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Morlands Horror-Kabinett: Vier Gruselromane

2016 500 Seiten

Leseprobe

Morlands Horror-Kabinett: Vier Gruselromane

von  A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 426 Taschenbuchseiten.

Vier Horror-Romane in einem Buch.

Gruselromane vom Feinsten! Atemloses Grauen von einem der größten Horror-Autoren Deutschlands mit einer Gesamtauflage von 45 Millionen Exemplaren.

Dieses Buch enthält folgende vier Romane:

Der Totenlord

Der schlafende Koloss - Tony Ballard Band 345

Abschaum der Hölle - Tony Ballard Band 346

Axayoss' Auftrag - Tony Ballard Band 347

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

DER TOTENLORD

von A. F. Morland

Während ihr Lebensgefährte Jerry nicht zu Hause ist, begegnet Janice einem Mann, der nicht nur hässlich, sondern auch unheimlich und angsteinflößend ist. Janice verliert durch diese Begegnung jeden Halt. Als  ein Makler ihr ein Haus auf einer Insel anbietet, überredet sie Jerry deshalb, das Haus zu kaufen und flieht mit ihm aus der Großstadt, um wieder Ruhe zu finden.

Wird ihr dies gelingen?

1

Es geschah in der Südsee, nahe den Tonga-Inseln.

Die riesige Höhle war von schrillen, disharmonischen Klängen erfüllt. Alte Weiber standen Spalier. Sie hatten ausgemergelte Körper, eine runzelige Haut, zahnlose Münder. Sie waren zitternde Greisinnen, für die jeder Tag, den sie noch leben durften, ein Geschenk darstellte.

Sie klatschten in ihre knöchernen Hände und kicherten, als wären sie nicht normal.

„Wieder eine!“, kreischte eine der Greisinnen und lachte grell auf. „Der Totenlord ist unersättlich. Er kriegt nie genug.“

Die Alte, die neben ihr stand, raufte sich das strähnige Haar. Ihre Augen lagen in tiefen grauen Höhlen. Die Nase war eingesunken. Ihr Gesicht hatte Ähnlichkeit mit einem bleichen grinsenden Totenschädel.

„Ja, ja, der Totenlord!“, krächzte sie. „Möge unserem Herrn und Gebieter ein langes Leben beschieden sein!“

Die Greisinnen stampften begeistert mit ihren nackten Füßen auf den Boden, als zwei kräftige Kerle mit finsteren Gesichtern und bronzefarbener Haut ein blutjunges Mädchen an ihnen vorbeiführten.

Die Männer trugen um die Lenden einen Baumwollschurz. Sonst waren sie nackt. Wie Stahltrossen spannten sich ihre Muskeln unter der glänzenden Haut.

Pamela, so hieß das blonde Mädchen, das sie mit festem Griff gepackt hatten, stemmte sich immer wieder verzweifelt gegen den Boden.

„Weiter!“, befahlen die Männer erbarmungslos.

„Ja!“, kreischten die Greisinnen. „Weiter! Vorwärts! Weiter!“

Pamela bäumte sich im Griff der kräftigen Kerle entsetzt auf.

„Ich will nicht!“, schrie sie aus Leibeskräften. „Ich will nicht sterben!

Lasst mich los! Lasst mich um Himmels willen los!“

Die Männer lachten böse. „Hier kann dir der Himmel nicht mehr helfen. In diese Höhle hat der Himmel keinen Zutritt.“

Pamela schnellte sich hoch. Es gelang ihr, den rechten Arm freizubekommen. Sie schlug dem zweiten Mann, der sie noch festhielt, mit der Faust ins Gesicht.

Der Kerl war so überrascht, dass er den Arm des Mädchens kurz losließ.

Als er gleich darauf wieder zupacken wollte, wirbelte Pamela herum und rannte los.

Die Männer fluchten wütend.

Pamela lief an den kreischenden Greisinnen vorbei.

Die alten Weiber hoben wütend ihre Fäuste. Sie versuchten das Mädchen aufzuhalten, stellten sich ihm in den Weg.

Pamela wich ihnen geschickt aus. Diejenigen, die sie mit ihren spindeldürren Fingern ergreifen wollten, stieß sie atemlos zurück. Einige der Greisinnen fielen zu Boden, heulten fürchterlich und erhoben sich umständlich.

Pamela jagte mit wehenden Haaren durch die Höhle. Die halbnackten Männer keuchten hinter ihr her. Pamela warf einen gehetzten Blick über die Schulter. Die Kerle holten auf.

In panischer Furcht mobilisierte Pamela alle verfügbaren Kräfte. Sie sah den Höhleneingang, groß wie ein Scheunentor. Und knapp davor wucherte der Dschungel mit seinen vielfältigen Gewächsen, der üppigen Vegetation, die vom Hibiskus über Orchideen bis zum Regenbaum reichte.

Wenn Pamela den Urwald erreichte, hatte sie vielleicht noch eine Chance.

Sie hatte keine Ahnung, wie sie auf diese Insel gekommen war. Sie erinnerte sich lediglich daran, dass sie zu Hause in der australischen Stadt Albany in eine rätselhafte Art von Trance gefallen war.

Seither hatte sie unwissend Dinge getan, die ihr von irgend jemandem befohlen worden waren. Erst auf dieser Insel war sie wieder zu sich gekommen, als diese kraftstrotzenden Kerle sie in Empfang genommen hatten.

„Preise dich glücklich, denn der Totenlord hat dich zu seinem Opfer auserwählt“, hatten die Männer gesagt, und dann hatten sie Pamela ergriffen und zu dieser schrecklichen Höhle geschleppt, in der es von alten Weibern nur so wimmelte.

Pamela erreichte das Ende der Höhle. Sie warf sich gleich darauf in die Dickichtwand. Atemlos schaute sie sich um. Ihr Vorsprung hatte sich geringfügig vergrößert.

„Pamela!“, riefen die Kerle wütend. „Bleib stehen! Es hat keinen Zweck! Wir erwischen dich früher oder später doch!“

Darauf wollte es das Mädchen nicht ankommen lassen. Sie zerteilte das saftiggrüne Blattwerk, drückte Zweige und Äste zur Seite, stolperte über Wurzeln, fing sich wieder, hastete weiter, immer tiefer in den Dschungel hinein. Kreischend flogen Vögel auf. Affen nahmen schreiend Reißaus. Pamela wühlte sich in großer Hast durch das Unterholz. Ihr Herz trommelte wie verrückt gegen die Rippen.

In ihrem ganzen Leben hatte sie noch niemals so entsetzliche Angst gehabt. Sie begriff nicht, was ihr widerfuhr. Das alles war ihr ein Rätsel. Ein Alptraum, aus dem sie liebend gern wieder aufgewacht wäre.

Doch es gab kein befreiendes Erwachen, denn was Pamela erlebte, war bittere Realität. Zweige geißelten ihr Gesicht. Dornen rissen ihre Haut blutig. Sie achtete nicht auf den Schmerz.

Weg! Weg! Nur weg! hämmerte es in ihrem Kopf.

Sie lief so lange, kämpfte sich so lange durch den Busch, bis ihre Kräfte sie verließen. Als sie nicht mehr weiterkonnte, ließ sie sich ausgepumpt auf den Boden fallen. Ihre heiße Wange lag auf feuchtem, fauligem Laub.

Sie hörte die Männer durch den Dschungel preschen. Die Verfolger legten keinen Wert darauf, sich lautlos vorwärtszubewegen. Irgendwelches Getier krabbelte über Pamelas Hand. Sie zuckte angewidert zurück.

„Pamela!“, riefen die Männer. „Wir kriegen dich!“

Das Mädchen presste sich verzweifelt auf die Erde. Sie wünschte sich, darin versinken zu können, doch der Boden tat sich unter ihr nicht auf. Und die Geräusche, die die Kerle verursachten, kamen immer näher, wurden immer lauter.

Die Verfolger waren ortskundig.

Und sie verstanden sich darauf, den Spuren eines Menschen zu folgen. Unbeirrt kamen sie auf Pamela zu. Das Mädchen presste bestürzt die Lider zusammen.

„Herr im Himmel, bewahre mich vor dem, was diese Männer mit mir Vorhaben“, flüsterte Pamela in ihrer großen Verzweiflung. „Gib mir Kraft, damit ich meine Flucht fortsetzen kann.“

Ein Ast knackte. Es klang, als wäre ein Schuss hinter Pamela abgegeben worden. Sie drehte sich um und sah zwischen grünen Blättern das bronzefarbene Gesicht des Insulaners auftauchen.

Verloren! schrie es in ihr. Jetzt bist du verloren!

Sie sprang auf.

„Der Totenlord wartet nicht gern, Pamela!“, sagte der Kerl.

Das Mädchen wirbelte herum und wollte weiterlaufen, aber da prallte sie gegen die Brust des zweiten Mannes, der lautlos wie ein Schatten hinter ihr aufgetaucht war.

Wie Stahlspangen umschlossen seine Arme sie sofort. Sie schrie wie von Sinnen und hörte den Mann teuflisch lachen. Es fehlte nicht mehr viel, um das verstörte Mädchen ohnmächtig werden zu lassen.

2

Die hässlichen Greisinnen jubelten. „Habt ihr sie, die kleine Ausreißerin! Dachte sie wirklich, euch entkommen zu können?“

Pamelas Widerstandskraft war gebrochen. Willenlos ließ sie sich von den Männern führen. Sie war zu sehr erschöpft, um sich noch einmal von diesen Kerlen losreißen zu können.

Die Höhle erweiterte sich. Pamela sah blakende Fackeln. Ihr Schein tanzte auf Skeletten, die im Hintergrund aufgeschichtet waren. Eine grauenvolle, unheimliche Szenerie.

Die schrillen, disharmonischen Klänge schwollen an. Sie schmerzten Pamela in den Ohren. Ihr Gesicht verzerrte sich. Und plötzlich riss der Lärm jäh ab. Eine unheilvolle Stille brach aus. Pamela empfand sie bedrückend und beklemmend. Ihre Augen suchten den Totenlord, zu dem sie gebracht werden sollte.

Die Männer waren mit ihr in der Mitte der kreisrunden Höhle stehengeblieben. An der Felswand, da, wo die Gebeine aufgeschichtet waren, bildete sich ein kleiner schwarzer Fleck.

Pamela blickte ihn gebannt an.

„Herr“, sagten die Männer, die sie festhielten. „Herr, hier bringen wir dein Opfer!“

Pamela erschauerte. Der schwarze Fleck wurde größer. Er löste sich von der Felswand, schwebte auf Pamela zu und wuchs währenddessen zu der Größe eines Menschen an.

Pamela bemerkte ein glutrotes Augenpaar, das sie aus dieser Schwärze heraus anstarrte. Ihr fiel auf, dass die Männer sie nicht mehr festhielten, und doch war es ihr nicht möglich, sich zu bewegen.

Aus der Schwärze schälten sich nach und nach immer deutlicher werdende Konturen. Und plötzlich stand ein schlanker, hochgewachsener Mann vor dem verblüfften Mädchen.

Er war bleich und hatte blutleere Lippen. In seinen Augen glitzerten Bosheit und Gemeinheit. Er schien in seinem ganzen Leben noch nie etwas Gutes getan zu haben.

Ein spöttisches Lächeln huschte über seine Züge. Er betrachtete Pamela, als stünde sie nackt vor ihm, und was er sah, schien ihm zu gefallen.

„Ich bin sehr zufrieden“, sagte er mit einer dumpfen, hohlen Grabesstimme. „Du erfüllst alle meine Erwartungen. Weißt du, wem du gegenüberstehst?“

„Man nennt dich den Totenlord“, presste Pamela zitternd hervor.

„Sehr richtig“, knurrte der Unheimliche. „Ich werde dich zu meiner Dienerin machen.“

Pamela blickte den Mann verwirrt an. „Ich werde nicht sterben?“

„Du wirst sterben, wenn deine Lebensuhr abgelaufen ist“, erwiderte der Totenlord. „Du wirst dein Leben nicht durch meine Hand verlieren, sondern aufgrund eines natürlichen Todes diese Welt verlassen und Einzug halten in den Unendlichkeiten des Schattenreiches.“

Pamela verstand nicht. War sie nicht als Opfer auserkoren worden? Hatte sie nicht damit rechnen müssen, dass man sie umbringen würde, als man sagte, man würde sie dem Totenlord opfern?

Sie atmete erleichtert auf. Wenn sie nicht sterben musste, würde es schon nicht so schlimm kommen. Wenn sie ihr Leben behalten durfte, würde sie mit allem anderen schon irgendwie fertig werden.

Sie schaute dem Totenlord unsicher in die Augen. Hatte der Unheimliche, der sich aus einem schwarzen Fleck gebildet hatte, auch wirklich die Wahrheit gesagt?

Pamela bemerkte, wie die Augen des Totenlords kleiner wurden. Sie nahmen eine andere Form an. Doch nicht nur sie veränderten sich. Auch der Kopf des Totenlords änderte sein Aussehen grundlegend.

Fassungslos beobachtete Pamela dieses Schauspiel. Der Schädel des Totenlords schrumpfte. Gleichzeitig wurde seine Nase größer. Sie wurde hart, schien plötzlich aus Horn zu bestehen, formte sich mehr und mehr zu einem scharfen Schnabel.

Als die Metamorphose, die nur wenige Augenblicke dauerte, abgeschlossen war, stand vor dem verstörten Mädchen ein Mann, der auf seinen Schultern einen Geierkopf trug.

Der Totenlord riss den gefährlichen Schnabel auf und stieß einen krächzenden Schrei aus, bei dem es Pamela eiskalt über den Rücken lief. Sie wollte die Augen schließen, wollte dieses Scheusal nicht mehr länger ansehen, doch die Augen des Totenlords zwangen sie, ihn immerzu anzustarren.

Der Unheimliche kam einen Schritt näher. Pamelas Herz trommelte wie verrückt gegen die Rippen. Hinter ihr standen die Männer, die sie hierher gebracht hatten. Sie wohnten diesem Grauen nicht zum ersten mal bei, verhielten sich still, um den Totenlord bei dem, was er vorhatte, nicht zu stören.

Pamela wollte sich umdrehen und ein zweites Mal zu versuchen zu fliehen, doch der Totenlord ließ es nicht zu. Er hatte sie fest in seiner geistigen Gewalt. Sie konnte nichts mehr tun, womit er nicht einverstanden war.

Er nahm telepathischen Kontakt mit ihr auf. Sie vernahm seine Stimme in ihrem Inneren.

„Öffne deine Bluse!“, verlangte er. „Nein!“, gab sie auf demselben Weg zurück.

„Gehorche!, sagte er ungeduldig. „Ich, ich habe Angst.“

„Du brauchst keine Angst vor mir zu haben“, gab ihr der Totenlord zu verstehen.

„Was hast du mit mir vor?“

„Das wirst du gleich sehen.“

„Ich will wieder nach Hause!“

„Hier ist jetzt dein Zuhause“, sagte der Totenlord. „Mach endlich!“ Pamela griff mit zitternden Fingern nach den Knöpfen ihrer Bluse. Sie entblößte nach und nach ihre vollen, üppigen Brüste. Sie tat alles wie unter Hypnose.

Auf ihrer Stirn lag eine Hitze, als hätte sie hohes Fieber. Mehr und mehr wurde ihr Wille ausgeschaltet. Bald hatte in ihrem Kopf nur noch das Platz, was der Totenlord ihr eingab.

Nun stand sie mit offener Bluse vor ihm. Sie sah, wie sein Geierkopf sich zu ihr herabbeugte. Es war ein widerlicher Schädel, aber Pamela ekelte sich nicht mehr davor.

In ihr machte sich ein unerklärbares Gefühl breit. Als erwarte sie von dem Unheimlichen eine Liebkosung. Als sehne sie sich danach, von jenem Schnabel berührt zu werden. Ihre Lider flatterten leicht. Ihre Nasenflügel bebten. Die Erwartung ließ ihre Nervenstränge vibrieren. Sie hörte sich selbst seufzen: „Komm! Komm, Herr und mach mich zu deiner Dienerin.“

Sie bemerkte, wie der scharfe Geierschnabel ihren Körper berührte. Das Horn drang ihr in die Brust und stieß gleich darauf gegen ihr Herz. Es gab Pamela einen kurzen Stich. Sie zuckte zusammen, wich aber nicht zurück.

Kein weiterer Schmerz folgte. Alles um sie herum wurde auf eine eigenartige Weise unwirklich. Pamela war nicht verletzt, und doch steckte der Schnabel des Totenlords in ihrer Brust...

Sie hatte den Eindruck, der Unheimliche würde trinken, und er trank tatsächlich, aber es war nicht ihr Blut, das er aus ihrem Körper sog, sondern ihr Leben, ihre Jugend.

Er bemächtigte sich mehr und mehr der Kraft ihrer Jugend, und im gleichen Maße, wie er durch ihr Leben aufblühte, verwelkte Pamela wie eine Blume im Zeitraffer. Ihre Haut wurde faltig.

Sie verlor die jugendliche Spannkraft, verlor Haare und Zähne, ihre Brüste wurden schlaff. Pamela wurde zur hässlichen Greisin. Der Totenlord hatte sie nicht belogen. Er nahm ihr nicht das Leben. Aber er nahm ihr so viel davon, dass ihre Tage von heute an gezählt waren.

Und bis das Ende dieser Tage erreicht war, würde sie dem Totenlord dienen, wie all die anderen Greisinnen, die vor noch nicht allzu langer Zeit noch hübsche junge Mädchen gewesen waren.

Der Totenlord war unersättlich ...

3

Hollywood.

Jerry Pool schlug dem Filmregisseur auf die Schulter und sagte: „Das wär’s dann also gewesen.“

„Ja, wir haben den letzten Take im Kasten. Du bist mit deiner Arbeit fertig. Du warst mal wieder einsame Spitze, Jerry. Hast dich mal wieder selbst übertroffen. Ich glaube, was wir gedreht haben, wird den Leuten gefallen.“

„Das hoffe ich.“ Pool grinste. „Schließlich machen wir die Filme nicht für unser Heimkino, nicht wahr?“

„Hast du schon weitere Pläne?“

„Vorläufig noch nicht. Erst mal fröne ich eine Zeitlang dem süßen Nichtstun. Ich bin schließlich nicht mehr der Jüngste.“

„Hör auf, ich wollte, ich wäre noch so agil wie du. Solltest du die Nase vom Nichtstun voll haben, lass es mich wissen, okay? Ich habe im Herbst was Größeres vor. Zur Zeit gibt es noch Besetzungsprobleme. Wenn ich dich kriegen könnte, wäre ich einen Großteil meiner Sorgen

los.“

Jerry Pool schmunzelte. „Wenn du mich engagieren willst, musst du dich an meinen Agenten wenden. Er wird dir sagen, ob ich annehme beziehungsweise überhaupt zu der Zeit frei bin.“

„Tja dann. Viel Spaß beim Nichtstun“, sagte der Regisseur und reichte Pool die Hand, die dieser lächelnd drückte.

