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320 PS-Jim #9: Höllenjob für Jim Stonewall

©2016 120 Seiten

Zusammenfassung

Terminfracht ist nichts Ungewöhnliches für einen Trucker. Aber wenn diese Fracht auch noch aus einer Ladung besteht – deren Risiko nicht bekannt ist, kann solch ein Auftrag zu einem Höllenjob werden.
Davon weiß Jim Stonewall noch nichts, als er diesen Auftrag annimmt, denn er hat ganz andere Sorgen. Sein Partner Chris Morris ist ausgefallen, er hatte einen Arbeitsunfall und muss die nächsten sechs Wochen das Bett hüten. Ein neuer Beifahrer für diesen Job ist schnell gefunden, der seine Sache auch gut macht – aber die Probleme beginnen in dem Moment, als die beiden Trucker durch Zufall erfahren, was es mit ihrer Ladung auf sich hat. Denn sie dürfen nur nachts fahren, weil sich ihre Ladung bei Tag in der Gluthitze des Sommers schnell aufheizt und dann explodieren könnte, wenn eine bestimmte Temperatur erreicht ist. Aber als sie das erfahren, sind sie schon den ganzen Tag gefahren, um Zeit zu gewinnen...

Leseprobe

320 PS-JIM

Band 9

Höllenjob für Jim Stonewall

Roman von Glenn Stirling

––––––––

IMPRESSUM

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Titelbild: 123RF und Steve Mayer, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Klappe

Terminfracht ist nichts Ungewöhnliches für einen Trucker. Aber wenn diese Fracht auch noch aus einer Ladung besteht – deren Risiko nicht bekannt ist, kann solch ein Auftrag zu einem Höllenjob werden.

Davon weiß Jim Stonewall noch nichts, als er diesen Auftrag annimmt, denn er hat ganz andere Sorgen. Sein Partner Chris Morris ist ausgefallen, er hatte einen Arbeitsunfall und muss die nächsten sechs Wochen das Bett hüten. Ein neuer Beifahrer für diesen Job ist schnell gefunden, der seine Sache auch gut macht – aber die Probleme beginnen in dem Moment, als die beiden Trucker durch Zufall erfahren, was es mit ihrer Ladung auf sich hat. Denn sie dürfen nur nachts fahren, weil sich ihre Ladung bei Tag in der Gluthitze des Sommers schnell aufheizt und dann explodieren könnte, wenn eine bestimmte Temperatur erreicht ist. Aber als sie das erfahren, sind sie schon den ganzen Tag gefahren, um Zeit zu gewinnen...

Roman

Jim Stonewall hatte bereits über eine Stunde gewartet, als der Arzt endlich auftauchte. Die Zeit rann Jim unter den Fingern weg. Er kannte den Korridor mit seinen schwarzweißen Fliesen, hatte diesem Treiben des ewigen Kommens und Gehens zugesehen, und die Tür mit der Aufschrift Ambulanz, die hätte er auswendig zeichnen können.

Der Arzt wirkte wie ein Leichenbitter, sorgfältig gescheiteltes Haar, Pomade drin, wie Jim vermutete, ein Typ um die Vierzig. Blass sah er aus, sollte mal an die frische Luft kommen.

„Ihr Partner, Mr. Stonewall, wird eine Weile bei uns bleiben müssen.“ Jims Unterkiefer klappte herunter. Dann aber hatte er sich gefasst und platzte heraus: „Haben Sie gesagt, Doktor, er müsste bei Ihnen bleiben?“

„Exakt das habe ich gesagt, Mr. Stonewall. Es ist eine Gehirnerschütterung und ein angeknackter Nackenwirbel. So etwas heilt nicht von allein.“

„Hören Sie, Doktor, an dem war doch gar nichts dran. Eine Sekunde weg ist er gewesen, das war alles.“

„Das ist die Gehirnerschütterung gewesen. Aber der Nackenwirbel ist angebrochen. Das heilt zwar wieder, aber es dauert seine Zeit. Er hat eine Halskrause bekommen, muss ruhig liegen, zumindest die ersten acht Tage, da beißt die Maus keinen Faden ab.“

„Hören Sie, Doktor, ich habe eine dringende Fracht und ... “

„Arbeiten Sie, um Geld zu verdienen, damit Sie leben können, oder um sich zu ruinieren, Mr. Stonewall?“, fragte der Arzt eisig.

„Natürlich um Geld zu verdienen und um zu leben. Aber ich brauche Chris!“

Sie saßen auf dem Pulverfaß, und die Lunte brannte schon.

„Und er braucht seine Gesundheit, er braucht sein Leben.“

Jim musste es erst verdauen. Dann fragte er etwas gefasster: „Wie lange etwa?“

„Wenn alles gutgeht“, meinte der Arzt achselzuckend, „vierzehn Tage. Wenn wir ein bisschen Pech haben, drei Wochen. Aber arbeiten kann Ihr Partner frühestens in sechs Wochen. Die Erschütterungen auf einem Truck ... “

„Erzählen Sie mir nicht, was für Erschütterungen das sind. Wir fahren einen, auf dem nicht viel erschüttert.“

Der Arzt schüttelte ungläubig den Kopf.

