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Fünf scharfe Western #2

von Alfred Bekker (Autor) Thomas West (Autor)
2015 562 Seiten

Leseprobe

Alfred Bekker & Thomas West

Fünf scharfe Western #2

Harte Männer, wilde Cowboys und scharfe Ladies – Romane aus einer wilden Zeit und einem ungezähmten Land; tabulos, prickelnd und authentisch in Szene gesetzt von Top-Autoren des Genres.

Dieses Buch enthält die Western-Romane:

Alfred Bekker: Die wilde Brigade

Thomas West: Jagd auf den Ladykiller

Thomas West: Wer tötete den Marshal?

Thomas West: Verraten für 100 Dollar

Thomas West: Eine Stadt voller Abschaum

Umfang: 562 Seiten

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author, Titelbild: Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die wilde Brigade

Western von Alfred Bekker

1

Der Kurierreiter der US-Kavallerie zügelte sein Pferd vor dem Hauptquartier des Kommandanten. Der Reiter war über und über mit Staub bedeckt. Er sprang aus dem Sattel, klopfte ihn sich notdürftig von der blauen Uniform.

Das Hauptquartier war ein Bau aus Blockbohlen.

Der Kurier trat ein.

Einige Fort-Offiziere standen um einen groben Holztisch herum, auf dem Karten ausgebreitet waren. Die Diskussionen unter ihnen verstummten, als der Kurier eintrat und trotz des langen Rittes, den er hinter sich hatte, zackig salutierte.

"Corporal Clem Sounders meldet sich vom Kurierdienst!"

"Stehen Sie bequem", sagte einer der Offiziere. Er war gut zwei Meter groß, dunkelhaarig und trug einen gepflegten Schnurrbart. Sein ganzes Auftreten wirkte sehr korrekt und vielleicht ein wenig steif. Sein Name war Aaron Webster und die Streifen an seiner Uniformjacke wiesen ihn als Lieutenant Colonel aus. Denselben Rang bekleidete noch ein anderer Mann in der Offiziersrunde. William 'Bill' Peacock war strohblond. Seine meerblauen Augen wirkten verwegen, die Bartstoppeln verrieten, daß er vielleicht nicht ganz so korrekt war wie Webster.

Die beiden waren die Stellvertreter des Kommandanten.

Die anderen Offiziere waren rangniedriger.

"Ich habe eine Nachricht für den Fortkommandanten",erklärte der Kurier.

Peacock streckte seine Hand aus.

"Geben Sie her und lassen Sie sich ein Bad einfüllen, Corporal. Sie haben's nötig."

"Danke, Sir! Aber ich habe strickten Befehl, die Nachricht nur an Colonel Elias MacShane persönlich zu überbringen."

Peacock und Webster wechselten einen etwas ratlosen Blick.

"Sir, wo finde ich den Kommandanten?" erkundigte sich der Corporal inzwischen.

Webster hüstelte verlegen. "Nun, Colonel MacShane ist im Moment..." Webster zögerte und so kam Peacock ihm zuvor.

"...unpässlich!" vollendete er Websters Satz und grinste dabei über das ganze Gesicht. "Jedenfalls dürfte er im Moment wohl kaum in der Lage sein, eine Nachricht entgegenzunehmen."

Elias MacShane, seines Zeichens Fortkommandant von Fort Stanton, war für seine Trinkfestigkeit geradezu berüchtigt.

"Sie können mir die Nachricht ruhig geben, Corporal. Ich werde sie ordnungsgemäß weiterleiten", erklärte Webster mit großem Ernst. "Bei meiner Ehre als Offizier! Ich trage auch die Verantwortung dafür."

Der Corporal zögerte noch einen Moment.

Aber die Aussicht auf ein heißes Bad schien ihm dann wohl doch zu verlockend zu sein.

"In Ordnung, Sir. Auf Ihren ausdrücklichen Befehl hin..."

"So ist es", bestätigte Webster. Der Corporal knöpfte seine Uniformjacke ein Stück auf und holte ein Couvert hervor, dass er Webster aushändigte.

Daraufhin nahm er wieder Haltung an und salutierte.

"Sie können wegtreten, Corporal Sounders."

"Danke, Sir!"

Corporal Clem Sounders gehörte nicht zur Besatzung von Fort Stanton. Er war von der Garnison in Sumner hier her geritten, wie auch an der Aufschrift auf dem Couvert erkennbar war. Daher kannte er die Besonderheiten nicht, die es im Umgang mit Fortkommandant Elias MacShane zu beachten galt...

Peacock grinste noch immer über das ganze Gesicht.

"Mutig, mutig, Aaron. Das muss ich schon sagen!" feixte er.

"Was meinen Sie damit?"

Die beiden ranggleichen Offiziere nannten sich privat beim Vornamen.

Peacocks Augen leuchteten.

"Na, dass Sie dem armen Corporal seinen Auftrag abgenommen haben und dem Colonel das Couvert übergeben wollen."

Webster seufzte.

"Wer gegen die Apachen gekämpft hat, kriegt auch das hin!"

"Es ist vielleicht eine gewisse Vorbereitung", lachte Peacock. "Aber mehr bestimmt nicht!"

Die rangniederen Offiziere hatten Mühe, in dieser Situation das Gelächter zu unterdrücken.

Peacock hob die Augenbrauen.

"Auf in den Kampf, Aaron!"

"Aufmunternde Worte höre ich doch immer wieder gerne vor der Schlacht, Bill!"

"Das Gebetbuch muss ich aber jetzt nicht holen, oder?"

Webster machte eine wegwerfende Handbewegung.

Er setzte den Hut auf und schnallte sich den Säbel an die Seite, den er zuvor auf einer Kommode abgelegt hatte.

Dann ging er mit dem Couvert hinaus ins Freie. Es war ein verdammt heißer Tag. Aber das hielt einen korrekten Offizier wie Webster nicht davon ab, seinen vollen Ornat anzulegen.

Und wenn die Luft noch so flimmerte... Einen wie Webster konnte das nicht umbringen.

Eine Kompanie Soldaten machte auf dem Hauptplatz des Forts Exerzierübungen. Ein rotgesichtiger Captain brüllte die Kommandos. Als Webster auftauchte grüßte er militärisch.

Webster begab sich auf direktem Weg zur Unterkunft des Colonels.

Er war auf das Schlimmste gefasst.

Der Colonel war ein Mann, der wirklich jedes Vorurteil, dass es über die Iren gab, zu bestätigen schien. Vor allem war er ein Weiberheld. Sofern er bei den Damen landen konnte, war er relativ leutselig. Aber wehe, sie hatten ihn abblitzen lassen. In Verbindung mit einer Flasche Whisky konnte das zu einem explosivem Gemisch werden.

Lieutenant Colonel Aaron Webster klopfte an, als er die aus rustikalen Blockbohlen errichtete Unterkunft des Fortkommandanten erreichte.

"Sir, hier ist Webster mit einer wichtigen Nachricht von General Charlton aus Fort Sumner!"

Keine Antwort.

Webster atmete tief durch, wiederholte seinen Text noch einmal - diesmal allerdings wesentlich lauter und eine halbe Oktave höher. Aber auch diesmal meldete sich nicht die vertraute Brüllstimme MacShanes.

Websters schlimmste Befürchtungen schienen sich zu bewahrheiten. Und insgeheim beglückwünschte er sich dazu, dem Kurierreiter die Nachricht abgenommen zu haben. Niemals hätte er den Kommandanten in dem Zustand begegnen dürfen, in dem MacShane sich jetzt vermutlich befand. Wenn auch MacShanes eigener Ruf wohl schon hoffnungslos ruiniert war, der des Forts war es wert, dass man sich dafür einsetzte.

So jedenfalls dachte Webster. Die Eskapaden seines Vorgesetzten waren ihm immer schon gehörig gegen den Strich gegangen. Ein korrekter Vorzeigesoldat war MacShane nun wirklich nicht. Ganz im Gegensatz zu Webster.

Aber es war nun einmal eine Tatsache, dass MacShane das Kommando hatte.

Oft genug empfand Webster seinen Chef einach nur als peinlich. Vor allem dann, wenn ab und an mal Leute nach Fort Stanton kamen, die MacShane als >große Tiere> zu bezeichnen beliebte.

Besonders oft kam das zum Glück nicht vor.

Als Webster auch beim dritten Versuch keine Antwort bekam, entschied er, dass der Höflichkeit eines Offiziers damit Genüge getan war.

Er betrat die Unterkunft.

Und wenn er jetzt in seinen Unterhosen daliegt, es soll mir egal sein! durchzuckte es Webster grimmig.

Als er MacShane Augenblicke später fand, hatte dieser

>keine> Unterhosen an.

Er lag vollkommen nackt auf seinem breiten Bett. Es hatte selbst für ein Ehebett noch erhebliche Überbreite.

MacShane hatte es sich mit der Begründung anfertigen lassen, dass er einen ziemlich unruhigen Schlaf hätte und leicht hinausfiele.

MacShane schnarchte laut.

In der Rechten hielt er eine leere Whiskeyflasche, die linke war um die schmalen Schultern einer dunkelhaarigen Schönheit gelegt. Die junge Frau war ebenfalls vollkommen nackt.

Webster musste unwillkürlich schlucken, als er sie sah.

MacShanes Linke reichte bis zu den Brüsten. Webster bedauerte es insgeheim, dass sein Vorgesetzter sie mit seiner gewaltigen Pranke verdeckte.

Die Decke war zur Seite gerutscht.

Nicht ohne Grund.

Auf dem Boden, gleich neben dem Bett, lag eine weitere nackte Schönheit, deren Körper etwa bis zum Bauchnabel in die Decke eingewickelt war. Das Girl war blond, hatte große Brüste und Sommersprossen.

Webster schüttelte den Kopf.

"Scheint, als hätten Sie sich etwas übernommen, Sir!"

meinte er.

Auf MacShanes Gesicht stand ein seeliges Grinsen und Webster überlegte, dass es ohne einen Eimer kalten Wassers wahrscheinlich unmöglich war, ihn aus seinem todesähnlichen Schlummer zu wecken.

Jetzt reckte sich die Blonde auf dem Boden etwas.

Offenbar garantierte nicht einmal ein >so> breites Bett, dass man nicht hinausfiel.

Die Blonde streckte die Arme aus.

Durch das Fenster auf der anderen Seite des Raumes fiel das Sonnenlicht genau in ihr Gesicht. Sie blinzelte, stöhnte etwas auf.

Als sie Webster erblickte, stieß sie einen spitzen Schrei aus und raffte die Decke vor ihre Brüste.

"Sorry, Ma'am!" meinte Webster etwas verlegen.

"Was tun Sie hier?"

Webster kam nicht dazu zu antworten, denn jetzt regte sich auch die Dunkelhaarige in MacShanes Armen. Auch sie stierte Webster einige Sekunden lang ungläubig an, dann begann sie sich halb aufzurichten. Sie rüttelte den Fortkommandanten, was zunächst nur dazu führte, dass er sein Schnarchen unterbrach, einige Sekunden lang überhaupt nicht atmete und dann eine Folge eigenartiger Geräusche ausstieß. Das Ende vom Lied war, dass er wieder in einen regelmäßigen Schnarch-Rhythmus verfiel.

Webster nahm unwillkürlich Haltung an.

"Ladies, ich nehme an, dass Sie nicht ganz unschuldig daran sind, dass sich unser Kommandant in diesem Zustand befindet!" meinte er.

Die beiden Frauen wechselten einen verwirrten Blick.

"Was wollen Sie von uns?" fragte dann die Dunkelhaarige.

"Sorgen Sie um Himmels willen dafür, dass der Colonel wach wird!" Und in Gedanken fügte Webster hinzu: Dann bin ich es wenigstens nicht gewesen, der ihm den Wassereimer über den Kopf geschüttet hat.

Die Dunkelhaarige verzog das Gesicht und formte einen Schmollmund.

"Seien Sie doch nicht so hartherzig, General..."

"Danke für die Beförderung!"

"...aber der gute Elias hat sich seinen Schlaf redlich verdient!"

Webster errötete. "Das glaube ich Ihnen gerne. Aber im Moment ist er als Kommandant gefragt! Und wenn ich Meldung darüber machen müsste, dass Ihre Anwesenheit hier im Fort der Grund dafür ist, dass der Fortkommandant nicht mehr dazu kommt, seinen Amtspflichten nachzukommen..."

Die Blonde stand jetzt vom Boden auf.

Sie ließ die Decke zurück und wirkte plötzlich völlig ungeniert. Vielleicht hatte sie auch nur gemerkt, wie sehr ihre Nacktheit Webster aus der Fassung bringen konnte. Sein Blick hing jedenfalls an ihr. Sie lächelte mild. "Nun gehen Sie schon und warten Sie draußen, Sir!"

Webster hob die Augenbrauen.

"Ich kann mich auf Sie verlassen?"

"Wir haben hier alles unter Kontrolle!" mischte sich die Dunkelhaarige in das Gespräch ein.

Webster atmete tief durch. "Na, großartig!" stieß er hervor, drehte sich um und ging zur Tür.

Webster wartete draußen im Vorraum.

Eine Viertelstunde später kam, MacShane aus dem Schlafzimmer. Er sah fürchterlich aus. Die Ringe unter seinen Augen ließen ihn wie eine Gestalt aus den englischen Gruselromanen erscheinen, die in der Regimentsbibliothek zu finden waren. Immerhin trug er eine Hose, außerdem hatte er sich die Uniformjacke übergeworfen.

Was die Girls mit MacShane angestellt hatten, um ihn gewissermaßen wiederzubeleben, konnte Webster nur erahnen.

Er hatte eine Reihe eigenartiger Geräusche gehört - aber genauer wollte er das eigentlich auch nicht wissen.

"Was gibt's, Webster?"

MacShanes Stimme war jetzt nur noch ein heiseres Wispern. Nur ein Schatten der überlauten Brüllstimme, mit der er ansonsten über den Hauptplatz zu bellen pflegte.

Der Colonel nahm Webster das Couvert aus der Hand. Mit einer lässigen Bewegung riss er es auf, holte den Inhalt heraus und ließ den Umschlag zu Boden segeln.

"Wenn ich mir eine Bemerkung erlauben darf, Sir...", begann Webster.

Aber MacShane gebot ihm mit einer überraschend energischen Handbewegung zu schweigen.

"Kein Kommentar zu meinem Privatleben!" knurrte er.

"Wenn Sie mir irgend etwas Dienstliches zu sagen haben—nur zu!"

Webster atmete tief durch.

"Ich denke nur, dass Sie vielleicht den Ruf des Regiments im Auge behalten sollen."

"Das tue ich!" meinte er. "Das tue ich, Webster. Aber vielleicht verstehen wir beide unter einem guten Ruf etwas völlig anderes!"

Er grinste.

Aber dieses Grinsen gefror, als er die Papiere überflog, die im Couvert gesteckt hatten. Tiefe Furchen überzogen jetzt die Stirn des Iren.

"Schlechte Nachrichten, Sir?" fragte Webster.

"Es gibt Arbeit für uns. Etwa hundert Mann Kavallerie sollen sich sofort bereit machen..." MacShane bleckte die Zähne. Nach einer kurzen Pause fuhr er dann schließlich fort: "Das einzig Gute an der Sache ist, dass wir an diesem Bordell in Lincoln vorbeikommen, von dem Bill Peacock immer so schwärmt..." Er kratzte sich am Hinterkopf. "Wie hieß das noch..."

"Keine Ahnung, Sir!"

"Es war 'ne Ranch... Riverdale Ranch! Das war's!"

"Schön, dass Sie das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden wissen, Sir. Aber vielleicht erklären Sie mir jetzt auch mal, warum es eigentlich geht!"

"Ich wünschte nur, es wären die verdammten Apachen!", meinte MacShane düster. "Aber verglichen mit dem Gegner, mit dem wir es jetzt zu tun haben werden, sind Apachen richtig nette Zeitgenossen..."

2

"Ich komme gleich!", rief Jim Dunston, während er zwischen die warmen Schenkel der blonden Franny Watson glitt.

Sie trugen beide nichts am Leib. Das blonde Riverdale Ranch-Girl grinste über Jims Worte.

"Hoffentlich noch nicht!", flüsterte sie lächelnd. "Ein bisschen könntest du doch vielleicht noch durchhalten..."

Aber Jim hatte eigentlich nicht mir ihr gesprochen, sondern mit seinem Assistant Marshal Doug Crayne, der vor der Tür stand.

"Jim, drei Männer haben die Bank überfallen und sind in Richtung Blazer's Hill auf und davon!", rief der alte Crayne, der zu ungeschickt war, um einen Revolver zu benutzen. Daher trug er immer eine Schrotflinte bei sich, wenn er seines Amtes waltete. "Ich habe fünf Cowboys von der LD-Ranch für ein Aufgebot gewinnen können. Die warten jetzt an der Brücke!"

Jim stützte sich mit der Rechten auf, während die Linke zärtlich über Frannys volle Brüste glitt.

Die Blondine zog ihn mit ihren Beinen noch näher zu sich heran, umfasste mit den schlanken Armen seinen Nacken.

"Bleib hier, Jim!", murmelte sie. "Ist doch schließlich nicht dein Geld..."

"Hast du eine Ahnung! Ein paar Dollars von mir liegen inzwischen auch dort!"

"Jim... Doug und das Fünf-Mann-Aufgebot werden ja wohl mit drei Kerlen fertig..."

"Reitet schonmal voraus!", rief Jim. "Ich hole euch ein!"

"Auf deine Verantwortung, Jim!"

"Ja...", murmelte der Marshal und musste dabei tief durch atmen, denn Franny erhöhte jetzt das Tempo. Jeden Muskel ihres herrlichen Körpers wusste sie hervorragend zu kontrollieren. Undeutlich hörte Jim noch, wie Doug Crayne davonging und irgend etwas vor sich hinmurmelte. Freundlich war die Bemerkung jedenfalls nicht.

Jim stieß tief in sie hinein. Franny stöhnte auf.

"Uhh...", flüsterte sie. "Keiner besorgt's mir so wie du, Jim! Weiter!"

"Was machst du nur aus mir! Die wenigen Freunde, die ich in Lincoln habe, lasse ich deinetwegen im Stich..."

Franny lachte.

"Du bist doch ein schneller Reiter, Jim!"

"Ja, ja..."

"Kein Problem für dich, Doug Crayne einzuholen! Dann musst du auch nicht dauernd auf deinen Assistant warten!"

"Sehr witzig..."

Jim glitt wieder aus ihr heraus.

"Was hast du vor?"

Er fasste sie bei den Hüften, drehte sie herum. Sie verstand sofort, streckte ihm ihren Po entgegen. Jim stieß von hinten in sie hinein. Ihre Brüste schwangen im Rhythmus seiner Stöße.

Sie begann schwerer zu atmen. Und auch Jim keuchte inzwischen.

"Ich sagte ja, dass du ein toller Reiter bist!", hauchte sie.

"Na, so toll kann's auch nicht sein, wenn du noch reden kannst!"

"Nur... mit...Mühe!", wisperte sie.

Und dann sagte keiner von beiden noch irgend etwas, was einen Sinn ergab. Der Sturm schierer Leidenschaft riss die zwei fort.

Franny schrie laut auf vor Lust, als sie den Höhepunkt erreichten. Keuchend sanken sie in die Kissen. Franny schmiegte sich an ihn, küsste ihn. "Bleib hier!", hauchte sie. "Doug kann das alleine da draußen am Blazer's Hill!"

Jim brauchte einige Augenblicke, bis wieder genügend Blut in seinem Hirn war, um einen klaren Gedanken fassen zu können.

"Sorry, Baby!", murmelte er und schwang sich aus dem Bett.

Während er sich anzog, betrachtete er ihren hingestreckten nackten Körper, folgte mit dem Blick den aufregenden Kurven dieser unvergleichlichen Frau.

Sie lächelte.

"Wie ich sehe, habe ich wohl doch noch eine kleine Chance dich hier zu behalten..."

"Du vergisst, dass ich noch einen kleinen Nebenjob als Marshal habe, Franny!"

"Zu dumm!"

"Aber nicht zu ändern!"

Er schnallte sich den Revolvergurt um. Das Hemd war noch nicht richtig zugeknöpft. Aber dazu blieb jetzt auch keine Zeit. Er setzte den Hut auf und stürzte hinaus.

Jim Dunston lief den Flur entlang, dann die Freitreppe hinunter. Jarmus O'Mahoney trat ihm entgegen. Der ehemalige Butler, der jetzt als eine Art Mädchen für alles auf der Riverdale Ranch fungierte, hatte sich offenbar von dem Faustschlag erholt, den der Mann im mottenzerfressenen Südstaatenrock ihm versetzt hatte.

Das linke Auge war jedoch unübersehbar angeschwollen.

"Ihr Pferd steht draußen zum Aufbruch bereit, Sir!", sagte er auf seine unverwechselbare, etwas steife Art.

"Danke, Jarmus!"

"Sir, Mr. Crayne schien mir etwas verstimmt, wenn diese Bemerkung erlaubt ist..."

Jim war schon halb durch die Tür.

"Er wird drüber wegkommen!", rief er zurück.

Einen Augenblick später schwang er sich auf den Gaul, der vor dem großen Ranchhaus angebunden war. Kurz überprüfte er, ob die Winchester, die im Scubbard steckte, geladen war und wie viel Munition sich in den Satteltaschen befand.

Jim Dunston ließ das Pferd voranpreschen. In einem mörderischen Galopp hetzte er hinter Doug Crayne und den Männern des Aufgebots her.

Der Marshal ritt direkt auf die Sacramento Mountains zu, Richtung Blazer's Hill.

Es dauerte nicht lange und er sah in der Ferne eine Gruppe von Reitern, die in dieselbe Richtung preschte. Sechs Mann. Das musste Doug mit seinem Aufgebot sein.

3

Doug Crayne stieg mit nachdenklichem Gesicht aus dem Sattel.

Dann beugte er sich nieder, ließ die Hand vorsichtig und tastend über den felsiger werdenden Untergrund gleiten.

Die fünf Cowboys, die das Aufgebot bildeten, sahen sich etwas ratlos gegenseitig an.

"Heh, ich dachte, du wärst mal Army-Scout gewesen, Doug!", grinste einer der Männer. Er hieß Grant und hatte erst vor auf der LD-Ranch angeheuert.

"Tja...", murmelte Doug Crayne und wünschte sich in diesem Moment, in der Vergangenheit nicht so großspurige Geschichten von vergangenen Heldentaten verbreitet zu haben.

"Wenn ihr mich fragt, dann sind die nach Südwesten geritten. Genau in die Felsen hinein!", meldete sich Prutner zu Wort, einer der anderen Männer.

Doug Crayne atmete tief durch.

"Ich schließe mich deiner Meinung an, Prutner!", meinte er. Er deutete zu den schroffen Felsmassiven, die in einiger Entfernung aufragten.

"Es gibt dort zwei Pässe!", meinte Prutner. "Ich hoffe, dass wir uns für den richtigen entscheiden, sonst sind die Kerle nämlich auf und davon!"

"Und unseren Job auf der LD-Ranch sind wir dann auch los!", meinte Grant grimmig. "Schließlich hatte unser Boss sein Geld auf der Bank - und wenn das weg ist, wird er uns nicht mehr bezahlen können!"

"Nicht gleich schwarz sehen!", sagte Doug.

In einiger Entfernung tauchte ein Reiter auf.

"Das muss der Marshal sein!", meinte Grant.

Jim Dunston näherte sich rasch. Er ritt in scharfem Galopp, zügelte dann sein Pferd.

"Was gibt es für Probleme?", fragte Jim.

"Ihr Assistant Marshal scheint als Fährtensucher nicht mehr richtig in Form zu sein!", meinte Grant.

"Wir nehmen den südlichen Pass!", entschied Jim Dunston, ohne sich die Mühe zu machen, aus dem Sattel zu steigen. Er preschte ein Stück voran, stoppte und blickte kurz zu Boden. Dann drehte er sich Sattel herum. "Was ist? Wollen wir sie etwa entkommen lassen?"

"Wieso sind Sie sich so sicher?", fragte Tomlin, ein farbiger Cowboy mit angegrauten Haaren. Vor zwanzig Jahren war er von einer Baumwollplantage in Alabama geflohen und trieb sich seitdem als Cowboy herum.

"Wenn diese Kerle einen Funken Verstand haben, dann nehmen sie die südliche Route... Richtung Blazer's Hill kann man seinem Gaul höchstens die Beine brechen! Und die Spuren sprechen auch dafür..."

"Spuren?", meinte Doug. "Wo sieht der Kerl Spuren?"

Jim preschte voran. Der Rest der Gruppe folgte ihm.

Der Marshal ritt jetzt nicht mehr ganz so scharf.

Er wollte nicht, dass die Pferde vorzeitig müde wurden.

Andererseits würden auch die Gäule der drei Bankräuber irgendwann langsamer werden.

Sie ritten auf die Felsen zu.

Jim lenkte sein Pferd in eine lange, schlauchartige Schlucht hinein.