Jerry Pool war seit zwanzig Jahren gut im Geschäft. Er hatte eine Menge Dinge getan, bevor er zum Film gegangen war. Er hatte Killerwale in Florida für die Touristen abgerichtet, war davor Lastwagenfahrer und davor Zeitungsverkäufer gewesen. Nach den Killerwalen hatte er sich in der Politik versucht, war aber gleich beim ersten Schritt in die Öffentlichkeit auf die Schnauze gefallen. Er hatte eingesehen, dass das nicht seine Lebenserfüllung sein konnte, hatte Schallplatten mit einem ausgeflippten Star besungen und war schließlich als Stuntman beim Film gelandet.

Er war einer der todesmutigsten Doubles gewesen.

Eines Tages hatte einem Regisseur sein Gesicht gefallen, und damit hatte er den Sprung auf die Leinwand geschafft. Es gab einen Dreijahresvertrag mit nicht besonders viel Geld. Dafür aber war Jerry Pool mit einem Prozent an den Einspielergebnissen beteiligt. Da die Filme, die er gemacht hatte, auf der ganzen Welt gut angekommen waren, war sein Bankkonto erstaunlich schnell gewachsen.

Jerry hatte es verstanden, sich niemals für ein Fach festlegen zu lassen. Er spielte Seeräuber, Bösewichte, Frauenhelden, komische und tragische Figuren. Er machte Western genauso wie Krimis und Gesellschaftsfilme, und das Publikum nahm ihm alles ab, vergötterte ihn und kam in Scharen ins Kino, wenn einer seiner Streifen lief.

Heute war Jerry Pool fünfzig, Er besaß so viel Geld, dass er nicht mehr arbeiten musste. Er suchte sich aus, was er machen wollte und lehnte alles ab, wozu er keine Lust hatte. Er führte ein Leben, um das ihn viele seiner jüngeren Kollegen beneideten.

Mit seinem täglichen, sorgfältig abgespultem Fitnessprogramm hielt Jerry sich fit. Hinzu kam die junge Freundin, die er hatte, auch sie hielt ihn ganz schön auf Trab. Er hatte buchstäblich keine Zeit fürs Altwerden.

Pool verließ das Studio. Ein aufrechter Mann, groß, attraktiv, nicht zu übersehen. Mit breiten Schultern und markanten Zügen, die in den vergangenen Jahren zu einem Markenzeichen geworden waren. Er war dunkelhaarig, hatte eine fein geformte Nase, kleine Ohren und fast schwarze Brauen, unter denen blaue Augen strahlten.

Die Sonne blendete ihn, als er aus dem Studio trat. Er kniff die Augen zusammen.

Im gegenüberliegenden Studio wurden die Innenaufnahmen zu einem Wildwestfilm gedreht. Indianer lungerten im Schatten des Gebäudes und tranken Cola aus der Dose.

Jerry Pool blickte auf seine Armbanduhr. Es war gleich drei. Janice hatte versprochen, ihn abzuholen. Sie war noch nicht mal zwanzig. Dennoch fand Jerry, dass Janice ausgezeichnet zu ihm passte.

„Jerry!“, rief eine Fistelstimme. „He, Jerry! Warte einen Augenblick.“

Der Filmstar blieb stehen und wandte sich lässig um. Er kannte die Stimme. Sie gehörte Sid Goldman, seinem Agenten. Der kleine Dicke mit den kurzen krummen Beinen kam schwitzend auf ihn zugelaufen. „Hallo, Sid“, sagte Jerry.

„Ich komme soeben von Studio sieben“, keuchte Sid Goldman. „Hab da einen Schützling untergebracht. Ein wahres Sorgenkind, verstehst du? Kann noch nicht viel, hat die Nase erst in die Branche hineingesteckt und legt schon Allüren an den Tag, die nicht einmal du dir erlauben würdest. Kein Wunder, dass ihn der Regisseur und der Besetzungschef rausschmeißen wollten.“

Jerry Pool schmunzelte. „Ich bin davon überzeugt, dass du die Wogen wieder geglättet hast. Dafür hast du ja ein ganz besonderes Talent.“

„O ja, ich hab geglättet, was zu glätten war, aber glaube mir, es war nicht leicht. Und zu meinem Jungen habe ich gesagt, wenn er noch mal solchen Ärger macht, sind wir geschiedene Leute. Ich hole mir doch seinetwegen keinen zweiten Herzinfarkt.“ Der Manager wies mit dem Daumen auf das Studio, aus dem Pool gerade gekommen war. „Fertig?“

„Ja. Wir haben alles im Kasten.“

„Na prima. Eine Woche früher, als ihr gerechnet habt. Das finde ich großartig.“

„Es lief wie geschmiert.“

„Ihr hattet ein ausgezeichnetes Team beisammen. Bleibt es dabei, dass du jetzt für drei Monate Abstand halten willst?“

Pool nickte. „Darauf habe ich mich schon lange gefreut.“

Äußerst schade, denn in der Zeit gehen dir bestimmt einige gute Angebote durch die Lappen.“

Pool hob die Schultern. „Ich bin nicht interessiert, das weißt du.“

„Darf ich mal ein heikles Thema berühren?“, fragte Sid Goldman. Er blickte Jerry Pool dabei von der Seite her an und sah aus wie ein geprügelter Hund.

Jerry hatte einen seiner besten Tage. Er grinste, breitete die Arme aus und sagte: „Nur zu. Du bist mein Beichtvater, mein väterlicher Berater, mein inneres Gewissen. Wenn du nichts sagen dürftest, wer dann?“

„Jerry, irgendwann kommt bei jedem Filmstar der Tag, an dem er sich die Frage stellen muss, wie es mit ihm weitergehen soll. Soll er ins Fach der Alten hinüberwechseln, oder soll er noch eine Weile im Heldenfach bleiben. Ich will jetzt nicht behaupten, dass du alt aussiehst. Niemand sieht dir deine fünfzig Jahre an, aber so ganz taufrisch bist du eben auch nicht mehr. Wenn du ehrlich zu dir selbst bist, wirst du mir recht geben müssen. Ich hätte im Herbst einige Superangebote für dich, von denen dich das eine oder andere bestimmt interessieren würde. Gute Drehbücher. Hervorragende Partner. Erfolgsgarantie von der ersten Klappe an, verstehst du? Aber wenn ich dich da reinbringen möchte, müsstest du dich ein wenig aufmöbeln lassen. Ich bitte dich, krieg das jetzt bloß nicht in die falsche Kehle, Junge!“

Jerry Pool schüttelte nachdenklich den Kopf. „Aber nein. Ich bin ganz deiner Meinung, Sid.“

Goldman atmete erleichtert auf. „Tatsächlich?“

„Ich habe mir insgeheim auch schon Gedanken darüber gemacht.“

„Mit welchem Ergebnis.“

„Du meinst, es könnte nicht schaden, wenn ich mein Gesicht mal ein bisschen liften lassen würde.“

„Nur ein paar geringfügige Korrekturen. Eine Kleinigkeit wäre das. Wenn du möchtest, arrangiere ich alles, was dafür nötig ist, für dich. Du weißt, dass ich den bedeutendsten Gesichtschirurgen in den Staaten persönlich kenne. Ein Anruf von mir würde genügen ...“

Jerry Pool bewies einmal mehr, dass er ein Mann von schnellen Entschlüssen war. Er nickte.

„Okay, Sid. Ruf ihn an.“

„Im Ernst?“

„Würde ich es sonst sagen?“ Goldman lachte. „Du wirst es nicht bereuen, Jerry. In ein paar Tagen kannst du schon in der Klinik sein.“

„Je eher, desto besser.“

„Das ist auch meine Meinung. Du hörst heute noch von mir.“

Die beiden Männer wurden durch das Hupen eines Wagens unterbrochen. Goldman fuhr nervös herum. Jerry Pool lachte.

„Keine Sorge, Janice fährt dich schon nicht über den Haufen. Sie weiß, wie wertvoll du für mich bist.“ Sid Goldman wiegte den Kopf. „Du wirst anscheinend sesshaft. Seit einem Jahr dieselbe Frau an deiner Seite. Das ist eine großartige Leistung von dir.“

„Diesmal ist es Liebe“, sagte Jerry. Goldman nickte nur stumm dazu. Wie oft hatte er diese Worte schon aus Jerry Pools Mund gehört. Er nahm sie schon nicht mehr ernst. Dennoch sagte er sich, dass an dieser Verbindung mehr dran sein musste als an den vielen, die es davor gegeben hatte. Dafür sprachen die zwölf Monate, die Jerry und Janice Price nun schon zusammen waren.

Janice war ein blondes, blauäugiges Ding mit Sommersprossen auf der Nase. Sie filmte gelegentlich, ohne die Sache mit dem nötigen Ernst zu betreiben. Sie war gut gewachsen, hatte lange Beine, ausladende Hüften und eine aufregend schmale Taille. Ihr Busen war ein Blickfang, an dem kein Mann vorbeigehen konnte.

Das Starlett saß in einem weißen Cabriolet und winkte. Goldman winkte zurück und sagte zu Jerry Pool: „Ich will mich mit der Kleinen nicht verfeinden, deshalb werde ich dich ihr nicht länger vorenthalten.“

Jerry lief mit geschmeidigen Bewegungen auf das Kabrio zu. Er flankte über die Tür und rutschte an der Lehne des Beifahrersitzes hinunter.

Janice bot ihm ihre sinnlichen Lippen zum Kuss.

„Wie war der Tag?“, fragte sie.

„Angenehm“, gab er zurück. „Und bei dir?“

„Langweilig.“

Sie verließen das Filmgelände. Janice steuerte den Wagen wenig später den Sunset Strip entlang. Es herrschte starker Verkehr. Es stank nach Abgasen und staubte. Janice verzog verächtlich das Gesicht.

„Gott, wie ich diese Stadt hasse. Im Grunde genommen hasse ich alle Städte. Diese vielen Menschen machen mich nervös. Ihre Hektik widert mich an. Um wie viel schöner wäre es auf irgendeiner kleinen Insel. Nur wir beide. Du und ich. Kein Telefon. Keine Flugzeuge. Keine Autos. Keine Menschen. Wäre das nicht herrlich, Jerry?“

„Es wäre romantisch“, sagte Pool lächelnd.

Er bewohnte auf dem Sunset Strip ein Zwölf-Zimmer-Penthouse. Dort oben war Los Angeles noch am ehesten zu ertragen. Aber Janice hatte schon recht. Ein Haus auf einer Insel, das war auch Jerrys Traum.

Ein solches Haus suchte er, seit er mit Janice zusammen war.

„Erinnere mich daran, dass ich Hank Murdock mal wieder anrufe“, bat er seine Freundin. Murdock war ein guter Freund von ihm, und Makler. „Wenn man Hank nicht hin und wieder auf die Zehen tritt, vergisst er leicht.“

„Warum versuchst du’s nicht mal bei einem anderen Makler?“, fragte Janice.

Jerry Pool grinste. „Das würde Hank mir nie verzeihen. Nein, das kann ich nicht machen.“

Janice lenkte den Wagen in die Tiefgarage. Sie fuhren mit dem Fahrstuhl zur achtunddreißigsten Etage hoch und betraten gleich darauf das modern eingerichtete Penthouse.

Während Janice einen Drink für Jerry machte, telefonierte dieser mit dem Makler. Er wollte nichts Ausgefallenes. Es musste kein Schloss sein, sondern nur ein Haus in der Einsamkeit, wo er das Gefühl hatte, mit Janice allein zu sein. Aber im Moment wurde in dieser Richtung nichts angeboten.

Der Trend zur Einsamkeit, weg vom nervtötenden Trubel, war einfach zu groß. Das Angebot konnte die hohe Nachfrage nur zu einem geringen Prozentsatz decken.

„Ich denke an dich, sobald ich etwas hereinkriege“, versprach Hank Murdock.

„Ich kann mich darauf verlassen?“

„Aber ja. Sicher, Jerry. Habe ich dir nicht immer verschafft, was du haben wolltest? Du musst nur Geduld haben. Irgendwann klappt es damit ganz bestimmt.“

„Wir wollen’s hoffen“, sagte Jerry. „Grüße deine Frau und die Kinder , von Janice und mir.“

„Mach ich“, sagte Murdock und legte auf.

Jerry nahm von Janice seinen Drink entgegen. Sie setzte sich auf seinen Schoß und kraulte seine Nackenhaare, während er an seinem Whisky-Sour nippte. Schnurrend wie ein Kätzchen versuchte sie ihm beizubringen, dass die drei Monate, die sie nun vor sich hatten, prima für eine Weltreise genützt werden könnten.

Janice träumte mit offenen Augen von Kairo, Kalkutta, Peking und Tokio ...

Mitten in dieses Träumen hinein läutete das Telefon. Janice glitt von Jerrys Knie auf die weiße Ledercouch. Jerry nahm sein Glas zum Telefon mit. Am anderen Ende des Drahtes war Sid Goldman.

„Hör mal, Jerry, ich habe bereits mit Dr. Pamberton gesprochen. Du könntest morgen schon zu ihm rüber fliegen.“

„Wo wäre das?“

„Boston.“

„Schon morgen? Hm. Ich muss gestehen, das geht mir ein bisschen zu plötzlich.“

„Wir waren uns doch einig, je schneller, desto besser.“

„Ja, ja, nur ...“

„Du hast mit Janice noch nicht darüber gesprochen?“

„Nein.“

„Soll ich es für dich tun?“

„Nein, das mach ich schon selbst.“

„Was darf ich Dr. Pamberton ausrichten.“

„Dass ich komme“, sagte Jerry Pool. „Das ist ein Wort!“, lobte Sid Goldman.

Jerry legte den Hörer auf die Gabel und nahm einen großen Schluck von seinem Drink. Er wies mit dem Glas auf den Apparat. „Das war Sid.“

„Was wollte er?“

„Er hat etwas für mich arrangiert“, sagte Jerry Pool vage.

Janice musterte ihn beunruhigt. „Heißt das, aus den drei Monaten Pause wird nichts?“, fragte sie enttäuscht.

Jerry grinste. „Oh, daran wird nicht gerüttelt. Und ich bin auch im Prinzip für die vorgeschlagene Weltreise. Nur, wir werden sie erst in einem Monat antreten können.“

„Warum erst in einem Monat?“ Jerry erzählte ihr, was er vorhatte. Er rechnete damit, dass sie ihm eine Szene machte, aber sie hatte Verständnis dafür, dass er etwas für sein Aussehen tun wollte.

Vernünftig sagte sie: „Dein Aussehen ist dein Kapital.“

Sid Goldman arrangierte wieder einmal alles mustergültig. Er rief noch dreimal an. Danach gab es keine Unklarheiten mehr.

4

Tags darauf brachte Janice Price den Filmstar zum Flugplatz. Es gab keine Tränen, nur ein gezwungenes Lächeln und den Wunsch des Mädchens: „Alles Gute, Jerry. Hoffentlich erkenne ich dich wieder, wenn Dr. Pamberton sich deiner angenommen hat.“

„Du kommst in zwei Wochen nach, okay? Und in vier Wochen bummeln wir vielleicht schon über die Champs Elysees“, sagte Jerry Pool schmunzelnd. Er küsste seine Freundin zum Abschied. „Sollte einer der Pressefritzen wissen wollen, wo ich bin ...“

„Ich werde den Leuten schon irgendeine Lüge erzählen“, sagte Janice. „Mach dir keine Sorgen. Niemand wird erfahren, wo du wirklich bist.“

Jerry lachte. „Die Leute müssen schließlich nicht alles wissen, nicht wahr?“

Sein Flug wurde aufgerufen.

Er tätschelte Janices Wange und ging. Sie wartete, bis sein Flugzeug gestartet war und ging dann zu ihrem weißen Kabrio zurück.

Auf der Rückfahrt fiel ihr ein schwarzer Chrysler auf, der seit geraumer Zeit hinter ihr herzufahren schien. An der nächsten Kreuzung war rot. Janice beobachtete den Fahrer in dem schwarzen Wagen im Rückspiegel. Er war ein Ausbund an Hässlichkeit.

Seine Augen quollen weit hervor. Er hatte eine breite Nase, wulstige, feuchte Lippen, ein fliehendes Kinn und schwammige Wangen.

Sein Anblick rief bei Janice unwillkürlich eine Gänsehaut hervor.

Der Kerl hätte aus einem Hitchcock Film stammen können.

Janice überlegte, was sie tun sollte. Ihr Blick fiel auf das Autotelefon. Wen hätte sie anrufen sollen? Was hätte sie sagen sollen? Dass ein hässlicher Typ hinter ihr her war?

War er denn überhaupt hinter ihr her? Janice wollte das gleich mal feststellen. Sie fuhr einmal um das Viertel der Japaner, Little Tokio, auf dessen Höhe sie sich gerade befand.

Als nach dieser Runde der Mann mit den Froschaugen immer noch hinter ihr fuhr, war es Gewissheit, dass er nicht rein zufällig denselben Weg wie Janice hatte. Dem Mädchen wurde mulmig.

Was wollte dieser abstoßende Kerl von ihr?

Janice fand, dass es ein Fehler gewesen wäre, jetzt nach Hause zu fahren. Allein in der Zwölf-Zimmer-Wohnung, das hätte ihr nicht gefallen. Deshalb rief sie eine Freundin an und verabredete sich mit ihr zum Mittagessen.

Auf dem Weg zum Restaurant versuchte Janice, den Mann mehrmals abzuhängen, doch was immer sie auch anstellte, der schwarze Chrysler blieb hinter ihr.

Wie ein Leichenwagen! schoss es Janice Price durch den Kopf.

Sie schauderte.

In der Nähe des Sunset Strips verlor sie den schwarzen Wagen dann aus den Augen. Janice atmete erleichtert auf. Sie hoffte, den unheimlichen Kerl nie mehr wiederzusehen, doch ihre Hoffnung sollte sich nicht erfüllen ...

5

Es war Abend.

Nach dem Mittagessen war Janice mit ihrer Freundin zum Disneyland in Anaheim gefahren. Sie hatte Angst vor dem Alleinsein gehabt und hatte die Freundin deshalb so lange wie möglich an sich gekettet. Doch für den Abend hatte Susan eine Verabredung gehabt, die sie unbedingt einhalten musste.

Und nun war Janice allein.

Sie dachte wieder an den hässlichen Mann, den sie im Disneyland für eine Weile vergessen konnte. Sofort kehrte die Angst zurück, die sie vor dem Unheimlichen gehabt hatte.

