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Das Geheimnis am Rio Grande

2016 160 Seiten

Leseprobe

DAS GEHEIMNIS AM RIO GRANDE

WERNER DIETSCH schrieb als GLENN STIRLING

Western

Der Umfang dieses Buchs entspricht 156 Taschenbuchseiten.

Nachdem mehrere Leichen aus dem Rio Grande gefischt wurden, wird der US-Marshal Gordon Mailer nach El Paso entsandt, um den dortigen Sheriff bei der Aufklärung zu unterstützen. Mailer beginnt mit seinen Ermittlungen bei Brewster Hotchkiss, dem Besitzer der größten Ranch im County, und dessen Sohn Cleve, da die toten Cowboys von der H-Ranch waren. Was für ein undurchsichtiges Spiel treibt der Revolvermann Francis Colon, der von Hotchkiss zu seinem Schutz angeheuert wurde? Wem kann Gordon Mailer trauen und wem nicht? Je tiefer er gräbt, desto klarer wird, welch mächtigen Gegnern der mutige US-Marshal gegenübersteht, wie weitreichend die Verstrickungen von Gier und Korruption sind, die er nach und nach aufdeckt – und umso gefährlicher wird seine Mission.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / Cover nach einem Motiv von Frederic Remington mit Steve Mayer, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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1

Es ist noch früh. Über dem Rio Grande liegt leichter Dunst. Mit gleichmäßigem Rhythmus plätschert das Wasser an den steinigen Uferstrand. Von der mexikanischen Stadt Juarez tönt Glockengeläut über den Fluss.

Die Männer, die am Wasser stehen, achten nicht darauf. Sie blicken auf den jungen Cowboy, der leblos im Kies liegt, angeschwemmt vom Strom. Er ist tot, daran gibt es keinen Zweifel mehr. Ertrunken im Rio Grande. Seiner Kleidung nach war er ein Cowboy, und er ist jung, viel zu jung zum Sterben.

Sheriff Albright aus El Paso reitet auf die Gruppe zu, zügelt sein Pferd und sitzt ab. Sie nicken ihm zu. Er knurrt einen Gruß.

Ernst blickt er auf den Toten. Als er das Schild sieht, das am Hals des Ertrunkenen festgebunden ist, bückt er sich. Die Männer um ihn herum flüstern miteinander.

Albright liest murmelnd die Worte: „Für ihn ist Juarez verboten!“

„Was hat das zu bedeuten?“, fragt einer der Umstehenden.

Albright gibt keine Antwort. Nach alter Gewohnheit tastet er die feuchte Kleidung des Toten ab, aber er findet nicht, was er sucht. Der Tote trägt keine Papiere bei sich.

„Kennt ihr ihn?“, fragt der Sheriff und blickt auf die sechs Männer.

Ein junger Rotschopf erwidert aufgeregt: „Niemand weiß, wer er ist. Ich sah ihn zuerst. Er lag noch halb im Wasser. Bestimmt war er nur wenige Stunden im Fluss. Drüben an der Sandbank müssen sie ihn hineingestoßen haben. Die Strömung bringt alles an diese Stelle. Ich kenne mich aus, Sheriff.“

Albright blickt zur Sandbank. Die Eisenbahnbrücke überspannt an jener Stelle den Strom, überbrückt die Grenze zwischen den USA und Mexiko. Auch Albright kennt die Strömung des Flusses. Erst vor wenigen Wochen stürzte neben der Sandbank ein Zugbremser von der Brücke und ertrank. Auch er wurde hier angespült.

Über das lederne Gesicht des Sheriffs huscht ein bitteres Lächeln. So einfach soll das alles sein, fragt er sich. Nein, so einfach ist es nicht. Ein Schild um den Hals, aus dem kein Mensch klug wird. In den Fluss gestoßen, meinte der Fischerjunge. Wer beweist das?

Er betrachtet die Handgelenke des Toten, untersucht Hals und Hinterkopf.

Nein, da ist keine Wunde, keine Spur einer Fessel oder irgendwelcher Gewaltanwendung. Nichts deutet darauf hin, dass der Unbekannte mit dem Tode gerungen hat. Seine Hände sind nicht verkrampft, sein Körper ist nicht gekrümmt. Er sieht aus, als würde er schlafen.

„Bringt ihn ins Totenhaus. Ich werde einen Arzt schicken“, sagt Albright rau. „Und du, Cole, kommst heute noch in mein Office!“

Der Rotkopf nickt eifrig. „Nachher gleich, Sheriff“, versichert er.

Albright bückt sich noch einmal, nimmt das Schild vom Hals des Toten und steckt es ein. Ohne ein Wort zu sagen, sitzt er auf und reitet die Böschung zur Uferstraße hinauf.

Albright tritt bald darauf in sein Büro.

Zwei Deputy-Sheriffs räumen hastig ihr Kartenspiel weg, als sie den Boss sehen. An der hinteren Wand vor der Gittertür zu den Zellen steht Gordon Mailer. Er ist ein großer, kräftiger Mann von etwa achtundzwanzig Jahren. Im Gegensatz zu den Deputies und dem Sheriff trägt er Cowboytracht. Grau und verwittert ist der Hut, glänzend wie Speck sind die Chaps. Aus dem verbeulten Hut hat schon manches Pferd gesoffen, und am Halstuch sind noch weiße Schweißränder zu sehen.

„Hallo, Sheriff!“, sagt Mailer mit Bassstimme.

Albright nickt nur und lässt sich schwer auf den Drehschemel hinter seinem Schreibtisch sinken. Die beiden jungen Deputies blicken gespannt auf den Boss, wagen es aber offenbar nicht, ihn zu fragen.

„Jim, du kannst jetzt abhauen“, sagt Albright. „Pass auf, dass nur gebrändetes Vieh im Zuge ist! Und du, Jeff, machst die Runde am Park. In zwei Stunden will ich eure dummen Gesichter hier wiedersehen!“

„Verdammt schlechte Laune, Boss. Könntest auch was freundlicher sein an so einem schönen Morgen“, begehrt Jim auf.

„Raus!“ Albright haut mit der Faust auf die Tischplatte, dass Tintenfass und Akten hüpfen.

Als die Tür hinter beiden Deputies zu schlägt, setzt sich Gordon Mailer dem Sheriff gegenüber. „Wieder einer mit dem Schild?“

Albright nickt müde und zieht das Schild aus der Tasche. „Das vierte in zwei Wochen.“

„Kennst du den Toten?“

„Diesmal haben sie ihn nicht in den Zug gelegt. Er ist ertrunken. Zweihundert Yards von der Brücke stromauf lag er. Ein Fischerjunge hat ihn entdeckt. Er meinte, wer dort antreibt, muss von der Sandbank ins Wasser geraten sein. Da hat er recht. Ja, und du willst wissen, ob ich den Toten kenne. Nein, auch ihn kenne ich nicht. Drei Menschen liegen auf dem Friedhof und jener im Leichenhaus. Niemand weiß bis heute, wer sie sind. Aber zum Teufel“, er hebt die Stimme, „es kann doch nicht angehen, dass vier Menschen verschwinden und niemand sie vermisst! Das gibt es doch nicht. Die Männer haben doch Brüder, Väter, Mütter oder was weiß ich. Von den ersten beiden habe ich regelrechte Steckbriefe machen lassen und sie im ganzen County verbreitet. Bis jetzt hat sich keiner gemeldet, der etwas über diese Männer weiß. Verstehst du das?“

