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Blake Gordon #4: Der Seelenspalter des Akari Lee

von James Brian (Autor:in) Pixabay Steve Mayer (Cover Design)
2016 120 Seiten

Leseprobe

Der Seelenspalter des Akari Lee

Von James Brian

Blake Gordon – Band 4

Impressum

––––––––

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und

BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author/ Cover by Christian Dörge, 2016

© dieser Ausgabe 2016 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin

Munsonius.

WWW.ALFREDBEKKER.DE

postmaster@alfredbekker.de

Prolog

Irritiert von der Tatsache, dass sie plötzlich neben sich stand, blinzelte Akari Lee. Sie wusste nicht, wie sie mit der ungewohnten Situation umgehen sollte. Das, was sie sah, wollte und konnte sie nicht glauben. Sie stand vor ihrem Bett, sah ihren Chef ruhig schlafen und wusste doch, dass es völlig verrückt war, was sich gerade abspielte. Akari, die eigentlich an außergewöhnliches gewöhnt war, schluckte. Die Trockenheit in ihrem Mund breitet sich schnell aus, wanderte in ihren Hals und ließ sie den Kopf schütteln.

Ihre Blicke wanderten über das zerwühlte Bett. Die beiden Bettdecken lagen am Fußende und Blake hatte den Kopf tief in ein Kissen gedrückt. Den linken Arm hatte er über den schmalen, schlanken Körper einer Frau gelegt. Die schwarzen, schulterlangen Haare, fielen über ein markloses, hübsch anzusehendes Gesicht.

Akaris Gesicht...

Roman

Der leichte Hauch, der Tel Feu streifte, ließ den damaligen Besitzer des schwarzen Blutes schaudern. Er kannte diese Anwesenheit von Magie nur zu gut. Zu oft schon war er in dessen Fänge geraten und hatte sich nur mit letzter Mühe aus ihnen befreien können.

Lange schon hatte er von dieser Präsenz aber nichts mehr gehört oder gesehen. Eigentlich war er der Meinung gewesen, niemals wieder etwas mit ihr zu tun haben zu müssen.

Er hatte sich geirrt!

Tel Feu schaute sich um.

Erst kürzlich in New York war ihm die Präsenz wieder begegnet – und hatte ihn an die zurückliegende Vergangenheit erinnert. Eine Vergangenheit, die er gehofft hatte, hinter sich gelassen zu haben.

Er war nicht mehr an ihr interessiert ...

In dem kleinen Raum, in dem er sich befand, gab es nichts, außer einen kleinen Tisch, eine Schreibtischlampe und ihn selber. Der weiße, kalte Schein des Lichtes hüllte den im Schneidersitz dasitzenden Mann ein. Tel Feu war zurzeit in Genf. Hier, in der Schweiz, am Genfersee, hatte er sich zurückgezogen, um für sich alleine zu sein. Die Gestalt, in der er auftrat, die das Gesicht eines dreißigjährigen, erfolgreichen Geschäftsmannes zeigte, war muskulös und gut durchtrainiert. Schwierigkeiten, jemanden kennen zu lernen, hatte er nicht. Dazu war sein Gesicht zu markant und das immer währende Lächeln, eroberte schneller ein Frauenherz, als die Börse Geld verdienen konnte.

Die markanten Gesichtszüge, in der eine in die breite verlaufende Nase dominierte, zeigte Skepsis. Auf den schmalen Lippen, um die ein fein geschnittener, schwarzer Bart wuchs, verzogen sich.

Schwer seufzte Tel Feu, als er sich aus seiner sitzenden Position erhob und sich der Tür zu wand, die ihn auf den Flur seiner Burg brachte.

Fein säuberlich eingerichtet, nur mit den besten Stücken die die Möbelhäuser und Kunsthallen zu bieten hatten, waren gerade gut genug für ihn. Es war nur ein kurzes, kaum wahrnehmbares Kribbeln gewesen, welches sich über seinen Rücken ergoss. Es hatte aber ausgereicht, um Tel Feu vorsichtig werden zu lassen.

Mit der ihm eigenen Magie, die in ihm wohnte, tastete er nach der fremden Quelle. Er fand sie nicht. Sie schien sich wieder aufgelöst zu haben und, wie es aussah, zeigte sie keinem weiteren Interesse, sich hier in Genf aufzuhalten.

