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Marshal Logan und der Hass des Siedlers: U.S. Marshal Bill Logan - neue Abenteuer #16

2016 60 Seiten

Leseprobe

Marshal Logan und der Hass des Siedlers

U.S. Marshal Bill Logan – neue Abenteuer

Band 16

Western von Pete Hackett

Der Umfang dieses Buchs entspricht 48 Taschenbuchseiten.

U.S. Marshal Bill Logan – die neue Western-Romanserie von Bestseller-Autor Pete Hackett! Abgeschlossene Romane aus einer erbarmungslosen Zeit über einen einsamen Kämpfer für das Recht.

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Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

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© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

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1

Es war sicher eine Fügung des Schicksals, dass mich ein Kontrollritt auf die Weide der Buffalo Lake Ranch führte und ich Zeuge der Gewaltattacke einiger Cowboys wurde. Wer die Opfer waren, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht, aber das war für mich auch gar nicht wichtig, denn was sich meinem Blick bot, war Grund genug, um einzugreifen.

Zwei Weidereiter hielten einen grauhaarigen Mann gepackt, während ihn ein dritter mit den Fäusten bearbeitete. Zwei Cowboys hielten jeweils eine Frau fest, und wenn ich mich nicht täuschte handelte es sich um Mutter und Tochter. Ein Mann lag am Boden. Ich sah einen Planwagen, vor den zwei Pferde gespannt waren und war mir sicher, dass damit die vier Menschen gekommen waren, die nun von den Reitern der Buffalo Lake Ranch brutal attackiert wurden.

Ich hatte mein Pferd auf einem Höhenkamm angehalten. Das Drama, dessen Zeuge ich wurde, spielte sich in einer Ebene ab, in der kniehohes Gras wuchs, das mit dem feinen Staub der Staket Plains gepudert war, den immer wieder der Wind von Süden herauf brachte. Kurz entschlossen zog ich die Winchester aus dem Scabbard, lud sie durch und trieb mein Pferd, eine Fuchsstute, wieder an.

Noch war man in der Ebene nicht auf mich aufmerksam geworden. Jeder dort unten war hundertprozentig auf das Geschehen in seinem unmittelbaren Umfeld konzentriert. Das änderte sich schlagartig, als ich einmal in die Luft feuerte. Die Cowboys und ihre Opfer riss es regelrecht herum. Ich repetierte sofort wieder und ließ die Fuchsstute traben.

Die beiden Kerle, die den Grauhaarigen festhielten, ließen diesen jetzt los und er brach auf alle viere nieder. Die Cowboys nahmen eine abwartende Haltung ein und fixierten mich mit stechenden Blicken; es war ein Erforschen, ein Abtasten, ein Einschätzen. Ihre Hände bewegten sich in die Nähe der Revolver, die sie hoch an der Hüfte trugen. Der Ausdruck in den Augen der beiden Frauen war Hilfe suchend.

Zwei Pferdelängen vor ihnen zügelte ich. Die Winchester hatte ich mit der Kolbenplatte auf den Oberschenkel gestellt, meine Rechte umklammerte den Kolbenhals. „Was geht hier vor?“, stieß ich hervor, ohne mich vorzustellen. Der Stern eines U.S. Deputy Marshals an meiner linken Brustseite musste ausreichen, den nötigen Respekt zu vermitteln. Der Grauhaarige lag nach wie vor auf allen vieren und atmete stoßweise. Blut rann aus seiner Nase und tropfte von seiner aufgeplatzten Unterlippe. Auch Schwellungen und einige kleine Platzwunden in seinem Gesicht verrieten, dass die Kerle nicht gerade zimperlich mit ihm umgegangen waren.

„Das hier ist Weideland der Buffalo Lake Ranch“, sagte einer der Cowboys grollend. „Dieses Gesindel hat hier campiert. Dazu hatte es kein Recht. Als wir sie aufforderten, unverzüglich zu verschwinden, wurde der Jüngere der beiden Kerle frech und er griff sogar zum Gewehr ...“

„Sie haben ihn niedergeknallt!“, rief die Jüngere der beiden Frauen und befreite sich mit einem Ruck aus dem Griff des Weidereiters, der sie nach wie vor festhielt. Sie lief zu der reglosen Gestalt hin und warf sich bei ihr auf beide Knie nieder. „Ken, mein Gott ...“

„Wer von euch hat geschossen?“, fragte ich und fixierte der Reihe nach die fünf Kerle.