„Noch nicht“, erwidert Gordon Mailer lächelnd, „aber man kann dem ja nach helfen. Erzähle mir die ganze Story, Sheriff!“

„Der erste lag im Viehwaggon zwischen aufgeregten Rindern. Das war vor knapp zwei Wochen. Auf seinem Schild stand ebenso wie auf den anderen: ,Für ihn ist Juarez verboten!“ Säuberlich geschrieben, versteht sich, und in gutem Englisch. Der Viehzug kam natürlich aus Mexiko. Die Wagen hatten zwei Tage vor Juarez gestanden und wurden erst am Abend zuvor mit Vieh beladen.“

„Da war der Tote noch nicht drin, sonst wäre kein Rind hineingegangen. Aber weiter!“

„Die nächsten beiden lagen ebenfalls in Güterzügen, einer im leeren Waggon, der andere zwischen Juteballen.“

„Es waren alles Amerikaner?“

„Alle, und keiner konnte älter als fünfundzwanzig Jahre sein.“

„Brüder?“

„Von den ersten dreien sagt der Doc, das wäre kaum möglich. Es waren Cowboys; an ihren Händen waren Lassonarben zu finden.“

Gordon Mailer steht auf und wandert im Büro auf und ab. „Weiß außer deinen Deputies jemand, dass du mich geholt hast, Sheriff?“

„Nein, nur die beiden und ich wissen davon.“

„Und der Provost-Marshal weiß es“, erwidert Gordon Mail er. „So sind wir zu fünft, die es wissen. Reichlich genug, meine ich.“

„Willst du über den Fluss?“

„Vielleicht, aber vorerst ist das kaum nötig. Ich glaube nicht, dass die Mexikaner etwas damit zu tun haben. Kein Beweis dafür, Sheriff, nur eine Vermutung. Es könnte sein, dass ich danebentippe. Es wird sich herausstellen. Höchste Zeit für mich, aus deinem Palast zu verschwinden.“ Albright nickt. „Und was unternimmst du?“

„Keine Ahnung“, lächelt Gordon Mailer verschmitzt.

„Ich sehe dich später?“

„Das ist drin. Aber du wirst dir Mühe geben, mich nicht zu erkennen, Sheriff. Damit rechne ich.“

„Verstehe. Werde es auch Jim und Jeff einblasen.“

„Das wäre wichtig.“ Mailer geht zur Tür und tippt an die Hutkrempe. „So long, Alter!“

2

Gordon Mailer hat seinen Bronco im ,Red Moon‘ stehen, dem Gasthof der Cowboys. Im Stall stehen zwei Dutzend oder mehr Pferde. Alle sind in Boxen untergebracht, um gegenseitige Schlägereien zu vermeiden. Besonders bei Gordons zottigem Bronco ist das offenbar sehr angebracht.

„Menschenskind, bin ich froh, dass du deinen Ziegenbock wieder abholst“, meint der Stallmann, ein alter Rindermann, der hier seinen Notgroschen verdient. „Der Lümmel schlägt mir noch alle Planken zusammen. Hol ihn schnell weg, aber warte, bis ich in Sicherheit bin!“

Gordon lacht nur. „Holla! Warum so aufgeregt, Kaktus?“

Der Grauschimmel schüttelt den zottigen Kopf und bleckt die Zähne. Aber er legt die Ohren nicht an. Als ihn Gordon streichelt, reibt er die Nüstern am Ärmel.

Kaktus ist ein Klopfhengst, und wie alle Klopfer hat er eine Menge Untugenden. Er beißt, schlägt und tobt; nur seinem Herrn gehorcht er. Er ist äußerlich nicht schön oder edel, sondern eher hässlich ob seines struppigen Haares. Die Ramsnase wirkt zwar ausgeprägt männlich, aber sie ist ein Schönheitsfehler. In der Hinterhand ist er stark überbaut, und sein Schwanz ähnelt mehr dem eines Maultieres als dem eines Pferdes. Am rechten Ohr fehlt ein Stück: Erinnerung für Kaktus an einen Kampf und einen Gewehrtreffer. So hässlich dieses Tier erscheint, es ist kerngesund, und es hat stahlharte Hufe. Wie die meisten Klopfer ist auch Kaktus viel kräftiger als ein Wallach oder ein Hengst. Was ihm die Natur an einer Stelle versagte, gab sie ihm an anderer doppelt.

„Wenn du mit deinem Maulwurf draußen bist, will ich dich nicht wiedersehen“, meint der Stallmann böse.

Gordon sattelt den Klopfer auf. Das Tier steht lammfromm, als könne es kein Wässerchen trüben. Der Stallmann kommt neugierig etwas näher, doch er weicht sofort zurück, als Kaktus mit den Augen rollt.

Gordon führt sein Pferd ins Freie und sitzt auf. Gehorsam trottet Kaktus die Straße entlang und bleckt nicht einmal die Zähne, als ein Mexikanerjunge mit seiner Handkarre dicht vor ihm vorüberrattert.

Kaktus hat neben seinen Untugenden eine Reihe großer Vorzüge. In deren Genuss allerdings nur Gordon kommt. Kaktus ist abgerichtet, hat gelernt, einigermaßen selbständig zu handeln und kann manches mehr als jedes andere Cowpony. Im Augenblick wirkt er so müde und schlapp, als habe er nicht eine ganze Nacht im Stall ausgeruht, sondern sei tagelang durch die Wüste gelaufen. Mit hängendem Kopf und schlurfendem Tritt zuckelt er wie ein uralter Karrengaul durch die Straßen.

Gordon macht sich nichts daraus, dass die Leute über ihn und sein Pferd lachen. Er kennt das. Was liegt ihm daran, auf einem feurigen Gaul durch die Straßen zu reiten, wenn das gleiche Pferd nachher in den glühend heißen Prärie versagt?“

Gordon bleibt kurze Zeit auf der Straße zum Fort Bliss, schwenkt dann auf die Berge zu nach Norden ab und reitet durch das Gebirge.

Nach fünf Stunden ist er auf der Präriehochfläche hart an der Grenze zwischen New Mexico und Texas. Weit vor ihm ist die riesige Staubwolke einer wandernden Rinderherde zu sehen.

Noch sind die Rinder weit; nur als winzige braune Fläche kann Gordon sie sehen. Von den Cowboys erkennt er noch nichts.

3

Vier Cowboys sind bei der Herde, vier wilde Gesellen, von denen Cleve Hotchkiss die härteste Nummer ist. Fünfhundert Sonoras treiben er und seine Männer von El Paso nach dem Weideland der H-Ranch. Das alles weiß Gordon, bevor er die Wasserstelle erreicht hat, wo die Herde lagert. Er hat auch genug von Cleve Hotchkiss und seiner Crew gehört.

Die Cowboys sitzen dicht am Wasserloch und haben ein Feuer angezündet. Einer von ihnen häutet gerade einen Hasen ab.