Tel Feu erhob sich von seinem Platz und begann durch seine eigene Burg zu schleichen.

Nur zu gut kannte er die Tricks und Kniffe der anderen Seite. Er wusste wie sie vorgingen und war sich sicher, dass der kurze Besuch, der hier gewesen war, sich noch einmal zeigen würde.

Die Gedanken, die sich langsam und geordnet hinter der Stirn Tel Feu abspielen, trugen ihn Bilder der Vergangenheit näher. Eine Zeit, in der er selber noch ein Schwarzer Magier gewesen war und nichts anderes im Sinn hatte, als die Menschheit zu verderben. Oft war er da auf Widerstand und Gegenwehr getroffen.

Natürlich wusste er, dass es viele Wesen und Mächte gab, die es ihm nicht verziehen, was er damals tat.

Bedauerlich ...

Für jene, die sich ihm in den Weg stellten...

Tel Feu war noch nie jemand gewesen, der sich hatte einschüchtern, oder zurückhalten lassen, sein eigenes Süppchen zu kochen. Warum auch? Er nahm sich das, was er brauchte, egal, wann er es brauchte.

Ein übriggebliebener Zug seines damaligen Ichs?

Möglich ...

Es kümmerte ihn auch nicht.

Das, was ihn interessierte, als er als er den geräumigen Wohnbereich erreichte, sich umschaute und den fein polierten Tisch erblickte, auf dem eine obligatorische Obstschüssel stand, war das Gefühl der Beobachtung, dass in ihm aufgestiegen war.

Die Couch, die aus echten, braunen Leder bestand, wirkte auf Tel Feu wie ein plötzlicher Fremdkörper. Der Ex-Magier des Bösen schaute sich langsam um. Dabei suchten seine magischen Finger nach Gegenständen oder anderer Magie, die ihm verriet, wer es wagte hier einfach einzudringen. Natürlich hatte er die Burg geschützt. Mit fein säuberlich versteckten Runen und Zeichen, die magisch begabte Eindringlinge davon abhalten sollten, die Burg zu betreten. 

Wie es aussah, hatte die magische Abschirmung nicht ganz so funktioniert, wie er es wollte. Als er geradeaus, in den Hausflur schaute und dort das Flimmern erkannte, zuckte er kurz zusammen.

Natürlich, dachte er bissig, so wie immer!

Das grünliche, in sich selbst verdrehte Flimmern, begann zu kreisen. Es drehte sich rechts herum und deutlich konnte Tel Feu sehen, wie sich eine in weiße Tücher gehüllte, blonde Gestalt, aus dem entstehenden Kreis löste. Sie trat würdevoll, mit einem immer wehrenden freundlichen Lächeln auf dem Gesicht hervor und legte die Hand auf den Knauf eines Schwertes. Die langen, über die Schulter fallenden blonden Haare, waren hinter die Ohren gekämmt. Das Gesicht, eingerahmt von einem weichen Schein, sah Tel Feu das bläuliche Leuchten in den Augen.

Die Füße, nackt und mit länglichen Zähen bestückt, berühren nicht den Boden. Eine kleine, weiße, wabernde Wolke, trug die Gestalt. Das weite Gewannt, bewegt von einem nicht wahrnehmbaren Lufthauch und umspielte den schlanken Körper.

Tel Feu, der eine natürliche Abneigung gegen diese Gestalten hegte, stellte sich breitbeinig auf. Er würde angreifen, sobald er eine feindliche Bewegung ausmachte, die von dem Mann ausging, der nun durch den Flur schwebte.

„Ist es nicht lange her, als wir uns das letzte Mal sahen?“, drang Tel Feu eine ausgeglichen, leicht nachhallende Stimme entgegen, die ihn abstieß. Das Gesicht des Trägers der schwarzen Schnur des Magierzirkels verzog sich und aus seinem Mund drang ein knurrender Laut.

„Seltsam, immer noch der alte Feind?“

„Was willst du und wer bist du?“

Die Gestalt ging nicht auf die Fragen Tel Feus ein. Sie schwebte auf den Wohnraum zu und schaffte es beinah, dass der damalige Sektenführer einen Schritt zurück gewichen wäre.

