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Albtraumstunde: Zwei Romantic Thriller

2015 200 Seiten

Leseprobe

Albtraumstunde: Zwei Romantic Thriller

Alfred Bekker

Published by BEKKERpublishing, 2015.

Albtraumstunde: Zwei Romantic Thriller

von Alfred Bekker

Der Umfang dieses Buchs entspricht 190 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende zwei Romane:

DIE ANGST VERFOLGT DICH BIS ANS ENDE

Die Radiomoderatorin Lynne bekommt den Anruf eines Hörers, der behauptet, die Wiedergeburt eines Serienmörders zu sein. Nur ein verrückter Wichtigtuer? Oder hat eine zweifelhafte Reinkarnationstherapie tatsächlich dazu geführt, dass der dunkle Drang zu töten die Oberhand gewinnt? Bald scheint Lynne selbst in den Fokus des Mörders zu geraten...

DEIN ALBTRAUM WIRD ZUR WIRKLICHKEIT

Linda wird von Albträumen geplagt, in denen sie von einer Gestalt in eine Burgruine gehetzt wird. Ist sie nur überarbeitetet oder schon dem Wahnsinn nahe? Als sie dann dieselbe Burgruine auf einem Reiseprospekt entdeckt und sie ihren scheinbar grundlosen Ängsten auf den Grund zu gehen versucht, wird ihr Albtraum zur Wirklichkeit...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author, Cover: Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2015 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Angst verfolgt dich bis ans Ende

Die Radiomoderatorin Lynne bekommt den Anruf eines Hörers, der behauptet, die Wiedergeburt eines Serienmörders zu sein. Nur ein verrückter Wichtigtuer? Oder hat eine zweifelhafte Reinkarnationstherapie tatsächlich dazu geführt, dass der dunkle Drang zu töten die Oberhand gewinnt? Bald scheint Lynne selbst in den Fokus des Mörders zu geraten...

1

Lynne Davis atmete tief durch.

Die Musik war gleich zu Ende. Sie blickte nach links, wo Clark Grady, der Aufnahmeleiter hinter einem Glasfenster saß und ihr zunickte. Lynne strich sich eine Haarsträhne zurück.

Mein Gott, dachte die junge Frau. Ich mache diese Sendung nun schon fast drei Monate. Allmählich sollte sich wenigstens ein klein bisschen von dem einstellen, was man Routine nennt. Aber Lynne hatte noch immer vor jeder Sendung Schmetterlinge im Bauch.

Die Musik war zu Ende.

Ein rotes Licht ging an.

Jetzt war sie auf dem Äther und mindestens einige hunderttausend Ohrenpaare würden jetzt der Stimme von Lynne Davis lauschen.

"Und hier ist wieder Radio KLM, London und ich begrüße mal wieder alle Nachtschwärmer zur zweiten Hälfte von Lynne's Night-Talk. Heute zum Thema Reinkarnation und Wiedergeburt. Glaubt ihr daran, dass es mehrere Leben gibt, dass die Seele vielleicht nach dem Tod des Körpers weiterexistiert - oder seit ihr der Meinung, dass nach dem Tod alles zu Ende ist? Habt ihr schonmal gelebt? Es gibt Menschen, die davon überzeugt sind. Ganze Kulturen bauen auf diesem Glauben auf..."

Dann gab Lynne die Telefonnummer über den Sender. Zweimal, zum Mitschreiben.

Eine kurze Musikeinspielung folgte, dann der erste Anruf.

"Hallo, hier ist Lynne Davis. Wer spricht da?"

"Bill."

Die Stimme hatte einen seltsam dumpfen Klang, das fiel Lynne sofort auf. Aber sie dachte zunächst nicht weiter darüber nach.

"Bill, warum rufst du an? Was willst du uns erzählen?"

"Ich habe den ersten Teil der Sendung gehört - vor den Nachrichten. Und da dachte ich..." Er stockte. Seine Stimme klang wirklich merkwürdig... "Ich dachte, da muss ich mal anrufen. Es ist nämlich so, dass ich schonmal gelebt habe..."

"Du glaubst also an die Wiedergeburt."

"Ich weiß es, verdammt noch mal!"

Es war ein kleiner Ausbruch von unterdrückter Wut, der Lynne unwillkürlich einen Schauer über den Rücken jagte. Sie hörte ihn durch das Telefon atmen. "Entschuldigung", sagte er. "Aber es ist immer dasselbe, wenn man darüber redet. Man wird nicht ernst genommen..."

"Ich würde das Thema nicht in meine Sendung nehmen, wenn ich es nicht ernst nähme", erwiderte Lynne. "Aber sag mal, was ist mit deiner Stimme? Man kann dich so schlecht verstehen?"

"Ich spreche durch ein Taschentuch. Ich will nicht, dass jemand, den ich kenne, meine Stimme wiedererkennt..."

"Verstehe", murmelte Lynne. Er war nicht der erste Anrufer, der anonym bleiben wollte. Und natürlich hieß er auch nicht Bill. Aber darauf kam es nicht an.

"Ich hatte viele Leben in verschiedenen Zeitaltern", sagte der Anrufer. "Die meisten waren nichts besonderes. Durchschnittsmenschen, Handwerker, Bauern. Aber vor hundert Jahren wurde ich als William Delaney geboren..."

Lynne verstand nicht, aber Bill hatte das so gesagt, als würde es etwas bedeuten.

"Wer war dieser Delaney?", fragte Lynne.

"Ein Mörder. Er hat neun Frauen der feinen Gesellschaft umgebracht. Ich habe immer die Bilder dieser Frauen vor mir..." In seine Stimme kam ein seltsames Vibrieren hinein.

"Wie kommst du zu der Überzeugung, dass du einmal ein Mörder warst?", fragte Lynne.

"Ich habe eine Reinkarnationstherapie mitgemacht, weil ich psychische Probleme hatte und mir eine normale Therapie nicht helfen konnte..."

Oh, mein Gott! Ein Verrückter!, ging es Lynne unwillkürlich durch den Kopf. Wie hatte ihr Team den nur auf den Sender lassen können? Ein gutes Dutzend Mitarbeiter machten während der Sendung nichts anderes, als solche Anrufer auszufiltern.

"Eine Reinkarnationstherapie?", echote Lynne. "Was ist das?"

"Man geht davon aus, dass die Probleme, die man in diesem Leben hat, durch ungelöste Konflikte in früheren Leben verursacht sind. Der Therapeut versetzt den Patienten in Hypnose und geht mit ihm zunächst in die frühe Kindheit zurück. Dann zur Geburt, anschließend in die Zeit vor der Geburt und in frühere Leben. Ich war William Delaney, der neunfache Frauenmörder... Ich erlebte die Morde, ich sah die Opfer... Ich wurde hingerichtet, Lynne!"

Er brach ab.

"Hat dir diese Therapie denn geholfen?"

"Nein. Ich werde die schrecklichen Bilder nicht mehr los. Jede Nacht sehe ich die Gesichter der Frauen vor mir, die ich umgebracht habe. Ich sehe sie in einer langen Reihe und als letztes sehe ich mein eigenes Gesicht - ich meine, das Gesicht, das ich damals, als William Delaney hatte - in der Reihe..."

"Bist du immer noch in dieser Reinkarnationstherapie?", fragte Lynne.

"Nein. Ich habe sie abgebrochen."

"Bist du zu einem anderen Therapeuten gegangen? Einem Arzt?"

"Mir kann niemand helfen. Das weiß ich. Diese Bilder... Niemand kann sich vorstellen, was es bedeutet, wenn man plötzlich erfährt, dass man ein Mörder ist..."

"Ich verstehe dich gut", sagte Lynne.

"Nein, das versteht niemand. Niemand wirklich. Und dann... Da ist noch etwas..." Er stockte und machte eine kleine Pause. Einen Augenblick hatte Lynne schon den Verdacht, der Anrufer könnte raus aus der Leitung sein.

"Was ist da noch, Bill?", hakte sie nach.

"Ich weiß nicht, wie ich es sagen soll. Also, ich habe Angst, dass der Mörder, der ich war, wieder hervorbricht... Verstehst du, was ich meine?"

Bill hatte jetzt mit zitternder Stimme gesprochen.

"Erkläre es mir", erwiderte Lynne so sanft und ruhig sie konnte.

"Ich habe Angst, dass ich wieder der werde, der ich in einem früheren Leben schon einmal war! William Delaney, ein Serienmörder! Wenn ich diese High-Society-Frauen mit ihren Klunkern und Ketten um den Hals sehe... Ich beginne zu verstehen, weshalb ich - also ich meine Delaney - sie umbringen musste..."

Er atmete schwer. Die Zeit, die für einen einzelnen Anruf zur Verfügung stand, war längst verbraucht.

Aber Lynne konnte Bill jetzt nicht sich selbst überlassen.

Wenn sie Glück hatte, konnte sie ihn dazu überreden, sich noch mit dem Psychologen, den sie im Sendeteam hatten, zu unterhalten - natürlich ohne, dass davon etwas über den Sender ging. Denn Hilfe brauchte dieser Mann ohne Zweifel.

"Bill, hier warten bereits einige andere Anrufer in der Warteschleife", sagte Lynne. "Vielleicht unterhältst du dich noch ein bisschen mit unserem Psychologen... Hallo?"

Es hatte klick gemacht.

"Bill? Bist du noch dran?"

Die Leitung war tot.

2

"Mein Gott, du bist ja kreideweiß", meinte Clark Grady, der Aufnahmeleiter, als die Sendung zu Ende war.

Lynne schluckte.

"Ich bin froh, dass die Sendung zu Ende ist", gestand sie und fuhr sich mit der Hand über die Augen.

Clark hatte ihr einen schwarzen Kaffee hingestellt. Lynne lächelte matt.

"Danke."

"Keine Ursache. Ich glaube, den brauchst du jetzt."

"Das kann man wohl sagen."

Grady setzte sich zu der jungen Frau. Lynne war Mitte zwanzig und sportlich gekleidet. Sie trug Jeans und Pullover. Aber das lange Haar, das sie hochgesteckt trug, gab ihr einen Hauch von Eleganz.

"Das mit diesem Irren hat dich ziemlich mitgenommen, nicht wahr Lynne?", hörte sie Gradys Stimme.

Grady war doppelt so alt wie sie und sie wusste genau, dass sie es nur zur einen Hälfte ihrem Talent zu verdanken hatte, dass sie diese Sendung seit drei Monaten moderierte.

Talent war die Voraussetzung. Die andere Seite der Medaille waren Menschen, die dieses Talent erkannten und förderten.

Und das war Grady gewesen.

"Da musst du durch, Lynne."

"Dieser Mann ist krank, er braucht Hilfe."

"Ich weiß."

Eine attraktive Blondine tauchte auf und reichte Grady ein paar Unterlagen.

Lynne kannte sie. Es war Colleen McGray, eine aus dem Team, das die Anrufe entgegennahm.

"Wie konntet ihr diesen Verrückten auf den Äther lassen?", knurrte Grady sie an.

Er konnte sehr jähzornig werden, das wusste Lynne aus eigener Erfahrung. Aber meistens meinte er es gar nicht so hart, wie er es sagte. Und irgendeiner musste den Laden schließlich zusammenhalten. Deshalb konnte Lynne ihm das nachsehen.

"Ich...", stotterte Colleen.

"Wozu werdet ihr eigentlich bezahlt?"

"Die Story dieses Mannes klang interessant und überzeugend. Er wirkte sehr viel ruhiger, als er mit mir sprach..."

"Ja, ja..." Grady winkte ab und Colleen ging mit einem Schmollmund wieder davon. Sie schien wirklich beleidigt zu sein.

"Colleen kann doch nichts dafür!", versuchte Lynne sie zu verteidigen.

"Natürlich kann sie das! Sie soll besser aufpassen!"