„Hören Sie, Mr. Stonewall, dies hier ist eine Unfallklinik. Und der Anteil der Trucker an unseren Patienten ist relativ hoch. Sie gehören einem Berufsstand an, dessen Unfallquote über die Norm geht, wenn auch die wenigsten davon Verkehrsunfälle sind. Wie ist das überhaupt passiert mit Ihrem Partner? Ich muss das noch in den Bericht eintragen.“

„Er ist von einer Rampe gestürzt. So hoch nur...“ Jim hielt die Hand etwa in Gürtelhöhe. Dann fuhr er fort: „Irgendein Idiot hatte da Öl ausgekippt. Chris ist ausgerutscht, von der Rampe heruntergeflogen und so unglücklich, dass es ihn am Kopf erwischt hat. Aber er war nicht länger als eine Sekunde weg.“

„Das ist die Gehirnerschütterung. Und den Nacken hat es eben auch erwischt. Was sollen wir lange reden. Möchten Sie noch einmal mit ihm sprechen? Ich nehme an, Sie wollen weg.“

„O Hölle, Doktor! Und ob ich weg muss. Mir läuft die Zeit unter den Händen weg. Das Wort eilig ist die Bezeichnung für eine Schnecke im Vergleich zu dem, wie ich es habe.“

„Irgendwann in Ihrem Leben, und wenn es ganz am Ende ist, lieber Mr. Stonewall, werden Sie wahnsinnig viel Zeit haben. Ihr Partner, Mr. Morris, hat diese Zeit jetzt schon. Ich habe zu tun, entschuldigen Sie mich bitte.“

„Danke, Doktor“, knurrte ihm Jim nach.

Da brachten sie Chris schon herausgerollt. Auf einer Trage lag er wie ein geprellter Frosch, und eine Halskrause hatten sie ihm verpasst. Wenn Jim sich nicht so mies gefühlt hätte in diesem Augenblick, wäre ihm das große Lachen gekommen. Aber so verzog er das Gesicht wie nach einem gepanschten Whisky und sagte zu Chris, der ihn entschuldigend ansah: „Dem Sauhund, der das Öl auf die Rampe gekippt hat, dem werde ich die Haut in winzige Streifen schneiden und dann um meine Zaunpfähle wickeln!“

„Das nützt dir auch nichts mehr“, erwiderte Chris. „Wo kriegst du, zum Teufel, für diese Kingstone-Fracht einen zweiten Fahrer her?“

„Ich werde es mal mit dem Pokerspiel versuchen, vielleicht gewinne ich einen. Also, Chris, du weißt, dass ich auf dem Schlauch stehe.“ Jim blickte auf seine Armbanduhr, und Chris wusste sehr genau, was er damit meinte.

„Dann hau doch einfach ab! Ich will dich hier gar nicht mehr sehen. Stehst herum und vertrödelst die Zeit. Nun schieß schon in den Wind, Mann!“

„Und du lungere nicht endlos in diesem Stall herum. Lauter hübsche Krankenschwestern, das gefällt dir, wie? Ich möchte ja wetten, du hast das extra gemacht.“

Und sie hätten noch ewig so weiterreden können, keiner von beiden meinte es ja so, wie es sich vielleicht für einen Fremden anhörte. Im Gegenteil, sie machten sich Sorgen umeinander. Jim um Chris, dass der auch wieder richtig auf die Beine kam, und Chris noch mehr um Jim, der jetzt allein fahren musste.

Dabei kannte Chris den Vertrag, den sie abgeschlossen hatten. Die Kingstone Chemicals hatte ausdrücklich in der Frachtvereinbarung zwei Fahrer verlangt und dazu das Tagfahrverbot. Wenn so etwas im Vertrag stand, wussten Jim und Chris immer Bescheid. Dann handelte es sich um eine gefährliche Ladung.

Die beiden verabschiedeten sich, dann stürmte Jim nach draußen. Er war mit dem Krankenwagen hergekommen, und nun musste er ein Taxi nehmen. Glücklicherweise standen drei vor der Klinik.

Jim stieg ein und sagte zum Fahrer, einem Neger: „Kingstone Chemicals, weißt du, wo das ist, Bruder?“

Der Neger war so etwa in Jims Alter. Er grinste, dass seine Zähne leuchteten wie auf einer Zahnpastareklame. „Wenn du einen Kompass hast, Freund“, erwiderte er und startete seinen Wagen.

Die nächsten elf Minuten zeigte er Jim Stonewall, dass auch ein betagter, alter Taxidampfer noch die Ambitionen eines Rennwagens erlangen kann. Am Anfang nahm Jim es mit einem Lächeln, aber zuletzt wünschte er sich nichts sehnlicher, als seinen geliebten RED BARON wiederzusehen.

Dass sein Cabdriver die Kreuzungen offensichtlich nur noch bei Gelb überfuhr und die Kurven nahm, dass sich einem das Gefühl aufdrängte, die inneren Reifen würden abheben, regte Jim noch am wenigsten auf. Eher schon die Art, wie der Taxifahrer seinen Wagen abstoppte. Die alte Mühle tat es nur nach mehrmaligem Pumpen mit dem Bremspedal, und dann gab sie so kreischende Töne von sich, dass es einem durch Mark und Bein ging.