Tel Feu war erschrocken ...

Hatte die andere Seite gelernt, seine Magie gegen ihn zu wenden?

Noch nie war er zurückgewichen, wenn er einen seiner alten Feinde erblickte und noch nie hatte er es für möglich gehalten, dass er nur durch die Anwesenheit eines Engels solch ein dumpfes, beängstigendes Gefühl in sich trug.

Tel Feu spürte, dass von der Gestalt eine besondere, fast schon erdrückende Macht ausging. Sie erfasste ihn und schüttelte den Trägers der schwarzen Schnur des Magierzirkels durch.

„Mir ist zu Ohren gekommen, dass du der Niederhölle den Rücken gekehrt hast, Tel Feu. Aus diesen Grund habe ich angenommen, keinem Feind gegenüber zu stehen.“

„Stell dich vor, oder ich werfe dich heraus!“

„Aber, mein alter Feind, wie kannst du nur so ungestüm sein?“

Das Lächeln, welches auf dem Gesicht des Wesens saß, widerte Tel Feu an. Noch nie hatte er es ausstehen können und jetzt, wo er nicht mehr der Anführer des Zirkels war, wollte er auch nicht damit anfangen.

Er mochte die Boten nicht.

Ebenso wie ihren Herren.

Zu rein waren sie... zu anständig.

„Ein gemeinsamer Feind ist aus den dunklen Kammern der schwarzen Hölle entkommen und wird sicherlich nach deinem Leben trachten.“

„Schwarze Hölle?“ Tel Feu wusste wovon der Bote sprach. Schließlich war er es damals gewesen, der aus den tiefen Schlünden der Schwarzen Hölle geschlüpft war, um einen Feldzug anzuführen, der die Erde erschüttern sollte.

„Ja. Sie ist es, die ich bewache.“

„Kawahef“, zischte Tel Feu.

„So ist es“, immer noch lag dieses überhebliche, reine Lächeln auf den Lippen des Engelwächters und die Magie, die diese Gestalt ausstrahlte, regte ihn Tel Feu Hass an.

Es war ein natürlicher Zauber, den Schwarzblütler, wie er einer war, sich angeeignet hatte, um sich vor eventuellen Gefahren zu schützten. Die meisten Dämonen bevorzugten eine fluoreszierende, immer bestehende Schutzkugel.

Tel Feu nicht.

Er schützte sich anders.

Aus seinem Körper würden Stacheln hervor schießen. Spitze, aus einem undurchdringlichen Meer bestehende stechende Enden, die einem Engel nicht nur die Gewänder, sondern auch die weiche Haut zerfetzten. Nur mit Mühe konnte Tel Feu sich zurückhalten. Er knurrte leicht und wartete darauf, dass Kawahef weiter sprach.

Als der Wächter der Schwarzen Hölle anfing zu reden, zuckte es in Tel Feu. Seine Finger ballten sich zu einer Faust und machten es dem damaligen Besitzer des schwarzen Blutes nicht gerade leicht, die Kontrolle zu wahren.  „Es ist ein alter Bekannter vor dir. Der jenige, der nach dem trachtet, was wir als rein und anständig bezeichnen.“

Tel Feu grinste. „Seelen!“

„Richtig.“

„Was habe ich mit dem Blödsinn zu tun? Kann dein Herr sich nicht um diese Angelegenheit kümmern?“

Ein kurzer, nicht wirklich wahrnehmbarer, dunkler Schatten huschte über das leuchtende Gesicht Kawahefs. Die Stimme des Engelwächters hörte sich brüchig und verletzt an. „Zu lange schon habe ich von IHM nichts mehr gehört.“

„Ist mal wieder beleidigt, der alte Schwerenöter, was?“

„Sprich in einem anderen Ton!“, verlangte Kawahef mit durchdringender Stimme.

„Dieses ist mein Heim, alter Feind! Also rede ich hier, so wie ich es will. Nun komm schon endlich heraus mit der Sprache. Welcher Dämon ist es, der nach fremden Seelen trachtet? Ich kenne da einige, die sich nur zu gerne auf das aller Heiligste stürzen.“

„Es ist Krachton“, flüsterte Kawahef.

„Oh nein“, hauchte Tel Feu und spürte einen deutlichen Druck im Bauch ...

