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Chaco #15: Blutmond über Pueblo

2016 140 Seiten

Zusammenfassung

In Colorado Springs will sich ein hitziger Revolvermann mit Chaco Gates anlegen, zieht aber dabei den Kürzeren. Aber selbst nachdem das Halbblut die Stadt bereits verlassen hat, scheint der Ärger kein Ende zu nehmen. Es beginnt damit, dass Chaco – zunächst unfreiwillig – in die Postkutsche nach Pueblo einsteigt. Wenig später wird sie überfallen, und Chacos Leben hängt an einem seidenen Faden. Denn die Passagiere, die nach Pueblo reisen, wollen alle das Erbe eines verstorbenen Ranchers antreten.Es gibt jedoch noch einen weiteren Erben namens Ray Slaters, der ganz und gar nicht damit einverstanden ist, dass das Erbe aufgeteilt werden soll. Und deshalb müssen alle Passagiere sterben. Da kann Chaco natürlich nicht untätig zu sehen ...

Leseprobe

IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Nach einem Motiv von H.W.Dunton mit Steve Mayer, 2016

Früherer Titel: Blutmond über Colorado

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Klappe

In Colorado Springs will sich ein hitziger Revolvermann mit Chaco Gates anlegen, zieht aber dabei den Kürzeren. Aber selbst nachdem das Halbblut die Stadt bereits verlassen hat, scheint der Ärger kein Ende zu nehmen. Es beginnt damit, dass Chaco – zunächst unfreiwillig – in die Postkutsche nach Pueblo einsteigt. Wenig später wird sie überfallen, und Chacos Leben hängt an einem seidenen Faden. Denn die Passagiere, die nach Pueblo reisen, wollen alle das Erbe eines verstorbenen Ranchers antreten.Es gibt jedoch noch einen weiteren Erben namens Ray Slaters, der ganz und gar nicht damit einverstanden ist, dass das Erbe aufgeteilt werden soll. Und deshalb müssen alle Passagiere sterben. Da kann Chaco natürlich nicht untätig zu sehen ...

Roman

„Raus mit dir, Bastard! In diesem Saloon trinken nur weiße Gentlemen ihren Whisky. Also verschwinde schon, du stinkende Rothaut!“

Chaco blieb hinter den ausschwingenden Pendeltüren stehen und sah auf einen bulligen Mann, der diese drohenden Worte ausgestoßen hatte. Nun ballte der Bursche seine Hände und schob sich knurrend näher.

Das Halbblut blickte dem Nähertretenden aus zusammengekniffenen Augen entgegen. Sein schulterlanges Haar war zu zwei Zöpfen geflochten. In seinem dunklen und breitflächigem Gesicht mit den hohen Wangenknochen zuckte kein Muskel.

Chaco wirkte abgerissen wie ein Tramp, der anscheinend nicht einen lausigen Cent in seinen Taschen hatte. Das war kein Wunder, denn das Halbblut hatte sich einige Tage in der rauen Bergwelt der Rocky Mountains zur Jagd aufgehalten.

Zu seinem Unglück hatte sich sein Pferd wenige Meilen vor der Stadt Colorado Springs den Knöchel gebrochen. Chaco war nichts anderes übriggeblieben, als das Pferd zu erschießen und die restlichen Meilen zu Fuß zurückzulegen.

Er war müde, hungrig, durstig und nicht gerade bei bester Laune, was man ihm auch nicht verdenken konnte.

Der Bulle schob sich näher. Gewaltige Muskelberge drohten sein Hemd zu sprengen. Drei Schritte vor Chaco blieb er stehen.

Die übrigen Gäste des Cattlemen Saloon blickten neugierig zu den beiden so ungleichen Männern hinüber.

Draußen legte sich die Dämmerung wie ein samtener Mantel über Stadt und Land. Die ersten Sterne funkelten am Firmament.

„Na, was ist, Bastard?“

Wenn das Halbblut etwas nicht ausstehen konnte, dann war es das Wort Bastard. So handelte er auch augenblicklich, denn er wusste, dass er seinen Gegner nicht mit Worten überzeugen konnte.

Seine Faust zuckte ansatzlos nach vorn und traf das Kinn des Burschen, der von diesem mächtigen Schlag überrascht und fast aus dem Gleichgewicht gebracht wurde.

Chaco setzte sofort nach. Nochmals zuckte seine Rechte vor. Er legte all seine Kraft in diesen Schlag.

Der bullige Bursche taumelte nun zurück und schrie wie ein angeschossener Büffelbulle auf. Dann stürmte er nach vorn. Das Halbblut erwartete ihn ruhig, glitt in letzter Sekunde zur Seite und entging so den wirbelnden Fäusten seines Gegners.

Erneut schlug Chaco zu.

Diesmal war es auch für einen so starken Mann zuviel. Der Bulle ging in die Knie und fiel dann aufs Gesicht.

Eine fast unheimliche Stille herrschte im Saloon. Die anwesenden Gäste starrten das Halbblut sprachlos an, als wäre diesem ein zweiter Kopf gewachsen.