Colleen ließ die Tür zuknallen.

Grady blickte Lynne gerade an. "Vergiss es so schnell du kannst, Lynne."

Sie lächelte matt.

"Spätestens zur nächsten Sendung", versprach sie und warf einen kurzen Blick zur Uhr. Halb zwei in der Nacht. Zeit, dass ich nach Hause komme, dachte sie.

Wenig später, als sie das Gebäude des Senders verließ und die frische, kühle Nachtluft in sich aufsog, kam ihr eine Gestalt entgegen. Es war ein Mann mit wehendem Mantel, der ziemlich abgehetzt wirkte. Im Schein der Außenbeleuchtung erkannte sie ihn sofort. Es war niemand anderes als Joe Stapleton, einer der Techniker, die zum Team ihrer Sendung gehörte. Ein netter Kerl, aber manchmal etwas unzuverlässig.

Und Grady konnte so etwas auf den Tod nicht ausstehen, deshalb hatte es von Anfang an Reibereien zwischen den beiden gegeben.

Stapleton sah sie kurz an.

Dann verzog er das Gesicht zu einem dünnen Lächeln.

"Hallo, Lynne!"

"Warst du gar nicht bei der Sendung dabei?"

"Ich bin im Verkehr steckengeblieben. Ein schwerer Unfall auf der Schnellstraße..." Er schluckte. "Wie ist Gradys Laune?"

"Nicht besonders gut", gestand Lynne. "An deiner Stelle würde ich da jetzt nicht hinaufgehen."

"Wenn ich's nicht tue, wird's nur schlimmer", glaubte Stapleton und ging an ihr vorbei. Dann drehte er sich nochmal halb zu ihr herum und sagte: "Ich habe die Sendung im Autoradio gehört, während ich im Stau stand. Du warst gut. Wirklich gut."

Sie lächelte matt. "So was hört man gerne!"

"Es war das erste Mal, dass ich die Sendung nicht aus dem Studio mitgekriegt hab. Ich muss sagen, es wundert mich überhaupt nicht mehr, weshalb du Waschkörbe voll Fanpost bekommst..."

3

Lynne bewohnte eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Obergeschoss eines Londoner Mietshauses, das so um die Jahrhundertwende erbaut worden sein musste.

Seit zwei Jahren wohnte sie dort, seit sie bei dem kleinen Privatsender KLM angefangen hatte. Inzwischen war KLM um einiges gewachsen und Lynnes Ansprüche, was eine Wohnung anging, eigentlich auch. Aber es war nicht leicht, in London etwas zu finden. Zwar war es, seit sie ihre eigene Sendung hatte, kein finanzielles Problem mehr, aber sie hätte sich intensiver darum kümmern müssen.

Und im Moment fehlte ihr dazu die Zeit.

Nachdem Lynne die Wohnung betreten hatte, ließ sie sich in einen der weichen Sessel fallen und rieb sich die Schläfen.

Morgen war Samstag und das war gut so, denn es bedeutete, dass sie frei hatte. Lynne's Night-Talk wurde von Montags bis Freitags gesendet, jeweils um Mitternacht.

In dieser Nacht schlief Lynne wie ein Stein.

Es musste irgendwann gegen Morgen sein, als sie plötzlich aus dem Schlaf hochschreckte. Ein düsterer Traum echote noch in ihr. Die offensichtlich verstellte Stimme des Anrufers, der sich Bill genannt hatte und sich für die Wiedergeburt eines Mörders hielt spukte noch in ihrem Kopf herum.

Aber dann merkte die junge Frau, dass es das Telefon war, das sie geweckt hatte.

Im nächsten Moment war sie hellwach.

Wer rief um diese Zeit noch an? Sie sah auf die Uhr. Drei Uhr nachts.

Seit Lynne die Sendung hatte, war sie immer wieder von Anrufern belästigt worden und daher besaß sie eine Geheimnummer, die nur wenigen Vertrauten bekannt war. Ihre Eltern gehörten dazu, ihre beste Freundin, und Grady, ihr Chef beim Sender...

Lynne stand auf.

Sie zögerte einen Augenblick, ehe sie den Hörer abnahm.

Dann griff sie entschlossen zu.

"Ja?"

Aber auf der anderen Seite der Leitung blieb alles tot.

Niemand sagte etwas. Es machte leise klick und dann war es vorbei.

Seltsam, dachte Lynne.

4

Am nächsten Tag war sie mit Mary Collins, ihrer besten Freundin, in der Eishalle verabredet. Mary war zwei Jahre jünger als Lynne, studierte noch und verdiente sich nebenbei ihr Geld als Model für Werbefotos.

Es war ein kühler, dunstiger Tag. Der Nebel hing wie eine grauweiße Suppe über London.

Lynne war etwas zu spät, aber sie hatte Glück. Mary wartete noch am vereinbarten Treffpunkt.

"Ich dachte schon, du hättest es dir anders überlegt!", maulte sie.

"Für wen hältst du mich?"

"Naja, es hat mich ja auch gewundert."

Lynne zuckte die Achseln.

"Ich habe schlecht geschlafen..."

"Oh. Dann bist du natürlich entschuldigt", lachte Mary, wobei sich auf ihren Wangen ein paar Grübchen zeigten.

Lynnes Lächeln geriet etwas dünn. Dann fragte sie: "Was hast du mit deinen Haaren gemacht? Ich hätte dich um ein Haar nicht wiedererkannt..."

Mary hob die Schultern.

"Ich habe Fotos gemacht - Werbung für eine Brillenfirma, um genau zu sein. Tja, und die von der Werbeagentur wollten nur mein Gesicht, nicht meine Haare, da musste ich sie abschneiden lassen. Bei den langen Locken käme die Brille nicht zur Geltung!"

"Steht dir aber auch!"

"Danke! Und nun lass uns endlich reingehen, sonst wird es so voll auf dem Eis, dass es keinen Spaß mehr macht!" Mary wollte sich schon zum Gehen wenden, aber Lynne fasste sie am Arm.

"Einen Moment noch."

"Ja?"

"Hast du heute Nacht bei mir anzurufen versucht?"

Mary schüttelte entschieden den Kopf. "Nein, wie kommst du darauf?"

"War nur eine Frage."

5

Anderthalb Stunden später waren sie ziemlich aus der Puste und saßen bei einer russischen Schokolade in dem Café, das zur Eishalle gehörte.

"Du bist nichts mehr gewohnt!", meinte Mary.

Lynne nippte an ihrer Tasse und erwiderte: "Ich weiß, meine Kondition ist miserabel."

"Seit du diese Sendung hast, kommst du zu fast nichts anderem mehr..."

"Ja." Lynne nickte. "Aber es ist eine einmalige Chance, so etwas muss man beim Schopf packen."

"Da hast du recht."

Lynnes Blick wurde nachdenklich. Sie hatte keine Lust, sich jetzt über den Sender zu unterhalten, auch wenn sie sonst mit Mary immer den neuesten Klatsch austauschte, den es von dort zu berichten gab. Aber nicht heute.

"Hör mal, Mary...", begann sie dann, brach aber im nächsten Moment wieder ab, als sie sah, dass die Augen ihres Gegenübers starr in eine Richtung blickten. "Was ist los?", fragte Lynne ihre Freundin und drehte sich herum.

Sie folgte Marys Blick, der in Richtung des Eingangs gerichtet war.

Gerade war dort ein Mann eingetreten. Er war Anfang dreißig, dunkelhaarig und trug unter seinem offenen Mantel einen Anzug, der sicher seine 300 Pfund Sterling gekostet hatte.

Er sah gut aus, fand Lynne, aber auf jeden Fall war er absolut unpassend für einen Besuch der Eishalle gekleidet.

Der Dunkelhaarige sah sich im Raum um, dann fiel sein Blick auf Mary und er ging geradewegs auf sie zu.

"So ein Zufall", begrüßte er sie. "Ich hätte nicht gedacht, Sie hier wieder zu treffen..."

"Ja, ich..." Mary stammelte etwas Sinnloses vor sich hin.

Sie schien recht verlegen zu sein und ihr Gesicht wurde von einer leichten Röte überzogen. Aber nach ein paar Sekunden hatte sie sich wieder im Griff. Sie wandte sich an Lynne.

"Lynne, darf ich dir Jack Gordon vorstellen? Er gehört zu der Werbeagentur, mit der ich die Brillen-Serie gemacht habe. Jack, das ist..."

"Sie müssen Lynne Davis sein", wurde Mary von Jack Gordon unterbrochen. Er bedachte Lynne mit einem seltsamen Blick. In seinen dunklen Augen war etwas, das die junge Frau vom ersten Moment an faszinierte, ohne dass sie genau hätte sagen können, was es war. "Die berühmte Lynne Davis von Radio KLM. Diese Stimme würde ich unter tausenden heraushören..."

"Sie übertreiben, Mr. Gordon."

"Nennen Sie mich Jack."

"Jack."

"Darf ich mich einen Moment zu Ihnen setzen?"

Er wartete eine Antwort gar nicht erst ab, sondern setzte sich einfach. "Wussten Sie, dass ich Ihre Sendung niemals verpasse? Zumindest nicht, wenn es sich irgendwie einrichten lässt. In unserer Branche gehören die meisten nicht zu den Frühaufstehern, wenn Sie verstehen, was ich meine."

"Sie sind in der Werbung, hat Mary gesagt", murmelte Lynne, eigentlich nur, um auch etwas zu sagen.

Er nickte.

"Stimmt. Ich habe zusammen mit einem Partner eine Agentur. Es läuft ganz gut." Er fixierte Lynne mit einem Blick, der ihr durch und durch ging. "Sie haben ein interessantes Gesicht, Lynne. Wollen Sie sich nicht auch mal für irgendetwas ablichten lassen?"

"Nein, danke", schüttelte die junge Frau entschieden den Kopf. "Dazu hätte ich auch gar keine Zeit..."

"Schade..."

Inzwischen kam die Bedienung und Jack Gordon bestellte eine Tasse schwarzen Kaffee.

Dann wandte er sich wieder an Lynne.

"Ihre letzte Sendung geht mir nicht aus dem Kopf", sagte Jack.

"Ach, ja?"

Lynne war alles andere als begeistert, dass er gerade auf dieses Thema kam.

"Dieser Mann, der behauptete, die Wiedergeburt eines Mörders zu sein..."

"Hören Sie, Jack, können wir nicht über etwas anderes reden?", fiel Lynne unvermittelt dazwischen, aber Jack fuhr dennoch fort.

"Ich habe Sie sehr bewundert", erklärte er und es klang aufrichtig.

"Bewundert?", echote Lynne.

"Ihr Einfühlungsvermögen. Sagen Sie, wie ist Ihre persönliche Meinung zu dem Thema? Was das angeht, haben Sie sich sehr zurückgehalten - ganz im Gegensatz zu ihrer sonstigen Art. Glauben Sie an die Wiedergeburt?"

Lynne war überrascht.

Dann lächelte sie und zuckte die Achseln.

"Um ehrlich zu sein, ich weiß nicht so recht, was ich davon halten soll. Einerseits halte ich es grundsätzlich für möglich, aber auf der anderen Seite gibt es noch keinen Beweis!"

"Und diese Reinkarnationstherapien, bei denen Patienten in frühere Leben zurückgeführt werden? Ist das kein Beweis?"

"Fest scheint nur zu stehen, dass die Betroffenen irgendetwas sehen", meinte Lynne. "Aber ob das Erinnerungen an frühere Leben sind oder Dinge des Unterbewusstseins - wer will das beurteilen?"

"Ausschließen würden Sie aber nicht, dass dieser Mann tatsächlich die Wiedergeburt von William Delaney ist..."

Lynne schluckte unwillkürlich.

"Natürlich nicht."

