indianer holt.“

Diesem Indianer würde es nicht besser ergehen als Ihnen“, versicherte der US Marshal. „King macht keine Unterschiede in der Hautfarbe. Er reagiert nun mal unfreundlich, wenn er eine fremde Hand an sich spürt. Das hat er von mir. Ich kann es auch nicht leiden, wenn ich aufwache und ein Kerl mit dem Revolver hinter mir steht.“

He! Geht das auf mich?“, erkundigte sich Allan Webster ungehalten.

War nur eine allgemeine Feststellung. Sie können es aber auch gleichzeitig als Warnung nehmen, wenn Sie unbedingt wollen. Normalerweise muss man damit rechnen, dass der; andere schießt, wenn man ihn nachts mit einer Waffe beschleicht. Und auch King ist durchaus in der Lage, mit ein paar Männern fertig zu werden, die sich intensiv für ihn interessieren. Besonders dann, wenn ich nicht dabei bin, um ihn zurückzuhalten.“

Das hört sich ja ganz so an, als wollten Sie mich des Pferdediebstahls bezichtigen, Mann.“

Ben Silver kam drohend näher. Dem Scheckhengst schenkte er keinen Blick mehr. Dafür Allison einen um so wütenderen.

Seine rechte Hand hing knapp über dem Griff seines Revolvers, und er wählte seine Richtung so, dass Allison zwangsläufig zwischen ihn und Allan Webster geraten musste.

Von Pferdediebstahl habe ich nicht gesprochen“, erinnerte der Marshal. „Nehmen Sie es als allgemeine Warnung. Dann können wir den Rest der Nacht in Ruhe verbringen. In Buffalo trennen sich unsere Wege. Dann braucht sich niemand mehr Uber den anderen zu ärgern.“

Hoho! So einfach ist das nun doch nicht, Allison. Wir sind anständige Weidereiter und lassen uns nicht von irgendeinem Sattelquetscher beleidigen. Noch dazu, wenn wir erst zuvor unseren Schlaf geopfert haben, um für seine Sicherheit zu sorgen.“

Für die sorge ich selber. Und King hilft mir dabei. Wenn Sie jetzt Streit wollen, ist das ein neues Kapitel. Vielleicht haben Sie inzwischen begriffen, dass wir sehr wohl in der Lage sind, uns zu verteidigen. Wenn Sie das nicht begriffen haben, kann man das sehr schnell nachholen, nur sehe ich keinen Sinn darin, die von Ihnen zitierten Indianer mit recht viel Lärm auf uns aufmerksam zu machen.“

Sinn oder nicht Sinn“, kläffte jetzt Webster und versuchte, dem Marshal in den Rücken zu kommen. „Sie haben uns beleidigt. Einem uralten Präriegesetz zufolge haben wir das Recht, uns dagegen zu verwahren.“

Das können Sie auch, indem Sie mir ins Gesicht dabei sehen, Webster. Ich habe was gegen Männer, die ich zwar höre, aber nicht sehe. Das muss von King abgefärbt haben. Ich schlage zwar nicht aus, aber meine Reaktionen können auch ganz hübsch weh tun.“

Die beiden Männer wollten noch immer nicht glauben, dass sie mit dem einzelnen nicht fertig werden sollten. Die Atmosphäre war ohnehin schon so vergiftet, da brauchten sie auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen.

Ben Silver zog es vor, die Unterhaltung an dieser Stelle abzubrechen und zur Tat zu schreiten. Er nahm an, dass dieser sehr von sich überzeugte Bursche momentan mit Allan Webster beschäftigt war. Deshalb rechnete er sich einen leichten Überrumplungssieg aus.

Seine Hand flog zum Revolver. Er war sagenhaft schnell.

Genauso schnell aber sprang er mit einem schrillen Kreischen in die Höhe. Allisons Kugel hatte dicht vor seinen Stiefeln den Dreck aufspritzen lassen.

