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Lodernde Glut - Unter Verdacht

2016 120 Seiten

Zusammenfassung

Vor Aidan und Lindsay liegt ein gemeinsames Wochenende. Aber es wird anders aufregend, als sie sich gedacht hat. Denn bei der verbrannten Frauenleiche entdeckte der Rechtsmediziner einen abgerissenen Knopf. Lindsay kommt ein schrecklicher Verdacht, zu wessen Hemd er gehören könnte ...
Das ist der dritte Band der „Lodernde Glut“ Erotik Krimi-Saga von Melissa
P. Mira

Leseprobe

LODERNDE GLUT- Unter Verdacht!

 

von Melissa P. Mira

 

 

Erotik-Krimi

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Konrad Bak/123RF, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Vor Aidan und Lindsay liegt ein gemeinsames Wochenende. Aber es wird anders aufregend, als sie sich gedacht hat. Denn bei der verbrannten Frauenleiche entdeckte der Rechtsmediziner einen abgerissenen Knopf. Lindsay kommt ein schrecklicher Verdacht, zu wessen Hemd er gehören könnte ...

Das ist der dritte Band der „Lodernde Glut“ Erotik Krimi-Saga von Melissa

P. Mira

 

 

 

Was bisher geschah:

 

Lindsay ist einsam und scharf auf Sex. Als sie bei einer Polizeikontrolle den attraktiven Chief-Deputy Aidan Gates kennenlernt, ahnt sie nicht, dass dieses Treffen kein Zufall ist. Er hat schon lange ein Auge auf sie geworfen und sucht nach einem Vorwand, um an sie heranzukommen. In ihrer Sehnsucht macht sie es ihm ziemlich einfach, ohne an die Konsequenzen zu denken und sie hat nicht mit Aidans "Überredungskunst" und ihrer eigenen, unersättlichen Gier gerechnet.

Denn der gutaussehende Chief-Deputy ist ein geschickter Frauenverführer. Währenddessen erhalten seine Polizeikollegen einen Hinweis, und Gates wird zum Fundort einer Frauenleiche gerufen...

Der Zustand der aufgefundenen Frauenleiche lässt Chief-Deputy Aidan Gates das Schlimmste befürchten. Womöglich könnte es sich um den Beginn einer ganzen Mordserie handeln.

Zerstreuung findet er bei Lindsay O’Connor, die sich aus Neugier über den nächtlichen Vorfall mit ihm auf dem Polizeirevier trifft. Er wird aber auch von Sheriff Rick Forrester vom Nachbarcounty aufgesucht, der die tote Belinda Myers für die Beerdigung abholen will.

 

 

 

KAPITELANGABEN:

 

Ein Gespenst im Nacken

Guter Morgen ohne Sorgen

Eine vielsagende Erkenntnis

Schlechte Nachrichten

Unter Verdacht

Bittere Enttäuschung

Der letzte Beweis

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gespenst im Nacken

 

Chief-Deputy Aidan Gates horchte in die Nacht hinaus.

Er hatte Lindsay O’Connor an diesem Freitagabend zum Barbecue eingeladen, ehe er sie im Schein des Mondlichts verführt und dann auf seiner Spielwiese hinter dem Haus geliebt hatte, einer breiten Liege mit Baldachin, die aussah wie ein Himmelbett.

Sie befanden sich unter freiem Himmel hinter der alten Scheune, die er in den vergangenen zwei Jahren zu seinem Haus umgebaut hatte.

Der Dreiviertelmond stand leuchtend hell vor dem sternenklaren Universum, das aussah, als wäre es mit glitzernden Diamanten gesprenkelt. Der Abendwind bewegte die Blätter des alten Hickorybaums. Auf den umliegenden Wiesen legte er stellenweise die dürren Gräser flach. Irgendwo schlug ein Fensterladen. Die sommerliche Hitze des Tages kühlte endlich ab.

Die vier lodernden Fackeln, die Aidan ums Eck in die Halterungen der eingegrabenen Palisaden rund um den Gartensitzplatz gesteckt hatte, waren fast heruntergebrannt und glühten allmählich aus. Die Glut im Grill war erstickt.

Ein Kautz stieß in die Pferdekoppel hinab, der wohl auf der Suche nach Beute war. Ein Kojote heulte in der Ferne.

