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8 außergewöhnliche Morde: Krimi-Paket

von Alfred Bekker (Autor:in) Tomos Forrest (Autor:in) Wolf G. Rahn (Autor:in) Cedric Balmore (Autor:in) Thomas West (Autor:in)
2021 1000 Seiten

Leseprobe

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author /

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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8 außergewöhnliche Morde: Krimi-Paket

Alfred Bekker, Tomos Forrest, Thomas West, Wolf G. Rahn, Cedric Balmore

Dieses Buch enthält folgende Krimis:


Cedric Balmore: Trevellian und die rechte Hand des Henkers

Tomos Forrest: Konrad Koch und der Tote auf dem Fußballfeld

Thomas West: Eine Ärztin und Stunden der Angst

Alfred Bekkker: Die nackte Mörderin

Wolf G. Rahn: HK Greiff - In der Hitze des Gefechts

Thomas West: Ärztin mit Herz für Gängster

Tomos Forrest: Mord auf offener Straße

Alfred Bekker: Der Finale Absturz





Ein großer Mafia-Deal soll über die Bühne gebracht werden. Es geht um unvorstellbar große Summen - und unvorstellbar dreckige Geschäfte. Ein verdeckter Ermittler wurde eingeschleust und riskiert Kopf und Kragen. Als er auf einer Party des Syndikats-Bosses einem nackten Showgirl gegenübersteht, ahnt er nicht, dass er eine skrupellose Killerin vor sich hat...




Trevellian und die rechte Hand des Henkers: Action Krimi

Cedric Balmore


Konrad Koch und der Tote auf dem Fußballfeld

Tomos Forrest





Polizeidetektiv Thomas Faust ermittelt;

ein Kriminalfall des 19. Jahrhunderts



IMPRESSUM


Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© Roman by Author

© Cover: Pixabay mit Kathrin Peschel, 2019

Lektorat/Korrektorat: Kerstin Peschel

© dieser Ausgabe 2019 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de




Klappentext:


Konrad Koch gilt als der „Erfinder“ des deutschen Fußballs. Zusammen mit seinem Lehrerkollegen August Herrmann entwickelte er die Spielregeln und ließ das erste Spiel einer deutschen Mannschaft 1874 in Braunschweig stattfinden.

Hierbei passiert das unsagbar Schreckliche – ein Mord – und das in Gegenwart zahlreicher Anwesenden, die zuerst davon nichts mitbekommen. Thomas Faust, der Polizeidetektiv, wird nur zufällig Zeuge dieses Anschlages und beginnt sofort mit seinen Ermittlungen. Doch da gibt es bereits einen weiteren Überfall mit eindeutigen Mordabsichten. Wer steckt hinter diesen Angriffen und welche Ziele verfolgt der Täter? Faust muss sich beeilen, den Schuldigen dingfest zu machen, bevor der Täter ein drittes Mal zuschlagen kann …



***



I.


Zur Mittagszeit hatte die Oktobersonne ihre volle Strahlenkraft entwickelt und lockte zahlreiche Spaziergänger in die herzoglichen Parkanlagen. Familien begannen mit ihren Wanderungen vor die Tore der Stadt, wo sie in den beliebten Restaurationen wie dem Weißen Ross gern eine Pause bei Kaffee und Kuchen einlegten, bevor sich die bunte Karawane in den Nachmittagsstunden wieder zurück in die Stadt bewegte.

Vom Kleinen Exerzierplatz war Lärm zu hören, laute Schreie vermischten sich mit Pfiffen und gelegentlichem Klatschen. Aber nur wenige Spaziergänger lenkten ihre Schritte in diese Richtung, denn das dortige wilde Treiben fand nicht die Billigung vieler Familienväter, die steif und aufrecht neben ihren Frauen schritten. Schon der steife Hemdkragen verbot ein hastiges Kopfdrehen, und zahlreiche Braunschweiger fühlten sich von dem Lärm des neuen Spieles belästigt.