Silver sah den anderen wie einen Geist an. Das hatte er noch nie erlebt, dass einer schneller war als er und ihm trotzdem nur vor die Stiefel schoss.

Nervös ließ er seine Hand sinken und grinste albern.

Auch Webster zog es nun vor, vom fahrenden Zug zu springen.

Donnerwetter!“, sagte er anerkennend. „Das war eine hübsche Demonstration. So etwas bekommt man nicht alle Tage zu sehen. Ich denke, wir sollten uns wieder vertragen.“

Das war von Anfang an mein Wunsch“, sagte Allison, ohne einen der beiden aus den Augen zu lassen.

Sie sind nicht irgendein Namenloser, nicht wahr?“

Meinen Namen habe ich genannt“, erinnerte der US Marshal.

Das schon. Aber der dürfte falsch sein. Allison sagt mir überhaupt nichts. Von einem Mann, der so schnell ist wie Sie, hätte ich aber bestimmt schon gehört."

Zumal Sie nicht mehr ganz blutjung sind“, ergänzte Silver, der sich allmählich wieder von seinem zweiten Schrecken erholte.

Der Westen ist groß“, erklärte Allison. „Man kann nicht jeden kennen.“

Das stimmt“, sagte Webster. „Das ist auch nicht nötig. Nur die Schnelleren, die muss man im Auge behalten.“

Ich kann Sie nicht daran hindern, Webster. Jedenfalls wissen Sie jetzt, woran Sie mit mir sind."

Ben Silver lachte plötzlich schallend. Allan Webster sah ihn verwundert an. „Drehst du durch oder was ist los?“ Der Sehnige konnte sich kaum beruhigen. „Das ist doch zu komisch, Allan. Darauf hätten wir auch gleich kommen können.“

Worauf?“

Na, ist doch klar! Allison ist einer von uns. Er will nach Buffalo. Genau wie wir. Was meinst du, was er dort erledigen möchte?"

Webster sah den anderen überrascht an. „Du meinst...?“

Das meine ich. Den möchte ich sehen, der sich die achthundert Dollar durch die Lappen gehen lässt, wenn er so schnell ist wie Allison.“

Ben Silver sah Allison missmutig an. „Ist das wahr?“, fragte er. „Sind Sie auch hinter Sugar Bates her?“

Es hatte sich also herumgesprochen. Sugar Bates war in Buffalo. Sugar Bates, der berüchtigte Revolvermann, dem es immer wieder gelungen war, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Allison wusste, dass auf ihn Kopfprämien ausgesetzt waren. Die Steckbriefe waren schon ziemlich alt. Viele Jahre. In letzter Zeit war es still geworden um Sugar Bates. Einige glaubten, dass er gar nicht mehr am Leben sei.

Doch dann wurde er wieder gesehen, und dieses Gerücht sprach sich schnell herum. Besonders schnell zu Männern wie Silver und Webster.

Stimmt!“ sagte Allison. „Wer nach Buffalo reitet, tut das bestimmt wegen Sugar Bates. Aber nicht jeder möchte dafür achthundert Dollar kassieren.“

Wir schon!“

Okay! Dann versuchen Sie es, wenn ich nicht gerade in der Nähe bin. Ich werde nämlich verhindern, dass dieser Mann aus dem Hinterhalt erschossen wird."

 

*

 

Er hörte noch lange, wie sie über seine möglichen Motive diskutierten. Auf seinen Lippen lag ein verächtliches Lächeln.