Zu beiden Seiten ragten die Felsmassive steil und schroff auf.

Das Land war sehr karg.

Tagsüber brannte die Sonne erbarmungslos vom Himmel, in der Nacht wurde es sehr kalt.

Die spärliche Vegetation, die sich hier in den Sacramento Mountains fand, war halb vertrocknet, der Boden rissig und aufgesprungen. Immer öfter kamen sie über steinigen Untergrund. Die Pferdehufe verursachten darauf einen Höllenlärm. Die Geräusche wurden von den Felswänden als Echos zurückgeworfen und vielfach verstärkt. Meilenweit musste man sie hören können. Aber es gab keine Möglichkeit, das zu verhindern.

Diese Gegend ist ein ideales Rückzugsgebiet für jemanden, der sich verstecken will!, dachte Jim. Man hörte jeden, der sich hier her verirrte schon von weitem und konnte sich auf die Lauer legen.

Schließlich erreichten sie das Ende der Schlucht.

Sie musten einen steilen Hang emporreiten. Teilweise war die Steigung so stark, dass die Männer sich aus dem Sattel begeben und die Pferde führen mussten.

Die Stunden rannen dahin.

Endlich erreichten sie die Hochebene der Sierra de la Muerte, die sich bis zum Horizont erstreckte, nur unterbrochen von einigen Felsmassiven, die wie dahingeworfene Steinbrocken wirkten.

"Ich will verdammt sein, aber das da hinten sind sie!", rief Prutner.

Er kniff die Augen zusammen, blinzelte.

Die Sonne stand inzwischen ziemlich tief und begann schon milchig zu werden. Mitten am Nachmittag hatte sich der Überfall ereignet, jetzt war es früher Abend.

Jim Dunston zog sich den Hut etwas tiefer ins Gesicht.

Die Pferde waren ziemlich am Ende. Eigentlich brauchten sie dringend eine Pause.

Die kleinen, sich bewegenden Punkte in der Ferne...

Das mussten die Bankräuber sein.

"Wir müssen sie erwischen, bevor sie die Sierra hinter sich haben!", rief Jim. Er kannte sich inzwischen in der Gegend gut aus. Seit er in Lincoln Marshal war, hatte er des öfteren in die Sacramento Mountains reiten müssen, um irgendwelchen Verbrechern zu folgen. Und so wusste er, dass nach der Sierra das Land wieder abfiel. Ein längst ausgetrockneter Flußlauf hatte ein Canyon in den Fels geschnitten. Und wenn die Bankräuber ersteinmal dieses Labyrinth erreicht hatten, dann brauchten sie sich nur noch in irgendeiner Felsspalte zu verstecken und lange genug stillzuhalten, bis ihre Verfolger aufgegeben hatten.

Jim trieb seinen Gaul an, preschte voran.

Die anderen folgten ihm.

Doug hatte etwas Mühe damit.

Sein Pferd wollte einfach nicht mehr. Und der allergeschickteste Reiter war Doug im übrigen auch nicht.

"Ich komme schon nach!", rief er, als er sah, dass sich der Abstand zusehends vergrößerte.

Rasch näherten sich Jim und seine Leute den Bankräubern.

Die Distanz verringerte sich von Minute zu Minute.

Die Flüchtenden schien inzwischen auch begriffen zu haben, dass ihnen jemand immer dichter auf den Fersen war.

Immer deutlicher wurden sie sichtbar.

Einer von ihnen zog seine Winchester aus dem Scubbard, drehte sich im Sattel um und feuerte wild drauflos. Er fiel dadurch leicht zurück.

Zunächst war das ungefährlich. Er war noch außer Schussweite.

Aber dann wurde es enger. Jim duckte sich dicht an den Pferderücken, als die ersten Kugeln über ihn hinwegzischten.

Jim zog ebenfalls die Winchester aus dem Scubbard. Mit dem Colt zu feuern hätte wenig Sinn gehabt. Die Entfernung war einfach noch zu groß.

Die Flüchtenden erreichten inzwischen eine Gruppe von Felsen. Ihre Pferde wurden langsamer. Die Tiere mussten ziemlich am Ende sein. Jim feuerte in ihre Richtung.

Die Cowboys, die sich zum Aufgebot gemeldet hatten, versuchten das auch. Es kam nicht viel dabei heraus. Ein paar Agenblicke nur und die Bankräuber waren zwischen den Felsen verschwunden. Jim Dunston und seine Leute preschten im wilden Galopp heran.

Schüsse krachten.

Die Bankräuber hatten sich offenbar zwischen den Felsen verschanzt.

Und es würde nicht leicht sein, sie dort herauszuholen.

Auf dem Weg dorthin gab es so gut wie keine Deckung. Die Flüchtenden ballerten wie wild aus ihrer Deckung heraus.

Jim lenkte sein Pferd nach links, hängte sich seitlich an den Gaul heran, wie es die Prärie-Indianer des Nordens bei ihren Reiterangriffen zu tun pflegten. Immer noch peitschten Schüsse von den Felsen her.

Es erwischte das Pferd von Davy, einem der LD-Cowboys.

Es stürzte mit einem erbarmungswürdigen Wiehern zu Boden. Davy, ein großer, schlaksiger Mann mit blonden Haaren, sprang rechtzeitig ab. Er hatte seine Winchester in der Hand. Hart kam auf dem Boden auf, rollte, sich so gut es ging ab. Er rappelte sich auf. Der erste Schuss, den er abgab, galt nicht den Bankräubern, sondern dem Gaul. Davy wollte den Qualen des Tieres so schnell wie möglich ein Ende bereiten. Dann riss er die Waffe hoch, lud sie mit energischer Bewegung durch und feuerte. Schuss um Schuss ließ er in Richtung der Bankräuber loskrachen.

Prutner ritt heran, reichte Davy den Arm.

Davy begriff sofort.

Er schwang sich hinter Prutner in den Sattel.

In rasendem Galopp folgten sie Jim Dunston.

Die anderen hielten sich auf Distanz, ritten ebenfalls einen Bogen. Sie mussten sich der Gruppe von Felsblocken auf einem anderen Weg nähern. Hier waren sie einfach zu sehr auf dem Präsentierteller.

Aber diese Vorgehensweise bedeutete einen Umweg.

Für die Flüchtenden war das die Chance, sich davonzumachen und den Vorsprung wieder zu vergrößern.

Jim erreichte als erster die Felsen. Die Winchester hielt er im Anschlag. Aufmerksam ließ er den Blick schweifen.

Vermutlich hatten die Bankräuber ihre Chance genutzt und waren auf und davon. Die andere Möglichkeit war, dass sie sich hier irgendwo in den Hinterhalt gelegt hatten, um sich ihre Verfolger endgültig vom Hals zu schaffen.

Lester, ein weiterer Cowoby der LD-Ranch, holte Jim als erster ein. Dann folgten Tomlin und Grant.

"Dass Prutner und Davy jetzt auf einem Gaul sitzen, wird sich bald bemerkbar machen!", war Tomlin überzeugt.

Tatsächlich hingen die beiden jetzt schon ein Stück zurück. Ebenso wie Doug Crayne, mit dessen Reitkünsten es ohnehin nicht so weit her war.

"Ich würde an Stelle dieser Kerle zusehen, so schnell wie möglich zum Canyon zu gelangen", meinte Jim Dunston.

Grant nickte düster.

"Wenn sie den erreicht haben, sind sie sicher, falls sie sich nicht allzu dämlich anstellen."

Die Sonne wurde schon milchig.

Irgendwann würde sich die Dämmerung wie grauer Spinnweben über das Land legen und die Suche zusätzlich erschweren.

Jim trieb sein Pferd voran.

Dann zügelte er plötzlich sein Pferd.

Die anderen folgten seinem Beispiel.

Für Doug Crayne und die beiden Cowboys, die sich jetzt ein Pferd teilten, bedeutete das die Chance, wieder aufzuholen.

"Was gibt es?", fragte Tomlin.

Jim deutete auf den Boden. Jetzt sahen es auch die anderen. "Hufspuren", stellte Jim fest. "Und zwar mindestens von einem Dutzend Pferden..."

"Und sehr frisch!", ergänzte Tomlin.

"Indianer?", fragte Grant.

Jim Dunston schüttelte den Kopf. "Nein, es sind beschlagene Hufe."

"Benutzen die Mescalero-Apachen in den letzten Jahren auch immer häufiger!", gab Tomlin zu bedenken.

Jim schüttelte den Kopf. "Trotzdem - ich glaube nicht, dass es Indianer sind. Es wäre erstens zimlich weit abseits ihrer Reservation und zweitens kann ich mir den Mescaleros eigentlich keinen Grund denken, um hier her zu reiten.

Jagdbeute gibt es hier kaum."

Doug Crayne nahm seinen Hut ab, zerknautschte ihn und kratzte sich mit der anderen Hand am Hinterkopf.

"Mir gefällt das nicht", murmelte er. "Erinnert mich an eine böse Sache, die damals in der Gegend von Wichita passierte..."

4

Zwischen den Felsen trafen sie die drei Flüchtenden nicht mehr. Schließlich erreichten sie das Ende der Hochebene. Ein scharfer Bruch folgte. Ein Abgrund von mehreren hundert Yards gähnte. Einige schmale Pfade führten hinunter.

Maultiere waren hier wahrscheinlich schneller als Pferde.

Man hatte von hier aus einen ziemlich weiten Blick.

Unten, am Fuß der Schlucht durchzog ein ausgetrockentes Flussbett die Landschaft. Wenn man ihm folgte, gelangte man in eine Canyon-Landschaft.

"Da sind sie!", rief Grant. Er streckte den Arm aus, deutete auf einen bestimmten Punkt in dem ehemaligen Flussbett.

Dort waren tatsächlich drei Reiter zu sehen, die ihre Pferde ziemlich unbarmherzig vorantrieben.

"Außer Schussweite!", knurrte Prutner.

"Sie werden das Tempo nicht bis in alle Ewigkeit so durchhalten können!", meinte Tomlin.

"Wir leider auch nicht!", erwiderte Jim Dunston düster.

Er trieb sein Pferd vorwärts, ritt den schmalen Pfad entlang, der hinunter führte. Geröll rutschte durch den Auftritt der Hufe in die Tiefe. Die Flüchtenden mussten in einem geradezu halsbrecherischen Ritt hier hinuntergeprescht sein. Andernfalls hätten sie es nicht so schnell schaffen können. Jim war klar, dass er dasselbe riskieren musste, wenn er die Kerle noch erwischen wollte. Er steckte das Gewehr in den Scubbard zurück, um besser balancieren zu können. Dann drückte er dem Tier die Hacken in die Weichen.

Ein trittsicheres Cowboypferd.

Als die Gruppe endlich das ehemalige Flussbett erreichte, waren die Banditen längst im Canyon verschwunden. Ihre Spuren waren deutlich sichtbar. Noch war Jim nicht bereit aufzugeben. Noch nicht...

Aber er sah nicht nur die Spuren der drei flüchtenden Banditen, sondern auch die Abdrücke weiterer Pferde, die offenbar vorher hier hergezogen waren.

Tomlin fiel dasselbe auf.

"Würde mich wirklich interessieren, wer das ist!", meinte er.

Sie folgten dem Flussbett, dass sich wie eine Straße durch den Fels schnitt. Zu beiden Seiten ragten steile Wände und Hänge empor. Bevor der Fluss ausgetrocknet war, hatte sich das Wasser diesen immer wieder gewundenen und sich verzweigenden Weg durch den Stein gegraben.

Eine ganze Weile geschah nichts.

Unter den Männern herrschte Schweigen.

Aufmerksam beobachteten sie die umliegenden Felshänge.

Dann ertönten plötzlich Schussgeräusche.

Einige Flussbett-Biegungen entfernt war offenbar ein heftiges Gefecht im Gange. Vielfach hallten die Schüsse zwischen den Felswänden wider.

Das ganze dauerte nur einige Augenblicke. Dann herrschte Ruhe. Jim trieb sein Pferd voran, so erschöpft es inzwischen auch sein mochte. Die anderen folgten ihm so gut es ging.

Ein Galopp auf dem unebenen Boden war kaum möglich, ohne das Pferd zu gefährden. Daher ging es nicht ganz so schnell voran.

Das ehemalige Flussbett machte mehrere Biegungen kurz hintereinander.

Jim war der erste, der den Ort des Geschehens erreichte.

Die drei Bankräuber lagen tot auf dem Boden verstreut.

Ihre Körper waren regelrecht von Kugeln durchsiebt worden.

Die Waffen hatte man ihnen abgenommen. Und auch ihre Pferde hatten die unbekannten Killer mitgenommen. Damit natürlich die Beute, die die drei Banditen in der Bank von Lincoln eingesackt hatten.

Jims Hand ging zur Winchester.

Er zog das Gewehr aus dem Scubbard, lud es durch.

Die anderen holten ihn inzwischen ein.

"Diejenigen, die das getan haben, können noch nicht weit sein!", knurrte Tomlin.

Jim ließ den Blick die felsigen Hänge entlanggleiten. Es gab kanzelartige Vorsprünge, Höhlen und einige schmale Pfade, auf denen man hinaufgelangen konnte.

Hinter einem Felsvorsprung nahm Jim eine Bewegung wahr.

Er hob die Winchester.

Der Schuss des Unbekannten krachte bevor Jim abdrücken konnte. Sein Pferd stellte sich auf die Hinterhand. In den nächsten Sekunden wurde von allen Seiten geschossen. Die Angreifer saßen in den Felsen. Sie hatten sich gut verschanzt. Jim schätzte ihre Zahl auf mindestens ein Dutzend. Einer der ersten Schüsse traf Prutner. Davy, der hinter ihm im Sattel saß, erwischte es nur

Sekundenbruchteile später. Die beiden Männner wurden durch die Wucht der Geschosse zu Boden gerissen.

Tomlin riss sein Pferd herum, wollte den Gaul ein Stück zurückpreschen lassen. Dave feuerte er mit dem Colt zu den Angreifern hinauf, die gut geschützt in ihrer Deckung lagen.

Keine zehn Yards weit kam Tomlin. Die erste Kugel erwischte ihn am Waffenarm. Er schrie auf, der Colt entfiel seiner Hand. Der Hemdsärmel färbte sich rot. Der zweite Treffer erwischte ihn genau zwischen den Schulterblättern.

Die Unbekannten feuerten von allen Seiten. Den dritten und vierten Treffer spürte Tomlin schon gar nicht mehr. Er rutschte aus dem Sattel, während sein Gaul wiehernd davonstob.

Jim ließ sein Pferd ebenfalls davonpreschen. Er hängte sich seitlich in den Sattel, aber das bot nur zu einer Seite etwas Schutz.

Der Marshal feuerte die Winchester ab.

Aber die Chance, einen der Kerle zu treffen, war gering.

Ein gewaltiger Knall ertönte.

Das war Doug Crayne mit seiner Schrotflinte. Was er tat war vollkommen unsinnig. Die Schussweite der Flinte reichte überhaupt nicht aus, um irgendeinen der Angreifer zu erwischen. Die einzige Wirkung war, dass Dougs Pferd einen Riesenschreck bekam und voranstob. Glücklicherweise in die richtige Richtung.

Lester bekam sein Pferd nicht unter Kontrolle. Die Ballerei machte es vollkommen verrückt. Es stieg auf die Hinterhand. Ein halbes Dutzend Kugeln fetzte dem Cowboy der LD-Ranch in den Rücken. Sein Schrei hallte zwischen den Felswänden wider. Er kippte aus dem Sattel. Sein linker Fuß blieb im Steigbügel hängen und so wurde seine Leiche hinter dem durchgehenden Pferd hergeschleift.

Jim Dunston hatte inzwischen die nächstliegende Biegung des ehemaligen Flussbettes erreicht. Oben, an der Felskante sah er einen der Kerle. Er legte gerade ein Spencer-Gewehr an. Jim riss die Winchester hoch.

Die beiden Männer feuerten beinahe gleichzeitig.

Aber Jim traf.

Der Gewehrschütze stürzte mit einem Schrei hinab.

Etwas an ihm war merkwürdig. Der Tote trug einen Säbel an der Seite, wie man ihn eigentlich nur bei Army-Angehörigen vermutete. Ansonsten war er aber in Zivil gekleidet. Das klatschende Geräusch, mit dem er auf den steinigen Untergrund schlug, war noch zweimal als Echo zu hören.

Jim trieb sein Pferd voran.

In der Nähe gab es ein paar Felsbrocken, hinter denen man Deckung finden konnte.

Dort ließ er sich aus dem Sattel gleiten.

Doug Crayne war dicht hinter ihm. Auch er stieg vom Pferd.

Der dritte Mann, der vom dem Aufgebot überlebt hatte war Grant. Auch er erreichte die rettende Deckung. Er stieg aus dem Sattel, während Jim ihm Feuerschutz gab. Einen weiteren der unbekannten Killer holte er mit einem gezielten Schuss aus den Felsen. Der Kerl schrie auf, rutschte den Hang hinunter. Schließlich blieb er regungslos liegen.

"Heh, mit Grant stimmt etwas nicht!", rief Doug Crayne.

Jim drehte sich herum.

Grant kauerte hinter einem Felsen. Er atmete schwer. In der Rechten hielt er den Colt. Die Linke glitt nach hinten, ließ die Jacke zur Seite gleiten.

"Es hat mich erwischt!", flüsterte er. "Am Rücken... Oh, verdammt..."

Erneut brandete der Geschosshagel auf. Jim, Doug und Grant blieb nichts anderes übrig, als die Köpfe einzuziehen.

Dann verebbten die Schüsse. Hier und da waren Bewegungen in den Felsen zu sehen.

"Warum feuerst du nicht?", fragte Doug.

"Ich glaube, sie ziehen ab!", meinte Jim. "Die wissen genau, dass sie uns nur unter großen Verlusten aus dieser Deckung herausholen könnten. Und warum sollten sie das tun?

Sie haben die Beute der Bankräuber vermutlich an sich gebracht..."

"Ein Geschenk des Himmels für sie, was?", keuchte Grant.

"Ja", knurrte Jim.

Es wurmte ihn, diese unbekannten Banditen einfach davonziehen lassen zu müssen.

Schließlich hatten sie neben den Bankräubern auch vier Männer des Aufgebots auf dem Gewissen. Kaltblütig hatten sie sie abgeschossen. Aber Jim wusste, dass er seiner Wut jetzt nicht nachgeben durfte. Es ging schließlich auch um Grant.

Der Cowboy der LDS-Ranch war schwer verletzt und brauchte dringend einen Arzt. Und sein Leben war wichtiger als schnelle Genugtuung.

"Das müssen verdammt viele sein", murmelte Doug.

"Ja, und wahrscheinlich haben sie sowohl uns als auch die Bankräuber schon eine ganze Weile beobachtet... Verdammt!"

5

"Abteilung -—halt!", brüllte Captain Joe Davis. Der lange Zug von Kavalleristen kam zum Stillstand. Ihr Weg hatte sie von Fort Stanton aus mehr oder weniger am Flußufer des Rio Bonito entlanggeführt. Jetzt tauchten in der Ferne die Häuser von Lincoln auf. Außerdem war die Brücke zu sehen, die über den Rio Bonito führte.

Colonel Elias MacShane schaute zum gegenüberliegenden Flußufer. Denn dort befand sich ein Ort, der ihm noch in ziemlich angenehmer Erinnerung war...

Die Riverdale Ranch!

MacShane wandte sich an Major Alec Brady.

"Major!", bellte er.

"Ja, Sir?"

"Lager errichten und absichern!"

"Aye, Sir!"

"Wir übernachten hier! Geben Sie nicht mehr als einem Drittel der Männer zugleich Ausgang, sonst machen wir uns hier unbeliebt. Aber sagen Sie ihnen, dass sie heute vielleicht die letzte Gelegenheit haben, sich nochmal richtig vollaufen zu lassen!"

"Aye, Sir!", sagte der Major, dessen behandschuhte Hand sich an der braunbeigen Hutkrempe befand.

"Ich werde für ein paar Stunden nicht hier sein, Major!

Sie haben in der Zwischenzeit das Kommando!"

"Aye, Sir!"

MacShane atmete tief durch. Ganz unmilitärisch schob er sich den Hut in den Nacken und wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß von der Stirn. Ganz in seiner Nähe befanden sich die Lieutenant Colonels Webster und Peacock.

Dem über-korrekten Webster sah man die Verwunderung darüber deutlich an, dass mit Major Brady ein rangniedriger Offizier das Kommando bekommen hatte. "Ich weiß, was Sie denken, Webster!"

"Sir, ich habe mich jeder Äußerung enthalten!"

"Was ich zu schätzen weiß!", grinste MacShane. "Aber ich denke mir, Sie könnten etwas Entspannung gebrauchen!"

Websters Augen wurden schmal.

"Wie meinen Sie das?"

Peacock hüstelte verlegen. Er wusste genau, worauf der Kommandant von Fort Stanton hinauswollte. Auf einen Besuch der Riverdale Ranch nämlich.

"Es gibt dort eine Bordell-Ranch mit einer hervorragenden Bar!", meinte MacShane. "Teufel, es ist bedauerlich, dass es schon so lange her ist, seit ich das letzte Mal hier war. Ich glaube, der Besitzer hat inzwischen gewechselt.

Jedenfalls habe ich so etwas läuten hören..." MacShane wandte sich an Bill Peacock. "Sie sind doch in letzter Zeit regelmäßig auf der Riverdale Ranch gewesen, wenn ich mich nicht irre!"

"Nun, Sir..."

MacShane grinste.

"Ich möchte nicht wissen, wie hoch Sie inzwischen bei Ihren Kameraden in der Kreide deswegen stehen!"

"Sir, das Leben ist kurz!"

"Bill, Sie reden mir aus dem Herzen! Was ist nun? Hat der Laden unter dem neuen Besitzer noch dieselbe Klasse?"

Peacock nickte "Hat er. Jim Dunston ist in Ordnung. Wir haben uns bei ein paar dieser außergewöhnlichen Drinks, die es in der Bar gibt, etwas angefreundet."

"Ah, da Sie gerade von diesen >außergewöhnlichen Drinks> sprechen... Dann ist dieser Jarmus O'Mahoney wohl auch noch da!"

"Ja, Sir!"

"Sehr gut! Man muss nur aufpassen, dass man nicht zuviel von diesen Drinks nimmt, damit man nicht zwischen den Brüsten einer der Girls einschläft, anstatt in Wallung zu geraten!"

Peacock hob die Augenbrauen. "Wenn selbst Sie vor dieser Gefahr warnen, Sir, dann ist sie gewiss ernstzunehmen!", spielte er dann auf die Trinkfestigkeit seines Vorgesetzten an.

MacShane lachte dröhnend.

Als der Colonel sich beruhigt hatte, fuhr Peacock fort:

"Jim Dunston ist übrigens auch der Town Marshal von Lincoln!"

MacShane sah etwas erstaunt aus.

"Das trifft sich gut!", fand er. "Da ich mit dem Town Marshal ohnehin zu reden hätte, ist unser Besuch auf der Riverdale Ranch ja schon fast dienstlich zu nennen..."

"Colonel...", meldete sich jetzt Webster zu Wort. "Ich würde ehrlich gesagt lieber bei unseren Leuten bleiben..."

MacShane schüttelte den Kopf. "Sie kommen mit uns, Webster. Ich will, dass Ihnen die Girls dort so einheizen, dass Ihnen hören und sehen vergeht!"

"Aber, Sir!"

"Das ist ein Befehl, Webster!"

"Sir, das ist nicht Ihr Ernst!"

"Die vor uns liegende Mission kann sich etwas in die Länge ziehen und ich möchte, dass Sie während dieser Zeit etwas entspannter drauf sind!" Er ließ sein Pferd voranpreschen. "Los! Vorwärts!" rief er. "Wie Bill schon sagte - das Leben ist kurz!"

6

Wenig später erreichten MacShane, Peacock und Webster die Riverdale Ranch. Sie ritten im scharfen Galopp auf das große Haupthaus zu, in dem sich die Bar und die Geschäftszimmer der Girls befanden. Rechts und links des großen Ranchhauses befanden sich noch Nebengebäude, in denen die Privaträume der Girls und Stallungen untergebracht waren.

Die drei Offiziere zügelten ihre Pferde, stiegen aus den Sätteln und machten die Gäule an der Querstange vor dem Eingang fest.

"Machen Sie nicht so ein griesgrämiges Gesicht, Webster!", meinte MacShane grinsend. "Wir gehen in ein Bordell, nicht zu einem Begräbnis!"

MacShanes Hand umfasste den Griff des Säbels, den er an der Seite trug. Er rückte sich den Hut etwas zurecht und betrat dann das Ranchhaus.

Peacock und Webster folgten ihm.

Der Weg der Drei führte geradewegs in die Bar.

Die dunkelhaarige Tochter eines frommen Quäkers trug nur eine knappe Corsage. Sie hatte gerade mit Bellinda LaRoche und der blonden, grünäugigen Franny Watson herumgealbert. Die grazile Caroline war ebenfalls im Raum und musterte die Ankömmlinge.