Chaco warf noch einen Blick auf seinen Gegner, ehe er zum Tresen stiefelte. Er holte eine Dollarmünze aus seiner Wildlederjacke und legte diese klirrend auf die blank polierte Theke.

„Whisky“, sagte er. „Dann möchte ich ein Bier und etwas zum Essen. Lässt sich das arrangieren, Keeper?“

Der dürre Mann hinterm Tresen schluckte mehrmals; Sein Adamsapfel hüpfte wie ein selbständiges Wesen auf und ab. Wortlos holte er ein Glas und eine Flasche mit gold-gelb funkelndem Whisky und schenkte ein.

Chaco trank den Whisky und wandte dem Tresen denRücken zu. Stimmengemurmel breitete sich im Saloon aus. Der Niedergeschlagene lag noch immer am Boden, stöhnte und versuchte vergebens, sich auf die Beine zu wuchten.

Ein langaufgeschossener Mann, der ganz in schwarzes Leder gekleidet war, erhob sich ruckartig. Sein Stuhl kippte hinter ihm zu Bo den. Er ging auf Chaco zu, der sein Glas auf den Tresen zurückstellte.

Dann richteten sich seine leicht schrägliegenden Augen auf den Nähertretenden, dessen Hand sich nun auf den tiefhängenden Revolver senkte.

Es war eine unmissverständliche Geste.

Sechs Schritte vor dem Halbblut blieb der großgewachsene Mann stehen. Ein hartes Lächeln legte sich um seine Mundwinkel. Rauchgraue Augen strömten eine stumme Drohung aus.

„Den Mann, den du niedergeschlagen hast, ist mein Freund, Rothaut. Muss ich dir noch mehr erklären?“

Chaco schüttelte den Kopf.

Mit diesen Worten war alles gesagt. Nun lag es an ihm, diese erneute Herausforderung anzunehmen oder zu kneifen.

Chaco erkannte die angespannten Gesichter der übrigen Gäste. Er ahnte, dass die Männer nur darauf warteten, ihn tot am Boden liegen zu sehen.

„Hören Sie gut zu, Mister“, erklang Chacos ruhige Stimme durch die eingetretene Stille. „Ich habe keinen Streit angefangen. Ich bin ein freier Mann in einem freien Land. Niemand nennt mich ungestraft einen Bastard.“

„Dann zieh, Bastard“, sagte der Schwarzgekleidete höhnisch und zeigte eine Reihe nikotingelber Zähne.

Dann zuckte seine Hand auch schon zum Revolvergriff.

Der Bursche war schnell. Sehr schnell sogar, doch gegen einen Mann wie Chaco hatte er keine Chance. Er schoss den Bruchteil einer Sekunde früher als sein Gegner, dessen Kugel in die Saloondecke fuhr.

Chacos Geschoss traf den Mann in die Brust und riss ihn halb um die eigene Achse. Dann brach der Revolvermann zusammen, als habe man ihm den Boden unter den Füßen weggezogen.

Chaco hielt seinen noch rauchenden Colt in der Hand. Er richtete die Mündung auf drei Männer, die aufgesprungen waren und bereits ihre Hände auf den Revolvergriffen liegen hatten.

„Versucht es nur, Jungs!“ Chacos Stimme klang heiser. „Ich bin gerade so schön richtig in Fahrt. Ihr könnt mehr Blei von mir erhalten, als ihr verdauen könnt!“

Diese Worte entschieden wenigstens vorläufig das raue Spiel zugunsten des Halbbluts. Die drei Burschen erstarrten in ihren Bewegungen und blickten Chaco aus erschrockenen Augen an.

Der schwarzgekleidete Revolvermann lag stöhnend am Boden. Chaco wusste, dass er hier nicht länger bleiben durfte. Es konnte nicht mehr lange dauern, dann würden die anderen Gäste den Schock verdaut haben.

Und viele Hunde sind nun einmal des Hasen Tod, wenn man das alte Sprichwort auf die Situation auslegte, in der sich das Halbblut befand. Außerdem wollte er nicht noch auf die anderen Männer schießen, deren erste Furcht bald in gnadenlosen Hass umschlagen würde.

*

„Bleibt alle so stehen oder sitzen, Leute“, warnte Chaco mit klirrender Stimme. „Du lässt die Finger von deiner Schrotspritze“, sagte er zum Barkeeper, dessen Hände sich unter dem Tresen befanden und bestimmt nicht nach einer Whiskyflasche suchten.

Chaco hatte sich längst orientiert. Bis zum Hinterausgang waren es nur wenige Schritte. Er musste den Saloon verlassen, denn sonst würde es ein größeres Blutbad geben.

Chaco wusste aus bitterer Erfahrung, dass man ihn dann einsperren und vor Gericht bringen würde, falls man ihn nicht bereits vorher lynchte. Er war nun einmal ein Halbblut und würde gegen die Bürger dieser Stadt keine Chance haben.

Mit gezogenem Revolver schob sich Chaco langsam rückwärts und ließ die vielen Männer nicht aus den Augen. Der Respekt vor seinen Schießkünsten hielt die Gäste zurück.

