Lade Inhalt...

Blake Gordon #7: Der magische Tiger

2016 120 Seiten

Leseprobe

Blake Gordon #7: Der magische Tiger

Horst Weymar Hübner

Published by BEKKERpublishing, 2016.

Der magische Tiger

H.W. Hübner

Blake Gordon – Band 7

––––––––

IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: Christian Dörge, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Klappe

Er wurde als Meister der Magie gefeiert. Seine Tricks waren unglaublich und bescherten ihm Erfolge auf der ganzen Welt. Sein Publikum feierte ihn jedes Mal begeistert. Aber er bewahrte ein entsetzliches Geheimnis, das zugleich der Schlüssel zu seinem gewaltigen Erfolg war. Denn ihn begleitete der Tod in Gestalt seines magischen Tigers, den er mit einem genialen Verwandlungstrick auf die Bühne brachte und sich selber dabei verschwinden ließ.

Roman

Aus dem Garten drang ein Geräusch herauf, das Sam Forrest durch Mark und Bein ging.

Als würde ein Baum in ungezählte Stücke zerfetzt und zerfasert!

Er bildete sich sogar ein, das scharfe Reißen und Kratzen von Krallen zu hören.

Etwas unbehaglich wurde ihm schon, denn erstens hatte er gar keine Katze, und es gab auch in der Nachbarschaft keine, und zweitens konnte er sich keine vorstellen, die mir nichts, dir nichts einen Baum zerpflückte.

„Schwachsinn!“, murmelte er. „Weiß der Teufel, was das ist!“

Es interessierte ihn aber doch, was sich draußen in der Nacht abspielte. Also knipste er das Licht aus, öffnete leise die Tür und trat auf den Balkon hinaus.

Lauer Nachtwind fächelte über sein Gesicht und fuhr durch die Blumen, die er sich in Kästen auf der Balkonbrüstung hielt.

Etwas seltsam roch es ja. Irgendwie streng. Der Wind brachte den Geruch mit.

Vielleicht von einem Industriewerk. Allerdings lag das nächste Werk außerhalb der Stadtgrenze, und das waren immerhin vier Meilen. Sam konnte sich auch nicht entsinnen, dass der Wind jemals Industriegestank bis in die Stadt geblasen hätte.

Er hegte Argwohn gegen einen Nachbarn, der Abfall im Kamin verfeuerte, statt den Müll in die Tonne zu kippen.

Aber Rauch sah er nirgendwo in den Nachthimmel steigen. Es war zudem Hochsommer. Da zündete niemand den Kamin an. Auch nicht, um irgendwelchen Abfall loszuwerden, der besser nicht der Müllabfuhr anvertraut wurde.

Und es brannte nirgendwo Licht!

In diesem Viertel wohnten rechtschaffene Leute. Die gingen beizeiten schlafen und standen lieber mit den Hühnern auf.

Sam Forrest wollte sich schon damit zufrieden geben, dass er sich geirrt hatte und dass ihm sein Gehör einen Streich gespielt hatte. Denn das widerwärtige Kratzen, das ihn herausgelockt hatte, wiederholte sich nicht. Drunten im Garten blieb es still.

Dennoch beugte er sich über einen Blumenkasten hinweg und versuchte, in der Finsternis etwas zu erkennen.

Seinen Garten liebte er heiß und innig. Und sein Garten das war eine gepflegte Rasenfläche und das waren drei Bäume.

Es dauerte, bis sich seine Augen an die Dunkelheit dort unten gewöhnten.

Auf dem Rasen schimmerte etwas. Zu diffus, um es exakt zu erkennen. Es wollte ihm allerdings scheinen, als hätte jemand Holzlatten in seinen Garten geworfen.

Es ging auf Mitternacht, und er fand es gänzlich ausgeschlossen, dass um diese Zeit jemand von den Nachbarn mit Holzlatten herausschmiss. Außer Nachbarn hatte niemand Zugang zu den Gärten, die hinter den Häusern einen grünen Komplex bildeten. Nur durch die Häuser selber oder durch eine Garage konnte man die Gärten betreten.

Sam Forrest verhielt sich mucksmäuschenstill und sperrte nur die Ohren auf. Vielleicht hatten Jugendliche den Rappel gekriegt und spielten nächtlichen Schabernack.

Bald fünf Minuten lauschte er angestrengt.

So lange konnten auf Unfug sinnende Jugendliche ihr Temperament nicht zügeln. Er war schließlich auch mal jung gewesen, er kannte sich aus. Aber da unten bewegte sich nichts.

Trotzdem war er argwöhnisch. Schließlich lag auf seinem Rasen etwas, das da nicht hingehörte.

Er kehrte ins Wohnzimmer zurück, verzichtete auf Licht und tappte leise die Treppe hinab. Die Küche lag im Erdgeschoss zum Garten hinaus, und in der Küche hatte er die Taschenlampe.

Ein unerklärliches Angstgefühl bedrängte ihn plötzlich.

Er stieß gegen einen Küchenstuhl. Das Herz blieb ihm fast stehen, obschon das scharrende Geräusch bestimmt draußen nicht zu hören war.

Erst als er die klobige Taschenlampe in der Hand hielt, war ihm wohler. Er konnte sie als Schlagwaffe verwenden. Besser als eine nackte Faust war sie allemal.

Auf Zehenspitzen schlich er zur rückwärtigen Tür, entriegelte sie und steckte erst einmal den Kopf hinaus.

Dieser seltsame Geruch wehte immer noch ums Haus. Hier unten war er sogar viel strenger wahrnehmbar als oben auf dem Balkon.

Aber hören konnte Sam nichts.

Er trat in seinen Garten hinaus und knipste die Taschenlampe an.

Der Lichtstrahl wanderte wie ein Geisterfinger über den Rasen und verharrte auf dem, was Sam Forrest als Holzlatten ausgemacht zu haben meinte.

Latten waren es nicht. Sondern lange Rindenstreifen. Und mehr als daumenstarke zerfaserte Holzstücke, manche vier Fuß lang.

Sam hatte so etwas schon einmal gesehen. Vor zwei Jahren. Als der Blitz in einen uralten Baum vor dem Stadthaus eingeschlagen hatte. Bis zur Treppe und sogar auf der Straße hatten abgepellte Baumteile gelegen.

Aber heute hatte es doch kein Gewitter gegeben!

Er richtete den Strahl der Taschenlampe auf den nächsten Baum.

Der Anblick bewirkte, dass es ihm die Haut zwischen den Schulterblättern zusammenzog und den kalten Schweiß auf die Stirn trieb.

Bis in eine Höhe, in die ein Mensch mit ausgestreckten Armen greifen konnte, war die Rinde in langen Bahnen vom Stamm gefetzt. So tief, dass es sogar Holzfaserstränge herausgerissen hatte.

Sam überwand seinen Mordsschrecken rasch und spürte Wut aufsteigen. Jemand hatte seinen Baum ruiniert, hatte ihn böswillig derart beschädigt, dass er wahrscheinlich einging!

Es musste mit einem Eisen passiert sein. Und mit brutaler Gewalt.

Sam Forrest besichtigte den Tatort aus der Nähe. Er suchte nach Spuren und Hinweisen, die ihm den Täter lieferten. Oder wenigstens einen Fingerzeig gaben.