*

In den Augen der Frau, mit den beiden gewundenen Hörnern auf der Stirn,  konnte man ehrliche Verwunderung erkennen.

Ihr ebenmäßiges, von feinen Konturen bestimmtes Gesicht, verzog sich. Die vollen, roten Lippen, verzogen sich zu einem spöttischen, wie auch verwirrten Lächeln.

Ihre dunklen Augen fixierten den Neuankömmling, der sich grazil in seiner dicklichen, fast schon plumpen Art bewegte. Die lüsternen Blicke, die das Wesen auf den makellosen Körper der Dämonin warf, entgingen der Herrscherin der Hölle nicht. Sie wusste, was sie mit ihrem Körper alles anrichten konnte. Das es mehrere Dämonen wie auch Menschen gab, die den Reizen der schlanken Beine, wie auch ihres Bauches oder den Brüsten, nicht widerstehen konnten. Über die letzteren zogen sich nur zwei hauchdünne, gerade breit genug gearbeitete Stofffetzen, die die sich langsam aufrichtenden Brustwarzen verdeckten.

Barbeta, die Herrscherin der Hölle, zog das linke Bein an. Präsentierte dem glotzenden Neuankömmling einen langen, kaum endenden Oberschenkel, der auf ein zartes Knie überging und in schlanken, wohlgeformten Waden endete. Um das Fußgelenk hatte sie sich ein kleines Kettchen gebunden.

Die Flügel, die auf ihren Rücken wuchsen, klappte sie zusammen und gab ein leises, schlagendes Geräusch von sich.

Um ihren Thron, aus denen Schrei der Gequälten drangen, wanden sich schwarze, nach allen Seiten leckende Flammenzungen.

Sie schossen in die Höhe.

Jammerten und schrien.

Keine Hitze oder Kälte trugen sie in sich. Nur das dauerhafte Kreischen und Stöhnen.

Die Gestalt, die ebenfalls ein Flügelträger war, mit durchdringenden, hässlichen Gesichtszügen, hatte die Lippen zu einem Lächeln verzogen. Die nackte, muskulöse Haut, übte auf Barbeta einen gewissen Reiz aus. Auch wenn sie die wuchtigen, fast schon angeberisch wachsenden Hörern auf der Stirn und den Kopfes, sie abstießen. Eine Macht strahlte die hoch gewachsene, krummbeinige Gestalt aus.

„Was willst du hier?“, grollte ihre Stimme.

Eine Waffe, die sie gerne einsetzte, um Fremden zu zeigen, dass sie nicht gewillt war, auch nur einen von ihnen zu akzeptieren. Doch ihr Gegenüber wischte nur lässig mit der Hand durch die Luft. Die stumpfen, fast schon ausdruckslosen Augen, schlossen sich für einen kurzen Augenblick. Der breite, sich in die Länge ziehende Mund, gab einen glucksenden Laut von sich. Aus den Füßen wuchsen Krallen und erzeugten ein kratzendes Geräusch, als der Flügelträger auf Barbeta zuging.

„Ich hab mit dir zu sprechen.“

„Ich habe dir keine Audienz gewährt und ich bin auch nicht gewillt dir eine zu geben. Jeder hat sich anzumelden, auch du!“

„Die Zeit drängt und meine Rache will gestillt werden!“

„Rache“, höhnte Barbeta . „wollen wir die nicht alle?“

„Sicherlich, nur meine ist wichtig.“

„So wie die von allen.“

„Sei nicht so herablassend“, herrschte der Geflügelte sie an und schaute sie für an. Einen Moment, der Barbeta durch Mark und Bein ging. Sie fühlte, wie die Magie des Fremden sie sondierte. Das er sie durchleuchtete und auf den tiefsten Grund ihres Selbst hinabblickte.

Als er mit seiner Musterung fertig war, nickte er bestätigt und knurrte. „Habe ich es mir doch gedacht. Du bist nicht das, was du ausgibst zu sein.“

„Was soll das heißen?“ Mit einem anmutigen Satz richtete sie sich auf. Die Flammen, die hinter ihr wallten, heulten auf. Sie schossen in die Höhe. Versuchten nach den Neuankömmling zu schnappen und ihn in den Schlund der Hölle zu ziehen, aus denen es kein zurückkommen mehr gab.