Sie schwiegen verbissen. Ihre Gesichter hatten einen verkniffenen Ausdruck angenommen. Die Atmosphäre war unvermittelt angespannt und explosiv und schien mit Elektrizität geladen zu sein wie vor einem schweren Gewitter.

„Habt ihre eure Stimmen verloren?“, fuhr ich sie an.

„Der dort war es!“, rief nun die ältere der beiden Frauen und wies auf einen blondhaarigen Burschen um die fünfundzwanzig Jahre. Es war jener, der den Grauhaarigen mit den Fäusten bearbeitet hatte.

Die Gesichtszüge des Mannes versteinerten regelrecht, er schoss der Frau einen gehässigen Blick zu, dann versuchte er sich zu rechtfertigen, indem er giftete: „Der Narr hielt ein Gewehr an der Hüfte, und sein Finger lag am Abzug. Ich habe ihn in Notwehr niedergeschossen. Jeder hier wird es Ihnen bestätigen, Marshal.“

„Auch diese Leute hier?“, fragte ich.

Die junge Frau richtete sich auf. „Mein Bruder ist tot. Ja, es stimmt, dass Ken mit dem Gewehr bewaffnet war und dass er es an der Hüfte hielt, als diese fünf Schufte aufkreuzten. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, die ihm allerdings nicht half, denn der –„ auch sie wies auf den Blondhaarigen, „- zog den Revolver, ehe auch nur ein einziges Wort gesprochen worden war. Es war Mord, Marshal, eiskalter, skrupelloser Mord, denn niemand rechnete damit, dass der Kerl das Feuer eröffnet.“

„Wie heißen Sie?“, fragte ich den Weidereiter.

„Dawson – Phil Dawson.“

Ich richtete blitzschnell die Winchester auf ihn und sagte klirrend: „Okay, Phil Dawson. Ich verhafte Sie im Namen des Gesetzes. Sie sind verdächtig, den Mann dort am Boden grundlos niedergeschossen und getötet zu haben. Legen Sie ihren Revolver ab und versuchen Sie nichts. Ihr anderen – ihr legt ebenfalls die Waffen ab, dann steigt ihr auf eure Pferde und verschwindet. Eure Namen wird mir euer Kamerad Dawson verraten. Ihr werdet zu gegebener Zeit als Zeugen geladen. Euren Freund bringe ich nach Amarillo.“

„Verdammt, Marshal, ich war fest davon ...“

Ich unterbrach den Kerl, den ich soeben verhaftete, indem ich hervorstieß: „Erzählen Sie das dem County Sheriff, der gegen Sie Anklage erheben wird, und versuchen Sie es später der Jury und dem Richter klarzumachen. Und nun legen Sie ab, oder muss ich Zwang anwenden.“

Die ältere Frau war zu dem Toten hingegangen, kniete nun bei ihm und hatte seinen Kopf in ihren Schoß gebettet. Sachte strich sie ihm über die Wange. Ihre Mundwinkel zuckten, ihre Lippen bebten.

Einer der anderen Weidereiter nahm der Situation die Brisanz, indem er knurrte: „Tu was er sagt, Phil. Wir informieren unverzüglich den Boss und der soll entscheiden, was zu unternehmen ist. Fakt ist, dass der Dummkopf mit dem Gewehr auf uns zielte.“

„Ja“, rief ich, „informiert euren Boss. Aber eure Waffen bleiben hier. Ihr könnt sie euch in Amarillo beim Bezirksgericht abholen.“

„Es ist ein Fehler, sich mit der Buffalo Lake Ranch anzulegen, Marshal“, warnte der Bursche.

„Auch ihr von der B.L. Ranch müsst euch an die Gesetze halten“, versetzte ich kalt. „Tut ihr es nicht, bekommt ihr die Quittung wie jeder andere auch, der der Meinung ist, dass das Gesetz für ihn keine Gültigkeit hat.“

Ich beobachtete, wie sie die Schließen ihrer Patronengurte öffneten und die Gürtel zu Boden fallen ließen, zu ihren Pferden gingen, die Gewehre aus den Scabbards nahmen und ebenfalls auf den Boden legten, wie sie sich in die Sättel schwangen und die Pferde antrieben.

Lediglich Phil Dawson blieb zurück. Ich stieg vom Pferd, nahm ein Handschellenpaar aus der Satteltasche und fesselte dem Cowboy die Hände vor dem Leib. Dann schritt ich zum Grauhaarigen hin, der sich in der Zwischenzeit auf die Beine gekämpft hatte und zu dem Toten hingegangen war, dessen Kopf noch immer im Schoß seiner Mutter lag, über deren welke Wangen Tränen rannen.