Wenn sie an seine abstoßenden Froschaugen dachte, bekam sie eine Gänsehaut. Sie überlegte, wen sie jetzt anrufen könnte, doch es fiel ihr niemand ein. Gewiss, es hätte ein paar Kollegen gegeben, die sich gern mit ihr getroffen hätten, aber diese Typen wollten nicht bloß Konversation mit ihr führen. Die wollten mehr. Und dafür war Janice, seit sie Jerry Pool kannte, nicht mehr zu haben.

Jerry! Janice dachte an ihn, und plötzlich kam ihr ein Verdacht: Hatte Jerry einen Privatdetektiv damit beauftragt, sie zu beschatten?

Traute Jerry ihr nicht?

Unsinn. Niemals würde Jerry Pool so etwas tun. Das war unter seiner Würde.

Janice fuhr den Strip entlang und steuerte den weißen Wagen kurz darauf in die Tiefgarage hinunter. Ein unangenehmes Gefühl bemächtigte sich ihrer. Ihr war, als legte sich eine unsichtbare Hand um ihren Hals und drückte nun brutal zu.

Als ihr der Gedanke kam, der Hässliche könnte sich irgendwo in dieser Tiefgarage versteckt halten, sprang sie aus dem Wagen und rannte zu den Fahrstühlen. Ihr Puls raste.

Sie beruhigte sich erst wieder, als sie die Penthousetür hinter sich geschlossen hatte. Verschwitzt lehnte sie sich dagegen. Sie schloss die Augen und versuchte sich zu entspannen.

Mach dich nicht verrückt, redete sie sich ein. Es ist nichts. Niemand ist hinter dir her. Du bist in Sicherheit.

Obgleich sie sich das auch laut vorsagte, glaubte sie es nicht. Sie hatte das Gefühl, dass sie vor diesem Hässlichen nirgendwo sicher sein würde. Und sie fragte sich zum xten mal, was der Kerl von ihr gewollt hatte.

Aber auch diesmal wusste sie darauf keine Antwort. Angestrengt dachte sie nach. War ihr dieses Gesicht schon früher einmal begegnet? Bestimmt nicht. An diese Physiognomie hätte sie sich erinnert.

Janice versuchte sich eine plausible Erklärung dafür zurecht zu zimmern, dass der Fremde hinter ihr her gewesen war. Sie machte das, um sich endlich zu beruhigen, um den Mann zu vergessen.

Sie sagte sich, dass Jerry Pool ein weltberühmter Filmstar war und dass sie sehr oft an seiner Seite zu sehen war. In vielen Illustrierten und Zeitschriften war Janice mit Jerry abgebildet. Möglicherweise hatte der Mann sie auf dem Flugplatz erkannt und sich für sie interessiert, weil sie die Freundin von Jerry Pool war.

Das wollte Janice nur zu bereitwillig akzeptieren. So und nicht anders musste es gewesen sein. Schwamm drüber. Und keinen Gedanken mehr an den Hässlichen verschwendet!

Janice schlüpfte aus ihren Kleidern. Sie begab sich ins Bad und duschte. Danach ging sie, in einen weichen weißen Frotteemantel gehüllt, ins Wohnzimmer, um zu sehen, was die Fernsehanstalten an diesem Abend brachten.

Das Mädchen schaltete den Apparat mittels Fernbedienung ein. Sie zündete sich eine Pall Mall an und legte sich auf die Couch. Jerry Pool hatte die Decke des Wohnzimmers umbauen lassen, bevor er hier eingezogen war. Er wollte in diesem Raum tagsüber soviel Licht wie möglich haben, deshalb gab es in der Decke insgesamt fünf kreisrunde Löcher, die mit Plexiglaskuppeln abgedeckt waren. Die Kuppeln bündelten das Tageslicht und warfen es in den darunterliegenden Raum, wodurch dieser strahlend hell wurde.

Abends verglich Janice diese Öffnungen immer mit schwarzen Augenhöhlen, von denen sie unverwandt angestarrt wurde. Das Mädchen schaute dem Rauch nach, der von ihrer Zigarette aufstieg.

Plötzlich setzte ihr Herz einen Schlag aus.

Da!

War da oben nicht gerade eine vage Bewegung wahrzunehmen gewesen? Janice lag wie zu Eis erstarrt auf der Couch und blickte zur Plexiglaskuppel hinauf. Die Bewegung wiederholte sich nicht.

Nichts geschah.

War es nur eine Einbildung gewesen? Janice nahm noch einen Zug von der Zigarette und stieß diese dann nervös in den gläsernen Aschenbecher. Über den TV-Schirm flimmerte eine alte Show mit bekannten Stars, die Janice alle durch Jerry Pool persönlich kannte.

Das Mädchen sprang auf. Sie nagte nervös an ihrer Unterlippe. Kälte kroch in ihre Glieder. Angst quälte sie, und wieder musste sie an den Hässlichen denken. War er dort oben?

Janice massierte beunruhigt ihre Oberarme. Da  ein Knistern im Fernsehapparat! Janice wandte sich hastig um. Das Bild war gestört. Es verschwamm. Auch der Ton war plötzlich weg.

Dafür hörte Janice aus dem TV-Lautsprecher das unheimliche Keuchen eines Menschen. Sie wich entsetzt vor dem Apparat zurück, blieb unter einer der Plexiglaskuppeln zitternd und fröstelnd stehen, wagte nicht, den Kopf zu heben und nach oben zu sehen.

Sie brachte die Bild und Tonstörung mit der Wahrnehmung, die sie vorhin gemacht hatte, in Verbindung.

Und plötzlich war der Hässliche da. Ohne es zu merken, hatte Janice doch den Kopf gehoben. Sie blickte ihm nun direkt in die abstoßenden Froschaugen. Die Glaskuppel schien sein widerliches Gesicht zu vergrößern. Es war verzerrt. Hass und Gemeinheit loderten in seinem Blick.

Janice verlor vor Angst beinahe den Verstand. Sie hörte ein Mädchen schreien, ohne zu wissen, dass sie selbst es war, die schrie. Entsetzen würgte sie.

Sie wollte sich umdrehen und in einen anderen Raum laufen, doch der Kerl mit den Froschaugen entließ sie nicht aus seinem schrecklichen Bann. Janice hatte den Eindruck, eines der beiden hervorquellenden Augen würde mit einem mal zu brodeln anfangen.

Sie sah, wie sich das Auge, oder ein Teil davon, ablöste, die geschlossene Plexiglaskuppel durchdrang, als wäre sie nicht vorhanden, und langsam auf sie nieder schwebte.

Janice wankte.

Etwas, das wie eine bunt schillernde Seifenblase aussah, schwebte von dort oben herab. Janice machte zwei unsichere Schritte zurück. Die Blase sank vor ihrem Gesicht tiefer, immer tiefer, bis sie den Teppich erreichte.

Dort zerplatzte sie  jedoch nicht lautlos wie eine Seifenblase, sondern mit einem herzzerreißenden Schrei, der Janice durch Mark und Bein ging. Da, wo die Blase zerplatzt war, bildeten sich nun trübe, gelblichgrüne Schwaden. Sie mehrten sich, krochen suchend über den Boden.

Janice machte zwei weitere Schritte zurück.

Fassungslos beobachtete sie, was geschah. Aus den Schwaden ragten zeitweise dünne Arme mit schmalen Händen, deren Finger wie Krallen aussahen. Tappend glitten diese Finger über den Teppich.

Direkt auf Janice zu. Zwei, drei, mehr Arme schossen aus den Schwaden heraus. Janice wollte vor ihnen fliehen, doch sie hatte nicht die Kraft dazu. Die Hände packten das verstörte Mädchen an den Beinen.

Eiskalte Hände. Totenhände.

„Nein!“, stieß Janice verzweifelt hervor. „Großer Gott, nein!“

Der Hässliche stand oben auf dem Dach und regte sich nicht. Die Dinge hatten ihren unverrückbaren Lauf genommen. Janice konnte daran nichts mehr ändern. Sie spürte die Hände an ihrem Körper hoch krabbeln, war jedoch nicht in der Lage, irgend etwas dagegen zu tun.

Angewidert verfolgte sie den Weg der Hände.

Eisfinger legten sich in der nächsten Sekunde um ihren Hals, in dem das heiße Blut pochte. Ein schmerzhafter Druck. Janice schnappte verzweifelt nach Luft. Sie versuchte entsetzt, sich aus dem Würgegriff herauszuwinden.

Es gelang ihr nicht. Es brauste in ihren Ohren. Sie merkte, wie die Ohnmacht auf sie zuraste. In ihrer namenlosen Panik schlug sie wild um sich, doch diese Anstrengung hätte sie sich sparen können. Sie fruchtete nicht.

Unwahrscheinlich schnell tauchte das Mädchen in einen schwarzen Tunnel ein. Dann kam das große Vergessen ...

6

Der Unheimliche stieß auf dem Dach ein gepresstes, zufriedenes Lachen aus.

„Ich möchte nur wissen, warum sich diese jungen Dinger immer so sehr gegen das Unvermeidliche sträuben“, sagte er amüsiert. Spott tropfte von seinen Lippen. „Sie haben ja doch niemals eine Chance.“

Der Hässliche sah, wie Janice im Wohnzimmer zusammenbrach. Das reichte ihm. Mehr wollte er nicht sehen. Es hatte, wie immer, keine Probleme gegeben.

Zufrieden wandte sich der Mann um und öffnete wenig später die Tür zur Feuertreppe.

Ohne Eile ging er die Stufen hinunter. Wieder einmal war ein Großteil der Arbeit getan. Was nun noch zu tun blieb, war vor allem: Warten, bis sich der gesäte Keim von selbst entfaltete. Das würde verblüffend rasch gehen, und Janice würde in eine immer ausweglosere Krise schlittern, in der es zuletzt nur noch einen einzigen Lichtblick geben würde ...

Der Hässliche erreichte nach geraumer Zeit das Erdgeschoss.

Plötzlich vernahm er Schritte. Er schaute sich hastig um. Es gab keine Möglichkeit, sich zu verstecken.

Die Schritte erreichten die Tür. Gleich darauf wurde sie aufgestoßen. Ein Mann mit Eimer und Besen erschien. Der Portier. Eimer und Besen hatten seit Jahr und Tag hier auf der Feuertreppe, die kaum benutzt wurde, ihren Platz. Der Portier gähnte, stellte den Eimer ab, lehnte den Besen an die Wand und bemerkte erst dann den Hässlichen.

Obwohl das Gebäude achtunddreißig Etagen hatte, kannte der Portier alle Leute, die hier wohnten. Der Hässliche war ihm fremd.

„Sagen Sie mal, was machen Sie da?“, wollte er mit scharfer Stimme wissen.

Der Unheimliche schob die Hände in die Taschen und grinste. „Ich habe einen Besuch gemacht!“

„Und schleichen wie ein Dieb über die Feuertreppe!“, knurrte der Portier. „Bei wem waren Sie?“

„Tut mir leid. Das kann ich nicht sagen.“

„Wieso nicht?“

„Weil die Dame verheiratet ist.“

„Ach so einer sind Sie!, sagte der Portier grimmig. Er war ein schwerer Mann mit kräftigen Händen. „Der Sache wollen wir jetzt mal gleich auf den Grund gehen, fügte er hinzu. Er machte zwei schnelle Schritte auf den Fremden zu und wollte ihn am Kragen packen. „So einfach kommst du mir nicht davon, Bürschchen! Mit dir stimmt irgend etwas nicht. Du hast mehr Dreck am Stecken, als du zugibst. Ich hab einen Blick für so etwas.“

„Bleib mir vom Leib!“, zischte der Unheimliche.

Der Portier dachte nicht daran, sich einschüchtern zu lassen, doch in dem Moment, als er den Hässlichen packen wollte, geschah etwas, das ihm den Atem nahm ...

7

Janice schlug verwirrt die Augen auf. Träge fasste sie sich an die Kehle. Sie lag auf dem Rücken und blickte geradewegs zur Plexiglaskuppel hinauf. Der Hässliche war nicht mehr da.

Janice setzte sich vorsichtig auf. Sie hatte keinerlei Schmerzen im Hals. Verwundert erhob sie sich. Eigentlich hatte sie nicht damit gerechnet, noch einmal zu sich zu kommen.

Als diese eisigen Nebelhände sich um ihren Hals legten, hatte sie geglaubt, ihre letzte Stunde habe geschlagen. Und nun ... Sie konnte es nicht begreifen. Sie stand fest auf ihren Beinen, schwankte nicht, war nicht entkräftet, fühlte sich, als wäre nichts passiert.

Janice bückte sich. Sie suchte den Teppich ab. Sie fand die Stelle, wo die geheimnisvolle Blase mit einem markerschütternden Schrei zerplatzt war. Ein feuchter Fleck war noch da. Sonst nichts. Der Nebel hatte sich verflüchtigt.

Das Mädchen begab sich zur Hausbar und nahm sich einen doppelten Bourbon. Sie überlegte, ob es einen Sinn hatte, die Polizei anzurufen. Aber was hätte sie den Cops sagen sollen? Womit hätte sie das, was sie zu erzählen hatte, beweisen können?

Ihre Geschichte war so haarsträubend, dass sie niemandem zumuten konnte, sie bedenkenlos zu glauben. Allmählich zweifelte Janice selbst an ihrem Verstand. Vielleicht war das alles gar nicht passiert.

Möglicherweise gab es diesen hässlichen Kerl, der so verblüffende Dinge tun konnte, überhaupt nicht. Aber wie konnte sie sich solch einen Mann nur eingebildet haben?

Was sollte sie tun, wenn er wiederkam? War ein Anruf bei der Polizei doch angebracht? Janice nahm den Telefonhörer ab. Sie wählte die erste Ziffer, dann die zweite. Schließlich legte sie den Hörer wieder auf. Sie hatte Angst, sich lächerlich zu machen.

Es war nichts passiert.

Janice fühlte sich wie immer, und wenn sie Glück hatte, würde sie den Hässlichen nie mehr wiedersehen. Deshalb sparte sie es sich, die Polizei anzurufen.

Statt dessen trank sie noch einen doppelten Whisky.

8

Der Portier starrte auf die Hände des Unbekannten. Für einen kurzen Moment waren das keine Hände, sondern Klauen gewesen. Dicht mit Fell bewachsen und mit scharfen Krallen versehen. Doch nun waren es wieder nur Hände.

Der Portier fuhr sich benommen über die Augen. Sein Gegenüber nutzte die Gelegenheit, die sich ihm bot. Er schlug augenblicklich zu. Der Portier bekam einen harten Schlag in den Bauch. Er krümmte sich.

Der Hässliche ließ sofort die Linke am Kinn des Gegners landen. Den Portier warf es gegen die Wand. Er schlug mit dem Hinterkopf hart auf und rollte benommen die Augen.

Instinktiv merkte er, dass er dem Fremden nicht gewachsen war. Er versuchte dennoch das Blatt zu wenden, trat nach den Beinen des Hässlichen, verfehlte diese aber und kassierte einen neuerlichen Treffer, der ihn schwer zu Boden warf. Ehe er sich wieder sammeln konnte, rannte der Unheimliche weiter.

Als der Portier wieder auf die Beine kam, knallte eine Tür. Dann war nichts mehr zu hören.

Der Mann folgte dem Unbekannten. Er erreichte atemlos die Tür, die der Fremde hinter sich zugeworfen hatte. Er öffnete sie hastig. Vor ihm lag eine schmale finstere Gasse. Der Kerl schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Er war nicht mehr zu sehen, war anscheinend längst über alle Berge.

Der Portier, sein Name war Alec Moss, zerbiß einen Fluch zwischen den Zähnen. „Dieses Verbrechergesindel nimmt in unserer Stadt immer mehr überhand. Aber freu' dich nicht zu früh, Bürschchen. Noch bist du nicht aus dem Schneider.“

So schnell ihn seine Beine trugen, kehrte Alec Moss in seine Wohnung zurück. Er stürzte sich auf das Telefon und wählte den Polizeinotruf. Nachdem er seinen Namen und seine Anschrift genannt hatte, erzählte er dem Beamten von seinem Erlebnis.

Er beschrieb den Unbekannten so präzise, dass der Polizeizeichner ein Phantombild hätte anfertigen können.

„Wir werden uns darum kümmern“, versprach der Cop.

„Vielen Dank“, sagte Moss und ließ den Hörer auf die Gabel fallen. Er fletschte die Zähne. „Jetzt machen die Bullen Jagd auf dich, mein Junge. Und wenn sie dich haben, bin ich derjenige, der sich ins Fäustchen lacht, nicht du!“

9

Der Hässliche hörte die Polizeisirenen und wusste, dass sie ihm galten. Er überquerte hastig die Fahrbahn und setzte sich durch einen düsteren Durchlass ab.

Als er auf der anderen Seite herauskam, sah er Rotlichter, die nervös zuckten. Ein Patrol-car. Der Hässliche fluchte leise. Eine Nutte wurde auf ihn aufmerksam.

Sie lehnte an der Wand und hatte die Rechte lässig in die Seite gestemmt. Als sie den Hässlichen erblickte, rief sie zu den Bullen, die neben ihrem Fahrzeug standen und mit einer ihrer Kolleginnen sprachen: „He, Kameraden! Sucht ihr vielleicht den da? Der ist ja wirklich hässlicher als der Monatsletzte!“

Der Unheimliche wandte sich hastig um.

„Sie da!“, riefen die Cops.

Der Unbekannte reagierte nicht. Er beschleunigte seine Schritte.

„Mister!“

Der Hässliche begann zu laufen.

„Halt! Bleiben Sie stehen! Stehenbleiben!“, riefen die Cops. Der Hässliche hörte das Stampfen ihrer Stiefel. Er rannte die Straße entlang. Die Cops folgten ihm. Ein weiterer Streifenwagen kam angerollt. Der Hässliche überkletterte eine Ziegelmauer. Auf der anderen Seite befand sich nichts. Nur Unkraut. Brachliegendes Bauland, von einer Gesellschaft erworben, der vor Baubeginn schon die Luft ausgegangen war.

Wieselflink überquerte der Unbekannte das Grundstück. Die Cops warnten ihn. Wenn er nicht stehenbleiben würde, würden sie von ihren Schusswaffen Gebrauch machen.

Auch das überhörte der Unheimliche. Er verließ das Grundstück, wandte sich nach rechts und  geriet in eine Sackgasse, aus der es für ihn kein Entrinnen mehr zu geben schien. Sechs Cops kamen mit schussbereiten Waffen auf ihn zu. Er starrte sie mit seinen hervorquellenden Augen hasserfüllt an.

„Hände hoch!“, verlangten sie von ihm.

Er gehorchte nicht.

„Na wird’s bald, Freundchen? Pfoten hoch! Gesicht zur Wand!“

Er blieb so stehen, wie er dastand. Reglos. Wütend. Hechelnd. Die Cops streckten ihm ihre Waffen entgegen. Ihre Gesichter waren gespannt. In ihren Augen war der Entschluss zu erkennen, dass sie auf der Stelle abdrücken würden, falls der Kerl sie dazu zwang.