Der kann mir nichts vormachen“, flüsterte Ben Silver. „Natürlich ist er auf das Geld scharf. Was denn sonst?“

Der Meinung bin ich zwar auch“, gab Allan Webster leise zurück, „aber ich könnte mir auch noch einige andere Möglichkeiten denken.“

Welche?“

Rache.“

Rache? Du meinst Sugar Bates hat ihm mal eins ausgewischt?“

Könnte doch sein. Und jetzt will er sich dafür revanchieren.“

Was er will, ist mir egal“, schimpfte Ben Silver. „Jedenfalls soll er mir ja nicht ins Gehege kommen. Ich habe nicht den weiten Ritt unternommen, um mit langem Gesicht und leeren Taschen wieder abzuziehen.“

Wenn nicht immer wieder behauptet würde, dass Bates ein Einzelgänger ist, könnte man meinen, dass Allison zu seiner Bande gehört.“

Ein Cowboy ist der bestimmt nicht. Habe noch nie einen Cowpuncher kennengelernt, der so verteufelt gut mit dem schießeisen umgehen konnte.“

Und auch sonst ist er mit allen Wassern gewaschen. Den kann man nicht so leicht überlisten."

Abwarten!“ hauchte Silver, in dem noch immer die Wut kochte. Er bildete sich ein, dass man ihre leise Unterhaltung unmöglich aus dieser Entfernung verstehen konnte, doch Allisons feine Ohren erlauschten fast jedes ihrer Worte.

Sie zogen noch in Erwägung, dass es sich bei ihm vielleicht um einen Gläubiger handelte, der von Bates Schulden eintreiben wollte. Sie hielten ihn für einen, der sich in die feinsten Tricks der Schießkunst von dem Revolvermann einweihen lassen wollte. Sie kamen auf die abwegigsten Vermutungen, nur dass sie einen Mann des Gesetzes vor sich hatten, der sich zur Aufgabe gemacht hatte, Sugar Bates endlich vor einen Richter zu schleppen, zogen sie nicht in Betracht.

Vielleicht lag es daran, dass Allison seinen Stern nicht gut sichtbar auf der Brust, sondern in seiner Westentasche trug. Vielleicht waren sie auch der Ansicht, ein Sheriff oder Marshal hätte sich ihnen gegenüber anders verhalten. Es mochte auch sein, dass sie sich nicht vorstellen konnten, dass ein vom Staat oder einer Gemeinde bezahlter Gesetzeshüter unmöglich ein so hervorragendes Pferd reiten konnte. Jedenfalls waren sie wohl noch nicht oft einem US-Marshal über den Weg gelaufen, und wenn doch, dann jedenfalls keinem wie Allison.

Der Rest der Nacht verlief ohne Zwischenfall. Allison riskierte es sogar, eine Stunde vor sich hin zu dösen, wenn man das auch nicht schlafen nennen konnte. Er rechnete nicht damit, dass die beiden den gleichen Trick ein zweites Mal versuchen würden. außerdem war er sicher, dass King notfalls ein wachsames Auge auf ihn haben würde.

Auf den Scheckhengst konnte er sich verlassen. Selbst wenn dieser nicht gewarnt gewesen wäre, würde er nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf seinen Herrn höllisch aufpassen. Dies um so mehr, als auch seinem feinen Instinkt diese Typen nicht schmeckten. Sicherer als jeder Mensch spürte er die Falschheit, die sie ausstrahlten, und er stellte sich unbewusst mit seiner ganzen Wachsamkeit darauf ein.

Als es hell zu werden begann, war Allison als erster auf den Beinen. Er zündete ein Feuer an und kümmerte sich um den Schecken, für den er sich viel Zeit nahm.

Nicht, dass er sich mit dem Pferd regelrecht unterhielt. Aber er sagte ihm ein paar anerkennende Worte, aus denen King entnehmen konnte, dass sein Herr mit seiner Verhaltensweise in der vergangenen Nacht zufrieden war.

Nachdem er den Hengst abgerieben und gefüttert hatte, wandte er sich dem eigenen Frühstück zu.

Erst als es bereits nach Kaffee duftete, brachten Silver und Webster ihre verschlafenen Augen auf. Sie konnten auch nicht viel geschlafen haben, denn sie hatten lange miteinander geredet.

Keiner brachte das Gespräch auf die zurückliegenden Ereignisse. Jeder gab sich große Mühe, möglichst unbefangen auszusehen.

