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Der Kristall des Sehers: Romantic Thriller Sonder-Edition

2016 120 Seiten

Leseprobe

Der Kristall des Sehers

von Alfred Bekker

***

Romantic Thriller Sonder-Edition mit einem Titelbild von Firuz Askin.

Ein Kristall öffnet das Tor in eine andere Wirklichkeit - und eine übersinnlich begabte junge Frau muss um ihre Liebe kämpfen. Sie ist Reporterin bei einem Boulevardblatt und die Welt des Übersinnlichen ist ihr von klein auf vertraut, denn sie hat eine besondere Gabe, die sie Szenen aus der Zukunft sehen lässt. Eine Fähigkeit, die oft genug mehr ein Fluch als eine Gabe zu sein scheint. Besonders, als sie sich verliebt... Und dann ist da noch die Macht eines geheimnisvollen Kristalls, der auch die junge Reporterin in ihren Bann zieht und nicht nur sie sie in tödliche Gefahr bringt.. Unheimlicher Roman von Alfred Bekker.

––––––––

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author / Cover: Firuz Askin

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

www.postmaster@alfredbekker.de

Kapitel 1

Es brannte kein Licht im Raum. Durch die hohen Fenster war der düstere Abendhimmel zu sehen, an dem sich schwarze Wolken zu finsteren Gebirgen aufgetürmt hatten. Blitze zuckten und mit einiger Verzögerung folgte das dunkle Grollen des Donners.

Jedesmal, wenn es blitzte, wurden die angespannten Gesichter der Anwesenden in ein eigentümliches fahles Licht getaucht, das sie totenbleich erscheinen ließ.

Sie saßen um einen Tisch herum - fünf Männer und drei Frauen. Ihre Blicke waren starr auf die Mitte des Tisches gerichtet, wo sich eine Kristallkugel befand, von der jetzt ein schwaches Leuchten ausging.

Ein hochgewachsener Mann mit schwarzem Oberlippenbart und stechenden dunkelbraunen Augen erhob sich. Mit der Hand berührte er leicht die Kugel, woraufhin das Leuchten etwas stärker wurde.

Ein Lächeln glitt über sein Gesicht.

"Ladies und Gentlemen - sind Sie alle bereit, sich dem Unbekannten zu stellen und einen Blick in eine Welt zu werfen, von deren Existenz bislang kaum jemand etwas geahnt haben dürfte?"

In seinen Augen blitzte es triumphierend.

"Wollen Sie es wirklich wagen, Mr. Weston?", fragte ein hohlwangiger, bereits etwas in die Jahre gekommener Mann, dessen Gesicht sehr blass wirkte. Es war Sir Edward Barnham, der Gastgeber dieser illustren Runde von okkultistisch Interessierten.

Wie ein Peitschenschlag ließ jetzt der Donner alle Anwesenden unwillkürlich zusammenzucken. Nur Weston schien völlig ruhig zu bleiben. Befriedigt registrierte er, wie das Leuchten, das von der Kristallkugel ausging, immer stärker und stärker wurde.

Er ließ die Kugel wieder los und wandte sich an den angstvoll dreinblickenden Gastgeber. "Aber Sir Edward? Soll uns so kurz vor dem Ziel der Mut verlassen?" Sir Edward atmete tief durch und hob dann hilflos die Schultern. "Nein, natürlich nicht..", murmelte er dann.

"Fassen Sie sich bei den Händen!", wies Weston dann die Anwesenden an.

Wortlos gehorchten sie, die Blicke starr auf die Kugel gerichtet. Nur Weston bildete eine Ausnahme. Er beugte sich über den Tisch und berührte die Kristallkugel mit beiden Händen.

Die anderen begannen nun, eine Art Singsang. Worte in eine längst vergessenen Sprache wurden ständig wiederholt. Magische Worte...

Der Chor schwoll immer mehr an und das Leuchten im Kristall nahm zu. Westons Hände erschienen jetzt beinahe durchscheinend zu sein. Draußen grollte der Donner, aber das konnte in diesem Augenblick keinen der Anwesenden ablenken. Das Leuchten wurde derart grell, dass Weston die Augen zusammenkneifen musste.

Westons gesamter Körper schien zu fluoreszieren. Er leuchtete auf geradezu gespenstische Weise von innen heraus. Der gesamte Raum war dadurch hell erleuchtet, während ein zischendes Geräusch ertönte, das sich mit dem Singsang vermischte. Weston schien nur noch aus Licht zu bestehen, das dann zu pulsieren begann.

Sein Mund murmelte düstere Beschwörungen. Seine Stimme klang entschlossen und fest.

"K'mreeh Pyrtoras!", rief er dann lauthals und wiederholte es daraufhin gleich noch einmal. Er schrie es geradezu heraus und übertönte deutlich den dumpfen Singsang der anderen.

Unterdessen erschienen verschwommene Bilder auf der Kugel, die aus einer Art nebelhaftem Gas hervorzutauchen schienen. Weston starrte auf seine Hände.

Sie waren jetzt transparent wie auf einem Röntgenschirm und schienen eins geworden zu sein mit dem Kristall, aus dem die Kugel bestand. Die Bilder waren durch die Hände hindurch sichtbar.