Chaco erreichte die Tür des Hinterausganges, trat sie auf und huschte dann ins Freie. Wüster Stimmenlärm und aufpeitschende Schüsse klangen hinter ihm auf.

Chaco sah sich um. Er befand sich in einem Gemüsegarten. Schnell gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit.

Er lief los und dachte daran, dass er wohl ein Pferd stehlen musste, um ungeschoren Colorado Springs verlassen zu können.

Hinter ihm peitschten erneut Schüsse auf. Schrille Schreie gellten durch die Nacht. Das Hämmern von derben Stiefelsohlen auf hartem Boden näherte sich ihm.

Chaco erreichte die Main Street der kleinen Stadt, die sich dicht an den östlichen Ausläufern der Rocky Mountains befand. Das Halbblut huschte weiter und blieb dann in einer dunklen Seitengasse stehen.

Er lauschte.

Seine Verfolger mussten die Orientierung verloren haben. Es dauerte aber nicht lange, dann vernahm er schnelle Schritte. Er erkannte auch einige Männer, die Fackeln und Gewehre in den Händen hielten.

Hunde bellten. Irgendwo schrie ein Kind. Es hatte fast den Anschein, als wäre mittlerweile ganz Colorado Springs auf den Beinen.

Chaco sah sich nach einem Pferd um, als er aus der dunklen Seitengasse hinausspähte. Die Sattelpferde vor dem Saloon waren unerreichbar für ihn, denn dort hielten sich einige Männer auf, die wohl annahmen, dass er dort sein Pferd untergestellt hatte.

Der Mietstall lag auf der gegenüberliegenden Straßenseite um einige Yards versetzt. Auch dort postierten sich nun einige Männer und schwangen drohend ihre Winchestergewehre.

Chaco ahnte plötzlich, dass es bald für ihn nur noch die Möglichkeit geben würde, sich einen Weg freizuschießen.

Als sich die Postkutsche am unteren Ende der Mainstreet plötzlich in Bewegung setzte, handelte Chaco augenblicklich. Seih Körper spannte sich.

Die Stage Coach, von einem Sechsergespann gezogen, rumpelte knarrend näher. Kutscher und Beifahrer saßen auf dem Bock. Der Fahrer schwang eine lange Peitsche und trieb die Pferde an.

Dann war die Kutsche heran. Im Schutz der riesigen Staubwolke, die von der Stage Coach aufgewirbelt wurde, sprintete Chaco los. Er erreichte auch schnell den hinteren Aufbau und zog sich hoch.

Er wusste nicht, ob er von seinen Verfolgern entdeckt worden war. Schüsse peitschten aber nicht hinter ihm her.

Die Kutsche wurde nun schneller, als sie das Ende der kleinen Stadt erreichte. Chaco kletterte bis zum Dach empor und schwang sich über das Schutzgitter, das verhinderte, dass die Gepäckstücke herunterfielen.

Er kauerte sich zwischen Koffern, Kisten und Sätteln nieder und blickte zur Stadt zurück.

Niemand folgte der Kutsche. Anscheinend war er nicht gesehen worden, als er im Schutz der Staubwolke auf die Kutsche aufgesprungen war.

Chaco drehte sich um und starrte genau in das Gesicht des bärtigen Beifahrers, der ihn entdeckt hatte und ihm entgegengekrochen war. Es gelang Chaco nicht, dem schmetternden Hieb mit dem Revolverlauf auszuweichen.

Aufstöhnend brach er zusammen und hatte das Gefühl, in einen bodenlosen Abgrund zu stürzen, aus dem es kein Entrinnen mehr gab.

*

In Chacos Kopf schien eine Glocke zu schwingen, als er aus den Tiefen der Bewusstlosigkeit auftauchte. Ein greller Schmerz pulsierte durch seinen Schädel.

Er tastete mit einer Hand hoch, fühlte eine taubeneigroße Beule und geronnenes Blut.

„Der Kerl ist aufgewacht“, vernahm Chaco eine Stimme. Seine Hand tastete zum Revolver an seiner Seite. Die Halfter war leer. Entweder hatte er die Waffe verloren, oder der Begleitmann hatte sie ihm abgenommen.

Chaco richtete seinen Oberkörper auf.

Fahrtwind pfiff ihm um die Nase. Er blickte auf Kutscher und Begleitmann, der eine Parker Gun auf ihn gerichtet hielt.

„Bleib sitzen, mein Junge!“, schrie der bärtige Beifahrer, um die Geräusche der dahin jagenden Postkutsche zu übertönen. „Wir können im Moment nicht anhalten. Wenn du natürlich springen willst, dann hindert dich niemand daran.“

Chaco kauerte sich wieder zwischen den Gepäckstücken nieder. Er hatte keine Lust von der fahrenden Stage Coach zu springen und sich vielleicht die Knochen zu brechen.

Außerdem entfernte er sich mit jeder Minute weiter von Colorado Springs und damit auch von den rauen Burschen, die ihm ans Leder wollten.