Ein Ehepaar mit halbwüchsigen Kindern war stehen geblieben, weil die Kinder den Wunsch geäußert hatten, einmal zum Kleinen Exerzierplatz gehen zu dürfen und beim Spiel zuzuschauen. Der Vater hatte nicht geantwortet, sondern seinen Ältesten nur streng angesehen, missbilligend den Kopf geschüttelt und sogleich seinen unterbrochenen Spaziergang wieder aufgenommen, ohne sich auch nur umzusehen. Seine Aufmerksamkeit galt jetzt einem mit vier Pferden bespanntem Coupé, das in rasender Fahrt an ihnen vorbeifuhr, um gleich darauf unter den Bäumen zu verschwinden, die den Platz umgaben.

„Rücksichtslosigkeit!“, schimpfte der Familienvater dem Fahrzeug hinterher, das eine gewaltige Staubwolke aufgewirbelt hatte. Ärgerlich klopfte er sich die Ärmel ab, warf seiner Frau einen besorgten Blick zu, sofort schritt er wieder kräftig aus, dem in der Ferne erkennbaren Restaurant entgegen.

Auch Polizeidetektiv Thomas Faust sah dem Gespann einen Moment verwundert nach. Die atemberaubende Fahrt entlang der Menschenschwärme, die hier ins Freie drängten, fand er unverantwortlich. Aber er hatte heute seinen dienstfreien Tag und wollte sich nicht weiter mit diesen Alltagsdingen herumärgern. Er setzte seinen Weg fort und ertappte sich selbst aber dabei, dass er mehrfach in die Richtung sah, in der die Kutsche unter den Bäumen verschwunden war. Zwar hatte der Herbst mit einer stürmischen Woche begonnen und viele der Blätter von den Bäumen gerissen, aber schließlich setzte wieder mildes Wetter ein und brachte einen goldenen Oktober nach Braunschweig. Das restliche Laub sowie einige dichte Büsche verdeckten das Fahrzeug, wenn es nicht schon längst weiter gerollt war.

Gleich darauf war Faust abgelenkt von dem bunten Bild, das sich ihm beim Näherkommen bot. Auf dem Exerzierplatz wirbelten zahlreiche Menschen durcheinander, es wurde gejohlt und geschrien, und kurze Zeit später gab es wohl sogar eine Rangelei unter den Spielern, die einem Ball hinterherjagten.

Es dauerte noch eine ganze Weile, bis er dicht genug am Spielrand stand und das Geschehen überflog. An beiden Seiten des langen Spielfeldes befanden sich die Male der gegnerischen Mannschaft. Zwei Stangen waren jeweils eingegraben, dazwischen spannte sich eine Schnur. Vier kleinere Eckstangen begrenzten das Feld, vier weitere befanden sich dazwischen an den Seitenlängen. Faust nickte einigen der Bürger zu, die dem Spiel zusahen, und wurde freundlich gegrüßt. Es waren überwiegend Männer in ihren guten Sonntagsröcken, die hier am Spielfeld standen. Der Polizeidetektiv stellte sich zu einer Gruppe und versuchte, dem Spielverlauf zu folgen.

Gerade stürmte eine Gruppe der Spieler auf eines der Male zu, der Ball wurde nach vorn getreten, einer der Spieler nahm ihn geschickt an und schoss ihn mit einer eleganten Drehbewegung hoch über das gegnerische Mal.

„Goal! Goal!“, schrien heisere Stimmen, aber dann wurde ein Pfiff laut, und inmitten der noch immer durcheinander laufenden Spieler hob ein Mann mit starkem Vollbart den Arm.

„Abseits – das war wieder ein klares Abseits!“, rief er aus und deutete auf den Spieler, der den Ball über das Mal geschossen hatte.

Unwilliges Murmeln durchlief die Reihen der Spieler wie der Zuschauer, und Faust wandte sich an seinen Nachbarn.

„Was hat das zu bedeuten – Abseits? Sie haben doch den Ball über die feindliche Linie geschossen, oder nicht?“

Der ältere Mann zuckte nur die Schultern und machte ein verlegenes Gesicht. Aber hilfreich sprang sein Nachbar ein.

„Das kann ich Ihnen genau erklären. Ich habe mir von Professor Koch die Regeln besorgt, schauen Sie doch einmal!“

Mit diesen Worten zog er ein kleines Heft aus der Rocktasche, blätterte darin herum und wies auf eine Stelle.