Aidan vernahm das schwere Flügelschlagen, als sich der Nachtjäger mit einer Wühlmaus in den Klauen wieder in die Luft erhob. Er hörte eine Hickorynuss zu Boden fallen.

Bewegungslos hielt er seine Lindsay im Arm. Er spürte die Wärme ihres Körpers, horchte auf ihr regelmäßiges Atmen. - Und noch auf etwas anderes.

Aber es blieb still.

Mit der freien Hand tastete er unters Kopfkissen, bis er spürte, wonach er suchte. Es war beruhigend, den kühlen Horngriff seines Remingtons unter den Fingern zu fühlen. Eines Tages würde er ihn brauchen und benutzen!

Er warf einen Blick auf Lindsay. Sie rührte sich nicht. Er dachte, sie sei eingeschlafen.

 

Aber Lindsay lag noch lange wach. Sie bewegte sich zwar nicht, um Aidan nicht zu stören und ihn dadurch vom Schlafen abzuhalten oder ihn gar zu wecken. Aber bei ihr wollte sich die nötige Entspannung nicht einstellen. Dabei wusste sie nicht einmal weshalb.

Sie stieß einen verzweifelten Seufzer aus. Unwille kroch in ihr hoch, ein sicheres Zeichen, das ihr die süßen Träume erst recht verscheuchte. Ihre Gedanken kreisten, ohne konkret einen fassen zu können.

Lag es daran, dass Aidan beim letzten Mal vögeln nicht gespritzt hatte? Oder weil sie zu aufgedreht war? Weil sie an ihren Mann Bill dachte, von dem sie erwartet hatte, dass er sie mit so viel Glück und Liebe erfüllen würde, wie Aidan dies jetzt tat? Weil sie sich insgeheim immer noch nach ihm sehnte und hoffte, dass er zu ihr zurückkehrte, obwohl seine neue Freundin schwanger von ihm war?

Ganz gewiss war es ihre Wut darüber, was er ihr Unverschämtes angetan hatte und sie sich alles von ihm hatte gefallen lassen! Oder ihre Resignation.

Lindsay horchte auf Aidans regelmäßige Atemzüge. Sein Arm unter ihrem Nacken diente ihr als Kissen. Irgendwie angenehm und doch zu hart, um Schlaf zu finden. Gleichwohl hätte sie nirgends anders sein wollen als hier bei ihm. Sie genoss die Wärme und Geborgenheit, die er ihr schenkte.

Sie lauschte auf den Wind im Hickorybaum, der an den Walnussblättern und an ihrem Haar zupfte. Ein Frösteln lief durch ihren Körper, obwohl er eigentlich angenehm lau, nicht einmal richtig kühl war.

Irgendwann im Verlaufe der Nacht stellte sie fest, dass es die offene Lagerstatt im Freien war, die sie störte und daran hinderte einzunicken. Und der Gedanke daran, dass jemand herkommen und sie in ihrem Schlummer überraschen konnte!

Dass Aidan ihr von Belinda Meyers Mörder erzählt hatte, war dabei nicht gerade hilfreich. Was, wenn der Bastard schon irgendwo in der Nähe lauerte, um sie abzumurksen, wenn sie dann irgendwann mal doch endlich einschlief? Aber wenn es so gefährlich wäre, würde Aidan doch sicher die Nacht nicht hier draußen mit ihr im Freien verbringen, oder?

 

Mit einem frustrierten Seufzer stieß Lindsay die angehaltene Luft aus. Der Schlaf wollte und wollte sich einfach nicht einstellen, aber sie hätte nicht zu sagen vermocht, an welchem von all diesen Gründen es lag, die ihr durch den Kopf schossen. Vielleicht auch nur an der harten Matratze, dem Säuseln des Windes, der ungewohnten Berührung mit Aidan oder an seinem leichtem Schnarchen.

Schließlich richtete sie sich auf, schob die Bettdecke zurück und arbeitete sich behutsam bis an den Rand der Liege vor.

Obwohl diese knarzte, erwachte er nicht.