Stahlspangen blitzten.

Der Hässliche hatte dafür nur ein verächtliches Grinsen. Die Cops umringten ihn.

„Mach jetzt ja keinen Blödsinn, klar?“, wurde ihm gesagt. „Sei ganz artig, wenn du keine Prügel beziehen möchtest!“

Die Handschellen klickten und rasteten ein.

„So!“, sagte einer der Cops. „Und jetzt ab mit ihm aufs nächste Revier!“

„Ich komme nicht mit!“, knurrte der Hässliche.

„Du hast keine andere Wahl.“

„Doch. Die habe ich.“

„Hör mal, wenn du denkst, den Aufsässigen spielen zu können, wirst du dein blaues Wunder erleben!“

„Es war ein Fehler von euch, mich zu fangen!“, sagte der Hässliche. An seiner Schläfe pochte eine Ader. „Nehmt mir die Handschellen wieder ab, und zwar sofort.“

Die Cops blickten den Hässlichen zornig an. „Du hast wohl nicht alle Tassen im Schrank, Kleiner.“

Der Unheimliche funkelte die Polizisten feindselig an. Seine hervorquellenden Augen begannen mit einem mal rot zu leuchten. Die Cops staunten.

„Was hat der Knabe denn mit seinen Augen?“, fragte einer von ihnen.

„Den Trick musst du mir verraten“, sagte ein anderer. „Der ist äußerst effektvoll.“

Der Hässliche öffnete den Mund und ließ ein Knurren hören, das den Cops unter die Haut ging.

„Jetzt ist aber Schluss mit dem Theater“, sagte der älteste von ihnen verdrossen.

Der Unheimliche ließ die Zunge weit aus seinem Mund hängen. Der Mund verformte sich, wurde zu einer Schnauze, die sich blitzschnell mit struppigem Haar bedeckte. Fangzähne ragten aus den kräftigen Kiefern. Der Kopf bildete sich um und wurde innerhalb weniger Augenblicke zu einem Wolfsschädel.

Die Hände des Mannes wurden zu gefährlichen Pranken. Damit schlug er nach einem der Cops, nachdem er die Stahlspangen mühelos auseinandergerissen hatte. Der Uniformierte konnte nicht schnell genug ausweichen.

Die Krallen zogen breite Blutstreifen über sein Gesicht. Er stieß einen heiseren Schrei aus und fiel zu Boden.

Die Cops hatten es mit einem gefährlichen Werwolf zu tun. Sie richteten sofort ihre Revolver auf das Monster und drückten ab. Die Bestie brüllte auf. Nicht vor Schmerz, sondern vor Wut.

Alle Polizistenkugeln hatten ihr Ziel getroffen, konnten den Unhold jedoch nicht niederstrecken. Der Werwolf bahnte sich knurrend seinen Weg durch die Cops. Die Uniformierten flogen links und rechts zur Seite.

Der Unheimliche konnte ungehindert fliehen und im Schutz der Nacht untertauchen.

Einer der Beamten schüttelte fassungslos den Kopf. Alles Blut war aus seinem Gesicht gewichen. Verstört sagte er: „Das glaubt mir kein Mensch!“

10

Die Tonga-Inseln liegen zwischen dem 174. und dem 175. Grad westlicher Länge und dem 18. und dem 22. Grad südlicher Breite im südlichen Pazifischen Ozean, etwa 640 Kilometer südöstlich von den Fidschi-Inseln.

Auf einer dieser Tonga-Inseln lebte der britische Schriftsteller Harry Willker. Ein spleeniger Mann mit verblüffenden Einfällen, der seine Leser immer wieder aufs neue zu fesseln wusste.

Willker schrieb jedes Jahr ein Buch, das dann die Bestsellerlisten in der gesamten Welt hochkletterte. Nach seinen Romanen wurden bisher sieben Filme gedreht, die gleichfalls ein großer Erfolg gewesen waren.

Harry Willker war vor drei Jahren aus England fortgegangen. Er hatte London den Rücken gekehrt, um sich hier auf einer der malerischen Tonga-Inseln niederzulassen und wie im Paradies zu leben.

Hin und wieder flog er nach London, Amsterdam, Paris oder Rom, um sein neuestes Buch vorzustellen, doch die restliche Zeit verbrachte er in der Südsee. Seiner Meinung nach war es nirgendwo schöner.

Willker war ein drahtiger Mittvierziger mit vorstehenden Schneidezähnen, schmalen Hüften und langen schlaksigen Beinen. Im Smoking vermittelte er den Eindruck eines souveränen Weltmannes, der mit nichts in Verlegenheit zu bringen war.

Er traf sich an diesem Tag auf Tongatapu mit einem Mann, mit dem er Dinge besprechen wollte, die ihm im Augenblick sehr am Herzen lagen.

Tongatapu ist die größte und wichtigste Insel von Tonga. Sie ist 28 Kilometer breit und 14 Kilometer lang, korallinen Ursprungs und flach wie ein Brett. Sie ist im allgemeinen die einzige Insel der Tonga-Inselgruppe, die von Touristen besucht wird.

Der Mann, mit dem Harry Willker über seine Probleme sprechen wollte, war Brite wie er.

Seal Mills. Ein mit allen Wassern gewaschener Bursche, der eine leichte Hand fürs Geldausgeben hatte und deshalb immer knapp bei Kasse war, egal, wie viel er verdient hatte.

Mills war mal Boxer gewesen. Er hatte sich auf Jahrmärkten in England mit Saufbrüdern herum geprügelt, hatte später sein Glück als Artist mit einigen Jongliernummern versucht, hatte Geld gemacht und wieder verloren, war wieder zu Geld gekommen, die Sache war damals nicht ganz astrein gewesen, deshalb hatte er es auch vorgezogen, England so rasch wie möglich zu verlassen , hatte sich für dieses Geld einen Hubschrauber gekauft, der vor einem halben Jahr abgestürzt war. Daraufhin hatte er die Mühle wieder flugtüchtig gemacht, und flog seither auf Tonga in der Gegend herum.

Jeder konnte Seal Mills und seine knatternde Mühle mieten. Jeder, der genug Mut aufbrachte, sich in das mit Leukoplast zusammengeklebte Luftvehikel zu setzen.

Mills flog die Touristen von Nuku’ alofa nach Malae Kula  oder von Ha’amonga zu den Terrassengräbern von Mu’a. Hauptsache die Kasse stimmte. Wenn das der Fall war, konnte man von Seal Mills so gut wie alles verlangen.

Die beiden ungleichen Männer saßen einander auf der Terrasse eines Restaurants nahe dem Königspalast gegenüber.

„Möchten Sie noch einen Drink haben?“, fragte Harry Willker den Hubschrauberpiloten. Seal Mills grinste. „Ehe ich mich schlagen lasse.“

Willker schnippte mit dem Finger. Der Kellner kam.

„Noch mal dasselbe“, sagte Willker. Nachdem sie die eisgekühlten Drinks vor sich stehen hatten, meinte Mills: „Ich weiß nicht, wie,viel Zeit Sie haben, Willker. Aber ich finde, Sie sollten jetzt langsam zur Sache kommen. Weshalb haben Sie mich gebeten, hierherzukommen?“

„Ich möchte Sie und Ihren Hubschrauber haben“, sagte Harry Willker, während er das Glas zwischen seinen Händen drehte.

„Nichts leichter als das. Kein Problem. Sagen Sie mir, wohin Sie fliegen möchten, und Seal Mills bringt Sie zuverlässig hin, und holt Sie auch wieder ab, wenn’s gewünscht wird.“

„Bevor ich mich an Sie wandte, das möchte ich fairerweise nicht unerwähnt lassen, habe ich bereits mit einigen anderen Piloten gesprochen“, sagte Willker.

„Und? Haben die Sie alle abblitzen lassen?“

„Ja.“

„Weshalb? Soll’s ein Flug in die Hölle werden?“

„Nicht ganz. Aber doch in diese Richtung. Ich bin da einer Sache auf die Spur gekommen, die mich brennend interessiert.“

„Lassen Sie hören“, sagte Mills. „Mal sehen, vielleicht interessiert sie mich auch.“

„Seit vielen Jahren hält sich auf den Tonga-Inseln ein hartnäckiges Gerücht. Es ist von einem Dämon die Rede, der sich der Totenlord nennt.“ Seal Mills setzte sich mit einem schnellen Ruck gerade auf. „Von dem Kerl habe ich auch schon gehört. Was ist das für ein Bursche?“

„Er ist nicht von dieser Welt.“

„Nicht von dieser Welt? Gibt es denn noch eine andere?“

„Mehr, als Sie sich vorstellen können“, erwiderte Harry Willker. „Deshalb wäre es auch falsch, den Totenlord mit menschlichen Maßstäben zu messen.“

Mills grinste. „Mann, Sie machen mich neugierig.“

„Das Gerücht besagt, dass er auf einer einsamen Insel südlich von Tonga zu Hause ist“, fuhr der Schriftsteller fort.

„Er wohnt dort nicht allein, soviel ich weiß.“

„Bitte unterbrechen Sie mich nicht“, sagte Willker.

„Es fällt mir verdammt schwer, bloß zuzuhören“, meinte Seal Mills. „Aber ich werde mich zusammenreißen, okay?“

„Der Totenlord könnte in den Dimensionen des Grauens, aus denen er kommt, ewig leben, ohne sich ernähren zu müssen.“

„Warum ist er denn nicht da geblieben? Oh, Verzeihung.“

„Hier auf Erden baut er ständig von seinen Kräften ab. Er ist gezwungen, sich laufend zu regenerieren.“

„Und wie macht er das?“

Willker warf dem Piloten einen strafenden Blick zu.

Seal Mills hob bedauernd die Schultern. „Ich sag’s ja. Ich kann nicht einfach nur zuhören.“

„Es heißt, dass der Totenlord rangniedere Dämonen in alle Länder unserer Erde entsandt hat. Seine, nennen wir sie Agenten. Also seine Agenten sind ständig auf der Suche nach blutjungem Leben. Ich weiß nicht, wie die Schergen des Totenlords es anstellen, aber es scheint festzustehen, dass es ihnen immer wieder gelingt, ihrem Herrn ein neues Opfer zuzuführen.“

„Blutjunge Menschen?“

„Mädchen.“

Seal Mills lachte. „Der Typ ist wohl ein Genießer, was?“

Harry Willker seufzte resigniert. Es hatte keinen Zweck, Mills zu bitten, still zu sein. „Das Gerücht besagt weiter, dass der Totenlord nur die hübschesten Mädchen akzeptiert. Sie werden ihm aus allen Teilen der Erde gesandt...“

„Und was macht er mit ihnen?“

„Er saugt ihnen ihre Lebenskraft aus.“

„Mit anderen Worten, er bringt sie um.“

„Nein, das tut er nicht. Er nimmt ihnen nur die Jugend. Ich habe gehört, dass seine Opfer binnen kurzem zu Greisinnen werden. Da die Schergen des Totenlords in jüngster Vergangenheit ziemlich rege gewesen sein sollen, müsste es auf seiner Insel nur so von Greisinnen wimmeln.“

„Was wird aus denen?“

„Sie dienen dem Dämon“, erklärte Willker.

Der Pilot blickte ihn ungläubig an. „Was? Sie danken es ihm auch noch, dass er sie zu alten Vetteln gemacht hat?“

„Sie können nicht anders. Sie befinden sich im Bann des Dämons. Aus dem entlässt er sie nicht mehr.“

„Ach so ist das. Okay, und was haben Sie nun konkret vor, Mr. Willker? Möchten Sie dem Totenlord einen Höflichkeitsbesuch abstatten, um zu testen, ob er auch auf knackige Jungs wie uns scharf ist?“

„Ich habe mich in meiner Freizeit sehr viel mit Dämonologie, Weißer Magie und Okkultismus befasst, und ich bin auf der Suche nach einem neuen Thema für mein nächstes Buch. Wenn es mir gelänge, den Dämon dorthin zurückzuschicken, woher er kommt, wäre das für mich das größte Erlebnis in meinem Leben. Ich bin sicher, ich würde aus diesem Stoff ein Buch machen, das einmalig auf der Welt wäre.“ Harry Willkers Augen glitzerten fanatisch.

Seal Mills kratzte sich hinter dem Ohr. Das machte er immer, wenn ihm eine Sache nicht so recht unter die Nase gehen wollte. „Sie wollen sich mit einem Dämon anlegen? Ist das denn nicht zu gefährlich?“

„Er hat sich im Laufe der Zeit unzählige junge Mädchen aus der ganzen Welt geholt, Mr. Mills. Finden Sie nicht auch, dass ihm endlich jemand das verdammte Handwerk legen sollte?“

„Aber ja finde ich das. Doch müssen ausgerechnet Sie das sein?“

„Warum nicht ich? Ich weiß, wie man Dämonen bekämpft.“

„Aus Büchern. In der Praxis könnte das aber ein bisschen anders aussehen.“

Willker blickte Mills durchdringend an. „Sagen Sie bloß, Sie haben Angst.“

„Angst nicht gerade ..“

„Aber?“

„Na ja. Ich bin ein vorsichtiger Mensch.“

„Man hat mir das Gegenteil von Ihnen erzählt.“

Mills grinste. „Die Leute reden viel Blödsinn, wenn der Tag lang ist, Mr. Willker.“

„Sie kneifen genauso wie all die anderen Piloten, mit denen ich gesprochen habe“, sagte der Schriftsteller verächtlich.

„Moment. Wer sagt denn, dass ich kneife?“, protestierte Seal Mills. „Ich muss mir die Sache nur reiflich genug überlegen. Sie kennen meinen Tarif?“

„Ja.“

„Der reicht in diesem Fall nicht aus. Sie müssten mir schon eine Gefahrenzulage zugestehen.“

„In welcher Höhe?“, erkundigte sich der Schriftsteller.

„Zum doppelten Tarif würde ich Sie zu diesem Klabautermann fliegen“, sagte Mills mit einem listigen Lächeln.

Harry Willker nickte, ohne nachzudenken. „Einverstanden.“

Mills ärgerte sich, dass er nicht den dreifachen Betrag verlangt hatte. Er setzte deshalb sofort nach: „Treibstoffkosten extra.“

„Okay“, sagte Willker.

„Und zahlbar wäre das Ganze im voraus.“

„Geht in Ordnung“, akzeptierte der Schriftsteller auch diese Forderung. „Sind wir uns jetzt einig?“

„Eigentlich ja.“

„Dann schlagen Sie ein“, verlangte Willker. Er streckte dem Piloten die Hand über den Tisch entgegen. Seal Mills ergriff sie.

„Wann soll’s losgehen?“, erkundigte sich der Pilot.

„Sobald Ihr Hubschrauber startklar ist.“

„Morgen?“

„Gut. Morgen.“

Mills blickte den Schriftsteller prüfend an. „Haben Sie keine Bedenken, dass Sie von diesem Ausflug nicht mehr zurückkehren könnten?“ Harry Willker schmunzelte. „Ich bin der geborene Optimist. Für mich steht fest, dass dieses Abenteuer gut ausgehen wird. Hinterher werde ich dann ein Buch schreiben, wie es die Welt noch nicht gelesen hat. Und Sie, Mr. Mills, werden darin auch vorkommen.“

Der Pilot lachte. „Na, wenn das kein Grund ist mitzumachen.“

11

Janice Price hatte das Gefühl, ihre Nervenstränge würden auf der Haut liegen. Seit ein paar Tagen war sie überempfindlich. Genauer: Seit jenem Abend, an dem ihr der Hässliche mit den Froschaugen zum zweiten mal erschienen war.

Sie reagierte auf alles hysterisch. Sie glaubte, jedes Geräusch lauter als früher zu hören. Der Lärm quälte sie. Sie glaubte, an den Abgasen zu ersticken. In der Wohnung wurde sie bisweilen von einer fürchterlichen Platzangst befallen.

Sie ging zum Psychiater, wollte mit ihm über ihre Schwierigkeiten reden, doch es kam nicht dazu. Sie stritt sich mit dem Mann, beleidigte ihn und rannte aus seiner Praxis.

Nun lief sie ziellos durch Los Angeles. Das Brüllen der Hupen erschreckte sie immer wieder so sehr, dass sie einen Satz zur Seite machte, wenn sie es hörte. Die Lichtreklamen erschienen ihr greller als früher. Das Strahlen der Neonleuchten schmerzte sogar am Tag in den Augen.

Ein schwerer Druck lastete auf ihrer Brust. Sie konnte nicht richtig durchatmen, und wenn es ihr doch einmal gelang, hatte sie das Gefühl, den gesamten Schmutz dieser Stadt in sich aufzusaugen.

Sie war dermaßen verwirrt, dass sie nicht auf den Verkehr achtete. Sie hatte Hunger, aß jedoch nichts. Sie vergaß die Zeit, lief durch die Straßen, bis es dunkel wurde.

Als sie Blasen an den Füßen hatte, setzte sie sich in eine Kneipe. Männer starrten sie an. Janice fühlte ihre Blicke, die sie wie Finger abtasteten. Auf der Stirn des Mädchens glänzte ein Schweißfilm.

Sie bekam den bestellten Whisky und trank ihn wie Wasser, verlangte noch einen.

„Ist Ihnen nicht gut?“, erkundigte sich der Wirt, ein hagerer Kerl mit unzähligen Falten.

„Scheren Sie sich um Ihren eigenen Dreck!“, fauchte das Mädchen ihn an.

„Ist ja schon gut. Schon gut. Ich dachte, Sie könnten Hilfe brauchen, so wie Sie aussehen. Aber wenn Sie nicht wollen ... Deswegen brauchen Sie mir nicht gleich mit dem Hintern ins Gesicht zu fahren, nicht wahr?“

Janice bekam den zweiten Drink. Sie trank noch mal zwei. Da sie nichts im Magen hatte, fand der Alkohol schneller als sonst seinen Weg ins Blut. Sie bezahlte und ging.

Jemand lachte sie aus, weil sie schwankte. Sie achtete nicht darauf. Janice blieb an der nächsten Ecke kurz stehen und versuchte sich an Hand des Straßenschilds zu orientieren.

Sie hatte keinen blassen Schimmer, wo sie war, und sie kam auch nicht darauf, als sie den Straßennamen las. Aufs Geratewohl ging sie weiter.

Plötzlich schrillten Hupen, kreischten Bremsen, pfiffen Pneus, die auf dem Asphalt radierten.

Janice bemerkte, dass sie auf der Straße stand. Zwei Wagen schlitterten auf sie zu. Die grellen Scheinwerfer blendeten das Mädchen. Der Lärm, den die Fahrzeuge machten, machte Janice halb wahnsinnig. Sie riss die Arme hoch und hielt sie sich vor die Augen. Dabei schrie sie wie am Spieß.

