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Unheilvolle Schönheit: FBI Special Agent Owen Burke #61

2016 60 Seiten

Zusammenfassung

Siebzehnjährige spurlos verschwunden! Special Agent Owen Burke las den Bericht aufmerksam durch. Es handelte sich um das dritte Mädchen, das innerhalb eines Monats spurlos verschwunden war. Die Polizei ging nicht mehr davon aus, dass die Mädchen einfach nur von zu Hause weggelaufen waren. Gewaltverbrechen könnten nicht ausgeschlossen werden, erklärte ein Polizeisprecher im Rahmen einer Pressekonferenz. Auffällig sei, dass es sich immer um denselben Mädchentyp handelt. Groß, schlank, dunkle, lange Haare, blaue Augen …
Man vermutete, dass ein Serientäter dahintersteckte.

Leseprobe

Special Agent Owen Burke: Unheilvolle Schönheit

Krimi von Pete Hackett

Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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1

Siebzehnjährige spurlos verschwunden! Special Agent Owen Burke las den Bericht aufmerksam durch. Es handelte sich um das dritte Mädchen, das innerhalb eines Monats spurlos verschwunden war. Die Polizei ging nicht mehr davon aus, dass die Mädchen einfach nur von zu Hause weggelaufen waren. Gewaltverbrechen könnten nicht ausgeschlossen werden, erklärte ein Polizeisprecher im Rahmen einer Pressekonferenz. Auffällig sei, dass es sich immer um denselben Mädchentyp handelt. Groß, schlank, dunkle, lange Haare, blaue Augen ...

Man vermutete, dass ein Serientäter dahintersteckte.

Owen Burke machte seinen Kollegen Ron Harris auf den Bericht aufmerksam. Nachdem Harris ihn gelesen hatte, meinte er: „Vermisste Mädchen fallen doch in unseren Zuständigkeitsbereich. Was meinst du, Owen? Sollten wir uns mal kundig machen und mit dem AD drüber sprechen?

„Du vermutest also auch, dass die Girls einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind“, konstatierte Burke, nickte und gab sich selbst die Antwort: „Eine Menge spricht dafür.“

Er griff zum Telefon, wählte die Nummer des Police Department und ließ sich den Beamten geben, der in der Angelegenheit ermittelte.

„Ich bin gerade dabei, die Sache an das FBI abzugeben“, sagte der Beamte am anderen Ende der Leitung. „Zuständigkeitshalber“, erläuterte er. „Da nicht davon auszugehen ist, dass die Girls von zu Hause fortgelaufen sind, ist die Bundespolizei zuständig.“

„Bis wann bekommen wir die Ermittlungsakten?“, fragte Burke.

„Ich lasse sie euch durch einen Boten zustellen. In einer Stunde habt ihr den Fall.“

Burke beendete das Gespräch, rief bei Amalie Shepard an und ließ sich und Ron Harris beim Assistant Director anmelden, dann begaben sie sich sofort, als sie gewissermaßen grünes Licht bekamen, in sein Büro. Die Zeitung nahm Burke mit. Er legte seinem Vorgesetzten den Bericht vor und erklärte ihm, dass der Fall zuständigkeitshalber an das FBI abgegeben werde. Der AD las, und als er den Blick hob, sagte Burke: „Wir möchten Sie bitten, den Fall uns zu übertragen, Sir.“

„Das Schicksal der Mädchen liegt Ihnen wohl sehr am Herzen, wie?“

„Ich versuche mich in die Situation der Eltern zu versetzen“, murmelte Burke. „Die Ungewissheit, die Angst, die Hilflosigkeit ...“

„In Ordnung“, meinte der AD. „Tun Sie Ihr Möglichstes, um herauszufinden, wohin die Mädchen verschwunden sind. Bei Würdigung aller Umstände, die in dem Artikel aufgeführt sind, ist wohl tatsächlich nicht davon auszugehen, dass die Mädchen fortgelaufen sind.“

Eine halbe Stunde später bekamen die Agents die Akten des Police Departments. Verschwunden waren Catherine Elliott, fünfzehn Jahre alt, Jenny Barber, sechzehn Jahre alt, und Sandy Griffith, siebzehn Jahre alt. Catherine Elliott wurde seit dem 2. April vermisst, also schon länger als einen Monat, Jenny Barber seid dem 16. April. Sandy Griffith war vor zwei Tagen, also am 30. April verschwunden.