Immerhin war Jim heil gelandet, und drüben vor der Abfüllanlage stand sein RED BARON, diesmal mit einem Spezial-Tankauflieger, der so silbern glänzte, dass er wie verchromt aussah.

Der Auflieger stand in der Halle, das Führerhaus des Sattelschleppers ragte heraus, und die Sonne schien voll drauf. Jim konnte sich ausrechnen, wie die Temperaturen da drinnen ungefähr sein mochten; er tippte auf Backofen.

„So, da wären wir“, sagte der Neger und grinste wieder, offenbar in Erwartung eines Lobes ob seiner tollkühnen Fahrt.

Jim zahlte, und der Neger fragte: „Ist dieser Schlitten da drüben deiner?“

Er deutete auf den RED BARON. Offenbar war ihm aufgefallen, dass Jim immerzu in diese Richtung gesehen hatte.

Jim nickte.

„Ein deutscher Bock, nicht wahr?“, meinte der Neger. „Kenne ich, war bei der Armee, bin ein paar Jahre drüben gewesen. Ganz schön aufgemotzt, die Kiste. In Europa dürfen sie so nicht herumfahren. Zufrieden damit?“

„Entschieden zufriedener als mit deiner Kiste, Bruder“, meinte Jim.

„Ist nur eine Aushilfsarbeit, fahre sonst auch so einen Bock. Willst du eine Quittung?“

„Wozu? Ich muss das selber zahlen.“ Jim stieß die Tür auf, die ein wenig klemmte, knarrend ließ sie sich öffnen, und er stieg aus, nickte dem Neger zu und knallte die Tür zu, dass es sich anhörte, als werde der Karren anschließend auseinanderfallen. Aber er tat es nicht. Der Neger gab Gas, und das alte Vehikel schoss davon, als ginge es um den Großen Preis von Philadelphia.

Jim verschwendete keinen Gedanken mehr an das Taxi, sondern marschierte mürrisch auf das Büro der Füllanlage zu.

Ein schmalgesichtiger junger Bursche blickte ihm von seinem Schreibtisch aus durch die dicke Brille entgegen.

„Betriebsfest oder Streik?“, fragte Jim, weil so eine gähnende Leere im Büro herrschte.

„Mittagspause.“

„Denkt ihr“, meinte Jim, „ich will hier Wurzeln schlagen? Verdammt noch mal, ist das Ding voll? Sind die Papiere fertig?“

Der junge Mann blickte ihn verwundert und verständnislos an. „Wieso? Mr. Stonewall, Sie haben Zeit, wahnsinnig viel Zeit. Was ist mit Ihrem Freund?“

„Der liegt vorläufig in diesem Karbolkasten fest, drei Wochen und sechs kann er nicht arbeiten. Und alles wegen eurer verdammten Rampe! Ich möchte zu gerne wissen, wer der Schweinehund war, der dort Öl ausgekippt hat.“

Der junge Mann zuckte die Schultern. „Das kann immer einmal passieren. Er hätte eben aufpassen müssen.“

Jim hatte große Lust, den Burschen hinter seinem Schreibtisch hervorzuziehen und an die Luft zu setzen. Aber das konnte er sich nicht leisten. „Was ist nun mit der Fracht? Ist das Ding voll? Lange genug steht der Karren ja herum.“

„Mr. Stonewall, Sie dürfen nur nachts fahren!“

„Also doch“, brummte Jim, „habe ich mir schon gedacht. Hat dieser Spinner doch die Wahrheit gesagt.“

„Welcher Spinner, Mr. Stonewall?“

„Der Armleuchter, der vorhin in der Halle stand und so getan hat, als wäre er der Weltmeister hier.“

„Das ist der Vorarbeiter von der Ladekolonne, Mr. Stonewall.“

„Nachts fahren, das heißt also gefährliche Ladung, richtig?“

Der Clerk nickte. „Richtig, Mr. Stonewall.“

Die Sonne, die durchs Fenster fiel, spiegelte sich auf den dicken Gläsern des Angestellten.

„Und die verdammten Papiere?“

„Darf ich erst herausgeben, wenn geladen ist. Es wird ja noch gewogen, Mr. Stonewall. Tut mir leid. Wenn Sie noch etwas zu erledigen haben ... “

„Was soll ich zu erledigen haben, verdammt noch mal?“

„Da ist noch etwas, Mr. Stonewall. Sie müssten einen zweiten Fahrer haben.“ Jim wusste das schon, das stand ja im Vertrag, ein zweiter Fahrer.

„Soll ich mir einen kaufen? Soll ich mir einen selbermachen? Wo soll der herkommen, verdammt noch mal?“

„Mr. Stonewall, das sind die Vorschriften, tut mir leid. Aber Sie haben ja noch Zeit. Vielleicht fragen Sie mal im Gewerkschaftsbüro nach. Wenn Sie wollen, kann ich da anrufen.“

Jim streckte die Hand aus, und der Clerk schob ihm das Telefon herüber.