Einer der Wagen erwischte sie mit der Stoßstange. Sie wurde zurückgeworfen, nachdem sie einen harten Schlag gegen die Beine bekommen hatte. Einen Augenblick lang verlor sie den Bodenkontakt.

Sie flog durch die Luft und landete hart auf der Fahrbahn.

„Mein Gott!“, schrie ein Mann. „Wie kann man nur so blind über die Straße gehen? Sie ist mir direkt in den Wagen gelaufen. Ich konnte nichts dagegen tun. Ich habe ohne dies sofort gebremst.“

„Sie trifft keine Schuld“, sagte ein anderer Mann. „Ich habe alles genau gesehen. Wenn Sie einen Zeugen brauchen, ich stehe Ihnen zur Verfügung.“

„Danke. Vielen Dank. Sie sind sehr liebenswürdig.“

„Wir Autofahrer müssen doch zusammenhalten  in Zeiten, wo die Fußgänger immer verrückter werden.“

Die beiden Männer kamen zu Janice. Das Mädchen versuchte sich aufzurichten. Die Beine schmerzten zwar, aber sie waren nicht gebrochen. Janice glaubte, dass sie unverletzt war. Außer ein paar blauen Flecken war die Sache zum Glück noch mal gut abgegangen.

Janice erhob sich.

„Kommen Sie, wir helfen Ihnen“, sagte einer der beiden Autofahrer.

Hilfreiche Hände berührten das Mädchen. Janice fegte die Männerhände mit einer wütenden Geste von sich.

„Fassen Sie mich nicht an!“, schrie sie. „Lassen Sie mich in Ruhe! Wenn Sie nicht sofort Ihre dreckigen Finger wegnehmen, schreie ich um Hilfe.“

„Die muss den Verstand verloren haben“, sagte der andere Autofahrer.

„Wir wollen Ihnen doch nur helfen, Miss.“

„Ich brauche Ihre Hilfe nicht!“, zischte Janice und lief davon.

Die Männer blickten ihr kopfschüttelnd nach. „Hat man so etwas schon erlebt?“

Janice hatte keine Ahnung, was in sie gefahren war. Sie hatte sich verändert. Sie hasste die Großstadt mehr denn je. Sie hasste vor allem die vielen Menschen, die in dieser Stadt wohnten. Wohin sie auch ging  Menschen, Menschen, Menschen.

Auf Schritt und Tritt begegnete sie ihnen.

Das war auf die Dauer nicht auszuhalten.

Größer denn je war Janices Wunsch, der Stadt für immer den Rücken zu kehren und in die Einsamkeit zu ziehen.

Irgendwie schaffte sie es auf langen Irrwegen, schließlich doch nach Hause zu kommen. Nachdem sie zu Bett gegangen war, konnte sie nicht einschlafen. Sie war zwar entsetzlich müde, aber sie fürchtete die Alpträume, die sie immer häufiger plagten.

Ächzend quälte sie sich noch einmal aus dem Bett. Sie ging ins Wohnzimmer, holte die Whiskyflasche und trank davon in kräftigen Zügen. Sie erhoffte sich erholsames Vergessen.

Sie betrank sich bis zur Sinnlosigkeit, fiel ins Bett und schlief zum ersten mal seit Tagen wieder traumlos.

Aber war das eine Lösung? Würde sie nicht binnen kurzem zur schweren Alkoholikerin werden, wenn sie Abend für Abend zur Flasche griff?

12

Hank Murdock, der Makler, liebte schnelle Wagen und schöne Frauen. Er war seit etwa sechs Wochen mit Candice Boyd zusammen, einer überaus attraktiven Schwarzhaarigen, deren Kurven sich wahrlich sehen lassen konnten. Murdock hatte die süße Biene auf einer Party kennengelernt, und es hatte sofort zwischen ihnen den richtigen Funken gegeben.

Sowohl Murdock als auch Candice waren in Begleitung gewesen, doch nach Mitternacht hatten sie das vollkommen vergessen und tanzten auf einer Wolke direkt in den siebten Himmel hinein.

Murdock stoppte seinen brettflachen Lamborghini vor dem Haus, in dem Candice wohnte. Er wandte sich seinem Mädchen zu. Ihre Augen glänzten wie Glasmurmeln. Sie schenkte ihm ein warmes Lächeln.

„Vielen Dank für den netten Abend, Hank. Ich habe mich sehr gut unterhalten.“

Murdock schmunzelte. „Das war ja der Zweck der Übung. Darf ich noch auf einen kleinen Sprung mit nach oben kommen?“, fragte er blinzelnd. Er hob beide Hände, als wollte er sich ergeben. „Ich verspreche, ganz artig zu bleiben.“

Candice stupste seine Nase mit dem Zeigefinger. „Ich hätte dir das Angebot längst gemacht, wenn mein Bruder nicht unerwartet bei mir aufgekreuzt wäre. Er bleibt über Nacht.“

Murdock zog die dunklen Brauen zusammen. „Hoffentlich ist der Typ in deiner Wohnung auch tatsächlich dein Bruder.“

Candice kicherte. „Hör mal, wofür hältst du mich?“

„Für das hübscheste Mädchen, das es in L. A. gibt.“

„Danke“, sagte Candice Boyd. Sie küsste den Makler auf den Mund, schwang dann ihre langen Beine aus dem Wagen und stöckelte auf das Haustor zu. Kurz darauf war sie dahinter verschwunden.

Murdock zuckte mit den Schultern. „Schade“, sagte er. Dann klopfte er den Gang ins Getriebe und fuhr weiter. Er wohnte etwas außerhalb von Los Angeles, in Richtung Beverly Hills. Er konnte sich das leisten, denn er war seit vielen Jahren ziemlich gut im Maklergeschäft. Die ganzen Filmgrößen zählten zu seinen Kunden. Natürlich auch Jerry Pool. Der war darüber hinaus sogar sein Freund.

Das Haus, das Murdock bewohnte, stand auf einem kleinen gepflegten Grundstück, mit Heckenrosen umsäumt.

Hank Murdock hielt den Lamborghini vor dem grünen Garagentor an und stieg aus dem flachen Wagen.

Plötzlich erschrak er.

Er war nicht sicher, aber er glaubte, ein Geräusch vernommen zu haben, das die Vermutung rechtfertigte, jemand würde sich hinter den Heckenrosen aufhalten.

Murdocks Zunge tanzte aufgeregt über die Lippen. Er wandte sich dem hohen Busch zu und ballte unwillkürlich die Fäuste.

„Ist da jemand?“, fragte er mit belegter Stimme.

Nichts. Keine Antwort.

Murdocks Backenmuskeln zuckten. Eine Vielzahl von Gedanken wirbelten durch seinen Kopf. Er hatte keine Ahnung, wieso ihm gerade jetzt das einfiel, was vor vielen Jahren Sharon Tate und ihren Freunden zugestoßen war. Immer mehr Rauschgiftsüchtige schleichen nachts durch die Stadt, auf der Suche nach einem Opfer, das sie berauben können.

Murdock bekam es auf einmal mit der Angst zu tun.

Er öffnete hastig das Garagentor und fuhr den Wagen an seinen Platz.

Wieder raschelte es verräterisch in der Hecke. Hank Murdock zuckte wie von der Natter gebissen herum. Er bildete sich ein, die Umrisse eines Menschen zu sehen. Doch je länger er hinschaute, desto mehr lösten sich diese Konturen in nichts auf.

Murdock hatte den Wunsch, schnellstens sein Haus zu betreten. In fiebernder Hast stocherte er mit dem Schlüssel herum.

Endlich fand er das Schlüsselloch.

Er drehte den Schlüssel zweimal herum, stieß die Tür auf, eilte in sein Haus und warf aufatmend die Tür hinter sich zu. Geschafft. Er legte die Kette vor und schob einen Riegel in die feste Verankerung.

In diesen unsicheren Zeiten konnte man nicht vorsichtig genug sein.

Er stand noch an der Tür, als er schlurfende Schritte hörte. Sein Herz hämmerte sofort schneller. Kein Zweifel. Da draußen war jemand. Eine Person, die auf dem Grundstück nichts zu suchen hatte.

Kalte Schauer überliefen den Makler. Er hörte, wie etwas über die Tür schleifte. Murdock sprang zurück. Er starrte die Tür mit angstvollen Augen an. Was passierte dort draußen?

Murdock versuchte, die Aufregung, die wie ein dicker Kloß in seinem Hals steckte, hinunterzuschlucken. Es gelang ihm nur schlecht. Er wollte seine Erregung unter Kontrolle bringen.

Er hatte den Wunsch, sich ans Guckloch zu schleichen und nach draußen zu blicken, aber er brachte den Mut nicht auf, es zu tun. Erst als er sich einen entschlossenen Ruck gab, wagte er den Schritt an die Tür.

Er hörte die leisen Geräusche, die die Person verursachte. Er glaubte, den Gestank von faulen Eiern zu riechen - Schwefel. Er vernahm das Scharren eines Fußes.

Mit Schweiß bedecktem Gesicht blickte er durch das Guckloch. Im nächsten Moment fuhr ihm ein Eissplitter ins Herz. Dort draußen stand der hässlichste Mensch, den Murdock je gesehen hatte.

Der Kerl hatte eine breite Nase, wulstige Lippen und weit aus den Höhlen quellende Froschaugen. Die Gucklochlinse verzerrte das Gesicht zu einer grauenerregenden Fratze.

Hank Murdock stahl sich von der Tür weg. Er machte weder in der Diele noch im Wohnzimmer Licht. Nervös und mit zitternden Fingern tastete er nach den Flaschen, die auf der fahrbaren Hausbar standen.

Er brauchte jetzt ganz dringend einen Schluck, damit sich die Nerven wieder beruhigten. Es war ihm egal, was er erwischte. Nach dem vierten Schluck erst merkte er, dass er die Bacardiflasche genommen hatte. Der weiße Rum rann wie Öl in seine Kehle und wärmte kurz darauf seinen Magen.

Wut packte Hank Murdock.

Was hatte dieser Kerl vor seiner Haustür zu suchen? Noch dazu mitten in der Nacht!

Und dieser penetrante Schwefelgestank, woher kam er?

Murdock stellte die Flasche ab. Beinahe hätte er entsetzt aufgebrüllt, denn in diesem Augenblick huschte ein Schatten an der Terrassentür vorüber. Der kalte Schweiß nässte Murdocks Oberhemd.

Er fletschte die Zähne und wartete darauf, dass der Schatten an der zweiten Terrassentür auftauchte, doch das geschah nicht.

Mit vibrierenden Nerven stand Hank Murdock da. Plötzlich stand sein Entschluss fest.

„Na warte, du Bastard!“, fauchte er. „Dir werde ich das gleich abgewöhnt haben.“

Er eilte zum Telefon, fischte den Hörer von der Gabel, beugte sich über die Wählscheibe, um die Ziffern besser erkennen zu können, und fing hastig zu wählen an. Erst als er die Scheibe zum letzten mal gedreht hatte, bemerkte er, dass die Leitung tot war.

Tot?

Nein, ganz tot war sie nicht. Hank Murdock hörte ein Geräusch. Es war ihm, als hätte er jemanden an der Strippe, der sich nicht melden wollte. Und auf einmal kam ein Lachen aus dem Hörer, das dem Makler durch Mark und Bein ging.

Murdock ließ den Hörer fallen, als hätte er sich daran die Finger verbrannt. Dieses Lachen,  konnte das der Kerl dort draußen ausgestoßen haben? Wie war es dann aber möglich, dass....

Hank Murdock drehte sich verwirrt um die eigene Achse.

Wohin?

Wo sollte er sich verkriechen?

Er rannte aus dem Wohnzimmer, stieß sich in der Diele an der Kommode, fluchte, erreichte humpelnd die Treppe, die nach oben führte, wollte diese hinaufeilen, blieb aber dann plötzlich wie angewurzelt stehen, weil aus dem Keller ein dumpfes Poltern gekommen war.

War der Kerl etwa durch eines der Kellerfenster eingestiegen?

Murdock machte blitzschnell auf den Hacken kehrt. Er hastete in die Küche und bewaffnete sich mit dem längsten Messer, das er in der Eile finden konnte. Dann begab er sich zu jener Tür, hinter der die Kellertreppe lag.

Er legte gespannt sein Ohr an das Holz.

Nichts. Stille.

Hank Murdocks Hand schwebte vorsichtig auf die Türklinke nieder. Er drückte sie hastig nach unten und stieß die Tür kraftvoll auf. Sie krachte gegen die Wand. Der Knall pflanzte sich im Keller dumpf rollend fort.

Murdock griff nach dem Schalter und wollte Licht machen, aber es wurde nicht hell. Hatte der Eindringling dafür gesorgt? Obwohl Murdock Angst hatte, tappte er doch die Stufen hinunter.

Seine Nerven waren zum Zerreißen angespannt. Seine Finger schlossen sich wie bei einem Krampf um den Messergriff. Das kleinste Geräusch hätte genügt, um den Makler zu veranlassen zuzustoßen.

Er erreichte das Ende der Treppe, lauschte angestrengt, ging weiter. Immer wieder glaubte er, in der Schwärze, die hier unten herrschte, etwas erkennen zu können.

Er hob den Messerarm. Als er glaubte, eine Bewegung wahrgenommen zu haben, stach er mit einem krächzenden Aufschrei zu.

Das Messer traf die Wand. Ein schrilles Knirschen war zu hören. Der Stoß war so kraftvoll geführt, dass die lange Klinge brach.

Daraufhin befiel Murdock eine quälende Panik. Mit dem Messergriff allein konnte er sich nicht mehr verteidigen. Deshalb wirbelte er nervös herum und jagte die Kellertreppe keuchend hoch. Oben warf er die Tür zu und schloss sorgfältig ab.

Im selben Moment fiel ihm auf, dass die Tür seines Arbeitszimmers offenstand. Vorhin war sie noch geschlossen gewesen, das wusste Hank Murdock mit absoluter Sicherheit.

13

Zwei glühende Punkte leuchteten ihm aus der Dunkelheit entgegen  wie zwei brennende Zigarren. Reglos hingen sie in der Luft. Sie hatten einen hypnotischen Einfluss auf Hank Murdock.

Der Makler fühlte sich von diesen glühenden Punkten auf eine unerklärliche Weise angezogen. Obwohl ihm sein Unterbewusstsein sagte, er solle das Arbeitszimmer nicht betreten, lenkte er doch mechanisch seine Schritte dorthin. Gefahr! schrie es in ihm. Du begibst dich in Lebensgefahr!

Er ignorierte die Warnung, die ihm sein sechster Sinn zukommen ließ.

Etwas befahl ihm, den Raum zu betreten. Er konnte nicht anders, er musste gehorchen.

Als er im Türrahmen stand, zögerte er einen Augenblick. Seine linke Hand tastete nach dem Lichtschalter. Das Glühen verstärkte sich. Es schien verhindern zu wollen, dass er Licht machte, doch diesmal setzte sich Murdock durch.

Er drückte auf den Kippschalter.

Die Deckenleuchte flammte auf.

Und da stand er, der unheimliche Kerl, dessen Hässlichkeit nicht zu überbieten war. Seine hervorquellenden Augen glühten so grell, dass Hank Murdock davon geblendet wurde.

Mit schnellen Schritten kam der Hässliche auf den Makler zu.

„Wer sind Sie?“, krächzte Murdock. „Was, was wollen Sie? Was, was haben Sie in meinem Haus zu suchen?“

„Ich habe mit dir etwas zu besprechen!“, sagte der Fremde. Es klang wie ein tierhaftes Knurren.

Murdock überlief es eiskalt. Eine entsetzliche Bedrohung ging von diesem Unheimlichen aus. Wie schaffte er es bloß, seine Augen dermaßen zum Glühen zu bringen?

Hank Murdock drehte in seiner Panik durch. Er warf sich auf den Eindringling. Mit dem Messergriff schlug er zu. Er traf das Gesicht des Mannes. Es war, als würde der Makler auf Granit schlagen. Der Messergriff entfiel seiner Hand.

Er wollte nicht wahrhaben, dass der Kerl unverwundbar war.

Erneut schlug er zu. Diesmal mit den Fäusten. Er traf das Kinn des Unheimlichen. Ein wahnsinniger Schmerz durchzuckte seine Mittelhand. Er brüllte auf und zuckte zurück.

Und dann hörte er wieder dieses gemeine, diabolische Lachen, das vorhin aus dem Telefonhörer gekommen war.

Ein Teufel!, schoss es Murdock durch den Kopf. Du hast es hier mit einem Teufel zu tun! Deshalb auch der Schwefelgestank, den du wahrgenommen hast! Gütiger Himmel, rette mich!

Der Hässliche streckte den Makler mit einem einzigen Faustschlag nieder. Hank Murdock rappelte sich verzweifelt auf. Er spürte den süßlichen Geschmack von Blut auf der Zunge.

Er kam schwankend auf die Beine. Die Haustür! Er musste unbedingt die Haustür erreichen!

Wie ein von der Sehne geschnellter Pfeil rannte Hank Murdock los. Er erreichte die Tür. Der Unheimliche folgte ihm grinsend und ohne Eile. Mit zitternden Fingern löste Murdock die Vorlegekette. Aber damit war die Tür noch nicht offen. Da war noch der Schlüssel, und der Riegel. Die Zeit reichte nicht mehr, um die Tür aufzukriegen.

Als Murdock sich dieser Tatsache bewusst wurde, drehte er sich mit Schweiß überströmtem Gesicht um.

„Warum kommst du zu mir, du verfluchter Teufel?“, kreischte er in seiner namenlosen Angst.

Der Unheimliche gab ihm darauf keine Antwort.

„Womit habe ich ein solches Schicksal verdient?“, schrie Murdock verzweifelt.

Der Hässliche schlug erneut zu. Diesmal traf seine eisenharte Faust den Magen des Schreienden. Murdock klappte zusammen und ging nach Luft japsend zu Boden. Der Dämon versetzte ihm noch einen schmerzhaften Tritt. Das warf den Makler auf den Rücken.

„Gnade!“, wimmerte Hank Murdock entsetzt. „Lass mich am Leben! Bitte!“

Der Hässliche packte ihn an der Kehle. Murdock glaubte, seine letzte Stunde habe geschlagen. Fauliger Geruch stieg aus dem Mund des Unheimlichen.

„Sprich mir nach!“, befahl er dem Makler.

„Ja!“, gurgelte Hank Murdock mit verdrehten Augen. „Ja. Ja ...“

„Der Totenlord ist mein Herr!“

„Der Totenlord ist mein Herr!“, beeilte sich Murdock zu sagen.

„Ich werde ihm von nun an gehorchen.“

Murdock wiederholte den Satz.

„Meine Seele gehört nur noch ihm“, knurrte der Unheimliche, und Murdock sagte auch das nach.