„Die Girls verschwinden in einem Rhythmus von zwei Wochen“, murmelte Ron.

„Ja. Und vom Typ her gleichen sie sich wie Schwestern“, ergänzte Burke und fügte sogleich hinzu: „Catherine Elliotts Eltern leben in Manhattan, Jenny Barber stammt aus Brooklyn, Sandy Griffith aus Staten Island. Das Verschwinden ist also nicht auf einen bestimmten Stadtteil beschränkt.“

„Wir sollten bei Sandy Griffith beginnen“, meinte Ron. „In Ihrem Fall dürfte die Spur noch ziemlich heiß sein. Ich schlage vor, wir sprechen mit den Eltern des Mädchens, und dann mit seinen Freunden.“

Jacob und Caroline Griffith wohnten in der Henderson Avenue, im Norden von Staten Island also. Burke rief zunächst an, um sicher zu gehen, dass jemand zu Hause war. Mrs Griffith war am Telefon. „Mein Mann arbeitet“, sagte sie. „Aber ich bin zu Hause. Haben Sie schon einen Anhaltspunkt, wo meine Tochter geblieben sein kann?“

Ihre Stimme klang gepresst und der Special Agent vermutete, dass sie viel geweint hatte. Er konnte mir ihr fühlen. „Nein“, musste er zugeben. „Wir haben den Fall erst vor einer knappen Stunde übernommen. Wir sind bis um -“ er schaute auf die Uhr, „- 10 Uhr 30 bei Ihnen.“

Es war 10 Uhr 25, als Ron Harris vor dem Haus den Dodge Avenger abbremste. Es war ein schmuckes Einfamilienhaus mit einem Vorbau und einigen Erkern. Davor befand sich ein Streifen gepflegten Rasens mit einem Blumenbeet, in dem Tulpen und Narzissen am Verblühen waren, sowie einer ordentlich getrimmten Hecke als Zaun zum Gehsteig hin und einem Fliederstrauch, der voll in der Blüte stand. Bienen und Hummeln summten.

Mrs Griffith erwartete die Agents schon. Ihre Lider waren gerötet und unter ihren Augen lagen dunkle Ringe. Um ihren Mund lag ein herber Zug. Sie sah ausgesprochen verhärmt aus. Burke stellte sich vor: „Special Agent Burke, das ist mein Kollege Special Agent Harris. Wir kommen vom FBI New York.“

„Treten Sie ein“, sagte Caroline Griffith und gab die Tür frei.

Sie traten in das Wohnzimmer. Die Einrichtung war nicht gerade teuer, aber sehr gemütlich. Die Frau bot den Agents Sitzplätze an und sie ließen sich nieder.

„Das FBI hat also den Fall übernommen“, begann sie. „Das heißt, die Polizei geht von einem Verbrechen aus.“

„Wir wissen es nicht mit letzter Sicherheit“, erwiderte Burke. „Aber wir müssen es ins Kalkül ziehen.“

„Es ist bereits das dritte Mädchen innerhalb eines Monats, das in New York verschwunden ist“, murmelte Mrs Griffith. Im Grunde ihres Herzens ging sie wahrscheinlich davon aus, dass ihre Tochter einem gewissenlosen Verbrecher in die Hände gefallen war – wie wohl auch die beiden anderen jungen Frauen vorher.

Ron nickte. „Können Sie ausschließen, dass Ihre Tochter aus freiem Antrieb ...“

Caroline Griffith unterbrach ihn. „Sandy hatte keinen Grund, wegzulaufen. Sie genoss alle Freiheiten, die ein Teenager in ihrem Alter genießen kann, lag mit ihren schulischen Leistungen über dem Durchschnitt, und – was sehr wichtig ist -, es gab, abgesehen von kleineren Meinungsverschiedenheiten, niemals Streit zwischen uns und Sandy.“

„Hatte sie einen Freund?“, fragte Burke.