„Die Nummer?“, fragte Jim.

Er bekam sie und wählte. Aber dann legte er, bevor sich jemand gemeldet hatte, wieder auf und fragte sich, ob es richtig war, irgendeinen wildfremden Burschen mit auf den Wagen zu nehmen, selbst wenn ihn die Gewerkschaft empfohlen hatte. Von denen bekam er doch nur die Kerle, die überall herumlungerten und nirgendwo einen Job fanden. So nicht.

Er begann zu überlegen, ob irgendeiner von seinen Kollegen, die er kannte, bereit gewesen wäre, mit ihm zu fahren. Es war ja nicht immer notwendig, dass zwei Mann auf dem Bock saßen. Nur bei diesen Sonderfrachten bestanden die Firmen darauf.

Aber er sah kaum Hoffnung, jemand zu finden. Denn die Ladung war für El Paso bestimmt. Da ging es quer durch die Wüste von Nevada durch Arizona, und der da mit ihm fuhr, der stand nachher in El Paso, während sein eigener Partner am Ende eine Fracht nach Montana hatte. Nein, das führte zu nichts, überlegte Jim weiter.

Also doch die Gewerkschaft anrufen? Sie konnten ihm ja ein paar Kerle schicken. Bis zum Abend war noch ein halber Tag Zeit.

Er wählte noch einmal. Und als sich eine Frauenstimme meldete, brachte Jim sein Anliegen vor.

Sie ließen ihn eine ganze Weile warten, und in dieser Zeit dachte Jim: Wenn der Kerl nichts taugt, schmeiße ich ihn nach drei Meilen hinaus. Wer weiß schon, dass ich dann allein fahre? Dann fahre ich eben allein . Es ist Nacht und alle Katzen sind grau. Die wissen gar nichts. Vielleicht lese ich mir kurz vor der Ankunft in El Paso wieder einen auf, von dem ich dann behaupte, er sei mein Partner.

Die Frauenstimme meldete sich wieder, und nach einigem Hin und Her versprach man, ihm drei Mann zu schicken.

Nach dem Gespräch hieß es warten. Im Büro wollte Jim seine Zeit nicht verbringen, aber ebensowenig in dem heißen Fahrerhaus, auf das noch immer die Sonne herunterknallte.

Dass mir das mit Chris auch passieren musste! Jetzt, wo wir endlich einmal einen richtigen Brocken für die Fracht bekommen, natürlich die Gefahrenzulage. Aber was ist nicht schon alles gefährlich im Leben?, überlegte er weiter.

Dieses Industriegebiet lag ein ganzes Stück außerhalb der Stadt. Nirgendwo schien es irgendein Lokal zu geben, wo man etwas essen konnte. Und Hunger verspürte Jim jetzt. Da lagen noch ein paar Sandwichs im Führerhaus, aber sicherlich waren die krumm, weich und zäh wie Schweineschwarte.

„Ist hier irgendwo eine Futterluke?“, erkundigte sich Jim bei dem Clerk.

Der hatte geschrieben, schaute jetzt auf, blickte irritiert durch seine dicke Brille auf Jim. „Es gibt eine Kantine, wir haben eine Kantine.“

Jim machte eine wegwerfende Handbewegung. Kantinenessen kannte er, das war für ihn der letzte Fraß. Dann lieber die Gummisandwichs aus dem Führerhaus.

Wütend schnippte er sich eine Zigarette aus der Packung, brannte sie an und haderte mit seinem Schicksal. Das Missgeschick von Chris ärgerte ihn bis auf die Knochen.

*

Er hatte die zähen Sandwichs mit ein paar Cokes hinuntergespült, da tauchten die ersten zwei, die von der Gewerkschaft geschickt worden waren, auf. Sie sahen wie Tramps aus, und Jim hätte ihnen nicht einmal einen Schraubenschlüssel anvertraut, geschweige denn sein Fahrzeug.

Es wurde ein äußerst kurzes Gespräch, dann zogen die beiden wieder mit ihrem durchgerosteten Chevy ab.

Sie waren kaum um die Ecke, da hörte Jim ein Geräusch, das ihm unheimlich bekannt vorkam. Und da schoss schon das alte Taxi in den Hof, röhrend wie ein startender Jet, was nachher aber von den kreischenden Bremsen übertönt wurde. Als sich die Staubwolke gelegt hatte, tauchte der Neger wieder auf.

Habe ich dem einen falschen Schein gegeben?, fragte sich Jim.

Der Neger mit dem blendend weißen Gebiss kam in Jims Richtung geschlendert. Er tippte mit zwei Fingern grüßend ans Mützenschild, schnippte sich dann die Mütze ins Genick und hakte die Daumen in die Hosentaschen. „Hallo, Boss!“, rief er. „Ich wusste gleich, dass wir uns wiedersehen. Ich hatte das sofort im Urin.“

„Was ist passiert? War einer der zehn Greenbacks falsch?“

Der Neger schüttelte den Kopf. „Ich war bei der Gewerkschaft. Du suchst einen Partner, er steht vor dir. Siebzehn Jahre Fahrerfahrung, davon neun bei der Army.“

„Was ungefähr die schlechteste Reklame ist“, meinte Jim.