Dabei merkte er, wie die Angst allmählich verebbte. Er hatte einen Schwur abgelegt, der ihn mit dem Hässlichen auf dieselbe Stufe stellte. Sie waren keine Gegner mehr, sondern Verbündete. Der Unheimliche ließ Murdock los.

„Steh auf!“, befahl er ihm.

Der Makler erhob sich vollkommen ruhig und gefasst.

„Du hast soeben einen Schwur abgelegt“, sagte der Hässliche ernst.

„Dessen bin ich mir bewusst“, erwiderte Murdock.

„Einen Schwur, den du niemals brechen darfst, sonst bist du des Todes.“

„Ich werde zu meinem Schwur stehen, bis ans Ende meiner Tage“, versicherte Murdock.

Der Unheimliche nickte. „Gut. Dann höre jetzt, was für einen Auftrag ich für dich habe ...“

14

Das Wetter war klar. Der Himmel strahlte in seinem schönsten Blau und spiegelte sich in der glatten Südsee. Ein prachtvoller Tag, wie es ihn selbst in diesem Paradies nur selten gab.

Harry Willker traf vor Seal Mills auf dem Flugplatz ein. Er hatte eine kleine braune Ledertasche bei sich, in der er verschiedene Dinge aufbewahrte, von denen er hoffte, sie würden sich als wirksame Waffen gegen Geister und Dämonen erweisen.

Man hatte dem Schriftsteller gesagt, wo er den Hubschrauber von Mills finden würde, und nun stand Willker kopfschüttelnd vor dem Wrack eines Bell 205 A, dem man nicht ansah, dass es sich aus eigener Kraft in den Himmel schrauben konnte.

Der Hubschrauber war von Beulen und Rissen übersät, die alle nur notdürftig zusammengeflickt waren. Hier baumelte ein Stück Draht herab. Dort war es ein Stück Nylonschnur. Isolierband und Leukoplaststreifen klebten auf dem Rumpf, wie auf dem Körper eines Mannes, der in einen Schrapnell-Hagel geraten war.

Die Mühle sah wenig vertrauenerweckend aus.

Vielleicht fiel sie, wenn sie erst mal ein paar Meter hochgestiegen war, einfach auseinander.

„Gefällt Ihnen, was Sie sehen?“, hörte Willker jemanden hinter sich fragen.

Er drehte sich langsam um. Seal Mills grinste.

„Ganz und gar nicht“, erwiderte der Schriftsteller. „Sind Sie sicher, dass das Ding auch wirklich fliegt?“

„Hören Sie, ich bin damit jeden Tag in der Luft. Triebwerk und Rotor sind schwer in Ordnung. Alles andere ist Nebensache. Ob nun eine Tür klappert oder nicht, was macht das schon aus?“

„Damit könnten Sie für Isoliermaterial und Leukoplast Reklame machen.“

„Eine gute Idee. Vielleicht greife ich darauf noch mal zurück“, sagte Mills lachend. „Ein paar technische Daten gefällig? Der Bell 205 A hat eine maximale Reisegeschwindigkeit von 179 km/h. Maximale Schrägsteiggeschwindigkeit 8,5 Meter pro Sekunde. Rotordurchmesser: 14,63 Meter..

„Ich denke, das reicht“, sagte Willker.

„Sie verstehen wohl nicht viel von Flugzeugen.“

„Richtig. Sonst wäre ich nicht Schriftsteller, sondern Pilot geworden.“

Mills öffnete die Kanzel. „Steigen Sie ein und schnallen Sie sich an. Die Post geht gleich ab.“

Willker nahm Platz. Er spielte eine Weile mit dem verhedderten Gurt, bis Mills ihm die Arbeit abnahm. „Der Praktiker von uns beiden bin ich, soviel steht fest.“

„Ich habe meine Qualitäten anderswo“, gab Harry Willker grimmig zurück.

„Das ist unbestritten“, meinte Mills. „Was haben Sie in dieser Tasche? Geschenke für den Totenlord?“

„Ich bewahre darin Waffen auf, die mir helfen werden, den Dämonen zu besiegen.“

„Darf ich mal sehen?“

„Später. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie jetzt endlich starten würden.“

„Ganz wie Sie wollen“, sagte der Pilot und brachte den Rotor in Gang. Wenig später hob der Helikopter vom Boden ab. Man konnte über Seal Mills denken, wie man wollte, eines

musste man ihm lassen: fliegen konnte er. Er hatte den Hubschrauber gut in der Hand, sobald sich das Vehikel in der Luft befand. Doch die Mühle ratterte und klapperte und durch etliche Risse und Ritzen, die nicht dicht waren, pfiff der Wind.

Dennoch verlor Harry Willker mehr und mehr das Gefühl, er würde sein Leben bereits jetzt, während des Fluges, aufs Spiel setzen.

Sie verließen Tongatapu.

Schon nach wenigen Minuten lagen die etwa vierzig größeren, bewohnten sowie die über hundertfünfzig kleinen Tonga-Inseln, die oft nur aus Felsen bestanden, hinter ihnen.

Die Eilandgruppe verschwand in der Ferne.

Harry Willker blickte nach vorn. Unter ihnen lag die kobaltblaue Südsee.

„Gleich sind wir da!“, brüllte Seal Mills in den Motorlärm. „Hoffentlich findet sich ein geeignetes Plätzchen für die Landung, sonst müssen Sie über die Strickleiter zur Insel hinunterklettern!“

Willker nagte nervös an seiner Unterlippe. Er war voller Erwartung. Sein erstes Abenteuer stand ihm bevor. Bisher hatten immer nur seine Helden in den Romanen toll dreiste Abenteuer zu bestehen gehabt. Diesmal wollte er zuerst selbst eines erleben und erst dann darüber schreiben.

Er glaubte, dass er die Story dann noch viel wirklichkeitsnaher zu Papier bringen würde.

Seal Mills machte eine Handbewegung.

„Eigenartig!“, rief er dem Schriftsteller zu. „Die Insel liegt inmitten einer Nebelbank. So habe ich sie hoch nie gesehen. An einem Tag wie diesem dürfte es einen solchen Nebel eigentlich gar nicht geben.“

Ein Werk des Totenlords!, dachte Willker. Er war fest davon überzeugt, dass es sich hierbei um einen magischen Nebel, handelte. Der Dämon wollte seine Insel anscheinend auf diese Weise vor ihren Blicken schützen.

Von der üppigen Vegetation, die es auf dieser Geisterinsel geben musste, war absolut nichts zu erblicken.

„Bei der dicken Brühe ist es verdammt riskant, die Insel anzufliegen“, sagte Mills.

„Darauf scheint es der Totenlord anzulegen“, gab Willker zurück.

„Ach, Sie meinen, er weiß, dass wir zu ihm unterwegs sind?“

„Schon möglich.“

„Rechnen Sie mit einem Empfang?“, fragte Mills beunruhigt.

„Lassen wir uns überraschen“, sagte Willker.

Das passte dem Piloten ganz und gar nicht. Je näher sie der Insel kamen, desto flauer wurde das Gefühl in Mills’ Magen. Okay, er war ein Haudegen, wenn es darum ging, in der Luft Bravourstücke zu absolvieren. Aber sich mit einem Dämonen anzulegen, das war nicht gerade sein Fall.

„Hören Sie, ich glaube, es wäre vernünftiger, wenn wir die Kurve kratzen würden!“, schrie Seal Mills dem Fluggast zu.

Willker schüttelte ärgerlich den Kopf. „Kommt nicht in Frage, Mills. Wir waren uns einig ...“

„Man wird doch noch seine Meinung ändern dürfen!“

„Ich habe im voraus bezahlt! Nun leisten Sie gefälligst etwas dafür!“

Die Nebelbank wurde größer. Sie wuchs mit einer beängstigenden Schnelligkeit.

„Willker!“, schrie der Pilot. „Wenn wir erst mal in dem trüben Zeug stecken, kann es leicht passieren, dass wir den Notausgang nicht mehr finden!“

„Vielleicht gibt es in Bodennähe gar keinen Nebel“, sagte Willker hoffnungsvoll. „Außerdem  wozu haben Sie Ihre Instrumente? Oder können Sie sich auf die nicht verlassen?“

„Doch..“

„Dann möchte ich, dass Sie mich zur Insel bringen. Wenn Ihnen darauf zu unheimlich ist, können Sie nachher gleich wieder starten. Dann machen wir uns einen Termin aus, zu dem Sie mich wieder abholen.“

Seal Mills schüttelte ärgerlich den Kopf. „Sie müssen wohl immer mit dem Kopf durch die Wand rennen, was?“

„Meistens“, gab Willker grinsend zurück.

Die ersten Schwaden strichen an der Kanzel des Hubschraubers vorbei, und Augenblicke später tauchte die knatternde Mühle bereits vollends in die Milchsuppe ein. Mills ließ die Maschine tiefer sinken.

Er beobachtete den Höhenmesser.

Plötzlich spielten alle Instrumente verrückt. Die Zeiger drehten sich immerzu im Kreis. Im Bordfunkgerät ertönte ein schriller Pfeifton. Der Motor hustete. Der Rotor drehte sich unrund. Die Maschine wurde gerüttelt und geschüttelt.

„Verdammt!“, brüllte Seal Mills zornig. „Das haben Sie nun von Ihrem Starrsinn, Willker! Wenn nicht noch ein Wunder geschieht, gibt’s eine Bruchlandung!“

Mills gab Gas.

„Was tun Sie?“, fragte Willker.

„Ich sehe zu, dass ich unsere Libelle noch mal hoch kriege, und dann nichts wie weg von hier!“

Die Lycoming-Gasturbine nahm den Treibstoff, den Seal Mills ihr zuführte, nicht an.

Der Helikopter sank bedrohlich schnell. Mills starrte nach unten. Er erwartete, demnächst die ersten Baumwipfel zu sehen. Doch unter ihnen war nichts als trüber, undurchdringlicher Nebel.

Plötzlich schälte sich aus diesem Nebel eine riesige Fratze. Ein grauenerregendes Antlitz mit bösen Augen, einem glutroten Rachen und blitzenden Zähnen.

„Da!“, schrie Seal Mills entsetzt. „Sehen Sie das, Willker?“

„Das muss er sein!“, gab der Schriftsteller gebannt zurück. „Das muss der Totenlord sein!“

„Er wird uns vernichten, weil wir den Frevel begangen haben, seine Insel anzufliegen!“, plärrte Mills. „Das habe ich Ihnen zu verdanken!“

Er versuchte verzweifelt, die Libelle wieder hochzubringen. Doch diese unheimliche riesige Fratze schien eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf den Helikopter auszuüben. Die schreckliche Erscheinung zerrte den Hubschrauber förmlich vom Himmel herunter.

In der nächsten Sekunde raste der Maschine eine mächtige Nebelhand entgegen. Die durchscheinenden Finger umschlossen den Hubschrauber. Der Rotor drehte sich nicht mehr. Wie ein Stein sackte das Flugzeug ab.

Bäume, ein Strand, Klippen, Korallenbänke. Das alles sahen Seal Mills und Harry Willker noch kurz vor dem mörderischen Aufprall. Dann stürzte die Maschine auf die Insel. Man hörte ein Bersten und Krachen, als ob die Welt in der Mitte auseinanderbrechen würde.

Mills und Willker wurden nach vorn gerissen. Das war das Letzte, was sie mitbekamen. Dann verloren sie beide im selben Augenblick das Bewusstsein.

15

Abscheuliche Horrorgestalten kamen auf Janice Price zu. Ausgeburten der Hölle. Bucklige Kreaturen mit feuchten Lefzen, mit Warzen und eiternden Geschwülsten auf dem Schädel, mit Raubtierzähnen, spindeldürr oder auch schwer und bullig. Dieses ganze Höllengesindel kam wie eine Wand näher.

Fauchen, Knirschen, Knurren. „Packt sie!“, keifte eine Hexe, die über den Köpfen der Schreckensgestalten auf einem glühenden Besen ritt. „Ergreift sie! Holt sie in die Tiefen des Bösen!“

Janice schüttelte verzweifelt den Kopf. „Nein! Geht weg! Lasst mich! Ich habe euch nichts getan!“

„Uns braucht man nichts zu tun“, zischte ein Kerl mit langen dolchartigen Eckzähnen. Ein Vampir. „Wir sind es, die zuerst zuschlagen, nicht umgekehrt!“

Die lebende Wand rückte bedrohlich nahe an das verstörte Mädchen heran. Janice fiel ein, dass man sich mit einem Gebet vor diesen Scheusalen retten konnte. Jedenfalls sollte es manchmal wirken.

Verzweifelt suchte sie nach den Worten, die das Grauen, das ihr den Verstand zu rauben drohte, bannen würden.

„Herr ...“, stammelte sie. „Vater  im Himmel...“ Sie brachte kein Gebet zustande. „Muttergottes ...“ Die abscheulichen Kreaturen lachten grell. „Jesus!“, stöhnte Janice.

„Uns wirst du nicht mehr los!“, kreischten die Gestalten. „Nicht in dieser Stadt!“

„Verschwindet!“, schrie Janice, so laut sie konnte. Sie weinte. Tränen rollten über ihre zuckenden Wangen.

„Ich kann nicht mehr! Warum quält ihr mich so?“

Sie streckten ihre Hände nach dem Mädchen aus.

Angewidert fuhr Janice zurück. Froschfinger mit Saugnäpfen glitten von ihr ab. Pfoten mit Krallen berührten sie. Schleimige Tatzen. Janice hatte das Gefühl, jeden Augenblick würde ihr Herz stehenbleiben. Sie schrie um Hilfe, doch niemand hörte sie.

Sie war und blieb diesen schauderhaften Bestien ausgeliefert.

Janice stieß mit dem Rücken gegen die Wand. Sie konnte nicht weiter zurückweichen. Glühende Augen starrten sie feindselig an. Abstoßende Fratzen grinsten triumphierend.

„Jetzt gehörst du uns!, sagten die Scheusale. „Du entkommst uns nicht mehr. Du bist erledigt, Janice Price.“

Wie auf ein unhörbares Kommando sprangen die Bestien das bedauernswerte Mädchen an. Sie erfassten sie. Janice spürte den Druck der kräftigen Pranken. Sie schlug entsetzt um sich, kam frei, warf sich nach vorn und riss verstört die Augen auf.

Allein. Sie war mutterseelenallein im Schlafzimmer. Die Nachttischlampe brannte. Janice löschte sie niemals. Sie fürchtete die Dunkelheit.

Ein Traum war es gewesen, ein schrecklicher Alptraum, der sie soeben bis aufs Blut gepeinigt hatte ...

16

Schweißnass, zum Auswringen war ihr Nachthemd.

Janice streifte es über den Kopf und warf es neben sich. Sie griff nach ihren Zigaretten und brannte sich mit zitternden Fingern ein Stäbchen an. Der Rauch stieg bis in die Lungenspitzen hinunter. Janice hielt die Luft an, damit der Rauch so lange wie möglich in ihrer Lunge blieb. Er vermittelte ihr das Gefühl, dass sie lebte. Er weckte neue Lebensgeister.

Sie fragte sich, was bloß mit ihr los war. Begonnen hatte das alles an jenem Abend, als der Kerl mit den Froschaugen ihr zum zweiten Mal begegnet, war. Wie lange war das schon her? Eine Woche? Zwei?

Zwei Wochen waren es.

Seit zwei Wochen befand sich Jerry Pool in Boston. Janice hatte bereits einige Male mit ihm telefoniert, hatte ihm aber nichts von ihren Zuständen erzählt, die ihr so zu schaffen machten.

Seit zwei Wochen quälten sie in unregelmäßigen Abständen diese schrecklichen Alpträume. Dagegen halfen keine Schlaftabletten und auch keine Flasche Whisky mehr.

Diese Träume waren jedes mal so entsetzlich realistisch, dass Janice sich auch nach dem Erwachen noch halb tot ängstigte. Das Mädchen stieg aus dem Bett. Im Wohnzimmer griff Janice wieder zur Flasche. Sie trank mit einer besorgniserregenden Gier.

Vergessen. Sie wollte um jeden Preis vergessen.

Endlich setzte sie die Flasche ab. Sie ging ins Bad, duschte und verließ anschließend, in Jeans und Pulli, das Penthouse. An Schlaf war sowieso nicht mehr zu denken.

Vielleicht erholte sie sich an der frischen Luft. Es wäre besser für sie gewesen, zu Fuß zu gehen. Aber dazu war sie zu müde, deshalb setzte sie sich in ihr weißes Kabrio und fuhr damit aus der Tiefgarage. Es war zwei Uhr morgens. Wenig Verkehr herrschte auf den Straßen. Janice verließ sich darauf, dass schon nichts passieren würde. Unverantwortlich schnell raste sie durch die Straßenschluchten von Los Angeles.

Sie rechnete nicht damit, dass von rechts oder von links ein anderes Fahrzeug kommen würde. Doch auf die Dauer konnte das nicht gutgehen. In der Nähe des Hafens passierte es dann.

Ein Laster rollte träge über die Kreuzung. Die Verkehrsschilder räumten ihm die Vorfahrt ein. Janice kam mit überhöhter Geschwindigkeit angebraust. Der viele Whisky, den sie im Blut hatte, die Schlaftabletten, die sie am Abend vor dem Zubettgehen geschluckt hatte, ihr schläfriger Geist verzögerten die Reaktion erheblich.

Als der Fahrer den weißen Wagen angerast kommen sah, trat er das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Damit wollte er erreichen, dass der Laster die Kreuzung freigab, bevor das Kabrio sie erreichte.

Der Motor brüllte auf. Der Lkw machte einen schwerfälligen Sprung. Janice bremste. Ihren Sportwagen drehte es zur Seite, als sie das Lenkrad instinktiv nach rechts riss.

Augenblicke später erfolgte der Aufprall. Janice wurde aus dem Wagen geschleudert. Sie überschlug sich mehrmals auf der Straße, ehe sie liegenblieb. Das Kabrio wurde wie der Balg einer Ziehharmonika zusammengedrückt.

Leichenblass sprang der Lkw-Fahrer aus seinem riesigen Gefährt. Er rannte zu Janice, die sich benommen aufrichtete.

„Ja, sind Sie denn von allen guten Geistern verlassen?“, schrie der Mann sie wütend an. „Wie können Sie denn wie eine Irre durch die Stadt rasen? Es gibt schließlich außer Ihnen auch noch andere Leute, die hier unterwegs sind.“

„Ach, halten Sie den Mund!“, sagte Janice gereizt.

„Besoffen!“, schrie der Fahrer. „Menschenskind, Sie sind ja sternhagelvoll.“

„Na, wenn schon. Ist das Ihr Problem?“

„Es wäre nicht mein Problem, wenn Sie sich zu Hause in Ihren vier Wänden volllaufen lassen würden. Aber hier haben Sie mich in einen gottverdammten Verkehrsunfall verwickelt. Na warten Sie, Lady. Das wird Sie teuer zu stehen kommen!“

Bleiche Gesichter tauchten an den umliegenden Fenstern auf. Verschlafene Augen wollten sehen, was passiert war.