Doch Allison wusste genau, dass die beiden keine Ruhe geben würden, bis sie erneut aneinandergerieten. Dann allerdings war kaum noch zu vermeiden, dass es blutige Köpfe gab.

 

*

 

Als sie einträchtig in Buffalo einritten, ahnte niemand, dass sie sich in Wirklichkeit gegenseitig belauerten.

Auch als sich Silver und Webster dem Saloon zuwandten, während Allison zunächst den Mietstall aufsuchte, um sich einen Platz für King zu sichern, kam keiner auf den Gedanken, dass sie mit unterschiedlichen Absichten hergekommen waren.

Allison nahm sich vor, die beiden im Auge zu behalten. Notfalls würden sie ihn zu jenem Mann führen, den auch er suchte,

Nachdem er sich mit dem Mietstallbesitzer geeinigt hatte, führte ihn sein nächster Weg zum Marshal Office.

Ein verhältnismäßig junger Bursche ließ sich bei seinem Eintreten nicht stören. Deswegen nahm er nicht die Stiefel vom Tisch und hörte auch nicht auf, sich mit einem Messer die Nägel zu säubern, die es zugegebenermaßen dringend nötig hatten.

Sie sind nicht Marshal Kellery“, stellte Allison fest und amüsierte sich über das enttäuschte Gesicht des Burschen, der gar nicht begreifen konnte, wieso man ihm den Marshal nicht glaubte. Daran, dass er den Stern des Deputys deutlich sichtbar auf der Brust trug, dachte er in diesem Augenblick nicht.

Ich vertrete hier das Gesetz“, erklärte er stolz. „Kellery ist unterwegs. Er ist ein paar Halunken auf den Fersen, die in unserer Stadt ein lustiges Feuerwerk veranstalten wollten. Er erwischt sie bestimmt.“

Bestimmt!“, versicherte Allison. „Es halten sich wohl zur Zeit eine Menge Fremde in Buffalo auf?“

Geht Sie das was an? Sie sind doch selbst fremd hier.“

Nur, solange ich mich nicht vorgestellt habe. Mein Name ist Allison. Hier ist meine Marke.“

Er zog den Stern aus der Brusttasche, und der Deputy bekam den Mund nicht mehr zu.

US Marshal?“, erkundigte er sich ungläubig.

Allison nickte. „Wenn Kellery nicht hier ist, werden wir beide zusammenarbeiten. Okay?“

Der Jüngere zog eine Grimasse. „US Marshal!“, wiederholte er mit dem Ton der Erschütterung. Dann trat ein freches Strahlen auf sein Gesicht. „Nie gehört von einem Bundesmarshal, der Allison heißt.“

Mit dem Jungen ging eine unerwartete Veränderung vor. „Allison!“, flüsterte er fast ehrfürchtig. Hastig zog er die Beine vom Tisch und sprang auf die Füße. „Das sind Sie?“

Namen scheinen für Sie eine Menge zu bedeuten. Haben Sie auch einen?“

Na ... natürlich! Ich heiße Crispin. John Crispin. Ich bin hier Deputy Marshal, aber ich möchte es auch mal so weit bringen wie Sie, Mister Allison.“

Ich weiß nicht, wie weit ich es gebracht habe, Mister Crispin. Das spielt in meinen Augen auch keine große Rolle. Wichtig ist allein, dass ein Mann den Platz ausfüllt, an den man ihn gestellt hat.“

John Crispin lauschte andächtig. Doch dann widersprach er ungestüm.