Cleve Hotchkiss steht auf, als sich Gordon nähert. Der breitschultrige Hüne stemmt die Arme in die Hüften und knurrte. „Diesen Gent kennen wir doch, Jungs! Ich fresse drei Kuhschwänze ungekocht, wenn es nicht Gordon Mailer ist. Das hat einiges zu bedeuten. Hallo, Gordon!“

„Hallo, Männer! Ein Schluck für mein Pferd und ein Platz für mich frei?“

„Tu so, als wären wir gar nicht da, Gordon.“ Cleve schiebt sich den Hut ins Genick und weicht respektvoll aus, als der Grauschimmel näher kommt.

„Wenn ich dich nicht erkannt hätte, Gordon: dein Ziegenbock hätte mich bestimmt daran erinnert.“

Gordon lässt sein Pferd saufen und führt es dann zur Seite, lässt ihm die Zügel hängen und raunt ihm etwas zu. Als könne er kein Wässerchen trüben, beginnt der Grauschimmel zu fressen.

Gordon gibt den Cowboys die Hand und setzt sich zu ihnen. Neben ihm nimmt Cleve Hotchkiss Platz. „Du kommst zufällig hier vorbei?“

Gordon nickt. „Rein zufällig. Warum?“

„Unsere Bekanntschaft beruhte immer auf Zufall, Gordon. Wie sich ein Mann wie du nur so durchschlägt, ewig stellungslos.“ Gordon gibt darauf keine Antwort, aber er bemerkt den Spott in den Augen der Männer. Er zeigt auf die braunen Sonoras. „Aus Mexiko?“

„Warum fragst du? Der Brand hat es dir doch längst verraten“, meint Cleve grienend. „Klar ist das mexikanisches Vieh. Fünfhundert Tiere zur Zucht.“

„Sehen aus wie die Hirsche. Haben die Greaser sie mit Sägespänen gefüttert?“ Cleve zuckt die Schultern. „Auf unserem Land bekommen sie wieder Speck auf die Rippen, darauf kannst du Gift nehmen.“

„Ihr habt das Vieh in El Paso abgeholt?“ Cleve lacht. „Für wen arbeitest du eigentlich, Gordon? Als ich dich vor einem Jahr zum letzten Male traf, hast du mir erzählt, du hättest einen Job als Zureiter. Ein paar Tage später wurde Conny Dolder begraben. Und wir brauchten keine verstärkten Wachen mehr aufzustellen. Viele Leute sagten damals, du hättest den Viehdieb Dolder unter die Erde gebracht. Was hast du heute vor, Gordon?“

„Ich suche einen Job als Cowboy“, erwidert Gordon ungerührt.

„Bitte meinem Alten?“

„Wenn er mich nimmt, warum nicht?“ Gordon bemerkt, wie Cleve seinen Männern einen vielsagenden Blick zuwirft. „Hm, du müsstest ihn fragen, Gordon. Vielleicht nimmt er dich wirklich.“

„Habt ihr nicht gestern einen Mann verloren?“, fragt Gordon wie von ungefähr. Dabei beobachtet er die Gesichter der Männer genau. Er sieht, wie ihre Blicke unruhig werden, wie sie ratlos auf ihren Vormann schauen.

Und von dem kommt auch die Antwort: „Einen Mann verloren? Wie kommst du darauf?“

„Ich dachte nur. Man hat ihn nämlich gefunden. Er lag im Rio. Ertrunken. Mit einem Schild um den Hals.“

„Ein Mann von uns? Zum Teufel, wir sind zu viert nach Paso geritten und treiben immer noch zu viert die Herde ab. Woher soll der fünfte Mann kommen?“

„Er kommt ja nicht mehr, er ist gegangen, Cleve“, erklärt Gordon ruhig.

Cleve Hotchkiss ist aufgestanden. „Du singst ziemlich muntere Lieder, Gordon. Das hat doch etwas zu sagen. Welchem Verein gehörst du eigentlich an?“

„Cleve, ich würde es sagen, dass euch ein Mann fehlt.“

„Du nimmst dir zu viel heraus, Gordon Mailer. Ich verdaue solche Witze nicht.“

Cleve funkelt Gordon böse an, doch der reagiert gleichgültig.

Er hat Angst, denkt Gordon. Irgendwer übt einen Druck auf ihn aus. Cleve ist ein harter Junge, aber er ist stubenrein. Auch seine Männer gehören nicht zur falschen Sorte. Wenn sie jetzt so ängstlich bemüht sind, den Mund zu halten, muss das einen Grund haben.

„Wer drückt dir das Messer an die Rippen, Cleve? Versteh mich richtig! Ich will euch helfen. Hör zu, lass mich erst ausreden! Ich habe euch gestern in Paso ankommen sehen. Ihr wart zu fünft. Bei Sonnenaufgang triebt ihr die Herde aus Paso heraus. Ihr wart nur noch vier. Kurz darauf wurde der Tote gefunden. Der vierte Tote innerhalb von zwei Wochen. Die ihn getötet haben, machten einen Fehler, Cleve. Sie vergaßen sein Pferd. Es steht noch im ,Red Moon‘.“

„Das lügst du!“, ereifert sich Cleve. „Sein Pferd ist ... Verdammt, blöde Fragerei!“, knurrt er, als er erkennt, dass er sich verplappert hat.

Gordon lacht nur. Sein blindlings abgegebener Schuss hat also ins Schwarze getroffen. Natürlich hat er keine Ahnung, wo sich das Pferd des Toten befindet. Nur eines fiel ihm gestern auf. Die Hotchkiss Crew war tatsächlich zu fünft gewesen. Und heute morgen fehlte ein Mann. Für Gordon war es nur ein vager Verdacht gewesen. Mit dem Gefühl des ausgekochten Spurenjägers hat er lediglich einen Versuchsballon in Richtung auf diese Crew steigen lassen. Mit Erfolg, wie er sich jetzt sagt.

„Cleve, nun spuck die Wahrheit aus!“

Cleves Männer werden unruhig. Fragend blicken sie auf Cleve, doch der hat offenbar noch keinen Entschluss gefasst. „Wir brauchen deine Hilfe nicht, Gordon. Nimm dein Pferd und reite! Damit tust du uns den größten Gefallen.“

„Ich habe verstanden, Cleve“, meint Gordon freundlich. „Trotzdem könntest du mir ein paar Hinweise geben.“

„Tu es, Cleve, von Gordon ist noch nichts Schlechtes gekommen!“, rät einer der Cowboys.

Cleve wird unsicher. „Verdammt, ich kann es nicht!“

Gordon schweigt.

Cleve blickt ihn um Verständnis flehend an. „Du weißt nicht, was uns blüht, wenn ich dir nur einen Ton verrate! Du reitest nicht von ungefähr herum. Früher warst du Deputy-Sheriff, später hörte ich, dass du im Auftrag der Rinderzuchtgenossenschaft arbeitest, und jetzt wird dein Boss Sheriff Albright heißen. Zum Teufel, ich verkaufe nicht unseren Besitz. Ich kann dir nichts sagen.“

„Würde es dein Vater tun?“

„Erst recht nicht, Gordon, auf keinen Fall!“

„Du machst es mir verdammt schwer, Cleve. Immerhin weiß ich endlich, wo ich den Hebel ansetzen muss. Hätte nicht geglaubt, dass mein Glück an diesem Vormittag so groß sein würde.“

Cleve tritt auf Gordon zu und packt ihn an der Weste. „Gordon, ich kann mir denken, dass du mich nicht verstehst. Aber das eine will ich dir mit auf den Weg geben: Du verstrickst dich in die höllischste Sache, die es gibt. Dein Ruf in diesem Lande ist gut. Deshalb will ich dich warnen. Hör auf und verlass diese Gegend. Man würde dich sonst eines Tages irgendwo finden. Und noch etwas: Glaube auch nicht, wir wären deine Freunde. Wir müssen deine Feinde sein, wenn wir unseren Besitz erhalten wollen. Das begreifst du nicht. Doch wünsche dir nicht, es eines Tages zu begreifen. Es wäre zu spät.“

„Das sagt mir verdammt viel, Cleve. Macht es gut, Jungs!“ Er geht zu Kaktus, wirft die Zügel übers Sattelhorn und sitzt auf.