„He! Leute! Ist einer von euch so nett und ruft die Polizei?“, schrie der Lastwagenfahrer mit lauter Stimme.

„Wird gemacht!“, kam es von irgendwoher zurück.

Fünf Minuten später traf ein Patrol-car ein.

Janice lehnte an ihrem demolierten Kabrio. Sie konnte sich kaum auf den Beinen halten. Sie hatte doch mehr getrunken, als sie geglaubt hatte.

„Den Alkoholtest können Sie sich bei der sparen“, grollte der Lkw Fahrer. „Man riecht es auf zwei Meilen gegen den Wind, dass die ’ne Fahne hat.“

Die beiden Cops nahmen Janice den Führerschein ab. Nachdem der Sachverhalt festgehalten worden war, brachte man das Mädchen aufs Revier. Eine Unzahl von Fragen prasselten dort auf Janice herab.

„Woher kommen Sie?“

„Von zu Hause“, antwortete das Mädchen.

„Wohin wollten Sie?“

„Irgendwohin.“

„Sie hatten kein Ziel?“

„Nein“, sagte Janice. „Ist das verboten?“

„Wie viel haben Sie getrunken?“

„Weiß ich nicht.“

„Auf jeden Fall war es eine ganze Menge.“

„Kann schon sein“, gab das Mädchen schnippisch zurück.

„Wir könnten Ihnen was wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit anhängen.“

„Hören Sie, wissen Sie nicht, wer ich bin?“, brauste Janice gereizt auf. „Doch. Sie sind Miss Janice Price.“

„Sehr richtig. Und diese Miss Janice Price wird in absehbarer Zeit Mrs. Janice Pool sein. Geht Ihnen jetzt ein Licht auf? Ich rate Ihnen, mich gut zu behandeln. Jerry kennt eine Menge einflussreicher Leute, die ganz scharf darauf sind, ihm einen Gefallen zu tun. Ich rede von Jerry Pool, dem Filmstar, falls es bei Ihnen immer noch nicht gefunkt haben sollte.“

„Hatten Sie Streit mit ihm?“

„Wie sollte ich? Er ist ja gar nicht zu Hause“, sagte Janice.

„Wo ist er denn?“

„In Boston. Aber fragen Sie mich nicht, was er da macht. Ich würd’s Ihnen nämlich nicht verraten, weil es Sie nichts angeht.“

„Warum haben Sie so viel getrunken, Miss Price?“

Janice bedachte den Cop mit einem ärgerlichen Blick. „Sie würden es mir ja doch nicht glauben, wenn ich’s Ihnen gestehen würde.“

„Das käme auf einen Versuch an.“ Janice winkte ab. Nach alldem, was sie in den letzten Tagen und Nächten durchgemacht hatte, wollte sie sich jetzt nicht auch noch lächerlich machen, deshalb schwieg sie trotzig.

Sie bekam ihren Führerschein nicht wieder. Es wurde ihr gesagt, dass sie für die Abschleppkosten aufkommen müsse, denn das Wrack des Kabrios konnte nicht auf der Kreuzung stehenbleiben.

Als sie endlich das Revier verlassen durfte, graute bereits der Morgen. Janice hielt ein Taxi an. Aber sie hatte immer noch nicht den Mut, nach Hause zurückzukehren.

Matt Weddy fiel ihr ein. Er war bekannt dafür, dass er die Nacht zum Tag machte und in einer Bar namens „Scooter“ anzutreffen war. Und für noch etwas war Matt Weddy bekannt: Dass er Freunden, die es bitter nötig hatten, auch mal mit kleineren Mengen Stoff aushalf.

Janice erschrak. So tief war sie bereits in dieser kurzen Zeit gesunken? Dass sie sich nach einer Droge sehnte, die ihr helfen würde, all das Grauen, von dem sie gefoltert wurde, zu vergessen.

Das Mädchen verließ vor dem „Scooter“ das Taxi. Der Wagen fuhr weiter. Janice betrat die Bar. Es waren nur noch wenige Nachtschwärmer übriggeblieben. Nur die Hartnäckigsten lungerten noch herum.

Unter ihnen war Matt Weddy. Er hatte zwei aufgetakelte Bienen bei sich. Die eine war rothaarig. Die andere brünett. Sie trugen offenherzig dekolletierte Kleider und rechneten damit, dass Matt noch mit ihnen abschwirren würde.

Als er Janice erblickte, erhob er sich jedoch und verließ die beiden. Enttäuscht schauten sie ihm nach. Die Blicke, mit denen sie Janice bedachten, hätten das Mädchen erdolchen können.

„Was für ein Lichtblick in dieser trüben Hütte“, sagte Matt Weddy grinsend. Er war mittelgroß und ölig.

Der schwarze Oberlippenbart war gefärbt.

„Hallo, Matt“, sagte Janice.

„Bist du meinetwegen hier?“

„Würde dir das schmeicheln?“

„Allerdings.“

„Okay. Dann bin ich deinetwegen hier“, sagte Janice.

„Was kann ich für dich tun?“

„Matt, du musst mir aushelfen“, sagte Janice eindringlich.

Weddy schaute sie erstaunt an. „Ich dachte, du wärst sauber.“

„Das war ich auch bis heute.“

„Dann solltest du lieber nicht damit anfangen.“

„Ist das nicht meine Sache?“, fragte Janice spitz.

„Doch, doch, Baby. Das schon. Aber Jerry Pool dreht mir den Hals um, wenn er erfährt, dass du das Zeug von mir...“

Janice fiel Matt Weddy ungeduldig ins Wort: „Jerry wird davon nichts erfahren.“ Sie legte Weddy die Hand auf den Arm und schaute ihm flehend in die Augen. „Ich bitte dich, Matt. Du musst mir helfen. Es geht mir im Moment ziemlich dreckig. Ich sehe keine andere Möglichkeit, darüber hinwegzukommen. Ich hör ganz bestimmt wieder damit auf, wenn ich merke, dass ich den Tiefpunkt hinter mir habe.“

Matt seufzte. „Das nehmen sich viele vor, Janice. Aber die wenigsten schaffen es.“

„Spar dir deine Predigten. Willst du mir nicht helfen, dann muss ich eben anderswo ...“

„Ist ja schon gut, Baby“, sagte Matt Weddy. „Ich mache mir Sorgen um dich. Darf ich das nicht?“

„Davon wird mir nicht besser“, erwiderte Janice schnippisch.

„Okay. Was soll’s sein?“

„Ist mir egal. Was du gerade zur Hand hast.“

„Haschisch und Marihuana. Auf was anderes müsstest du vierundzwanzig Stunden warten.“

„Ich nehme Marihuana“, entschloss sich Janice rasch.

Matt nickte.

„Komm mit.“ Dann rief er dem Keeper zu: „Bin gleich wieder zurück. Gieß mir inzwischen einen Bloody Mary ein.“

Weddy und Janice verließen die Bar. Weddy ging mit dem Mädchen zu seinem roten Mustang. Er schloss auf, kramte im Handschuhfach herum, gab Janice ein kleines Päckchen. Sie griff blitzschnell danach, als befürchte sie, er könne es sich im letzten Moment noch überlegen.

„Danke“, keuchte sie. Sie fuhr sich nervös über die Augen. „Was bin ich schuldig?“

Matt winkte ab. „Quatsch. Unter Freunden redet man nicht von Schulden. Ich wünsch dir, dass du bald über den Berg kommst, Baby.“ Er nahm sie bei den Hüften, zog sie an sich und küsste sie auf die Wange. Grinsend meinte er: „Dagegen wird Jerry bestimmt nichts einzuwenden haben.“

„Bestimmt nicht“, sagte Janice, löste sich von Weddy und ging ihrer Wege. Sie zündete sich eine der Marihuana-Zigaretten an der nächsten Ecke an und rauchte gierig. Verzweifelt wartete sie auf die Wirkung. Sie blieb aus. Janice brannte sich noch ein Stäbchen an.

Der Erfolg blieb derselbe. Auch das Rauschgift half ihr nicht über die Angst hinweg, die mit scharfen Zähnen immerzu in ihrem Bauch nagte.

Los Angeles atmete für sie eine unverhohlene Feindseligkeit aus. Sie spürte, dass sie in dieser Stadt nicht alt werden würde. Sie glaubte zu wissen, dass sie in L. A. vor die Hunde gehen würde.

Janice begriff, dass sie nur eine Überlebenschance hatte: Sie musste fort von hier, und zwar so schnell wie möglich. Sonst würde diese Stadt sie sukzessive in den Wahnsinn treiben.

Sie sehnte sich nach Jerry.

Sie nahm sich vor, ihn anzurufen und ihn zu fragen, ob sie nicht zu ihm nach Boston kommen dürfe. Die zwei Wochen Wartefrist wären eigentlich schon um gewesen. Jerry konnte nichts dagegen haben, dass sie kam. Er durfte nichts dagegen haben.

Janice brauchte in ihrem schlimmen Zustand unbedingt einen Menschen, an den sie sich klammern und an dem sie sich wieder aufrichten konnte. Vielleicht hörten dann auch die furchtbaren Alpträume auf ...

17

Blut. Das war das erste, was Harry Willker wahrnahm. Den Geschmack von Blut auf der Zunge. Er schlug benommen die Augen auf. Der Hubschrauber war total zertrümmert worden.

Die Kanzel des Bell 205 A war aufgebrochen wie ein Ei, das zu Boden gefallen war. Seal Mills hing über dem Steuerhorn. Er rührte sich nicht. Sein Gesicht war zerschrammt. An seiner Schläfe glänzte eine dicke violette Beule.

Willker richtete sich vorsichtig auf. Er stellte fest, dass seine Beine eingeklemmt waren. Es dauerte eine Weile, bis er sie freibekommen hatte. Einer seiner Schneidezähne wackelte. Beim Atmen schmerzte ihn der geprellte Brustkorb. Aber seine Knochen schienen heil geblieben zu sein. Es war nichts gebrochen. Ein Lichtblick.

Willker beugte sich über Seal Mills.

Aus dem Mund des Piloten kamen rasselnde Schnarchlaute.

Der Schriftsteller legte dem Mann vorsichtig die Hand auf die Schulter. Er rüttelte Mills, doch der Pilot reagierte nicht.

Harry Willker schlug mehrmals auf Mills’ Wange.

„Mr. Mills!“, sagte er eindringlich. „Mr. Mills ...“

Ein kurzer Ruck ging durch den verrenkten Körper des Piloten. Der Mann drehte den Kopf. Seine Lider flatterten.

„Dem Himmel sei Dank“, stieß Willker hervor. Er war sichtlich erleichtert.

Seal Mills richtete sich langsam auf. Sein Körper straffte sich, die Muskeln spannten sich versuchsweise.

„Verdammt!“, ächzte der Pilot. „Verflucht und zugenäht! Jetzt haben wir die Bescherung!“ Er tastete sein Gesicht ab. „Ich sehe wahrscheinlich aus wie Frankensteins Monster.“

„Halb so schlimm. Wie fühlen Sie sich?“

„Wollen Sie es wirklich wissen?“

„Natürlich.“

„Beschissen“, sagte Mills zornig. Er schaute sich um. „Mir kommt das Heulen“, ächzte er. „Sehen Sie sich das Rotorblatt an. Daraus ist ’ne Spirale geworden. Damit kann ich nichts mehr anfangen.“

„Sie sollten sich darüber freuen, dass Sie den Absturz überlebt haben.“

Mills starrte den Schriftsteller wütend an. „Verdammt noch mal, wenn Sie mich hätten umkehren lassen, wäre mein Hubschrauber ganz geblieben. Darüber würde ich mich freuen.“

„Ich werde für den Schaden selbstverständlich aufkommen“, sagte Willker.

Seal Mills lachte bitter. „Das können Sie jetzt leicht versprechen. Weil Sie wissen, dass wir von dieser Insel sowieso nicht mehr lebend wegkommen.“

„Wie kommen Sie denn darauf?“

„Denken Sie, dieser gottverfluchte Dämon lässt uns jetzt so einfach abhauen? Er hat uns vom Himmel heruntergeholt, damit er uns auf seiner Insel fertigmachen kann.“

Mills hob den Kopf. Blauer Himmel über ihnen. Nicht eine Spur von einem Nebel. Zwischen den Blättern der Palmen stach die Sonne mit grellen Lichtlanzen hindurch.

Das Meer rauschte leise.

Die Absturzstelle war nicht weit vom Strand entfernt.

Seal Mills kletterte unbeholfen aus dem Wrack. Er sprang auf den weichen Boden und massierte seine schmerzenden Gelenke.

Als Willker den Hubschrauber nicht gleich nach ihm verließ, wandte er sich grimmig um und fragte: „Was ist? Denken Sie, die Libelle wieder flott kriegen zu können?“

Der Schriftsteller kletterte daraufhin ebenfalls aus dem Wrack.

„Ich könnte mich in den Hintern beißen“, knurrte Mills. „Warum war ich nur so verrückt, mich von Ihnen engagieren zu lassen? Jetzt haben Sie Ihr Abenteuer. Sind Sie zufrieden? Kommen Sie. Wir gehen zum Strand hinunter. Vielleicht entdecken wir irgendwo ein Boot, mit dem wir von hier wegkommen können.“ Willker hob den Kopf und schob das Kinn entschlossen vor. „Sie scheinen vergessen zu haben, aus welchem Grund wir hierhergekommen sind, Mr. Mills.“

Der Pilot blickte Willker verblüfft an. „Wollen Sie damit sagen, dass Sie die Absicht haben, gegen den Totenlord ins Feld zu ziehen? Verdammt noch mal, hat Ihnen nicht gereicht, was er uns vorhin gezeigt hat? Dem Kerl sind Sie doch auf gar keinen Fall gewachsen. Sie müssen lebensmüde sein, wenn Sie nicht schleunigst versuchen, von dieser Insel runterzukommen. Mann, nehmen Sie Vernunft an! Hier werden Sie nicht alt. Der Totenlord kann Dinge tun, denen Sie lächerlich wenig entgegensetzen können.“

„Ich wusste von Anfang an, worauf ich mich einlasse“, sagte Harry Willker ernst.

„Okay. Meinetwegen rennen Sie in Ihr Verderben. Aber ohne mich. Auf mich dürfen Sie nicht zählen, mein Lieber. Ich bin zwar kein Feigling, aber ich bin in der Lage, mir in jeder Situation meine Chancen auszurechnen. Hier sind meine Chancen gleich Null, deshalb werde ich aus dieser Erkenntnis meine Konsequenzen ziehen. Sie sollten besser mitkommen, sonst kriegt Ihr Verleger kein Manuskript mehr von Ihnen, das kann ich Ihnen versichern.“

Harry Willker schenkte seine Aufmerksamkeit plötzlich nicht mehr Seal Mills. Das ärgerte den Piloten natürlich maßlos.

„He!, knurrte Mills. „Ich rede mit Ihnen!“

Willkers Blick streifte die grüne Wand des verfilzten Unterholzes.

„Wir werden beobachtet“, sagte er leise.

Seal Mills erschrak. „Von ihm? Glauben Sie, dass er ...“

„Ich weiß es nicht.“

„Mann, lassen Sie uns verduften!“

„Wohin denn?“

„Zum Strand. Wenigstens zum Strand.“

Harry Willker suchte nach den Augen, von denen er sich angestarrt fühlte. Seine Brauen zogen sich zusammen. Über seiner Nasenwurzel kerbte sich eine steile Falte in die Stirn.

Er glaubte, das Glitzern eines Augenpaares entdeckt zu haben. Noch ein Augenpaar glaubte er zwischen hohen Farnen zu erblicken. Mehr, immer mehr Augen sah er. Sie waren davon umringt. Willker rechnete mit einem Angriff. Der einzige Fluchtweg, der im Moment noch offen war, war der Weg zum Strand.

Harry Willker nickte dem Piloten zu. „Okay, Mills. Versuchen wir, den Strand zu erreichen.“

Vorsichtig setzten sie sich vom Helikopter ab...

18

Janice Price hatte mit Jerry Pool telefoniert und hatte von ihm für den Abflug grünes Licht bekommen. Janice fühlte einen Stein von ihrer Brust fallen. Endlich! Endlich war es soweit! Sie konnte L. A. verlassen, durfte wieder mit Jerry zusammen sein.

Sie fasste neuen Mut.

Sie trank keinen Tropfen Alkohol mehr, obwohl ihr das ziemlich hart ankam, und rauchte auch keine Marihuana-Zigarette mehr. Ihre Nerven flippten, doch sie versuchte, ohne Whisky und ohne Drogen damit fertig zu werden.

Es wird alles gut! sagte sie sich immer wieder. Daran richtete sie sich auf. Sie bemühte sich redlich, nicht mehr an jenen unheimlichen Kerl zu denken, der sie irgendwie krank gemacht hatte. Dennoch konnte sie die Erinnerung an den Hässlichen nicht ganz aus ihrem Geist verbannen.

In großer Eile packte sie ihre Koffer.

Da schellte es an der Tür.

Janice fuhr mit einem spitzen Schrei herum. Ihre Augen waren weit aufgerissen. Furcht glitzerte in ihnen. Sofort fiel ihr wieder der Unheimliche ein. Er hatte sie eine Weile in Ruhe gelassen, doch das hieß noch lange nicht, dass er ganz aus ihrem Leben verschwunden war.

Stand er jetzt draußen vor der Tür?

Janices Herz fing schneller zu schlagen an. Sie biss sich auf die Lippe. Ihre nervösen Finger verhedderten sich ineinander. Ratlos stand sie vor dem offenen Koffer, in den sie nur noch wenige Dinge zu packen hatte.

Sollte sie so tun, als wäre sie nicht zu Hause?

Es schellte wieder.

Janice hielt die Ungewissheit nicht länger aus. Sie eilte in die Diele und blickte zum Guckloch hinaus. Danach atmete sie erleichtert auf. Sie öffnete die Tür und versuchte sich ihre Angst nicht anmerken zu lassen.

Sie brachte sogar ein kleines Lächeln zustande.

„Hank“, sagte sie mit einer erstaunlich festen Stimme. „Hank. Nett, dich mal wiederzusehen.“

Hank Murdock, der Makler, nickte freundlich. „Hallo, Janice. Darf ich reinkommen?“

Janice fuhr sich durchs Haar. „Klar. Aber ich hab leider nicht viel Zeit für dich. Meine Maschine geht in eineinhalb Stunden.“

„Du verreist?“

Janice nickte.