Der Rasen, gerade unter den Bäumen schon sehr empfindlich, war an mehreren Stellen aufgerissen. Die blanke Erde zeigte sich im Lichtkegel der Taschenlampe, charakteristischer Geruch entstieg dem Boden.

Abdrücke von Schuhen sichtete Sam Forrest nicht. Wohl aber andere.

Es konnten nur Tatzenabdrücke von einem riesigen Tier sein.

Und das überstieg sein Begriffsvermögen. Zunächst jedenfalls.

So große Tiere gab es überhaupt nicht. Bären vielleicht. Aber die lebten ein paar hundert Meilen weiter nördlich, und ganz bestimmt mieden sie bewohnte Gegenden wie die Pest.

Und wie hätte ein so gewaltiges Tier auch in den Garten geraten können?

Sam Forrest richtete den Lichtstrahl auf den zerfetzten und zerfaserten Stamm.

In seinem Kopf entstand die zwanghafte Vorstellung, es könnte sich um einen Kratzbaum eines Raubtieres handeln. In den Rocky Mountains hatte er mal gesehen, wie Pumas eine Zeder zugerichtet hatten. Um die Krallen zu schärfen, hatte der Wildhüter erklärt.

Ein seltsamer Laut ließ Sam Forrest herumwirbeln.

Wie ein Schnarren und Fauchen hörte es sich an.

Dort am Zaun bewegte sich etwas!

Sam leuchtete hin. Vor Entsetzen ließ er fast die Taschenlampe fallen.

Bei den Büschen stand ein unvorstellbar großer Tiger und blinzelte aus grün funkelnden Augen herüber.

Plötzlich duckte sich die Bestie, für deren Vorhandensein Sam Forrest keine Erklärung einfiel.

Der Tiger duckte sich zum Sprung! Nur das begriff er.

Er wollte weglaufen. Aber er konnte die Füße nicht heben. Sie schienen mit dem Boden verwachsen zu sein.

Der Tiger sprang, und Sam Forrest stieß einen Schrei der Angst aus.

Er spürte noch einen Schlag auf der Brust.

Dass ihm der gewaltige Tiger mit einem Tatzenschlag die Brust öffnete, nahm er nicht mehr wahr.

Fünf Minuten später fanden Nachbarn, die der entsetzliche Schrei alarmiert hatte, Sam Forrest auf dem Rücken in seinem Garten liegend.

Er war tot.

Sein Brustkasten war eine einzige weit klaffende Wunde.

Wie es aussah, war ihm das Herz herausgerissen.

*

In dieser Nacht machte sich die Polizei bei Sam Forrests Nachbarn noch ziemlich unbeliebt. Sie begann in scharfer Form unbequeme Fragen zu stellen. Ob jemand vorbestraft sei. Oder wer in den vergangenen zehn Jahren in einer Nervenklinik behandelt worden war.

Wissen wollte sie auch, wer eine Macke hatte. Oder von wem man annahm, dass er geistig nicht auf der Höhe war.

Sie ging überhaupt sehr indiskret vor, und so mancher Nachbar konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, die Polizei mache ausgerechnet ihn dafür verantwortlich, dass Sam Forrest allein gelebt hatte.

Gesehen hatte niemand etwas.

Und die Frage nach besonderen Wahrnehmungen beantwortete ein Mann schließlich ergrimmt sinngemäß etwa so, dass man in einem Viertel lebe, in dem es unüblich sei, irgendwelche Wahrnehmungen zu machen.

Der Polizeiarzt gab die Leiche nicht zum Abtransport frei, schüttelte ein ums andere Mal den Kopf und beteuerte, so etwas sei ihm in seiner dreißigjährigen Praxis noch nicht untergekommen.

Wodurch aber Sam Forrest zu Tode gekommen war, dazu mochte er sich konkret nicht äußern.

Einzig die Spurensicherungsabteilung konnte greifbare Ergebnisse vorzeigen.

Eine riesige Raubkatze musste in die Gärten eingedrungen sein. Dafür gab es unwiderlegbare Spuren, die alle sorgsam nummeriert waren. Spuren im zerfetzten Rasen, Spuren am Baumstamm von gewaltigen Krallen, und den Abdruck von Tatzen in einem Blumenbeet am Zaun. Von dort aus hatte die Raubkatze ihr Opfer angesprungen.

Der Leiter der Mordkommission hatte den verständlichen Wunsch, zu erfahren, um welche Art Raubkatze es sich handelte. Er ließ weitere Scheinwerfer aufstellen und nach Tierhaaren suchen.

Es wurden keine gefunden, was der Polizeiarzt als überaus seltsam empfand. Wenigstens entsann er sich eines Mannes in der Stadt, von dem es hieß, er hätte einige Jahre seines Daseins als Großwildjäger zugebracht.

Es war natürlich mächtig spät, es ging auf Mitternacht, und der Polizeiarzt hatte seine Bedenken.

Der Leiter der Mordkommission hatte die nicht. Er war überhaupt ein Mann, der wenig Zartgefühl zeigte. Unablässig trieb er seine Leute an. Gerade, als stünde er unter dem Zwang, bis zum Morgen den rätselhaften Mordfall lösen zu müssen.

Er deutete auch an, dass es sich wahrscheinlich um einen Unfall mit tödlichem Ausgang handeln könnte, und dass er und seine Leute dann eine Menge Zeit unnütz vertan hätten.

Überhaupt schien die Unfalltheorie eine Lieblingsidee von ihm zu sein. Er führte ein energisches Gespräch mit einem Kollegen im Stadthaus und gab den Auftrag, überall herumzutelefonieren, ob nicht aus einem Tierpark oder einem privaten Gehege eine ausgewachsene Raubkatze ausgerissen war.

Auch wollte er wissen, ob ein Zirkus in der Stadt oder in der Umgebung gastierte oder kürzlich durchgekommen war.

Gründlich war er jedenfalls. Nachdem er den Polizeiapparat angekurbelt hatte, besann er sich auf den Großwildjäger, den ihm der Arzt schmackhaft gemacht hatte.

Es dauerte zehn Minuten, bis die Anschrift bekannt war, und fast eine Stunde, bis der Mann zur Stelle war. Er wohnte am anderen Stadtende und machte ein paar beleidigende Bemerkungen zu der Methode, einen freien und unbescholtenen Bürger zu nachtschlafender Zeit mit dem Streifenwagen abholen zu lassen.

Der Leiter der Mordkommission betrachtete sich den Mann von oben bis unten und zurück und argwöhnte, der Mensch müsste sich zu lange in den Tropen aufgehalten haben. Er wirkte ausgedörrt und dürr. Seine Haut war über und über mit Falten bedeckt, und ließen es kaum zu, zu erraten, wie alt sein Gegenüber wirklich war.

Wahrscheinlich hatte er nie Großwild gejagt, dachte er sarkastisch, weil die Tiere sich bei seinem Anblick schon totgelacht hatten.

Entgegen allen schlimmen Erwartungen schien der Bursche aber etwas von Raubkatzen zu verstehen.

Er betrachtete lange die Stelle im Blumenbeet, ließ einen Gipsabguss machen und erklärte dann, hier hätte ein Tiger seinen Absprung gemacht.

„Tiger? Sind Sie ganz sicher?“, vergewisserte sich der Leiter der Mordkommission.