Sie unterhielten sich noch eine ganze Weile, wobei Mary kaum etwas dazu beitrug. Sie bestellte sich noch eine zweite Schokolade und saß ziemlich gelangweilt da.

Dann blickte Jack plötzlich auf die Uhr und gab an, noch einen Termin zu haben.

"Am Samstag?", fragte Lynne verwundert.

Jack lachte.

"Der Kunde ist nun mal König, auch wenn er sehr ungeduldig ist und seine Werbekampagne am liebsten schon vorgestern hätte... Vielleicht sehen wir uns irgendwann mal wieder..."

"Vielleicht", murmelte Lynne.

Dann verabschiedete Jack Gordon sich.

"Meine Güte, den hast du aber beeindruckt!", staunte Mary.

Lynne machte eine wegwerfende Handbewegung.

"Du übertreibst", war sie überzeugt.

"Wieso? Ich war doch völlig Luft für ihn!"

Lynne wirkte auf einmal nachdenklich. Dann fragte sie ihre Freundin: "Was ist das für ein Mann?"

Mary machte ein unbestimmtes Gesicht.

"Er ist kreativ und schon recht erfolgreich, obwohl er wohl erst ganz am Anfang steht. Soll ich dir seine Telefonnummer geben?"

"Sehr witzig!"

Mary lachte.

"Das war ganz ernst gemeint!"

Später, als Lynne wieder in ihre Wohnung kam, erlebte sie eine Überraschung. Auf dem Wohnzimmertisch fand sie einen Bund Rosen vor, die mit Draht zusammengehalten wurden. Der Draht war dabei zu einer seltsamen Schlinge geformt...

6

Am Montag Nachmittag ging Lynne wieder in den Sender. Eine Redaktionskonferenz war angesetzt.

"Na,schönes Wochenende gehabt?", begrüßte Colleen McGray sie mit einem säuerlichen Lächeln.

"Es ging", erwiderte Lynne. "Jedenfalls hatte ich dringend die freien Tage nötig."

"Verstehe. Aber sei gewarnt. Grady ist mal wieder auf hundertachtzig."

"Oh", machte Lynne.

"Hast du es schon gehört?", flüsterte Colleen dann, während die Frauen den Sitzungsraum betraten.

Lynne wandte sich herum. "Nein, was denn?"

"Grady hat dafür gesorgt,dass Joe aus dem Team genommen wurde. Er sei zu unzuverlässig. Jetzt ist er in einer anderen Abteilung des Senders."

"Das ist schade."

Colleen nickte. "Sei nur froh, dass dir so etwas nicht passieren kann."

Lynne sah verwundert drein. "Wie kommst du darauf?", fragte sie erstaunt.

Colleen lächelte freundlich. "Du bist doch inzwischen so etwas wie das Markenzeichen der Sendung geworden, da kannst du dir mehr rausnehmen. Denn im Zweifelsfall würde sich KLM vermutlich eher von Grady als von dir trennen!"

Lynne zuckte die Achseln.

"Aber nur, solange genug Leute das Radio anmachen, wenn ich im Äther bin!"

Colleen lachte.

"Das sowieso, Lynne!"

"Ach, Colleen..." Lynne nahm sie etwas zur Seite.

"Was ist denn?"

"Hast du eine Ahnung, wer auf die Idee gekommen sein könnte, mir ein paar Rosen in die Wohnung zu legen, während ich nicht zu Hause war?"

Colleen wirkte ziemlich erstaunt. "Keine Ahnung. Muss jemand sein, der Schlüssel hatte, oder?"

"Da gibt es keinen, der in Frage kommt."

"Wer was davon versteht, kommt auch so in jede Wohnung rein", meinte Colleen leichthin. "Vielleicht jemand aus deinem Publikum!", fing sie dann an zu necken. "Das liebt dich doch inzwischen abgöttisch..."

Aber Lynne fand das alles andere als witzig.

7

Die Konferenz dauerte etwa eine Stunde. Lynne hatte bis ungefähr um elf Uhr abends noch Zeit und überlegte, ob sie nicht etwas essen gehen sollte.

Natürlich nur etwas Leichtes und vor allen Dingen nichts, von dem man hinterher aufstoßen musste. Schließlich wäre es nicht gerade ihrem Image förderlich gewesen, wenn sie mitten in der Sendung, womöglich während einer herzzerreißenden Schicksalsbeichte, ein unappetitliches Geräusch über die Lippen gehen ließ.

Aber Lynne hatte sich längst daran gewöhnt, in diesen Dingen Disziplin zu halten.

Lynne erreichte den Parkplatz des Senders, um zu ihrem Wagen zu gelangen, den sie ein paar Augenblicke später erreicht hatte.

Sie hatte gerade den Schlüssel ins Türschloss gesteckt, da ließ eine Stimme sie herumfahren.

"Hallo, Lynne - ich darf Sie doch so nennen. Schließlich nennen alle Ihre Hörer Sie so!"

Lynne blickte in das freundlich lächelnde Gesicht von Jack Gordon, dessen warme, dunkle Augen sie aufmerksam musterten.

Lynne lächelte zurück.

"So ein Zufall."

"Das ist kein Zufall", erklärte Gordon und umrundete dabei den Porsche, mit dem er offenbar gekommen war. Werbung musste ein einträgliches Geschäft sein, ging es Lynne durch den Kopf.

"Kein Zufall?", echote sie.

"Ich habe auf Sie gewartet, Lynne."

"Ich hoffe nicht, dass Sie zu den zwei Dutzend Leuten gehören, die mir pro Woche einen Heiratsantrag machen wollen...", scherzte Lynne.

Jack grinste.

"Nein, eigentlich wollte ich Sie nur zum Essen einladen. Aber... Sie bringen mich da auf einen interessanten Gedanken."

"Hören Sie bloß auf!"

Sie lachten beide. Und bei dem Blick, den Jack ihr dann zuwarf, fühlte Lynne ein seltsames Kribbeln.

Jack öffnete indessen die Beifahrertür des Porsches.

"Steigen Sie schon ein! Sie wollten doch essen, oder? Und bis zu Ihrer Sendung haben Sie doch noch ein bisschen Zeit... Ich werde Sie ganz bestimmt wieder pünktlich hier absetzen!"

"Sie lassen nicht locker, was?" Lynne strich sich eine Strähne aus dem Gesicht.

Warum eigentlich nicht?, dachte sie dann.

Dieser Jack schien ein interessanter und sympathischer Mann zu sein. Und nachdem sie in der letzten Zeit fast ausschließlich für ihre Arbeit gelebt hatte, war es vielleicht an der Zeit, sich mal wieder etwas Privatleben zu gönnen.

"Also gut", sagte sie dann.

8

Es war ein französisches Restaurant der oberen Kategorie, in das Jack die junge Frau ausführte. Lynne wollte erst protestieren, weil sie meinte, dass sie dafür eigentlich nicht passend angezogen sei.

Aber Jack bestand darauf. Und er setzte sich mit seiner Hartnäckigkeit schließlich auch durch.

"Warum nicht spontan sein", meinte er zu ihr. "Mal den Augenblick zu dem nutzen, wofür er geschaffen ist!"

"Schön gesagt, aber...

"Kein Aber, Lynne! Kommen Sie!"

Und dabei fasste er ihre Hand.

Als sie dann am Tisch saßen und der Ober den Wein gebracht hatte, fragte Lynne plötzlich: "Woher wussten Sie, dass Sie mich da auf dem Parkplatz antreffen?"

Er lächelte.

"Ich habe mich erkundigt."

"Niemand kann wissen, wann so eine Konferenz zu Ende ist!"

"Ich habe auf Sie gewartet, Lynne."

"Sind Sie immer so zielstrebig?"

"Nur in Ihrem Fall, Lynne."

Sie stießen mit den Gläsern an.

"Auf die Zukunft!", sagte Jack und Lynne hatte nichts dagegen einzuwenden.

"Meinetwegen", kam es leise über ihre Lippen.

Während des Essens unterhielten sie sich über alles Mögliche, wobei Lynne feststellte, dass sie den Großteil davon bestritt. Sie erzählte Jack, dass sie erst seit einem halben Jahr in London sei, dass es schwer war, hier Anschluss zu finden, welches Glück sie gehabt hatte, als sie den Job bei KLM und wenig später sogar eine eigene Sendung bekommen hatte...

Ihr Redefluss schien ihn nicht zu stören.

Im Gegenteil, er hörte ihr aufmerksam zu.

"Ich langweile Sie sicher mit meinem Gerede", sagte Lynne dann schließlich, etwas verlegen.

Aber Jack schüttelte ganz entschieden den Kopf.

"Nein, ganz bestimmt nicht."

"Wirklich nicht?"

"Sie sind eine faszinierende Frau, Lynne und ich höre Ihnen gerne zu. Hatte ich das Ihnen nicht schon einmal gesagt?"

Er lächelte. "Schließlich war das der Grund, weshalb ich Sie kennenlernen wollte!"

"Weil Sie meine Stimme im Radio gehört haben, ich weiß", murmelte Lynne. "Und jetzt haben Sie mich live gegenüber!"

"Richtig und das ziehe ich dem Hören Ihrer Sendung bei weitem vor!"

Sie lachten. Und Lynne fühlte wieder dieses eigentümliche Kribbeln. Dieser Mann interessierte sie, es hatte keinen Sinn, das länger leugnen zu wollen.

Seine Art, sein sicheres Auftreten gepaart mit dem Verständnis, das er signalisierte, das gefiel ihr. Und außerdem hatte er Charme.

Dann entstand eine Gesprächspause, in der sich ihre Blicke begegneten.

Lynne fühlte, wie ihr Puls schneller ging.

"Sie wissen jetzt schon so viel über mich", stellte sie dann etwas verlegen nach einigen Augenblicken des Schweigens fest, um die Stille endlich zu brechen. "Wie wär's, wenn Sie auch mal etwas über sich erzählen, Jack!"

Er zuckte die Achseln.

"Da gibt es nicht viel zu erzählen, denke ich."

Lynne zog die Augenbrauen hoch und beugte sich etwas vor.

"Und das sagt ein Mann, der in einer Branche arbeitet, die sich selbst als kreativ bezeichnet?"

Er beugte sich ebenfalls etwas vor und erwiderte mit einem leicht spöttischen Gesichtsausdruck: "So wird die Werbebranche nur von Außenstehenden bezeichnet!"

Lynne zeigte einen Ausdruck gespielten Erstaunens.

"Ach - Sie sind kein kreativer Mensch?", lächelte sie.

"Ich bin völlig einfallslos!", erwiderte Jack und versuchte dabei einen unbestimmten Gesichtsausdruck aufzusetzen, was ihm gründlich misslang.

"Wie kommt es nur, dass ich das Gefühl habe, Sie nehmen mich auf den Arm, Jack?"

9

Als sie das Restaurant verließen, war es schon dunkel.

Sie gingen Arm in Arm durch nebeligen Straßen Londons. Es war kühl und feucht und inzwischen war ein scharfer Wind von Westen her aufgekommen.

Die Kälte schnitt ohne Schwierigkeiten durch Lynnes Mantel hindurch.

Aber das alles machte ihr im Augenblick nichts aus. Sie spürte wie ein warmes Glücksgefühl ihren gesamten Körper durchströmte.

Liebe auf den ersten Blick gibt es nicht, sagte sie sich.

Aber vielleicht auf den zweiten... Jedenfalls fühlte sie sich in Jack Gordons Gegenwart so wohl wie schon lange nicht mehr.

Jack hatte den Wagen in einer Nebenstraße geparkt, die sie nach wenigen Minuten erreicht hatten.

Hinter dem Scheibenwischer steckte ein Strafmandat wegen Falschparkens, das Jack, ohne daraufzusehen in die Manteltasche steckte.

Dann brachte er sie zurück zum Gebäude von Radio KLM.

