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Königshaus Norland #3 Prinzessin Jennifers große Liebe

2016 120 Seiten

Leseprobe

Königshaus Norland

 

Band 3

 

Prinzessin Jennifers große Liebe

 

Ein Roman von Earl Warren

 

 

 

IMPRESSUM

 

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Chaoss/123rf, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

 

 

Prinzessin Jennifer von Norland ist fest entschlossen, zusammen mit ihrem Freund Sigurd Haakonnen, einem Abenteurer und Weltenbummler, ein großes Wagnis einzugehen. Sie wollen zusammen Trollryggen – die Troll-Wand in Norwegen besteigen. Und das mitten im Winter. Sie ist sich zwar der Gefahr bewusst, ignoriert sie aber trotzdem. Als Morten Hanson, ihr einstiger Freund, davon erfährt, ist er sehr besorgt. Denn die gemeinsame Tochter Natalie und Prinzessin Jennifer haben sich vor einigen Monaten zerstritten und seitdem nicht mehr gesehen. Jetzt möchte sich Natalie mit ihrer Mutter und dem Königshaus Norland wieder versöhnen. Ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt geschieht im schneebedeckten Bergmassiv ein schreckliches Unglück, und Sigurd Haakonnen begeht einen verhängnisvollen Fehler...

 

 

 

 

 

Natalie von Norland lief im Tanga zu dem schneeweißen, nierenförmigen Swimmingpool und hechtete in das klare blaue Wasser. Sie tauchte ein, schlank und braungebrannt schon, obwohl sie sich erst wenige Tage auf den Bahamas befand. Dort hielt sie sich zur Zeit in der Hauptstadt Nassau auf. Die Sonne schien heiß am 25 Breitengrad, südlicher noch als an der Südspitze des US-Sonnenstaats Florida.

Natalies lange schwarze Haare schwammen hinter ihrem Kopf wie ein Schleier, als sie wie eine Nixe quer durch das Becken tauchte. Auf der anderen Seite, nach 25 Metern, tauchte sie auf, schüttelte das Wasser aus ihrer dunklen Haarmähne, dass die Tropfen flogen, und schaute zum blauen Himmel und zu der Sonne.

Sie dachte an Norland, das ihre Heimat war. Dort war es jetzt Winter und lag hoch der Schnee. Es gab ihr einen Stich ins Herz.

Denn die 20jährige Natalie war eine Prinzessin von Norland, ein Mitglied der stolzen Bentwaldt-Dynastie, die demnächst 200 Jahre auf dem Thron saß. Die einzige Tochter von Prinzessin Jennifer, Tochter von König Erik, und kam in der Thronfolge vor, wenn auch nicht unter den ersten Fünf.

Doch sie hatte mit ihrer Familie gebrochen. Daran mochte sie gar nicht denken.

Ein schwarzer Boy brachte ihr einen exotischen Drink. Er bestand aus Fruchtsaft mit einem Schuss Rum und war mit einer Viertel Ananasscheibe und einem bunten Schirmchen hübsch dekoriert. Natalie trank durch den Strohhalm.

Sie war bildschön, schlank gewachsen, mit nicht zu üppigen Kurven an den richtigen Stellen und sehr weiblichen Formen. Ihr Gesicht war oval, der Mund üppig, die dunkelblauen Augen hatten einen leicht melancholischen Ausdruck.

Sie schaute zu der weißen Villa im Kolonialstil, die ihrem Vater gehörte, den sie erst seit kurzem kannte. In Nassau fühlte sie sich fremd. 180.000 Einwohner hatte die Hauptstadt der Bahamas, 85 Prozent davon waren Schwarze. Der Tourismus war der Haupterwerbszweig der Inseln mit subtropischem Klima und hervorragenden Stränden.

Morten Hanson, der internationale Finanzmogul und Milliardär, hatte sich jedoch nicht wegen des Klimas und der Schönheit der zum Commonwealth gehörenden Inseln hier niedergelassen. Sondern wegen der vorteilhaften Steuergesetze, die ihn wie Hunderte von Banken und leider auch unseriöse Geschäftemacher angelockt hatten.

Die Straßen von Nassau waren ein Erlebnis, hier war immer was los. Im Yachthafen lagen prachtvolle Luxusyachten vor Anker. Flotte Reggaemusik lag in der Luft und schien sogar in die noch aus der englischen Kolonialzeit stammenden Villen und in den Präsidenten- und den Gouverneurspalast einzudringen.

Prinzessin Natalie glaubte, dass sie endgültig zur Weltbürgerin geworden sei.

Sie schaute auf, als sie Schritte hörte. Ein Mann näherte sich durch den parkähnlichen Garten mit den flammenden Hibiskus- und Flamboyant-Büschen. Es war nicht der Schritt ihres Vaters.

Freddy!“, rief Natalie entzückt, als sie den Besucher erkannte. „Du hier? Dich hätte ich nicht erwartet.“

Es war Freddy Ralston, mit dem sie in London mehrmals allein oder mit ihrer Clique zusammen ausgegangen war. Jetzt war sie entzückt, ihn zu sehen.