Vorsichtig tasteten seine Hände über den Dachboden der Kutsche und suchten nach seinem Revolver. Er atmete auf, als er das kalte Metall seines Revolvers spürte.

Er halfterte unauffällig die Waffe, als der Beifahrer ihn für einige Sekunden aus den Augen ließ. Nun fühlte er sich wieder wohler in seiner Haut.

Sein Schädel schmerzte zwar noch immer. Chaco aber war ein Mann, der hart im Nehmen war. Die Platzwunde hatte längst zu bluten aufgehört, und die Kopfschmerzen würden bald wieder vergehen.

Die Postkutsche jagte noch immer den ausgefahrenen Wagenweg entlang. Chaco schätzte, dass die Stage Coach in Richtung Pueblo fuhr. Zwei Steinwurfweiten entfernt schimmerte silbern das Wasser eines Baches. Es musste sich um den Fountain Creek handeln, der zu dieser Jahreszeit aber nicht viel Wasser führte.

Chaco nickte dem Beifahrer zu und hob demonstrativ beide Hände, um seine Friedfertigkeit zu zeigen, als er nach vorn zum Kutschbock kroch.

„Stopp“, knurrte der Bärtige und rammte Chaco die Mündung des Schrotgewehres in den Bauch. „Bleib nur friedlich, sonst schieße ich dich in zwei Stücke.“

„Schon gut, Mister“, sagte Chaco. „Ich kann für meine Fahrt bezahlen, habe aber leider die Abfahrt der Kutsche versäumt. So blieb mir nichts anderes übrig, als aufzuspringen.“

Der bärtige Mann grinste.

„Dann zeig mal die Greenbucks her. Die Kutsche ist besetzt. Wenn du willst, kannst du auf dem Dach bleiben, bis wir Pueblo erreichen. Dort gibt es wieder Platz.“

„Wieviel muss ich zahlen?“

„Drei Dollar.“

Chaco nahm das Geld vorsichtig aus seiner Jackentasche und reichte es dem Bärtigen, der die Bucks in seiner Jackentasche verschwinden ließ. Dann nahm er endlich die Parker Gun zur Seite und nickte dem Kutscher zu.

„Alles in Ordnung, Mister. Wir übernehmen aber keinerlei Haftung, falls du uns von der Kutsche fallen solltest.“

Chaco nickte nur und kroch wieder zu seinem Platz zurück, wo er sich hinsetzte. Die Kutsche schwankte hin und wieder, dass er das Gefühl hatte, sich auf einem im Sturm treibenden Boot zu befinden.

Meile um Meile legte die Postkutsche zurück. Bleiches Mondlicht sickerte vom wolkenlosen Himmel. Der Wagenweg war breiter geworden und wurde von Douglasfichten und Coloradozedern umsäumt.

„Festhalten, Mister!“, rief der Kutscher. Chaco hielt sich mit beiden Händen fest, dann fing die Kutsche auch schon zu schlingern an und hüpfte regelrecht in die Höhe.

Ein Sattel rutschte Chaco entgegen und quetschte ihn gegen eine Holzkiste. Er verbiss sich einen lästerlichen Fluch und schob den Sattel von sich.

Gleich darauf quietschten Bremsen, und der Fahrer legte sich schwer in die Zügel. Chaco erkannte einen Baumstamm, der quer über die Wagenstraße lag.

Wenige Yards vor dem Hindernis brachte der Fahrer die Postkutsche zum Stehen. Eine riesige Staubwolke hüllte das Gefährt und auch Chaco ein, der sich zwischen den Gepäckstücken niederkauerte, da er an einen Überfall glaubte.

So war es auch.

Feuerlanzen zuckten aus einem nahen Dickicht hervor. Die berstenden Schüsse peitschten durch die nächtliche Stille.

Fahrer und Beifahrer wurden vom Kutschbock katapultiert und blieben regungslos neben der Kutsche liegen.

Chaco hatte seinen Revolver gezogen und ging hinter den Gepäckstücken in Deckung.

Er ahnte, dass die Banditen sofort auf ihn schießen wurden, sollten sie ihn entdecken.

*

Träge senkte sich der von der Stage Coach aufgewirbelte Staub zu Boden. Von den Banditen war nichts zu sehen. Dann knackte es mehrmals in dem Dickicht, und zwei Männer schoben sich hervor.

Sie hielten Revolver in den Fäusten und hatten ihre Gesichter durch Halstücher maskiert, die bis über die Nasen gezogen waren.

Der Atem des Todes legte sich über die kleine Lichtung, auf der die Postkutsche zum Halten gezwungen worden war.

„Das ist ein Überfall!“, schnappte eine harte Stimme. „Mein Partner und ich werden bei der geringsten verdächtigen Bewegung sofort schießen. Außerdem befinden sich noch zwei unserer Freunde in sicherer Deckung, die aus der Kutsche ein Sieb machen werden!“

Die klirrende Stimme verstummte.