„Freunde hatte sie viele, denn Sandy war allseits beliebt. Sie war eine gute Sportlerin und war auch aktives Mitglied in einem Sportverein. Ja, Sandy hatte viele Freunde.“

„Das meinte ich nicht.“

„Einen festen Freund hatte sie nicht. Dazu war ihr die Schule zu wichtig, außerdem träumte sie davon, nebenbei als Model Geld zu verdienen. Die körperlichen Voraussetzungen erfüllte sie. Sie war groß und schlank und ausgesprochen hübsch. Es war ihr Traum.“

„Hat sie sich bei einschlägigen Agenturen beworben?“, fragte Burke.

„Sicher. Aber fragen Sie mich nicht, bei welchen Agenturen. Zweimal durfte sie sich schon vorstellen. Als die Manager der Agenturen aber hörten, dass sie noch zur Schule geht, winkten sie ab. Und die Schule schmeißen wollte Sandy nicht.“

„Hat sie vielleicht irgendwelche Andeutungen gemacht? Ich meine, dass sie nach zwei Absagen die Schule vielleicht als Handicap betrachtete.“

„Nein. Sie wollte ihre Schulausbildung auf jeden Fall beenden. Sandy ist ein absolut vernünftiges Mädchen, das mit beiden Beinen im Leben steht.“

Die Agents ließen sich Sandys Zimmer zeigen. Da stand ein Computer. Burke schaltete ihn ein und das Betriebsystem fuhr ohne Kennwortabfrage hoch. Der Agent klickte den Explorer her. Eigene Dateien ... Es gab auch einen Ordner, der lediglich mit dem Namen des Mädchens benannt war. Sandy! Zuerst öffnete Burke diesen Ordner. Er beinhaltete einige Dokumente, unter anderem drei Bewerbungen bei Modelagenturen. Der Ordner 'Eigene Dateien' beinhaltete nichts, was für die Polizei von Interesse gewesen wäre. Burke schaute auch im elektronischen Papierkorb nach. Da waren einige Dokumente mit Bewerbungen bei Modelagenturen. Insgesamt waren es vier. Er druckte sie aus.

Ron durchsuchte in der Zwischenzeit den Schreibtisch und förderte einige Briefe zu Tage. Es handelte sich um zwei Absagen sowie zwei Vorladungen zur Vorstellung.

Ein Abgleich ergab, dass Sandy die Bewerbungsschreiben an jene Agenturen, die ihr geantwortet hatten, von ihrer Festplatte gelöscht hatte. Und vor kurzem musste sie auch die Dateien aus dem elektronischen Papierkorb entfernt haben, weil die älteste Datei, auf die Burke dort stieß, vom 25. April stammte.

Es waren sieben Agenturen.

Die Agents nahmen die Briefe mit.

2

Die nächste Adresse, die die Agents anfuhren, war Staten Island, Perry Avenue. Dort wohnte Michelle Carrier, eines der Mädchen, das an dem Abend zusammen mit Sandy und einigen Freunden in einem Pub in Kips Bay war. Die G-men hatten Glück. Michelle hatte sich eine Erkältung zugezogen und war dem Schulunterricht ferngeblieben.

Sie erklärte, eine gute Freundin von Sandy zu sein und beteuerte, wie sehr sie sich um ihre Freundin sorgte.

„Erzählen Sie“, forderte Owen Burke die junge Frau auf. „Wie war das an jenem Abend in dem Pub?“

Die Mutter des Mädchens war zugegen. „Es ist so tragisch“, stieß sie hervor. „Man müsste sich vielleicht weniger Sorgen machen, wenn es nicht schon der dritte Fall innerhalb eines Monats wäre, in dem ein Mädchen spurlos verschwindet.“

Michelle schniefte und strich sich fahrig über das Gesicht. Ihre Hand zitterte leicht. „Wir waren zu fünft“, begann sie. „Ich, Jane Mercury, Robert Carter, Travis Wingard und Sandy. Wir tranken etwas und jeder aß ein Sandwich. Bevor wir in den Pub gingen waren wir im Kino. Gegen 21 Uhr ging Sandy auf die Toilette. Danach sahen wir sie nicht mehr.“