Wie kommst du hierher?“

Mit dem Flugzeug von London aus über Miami. Acht Stunden Flugzeit, Natalie.“

Die Prinzessin stieg aus dem Pool. Wasser tropfte an ihr herunter, und Wassertropfen glitzerten an ihrem perfekt gebauten Körper. Der Tanga bedeckte gerade das Allernotwendigste.

Morten Hanson, ihr Vater, hatte geschaut, als er sie zum ersten Mal darin sah.

Aber sie hatte ihn ausgelassen umarmt, geküsst und gefragt: „Willst du mich vielleicht in einen Kaftan hüllen, Vater?“

Hier gibt es sehr heißblütige Männer“, hatte Morten Hanson gesagt.

Die gibt es anderswo auch.“

Damit war das Thema erledigt gewesen. Der Milliardär und die Prinzessin kannten sich noch nicht lange persönlich und waren vorher nie länger zusammen gewesen.

Freddy Ralston war groß, rotblond und sehr schlank. Doch er war durchtrainiert, seine lässige Art, sich zu bewegen, täuschte. Er war ein passionierter Sportler und leidenschaftlicher Segler. 25 Jahre alt, Jurastudent im letzten Semester in Cambridge, hochintelligent und charmant.

Und er war einer der beiden Söhne von Lord Ralston, sogar der Erbe des Titels. Die Ralstons gehörten zum Hochadel und waren sogar für eine Prinzessin von Norland durchaus standesgemäß.

Daran dachte Natalie flüchtig, obwohl sie sich um dergleichen nicht viel scherte und auf Adel allein nichts gab. Der Mensch zählte, ob er nun bürgerlich oder adlig war.

Frederick „Freddy“ Ralston trug helle Freizeitkleidung und Tennisschuhe. Natalie schaute ihn fragend an. Er bemühte sich, sie nicht mit seinen Blicken zu verschlingen. Sie war so schön, dass es für ihn wie ein Schock war und ihm den Atem verschlug.

Wie eine dem Wasser entstiegene Venus sah sie aus.

Ich wollte dich sehen“, sagte er. „Du hast London plötzlich und ohne Erklärung verlassen?“

Weißt du nicht, was passiert ist?“

Nein.“

Ich habe mich von der Königsfamilie von Norland, dem Geschlecht Bentwaldt, losgesagt. Von allen. Ich will nur noch die Tochter von Morten Hanson sein.“

Spinnst du?“

Zwischen den jungen Leuten herrschte ein lockerer Ton. Sie unterhielten sich fließend in Englisch. Freddy Ralston war sehr überrascht.

Er lachte.

Du willst mich wohl auf den Arm nehmen, Schöne?“

Freddy sagte oft Schöne zu Natalie. Bei einem anderen wäre es impertinent gewesen, bei ihm nicht. Es knisterte zwischen ihnen.

Doch auch von ihm war Natalie ohne Abschied und ein erklärendes Wort weggegangen, als sie London verließ.

Nein“, sagte sie. „Du bist extra hergeflogen, um mich zu sehen? Oder hast du noch andere Gründe, nach Nassau zu kommen?“

Ich bin nur wegen dir hier. Als du plötzlich verschwunden warst, ließ es mir keine Ruhe. Ich machte Gott und die Welt rebellisch, um herauszufinden, wo du dich aufhältst. Dein Cousin Prinz John verriet es mir schließlich. Well, da habe ich mich in ein Flugzeug gesetzt, nach meiner Landung in Nassau hier angerufen Mr. Hanson lud mich ein, herzukommen. Was hast du mit ihm zu schaffen? Du bist doch nicht etwa…“

Was?“, fragte Natalie den hochgewachsenen jungen Mann, der sie um ein ganzes Stück überragte, obwohl sie nicht gerade klein war.

Seine Geliebte?“

Sie sah ihm in die Augen und erkannte, was sie schon in London gefühlt hatte: Lord Ralston - Freddy - war verliebt in sie. So verliebt, dass er ihr kurzfristig nachgereist war. Zu dem Armen im Land zählte er nicht. Leisten konnte er sich’s allemal.

Die schöne schwarzhaarige Prinzessin lachte laut.

Mortens Geliebte. Hast du nicht gehört, was ich vorhin gesagt habe?“

Freddy stellte den Drink auf ein Tischchen. Er steckte sich den kleinen Finger ins Ohr und bewegte ihn ein paar Mal.

Du hast was von Vater gesagt, und dass du dich von deiner Familie losgesagt hättest. Ich dachte, ich höre nicht recht?“

Du hast recht gehört, Freddy. Du musst dir nicht die Ohren durchpusten lassen. Schön, dass du da bist.“

Damit reckte sich Natalie auf die Zehenspitzen und küsste den Verdatterten auf den Mund. Es war ein flüchtiger, freundschaftlicher Kuss. Trotzdem brachte er Freddy in Verwirrung und trieb seinen Puls in rasende Höhen.

Natalie lachte ihn aus.