„Ganz sicher.“ Der verschrumpelte Großwildjäger nickte wichtig. „Ein Löwe schlägt seine Beute im Lauf. Ein Puma springt aus dem Baum oder vom Felsen auf sein Opfer. Für einen Leoparden sind die Eindrücke nicht tief genug. Also bleibt nur ein Tiger. Kapitales Tier. Zwei bis zweieinhalb Meter lang, mindestens vier Zentner schwer.“

„Hören Sie, das sind europäische Maßangaben!“, hielt der Leiter der Mordkommission dagegen.

Den Großwildjäger rührte es nicht. „Ihr Problem, Officer, nicht meines. Es ist ein Tiger, mein Wort darauf. Ein Maneater.“

„Ein was?“

„Ein Menschenfresser. Außerdem bin ich nicht blöd. Die Mordkommission hat sich hier breitgemacht, ein Polizeiwagen holt mich aus dem Bett, ich sehe einen Baum, an dem sich die Großkatze die Krallen geschärft hat, und dort liegt eine Gestalt unter einer Decke. Man braucht die Tatsachen nur zusammen

zuzählen. Der Tiger hat einen Menschen geschlagen.“

Der verschrumpelte Mann sagte das mit einer Bestimmtheit, die jede Ausrede überflüssig machte.

Dem Officer kam es vor, als wollte der Mann noch etwas anmerken. Jedenfalls blickte er auf die Decke, die über die Leiche von Sam Forrest gebreitet war. Ein sehr nachdenklicher und unzufriedener Ausdruck erschien in seinem Gesicht.

„Ist noch was? Ja, zum Teufel, wir haben einen Toten!“

Der ehemalige Großwildjäger rammte die Hände in die Hosentaschen.

„Ziemlich ungewöhnlich, dass er seine Beute liegen lässt“, sagte er. „Ein Tiger pflegt sie wegzuschleppen. Wo kommt der Tiger her? Und wo ist er jetzt?“

„Eine überaus intelligente Frage!“, versetzte der Officer sarkastisch. „Hätten Sie eine Idee, wo Sie schon so etwas wie Experte für wildgewordene Raubkatzen sind?“

Der verschrumpelte Mann nickte gelassen. „Hunde müssen her“, meinte er. „Ein Tiger hinterlässt eine deutliche Geruchsspur. Sie finden sie. Wann ist es passiert?“

„Vor etwas mehr als zwei Stunden.“ Der Officer sah eine Chance, in den Ermittlungen einen Riesenschritt voranzukommen.

„Dann finden Sie sie in jedem Falle. Drücken Sie die Daumen, dass es nicht regnet, Officer. Ich möchte nach Hause. Ich nehme doch an, dass Sie mir einen Wagen...“

„Können Sie das mit den Hunden übernehmen, Mister? Ich lasse welche herbringen. Ich war noch nie auf Tigerjagd, ich weiß nicht, wie man sie organisiert.“

Der Officer machte nicht gerade ein glückliches Gesicht zu seinen Worten. Und da hatte er schon gewonnen.

Zwar knurrte der Großwildjäger, er lehnte jedoch auch nicht rundweg ab.

Der Officer eilte zum Funktelefon und veranlasste, dass ausgebildete Suchhunde hergeschafft wurden. Bei dieser Gelegenheit ließ er die Fahndung ein schränken. Er habe einen Experten an der Hand, der habe sich stark dafür gemacht, dass ein Tiger den Mann umgebracht hätte.

Dieser wertvolle Hinweis führte indes auch nicht zu einem Ergebnis. Denn in der Zwischenzeit hatte man vom Stadthaus aus alle Zoos, Tiergärten und privaten Gehege im Umkreis von fünfzig Meilen angerufen oder Kollegen aus den Städten und Ortschaften hingeschickt. Wie es bis jetzt aussah, fehlte nirgendwo eine Raubkatze.

Ein Zirkus war seit Wochen nicht durchgekommen, weder durch Pittsburgh noch durch die benachbarten Städte.

Sicherheitshalber ließ der Officer speziell wegen eines Zirkusunternehmens sogar in den angrenzenden Staaten West Virginia und Ohio nachfragen.

Aus dem Mund des Lieutenants, der im Stadthaus die Aktion koordinierte, hörte er ein paar grimmige Bemerkungen. Sie kümmerten ihn nicht. Wenn der Lieutenant die neue Aktion richtig ankurbelte, durfte er dafür sogar pampig werden.

Es war schon weit nach Mitternacht, als endlich die angeforderten Hunde eintrafen.

Irgendwie hatten etliche Zeitungsleute etwas spitzgekriegt. Nun lauerten sie wie die Aasgeier auf eine Sensation, und obendrein versuchten sie, in das Haus von Sam Forrest einzudringen. Von der Straßenfront her.

Der Officer ließ sie hinauswerfen und stellte einen Polizisten vor die Tür. Der Mann erzählte ihnen dann, was sie wissen wollten.

Sie gaben sich mächtig enttäuscht. Es war nichts mit dem großen Knüller. Kein Mord. Ein Unfall aller Voraussicht nach. Jemand hatte seinen Haustiger losgelassen, und das Biest hatte sich ein Opfer geschnappt.

Das gab gerade eine Meldung für die Morgenausgabe.

Während die Zeitungsleute noch den Polizisten vor der Haustür bedrängten, setzte der Großwildjäger die drei Suchhunde auf die Tigerfährte, und zwar in umgekehrter Richtung.

Er wollte wissen, woher der gefährliche Räuber gekommen und wie er in die Gärten gelangt war.

Der Officer dachte zwar, dass das die nebensächlichste Sache auf der Welt war, weil er aber die Dienste des verhutzelten Burschen benötigte, machte er eine ausdruckslose Miene und hielt den Mund.

Lange jedoch nicht, denn dann klappte er ihn auf und schloss ihn auch so rasch nicht wieder.

Die Hunde zerrten nämlich ihre Führer erst einmal zu dem Baum, der so erbarmungswürdig zugerichtet war. Dann zu der Leiche, und dann am Zaun entlang zu Forrests Garage. Dort jaulten und winselten sie zum flachen Dach hinauf.

Zunächst einmal war klar, dass der Tiger über die Garage gekommen war.

Starke Handlampen mussten her. Die Stelle wurde gefunden, wo der Tiger herabgesprungen war. Damit stand fest, er war von der Straße gekommen.

Der Tigerexperte ließ die Hunde vor das Haus bringen. Sofort gingen die Zeitungsleute mit Notizblock oder Kamera und Blitzgerät in Position.

Und dann ergab sich die erste Ungereimtheit. Die Suchhunde konnten nämlich nur fünfzehn Schritte weit die Tigerfährte durch Forrests Vorgarten verfolgen. Dann endete sie wie abgeschnitten. Jaulend irrten die Hunde herum.

„Was bedeutet das?“, fragte der Officer.

Ratlos hob der Großwildjäger die Achseln: „Ich weiß es noch nicht, aber bestimmt nichts Gutes“, meinte er.

Er ließ mit den starken Handlampen leuchten. Wo die Tigerfährte endete, setzte sich eine Schuhfährte von einem Menschen zur Straße hin fort.