Fasziniert sah Weston hin.

Er sah in flüchtiger Folge Gesichter auftauchen und wieder verblassen. Gestalten, die durch eigenartige Räume mit seltsam gebogenen Wänden huschten. Alles wirkte sehr verzerrt, wie in einem Hohlspiegel.

Und dann tauchte etwas Dunkles, Schattenhaftes auf. Ein Arm aus purer Finsternis.

Er wurde größer und größer. Die Hand war geöffnet, so als wollte sie nach etwas greifen...

"K'mreeh Pyrtoras", flüsterte Weston jetzt wie automatisch. Die Finsternis schien bereits die gesamte Oberfläche der Kugel auszufüllen.

Westons Hände zitterten leicht.

Und dann geschah es.

Der Arm aus reiner Schwärze fuhr blitzartig aus dem Kristall heraus und schwoll zu gewaltiger Größe an. Die riesenhaft gewordene Pranke griff nach ihm.

Ein weiterer Arm schnellte aus dem Kristall heraus, dessen riesige Hand ebenfalls nach ihm griff. Das pulsierende Licht, dass bis dahin von Weston ausgegangen war, erlosch. Es schien, als würde Weston mit dem dunklen Etwas, das ihn berührte, verschmelzen.

Innerhalb eines einzigen furchtbaren Augenblicks verwandelte er sich zu etwas Dunklem, Schattenhaften. Ein formloses Etwas aus reiner Finsternis, das von den geisterhaften Armen mit einem zischenden Geräusch ins Innere der Kugel hineingezogen wurde.

Der Kristall war jetzt dunkel.

Erfüllt von einer Art schwarzem Gas.

Der Singsang war längst verebbt und die Anwesenden starrten mit Entsetzen dorthin, wo so eben noch Weston gestanden hatte.

Erschrockenes Schweigen füllte den Raum. Nur das dumpfe Grollen des Donners war zu hören, während sich die Anwesenden mit weit aufgerissenen Augen umsahen.

Sie hatten damit gerechnet, dass etwas geschah... Etwas Ungewöhnliches, etwas, das ihrer Gier nach prickelndem Nervenkitzel und ihrer düsteren Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen Nahrung gab...

Aber keiner von ihnen hatte erwartet, Zeuge eines so unerklärlichen Vorfalls zu werden.

Weston war verschwunden und hatte sich auf unheimliche Weise in etwas verwandelt, das sich nun im Innern der Kugel zu befinden schien.

"Es ist furchtbar!", stieß Sir Edward hervor und wischte sich mit einem Taschentuch den kalten Angstschweiß von der Stirn. Das Herz des Gastgeber raste noch immer wie verrückt und es gelang ihm nur langsam, sich einigermaßen zu beruhigen.

Kopfschüttelnd starrte er auf das Kristall und schluckte.

"Ich habe von Anfang an gesagt, dass das Risiko zu groß ist", meldete sich ein jüngerer Mann mit belegter Stimme.

"Was ist mit Mr. Weston geschehen?", fragte dann jemand anderes, während es im Hintergrund wieder heftig blitzte und donnerte. Regen prasselte gegen die Scheiben.

"Die Antwort", murmelte Sir Edward mit einem Gesichtsausdruck, aus dem das blanke Entsetzen sprach, "liegt dort drin..." Und damit deutete er auf die Kugel. Jemand machte Licht.

Und nun war die Wolke aus wabernder Finsternis im Innern des Kristalls gut zu sehen.

"Mein Gott, was haben wir getan?", flüsterte Sir Edward.

"Ich glaube, dass er es gewollt hat", meldete sich nun eine Dame zu Wort. Sie war in den Dreißigern, hatte blondes, hochgestecktes Haar und einen entschlossenen, selbstbewussten Blick.

Sir Edward wandte sich zu ihr herum und sah sie verständnislos an.

"Aber Gwyneth!", rief er. "Wie kommen Sie nur auf diesen absurden Gedanken?"

Sie zuckte die Schultern. "Ich weiß nicht", sagte sie. "Es ist nur so ein Gefühl... Ich habe Mr. Weston als einen Mann kennengelernt, der sehr genau wusste, was er tat!" Und damit ließ sie ihre Hand zu dem jetzt völlig schwarzen Kristall gleiten und berührte diesen. Die Art und Weise, in der sie das tat, war beinahe zärtlich zu nennen...

"Ich glaube, wir werden Mr. Weston wiedersehen", war sie überzeugt.

Die halb verwirrten und halb noch immer vom Entsetzen gezeichneten Blicke der anderen beachtete sie dabei nicht.

Kapitel 2

"Guten Tag, bin ich hier richtig bei Mrs. Kimberley Pearson?", fragte der Mann mit den sympathischen blauen Augen und dem nach hinten gekämmten dunklen Haar, dem ich an diesem Abend die Tür von Tante Kims Villa geöffnet hatte.

Ich strich mir eine Strähne meines schulterlangen brünetten Haars aus dem Gesicht und nickte.

"Ja, da sind Sie hier richtig, Mister...."