Als er davonreitet, knurrt Cleve: „Ein Jammer, ein Katzenjammer! Aber es muss sein.“

„Du willst es ihnen doch nicht etwa erzählen, dass er hier war, Cleve?“, fragt einer der Cowboys.

„Und ihr? Von euch werden sie’s am Ende doch erfahren. Und mir wird zum Dank für mein Schweigen der Hals zugedreht, wie?“

„Cleve, wir werden kein Wort sagen!“, versichert ihm der Cowboy.

„Wir auch nicht“, erklären die beiden anderen.

„Zum Teufel mit diesem Terror! Ich wünschte uns, Gordon bliebe wirklich hier. Er ist ein verflucht harter Bursche, und er hat immer mächtig viel Glück gehabt.“

„Unsinn, Cleve, mit Glück ist da wenig zu machen, schon gar nicht von einem Einzelnen.“

4

Die H-Ranch von Brewster Hotchkiss ist die größte im County El Paso. Hotchkiss beweidet fast die Hälfte des County-Gebietes. Die Anlagen der Ranch sind modern. Nicht weniger als neun Windradtürme pumpen Wasser aus der Tiefe.

Es ist über ein Jahr her, seit Gordon die Ranch zum letzten Male gesehen hat. Als er sie jetzt wiedersieht, fällt ihm zunächst keine Veränderung auf. Und doch spürt er eine Wandlung, eine unsichtbare Änderung.

Der Hof ist weit. Wagen stehen in gerader Reihe vor dem Haupthaus. Zwei riesige Doggen traben an einer Rollenkette quer über die Hoffläche. Sie bellen nicht, doch ihr Benehmen zeigt Gordon, dass er nicht ungeschoren zum Haupthaus durchkommt.

Ein paar mexikanische Ranchhands schlagen Weidepfähle zurecht. Sie beachten den Ankommenden überhaupt nicht. Drüben auf der Veranda kehrt eine Schwarze die Diele. Auch sie blickt nur kurz zu Gordon hin, wendet sich aber sofort wieder ihrer Arbeit zu.

Es kommt Gordon vor, als wolle niemand von ihm Notiz nehmen. Er begreift nicht, warum das so ist.

Die Doggen stehen nebeneinander in der Hofmitte. Die Ketten, mit denen sie am Drahtseil hängen, glitzern im Sonnenlicht.

Gordon klatscht in die Hände. Einer der Mexikaner dreht sich um, greift aber wieder zum Beil und setzt seine Tätigkeit fort.

Gordon lässt sein Pferd saufen und führt es dann in den Schatten eines Holzschuppens. Gerade will er es an einem Balken festbinden, als er den Druck einer Revolvermündung im Rücken verspürt. Zugleich sagt eine Männerstimme hinter ihm: „Hände hoch und nicht gerührt!“

Gordon ist verblüfft. Er hat die Schritte des Mannes nicht gehört. Gehorsam nimmt er die Hände hoch; denn es ist zu gefährlich, dem Befehl nicht Folge zu leisten. Er spürt, wie ihm die Colts aus den Futteralen gezogen werden.

„Jetzt können Sie sich umdrehen!“, sagt die Stimme hinter ihm.

Er fährt herum und erblickt einen kräftigen, braungebrannten Mann vor sich, dessen hartes Gesicht zur Vorsicht mahnt. Er sieht nicht wie ein Cowboy aus, eher wie ein Revolvermann.

„Wer sind Sie, und was wollen Sie hier?“, fragt der Mann.

„Ich heiße Mailer und will Mr. Hotchkiss sprechen!“

„Gut. Mein Name ist Colon, Francis Colon. Sie können die Arme ’runternehmen. Gehen Sie vor mir her ins Haus, Mr. Mailer!“

Im Salon des Hauses sitzt der alte Hotchkiss. Erst beim zweiten Blick stellt Gordon fest, dass der Rancher blind ist. Seine Augenpartie ist von einer feuerroten Narbe verstümmelt.

„Da ist er, Boss!“, erklärt Colon und schiebt Gordon auf den Sitzenden zu.

Ein weißhaariger Mann, dieser alte Rancher. Aber ein gebrochener Mann. Vor einem Jahr war das noch anders. Gordon erinnert sich deutlich an den selbstbewussten Alten. Was er jetzt sieht, ist ein menschliches Wrack.

„Hallo, Gordon“, sagt der Alte. Er blickt ungefähr in die Richtung, in der Gordon zu finden ist. Doch die Hand streckt er nach rechts.

Gordon geht etwas zur Seite und ergreift die knochige Hand des Alten. „Es hat sich einiges verändert, sehe ich“, murmelt Gordon befangen.

Brewster Hotchkiss nickt. „Vieles, Gordon, sehr vieles. Ich wäre an deiner Stelle nicht hierhergekommen. Hast du schon mit Cleve gesprochen?“

„Er ist mit der Herde unterwegs nach hier. Er wird in zwei Stunden eintreffen. Ich begegnete ihm unterwegs. Er hat nur noch drei Mann bei sich. Einer fehlt, Rancher. Das ist mir aufgefallen.“ Gordon wirft einen Blick auf Colon. Doch in Colons Gesicht ist nicht zu erkennen, was im Kopf des Mannes vorgeht.

„Ich weiß nicht, wovon du sprichst, Gordon“, erklärt der Alte. Es klingt nicht sehr überzeugend.

„Wie wäre es, Mailer, wenn Sie jetzt wieder abritten?“, mischt sich Colon ein. „Ein Vorschlag in Ihrem Interesse.“

„Aber ich ...“, will der Alte einwenden. „Sie brauchen Ruhe, Boss! Mailer hat sowieso noch einiges vor. Klar, Mailer?“ Colon deutet mit dem Daumen zur Tür. Hotchkiss scheint endlich begriffen zu haben, was Colon will. „Ja, Gordon, geh jetzt! Sicher werden wir später über alles reden. Und dann wirst du verstehen, was dir heute ein Rätsel ist.“

„Ich würde gerne mit Linda einige Worte sprechen, Rancher.“

Der Alte erschrickt. „Mit Linda?“ Die Narbe an der Augenpartie verfärbt sich zu dunkler Röte. „Nein“, stottert er, „nein - das - das geht nicht! Später, Gordon, später!“

„Zum Teufel, was ist hier im Gange? Was hat Linda mit diesen Geheimnissen zu tun?“

Colon war einige Sekunden unbeobachtet. Als Gordon den Kopf wendet, sieht er den Revolver in Colons Hand. Die Geste ist unmissverständlich.