"Hallo, Girls! Elias MacShane kommt euch mal wieder besuchen! Lange ist's her, aber ich hoffe, ihr habt mich in der Zwischenzeit nicht ganz vergessen..."

Franny Watson verdrehte die Augen.

"Wie könnten wir Sie je vergessen, Colonel!", seufzte sie.

MacShane klopfte Webster auf die Schulter und meinte:

"Sie sehen, dass es sich immer lohnt, sich gut zu benehmen!

Dann bleibt man in angenehmer Erinnerung und ist auch nach einer Ewigkeit noch ein willkommener Gast!"

Peacock musste sich beherrschen, um nicht in lautes Gelächter zu verfallen. Bei seinem letzten Besuch hatte der Colonel nämlich derart über die Stränge geschlagen, dass er nicht mehr in der Lage gewesen war, zu reiten. Peacock hatte einen Wagen organisieren müssen, um seinen Vorgesetzten im Zustand des komatösen Dämmerschlafs wieder zurück zum Fort zu transportieren. Seitdem hatte Peacock es vermieden, gemeinsam mit MacShane ein Bordell aufzusuchen.

Peacock wollte einfach nur seinen Spaß und keine Probleme mit einem Vorgesetzten, dessen Vollrausch-Zustände mehrere Tage andauern konnten.

"Was ist los mit Ihnen, Bill?", fragte MacShane. "Haben Sie sich verschluckt oder warum krächzen Sie so herum?"

"Ja, Sir... Ein Kratzen im Hals!"

"Kommt von der trockenen Kehle, was!"

"Genau, Sir!"

MacShane wandte sich an Jarmus, den ehemaligen Butler.

Doch dieser hatte bereits in weiser Voraussicht drei Gläser Whisky auf den Schanktisch gestellt.

"Worauf warten Sie noch, Bill!", dröhnte MacShane, nahm die ersten beiden Gläser und kippte sie nacheinander hinunter. Dann rülpste er, stellte sie geräuschvoll auf den Schanktisch zurück und bemerkte dann Aaron Websters ziemlich erstaunten Blick.

"Ich dachte, Sie trinken sowieso nichts, Webster!"

Dann ging er auf Mary-Jane Jenkins zu. Mit einer seiner gewaltigen Hände tätschelte er ihren Po. "Du siehst immer noch so toll aus wie ich dich in Erinnerung habe!", meinte er, während sein Blick mit unverhohlener Gier ihren aufregenden Körper betrachtete. "Ich finde nur, dass du ein bisschen zu hochgeschlossen gekleidet bist!", grinste er.

"Da kommt deine Figur ja gar nicht zur Geltung."

Er begann an ihrer Korsage herumzuspielen.

Mit den grob wirkenden Fingern seiner Pranken hatte er kaum eine Chance, die Corsage zu öffnen.

Mary-Jane schob seine Hände sanft von sich.

"Ein bisschen wirst du dich doch noch gedulden können, oder?"

"Schwer, Baby! >Sehr> schwer!"

"Wenigstens bis wir oben im Zimmer sind, okay?"

"Okay..."

Sie strich ihm über die Uniformjacke. "Einen gewaltigen Säbel hast du da unten...!"

"Ich zeig ihn dir gerne!"

"Das kann ich mir vorstellen..."

Mary-Jane wollte den Colonel mit sich ziehen. Aber irgendetwas hielt den Kommandanten von Fort Stanton davon ab, mit ihr zu gehen. Er blickte sich um, dann blieb sein Blick bei Caroline haften.

Er streckte den Arm aus, fasste sie um die Taille und zog sie zu sich heran.

"Hey, wie war dein Name nochmal?"

"Caroline."

Er blickte in ihren tiefen Ausschnitt. "Irgendwie habe ich dich schonmal gesehen, aber an dein Gesicht kann ich mich jetzt nicht unbedingt erinnern!"

Caroline lächelte müde.

"Naja, Hauptsache >irgendetwas> von mir ist dir in Erinnerung geblieben!"

"Oh, ja!"

"Aber im Moment bist du ja wohl schon ausgelastet!" Ihr Blick ging zu Mary-Jane.

MacShane legte die Stirn in Falten. "Ausgelastet?", dröhnte er. "Sex mit nur einer einzigen Frau ist wie eine Flasche Whisky, die nur zu Hälfte voll ist! Ich will euch beide!" Er grinste Peacock und Webster entgegen. "Das Vorrecht des höheren Ranges!", meinte er. "Außerdem ist für Sie beide ja noch genügend übrig!"

Caroline zuckte die Achseln. Warum nicht?, dachte sie. Es war nicht das erste Mal, dass sie mit einem der anderen Girls im Team arbeitete.

MacShane zog mit den beiden Girls im Arm in Richtung der Schwingtüren davon, durch die man aus der Bar gelangte.

Bellinda hatte sich inzwischen eng an Bill Peacock geschmiegt. Wenn Peacock zur Riverdale-Ranch kam, dann vor allem Bellindas wegen.

Blieb für Franny nur noch Aaron Webster übrig.

Das wird ein anstrengendes Stück Arbeit!, ging es ihr durch den Kopf. So stocksteif, wie der dasteht! Das ehemalige Cowgirl hatte gleich im Blick, dass sie bei Webster nicht zu offensiv vorgehen durfte. Sonst verschreckte sie ihn womöglich sofort wieder.

Sie trat an den Lieutenant Colonel heran und hakte sich bei ihm unter.

"Ich bin Franny - und wer bist du?"

"Lieutenant Colonel Aaron Webster!"

"Was dagegen, wenn ich dich Aaron nenne?"

"Nun..."

"Unser Barkeeper ist für seine Spezialdrinks berühmt.

Ich denke, der hat auch etwas für uns beide!"

"Ma'am, wissen Sie..."

Franny unterbrach sein Gestammel einfach.

"Ich wette, du bist ziemlich durstig nach dem langen Ritt!" Sie zog ihn mit sich. "Und da dir dein Vorgesetzter unverschämterweise den Whisky leergetrunken hat..."

"So ist MacShane nunmal."

"Ja, ich weiß. Sein Ruf ist ja geradezu legendär. Und abgewöhnen wird ihm das wohl niemand mehr..."

"Leider."

"Aber du bist da ja wohl ganz anders, wie ich sehe. Ein Gentlemen... Der erste Drink ist übrigens auf Kosten des Hauses!"

MacShane wankte inzwischen mit seinen beiden Eroberungen die Treppe hinauf, über die man zu den Geschäftszimmern der Girls gelangen konnte.

"Gehen wir zu mir!", schlug Mary-Jane an Caroline gerichtet vor.

Caroline zuckte die Achseln. "Warum nicht?"

Das Dreiergespann blieb vor einer der Türen stehen. Das Holz sah schon ziemlich ramponiert aus. Und das Schloss wirkte auch so, als wäre es schon mehrfach repariert worden. Aber die Einrichtung der Riverdale Ranch wurde eben einer besondes harten Beanspruchung unterzogen...

Mary-Jane öffnete die Tür.

Sie gingen hinein.

Das breite Bett war frisch gemacht.

MacShane ruckelte am Gestell.

"Ich hoffe, das hält auch was aus!", grinste er.

In Mary-Janes dunklen Augen begann ein fiebriges Feuer zu lodern. "In hunderten von Gefechten erprobt!", hauchte sie.

Sie löste sich von ihm.

MacShane lachte dröhnend. "Gut zu wissen!" Er sah an Mary-Janes formvollendetem Körper herab und schluckte unwillkürlich. "Ich finde immer noch, dass du viel zu dick angezogen bist!"

"Du hast recht!", murmelte sie. "Schließlich ist es ein verdammt heißer Tag..."

"Worauf du einen lassen kannst!"

"An seiner gewählten Ausdrucksweise erkennt man den Gentleman!"

"Zieh dich aus, Baby!"

Mary-Jane schälte sich provozierend aus ihrer Corsage heraus. Schließlich stand sie ohne ein Stück Stoff am Leib da. Auch Caroline begann sich auszuziehen. Ein Kleidungsstück nach dem anderen glitt herunter. MacShanes Augen quollen aus ihre Höhlen hervor. Mary Jane ging mit ausladendem Hüftschwung zum Schrank. Ihre vollen Brüste wippten dabei im Rhythmus ihrer Schritte. Caroline schmiegte sich derweil von hinten an ihn. Ihre Hände glitten die Knopfleiste seiner Uniformjacke entlang, öffneten einen Knopf nach dem Anderen. Schließlich gelangten sie zu dem breiten Gürtel, in dem das Army-Hoster und der Säbel hingen.

Ein Griff und der Gürtel glitt zu Boden. Ihre Hand glitt tiefer. "Ich glaube, für den Kampf mit uns beiden bist du gut genug bewaffnet, Colonel!", hauchte Caroline.

"Da wird der Säbel in der Scheide verrückt, was?", dröhnte MacShane.

"Ich glaube, das ist er schon!", meinte Caroline.

"Jedenfalls spüre ich da etwas, was unbedingt nach außen drängt!"

Mary-Jane öffnete inzwischen den Schrank und holte eine Flasche Kentucky Bourbon heraus.

"Wir wollen doch nicht, dass dir mittendrin der Hals kratzt!", meinte sie und warf ihm die Flasche zu. MacShane fing sie mit der Linken. Den Korken zog er mit den Zähnen heraus, spuckte ihn durch die Gegend und nahm dann einen kräftigen Schluck, während sich Caroline weiter an ihm zu schaffen machte.

Schließlich stellte er die Flasche auf einer Kommode ab.

Mary-Jane unterstützte jetzt Caroline dabei, den Colonel nach und nach von seiner Kleidung zu befreien.

Den Hut ließ er allerdings auf.

Darauf bestand der Kommandant von Fort Stanton.

Ein Mann ohne Hut hatte in seinen Augen etwas Würdeloses.

Für die beiden Riverdale Ranch-Girls war das nichts Neues.

Die teilweise etwas schrulligen Angewohnheiten des Fortkommandanten sorgten immer wieder für heiteren Gesprächsstoff unter den Frauen.

MacShane umfasste Mary-Jane bei der Taille, zog die Dunkelhaarige zu sich heran.

Er mochte das lodernd-heiße Feuer, das in ihren Augen brannte. Das machte ihn ganz wild. Er erinnerte sich noch gut an das letzte Zusammensein mit der heißblütigen Mary-Jane... Auch wenn es schon eine Weile her war.

Seine Hände glitten tastend über ihren weichen, warmen Körper, umfassten ihre Brüste, streichelten sie.

"Heh, vergiss mich nicht!", rief Caroline. Ihre Hände glitten von hinten über seinen Körper, fanden dann seine angeschwollene Männlichkeit und begannen mit einer intensiven Massage.

"Keine Sorge!", meinte MacShane, dem es sichtlich schwerfiel, sich auf seine Worte zu konzentrieren. "Ich werd' dich schon nicht vergessen..."

"Na, dann bin ich ja beruhigt!", lächelte Caroline.

"Schätze, du weißt auch genau, wie du dafür sorgen kannst!"

"Worauf du dich verlassen kannst!"

Carolines Handbewegungen wurden schneller, heftiger. Sie hatte es genau im Gefühl, den Colonel so weit zu bringen, dass er kurz davor stand, sein Pulver vorzeitig zu verschießen. Aber gerade noch rechtzeitig hörte sie auf.

Schließlich wollte sie sich nicht nachsagen lassen, den Kommandanten von Fort Stanton schnell abgefertigt zu haben.

So etwas sprach sich herum und war schlecht für das Geschäft.

MacShane umfasste Mary-Janes Gesäß mit beiden Händen und hob sie an.

Mary-Jane begriff sofort.

Sie umfasste seine Schultern, klammerte sich an ihn und umschlang ihn mit den Beinen. MacShane trug sie vor sich her, ließ sie langsam etwas tiefer sinken, so dass er in ihre Wärme hineingleiten konnte.

"Und ich?", fragte Caroline in gespielter Empörung.

Sie verschränkte die Arme vor den Brüsten.

Die beiden Girls wussten, dass MacShane solche Spielereien mochte.

MacShane blickte in Mary-Janes dunkle Augen.

"Du bist doch eine fromme Frau, oder?"

"Naja..."

"Ich meine, du kommst aus einer Familie, in der viel in der Bibel gelesen wurde..."

"Das stimmt!", hauchte sie.

Bei beiden gingen Atem und Puls jetzt bereits deutlich schneller.

"Dann verrat mir mal, wie Gott sich so einen Konstruktionsfehler leisten konnte!"

"Wovon sprichst du?"

"Davon, dass man als Mann zwar zwei Eier, aber nur ein Ding hat! Sieht doch jeder, dass das unpraktisch ist!", grinste MacShane.

Dann warf er sich mit Mary-Jane auf das Bett. Die schon reichlich ausgeleierten Stahlfedern quietschten. Mit wilden ungestümen Stößen drang er immer wieder in die dunkelhaarige Frau ein. Sie kam ihm mit ihrem Becken entgegen.

MacShane betrachtete dabei Carolines nackten Körper.

Den linken Arm hatte die junge Frau in die Hüfte gestemmt. Ihre Figur bildete eine schwindelerregende Linie.

Der rotgesichtige MacShane verschlang das hübsche Girl geradezu mit seinen Blicken, während er dem Höhepunkt entgegenstrebte.

Schweiß stand ihm auf der Stirn.

Das Rot seine Gesichtes wurde dunkler.

Schließlich senkte er die Augenlieder, schloss sie sogar.

Mit einem dumpfen Grunzlaut ergoss er sich in Mary-Jane. Er sank über ihr nieder, sein Kopf lag zwischen ihren Brüsten.

Einige Augenblicke lang verharrte er so. Mary-Jane machte ein Handzeichen zu Caroline. Sie hob den Daumen und zwinkerte ihr zu. "Jetzt bist du dran, Caroline!"

MacShane erwachte jetzt wieder zum Leben. Er erhob sich, rollte von der dunkelhaarigen Mary-Jane herunter.

Caroline trat seitlich an das Bett heran.

MacShane langte mit dem Arm nach ihr, zog sie zu sich heran.

Sie kreischte dabei.

Das mochte er.

"Jetzt lass uns mal sehen, ob du mit deiner Kollegin mithalten kannst!", meinte er.

"Ich hoffe nur, >du> kannst noch mithalten!"

"Willst du den guten Ruf von Elias MacShane beleidigen?"

"Kein Gedanke, Colonel!"

"Das will ich auch hoffen! Mit dir könnte ich mich noch nicht einmal duellieren!"

"Ich dachte, das tun wir gerade!"

Sie kniete vor ihm. Ihre Hände glitten über seine Oberschenkel, dann weiter zur Mitte.

"Langsam kommst du wieder in Form!", lächelte sie.

"Langsam?"

"Wollen wir darüber jetzt streiten?"

MacShane begann leicht zu keuchen. "Vielleicht... ein...

anderes Mal!", stieß er abgehackt hervor.

"Gut!"

Caroline stieß ihn sanft zurück, so dass er auf dem Rücken zu liegen kam. Dann schwang sie sich auf ihn ihn. "Auf zum Sturmritt, Kavallerist!"

"Attacke, Baby!"

7

Es war schon dunkel, als Jim Dunston und Doug Crayne mit dem schwer verletzten Grant nach Lincoln zurückkehrten. Sie brachten ihn auf direktem Weg zu Doc Mill, dessen Haus sich in der Nähe von Martinson's Hotel an der Main Street befand.

Der Doc machte ein ernstes Gesicht.

Im Erdgeschoss seines Hauses hatte er ein paar Krankenbetten.

In eines davon wurde Grant gelegt.

"Die Sache sieht verdammt böse aus. Wenn ich die Kugel operiere, dann kann es sein, dass ich ihn damit umbringe!", meinte Doc Mill. Er wandte sich an Jim. "Was ist mit den anderen?"

"Sind tot." In knappen Worten berichtete der Marshal, was geschehen war. "Ich habe keine Ahnung, was für eine Bande das war. Aber sie muss über sehr viele Männer verfügen."

"Klingt übel", meinte der Doc. Er atmete tief, warf einen Blick auf Grant. Auf dessen Stirn glänzte inzwischen der Schweiß. Er musste Fieber haben. Die Wunde hatte sich offenbar schon entzündet. Und welche lebenswichtigen Organe von dem Schuss in Mitleidenschaft gezogen worden waren, konnte im Moment selbst der Doc nur erahnen.

"Doc...", flüsterte Grant. "Versuchen Sie's. Schlimmer kann's nicht mehr werden!" Er verzog das Gesicht.

Die Schmerzen, die er auszuhalten hatte, mussten höllisch sein.

"Ich tue mein Bestes", versprach der Doc.Er wandte sich an den Marshal und seinen Assistenten. "Ich wäre Ihnen dankbar, wenn einer von Ihnen Claire Dobbs wecken könnte!"

Claire Dobbs arbeitete für den Doc als Krankenschwester.

Sie wohnte am anderen Ende der Stadt und war die Frau des Mietstallbesitzers Angus Dobbs.

"Ich mach das!", versprach Doug und war schon auf dem Weg nach draußen.

"Sie haben uns abgeknallt wie tolle Hunde!", brachte Grant hervor. "Diese verdammten Schweine!"

"Sie werden dafür bezahlen", versprach Jim Dunston. "Ganz gleich, wer dahinter stecken mag und wie viele Männer sie auch aufbieten können... Ich werde nicht eher ruhen, bis diese Kerle dort sind, wo sie hingehören! Vor den Richter!"

"Und an den Galgen!", vollendete Grant.

Er atmete schwer und schloss die Augen.

Dann schluckte er.

Es schien so, als wollte er noch etwas sage. Aber er öffnete nur etwas die Lippen. Kein Wort kam aus seiner Kehle. Er hatte offenbar nicht mehr die Kraft dazu.

"Ich denke, ich werde für diesen Mann meine raren Vorräte an Morphium opfern", meinte Doc Mill.

Jim nickte. "Tun Sie das! Je eher Sie seine Leiden beenden, desto besser!"

Doc Mill ging in den Nachbarraum, um die Spritze aufzuziehen.

Als er zurückkehrte, atmete Grant bereits nicht mehr.

Der Doc ließ die Spritze sinken.

"Er war ein guter Mann", sagte Jim. Er trat neben das Bett, beugte sich nieder und schloss dem Toten den weit offenstehenden Mund. An den Doc gewandt meinte er dann: "Ich danke Ihnen für Ihre Mühe, Doc!"

8

Als Jim Dunston die Riverdale Ranch erreichte, war es schon weit nach Mitternacht.

Er stieg von seinem Pferd, aber anstatt es an der Querstange vor dem Haupteingang des großesn Ranchhauses festzumachen, brachte er es gleich in den Stall und nahm den Sattel ab. Das Tier hatte sich seine Ruhe redlich verdient.

Dann ging er ins Ranchhaus.

In der Bar war noch Licht.

Einen Drink konnte er jetzt wirklich gebrauchen, fand Jim.

Um so erstaunter war er, als er dort einen Bekannten sitzen sah.

"Bill Peacock!", stieß der Marshal hervor.

Der blonde Lieutenant Colonel lehnte an der Bar und ließ sich gerade von Jarmus O'Mahoney einen jener Spezialdrinks mixen, für die der ehemalige Butler so berühmt war.

Peacock drehte sich herum. "Jim Dunston! Dich habe ich hier auch schon vermisst! Verdammt, wo hast du gesteckt?"

"Dienstliche Pflichten", meinte Jim und sein Gesicht verdüsterte sich dabei. Das was heute geschehen war, fiel selbst von einem harten Mann wie Jim Dunston nicht so einfach ab. Eine Bank war in >seiner> Stadt überfallen worden und fünf Männer hatten den Tod gefunden. Fünf Männer, die nichts anderes getan hatten, als ihre Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit wahrzunehmen und sich einem Aufgebot anzuschließen. Wut keimte in Jim Dunston auf.

In seinem Gesicht zeigte sich ein harter Zug. Der Marshal von Lincoln hatte sich geschworen, die unbekannten Mörder zu jagen. Selbst wenn sie über alle Berge waren und es vielleicht sehr lange dauerte, bis er sie vor seinen Colt bekam. Aber er hatte in seinem Leben die Erfahrung gemacht, dass man sich immer zweimal begegnete. Und er sah nicht ein, weshalb ausgerechnet diesmal eine Ausnahme vorliegen sollte.

"Tja, du hast ja auch noch einen kleinen Nebenjob, Jim...", meinte Bill Peacock nachdenklich. Ihm entging nicht, dass den Marshal etwas beschäftigte.

"Ja, kann man wohl sagen. Und manchmal würde ich ihn am liebsten hinschmeißen... Jedenfalls in Augenblicken wie diesem!" Er wandte sich an Jarmus. "Mir dasselbe Gesöff wie Bill!"

"Sir, mäßigen Sie ihre Ausdrucksweise!", war der ehemalige Butler etwas irritiert.

Jim atmete tief durch. "Sorry, ich habe nur laut gedacht."

"Soll ja vorkommen so etwas!"

"Ja."

Jarmus mischte sich ein. "Ich würde es begrüßen, wenn Sie uns darüber informieren würden, was sich zugetragen hat. Die Nachricht vom Banküberfall hat ja in der Stadt die Runde gemacht..."

"Die drei Banditen liegen im Staub der Sacramento Mountains", berichtete Jim düster. "Genau wie die Männer des Aufgebots... Der letzte ist dem Doc gerade unter den Händen weggestorben..."

"Das ist ja furchtbar, Sir, wenn mir diese Bemerkung erlaubt sei!"

"Erst den Drink", forderte Jim.

Jarmus stellte ihm das Glas hin. Und dann berichtete Jim in knappen Worten, was sich zugetragen hatte. "Ich habe keine Ahnung, was für eine Bande da draußen haust! Ich weiß nur, dass es keine Roten sind... Verdammt zahlreich und gut bewaffnet sind sie außerdem! Und jetzt haben sie auch noch die Beute aus dem Banküberfall bei sich..."

"Muss für diese Coyoten wie ein Geschenk des Himmels gewesen sein!", stellte Bill Peacock fest und nahm einen Schluck.

"Leider wurden die falschen damit belohnt!", erwiderte Jim hart. Jim verengte etwas die Augen, schien über etwas nachzudenken.

"Was spukt dir im Kopf herum, Jim?"

"Nur 'ne Kleinigkeit. Ist wahrscheinlich ohne Bedeutung."

Er sah an Peacock herab. Seine Uniform war ziemlich abgeschabt. An dem breiten Gürtel hingen Revolver und Säbel...

"Spuck's schon aus, Jim! Das hilft, glaub mir!"

Jim deutete auf den Säbel am Gürtel des Lieutenant Colonels.

"Es ist nur >deswegen>!", meinte er.

"Ich verstehe kein Wort, Jim!"

"Ganz einfach: Dein Säbel erinnerte mich daran, dass einer der Kerle, den ich abgeknallt habe, auch so ein altertümliches Ding trug!"

Ein Ruck ging durch Peacock.

"Was sagst du da?" Jeder Anflug von Müdigkeit war plötzlich von dem Kavallerie-Offizier abgefallen. Er schien hellwach und aus irgendeinem Grund geradezu alarmiert zu sein.

"Na, ich denke, du hast zugehört, Bill!"

Peacock atmete tief durch. "Habe ich auch... Bei dieser Gelegenheit muss ich dir sagen, dass ich gewissermaßen halb dienstlich hier bin."

"Ach, ja?"

"Wir lagern mit unserer Schwadron draußen vor der Stadt, einige Meilen flussaufwärts. Insgesamt hundert Mann!"

Jim sah sein Gegenüber ziemlich erstaunt an.

"Gegen wen wollt ihr denn in den Krieg ziehen?"

"Gegen eine Bande ehemaliger Südstaatler!"

"Du willst mich auf den Arm nehmen, Bill!"

"Ganz und gar nicht!"

"Der Bürgerkrieg ist mehr als anderthalb Jahrzehnte her!"

"Und für manche ist er immer noch nicht vorbei - wird er vielleicht auch in hundert Jahren noch nicht!" Bill Peacock nahm einen tiefen Schluck. Dann fuhr er fort:

"Major Cliff Bolder ging kurz vor der endgültigen Niederlage des Südens mit über dreihundert Mann nach Mexiko.

Zum Teil hatten sie wohl den Traum, dass sich das Blatt doch noch mal wenden könnte. Jedenfalls wurden sie nach und nach zu gewöhnlichen Verbrechern, die einen ganzen Landstrich beherrschten. Bolder führte sich wie eine Art Warlord auf, nahm Schutzgelder von den Hazenderos und paktierte mal mit den Kaisertreuen und mal mit den Revolutionären um Benito Juarez."

"Und jetzt?", fragte Jim. "Offenbar hat Bolder mit seinen Leuten das süße Leben jenseits der Grenze aufgegeben."

Peacock nickte. "Ja, zur Zeit sind die politischen Verhältnisse drüben in Mexiko ausnahmsweise mal relativ stabil...."