"Clifton. George Clifton." Er gab mir die Hand. Unsere Blicke trafen sich und verschmolzen für einen Augenblick miteinander. Clifton hielt meine Hand eine Nuance länger, als eigentlich notwendig. Ein angenehmes Prickeln ging von dieser Berührung aus. Dann sagte er: "Ich hatte mir Mrs. Pearson eigentlich etwas älter vorgestellt..."

"Oh, Mrs. Pearson ist meine Großtante. Mein Name ist Teresa Allister. Ich wohne hier..."

"Ah, ich verstehe... Trotzdem, es freut mich sehr, dass wir uns auf diese Weise kennengelernt haben..." Seit dem frühen Tod meiner Eltern lebte ich in der Villa von Kimberley Pearson - Tante Kim, wie ich sie nannte - die mich wie eine eigene Tochter aufgezogen hatte. Inzwischen war ich 26, hatte einen Job als Reporterin beim London City Guardian und das, was man gemeinhin als 'erwachsen' bezeichnet. Dennoch lebte ich noch immer bei Tante Kim in der Villa, deren Rolle in meinem Leben sich langsam von einem Mutter-Ersatz zu einer vertrauten Freundin gewandelt hatte, die mir mit Rat und Tat zur Seite stand.

Ich bemerkte den kleinen Koffer, den George Clifton in der Linken hielt.

"Kommen Sie herein", sagte ich freundlich zu ihm. "Tante Kim hat mir schon davon erzählt, dass Sie heute kommen..."

"Ja, ich brauche dringend den Rat Ihrer Großtante", murmelte er, während er mir folgte.

Tante Kims Villa ist ein einziges Sammelsurium aus Dingen, die den meisten Leute ziemlich eigenartig erscheinen mussten.

Überall befanden sich überquellende Bücherregale mit teils uralten, staubigen Folianten und sonderbaren Schriften, die sich größtenteils mit Themen wie Okkultismus, Geisterbeschwörung und übersinnlicher Wahrnehmung befassten. Unterbrochen wurden diese endlosen Bücherreihen immer wieder durch Pendel, Geistermasken, afrikanische Fetische und andere Gegenstände, die mit diesem Themenbereich zusammenhingen. Dazu kamen noch zahllose Fundstücke, die Tante Kims verschollener Mann Franklin Pearson, der ein anerkannter Archäologe gewesen war, von seinen ausgedehnten Forschungsreisen mit nach England gebracht hatte und die nun ihren Platz in den überfüllten Räumen dieser Villa gefunden hatten. Ein Kabinett der Kuriositäten, das seinesgleichen suchte. Für einen Außenstehenden war die Ordnung in alledem kaum zu erkennen, aber Tante Kim wusste in diesem scheinbaren Chaos sehr genau Bescheid.

Ihr besonderes Interesse war der Okkultismus und alles, was mit dem Übersinnlichen in irgend einer Form zusammenhang. Und auf diesem Gebiet besaß sie eines der größten Privatarchive in England.

Über die Jahre hinweg hatte sie nicht nur fleißig okkulte Schriften auf Trödelmärkten und bei Haushaltsauflösungen oder anderen Gelegenheiten erworben, sondern auch alle verfügbaren Presseberichte zum Thema gesammelt und sorgfältig archiviert. So war sie zu einer Expertin auf diesem Gebiet geworden. Ich führte George Clifton in die Bibliothek, so wie Tante Kim es mir zuvor gesagt hatte.

Sie lächelte, als sie uns sah und begrüßte Clifton.

"Ich bin sehr froh, dass ich zu Ihnen kommen konnte", sagte der Gast. "Schließlich gibt es nicht allzuviele, die man auf dem Gebiet des Okkulten um Rat fragen könnte..." Tante Kim, eine ältere Dame mit sympathischen Zügen und freundlich leuchtenden Augen nickte.

"Ja, und die meisten, die sich auf diesem Gebiet tummeln, sind nur Scharlatane, die sich entweder wichtig machen wollen oder nur darauf aus sind, mit der Sehnsucht der Menschen nach dem Unerklärlichen ihr Geschäft zu machen."

"Sie sagen es", nickte Clifton. "Aber Ihr Ruf scheint in dieser Beziehung ja über jeden Zweifel erhaben zu sein!" Ich sah Clifton von der Seite her an. Er hatte ein klassisches Profil und der modisch geschnittene Anzug, den er trug, saß ihm wie angegossen.

Er sah sehr attraktiv aus und das Timbre seiner Stimme brachte unwillkürlich eine Saite in mir zum klingen. Tante Kim wollte offensichtlich gleich zur Sache kommen.

"Am Telefon sagten Sie, dass es um eine Kristallkugel ginge, Mr. Clifton...", sagte Tante Kim und in ihren Augen leuchtete etwas von der Faszination auf, die sie immer dann empfand, wenn es darum ging, ein okkultes Rätsel zu lösen.

"Was Sie mir während unseres Telefongesprächs sagten, klang ja schon äußerst interessant!"

Clifton hob das Köfferchen. "Ich habe alles mitgebracht", erklärte er.