"Ich würde Sie gerne wiedersehen, Lynne", sagte Jack, bevor die junge Frau aus dem Wagen stieg.

"Gut."

"Also, bis demnächst", lächelte Jack.

Lynne sah auf die Uhr. Es wurde Zeit. Sie wollte keines von Gradys gefürchteten Gewittern auf sich herabbeschwören.

"Ich muss jetzt gehen", sagte sie. Jack gab ihr zum Abschied einen zurückhalten Kuss auf die Wange.

"Ich werde mir Ihre Sendung anhören!", versprach er.

Ein paar Augenblicke später stand Lynne dann da, sah Jacks Porsche davonfahren und ärgerte sich darüber, dass sie ihn weder nach seiner Adresse noch nach seiner Telefonnummer gefragt hatte.

Ich bin ein Schaf, dachte sie. Andererseits eine Werbeagentur, die so wenig Werbung für sich machte, dass sie nicht einmal im Telefonbuch stand war kaum denkbar.

10

"Hör' mal, wo bist du mit deinen Gedanken, Lynne?", fragte Grady etwas unwirsch über den Kopfhörer.

Es war mitten in der Sendung, allerdings lief gerade eine Musik-Einspielung über den Äther.

"Was ist denn los?", fragte Lynne, obwohl sie es natürlich genau wusste.

"Konzentriere dich mehr auf deine Gesprächspartner! Weiß der Teufel was dir im Kopf herumgeht - es hat da jetzt nichts zu suchen, kapiert?"

"Klar."

Und dann kam das rote Signal. Lynne war wieder an der Reihe. "Hier ist Radio KLM mit Lynne's Night-Talk, der heute wieder einmal für alles offen ist, das heißt es gibt kein bestimmtes Thema, um das es in dieser Nacht geht, sondern ihr könnt euch zu allem äußern, was euch so bewegt... Und da ist auch schon der Anrufer... Mit wem spreche ich?"

"Hallo, Lynne... Wir haben schonmal miteinander gesprochen."

Lynne fröstelte unwillkürlich bei dem dumpfen Klang der ziemlich undeutlich sprechenden Stimme.

"Sagst du mir deinen Namen?"

"Ich bin es, Bill!"

"Bill! Schön, dass du nochmal anrufst." Und dann fasste Lynne in einem Halbsatz für die Hörer zusammen, worum es in dem ersten Gespräch mit Bill gegangen war. "Beim letzten Mal sind wir ziemlich plötzlich unterbrochen worden", stellte die junge Frau dann fest.

"Ja", kam es dumpf durch die Telefonleitung.

"Was ist passiert..."

"Es wird übermächtig...", flüsterte der Anrufer nach einigem Zögern. "Ich kann nicht mehr dagegen an. Nein, ich will es auch nicht, aber ich weiß, dass es nicht gut ist... Es bricht hervor..."

"Was bricht hervor, Bill?"

Ein röchelndes Atmen war zu hören. Dreimal holte der Anrufer namens Bill Luft, ehe er schließlich antwortete.

"Der Drang zu töten, Lynne. Derselbe Drang, den auch William Delaney vor hundert Jahren gespürt hat... Ich habe hier eine Drahtschlinge, verstehst du? Ich bin in einen Hobbymarkt gegangen und habe mir Draht besorgt... William Delaney hat mit Draht getötet... Mein Gott!"

Lynne hörte ihn schlucken.

"Leg nicht auf Bill!", beschwor sie ihn.

Ein paar bange Sekunden lag war nichts weiter als ein Knacken durch die Leitung zu hören.

Dann meldete sich Bill wieder. "Ich werde jemanden töten... Schon sehr bald. Ich fühle es."

"Bill, wo bist du jetzt?", fragte Lynne.

Auf der anderen Seite herrschte wieder einen Moment Schweigen. "Ihr wollt mich ins Gefängnis stecken! Ihr wollt mich einsperren! Ihr wollt..."

"Ich will dir helfen!", sagte Lynne.

"Wahrscheinlich habt ihr schon die Polizei verständigt, was? Und jetzt versucht ihr, den Anruf zurückzuverfolgen....

"Bill, selbst wenn wir das wollten! Es wäre so schnell gar nicht möglich! Glaub mir!"

"Pah!"

"Bill!"

Lynne spürte, wie ihr die Sache gänzlich entglitt.

"Aber ich bin nicht auf den Kopf gefallen!", hörte sie den Anrufer krächzen. "Nein, das bin ich nicht, ich..." Eine kurze Pause entstand, dann fragte er: "Haben dir übrigens die Rosen gefallen?" Ein irres Lachen folgte. Dann machte es klick und das Gespräch war unwiderruflich zu Ende. Und Lynne fühlte sich, als hätte ihr so eben jemand voller Wucht ein Brett vor den Kopf geschlagen.

11

Es dauerte nicht lange und im Sender war der Teufel los. Ein halbes Dutzend Beamten von Scotland Yard waren da und vernahmen alle Beteiligten.

Der Mann, der die ganze Aktion leitete, hieß McGill und war Chief Inspector. Er war klein, rundlich und trug einen ziemlich unmodernen Mantel mit Fischgrätmuster.

Die Sendung war aufgezeichnet und McGill hatte sich das Band - soweit es den Anrufer betraf, der sich Bill genannt hatte - schon dreimal angehört.

"Dieser Mann hat zweifellos einen Mord angekündigt", meinte er düster. "Und wie es scheint, gibt es nichts, was man dagegen tun kann, dass er seine Wahnvorstellungen in die Tat umsetzt..."

"Vielleicht ruft er nochmal an", meinte Lynne.

Der Chief Inspector nickte.

"Eine schwache Hoffnung", gestand er ein. "Aber möglich wäre es durchaus. Wir werden eine Fangschaltung legen, sofern Sie nichts dagegen haben."

"Gut."

Lynne lief auf und ab und rieb sich dabei nervös die Hände.

"Es ist ein scheußliches Gefühl, so dasitzen zu müssen, zu wissen, dass etwas Schreckliches passiert und nichts tun zu können."

McGill zuckte die Achsel.

"Vielleicht haben wir Glück und es handelt sich nur um einen Wichtigtuer, der auf sich aufmerksam machen will..."

"Meinen Sie?"

"Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand einen Mord nur ankündigt, ihn aber nicht ausführt."

Die Tür ging auf und Colleen kam herein. Sie brachte Kaffee für den Inspektor.

"Möchtest du auch eine Tasse, Lynne?", wandte sie sich an die Moderatorin der Sendung. "Ist ja eigentlich ein bisschen spät..."

Lynne zuckte die Achseln. "Ich werde den Rest der Nacht ohnehin kaum schlafen können..."

12

Irgendwann gegen zehn Uhr am Vormittag wurde Lynne durch ihren Radiowecker geweckt. Erst kam Musik, dann die Nachrichten. Als von einer Frau berichtet wurde, die in den frühen Morgenstunden mit einem Stück Draht erdrosselt worden sein musste, horchte Lynne auf.

Mit einem Schlag war sie hellwach.

Sie sprang aus dem Bett und stellte das Radio lauter. Die Tote war in einem Park von einem Jogger gefunden worden, der daraufhin die Polizei alarmiert hatte.

Dann war die Meldung auch schon zu Ende und es wurde für den heutigen Tag ein scheußliches Wetter angesagt. Kalt und nebelig, so wie es auch schon an den letzten Tagen gewesen war.

Er hat es also tatsächlich wahrgemacht, ging es Lynne durch den Kopf. Er hat es wirklich getan! Dieser Wahnsinnige...

Lynne öffnete ein wenig das Fenster, um frische Luft hereinzulassen. Ihr Blick ging über das schier unendliche Häusermeer, dass sich jedoch ziemlich bald im Nebel verlor.

Irgendwo da draußen lief dieser Mann herum. Bill - oder William Delaney, ganz wie man wollte.

Es klingelte an der Tür.

Vielleicht die Post mit einem Einschreiben oder dergleichen. Lynne zog sich einen Morgenmantel über und blickte durch den Spion.

Draußen stand niemand anderes als Jack Gordon.

Irgendwie musste er ihre Adresse herausgefunden haben. Lynne öffnete. "Guten Morgen, Jack..."

"Guten Morgen, Lynne." Er hob eine weiße Plastiktüte in die Höhe. "Ich habe Zutaten für ein kräftiges Frühstück mitgebracht. Was halten Sie davon?"

"Naja..."

"Also sind Sie einverstanden! Das ist gut!"

Er drängte sich an ihr vorbei in die Wohnung und sie ließ es geschehen. Warum nicht?, überlegte sie.

"Vielleicht gestatten Sie, wenn ich mich erst einmal anziehe", meinte Lynne.

"Sicher. Zeigen Sie mir die Küche und ich werde inzwischen Ham und Eggs braten."

"Die Küche ist die zweite Tür da vorne!"

13

Wenig später saßen sie dann zusammen beim Frühstück. Jack hatte üppig eingekauft und es duftete köstlich. Aber Lynne hatte dennoch nicht so recht Appetit.

"Hast du meine Sendung gestern gehört?", fragte sie schließlich in einem vertraulicherem Tonfall, nachdem sie ihren schwarzen Kaffee getrunken hatte.

"Ja." Jack nickte und sein Gesicht, dass soeben noch so heiter gewirkt hatte, bekam jetzt einen ernsten Ausdruck. "Du meinst die Sache mit diesem wiedergeborenen Mörder, nicht wahr?"

"Er hat gedroht, jemanden zu töten!"

"Ja, aber er hat es nur gesagt und das ist noch nicht strafbar!"

"Er hat seine Drohung wahrgemacht, es kam gerade in den Nachrichten. Eine Frau ist erdrosselt aufgefunden worden."

"Und woher weißt du, dass es dieser mysteriöse Anrufer war? In London passieren jeden Tag ein paar Morde. Einer so abscheulich wie der andere - aber..."

Er fasste ihre Hand und sah sie an.

"Ja, du hast recht", musste sie zugeben, "ich weiß es nicht. Aber, andererseits scheint alles übereinzustimmen..."

"Du solltest erst einmal abwarten, was die Polizei dazu sagt", meinte Jack.

Lynne lehnte sich etwas zurück.

"Du meinst, ich bin hysterisch, nicht wahr?"

"Nein", stellte Jack klar. "Das will ich damit auf keinen Fall sagen."

"Was willst du dann damit sagen?"

"Vielleicht wäre es an der Zeit, dass du mal ein bisschen Urlaub nimmst!" Er beugte sich vor und strich ihr zärtlich über das Haar, als er das ärgerliche Funkeln in ihren Augen bemerkte. Ihre Züge entspannten sich daraufhin deutlich.

"Ich will mich nicht streiten", sagte sie. "Es ist so schön, dass du hier bist. Woher hast du meine Adresse?"

"Aus dem Telefonbuch."

"Da steht sie nicht drin."

Jack zuckte die Achseln und machte ein unbestimmtes Gesicht, das er zu einer Grimasse verzog, als er seinen Orangensaft leertrank. "Ich weiß sie eben. Was weiß ich, woher. Ist doch nicht so wichtig, oder?"

"Nein."

Vermutlich hatte er alles von Mary, überlegte Lynne. Das ist mir eine schöne Freundin, die alles über einen ausplaudert!, ging es ihr durch den Kopf.

Aber so richtig ärgerlich sein konnte sie ihrer Freundin auch nicht. Schließlich hatte sie es zum Teil ihr zu verdanken, dass sie Jack überhaupt kennengelernt hatte. Und obwohl das erst ein paar Tage her war, schien dieser Mann schon ganz selbstverständlich zu ihrem Leben zu gehören. Lynne wunderte sich über sich selbst.

Aber wenn sie ganz ehrlich war, dann hatte sie gar nichts dagegen einzuwenden, dass er auch weiterhin dort eine wichtige Rolle spielte.