Dann fuhr der Postkutschenräuber fort: „Klettert der Reihe nach aus der Kutsche heraus, Leute. Hebt die Arme über die Köpfe und zwingt uns nicht dazu, schießen zu müssen!“

Chaco hielt den Atem an. Noch war er von den Outlaws nicht entdeckt worden. Gegen die zwei Burschen hätte er vielleicht etwas unternommen. Er glaubte aber, dass sich wirklich noch zwei andere Banditen im Gehölz versteckt hielten, die sofort das Feuer auf ihn eröffnen würden.

Die Tür der Kutsche schwang ächzend zurück.

„Nicht schießen!“, rief eine heisere Stimme, aus der man deutlich eine heiße Angst heraushören konnte.

Ein dicker Mann schob sich aus der Türöffnung hervor  und schnaufte dabei wie eine Lokomotive, die unter zu hohem Dampfdruck stand. Er reckte beide Hände gegen den Himmel und lehnte sich dann schweratmend gegen die Kutsche.

Bei dem zweiten Passagier handelte es sich um eine schon ältere Lady, die am ganzen Körper zitterte und bebte und dabei sinnlose Worte stammelte.

Sie trat neben den dicken Mann und blickte aus angstverzerrtem Gesicht auf die beiden Maskierten, die nach wie vor ihre Revolver schussbereit hielten.

Eine weitere Frau verließ die Postkutsche. Sie trug ein eng anliegendes Reisekostüm, das nichts von ihren weiblichen Formen verbarg. Die Frau mochte Mitte Zwanzig sein und wirkte ruhig, als habe sie sich in ihr Schicksal ergeben.

Drei Männer stiegen nach der Reihe aus und lehnten sich ebenfalls gegen die Kutsche. Einer war wie ein Cowboy gekleidet, der andere wie ein Wanderprediger und der letzte der drei wie ein Jäger.

Dieser schob seine Fellmütze in den Nacken und starrte die beiden Banditen aus zusammengekniffenen Augen an.

„Okay, Ladies und Gentlemen“, sagte der hagere Bandit. Mondlicht reflektierte in seinen Augen. „Das habt ihr gut hingekriegt. Ich schätze, dass sich sonst niemand mehr im Innern der Stage Coach aufhält.“

„Richtig“, sagte derMann mit der Pelzmütze. „Wie soll es nun weitergehen?“

„Das werdet ihr gleich erleben“, sagte der Hagere. Dann stieß er einen schrillen Pfiff aus. Die Pferde bewegten sich unruhig in den Gespannseilen.

Chaco erkannte zwei Männer, die das Dickicht verließen und mit schnellen Schritten nähertraten. Sie hielten Gewehre in den Händen. Einer von ihnen ging zu den beiden Postkutschenfahrern. Brutal wälzte er sie mit dem Stiefel auf den Rücken. Seelenlose Augen starrten in den dunklen Nachthimmel.

Der Bandit grunzte etwas und trat dann zu seinen drei Partnern.

„Sind sie tot?“, fragte der Hagere.

„So tot, wie nur ein Mann tot sein kann“, sagte der Outlaw, der die beiden untersucht hatte. „Es ist nun nicht mehr zu ändern. Wir haben zu genau gezielt. Ich hoffe nur, dass einer von euch die Postkutsche fahren kann.“

„Wir werden sehen“, antwortete der Hagere, der der Anführer der Bande sein musste.

Er wandte sich an die vier Männer und an die beiden Frauen, die alle noch mit erhobenen Händen an der Postkutsche standen und sich nicht zu bewegen wagten.

„Ich werde mir eure Waffen holen, Jungs. Ihr tretet der Reihe nach einen Schritt vor. Denkt daran, dass meine Partner sofort schießen werden, solltet ihr Dummheiten im Sinn haben.“

Während die vier Männer ihre Waffen abgeben mussten, überlegte Chaco verzweifelt, wie er das beste aus dieser verfahrenen Situation machen konnte.

Vielleicht konnte er zwei oder auch drei der Burschen niederschießen. Dann aber wäre es auch um ihn geschehen. außerdem bestand die Gefahr, dass bei dem Schusswechsel einige der Passagiere verletzt werden würden.

Chaco beschloss, erst einmal abzuwarten, was die nächsten Minuten bringen würden.

„Ab mit euch in die Kutsche, Leute“, sagte der hagere Bandit dann und deutete mit dem Revolverlauf auf die Tür. „Die Reise geht weiter. Kann einer von euch eine Postkutsche lenken?“

Niemand antwortete.

„Wohin soll denn die Reise gehen?“, fragte der wie ein Trapper gekleidete Mann.

„Lass dich überraschen, Mountain Man“, meinte der Bandit. „Wenn ihr pariert, dann wird euch allen nichts geschehen.“

Die junge Frau schob sich einen Schritt nach vorn. Ihr Busen wogte unter ihrer Bluse.