Bald fünf Minuten starrte der verhutzelte Mann auf die unglaubliche Bescherung. Dann erläuterte er dem Officer: „Jemand ist von der Straße gekommen, und wenn’s nicht ganz und gar ausgeschlossen wäre, würde ich sagen, er hat den Tiger getragen und hier abgesetzt. Das ist natürlich Unsinn. Niemand kann ein vier Zentner schweres Biest tragen.“

Das war genau der Augenblick, in dem der Officer den Mund aufsperrte. Und es kam noch schlimmer.

Der Experte fuhr nämlich fort: „Ich verstehe bloß nicht, was aus dem Mann geworden ist. Seine Fährte führt nicht zurück. Er ist nicht über den Rasen zur Straße zurückgekehrt, und eine andere Möglichkeit hatte er doch bei Gott nicht. Kommt mir vor, als hätte er sich glatt in Luft aufgelöst.“

Einer der Hundeführer sagte gereizt: „Er wird auf die Platten getreten sein.“ Dabei wies er nach rechts.

Die Platten waren mehr als zehn Schritte entfernt.

„Da muss er aber einen Mordssprung gemacht haben“, zweifelte denn auch der Großwildjäger. „Hier kommen wir nicht weiter. Sehen wir mal zu, ob wir den Tiger aufspüren. Vom Garten aus hat er sich ja schließlich irgendwohin verdrückt.“

Das komplette Suchkommando wälzte sich durchs Haus zurück in den Garten und nahm dort wieder die Fährte auf.

Das war gar nicht so einfach, weil sich immer mehr Nachbarn eingefunden hatten und argwöhnisch dem Treiben der Polizei beiwohnten. Wenn es überhaupt eine fortführende Fährte gab, musste sie unter den Schuhen beträchtlich gelitten haben.

Die Hunde zerrten nach dem sechsten Anlauf ihre Führer auf eine Gruppe von Neugierigen zu. Erschreckt oder betroffen, je nach Einstellung, wichen die Leute beiseite. Dahinter war die nicht zertretene Tigerfährte in ihrer ganzen gefährlichen Pracht zu sehen.

„Ein bemerkenswertes Exemplar, wirklich!“ meinte der Experte. „Mehr als vier Zentner schwer. Sehen Sie, Officer, wie tief die Tatzen eingesunken sind?“

Der Officer sah es. Die Fährte führte mitten durch ein frisch geharktes Beet. Ein Mann von der Spurensicherung spannte Kordel um das Beet und schrie nach Gips, damit er die Abdrücke ausgießen konnte.

Es war erkennbar, dass der Tiger die Gärten in Richtung der Parallelstraße verlassen hatte. Wenn er nicht noch unter einem Busch steckte.

Vorsorglich ließ der Großwildjäger Pistolen bereithalten. Das waren großkalibrige Waffen, die auf kurze Distanz eine verheerende Wirkung anrichteten.

Sämtliche Beteiligten erlitten einen mittleren Schock, als sie sahen, dass die Tigerfährte mitten in einem langen Beet endete und von dort ab die Schuhabdrücke eines Menschen weiterführten. Genau auf die Ecke eines Anbaues zu.

Bei näherem Nachforschen zeigte sich, dass dort ein schmaler Durchlass zwischen Anbau und Zaun bestand. Wer oder was immer hier gegangen war, es hatte zwanzig Schritte weiter mühelos die Straße erreicht.

„Ich glaube, ich spinne!“, fürchtete ein Hundeführer.

Der Großwildjäger ließ die Hunde auch vor dem Haus suchen, aber sie fanden nichts mehr.

Dem Officer brach der kalte Schweiß aus, als er die Konsequenzen der ungeheuerlichen Entdeckung bedachte und ihm die Unmöglichkeit aufging, seinen Vorgesetzten zu erklären, dass ein Mann mit einem Tiger das grässliche Ende von Sam Forrest verursacht hatte. Dass er die Bestie vielleicht doch getragen hatte.

Nur eines war sicher es sah verteufelt nach Mord und nicht nach einem Unfall aus.

Wo die Fährte wechselte, stierte er auf die Abdrücke der Tatzen und der Schuhe. Hilfesuchend wandte er sich an den Tigerexperten. „Gibt es das, dass ein Tiger sich Schuhe anziehen lässt?“

Dem Großwildjäger war die Sache längst unheimlich. „Nie davon gehört, und ich kann’s mir auch nicht vorstellen. Es trifft auch nicht den Sachverhalt, Officer. Egal, was Sie über die Sache sagen werden. Hier ist der Tiger gegangen die Abstände stimmen. Und hier plötzlich ein Mensch. Und zwar liegen die Abdrücke in den Abständen, wie ein Mensch die Füße zu setzen pflegt, wenn er’s nicht gerade eilig hat. Haut also nicht hin mit Ihrer Theorie, dem Tiger hätte man Schuhe übergestreift. Dann hätte er trotzdem seinen alten raumgreifenden Schleichschritt gemacht. Und davon sehe ich verdammt nichts.“

Er wandte den Kopf, als hätte er mit einem Schlag Angst. Und die nicht zu knapp.

Der Officer stand vor einem Rätsel. So langsam dämmerte ihm, dass er einen Fall in der Hand hatte, bei dem er den Verstand verlor, wenn er nicht höllisch aufpasste.

*

Ziemlich genau zehn Stunden später schlug der Lieutenant, der in der Nacht die Anfragen bei den Zoos, Tiergärten und privaten Raubtiergehegen und die Arbeit der Mordkommission im Fall Sam Forrest koordiniert hatte, wütend auf den Tisch. Er hatte drei Einsatzleiter bei sich versammelt.

Eine scharfe Nachlese hatte unwiderruflich erbracht, dass nirgendwo ein Tiger ausgerissen war. Auch keine andere Raubkatze, die groß genug war, einen Menschen umzubringen.

„Wie stellen Sie sich das eigentlich vor?“, pfiff er seine Untergebenen an. „In unserer Stadt lebt ein Irrer, der sich einen Tiger hält und die Bestie auf unschuldige Bürger loslässt, und Sie kommen daher und erklären mir, der wahnsinnige Knilch lasse sich nicht finden! Ich nehme das einfach nicht zur Kenntnis, haben Sie mich verstanden? Schaffen Sie mir den Kerl her!“

Cobbler hatte die Mordkommission geleitet. Wie es aussah, blieb der Fall Forrest bis auf weiteres an ihm und seinen Leuten hängen.

Er fingerte eine Zigarette aus der Packung, gab sich Feuer und blies seinem Lieutenant respektlos den Rauch unter die Nase.

Aber der war so wütend, dass er das gar nicht zur Kenntnis nahm.

„Sie verlangen mit anderen Worten ein Wunder, Sir“, meinte Cobbler unter

kühlt. „Sie wünschen einen Kerl auf dem Tablett serviert, den es gar nicht gibt! Ich fürchte, Sie haben den Bericht nicht genau gelesen.“

„Und ob ich das habe!“, giftete der Lieutenant. „Schlechte Ermittlungsarbeit, Cobbler!“

Die Handbewegung, die seine vernichtende Kritik begleitete, deutete an, dass sich Cobbler demnächst wohl wieder als Polizist auf Fußstreife betätigen konnte.

Die beiden anderen Einsatzleiter ahnten, dass ihnen ein ähnliches Schicksal drohte. Aufsässig sagte einer: „Wozu machen wir überhaupt unsere Arbeit, wenn Sie dann tun, als sei sie weniger als Dreck wert?“

Natürlich zog er die ganze miese Laune des Lieutenants auf sich.