"Unternehmen wir heute etwas zusammen?", fragte sie.

"Tut mir leid. Ich muss gleich weg und habe dann den Tag voll mit Terminen."

"Schade."

"Du weißt doch selbst, wie das ist!"

Sie nickte. "Sicher. Aber es ist trotzdem schade." Sie stand auf, ging zu ihm hin und legte ihm die schlanken Arme um den Hals. Jack umfasste zärtlich ihre Taille und zog sie an sich. Im nächsten Moment fanden sich ihrer beider Lippen zu einem Kuss voller Leidenschaft.

14

Als Lynne an diesem Abend, kurz vor ihrer Sendung ins Studio ging, hatte sie ein mulmiges Gefühl. Sie war nervös. Jemand hatte ihr einen Kaffee hingestellt, den sie hastig austrank und dabei ein wenig verschüttete.

Grady, der bärbeißige Aufnahmeleiter sah das, als er hereinkam.

"Du wirst die Sendung doch durchstehen, oder?"

"Sicher, Mr. Grady."

"Weißt du, wie die Einschaltquoten inzwischen in die Höhe geschnellt sind? Ich sag's dir besser nicht, sonst wirst du am Ende noch eingebildet. Und unsere Werbespots gehen weg wie warme Semmeln!" Dann trat Grady etwas näher an Lynne heran und fuhr mit gedämpftem Tonfall fort: "Sollte der Kerl noch einmal anrufen, dann ist alles bereit. Ein Team von Scotland Yard ist da und es braucht nur ein Knopf gedrückt zu werden, um die Fangschaltung zu aktivieren."

Lynne seufzte.

"Gut."

"Du musst ihn in ein möglichst langes Gespräch verwickeln, hörst du?"

"Ich werde mein Bestes versuchen!", versprach Lynne.

Die Sendung begann. Das Thema interessierte Lynne nicht sonderlich, wenn sie ganz ehrlich war, aber es war "in". Es ging um Piercing. Soll man sich Ringe durch Nasenflügel, Bauchnabel oder beliebige andere Körperteile schießen lassen?

Ist das eher erotisch oder abstoßend? Seit Wochen schon bombardierten die Zuhörer die Redaktion von KLM mit Briefen, in denen gefordert wurde, zu diesem Thema doch endlich einmal eine Sendung zu machen.

Lynne's Night-Talk plätscherte so vor sich hin, unterbrochen von Nachrichten, Musik und etwas Werbung.

Dann drang eine Stimme durch die Leitung, die Lynne inzwischen nur zu gut wiedererkannte. Sie klang dumpf und verstellt, wie durch ein Taschentuch gesprochen. Lynne fröstelte unwillkürlich und fühlte, wie sich ihre Nackenhaare aufrichteten. Es war Bill..

"Ich habe es getan", sagte Bill einfach nur.

"Was hast du getan?", echote Lynne und machte Grady ein Zeichen. Aber der hatte längst verstanden, was los war.

"Ich habe die Frau erwürgt, die heute Morgen gefunden wurde."

"Warum? Hat sie irgendetwas getan?"

"Nein. Ich kannte nicht einmal ihren Namen."

"Warum hast du sie dann umgebracht, Bill?"

"Ich musste es. Ich konnte nicht anders. Ich war wieder William Delaney. Und ich werde wieder töten... Ich fühle es. Ich kann nicht dagegen an..."

"Und jetzt? Bist du jetzt auch William Delaney?"

"Ja, nein, ich meine, weiß nicht. Ich bin Bill."

"Bill ist die Kurzform von William."

Er schwieg. Und das Schweigen verhieß nichts Gutes.

Vielleicht das Gespräch abbrechen. Lynne hatte das Gefühl, etwas sagen zu müssen. Irgendetwas, nur damit der Gesprächsfaden zwischen ihnen nicht abriss... "Bill", sagte sie sanft und so behutsam, wie ihr das in dieser Situation möglich war. "Du möchtest doch sicher auch, dass dieser schreckliche Drang, wie du es nennst, aufhört..."

"Ja..." Es war kaum mehr, als ein dumpfes Ächzen, was da durch die Leitung kam.

"Dann lass dir helfen!", beschwor Lynne ihn.

Schweigen.

Dann ein Ausbruch. "Ihr wollt mich an den Galgen bringen! Das wollt ihr, jawohl!"

"Niemand will das!"

"Natürlich!"

"Bill!"

"Erst dann wird es aufhören, das denkt ihr, nicht wahr? Aber ich will nicht sterben. Ich will nur, dass es aufhört..."

"Heute wird bei uns niemand mehr an den Galgen gebracht", stellte Lynne sachlich fest. "Hörst du mich, Bill?"

Schweigen. Aber er war noch an der Leitung. Lynne konnte seinen Atem hören. "William?", fragte Lynne dann vorsichtig, einem vagen Instinkt folgend.

Es machte klick.

15

Die Sendung wurde durch Musikeinspielung unterbrochen.

McGill platzte ins Aufnahmestudio hinein. Der Chief Inspector von Scotland Yard machte ein ziemlich zufriedenes Gesicht.

"Großartig, Miss Davis!", rief er. "Das haben Sie prima hingekriegt."

Lynne hob skeptisch die Augenbrauen. "Glauben Sie, dass es reicht?"

"Ja, das kann gut sein."

"Ich hoffe, Sie kriegen den Kerl, bevor er noch einen Mord begeht!"

"Wir tun unser Bestes."

"Das weiß ich", versicherte die junge Frau.

Es dauerte nicht lange, dann stand das Ergebnis fest.

Bill hatte von einer Telefonzelle aus angerufen. Und ehe dort auch nur ein einziger Polizist auftauchte, würde Bill auf und davon sein.

"Was werden Sie jetzt tun?", fragte Lynne an Chief Inspector McGill gewandt.

McGill machte ein ziemlich resigniertes Gesicht und kratzte sich am Kinn. "Alles, was wir wissen ist, dass von der Telefonzelle Harlington Road Ecke Ladbroke Drive aus angerufen wurde. Ein paar Polizeiwagen werden hinfahren, aber das Ganze wird nichts bringen."

Lynne hob den Kopf und sah dem Chief Inspector geradewegs in die blauen Augen. "Er wird weiter morden, nicht wahr?

"Ja."

"Und es gibt nichts, was ihn daran hindern könnte..."

"Wir werden versuchen, alles, was wir über ihn wissen zusammenzutragen", erklärte McGill. "Wussten Sie, dass es diesen William Delaney wirklich gab?"

"Nein."

"1898 wurde er wegen neunfachen Frauenmordes am Galgen hingerichtet. Delaney war ein kleiner Prokurist einer Handelsagentur und liebte ein um zehn Jahre jüngeres Mädchen aus armen Verhältnissen. Er führte die junge Frau in die Mittelklasse-Gesellschaft ein, aber bevor es zur Heirat kam, zog die Dame es vor, sich einem hochgestellten Kolonialoffizier an den Hals zu werfen, der sie mit nach Indien nahm, wo sie mit Dutzenden von Hausangestellten das Leben einer Lady führen konnte..."

"Daher Delaneys Hass auf Frauen der Oberklasse."

McGill lachte rau und etwas unpassend, wie Lynne fand.

Dann räusperte er sich und meinte: "Was diesen Punkt angeht, scheint er sich im Niveau verschlechtert zu haben, wenn man vom letzten Opfer ausgeht... Aber dieses Gerede von der Wiedergeburt ist ja wohl ohnehin nur etwas für Verrückte. Für Delaney eine Legende, um sich interessant zu machen. Die Informationen, die er bisher über Delaney geliefert hat, sind ja auch ziemlich oberflächlich. Die kann er sich überall angelesen haben..."

Da musste Lynne ihm recht geben.

Andererseits waren die Rückführungen unter Hypnose ebenfalls eine Tatsache.

16

Lynne fühlte sich matt und ausgelaugt, als sie in ihre Wohnung kam. Sie zog die Schuhe aus, ging in die Küche, um sich aus dem Kühlschrank etwas zu trinken zu holen.

Dann läutete das Telefon.

Sie zögerte einen Moment, dann nahm sie den Hörer ab.

"Hallo?"

Auf der anderen Seite der Leitung war nichts weiter, als ein etwas unregelmäßiges Atmen zu hören.

"So melden Sie sich doch", forderte Lynne ärgerlich, aber sie bekam keine Antwort.

Sie knallte den Hörer auf die Gabel.

Irgendjemand wollte ihr da wohl einen Schrecken einjagen.

Lynne fragte sich nur, wer das wohl sein konnte. Diese wahnsinnige Wiedergeburt von William Delaney, die da irgendwo in den Straßen Londons umherschlich und vielleicht schon seinem nächsten Opfer auflauerte, kam wohl in Frage. Und das beruhigte Lynne ein wenig.

Schließlich hatte sie ja eine Geheimnummer und woher sollte Bill diese schon wissen? Nein, das war zu unwahrscheinlich.

Andererseits - auch so eine Geheimnummer war kein unüberwindbares Hindernis. Und wer konnte schon dafür garantieren, dass all diejenigen, die diese Nummer kannten, auch wirklich dichtgehalten hatten.

Lynne zog sich aus und ging ins Bett.

Aber sie fand keinen Schlaf.

Die heutige Sendung hatte sie einfach zu sehr aufgewühlt.

Und dann ging erneut das Telefon. Ich werde nicht abnehmen, war Lynne entschlossen. Sie wartete ab. Es klingelte genau achtmal, dann verstummte der Apparat.

Es war früher morgen, als das Telefon sie erneut weckte.

Lynne ging ran, schließlich konnte es um diese Zeit auch ein wichtiger Anruf sein. Wieder war nur das Atmen des Unbekannten zu hören.

Lynne war einige Augenblicke lang im Zweifel, was sie tun sollte. Die Versuchung war groß, den Hörer gleich wieder auf die Gabel zu knallen oder dem Unbekannten gehörig die Meinung zu sagen. Aber dadurch würde sie kein bisschen mehr wissen, als zuvor.

Sie wartete geduldig.

"Lynne?", fragte dann eine dumpfe Stimme. Eine Stimme, deren verfremdeten Klang Lynne inzwischen nur zu gut wiedererkannte. Es war, als ob eine kalte Hand sich ihr auf den Rücken legte.

"Bill", stellte sie kühl fest. "Oder soll ich besser Mr. Delaney sagen?"

Auf der anderen Seite herrschte zunächst Schweigen.

"Ich werde weiter töten", erklärte er und in seiner Stimme war ein eigentümliches, irres Vibrieren. "Ich kann es nicht verhindern, Lynne, es passiert einfach so..."

Lynne schluckte.

"Wie kommst du an meine Telefonnummer?"

"Das ist doch unwichtig."

"Für mich nicht."

Er schwieg eine Weile. Im Hintergrund war das Geräusch eines Wagens zu hören. Es hörte sich an wie Lastwagen.

Jemand klopfte gegen eine Glasscheibe. Von der Akustik her rief Bill wieder aus einer Telefonzelle heraus an.

"Ich muss jetzt Schluss machen", ächzte er dann.

"Bill! Du musst dir helfen lassen!"

"Nur noch eins Lynne: übermorgen."

Wie ein Blitz durchzuckte dieses Wort Lynnes Gehirn.

Übermorgen. "Was soll das bedeuten?", fragte sie mit erstickter Stimme, aber sie ahnte es längst.

"Übermorgen, Lynne. Übermorgen werde ich wieder töten."

Damit legte er wieder auf.

17

Lynne zögerte nicht lange. Sie zog sich schnell ein paar Sachen über und fuhr dann zu Scotland Yard, wo sie Chief Inspector McGill in dessen Büro aufsuchte, um ihm in kurzen Worten mitzuteilen, was geschehen war.

McGill runzelte die Stirn.