2

Der Name des Grauhaarigen war Joe Parkin. Er, seine Frau Karen, seine Tochter Sheree und sein Sohn Ken wollten zum Tule Creek, weil sie dort eine Heimstatt erworben hatten.

Ich half Parkin, seinen toten Sohn auf das Fuhrwerk zu legen, dann erklärte ich ihm, dass ich ihn und seine Familie zum Tule Creek begleiten würde, um zu verhindern, dass ihm Reiter der Buffalo Lake Ranch ein weiteres Mal übel mitspielten.

Phil Dawson musste aufsitzen, Parkin, seine Frau und die Tochter stiegen auf den Wagenbock, dann machten wir uns auf den Weg. Die Pferde, die den Prärieschoner zogen, mussten sich in die Geschirre stemmen, denn der Boden war holprig und die Räder brachen immer wieder in Präriehundbauten ein. Die Riemen waren straff wie die Saiten einer Geige und knarrten in den Sielen. Der Wagenaufbau ächzte und knarrte. Rumpelnd holperte das Gefährt über die Bodenunebenheiten hinweg.

Es war schwül. Der Himmel war bewölkt und die Sonne nur ein fahlgelber Klecks hinter den Wolken. Stechmücken und Bremsen quälten Menschen und Tiere.

Dawson musste vor dem Fuhrwerk reiten. Ich ritt neben dem Schoner auf einer Höhe mit dem Wagenbock und hatte den Cowboy im Auge. Plötzlich stieß Joe Parkin hervor: „Das hätten sie nicht tun dürfen. Bei Gott, sie hätten es nicht tun dürfen.“

Ich ahnte, was er meinte, dennoch fragte ich: „Wovon sprechen Sie?“

Er knirschte mit den Zähnen. Seine Tochter Sheree, eine nicht gerade schöne Frau, die man aber auch nicht als hässlich bezeichnen konnte, hatte ihm das Blut aus dem Gesicht gewaschen und über die kleinen Platzwunden Pflaster geklebt. „Sie hätten Ken nicht einfach erschießen dürfen. Dieser Hundesohn dort auf dem Pferd hat ihn abgeknallt wie einen tollwütigen Hund. Ich – ich kann das nicht einfach so hinnehmen.“

„Dawson wird deswegen angeklagt, und das Gericht wird nach Recht und Gesetz darüber entscheiden, ob es Mord, Totschlag oder Notwehr war.“

„Die anderen vier Halsabschneider werden behaupten, dass Ken Anstalten machte, auf sie zu feuern. Meine Frau, Sheree und ich müssen zugeben, dass Ken das Gewehr in den Händen gehalten hat. Ich glaube zu wissen, wie der Prozess ausgeht. Das Gericht wird auf Notwehr erkennen, und der Mörder meines Jungen wird frei ausgehen.“

„Lassen Sie es auf sich zukommen, Parkin.“ Ich sagte es und hatte kein gutes Gefühl. Dieser Mann spann Rachegedanken; das stand ihm regelrecht ins Gesicht geschrieben. Und nach einer kurzen Pause fügte ich hinzu: „Ich glaube zu wissen, welche Gedanken in Ihnen nagen. Sie sind voll Hass und wollen den Tod Ihres Sohnes mit Blut vergelten. So ist es doch, oder etwa nicht?“

„Ken hatte keine Chance. Er dachte sich wohl nicht mal was dabei, als er das Gewehr an der Hüfte im Anschlag hielt. Und er wurde völlig überrascht, als dieser Kuhtreiber plötzlich den Colt zog und zu feuern begann. Er hatte keine Chance. Und nun ist mein Junge tot – unwiederbringlich ausgelöscht. Ich – ich ...“

Seine Stimme versagte, er schluckte würgend, in seinen Augen sah ich die Flamme einer kaum bezähmbaren Leidenschaft. Und ich kam zu der Erkenntnis, dass dieser Mann Worten nicht zugänglich war. Er wollte Rache!

„Wenn Sie selbst zur Waffe greifen“, stieß ich warnend hervor, „sind am Ende Sie es, der sich vor dem Distriktgericht verantworten muss. Und auch auf einen Mord, der aus Rache geschieht, sieht das Gesetz den Tod vor. Denken Sie an Ihre Frau und Ihre Tochter, Parkin. Sollen sie zusehen, wenn man Sie unter den Galgen führt und Ihnen einen Strick um den Hals legt?“

Der Siedler schaute starr geradeaus. Ich hatte keine Ahnung, ob er meine Worte überhaupt vernommen, und wenn doch, ob er sie registriert hatte. Er schien jeglichen klaren Gedankens, jeglichen Willens beraubt zu sein, außer dem Gedanken an Vergeltung und dem Willen, seinem Hass freien Lauf zu lassen. Ich sagte nichts mehr und hing wenig erfreulichen Gedanken nach.