Nein, nein! Als kleiner Deputy hat man nicht die Möglichkeit, etwas Richtiges zu leisten. Schauen Sie mich an! Ich sitze hier in diesem stinklangweiligen Office und starre die Wände an, während Kellery hinter den Banditen herjagt und sie mit Blei vollstopft.“

Halten Sie es für eine besondere Leistung, einen Menschen mit Blei vollzustopfen?“

Crispin blickte den US Marshal irritiert an. „Wie Sie reden!“, sagte er kopfschüttelnd. „Sie tragen doch selbst eine Kanone. Wenn Ihnen ein Killer über den Weg läuft, zwingen Sie ihn zum Kampf, und dann zeigen Sie ihm, dass Sie der Bessere sind. Ich habe schon viel von Ihnen gehört, Allison.“ Die Augen des Jüngeren glänzten.

Offenbar nur Gerüchte. Natürlich trage ich einen Revolver, und ich benutze auch mein Gewehr, wenn es erforderlich ist. Doch ich habe noch nie Freude oder Genugtuung dabei empfunden, wenn ich einen Menschen verwunden oder gar töten musste.“

Auch dann nicht, wenn es sich um einen Verbrecher handelte?“

Schießt ein Marshal auch auf andere?“, fragte Allison lächelnd. „Nein! Man macht die Menschen nicht besser, indem man sie erschießt.“

Aber wenn sie Vieh stehlen oder Menschen umbringen, kann man sie doch nicht laufenlassen.“

Selbstverständlich nicht! Wozu hätten wir das Gesetz, dem wir beide dienen. Das Gesetz hält für alle Verbrechen eine bestimmte Strafe bereit. In manchen Fällen ist es der Tod, doch ich spüre kein Verlangen, dem Urteil der Richter vorzugreifen. Wenn die Outlaws mich manchmal dazu zwingen, weil sie glauben, dadurch dem Strick oder auch nur einer geringeren Strafe zu entgehen, ist das schlimm genug.“

Sie können leicht reden, Mister Allison", murrte John Crispin. „Sie können sich zur Not auch auf andere Weise Respekt verschaffen. Wenn ein Bandit Ihren Namen hört, zittert er schon."

Oder es reizt ihn erst recht auszuprobieren, wer der Stärkere oder der Schnellere ist. Ein Name ist nichts, John. Nur der Mann, der ihn trägt, zählt. Bin ich ein anderer, ob ich nun Allison oder auch Crispin heiße? Sie haben zufällig von mir gehört. Tausend andere in dieser Gegend nicht. Eine Kugel aus dem Hinterhalt tötet mich genauso wie jeden anderen. Es kommt nuf darauf an, dieser Kugel keine Chance zu geben. Das bringt ein Name nicht fertig."

John Crispin biss sich auf die Lippen. „Jedenfalls möchte ich einmal so werden wie Sie.“

Wenn Sie das tatsächlich wollen, dann werden Sie es auch erreichen. Nur dürfen Sie sich nicht darauf versteifen, dass man dieses Ziel ausschließlich als US Marshal erreichen kann. Dem Gesetz zur Geltung verhelfen, sich vor Schwächere und Bedrohte stellen, das können Sie an jedem Platz. Ob Sie nun Präsident sind oder Stallknecht. Als Reverend genauso wie als Keeper.“

Aber...“

... aber Sie sind ja Deputy Marshal. Sie haben sich bereits das Vertrauen verdient, den Stern tragen zu dürfen. Seien Sie stolz auf dieses Vertrauen, und vermeiden Sie alles, was das Abzeichen beschmutzen könnte. Dann werden Sie gar nicht verhindern können, dass man eines Tages in Pierre oder in Gregory einander zuflüstert: Habt ihr schon gehört? Crispin ist in der Stadt.“

Die Augen des Deputys strahlten vor Freude. So hatte noch nie ein Mann zu ihm gesprochen. Schon gar nicht einer wie dieser Allison, von dem man sich Wunderdinge erzählt.

Er wirkte jetzt kein bisschen überheblich mehr. Er war wie ein Schüler, der ehrfurchtsvoll auf jedes Wort seines Lehrers lauscht.