„Wann fiel euch auf, dass sie nicht wiederkam?“, fragte Ron Harris. „Habt ihr nach ihr gesucht?“

„Nachdem sie etwa zwanzig Minuten weg war, meinte Jane, man sollte vielleicht mal nachsehen, ob Sandy eventuell schlecht geworden ist. Ich ging auf die Toilette. Da war sie nicht. Ich schaute auch in den Hof. Fehlanzeige. Zunächst vermuteten wir, dass sie möglicherweise alleine den Heimweg angetreten hatte, verwarfen dies aber sehr schnell, denn das hätte Sandy nicht getan, ohne sich vorher zu verabschieden. Es gab auch keinen Grund für sie, ohne uns den Nachhauseweg anzutreten. Robert hatte das Auto seines Dad ...“

„Habt ihr die Umgebung nach ihr abgesucht?“

„Wir haben bis 22 Uhr 30 gewartet. Dann sind wir nach Hause gefahren. Gegen 22 Uhr hat Robert bei Mr Griffith angerufen und sich erkundigt, ob Sandy nach Hause gekommen sei. Die Antwort war nein. Natürlich sorgte sich Mr Griffith sehr.“

„Habt ihr noch einmal Kontakt mit den Eltern von Sandy aufgenommen?“, fragte Ron.

„Ja. Am Morgen rief ich an und erkundigte mich, ob Sandy nach Hause gekommen sei. Mrs Griffith erklärte mir, dass kurz vor mir Jane angerufen habe. Sandy war nicht nach Hause gekommen.“ Michelle Carrier schluchzte trocken. Das Verschwinden ihrer Freundin ging ihr wohl ziemlich an die Nieren.

„Hat Sandy irgendwann einmal angedeutet, dass sie mit ihren Eltern Probleme habe?“

„Nein. Mrs und Mr Griffith waren sehr aufgeschlossen und modern eingestellt. Es war schon fast ein kameradschaftliches Verhältnis zwischen Sandy und ihren Eltern.“ Michelle schüttete den Kopf. „Sie ist nicht von zu Hause ausgerissen, wenn Sie das meinen. Dazu hatte Sandy keinen Grund.“

„Probleme in der Schule?“, fragte Burke.

„Nein. Sandy war allseits beliebt. Sie war ein guter Kumpel.“

Wie es schien, hatte Sandy Griffith wirklich keinen Grund, dem Elternhaus freiwillig den Rücken zu kehren. Die Agents vernahmen an diesem Tag noch die anderen Freunde, die mit Sandy am Abend des 30. April zusammen waren. Die Aussagen waren fast identisch mit der Aussage Michelle Carriers.

Zurück im Field Office studierten die G-men die Akten Catherine Elliott und Jenny Barber betreffend. Ebenso wenig wie Sandy Griffith hatte eines dieser beiden Mädchen einen Grund, von zu Hause auszubüchsen. Auch sie verstanden sich gut mit ihren Eltern, waren in der Schule überdurchschnittlich, sportlich und - auch sie hatten von einer Karriere als Model geträumt.

Die Agents hatten die Anschriften von sieben Agenturen, bei denen sich Sandy beworben hatte.

Agentur Kristin, Manhattan. Die national tätige Agentur vermittelte Frauen, Männer und Kinder. So hieß es zumindest im Logo.

Clean Fine Art Agency, ebenfalls Manhattan. Es handelte sich um eine Fotomodellagentur.

Cover Models, Queens. Eine Model- und Werbeagentur.

Face Mode Promotion, Queens. Vermittlung von Fotomodellen und Mannequins für Laufsteg, Shootings und Drehs.

Jamaika Model Management, Manhattan. Die Agentur warb mit kostenlosen Sedcards für Models sowie eine Mister- und Misswahl im Web.