2.


Das Coupé hielt unter den Eichenbäumen an, der Kutscher zog die Bremse fest und sprang vom Bock. Noch ehe er den Wagenschlag öffnen konnte, hatte ihn sein ungeduldiger Herr bereits aufgerissen und sprang heraus.

Ein dunkel gekleideter Mann mit einem zusätzlichen Umhang über den Schultern sah sich einen raschen Moment um, danach beugte er sich in die Kutsche und nahm seinen Zylinder vom Sitz. Er drückte ihn sich weit in die Stirn, sodass seine Augen vom Schatten der Hutkrempe verborgen wurden. Ein kurzer Ruck straffte seinen eng anliegenden, schwarzen Gehrock, anschließend drehte er sich zu dem Kutscher um, der eben einen länglichen und offenbar schweren Gegenstand aus der Kutsche geholt hatte.

Der Mann nahm ihn in Empfang und legte ihn behutsam im Gras ab. Gleich darauf entfernte er die Verpackung, zog die einzelnen Gegenstände aus einer weiteren, dünnen Hülle und setzte einen länglichen Zylinder zwischen seine Füße. Nur Augenblicke später begann er mit pumpenden Bewegungen eine Metallstange auf und ab zu ziehen, die aus dem Zylinder ragte. Unermüdlich pumpte der Mann, und als der Kutscher eine Bewegung machte, als ob er helfend einspringen wollte, gab der schwer arbeitende Mann nur ein unwilliges Knurren von sich.

Nach einer ganzen Zeit richtete er sich heftig atmend auf, den Gegenstand noch immer fest zwischen die Beine gepresst. Er zog ein feines, weißes Taschentuch hervor, tupfte sich damit den Schweiß aus dem Gesicht, wischte den Nacken, nahm sogar den Zylinder und wischte den Hutrand ab. Anschließend wurde die Kopfbedeckung wieder aufgestülpt, womöglich noch tiefer in die Stirn gedrückt als vorher.

Danach schraubte der Mann den Zylinder von der Stange, nahm den anderen Gegenstand auf und drehte nun den Zylinder auf ein Gewinde.

Bevor er den zusammengeschraubten Gegenstand erneut in eine der Hüllen schob, nickte er dem Kutscher zu.

„Du weißt, dass es möglicherweise auf dich ankommt. Sei bereit, sowie du mich unter den Bäumen siehst.“

„Jawohl, Herr, ich werde keinen Augenblick zögern, es wird alles zur Abfahrt bereit sein.“

Ohne sich weiter um den Kutscher zu kümmern, war der Mann mit dem Gegenstand unter dem Arm bereits zwischen den nächsten Büschen verschwunden. Der Kutscher sah ihm nach und erkannte, dass sein Herr die Richtung zum kleinen Wäldchen einschlug.

Die noch verbliebenen Gegenstände auf dem Grasboden sammelte er sorgfältig auf, schlug die schützende Decke darum und legte anschließend alles in die halboffene Kutsche. Wenig später saß er auf dem Bock und wartete die kommenden Ereignisse ab.



3.


„Einen Moment noch, ich habe es gleich“, sagte der Mann mit dem Heft und blätterte eifrig. „Hier – jawohl, auf Seite neun wird es genau erklärt: Alle Spieler müssen immer hinter dem Balle sein das heißt zwischen dem Balle und ihrem Male. Abseits ist ein Spieler, wenn er vor dem Balle ist, und der Ball hinter ihm von einem seiner Genossen getreten oder gehalten wird.

Für einen kurzen Moment sah Faust den Mann verblüfft an, dann lächelte er.