"Schlechte Zeiten also für Leute wie Bolder!", schloss Jim.

"So ist es. Er wurde mehr oder weniger hinausgeworfen."

"Und jetzt ist er hier..."

"Jim, an der Grenze wurden Dörfer geplündert. Die haben niemandem am Leben gelassen. Postkutschen, Frachtfahrer...

Die nehmen alles, was ihnen in die Hände fällt!"

"Und das sind immer noch dreihundert Mann? Kann ich mir kaum vorstellen."

"Wir wissen nicht genau wie viele Männer noch unter Bolders Kommando stehen. Vielleicht noch die Hälfte. Ein Teil hat ihn in den langen Jahren in Mexiko verlassen, dafür haben sich ihm andere angeschlossen. Kriminelle und Banditen, Pistoleros, die für ein paar Dollar einen Mord begehen...Kannst du dir ja denken!"

Jim nickte düster.

Was Peacock sagte, machte Sinn. Vermutlich war der Marshal mit seinem Aufgebot in den Sacramento-Mountains auf einen Teil der Bande getroffen.

"Was haben die hier vor?", fragte Jim.

Peacock zuckte die Achseln.

Er hielt Jarmus das Glas hin und dieser verstand die wortlose Aufforderung. Er schüttete dem Offizier nach.

"Wir glauben, dass sie einen Rückzugsort sichern, um von dort aus das zu tun, was sie auch schon in Mexiko getan haben. Schutzgelderpressung, Waffenhandel und so weiter.

Alles was Profit macht. Der Gouverneur hat eine Heidenangst davor, dass sie die Indianer mit Waffen beliefern."

"Nachdem sie die Beute aus dem Bankraub an sich gebracht haben, besitzen sie immerhin das nötige Kleingeld...", murmelte Jim. "Vor kurzem dürfte einer dieser Brüder hier auf der Riverdale Ranch gewesen sein. Ein ekelhafter Kerl, trug noch eine mottenzerfressene Südstaatenjacke..."

"Ja, manche dieser Männer tragen die Dinger wie heilige Reliquien!"

"Der Kerl war ziemlich schwierig. Ich musste ihn rauswerfen und hätte ihn um ein Haar erschossen!"

"Hättest du's mal getan, Jim!", meinte Peacock. "Dann wäre in den nächsten Tagen ein Gewehr weniger auf unsere Schädel gerichtet..."

"Ihr wollt sie also tatsächlich aus ihren Löchern holen!"

Peacock hob die Schultern.

"Befehl ist Befehl, Jim! So ist das bei uns nunmal." Er lächelte matt. "Übrigens bin ich nicht allein hier! Unser Fortkommandant dürfte noch in einem eurer Zimmer vor sich hinschnarchen. Ein Girl war ihm nicht genug, es mussten gleich zwei sein!"

"Du hast mir mal von ihm erzählt!"

"Für's erste ist der nicht transportfähig!"

"Soll er seinen Rausch hier ausschlafen!"

"Ich komme morgen und wecke ihn mit einem Eimer Wasser!", kündigte Peacock an. Dann schränkte er ein: "Aber vielleicht überlasse ich den Job auch Lieutenant Colonel Webster!" Er grinste. "Webster war übrigens auch hier auf Befehl vom Colonel! Der alte Paragraphenreiter ist allerdings schon längst wieder zurück im Lager!"

"Ich hoffe, er hatte trotzdem seinen Spaß!"

"Ich wette, du wirst ihn noch kennenlernen, Jim!", meinte Bill Peacock. Er wandte sich in Richtung des Ausgangs.

"Ich werde die letzten paar Stunden der Nacht zum Schlafen nutzen!"

9

Rex Montalban, der Besitzer des Happy Branch Saloons, schreckte aus dem Schlaf hoch, als an der Tür jemand klopfte. Er sah auf die Uhr an der Wand. Früher Morgen. Die ersten Sonnenstrahlen mussten bald über den Horizont kriechen.

"Was ist los?", maulte Montalban unwirsch.

Er war nackt.

Neben ihm in dem breiten Bett lag eine zierliche Chinesin.

Ihren Namen wusste er nicht genau. Sie war eines der Girls, die im Happy Branch arbeiteten. Auch sie war nackt. Rex hatte am Abend schnellen Sex mit ihr gehabt und war dann wohl eingeschlafen.

Aber jetzt war er hellwach.

Wieder klopfte es.

"Verdammt nochmal, wer ist da?"

Er stand auf, ging zu einem Stuhl, auf dem er seine Sachen abgelegt hatte. Montalban zog den Colt aus dem Holster, dass er über die Lehne gehängt hatte.

"Ich bin's!", murmelte eine Stimme auf der anderen Seite der Tür. Eine Frauenstimme.

Ein Muskel zuckte unterhalb der Narbe, die Montalbans Gesicht zeichnete. Der Ausdruck ungläubigen Staunens stand in seinen Zügen. Er ging zur Tür, schob den Riegel zurück und öffnete sie.

Der Lauf des Colts zeigte hinaus in den Flur.

Eine vermummte Frauengestalt stand dort. Sie trug einen Umhang über dem Kopf, den sie jetzt zurückgleiten ließ.

Das brünette Haar fiel ihr lang über die Schultern.

"Caroline!", stieß Montalban hervor.

Caroline blickte etwas spöttisch an Montalbans nacktem Körper hinab.

"Schön, dass du mich noch kennst, mein Lieber!", flüsterte das Girl von der Riverdale Ranch.

Montalban machte einen Schritt in den Flur hinein, blickte zu beiden Seiten und zog sie dann zu sich ins Zimmer hinein. Er schloss sofort die Tür.

"Verdammt, was machst du hier!", knurrte er, steckte dabei den Colt wieder in das Holster zurück. Seit langem traf sich Montalban mit ihr. Zumeist aber außerhalb der Stadt, an geheimen Orten. Denn von ihrer Beziehung durfte niemand etwas wissen. Caroline war ihm auf gewisse Weise hörig und daher Montalbans gefügige Spionin auf der Riverdale Ranch. Sie träumte davon, dass Montalban den neuen Besitzer der Riverdale Ranch endlich davonjagen und sie die Nummer eins auf der Ranch war. Aber das lag im Moment in weiter Ferne. Jim Dunston hatte sich als zäher Bursche erwiesen. Und so viele Killer und Gunslinger Montalban bislang auch auf den Marshal angesetzt hatte - bislang waren sie alle erfolglos geblieben.

"Ich dachte, du freust dich, mich zu sehen!", meinte Caroline etwas schnippisch. Ihr Blick fand jetzt die nackte Chinesin, die sich im Schlaf auf dem Bett räkelte. "Im Moment scheinst du ja ausgelastet zu sein!", meinte sie.

"Willst du mir jetzt hier eine Szene machen, oder was?"

Caroline zuckte die Achseln, deutete dann auf die Chinesin.

"Ich hätte gedacht, dass >so etwas> viel zu mager für dich ist!"

"Wieso bist du hier überhaupt hereingekommen?"

"Weil die Kerle, die für dich Wache halten sollen Schlafmützen sind, Rex!"

Montalban atmete tief durch. Er griff nach seiner Hose.

Carolines Gesicht verzog sich sich spöttisch.

"Lass das doch besser, Rex! Du wirst die Hose gleich sowieso wieder ausziehen müssen!"

"Ach, ja?"

"Ich weiß, dass du glaubst, dass >ich dir> hörig bin..."

Montalban grinste. "Ist doch auch so..." Selbst nachdem er sie mit einer Peitsche misshandelt hatte, war sie zu ihm zurückgekommen. Welches Beweises hätte es also noch bedurft?

Caroline lächelte stolz, hob das zarte Kinn dabei.

"Umgekehrt ist es doch genauso -—auch wenn du das nie zugeben könntest!"

"Vergiss es, Baby!"

"Und wenn ich schonmal hier bin, wirst du mir nicht widerstehen können, Rex..."

Montalban zog die Hose über die Hüften, schnallte sich den Gürtel zu.

"Du kommst ungelegen..."

"Ich habe dir etwas Wichtiges zu sagen. Etwas, was du wissen solltest und dir vielleicht helfen wird, deinen größten Feind endlich zur Strecke zu bringen!" Montalban hob die Augenbrauen. Dann ging er zu der Chinesin, trat neben sie ans Bett und rüttelte sie ziemlich grob wach. Mit einem erschrockenen Aufstöhnen fuhr sie aus dem Schlaf, wischte sich dann das blauschwarze Haar aus dem feingeschnittenen, mandeläugigen Gesicht.

Montalban packte sie am Arm, zog sie auf die Füße.

"Verschwinde!", knurrte er, obwohl sie nicht genug Englisch konnte, um ihn zu verstehen. Aber die Bedeutung dessen, was er sagte, war auch so unmissverständlich klar.

Montalban raffte ihre Kleider vom Boden auf, drückte sie ihr in die Hand.

Sie presste sie vor die Brust, bedachte Caroline mit einem fragenden, irritierten Blick.

Montalban schob sie dann zur Tür hinaus auf den Flur.

"Du hast Glück!", sagte er dann an Caroline gerichtet. "Die Chinesin wird dich vielleicht wiedererkennen, aber sie kann mit niemandem darüber sprechen!"

"Ich hasse dieses Theaterspiel!"

"Jetzt komm zur Sache, Baby! Du wolltest mir etwas sagen..."

"Es lagern Soldaten in der Nähe am Rio Bonito..."

"Ja, ich weiß. Ein paar davon haben sich im Happy Branch ganz jämmerlich besoffen!"

"In den Sacramento Mountains soll sich ein gewisser Major Cliff Bolder eingenistet haben. Ein ehemaliger Südstaatenoffizier, den man mit seiner Bande wohl aus Mexiko vertrieben hat. Angeblich soll der versuchen, den Waffen-und Mädchenhandel an sich zu reißen. Und noch vieles mehr!"

Montalbans Gesicht verdüsterte sich.

"Und die Army ist deswegen hier?"

"Ja, Rex! Ich weiß es vom Fortkommandanten persönlich.

Colonel Elias MacShane."

Montalban hob die Augenbrauen. "Der lebt noch? Ich dachte, der hätte sich längst totgesoffen oder wäre an den Folgen körperlicher Auszehrung gestorben. Da gibt es ja wüste Legenden über das, was der Kerl sich so zumutet..."

Caroline lächelte hintergründig. "Die Legenden kommen der Wirklichkeit ziemlich nahe, Rex!", murmelte sie.

In Montalbans Kopf begann es zu arbeiten.

Wenn es stimmte, was Caroline ihm da gesagt hatte, dann musste er schleunigst mit diesem Bolder Kontakt aufnehmen.

Er hatte den Namen Bolder hin und wieder gehört, wenn irgendwelche Schreckensmeldungen aus Mexiko die Runde machten. Da Montalban selbst im Waffen- und Mädchenhandel aktiv war, betrafen ihn die Pläne des Ex-Majors direkt.

Er musste mehr darüber erfahren, um seine eigenen Interessen wahren zu können. An die Möglichkeit, dass die Army im Schnellverfahren mit der Bolder-Bande fertig wurde, glaubte er jedenfalls nicht. Wenn Bolders Leute sich die Sacramento-Mountains als Rückzugsgebiet ausgesucht hatten, konnte es unter Umständen Jahre dauern, bis die letzten dieser Banditen eingefangen waren.

Vielleicht kann ich sie als Verbündete gegen Dunston gewinnen!, dachte er. Zumindest ihre besten Revolverleute konnte er für gute Dollars abwerben, so hoffte er jedenfalls. Er musste dringend mit Franklin Coldwater reden, dem Besitzer einer Kette von Stores in der Gegend, der gleichzeitig Bürgermeister von Lincoln war. Coldwater war ebenso an Jim Dunstons Beseitigung gelegen wie Montalban. Das verband die beiden Männer.

Aber im Moment war es noch viel zu früh, auch nur den kleinen Finger zu rühren.

"Lass mehr über die Sache hören, Caroline!", forderte Montalban. "Der versoffene Sack MacShane wird sicher noch 'ne ganze Menge interressantes Zeug ausgeplaudert haben!"

Aber Caroline sagte nur ein einziges Wort.

"Später!", säuselte sie.

Die junge Frau war längst damit beschäftigt, sich auszuziehen. Stück um Stück landeten ihre Kleider verstreut in der Umgebung. Schließlich war sie vollkommen nackt.

Montalban musste unwillkürlich schlucken. Er konnte gar nicht anders. Seine hungrigen Blicke verschlangen die junge Frau regelrecht.

Er atmete tief durch.

Sie trat an ihn heran.

Er spürte bereits wie es in seiner Hose eng wurde und verfluchte sich innerlich bereits dafür, sie überhaupt angezogen zu haben.

Carolines geschickte Hände strichen über seine Haut, strichen über seine Schultern und glitten dann tiefer.

Sie nestelte an seiner Hose herum.

Einen Augenblick später streifte sie das Kleidungstück über seine Hüften und ließ es hinabgleiten.

Sie lächelte überlegen und das gefiel ihm nicht.

"Hab ich dir das nicht gleich gesagt!"

"Ich glaube, du brauchst mal wieder die Peitsche!", sagte er düster.

Aber es fiel ihm bereits schwer, sich zu konzentrieren, den Carolines Hände waren zwischen seine Beine gewandert und hatten alles perfekt im Griff.

"Ja, komm! Gib mir die Rute!", hauchte sie.

Er konnte nicht mehr an sich halten, packte sie und hob sie hoch. Dann warf er sie auf das Bett. Er stürzte sich auf sie. Mit schnellen heftigen Stößen drang er in sie ein.

Sie stöhnte auf. Dann lächelte sie hintergründig.

"Willst du mich diesmal gar nicht mit dem Revolver bedrohen?"

"Was redest du da?"

"Oder mit der Peitsche?"

"Halt den Mund!", keuchte er.

Ein spöttischer Zug trat in ihr Gesicht. Gleichzeitig glänzten die ersten Schweißperlen auf ihrer Stirn. Aber sie war sich andererseits sicher, dass sie die Lage noch wesentlich mehr im Griff hatte als Rex Montalban.

"Ich dachte, du kannst überhaupt nicht ohne diese Spielchen!"

"Wie du siehst, stimmt das nicht!"

"Ja -—ich bin erstaunt! Aber wahrscheinlich willst du jetzt nur den Krach vermeiden..."

Er fasste sie bei den Pobacken, zog sie zu sich heran. Sie hielt ihm das Becken entgegen. Das Bett ächzte nur so. Dann endlich entlud er sich in ihr. Er stieß dabei grunzende, fast tierhafte Laute aus, rang nach Atem. Sein von einer Messernarbe entstelltes Gesicht lief rot an. Hinter der Narbe pulsierte eine Ader.

Caroline barg seinen Kopf zwischen ihren ansehnlichen Brüsten.

Ein triumphierendes Lächeln ging über ihre Lippen.

Er denkt, dass er mich benutzt, dachte sie. Aber vielleicht ist es ja auch genau umgekehrt, ...

Er rollte schließlich von ihr herunter.

Nicht der Hauch von Müdigkeit machte dem Saloonbesitzer jetzt zu schaffen. Sein Gesicht wirkte angestrengt. Er schien intensiv nachzudenken.

"Jetzt erzählst du mir jedes Detail, was du aus dem alten rothaarigen Bock herausgebumst hast, Schätzchen!"

"Erst möchte ich wissen, mit wem dir der Sex mehr Spaß macht - mit der Chinesin oder mit mir?"

Caroline räkelte sich wohlig auf dem Bett.

Montalban begann sich anzuziehen.

"Na, mit dir natürlich!", behauptete er.

"Das klang mir irgendwie nicht überzeugend genug!"

Seine Stimme bekam einen gereizten Unterton. "Hör zu, ich mag's nicht, wenn man mich hinhälst!"

"Bei anderer Gelegenheit hattest du nicht das Geringste dagegen!", erinnerte sie ihn.

Ein grausames Lächeln erschien in Montalbans entstelltem Gesicht. Er hatte die Hose bereits angezogen, jetzt schnallte er sich den Revolver um die Hüften. Seine Hand griff zur Waffe, zog sie blitzschnell heraus. Er legte auf sie an, spannte den Hahn.

"Okay, Baby, du hast offenbar unsere üblichen Spielchen vermisst!"

Sie sah sah ihn ärgerlich an, stützte sich mit den Armen auf. Ihr Atem ging heftiger und ihre Brüste hoben und senkten sich dabei.

"Lass doch den Mist!", murmelte sie.

Er brannte einen Schuss direkt neben sie in die Kissen.

Die zerbrechlich wirkende junge Frau zuckte zusammen. Die Federn wurden emporgeschleudert und segelten langsam wieder zu Boden.

Jetzt wurde Caroline ziemlich ärgerlich.

"Bist du verrückt geworden, du Bastard?"

"Nicht verrückter als du, Caroline!"

"Verfluchter Hund!"

"Ja, nur zu! Ich mag es, wenn du richtig Feuer speist, du kleiner Drachen!"

Ein zweiter Schuss senkte sich genau zwischen ihren leicht gespreizten Schenkeln in die Matratze.

Caroline erstarrte.

Ihr hübsches Gesicht verlor jeglichen Rest an Farbe.

Sie war einiges von Montalban gewohnt. Wochenlang war sie mit einem Peitschenstriemen um den Hals herumgelaufen, und ihre Kolleginnen auf der Riverdale Ranch hatte sie schon mit Fragen gelöchert, wie es >dazu> gekommen war. Aber dies hier setzte nun wirklich allem die Krone auf.

"Hör auf damit! Bitte!", zeterte sie.

Sie wusste genau, dass er erst dann Ruhe geben würde, wenn sie am Boden war, ein zitterndes Nervenbündel. Wie oft schon hatte er sie bis dahin getrieben.

Rex Montalban ließ die Waffe wieder ins Holster zurückgleiten.

Ein zufriedenes Grinsen stand in seinen Gesichtszügen.

"Perverses Schwein!", zischte Caroline.

Montalban begann damit, sich das Hemd überzuziehen. Mit seinen ungeschickten Prankenfingern hatte er ein paar Probleme mit den Knöpfen. "Nun mach schon, Baby!", forderte er sie auf. "Ich will wirklich alles hören..."

Draußen auf dem Flur waren jetzt Schritte zu hören.

"Heh, Boss, was ist los?", rief eine vertraute Stimme.

Sie gehörte Reilly, einem der Gunslinger, die Montalban sowohl für seinen persönlichen Schutz als auch für allerlei schmutzige Aufträge bei sich angestellt hatte.

"Alles in Ordnung, Reilly!", rief Montalban lachend durch die Tür. "Ich wollte nur mal ausprobieren, wie schnell du hier bist, wenn mir einer ans Leder will! Aber komm nicht auf den Gedanken, dich wieder auf's Ohr zu hauen! Ich habe nämlich einen wichtigen Auftrag für dich!"

"Worum geht's denn, Boss?"

"Erklär ich dir später. Du kannst schonmal dein Pferd satteln und ein bisschen Proviant zusammenstellen..."

10

"Achtung!", brüllte Captain Joe Davis über den Lagerplatz.

Die Männer von Fort Stanton waren angetreten. Annähernd hundert Soldaten. Einigen schwirrte noch der Kopf von der letzten Nacht. Schließlich hatten die meisten von ihnen ihren Sold in die Saloons von Lincoln getragen.

"Lager aufräumen und fertigmachen zum Aufbruch!", verkündete Captain Davis den Tagesbefehl.

Er ließ die Männer wegtreten. Dann wandte er sich an Peacock und Webster, die etwas abseits standen. Er grüßte die beiden Lieutenant Colonels militärisch-zackig.

"In der Hitze, die wir zu erwarten haben, sollten sie das nicht übertreiben!", meinte Bill Peacock. "Soll hin und wieder vorkommen, dass einer, der das nicht beachtet, vom Hitzschlag getroffen wird..."

"Ja, Sir!", bellte Davis.

Peacock schmunzelte.

Webster wies ihn an, bequem zu stehen.

"Ich schätze, wir werden in einer Stunde abmarschbereit sein!", meinte Davis. "Wenn es sein muss auch schneller..."

"Das hat keine Eile", meinte Peacock.

Davis hob die Augenbrauen.

"Wie darf ich das verstehen, Sir?"

Peacock und Webster sahen sich an.

"Sagen Sie's ihm, Webster!", forderte Peacock dann seinen Offizierskollegen auf. Er grinste über das breite Gesicht.

"Sie können derartige Peinlichkeiten immer am vornehmsten ausdrücken..."

Webster hüstelte.

"Nun, wir müssen auf den Kommandanten warten..."

Davis hatte Mühe ein Grinsen zu unterdrücken.

"Verstehe, Sir. Muss ein Krankentransport von einem der Saloons in der Stadt aus organisiert werden oder von dieser...", er zögerte, ehe er weitersprach, "...dieser

>besonderen> Ranch aus, von der man in Lincoln jeden reden hört."

Captain Joe Davis hatte es ziemlich unverblümt auf den Punkt gebracht.

"Danke, aber ich hoffe, er kann sich irgendwie auf einem Pferd halten!", beeilte sich Webster mit seiner Antwort.

Peacock lachte respektlos auf. "Andernfalls binden wir ihn fest!"

"Bill!", tadelte Webster.

Dann machte er eine wegwerfende Handbewegung. "Ist ja auch gleichgültig. Jedenfalls dauert es noch etwas, Captain.

Allerdings glaube ich auch nicht, dass die Bolder-Bande uns davonlaufen wird..."

"In Mexiko muss man ihnen ja wohl ziemlich die Hölle heiß gemacht haben", kommentierte Peacock. "Andernfalls wären Bolder und seine Leute doch nie zurückgekehrt."

"Oder Bolder hat den Verstand verloren", sagte Davis.

Bill Morrcock nickte. Dann fragte er an Davis gewandt:

"Warum waren Sie eigentlich nicht auf der Riverdale Ranch?"

"Ich pflege meinen Sold etwas dauerhafter anzulegen!", erwiderte Davis.

Peacock hob die Schultern. "Sie haben was verpasst, Captain! Das dürfte feststehen! Übrigens habe ich mich noch mit Jim Dunston unterhalten. Sie, Webster hatten da bereits den Heimweg angetreten. Offenbar ist er auf seiner Jagd nach ein paar Banditen mit Bolders Leuten zusammengetroffen..."

In Websters Augen blitzte es plötzlich.

"Dann könnte er uns vielleicht zeigen..."

"Wo wir den Kerl finden?" Peacock machte ein skeptisches Gesicht. "Zumindest könnte er uns zeigen, wo wir mit der Suche anfangen könnten..."

11

Elias MacShane wankte die Freitreppe in der Eingangshalle der Riverdale Ranch hinab. Auf mehr oder weniger geradem Weg ging er dann auf die Schwingtüren zu, durch die man in die Bar gelangte.

Jim Dunston und Franny Watson saßen an einem der Tische und frühstückten. Der gierige Blick, den der Colonel in ihre Richtung wandte, galt wohl in erster Linie den Eiern mit Speck, die auf dem Tisch standen.

MacShane drehte sich zu Jarmus O'Mahoney herum. "Machen Sie mir bitte genau dasselbe wie den beiden dort!", forderte er.

"Sehr wohl, Colonel MacShane."

"Aber löschen Sie den Speck bitte mit Whisky ab und stellen Sie mir eine Flasche davon auf den Tisch."

"Wenn Sie der Meinung sind, dass Ihnen das bekommt, Sir!"

MacShane ließ die flache Hand auf den Schanktisch sausen, dass es krachte.

"Dieser Meinung bin ich in der Tat!", dröhnte er.

Dann wandte er sich Jim Dunston zu, kam mit langsamen, noch etwas unsicheren Schritten an seinen Tisch.

Die letzte Nacht musste ihn körperlih wohl doch etwas mehr beansprucht haben, als er ursprünglich gedacht hatte.

"Sie gestatten, wenn ich mich zu Ihnen setze?"

MacShane wartete die Antwort des Marshals gar nicht ab, nahm sich einfach einen Stuhl und drehte ihn herum.

Rittlings setzte er sich darauf. Offenbar half ihm das dabei sich aufrecht zu halten.

MacShane rülpste ungeniert, schloss für einige Augenblicke die Augen.

"Ist Ihnen nicht gut, Colonel?", fragte Franny.

"Im Gegenteil. Es war mir schon lange nicht mehr so gut wie heute! Schade, dass wir strikten Befehl haben aufzubrechen..." Er öffnete die Augen, wandte Franny einen begehrlichen Blick zu. "Allerdings habe ich immer empfunden, dass Befehle gewissermaßen Auslegungssache sind..." Er wandte den Blick an Jim Dunston, musterte ihn. "Sie sind der Marshal..."

"Ja."

"Dunston oder so ähnlich."

"Stimmt genau."

"Ich habe 'ne Menge von Ihnen gehört."

"Nur Gutes, wie ich hoffe!"

"Was denken Sie denn!", grinste er. "Übrigens gut, dass ich Sie hier treffe, Dunston! Ich muss nämlich noch mit Ihnen reden..."

"Nur zu!"