"Auf den Tisch!", forderte Tante Kim und deutete auf ein kleines rundes Tischchen in der Mitte der Bibliothek, um das ein paar zierlich wirkende Stühle herumgruppiert waren. Clifton legte den Koffer auf die Tischplatte und öffnete ihn. In eine Vertiefung aus Schaumstoff war eine Kristallkugel eingelassen, die in etwa die Größe eines menschlichen Kopfes hatte.

Sie schimmerte matt.

Clifton entnahm dem Koffer einen hölzernen, mit Filz besetzten Ständer für die Kugel, setzte ihn in die Tischmitte und griff dann vorsichtig mit beiden Händen nach der Kugel. In dem Moment, als er sie berührte, schien sich deren Inneres leicht zu verändern. In dem, matten Grau bildeten sich dunkle Flecken, während gleichzeitig ein eigenartiges Leuchten von der Kugel ausging. Ein Leuchten, dass so kräftig war, dass es selbst durch die Hände des dunkelhaarigen Mannes hindurchging und diese transparent erscheinen ließ. Nur die Knochen der Finger bildeten dunkle Schatten.

Clifton stellte die Kugel auf den Ständer und atmete tief durch.

Tante starrte mit einer Mischung aus Begeisterung und Besorgnis auf die Kugel.

"Ich habe schon Dutzende von Kristallkugeln gesehen, aber..." Sie stockte und schüttelte dann langsam den Kopf. "Aber keine, die auch nur entfernt mit dieser hier vergleichbar gewesen wäre..."

"Ich kenne mich da zugegebenermaßen nicht so aus", meinte Clifton.

"Unglaublich", flüsterte Tante Kim derweil ergriffen. Sie war derart gefangen genommen von dem Anblick, der sich ihr bot, dass sie mehr zu sich selbst sprach als zu Clifton. Die Oberfläche der Kugel veränderte sich jetzt. Verschwommene Bilder tauchten auf - offenbar aus dem Inneren eines Gebäudes. Die Wände schienen eigenartig verzogen zu sein. Alles wirkte verzerrt, wie in einem Hohlspiegel.

Und dann wurde eine schattenhafte Gestalt für einen kurzen Augenblick sichtbar. Eine Gestalt aus formloser Dunkelheit. Das einzige, das erkennbar war, waren die überlangen Arme mit den großen Händen, die ständig nach irgend etwas zu greifen schienen.

Dann erschienen Gesichter.

Verzerrte Gesichter, aber unzweifelhaft menschlich. Sie erschienen in rascher Folge und manche von ihnen hatten die Augen weit aufgerissen, wie angesichts eines furchtbaren Schreckens.

Dann war es plötzlich zu Ende.

Ein grauer Nebel schien alles einzuhüllen. Seine wabernden Schwaden überdeckten die Bilder und schon nach wenigen Augenblicken war nichts mehr zu sehen, als eine mattgraue Oberfläche.

"Wie kommen Sie in den Besitz dieser Kugel, Mr. Clifton?", fragte Tante Kim fast tonlos. Dann wandte sie den Kopf und sah Clifton erwartungsvoll an.

Die innere Ergriffenheit war ihr deutlich anzumerken und ich begann zu ahnen, dass hier möglicherweise etwas auf dem Tisch lag, dessen wahre Bedeutung noch keiner von uns wirklich abschätzen konnte.

"Nun, das ist eine längere Geschichte", erklärte Clifton, knöpfte dabei den mittleren Knopf seines Jacketts auf und steckte die Hände in die Hosentaschen. Sein Blick war starr auf die Kugel gerichtet. "Vor kurzem verstarb Sir Edward Barnham bei einem tragischen Verkehrsunfall. Er ist der Bruder meiner Mutter, die einen Amerikaner aus Baltimore geheiratet hat. Über Onkel Edward wusste ich bislang nur, dass er existierte. Wir hatten kaum Kontakt zu ihm. Um es kurz zu machen: Ich bin der einzige Verwandte und daher sein Erbe. Zur Zeit bin ich gerade dabei, den Nachlass zu ordnen, und dabei ist das hier aufgetaucht..."

"Verstehe", murmelte Tante Kim.

"Sie sind Amerikaner?", fragte ich dazwischen. Clifton nickte.

"Ja. Ich habe in New York meine Anwaltspraxis..."

"Man hört es Ihnen nicht an, dass Sie von der anderen Seite des großen Teichs kommen!"

Er lächelte matt.

"Wenn Sie das sagen, klingt es charmant, Miss Allister!" Er wandte sich an Tante Kim und meinte dann: "Ich weiß nicht, was ich von dieser Kristallkugel halten soll. Sie erscheint mir irgendwie... eigenartig."

"Eine außergewöhnliche Kristallkugel", flüsterte Tante Kim.

Clifton machte eine Bewegung nach vorn und griff erneut in den Koffer, in dem sich die Kugel befunden hatte. Er holte aus einem verschließbaren Seitenfach einige in brüchiges Leder gebundene Bände hervor. Uralte Schriften, so hatte es den Anschein.