Weißt du, wie du dreinschaust? Wie ein Kalb, das den Vollmond sieht.“

Ich muss doch sehr bitten, Prinzessin“, erwiderte Freddy ein wenig pikiert. „Können wir uns darüber vielleicht im Haus weiter unterhalten? Ich bin sehr überrascht. Morten Hanson ist also dein Papa, sagst du. Bist du da sicher? Äh, ich meine, nun, ich dachte… Ich nahm immer an… Alle Welt war der Meinung…“

Natalie amüsierte sich über ihren Verehrer Freddy, obwohl es für sie ein sehr ernstes Thema war, das sie bis ins Innerste traf. Ihr ganzes Leben hatte sich seit wenigen Wochen total verändert. Es war auf den Kopf gestellt worden. Sie wusste nicht mehr, was oben und unten war, wem sie noch trauen konnte und wem nicht.

Ihr Fixpunkt, an den sie sich hielt, war Morten Hanson.

Ja?“, fragte sie Freddy mit vollendetem Augenaufschlag. „Was meintest du?“

Nun ja, deine Mutter ist Prinzessin Jennifer von Norland.“

In der Tat.“

Du bist während ihrer Ehe mit Graf Rolf von Olpe geboren.“

Natalie schaute Freddy an. Das waren sehr intime Familienangelegenheiten, die er da ansprach. Doch sie hatte den Anfang gemacht, jetzt musste und wollte sie ihm reinen Wein einschenken.

Das heißt noch nicht, dass er mein leiblicher Vater ist.“ Bitter fuhr sie fort. „Er war mir nie ein Vater. Es stand immer etwas zwischen uns. Seine kühle Art hat mich oft verletzt. Jetzt weiß ich, woher sie kam oder was viel dazu beitrug.“

Dann wäre also Morten Hanson dein Vater? Einer der reichsten Männer der Welt?“

Ob er das ist, musst du ihn selber fragen. Doch jetzt lass uns ins Haus gehen. Es ist heiß in der Sonne.“

Es war früher Nachmittag. Verwirrt folgte Freddy Ralston der Prinzessin in die Villa, die dreißig Zimmer hatte. Selbstverständlich war sie vollklimatisiert und nobel und mit Geschmack eingerichtet. Morten Hanson war zweifellos ein Mann von Welt.

Dienstboten sorgten dafür, dass in dem Haus alles wie am Schnürchen lief. Bodyguards bewachten ihn. Hansons Reichtum und Prominenz forderten ihren Preis.

Der junge Lord Ralston war verwirrt. Das Wiedersehen mit Natalie, die die Frau seiner Träume war, hatte er sich anders vorgestellt, als mit einer derartig schockierenden Eröffnung konfrontiert zu werden. Er wusste noch nicht, was er davon halten sollte.

In der Villa entschuldigte sich Natalie für kurze Zeit. Ein Dienstbote brachte Freddy einen Drink. Er war im Taxi hergekommen, sein Gepäck befand sich irgendwo im Haus. Er schaute sich um.

Hier lässt es sich leben, dachte er.

Als Natalie zurückkehrte, verschlug es ihm fast den Atem bei ihrem Anblick. Sie trug hochhackige goldene Schuhe, weiße Jeans und ein T-Shirt. Die schwarzen Haare fielen ihr bis auf die Schultern und hatten einen seidigen Glanz.

Ihre blauen Augen strahlten ihn an wie zwei Sterne.

Freddy konnte nicht anders. Hingerissen umarmte er Natalie, seiner Sinne nicht mehr mächtig. Sie küssten sich heiß und innig, vergaßen ihre Umgebung. Natalie trank Freddys Küsse.

Sie spürte seinen starken, sehnigen Körper, die Spannung in ihm. Sie presste sich an ihn.

Ihre Zungen spielten ein Spiel. Für Natalie war Freddy bei allem anderen auch ein Bindeglied zu ihrer Vergangenheit. Etwas Vertrautes. Denn kein Mensch konnte sein Leben komplett hinter sich lassen, er nahm sich selbst immer mit.

Prinzessin Natalie von Norland spürte bei den heißen Küssen, dass sie Freddy schon eine ganze Weile mehr als nur Sympathie entgegengebracht hatte. Und dass er ihr gefehlt hatte, seit sie ihr Praktikum bei einer Großbank in London unterbrach und überraschend abreiste.

Ich liebe dich“, flüsterte ihr Freddy ins Ohr und berührte mit den Lippen zart ihren schlanken Hals.

Natalie erbebte. Ein Schauer durchlief sie.

Dann räusperte sich jemand. Das Liebespaar, das sich gerade gefunden hatte, fuhr auseinander.

Morten Hanson, der Hausherr, stand vor ihnen. Im Anzug, er kam von einem Besuch bei der Regierung, wo er etwas zu klären gehabt hatte.

Junger Mann“, fragte er lässig und doch voller Autorität, „darf ich wissen, wer Sie sind und weshalb Sie in meinem Haus herumküssen?“

 

*

 

Freddy stellte sich vor. Hanson erkannte ihn nun an der Stimme. Er hatte eine Weile zuvor mit ihm telefoniert, per Umleitung auf sein Handy, da Freddy in der Villa oberhalb des Hafens in der Nähe vom Regierungspalast anrief, und ihm den Zutritt gestattet. Selbstverständlich war Freddy zudem noch von Hansons Guards durchgecheckt und überprüft worden, bevor er auf’s Villengelände durfte.

Meine Einladung in mein Haus erstreckte sich nicht auf meine einzige Tochter“, sagte der Milliardär süffisant.