„Was bei den ganzen Ermittlungen herausgekommen ist, sind Hirngespinste!“, entschied der Vorgesetzte. „Und Ihre Abteilung, Finch, macht darin keine Ausnahme. Alle Karteien stehen Ihnen zur Verfügung. Warum finden Sie diesen Wahnsinnigen nicht?“

„Er ist nicht im System, ganz einfach“, gab Finch zurück. „Im Gegensatz zu Ihnen müssen wir uns an der Wirklichkeit orientieren. Für hübsche Gedankenspielchen und anderen theoretischen Kram fehlt uns vielleicht das Gespür. Na ja, dafür haben wir ja Sie.“

Das war offene Rebellion!

Der Lieutenant guckte, als wollte er Finch wie einen toten Käfer mit der Stecknadel aufspießen und seiner Sammlung einverleiben. Und genau in diesem Moment sah er Cobbler hämisch grinsen.

Der hatte es gerade nötig! Die Galle kam dem Lieutenant hoch. Die Mordkommission hatte jede Menge Überstunden produziert und Kosten verursacht, und er musste vor dem Rechnungsausschuss der Stadt für diese Kosten geradestehen. Wenn er nicht den Täter oder wenigstens einen Verdächtigen vorzeigen konnte, gab es wegen dieser Kosten gehörigen Stunk. Wie immer, wenn die Polizei vermeintlich zu kostspielig arbeitete.

Allein schon der Gedanke an den Ausschuss genügte, um seinen Magen Ecken bekommen zu lassen. Diese Officer hatten ja keine Ahnung, womit er sich herumschlagen musste.

Er fasste den grinsenden Cobbler ins Auge. „So lustig wie Sie finde ich den Schwachsinn nicht, den Sie in Ihr Protokoll geschrieben haben. Nehmen wir doch die Sache mit der Spur. Entweder ist da ein Mensch in die Gärten eingedrungen, oder es war ein Tiger. Erzählen Sie mir aber nicht, mal sei es eine Tigerbestie und mal ein Mensch gewesen.“ Er griff sich ziemlich theatralisch an den Kopf. „Das hält mein Verstand nicht aus.“

Unbeeindruckt meinte Cobbler: „Das sagen aber die Spuren, und zwar einwandfrei. Meine Leute haben nur die Tatsachen festgehalten. Dass dabei eine geheimnisvolle und ziemlich unglaubwürdige Geschichte herauskommt, ist nicht ihre Schuld. Wir sind dazu da, um Mordfälle aufzuklären. Für das Lösen von Rätseln sind wir nicht zuständig.“ Und Finch fügte kühl hinzu: „Ob’s Ihnen gefällt oder nicht, Sir, ich kann keinen Verdächtigen aus dem Ärmel schütteln. Wir haben alle Burschen knochenhart überprüft, die wir jemals wegen Mordversuchs oder Mordes am Kragen hatten. Einige brummen noch, andere sind draußen und führen sich gut, und alle haben so gut wie ein wasserdichtes Alibi. Fehlanzeige auf der ganzen Linie.“

Der jammervolle Seufzer des Lieutenants drückte aus, was er von Finchs Abteilung hielt.

Weil er Finch und Cobbler nicht beikommen konnte, nicht im Augenblick jedenfalls, knöpfte er sich den dritten Mann vor.

„Und Sie haben natürlich auch keine neuen Erkenntnisse gewonnen, Chandler, was?“

Zur allseitigen Verblüffung sagte der Mann: „Wie man’s nimmt, Sir. Kommt ja nicht alle Tage vor, dass sich die Gerichtsmedizin mit einem herausgerissenen Herzen herumschlagen muss. Ich habe heute früh das Zentralregister von Pennsylvania abgefragt und der Korrektheit wegen Anfragen an die Nachbarstaaten gerichtet.“

„Und? Zum Teufel, machen Sie es nicht so spannend!“

Chandler war mehr Wissenschaftler. Er ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Gelassen schlug er eine dünne Akte auf. Bogen wurden sichtbar, wie sie der Zentralcomputer ausspuckte.

„Vor zehn Tagen hatten sie in Ohio so einen Fall, wo einer jungen Frau das Herz herausgerissen wurde. In Indiana gab’s ebenfalls einen Fall. Da war das Opfer ein Rechtsanwalt. Und in Illinois waren es zwei Frauen. Die Spur zieht sich wie ein roter Faden aus dem Mittelwesten zu uns.“

Cobbler, Finch und der Lieutenant beugten sich vor. Die Gesichter drückten die übergroße Anspannung aus.

„Aber nicht einen Hinweis auf einen Tiger oder sonst etwas. Es gibt auch keine Augenzeugen. Die Kollegen stehen vor einem Rätsel“ Chandler blätterte um. „Die Überlegung ist ins Spiel gebracht worden, es könnte sich um die Taten religiöser Spinner handeln wie damals in Kalifornien, als Sharon Tate und die anderen so bestialisch umgebracht wurden.“

Er ließ seine Worten wirken.

Der Lieutenant zupfte aufgeregt am Ohrläppchen. „Das fehlte uns noch“, meinte er dann dumpf. „Gibt es irgendeine Tatsache, die diese Überlegung stützt?“

„Keine, Sir“, bekannte Chandler. „Das ist verdammt wenig. Aber schön, verfolgen Sie diese Möglichkeit. Schicken Sie Ihre Leute raus, spitzen Sie Ihre Verbindungsmänner an, arbeiten Sie mit dem Drogendezernat und mit der Abteilung für verbotenes Glücksspiel und illegale Prostitution zusammen, hören Sie herum, ob eine Sekte in der Stadt ist oder bis vergangene Nacht war, die durch Illinois und Indiana und Ohio gekommen ist. Da ziehen doch immer wieder solche Gruppen herum. Quetschen Sie die Leute aus.“ Der Lieutenant entwickelte Aktivität und eine Menge Gedanken. „Und denken Sie daran, dass wir es auch mit einem Zirkus zu schaffen haben könnten. Verfolgen Sie auch da alle Spuren.“

Finch nickte und machte ein Gesicht, als sei das alles ein Klacks.

„Wir werden jedem Fremden so kräftig auf den Schlips treten, bis er ganz fest daran glaubt, dass die Polizei von Pittsburgh der unfreundlichste Verein in den ganzen Staaten ist, Sir.“

Der Lieutenant guckte argwöhnisch. Er witterte Hohn.

Aber Finch machte ein kreuzbraves Gesicht, und auch Cobbler und Chandler schauten, als hätten sie noch nie ein Wässerchen trüben können.

Soviel Harmlosigkeit auf einem Haufen zerstreute allen Verdacht, die drei könnten sich auf seine Kosten lustig machen.

Drei Stunden nach dieser Zusammenkunft flatterte dem Lieutenant ein erstes mageres Ergebnis auf den Tisch.

Eine Sekte, die sich für irgendeine indische Heilslehre stark machte, war zum Zeitpunkt des zweifachen Mordes in Illinois gewesen. Auch anschließend in Ohio, als die junge Frau umgebracht wurde.