Der Neger nahm es nicht als Kränkung; er grinste noch mehr. Dann spuckte er den Kaugummi aus, mit dem er sich seine Zähne wohl so blank hielt, und wandte sich Jim wieder zu.

„Probier es einfach aus, du wirst sehen, ich bin mein Geld wert.“

„Eine Probe von deiner Fahrkunst hatte ich schon“, meinte Jim.

„Mein Name ist Sidney Nelson“, erwiderte der Neger ungerührt. Dann griff er in seine Brusttasche und brachte einige schon ziemlich vergilbte Papiere heraus. „Alles beste Adressen, auch von der Army ist was dabei. Sieh es dir in Ruhe an, Partner!“

„Noch bin ich der nicht“, knurrte Jim.

Die Zeugnisse waren echt. Die anderen beiden hatten ihm so etwas erst gar nicht anbieten können.

„Und wie kommst du auf dieses zerlöcherte Taxi?“, fragte Jim.

„Ganz einfach“, meinte Sidney betrübt. „Der letzte Truck war funkelnagelneu, ein Mack. Die Macks habe ich immer am liebsten gehabt. Einen Mack habe ich schon bei der Army gefahren, und wie gesagt, das verdammte Ding war funkelnagelneu. Was soll ich lange reden? Es war dicker Nebel, und die Fracht musste durch. Im Staat New York ist es gewesen. Der Möbelwagen, den ich dann umgenietet habe, stand ohne Licht da. Aber das soll hinterher einer mal beweisen. Die haben natürlich behauptet, es hätte Licht gebrannt. Danach war alles kaputt. Na ja, und der neue Mack auch. Die von dem Möbelwagen waren zu zweit, sie hätten jeden Meineid dieser Welt geschworen, und ich habe das Pech gehabt, dass mein neuer Mack der HFS gehörte.“

„Du warst also beim Hudson’s Freight Service?“

Sidney nickte. „Als die mich gefeuert haben, hatte ich nirgendwo eine Chance. Vielleicht bekomme ich sie bei dir. Wenn ich einmal wieder gefahren bin, gibt mir auch ein anderer wieder einen Job.“

Irgendwie machte Sidney einen guten Eindruck auf Jim, trotz der wilden Fahrerei von vorhin.

„Aber das ist nicht dein verdammtes Taxi, verstehst du? Damit kannst du nicht herumjagen wie ein Streifenwagen.“

„Weiß ich doch, Bruder, weiß ich alles. Also, ist es gebongt oder nicht?“

„Es ist gebongt“, bestätigte Jim und streckte Sidney die Hand hin. „Reiß dich aber am Riemen!“

Sidney schlug grinsend ein. „Darauf kannst du dir ein Brot backen“, meinte er. „Ich schaff’ nur die Kiste weg, und dann komme ich. Juhu!“, schrie er übermütig und sprang in die Luft. Dann lief er wie ein Junge zu seinem klapprigen Taxi und rauschte davon.

„Mann o Mann“, murmelte Jim, „hoffentlich habe ich da nicht in die Pferdeäpfel gegriffen ...“

*

Weil Jim mit allen möglichen Aufliegern herumfuhr, kümmerte er sich da nur um das Fahrwerk. Und das war bei dem Auflieger mit dem gewaltigen silbernen Tank topfit. Die ganze Kiste war super, alles bestens gepflegt, der Kessel oben fabrikneu.

Zwei Stunden vor Sonnenuntergang wurde kalte Luft in den Kessel geblasen, und dann erst, als die Sonne sank, ging das Laden los. Was es war, das da hineingekippt wurde, konnte Jim nicht sehen. Die Beladung erfolgte vollautomatisch. Der Auflieger stand auf einer Waage, und als das Maß erreicht war, schaltete sich die Anlage automatisch ab. Das Verschließen der Anschlussstutzen machte der Vorarbeiter selbst. Und danach wurde Jim erklärt, es sei alles okay, er könne fahren.

Die Strecke war ihm vorgeschrieben, auch das stand im Vertrag. Als er die Papiere bekam, tauchte auch der Boss der Ladestation auf, ein schwergewichtiger, kahlköpfiger Mann um die Fünfzig.

Er drückte Jim die Papiere in die Hand und sagte eindringlich: „Nur die vorgeschriebene Strecke, Mr. Stonewall, und nur bei Nacht! Haben Sie gehört: nur bei Nacht!“

„Ich weiß, ich habe schon gefährliche Güter genug gefahren. Alles klar, Mr. Hoover, alles klar.“

Sidney war schon lange da. Eine halbe Stunde, nachdem er das Taxi weggebracht hatte, war er wieder aufgetaucht. Überglücklich, endlich einen richtigen Job auf dem Bock zu haben, nach dem er sich offenbar sehr sehnte. In seinem Überschwang erzählte er Jim von seiner Militärzeit in Europa, besonders in Deutschland. Bei der Gelegenheit suchte er nach deutschen Aufschriften auf dem RED BARON. Als er die gefunden hatte, erklärte er Jim den Sinn.