„Das ich nun weiß, wer du bist, was du kannst und wie ich dich stürzen könnte!“

„Du willst den Thron?“

„Nein“, schüttelte der Fremde den Kopf. „Ich will Tel Feu!“

Barbeta  schaute verwundert. Sie ließ sich auf den Thron zurückfallen und schaute von der Seite her auf den Dämonen, der vor ihr stand. In ihren Augen blitzte es kurz, bevor sie sagte. „Denn wollen so einige. Er ist ein Verräter.“

„Darum geht es mir nicht. Das einzige was zählt, ist Tel Feu in die Hände zu bekommen.“

„Dann suche ihn!“

„Wo ist er?“

Barbeta zuckte mit den Schultern. „Woher soll ich das wissen? Seit dem er der Hölle den Rücken gekehrt hat, weiß niemand so recht, wo er sich aufhält.“

„ Gewähre mit deine Hilfe. Und ich werde dir etwas bringen, was du schon lange wolltest.“

„Ach?“

Der Dämon schmunzelte kurz, als er fragte. „Du hast Blake Gordon beobachtet und bist sicherlich zu dem Entschluss gekommen, dass er gefährlich ist, nicht wahr?“

„Blake“, murmelte sie. „Ein interessanter Mann. Er hat Potential, dass mir gefährlich werden könnte, ja. Ihn sollte man versuchen auf unsere Seite zu ziehen, oder ihn vernichten.“

„Dann hast du Interesse mir zu helfen...“

„Natürlich“, grinste Barbeta und hinter ihrer makellosen Stirn begann es zu ticken ...

*

Ich bin tot, schoss es Akari durch den Kopf, als sie auf sich selber nieder schaute und ihre Blicke zu Blake wandern ließ. Die Erkenntnis, die sie wie ein Schlag traf, ließ sie verzweifeln. Nicht aus dem Grund, weil sie gestorben war, sondern deswegen, weil sie gar nichts spürte. Nicht das geringste Gefühl von Verlust war vorhanden. Nicht einmal eine kurze Trauer zog durch ihren Magen, um dann in ihre Kehle zu wandern. Nein, sie stand einfach nur da. Regungslos.

So in Gedanken versunken, dass sie auf der Suche war, nach Anzeichen ihrer Angst, schüttelte sie den Kopf. Es ging ein Ruck durch ihren Körper, der sie auf die Tür zu treten ließ, die den Schlafraum von dem dahinter liegenden Flur trennte.

Einen letzten Blick warf sie auf Blake. Dieser lag still im Bett. Auch zu ihm fehlte ihr plötzlich jegliche Bindung. Sie wusste, dass sie ihn mochte, dass sie alles für ihn tun würde, aber ...

Wusste?

Akari schauderte. Sie konnte selber nicht glauben, was für Gedanken ihr gerade durch den Kopf glitten. Das war absurd. Sie wusste nicht dass sie Blake ...

...liebte.

Das war eines der innigsten und tiefsten Gefühle die sie jemals einem Menschen entgegen gebracht hatte.

Schließlich war Blake der Mann, mit dem sie jede Gefahr auf dem Planeten überstehen wollte.

Was möglich gewesen wäre.

Aber ihr plötzliches Ableben hinderte sie daran, auch nur einen weiteren Gedanken zu formen, der sich mit der Zukunft beschäftigte.

Akari griff automatisch nach der Klinke der Tür und bemerkte erst beim zweiten zugreifen, dass ihre Hand durch die Klinke hindurch fuhr. Stockend blieb sie stehen. Stierte auf den Griffen und führte die Hand langsam wieder zu dem Messinggriff, um diesen mit ihren Fingern zu umschließen. 

Sie glitt hindurch!

Mit einem keuchenden Laut auf den Lippen wich Akari zurück.

Sollte sie hier gefangen bleiben?

Gehört hatte sie schon viel von verirrten Seelen, die den Weg nicht beschreiten konnten, der sie in die Ebenen brachte, an diese sie glaubten?

Akari hingegen fragte sich, als sie wieder versuchte nach der Türklinke zu greifen, wie sie einfach so sterben konnte. In den letzten Tagen hatte sie nicht einmal einem Dämonen gegenüber gestanden. Kein Feind wollte sie vernichten.