Most Wanted Models, Brooklyn. Hier handelte es sich um eine Agentur für die Vermittlung von weiblichen und männlichen Fotomodellen sowie von Styling-, Hair und Make up-Künstlern; mit Online-Foto-Setcards.

Agency Model Inc., Westchester County. Hier konnten sich Modelle, Photographen, Visagisten, Stylisten und Modelagenturen vertreten lassen beziehungsweise Informationen über Buchungen beziehen.

Drei Bewerbungen waren noch offen. Die Bewerbung bei der Clean Fine Art Agency, die bei Most Wanted Models und jene bei Jamaika Model Management, das heißt, die Agenturen hatten auf Sandys Bewerbungen noch nicht geantwortet. Es gab zumindest keine Ablehnungsschreiben oder Vorstellungstermine.

Die Agents fanden die Anschriften heraus. Die Clean Fine Art Agency hatte ihren Sitz in Manhattan, Dutch Street. Es war 16 Uhr, als sie bei der Agentur vorsprachen. Ja, eine Bewerbung Sandy Griffiths lag vor. Burke schaute sich das Bild an, das das Mädchen von sich eingesandt hatte. Eine Ganzkörperaufnahme. Es war in der Tat ein ausgesprochen hübsches Mädchen.

Der Manager der Modelagentur erklärte, dass jede Woche zig Bewerbungen eingingen. Fast jedes der Mädchen, das sich bewarb, war attraktiv und entsprach von den körperlichen Erfordernissen her den Anforderungen an ein Model. Aber um als Model anzukommen bedurfte es mehr.

Lange Rede kurzer Sinn - die Bewerbung Sandys war schon ausgesondert. Sie sollte eine Ablehnung erhalten.

Die Agents suchten die nächste Agentur auf. Jamaika Model Management, 22nd Street West. Hier hatte man sich noch gar nicht mit der Bewerbung befasst.

Most Wanted Models, Brooklyn, hoben sich die Agents für den kommenden Tag auf. Es war 17 Uhr 30 und zu befürchten, dass die Agentur bereits geschlossen hatte. Sicher, sie hätten anrufen und sich einen Termin geben lassen können, aber sie hatten an diesem Abend noch etwas anderes vor.

Die Agents suchten nach einem möglichen Täter. Dazu mussten sie einen in Frage kommenden Täterkreis selektieren und eingrenzen. Also setzten sie sich an den Computer und fütterten ihn mit den Übereinstimmungen der Opfer; Aussehen, Alter, Hobbys, soziales Umfeld und so weiter und so fort.

Der Computer spuckte drei Namen aus. Gordon Smith, Jones Wilson sowie Bill Bowler.

Smith und Wilson waren Mädchenmörder. Ihre Vorliebe waren Mädchen mit langen, dunklen Haaren, nicht älter als zwanzig Jahre und sportlich.

Gordon Smith befand sich in Sing Sing, Jones Wilson im Manhattan Psychiatric Center auf Ward's Island. Bill Bowler war ein vorbestrafter Sexualtäter, der zwei minderjährige Girl vergewaltigt hatte, Mädchen mit langen, dunklen Haaren und blauen Augen.

Die Agents hatten ein Täterprofil und drei Namen.

Zuerst fuhren sie zu Bill Bowler. Es war nach 20 Uhr, als sie an seiner Apartmenttür läuteten. Bowler war zu Hause. Es war ein Mann von ungefähr fünfundvierzig Jahren mit beginnender Stirnglatze, mittelgroß, der zu Übergewicht neigte.

„Kommen Sie mir bloß nicht damit“, knurrte er, als sie ihn mit der Geschichte der drei Mädchen konfrontiert hatten. Er hatte die Agents in die Wohnung gebeten und aufgefordert, Platz zu nehmen. „Ja, ich habe zwei minderjährige Girls vergewaltigt, und ich habe die Quittung dafür bekommen. Von meinem fünfundzwanzigsten Lebensjahr bis zu meinem zweiundvierzigsten saß ich in Rikers Island. Siebzehn Jahre am Stück, und jetzt bin ich nur auf Bewährung draußen. Sie sind bei mir an der falschen Adresse, G-men. Ich gehe einer geregelten Arbeit bei einer Spedition nach.“

Er schaute die Agents verkniffen an.