Hanson war 44 Jahre alt, hochgewachsen, breitschultrig, mit markantem Gesicht, dunklen, welligen Haaren und etwas Grau an den Schläfen. Er war kräftig und muskulös. Ein stattlicher Mann, ein Typ, bei dem Frauen schwach wurden und den Männer beneideten.

Sein Ruf in der Geschäftswelt und allgemein war Legende. Konzernleiter von nicht nur einem Konzern, Großaktionär, international bekannt und angesehen von Dubai bis Rio, von Norland bis hin zu den Seychellen. Jemand, der die Welt in der Tasche hatte, sagte man, und doch hatte er in seinem Leben auch üble Zurückweisung und tiefstes Leid erfahren.

Natalies Schönheit hat mich überwältigt“, sagte Freddy.

Ja, sie ist recht ansprechend. Die blauen Augen hat sie von mir geerbt. Von ihrer Mutter natürlich auch einiges.“

Ich bin sehr überrascht zu erfahren, dass Natalie nicht die Tochter des Grafen von Olpe ist“, sagte Freddy, der sich inzwischen in diesem Punkt gefangen hatte. „Ich dachte immer, sie wäre es.“

Ich auch“, sagte Morten Hanson. „Alle Welt dachte das. Natalie auch. Die feine norländische Königsfamilie hat uns allesamt schön hinters Licht geführt. Ich hatte mit Natalies Mutter, Prinzessin Jennifer, eine heiße und leidenschaftliche Liebesaffäre… aber soll ich das jetzt hier erzählen?“

Sag es ihm, Vater“, bat Natalie und hielt Freddys Hand. „Er kann es ruhig erfahren. Alle Welt soll es wissen.“

Einen Moment funkelte Genugtuung in Hansons Augen. Bisher hatte Natalie sich nicht offenbaren wollen. Sie wollte zuerst einmal mich sich ins Reine kommen, nachdem sie mit ihrer Familie gebrochen hatte.

Prinzessin Jennifer wurde schwanger.“ Morten Hansons Worte klangen schicksalsschwer. „Doch ihr Vater, König Erik, ja, der gute und ehrenhafte König Erik, hintertrieb unsere Verbindung. Er bestand darauf, dass ich nicht standesgemäß sei und brachte es soweit, dass Jennifer mit mir Schluss machte. Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass ein Kind unterwegs war.“

Er hat die Verbindung nicht hintertrieben, sondern verboten“, sagte Natalie. „Das ist etwas anderes. Hintertreiben ist etwas Heimtückisches und hinten herum. Er hat offen mit meiner Mutter gesprochen.“

Ja, aber mit mir nicht. Ich wurde einfach vor die vollendeten Tatsachen gestellt. Und damit ein Vater für das Kind da war, eine Abtreibung kam natürlich nicht in Frage, musste Jennifer den Grafen von Olpe heiraten. Der König und die Königin haben ihn für sie ausgesucht. Olpe wurde eingeweiht, ich nicht, und stimmte dem Komplott zu.“

Die Drei hatten sich hingesetzt. Es war kein Dienstbote in der Nähe, der hätte lauschen können.

Das ist ungeheuerlich!“, stammelte Freddy. „Dass es so etwas gibt. Eine Prinzessin kann natürlich nicht einen Bäcker heiraten. Oder einen X-Beliebigen. Aber was sprach denn so gegen Sie, Mr. Hanson?“

Mein Vater ist ein Bankrotteur gewesen. Er starb im Zuchthaus, wo er wegen betrügerischen Konkurses und Unterschlagung einsaß.“

Aber dazu können Sie doch nichts. Wie alt waren Sie denn, als das geschah und er verurteilt wurde?“

Sieben Jahre.“

Da kann man Sie ja wohl ganz gewiss nicht als Komplicen betrachten. Wie ist es weiter gegangen, mit Natalie und mit Ihnen, meine ich?“

Freddy ergriff Natalies Hand, die sie ihm nicht entzog. Er spürte ihre Wärme.

Ich verließ Norland, nachdem mich die Königsfamilie mit einem Tritt in den Hintern hinausgefeuert hatte. Anders kann man es ja wohl nicht nennen. Innerlich tief verbittert, verletzt, voller Groll. Viele Jahre lang bin ich Norland fern geblieben. Ich machte Karriere, ich stieg auf in der Welt der Hochfinanz. Als ich Norland verließ, war ich erst 24 Jahre alt. Und fünfzehn Jahre später erfuhr ich zufällig aus einer Zeitungsmeldung über ihre Geburtstagsfeier Natalies genauen Geburtstag. Das gab mir zu denken. Eine Kammer in meinem Herzen brach auf, von der ich angenommen hatte, sie versperrt und den Schlüssel dazu für immer weggeworfen zu haben. Ich konnte mich genau an den Tag und das Datum erinnern, an dem Prinzessin Jennifer mit mir Schluss gemacht hatte, unter Tränen, auf Drängen ihrer Familie, wie sie mir gestand, weil ich nicht standesgemäß sei.“

Hanson stand auf. Er konnte nicht ruhig sitzen, die Erinnerung wühlte ihn auf.