Ihre Stimme klang einige Nuancen zu schrill, als sie fragte: „Warum wollen Sie uns verschleppen? Versprechen Sie sich vielleicht ein Lösegeld von uns?“

„Einsteigen!“, knurrte der Hagere. „Los, Leute, wir müssen von hier verschwinden. Die Schüsse könnten gehört worden sein. Dann würde es Ärger geben, den ihr auszubaden habt. Also, beeilt euch, sonst werde ich verdammt ungemütlich.“

Die junge Lady senkte den Kopf, ehe sie in die Postkutsche kletterte. Die fünf anderen Gefangenen folgten ihr. Einer der Banditen warf die Tür mit einem lauten Knall zu.

Chaco wusste, dass die Zeit für ihn da war, in dieses höllische Spiel einzugreifen. Er rechnete sich keine Chance aus, von den Halunken ungeschoren zu bleiben, sollten sie ihn erst entdecken.

Schon hob er den Revolver, als sich zwei weitere Männer aus einem nahen Gebüsch hervorschoben. Sie hielten Gewehre in den Händen.

Was blieb Chaco anderes übrig, als sich wieder niederzuducken? Gegen sechs dieser hartgesottenen Burschen hatte er keine Chance. Einer von ihnen würde ihn auf jeden Fall erwischen.

*

Die beiden Männer flüsterten einige Worte mit ihren Partnern. Die Kerle stoben plötzlich auseinander, als wäre ein Blitz in ihre Mitte gefahren.

Chaco ahnte sofort, was das zu bedeuten hatte.

Er war entdeckt worden.

„Los, runter mit dir vom Kutschendach,“ erklang dann auch schon die harte Stimme des hageren Banditen. „Los, sonst verwandeln wir dich in ein Sieb!“

Chaco sog die frische Nachtluft in seine Lungen. Er saß in der Falle. Wenn er Pech hatte, würde er in wenigen Sekunden den langen Trail ohne Rückkehr antreten.

„Du brauchst wohl eine Sondereinladung, Mister, oder hast du bereits die Hosen gestrichen voll?“

Chaco versteckte seinen Revolver zwischen den Gepäckstücken und richtete seinen Oberkörper langsam auf. Er rechnete jeden Augenblick damit, von einigen Kugeln durchbohrt zu werden.

Wie ein sprungbereiter Puma stand er auf dem Dach der Stage Coach. Seine Silhouette zeichnete sich dunkel gegen den sternenüber säten Nachthimmel ab.

„Der hat wirklich die Hosen voll“, spottete einer der Outlaws. „Runter mit dir, Rothaut. Haben dich die feinen Herrschaften nicht mit in der Kutsche fahren lassen?“

Chaco nickte und zuckte dann mit den Schultern. Es war ihm die Erleichterung nicht anzusehen, die durch seinen Körper pulsierte, dass die Banditen nicht geschossen hatten.

Er kletterte von der Kutsche herunter und landete federnd am Boden. Die Outlaws umringten ihn und starrten ihn neugierig an.

„Ein blinder Passagier, nicht wahr?“, fragte der Hagere.

Chaco nickte erneut.

„So ist es, Männer. Die Gents in der Kutsche haben keine Ahnung, dass ich mitgefahren bin. Nur die beiden Fahrer wussten Bescheid.“

Chaco senkte den Kopf. Er hatte vor, die Rolle als Indianerbastard weiter zu spielen. Vielleicht gelang es ihm, die raue Banditenhorde zu täuschen.

„Du bist ein Halbblut, nicht wahr?“, fragte einer der Banditen. „Und du siehst mächtig abgebrannt aus. Wenn du eine Postkutsche fahren kannst und dir ein paar Greenbucks verdienen willst, dann lassen wir dich am Leben.“

„Ich kann eine Stage Coach fahren“, sagte Chaco sofort. „Ich bin ein Halbblut. Mein Vater war ein Weißer und meine Mutter eine Pima-Apachin. Sie, mein Vater und mein Bruder wurden von weißen Skalpjägern ermordet. Seit dieser Zeit schlage ich mich allein durch diese lausige Welt. Ein paar Dollars könnte ich schon gebrauchen. Und mit der Postkutsche werde ich schon einig werden.“

„Dann schwing dich auf den Kutschbock. Wie heißt du eigentlich?“

„Mein Name ist Chaco. Chaco Gates, Sir.“

Nach diesen Worten turnte das Halbblut zum Kutschbock hoch und ergriff die Zügel. Chaco hatte schon häufiger eine Stage Coach gefahren und beherrschte die kleinen Tricks, um mit einem Sechsergespann fertig zu werden.

Zwei Banditen setzten sich zu ihm auf den Kutschbock. Einer von den anderen Outlaws eilte davon und führte dann vier Pferde an den Zügeln herbei.

Der Hagere trat ans Fenster der Stage Coach. Der Kopf des dicken Mannes zuckte zurück, als er den Revolver des Halunken dicht vor seinem Gesicht sah.

„Ihr verhaltet euch friedlich“, klirrte die Stimme des hageren Maskierten. „Uns wird es nicht zu Tränen rühren, wenn wir einige von euch umlegen müssen.“

Dann nickte er Chaco zu, der die Bremsen löste, sich die Peitsche griff und diese über die Köpfe der Tiere schwang. Das Sechsergespann setzte sich in Bewegung.