„Wo waren Sie am 30. April zwischen 21 und 22 Uhr?“, fragte Ron.

„Zu Hause. Ich bin abends immer zu Hause und glotze in die Röhre.“

„Kann das jemand bezeugen?“

„Ich lebe allein. Meine Frau hat sich damals scheiden lassen und ist mit unseren beiden Kindern nach Philadelphia verzogen. Ich hatte seit über fünfzehn Jahren keinen Kontakt mehr zu ihnen.“

„Was schauten sie sich im Fernsehen an?“, fragte Burke.

Bowler zuckte mit den Achseln. „Ich bin abends immer hundemüde, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme. Sie müssen wissen, ich sitze sechs Tage in der Woche täglich zehn Stunden hinter dem Steuer. Nachdem ich mich auf meine Couch gesetzt und den Apparat angemacht habe dauert es meistens keine zehn Minuten, dann bin ich weggetreten. Wach werde ich dann irgendwann um Mitternacht. Dann ziehe ich mich aus und gehe zu Bett.“

Die Agents mussten sich mit dieser Aussage zufrieden geben.

„Was hältst du von ihm?“, fragte Ron Harris, als sie im Dodge saßen.

„Ich denke, er sagt die Wahrheit.“

„Ich bin völlig deiner Meinung“, murmelte Ron. „Unsere beiden anderen Kandidaten haben das beste Alibi der Welt. Sie saßen zur fraglichen Zeit hinter Gittern oder in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie.“

„Wir sollten uns dennoch einmal mit ihnen unterhalten. Vielleicht erhalten wir einige Aufschlüsse hinsichtlich der Persönlichkeit des Täters.“

„Ich befürchte, dass die Girls nicht mehr leben“, murmelte Ron. „Eines ist klar: Dem Täter geht es nicht um Lösegeld. Was er bezweckt ist fraglich. Wahrscheinlich missbraucht er die Mädchen und tötet sie dann. O Gott, wenn ich mir das vorstelle ...“

Es war wirklich unvorstellbar. Drei unschuldige Mädchen, missbraucht und ermordet, und es war nicht abzusehen, wenn der Täter erneut zuschlug. Wenn er den zweiwöchentlichen Turnus einhielt, am 14. Mai.

3

Am folgenden Morgen erhielt Owen Burke einen Anruf. Ein Mädchen, 17 Jahre alt, war tot im Flushing Meadows Corona Park aufgefunden worden. Die Tote hatte noch nicht identifiziert werden könnten. Eine Vermisstenanzeige war bei keiner Polizeidienststelle eingegangen.

Die Special Agents fuhren sofort los.

Das Gelände war von der Mordkommission mit einem gelben Trassenband eingegrenzt worden. Es wimmelte von Polizisten. Die Leiche lag in einer Erdmulde und war mit Strauchwerk abgedeckt gewesen. Sie war halbnackt. Ihr Minirock war hochgeschlagen. Ein erschütternder Anblick.

Burke wandte sich an den Einsatzleiter. „Der Arzt meint, sie ist erwürgt worden“, erklärte dieser. „Würgemale am Hals lassen diesen Schluss zu. Außerdem dürfte sie vergewaltigt worden sein.“

„Wann meint er, ist der Tod eingetreten?“

„Gestern Abend, zwischen 9 Uhr und 24 Uhr. Was Genaues kann er noch nicht sagen. Das muss die Obduktion ergeben.“

„Wer hat sie gefunden?“

„Ein Mann, der heute morgen seinen Hund spazieren führte. Der Hund rannte zwischen die Büsche und bellte wie verrückt.“

Burke ging um den Leichnam herum. Die junge Frau war dunkelhaarig und sehr hübsch, wenn auch das Gesicht im Tod verzerrt war. Die Augen waren halb geöffnet. Sie glitzerten wie Glasstücke und waren von blauer Farbe.

„Was denkst du?“, fragte Ron Harris an Owen Burke gewandt. Auch er schien die Eindrücke, die sich ihren Augen boten, aufgenommen zu haben.