„Nicht ganz einfach, aber ich glaube, ich habe doch verstanden, was der Herr Professor meint. Der Bursche, der das Mal getroffen hat, wartete ganz offensichtlich seine Chance direkt davor ab. Das ist nicht erlaubt, also die Regel, die Koch Abseits nennt. Interessant – so kommt noch mehr Spannung in das Spiel, wie mir scheint.“

„So ist das wohl gemeint. Wissen Sie, mein Sohn spielt auch mit – da drüben, der große, kräftige Kerl ist es, sehen Sie? Der jetzt hier herüberschaut. Er ist ganz versessen von dem neuen Fußballspiel und hat nicht locker gelassen, bis ich ihm selbst so einen Lederball gekauft habe.“

Der Mann strahlte Faust an, und der lächelte zurück. „Ist ja schön, wenn man so begeistert von diesem neuen Turnspiel ist. Aber sind die Bälle nicht sündhaft teuer?“

Sein Gegenüber zuckte nicht für einen Moment, sondern strahlte weiter über das ganze Gesicht, als er erläuterte:

„Dolffs & Helle haben da gleich eine Geschäftsidee gewittert, als Koch mit dem Spiel begann. Ja, Sie haben natürlich recht, teuer ist so ein Lederball. Ich habe für die Ausführung Nummer fünf ganze zehn Mark fünfzig bezahlt, aber das war es mir für meinen Sohn wert!“

Der Polizeidetektiv war sichtbar zusammengezuckt und stieß jetzt nur einen anerkennenden Pfiff aus.

Das Spiel wurde unterdessen fortgesetzt, die Spieler liefen wieder in Gruppen hinter dem Ball her, und jetzt wurde es für die andere Mannschaft kritisch, denn der Ball befand sich in gefährlicher Nähe vor ihrem Mal. Ein Spieler traf den Lederball, und der stieg auf, flog auf das Mal zu – und wurde im letzten Moment von einem hoch in die Luft springenden Spieler gestoppt.

„Platzstoß!“, rief der Bärtige zwischen den Spielern, in denen Faust schon längst Professor Konrad Koch vom hiesigen Martino-Katharineum-Gymnasium erkannt hatte. Sein dunkler Gehrock war von oben bis unten eingestaubt, sein Hut saß schief auf dem Kopf, sein Gesicht schien in der Sonne zu glühen.

„Damit hat er den Ball vor dem Mal gerettet, und der Spieler hat von dort nun einen freien Platzstoß!“, erklärte der Mann mit dem Regelwerk gleich. Faust konnte zwar nicht behaupten, dass er auch diese Regel verstanden hatte, aber das schien ihm auch nicht mehr wichtig. Fußball mochte ein sehr raues Spiel sein, aber ganz offensichtlich hatten die Spieler ihren großen Spaß damit. Rufend und lachend setzten sie das wilde Treiben auf dem Exerzierplatz fort, und der Polizeidetektiv verfolgte die Spielszenen mit größter Aufmerksamkeit.

Nachdem der Ball erneut über eines der Male flog, pfiff Koch wieder und rief den Spielern zu:

„Es wird Zeit, die Röcke abzulegen, Sie seid schon mächtig erhitzt! Das gilt aber nur für diejenigen unter Ihnen, die Wollhemden tragen! Das mir keiner nachher ankommt und sich erkältet hat! Danach kommt der Fußball-Kaiser einmal zu mir, bevor es weitergehen kann!“

Die Spieler zogen sich teilweise schon im Laufen die Überröcke aus und warfen sie unordentlich am Rand des Spielfeldes ab, um gleich wieder zum Spiel zurückzukehren. Aber da waren sie schlecht beraten, denn auf ein scharfes Kommando von Konrad Koch kehrten sie zurück, um ihre Röcke ordentlich zu falten und abzulegen.

Danach trat ein großer, junger Mann mit einer Armbinde auf Koch zu. Faust sah, wie die beiden sich besprachen und teilweise auf die Spieler deuteten.

Der Fußball-Kaiser war ebenso wie alle anderen Spieler, von der Mütze bis zu den Schuhen, mit dickem, grauem Staub bedeckt. Trotzdem bemerkte der Polizeidetektiv, wie der große, gut aussehende blonde Junge strahlte, als ihm Koch jetzt auf die Schulter schlug und eine kräftige Staubwolke aufstieg. Gleich darauf gab der Professor ein Zeichen, ein kurzer Pfiff folgte, und das wilde Spiel fand seine Fortsetzung.