Es ging auf die Mittagszeit zu. Weit vor uns sah ich einen endlos anmutenden Buschgürtel, der von riesigen Pappeln überragt wurde. Vor uns lag der Tule Creek. Immer wieder waren wir größeren und kleineren Rudeln von Longhorns begegnet, die allesamt den Brand der B.L. Ranch getragen hatten. Ich fragte: „Kennen Sie die genaue Lage Ihrer Parzelle, Parkins?“

„In der Mitte zwischen dem Buffalo Lake und der Stadt Canyon.“

Plötzlich ergriff Sheree das Wort, indem sie sagte: „Wozu noch siedeln, Dad? Für wen willst du eine Farm aufbauen? Ich bin nicht dazu geboren, Mais und Weizen anzubauen und mich mit Ziegen und Schafen herumzuschlagen. Ken, der einmal in deine Fußstapfen treten sollte, ist tot. Du bist sechsundfünfzig, Ma ist dreiundfünfzig. Ohne Kens Arbeitskraft schaffen wir es nicht, und wir würden das Wenige, das wir haben, auch noch verlieren.“

Einige Zeit des Schweigens verstrich, dann murmelte Joe Parkin: „Darüber sprechen wir, sobald wir Ken beerdigt haben. Wir begraben ihn auf dem Land, das einmal ihm gehören sollte. Und wenn wir ihn bestattet haben, überlegen wir, was wir machen.“

„Vielleicht wäre es wirklich gut, wenn Sie die Gegend wieder verlassen würden“, gab ich zu bedenken.

Parkin schoss mir einen sengenden Seitenblick zu, erwiderte aber nichts. Mein ungutes Gefühl verstärkte sich, und ich beschloss, in diesem Landstrich zu bleiben, bis ich mir sicher sein konnte, dass Parkin seinen Hass soweit unter Kontrolle hatte, dass er nichts unternahm, was ihn und seine Familie unweigerlich ins Unglück reißen würde.

„Gut“, sagte ich, „dort vorne ist der Tule Creek. Ich verabschiede mich jetzt von Ihnen. Sollten Reiter der B.L. Ranch aufkreuzen, provozieren Sie sie nicht und geben Sie Ihnen zu verstehen, dass das Distriktgericht jeglichen Übergriff gegen Ihre Person oder Ihre Familie rigoros ahndet.“ Mit eindringlichem Tonfall wiederholte ich: „Fordern Sie die Cowboys der B.L. unter keinen Umständen heraus, Parkin. Sie haben es am eigenen Leib erlebt, wie aus einer harmlosen Situation heraus die Gewalt eskalieren kann.“

„Sie können unbesorgt reiten, Marshal“, sagte nun die Gattin des Siedlers. „Dass mein Junge sterben musste ist schon schlimm genug.“ Sie schniefte, ihre Augen füllten sich wieder mit Tränen, sie stand kurz davor, erneut von ihren Gefühlen überwältigt zu werden. Sie überwand diese Gemütsbewegung und fuhr mit etwas brüchiger Stimme fort: „Darum werde ich nicht zulassen, dass Joe irgendetwas unternimmt, das weiteres Unglück über unsere Familie bringen könnte. Wird man uns informieren, wenn der Prozess gegen den Mörder meines Sohnes stattfindet?“

„Natürlich, Ma’am. Sie, Ihr Mann und Ihre Tochter werden als Zeugen aussagen müssen.“

„Gebe Gott, dass das Gericht dann zu einer gerechten Entscheidung gelangt.“

„Ich wünsche Ihnen alles Gute“, erklärte ich, dann spornte ich mein Pferd an, ritt neben Phil Dawson und wies nach Nordosten. „Wir nehmen diese Richtung, Dawson.“

Nachdem wir ein Stück von den Siedlern entfernt waren, blaffte der Gefangene: „Du glaubst doch nicht im Ernst, Sternschlepper, dass Walker es zulässt, dass du mich nach Amarillo schleppst und vor Gericht zerrst, nur weil ich einen verdammten Schollenbrecher in die Hölle geschickt habe.“

Details

Seiten
60
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783738905328
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v342737
Schlagworte
marshal logan hass siedlers bill abenteuer

Autor

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Titel: Marshal Logan und der Hass des Siedlers: U.S. Marshal Bill Logan - neue Abenteuer #16