„Wenn Sie Wert darauf legen, ein Freund des Ranchers zu bleiben, Mailer, auch wenn Sie es jetzt nicht verstehen, dann verschwinden Sie endlich, Mann!“ Gordon nickt. „Alles Gute, Rancher!“ Colon begleitet ihn bis zum Pferd. Dort steckt er den Revolver ein. Er gibt ihm die beiden Colts wieder. „Hören Sie gut zu, Mailer. Sie denken, Sie würden sich auf einer Banditenburg befinden. Irrtum. Ich kann nicht darüber reden. Ich darf es nicht, denn es geht um ein Menschenleben.“

„Linda?“, fragt Gordon in jäher Erkenntnis.

Colon nickt. „Sie kommen der Sache verdammt nahe. Aber gut ist das nicht. Bestimmt nicht, Mailer, auch wenn Sie’s glauben. Hören Sie mir zu! Ich weiß, dass Sie US-Marshal sind. Ich weiß, warum Sie hier herumstöbern. Mein Kompliment, Sie sind verflucht tüchtig. Keiner hat so schnell die Spur gefunden. Ich weiß auch nicht, wie Sie das geschafft haben. Aber damit helfen Sie Hotchkiss nicht. Sie machen sein Unglück nur noch größer.“

„Für wen arbeiten Sie, Colon, für Hotchkiss?“

„Ja, für ihn. Er zahlt gut. Es kostet ihn ein kleines Vermögen, mich zu halten. Ich stamme aus Kentucky. Dort weiß man, welche Musik ich gewöhnlich spiele. Es ist kein falscher Ton drin, Mailer. Das haben Sie doch gedacht, nicht wahr?“

„So ziemlich.“

„Hören Sie sich um! Aber lassen Sie Ihre Finger aus dem Spiel! Niemand dankt es Ihnen, wenn Sie aktiv werden. Am wenigsten die Familie Hotchkiss.“

„Wieso ist er blind geworden?“

„Ein Schuss.“

„Verdammt, Colon, wenn Sie für Hotchkiss arbeiten, dann heraus mit den Tatsachen! Wer bedroht die Ranch?“

„Die Ranch? Nein, die bedroht niemand. Linda, das haben Sie doch begriffen, ist in Gefahr.“

„Und das soll ich glauben? Wie heißt der Boy, der heute im Rio Grande gefunden wurde?“

„Wenn ich einen Ton darüber sagen würde, Mailer, wäre das der gemeinste Verrat an Hotchkiss, den jemand begehen könnte. Und nun reiten Sie! Reiten Sie möglichst weit weg! Ich habe nichts gegen Sie, Marshal. Aber glauben Sie mir, wenn Sie durch Ihre Schnüffeleien alles in noch größere Gefahr bringen, muss ich gegen Sie sein. Und wenn Sie erst genauer wissen, wer ich bin, werden Sie wissen, was das für Sie bedeutet.“

„Ich habe das Gefühl, dass Sie eines Tages anderer Meinung sind. Davon bin ich überzeugt“, meint Gordon und sitzt auf.

5

Sie erwarten ihn im „Red Moon“. Drei Männer, das bedeutet zusammen achtzehn Jahre Zuchthaus, und jeder weiß, was er von ihnen zu halten hat. Sie heißen Ed Falter, Joe Ringsby und Really Mad. Jeder von ihnen hatte sechs Jahre Zuchthaus; das liegt jetzt hinter ihnen. Sie sind frei, und seit einigen Tagen „arbeiten“ sie wieder. Natürlich im alten „Geschäft“.

Ed Falter ist nicht nur ein Berufsbandit, er sieht auch so aus: hässlich, narbengesichtig, bullig. Anders Joe Ringsby. Ihm hat man offenbar nicht an der Wiege gesungen, welcher Branche er einmal angehören wird. Er ist groß, sehnig und mit seinen sechsundzwanzig Jahren ein gut aussehender Mann. Really Mad ist klein, krummbeinig und hat eine schiefe Hakennase. Er besitzt die Augen eines Fuchses und wirkt noch verschlagener als jenes Tier. Obgleich er kaum über dreißig Jahre alt sein kann, hat er kaum noch Haare auf dem Kopf. Die Glatze ist allerdings nur selten zu sehen, denn meist trägt er einen Hut. Auch jetzt hat er ihn halb im Genick hängen.

Kaum steht Gordon an der Theke und bestellt ein Abendbrot, als sich Really Mad erhebt und auf ihn zusteuert.

Gordon beachtet ihn zunächst gar nicht. Der kleine krummbeinige Verbrecher stupst ihn am Ellenbogen an und sagt rau: „Eh, Mailer, habe ein paar Worte mit dir zu reden. In deinem Interesse, schätze ich.“ Er blickt auf den Cowboy neben Gordon, als wolle er sagen: Den geht das nichts an!

Gordon nickt, bestellt sein Essen und geht auf einen freien Tisch zu. Really Mad folgt ihm.

Als sich Gordon umsieht, bemerkt er, dass sämtliche Gäste auf ihn und Really Mad starren. Besonders aufmerksam sind Ed Falter und Joe Ringsby.

„Wir sind wieder raus aus dem Kahn“, meint Really Mad. Er grinst Gordon schief an und fährt fort: „Man hat uns einen Job gegeben. Er gefällt uns nicht. Hängt mit dir zusammen. Ist es wahr, dass du Marshal bist, Mailer?“

„Wer sagt es?“

Really Mad zögert mit der Antwort, weil der Mestize das Essen hinstellt. Als der Kellner weg ist, sagt Really Mad: „Wir haben genaue Informationen. Frag nicht danach! Du bist jemandem im Wege, Mailer. Es gibt Leute, die zahlen uns eine Menge, wenn wir dir eine Freifahrt überreichen. Du weißt, wie friedliebend ich bin. Ich mag keinen Ärger, schon gar nicht mit einem US-Marshal. Wie wäre es, wenn du dir eine andere Gegend aussuchtest? Luftveränderung ist gut gegen Husten. Ich habe ein Gefühl, das mir sagt, du könntest bald den Husten bekommen, Mailer.“

„Und wenn ich es nicht tue?“, fragt Gordon kauend.

„Schade, ich habe dich für klüger gehalten.“

„Erzähl mir mehr, vielleicht überlege ich mir deinen Vorschlag! Ich muss wissen, worum es geht.“

„Dumme Frage, Mailer. Darauf bekommst du keine Antwort. Wenn wir es nicht sind, die dir das Billett in die Hölle verabreichen, werden es andere tun. Es kommt auf eins heraus.“

„Du sprichst in Rätseln, Really Mad. Ich verstehe kein Wort. Wem bin ich denn hier im Wege?“

„Sehe ich so dumm aus?“ Really Mad macht ein entrüstetes Gesicht.

„Nein, im Gegenteil. Ich halte dich für zu schlau, um mit offenen Karten gegen mich anzutreten.“

„Das ist Fairness, Mailer. Du hast mehr Feinde, als du weißt. Wir werden auch deine Feinde sein, wenn du in dieser Gegend bleibst. Ich bin offen. Ich sage es dir. Wenn du morgen Mittag noch mit deinem Maulesel im El Paso County bist, wird es dunkel für dich. Stockfinster. Das ist ein Wort.“

„Wann wird der nächste Tote im Zug oder im Rio gefunden, Really Mad?“

Der Verbrecher zuckt die Schultern. „Du wendest dich an die falsche Adresse, Mailer. Ich rede von ganz anderen Dingen. Die Toten, die man gefunden hat, haben mit unserer Sache nichts zu tun. Im Gegenteil, Mailer, ganz im Gegenteil. So, und nun war ich verdammt offen zu dir! Ich hoffe, du bist im Bilde.“

„Nicht ganz, aber der Rest findet sich.“ Really Mad erhebt sich und stapft zu seinen Kumpanen hinüber. Die drei verlassen zusammen das Lokal.