Faust wurde vom Spiel abgelenkt, als er ein kurzes Aufblitzen unter dem Eichen bemerkte, das ihn irritierte. Gleichzeitig geschahen mehrere Dinge auf dem Spielfeld. Der Lederball kam nach einem Abschuss durch die Luft auf den Fußball-Kaiser zugeflogen. Der junge Mann war für einen Moment durch die Bewegung eines anderen Spielers abgelenkt und bemerkte nicht das mit großer Wucht heranfliegende Lederteil. Als es ihn am Kopf traf, wurde er herumgerissen und prallte mit Konrad Koch zusammen, der unmittelbar hinter ihm gestanden hatte.

Der Professor konnte den Fußball-Kaiser nicht halten, und gleich darauf lagen beide auf dem Rasen. Die Spieler hielten gebannt inne, als sie ihren Lehrer stürzen sahen, das Spiel wurde unterbrochen.

Aber gleich darauf setzte Koch sich lachend auf, klopfte groben Dreck von seinem Rock, drehte sich zu dem jungen Mann um und bot ihm die Hand.

„Auf geht es, Heinrich – das Spiel geht weiter!“

Doch der Fußball-Kaiser lag unbeweglich auf dem Rücken und starrte in den blauen Oktoberhimmel.

„Was ist los – hast du dir etwas getan? Komm, Heinrich, du bist doch sonst hart im Nehmen!“ Koch stand auf, klopfte sich kurz auch die Hosenbeine ab und betrachtete dabei den unverändert am Boden Liegenden.

Schließlich bückte er sich erneut über ihn, sah ihm ins Gesicht, klopfte ihm auf die Wangen und öffnete schließlich den Hemdkragen.

„Was ist mit ihm, Herr Professor?“, kam eine ängstliche Jungenstimme. Die Spieler umgaben die beiden auf dem Boden jetzt in einem dichten Kreis.

Koch sah auf und rief ihnen zu:

„Schnell, holt etwas Wasser vom Feldrand – dort drüben stehen die Eimer! Heinrich ist ohnmächtig geworden!“

Als ihm gleich darauf ein nasser Lappen gereicht wurde, und er damit über die Stirn und die Schläfen des Fußball-Kaisers fuhr, gab es keinerlei Reaktion. Erschrocken riss Koch ihm jetzt die Weste auf, beugte sich auf den Brustkorb hinunter und versuchte, Herztöne auszumachen.

Mit blassem Gesicht richtete sich der Professor schließlich auf und rief über die Spieler den Zuschauern zu:

„Schnell, wir haben einen Verletzten hier – hat jemand eine Kutsche dabei? Heinrich muss sofort in das Elisabeth-Hospital!“

„Mein Landauer steht nicht weit von hier, ich werde ihn sofort holen“, rief der Mann mit dem Regelwerk, das er immer noch in der Hand hielt.

Inzwischen war der Polizeidetektiv in den Kreis getreten und hatte sich Professor Koch kurz vorgestellt. Ein Blick in die weit offenen Augen des jungen Mannes zeigte ihm, dass hier jede Hilfe zu spät kam. Trotzdem schob er eine Hand in den Nacken und hob ihn leicht an. Er spürte dabei im Haar etwas Klebriges, zog die Hand wieder hervor und betrachtete nachdenklich das Blut daran.

Jemand in der Menge schrie erschrocken auf. Koch war hochgesprungen und warf einen wilden Blick auf seine Spieler.

„Mein Gott, Heinrich ist schwer verletzt – holt die Malstangen, wir legen ihn darauf und bringen ihn zur Kutsche hinüber, damit …“

Thomas Faust legte ihm beruhigend die Hand auf den Unterarm.

„Lassen Sie die Jungen, Herr Professor. Heinrich kann niemand mehr helfen.“

Als Koch fassungslos auf die blutige Hand des Polizeidetektivs sah, wurde er aschfahl.

„Das … ist unmöglich … er wurde von dem Ball getroffen und …“

„Den ich hiermit beschlagnahme, Herr Professor. Der Lederball hat zum Tod des jungen Mannes geführt und ist damit ein wichtiges Beweisstück.“

In diesem Moment fuhr die Kutsche vor, und zusammen mit ein paar Spielern und Konrad Koch wurde der Tote in den Wagen gebettet. Als der Polizeidetektiv einstieg, schwang sich der Professor auf die Lederbank neben ihm.