Sie schwang die Beine aus dem Bett. Mit den Zehen tastete sie nach ihren Sneakers und schlüpfte hinein, weil sie nicht barfuß gehen und ihre Schuhe stehen lassen wollte. Mit ausgestrecktem Arm angelte sie nach ihren Kleidern, bevor sie sich erhob. Ihre Wäsche an sich gedrückt, wollte sie sich wegschleichen.

Sie versuchte möglichst keinen Lärm zu verursachen, während sie sich im Dunkeln davon stahl und mit dem freien Arm ihr Gleichgewicht ausbalancierte. Kurz drehte sie sich noch einmal nach dem schlafenden Aidan um, bevor sie sich auf den nachtdunklen Weg vor sich konzentrierte, der um die Ecke der Scheune zuerst zum Grillplatz und danach zum Hauseingang hinüber führte.

Aber sie kam keine fünf Meter weit. Halogenscheinwerfer flammten auf und versetzten ihr einen Schock, als die Umgebung in gleißendes Licht getaucht wurde. Lindsays Lippen entschlüpfte ein unterdrückter Laut. Ein paar Kiesel klickerten, als sie vor Schreck dagegen stieß. Und als wäre dies noch nicht genug, fuhr Aidan wie von der Tarantel gestochen hellwach aus dem Schlaf in die Höhe und schwang die Beine aus dem Bett.

Halt, verdammt! Ich hab‘ dich direkt im Visier!“, brüllte er mit grimmiger Miene hinter ihr her.

Unter seiner lauten Drohung fuhr sie schockiert herum und … starrte unversehens in die Mündung seiner angelegten Pistole. Lindsay war überzeugt davon, dass sie geladen und entsichert war!

Er hielt die Faust um den Kolben gekrallt. Sein nervöser Finger zuckte am Abzugshahn. Dabei sah er mit nacktem Oberkörper und sichtbarem Sixpack verdammt sexy aus. Und tödlich!

Ihrer Kehle entrang sich ein erstickter Schrei. Aus ihrem Gesicht wich jegliche Farbe. Schutzsuchend schlug sie die Hände vor die Brust. Ihre Augen weiteten sich.

Gott verdammt!

Scheiße, Aidan!“

Ums Himmels willen, Lindsay!“, rief er ebenso entsetzt aus. Er zog den Lauf in die Höhe und löste vorsichtig den Finger vom Abzug, während er die Waffe entsicherte. „Was schleichst du zu nachtschlafender Zeit herum? Ich hätte dich beinah erschossen!“

Lindsay starrte ihn aus ihren veilchenblauen Augen an wie ein Gespenst. Im grellen Licht bildeten sie zu ihrem blassen Gesicht einen harten Kontrast.

Ich konnte nicht schlafen“, murmelte sie kläglich. Die Stimme wollte ihr kaum gehorchen, derart war ihr der Schreck in die Knochen gefahren. Sie zitterte am ganzen Leib wie Espenlaub und musste einen dicken Kloss hinunterwürgen.

Dass Aidan verärgert die Stirn runzelte, beruhigte sie keineswegs, zumal er die Faust mit der Waffe noch immer schussbereit in der Luft hielt. Ihr war nicht klar, ob er wütend oder besorgt aussah.

Wo wolltest du denn hin?“, dröhnte er mit einem gehässigen Kinnrecken.

Verschüchtert zuckte sie zusammen. Seine donnernde Stimme auf die unerwartete Attacke jagte ihr plötzlich Angst ein. Sie piepste nur noch wie ein Mäuschen: „Weshalb bist du überhaupt bewaffnet?“, fragte sie mit überhöhter Tonlage unbehaglich.

Das brauchst du nicht zu wissen!

Er wollte ihr nicht auf die Nase binden, dass er jede Nacht mit der Waffe unter dem Kopfkissen schlief - selbst drinnen in der Wohnung! Hier draußen hatte er ihren Schutz besonders nötig gebraucht. Nach der aufgefundenen Leiche der vergangenen Nacht konnte man ohnehin nie wissen! Selbst wenn es nicht dem Schema des Mörders entsprach, auf den er wartete. Aber falls er in der Gegend herumlungerte, dann wusste der Bastard jetzt leider, dass er abgesichert war wie Fort Knox!

Habe ich geschnarcht?“, erkundigte er sich anstelle einer Antwort ausweichend.