6

Am nächsten Morgen wird Sheriff Albright wieder zum Flussufer geholt. Der rothaarige Fischerjunge hat den zweiten Fund in zwei Tagen gemacht. Diesmal braucht der Sheriff nicht lange zu überlegen, wer der Tote sein könnte. Es ist Really Mad. Um seinen Hals hängt das Schild: „Für ihn ist Juarez verboten!“ Der Tote ist offensichtlich erschossen worden. Zwei Wunden am Rücken und Hinterkopf sind deutlich zu erkennen.

Really Mads Tod erscheint dem Sheriff ebenso unverständlich wie Gordon Mailer. Glaubte Gordon vorher schon, vor einem Rätsel zu stehen, so verstärkt sich jetzt dieser .Eindruck bei ihm. Die geheimnisvollen Morde, das Schweigen und merkwürdige Gebaren der Hotchkiss’ und die eigenartige Warnung Really Mads von gestern Abend machen Gordon unsicher. Was geht hier vor? Ist es der Machtkampf zweier Gruppen, die beide im Dunkeln kämpfen? Ist es ein Racheakt? Und was bedeutet der Hinweis von Colon auf Linda Hotchkiss?

Linda Hotchkiss, der Name, der vielleicht der Schlüssel zu allem sein könnte, sagt sich Gordon. Gestern glaubte er noch daran. Heute wird er wieder irre. Warum musste Really Mad sterben? Weil er sich die Freiheit nahm, seinen Gegner zu warnen? Ist das der wahre Grund? Fragen ohne Antwort.

Gordon gibt sich keine Mühe mehr, seine Tätigkeit als US-Marshal geheim zu halten. Er hält es für sinnlos. Seine Gegner wissen, welche Rolle er spielt.

In Albrights Office kommen sie darauf zu sprechen.

„Von meinen Jungs hat keiner den Mund aufgemacht, Gordon“, erklärt Albright. „Das muss anders durchgesickert sein. Solange wir nicht wissen, wer unser Gegner ist und was er überhaupt bezweckt, können wir nur vermuten. Und darin bin ich verdammt vorsichtig. Schnell hat man jemanden zum Verräter gestempelt, der gar keiner zu sein braucht. Ich wüsste nur gerne, was der ganze Blödsinn soll.“

„Es geht zunächst darum, die Mörder von nunmehr fünf Menschen zu finden.“

„Ja, sogar Really Mad hat ein Recht darauf, dass wir seinen Mörder finden.“ Albright zuckt ratlos die Schultern. „Aber wie?“

„Es gibt fraglos Zeugen der Tat. Aber die melden sich nicht. Aus Furcht vor Vergeltung. Mir scheint, wir beide sind die Einzigen, die nicht wissen, was gespielt wird. Es ist einfach zum Kotzen.“ Wütend drückt Gordon seine Zigarette aus.

„Du kennst Linda Hotchkiss gut, nicht wahr?“, fragt Albright.

„Hm, ich hatte sie recht gern. War hinter ihr her. Wir hatten uns auch ein Wiedersehen versprochen. Leider verging ein Jahr, ehe ich wieder in diese Gegend kommen konnte. Und bis jetzt habe ich sie noch nicht gesehen. Der Teufel weiß, was dahintersteckt.“

Albright tritt ans Fenster und blickt hinaus. „Ihr liebt euch?“

„Von mir aus gesehen, ja. Was Linda denkt, kann ich nur ahnen. Und was sie heute denkt, ist völlig fraglich.“

„Sie hat keinen Freund, Gordon. Ich sah sie nie mit einem anderen, höchstens mit ihrem Bruder oder dem Alten.“

„Wusstest du, dass der Alte blind ist?

Nein, ich hörte es vorhin von dir als Neuigkeit. Vor einem Vierteljahr konnte er noch sehen. Da traf ich ihn bei den Korralen am Bahndepot. Seitdem sah ich ihn nicht wieder.“

„Es scheinen verdammt viel Dinge zu passieren, von denen du keinen Ton erfährst, Sheriff.“

„Du siehst das nicht richtig, Gordon“, verteidigt sich Albright. „Ich habe in dieser Stadt zwei Deputies und einen Town-Marshal. Das ist zu wenig. El Paso ist verdammt groß geworden. Wir haben neunzehntausend Einwohner. Nur in der Stadt, Gordon. Ich wette, es sind noch mehr, aber die sind nicht zu zählen: Mestizen, Schwarze und heimatlose Tramps, die am River herumlungern und nicht zu zählen sind.“

„Und die Rangers?“

„Die scheren sich einen Dreck um meine Arbeit. Denen ist die Grenze wichtig, nichts weiter.“ Albright dreht sich um und blickt Gordon starr an. „Ich denke manchmal, wir sollten abwarten, bis die Gegner einen Fehler machen.“

„Noch mehr Tote? Willst du darauf warten, dass noch mehr Menschen sterben müssen? Vielleicht noch zehn, vielleicht zwanzig? Kannst du das verantworten, Sheriff?“

„Ich weiß nicht, was ich tun kann, verflucht und zugenäht. Ich sehe keine Richtung!“

„Ich sehe weder Richtung noch Sinn in dieser Sache, aber einen Grund hat es, auch wenn ich ihn nicht begreife. Ich werde wieder zur H-Ranch reiten. Dort beginnt für mich die Spur.“

7

Die kommende Nacht wird den Auftakt des Kampfes bringen. Warnungen und Drohungen sind verklungen. Harter, brutaler Kampf ohne Regeln folgt. Niemand weiß es im Voraus, wie alles laufen wird. Doch Gordon ahnt und spürt, dass ein Gewitter in der Luft liegt.

Er nähert sich der Ranch von Südwesten her. Vor den ersten Drahtzäunen sitzt er ab, bindet Kaktus die Zügel auf, damit das Pferd auf seinen Pfiff hin folgen kann.

Zwischen den Koppeln führt ein Reitweg zur Ranch. Gordon geht ein Stück darauf entlang, kriecht dann unter einem Zaun hindurch und schlägt einen Haken nach Süden zu. Jetzt weht der Wind quer zu seiner Gangrichtung. Günstiger kann es für ihn nicht sein.

Am Himmel glitzern die ersten Sterne. Noch drei Stunden bis zum Mondaufgang. Drei kostbare Stunden. Es wird Vollmond sein, und damit zu viel Licht für einen Mann, der heimlich und möglichst ungesehen an die Ranch kommen will.

Ein Wassergraben kreuzt Gordons Weg. Er tappt hindurch und legt sich an den Rand. Hier dicht über dem Gras hört er besser als oben, wo der Wind zu sehr rauscht.

Auf der Ranch ist es dunkel. Keines der vielen Fenster ist erleuchtet. Und gerade das warnt Gordon besonders. Vergeblich versucht er zu erkennen, ob sich jemand vor den Hauswänden befindet.