Und sie war hier in Pittsburgh auf gefallen. Weil sie nämlich Streit mit Polizisten bekommen hatte und mit Geschäftsinhabern und Passanten. Die Sektenmitglieder hatten in ziemlich dreister Art und Weise jeden um Almosen angeschnorrt, der ihnen in den Weg kam. Und da hatten sie den Bogen überspannt, und die in religiösen Fragen sonst sehr tolerante Polizei hatte ein schreiten müssen.

Aber die Leute hatten gestern um die Mittagszeit in drei fast schrottreifen Bussen die Stadt verlassen und bewegten sich auf Altoona zu. Das war überprüft.

Sam Forrest war erst ungefähr zwölf Stunden später auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen.

Die Stadt in Indiana, wo der Rechtsanwalt mit herausgerissenem Herzen aufgefunden worden war, hatten die Leute überhaupt nicht betreten.

Außerdem predigten sie Gewaltlosigkeit und faselten von ewigem Frieden.

All das passte nicht recht zusammen, befand der Lieutenant.

Er wollte jedoch nichts versäumen und schickte ein Fernschreiben nach Altoona, damit man die Leute dort verhörte.

*

Die Zeitungen von Pittsburgh brachten den Mordfall Forrest zunächst als Meldung. Dann begann ein Blatt, die schaurige Tragödie breitzuwalzen.

Ein findiger Reporter hatte der Polizei Konkurrenz gemacht und auf eigene Faust ermittelt. Er war auf etliche Ungereimtheiten gestoßen.

Erstens war aus Forrests Haus nichts gestohlen worden, zweitens war der Mann alleinstehend, und drittens hatte niemand einen Nutzen von seinem Tod.

Und Feinde hatte Forrest schon gar nicht gehabt.

Mithin fehlte jegliches Motiv.

Dann biss sich der Reporter an einer Tatsache fest, die die Polizei nicht dementieren konnte. Das war die Geschichte vom Vorhandensein zweier Spuren, die doch nur eine war.

Recht grimmig richtete der Reporter die offene Frage an die Polizei, ob denn nun ein Mensch oder ein Tiger den bedauernswerten Mann umgebracht hätte. Oder möglicherweise beide.

Der letzte Artikel war besonders bösartig, steigerte aber die Auflage des Blattes spürbar. Die Polizei war verschnupft.

Dann stellten sich die Folgen ein.

Plötzlich wollte fast jeder zehnte Bürger der Stadt nachts geheimnisvolle Schatten gesehen haben. Nicht eine Meldung hielt der ernsthaften Nachprüfung stand.

Am Abend des Tages, als der bösartige Artikel erschien, ging es dann auch mit den blinden Alarmen los. Bis zwei Stunden vor Mitternacht zählte die Einsatzleitung achtzehn Anrufe von aufgeregten und sehr besorgten Bürgern.

Überall wurde ein Tiger gesichtet. In einem Falle exakt zur selben Minute an vier verschiedenen Stellen der Stadt, die untereinander mehr als drei Meilen auseinander lagen.

In der Einsatzzentrale wünschten sie, den Reporter zwischen die Finger zu kriegen. Aber es half nichts, sie mussten die Streifenwagen reihum schicken.

In der Mehrzahl waren die vermeintlichen Tiger Hunde. Es wurden auch zwei Katzen verdächtigt. Drei Anrufer mussten den wütenden Polizisten gestehen, sich einen Jux erlaubt zu haben.

Die ganze Aktion brachte ein paar Anzeigen gegen Bürger wegen Irreführung der Polizei ein und einen Waschbär, der sich in die Stadt verirrt hatte und der aus einer vergitterten Kiste heraus verständnislos auf die ganze Aufregung blickte, die er ausgelöst hatte.

Nach Mitternacht gab die Einsatzzentrale im Stadthaus jedem Anrufer, der eine Raubtiersichtung meldete, den hinterlistigen Ratschlag, die Bestie mit Zucker zu füttern und in einer halben Stunde wieder zu berichten, wie das Tier sich nun verhielt.

Schlagartig ging die Zahl der Anrufe zurück. Es meldete sich auch niemand, der über den Erfolg oder Misserfolg der Zuckerfütterung etwas sagen wollte.

Ungefähr zu dem Zeitpunkt, als die Nachtbereitschaft der Polizei aufzuatmen begann, ging in der Nachtredaktion des Blattes, das dem Fall Forrest die Titelseite und eine ganze Artikelfolge widmete, ein Anruf ein. Ein Mr. Gulick meldete sich. Er sprach unheimlich aufgeregt, aber er machte präzise Angaben, buchstabierte seinen Namen und nannte seine Adresse und wollte dringend den Reporter sprechen, der seit Tagen der Polizei am Zeug flickte.

„Hören Sie, Mister Gulick, es ist zwei Uhr in der Frühe!“, gab ein Nachtredakteur zu bedenken. „Mister Tidball schläft jetzt, was ja auch mal sein gutes Recht ist. Sie können gern eine Nachricht für ihn hinterlassen ...“

„Holen Sie ihn aus dem Bett!“, sagte Mr. Gulick eigensinnig. „Egal, wie Sie das anstellen. Er soll herkommen.“

„Sie meinen jetzt? Sofort?“ Der Nachtredakteur fürchtete, dass Gulick nicht irgendein Freund von Zachary Tidball war, sondern ein elender Spinner.

„Auf der Stelle wenn er die Story seines Lebens haben will“, versetzte Ed Gulick. Er sprach keuchend. Etwas schien ihn in große Aufregung zu versetzen.

„Machen Sie ’ne Andeutung!“, lockte der Nachtredakteur. „Schließlich muss ich Tidball ja was sagen können, wenn ich ihn schon aus dem Bett hole.“

Ed Gulick zögerte merklich. Aber dann kam er doch damit heraus: „Sagen Sie ihm, der Tiger ist da, und er sei auf der richtigen Spur.“

„Soso, der Tiger!“, machte der Redakteur. „Ist er bei Ihnen?“

„Reden Sie kein Bull-shit!“, fauchte Gulick. „Ich weiß selber, wie blödsinnig es klingt, wenn weit nach Mitternacht ’n wildfremder Mensch anruft und behauptet, gerade spaziere ein Elefant oder ein Krokodil oder ein Tiger durch seinen Garten. Der Tiger, den ich sehe, klettert gegenüber auf dem Schrägdach vom Anbau meines Nachbarn herum, und dazwischen liegt die Lebanon Road in ihrer ganzen Breite.“

„Na, vielleicht ist der Tiger mondsüchtig!“, vermutete der Redakteur; der Spott troff aus seinen Worten. „Verständigen Sie besser die Polizei!“

„Das ist nichts für die Polizei“, beharrte Gulick. „Mister Tidball soll sofort zu mir kommen, und er hat die Story seines Lebens! Mann, ich weiß, was ich sage!“

Dem Redakteur kam der Anruf immer noch ohne Hand und Fuß vor. Andererseits hatte Tidball die unmöglichsten Bekannten und Freunde und Zuträger, und er wollte dem Reporter nichts vermasseln.

„Ich sehe zu, dass ich ihn wach kriege, Mann, aber versprechen kann ich wirklich nichts.“

„Er soll sich beeilen!“, verlangte Gulick noch einmal und legte auf.