Ich weiß nicht, wann der Marshal zurückkommt“, sagte er. „Wenn ich Ihnen bei Ihrer Arbeit behilflich sein kann, will ich das gerne tun.“

Dass Allison lächelte, war von außen nicht zu sehen. Er freute sich, dass es ihm gelungen war, diesen Mann von der richtigen Seite anzufassen. Schon oft hatte er die Erfahrung gemacht, dass man sich auf Leute, die den Sinn des Sterns begriffen hatten, im Bedarfsfall viel besser verlassen konnte als auf jene, die darin nur ein Symbol für zu erwartenden Gehorsam sahen.

Sie können mir allerdings helfen“, sagte er. „Ich bin hier, weil ich einen Mann von hier fortbringen will. Einen Mann, der nicht nur ein Menschenleben auf dem Gewissen hat."

Sugar Bates?“

Sie wissen also Bescheid.“

Der Jüngere hob die Schultern. „Ich weiß nicht recht. Seit einiger Zeit gibt es Gerüchte, dass sich der Killer bei uns verborgen hält, doch bisher hat ihn keiner zu Gesicht bekommen. Auch der Marshal nicht. Ich glaube, dass es tatsächlich nichts weiter als ein Märchen ist. Bates ist viel zu clever, als dass er in einem Ort bleibt, in dem die Leute ihn erkannt haben.“

Was wissen Sie über ihn?“

,Crispin wurde verlegen. „Nur, was man sich über ihn erzählt. Wahrscheinlich werden Sie mir jetzt sagen, dass das zu wenig ist.“

Im Gegenteil! Ich fürchte, dass es zu viel ist. Es sollte mich wundern, wenn Sie nicht mindestens von dreißig gemeinen Morden berichten könnten, die man Bates zur Last legt. Und sicher sind noch andere Verbrechen in solcher Zahl dabei, dass ein einziges Menschenleben unmöglich ausreichen würde, um sie wirklich alle zu begehen.“

Sie halten ihn also für unschuldig?“, fragte Crispin überrascht.

Allison schüttelte entschieden den Kopf. „Das auf keinen Fall. Sugar Bates gehört nicht zu jenen Männern, die lediglich im Verdacht stehen, getötet zu haben. Ihm kann man zumindest einen Teil seiner Verbrechen nachweisen. Und das weiß er auch. Aber alle diese Schurkereien liegen schon einige Jahre zurück. Sie waren zu der Zeit noch ein Kind.“

Was ändert das daran, dass er ein Mörder ist?“

Nichts. Er hat Menschen umgebracht, und er wird dafür büßen. Doch ich könnte mir vorstellen, dass er nicht mehr der Mann von früher ist. Auch Killer werden älter. So alt, dass man sie kaum noch erkennt.“

Jetzt verstand der Deputy. „Sie wollen damit also sagen, dass sich Sugar Bates unter den Bewohnern dieser Stadt befindet, ohne dass seine Nachbarn etwas davon ahnen.“

So könnte es sein. Nur ein Bekannter aus seiner großen, schrecklichen Zeit hat ihn aufgespürt. Und nun hetzt er die Wölfe auf ihn. Es wird eine schlimme Jagd geben.“

Aber Sie wollen ihn doch selbst holen, Mister Allison.“

Deswegen bin ich hier. Und ich werde nicht wieder fortreiten, bevor ich ihn habe oder weiß, dass die Information falsch war. Doch ich will ihn lebend.“

Auf seinen Kopf soll eine Prämie ausgesetzt sein“, wusste Crispin.