Gleich darauf riss Chaco wieder an den Zügeln.

„Der Baumstamm muss erst weg, Gents!“, rief er. „Ich müsste sonst schon drüberfliegen, und das ist wohl nicht möglich.“

Die vier Banditen sprangen wieder aus den Sätteln. Sie schwitzten ganz schön, bis sie den Stamm einer jungen Murray-Fichte vom Wagenweg gehievt hatten.

Dann trieb Chaco die Pferde erneut an. Die vier Banditen ritten je zu zweit rechts und links neben der Kutsche. Die beiden Kerle neben Chaco ließen ihn nicht aus den Augen.

„Wohin geht die Reise?“, fragte Chaco.

„Immer geradeaus, Chaco“, sagte der Bursche grinsend und zog sein Halstuch vom Gesicht. Er hatte eine spitze Nase und wulstige Lippen. „Ich sage dir schon rechtzeitig, wann wir abbiegen müssen.“

Nach einigen hundert Yards hatte Chaco erreicht, dass die Pferde seinem Zügeldruck widerstandslos gehorchten.

„Ausgezeichnet“, sagte der großnasige Bandit neben Chaco anerkennend. „Mit dir haben wir anscheinend einen Glückstreffer gelandet. Ich hätte zwar die Kutsche auch fahren können, doch bestimmt unter größeren Schwierigkeiten, als du sie hast.“

Zwei Meilen weiter näherten sie sich einer Wegkreuzung. Chaco ahnte schon, dass die schwere Concord Kutsche nun den Wagenweg verlassen würde.

„Nimm die rechte Abzweigung“, sagte der Bandit neben ihm. „Nach hundert Yards hältst du an. Meine Partner müssen die Radspuren ein wenig verwischen, denn wir möchten nicht, dass bald ein Aufgebot auf unserer Fährte reitet.“

Chaco führte den Befehl aus.

Ächzend und knarrend hielt die Concord-Kutsche. Einer der Outlaws sprang vom Kutschbock und blieb neben der Kutschentür mit gezogenem Revolver stehen.

Die vier Burschen ritten bis zur Wegkreuzung und zurück und schleiften dann größere Zweige hinter den Pferden her, um die Spuren der Stage Couch zu verwischen.

Der Bursche neben Chaco hielt unmissverständlich seinen Revolver auf das Halbblut gerichtet. Es gab keine Chance für Chaco, etwas zu riskieren.

Einige Minuten später trieb er das Gespann wieder an. Die Tiere setzten sich willig in Bewegung. Der schmale Weg führte in Richtung der Sangre de Christo Mountains.

Bei Tageslicht würde man bereits den Pikes Peak, der ungefähr 12.000 Fuß hoch war, erkennen können.

Schon bald mussten sich die Pferde stärker ins Geschirr legen, denn der Weg stieg steiler an. Chaco hatte alle Hände voll zu tun, damit die Kutsche auf dem schmalen und holprigen Weg blieb. Die vier Banditen ritten längst wieder rechts und links von der Stage Coach.

Chaco hatte sich in den letzten Minuten immer wieder gefragt, was die Outlaws mit ihren Gefangenen im Schilde führten. Natürlich fragte er sich auch, was man mit ihm vorhatte, sollte er die Kutsche an das unbekannte Ziel gebracht haben.

Bestimmt konnten die Halunken keinen Zeugen gebrauchen und würden ihn ausschalten.

Der Weg stieg noch immer an. Zwei Meilen weiter ging es dann geradeaus. Ein Tal öffnete sich. Im bleichen Mondlicht sah Chaco, dass die Berghänge terrassenförmig anstiegen und mit Büschen und Bäumen bewachsen waren.

„Immer geradeaus“, sagte der Outlaw neben Chaco auf dem Kutschbock. „Wir sind noch lange nicht an unserem Ziel.“

In einem seichten Creek zügelte Chaco sein Gespann und ließ die Pferde saufen, die bereits einen müden Eindruck machten. Normalerweise wären sie längst an einer Relaisstation ausgewechselt worden.

Dann ging die Fahrt weiter. Die sechs Passagiere in der Concord-Kutsche verhielten sich ruhig. Angesichts der sechs Banditen hatten sie auch nach wie vor keine Chance, sich zur Wehr zu setzen.

Eine halbe Stunde später erreichte die Stage Coach das Ende des Valleys, das in einem engen Canyon endete, der sich aber bald verbreiterte.

„Anhalten“, sagte Chacos Nebenmann plötzlich. Er starrte auf eine dunkel gähnende Öffnung, durch die die Postkutsche vielleicht gerade passen konnte.

„Meinst du, dass es dir gelingt, die Kutsche da hindurch zu fahren?“, fragte der hagere Mann, der bis dicht neben den Kutschbock geritten war.

„Ich kann es versuchen, Mister“, meinte Chaco. „Mehr als schiefgehen wird es wohl nicht.“

Chaco musste sein ganzes Können einsetzen, um die Stage Coach in das dunkle Loch hineinzufahren. Die Pferde scheuten immer wieder und wirkten nervös. Ihr schrilles Gewieher klang allen in den Ohren.