"Sehen Sie, mein Onkel war genau wie Sie, Miss Pearson, stark an okkulten Dingen interessiert. Er sammelte buchstäblich alles, was auch nur entfernt mit diesem Bereich zu tun hatte. Er vernachlässigte darüber alles andere, geriet in finanzielle Bedrängnis und musste zum Schluss sogar zahlreiche Einrichtungsgegenstände seines Landhauses Barnham Manor verkaufen... Jedenfalls befindet sich das Anwesen in einem äußerst vernachlässigtem Zustand! Teils, weil wohl das Geld fehlte, teils, weil sich das Interesse meines Onkels für okkulte Dinge zu einer Art Sucht ausweitete, über der er alles andere zu vergessen drohte..."

"Wissen Sie, wer vor Ihrem Onkel im Besitz dieses Kristalls war?", fragte Tante Kim.

"Zeitweilig beherbergte er einen mittellosen Okkultisten, den er bei seinen Studien - sofern man das so bezeichnen kann - unterstützte. Wie ich in Erfahrung bringen konnte, brachte er die Kugel nach Barnham Manor. Woher er sie hatte, weiß ich nicht."

"Wie heißt dieser Mann?" Tante Kims Augen sahen Clifton forschend. Sie war jetzt in ihrem Element. Neugier beherrschte sie. Neugier auf das Unbekannte, jene geheimnisvolle Welt in der Kugel. Sie wollte unbedingt eine Antwort auf die drängende Frage in ihr, ob es sich bei diesem Kristall nur um eine optische Spielerei handelte oder...

Oder um ein Fenster ins Unbekannte.

"Dieser Mann hieß John Weston", antwortete Clifton.

"Dieser Name ist mir ein Begriff", murmelte Tante Kim mit nachdenklichem Gesicht, wobei sie sich mit dem Zeigefinger der rechten Hand am Kinn rieb.

"Weston verschwand vor gut zehn Jahren unter nicht geklärten Umständen", half Clifton ihr nach. "Ich weiß das ziemlich genau, denn diese Geschichte brachte Onkel Edward großen Ärger ein."

Tante Kim hob die Augenbrauen.

"Ärger?"

"Ja. Westons Spur endete nämlich auf Barnham Manor. Eine Verwandte von Weston stellte Nachforschungen an und konnte bei den Behörden eine gründliche Untersuchung erwirken... Onkel Edward geriet in Panik und lieh sich bei meinen Eltern Geld, um einen Anwalt bezahlen zu können."

"Was hat die polizeiliche Untersuchung ergeben?", mischte ich mich jetzt wieder in das Gespräch ein. Er drehte sich zu mir herum und der Blick seiner blauen Augen ließ mich unwillkürlich schlucken.

Er antwortete mit geringer Verzögerung.

Offenbar war auch ich ihm nicht ganz gleichgültig...

"Die Untersuchung hat gar nichts ergeben", erklärte er dann. "Weston blieb verschwunden und damit nicht genug, auch seine Verwandte, eine Cousine zweiten Grades namens Carol Reese, verschwand wenig später unter mysteriösen Umständen. Auch ihre Spur endete auf Barnham Manor..." Tante Kim nahm eines der alten Bücher in die Hand, die Clifton mitgebracht hatte. "Hier werden Rituale beschrieben, in deren Mittelpunkt diese Kugel steht...", murmelte sie dann.

Clifton nickte.

"Ja. Angeblich ist dieser Kristall eine Art Auge, mit dem man in eine fremde Welt blicken kann..." Er zuckte die Achseln. "Ich bin eigentlich ein nüchterner Mensch... Dennoch frage ich mich, wie es möglich ist, dass die Gesichter längst Verstorbener auf der Oberfläche der Kugel erscheinen - etwa das meines Onkels!" Er zuckte die Achseln. "Was halten Sie davon, Mrs. Pearson? Das Spielzeug eines Scharlatans, der es verstand, auf Kosten meines Onkels jahrelang seine obskuren Studien zu treiben..."

"...oder ein Fenster zu einer anderen Welt?", vollendete Tante Kim. Sie zuckte die Achseln. "Ich weiß es nicht. Aber wenn Sie die Kristallkugel hier bei mir in der Villa lassen könnten, dann würde ich für Sie Nachforschungen anstellen..."

"Nun...", meinte Clifton gedehnt.

"Bitte!", sagte Tante Kim. "Es liegt mir sehr viel daran! Vertrauen Sie mir einfach!"

Clifton sah sie prüfend an und hob die Augenbrauen.

"Ich vertraue Ihnen voll und..."

"Meine Honorare bemessen sich nicht an der Honorarordnung für Anwälte!", schnitt Tante Kim ihm dann das Wort ab. "Ich würde das aus reinem Interesse an der Sache tun. John Weston ist einer der interessantesten Okkultisten und Seher dieses Jahrhunderts. Sehr wahrscheinlich war er übersinnlich höchst begabt und es hat mich immer schon interessiert, mehr über ihn und seine Theorien zu erfahren."

Clifton nickte.

"Gut", sagte er. "Dann lasse ich den Kristall und die Schriften hier... Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich erst damit beginne, den Nachlass meines Onkels zu ordnen und nicht weiß, ob es nicht vielleicht noch weiteres Material auf Barnham Manor gibt, dass mit dieser Sache zusammenhängt."

"Natürlich."