Natalie wurde knapp sieben Monate nach dem Tag unserer Trennung geboren“, fuhr der Milliardär fort. „Selbst wenn Jennifer sofort mit Rolf von Olpe ins Bett gestiegen wäre, wäre das äußerst knapp geworden mit ihm als Vater. Und das traute ich ihr nun wirklich nicht zu. Auch nicht, dass sie außer mit mir noch mit einem anderen Mann, dazu noch dem farblosen Olpe, ein Verhältnis gehabt hätte.“

Sie hatten aber keine Gewissheit?“, sagte Freddy.

Die verschaffte ich mir durch eine DNA-Analyse, die wie Sie wissen zu über 99 Prozent sicher ist. Ich verschaffte mir ein paar von Natalies Haaren. Das war nicht so schwierig – für Geld bekommt man fast alles. Dann wusste ich es.“

Morten Hanson war wie vom Schlag getroffen gewesen, als er das ganze Komplott durchschaute. Er hatte mit Prinzessin Jennifer Verbindung aufgenommen, Natalies Mutter, die von Rolf von Olpe keine weiteren Kinder und sich längst mit ihm auseinandergelebt hatte.

Die Scheidung war gerade gelaufen. Natalie war in einem exklusiven Internat gewesen.

Jennifer hielt mich hin, was das denn solle, nach den vielen Jahren, ich würde Natalie nur durcheinanderbringen, die sich sowieso in einer schwierigen Phase befände. Also wartete ich ab, bis ich das nicht mehr wollte und nicht mehr aushielt. Da habe ich Natalie in London in den Räumen der Bank aufgesucht, wo sie ihr Praktikum zubrachte. Ich kenne den Aufsichtsratsvorsitzenden. Da war es kein Problem, die Unterredung dort durchzuführen. Unter vier Augen, versteht sich.“

Daraufhin hat Natalie mit Ihnen zusammen London verlassen.“ Lord Freddy Ralston nickte. „Das kann ich verstehen.“

Er wendete sich an die Prinzessin.

Ich fürchtete schon, dass es mit mir zusammenhängen würde. Oder andere Gründe hätte.“

Ein Verhältnis zwischen uns?“, fragte Hanson. Er lachte. „Natalie ist meine Tochter. Ich liebe sie, wie ein Vater seine Tochter liebt, und ich möchte sie gern in meiner Nähe haben.“

Darf sie nach Norland zurück?“, fragte Freddy.

Wenn sie das will“, antwortete Hanson. „Im Moment will sie erst einmal Abstand halten. Ich muss in Kürze sowieso nach Norland, vor Weihnachten noch. Geschäftlich. Da kann Natalie mich gern begleiten, wenn sie möchte.“

Ich bin noch nicht so weit“, sagte Natalie. „Es ist noch alles zu frisch, und es tut mir zu weh. Die Menschen, die ich am meisten liebte, meine Mutter, Rolf von Olpe, den ich für meinen Vater hielt, meine Großeltern König Erik und meine leider verstorbene Großmutter Königin Andrea, Onkel René, der Kronprinz, seine Gattin genauso, sie alle haben mich mein Leben lang belogen und betrogen. Mir meinen richtigen Vater vorenthalten. Mich in dem Glauben gelassen, dass Rolf von Olpe es wäre. Das muss ich erst einmal verkraften. Ich fühle mich meiner Wurzeln beraubt. Ich weiß nicht mehr, wem ich überhaupt noch glauben und wem ich vertrauen kann. Das verwinde ich nie.“

Du wirst darüber hinwegkommen“, sagte Morten Hanson. „Aus ihrer Sicht haben sie es wahrscheinlich nur gut gemeint. Meine spätere Entwicklung ließ sich für sie nicht absehen. Sie haben in mir nur den Sohn des im Zuchthaus verstorbenen Bankrotteurs und Betrügers gesehen.“

Und meine Mutter, wie sah sie dich?“, wollte Natalie wissen.

Ich schätze, nein, ich weiß“, antwortete Morten Hanson leise, „Jennifer hat mich wirklich von Herzen geliebt. Doch sie war noch sehr jung – achtzehn Jahre. Siebzehn, als wir uns kennenlernten. Es ist für mich die schönste Zeit meines Lebens gewesen.“

Papa!“, rief Natalie überrascht. „Liebst du sie immer noch?“

Abrupt drehte Morten Hanson sich um und schaute sie und Freddy an.

Unsere Liebe ist tot!“, rief er, als ob er sich selbst überzeugen wollte. „Zwei Jahrzehnte vergingen, seit Jennifer sich von mir lossagte und mir den Laufpass gab. Mir unterschlug, dass sie schwanger war. Doch ich will ihr Gerechtigkeit widerfahren lassen. Sie konnte dem Druck nicht widerstehen, den ihre Familie, besonders der König, auf sie ausübte.“

Vielleicht hätte sie sich auch ohne die Schwangerschaft von Ihnen getrennt, Mr. Hanson“, sagte Freddy. „Wusste die königliche Familie von Norland denn von ihrem Verhältnis?“

Nein, wir hielten es geheim. So geheim nun auch wieder nicht, Freunde und Vertraute wussten Bescheid. Doch für die königliche Familie, die zudem noch mit vielen anderen Dingen beschäftigt war, ist es nicht offensichtlich gewesen, dass wir ein Liebespaar waren. Bis Jennifer ihre Schwangerschaft bemerkte und sich ihrer Mutter anvertraute. Da kam es dann an den Tag.“