"Es ist gewissermaßen dienstlich..."

Jim konnte sich denken, worum es ging. Um die Bolder-Bande. Aber der Marshal hütete sich davor, auch nur eine einzige Silbe darüber herauszulassen. Schließlich konnte Jim ja nicht wissen, ob Bill Peacock überhaupt mit ihm darüber hatte reden dürfen.

Und einen Freund in Schwierigkeiten bringen, das war nun wirklich das Letzte, was Jim Dunston beabsichtigte.

MacShane wollte gerade anfangen zu reden, da stutzte er und brach ab.

Von draußen war das Geräusch galoppierender Pferde zu hören. Wenig später wurde es von den Trittlauten abgelöst, die Army-Stiefel auf dem Holzboden in der Eingangshalle des Ranchhauses verursachten.

Die Schwingtüren der Bar flogen auseinander.

Webster und Peacock traten ein.

Sie trugen bereits ihre volle Ausrüstung, inklusive Revolver und Säbel. Als die beiden Offiziere Ihren Kommandanten sahen, wirkten sie erstaunt.

MacShane drehte sich zu ihnen herum.

Jarmus stellte dem Colonel inzwischen eine Pfanne mit Eiern und Speck auf den Tisch. Wie gewünscht mit Whisky abgelöscht. Daneben stellte der ehemalige Butler eine volle, gerade entkorkte Flasche.

"Peacock! Webster! Sehen Sie mich nicht so an, als wäre ich ein kriegerischer Mescalero-Häuptling, der Ihnen gerade erzählt hat, das er Pferde lieber isst, anstatt darauf zu reiten..."

Die beiden Offiziere näherten sich dem Tisch.

Selbst der eher legere Peacock wirkte jetzt etwas steif.

"Nun, Sir, wir...", begann Webster zu stottern.

"Sie beide haben es nicht für möglich gehalten, dass ich es schaffe, heute früh aus eigener Kraft auf die Beine zu kommen, was?", erriet MacShane die Gedanken seiner Leute.

Peacocks Grinsen wirkte schwach.

"Wir dachten halt: Sehen wir besser mal nach!"

MacShane nahm einen Schluck aus der Whiskyflasche.

"Gentlemen, Ihre Fürsorge weiß ich zu schätzen!", meinte er dröhnend. "Sie sehen allerdings, dass sie volkkommen überflüssig war. Und das, obwohl ich ja das doppelte Pensum von Ihnen beiden zu bewältigen hatte!" MacShane kicherte.

"Sind ganz schön rangegangen, die beiden Ladies... Aber so mag ich es ja!"

Websters Gesicht lief rot an.

Peacock mischte sich in das Gespräch ein und versuchte, es auf ein unverfänglicheres Terrain zu lenken.

"Jim Dunston ist vermutlich mit Bolder-Leuten zusammengetroffen..."

MacShane sah Jim mit schmale Augen an. "Sie? Erzählen Sie mal!"

Jim fasste ihm die Geschichte knapp zusammen und beschrieb ihm den Ort, an dem er den Kerl mit Säbel erschossen hatte.

MacShane machte ein nachdenkliches Gesicht.

"Das könnte die Bolder-Bande gewesen sein. Deswegen hätte ich ohnehin noch mit Ihnen sprechen und Sie warnen wollen.

Wäre ja wohl nur eine Frage der Zeit, wann diese Brüder ihre dreckigen Hände nach dieser Stadt ausstreckten."

"Diese Hunde haben die Leute meines Aufgebots eiskalt abgeknallt!", murmelte Jim düster. "Das hat mir ziemlich zugesetzt, das können Sie mir glauben, Colonel."

"Glaube ich sofort." Der Colonel beugte sich etwas vor und verschränkte die Arme auf der Stuhllehne. Sein Hunger auf Eier und Speck schien im Moment nicht mehr so wichtig für ihn zu sein. "Wenn Sie Lust haben, können Sie uns begleiten, Dunston! Ich würde das jedenfalls begrüßen. Sie kennen sich in der Gegend aus..."

"Bestimmt nicht besser als Sie!"

MacShane lachte dröhnend. "Aber Sie sind den Kerlen schonmal begegnet. Was Sie mir geschildert haben sieht wirklich ganz nach Cliff Bolder und seinen Bluthunden aus...

Also wenn jemand meine Männer so kaltblütig niedergestreckt hätte, wie Sie mir das von Ihrem Aufgebot geschildert haben..." MacShane schüttelte sich. "Teufel nochmal, ich würde bis ans Ende der Welt ziehen, um die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen!"

"Ich werde Ihr Angebot annehmen, Colonel!", kündigte Jim an.

Franny versetzte ihm einen Stoß mit dem Ellbogen.

"Jim, das ist nicht dein Ernst!"

"Klar, ist das mein Ernst. Ich muss Gefahren von der Stadt abwehren..."

"Und wer sorgt hier dafür, dass die Mäuse nicht auf dem Tisch tanzen, wenn die Katze weg ist?"

"Für 'ne Weile wird das gehen."

MacShane schien zufrieden zu sein. Er wandte sich wieder den Eiern mit Speck zu und stopfte ein paar gewaltige Happen davon in sich hinein. Mit vollem Mund meinte er dann: "Sie haben doch sicher auch einen Assistant Marshal, der Sie vertreten kann!"

"Sicher hat er den!", sagte Franny und verdrehte dabei die Augen. "Ein wahrer Held ist das - und ein meisterhafter Schrotschütze! Die Banditen haben richtig Angst vor dem Alten!"

"Also ein Mann, der alles im Griff hat!", witzelte Peacock.

Aber Jim Dunston ließ nichts auf seinen Assistant kommen.

"Er ist ein anständiger Kerl. Und diese Hunde hätten auch ihn um ein Haar umgebracht... Verdammt, ich bin es den Männern, die sich dem Aufgebot angeschlossen hatten, einfach schuldig, dass ich ihre Mörder jage. Allein hätte ich nicht den Hauch einer Chance, das ist mir wohl klar. Aber mit einer Kavallerieschwadron im Rücken sieht die Sache anders aus..."

"Sie gefallen mir, Dunston!", meinte MacShane. Weil er den Mund voll hatte, fiel ihm einiges an Ei und Speck wieder heraus. Ihn störte das nicht. Er wischte sich mit dem Ärmel der Uniformjacke über den Mund. Die Ärmelaufschläge waren voller Flecken, die davon zeugten, dass das eine von MacShanes üblen Angewohnheiten sein musste. Der Colonel wandte sich an Webster. "Wann sind die Männer zum Aufbruch bereit?"

"In einer Stunde!"

"Okay!", murmelte der Colonel. "Gentlemen, wenn Sie also noch etwas dringendes zu erledigen haben, dann sollten Sie das jetzt tun! Wer weiß, wann Sie das nächste Mal Gelegenheit dazu bekommen..."

Jetzt meldete sich Franny zu Wort.

"Eines sage ich Ihnen, MacShane, wenn Sie mir Jim ramponiert zurückbringen, bekommen Sie hier keinen Drink mehr auf der Riverdale Ranch! Von anderen Vergnügungen mal ganz abgesehen!"

MacShane hob erstaunt die Augenbrauen. Frannys Selbstbewusstsein setzte ihn für einen Moment außer Gefecht.

Als Colonel und Fortkommandant war er es ohnehin nicht gewohnt, dass ihm jemand Contra gab.

Aber er gewann seine Fassung schnell wieder.

"Ma'am, ich werde Ihren Jim von einem ganzen Dutzend Kavalleristen in die Mitte nehmen lassen, damit ihm nichts passiert!"

12

Eine Viertelstunde später war MacShane mit seinen beiden Offizieren in Richtung des Army-Lagers am Flussufer davongeritten. "Seien Sie pünktlich, Dunston, sonst geht es ohne sie los!", hatte MacShane dem Marshal noch zugerufen.

Jim Dunston war inzwischen damit beschäftigt, sein Pferd zu satteln. Sorgfältig schnallte er die Riemen fest und befestigte den Scubbard, in dem eine Winchester 73 steckte.

Die Tür zum Stall öffnete sich, knarrte dabei etwas.

Franny kam herein.

Sie hatte die Satteltaschen über der Schulter, die sie mit Proviant gefüllt hatte.

Sie warf sie Jim zu. Der Marshal fing sie auf, legte sie dem Gaul über den Rücken.

Dann trat Franny auf Jim zu, schlang ihre Arme um seinen Nacken und zog ihn zu sich herab. Ihe Lippen fanden sich.

Sie küßten sich voller Leidenschaft, so als wollten sie sich gegenseitig geradezu verschlingen.

Atemlos hielten sie schließlich inne. Franny sah ihn auf eine Weise an, die Jim Dunston nur zu gut kannte.

"Ich denke, die Soldaten werden kaum im wilden Galopp in die Sacramento-Mountains reiten!", hauchte sie. "Schließlich müssen sie die Pferde schonen und nicht gleich auf der ersten Etappe zu Schanden reiten..."

Jim lächelte mild.

"Worauf willst du eigentlich hinaus?"

"Darauf, dass wir es noch nie im Stall gemacht haben!"

"Du weißt, dass MacShane Wert auf Pünktlichkeit legt!"

"MacShane legt auf ganz andere Dinge Wert, Jim. Er würde dich sofort verstehen..."

Sie begann an seinem Hemd herumzunesteln, es aufzuknöpfen. Ihre Hand fuhr sanft über seine Haut. Sie atmete tief. Jim blickte auf ihre Brüste, die deren Spitzen durch das dünne Hemd hindurchdrückten, das sie heute trug.

"Du hast doch bereits Übung darin, hinter der Truppe her zu reiten und sie dennoch einzuholen, Jim!"

"Beim letzten Mal ist die Sache ziemlich schief gegangen!"

"Nur, weil ihr zuwenig wart! Außerdem..."

"Ja?"

"Du kannst mir sowieso nicht wiederstehen!"

Sie löste sich von ihm, begann ihr Hemd aufzuknöpfen.

Augenblicke später glitt es über ihre Schultern.

Ihre vollen Brüste reckten sich ihm entgegen. Sie näherte sich wieder, schmiegte sich gegen ihn und begann damit, auch ihm das Hemd über die Schultern zu ziehen.

"Verdammt, du hast recht, Franny!"

"Ich weiß..."

Ein Kleidungstück nach dem anderen landete im Stroh.

Sie streifte sich die enge Jeans über die Hüften und ließ sie dann zu Boden gleiten. Jim hob sie empor. Sie schlang den Arm um seine Schulter. Eine der Pferdeboxen war frei. Es lag genug Heu und Stroh dort, um ein weiches Lager zu haben.

Vorsichtig legte Jim die schöne Frau auf den Boden. Sie umfasste ihn in Höhe der Taille, begann an seiner Hose herumzunesteln und schaffte es schließlich, sie ihm über den Po zu streifen.

Augenblicke später trug keiner der beiden noch eine Textilfaser am Leib.

Jim küsste sie am ganzen Körper. Mit der Zunge spielte er mit ihren aufgerichteten Brustwarzen. Franny stöhnte lustvoll dabei auf. Längst hatte die aufkeimende Erregung sie beide davongerissen.

"Oh, Jim! Keiner kann das so wie du!"

"Hauptsache, du vergisst das nicht, Baby!"

"Keine Sorge..."

Franny schlang ihre Beine um seinen Po. Er glitt in ihre feuchte Wärme hinein. Ihre Brüste drückten sich gegen seinen Oberkörper. Langsam bewegte sich Jim vor und zurück. Gerne ließ er sich dabei von Frannys langen Beinen fachkundig dirigieren.

Nach und nach steigerten sie das Tempo.

Franny atmete tief. Jim liebkoste mit dem Mund ihre Brüste, während er vor- und zurückglitt.

Immer schneller wurde das Tempo.

Das brennende Lustgefühl steigerte sich. Keuchend erreichten sie dann den Höhepunkt. Franny zog seinen Kopf zu sich. Sie atmeten beide schnell. Es dauerte einige Augenblicke, bis sie wieder zu Atem kamen.

Schließlich wollte Jim aus ihr herausgleiten, um sich anzuziehen.

"Hiergeblieben!", flüsterte sie. Ihre Stimme hatte jetzt ein sehr dunkles erotisches Timbre.

"Glaub mir, ich würde nichts lieber tun als das!"

"Lügner!"

Einige Augenblicke noch genoss Jim die Wärme ihres formvollendeten Körpers. Er spürte ihre warmen Brüste auf seiner Haut, ihre Beine hielt ihn fest. Sie war als ehemaliges Cowgirls natürlich hervorragend trainiert, nicht nur, was ihre Arme und Beine anging.

"Pass auf dich auf, Jim!", flüsterte sie dann.

"Die Sache wird nicht gefährlicher, als vieles andere, was sich inzwischen hier um die Riverdale Ranch herum zugetragen hat!"

"Ja, ich weiß! Trotzdem..."

Schließlich schaffte es Jim, sich zu befreien. Er stand auf, sammelte seine Hose vom Boden auf und zog sie wieder an. Bevor er die Box verließ, drehte er sich zu ihr um, betrachtete ihren aufregenden Körper.

"Überleg's dir, Jim. Du weißt, dass ich für dich immer offen bin!"

Jim grinste.

"In jeder Hinsicht, ich weiß!"

"Allerdings!"

13

Bevor Jim zum Lager der Kavalleristen ritt, führte ihn sein Weg noch nach Lincoln. Schließlich musste er seinen Assistant Marshal von der neuen Lage in Kenntnis setzen.

Doug Crayne war alles andere als begeistert davon, ein paar Tage ohne die Hilfe seines Chefs auskommen zu müssen. Aber andererseits verstand er Jim Dunstons Beweggründe sehr gut.

Schließlich hatte auch Doug hautnah miterlebt, wie die unbekannten Banditen, bei denen es sich wahrscheinlich um Angehörige der Bolder-Bande handelte, das Aufgebot erbarmungslos niedergemetzelt hatten.

Als Jim den Lagerplatz am Rio Bonito erreichte, waren die Männer von Fort Stanton schon aufgebrochen. Die Stelle, an der sie gelagert hatten, war sofort zu erkennen. Jim folgte den Spuren.

Etwa eine Stunde später holte Jim die Kavallerie-Schwadron ein. Der lange Zug von Reitern war überhaupt nicht zu übersehen.

Immer zu zweit nebeneinander zogen sie dahin.

Jim ließ seinen Gaul galoppieren, bis er auf Höhe des Colonels war.

MacShane grinste, als er Jim bemerkte.

"Schön, dass Sie uns doch noch gefunden haben, Sir!", meinte er.

"Ich wurde kurzfristig... aufgehalten!", versuchte Jim die Sache zu erklären.

In MacShanes Augen blitzte es. "Kann ich mir gut vorstellen!", lachte er dann. "Von den Girls auf Ihrer Ranch ließe ich mich auch jederzeit aufhalten! Selbst wenn die Mescaleros auf dem Kriegspfad wären und schon die Palisaden von Fort Stanton überwunden hätten!"

"Sie denken wohl nur an das eine, Colonel!", meinte Jim.

"Sie nicht?"

Jim zuckte die Achseln. "Zwischendurch wird man eben durch wichtigere Dinge davon abgelenkt!"

MacShane verschluckte sich fast vor Lachen.

Dann griff er zu der Feldflasche an seinem Sattelhorn. Er führte sie zum Mund und nahm einen gewaltigen Schluck.

Dann bot er sie Jim an.

"Bester Kentucky-Bourbon!", meinte er.

"Ich dachte, so etwas trinkt ein echter Ire nicht!", stichelte Bill Peacock, der ganz in der Nähe ritt.

MacShane verzog das Gesicht zu einer Grimasse.

"Was soll man machen, wenn man in einem Land lebt, in dem es nichts wirklich Edles zu trinken gibt!"

Jim Dunston lehnte das Angebot ab, eine Schluck aus der Feldflasche zu nehmen.

Bei der zu erwartenden Hitze konnte er auf einen Brumm-schädel gut verzichten. Was hingegen Elias MacShane anging, so schienen für den Colonel in dieser Hinsicht die Naturgesetze nicht zu gelten.

"Ich werde ein paar Männer als Kundschafter vorausschicken!", meinte MacShane. "Schließlich ist es immer ganz gut zu wissen, was auf einen zukommt!"

"Sie sagen es", nickte Jim.

"Wird sicher 'n hartes Stück Arbeit werden, diesen Bolder und seine Leute aus ihren Löchern herauszuholen."

"Wenn er klug ist zieht er sich zurück, wenn er Ihre Leute sieht!", meinte Jim.

MacShane lachte auf.

"Sie gehen von einer falschen Voraussetzung aus."

"So?"

"Bolder ist nicht >klug>. Jedenfalls nicht in dem Sinn, wie Sie das meinen."

"Erklären Sie mir das!"

"Bolder ist grausam. Aber er scheut kein Risiko für sich selbst. Das ist einer der Vabanque spielt, alles auf eine Karte setzt. Und dabei nimmt er weder auf sich noch auf seine Leute irgendeine Rücksicht. So soll er schon gewesen sein, als er noch eine Kavallerieeinheit der Konföderierten befehligte."

Bill Peacock mischte sich jetzt in das Gespräch ein. "Man erzählt sich eine Menge eigenartiger Geschichten über Bolder. Angeblich soll er mit seinen Leuten bis hinunter nach Guatemala geritten sein. Die Hälfte seiner Leute hat er in den Dschungeln von British-Honduras verloren, als er dort ein paar Banken ausgeraubt hat..."

"Ich kann's kaum erwarten, ihn kennenzulernen", meinte Jim.

MacShane winkte ab.

"Meine Neugier hält sich in Grenzen... Er mag mal ein Offizier mit Ehre gewesen sein, aber jetzt unterscheidet ihn in meinen Augen nichts mehr von so viele anderen Galgenvögeln, die durchs Land ziehen."

"Nur, dass die meisten zum Glück keine kampferprobte Kavallerieschwadron befehligen!", sagte Webster.

MacShane zuckte die Achseln. "Wer weiß, wie viele von Bolders Leuten wirklich schon zur ursprünglichen Mannschaft gehörten... Aber unglücklicherweise scheint dieser Mann eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf das Gesindel auszuüben, das sich so herumtreibt."

14

Bis zum späten Nachmittag quälte sich die Kavallerieeinheit durch die karge Landschaft der Sacramento-Mountains, ohne, dass irgend etwas Außergewöhnliches geschah. Die Luft flimmerte. Den größten Teil ihres Weges verbrachten die Männer schweigend in ihren Sätteln. Die Hitze lähmte einfach jeden Gedanken, machte träge und verbreitete eine Art Agonie.

Zwischendurch kehrten die ausgesandten Scouts zurück.

Sie meldeten immer wieder dasselbe.

Keine Spur von Bolders Leuten.

Das blieb so, bis sie jene Schlucht erreichten, in dem Jim Dunston und Doug Crayne zusammen mit dem Aufgebot aus Cowboys der LD-Ranch gegen die Angreifer gekämpft hatten.

Um die Toten hatten sich inzwischen die Geier gekümmert.

Ein furchtbarer Anblick, der selbst so manchem hartgesottenen Kavalleristen gehörig in die Knochen fuhr.

"Wir sollten anhalten und den Toten ein anständiges Begräbnis geben", fand Aaron Webster.

Und er fand dabei MacShanes Zustimmung.

"Sie haben recht, Webster! Lassen Sie anhalten."

"Sollen wir sie...>alle> begraben? Oder nur die Männer des Aufgebots?"

MacShane nahm einen Schluck aus seiner Feldflasche.

"Ich wette, nachdem die Geier ihr Vergnügen haben, hätte selbst unser Freund Jim Dunston Schwierigkeiten, das noch genau zu unterscheiden!"

Die Kavallerie-Einheit kam zum Stehen. Wachtposten schwärmten mit Karabinern bewaffnet in der Umgebung aus und legten sich auf die Lauer. Schließlich wollte MacShane nicht, dass sie von irgendjemandem unangenehm überrascht wurden.

Dann kümmerten sich die Kavalleristen um die Toten.

Eine grausige Arbeit.

Der letzte Krieg gegen die Mescaleros lag schon etwas zurück. Und so war unter MacShanes Leuten auch ein erheblicher Anteil von Männern, die damals noch nicht dabei gewesen waren und so etwas nicht kannten.

Die Bolder-Leute hatten allen Toten die Waffen abgenommen. Jedenfalls fand sich bei keiner der Leiche ein Schießeisen und auch der Säbel, den Jim Dunston bei einem der Männer gesehen hatte, war nicht mehr aufzufinden.

Die Toten wurden unter primitiven Steinhügeln begraben.

MacShane bestand darauf, dass Holz gesucht wurde, um daraus ein paar Kreuze zu zimmern. Brennholz war in dieser Gegend ziemlich knapp und es dauerte eine ganze Weile, bis die ausgesandten Soldaten zurückkehrten.

"Ich wusste gar nicht, dass Sie so viel Wert auf die Symbole des Glaubens legen", meinte Jim Dunston zwischendurch an MacShane gewandt.

MacShanes Blick schien in die Ferne zu schweifen.

Er war in Gedanken.

"Ich bin ein guter Ire - und ein guter Ire ist auch ein guter Katholik!", meinte er. Er grinste. "Gegenüber euch protestantischen Yankee-Ketzern hat unsere Konfession den Vorteil, dass wir zur Beichte gehen können und danach unser Sündenkonto wieder bei Null anfängt!"

"Ihr Beichtvater muss sicher 'ne Menge Zeit mitbringen, was?"

"Sowas muss ich mir von einem Bordellbesitzer sagen lassen! Pfui Teufel, Dunston!"

Die Gräber waren schließlich errichtet.

Der Colonel ging an die Satteltaschen seines Gauls und holte ein Buch mit ziemlich abgegriffenem Umschlag hervor.

"Unsere Regimentsbibel!", raunte Bill Peacock Jim zu.

"Wahrscheinlich ist die Ausgabe, auf die bei euch in Lincoln geschworen wird, wenn der Friedensrichter kommt, etwas dicker..."

Jim kniff die Augen zusammen.

"Ja, sieht etwas eigenartig aus, das Ding!"

Bill Peacock hatte die Erklärung. "Angeblich soll beim letzten Zug gegen die Mescaleros das Klopapier ziemlich knapp geworden sein."

"Du traust MacShane aber auch wirklich alles zu!"

"Wenn du ihn länger kennen würdest..."

"Verstehe schon!"

MacShane sprach eine etwas abgekürzte Version des Vaterunsers. Damit war die Zeremonie beendet. Auf ein paar Trompetentöne des Signalbläsers mussten die armen Seelen auf Grund des Umstandes verzichten, dass die Gefahr zu groß war, den Feind damit auf sich aufmerksam zu machen.

Dann machte sich der lange Zug der Reiter auf den Weg.

Captain Joe Davis schlug vor, einen Lagerplatz für die Nacht zu suchen.

"Ist mir recht", knurrte MacShane. "Aber dieser Platz sollte so weit wie möglich von diesem Ort hier entfernt sein..."

Er nahm den letzten Tropfen aus seiner hochprozentig gefüllten Feldflasche und fluchte dann leise vor sich hin.

Zweifellos hatte es auch ihn ziemlich mitgenommen, was er hier gesehen hatte.

15

Die Männer von Fort Stanton schwangen sich auf ihre Pferde und zogen weiter. Aufmerksam beobachtete Jim die Felsen in der Umgebung.

"Ja, wir sind jetzt bereits in Bolders Land!", kommentierte Bill Peacock. "Und irgendwie hat man da gleich das dumme Gefühl, beobachtet zu werden!"

Die Stunden flossen dahin.

Dämmerung legte sich inzwischen über die

Canyonlandschaft, in der sich die Einheit befand. Ein unübersichtliches Labyrinth, wie geschaffen, um sich darin zu verkriechen.

Das Licht der tiefstehenden, ihre letzten milchigen Strahlen über die gezackten Felsmassive schickenden Sonne ließ die steinigen Hänge zu beiden Seiten der außerordentlich langgezogenen Schlucht rötlich leuchten.

Dann kamen ihnen plötzlich zwei Pferde entgegen.

Die Reiter waren bäuchlinges auf die Gäule gebunden worden.

Das Sattelzeug wies sie als Army-Pferde aus.

"Unsere Kundschafter!", flüsterte Webster und ballte die Fäuste dabei.

Captain Joe Davis preschte den Gäulen entgegen.

Jim Dunston folgte ihm, die Hand immer am Colt.

Davis' Gesicht wurde zu einer steinernen Maske.

"Sie sind tot!", knurrte er.

Sein Griff ging sofort zum Army-Colt an seinem Gürtel.

Er öffnete die Verschlusslasche und zog die Waffe heraus.

Dann drehte er den Kopf herum, blickte sich um.

Wenig später hatten auch MacShane, Peacock und Webster die anderen eingeholt. Der lange Zug kam zum Stillstand.

"Diese Hunde!", flüsterte MacShane. Sein Gesicht wurde dunkelrot. "Einfach abgeknallt!"