Lindsay verneinte, stand noch immer mit schreckgeweiteten Augen wie angewurzelt da. „Nein … nicht so richtig. Aber du sprichst im Schlaf ...“

Unversehens begann sein Herz erneut beunruhigt zu pochen. „Was habe ich dir denn erzählt?“

Erleichterung stellte sich bei ihm ein, als sie abermals den Kopf schüttelte.

Du hast genuschelt. Ich konnte es nicht verstehen.“

Gott sei Dank!, dachte er im Stillen. Es wäre ihm zu peinlich gewesen, wenn sie davon erfahren hätte, was ihn antrieb und überhaupt erst hierher in diese Gegend geführt hatte.

Wo wolltest du denn hin - in deinem alkoholisierten Zustand? Etwa nach Hause?“ Er machte eine kurze Pause, weil er Luft holen musste, bevor er fortfuhr: „Jetzt ist es nicht klug, nachts allein durch die Straßen zu geistern!“

Lindsay fühlte sich von seiner Standpredigt unangenehm belehrt. Und dass er die Hand noch immer schussbereit erhoben hielt und die Pistole nicht weglegte, beunruhigte sie zutiefst. Fast befürchtete sie, er würde sie aus Versehen doch noch erschießen. Entsprechend hastig schüttelte sie zum wiederholten Male den Kopf. „Nein, nein, wo denkst du hin? Ich wollte nur hinein ins Haus, weil es mir hier draußen nicht wohl war. Zum Fahren habe ich zu viel getrunken, erinnerst du dich?“, erkundigte sie sich unbehaglich.

Woran du dich nicht immer hältst.“ Seine Mundwinkel zogen sich beim Grinsen in die Höhe und sein Schnauzer in die Breite, während er endlich den Colt neben sich legte. Hastig stieg er in seine Jeans und die Stiefel, stopfte die Pistole in den Bund und schlüpfte ins Hemd.

Lindsays Brust entrang sich ein erleichterter Seufzer. Auf ihrer Miene malte sich ein kleines, verlegenes Lächeln.

Okay, dann komm.“ Er stand auf und sie wurde einer Antwort enthoben.

Die Arme um die Brust geschlungen, die Kleider wie ein Schutzschild an sich gedrückt, sah sie verunsichert zu ihm hoch, als er mit der Flasche Sekt und der Schüssel Blaubeeren auf sie zukam und sich vor ihr aufbaute.

 

Aidans Hand wog plötzlich schwer, die er ihr um die Schulter legte.

Lindsay konnte sich noch immer nicht erklären, weshalb er die Pistole gegen sie gezogen hatte. Er hatte sie doch auf sie gerichtet? Es war doch sonst kein Mensch in der Nähe gewesen, oder? Dieser Gedanke und dass sie zu all dem auch noch splitternackt war, brachte ihr Herz erst recht zum Hämmern. Vor lauter Scham schoss ihr das Blut heiß zurück ins Gesicht. Verlegen den Blick auf die Schuhspitzen gesenkt, hastete sie halb rennend neben Aidan her, um sich schnellstmöglich außer Sichtweite eines möglichen Beobachters zu bringen.

Aidan musste mit seinen langen Beinen nicht mal seinen Schritt verlängern. Bestimmend den Arm um sie gelegt, führte er sie am Grillplatz vorbei um die Scheune herum zum Hauseingang.

Wie auf ein geheimes Zeichen schwang die Türe auf. Er betätigte eine Taste auf seinem Handy, das er immer in der Hosentasche trug, damit er nicht den Schlüssel benutzen musste.

Was Lindsay nicht wusste war, dass sein ganzes Haus mit elektronischen Sensoren verkabelt war. Er war in dieser Beziehung übervorsichtig. Aus Sicherheitsgründen trug er nicht mal einen Schlüssel auf sich, zu groß waren seine Bedenken. Schlüssel waren ein Risikofaktor - sie konnten verloren gehen und von jemandem gefunden werden! Und dadurch diesem Jemand den Zutritt zu seinem Reich ermöglichen!

Sie traten in den langen Stallgang vor den Boxen und hinter ihnen schwang die schwere Tür wieder vollautomatisch zu.