Verstehe“, sagte Freddy. „Der Familienrat tagte. Man gelangte zu dem Ergebnis, Sie wären kein standesgemäßer Umgang und Ehemann für die Prinzessin.“

Ob Familienrat oder nicht, jedenfalls wurde ich abserviert. Im Interesse des edlen Hauses derer von Bentwaldt.“

Ich verstehe, dass Sie verbittert sind“, sagte Freddy. „Dennoch sollten Sie sich nicht von Hass und von Rachegefühlen leiten lassen. – Denken Sie an Natalies Wohl.“

Was sollte ihr fehlen? Ich bin zwar kein König, aber einer der reichsten Männer der Welt. Sie kann sich frei entscheiden. Wenn sie nach Tjellborg“ – das war die Hauptstadt von Norland – „zurückkehren will, hindere ich sie nicht.“

Sie ist eine Prinzessin von Norland. Sie gehört zu der Königsfamilie.“

Nicht mehr“, sagte Natalie. „Sie können mir alle gestohlen bleiben.“

Und deine Mutter?“, fragte Freddy. „Deine Cousins, die damals noch kleine Kinder und an dem Komplott nicht beteiligt waren und nie etwas davon wussten, bis sie es wie ich annehme vor kurzer Zeit erst erfuhren?“

Du nimmst richtig an, Freddy. Doch du kannst keine Versöhnung herbeiführen. Zur Zeit will ich keinen von ihnen sehen und keinen Kontakt haben. Auch mit meiner Mutter nicht. Was später ist, kann ich noch nicht sagen.“

Lord Freddy musste es dabei bewenden lassen. Er blieb in der Villa, er übernachtete in einem Gästezimmer. Er und Natalie schliefen getrennt. Die Prinzessin hatte mehrere Zimmer, jeder Luxus stand ihr zur Verfügung, ein schneller Sportwagen, die Goldene Kreditkarte, was sie nur wollte.

Materiell hatte sie keinen Abstieg erlebt, seit sie sich von der Königsfamilie lossagte.

Morten Hanson fand in dieser Nacht lange keinen Schlaf. Er ging in seinen Räumen auf und ab. Viele Gedanken gingen ihm im Kopf herum. Widersprüchliche Gefühle bewegten sein Herz.

Die Frage seiner Tochter „Papa, liebst du sie immer noch?“ hatte bei ihm etwas ausgelöst. Er fragte sich das, er wollte ehrlich sein zu sich selbst.

Liebe ich Jennifer immer noch, fragte er sich, während er durch das Panoramafenster auf den hell und bunt beleuchteten Hafen von Nassau mit den vielen Yachten schaute. Dort tobte und brodelte das Leben.

In Natalies Zügen, in ihrer Art, erkannte er teils Jennifer wieder. Und er dachte zurück an die Zeit, als sie noch sehr jung und glücklich gewesen waren. Wie Romeo und Julia, dachte er.

Anderthalb Jahre lang hatte ihr Verhältnis gedauert. Für ihn war es zuerst der Himmel und dann die Hölle gewesen. Seinem Herzen hatte die Trennung eine tiefe Wunde zugefügt, Jennifers auch. Für ihn war die Schmach, die ihm angetan wurde, zu einer Triebfeder geworden. Er hatte auch deshalb Karriere gemacht, weil er es den Bentwaldts zeigen wollte, dem stolzen Königshaus, Jennifer, die ihn verschmäht und abgewiesen hatte, allen.

Seht her, was ich kann, hatte er gedacht. Ich, Morten Hanson, der Sohn des Betrügers und Bankrotteurs, der euch nicht gut genug war. Von dem ihr tuscheltet, ich würde genauso enden. Einen Blender habt ihr mich genannt.

Tag und Nacht hatte er geschuftet, sich fit gehalten, gelernt und geackert. Kaum je, dass er sich Ruhe gönnte, notwendigste Pausen nur, damit der gemarterte Körper den Dienst nicht versagte und der Geist die Tortur aushielt.

Sein Aufstieg war nicht leicht gewesen. Niemand hatte ihm etwas geschenkt. Ohne Protektion, ohne Rückhalt hatte er sich zu dem gemacht, was er heute war – mehrfacher Konzernchef und einer der reichsten Männer der Welt.

Der Preis dafür war ein sehr anstrengendes, rastloses Leben gewesen. Bisher hatte er es gut überstanden.

Ich bin Morten Hanson, dachte er. Eure Prognosen, was mich betraf, waren falsch. Aber brachte ihm das Jennifer zurück, erfüllte das seine Liebe? Was empfand er für sie.

Hanson wühlte ein Bild seiner damaligen Geliebten aus einer Schatulle, die er aus dem Wandsafe nahm. Dieses allein hatte er aufgehoben, all die Jahre, und es lang, lang nicht mehr angesehen.

Jetzt betrachtete er es.

Es zeigte ihn, viel jünger, Jennifer genauso. Schlank, mit braunen gelockten Haaren, unschuldig wirkend, bildschön war sie gewesen. Er erinnerte sich genau an den Klang ihrer Stimme, ihren Duft, ihre Wärme, Zärtlichkeit und die Leidenschaft, die sie geteilt hatten. Sein Herz tat so weh.