"Und das hat er genau so gesagt?", vergewisserte er sich, wobei in seinem Gesicht so etwas wie Unglauben zu lesen war.

"Ja. Übermorgen werde ich wieder töten."

"Gut", murmelte er. "Ich danke Ihnen sehr. Glauben Sie, dass er noch mal versucht, bei Ihnen anzurufen?"

"Vielleicht."

"Hätten Sie etwas dagegen einzuwenden, wenn wir Ihr Telefon anzapfen?"

Lynne schüttelte den Kopf.

"Nein, natürlich nicht. Wenn Sie dadurch etwas herausfinden... Wenn ich nach der Akustik gehe, dann war der letzte Anruf wieder aus einer Telefonzelle."

McGill nickte düster. "Der Kerl ist vorsichtig. Und Sie können sich nicht erklären, woher er Ihre Geheimnummer hat?"

"Nein. Aber er muss sie haben."

"Dann passen Sie in Zukunft gut auf sich auf, Miss Davis!"

"Glauben Sie, dass der Kerl es auf mich abgesehen haben könnte?"

McGill zuckte die Achseln. "Ich weiß es nicht. Zumindest sieht er Sie als Ansprechpartner. Wir werden verstärkt Polizeistreifen in der Nähe Ihrer Wohnung patrouillieren lassen."

"Das beruhigt mich sehr", erwiderte Lynne sarkastisch.

McGill machte eine Geste der Ohnmacht. "Seien Sie nicht ungerecht! Wir tun, was wir können."

"Natürlich."

Als Lynne wieder in ihrem Wagen saß, überlegte sie, was sie tun sollte. Sie konnte nicht einfach die Hände in den Schoß legen und abwarten. Das hielt sie nicht aus.

Außerdem hatte sie das Bedürfnis, mit jemandem darüber zu reden. Mary, ihre beste Freundin war für ein paar Tage in Schottland, wo sie Aufnahmen für einen Versandhauskatalog machte. So blieb nur Jack. So, wie sie ihn bisher kennengelernt hatte, würde er sicherlich Verständnis dafür haben.

Selbst wenn sie ihn bei der Arbeit stören musste.

Bei der nächsten Telefonzelle hielt sie an und suchte sich Jacks Adresse aus dem Telefonbuch. Seine Firma stand natürlich drin, sogar etwas fetter gedruckt, damit er sich etwas von den Dutzenden von anderen Gordons, die es in London gab, abhob.

Lynne kannte die Gegend einigermaßen. Sie brauchte allerdings einige Zeit, um einen Parkplatz zu finden.

Schließlich musste sie doch ihren Wagen im Halteverbot abstellen und konnte nur darauf hoffen, dass hier nicht gerade jetzt kontrolliert wurde.

Jack bewohnte das Penthouse eines zehnstöckigen Hauses, die Agentur lag in der Etage darunter. Weiter unten befanden sich die Praxen einiger Ärzte, das Büro eines Rechtsanwalts und eines Notars. Im Erdgeschoss war eine Bankfiliale untergebracht. Die Miete hier war sicher nicht billig, aber in der Werbung schien man genug verdienen zu können, um sich Räume in solcher Umgebung leisten zu können. Und wahrscheinlich war es auch notwendig, Kunden durch einen gewissen repräsentativen Rahmen zu beeindrucken.

Als Lynne die Büroräume der Agentur Gordon & Deemer betrat, geriet sie gleich an Joe Deemer, Jacks Partner. Deemer war um ein einiges älter als Jack. Er machte ein bisschen Small-talk, aber sein Interesse schien schlagartig geringer zu werden, als er merkte, dass Lynne keine Kundin war. "Gehen Sie durch die erste Tür da vorne!", knurrte er launig.

"Danke."

Lynne ging zu der Tür, auf die Deemer gedeutet hatte, klopfte zaghaft und ging dann, nachdem niemand geantwortet hatte einfach hinein.

"Jack?"

Jack Gorden stand gedankenverloren am Fenster und blickte hinaus auf das Verkehrsgewimmel der Riesenstadt London. Er schien weit, weit weg zu sein und erst nach und nach zu begreifen, dass jemand eingetreten war.

"Ich hoffe, ich störe dich nicht gerade in einem kreativen Moment", meinte Lynne.

Er drehte sich zu ihr herum und ein flüchtiges Lächeln ging über seine Lippen. "Nein, nein", versicherte er.

"Dann ist es ja gut."

"Die Wahrheit ist, dass mir im Moment nicht das Geringste einfällt", gab Jack zu und zuckte dabei die Schultern. "So etwas nennt man einen Writer's Block. Kommt bei den besten Leuten vor."

"Ich muss mit dir reden, Jack. Es ist etwas furchtbares passiert..."

Jack trat zu ihr und legte den Arm um ihre Schulter. "Lass uns nach oben, in meine Wohnung gehen. Und dann erzähl mir, was los ist..."

18

"Dein Penthouse ist traumhaft", meinte Lynne voller Anerkennung, nachdem Jack ihr alles gezeigt hatte.

Dann gingen sie hinaus auf den Dachgarten. Man konnte hinunterblicken und sah unter anderem auf eine Telefonzelle, die genau an einer Straßenecke aufgestellt war. Lynne streckte den Arm aus. "Von dort hat dieser Bill angerufen", stellte sie fest.

"Hat das die Polizei festgestellt?"

"Ja." Und dann erzählte Lynne Jack von dem zweiten Anruf.

"Möglich, dass du in Gefahr bist, Lynne", erklärte Jack ernst. "Wenn du willst, kannst du eine Weile bei mir unterkommen."

"Das ist sehr nett, Jack."

Er strich ihr über das Haar und sie lächelte matt.

"Es ist ernst gemeint, Lynne."

"Ich weiß. Aber ich kann nicht einfach vor der Tatsache fliehen, dass ich vielleicht die einzige Verbindung zu diesem mysteriösen Bill bin. Er weiß meine Geheimnummer, hat mich angerufen, mir seinen nächsten Mord angekündigt..." Sie deutete hinaus über die Dächer Londons. "Die Chance, diesen Kerl da draußen irgendwo zu finden, ist minimal, Jack!"

"Du willst dich doch nicht als eine Art Lockvogel benutzen lassen", runzelte Jack die Stirn.

"Dieser Mann wird nicht aufhören zu töten, Jack!"

Jack zuckte die Schultern. Was Lynne sagte, gefiel ihm nicht. Das war überdeutlich seinen Gesichtszügen abzulesen.

Dennoch meinte er: "Du hast Mut!"

"In Wahrheit habe ich große Angst!"

"Du kannst immer auf meine Hilfe zählen, Lynne." Er nahm ihre Hand. "Komm mit!"

"Wohin?"

Er zog sie mit sich und einen Augenblick später befanden sie sich wieder in Jacks großzügig angelegtem Wohnzimmer.

"Setz dich", sagte er und sie ließ sich in einen der breiten Ledersessel fallen.

Jack ging an seinen Bücherschrank und holte zielsicher einen bestimmten Band heraus. Dann ging er auf Lynne und reichte ihn ihr.

"Was ist das?"

"Ein Buch über berühmte Mörder. Ich dachte mir, dass es nicht schaden kann, etwas mehr über diesen Delaney zu wissen."

"Aber du glaubst doch nicht wirklich, dass dieser Anrufer die Wiedergeburt von Delaney ist!"

Jack zuckte die Achseln. "Ich habe keine Ahnung. Aber wer will das schon mit Sicherheit ausschließen? Und selbst wenn nicht, dann bleibt die Tatsache, dass dieser Wahnsinnige selbst der Überzeugung ist, Delaney zu sein."

Lynne klappte das Buch auf. William Delaney, geboren 1856 in Bristol hingerichtet 1899 in London, stand da zu lesen.

Im Wesentlichen stand da das schwarz auf weiß, was sie auch schon von McGill wusste.

Insgesamt zwei engbedruckte Seiten handelten von Delaney.

Jack schien sie sehr gründlich durchgearbeitet zu haben, denn überall waren Unterstreichungen und Anmerkungen am Rand zu finden. Die Notizen schienen aber älteren Datums zu sein, denn sie waren schon ziemlich verblasst.

Das Telefon läutete.

Jack ging ran und wirkte ziemlich einsilbig.

"Was ist los?", erkundigte sich Lynne, nachdem das Gespräch zu Ende war.

"Ich muss runter in die Agentur. Mein Partner hat Ärger mit einem Kunden." Er lächelte und gab ihr einen Kuss. "Ich bin gleich wieder zurück..."

Sie umarmten sich, bevor er sich von ihr löste.

"Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt, Lynne", hauchte Jack ihr ins Ohr.

19

Lynne ging etwas auf und ab, während sie auf Jack wartete.

Sie fühlte eine angenehme Empfindung in sich aufsteigen und ihren ganzen Körper durchfluten. Es hat keinen Zweck, darum herum zureden, sagte sie sich selbst, während sie an dem Bücherschrank vorbeiging. Ich habe mich verliebt...

Die Minuten verrannen.

Lynnes Blick ging die Buchtitel entlang.

Sie war überrascht. Ein halbes Regal war mit Titeln zum Thema Wiedergeburt belegt, darunter auch ein Band über Reinkarnationstherpaie. Jack schien sich sehr intensiv damit befasst zu haben. Lynne nahm einen der Bände heraus. Er war gespickt mit Zetteln.

Im nächsten Moment ging das Telefon.

Lynne zögerte, aber der Anrufer schien nicht aufzugeben. Er klingelte immer wieder. Offenbar war es ziemlich wichtig.

Oder es war Jack, der unten aus der Agentur anrief, um ihr zu sagen, dass es noch dauern konnte.

So ging die junge Frau zum Telefon und nahm ab.

Die Nackenhaare stellten sich ihr auf, schon bevor das erste Wort über die Leitung kam.

"Lynne? Lynne Davis?"

Es war die dunkle, verstellte Stimme jenes Manns, der sich für die Wiedergeburt William Delaney hielt.

Lynne antwortete nicht.

Sie fühlte den Puls bis zum Hals schlagen. Nur ruhig bleiben!, versuchte sie sich zu sagen. Aber in ihrem Inneren quälte sie die Frage, wie dieser Mann wissen konnte, dass sie hier war.

"Was ist, erkennst du mich nicht wieder, Lynne? Ich bin es, Bill." Ein heiseres Lachen folgte. Ein Lachen, das die junge Frau schlucken ließ. "Ich weiß, das du jetzt am Apparat bist, Lynne! Ich weiß alles über dich, verstehst du? Alles, wirklich alles."

Ein paar quälende Augenblicke lang herrschte Schweigen.

Lynne hörte nur das Atmen des Anrufers. Sie nahm den Apparat und ging zum Fenster. Dann blickte sie hinab in Richtung der Telefonzelle, die dort unten an der Straßenecke zu sehen. Von dort hatte der Anrufer telefoniert, als die Polizei den Anruf zurückverfolgt hatte.

Und tatsächlich.

Dort telefonierte jemand!

Aber Lynne konnte konnte kaum etwas von dem Mann sehen. Ein paar Beine mit dunkler Hose, das war alles.

"Hören Sie, wer immer Sie auch sind - Sie müssen sich helfen lassen...", redete Lynne auf den Anrufer ein, ohne dass sie glaubte, damit auch nur irgendetwas ausrichten zu können.

"Helfen?", echote er.

"Ja."

"Ich bin nicht verrückt", sagte er dann, viel ruhiger, viel gelassener als vorher.

"Aber Sie können nicht damit aufhören, zu töten..."

"Das stimmt. Du wirst von mir in der Zeitung lesen, Lynne..."

Ein irres, heiseres Gelächter folgte, dann knackte es in der Leitung. Die Verbindung war unterbrochen.Ein plötzliches Geräusch ließ die junge Frau unwillkürlich herumfahren.

Es war die Wanduhr.