Lindsay registrierte es mit Staunen. Vor Erleichterung rieselte ihr ein kalter Schauder über den Rücken, als sie sich endlich in Sicherheit wähnte. Ihre Wäsche wie einen Schatz fest an sich gedrückt, ließ sie sich weiter die Treppe hinauf dirigieren.

Fühlst du dich jetzt besser?“, erkundigte er sich oben auf dem Treppenabsatz freundlich.

Sie bedachte ihn mit einem verzagten Lächeln.

Er grinste feixend auf sie hinunter. „Bumsen kann ich dich jetzt leider noch nicht. Du hast deinen Jäger erlegt, tut mir leid. Nach drei Stunden Schlaf bin ich noch nicht wieder fit genug.“

Sie wunderte sich, woher er wusste, wie viel Zeit inzwischen vergangen war, ohne auf die Uhr gesehen zu haben. Aber dann erinnerte sie sich, dass er ihr die Sternbilder erklärt und sich möglicherweise an diesen orientiert hatte.

Aidan führte sie durchs Wohnzimmer hinüber zu seiner Schlafstatt.

Über dem breiten Bett war eine dunkelrote Tagesdecke ausgebereitet.

Lächelnd drehte er Lindsay zu sich herum, als er davor stehen blieb. Unvermittelt lagen seine warmen Hände an ihren nackten Schultern, während sie ihre Kleider weiterhin wie schutzsuchend an sich presste. „Ich find’s toll, dass du hier bei mir bleibst“, begann er harmlos. „Dann kann ich dich am Morgen vögeln und spritze dich voll, wenn ich wieder fit bin. Das möchtest du doch haben, oder?“

Er sah mit einem so intensiven Blick auf sie hinunter, dass sie sich zu einem hastigen Nicken genötigt fühlte. Ihr Herz begann heftig zu klopfen. Mit einem angedeuteten Lächeln hob sie das Gesicht zu ihm auf.

Er grinste zurück, ohne zu bemerken, dass sie ihm eigentlich gar keine Antwort gab. Er machte eine einladende Handbewegung. „Ich oder du zuerst? Auf welcher Seite möchtest du schlafen?“, erkundigte er sich gutgelaunt, während er sich hinunter beugte und den Bettüberwurf wegzog.

Darunter war die leichte Sommerdecke bereits zum Hineinschlüpfen zurückgeschlagen.

Lindsays Ausdruck wurde plötzlich zutiefst verlegen. Sie konnte nicht verhindern, dass ihr die Schamröte ins Gesicht stieg. „Ich möchte bitte lieber auf dem Sofa schlafen ...“, wich sie aus.

Verwundert hob Aidan die Augenbrauen, während er sich wieder aufrichtete. „Weshalb denn?“ Er wirkte irritiert.

Ihr Blick wurde unstet. „Weil ich es, glaube ich, gerade nicht ertrage …“ Unbehaglich sah sie zur Seite.

„… wenn ich bei dir bin?“, half er ihr aus. Seine Stimme klang vor Enttäuschung verletzt. Plötzlich hatte er einen schalen Geschmack im Mund.

Als sie wieder hochsah, bewarf sie ihn mit einem flammenden Blick. „Du hast mir vorhin einen Riesenschrecken eingejagt! Davon muss ich mich erst mal erholen!“

Aidan schwieg. Er erwähnte nicht, dass dies auf völliger Gegenseitigkeit beruhte. Was denkst du denn? Du mir auch!, dachte er voller Ingrimm.

Fast habe ich geglaubt, du würdest mich tatsächlich erschießen!“, warf sie ihm vor.

Er wünschte sich, sie in den Arm zu nehmen, um sie zu trösten, aber seine Hände gehorchten ihm nicht. „Tut mir leid“, nickte er lediglich.

Es wirkte verständnisvoll, reichte aber nicht, um sie zu beruhigen.

Sein Puls hämmerte noch immer. Und er verfluchte sich, dass er die Gefahr so leichtfertig in den Wind geschlagen und sich dazu hatte verleiten lassen, diesen schönen Abend mit ihr unter freiem Himmel im Licht des Vollmonds zu verbringen. Dabei hätte er mehr als nur den Mörder in Betracht ziehen müssen!

Er hätte sich selbst ohrfeigen mögen, wenn es etwas genützt hätte.