Er denkt an die beiden Doggen. Sicher laufen die in der Nacht frei herum. Mit ihnen muss er rechnen.

Er erhebt sich und geht langsam weiter. Um keine Zeit zu verlieren, falls er überrascht wird, zieht er den Colt. In seiner linken Tasche klirren kaum hörbar die beiden gefüllten Reservetrommeln aneinander. Er wird schnell nachladen können. Seine schnellste Zeit im Auswechseln der Trommeln betrug zwei Sekunden. Er hat es ausprobiert.

Daran denkt er jetzt nicht. Vor ihm ragt ein Strauch auf, dunkel, unscharf zu erkennen und gefahrdrohend.

Gordon bleibt stehen. Langsam geht er in die Hocke und wartet. Rechts neben dem Strauch ist eine dunkle Masse. Wie ein Fleck erscheint es. Die Ränder des Strauches wirken durch die Zweige wie zerfetzt, bis auf jene Stelle rechts.

Da ist jemand, sagt sich Gordon.

Er legt sich flach auf den Boden. Er sieht es besser. Nein, dieser Fleck an der rechten Buschkante hat nichts mit dem Strauch zu tun. Es könnte ein großer hoher Stein sein, fast eine Säule. Hier in der Koppel eine Säule?, fragt sich Gordon. Eher ein Mensch, ein lauernder Mensch.

Gordon liegt reglos. Er wartet auf eine Bewegung. Und sie kommt. An der linken Seite dieses Schattens schiebt sich etwas Spitzes heraus.

Der Ellenbogen, überlegt Gordon. Ja, er könnte es sein.

Der Schatten bewegt sich nach links, verharrt wieder. Vor dem nur wenig helleren Hintergrund erkennt Gordon die Beine der Gestalt dort vorn. Vorhin stand sie anders, jetzt hält sie die Beine gespreizt.

Plötzlich ertönt weit hinter Gordon wildes Bellen. Dann ein dumpfes Wiehern.

Kaktus und die Doggen, fährt es Gordon durch den Kopf.

Plötzlich kracht ein Schuss. Dann tritt tiefe Stille ein.

Gordon regt sich nicht. Er hat einen Schuss gehört. Ist das des Grauschimmels Ende? Er weiß nicht, wie der Kampf zwischen Pferd und Hunden ausgegangen ist, hat keine Ahnung, ob der Schuss das Pferd traf.

Vor ihm steht ein Mann neben dem Busch. Jetzt bewegt er sich etwas nach rechts. Ein Schatten nähert sich aus dem Hintergrund. Gordon hört raschelnde Schritte im Gras. Eine zweite Gestalt taucht neben dem Mann dort vorn auf.

„Er ist weg. Sein verdammtes Vieh von einem Gaul hat die Doggen erledigt.“ Das ist Cleves Stimme. Gordon kennt sie zu genau, um sich zu täuschen. Der Hinzugekommene ist also Cleve Hotchkiss.

Das Gespräch geht weiter. Und schon bei den ersten Worten des anderen erkennt Gordon auch ihn an der Stimme. Es ist Colon.

„Es ist die Frage, ob er wirklich weg ist. Hast du ihn gesehen?“

„Kein Pferd greift Hunde selbständig an, Francis. Er war bestimmt im Sattel. Wahrscheinlich hat er mit der Machete nachgeholfen, als die Hunde ihn ansprangen.“

„Mag sein. Mir wäre lieber, er hätte sich diesen Ritt erspart. Dein Schuss wird Ringsby und Falter gewarnt haben.“

„Sie können noch nicht so nahe sein. Verdammt, hoffentlich kommt uns Mailer nicht noch mal in die Quere.“

„Still, Cleve!“

„Komm weiter hierher, Francis!“

Die Gestalten verschwinden hinter dem Strauch. Es ist wieder ruhig. Gordon hat Zeit zum Nachdenken.

Ringsby und Falter sind also gegen Cleve und Colon. Und man erwartet die beiden hier. Das gibt der Sache eine neue Linie. Aber warum, zum Kuckuck, hat man sein Pferd beschossen, fragt sich Gordon. Es gibt zwei Parteien, soviel ist klar. Um was sie kämpfen und warum, ist ihm noch ein Rätsel. Fest steht nur. dass sie ihn als dritten aus ihrem Spiel heraushaben wollen. Es muss etwas sein, das das Tageslicht scheut, überlegt Gordon weiter. Eine dunkle Sache, die sie unter sich ausmachen wollen.

Wieder - wie so oft in den letzten beiden Tagen - muss er an Linda denken. Was hat sie damit zu tun? Linda! Er erinnert sich noch gut an sie, an ihr dunkelblondes langes Haar, ihre blauen Augen und das schmale, feine Gesicht. Zwanzig Jahre wird sie alt sein, stimmt. Er erinnert sich genau: Sie ist im März zwanzig geworden. Aber welche Rolle muss sie in diesem Kampf spielen? Colon deutete an, dass sie in Gefahr sei. Wenn es wirklich so ist: Warum verschweigt er dann, was ihr droht? Warum nur diese Geheimnisse, wenn es um Menschenleben geht?

Gordon will noch ein Stück weiterkriechen. Plötzlich hört er weit hinter sich Pferde schnauben.

Vor ihm im Strauch knackt ein Gewehrschloss. Die Blätter rascheln stark. Als er nach oben blickt, sieht er deutlich einen Gewehrlauf, der aus den Zweigen herausragt.

Hinter ihm klirrt Metall. Vielleicht ist jemand an den Drahtzaun gekommen. So hört es sich an.

Keine Zeit mehr zum Warten, sagt sich Gordon. Er richtet sich blitzschnell auf, packt mit der Linken den Gewehrlauf und reißt ihn zur Seite. Gleichzeitig wirft er sich nach vorn, langt durch die Zweige und krampft die Hand in weichen Flanellstoff.

Er hört einen leisen Fluch. Mit der Linken hat er das Gewehr losgerissen und schleudert es weg. Eine Faust trifft ihn an der Schulter.

Er lässt den Stoff los und schlägt mit der Rechten zu. Er muss das Gesicht des anderen getroffen haben.

Die Zweige behindern ihn. Er macht einen Sprung zur Seite und kommt seinem Gegner in die Flanke. Der Größe nach muss es Colon sein. Ein harter Gegner, wie sich gleich zeigen soll.

Colon duckt sich in dem Augenblick, als Gordon beide Fäuste auf ihn abschießt. Gordon wird vom eigenen Schwung nach vorn gerissen und gerät in einen Tiefschlag Colons. Ächzend knickt Gordon ein.

Colon nutzt seine Chance augenblicklich. Bevor Gordon wieder fit ist, greift er an, schlägt nach und landet einen Volltreffer auf dem Punkt an Gordons Kinn.

Gordon stürzt nach hinten, fällt in den Busch und rutscht zwischen den Zweigen langsam zu Boden.

Colon sieht zwei Schatten näher kommen und lässt von Gordon ab. Er sucht vergeblich sein Gewehr, greift schließlich zum Revolver, aber da fallen sie bereits über ihn her.