„Weiß ich doch alles schon. Habe ich mir längst erklären lassen“, sagte Jim.

Enttäuscht schaute Sidney ihn an.

Vorhin hatte Jim bei einer der Firmen angerufen, die Sidney Nelson ein Zeugnis ausgestellt hatten; Sidney wusste nichts davon. Aber die Firma bestätigte das Zeugnis und dass Sidney ein hervorragender Fahrer sei und ehrlich bis auf die Knochen.

Das genügte Jim. Vom Hudson’s Freight Service gab es kein Zeugnis, und Jim kannte nun ja auch den Grund. Dort wollte er nicht anrufen. Entweder war Sidney okay oder nicht.

„Also, schießen wir ab. Aufgetankt haben wir“, sagte Jim, und Sidney erhob sich vom Trittbrett. „Geschmiert habe ich auch“, erklärte Sidney, „alles paletti.“

Als sie schon im Führerhaus saßen, tauchte Ladeboss Hoover noch einmal auf. Im Licht der Bogenlampe entdeckte Jim die glitzernden Schweißperlen auf der Stirn des Mannes. „Und nur bei Nacht!“, rief er zu Jim herauf. „Nur bei Nacht, vergessen Sie das keine Sekunde, Stonewall!“

Jim winkte ab und ließ an. Der 320 PS-Motor brüllte auf. Als sie losfuhren, blieb Hoover, umhüllt von einer Wolke Auspuffqualm, unter der Bogenlampe stehen.

Langsam fuhr Jim mit dem vollen Auflieger aus dem Hof. Im Silber des Tanks glitzerten und blinkten die Lampen, die sich darin spiegelten.

*

Sie waren noch nicht auf dem Turn Pike, da hatte sich Sidney schon die Karte in die Hände genommen, die zu den Papieren gehörte. Auf ihr war der vorgeschriebene Weg eingezeichnet.

„Was ist das für Zeug?“, wollte Sidney wissen. „Ich habe die gefragt, aber keiner hat es mir richtig erklären können. Irgendein giftiger Mist, nicht wahr? Und explosiv, oder?“

„Giftig und explosiv“, bestätigte Jim. Als sie an die Mautstelle des Turn Pikes kamen, brauchte Jim nur die Dauerkarte für diese Strecke vorzuzeigen. Und dann flog die Schranke hoch, und der schwere Truck konnte durchziehen.

„Kennst du dich mit CB-Funk aus?“, fragte Jim.

„Aber immer“, erwiderte Sidney.

„Sag mal, wie heißt du mit Nachnamen? Nelson, nicht wahr?“

„Wie der Admiral“, erwiderte Sidney, der sich schon mit dem Funkgerät befasste.

„Gut, Admiral“, sagte Jim, „dann geh mal auf Kanal zehn!“

„Hör mal, Häuptling, da rührt sich aber nichts“, meinte Sidney.

„Hast du nicht eben behauptet, du verstehst etwas vom CB-Funk? Das wird doch kein Gerücht gewesen sein, oder?“

„Versuch’s doch selbst!“

Jim versuchte es selbst. Bei Kanal zehn rührte sich nichts. Er nahm das Mikrofon in die Hand, meldete sich, bat um Antwort... Nichts!

„Das Ding ist tot wie eine erlegte Hirschkuh“, rief Sidney.

Jim drehte daran herum. Funkstille. „Als ich gekommen bin, war das verdammte Ding noch intakt. Woran hast du gedreht, Admiral?“

„Menschenskind, Häuptling, ich weiß, wie man so ein Ding bedient. Hältst du mich für total bescheuert?“ Jim sagte nicht, ob das so war. Er versuchte es selbst, drückte dort, schaltete da ... Nichts.

Er blinkte rechts, zog den Sattelschlepper auf den Parkstreifen und hielt an. Jetzt versuchte er es noch einmal. Nichts.

„Aber Saft hat das Ding. Da, ich hör etwas, ganz leise.“

Er konnte es nicht lauter bekommen, und zu verstehen war es auch nicht.

„Scheiß Technik“, meinte Sidney. „Verdammt noch mal, und wir haben es so eilig. Die haben uns Zeiten gesetzt“, stellte Jim fest, „da müsste man einen Düsenjet haben.“

„So ist es immer, wenn die Geier vom Büro etwas ausrechnen. Die kennen die Strecke nicht, die schreiben bloß.“

„Also dann eben ohne“, knurrte Jim. „Wir haben ja den Tag über Zeit genug, daran herumzubasteln.“ Er schob den Gang ein, gab Gas und ließ die Kupplung kommen. Der schwere Zug setzte sich wieder in Bewegung.

Es war wenig Verkehr auf dem Turn Pike. Jim hätte ihn auch gemieden, schon der hohen Mautgebühren wegen. Aber die Strecke war vorgeschrieben, und er wollte sich daran halten.

Als die Steigungen übers Kaskadengebirge kamen, ging es nicht mehr so flott wie bisher. Aber der RED BARON schaffte es spielend, die schwere Last aufwärts zu karren, und die Nadel der Kühlwassertemperatur bewegte sich immer im normalen Bereich. Bei diesen Steigungen ließ Jim die Kühlwasseranzeiger nicht aus den Augen.