Akari hatte sich auch schon gewundert, dass es so lange ruhig gewesen war. Denn meistens hatten Blake immer alle Hände voll zu tun.

Über die ruhigen Stunden, die sie seit ihrer Ankunft in Schottland verbrachten, hatte sie sich gefreut und auch Blake war dem Faulenzen nicht abgeneigt gewesen – nachdem sie die Beerdigung von William hinter sich gebracht hatten.

So schwer es Blake auch gefallen war, aber nachdem er eine Schaufel Sand auf den Sarg Williams geworfen hatte, ihm dafür dankte, dass er ihm immer ein Freund anstatt eines distanzierten Butlers gewesen war, hatte es ihn doch erleichtert.

Ja, er hatte sein Versprechen, dass er sich selbst gegeben hatte, eingehalten.

Obwohl die letzten Tage und Wochen anstrengend gewesen waren.

Akari warf noch einmal einen traurigen Blick auf ihren Arbeitgeber und richtete den Blick auf die Tür. Ihre Hand war feinstofflich, also musste auch ihr restlicher Körper durchlassungsfähig sein. Sie presste die Lippen aufeinander und schritt einfach auf die Tür zu. Durchdrang diese und schüttelte sich, als auf den Flur trat. Das Gefühl, sich mit etwas verbunden zu haben, dieses ganz intensiv zu spüren, schlich durch ihren Körper. Eine Gänsehaut, wenn sie diese denn noch empfinden konnte, zog über ihren Rücken. Ihre Nackenhaare stellten sich auf und der Atem, den sie eigentlich nicht mehr brauchte, stieß ihr pfeifend über die Lippen. Mit einem skeptischen Blick, den sie über die Schulter warf, beäugte sie die Tür. Schüttelte sich noch einmal kurz und fragte sich, was es war, was sie wegzuzerren versuchte.

Es war ihr, als ob irgendjemand mit einmal versuchte, sie an einen Ort zu ziehen, den es nicht geben konnte...

Akari legte die glatte Stirn in Falten.

„Habt keine Angst vor mir. Ich bin der, der dich abholen will.“

„Echt?“

Akari schauderte bei dem Gedanken, dass es vielleicht doch so etwas wie den Sensenmann geben könnte ...

Eine Gestalt, die die Seele vom lebenden Körper schnitt, und den restlichen, unsterblichen Teil des Lebens mit sich nahm und dann ...

Sie konnte nicht sagen, wie es weiter ging, denn bisher war sie noch nie gestorben.

Ein leises Lachen hallte ihr entgegen.

„Vielleicht bin ich schon da.“

„Zeig dich doch!“

„Ich warte...!“

Der Schatten, der dann über sie fiel, riss sie davon ...

*

„Wie konnte das denn passieren?“

Tel Feu konnte und wollte den Vorwurf in der Stimme nicht unterdrücken. Es kümmerte ihn auch nicht, dass Kawahef das Gesicht verzog.

Immer noch schwebte der Wächter und seine Hand umschloss plötzlich den Knauf des Schwertes. Tel Feu musste wieder gegen den Drang ankämpfen, seinen eigenen, persönlichen Schutz ausfahren zu lassen. Er knirschte mit den Zähnen, als ein unangenehmes, helles, stechendes Leuchten aus der schwebenden Gestalt drang.

Eine Art Musik begleitete den Schein und Tel Feu wusste, was Kawahef versuchte. Er wollte Frieden zwischen sich und dem Trägers der schwarzen Schnur des Magierzirkels bringen. Eine Methode, die die Engel oft anwandten, um unliebsame Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen. Nur wusste Tel Feu, wie er der Melodie aus dem Weg gehen konnte. Es war sozusagen ein leeren des Kopfes. Ein einfacher, schnell gedachter Gedanke, der ihn umschloss und augenblicklich den Klang der Musik verstummen ließ.

„Lass das“, zischte Tel Feu. „Es wird dir nicht gelingen.“

„Deinen Angriff damals hast du abgebrochen.“

„Doch nicht wegen deiner lächerlichen Musik“, Tel Feu verzog das menschliche Gesicht spöttisch. „Sondern aus dem Grund, weil meine Armeen sich im Nichts aufgelöst haben.“

„Einige sind zu mir übergelaufen“, erinnerte Kawahef den damaligen Schwarzen Magier und schaffte es, dass dieser beinah explodierte.