Insgesamt achthundert Dollar. Das ist eine Menge Geld. Nicht wenige müssen länger als fünf Jahre für diese Summe schwer arbeiten. Mit einer sekundenschnellen Kugel kann man das gleiche demnach auch erreichen. Niemand denkt daran, dass einige Banken oder Postkutsch-Gesellschaften, die damals von Bates geschädigt wurden und die diese Summe ausgeschrieben haben, gar nicht mehr existieren. Der glückliche Kopfgeldjäger, dem es gelingt, Suger Bates abzuknallen, wird sich also betrogen fühlen. Er wird sein Recht erzwingen wollen, und dabei wird wieder Blut fließen. Schon aus diesem Grund muss ich der erste sein, der den Kerl findet. Deshalb brauche ich Ihre Hilfe.“

John Crispin räusperte sich ein paar Mal, bevor er die richtigen Worte fand. „Kellery könnte Ihnen wahrscheinlich besser helfen. Ich kann es nur versuchen. Sagen Sie mir, was Sie von mir verlangen!“

Sind in den letzten Tagen Fremde in die Stadt gekommen?“

Crispin nickte eifrig. „Eine ganze Menge sogar. Diese Halunken, zum Beispiel, von denen ich Ihnen erzählte, dass der Marshal hinter ihnen her ist. Sie haben versucht, in ein Haus gewaltsam einzudringen und dabei einen Mann erheblich verletzt. Sie waren zu dritt, und ich habe sie zuvor noch nie in Buffalo gesehen."

Wissen Sie, wie sie heißen?“

Nein. Aber es gibt da noch ein paar andere. Der eine ist ein unheimlicher Kerl. Richtig gespenstisch. Er hockt entweder im Saloon und starrt die Leute an, ohne den Mund aufzumachen, oder er reitet auf einem Gaul, dem überall die Knochen herausschauen, durch die Straßen oder über die Weiden und bohrt seine Blicke in jeden Winkel. Der Mann heißt Austin.“

Wer noch?“

Ein Pärchen. Angeblich Geschwister, aber das nehme ich ihnen nicht ab. Sie scheint die Hosen anzuhaben, und er verschlingt sie förmlich mit Blicken. Ich glaube nicht, dass die auch hinter Sugar Bates her sind. Sie wohnen übrigens im Golden Hill Hotel und heißen Yorkton.“

Sind das alle?"

Ich denke ja."

Ich denke nein. Heute sind zwei weitere angekommen. Silver und Webster. Von denen weiß ich mit Sicherheit, dass sie Kopfgeldjäger sind. Wir haben also alle Hände voll zu tun, wollen wir sie alle im Auge behalten. Dazu kommt sicher noch der eine oder andere aus Buffalo.“

Aus unserer Stadt? Wie meinen Sie das, Mister Allison? Bei uns wohnen doch keine Kopfgeldhyänen.“

Wissen Sie das genau? Achthundert Dollar haben schon oft aus einem Schaf einen Wolf gemacht. Darin werden die Bürger von Buffalo keine Ausnahme machen, wenn ich Ihnen auch wünsche, dass Sie recht behalten. Ihnen und auch mir.“

 

*

 

Als nächstes kümmerte sich Allison um ein Zimmer.

Er hatte die Wahl zwischen dem Golden Hill Hotel und dem White Horse Hotel. Er entschied sich für das erste, weil er sicher sein konnte, dort zumindest die Yorktons ein wenig im Auge zu haben.

Seine erste Bekanntschaft machte er mit ihnen bereits vor dem Eingang des Hotels.

Zuerst sah er nur den Mann. Er war nicht übermäßig groß und sah auch nicht besonders stark aus. Das Gewaltigste an ihm war ohne Zweifel der riesige Revolver, der in seinem Holster bei jedem Schritt gegen seinen Oberschenkel schlug.

Er musterte Allison so auffallend, dass dieser sich nicht verkneifen konnte zu sagen: „Ich bin es nicht, Mister Yorkton.“

Der Angeredete zuckte zusammen, als sei er bei einer verbotenen Handlung ertappt worden. „Sie kennen mich?“

Bates hat Sie mir beschrieben, als er die Stadt verließ“, behauptete der US Marshal. Er wusste selbst nicht, wie er plötzlich darauf kam.