Völlige Dunkelheit umgab Chaco. Der Bursche neben ihm drückte ihm seinen Revolver in die Seite. Chaco hatte sich ausgerechnet, vielleicht hier eine Chance zu erhalten, um fliehen zu können. Der Bandit würde garantiert sofort schießen, sollte er auch nur eine unvorsichtige Bewegung riskieren.

„Immer vorwärts, Chaco“, sagte der Spitznasige. „Wir sind gleich hindurch.“

Hin und wieder scheuerten die Seitenwände der Kutsche an den Felsen. Die Pferde wurden immer nervöser. Einmal musste Chaco seinen Kopf einziehen, um ihn nicht an einem aus der Höhlendecke herunterhängenden Felsen anzuschlagen.

Er atmete auf, als er die Helligkeit sah, die sich wenige Schritte entfernt ausbreitete. Frischere Luft wehte ihm entgegen. Die Pferde zogen kräftiger an. Dann war auch schon die Concord-Kutsche durch den Höhlengang hindurch.

Chaco sah sich um.

Er befand sich in einem kleinen Talkessel, dessen Wände an allen Seiten wie Felsdome gegen den sternenklaren Himmel ragten.

„Wir sind am Ziel“, sagte sein Nebenmann zufrieden. „Los, fahre die Kutsche bis in die Mitte des Kessels!“

Zweihundert Yards weiter zügelte Chaco das Gespann vor einer großen Blockhütte. Ein kleiner Bach schlängelte sich silbern funkelnd wenige Schritte davon entfernt vorbei.

„Runter vom Kutschbock“, zischte die Stimme des Outlaws. Der Revolverdruck in. Chacos Seite verstärkte sich. Er hatte keine andere Wahl, als den Befehl auszuführen. Wenige Sekunden später wurden ihm die Hände auf dem Rücken gefesselt. Die Passagiere mussten aussteigen. Sie erinnerten an hilflose Schafe, die sich vor einem Rudel Wölfe zusammendrängten.

Die fünf anderen Banditen standen mit gezogenen Revolvern vor den vier Männern und den beiden Frauen. Der spitznasige Outlaw war neben Chaco stehengeblieben.

Der gefangene Trapper schob seine Pelzmütze in den Nacken. Er schien als einziger keine Angst vor den Banditen zu haben.

„Dürften wir nun endlich erfahren, was ihr mit uns vorhabt?“, fragte er mit Grimm in seiner Stimme.

Der hagere Bandit mit der schwarzen Lederkleidung schüttelte grinsend den Kopf.

„Das werdet ihr noch früh genug erfahren“, meinte er. „Zuerst sperren wir euch dort in die Blockhütte. Morgen bei Tageslicht reden wir weiter. Wenn ihr euch friedlich verhaltet und all unseren Anweisungen Folge leistet, wird euch kein Haar gekrümmt.“

Sein Blick wanderte weiter und blieb auf dem Halbblut hängen. Chaco starrte in die dunklen Augen des Anführers der Postkutschen-Bande und spürte, wie ein ungutes Gefühl in ihm aufstieg.

Er wusste, dass seine Aufgabe erfüllt war. Die Kerle konnten ihn nicht mehr gebrauchen. Das aber bedeutete, dass sie ihn umlegen wollten.

„Bringt alle in die Blockhütte“, sagte der Hagere. „Das Halbblut bleibt hier draußen.“

Chaco hatte mit diesen Worten gerechnet. Sein Körper spannte sich an. Sofort verstärkte sich der Druck der Revolvermündung in seinem Rücken.

„Ganz ruhig bleiben, Halbblut“, sagte der Bandit, dessen heißen Atem er im Nacken spürte.

Die sechs Gefangenen ließen sich widerstandlsos in die geräumige Blockhütte bringen. Chaco sah erst jetzt, dass die Fenster vergittert waren.

Nachdem auch der letzte Gefangene im Innern der Hütte verschwunden war, wurde die Tür geschlossen und ein dicker Balken vorgelegt.

Einer der Banditen postierte sich vor dem Eingang, während ein anderer um die Hütte zu patrouillieren begann.

„Was wird mit dem Halbblut?“, fragte einer der Kerle. Er hatte ein breites Gesicht und eine schiefe Nase, die bestimmt durch einen mächtigen Hieb vor längerer Zeit in die Brüche gegangen war.

„Wir legen ihn um“, nickte der Hagere. „Oder habt ihr vielleicht etwas anderes erwartet?“

„Wer von euch wird es tun?“, fragte der Banditenboss noch und blickte seine drei Partner an. Sein Blick blieb auf dem spitznasigen Outlaw hängen, der seitlich versetzt neben dem Halbblut stand.

Details

Seiten
140
Jahr
2016
ISBN (ePUB)
9783738905731
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (März)
Schlagworte
chaco blutmond pueblo

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Titel: Chaco #15: Blutmond über Pueblo