Der Redakteur blickte auf die Notizen, die er sich während des Gesprächs gemacht hatte. Der Anrufer wohnte in West Mifflin; das war eine Vorstadt von Pittsburgh. Ganz unten im Süden. In der großen Schleife vom Monongahela River.

Zachary Tidball würde seine helle Freude haben!

Vielleicht wünschte er ihn auch in die Hölle, wenn er ihn wegen eines angeblichen Tigers auf einem Dach aus dem Bett klingelte.

*

Ed Gulick trat wieder ans Fenster und griff nach dem Fernglas, das er bereitgelegt hatte.

Den Tiger hatte er ganz zufällig entdeckt. Als er vor dem Zubettgehen aus alter Gewohnheit noch einmal auf die Straße geblickt hatte.

Es war üblich, dass er erst um diese Zeit zur Ruhe ging. Er war alt, und alte Menschen brauchten nur ganz wenig Schlaf.

Oder war es doch kein Zufall?

Er fühlte sich fast in die alten Zeiten zurückversetzt, von denen er geglaubt hatte, sie seien im Dunst der Vergangenheit verblasst.

Einst hatte er einen großen Namen gehabt. Kaido, der Hellseher.

Zwei Jahrzehnte lang war er durch die Weltgeschichte gereist und hatte seine Zuschauer und Zuhörer verblüfft. Er hatte nur ganz wenige Tricks eingesetzt, der Rest war seine natürliche Begabung gewesen, Dinge mitzuerleben oder zu begreifen, die sich zur selben Zeit viele Meilen entfernt abspielten.

Insofern waren die Ankündigungen auf seinen Plakaten natürlich Schwindel, er könnte in die Zukunft sehen. Möglich, dass es Menschen gab, die es konnten.

Er hatte diese Begabung nicht. Aber eine andere. Er erlebte Dinge mit, die ihn nichts angingen. Er hatte sehr darunter gelitten.

Dann war seine Frau in das Flugzeug gestiegen, das ein Verrückter mit einer Bombe sprengte. Um eine Lebensversicherungssumme zu kassieren.

Wäre er wirklich ein Hellseher gewesen, hätte er Ann zurückgehalten.

Aber das war er nicht. Er hatte nur ganz plötzlich den Absturz miterlebt. In höchster Todesangst hatten ihn Anns Gedanken erreicht, und da hatte er den Kontakt und erlebte die grauenvollen Szenen bis zum Aufprall auf der Erde mit.

Nach dem Unglück sagte er seine Tournee ab und trat nie wieder als Kaido, der Hellseher, auf.

Die schreckliche Begabung aber blieb ihm.

Und darum hatte er wohl den Blick gehoben, als er auf die Straße geschaut hatte. Sonst, das wusste er genau, spähte er nie zu den Dächern der Häuser gegenüber.

Heute hatte er es getan. Gerade, als hätte ihn dazu etwas aufgefordert.

Er setzte das Glas an die Augen und suchte den Tiger, von dem so viel und so vage geschrieben wurde.

Das Fernglas taugte nicht für die Nacht.

Ed Gulick stellte es aufs Fensterbrett und strengte seine alten Augen an.

Da die Bestie war noch da. Sie streckte sich auf dem Schrägdach, als hätte sie gerade ein Mittagsschläfchen gehalten und sei noch unentschlossen.

Besonders gut sah Ed Gulick das Vieh nicht, er bildete sich aber ein, dass die gewaltige Raubkatze den Kopf wandte und genau zu ihm herüberschaute.

Ed Gulick spürte einen solchen Anprall von Gier, Hunger und Blutdurst, dass er entsetzt vom Fenster zurücktrat.

Es nützte nur nichts. Die bösen Gedanken erreichten ihn auch in der Tiefe des dunklen Zimmers.

Dann entstand durch die gedanklichen Einflüsse des Tigers wieder das Bild in seinem Kopf, das ihn veranlasst hatte, den Reporter der Zeitung anzurufen.

Ein Mädchen! Es lag schlummernd in einem Bett. Es mochte zwanzig Jahre alt sein. Jetzt bewegte es sich unruhig, als würde es durch schwere Träume behelligt.

Ein dunkelhaariges Mädchen. Es hatte markante Gesichtszüge.

Wo sich das Zimmer befand, das wusste Ed Gulick nicht. Aber er hatte eine schwache Ahnung.

Drüben auf der anderen Straßenseite wohnten mehrere Familien, die von Hawaii gekommen waren. Es musste drüben in dem Haus sein, auf dessen Schrägdach der Tiger zu schleichen begann. Elegant, aber gefährlich. Eine Todesmaschine.

Ed Gulick wunderte sich nicht darüber, weshalb er das Mädchen sehen konnte. In dem Zimmer brannte garantiert kein Licht. Aber er sah es. Das heißt, das Bild entstand in seinem Kopf.

Es war seine unselige Begabung, an Geschehnissen teilhaben zu müssen, von denen er lieber gar nichts wissen wollte.

Das Mädchen warf sich herum. Als könnte es das nahende Verhängnis spüren.

Ed Gulick zwang das Bild aus seinem Kopf und konzentrierte sich gedanklich auf den Tiger. Mit der Bestie war etwas, und es war nicht normal.

Er war froh, bei der Zeitung angerufen zu haben. Hoffentlich kam dieser Zachary Tidball bald. Der Bursche schrieb zwar schwungvoll, im Leben schien er aber recht lahm zu sein.

Gulick verlor den direkten Blickkontakt zu der Raubkatze. Sie war auf dem Dach in einen ganz finsteren Schatten geraten. Er wartete darauf, dass sie wieder zum Vorschein kam. Den Gefallen tat sie ihm jedoch nicht.

Er versuchte jetzt, gedanklichen Kontakt herzustellen.

Das klappte. Der Tiger schlich geschmeidig auf ein Fenster zu, zu dem das Schrägdach hinaufführte. Er verharrte. Gerade, als lausche er.

Dann hob er die linke Tatze und streckte sie nach dem geschlossenen Fenster aus.

Aus der Tatze wurde im selben Augenblick eine menschliche Hand, extrem stark behaart und auch nicht sehr groß.

Die Hand fasste geschickt den Außengriff des Fensters und schob es ganz in die Höhe. Ein Windzug ließ eine Gardine aus der dunklen Öffnung wehen.

Der Tiger verharrte, die Hand verwandelte sich zurück.

Dann glitt der mächtige Tigerleib in das dunkle Zimmer.

Die Erkenntnis traf Ed Gulick wie ein jäher Blitzstrahl. Es war das Zimmer mit dem schlafenden Mädchen!

Er ächzte unter dem Ansturm entsetzlicher Eindrücke. Gier und Hass und Hunger nach Leben quälten sein Gehirn. Dann peitschte die unvorstellbare Angst eines Menschen hinein und ließ ihn taumeln.

Und dann spürte Ed Gulick gar nichts mehr.

Aber er wusste, dass der Tiger sich ein Opfer geholt hatte. Dort drüben in dem Haus. Ein Mädchen, das mit seiner Familie aus Hawaii gekommen war.

Nach einer Weile stolperte er zum Fenster und blickte hinaus, als sähe er diese nächtliche Straße zum ersten Male in seinem Leben.

Drüben waren alle Fenster dunkel. Niemand war wach geworden.

Auf dem Dach rührte sich nichts. Ed Gulick konnte den Tiger nicht aufspüren. Es gelang ihm nicht, Kontakt herzustellen.