„Hör auf damit, von den vergangenen Schlachten zu sprechen, Kawahef“, polterte Tel Feu und wischte mit der Hand durch die Luft. „Es ist vergangen und vergessen. Es war der letzte wirkliche Erfolg von euch Engeln, den ihr verbuchen konntet. Seit diesen Tagen, wenden sich die Menschen von euch ab. Ihr Glaube schwindet und wie mir scheint, wird es dem nächsten bald keine Kirche mehr geben!“

„Wir existieren nicht durch die Kirche.“

„Aber sie ist ein erheblicher Bestandteil eurer Kraft. Und den Volkssport, den die Menschen betreiben, aus den Kirchen auszutreten, hält weiterhin an.“

„Ich glaube, alter Feind, wir sollten uns über Wichtigeres unterhalten.“

„Sicherlich. Zum Beispiel über Krachton.“

„Genau den!“

„Krachton konnte entfliehen, nach einem immer wehrenden, ansteigenden Kampf. Ich hielt ihn zurück. Er war mein Gefangener, und damit in den Schwarze Höllen gefangen. Er schaffte es aber, durch die Kraft seiner Gedanken, sich zu befreien. Körperlich war er anwesend, aber sein Geist jagte durch die Hölle. Als ich es bemerkte, war es schon zu spät. Ich wollte ihn zurück halten, aber es gelang mir nicht.“

„Warum?“, wollte Tel Feu wissen und fügte herablassend hinzu. „Weil dein HERR nicht mehr hinter dir steht?“

„Nein“, das immer wehrende Lächeln auf dem ebenmäßigen Gesicht des Engels blieb weiterhin bestehen. Obwohl Tel Feu einen deutlichen, ärgerlichen Schatten erkannte, der sich in den Augen Kawahefs sammelte und bis zu den Mundwinkeln herab wanderte. „Es gibt anderes, auf was wir unser Hauptaugenmerk richten müssen. Krachton nutzte die Stunde meiner kurzen Abwesenheit, um sich zu verflüchtigen.“

„Ich dachte du bist einer der Aufmerksamsten deiner Zunft.“

„Über zweittausend Jahre habe ich ihn zurück gehalten und so auch dir dein Leben gerettet.“

„Mein Leben?“ Tel Feu zog ärgerlich die Augenbrauen zusammen. Hinter seiner Stirn breiteten sich langsam Kopfschmerzen aus, die von Atemzug zu Atemzug unangenehmer begannen zu pochen.

„Hast du vergessen, was er dir damals zurief, als die Schwarze Höllen deinen Händen entglitten.“

„Nein. Das habe ich nicht.“

„So brauche dich dir also nicht zu sagen, dass du seit diesem Tag an, in Lebensgefahr schwebst.“

„Was soll das werden, Kawahef?“, zischte Tel Feu ärgerlich.

„Ich will dir nur aufzeigen, wie sehr du an mich gebunden bist.“

„Eher habe ich den Verdacht, dass du einen Bündnispartner brauchst, um deinen Fehler auszubügeln.“

„Wenn du es so sehen willst!“

„Ja, das will ich. Weißt du was, Kawahef, es kotzt mich an, wie du hier auftrittst. Ich kann es nicht mehr sehen, deine selbstgefällige Art. Mit der du versuchst über deine Schwächen hinweg zu täuschen!“

Während Tel Feu sprach, begann es auf seiner Brust weiter zu brodeln. Die ersten spitzen, hornartigen Gebilde schossen aus seinem Oberkörper hervor und richteten sich bedrohlich auf den Engel. Dieser legte die Hand an sein Schwert und schüttelte den Kopf. „Beherrsche dich, Tel Feu.“

„Es fällt mir schwer, in deiner Gegenwart.“

„Dann zügle dich. Und helfe mir, die Spur Krachtons wieder zu finden.“

Details

Seiten
120
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783738903089
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2018 (November)
Schlagworte
blake gordon seelenspalter akari

Autoren

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Titel: Blake Gordon #4: Der Seelenspalter des Akari Lee