Sie standen beide an der antiken Brücke im Zentrum von Tjellborg, hielten sich an den Händen und strahlten sich glücklich an. Das Bild war am Anfang ihrer Bekanntschaft aufgenommen worden. Kurz danach hatte ihre heiße Liebe begonnen.

Es war Sommer gewesen. Aus dem Abro-Fluss, der unter der Brücke durchfloss, hatte es gerochen – sie hatten es nicht bemerkt. Hanson entsann sich wie heute, obwohl fast 22 Jahre vergangen waren.

Jennifer trug auf dem Bild ein tief ausgeschnittenes Kleid. Im Dekolleté war der Ansatz ihrer hübschen Brüste zu sehen. Hanson war auf dem Bild leger gekleidet. Sie waren zusammen durch die Altstadt und am Fluss entlang gebummelt. Ein Bekannter, der zufällig vorbeikam, hatte sie fotografiert.

Das Bild war ein Symbol für Hanson, ein Stück seines Herzens. Das als einziges hatte er nicht hergeben wollen.

Jetzt zerriss er es in kleine Stücke, die er mit einem goldenen Feuerzeug im Aschenbecher verbrannte.

Ich liebe dich nicht mehr, Jennifer von Norland“, sagte er. „Die du mich demütigetest und um meine Tochter betrogst. – Weib, dass du eine Prinzessin sein willst, ich hasse dich, und die Bentwaldts werden noch bitter bereuen, so mit mir verfahren zu sein.“

Er schüttelte den Kopf.

Ich sie noch lieben? Lachhaft, zwanzig Jahre sind um, in denen ich sie gerade mal vor fünf Jahren einmal persönlich sah.“

Sonst hatten sie selten wegen Natalie telefoniert. Briefe waren vermieden worden, Schriftliches war zu verfänglich bei einer so heißen Sache.

Als er einmal fragte, nachdem er es wusste, ob er für Natalie Unterhalt zahlen sollte, hatte ihn Jennifer am Telefon ausgelacht.

Du willst der Königsfamilie von Norland Unterhalt zahlen?“, hatte sie ihn gefragt. „Du kleiner…“

Das Wort, das sie gebrauchte, war nicht druckreif. Am nächsten Tag hatte sie ihn angerufen und sich dafür entschuldigt, sie wäre beschwipst gewesen und hätte sich kurz zuvor, ehe sie mit ihm telefonierte, sehr über jemand geärgert.

Er hatte ihre Entschuldigung angenommen, sie seine Unterhaltszahlungen nicht. Schon deswegen, weil diese ein Beweismittel gewesen wären, gegen sie und das Königshaus. Oder so hingedreht werden konnten.

Meine Liebe zu Jennifer ist tot, dachte der große, stattliche Mann. Asche, wie dieses verbrannte Bild. Vergangenheit, Schnee von gestern.

Doch warum schmerzte sein Herz und brannten ihm seine Augen, als ob er weinen wollte und konnte es nicht?

 

*

 

In Norland war es Winter geworden. Innerhalb weniger Tage waren die Temperaturen bis weit unter den Gefrierpunkt gefallen. Und es schneite, schneite und schneite, bis ganz Norland, ein Land hoch im Norden Europas, mit 12,5 Millionen Einwohnern auf 380.000 Quadratkilometern Fläche, unter der weißen Pracht versank.

Eine konstitutionelle Monarchie gab es hier, die Bentwaldts, deren derzeitiges Oberhaupt und König der 74jährige Erik war. Das Mehrparteienparlament regierte, doch das Königshaus war in Norland nicht wegzudenken. Das Land stand, ähnlich dem Englischen Commonwealth, jedoch kleiner, einem Staatenverbund vor, der sich aus früheren Kolonien rekrutierte.

Die Landessprache war Norländisch, Holzwirtschaft und Fischerei spielten eine bedeutende Rolle in Norland. Zudem gab es chemische Fabriken, Stahlwerke und Reedereien. Im Landesinnern gab es Hochmoore, wo Kronprinz René, 48 Jahre inzwischen, ein engagierter Naturschützer, gern umherstreifte.

Das hatte ihm bei der Bevölkerung den Spitznamen „Moorprinz“ eingetragen. Im Osten zog sich die Norlandbergkette mit dem 4.879 Meter hohen Palderhorn als höchstem Gipfel längs durch das Land und schloss es zur Grenze hin ab. Die Küste war von Fjorden zerklüftet.

Im Landesinnern rauschten noch immer urwüchsig die Wälder und erhoben sich die stattlichen Norlandtannen, von denen auch die Nationalhymmne kündete.

Norland, Norland, Stolz des Nordens, Hort der Freien, Land der Gerechtigkeit, wo die grünen Tannen stehen und die Gipfel ragen, wo das Ren durch die Tundra zieht und die Moore, hieß es da.

Weihnachten näherte sich. Im kommenden Jahr stand für die Dynastie allerhand bevor, das 200jährige Regierungsjubiläum des Hauses Bentwaldt, das 50jährige Kronjubiläum des guten alten König Erik, wie er oft genannt wurde, und seine Hochzeit mit einer wesentlich jüngeren Frau, nachdem Königin Andrea vor drei Jahren tödlich verunglückt war.