Er schloss die Augen, um sich besser konzentrieren zu können. Er war aus der Übung. Mit allen Sinnen lauschte er.

Nichts. Es kamen keine Strömungen bei ihm an.

Als er die Augen öffnete, sah er drüben auf dem Gehweg einen Mann stehen, der über die ganze breite Straße genau auf sein matt erhelltes Fenster starrte. Er bewegte sich nicht, er stand nur da. Wie eine böse, unheimliche Drohung.

Ed Gulick empfand mit einem Schlag eine nie gekannte Angst.

Das war nicht Zachary Tidball, der Reporter. Das war das Böse. Das Grauen. Das Verderben.

Der Mann setzte sich in Bewegung und kam über die Straße. Genau auf das Haus zu.

Ed Gulick verfolgte die geschmeidigen Bewegungen. Genauso schleichend und gleitend hatte sich der Tiger auf dem Dach drüben bewegt.

Gulick spürte etwas, und im nächsten Moment zuckte er zusammen, als hätte ihm jemand einen Stahlnagel ins Gehirn getrieben. Der Mann da unten kam zu ihm!

Es war zwecklos, fortzulaufen. Er war zu alt. Und der Fremde war schon vor der Tür drunten.

Ed Gulick seufzte. Dann setzte er sich hinter den Schreibtisch und warf mit fliegender Hand Zeile um Zeile auf einen Briefbogen. Jedes Wort war eine wichtige Information.

Er zog einen Umschlag aus der Schreibmappe, blätterte in einem kleinen Kalender nach einer Adresse und schrieb sie auf das Kuvert.

Gerade hatte er den Briefbogen gefaltet und in den Umschlag geschoben, als er Geräusche vor der Wohnungstür hörte.

Rasch leckte er den Klebefalz an und pappte das Kuvert zu. Dann legte er eine entwertete Eintrittskarte in den Kalender.

„Die Tür ist auf“, sagte er mit gefasster Stimme. „Ich schließe nie ab.“

Der Türknopf drehte sich, langsam schwang die Tür nach innen.

Auf dem Flur brannte die Beleuchtung, hier im Wohnzimmer war nur eine Stehlampe eingeschaltet. Ihr gedämpftes Licht reichte nicht einmal in die Zimmerecken.

Ein hoher dunkler Schatten fiel ins Zimmer.

Dann wurde der Schatten kleiner, streckte sich, bis er überhaupt nicht mehr zu sehen war. Und dann glitt der Tiger um die Anerkannt und starrte aus grünlich phosphoreszierenden Augen auf den alten Mann hinter dem Schreibtisch.

Ed Gulick schob den Brief an den rechten Rand der Schreibplatte. Er nickte, er hatte es sich genau so gedacht, und er hatte es so niedergeschrieben. Hoffentlich fand man den Brief und kümmerte sich darum, dass er seinen Empfänger erreichte.

Für ihn war nichts mehr zu tun. Seine Zeit war abgelaufen.

Er bedauerte es nicht. Er hatte sein

Leben gelebt.

Als er den Tiger springen sah, dachte er an Ann und dass er nun bald bei ihr war.

Kein Laut kam über seine Lippen, als ihm ein fürchterlicher Tatzenschlag die Rippen zertrümmerte und die Brust auf riss.

*

„Hier ist es“, sagte der Nachtredakteur und deutete auf das Hans. „Die Nummer stimmt jedenfalls. In dem Punkt hat der Knabe nicht gesponnen.“

„Das will alles noch nichts besagen“, knurrte Zachary Tidball. „Von einem Tiger kann ich nichts sehen. Du etwa?“ Er war sauer. Erst hatten sie ihn aus dem Bett geklingelt, und dann hatte sein Chef bestimmt, er müsste los, die Sache sei vielleicht wichtig. Alles, was mit einem Tiger zusammenhing, sei von Bedeutung.

Na ja, Tidball hatte vor Mitternacht gehörig einen zur Brust genommen. Es konnten auch zwei oder drei mehr gewesen sein. Jedenfalls hatte er sich für fahruntüchtig erklärt.

Aber sein Chef war ein findiger Mann. Der hatte einfach den Nachtredakteur zum Fahrer für Tidball umfunktioniert.

Unterwegs hatten die beiden überlegt, ob sie den Namen Gulick kennen mussten. Tidball meinte, ihn mal gehört zu haben. Es war aber schon sehr lange her. Noch vor dem Beginn seiner Reporterlaufbahn.

Dem Nachtredakteur fiel zu dem Namen gar nichts ein.

„Oben brennt Licht“, brummte Tidball. „Könnte der Bursche sein. Also, ich geh mal rauf, und du wartest, klar?“

„Ja doch, ich bin deine Amme!“, spottete der Redakteur und sah Zachary Tidball über den Gehweg zum Haus schwanken. Ein paar Autos rauschten stadtauswärts. Eine Hupe dröhnte unverschämt laut.

Tidball erreichte die Haustür.

Der Redakteur sah ihn im Haus verschwinden und die Beleuchtung im Treppenhaus angehen. Es wunderte ihn, dass man hier nicht abschloss. Aber vielleicht hatte Gulick die Tür aufgesperrt. Er schien mit dem Kommen des Reporters fest gerechnet zu haben.

Achselzuckend lehnte sich der Redakteur zurück. Was ging’s ihn an? Es war ja nicht sein Haus.

Das Licht im Treppenhaus erlosch.

Die Zeit verstrich.

Er bereute schon, nicht mit hinaufgegangen zu sein. Allein im Wagen war’s stinklangweilig, und die örtlichen Radiostationen hatten auch nichts drauf, was einen müden Mann munter machte.

Plötzlich nahm er eine Bewegung wahr. Ein Mann verließ das Haus. Er schaute nur ganz kurz her und ging in entgegengesetzter Richtung davon.

Seltsam, dachte der Redakteur, wie der geht! Als hätten sie ihm die Waden und die Kniekehlen geklaut!

Dann fiel ihm auf, dass überhaupt nicht die Treppenhausbeleuchtung angegangen war. Der Mann war im Dunkeln aus dem Haus getreten.

Na ja, vielleicht wohnte er schon eine halbe Ewigkeit hier und kannte sich so gut aus, dass er auf Licht verzichten konnte.

Aus Süden kamen Wagen herauf. Zwei Trucker machten stadteinwärts eine Wettfahrt. Der Redakteur sah in der Ferne den Mann mit dem seltsam Gang verschwinden.

Er blickte auf die Uhr. Es ging auf drei in der Frühe.

Nach einiger Zeit wurde er ungeduldig. Er konnte sich nicht vorstellen, dass dieser Mister Gulick derart gesprächig war, dass er Tidball festnageln konnte.

Und es war nicht Zachary Tidballs Art, länger als eine halbe Stunde irgendwo herumzuhängen.

Der Redakteur gab ihm noch dreißig Minuten.

Immer wieder schaute er auf die Uhr. Der Zeiger der Borduhr wollte nicht vorwärtsrücken. Noch nie waren ihm Minuten länger vorgekommen als jetzt.

Von den zusätzlich zugebilligten drei

Details

Seiten
120
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783738904000
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v334832
Schlagworte
blake gordon tiger

Autor

Zurück

Titel: Blake Gordon #7: Der magische Tiger