Ein verkappter Romantiker!, ging es ihm durch den Sinn. Ja, da hatte Lindsay recht gehabt, das war er. Obwohl er das laut niemals zugegeben hätte, schließlich war er ja ein ganzer Kerl! Als Chief-Deputy konnte man kein Weichei sein!

Tut mir leid, Lindsay“, murmelte er sich wiederholend. „Es ist nur … ich bin es nicht gewohnt, jemanden um mich zu haben ...“

Ja.“ Das scheint mir auch so.

Sie wirkte noch immer durch den Wind. Der Versuch ihres angedeuteten Lächelns missglückte.

Die Arme sanken resigniert an seinem Körper hinab. Er war im Begriff, sich abzuwenden. „Du kannst mein Bett haben. Mir genügt der Fußboden.“

Aidan, nein, ich …“ Sie streckte die Hand nach ihm aus, ohne ihn jedoch zu berühren.

Halb abgewandt, streichelte er mit einem Lächeln zart über ihre Wange. „Mach dir um mich keine Gedanken, Baby. Ich bin ein Pfadfinder und gewöhnt, überall zu schlafen wo’s sein muss.“

Lindsay verspürte ein schlechtes Gewissen und einen hohlen Magen, als hätte sie Hunger. Aber es war ihr im Grunde eher zum Erbrechen schlecht. Das Ereignis vorhin draußen hatte sie völlig eingeschüchtert. Aber was das Schlimmste war, wie mit einer Axt hatte es einen Keil zwischen sie und Aidan getrieben.

 

Auch im Bett lag Lindsay noch lange wach. Sie studierte darüber nach, weshalb Aidan einen Revolver bei sich hatte, wenn er mit ihr zusammen war.

Das Mondlicht fiel schräg durchs offene Fenster, so dass sie seine Gestalt auf der Decke am Boden gut ausmachen konnte. Sein muskulöser Oberkörper war nackt. Unten herum trug er seine Jeans, die er selbst zum Schlafen nicht wieder abgelegt hatte. Auch dies fragte sie sich weshalb. Erwartete er noch jemanden? Die Person, deretwegen er seinen Remington bei sich trug? Bei dem Gedanken rieselte eine kalte Hühnerhaut über ihren Rücken.

Er lag auf der Seite, das obere Bein angewinkelt vor dem Linken. Sein linker, ausgestreckter Arm diente ihm als Kissen. Die rechte Hand lag griffbereit in seiner Halsbeuge in der Nähe seines Revolvers.

Lindsay hatte festgestellt, dass er den auch im Haus in der Nähe behielt. Und nahm an, es wäre zu ihrem Schutz, solange der Mörder von Belinda Myers frei herumlief.

Sie vernahm Aidans regelmäßige Atemzüge, beobachtete das stetige Heben und Senken seines Brustkorbs. Wenigstens er hatte scheinbar keine Schwierigkeiten damit einzuschlafen. In ihrem Kopf hingegen kreisten die Gedanken weiter, schlugen wilde Purzelbäume, ohne nach wie vor konkret einen fassen zu können.

Aidan begann leise zu schnarchen. Eigentlich war es mehr ein geräuschvolles Atmen. Ansonsten bewegte er sich nicht.

Befürchtete er etwa, dass der Mörder sogar ins Haus eindringen könnte? Hatte er deswegen den Revolver ständig bei sich? Sogar jetzt, während er schlief?, überlegte sie sich, während ein eisiger Schauder sie ergriff. Grenzenlose Furcht bemächtigte sich ihrer. Als Geschichtenschreiberin besaß sie genug übermäßige Fantasie, um sich solche Szenen in den schillerndsten Farben auszumalen.

Aber er hatte doch abgeschlossen, oder nicht? Ihr Herz begann unvermittelt noch heftiger zu klopfen. Hatte er? Sie nahm es zwar an, aber sicher war sie nicht. Gleichwohl getraute sie sich nach dem eben Erlebten nicht, durchs Haus zu schleichen. Noch einmal wollte sie nicht in Aidans Pistole blicken und Gefahr laufen, dass er sie diesmal wirklich erschoss! Oder dass der Mörder sie erwischte! Vielleicht an Ort und Stelle abstach oder am Ende sogar entführte!