"Auf Barnham Manor bin ich zur Zeit übrigens auch zu erreichen. Es liegt eine Viertelstunde außerhalb von London. Wenn Sie ein Stück Papier haben, schreibe ich Ihnen Adresse und Telefonnummer auf."

"Ich mach das schon", sagte ich, ging zu einem antiken Sekretär, um beides zu holen.

An dem Sekretär befanden sich in das Holz geschnitzte schauderhafte Köpfe alptraumhafter Kreaturen mit weit aufgerissenen, mit langen Zähnen bewehrten Mäulern. Tante Kim hatte den Sekretär erst vor kurzem erworben. Er hatte in einem Haus in Frankreich gestanden, das seit Jahrhunderten als von spukenden Geistern heimgesucht galt. Dieses Möbelstück war eine der unzähligen Kuriositäten, mit denen Tante Kims Villa angefüllt war.

Ich reichte Clifton Papier und Bleistift. Er sah mich kurz an und schrieb dann mit schnellem, sicherem Strich.

"Ich möchte einfach nur wissen, was ich mit dieser eigenartigen Kugel anfangen soll - und ob sie eventuell einen Wert darstellt", sagte er dann.

"Nun, irgendwo hier in Tante Kims Archiv werden sicher noch Informationen über diesen Mr. Weston schlummern!", war ich überzeugt.

"Und Sie?", fragte er mich dann. "Sind Sie eine Art Assistentin Ihrer Großtante?"

Ich lächelte.

Noch bevor ich auch nur einen Ton sagen konnte, hatte Tante Kim bereits geantwortet.

"Zumeist ist es inzwischen umgekehrt!", erklärte sie, was Clifton verwundert die Augenbrauen emporziehen ließ.

"Umgekehrt?", echote er. "Wie soll ich das verstehen?"

"Nun, ich bin Journalistin beim London City Guardian", sagte ich. "Und Tante Kim wollte mit ihrer Bemerkung wohl darauf hinweisen, dass sie mir schon sehr oft bei Recherchen weitergeholfen hat..."

Er lächelte.

"Ich verstehe..."

Dann sah er auf die Uhr und sagte dann: "Ich habe leider noch einen Termin hier in London..."

"Ich rufe Sie an, sobald ich mehr über Ihre Kugel weiß", versicherte Tante Kim.

"Gut."

"Ich bringe Mr. Clifton zur Tür", sagte ich. Er hatte sich schon zum Gehen gewandt, da drehte er sich noch einmal halb herum und sagte an Tante Kim gewandt: "Eines sollte ich noch erwähnen..."

"Und das wäre?"

"Kurz nachdem ich die Kristallkugel auf Barnham Manor gefunden hatte, meldete sich eine ziemlich aufdringliche Person namens Gwyneth Baldwin bei mir und versuchte mich dazu zu überreden, diese Kugel an sie zu übergeben..."

"...was Sie zum Glück nicht getan haben, wie ich sehe!", vollendete Tante Kim.

Clifton lächelte.

"Nein, natürlich nicht! Immerhin scheint dieser Kristall für diese Gwyneth Baldwin einen ziemlichen Wert darzustellen... Auch das hat mich nachdenklich gemacht."

"Ich verstehe...", murmelte Tante Kim und berührte mit der Hand leicht den Kristall. Sie sah zu, wie der Kristall zu leuchten begann und ihre Handknochen sichtbar wurden. Dann zog die ihre Hand wieder zurück. Ihr Gesicht wirkte fast ein wenig verstört.

"Faszinierend", murmelte sie ergriffen.

Kapitel 3

Ich brachte Clifton noch zur Tür.

Draußen war es längst stockdunkel. Am Himmel waren die Sterne zu sehen und blinkten wie kleine Edelsteine. Es war eine klare, kühle Nacht.

"Eins verstehe ich nicht, Miss Allister", sagte er dann und ich sah, wie sich die Sterne in seinen Augen spiegelten. Ich hob die Augenbrauen.

"Wovon sprechen Sie?"

"Ich frage mich, wie eine moderne junge Frau es in einer derartigen Umgebung aushält..."

"Sie meinen..."

"Das Kuriositätenkabinett Ihrer Großtante, ja! Diese grässlichen Geistermasken und all diese Dinge..." Er lachte.

"Träumen Sie nicht davon?"

"Nein", erwiderte ich lächelnd. "Davon nicht..." Mein Tonfall wurde ein wenig melancholisch, denn Träume hatten für mich eine ganz besondere Bedeutung...

Eine, die nicht immer erfreulich war.

Von meiner Mutter hatte ich eine leichte übersinnliche Begabung ererbt. In Träumen und tagtraumartigen Visionen sah ich mitunter Bruchstücke der Zukunft. So hatte ich als Kind einen Hausbrand vorhergesehen, der später tatsächlich eingetreten war. Tante Kim hatte als erste auf diese Gabe hingewiesen und inzwischen hatte ich immerhin akzeptiert, dass ich sie besaß.

Leider konnte ich sie kaum kontrollieren und so stellte sie oft genug eher einen Fluch dar.

Aber an all das wolle ich in diesem Moment, da ich einem sympathischen, gutaussehenden Mann gegenüberstand, von dem ich hoffte, dass ich ihn näher kennenlernen würde, gar nicht denken.