Als Lynne dann in der nächsten Sekunde hinab zur Telefonzelle blickte, war dort niemand mehr. Der Mann jedenfalls hatte sie geglaubt, einen Mann zu sehen - war wie vom Erdboden verschluckt.

Lynne hängte den Hörer ein. Dann stellte sie den Apparat wieder an seinen Ort, auf ein kleines Tischchen neben dem Bücherschrank.

Das Adressenregister fiel ihr dabei zu Boden und ein Zettel rutschte heraus. Lynne wollte ihn wieder hineinstecken, da stutzte sie unwillkürlich als sie ihren Namen las. Lynne Davis. Und dahinter ihre Telefonnummer, die in keinem Telefonbuch stand. Außerdem ihre Adresse.

Für einen Augenblick kam ein schrecklicher Verdacht in ihr auf.

Was, wenn Jack und Bill ein und dieselbe Person waren?

Du bist eine Närrin!, schalt sie sich dann selber.

Schließlich gab es auch näherliegende Erklärungen dafür, dass Jack ihre Geheimnummer besaß. Ihre Freundin Mary zum Beispiel, durch die sie beide sich kennengelernt hatten.

Aber ein gewisser Zweifel blieb...

20

Betäubt ließ sie sich in einen der Sessel fallen. Wie konnte der Anrufer wissen, wo sie sich befand. Offenbar beobachtete Bill sie ständig.

Es war gespenstisch.

Ein paar Minuten vergingen, dann tauchte Jack wieder auf.

"Alles in Ordnung", meinte er und runzelte dann die Stirn, als er Lynne so da sitzen sah. "Was ist los?" Jack setzte sich zu ihr.

Lynne sah zu ihm hinüber und registrierte, dass er dunkle Hosen trug, so wie der Anrufer unten aus der Telefonzelle.

"Es hat gerade jemand angerufen", sagte sie, fast tonlos. "Ich bin drangegangen, vielleicht hätte ich das nicht tun sollen..."

"Wer war es?", fragte Jack eindringlich.

"Der Verrückte. Dieser Mann, der glaubt, er sei William Delaney... Er weiß, dass ich hier bin. Er sagte, er wüsste alles über mich."

Jacks Gesicht blieb unbewegt.

"Er beobachtet dich, Lynne."

"Scheint so."

"Vielleicht solltest du für eine Weile aus London verschwinden..."

"Daran habe ich auch schon gedacht."

"Ich kenne jemanden, der ein Landhaus in Kent besitzt. Vielleicht..."

"Jack", unterbrach sie ihn und erhob sich dabei. Sie wich vor ihm zurück. Sie deutete auf das Bücherregal. "Du interessierst dich sehr für Wiedergeburt und alles, was damit zusammenhängt, nicht wahr?"

Jack hob die Schultern. "Ja, aber..."

"Hast du mal eine Reinkarnationstherapie mitgemacht?" Lynne hatte einfach ins Geratewohl gefragt und war dabei ihrem Instinkt gefolgt. Sie hoffte so sehr, dass sie sich irrte.

Aber diese Hoffnung wurde nicht erfüllt.

Jack nickte leicht.

"Ja", sagte er. Er erhob sich ebenfalls, kam ein paar Schritte auf sie zu. "In meinem Job hat man eine Menge Stress, wie du dir sicher denken kannst. Manchmal wochenlang hintereinander Sechzehnstundentage, dann der ständige Zwang, etwas Kreatives auszuspucken. Ich war ausgebrannt und da habe ich es eben mal damit probiert."

"Wie hieß der Therapeut?"

"Ein Dr. Ray Morgan. Da stehen ein paar Bücher von ihm... Er hat mich in frühere Leben versetzt..."

Lynne hob das Kinn. "Was warst du in deinen früheren Leben?"

"Warum interessiert dich das?"

Jacks Stimme klirrte auf einmal wie Eis. Sie schien einen wunden Punkt erwischt zu haben. Er machte noch einen Schritt auf sie zu. Dann wischte er sich mit der Hand über das Gesicht. Er wirkte recht in sich gekehrt. "Das kann nur verstehen, wer es selbst erlebt hat, Lynne", flüsterte er. Seine Lippen bewegten sich beim Sprechen kaum. "Ich war viele", sagte er. "Viele verschiedene Gesichter, Männer, Frauen, manchmal bin ich schon im Kindesalter gestorben oder am Galgen..."

"So wie Delaney", stellte Lynne flüsternd fest. Und über den war ja sowohl Jack als auch der geheimnisvolle Bill hervorragend informiert gewesen.

Je mehr sie darüber nachdachte, desto stärker wurde wieder der Verdacht. Sie wollte es nicht glauben, alles in ihr sträubte sich gegen den Gedanken, dass ausgerechnet der Mann, in den sie sich bis über beide Ohren verliebt hatte, ein wahnsinniger Mörder war...

Oder das Phantom aus einem anderen Leben.

Jack blickte sie an.

Seine Augen blitzten und Lynne erschrak unwillkürlich.

Der Mann, der ihr vor wenigen Minuten noch so nahe gewesen war, erschien ihr auf einmal sehr fremd. Als ob ein anderer jetzt durch seine Augen schaut, ging es der jungen Frau durch Kopf.

"Vielleicht ist es besser, wenn ich jetzt gehe", meinte sie. In ihrem Inneren setzte sich indessen alles zu einem Bild zusammen. Schon das erste Zusammentreffen mit Jack war kein Zufall gewesen, das hatte er selbst zugegeben.

"Was ist los, Lynne?"

"Ich bin wohl nur etwas durcheinander."

Er ging auf sie zu, fasste sie bei den Schultern. Aber dieselbe Berührung, die sie sonst als so angenehm empfunden hatte, ließ sie jetzt frösteln.

"Ich rufe dich an", versprach sie, ging an ihm vorbei. Sie erreichte die Wohnungstür und versuchte, sie zu öffnen.

Sie war verschlossen.

21

"Lynne!"

Es war Jacks Stimme.

Sie klang irgendwie dumpf. Lynne versuchte indessen noch einmal, die Tür zu öffnen. Panik stieg in ihr auf und schnürte ihr die Kehle zu. Sie begann verzweifelt, den Türknauf hin und her zu gehen.

"Lass mich raus!", rief sie.

Es war fast ein Schrei.

"Lynne!" Jack kam auf sie zu. Seine Arme waren ausgebreitet, wirkten aber jetzt eher wie eine Bedrohung.

"Beruhige dich, Lynne!"

"Warum ist die Tür abgeschlossen?"

"Eine Angewohnheit von mir, weiter nichts."

"Mach sie auf!"

Sie war nahe daran, den Verstand zu verlieren, das spürte sie selbst. Ihr Puls raste und in ihrem Hirn arbeitete es fieberhaft. Was sollte sie tun? Wie konnte sie sich vor Jack schützen.

Er hatte sich das fein ausgedacht...

Ich sitze in der Falle, wurde es Lynne klar.

Sie versuchte, sich zur Ruhe zu zwingen.

Aber nach all dem, was sie in der letzten Zeit hatte durchmachen müssen, war sie dazu einfach nicht mehr in der Lage. Sie fühlte seinen Griff an ihren Oberarmen und versuchte, ihn abzuschütteln. Aber er war zu stark. Seine Hände waren wie Schraubstöcke. Sie konnte dem einfach nichts entgegen setzen.

"Lass mich!"

"Du kannst so nicht gehen, Lynne! Nicht in diesem Zustand! Und vielleicht sagst du mir jetzt, was los ist!"

In der nächsten Sekunde klingelte es an der Tür und für den Bruchteil einer Sekunde sagte keiner von ihnen ein Wort. Ihre Blicke hingen einander und Lynne fragte sich, was wohl hinter der Stirn ihres Gegenübers vor sich gehen mochte.

Innerhalb eines einzigen Moments wirbelten tausend Dinge in ihr durcheinander. Vielleicht tat sie ihm Unrecht, aber genauso gut war es möglich, dass sie sich jetzt in den Händen eines Mörders befand.

Es klingelte ein zweites Mal.

Bevor Lynne Luftholen und schreien konnte, hatte Jack ihr die Hand auf die Lippen gedrückt.

"Ganz ruhig", sagte er.

Quälend lange Sekunden vergingen, dann nahm er die Hand wieder weg, holte den Schlüssel aus der Jackentasche und öffnete.

Draußen stand ein grauhaariger Mann in den Vierzigern. Er sah etwas geckenhaft mit dem kleinen Pferdeschwanz aus, zu dem er seine Haare zusammengefasst hatte. Auf seinem breiten Gesicht stand ein joviales Grinsen.

"Hallo, Jack, ich sollte mich bei Ihnen wegen der Fotos melden", erklärte er. Sein Gesicht veränderte sich dann ein wenig, als er Lynne sah. "Oh, Sie haben Besuch. Dann störe ich Sie ein anderes Mal, allerdings eilt die Sache etwas und wenn Sie nicht..."

"Kein Problem", sagte Lynne. "Ich wollte ohnehin gerade gehen." Und mit diesen Worten drängte sie sich dann durch die Tür.

"Lynne!", rief Jack ihr nach.

Bevor sich die Tür des Aufzugs öffnete, drehte sich Lynne noch einmal kurz um und blickte in Jacks weit aufgerissene Augen.

22

Als Lynne zu ihrer Wohnung zurückkehrte, wartete dort ein hochgewachsener Mittdreißiger auf sie.

Lynne erschrak im ersten Moment. Sie blieb auf dem Treppenabsatz stehen. Dann erinnerte sie sich daran, diesen Mann schon einmal gesehen zu haben. Er gehörte zum Team von Chief Inspector McGill.

"Guten Tag. Sind Sie Lynne Davis?", fragte er und lächelte dabei geschäftsmäßig.

Lynne nickte.

"Ja."

"Ich bin Sergeant Farrell von Scotland Yard und bin wegen Ihres Telefons hier..." Er zeigte ihr seinen Dienstausweis.

"Ich mache Ihnen auf."

Einen Augenblick später waren sie in der Wohnung.

"Wo ist Ihr Telefonanschluss?", fragte der Sergeant und ließ suchend den Blick schweifen.

"Neben der Kommode..." Die junge Frau deutete mit der Hand dorthin und ging dann ins Schlafzimmer, um sich ein paar bequemere Schuhe anzuziehen.

Drei Schritte hatte sie ins Schlafzimmer hinein gemacht, dann blieb sie abrupt stehen, als ihr Blick auf das Bett fiel. Es war, als ob sich eine eisige Hand um ihr Herz krallte und es unbarmherzig zusammenpresste.

Auf dem weißen Kopfkissen lag etwas.

Es war ein Stück Draht, das zu einer Art Schlinge gebogen war.

Lynne atmete tief durch.

"Sergeant!"

23

"Ich frage mich, wie der Kerl hier hereinkommen konnte", meinte Lynne eine Viertelstunde später, nachdem Chief Inspector McGill eingetroffen war.

McGill machte nur eine wegwerfende Geste.

"Eine Kleinigkeit", meinte er. "Ihr Türschloss ist für jemanden, der etwas davon versteht nicht gerade ein besonderes Hindernis, wenn Sie verstehen was ich meine. Vielleicht hat er sich auch einen Nachschlüssel machen lassen, wer weiß..."

"Aber wie sollte er an so etwas herankommen?"

"Er ist doch auch an Ihre Geheimnummer gekommen", stellte McGill kühl fest. "Dieser Kerl weiß eine Menge von Ihnen. Er muss Sie lange beobachtet haben. Oder er..." McGill sprach nicht weiter, sondern stockte. Sein Blick musterte Lynne aufmerksam.

"Oder was?", hakte sie nach.

McGill zuckte die Achseln und druckste dann etwas herum.

Dann meinte er schließlich: "Haben Sie schon einmal überlegt, dass jemand aus Ihrem Bekanntenkreis etwas mit der Sache zu tun hat?"