Die Wirkung jedenfalls war erstaunlich. Yorkton sah sich blitzschnell um, als würde er verfolgt. Dann trat er dicht an Allison heran und fragte ungläubig: „Er ist wirklich fort? Wissen Sie das genau?“

Nein. Aber ich weiß jetzt genau, dass Sie tatsächlich Yorkton sind und dass Sie es auf Bates abgesehen haben.“

Haben Sie was dagegen?“, brauste der andere auf.

Nichts, solange Sie meine Arbeit nicht behindern. Ich habe mir in den Kopf gesetzt, Bates zum Richter zu schleppen, und dieser Weg führt normalerweise nicht über den Stiefelhügel.“

Sind Sie ’n Sheriff?“

So etwas Ähnliches.“

Machen Sie mir nichts vor! Marshal Kellery ist fortgeritten. Sein Deputy ist ein grüner Junge, und ein anderer hat in dieser Stadt nichts zu sagen.“

Wie man sich doch irren kann, Yorkton. Zufällig bin ich US Marshal, und solange ich hier bin, ist es meine Aufgabe, Sugar Bates zur Strecke zu bringen. Versuche von Privatpersonen werde ich als Mord werten. Haben wir uns verstanden?“

Sie sprechen ja sehr deutlich, Marshal. Leider haben Sie offenbar vergessen, dass achthundert Dollar auf Bates ausgesetzt sind.“

Dazu muss man ihn nicht umbringen.“

Ich glaube nicht, dass Sie ihn dazu bringen, sich kampflos zu ergeben.“

Zumindest werde ich es versuchen. Kommen Sie mir dabei ja nicht in die Quere, sonst...“

Sonst?“ Diese Frage klang von der Veranda des Hotels.

Dort war eine Frau erschienen, bei deren Anblick Allison zunächst mal die Luft wegblieb. Allerdings nur beim ersten Hinsehen. Als er den zweiten Blick riskierte, merkte Allison, dass er eine glänzende Schale mit einem faulen Kern vor sich hatte.

Wieder waren es die Augen, die ihm das verrieten. Sie waren grün, aber es lag nicht an der Farbe, sondern an dem unsteten Glitzern. In dieser Frau wohnte der Teufel. Wer es nicht glaubte und es näher prüfen wollte, war zu bedauern.

Sonst könnte es leicht passieren, dass ich nicht mit einem, sondern mit zwei Gefangenen zurückreite, Miss“, gab Allison zur Antwort.

Droht dir dieser Bursche?“, fragte die Frau unheimlich ruhig.

Er ist US Marshal", erklärte ihr angeblicher Bruder.

Na und? Hast du was verbrochen?“

Er will nicht, dass wir uns achthundert Dollar verdienen.“

Zusammenfassung

Es gab einmal eine Zeit, da war der Name des Revolvermanns Sugar Bates berühmt und berüchtigt. Aber seit etlichen Jahren ist es still um ihn geworden – und es scheint, als wäre er buchstäblich vom Erdboden verschwunden. Bis sich das Gerücht verbreitet, dass er angeblich unter falschem Namen in der Stadt Buffalo lebt. Das führt zahlreiche Abenteurer und Kopfgeldjäger nach Buffalo, denn die Prämie von 800 Dollar auf Bates Ergreifung gilt immer noch. Tot oder lebend!
Auch US Marshal Jim Allison ist auf dem Weg nach Buffalo. Er bekommt sehr früh Ärger mit zwei hitzköpfigen Halunken, kann sie aber noch rechtzeitig in ihre Schranken verweisen. Und als er dann schließlich herausfindet, wo sich Sugar Bates verborgen hält und warum er untergetaucht ist, muss er eine Entscheidung treffen. Eine Entscheidung, die schicksalhafte Folgen hat ...

Details

Seiten
120
Jahr
2016
ISBN (ePUB)
9783738905755
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (November)
Schlagworte
texas mustang kampf tigers

Autor

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Titel: Texas Mustang #10: Der letzte Kampf des alten Tigers