„Ich denke an Sandy Griffith, Catherine Elliott und Jenny Barber. Vom Typ her passt das Mädchen dazu.“

„Aber die Tat entspricht vom Zeitpunkt her nicht dem bisherigen Vorgehen des Verbrechers. Danach dürfte die nächste Entführung erst am 14. Mai erfolgen.“

Burke nickte. „Außerdem sind die anderen Mädchen spurlos verschwunden. Der Halunke hat sie nicht – wie in diesem Fall - einfach in einem Waldstück abgelegt. Nein, dieser Mord passt nicht in das Muster, nach dem der Kidnapper bisher vorgegangen ist.“

Die Agents blieben, bis der Coroner mit seinem Gehilfen den leblosen Körper in einen Leichensack verpackt und in seinen Wagen geladen hatte. Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft, der ebenfalls zugegen war, hatte die Leiche beschlagnahmt. Sie wurde ins gerichtsmedizinische Institut geschafft.

Zunächst aber galt es, aufzuklären, um wen es sich bei dem Girl handelte.

Die G-men konnten nichts mehr tun hier und fuhren ins Field Office zurück. Gegen Mittag rief Detective Lieutenant James Howard von der Mordkommission Manhattan an und sagte:

„Wir wissen, um wen es sich bei der Toten aus dem Flushing Meadows Corona Park handelt, Owen. Ihr Name ist Candice Hunt, sie wohnt in Queens, Boyside Avenue. Ihre Eltern haben erst heute Morgen bemerkt, dass sie nicht nach Hause gekommen ist, und sie haben sich an die Kollegen in Queens gewandt.“

Burke, der den Anruf entgegengenommen hatte, notierte sich den Namen und die Adresse. „Habt ihr sonst etwas in Erfahrung bringen können? Sind Hinweise auf den Mörder vorhanden? Vielleicht hat sich Candice gewehrt.“

„Noch nichts bekannt“, sagte Howard. „Das muss die Obduktion ergeben. Ich halte euch auf dem Laufenden.“

„Welche Hausnummer in der Boyside Avenue?“

„Nummer 75.“

„Danke, James.“ Burke legte auf. „Wir sollten vielleicht mal mit den Eltern des Mädchens sprechen“, wandte er sich an Ron Harris, der mithören hatte können, nachdem Burke den Lautsprecher des Telefonapparates aktiviert hatte.

„Der Mord passt nicht ins Schema“, wiederholte Harris. „Dass es sich um ein dunkelhaariges Mädchen mit den Maßen eines Models handelt, ist sicherlich Zufall.“

„Vielleicht ist unserem Kidnapper etwas dazwischen gekommen“, mutmaßte Burke. „Frag mich nicht was. Vielleicht geriet er in Panik. Jedenfalls sollten wir nicht von vornherein ausschließen, dass unser Mann am Werk war.“

Die Agents fuhren in die Boyside Avenue nach Queens. Die Eltern waren schon informiert, dass ihre Tochter ermordet worden war. Burke war dankbar, dass nicht sie es sein mussten, die ihnen die fürchterliche Nachricht überbrachten. Die Mutter war bleich und hatte vom Weinen gerötete Augen. Das Gesicht des Vaters war verschlossen und wie versteinert.

„Es tut uns leid, was mit Ihrer Tochter geschehen ist“, sagte Burke, als sie im Wohnzimmer saßen.

„Warum trifft so etwas ausgerechnet uns“, weinte Mrs Hunt auf. „Candice war so ein gutes Mädchen. Was ist das für ein Mensch, der ihr so etwas Schreckliches antun konnte?“

„Das kommt daher, weil die Schufte viel zu milde bestraft werden!“, stieß Mr Hunt hervor. „Man müsste kurzen Prozess mit ihnen machen.“

Details

Seiten
60
Jahr
2016
ISBN (ePUB)
9783738905410
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Juni)
Schlagworte
unheilvolle schönheit special agent owen burke

Autor

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Titel: Unheilvolle Schönheit: FBI Special Agent Owen Burke #61