Bill Peacock stieg vom Pferd, sah sich die Toten genauer an.

"Nein", sagte er dann. "Nicht einfach abgeknallt...Sieht aus, als hätte man die beiden mit Messern gefoltert!"

"Schweine!", brummte MacShane düster.

"Das bedeutet, dass sie nun alles über uns wissen dürften", stellte Aaron Webster fest. "Sowohl unsere Stärke, als auch das Ziel unserer Mission..."

"Das hätten sie früher oder später ohnehin zu spüren bekommen!", meinte MacShane.

Er stieg jetzt ebenfalls vom Pferd, sah sich die Toten genauer an.

"Die wollen uns einschüchtern!", stellte Jim Dunston fest.

MacShanes Blick war starr geworden. "Ja", murmelte er,

"aber das werden sie nicht schaffen! Jedenfalls nicht mit mir, Elias MacShane! Da sind sie nun wirklich an den Falschen geraten, diese Bluthunde!"

Im nächsten Moment brach die Hölle los.

Schüsse krachten.

Die Angreifer ballerten von den Felsen herunter. Die ersten Männer starben, noch bevor sie ihre Sattelgewehre oder die Army-Colts aus dem Leder gerissen hatten. Die Pferde gerieten in Panik. Manche stoben davon, rasten die Schlucht in beide Richtungen entlang. Andere rissen an den Zügeln, an denen man sie festgebunden hatte.

"Teufel!", zischte Elias MacShane, als eine verirrte Kugel ihm die Reste der arg ramponierten Regimentsbibel aus der Hand schossen.

Der Colonel zog den Army-Colt.

Wie alle anderen suchte er so schnell wie möglich Deckung.

Jim Dunston bückte sich nach der Winchester eines erschossenen Soldaten. Dann schnellte er geduckt hinter einen Felsblock. Das Magazin der Winchester war noch voll.

Keinen einzigen Schuss hatte der Soldat abgeben können, bevor ihn die Kugel erwischt hatte.

Der Geschosshagel war mörderisch.

Auch wenn es vielleicht nicht mehr als ein oder zwei Dutzend Schießer waren, die dort oben an der Felskante lagen, so hatten sie doch alle Trümpfe auf ihrer Seite. Wie die Hasen konnten sie die Blauröcke abschießen, für die es nur spärliche Deckung gab.

Ungefähr ein Dutzend Soldaten sanken getroffen in den Staub.

Dann ebbte der Geschosshagel plötzlich ab.

Die Blauröcke hatte sich so dicht wie möglich an die hoch aufragende Felswand herangedrängt und Deckung gesucht. Der Schusswinkel von oben war dadurch für die Angreifer ungünstig geworden.

Augenblicke lang herrschte eine geradezu unheimliche Stille in der Schlucht.

Dann war von oben das Geräusch galoppierender Pferde zu hören.

"Sie ziehen ab!", knurrte Jim Dunston grimmig.

Bill Peacock, der sich ganz in der Nähe befand, nickte.

"Schnell zuschlagen und dann gleich wieder weg! Das scheint ihre Strategie zu sein!", meinte er.

"Ja, und sie sind verdammt erfolgreich damit..."

Jim erhob sich, sah sich nach seinem Pferd um. Es stand immer noch dort, wo er es festgebunden hatte. Der Marshal schwang sich in den Sattel.

"Was haben Sie vor, Dunston?", fragte MacShane.

"Ich kauf mir die Kerle!"

"Sind Sie verrückt?"

"Mindestens ein Drittel der Pferde ist auf und davon! Bis Ihre Leute die wieder eingefangen haben, ist die Bande verschwunden und bereitet den nächsten Überfall vor."

"Schon richtig...", murmelte MacShane.

Jim warf ihm die Winchester des toten Soldaten zu.

MacShane fing sie sicher mit der Linken. Insgeheim hatte Jim dem Colonel diese Sicherheit gar nicht zugetraut.

Jedenfalls nicht, nachdem er den hochprozentigen Inhalt seiner Feldflasche bereits intus hatte.

"Colonel!", rief Peacock, der sich inzwischen auch in den Sattel geschwungen hatte. "Geben Sie mir ein Dutzend Männer! Jims Plan ist gut!"

MacShane machte eine wegwerfende Geste.

"Meinen Segen haben Sie, Peacock! Aber sehen Sie zu, dass sich die blutigen Nasen diesmal die anderen holen!"

"Aye, Sir!"

16

Jim Dunston ritt an der Spitze eines Trupps von Kavalleristen die langgezogene Schlucht entlang. Bill Peacock war ebenso dabei wie Captain Joe Davis. Die Männer ritten in einem atemberaubenden Tempo. Sie mussten schnell sein, um die Angreifer noch einzuholen. Es war anzunehmen, dass das Versteck der Bolder-Leute irgendwo im Südwesten lag. Und vermutlich zogen sich die Angreifer genau dorthin zurück. Das Kartenmaterial, dass MacShanes Offizieren zur Verfügung stand, war alles andere als gut. Nie hatte sich jemand sonderlich für den genauen Verlauf der Schluchten und Höhenzüge in den Sacramento Mountains interessiert. Und solange hier nicht Gold, Silber oder irgend etwas anderes Wertvolles gefunden wurde, würde sich das auch wohl nicht ändern. Die Karten waren daher ungenau und wiesen jede Menge weißer Flecken auf.

Die Angreifer mussten sich jetzt auf einem Hochplateau befinden, dass an die langgezogene Schlucht angrenzte, die auf der Karte, die Bill Peacock bei sich hatte den Namen Long Bow trug, weil sie sich wie ein Bogen krümmte.

Vermutlich war der Namensgeber niemals dortgewesen.

Ob es aus der Tiefe der Long Bow-Schlucht irgendeinen passablen Aufstieg gab, um auf das Hochplateau zu gelangen, war fraglich. Peacock meinte, dass es ein paar Meilen weiter einen Weg gab, über den die Angreifer vermutlich auf das Plauteau gelangt waren. Zumindest der Karte nach.

Dort konnte man ihnen den Weg abschneiden.

Wenn man schnell genug war und es nicht noch irgendeinen bequemem Abstieg gab.

Der restliche Teil der Truppe würde inzwischen damit beschäftigt sein, die Verletzten zu versorgen, die Toten zu begraben und die Pferde wieder einzufangen, die in wilder Panik davongestoben waren. Der schlauchartige Charakter des Long Bow machte die Suche für sie relativ einfach. Es gab für die Gäule keinerlei Möglichkeit, nach rechts oder links auszubrechen. Schroffe, für sie völlig unüberwindliche Felswände verhinderten das.

Nach einiger Zeit scharfen Galopps erreichten Jim Dunston und der Trupp von Blauröcken jene Stelle auf der Karte, von der Bill Peacock angenommen hatte, dass sie dort den Weg der Banditen kreuzen konnten.

Sie zügelten die Pferde.

John White Feather, ein sehr dunkelgesichtiger Navajo-Indianer, der in MacShanes Truppe auch als Scout und Spurenleser diente, sprang aus dem Sattel. Zwei blauschwarze Zöpfe kamen unter der Army-Mütze hervor.

Er blickte mit unbewegtem Gesicht auf die Spuren, die sich dort zeigten. Viel war es nicht, was auf dem steinigen Untergrund zu sehen war. Aber John White Feather sah offenbar um einiges mehr, als es jedem Weißen aufgefallen wäre.

"Sie waren hier", sagte er dann mit Bestimmtheit.

"Verdammt, wir sind zu spät!", knurrte Peacock.

"Spuren führen Richtung Tolan Peak!", sagte John White Feather und steckte dabei die Hand in Richtung einer Kette ferner Berggipfel aus. Vor ihnen lag ein zerklüftetes, schroffes Land, in dem die Angreifer jede Möglichkeit hatten, sich zu verstecken.

"Wann sind sie hier vorbei gekommen?", fragte Jim Dunston.

Es widerstrebte ihm zutiefst, die Jagd jetzt aufzugeben, auch wenn die Dunkelheit bald einsetzen würde.

"Nicht lange her. Weniger als eine Stunde!"

"Dann nichts wie hinterher!", forderte Jim.

"Dunkelheit kommt bald", entgegnete der Navajo in seiner lakonischen Art. "Können Spur leicht verlieren. Hätten Hunde mitnehmen sollen. Aber niemand hat Rat von John White Feather hören wollen."

"Wir versuchen es trotzdem!", entschied Bill Peacock.

Sie gaben den Pferden die Sporen, ritten weiter voran.

John White Feather an der Spitze.

Der Navajo war ein sicherer Spurenleser.

Jim konnte innerlich vor ihm nur den Hut ziehen. Aus Kleinigkeiten konnte er erkennen, ob die Bolder-Leute hier vorbeigekommen waren oder nicht.

Die Stunden krochen dahin.

Schließlich wurde es dunkel.

"Verdammt, dann werden wir eben Morgen zur Truppe zurückkehren", kommentierte Peacock die Lage. "MacShane weiß, dass wir auf uns selbst aufpassen können."

"Die können nicht weit sein!", meinte Jim.

"Ja, ich weiß,", nickte Peacock. "Möglicherweise sitzen sie sogar in einer dieser Felspalten und belauern uns..."

Wenig später arbeiteten sie sich einen steilen, rutschigen Hang empor. Sie mussten schließlich von den Pferden steigen und die Tiere hinter sich herziehen.

John White Feather machte plötzlich ein Zeichen, hielt sich in geduckter Haltung und griff zum Colt.

Er blickte über den Kamm der Anhöhe.

Die anderen erstarrten geradezu.

Vorsichtig und sichtlich bemüht, keinen Laut zu verursachen, zog John White Feather sich zurück.

"Was ist los?", wisperte Peacock.

"Lagerfeuer an Wasserstelle", sagte der Indianer auf seine knappe Art.

"Die Typen, die wir suchen?", fragte Peacock.

Der Navajo nickte.

"Ein Mann trug zerrissene Jacke von Konföderierten.

Anderer Mann einen Säbel."

Jim horchte auf. Der Beschreibung des Navajo nach konnte es sich um den Mann handeln, der sich John Smith genannt hatte.

Jim hatte nichts dagegen, ihm hier erneut zu begegnen.

Man traf sich eben immer zweimal.

"Wie viele sind es?"

"Vielleicht zwanzig!", sagte John White Feather.

"Das heißt, sie sind in deutlicher Übermacht!", stellte Peacock fest. Dann setzte er hinzu: "Die kaufen wir uns!

Wir müssen Gefangene machen, die uns dann vielleicht verraten können, wo der Rest der Bande steckt!"

Moorcok drehte sich zu den anderen Blauröcken herum.

"Die Pferde lassen wir hier. Ihr nehmt die Karabiner und schwärmt aus, so dass wir sie umzingeln. Aber seid vorsichtig."

Die Männer gehorchten.

Sie schwärmten aus, verteilten sich in den Felsen und schlichen in geduckter Haltung voran. Wenig später blickte Jim Dunston vorsichtig über den Hang. Er sah das Lager im matten Dämmerlicht. Der Mond stand schon am Himmel, während die letzten Strahlen der bereits hinter den Bergketten versunkenen Sonne noch einen hellroten Schimmer verbreiteten.

Etwa zwei Dutzend Mann befanden sich rund um das Lagerfeuer. Sie schienen sich recht sicher zu fühlen.

Einige lachten, spielten offenbar Poker. Es machte den Anschein, als ob keiner von ihnen überhaupt mit der Möglichkeit rechnete, dass jemand ihnen bis hier her gefolgt war.

Ein paar Wächter verrichteten ihren Dienst ziemlich nachlässig, patrouillierten mit dem Gewehr in der Hand auf und ab oder hatten sich auf irgendeinen Steinbrocken gesetzt.

Im Dämmerlicht sah Jim Dunston dann jemanden, dessen Gesicht er so schnell nicht vergessen würde.

Schon die mottenzerfressene Konföderierten-Jacke war ihm aufgefallen.

So ein Stück gab es selbst unter ehemaligen Südstaatensoldaten nur selten.

"John Smith!", flüsterte Jim.

Bill Peacock, der in seiner Nähe war, sah ihn stirnrunzelnd an.

"Du kennst einen der Kerle?"

"Ja. Ich erwähnte ihn bereits. Er war auf der Riverdale Ranch und hätte um ein Haar eines der Girls vergewaltigt!

Ich habe ihn davongejagt, den Hund!"

"Na, wenigstens können wir jetzt absolut sicher sein, dass wir die Richtigen angreifen."

Jim verzog das Gesicht. "Du hast doch wohl nicht ernsthaft geglaubt, dass das auch friedliche Cowboys sein könnten..."

"Nein..."

Bill Peacock wartete noch ein paar Augenblicke ab. Er wollte sichergehen, dass der Kreis um das Lager auch wirklich geschlossen war. Mit etwa einem Dutzend Mann war das nicht so einfach.

Peacock zog seinen Army-Colt und ballerte in die Luft.

Die Männer im Lager wirbelten herum.

"Ergebt euch! Ihr seid umstellt!", rief Peacock.

Aber die Bolder-Leute dachten nicht eine Sekunde daran, dieser Aufforderung nachzukommen. Sie griffen zu den Waffen, warfen sich in den Deckung und feuerten aus allen Rohren wild um sich.

Peacock duckte sich.

Jim Dunston feuerte Schuss um Schuss aus seiner Winchester ab.

Ein Schrei gellte duch die Dämmerung.

Einen der Soldaten hatte es erwischt.

Aber auch von den Banditen starben einige bereits bei den ersten Schusswechseln.

Die Schüsse peitschten zwischen den Felsformationen hin und her. So manche Kugel kratzte am Stein und wurde als brandgefährlicher Querschläger weitergeschickt.

Wieder und wieder gellten Todesschreie.

Niemand konnte genau sagen, auf welcher der beiden Seiten gerade jemand von einem Projektil erwischt wurde. Die Pferde wurden unruhig, rissen an den Zügeln, mit denen man sie beim Lager festgebunden hatte. Einige der Banditen versuchten dorthin zu gelangen.

Zwei bezahlten das mit dem Leben. Die anderen schafften es, schwangen sich auf die Gäule. Die meisten davon ohne Sattelzeug, denn das hatten sie den Tieren längst abgenommen. Etwa die Hälfte der Banditen schaffte es zu den Pferden und saß auf. Die anderen saßen in ihren Deckungen, schossen wild um sich oder waren bereits tot.

"Wir dürfen sie nicht davonkommen lassen!", meinte Jim Dunston, während er die Winchester 73 nachlud.

"Wird sich kaum verhindern lassen!", knurrte Bill Peacock.

Die ersten der davoneilenden Reiter waren offenbar durchgebrochen. Auf der Südwestseite des Rings, den die Männer vom Fort Stanton um das Lager gezogen hatten, gab es offenbar ein Loch.

Drei der Blauröcke lagen erschossen in ihrer Deckung.

Weitere Banditen tauchten aus ihren Deckungen hervor, hinter Felsblöcken und Sträuchern und versuchten ebenfalls zu den Pferden zu gelangen.

"Angriff!", rief Bill Peacock. "Sonst gehen sie uns durch die Lappen!"

Jim legte unterdessen an.

Seine wohlgezielten Schüsse holten zwei der Davonreitenden aus dem Sattel. Einen Dritten erwischte er an der Schulter.

Im nächsten Moment bekam der Bolder-Mann dann noch eine Kugel von der Seite. Sie durchschlug seine Schläfe und holte ihn wie durch einen heftigen Faustschlag aus dem Sattel.

Von John Smith sah Jim nichts mehr.

Offenbar hatte er es geschafft zu entkommen.

Jim hoffte, das man ihn später bei den Toten finden würde.

Die Blauröcke kamen aus ihrer Deckung, arbeiteten sich von Felsblock zu Felsblock vor. Bill Peacock stürmte ebenfalls voran. In der Rechten den Army-Colt, in der Linken den Säbel.

Jim Dunston gab ihm Feuerschutz, dann kam auch er aus der Deckung.

Pferde liefen jetzt kreuz und quer durch das Geschehen.

Die flüchtenden Banditen hatten an ihre Komplizen, die noch keinen Gaul unter dem Hintern hatten, nicht einen einzigen Gedanken verschwendet, sondern die Tiere einfach losgemacht.

Sie waren völlig außer Kontrolle. Orientierungslos und halb wahnsinnig vor Panik. Selbst für ein schussfestes, gut dressiertes Cowboy-Pferd konnte das, was hier an Blei durch die Luft flog, zuviel sein.

Eines der Tiere wieherte markerschütternd auf, als eine verirrte Kugel ihm in den Leib fuhr.

Es stürzte nieder, strampelte mit den Beinen.

Jim zielte, feuerte die Winchester ab und versetzte dem Tier einen Kopfschuss.

Kugeln zischten links und rechts an ihm vorbei. Ein durchgehendes Pferd galoppierte auf ihn zu. Er warf sich seitwärts, fand Deckung hinter einem Felsbrocken.

Die Kugeln schlugen dicht bei ihm in den Boden ein, splitterten kleine Stücke aus dem Stein heraus oder ließen Staubfontänen emporschießen. Jim rappelte sich auf, tauchte aus der Deckung heraus.

Einer der Bolder-Leute hatte gerade angelegt.

Jim feuerte Sekundenbruchteile bevor sein Gegenüber abdrücken konnte. Die Kugel traf den Kerl in die Schulter.

Die Wucht des Geschosses ließ ihn einen Satz nach hinten machen. Er riss das Eisen erneut hoch und ließ Jim keine Wahl. Jim schoss ihm in den Kopf.

Einem anderen der Bolder-Leute, die bis jetzt im Lager ausgeharrt hatten, gelang es, eines der durchgedrehten Pferde beim Zügel zu fassen. Er ballerte mit einem der beiden Colts, die er am Gürtel trug, wild herum, während das Tier auf die Hinterhand stieg.

Dann gelang es ihm, sich auf den Rücken des Gauls zu schwingen. Das Tier ging durch, versuchte den Reiter abzuwerfen, bockte und machte dann ein paar Sätze in Jims Richtung.

Für den Zweicoltmann war es nicht so einfach, sich unter diesen Umständen ohne Sattel auf dem Tier zu halten.

Er fiel schließlich hinunter, das Pferd preschte davon.

Der Zweicoltmann rollte sich im Staub herum, konnte dabei von Glück sagen, nicht die Hufen zu spüren zu kriegen.

Er lag ein halbes Dutzend Yards von Jim entfernt.

Jim richtete die Winchester auf ihn.

"Keine Bewegung, Hombre!"

Er erstarrte für eine Sekunde, griff dann zum Colt.

Er riss die Waffe an der linken Hüfte gar nicht aus dem Holster heraus, sondern drückte sie sofort ab, hob dabei leicht das Bein an.

Jim hatte das instinktiv vorausgeahnt, warf sich seitwärts.

Millimeterdicht sirrte das Blei an dem Marshal vorbei.

Im selben Moment ging ein Ruck durch den Körper des Zweicoltmanns.

Er war offensichtlich getroffen worden.

Er presste eine Hand gegen den Oberkörper.

Das Blut sickerte hindurch. Er Aufstöhnen kam über seine Lippen. Aber es war nicht Jim, der geschossen hatte, sondern Bill Peacock, der jetzt den Army-Colt senkte.

17

Etwa die Hälfte der Bolder-Leute war tot, die anderen auf der Flucht. Einen Teil ihrer Ausrüstung, darunter Gewehre und Sättel, hatten sie in der Eile zurücklassen müssen.

Aber auch insgesamt vier Blauröcke hatte es getroffen.

Der verletzte Zweicoltmann wurde von John White Feather verbunden. Der Navajo hatte eine übelriechende Heilerde dabei, mit der seine Stammesbrüder solche Verletzungen zu versorgen pflegten. Ein Doc war schließlich im Umkreis von vielen Meilen nicht zu finden.

Bill Peacocks Schuss hatte den Zweicoltmann übel erwischt, war schräg von hinten durch seinen Oberkörper hindurchgefahren. Welche Organe dadurch in Mitleidenschaft gezogen wurden, darüber konnte man nur spekulieren.

John White Feather war jedenfalls nicht sehr optimistisch.

Er trat mit ernstem Gesicht zu Peacock.

"Wenn befragen wollen Gefangenen, dann tun bald. Sonst nicht mehr möglich."

Immerhin war der Navajo rücksichtsvoll genug, um so leise zu sprechen, dass der Sterbende das nicht mitbekommen konnte.

Jim meinte: "Ich hole mir meinen Gaul und werde den Kerlen folgen! Jetzt müsste man sie noch einholen können!"

Er wartete Peacocks Bestätigung nicht ab, sondern lief los. Im übrigen dachte er auch gar nicht daran, sich sein Vorhaben erst genehmigen zu lassen. Schließlich unterstand er - anders als die Blauröcke - nicht der Befehlsgewalt des Lieutenant Colonels.

"Warte, Jim!", rief dieser ihm hinterher, als Jim sich bereits auf seinen Gaul geschwungen hatte.

Jim zügelte kurz sein Pferd, drehte sich im Sattel herum.

"Ich will keine Zeit verlieren. Bald ist es ganz dunkel, dann wird es schwierig, den Bolder-Leuten zu folgen! Ich bin überzeugt davon, dass sie uns geradewegs zu ihrem Boss führen..."

"Warte trotzdem!", rief Bill. "Nur einen Moment!"

Er wandte sich an den Gefangenen, kniete nieder.

Der Zweicoltmann hatte die Augen geschlossen, atmete dabei schwer. Der provisorische Verband, den John White Feather ihm angelegt hatte, war bereits blutdurchtränkt.

"Hör mir zu!", sagte Bill Peacock.

Durch nichts, keine Regung des Gesichts und keinen Laut, gab der Zweicoltmann zu erkennen, dass er verstanden hatte.

Möglicherweise dämmerte er bereits hinüber in die andere Welt.

Peacock fuhr fort: "Bei unserer Einheit ist ein Doc. Wir bringen dich dort hin, wenn du uns sagst, wo Cliff Bolder steckt..."

Es war eine Lüge.

Selbst wenn es einen Doc bei MacShanes Männern gegeben hätte - es war nicht daran zu denken, den Gefangenen im Moment zu transportieren.

Aber vielleicht bewegte ihn Peacocks Aussage dazu, sein Schweigen zu brechen.

Der Zweicoltmann ließ die Augen geschlossen. Sein Gesicht verzog sich zu einer Maske, deren Ausdruck zwischen Spott und Schmerz schwankte.

"Ich werde dir nichts verraten, du Yankee-Schwein!"

"Schon hart für einen gebürtigen Texaner, wenn er als Yankee-Schwein bezeichnet wird."

"Ein Texaner? Aber wohl einer, der seine Herkunft vergessen hat!"

"Habt ihr das nicht auch? Was unterscheidet euch von gewöhnlichen Banditen?"

Er atmete schwer.

"Das... wird dir jemand anderes beantworten ....müssen!", murmelte er. Sein Kopf fiel zur Seite. Sein Blick wurde starr.

Bill Peacock erhob sich.

"Zu den Pferden!", befahl er.

18

Der Mann wurde grob zu Boden gestoßen.

Mindestens ein Dutzend Waffen waren auf Reilly gerichtet.

Langsam erhob er sich Rex Montalbans Gefolgsmann. Die Waffen hatte man ihm abgenommen.

"Heh, Major!", rief einer der Kerle. Er trug einen Säbel über dem Rücken gegürtet, dazu einen Hut mit dem Emblem der Südstaatenarmee.

Die Winchester 73 in seinen Händen war allerdings jünger als der Rest seiner Ausrüstung.

Ein hochgewachsener, grauhaariger Mann trat aus dem weißen Sandsteinbau, der zu einer alten spanischen Mission gehörte.

Major Cliff Bolder und seine Leute hatten hier ihr Hauptquartier. Die alte Mission lag auf einem Hochplateau.

Man konnte die gesamte Gegend hervorragend übersehen. Kein Angreifer konnte sich den dicken Schutzmauern nähern, die die halbverfallenen Gebäude umgaben, ohne dass er entdeckt wurde. Zumindest galt das für den Tag.

Der Major, wie er respektvoll von seinen Leuten genannt wurde, hatte hier eine ideale Ausgangsbasis für seine nächsten Unternehmungen gefunden.

Selbst die Tatsache, dass jetzt ein Kontingent von Kavalleristen hier her unterwegs war, konnte ihn nicht verunsichern. Die Besatzung von Fort Stanton war zahlenmäßig viel zu schwach, um das riesige Gebiet um die Sacramento Mountains wirklich kontrollieren zu können.

Der Kerl mit dem Säbel auf dem Rücken deutete mit dem Lauf der Winchester auf Reilly.

"Dieser Mann hat sich hier in der Gegend herumgetrieben.

Wir haben ihn aufgegriffen..."

"Okay, Terrence!", murmelte Cliff Bolder. "Schön, dass ihr die Augen aufhaltet..." Dann wandte sich Bolder an den Fremden. "Wer sind Sie?"

"Meine Name ist Reilly. Und ich suche einen Mann namens Cliff Bolder! Ich nehme an, das sind Sie!"