Und so versuchte ich diese Gedanken aus meinem Bewusstsein zu verdrängen, so gut es ging.

"Wissen Sie", hörte ich mich selbst sagen, "ich bewohne das Obergeschoss der Villa. Und da ist mein Reich und das bedeutet insbesondere, dass dort weder Platz für archäologische Fundstücke noch für okkulte Artefakte ist..."

"Das kann ich gut verstehen."

Wir lachten beide kurz auf.

Dann nahm er meine Hand, um sich zu verabschieden.

"Es würde mich freuen, Sie wiederzusehen", erklärte er.

"Nun, Sie werden ja sicher in den nächsten Tagen mal hier auftauchen, um Ihre Kristallkugel wieder mitzunehmen..."

"Worauf Sie sich verlassen können!"

Unsere Blicke trafen sich und ich fühlte ein charakteristisches Prickeln in meiner Bauchgegend, so als würden Schmetterlinge darin herumfliegen.

"Gute Nacht", flüsterte ich.

"Gute Nacht!"

Ich sah ihm noch nach, wie er zu seinem Wagen ging und die Tür öffnete. Bevor er einstieg, winkte er mir noch einmal kurz zu.

Kapitel 4

Als ich in die Bibliothek zurückkehrte, sah ich Tante Kim über die Schriften gebeugt. Sie schien ganz in ihre Lektüre vertieft zu sein, während jetzt von der Kristallkugel, die sich noch immer in der Mitte des Tisches befand, ein pulsierendes Leuchten ausging.

"Tante Kim...", sagte ich vorsichtig. Sie bemerkte mich zunächst gar nicht. Dann sah sie ruckartig auf und fuhr zusammen.

"Ich wollte dich nicht erschrecken", sagte ich. Sie machte eine wegwerfende Handbewegung und lächelte nachsichtig.

"Ich war einfach zu sehr in diese Schriften vertieft", meinte sie. "Zum größten Teil stammen sie von Simon de Cartagena, einem spanischen Magier und Okkultisten des 16. Jahrhunderts, der schließlich auf dem Scheiterhaufen der Inquisition endete. Offenbar hat John Weston eine englische Übersetzung dieser Werke angefertigt..."

"Bedeutet das, dass diese Kugel bereits im Besitz von Simon de Cartagena war?", fragte ich erstaunt.

"Möglicherweise." Tante Kim atmete tief durch. Es war ihr anzusehen, wie erregt sie war. Diese Sache hatte sie mit Haut und Haaren gepackt. "Weston vertrat die Ansicht, dass es außer unserer eigenen Welt noch weitere, sogenannte Schattenwelten in fremden Dimensionen gäbe, aus denen hin und wieder dämonische Wesen zu uns herüberwechseln könnten. Aber offensichtlich hat er dieses Konzept nur von Simon de Cartagena übernommen... Und diese Kugel soll eine Art Fenster zu einer dieser Schattenwelten sein!"

"Und was hältst du davon?", fragte ich sie nach ihrer Meinung, während ich die Kristallkugel mit einem misstrauischen Blick bedachte.

Sie zuckte die Achseln.

Ihr Blick wirkte in sich gekehrt und nachdenklich.

"Ich weiß es nicht", sagte sie.

Das Leuchten in der Kugel ließ nach. Die Oberfläche wurde jetzt dunkel, fast schwarz.

Plötzlich hatte ich ein seltsames Gefühl. Ich spürte, dass es etwas mit dem zu tun hatte, was Tante Kim meine Gabe nannte und was für mich manchmal ein Fluch war.

Ich schluckte.

"Was ist los, mein Kind?", fragte Tante Kim. Mein Kind - das sagte sie immer, wenn sie sich Sorge machte. Und dabei störten sie meine 26 Lebensjahre nicht im Mindesten.

"Ich weiß es nicht", murmelte ich. Für einen kurzen Moment glaubte ich, einen schwarzen Arm mit einer großen Hand zu sehen, der aus der Kugel herausragte und bis ins grotesk-riesenhafte wuchs.

Dann war dieses Bild weg.

Es war nichts, als eine sekundenschnelle Vision gewesen. Ein Schlaglicht auf die Zukunft oder die Vergangenheit - oder irgend etwas anderes. Ich wusste es nicht und stand etwas ratlos da.

"Vielleicht bin ich einfach nur müde", sagte ich. "Schließlich war es heute ein harter Tag in der Redaktion.

"Leg dich ruhig ins Bett, Tessi! Schließlich musst du morgen wieder früh raus..."

Ich lächelte matt.

"Und du? Wirst du dir die Ohren mit diesem..." Ich suchte nach dem richtigen Wort und wieder hatte ich dieses eigenartige Gefühl. "...diesem Ding da um die Ohren schlagen?"

Tante Kim stand auf und fasste mich bei den Schultern. "Sag bloß, ausgerechnet du verstehst das nicht, Tessi! Ich bin einfach neugierig! Wenn dieses Ding, wie du es nennst, wirklich das sogenannte Auge von Simon de Cartagena ist, dann dürfte es sich um eines der faszinierendsten Objekte in der überlieferten Geschichte des europäischen Okkultismus handeln!"