Eine weitere Hochzeit war im Gespräch – Prinz Bernt, 24, einer der beiden Söhne von Kronprinz René und dessen mondäner Gattin Desiré war endlich auf den Pfad der Tugend und Treue gelangt. So schien es jedenfalls, und wer ihn und seine bildhübsche, 19jährige spanische Braut Ines de Castignada sah, ihre leuchtenden Augen, wie sie sich zärtlich anhimmelten, der glaubte das. Die 18jährige Prinzessin Alexa, das Nesthäkchen der Kronprinzenfamilie, hatte einen festen Freund, der sich zur Zeit im 360-Zimmer-Palast Bentwaldt Palace aufhielt.

Durchaus standesgemäß, durchaus normal in ihrem Alter. Bis auf die Tatsache, dass Prinzessin Natalie sich von der Königsfamilie getrennt hatte und Spekulationen wegen einer bevorstehenden Bypassoperation des Königs kursierten, was in seinem Alter kein Pappenstiel war, stand es so ziemlich gut mit dem Haus Bentwaldt.

Beim Königsball Anfang Dezember hatte König Erik, der viel jünger aussah, als er war, und immer noch eine blendende, stattliche Erscheinung abgab, seine im Neuen Jahr bevorstehende Hochzeit mit der französischen Baronesse Patricia d’Ancourt angekündigt. Sie war 48 Jahre alt, Witwe, sie liebte ihn von Herzen, und sie würde ihm eine gute Gattin und den Norländern eine vorzügliche Landesmutter sein.

Olav Mettlund, der Vorsitzende des Kronrats, suchte an diesem Tag König Erik in dessen kleinem Arbeitszimmer auf. Nicht in dem großen, das auch für offizielle Anlässe und den Familienrat diente, sondern in dem kleinen, wo die es enger und zweckmäßiger eingerichtet war und der Hauptteil der Arbeit erledigt wurde.

Mettlund war ein Gebirge von Mann, fast zwei Meter groß, sein Gewicht schätzte man besser, als dass man ihn tatsächlich auf die Waage stellte. Böse Zungen behaupteten, als er in einer Sendung über die der norländischen Küste vorgelagerte Insel Mattjak auftrat, sei er zunächst für die Insel gehalten worden.

Er kleidete sich elegant und hatte immer entweder eine Nelke im Knopfloch oder ein seidenes Einstecktuch in der Brusttasche. Sein Kopf war ziemlich kahl, und er war glattrasiert. Dennoch ähnelte er einem Seeelefanten, war jedoch ein Mann mit messerscharfem Verstand und zudem ein Intrigant.

Er verbeugte sich vor dem silberhaarigen König, der allein vorm Computer saß. König Erik arbeitete durchaus mit modernen Mitteln.

Dem Parlament allein kann man nicht trauen“, lautete seine Devise. „Wer weiß, was die Kerle mit Norland anstellen würden, wenn ich nicht aufpasste? Der König ist immer noch der erste Diener des Staates.“

Mettlund verbeugte sich.

Hoheit.“

Was gibt es?“

Ich bin zu einer Beratung hier.“

Sie sprachen durch, was es durchzusprechen gab. Norland und die Dynastie Bentwaldt hatten in der letzten Zeit einige Stürme erlebt. Mettlund kam nun auf den Gesundheitszustand des Königs zu sprechen.

Die Feierlichkeiten im kommenden Jahr werden sehr anstrengend sein. Fühlen Sie sich dem gewachsen, Hoheit?“

Ich kann, was ich muss, Mettlund. Mein Professor in der Schweiz hat keine dringenden Einwände erhoben. Wenn ich mich jetzt operieren ließe, würde ich für die Feierlichkeiten im kommenden Jahr, dem großen Jubiläumsjahr, ausfallen. Die erste große Feier soll meine Hochzeit mit Lady Patricia sein.“

Der König schaute auf das Bild der schönen, brünetten Frau, das silbergerahmt auf seinem Schreibtisch stand. Er lächelte selig. Patricia hatte ihm seine Jugend wiedergegeben, pflegte er zu sagen.

Es wird schon gehen“, sagte er knapp. „Hoffen wir, dass nicht irgendwelche Skandale die Feierlichkeiten überschatten. Die Ehe meines Sohnes René steht ja schon jahrelang nicht zum Besten.“

René hat eine Geliebte, Lady Beatrice Ottrein-Hahlöö, 44, die ihrerseits erwachsene Kinder hat“, sagte Mettlund, der in einen seinen Körperformen angemessenen Sessel gesunken war. „Lady Desiré, die Gattin des Kronprinzen, und er haben sich arrangiert. Jeder geht seine eigenen Wege. Ihre Schwiegertochter ist eine große Gesellschaftsdame und eine Partylöwin. Der Kronprinz dagegen liebt die Einsamkeit. Wie sollte das gut gehen mit ihnen?“

Details

Seiten
120
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783738904710
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v337530
Schlagworte
königshaus norland prinzessin jennifers liebe

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Titel: Königshaus Norland #3 Prinzessin Jennifers große Liebe