">Major> Cliff Bolder. So viel Zeit muss sein!"

"Meinetwegen..."

"Sie haben gerade bei einer Sache gestört, die ich ungern unterbreche, Reilly!"

"Sorry, aber..."

"Ich hoffe, Sie haben einen guten Grund dafür, sonst kann ich ziemlich ungemütlich werden!"

"Ich komme im Auftrag eines Mannes namens Rex Montalban."

"Habe ich nie gehört!"

"Wenn Sie länger in der Gegend sind, werden Sie sicher auf seinen Namen stoßen."

"Was Sie nicht sagen!"

"Ihm gehört der Happy Branch Saloon in Lincoln, aber er betreibt auch andere Geschäfte. Gechäftsfelder, in denen auch Sie aktiv sind. Mr. Montalban schickt mich zu Ihnen, um mit Ihnen die Möglichkeiten zu sondieren eventuelle Interessengegensätze auszuschließen... Ist doch nicht nötig, dass wir uns gegenseitig den Schnitt kapputtmachen, oder?

Das Land ist groß genug für uns alle. Das soll ich Ihnen von Mr. Montalban ausrichten."

"Ihr Mr. Montalban scheint ein Verlierer-Typ zu sein."

"Wieso?"

"So sprechen nur Looser und Schwächlinge."

"Ich werde es ihm ausrichten!"

"Nein, Sie bleiben hier, Reilly! Sie kennen mein Versteck.

Das ist zwar nicht Ihre Schuld, sondern die meiner etwas überreifrigen Leute, aber... Wie sagten Sie vorhin so schön? >Sorry>!"

Reilly begriff, dass die Lage jetzt brenzlig für ihn wurde. Er blickte sich vorsichtig um. Sie hatten ihm nicht nur Colt und Winchester, sondern auch den Derringer in seinem Stiefel und das Bowiemesser abgenommen. Ohne Waffen hatte er keine Chance gegen die Meute, die ihn umgab.

Der Major machte ein Zeichen zu seinen Leuten.

Mehrere von ihnen packten Reilly grob.

Reilly versuchte im ersten Moment, sich loszureißen. Er bekam ein paar Faustschläge. Ächzend hing er in den Armen der Bolder-Leute und atmete schwer.

Terrence, der Mann mit dem Säbel über dem Rücken, zog jetzt die lange Klinge aus dem Futteral.

Er richtete die Spitze auf Reilly.

"Machen wir ein Ende mit dem Bastard."

"Habt ihr irgend etwas bei ihm gefunden, was darauf hinweisen könnte, dass er ein Spitzel ist? Ein Sternträger oder ein Army-Scout?", fragte der Major.

Terrence schüttelte den Kopf. "Nein", sagte er.

"Dann lasst ihn am Leben!"

"Aber..."

"Verschnürt ihn gut", befahl der Major. "Und behandelt ihn so, das er keinen Schaden nimmt. Wir wissen nicht, ob wir ihn nicht nochmal brauchen. Schließlich könnte sein Boss wirklich ein großer Wolf in dieser Gegend sein - und dann stehen wir dumm da! Feinde haben wir schließlich genug..."

"Ja, Major!", zischte Terrence zwischen den Zähnen hindurch.

Es war offenkundig, dass ihm eine schnelle, endgültige Lösung lieber gewesen wäre. Aber das Wort des Majors galt.

So war es in all den Jahren gewesen. Und daran würde sich auch einstweilen nichts ändern. Cliff Bolders Wort war hier das Gesetz.

Die Männer führten Reilly ab.

Bolder wandte sich um und ging zurück in das Haus. Die Tür knarrte, als er eintrat. Innen herrschte das flackernde Licht einiger Fackeln. In den Fenstern war kein Glas. Der Mond schien durch eines von ihnen.

Es gab keinerlei Möbel in dem großen Raum.

Aber auf der Erde befand sich ein großes Lager aus Fellen.

Eine dunkelhaarige Schöne lag dort ausgestreckt auf dem weichen Lager. Sie war vollkommen nackt. Das Licht der Fackeln ließ Schatten auf ihrem anmutigen Körper tanzen.

Sie sah zu Cliff Bolder auf.

Das Mondlicht spiegelte sich in ihren Augen.

Ein gieriger Blick stand in Cliff Bolders grauen Augen.

"Na komm schon!", meinte die Dunkelhaarige. "Worauf wartest du noch?"

"Sonst kann ich dir doch nicht lange genug hinauszögern, Dolores!", murmelte er.

Er ließ sein Revolverholster zu Boden gleiten.

Dolores setzte sich auf. Ihre Hände glitten dabei über seine Oberschenkel, dann in die inzwischen hartgewordene Mitte.

"Das fühlt sich ja vielversprechend an!"

Sie zog Bolder Hosen bis zu den Knien hinunter. Dann ergriff sie sie seine angeschwollene Männlichkeit. Sie kniete sich hin, reckte ihren Oberkörper empor und rieb sein bestes Stück zwischen ihren schweren Brüsten. Bolder verging Hören und Sehen dabei.

"Mach weiter, Baby!", flüsterte er.

Er hatte sie in einem Bordell in Magdalena kennengelernt.

Den Besitzer hatte Cliff Bolder einfach erschossen und die junge Frau zusammen mit ein paar anderen Girls mitgenommen. Die anderen hatte er einem Mädchenhändler aus El Paso verkauft.

Nur Dolores hatte er behalten.

Sie hatte ihn auf dem Ritt in die Sacramento Mountains begleitet. Ab und zu lieh er sie an seine Unterführer aus, wenn er meinte, dass sie es verdient hatten.

Dolores war eine erfahrene Frau. Eine Könnerin in der Kunst der Liebe, die auch ausgefallene Spielarten beherrschte.

Immer heftiger massierte sie ihn an ihren Brüsten.

Und das brachte ihn fast um den Verstand.

"Versprich mir etwas!", hauchte sie.

"Gleich!"

"Nein jetzt..."

Sie legte noch einen Zahn zu. Bolder stöhnte auf.

"Du hast mir ein Leben in Reichtum versprochen...."

"Ja, ja..."

"Major, lass uns die Beute aus dem Banküberfall nehmen, die deine Männer diesen Banditen abgenommen haben. Das ist doch wie ein Geschenk des Himmels!"

"Ein paar Dollars..."

"Mehr als genug für zwei, um eine Existenz aufzubauen!

Du könntest irgendwo neu anfangen, unter neuem Namen!"

Er zuckte zurück.

Sein Gesicht zeigte einen Ausdruck des Zorns.

Dolores kannte diesen Ausdruck und wusste, dass sie jetzt aufpassen musste. Bolder war durch Sex manipulierbar, das hatte Dolores oft genug erfahren. Aber das traf nur bis zu einem gewissen Grad zu. Und wie es schien hatte sie jetzt den Bogen überspannt.

"Versuch das nie wieder!", zischte er.

"Aber es ist eine Frage der Zeit, wann sie hier her kommen, um doch zu fangen! Sie werden dich jagen!"

"Sollen sie es doch versuchen! Ich habe mehr als hundert Mann unter meinem Kommando! Und die sind ausnahmslos kampferprobt! Jeder, der versucht, mir an den Kragen zu gehen, wird sich blutige Nasen holen."

Sie wich etwas zurück, kauerte dann auf dem Fell.

"Du solltest nochmal darüber nachdenken! Die Hundesöhne, mit denen du bisher geritten bist, werden sowieso zum Teufel gehen. Früher oder später jedenfalls!"

"Schweig!"

Bolder stürzte sich in wilder Gier auf sie. Er hatte keine Lust, ihr zuzuhören. Eine Frau ohne Ehre, dachte er. Eine Hure eben.

Er umfasste sie, zog sie zu sich heran. Sie ließ es sich gefallen. Heftig stieß er in sie hinein. Ihre Brüste bewegten sich im Rhythmus seiner Stöße.

Dolores blickte aus dem Fenster und sah sich gelangweilt den Mond an. Sie wusste, dass Cliff Bolder ziemlich schnell fertig sein würde. Schließlich war ihre Vorarbeit perfekt gewesen.

Okay, dachte sie. Wenn du den Absprung nicht findest, werde ich ihn mit jemand anderem finden müssen...

Auf jeden Fall wollte sie am Ende auf der Gewinnerseite stehen.

Das war ihre höchste Maxime.

Bolders Stöße wurden immer heftiger. Schweiß stand ihm auf der Stirn. Er krallte sich an ihrem Po fest. Sie nahm das ziemlich gleichmütig hin. In ihren Gedanken war sie ganz woanders.

Als er sich in sie ergoß, sackte er auf ihr zusammen. Sein Kopf lag zwischen ihren Brüsten. Er atmete schwer, rang nach Luft.

Ich werde etwas unternehmen müssen, dachte sie.

Und zwar bald!

19

Jim Dunston zügelte sein Pferd, stieg dann aus dem Sattel.

Von der Anhähe, auf der sich der Marshal zusammen mit den acht Blauröcken befand, die das Gefecht mit den Bolder-Leuten überlebt hatten, hatte man eine hervorragende Sicht auf eine Gruppe von Gebäuden, die von einer Steinmauer umgeben wurde. Fackeln und Feuer brannten in der Nacht und tauchten die kleine Siedlung in ein weiches Licht, das einen seltsamen Kontrast zu dem kalten Mondlicht bildete.

Jedenfalls konnte man trotz der Dunkelheit ziemlich gut erkennen, was dort vor sich ging.

Eine Gruppe von Reitern erreichte das Rundbogentor der Siedlung.

Es waren jene Männer, denen Jim und die Blauröcke gefolgt waren, dabei immer darauf bedacht, unbemerkt zu bleiben.

"Hier ist es also!", murmelte Jim. "Das Versteck der Bolder-Bande!"

"Scheint eine alte Mision zu sein!", meinte Bill Peacock.

"Auf der Karte war eine aus spanischer Zeit eingezeichnet, allerdings an einer anderen Stelle, etwa zwanzig Meilen von hier..."

"Eine ideale Festung, wenn man sich verteidigen will!", meinte Jim.

Peacock nickte düster. "Ein Angreifer hätte selbst mit großer Übermacht nur eine geringe Chance. Es gibt einen schmalen Zugang zu dem Felsplateau. Mann müsste schon hier oben ein paar Geschütze hinaufschaffen, um dann direkt in die Mission hineinschießen zu können..."

Jim sah seinen Freund etwas befremdet an.

Der Marshal schüttelte energisch den Kopf.

"Auf so eine glorreiche Idee kann auch nur ein Blaurock kommen!"

Die Männer kauerten in geduckter Haltung da und beobachteten die Aktivitäten der Wächter, die hinter den Mauer auf und ab gingen.

Die Reiterschar passierte das Tor.

Danach wurden sie von einem großen dunklen Schatten verschluckt, den der Turm der kleinen Kapelle warf, die das Zentrum der ehemaligen Mission bildete.

Captain Joe Davis meldete sich zu Wort.

"Bitte um Erlaubnis frei sprechen zu dürfen, Sir!"

"Sprechen Sie!", erwiderte Peacock. "Nur nicht so laut, dass unsere Freunde da unten mithören können!"

Der obere Teil von Peacocks Gesicht wurde durch den Schatten verdeckt, den seine Hutkrempe warf. Aber auf die Mundpartie fiel das Mondlicht und so war sein Grinsen deutlich zu sehen.

"Wir sollten mit jedweder Aktion solange warten, bis Colonel MacShane mit dem Rest der Truppe hier ist!", meinte Captain Davis.

"Aber wir müssen noch in dieser Nacht zuschlagen!", war Jim Dunston überzeugt. "Am Tag hätten wir nicht die geringste Chance, überhaupt die Mauern der Mission zu erreichen! Die Bolder-Leute würden uns vorher wie die Hasen abschießen! Schließlich hätten sie freies Schussfeld!"

"Marshal hat recht", mischte sich John White Feather.

"Angriff in der Nacht besser."

Peacock wandte sich an den Navajo.

"Reiten Sie zurück zu MacShane und seinen Leuten! Ich habe keine Ahnung, wie weit die inzwischen gekommen sind -

aber vermutlich werden Sie sie am schnellsten von uns finden."

John White Feather setzte die flache Hand an seine Army-Mütze.

"Aye, Sir!", sagte er. "Aber ich werde kaum vor dem Morgengrauen mit unseren Leuten hier sein..."

Peacock nickte. "Die frühen Morgenstunden... Kein schlechter Zeitpunkt für einen Angriff!"

20

Dolores stand auf. Es war irgendwann nach Mitternacht. Sie zog sich an. Ihr Blick ruhte einen Moment lang auf Cliff Bolder, dem Major, wie ihn seine Leute respektvoll nannten.

Ja, ihr Respekt vor ihm ist so groß, dass sich mit einem kleinen Anteil aus der Beute zufriedengegeben haben und den Rest brav bei ihrem Boss abgeliefert haben!, ging es Dolores durch den Kopf.

Das zeigte, wie sehr Bolder seine Leute im Griff hatte.

Schließlich hätten die Männer, die die Satteltasche an sich gebracht hatten, damit verschwinden können.

Warum haben sie es nicht getan?, fragte sich Dolores. Aus Angst? Sie hätten ein paar Stunden Vorsprung gehabt... Oder lag es an der Persönlichkeit des Majors?

Sie waren auf ihn eingeschworen.

Auf niemanden sonst.

Sie würden für ihn durch die Hölle gehen, dachte Dolores.

Und viele von ihnen hatten genau das getan. Mehr als die Hälfte von ihnen war in den langen, gefährlichen Jahren in Mexiko ums Leben gekommen. Aber das hinderte die anderen nicht daran, weiter an Bolders Seite zu reiten.

Aber ich bin nicht so!, durchzuckte es das dunkelhaarige Girl.

Sie warf sich ein einfaches Kleid über.

Darunter trug sie nichts.

Dann ergriff sie die Satteltaschen. Sie lagen immer in Bolders Nähe, wenn er schlief. Dolores warf sie sich über die Schulter. Dann nahm sie seinen Revolvergurt und schnallte ihn sich um. Ein langes Bowie-Messer hing auch an dem Gürtel. Genau so etwas brauchte sie jetzt auch.

Sie atmete tief durch.

Ihre Brüste drückten sich dabei gegen den dünnen Stoff ihres Kleides.

Jetzt musste sie alles auf eine Karte setzen.

Ein letztes Mal drehte sie sich an der Tür zu Cliff Bolder um.

"Adios, du Bastard!", flüsterte sie.

Dann ging sie hinaus ins Freie.

Die ersten Sonnenstrahlen stahlen sich bereits über die umliegenden Berge. Nebelschwaden hingen schwer in den Tälern. Es war kühl. Dolores fröstelte leicht.

Noch war es dunkel genug für eine Flucht.

Aber sie musste sich beeilen.

Denn sobald der Major erwachte und den Verlust der Beute bemerkte, würde eine gnadenlose Jagd beginnen. Sie wagte gar nicht daran zu denken, was geschah, wenn die Bolder-Leute sie wieder in ihre Hände bekamen... Bolder konnte unglaublich grausam sein. Sie hatte erlebt, wie er Gefangene gefoltert hatte, damit sie ihm verrieten, wo sie ihr Geld versteckt hatten. Er kannte kein Erbarmen, wenn es hart auf hart ging. Aber andererseits war Dolores nicht länger dazu bereit, an der Seite eines Desperados herumzuziehen, dem weder das eigene Überleben noch das seiner Leute am Herzen lag. Wir hätten ein schönes Leben haben können, dachte sie. Aber vielleicht war ein Mann wie Major Bolder auch einfach nicht der Richtige dafür.

Dolores hielt sich im Schatten. An der äußeren Schutzmauer der Mission waren einige Wachen postiert. Einen der männer sah sie schnarchend gegen den Stein gelehnt dasitzen, das Gewehr im Arm.

Zwei andere Posten standen gähnend beim Rundbogentor.

An denen würde sie auf jeden Fall vorbei müssen.

Aber kam es wohl nur darauf an, schnell genug zuzuschlagen...

Dolores' erstes Ziel war der Gefangene Reilly. Bolder misstraute ihm. Er ließ ihn nur noch deshalb am Leben, weil er nicht wusste, ob er sich eine Auseinandersetzung mit dessen Auftraggeber leisten konnte. Aber sein Leben war keinen Cent mehr wert. Und das musste ihm selbst auch klarsein. Reilly war daher ihr natürlicher Verbündeter.

Dolores nahm an, dass er schießen konnte. Ein Gunslinger.

Andernfalls hätte man ihn niemals auf einen derart gefährlichen Weg geschickt. Und das Beste war, dass er keinen Anteil der Beute verlangen würde, denn von der wusste der Fremde ja nichts. Dolores lächelte kalt.

Sie wusste, dass der Gefangene in der Kapelle untergebracht worden war.

Dorthin machte sie sich jetzt auf den Weg.

Sie schlich im Schatten der Sandsteingebäude dahin, blickte sich aufmerksam um.

Vor der Kapelle sah sie einen Wächter.

Der Kerl döste halb vor sich hin. Er saß gegen die Wand gelehnt da, hatte die fleckige Südstaatenmütze ins Gesicht gezogen.

Dolores näherte sich ihm von der Seite, schlich die Steinmauer der Kapelle entlang. Sie musste den Wächter möglichst lautlos ausschalten.

Sie nahm das Bowiemesser mit der Rechten.

Im letzten Moment bemerkte der Mann mit der Südstaatenmütze etwas.

Eine ruckartige Bewegung ging durch seinen Körper. Er griff nach der Waffe. Aber es war zu spät. Dolores hatte ihm das Messer bereits mit aller Kraft in den Oberkörper gestoßen. Direkt ins Herz. Bis zum Heft steckte die Klinge darin. Mit einem kaum hörbaren Ächzen hauchte der ehemalige Südstaatler sein Leben aus, sackte in sich zusammen.

Dolores zog das Messer aus dem Körper des Mannes heraus.

Das Blut wischte sie an dessen Ärmel ab.

Dann öffnete sie die Tür zur Kapelle und trat ein.

Es war ziemlich dunkel darin.

"Reilly?", flüsterte sie.

Sie erhielt keine Antwort.

Dann fand sie ihn hinter dem Altar. Sie fasste den Gefesselten bei den Schultern, rüttelte ihn wach.

Der Gunslinger sah sie erstaunt an.

"Stellen Sie jetzt keine Fragen!", forderte sie. "Bolder wird Sie früher oder später umbringen, weil er niemanden am Leben lassen kann, der sein Versteck kennt..."

"Ist mir schon klar!", erwiderte Reilly.

Er blickte auf das Messer in Dolores' Hand. Sie begann, seine Fesseln loszuschneiden. Reilly rieb sich wenig später die Handgelenke.

"Warum tun Sie das?"

"Ich sagte, keine Fragen, Reilly! Sie gehen jetzt vor die Tür der Kapelle. Da liegt ein Wächter, den ich erstochen habe. Nehmen Sie dessen Revolver und Gewehr."

"Und dann?"

"Gehen Sie zum Stall und satteln Sie zwei Pferde. Sind Sie ein guter Schütze?"

"Ja."

"Sie müssen es schaffen die beiden Kerle am Torbogen, die dort wacheschieben, mit zwei Schüssen auszuschalten."

"Wenn sie nicht gerade im Schatten stehen -—kein Problem!"

"Großartig! Dann müssen wir nur noch schnell genug reiten.

Solange wir uns auf dem schmalen Zuweg zur Mission befinden, sind wir ein bisschen wie auf dem Präsentierteller. Aber der Schatten müsste uns schützen..."

"Und danach Gnade uns Gott, was?"

"Haben Sie eine bessere Chance, Reilly? Auf Major Bolders Gnade zu hoffen ist sinnlos. Das kann ich Ihnen sagen..."

"Ich frage mich nur, warum >Sie> dieses verdammte Risiko eingehen."

"Ich sagte doch: Keine Fragen!"

21

"John White Feather lässt auf sich warten!", meinte Jim Dunston etwas beunruhigt, während sein Blick auf die alte Misson gerichtet war. "MacShane und seine Leute müssten längst hier sein..."

Bill Peacock nickte düster.

"Unser strategischer Vorteil zerrinnt mit jedem Augenblick!"

"Wenn es erst richtig hell geworden ist, können wir die ganze Sache vergessen, Bill! Die werden sich dort einigeln.

Wahrscheinlich haben sie jede Menge Vorräte gebunkert und können wesentlich länger ausharren als wir! Außerdem würden sich die Kämpfe tagelang hinziehen... Es würde eine Menge Tote geben."

"Ich fürchte, das ist nicht zu ändern!", meinte Peacock.

"Mit unseren paar Mann können wir unmöglich den Angriff starten! Selbst wenn wir die ganze Bande schon gefangen hätten, hätten wir jetzt Schwierigkeiten, sie mit unseren Leuten zu bewachen!"

"Bolder ist der Kopf", sagte Jim. "Ohne ihren Kopf kann diese Schlange nicht beißen..."

Bill Peacock sah Jim stirnrunzelnd an. "Was willst du damit sagen?"

"Wenn MacShane nicht in kürzester Zeit hier her kommt, dann müssen wir uns etwas anderes überlegen."

"Und das wäre?"

"Acht Mann haben keine Chance bei einem Angriff. Aber ein einzelner..."

"Du bist verrückt, Jim Dunston!"

"Ich will mir Bolder kaufen..."

"Du weißt nicht einmal genau, wie er aussieht!"

"In meinem Marshal Office gibt es einen Steckbrief, Bill!"

"Und wie alt ist der?" Bill Peacock machte eine wegwerfende Handbewegung.

"Glaub mir, es wird schon klappen!", meinte Jim. "Ich werde mich an dem Steilhang entlangarbeiten, der neben dem schmalen Grat abfällt, über den man zur Mission gelangt...

Noch liegt dort der Schatten. Aber wenn ich entdeckt werde, müsst ihr mir Feuerschutz geben!"

22

Jim kletterte mit der Winchester in der Hand den felsigen Steilhang hinab. Wenig später erreichte er die Schlucht, in die der Weg mündete, der die einzige Verbindung zu dem Felsplateau darstellte, auf dem die Mission errichtet worden war.

Jim Dunston ging so weit, dass er den schmalen Grat sehen konnte, über den man zum Tor gelangen konnte.

Die Zeit läuft davon!, dachte er. Es wird immer heller! Er konnte nur hoffen, dass MacShane und seine Leute ihren Pferden die Sporen gaben.

Aber der Weg hier her war alles andere als ein Zuckerschlecken für die Pferde. Da konnte man Zeit, die man für eine gewisse Strecke brauchte, schonmal falsch einschätzen.

Schüsse peitschten in diesem Augenblick.

Sie kamen aus den Mauern der Mission.

Es waren insgesamt zwei. Meilenweit waren sie zu hören, hallten an den Felsmassiven wider. Im nächsten Moment brandete das Geräusch galoppierender Pferde auf.

Zwei Reiter preschten durch das offene Tor.

Ihr Tempo war mörderisch.

Nur Augenblicke lang konnte Jim Dunston sie sehen, dann verschluckten die Schatten sie.

Ein Mann und eine Frau!, ging es Jim durch den Kopf. Er war sich nicht völlig sicher. Der Marshal fasste das Gewehr mit beiden Händen.

Sie sind auf der Flucht!, erkannte er.

Hinter den Mauer tat sich jetzt etwas. Mündungsfeuer blitzte auf. Schüsse peitschten. Stimmen wurden laut. Jim war sich ziemlich sicher, dass innerhalb weniger Augenblicke auch eine Gruppe von Verfolgern durch das Tor kommen würde.

Die Flüchtenden preschten über den schmalen Grat, direkt auf Jim Dunston zu.

Sie hatten das Ende des Grats kaum erreicht, da machten sich bereits die ersten Verfolger auf den Weg. Sie feuerten hinter den Flüchtenden her.

Jim betete dafür, dass Bill Peacock und seine Leute die Situation begriffen und nicht drauflosfeuerten. In dem Fall hatten sie alle Trümpfe verspielt.

Mochte der Teufel wissen, weshalb die beiden Flüchtenden in der Mission gefangen gehalten worden waren. Jim Dunston war es in diesem Moment auch gleichgültig. Er duckte sich hinter einen Felsbrocken, legte die Winchester an und wartete.

Die Flüchtenden hatten den Eingang der Schlucht beinahe erreicht.

Da erwischte es das Pferd der jungen Frau. Laut wiehernd strauchelte es. Dolores warf sich rechtzeitig zu Boden, um nicht unter dem massiven Tierkörper begraben zu werden.

Geschickt rollte sie sich ab. Dann war sie wieder auf den Beinen, zog die Satteltasche vom Pferderücken herunter und legte sie sich über die Schulter. Sie hetzte zu Fuß weiter. Mit dem Revolver, den sie bei sich trug, ballerte sie in Richtung ihrer Verfolger. Aber sie war eine lausige Schützin. Dolores feuerte, bis ihre Waffe leergeschossen war.

Der Mann kümmerte sich nicht weiter um seine Begleiterin.