"Nein", erwiderte Lynne sehr schnell.

Sie dachte an Jack. Lynne hatte die Lippen schon halb geöffnet, um den Chief Inspector von ihrem Verdacht zu erzählen. Aber dann ließ sie es. Sie hatte im Grunde nichts Konkretes in der Hand. Nichts, außer einem vagen Unbehagen, das durch ein paar Indizien gespeist wurde.

Ich werde Mary fragen, ob er die Geheimnummer von ihr hat, überlegte sie. Das würde vieles erklären.

Sie liebte Jack noch immer.

Und eigentlich, so sagte sie sich, gab es keinen vernünftigen Grund anzunehmen, dass ausgerechnet er jener Mann war, der durch die Straßen Londons ging und Frauen mit einer Drahtschlinge tötete.

Ein letzter Zweifel jedoch blieb.

Sie erinnerte sich an den festen Griff seiner Hände, an das seltsame, kalte Glitzern in seinen Augen... Unwillkürlich legte sich eine Gänsehaut über ihren Rücken.

"Was glauben Sie, was diese Drahtschlinge zu bedeuten hat?", wandte sie sich dann an McGill. Und dann erzählte sie auch von den Rosen, die zuvor in ihrer Wohnung abgelegt worden waren. "Sieht nach einer Steigerung aus, nicht wahr?"

Der Chief Inspector zuckte die breiten Schultern. "Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es eine Drohung... Hören Sie, wir können Sie unmöglich rund um die Uhr bewachen. Sie sollten am besten eine Weile aus London verschwinden. Können Sie nicht irgendwo anders unterkommen? Bei Freunden vielleicht..."

Lynne blickte den Kriminalbeamten offen an.

"Ich werde darüber nachdenken", murmelte sie dann.

"Tun Sie das. Ach übrigens, dieser William Delaney hat wieder zugeschlagen..."

"Was?"

Jackson nickte und machte dabei ein sehr ernstes Gesicht.

"Vor einer Stunde ist die Leiche einer jungen Frau gefunden worden. Und der Mord trägt die Handschrift dieses Wahnsinnigen. Kaufen Sie sich eine Abendzeitung, vielleicht steht es dann schon drin."

24

"Du warst so schlecht wie noch nie!", tadelte Grady Lynne nach der Sendung. "Wirklich, wie eine blutige Anfängerin. Einfach furchtbar. Ich hatte den Eindruck, du warst einfach nicht bei der Sache..."

Lynne nickte leicht.

"Vielleicht war ich das auch nicht", gab sie zu. Sie wusste selbst, dass das heute Abend keine ihrer Sternstunden gewesen war. Das Thema war Mobbing am Arbeitsplatz gewesen und es hatte nicht an den zahlreichen Anrufern gelegen, dass die Sendung nichts geworden war, sondern einzig und allein an Lynne.

"Colleen hat mir gerade eine Auswertung der ersten Zuschauerreaktionen auf die Sendung hingelegt... Wenn du so weitermachen solltest, ist dein Stern ganz schnell gesunken!"

Lynne zuckte die Achseln.

"Ich weiß", murmelte sie.

"Was ist los mit dir, Lynne?", fragte Grady dann in etwas versöhnlicherem Tonfall.

"Ich glaube, ich brauche etwas Urlaub", gestand sie dann ein, obwohl sie wusste, dass es gefährlich war so etwas zu sagen. Denn im Nu konnte es passieren, dass jemand anderes an ihrem Mikrofon saß und den Nighttalk machte. Dazu saß Lynne einfach noch nicht fest genug im Sattel. Sie hatte die ersten Hürden gut genommen und die Gunst der Hörerschaft im Sturm erobert. Aber sie wusste nur zu gut, dass noch sehr viel dazu fehlte, bis sie sich auf Dauer etabliert haben würde.

Grady nickt leicht.

Ein verständnisvoller Zug erschien auf einmal in seinen sonst so harten, leicht verkniffenen Zügen.

"Die Sache mit diesem Wahnsinnigen lässt dich nicht los, nicht wahr?"

"Er scheint es jetzt auf mich abgesehen zu haben!", platzte es aus ihr heraus. "Er scheint mich auf Schritt und tritt zu beobachten, er..."

"Schon gut, Lynne, wenn du deinen Urlaub brauchst, dann bekommst du ihn."

Ein mattes Lächeln huschte über ihre Lippen.

"Danke."

Grady hob die Augenbrauen und seine Lippen wurden sehr schmal. "Du weißt gar nicht, was du da von mir und dem Sender verlangst! Das wird unsere Firma bares Geld kosten. Die Werbeeinnahmen..." Er seufzte. "Wie lange?", fragte er dann genau so, wie es immer seine Art war - hart und knapp.

"Erstmal ein paar Tage. Sagen wir eine Woche."

"Und wohin geht's?"

Lynne zögerte. "Ich weiß noch nicht..."

"Ich wüsste etwas für dich. Etwas, wo du für ein paar Tage richtig abschalten könntest!" Gradys sonst so harter Umgangston bekam jetzt fast sogar etwas Väterliches.

Lynne hob interessiert die Augenbrauen.

"Ja?"

"Ein Wochenendhaus an der Küste. Genauer gesagt in der Nähe von Poole. Interessiert?"

"Nun..."

Grady wartete ihre Antwort gar nicht erst ab. Jemand in seiner Position war es nicht gewohnt, dass Vorschläge von ihm abgelehnt werden könnten. Er kam gar nicht erst auf den Gedanken. Daher meinte er: "Die Adresse ist 55 Sea Drive. Der Schlüssel liegt unter einem Stein neben der Eingangstür. Das Haus habe ich vor Jahren günstig erworben. Ab und zu mache ich da Urlaub."

Lynne lächelte verhalten. "Wann haben Sie das letzte Mal Urlaub gemacht, Grady?"

"Da waren Sie noch nicht hier, Lynne! Also, wenn Sie wollen..."

"Ich werd's mir überlegen, okay?"

"Du musst mir schon irgendetwas hinterlassen", erklärte Grady nachdrücklich. "Eine Adresse, eine Telefonnummer. Schließlich muss ich dich erreichen können."

"Ich rufe an", versprach sie.

Grady seufzte.

"Okay."

25

Es war gegen drei Uhr morgens, als Lynne das Gebäude von Radio KLM verließ. Inzwischen hatte es zu regnen begonnen und Lynne schlug ihren Mantelkragen hoch. An einen Schirm hatte sie nicht gedacht.

Einen Moment lang wartete sie im Portal, aber die Hoffnung, doch noch trocken bis zu ihrem Wagen zu gelangen, gab sie schon nach wenigen Augenblicken auf.

Vermutlich würde es die ganze Nacht durchregnen.

Lynne atmete tief durch und lief los. Der Asphalt zu ihren Füßen war glitschig.

Sie wich einer tiefen Pfütze aus und fühlte bereits, wie ihr die Haare am Kopf klebten, als sie den Wagen endlich erreicht hatte.

Sie suchte in der Manteltasche nach dem Wagenschlüssel, hatte ihn auch schließlich in der Rechten und steckte ihn ins Schloss. Als sie die Wagentür öffnete, nahm sie seitlich eine Bewegung war und drehte sich herum.

Eine Gestalt hob sich dunkel gegen den Schein der Außenbeleuchtung ab. Den Umrissen nach war es ein Mann. Groß, breitschultrig und mit einem Parka bekleidet. Die Kapuze war tief ins Gesicht gezogen. Seine Züge lagen in einem dunklen Schatten.

Der Mann stand ganz ruhig da und schien Lynne zu beobachten.

Der Regen schien ihn dabei nicht weiter zu kümmern, obwohl sein Parka längst völlig durchnässt sein musste.

Lynne fröstelte unwillkürlich.

Als ob er auf mich gewartet hat, ging es ihr durch den Kopf, aber gleichzeitig fragte sich die junge Frau, ob sie sich nicht etwas einbildete.

Lynne achtete nun ebenfalls nicht mehr auf den Regen, der etwas heftiger geworden zu sein schien.

Ihr Blick ruhte auf der schemenhaften Gestalt, die völlig reglos dastand.

Sie schluckte.

"Bill?", fragte sie dann, laut genug, dass der Unbekannte sie hören konnte.

Es war einfach ein Versuch.

Ein Versuch, der sie allen Mut kostete, den sie aufbringen konnte. Aber die Ungewissheit darüber, wer sie quälte und offenbar auf Schritt und Tritt beobachtete, war einfach unerträglich geworden.

"Bill?", fragte sie noch einmal. "Was wollen Sie von mir? Wollen Sie, dass ich mich fürchte? Gut, das haben Sie erreicht. Ich kann nachts kaum noch schlafen und bin kaum noch in der Lage, meine Sendung zu machen. Was wollen Sie noch?" Sie redete einfach drauflos und ihre Angst verflog dabei mehr und mehr. Sie ging zwei, drei Schritte auf den Geheimnisvollen zu, in den auf einmal Unruhe gefahren zu sein schien.

Er wandte sich ab und ging davon.

"Bill, so bleiben Sie doch stehen!", rief Lynne. "Oder soll ich Mister Delaney sagen?"

Der Geheimnisvolle begann jetzt zu rennen. Er setzte zu einem Spurt an.

Er war ein guter Läufer.

Seine langen Beine trugen ihn mit raumgreifenden Sätzen über den Parkplatz. Er lief zwischen ein paar Sträuchern hindurch und war dann einen Augenblick später verschwunden.

"Bill", flüsterte Lynne und ließ den Blick schweifen. Aber sie konnte nirgends etwas sehen, was ihr einen Anhaltspunkt geben konnte.

"Mit wem redest du, Lynne?", fragte plötzlich eine Stimme in ihrem Rücken.

Es war eine weibliche Stimme.

Lynne wirbelte herum und blickte in das ziemlich verwunderte Gesicht von Colleen McGray, die mit einem Schirm in der Hand dastand.

"Es ist nichts", beeilte sich Lynne zu sagen. "Wirklich nichts."

Colleen zuckte die Achseln.

"Ich dachte nur."

"Es ist wirklich alles in Ordnung, Colleen."

Colleen strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und musterte Lynne zweifelnd. "Ich habe gehört, du machst eine Weile Urlaub...", sagte Colleen dann.

Lynne blickte sie verwundert an.

"Ach, ja?", versetzte sie spitz.

"Grady hat es mir gesagt."

"Solche Sachen machen ja schnell die Runde!", stellte Lynne etwas ärgerlich fest.

"Tut mir leid, es war nur eine Frage", erwiderte Colleen.

Lynne lächelte gezwungen. "Natürlich."

Einen Augenblick lang herrschte ein verlegenes Schweigen.

"Kann ich dir irgendwie helfen?", erkundigte sich Colleen dann. "Du brauchst nur etwas zu sagen."

Lynne nickte leicht.

"Okay."

26

Lynne fuhr zu ihrer Wohnung, duschte und zog sich um. Dann packte sie ein paar Sachen in einen Handkoffer und setzte sich eine Tasse starken und rabenschwarzen Kaffee auf.

Sie wollte noch in dieser Nacht London verlassen und dabei nicht am Lenkrad ihres Wagens einschlafen.

Sie hatte kein bestimmtes Ziel im Auge und wusste eigentlich nur, dass sie an einen Ort wollte, an dem sie garantiert allein war. Dort würde sie wieder etwas Kraft sammeln. Sie trank ihren Kaffee aus, zog den Mantel über und wollte gehen, da klingelte das Telefon.

Viermal klingelte es, ehe Lynne sich entschließen konnte dranzugehen.

Details

Seiten
200
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783738901313
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308397
Schlagworte
albtraumstunde zwei romantic thriller

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Titel: Albtraumstunde: Zwei Romantic Thriller