Im Bett bleiben konnte sie allerdings auch nicht!

Die Angst fraß sie auf. Sie horchte auf jedes Geräusch, das von draußen hereindrang oder von dem sie annahm, dass es schon von drinnen kam. An Schlaf war unter diesen Umständen natürlich überhaupt nicht mehr zu denken.

Schließlich setzte sie sich auf und schwang die Beine über die Bettkante. Ihr Puls raste. Sie beobachtete Aidan, aber der bewegte sich nicht. Also stand sie auf und zog die Decke von der Matratze. Mit weichen Knien, den Blick fortwährend auf den schlafenden Mann vor sich gerichtet, ging sie langsam auf ihn zu, stets darauf gefasst, dass ihr nochmals dasselbe wie draußen passieren konnte. Aber die Bedrohung, die von ihm ausging, erschien ihr weitaus geringer, als dem sadistischen Mörder der verbrannten Frau in die Arme zu laufen!

Sie musste sich vors Mondlicht stellen, aber selbst als ihr Schatten auf ihn fiel, erwachte Aidan diesmal nicht. Scheinbar fühlte er sich doch hier im Haus sicherer als sie befürchtet hatte. Gleichwohl trug er den Revolver bei sich! Also war eine Gefahr latent!

Erleichtert setzte Lindsay sich behutsam neben ihm nieder, um ihn nicht aufzuwecken, und breitete die Decke über ihren Beinen aus.

 

Ist dir die Matratze zu hart?“, erkundigte er sich und schockte sie damit erneut fast zu Tode, als sie sich gerade hinlegen wollte.

Die Füße an den Leib ziehend, fuhr sie entsetzt hoch. „Scheiße, Aidan! Hast du mich wieder erschreckt!“

Er sah nur zu ihr auf ohne sich zu rühren. „Das wollte ich nicht, entschuldige.“

Tief durchatmend schlang Lindsay die Arme um die Knie. Sie hatte das Gefühl, dermaßen zu zittern, dass sie sich irgendwo festhalten musste. „Wie lange liegst du denn schon wach? Ich habe gedacht, du schläfst.“

Ja, wie ein Delfin. Die eine Hirnhälfte ist immer wach und hört alles. - Geht's dir nicht gut, mein Schatz?“

Lindsay nahm gar nicht recht wahr, wie er sie liebkosend nannte. Ihr Herz klopfte noch immer heftig. Das Blut rauschte ihr in den Ohren. „Was denkst du denn, wie’s mir geht?! Du hast mir mit deinem Scheißrevolver eine Heidenangst eingejagt!“, reklamierte sie.

Das war nicht meine Absicht.“ Er streckte die Hand nach ihr aus.

Sie nickte verlegen. „Das weiß ich schon. Deshalb fühle ich mich jetzt sicherer bei dir.“

Da bin ich aber erleichtert.“ Er lächelte schwach, während er mit den Fingerspitzen ihren Arm berührte, um ihre Reaktion darauf zu testen. „Dann hast du nichts dagegen, wenn wir uns jetzt beide ins Bett legen, wo's gemütlicher ist?“

Lindsay schoss das Blut ins Gesicht und war froh, dass er es, abgewandt vom Fenster, im Schatten des Mondlichts, nicht sah. „Ja bitte, komm. Es tut mir leid, dass du auf dem Boden schlafen musstest. Ich war völlig konfus.“

Mutiger streichelte er mit der Hand über ihr Gesicht. Ihre Haut fühlte sich kühl an. In gewissem Sinne stand sie wohl unter Schock. „Ich sagte dir schon, dass es mir nichts ausmacht, Baby, und das war die Wahrheit. Eine Beziehung mit mir ist nicht einfach.“

Sie wusste nicht genau, worauf er anspielte. Vielleicht auf seinen Beschützerinstinkt, aber darüber war sie immens erleichtert.

 

Als sie Anstalten machte, stand er ebenfalls auf und nahm ihr die Decke aus der Hand, so dass sie nackt vor ihm stand. „Bumsen?“, fragte er mit einem schelmischen Lächeln anzüglich.