Er würdigte sie nicht eines einzigen Blickes. Ihr Schicksal schien ihm vollkommen gleichgültig zu sein.

Jim erkannte ihn.

Es war Reilly! Der Gunslinger im Dienst von Rex Montalban!

Jim erhob sich.

Reilly zügelte sein Pferd. Auch er erkannte den Marshal in der ersten Sekunde. Dolores hatte inzwischen aufgeholt. Sie war nun nicht im Schussfeld der Verfolger.

"Dunston!", stieß er hervor. "Was machen Sie hier?"

"Dasselbe könnte ich Sie fragen."

"Scheint, als wären wir ausnahmsweise mal Verbündete!"

"Hat Montalban Sie hier geschickt? Macht er etwa mit Bolder Geschäfte?"

"Nein!", murmelte Reilly düster. "Ich war geschäftlich Richtung El Paso unterwegs, als diese Banditen mich gefangennahmen."

Die galoppierenden Pferde der Verfolger waren zu hören.

Reilly wurde unruhig. Er drehte sich im Sattel herum.

"Warte auf mich, du Schwein!", rief Dolores.

Reilly griff nach dem Colt und zog ihn blitzschnell. Er richtete die Waffe auf Jim.

"Aus dem Weg, Dunston. Ich sehe hier weit und breit nur einen Gaul und auf dem sitze ich. Vermutlich habe ich die besten Chancen, wenn ich jetzt einfach weiterreite..."

"Du Schwein!", rief Dolores.

In diesem Moment preschten die Verfolger heran.

Sie schossen wild drauflos. Gleich eine der ersten Kugeln erwischte Reilly im Rücken und holte ihn aus dem Sattel. Das Pferd stieg auf die Hinterhand, war wie von Sinnen.

Dolores hob noch den Colt.

Aber schon Sekundenbruchteile später durchsiebte ein Kugelhagel sie förmlich.

Jim warf sich zur Seite, riss die Winchester empor und holte den ersten der Bolder-Leute aus dem Sattel.

Das Pferd auf dem Reilly gesessen hatte ging durch, trampelte auf Jim zu. Er rollte sich nach links, hechtete sich hinter einen Strauch, während die mörderischen Hufe des Tieres dicht an ihm vorbei sensten.

Einer der Bolder-Leute preschte hinterher, riss sein Pferd herum und richtete den Revolver auf Jim.

Jim hob den Winchester-Lauf. Die beiden Männer feuerten beinahe gleichzeitig. Die Kugel des Bolder-Manns krachte dicht neben Jims Kopf in den steinigen Boden hinein.

Jims Winchester-Schuss hingegen erwischte den Reiter mitten zwischen den Augen. Die Wucht des Geschosses riss ihn förmlich aus dem Sattel.

In diesem Moment wurde noch ein weiterer der Bolder-Leute aus dem Sattel geschossen. Aber dafür war nicht Jim verantwortlich.

Bill Peacock und seine Blauröcke hatten jetzt den Ort des Geschehens erreicht. Sie kamen den Steilhang hinab, suchten sich Deckung dabei und feuerten.

Captain Joe Davis war es gelungen, sich am Ausgang der Schlucht zu postieren und damit den Bolder-Leuten den Weg abzuschneiden.

Fünf Mann von mehr als einem Dutzend lebten noch.

Einer davon war verletzt.

"Ergebt euch!", rief Bill Peacock.

Die Bolder-Leute hatten Schwierigkeiten, ihre Gäule unter Kontrolle zu halten. Einer von ihnen war schon zu Boden gestürzt. Sie wirbelten herum. Es gab keine Deckung für sie.

Und wie groß die Übermacht des Feindes wirklich war, konnten sie nicht erkennen. Für sie musste es den Anschein haben, als ob die umliegenden Felsen voller Blauröcke waren.

"Okay!", rief einer der Kerle, warf seine Winchester weg.

Jim erhob sich langsam.

Die anderen waren ebenfalls vernünftig, ließen die Waffen fallen.

Captain Joe Davis ging mit angelegter Winchester auf sie zu und wies sie an, aus dem Sattel zu steigen. Sie gehorchten. Die anderen Blauröcke tauchten ebenfalls aus ihrer Deckung hervor.

Jim wandte sich Dolores zu.

Noch im Tod hielt die junge Frau die Satteltaschen umklammert.

Der Marshal öffnete eine der Schnallen.

Bündel mit Dollarscheinen kamen darin zum Vorschein, zusammengehalten mit Banderolen der Bank von Lincoln.

Bill Peacock trat hinzu.

"Ein Königreich für'n guten Plan!", meinte er.

"Ich habe einen!", war Jims trockene Erwiderung.

23

Major Cliff Bolder fluchte leise vor sich hin. Er stand mit der Winchester in der Hand an der brusthohen Schutzmauer der Mission, blickte hinüber zu den Bergen und lauschte den Schüssen.

"Dieses Luder!", knurrte er grimmig. "Caramba, Dolores hat es nicht anders verdient, als dass sie von Kugeln durchlöchert wird! Undankbares Biest!"

"So eine kriegen Sie doch in jedem Bordell südlich von El Paso für ein paar Pesos nachgeworfen!", meldete sich einer seiner Leute zu Wort.

Es war John Smith, der Mann mit der mottenzerfressenen Südstaatenjacke. Dass es mal die Jacke des Corporals gewesen war, konnte man nicht mehr erkennen.

Bolder drehte sich herum.

Die Faust des Majors kam schneller, als Smith blinzeln konnte. Der Schlag traf ihn am Kinn, ließ ihn zurücktaumeln und zu Boden gehen.

"Sagen Sie so etwas nie wieder, Smith! Sie war was ganz besonderes... Und wenn jemand das Recht hat, ihren Namen zu beschmutzen, dann ich. Und sonst niemand." Bolder verzog grimmig das Gesicht. Ein grausamer Zug machte sich breit.

Die umherstehenden Männer sahen ihn an. Sie kannten seine Gewaltausbrüche. Und gegenwärtig war kein Gefangener da, an dem Bolder sich hätte austoben können.

Smith erhob sich wieder.

Bolder legte den Lauf der Winchester über den Rücken.

Smith atmete schwer. Seine Hände waren in der Nähe der beiden Army-Holster, die er am Gürtel trug.

"Bei jedem anderen hätte ich jetzt zu den Colts gegriffen!", knurrte er. "Ich hoffe, das wissen Sie, Major!"

Bolder grinste. "Ich bin auch nicht >jeder andere>!", erwiderte er mit einem spöttischen Zug um die Mundwinkel.

Jetzt meldete sich einer der Wächter zu Wort.

"Harper kommt mit ein paar Leuten zurück. Sie haben...

Gefangene dabei!"

Langsam näherte sich die Reitergruppe.

Fünf Bolder-Leute waren es, einer davon offenbar verletzt.

In ihrer Mitte ritten drei Männer.

Zwei Blauröcke und ein...

"...ein Zivilist!", murmelte Bolder. Er sprach das aus, als würde es sich um etwas Unanständiges handeln. "Müssen wohl in der Gegend herumgeschnüffelt haben!"

"Vielleicht ein Erkundungstrupp dieser Yankee-Armee, die man gegen uns in Marsch gesetzt hat!", meinte einer der anderen Bolder-Leute. "Sie scheinen uns näher auf den Fersen zu sein, als wir gedacht haben!"

"Ich kenne den Zivilisten!", sagte jetzt John Smith. "Das ist Dunston, der Marshal von Lincoln."

"Interessant", murmelte Bolder.

"Er ist außerdem ein Bordellbesitzer! Ich hatte mal eine etwas unerfreuliche Begegnung mit ihm, als ich die Stadt ausgekundschaftet habe!", setzte John Smith noch hinzu.

Seine Hände ballten sich unwillkürlich zu Fäusten.

"Meinen Sie, man könnte Lösegeld für ihn verlangen?", fragte Bolder. "Ich meine, für einen Marshal zahlt keiner einen Cent - aber ein Bordellbesitzer ist doch sicher keine arme Kirchenmaus!"

24

Die Gefangenen wurden durch das Tor gebracht.

Bolder trat ihnen entgegen.

Harper und die anderen Männer, die die Gefangenen hergebracht hatten, wirkten seltsam angespannt.

Bolder konnte nicht wissen, dass ihre Waffen ohne Patronen waren und sie genau wussten, dass sie als erste ins Gras bissen, wenn sie auch nur eine einzige falsche Bewegung machen. Für ein falsches Wort galt dasselbe.

Jim Dunston, Bill Peacock und Joe Davis waren nicht wirklich gefesselt.

Sie hielten die Hände nur vorne zusammen, umwickelt mit einem Stück Lasso. Die Gewehre hatten sie aus den Scubbards genommen und bei den anderen Blauröcken zurückgelassen.

Dasselbe galt für Peacocks Säbel.

Nur die Colts hatten sie bei sich, verborgen in der Kleidung. Davis und Peacock trugen ihre Army-Colts in den weiten Ärmeln ihrer Uniformjacken. Sie konnten die Waffen blitzschnell herausreißen und wenn nötig sogar einfach so, durch den Stoff des Ärmels hindurchschießen.

Die Verschlusslaschen der Army-Holster waren offen, so dass jeder annehmen musste, dass man den Blauröcken die Waffen abgenommen hatte.

Jim trug seinen Colt ebenfalls im Ärmel.

Er hatte sich zu diesem Zweck die blousonartige Jacke übergezogen, die er bei einem längeren Ritt für kühle Nächte an den Sattel schnallte.

Bolder und sein Gefolge traten auf die Ankömmlinge zu.

Der Major senkte die Winchester.

Jim Dunston erkannte John Smith sofort wieder. Das zufriedene Grinsen in Smith' Gesicht gefiel ihm nicht.

"Man sieht sich eben immer zweimal!", meinte er.

"Lasst die Schweinehunde absteigen!", meinte Bolder düster. Dann hob er den Kopf, trat etwas näher an Jim heran.

Seine Nasenflügel bebten. "Ihr werdet für das bezahlen, was ihr unseren Kameraden angetan habt!"

"Hätten wir uns von ihnen abknallen lassen sollen?", fragte Jim.

Bolder knurrte etwas Unverständliches vor sich hin.

"Wo ist eigentlich die Beute? Und was ist mit Reilly und Dolores?", wandte sich der Major dann an einen seiner Leute.

"Na, los! Red' schon, Harper!"

"Dolores ist tot. Reilly ebenfalls. Und die Beute... Die ist hier!" Er deutete auf die Satteltasche, die er über den Nacken seines Gauls gehängt hatte.

Bolder nickte.

In dieser Sekunde waren von den nahen Anhöhen aus Schüsse zu hören.

Die Bolder-Mannschaft wirbelte wie ein Mann herum.

Das war das verabredete Zeichen. Die fünf Blauröcke, die dort draußen zurückgeblieben waren ballerten, was das Zeug hielt, obwohl die Reichweite ihrer Gewehre kaum groß genug war, um wirklich etwas ausrichten zu können.

Ein Ablenkungsmanöver.

Jim sprang aus dem Sattel und stürzte sich auf Bolder. Er riss ihn zu Boden.

Halb hatte sich der Major noch herumgedreht, dabei wohl irgendeine Bewegung aus den Augenwinkeln heraus gesehen.

Aber es war zu spät. Jim hatte riss ihn hinunter, setzte ihm den Colt an die Schläfe. Bolder erstarrte.

"Keine Bewegung!"

Er ließ die Winchester los.

Einer seiner Leute griff zum Colt.

Peacock schoss durch den Ärmelstoff hindurch.

Die Kugel traf den Kerl an der Schulter, ließ ihn zurücktaumeln.

Inzwischen hatten sowohl Davis als auch Peacock ihre Waffen hervorgerissen.

Der an der Schulter verletzte Bolder-Gefolgsmann wusste nur zu gut, dass er seine Waffe nicht schnell genug hochreißen konnte, um Peacock zuvorzukommen.

Also verharrte er.

"Euer Boss ist tot, wenn einer von euch eine falsche Bewegung macht!", rief Jim Dunston.

Die Bolder-Leute standen wie erstarrt da.

Ihre Blicke waren auf ihren Anführer gerichtet, der im Augenblick nichts tun konnte.

Es war, wie Jim vermutet hatte.

Ohne ihren Major war die Bande wie eine Schlange ohne Kopf. Unfähig zum tödlichen, schnellen Biss.

Vorsichtig erhob sich Jim. Mit der einen Hand hielt er dem Major den Colt an den Kopf, mit der anderen nahm er dessen Winchester.

Der Major folgte mit angespanntem Gesicht Jims Beispiel.

"Du kommst hier nicht lebend raus, du Bastard!", zischte er. "Meine Männer werden dir bis ans Ende der Welt folgen, du eingebildeter Yankee-Sternträger!"

"Schön ruhig, Bolder!"

"Gott verzeiht - aber ich nicht!"

"Hören Sie auf mit dem Gequatsche und tun Sie was ich sage, Bolder!", knurrte Jim Dunston. "Es liegt ganz bei Ihnen vor welchem Richter Sie sich schon sehr bald verantworten müssen. Vor einem irdischen oder..."

"Verdammte Yankee-Ratte!"

Augenblicke lang hin alles in der Schwebe.

"Hört zu!", rief jetzt Peacock.

"Wir sind nur an Bolder interessiert! Ich schlage vor, ihr reitet davon, so lange es noch geht!"

John Smith verzog höhnisch das Gesicht.

"Damit wir euren Blaurock-Freunden in die Arme laufen, ja?"

"Da draußen ist nur ein kleiner Spähtrupp!", versicherte Peacock. "Aber unsere Einheit ist im Anmarsch. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann sie eintrifft. Und dann ist für keinen von euch noch eine Chance..."

Die Männer tauschten vielsagende Blicke.

Jim Dunston hatte sich so hingestellt, dass Peacocks Pferd ihm den Rücken deckte.

Der Marshal wandte sich an den Major.

"Sagen Sie Ihren Männern, dass Sie es tun sollen!", forderte er. "Sonst ballere ich Ihnen ein Loch in den Kopf, dass groß genug ist, um eine ganze Faust durchzustecken!"

Der Major schluckte.

Er atmete schwer.

Offenbar hatte er seine Entscheidung noch nicht getroffen.

Jim Dunston hoffte nur, dass er einigermaßen an seinem Leben hing, denn andernfalls wurde die Lage prekär.

Davis ließ sein Pferd ein Stück nach vorne schreiten. Er nahm die Satteltasche mit der Beute vom Pferd eines der

'Wächter' herunter und warf sie John Smith zu.

Dieser fing die Tasche aus.

"Was soll das?", fragte Smith.

"Nehmt die Beute und verschwindet!", meinte Davis.

Das Gesicht des Majors verzog sich zu einer Grimasse.

"Keiner meiner Männer wird das tun!"

"Ihr könnt euren Boss nicht retten!", rief Jim. "Bevor einer von euch auch nur daran denkt, etwas zu unternehmen, habe ich ihn schon abgeknallt."

"In dem Fall bist du aber selbst auch dran!", gab Smith zu bedenken.

"Möglich", meinte Jim. "Aber die Rache für die Männer des Aufgebots, dass Ihr niedergemacht habt, ist es mir vielleicht wert. Ich weiß, dass Bolder nicht persönlich den Revolver abdrückte... Aber er ist der Kopf eurer Bande! Also los! Nehmt das Geld, aber schießt euch erst drum, wenn ihr ein paar Meilen zwischen euch und diesen Ort gelegt habt..."

"Zieht ab, solange ihr noch könnt!", ergänzte Peacock.

Smith warf einen Blick in die Satteltasche.

Dann nickte er zufrieden.

"Warum eigentlich nicht..."

"Ich wusste es immer, Smith, du bist ein Mann ohne Ehre!", rief Bolder, außer sich vor Wut. "Tötet sie! Tötet sie!

Gleichgültig, ob ich dabei draufgehe!"

Sein Kopf war rot angelaufen, seine Halsschlagader angeschwollen.

Schon in den Sekunden zuvor war Jim aufgefallen, dass John Smiths Hände immer dichter zu den Army-Holstern wanderten.

Jetzt riss er die Waffen heraus.

Beide gleichzeitig.

Er feuerte.

Bolder traf der erste Schuss in den Kopf, weil er eine ruckartige Bewegung zur Seite machte. Eigentlich war diese Kugel für Jim bestimmt gewesen. Getroffen sank Bolder zu Boden. Jim feuerte ebenfalls. Mit dem Revolver und der Winchester gleichzeitig. Smith bekam die Revolverkugel in den Oberkörper und taumelte getroffen zurück.

Der Hüftschuss, den Jim mit der Winchester abgab, streckte einen der anderen Bolder-Leute nieder, der gerade angelegt hatte.

Joe Davis und Bill Peacock schossen ebenfalls um sich.

Davis zuckte zusammen, als mehrere Kugeln gleichzeitig in seinen Rücken einschlugen. Mit einem Schrei kippte der Blaurock vornüber aus dem Sattel.

Peacock preschte voran.

Er erreichte eines der Häuser.

Die Fenster waren offen.

Es gab kein Glas in ihnen.

Mit einem Hechtsprung sprang er durch eines von ihnen hindurch.

Jim rettete sich zunächst hinter eine Tränke.

Er presste sich an den Boden.

Schüsse sorgten dafür, dass das Wasser auslief.

In diesem Moment ertönte das Trompensignal.

MacShane!, durchfuhr es Jim, während er die leergeschossene Winchester zur Seite warf und mit dem Colt einen der Bolder-Leute niederstreckte. Endlich! MacShane und seine Leute waren offenbar eingetroffen und bliesen zur Attacke.

25

Peacock feuerte Schuss um Schuss aus dem Fenster heraus ab.

Er gab Jim auf diese Weise Feuerschutz. Der Marshal rappelte sich auf, rannte in geduckter Haltung los, während rechts und links von ihm die Kugeln einschlugen. Immer wieder feuerte er im Laufen seinen Colt ab. Dann hatte er die Tür jenes Gebäudes erreicht, in dem Moocock sich verschanzt hatte.

Die Bolder Leute gerieten jetzt zunehmend in Verwirrung.

Einige von ihnen versuchten doch noch zu fliehen. Aber dazu war es nun viel zu spät.

MacShane und seine Kavallerieeinheit stürmten über den Grat in Richtung der Mission. Kaum einen der Bolder-Leute hielt es jetzt noch hinter den Mauern.

Diejenigen, die versuchten zu fliehen, ritten den Blauröcken genau in die Arme. Die ersten wurden mit einem Bleiregen empfangen. Todesschreie waren zu hören. Auf beiden Seiten.

MacShane selbst ritt an der Spitze seiner Leute, in der einen Hand den Säbel, in der anderen den Army-Colt.

Lieutenant Colonel Aaron Webster war ihm dicht auf den Fersen.

Sie passierten schließlich das Tor.

Ein erbarmungsloser Kampf entbrannte.

Besonders diejenigen, die zu Bolders ursprünglicher Mannschaft gehört hatten, wollten es einfach nicht wahrhaben, dass ihr Kampf zu Ende war. Nach all den Jahren, die sie durch Mexiko und die angrenzenden Länder gestreift waren.

Aber es gab einen entscheidenden Unterschied zu ihren bisherigen Kämpfen.

Sie hatten keinen Kopf mehr.

Cliff Bolder war tot, seine Leiche lag im Staub dieses furchtbaren Schlachtfeldes. Niemand ordnete ihre Aktionen.

Sie waren Bolder bedingungslos gefolgt, hatten ihm ohne zu fragen gehorcht und für ihn die schlimmsten Verbrechen begangen. Aber nachdem Bolder tot war, gab es keine Einheit mehr unter ihnen. Sie waren nur nur noch ein Aufgebot verzweifelter Einzelkämpfer.

Viele von ihnen waren allerdings unter keinen Umständen bereit aufzugeben.

Der Kampf zog sich hin.

Erst als ein Großteil der Bolder-Leute tot oder verletzt am Boden lag, ergab sich schließlich der Rest.

Auch auf der Seite der Blauröcke hatte der Kampf schreckliche Opfer gekostet.

Jim Dunston und Bill Peacock kamen schließlich aus ihrer Deckung hervor.

MacShane ritt auf sie zu und ließ sich dann mit einer Eleganz, die man einem wie ihm gar nicht zutraute, aus dem Sattel gleiten.

Er musterte beide kurz und meinte dann: "Freut mich, Sie beide noch unter den Lebenden begrüßen zu können! Meine Feldflasche ist ja leider inzwischen leer, deshalb kann ich Ihnen keinen guten Tropfen anbieten."

"Ist nicht weiter tragisch, Sir!", meinte Peacock.

"Aber vielleicht hat Bolder ja hier irgendwo noch etwas gehortet! Wir werden uns mal umsehen..."

Jetzt meldete sich Jim Dunston zu Wort.

"Das war verdammt knapp, Colonel!"

"Tut mir leid, wir haben es nicht eher geschafft." Er schüttelte den Kopf. "Sie beide müssen wirklich wahnsinnig gewesen sein.. Direkt in die Höhle des Löwen zu reiten!"

"Ich dachte, das wäre nach Ihrem Geschmack, Colonel!", meinte Jim.

"Sie dürfen mit mir so reden, Dunston! Aber nur Sie!"

Jim hob die Augenbrauen.

"Und womit habe ich dieses Privileg verdient?"

"Na, schließlich will ich nochmal willkommener Gast auf der Riverdale Ranch sein!"

Jim machte eine wegwerfende Handbewegung. Dann ging er zu John Smiths Leiche. Der Mann mit der mottenzerfressenen Konföderiertenjacke hatte noch immer die Satteltasche mit der Beute des Banküberfalls über der Schulter.

Jim nahm sie ihm ab und warf sie sich über die Schulter.

"Sieh zu, dass du das Zeug schnell wieder los wirst!", meinte Bill Peacock.

Jim hob die Augenbrauen.

"Wieso?"

"Diese Dollars haben keinen, der sie besaß, auch nur einen Funken Glück gebracht..." Dann wanderte Peacocks Blick dorthin, wo Captain Joe Davis noch immer im Staub lag. Der Lieutenant Colonel nahm den Hut ab.

"Schätze, da hast du wohl recht", murmelte Jim.

ENDE

Jagd auf den Ladykiller

Western von Thomas West

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Teil 1

Damals war Jackson keine ganz junge Stadt mehr. Viele Steinfassaden auf der Mainstreet, eine Menge städtisches Volk, und natürlich die verdammten Blauröcke. Der Krieg war erst seit zwei Jahren vorbei, und die Unionssoldaten begegneten einem auf Schritt und Tritt. An jenem Abend ritt eine ganze Kavallerie-Schwadron durch die Stadt. Ein paar Offiziere stiegen vor dem Saloon aus dem Sattel. Das war Scottys Glück.

Damals ging man auch in Jackson nicht ganz sorglos über die Straße, einer wie Scotty zweimal nicht. Sein Blick schweifte über Dächer und Bürgersteig und an Fenstern und Türen vorbei, während er durch die Staubwolke schritt, die sich hinter den Kavalleriegäulen auf die Straße senkte. Den Mann, der ihn tot sehen wollte, entdeckte er trotzdem nicht.

„Scotty!“ Jemand schrie seinen Namen. „Scotty!“ Eine Frau. Er fuhr herum, ließ sich gleichzeitig auf die ausgetrocknete Straße fallen und zog seinen .45er Colt.

Ein Schuss explodierte, vor der Hotel-Fassade stieg Pulverdampf aus einem Planwagen, eine Schrotladung peitschte den Staub drei Schritte hinter Scotty auf. Er rollte zur Seite, sah eine blonde Frau am Fenster stehen, sah sie winken, hörte sie schreien – und entdeckte endlich den Schützen: Er kniete hinter der Plane des Ochsenkarrens, der vor dem Hotel stand.

Wieder prasselte eine Schrotladung in den festgetretenen Boden der Straße, diesmal so dicht vor Scotty, dass ihm der Dreck um die Ohren spritzte. Die Blauröcke hatten sich längst auf die Bäuche geworfen, ihre Revolverläufe zielten in alle Himmelsrichtungen. An den Fenstern des Saloons drängten sich Cowboys, Männer riefen, und am Fenster heulte die Blonde sich die Seele aus dem Leib. Das Ochsengespann vor dem Wagen rührte sich nicht.

Scotty registrierte das alles nur beiläufig, seine Welt war auf den Planwagen vor dem Hotel zusammengeschrumpft, auf den Gewehrlauf neben der hinteren Planenöffnung, schon wieder richtete der sich auf ihn.

Ein einziges Mal drückte Scotty ab.

Das Echo seiner Kugel pfiff zwischen Saloon und Hotel hin und her. Erst fiel eine Flinte aus dem Planwagen, dann beulte sich die Plane aus, und schließlich kippte ein graubärtiger Mann in schwarzer Jacke von der Ladefläche. Sein Hut landete noch vor ihm im Staub.

Details

Seiten
562
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783738901658
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2019 (Juli)
Schlagworte
fünf western

Autoren

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Titel: Fünf scharfe Western #2