„Ich werde den armen Heinrich natürlich begleiten, das können Sie mir nicht verwehren. Was immer die Ursache für seinen Tod war, der Fußball kann es nicht gewesen sein.“

Thomas Faust sah den Lehrer zweifelnd an, aber schließlich nickte er zustimmend. Gleich darauf fuhr die Kutsche los, rollte am Spielfeld entlang und erreichte die Fahrstraße, wo sie zur Stadt abbog.

Der Polizeidetektiv bemerkte zwar weit voraus ein Coupé, das von vier Pferden in rasender Fahrt auf Braunschweig zuhielt, maß dieser Beobachtung aber keine Bedeutung zu. Die beiden Männer in der Kutsche sahen schweigend aus dem Fenster und vermieden einen Blick auf den toten Spieler auf der Bank ihnen gegenüber.

Der Landauer erreichte in rascher Fahrt die Stadtgrenze. Von hier aus ging es direkt zum Hospital an der Fallersleber Straße.



4.


Nachdem sie den toten Fußballspieler im Hospital abgeliefert hatten, blieb den Männern keine Zeit für ein längeres Gespräch. Der Polizeidetektiv hatte es eilig, zum Exerzierplatz zurückzukehren, und Professor Koch wollte die Eltern des jungen Mannes persönlich aufsuchen und ihnen die traurige Botschaft überbringen. Der Lehrer fühlte sich verantwortlich für den Unfall und hätte jetzt nicht einfach in sein Haus in der Schleinitzstraße zurückkehren und dort tatenlos herumsitzen können.

Thomas Faust überlegte kurz, ob es sinnvoll sei, einen Kollegen mitzunehmen, um vor Ort gemeinsam zu recherchieren. Aber dann verwarf er den Gedanken gleich wieder, denn schließlich handelte es sich nicht um eine Straftat, sondern um einen Unglücksfall.

Er war kurz in den Neubau der Polizei in der Münzstraße zurückgekehrt, wo ihn der wachhabende Beamte überrascht empfing.

„Nanu, Herr Polizeidetektiv – haben Sie nicht heute dienstfrei?“

„Ganz richtig, mein Bester. Aber Sie wissen doch – man ist nie ganz außer Dienst, und bei dem Spiel auf dem Exerzierplatz hat es einen bedauerlichen Unfall gegeben. Ich benötige deshalb eine der Dienstkutschen, um mich noch einmal in Ruhe vor Ort umzusehen.“

„Das ist gar kein Problem, nehmen Sie gleich dort den Karl, der ist ein hervorragender Kutscher und dabei von sehr guter Ortskenntnis!“ Der Wachhabende deutete auf einen schlanken, jüngeren Beamten, der sofort in militärischer Grundstellung verharrte, als er den Polizeidetektiv auf sich zukommen sah.

Gleich darauf saß Faust in der Kutsche, und kaum hatte er den Schlag hinter sich zugedrückt, als der Wagen auch schon anruckte und in rascher Fahrt aus der Stadt fuhr.

Vor Ort hielten sich immer noch einige Menschen auf. Faust erkannte gleich beim Aussteigen, wie man erregt den Unfall diskutierte. Ein paar Männer hatten die noch nicht abgerückten Spieler umringt und fragten sie nach Einzelheiten aus. Aber als der Polizeidetektiv in Begleitung des Wachtmeisters zu ihnen kam, verstummten die Gespräche schnell. Erwartungsvoll sah man die Hüter des Gesetzes an, als könnten sie ihnen von der wundersamen Heilung des jungen Mannes berichten.

Thomas Faust schüttelte bedächtig den Kopf und wandte sich an die Menge.

„Geht nach Hause, Leute, hier gibt es nichts mehr zu sehen. Der junge Mann ist mausetot, ein bedauerlicher Unfall. Mehr kann ich dazu auch nicht sagen.“

Nur zögernd gingen die Menschen auseinander, die jungen Spieler hatten längst ihre Röcke wieder übergezogen, den gröbsten Dreck abgeklopft und gingen nun ebenfalls der Stadt entgegen. Faust sah den Spielern an, wie sehr sie der Tod ihres Kameraden getroffen hatte. Sein Blick fiel auf die Stelle, wo Heinrich zusammengebrochen war, und Faust bückte sich und untersuchte den Boden genauer.