Lindsay starrte ihn an, als hätte er nicht alle Tassen im Schrank. Das war im Moment gewiss das letzte, was sie sich nun gerade wünschte! „Jetzt nicht. Bitte nur kuscheln. Ich möchte, dass du mich einfach nur festhältst, damit ich vielleicht endlich schlafen kann.“ Sie setzte sich aufs Bett und rutschte nach hinten an die Wand.

Aidan nickte und legte sich neben sie. „Hab keine Angst, ich beschütze dich.“

Ja, danke“, nickte sie, während sie sich in kindlicher Furcht an ihn kuschelte.

Er nahm sie besitzergreifend in den Arm und zog sie an sich.

Sie war ihm unheimlich dankbar dafür. Ein inneres Zittern schüttelte sie, obwohl sie sich jetzt wohler fühlte. Vielleicht war es noch der Nachhall vom Schock, überlegte sie.

Er drückte ihr einen Kuss hinters Ohr, ehe sein Kopf aufs Kissen zurücksank, aber er hielt sie fest.

Sie starrte hinauf an die Decke. Ängstlich hielt sie die Finger auf dem Bauch ineinander verhakt. „Aidan?“

Ja, Lindsay?“

Hast du unten abgeschlossen?“ Sie piepste sie vor Verlegenheit, ohne sich jedoch zu rühren.

Ja, Baby, keine Sorge, habe ich.“

Sie spürte wie er nickte.

Hier kommt keiner rein, ohne dass ich es merke.“

Weshalb hast du dann die Waffe?“

Ein knappes Schulterzucken brachte ihren Kopf ins Wanken. „Aus lauter Gewohnheit von früher. Denk nicht mehr darüber nach, Schatz, es ist wirklich nicht nötig. Ich bin hier, ich halte dich. Und ich beschütze dich.“

Danke.“ Mit einem tiefen, erlösenden Seufzer drehte sie sich nach ihm um. Auf dem Ellbogen aufgestützt, küsste sie ihn auf die Wange.

Er blickte beruhigend zu ihr hoch. „Dafür bin ich doch da, Baby. - Nicht nur fürs bumsen. Obwohl das mit dir wirklich wunderschön ist.“

Sie lächelte verlegen durch die Nase, bevor sie schnell auf seinen Arm zurücksank, damit er ihr Erröten nicht bemerkte, und nickte, weil sie sich zu einer Antwort gezwungen fühlte: „Ja, das finde ich auch. - Ich bin gern bei dir, Aidan.“

Eigentlich hätte sie ihm gern mehr gesagt, aber sie wollte ihn nicht mit dem Geständnis ihrer Gefühle vergraulen.

Das will ich doch hoffen.“ Er rollte sie zu sich und küsste sie noch mal, ehe er sich zum Schlafen zurücklegte.

Lindsay drehte sich zu ihm. Auf der Seite liegend, schlang sie ihm den Arm um die Brust. Diesmal antwortete sie nicht wieder. Sie war froh, dass er bei ihr war.

Sein sanftes Streicheln und seine beruhigenden Worte zeigten nach einer Weile endlich Wirkung. Aidan stieß einen abgrundtiefen Seufzer aus, als er feststellte, dass sie endlich eingeschlafen war.

 

 

 

Guter Morgen ohne Sorgen

 

Lindsay erwachte am Morgen früh als erste. Aidan lag, von ihr abgewandt, neben ihr. Sie horchte auf seine regelmäßigen Atemzüge. Allerdings war ihr nach der vergangenen Nacht klar, dass dies kein sicheres Indiz dafür war, dass er wirklich noch schlief. Vielleicht tat er auch nur so. Oder erwachte bei der kleinsten Unregelmäßigkeit.

Vorsichtig tastete sie unter das Kopfkissen. Ein Lächeln glitt über ihre vom Schlaf zerknitterten Züge. Natürlich mitsamt seinem geladenen Revolver! Gleichwohl war dieser Gedanke für sie während der letzten Stunden unheimlich erleichternd gewesen, dass Aidan sie beschützte.

Sie stieß einen zufriedenen Seufzer aus, entspannte sich, schloss die Augen und döste wieder ein.

Details

Seiten
120
Jahr
2016
ISBN (ePUB)
9783738905342
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (Oktober)
Schlagworte
lodernde glut unter verdacht

Autor

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Titel: Lodernde Glut - Unter Verdacht