Als sie die Tankstelle an der Autobahn erreicht hatten, scherte Jim nach rechts, hielt aber noch vorm Tankstellenbereich an und sagte: „So, Admiral, übernimm du mal das Ruder! Ich will mal sehen, wie es mit dir aussieht, bevor wir in die Gefällestrecke kommen.“

Sidney grinste nur und sagte kein Wort. Aber dann bewies er sein Können am Lenkrad, obgleich im Moment nicht allzuviel dazugehörte.

Aber dann tauchten die steilsten Steigungen der ganzen Strecke auf, er musste bis zum dritten Gang herunterschalten, stellenweise sogar noch den zweiten zu Hilfe nehmen. Alles was nach einem Truck aussah, kroch, und es ging hinauf, endlos wie es schien. Der Motor brummte, und die Auspuffgase der vor ihnen fahrenden Trucks hingen noch in der Luft. Manche von diesen Pötten röhrten pechschwarze Wolken über die Fahrbahn.

Die Luft wurde hier oben dünner, die Leistung sank. Aber Steigungen waren eine Spezialität des M.A.N., das zeigte sich bald. Vor ihnen quälten sich zwei Kenworths bergan.

Sidney schaltete den linken Blinker an und zog nach außen, schob an den beiden vorbei, als wäre es gar nichts.

Jim konnte sich denken, dass die Fahrer ein Gespräch mit ihm anzufangen versuchten, aber er konnte sie auf seinem CB-Funk nicht empfangen. Er verfluchte das vermaledeite Ding, das in kurzer Zeit jetzt schon zum zweiten Mal seinen Geist aufgegeben hatte.

Schalten konnte der Admiral jedenfalls hervorragend. Zu dieser Überzeugung kam Jim immer mehr. Und auch sonst fuhr er gut, quälte den Diesel nicht und fuhr dann, als sie an eine Zwischenmaut kamen, auch erstklassig an. Er schien wirklich ein Profi zu sein.

Alles ging glatt, aber dann kam die Gefällestrecke hinter Harkenson, einem winzigen Nest mit einer Zufahrt zum Turn Pike. Auch eine Tankstelle gab es, aber Sprit hatten sie noch genug.

Und plötzlich das Umleitungsschild.

„Das haben die Affen im Büro nicht gewusst, als sie die Strecke auf der Karte eingetragen haben, was?“, meinte Sidney.

Jim schwieg. Eine Umleitung in dieser Gegend, das bedeutete halsbrecherische Gefällestrecken und Motor verschleißende Steigungen.

Ein Streifenwagen der Polizei stand an der Absperrplanke.

„Fahr langsam heran. Ich will wissen, ob wir nicht doch durchkommen. Die müssen mir auch etwas über die Umleitung sagen.“

Sidney tat, was Jim gesagt hatte, und als das Zischen der entwichenen Bremsluft verklungen war, beugte sich Jim weit aus dem Fenster auf seiner Seite und rief zu dem Streifenwagen hin: „He, Officer, was ist passiert auf der Strecke?“

„Felssturz, total zu. Ihr müsst über Brinkman’s Hole fahren.“

„Wie sind die Steigungen?“, fragte Jim.

„Um die zehn Prozent“, rief der Polizist zurück.

„Fester Belag?“, rief Jim.

„Alles tipptopp Spitze“, behauptete der Polizist.

Jim warf Sidney Nelson einen kurzen Blick zu und sagte leise zu ihm: „Sein Wort in Gottes Gehörgang. Also, Blinker raus und ab die Post!“

Sidney fuhr an, und dann bogen sie zur Abfahrt hin nach rechts.

Die Maut war unbesetzt, die Schranke oben. Sie zogen vorbei. Es ging bergab. In Serpentinen krochen sie talwärts. Mit schneller Fahrt war hier nichts zu machen.

„Dieser verdammte Mist kostet uns wenigstens zwei Stunden, wenn es reicht“, erklärte Jim.

Sidney Nelson sprach kein Wort. Aber er fuhr souverän. Jim hatte sich schon überlegt, ob er jetzt das Steuer wieder übernehmen sollte. Aber er tat es nicht, der Admiral fuhr wirklich gut.

Überrascht, wie sicher Sidney mit dem M.A.N. umging, fragte Jim: „Sag mal, kennst du diesen Bock?“

Sidney grinste wieder sein Zahnpastalächeln. „Claro, drüben haben wir auch M.A.N. bei der Army, nicht gewusst?“

„Nun komm mal wieder runter, Admiral!“, knurrte Jim.

Aber er mußte zugeben, dass Sidney seine Sache großartig machte. Mit diesem Cab Driver schien er unheimlich Glück gehabt zu haben.

*

Sie kurbelten fast eine halbe Stunde lang, bis sie unten im Tal waren. Dann ging es eine Schlaglochstrecke durch eine Ortschaft; das Schild hatte Jim zufällig übersehen. Aber es waren nur ein paar Bretterbuden. Eine Gegend, wo sich Hund und Katz gute Nacht sagen. Nur eine einzige Lampe brannte in diesem Nest. Das Röhren des RED BARON brachte sicherlich die Hauswände zum Wackeln.