Den ersten kann er noch abwehren. Der zweite Mann packt ihn von hinten und presst ihm den Unterarm vor den Kehlkopf. Colon schießt, verfehlt aber den vor ihm stehenden Mann und bekommt einen Schlag mit dem Gewehrkolben in die Magengrube. Röchelnd windet er sich, kommt aber nicht los.

Gordon hat sein Bewusstsein wiedererlangt. Verwirrt blickt er auf die Gestalten vor sich, begreift nicht gleich, was sich während seiner Bewusstlosigkeit abgespielt hat, hört aber Colon ächzen.

„Schnell, weg mit ihm!“, keucht eine Stimme.

Gordon glaubt zu wissen, dass es Ed Falter ist: Er ist bereit, hier mitzumischen. Anscheinend hat man ihn noch nicht bemerkt.

Als er ein Messer in der Hand Falters glänzen sieht, hat er sich entschieden. Zum Glück oder Pech geht der Mond auf. Es kommt für alle überraschend.

Von der Ranch her brüllt eine Männerstimme: „Francis!“

Francis Colon röchelt. Joe Ringsby drückt ihm die Kehle zu. Deutlich erkennt Gordon das Gesicht des Banditen. Aber da sieht man auch ihn. Ed Falter hat ihn zwischen den Ästen und Zweigen des Strauches entdeckt.

Diesmal ist das Glück auf Gordons Seite. Er hat den Mond im Rücken. Falter sieht ihn nicht deutlich genug. Und Gordon nutzt das aus. Er zieht den Colt, feuert auf Falters Hand. Das Messer fliegt im Bogen durch die Luft. Falter presst die verletzte Hand an die Brust.

Ringsby lässt augenblicklich von Colon ab. Er zieht den Colt.

Gordon springt ihn an und schlägt ihn mit dem Lauf seines Revolvers nieder.

Männerstimmen ertönen von der Ranch her. Schritte trappeln. Cleve brüllt einen Befehl.

Gordon wartet nicht länger. Als Ed Falter einen Angriff wagt, kommt er ihm zuvor und schlägt zu. Falter bringt den Colt nicht mehr aus dem Futteral.

„Weg hier, los!“, keucht Gordon und stößt Falter vor sich her. Falter taumelt, Gordon reißt ihm die Waffe ans dem Futteral und knurrt: „Verdammt, lauf zu!“

Wider Erwarten gehorcht Falter und hastet vor Gordon her über die Koppel. Vor dem Draht stehen die beiden Pferde.

„Aufsitzen, Falter, Tempo!“, befiehlt Gordon und schwingt sich ebenfalls auf eines der beiden Tiere.

„Verbinde mich doch!“, stöhnt Falter.

„Nachher - wo hat es dich erwischt?“

„Handgelenk - und die andere Hand.“

„Wir müssen erst hier weg! Mach keine Dummheiten! Je eher wir weg sind, desto früher kann ich dir helfen.“

Als sie ein gutes Stück außerhalb der Koppeln sind, pfeift Gordon gellend. Er reitet weiter und wiederholt seinen Pfiff nach kurzer Zeit.

Weit links taucht der Grauschimmel im fahlen Licht des Mondes auf. Kaktus galoppiert und hält auf Gordon und Falter zu.

Kaum ist Kaktus neben den beiden anderen Tieren, springt Gordon, ohne anzuhalten, auf ihn in den Sattel. Er bringt Kaktus neben Falters Pferd, packt den Kerl am Gürtel und ruft: „Auf mein Tier, voran!“

Falter ist mit zwei verletzten Händen wehrlos. Er wagt keinen Widerstand mehr, obgleich er jetzt die Chance dazu hätte. Es gelingt ihm, vor Gordon auf den Grauschimmel „umzusteigen“, ohne seine verletzten Hände zu gebrauchen. Gordon hebt ihn einfach herüber.

Mit der Bullpeitsche treibt Gordon die reiterlosen Pferde weiter, lässt sie laufen und schwenkt mit Kaktus rechts ab. Im buschreichen Gelände taucht er unter. Die Verfolger jagen hinter den reiterlosen Pferden her, die sie bald eingeholt haben.

Indessen sind Gordon und sein Gefangener für Minuten in Sicherheit. Gordon hält an, um den Verletzten zu verbinden.

„Was wirst du mit mir anstellen, Mailer?“

„Es hängt von dir ab, Ed Falter. Ich könnte aber auch dafür sorgen, dass du noch ein paar Jahre in den Steinbruch wanderst.“

„Ich kann nicht singen, Marshal.“

„Du warst doch Really Mads Freund, nicht wahr?“

Ed verzieht das Gesicht, als Gordon den Verband am Handgelenk anlegt. „Nicht so fest, Mann! - Ja. ich war Really Mads Freund. Er, Joe und ich waren immer zusammen.“

„Und es ist dir gleichgültig, dass er tot ist?“

„Deshalb sind wir heute Nacht unterwegs.“

„Dann hältst du also Cleve Hotchkiss oder Francis Colon für die Mörder?“, will Gordon wissen.

„Tut mir leid, Marshal, darüber kommt kein Ton mehr aus meinem Mund. Find es selbst heraus!“

8

Der Arzt geht, und Ed Falter ist mit Sheriff Albright und Gordon Mailer allein. Er liegt auf einem Bett, das in der hintersten Zelle für ihn aufgestellt wurde. Beide Hände sind bandagiert und dick verbunden.

Er schweigt. Mit sturer Beharrlichkeit verweigert er jede Antwort auf Albrights Fragen.

„Lass mich mal mit ihm allein, Gordon“, schlägt Albright vor. „Ich werde ihm das Singen beibringen.“

Gordon blickt auf Falter, doch der zeigt mit keiner Miene, ob er ein scharfes Verhör fürchtet oder nicht.

„Na schön“, brummt Gordon und geht. Vorn im Office trifft er auf Jim und Jeff, die Deputies.

Sie grinsen ihn an. „Hat er gesungen?“

„Albright ist dabei, ihm die Zähne zu lockern“, brummt Gordon und lässt sich auf einen Stuhl fallen.

„Wir haben etwas herausgefunden, Marshal“, meint Jeff und stochert mit einem Streichholz zwischen seinen Zähnen herum.

„Das wäre?“

„Really Mad ist nicht nur anders gestorben als alle seine Vorgänger, er ist auch von jemandem ermordet worden, der wahrscheinlich nur die Methode nachgeahmt hat.“

„Wer sagt das?“

„Ich“, erklärt Jeff. „Vorhin wollte ich es dem Boss erklären, aber der hält mich für zu grün, um eine eigene Meinung zu haben. Well, ich habe sie trotzdem, Marshal. Die Schrift auf dem Schild stammt nicht von derselben Hand. Das Material des Schildes ist anders. Bisher sahen alle Schilder gleich aus. Das von Really Mad ist anders. Und er starb auch anders. Die früheren Opfer sind alle erstickt oder ertrunken. Really Mad starb durch die Kugel eines hinterhältigen Schützen. Übrigens keine Revolvergeschosse! Pistolenschüsse sind es gewesen! Da, hier sind die Kugeln, die der Doc herausschnitt.“ Jeff greift in die Tasche und holt zwei Geschosse heraus, die Nickelmäntel haben.

Details

Seiten
160
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783738903263
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (April)
Schlagworte
geheimnis grande

Autor

Zurück

Titel: Das Geheimnis am Rio Grande