"Wenn...", schränkte ich ein.

Sie nickte.

"Ja, wenn", bestätigte sie. "Aber genau das will ich herausfinden... Und da kann man unmöglich an Schlaf denken. Gib es zu, dir geht es nicht anders, wenn du einer faszinierenden Story auf der Spur bist..."

Da hatte sie allerdings recht. Ich verstand sie. Oder besser gesagt: Eine Hälfte von mir verstand sie, während sich die andere um sie sorgte...

"Gute Nacht", sage ich.

"Gute Nacht, Tessi!"

Ich hatte das unbestimmte Gefühl, dass irgend etwas geschehen würde.

Aber ich ahnte nicht im entferntesten, dass ich Tante Kim in diesem Moment vielleicht zum letzten Mal gesehen hatte!

Kapitel 5

Tante Kim hatte längst jegliches Gefühl für Zeit verloren. Es war schon weit nach Mitternacht, da saß sie noch immer vor dem Tisch mit der geheimnisvollen Kristallkugel und forschte intensiv in den Schriften Simon de Cartagenas.

In diesem Moment wünschte sie sich nichts sehnlicher, als Spanisch lesen zu können und die Originale vor sich zu haben...

Aber die Übersetzungen von John Weston waren bereits faszinierend genug.

Irgendwann legte sie dann die Bücher zur Seite und blickte gebannt auf die Kugel. Vorsichtig legte sie die Hand darauf. Ein eigenartiges, prickelndes Gefühl durchströmte ihren Unterarm und fuhr dann in die Schulter, ehe es den gesamten Körper überflutete.

Nein, dies war nicht eines jener gewöhnlichen Spielzeuge, wie Jahrmarktzauberer und Show-Wahrsagerinnen sie als optische Accessoires für ihre Vorstellung benutzten... Dies war mehr...

Ein Schauder überkam Tante Kim.

Die Versuchung war groß, eines jener geheimnisvollen, uralten Rituale auszuprobieren, die Simon de Cartagena als erster ausprobiert zu haben schien und die wohl auch John Weston in ihren Bann geschlagen hatten.

Aber davor schreckte sie noch zurück.

Nur zu gut wusste sie, dass man mit den Kräften des Unbekannten nicht spaßen durfte. Schon so mancher hatte das mit dem Leben oder einer Verfluchung darüber hinaus bezahlt. Es war noch gar nicht so lange her, da hatte Tante Kim mich in letzter Sekunde vor einem dämonischen Wesen namens Quarma'an gerettet, dass von einem Zirkel unvorsichtiger Okkultisten beschworen worden war. Diese Leute hatten geglaubt, die fürchterlichen Kräfte kontrollieren zu können, die sie freigesetzt hatten. Erst, als es bereits zu spät gewesen war, hatten sie ihren Irrtum erkannt...

Nein, so leichtsinnig war eine Kimberley Pearson nicht!

Dazu wusste sie einfach zu viel über die Welt des Übersinnlichen. Mochte das meiste davon auch lediglich der Einbildungskraft von Hysterikern entspringen - das wenige, was darüber hinaus übrig blieb, war gefährlich genug. Die Kugel begann zu leuchten.

Der Blick auf ihre eigenen Hand-und Fingerknochen erschreckte sie nicht. Derartige Effekte wurden einem auch in der einen oder anderen magischen Show geboten.

Etwas anderes beunruhigte Tante Kim - und zwar bereits seit sie es das erste Mal gesehen hatte.

Die Bilder!

Jetzt tauchen sie aus dem Nebel im Innern der Kugel wieder auf. Wie aus einer anderen Welt...

Mein Gott, dachte Tante Kim fröstelnd. Sie spürte, wie eine Gänsehaut ihre Arme überzog. Sie fror bis ins Mark, obwohl ihr Teil der Villa eigentlich immer überheizt war. Wieder sah sie die eigenartig in der Perspektive verzerrten Wände und Gänge.

Zusammenfassung

Der Kristall des Sehers
von Alfred Bekker

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Romantic Thriller Sonder-Edition mit einem Titelbild von Firuz Askin.

Ein Kristall öffnet das Tor in eine andere Wirklichkeit - und eine übersinnlich begabte junge Frau muss um ihre Liebe kämpfen. Sie ist Reporterin bei einem Boulevardblatt und die Welt des Übersinnlichen ist ihr von klein auf vertraut, denn sie hat eine besondere Gabe, die sie Szenen aus der Zukunft sehen lässt. Eine Fähigkeit, die oft genug mehr ein Fluch als eine Gabe zu sein scheint. Besonders, als sie sich verliebt... Und dann ist da noch die Macht eines geheimnisvollen Kristalls, der auch die junge Reporterin in ihren Bann zieht und nicht nur sie sie in tödliche Gefahr bringt.. Unheimlicher Roman von Alfred Bekker.

Details

Seiten
120
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783738902341
ISBN (Buch)
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2016 (Februar)
Schlagworte
kristall sehers romantic thriller sonder-edition

Autor

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Titel: Der Kristall des Sehers: Romantic Thriller Sonder-Edition