Dann ging es wieder bergauf. Immer noch Schlaglöcher, Haarnadelkurven, und der Admiral musste zeigen, wie gut er das konnte. Aber er brachte es.

Dann endlich wieder ein wenig ebenere Strecke. Plötzlich vor ihnen ein Truck.

Sie fuhren langsam heran, zogen daneben, und Jim sagte: „Wirf mal Anker, Admiral! Wenn wir schon keinen Funk haben, sollten wir wenigstens hören, was die Kameraden sagen.“

Bei denen kochte der Kühler, zwei waren es, beides Farbige. Der ältere, ein richtiger dunkelhäutiger Neger, machte ein erschöpft wirkendes Gesicht. „Hallo, Freunde! Der Teufel hole diese Strecke und diese verdammte Umleitung! Wisst ihr, wie es da hinten aussieht?“

„Das wollten wir euch gerade fragen“, meinte Jim, der ausgestiegen war. „Können wir was für euch tun?“

„Wasser haben wir selbst, und warten können wir allein. Ich möchte das Ding noch nicht aufreißen, das brodelt alles noch.“

„Ihr hättet etwas länger im Leerlauf laufen lassen müssen“, meinte Jim.

„Haben wir doch. Ist kaum noch was drin. Irgendwo hat das Ding ein Leck. Verdammte Kiste!“

„Also wisst ihr von den Steigungen nichts? Was macht der CB-Funk? Unserer ist beim Teufel.“

Der bullige Neger zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Wir haben das Ding auf dem Turn Pike ausgeschal tet.Hier kann uns sowieso keiner helfen. Die Bullen haben die Strecke zugemacht, als wir gerade an der Abfahrt waren. Direkt vor uns. Der ganze Turn Pike soll zu sein mit einer Gerölllawine.“

„Die Burschen haben zu uns gesagt, die Steigungen lägen bei zehn Prozent.“

„Das Gefälle, das wir vorhin runter sind“, meinte der Neger, „hatte mindestens zwölf. Und seht doch, wie die Berge zum Himmel ragen. So dunkel ist es nicht, dass man das nicht sieht. Da müssen wir drüber. Auf meiner Karte sind endlose Serpentinen.“

Der Neger ging zum Führerhaus seines Freightliners und zog die Karte heraus, breitete sie im Licht des Standlichtes aus und deutete auf die Serpentinenstrecke, die sie noch vor sich hatten.

„Sind da keine Steigungen eingezeichnet?“, fragte Jim.

„Doch, da steht auch nur zehn Prozent. Aber Karten lügen, das kann ich dir sagen. Und wie sie lügen. Menschenskind“, der Neger schaute auf den M.A.N., „wieviel PS hat das Ding?“

„320 nach europäischer Rechnung. Bei uns sind es ein paar mehr.“

„Glaubst du, dass der das schafft? Mit diesem Auflieger, ist der voll?“

„Klatschvoll.“

„Was ist das für Zeug, was ihr geladen habt? Irgend so ein explosives Zeug, was?“

„Ich denke schon.“

„Dann gute Nacht, Marie! Ich wünsche euch jedenfalls Glück. Ich glaube, dann sollten wir uns hier noch etwas Zeit lassen. Wenn ihr den großen Knall macht, dass wir nicht direkt hinter euch kleben. Mein Eimer hat 600 PS, und du hast ein bisschen mehr als die Hälfte.“ „Lass mal“, sagte Jim beschwichtigend. „In den Bergen kann er klettern wie eine Eidechse.“

„Hat der etwa Allrad?“, fragte der Neger.

„Das kannst du laut sagen. Und da stecke ich deinen Freightliner noch in die Tasche.“

„Da bin ich aber gespannt, Kumpel. Wenn alles klappt, sehen wir uns in Reno wieder, oder?“

„Vielleicht sind wir dann schon weiter“, orakelte Jim grinsend. Dann zog er sich wieder zum Führerhaus hoch. „Ihr kommt allein zurecht?“

„Natürlich. Hals und Beinbruch!“

„Können wir brauchen“, brummte Jim und schlug die Tür zu.

Sidney schob den Gang ein, dann brummten sie weiter. Es ging noch ein gutes Stück relativ eben dahin. Aber wegen der vielen Schlaglöcher mussten sie langsam fahren. Die Straße wurde allerdings breiter und auch besser. Und dann kamen die ersten Steigungen.

„Ich hätte sie noch fragen sollen, ob noch jemand vor uns ist“, meinte Jim.

„Ist keiner vor uns“, behauptete Sidney.

„Woher willst du das wissen, Admiral?“

„Die weiche Stelle vorhin, der Truck, keine Spur. Es hätte eine Spur sein müssen. Nur Spuren von PKWs.“

„Warst du Spurenleser bei der Armee oder Trucker?“

Details

Seiten
120
Jahr
2016
ISBN (ePUB)
9783738903423
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (Mai)
Schlagworte
ps-jim höllenjob stonewall

Autor

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Titel: 320 PS-Jim #9: Höllenjob für Jim Stonewall