„Darf man fragen, wohin?“

„Nach Boston. Zu Jerry.“ Janice führte den Makler ins Wohnzimmer. Sie wies auf die weiße Ledercouch. „Nimm Platz, Hank. Möchtest du was trinken?“

„Einen kleinen Pernod  falls du welchen hast.“

„Für gute Freunde haben wir alles“, sagte Janice. Sie brachte dem Makler den gewünschten Drink,goss für sich Apfelsaft in ein Whiskyglas, damit es so aussah, als würde sie auch etwas Alkoholisches trinken.

Murdock stellte sein Glas weg, nachdem er kurz daran genippt hatte. Janice fand, dass Hank sich verändert hatte, seit sie ihn zum letzten mal gesehen hatte. Er war ernster geworden. Stiller. Er wirkte irgendwie krank. Janice schrieb das Hanks Job zu, der hin und wieder recht aufreibend sein konnte.

„Jerry scheint dir sehr zu fehlen“, sagte Murdock. „Man sieht’s dir an.“

„Komm bitte zur Sache, Hank“, bat Janice den Makler.

Murdock nickte. „Natürlich. Sonst verpasst du noch dein Flugzeug. Jerry sucht ein Haus in der Einsamkeit, nicht wahr?“

„Schon seit langem.“

Murdock nickte wieder. „Ich glaube, ich habe etwas für ihn. Allerdings ist es nicht gleich hier um die Ecke.“

„Je weiter weg von Los Angeles, desto lieber ist es uns“, entfuhr es dem Mädchen.

„Einsamer geht’s nicht  und weiter weg wohl auch kaum“, sagte Hank Murdock.

Janice wurde kribbelig. „Komm schon, Hank, mach’s nicht so spannend.“

„Das Haus gehörte einem britischen Industriellen. Der Mann ist kürzlich gestorben, und seine Familie weiß mit dem Gebäude nichts anzufangen. Ich bekam es durch Zufall angeboten, und ich könnte mir vorstellen, dass es genau das Richtige für Jerry und dich ist.“

„Wo steht dieses Haus?“, wollte Janice wissen.

„Auf einer kleinen Insel in der Südsee.“

„Herrlich“, stieß Janice lachend hervor. Sie applaudierte. „Wundervoll. Ein Traum!“

„Es ist auch vom Preis her interessant ...“

„Der Preis spielt keine Rolle“, sagte Janice. „Wenn es unseren Vorstellungen entspricht, kauft Jerry es um jeden Preis.“

„Und es wäre mit dem Butler zu übernehmen“, fügte Hank Murdock hinzu.

„Ein Butler wäre uns nur recht“, erwiderte Janice. „Komm, Hank, beschreib mir das Haus.“ Sie schloss die Augen, um sich auf Murdocks Schilderung zu konzentrieren, doch der Makler blieb stumm.

Janice öffnete die Augen wieder. Sie sah, wie Murdocks Hand in die Innentasche seines Jacketts glitt.

„Ich habe ein paar Aufnahmen von dem Haus bei mir“, sagte der Makler. „Auf diese Weise kannst du dir ein unverfälschtes Bild machen. Wenn man etwas beschreibt, und sei es noch so genau, kann es immer wieder zu Missverständnissen führen.“

Murdock legte sieben Fotografien vor Janice hin. Sie griff neugierig danach. Ihre Augen wurden groß vor Begeisterung. Sie stieß kleine Freudenschreie aus und rief: „Oh, Hank, es ist wundervoll. Es ist das prachtvollste Haus, das ich je gesehen habe. Ich bin davon fasziniert, und ich bin davon überzeugt, Jerry wird es auch sein. Darf ich die Bilder behalten?“

„Natürlich.“

Janice ging mit verklärtem Blick noch einmal alle sieben Aufnahmen durch. Ein Foto war vom Flugzeug aus gemacht worden und zeigte die kleine Südseeinsel aus der Vogelperspektive  mit dem Gebäude und dem goldfarbenen Sandstrand, der sich davor erstreckte.

Es gab mehrere Ansichten von den vier Seiten des Hauses sowie zwei Innenaufnahmen, die Janice fast noch mehr begeisterten. Sie hatte sofort den unbändigen Wunsch, in diesem Traumhaus zu wohnen.

Sie wusste, dass es Jerry genauso ergehen würde.

Kein Großstadtbetrieb mehr. Keine Menschenmassen mehr. Nur noch Ruhe, Erholung, Entspannung. Janice sehnte sich so sehr danach, und nun würde dieser Wunsch endlich in Erfüllung gehen.

Das Mädchen begriff nicht, dass das alles von dämonischen Kräften raffiniert eingefädelt worden war.

Sie glaubte, alles aus eigenem Antrieb zu tun, aber das war schon lange nicht mehr der Fall.

Sie hielt es in der Zivilisation nicht mehr aus. Die Großstadt machte sie krank, und all das veranlassten die dämonischen Kräfte. Sie verleideten dem Mädchen den Aufenthalt in jeder erdenklichen Weise, so dass es für Janice wie ein rettender Ausweg aussehen musste, der ihr von Hank Murdock jetzt angeboten wurde.

„Ich werde mit Jerry über das Haus reden“, sagte das Mädchen zu Hank Murdock. „Du kannst sicher sein, es ist bereits heute so gut wie gekauft.“

Der Makler lächelte zufrieden. „Jerry soll mich anrufen.“

„Das wird er tun“, versprach Janice, und in ihren blauen Augen glänzte der Traum von der Südsee.

19

Da war eine Bewegung in den hohen Farnen.

Seal Mills leckte sich nervös über die Lippen. Er und Harry Willker standen bis zu den Knöcheln im gelben Sand. Hinter ihnen rauschte monoton das Meer.

„Willker, was ist los?“, keuchte Mills. „Was sind das für Augen, die uns so feindselig anstarren?“

Der Schriftsteller zuckte mit den Schultern. „Vielleicht sind es die Dienerinnen des Totenlords.“

„Diese alten Weiber? Verdammt!“ Seal Mills ballte die Fäuste. „Eine von denen soll mir zu nahe kommen, dann schlage ich zu!“

Die Farne zitterten.

„Wie viele, schätzen Sie, sind es?“, fragte Mills beunruhigt.

„Dreißig, vierzig vielleicht.“

„Großer Gott, wie sollen wir denn mit so vielen Weibern fertig werden?“ Der Pilot schaute sich um. „Wenn wir hier den Strand entlanglaufen ... Ich meine, es hat doch keinen Zweck, hier stehenzubleiben, Willker. Wir müssen etwas unternehmen. Irgend etwas. Vielleicht gibt es auf dieser verfluchten Insel doch irgendwo ein Boot, mit dem wir abhauen können.“ Die erste Alte trat aus den hohen grünen Farnen hervor.

„Zu spät“, knirschte Willker.

„Wie? Was sagen Sie?“

„Ich sagte: Zu spät“, wiederholte der Schriftsteller. Eine zweite Greisin trat aus dem Schatten der Farne. Ausgemergelt, eingefallen, mit knochendürren Armen. In der Hand einen kurzen Bambusstock.

Die dritte, die vierte, die fünfte Greisin ... Alle hatten einen solchen Stock in ihrer Hand.

20

Zehn Dienerinnen des Totenlords standen reglos vor der Wand des Dickichts.

„Die alten Mädchen können bestimmt nicht so schnell rennen wie wir“, sagte Mills atemlos. „Kommen Sie, Willker. Worauf warten Sie? Hauen wir ab!“

Der Pilot wandte sich nach Osten und rannte los.

Doch plötzlich tauchten in einer Entfernung von hundert Metern zehn weitere Greisinnen auf. Sie sperrten den Strand ab. Mills blieb schwer atmend stehen. Er wirbelte herum. Aber auch im Westen erschienen in diesem Moment mehr als zehn alte Frauen.

Sie hoben die Bambusstöcke.

„Tun Sie etwas, Willker!“, keuchte der Pilot. „Verhindern Sie, um alles in der Welt, dass sie uns totschlagen.“

„Hört zu!“, schrie Mills dann selbst. „Bleibt, wo ihr seid und hört mich erst mal an. Ich bin der Pilot dieses Hubschraubers. Wir waren auf dem Flug zu den Kermadec-Inseln. Wir hatten nicht die Absicht, hier zu landen. Es war ein Unglück. Wir sind abgestürzt, wie ihr gesehen habt. Wenn ihr uns ein Boot gebt, verlassen wir eure Insel sofort, und ihr seht uns nie mehr wieder. Wir wollten euch hier nicht stören, bestimmt nicht. Ihr müsst uns das glauben.“

Die Greisinnen kicherten.

„Er hat Angst“, schrie eine von ihnen.

Sie alle setzten sich nun langsam in Bewegung.

Seal Mills hörte sie kichern. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn, packte Willker bei den Schultern und schüttelte ihn wild.

„Das habe ich Ihnen zu verdanken, verdammt.“

„Mann, reißen Sie sich zusammen!“, herrschte Harry Willker den Piloten an. „Ich habe Sie nicht gezwungen, mich hierher zu fliegen. Sie haben mein Angebot aus freien Stücken angenommen.“

„Ich wollte, ich wäre Ihnen nie begegnet!“, stöhnte der Pilot. „Meine Maschine ist hin, und nun werden uns diese verfluchten Weiber mit ihren Prügeln tot dreschen.“ Ein Lichtblick huschte über Mills’ schweißnasses, stark gerötetes Gesicht. „Ihre braune Ledertasche! Sie sagten doch, darin befänden sich Waffen, mit denen Sie einem Dämon zusetzen können. Wo ist die Tasche? Vielleicht können Sie mit irgendeiner Waffe etwas gegen diese Weiber ausrichten.“

„Die Tasche befindet sich im Hubschrauber.“

„Herrgott noch mal, warum haben Sie sie nicht mitgenommen?“, schrie Seal Mills den Schriftsteller an.

Die Greisinnen rückten immer näher.

„Männer!“, sagten sie belustigt. „Junge, starke Männer! Wir werden sehen, was sie aushalten können.“

„Diese krächzenden Stimmen gehen mir durch Mark und Bein“, ächzte Seal Mills mit verzerrtem Gesicht. Die alten Weiber waren nun schon so nahe, dass er jede einzelne Falte ihres verwelkten Antlitzes erkennen konnte. Hass loderte in ihren alten Augen.

Die anderen brachen in ein schallendes Gelächter aus. Ringsherum zahnlose Münder, die krächzend lachten. Es war grauenerregend.

„Angst! Angst! Angst!“, riefen die alten Weiber im Chor.

Und dann schlugen sie zu. Die Bambusstöcke prasselten auf Willker und Mills herab. Seal Mills riss die Arme hoch, um seinen Kopf zu stützen.

„Aufhören!“, brüllte er aus Leibeskräften. „Hört doch auf! Warum tut ihr das?“

Die getroffenen Arme schmerzten ihn. Er bekam Schläge auf den Hinterkopf und auf den Rücken. Er drehte sich schreiend im Kreis. Seine Füße wühlten sich immer tiefer in den Sand.

Er versuchte, den Ring der alten Weiber zu durchbrechen, doch es gelang ihm nicht. Er prallte gegen ihre knöchernen Körper. Sie stießen ihn zurück und schlugen sofort wieder auf ihn ein.

Aus mehreren Platzwunden rann ihm Blut über die Stirn, über die Augen, über die Wangen. Er wehrte sich verzweifelt. Er schlug um sich, doch keiner seiner Hiebe hatte die gewünschte Wirkung.

Harry Willker versuchte, kühlen Kopf zu bewahren. Auch er schützte sich mit hochgehobenen Armen. Hin und wieder, schlug er nach einem runzeligen Gesicht, und wenn er traf, fiel eine Greisin zu Boden.

Doch die Lücke, die ein solcher Treffer riss, wurde sogleich von einer anderen alten Vettel ausgefüllt, die dann doppelt so hart zuschlug wie ihre Vorgängerin.

Willker wehrte sich mit heldenhaftem Mut. Er warf sich gegen die ausgemergelten Leiber. Die Luft war vom Geschrei und Geheul der Greisinnen erfüllt. Willker rammte seine Schultern gegen die alten Frauen.

Sie flogen zur Seite. Harry Willker stürmte vorwärts. Eine Gasse bildete sich. Links und rechts Greisinnen. Es wurden immer mehr. Sie warteten auf den Schriftsteller mit zum Schlag erhobenen Stöcken.

Die Gasse wies auf die Absturzstelle. Wenn es Willker schaffte, den Hubschrauber zu erreichen, konnte er mit seiner Waffe vielleicht die alten Weiber verscheuchen.

Er musste es versuchen. Es würde ein schmerzhaftes Spießrutenlaufen werden, aber wenn der Himmel ihm beistand, konnte es ihm gelingen, das Wrack zu erreichen. Herr! dachte Harry Willker flehend. Gib mir die Kraft, die ich brauche, um die Schmerzen zu ertragen.

Dann wuchtete er sich nach vorn. Die Stöcke flogen auf ihn herab. Hart. Gnadenlos. Schmerzhaft. Sie trafen seine Schultern, seinen Rücken, das Genick, den Hinterkopf.

Er rannte schwer keuchend und mit schmerzverzerrtem Gesicht weiter. Die alten Weiber kreischten vor Vergnügen. Das Ende der Gasse war noch entsetzlich weit. Harry Willker stolperte. Der nächste Schlag warf ihn in den Sand.

Sofort deckten ihn die Greisinnen mit einer Unzahl von Hieben ein. Er spürte, wie ihn die Kräfte verließen. Du darfst nicht aufgeben, hämmerte es in seinem Schädel.

Er quälte sich wieder hoch und torkelte weiter. Links und rechts stand eine Wand aus dürren Körpern, die von widerlichen Gesichtern überragt wurde. Und immer wieder surrten die Bambusstöcke durch die Luft.

Das Ende der Gasse schien sich von Harry Willker immer mehr zu entfernen. Es rückte in eine unerreichbare Ferne. Er wollte nicht aufgeben. Sein Geist wollte den zerschlagenen Körper zwingen durchzuhalten, doch das gepeinigte Fleisch war nicht in der Lage, dem Befehl des Geistes zu gehorchen.

Ein harter Hieb warf ihn neuerlich in den Sand.

Er rollte ächzend auf den Rücken. Die kreischenden Weiber beugten sich über ihn und schlugen so lange auf ihn ein, bis er nichts mehr spürte.

Seal Mills, von dem die Greisinnen kurz abgelassen hatten, starrte fassungslos auf den im Sand liegenden Mann.

„Ihr gottverfluchten Hexen!“, brüllte er verzweifelt. „Ihr habt ihn erschlagen!“

Die Weiber wandten sich daraufhin wieder ihm zu.

Da wusste Seal Mills, dass er in wenigen Augenblicken neben Harry Willker liegen würde ...

21

Janice hatte mehr Zeit als sonst fürs Make-up verwendet. Jerry sollte nicht erkennen, was sie in den vergangenen zwei Wochen mitgemacht hatte. Ihre Hände zitterten. Sie hätte gern ein Glas Whisky getrunken, doch sie kämpfte die Gier nach dem Alkohol tapfer nieder und verbarg die zitternden Hände hinter der Handtasche.

Ihr gegenüber saß Dr. Pamberton, ein Mann, der wie einer dieser Ärzte aus den Fernsehsendungen aussah: Jung, hübsch, groß, schlank. Ein Mann, der bei den Frauen gut ankam. Er war selbstsicher, hatte ein fast aristokratisches Auftreten, war mit einem Wort eine wahre Persönlichkeit.

„Wie geht es Jerry?“, fragte Janice gespannt.

„Gut“, sagte Dr. Pamberton. „Sehr gut. Er trägt noch die Bandagen. Sie dürfen sich davon nicht erschrecken lassen. Der Heilungsprozess ist noch nicht ganz abgeschlossen. Aber ansonsten geht es Jerry Pool prächtig. In ein paar Tagen werden wir die Bandagen abnehmen. Dann werden Sie von seinem jugendlichen Aussehen begeistert sein.“

„Hat er, hat er noch Schmerzen?“ Dr. Pamberton schüttelte den Kopf. „Er fühlt sich wirklich gut, und er freut sich auf Sie. Kommen Sie, ich bringe Sie zu ihm.“ Der Gesichtschirurg erhob sich. Er trug einen blütenweißen Mantel. Dadurch kam die Bräune seines scharf geschnittenen Gesichts noch besser zur Geltung. Janice verließ mit ihm das Büro. Sie hatte Herzklopfen, war aufgeregt, als würde sie Jerry Pool zum ersten mal begegnen. Sie hatte die Fotografien, die Hank Murdock ihr überlassen hatte, in ihrer Handtasche.

Janice war sicher, dass es nicht vieler Worte bedurfte, um Jerry zu veranlassen, das Haus in der Südsee zu kaufen.

Dr. Pamberton blieb vor einer weißen Tür stehen. Er klopfte.

„Herein!“ Jerrys Stimme klang frisch und fest. Als Dr. Pamberton die Tür aufmachte, bekam Janice weiche Knie.

„Besuch für Sie, Mr. Pool“, sagte der Gesichtschirurg lächelnd. Er trat beiseite, und Janice stürmte mit einem heiseren Freudenschrei in das Krankenzimmer.

Jerry sah aus wie eine Mumie. Aber er lachte. Lachte und breitete die Arme aus, um Janice aufzufangen. Sie warf sich an seine Brust und schluchzte.

„O Jerry, Jerry. Du hast mir so schrecklich gefehlt.“

„Wir waren doch bloß zwei Wochen getrennt.“

„Ich weiß. Aber für mich war es eine Ewigkeit.“

Dr. Pamberton schloss leise die Tür. „Halt mich fest“, flüsterte Janice. „Ich möchte nie wieder so lange ohne dich sein, Jerry.“

Der Filmstar drückte Janice von sich, um sie prüfend zu betrachten „Du bist doch okay, Baby, oder?“

„Ja. O ja, es geht mir gut. Jetzt geht es mir wieder gut. Ich hab’s in Los Angeles einfach nicht mehr ausgehalten. Ich hab dort ohne dich beinahe den Verstand verloren.“

Zusammenfassung

Morlands Horror-Kabinett: Vier Gruselromane
von A. F. Morland

Der Umfang dieses Buchs entspricht 426 Taschenbuchseiten.

Vier Horror-Romane in einem Buch.
Gruselromane vom Feinsten! Atemloses Grauen von einem der größten Horror-Autoren Deutschlands mit einer Gesamtauflage von 45 Millionen Exemplaren.

Dieses Buch enthält folgende vier Romane:
Der Totenlord
Der schlafende Koloss - Tony Ballard Band 345
Abschaum der Hölle - Tony Ballard Band 346
Axayoss' Auftrag - Tony Ballard Band 347

Details

Seiten
500
Jahr
2016
ISBN (ePUB)
9783738903904
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2017 (Oktober)
Schlagworte
morlands horror-kabinett vier gruselromane

Autor

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Titel: Morlands Horror-Kabinett: Vier Gruselromane