Er hatte keine Vorstellung, was er hier eigentlich zu finden hoffte, und musste schließlich aufgeben. Langsam schlenderte er zur Kutsche zurück und warf dabei wie zufällig einen Blick zu den Eichen hinüber.

Was mag das für ein Aufblitzen gewesen sein?, durchzuckte ihn ein Gedanke.

Faust hatte 1870/71 als junger Soldat am Deutsch-Französischen Krieg teilgenommen und in den Kämpfen um Metz und Straßburg gelernt, auf jedes Aufblitzen in seiner Umgebung zu reagieren. Diese Vorsicht hatte ihm mindestens einmal das Leben gerettet, denn die französischen Scharfschützen mit ihren weit reichenden Chassepot-Gewehren waren eine ständige, tödliche Gefahr. Diese Waffen waren den deutschen Zündnadelgewehren deutlich überlegen.

Unmittelbar vor der Kutsche bog Faust ab und ging zu den Eichenbäumen. Der verdutzte Kutscher sah ihm unschlüssig nach, blieb dann aber ohne Gegenbefehl wartend bei der Kutsche.

Der Polizeidetektiv ging eine Weile zwischen den Eichen hin und her und traf dabei auf die deutlich erkennbaren Spuren einer Kutsche. Sie hatten sich in dem weichen Untergrund eingegraben, und auch die Pferdehufe waren gut zu sehen. Schließlich folgte Faust einer Fußspur, die bis zu einer mächtigen Eiche am Rand des kleinen Wäldchens führte.

Hier war das Gras rund um den Baumstamm niedergedrückt. Kein Zweifel, ein Mensch war hier auf und ab gegangen – aber warum?

Faust traf auf die Lichtung und sah zum Spielfeld hinüber. Konnte es sein, dass jemand von hier aus das Spiel beobachtet hatte? Vielleicht mit einem Fernglas, und das hatte in der Sonne kurz aufgeblitzt und seine Aufmerksamkeit erregt. So musste es gewesen sein, denn Faust konnte keine weiteren Spuren finden, die von hier aus zum Spielfeld führten.

Nachdenklich kehrte er zur wartenden Polizeikutsche zurück und erinnerte sich an das von vier Pferden gezogene Coupé, das weit vor ihnen fuhr, als sie den Toten nach Braunschweig brachten.



5.


Im Elisabeth-Hospital wurde der Polizeidetektiv von einer Pflegeschwester empfangen. Sie hörte ihm aufmerksam zu, lächelte dann unter ihrer großen, weißen Haube freundlich und winkte Faust, ihr zu folgen.

„Wenn der junge Mann schon tot war, dann wird sich unser neuer Pathologe um ihn gekümmert haben. Ich führe Sie zu ihm, damit Sie sich bei uns nicht verlaufen.“

Mit diesen Worten eilte die Schwester eine Treppe hinunter, die nur durch ein schwaches Gaslicht beleuchtet wurde. Faust folgte ihr auf dem Fuß und erkannte einen langen Gang vor sich, in dem es womöglich noch dunkler war. Überall gingen auf beiden Seiten Türen ab, aber nur am Ende des Flures fiel Licht aus einer halb geöffneten Tür auf den Flur. Es roch stechend und undefinierbar nach einer chemischen Substanz, die Faust nicht sofort einordnen konnte.

Kurz bevor die Schwester die Tür zu dem beleuchteten Raum aufstieß, fiel es dem Polizeidetektiv wieder ein. Formaldehyd war es, der erst vor wenigen Jahren von dem russischen Chemiker Alexander Michailowitsch Butlerow entdeckte Stoff, den A.W. von Hofmann für die Medizin aufbereitet und erstmals zur Desinfektion verwendete.

Thomas Faust las alle zugänglichen Berichte aus der Forschung, um sich weiterzubilden. Bislang war er jedoch mit dem Brechreiz erzeugenden Geruch noch nicht vertraut, hatte ihn nur einmal in geringer Menge bei einem Experiment eines Arztes erlebt.

Als er den hell erleuchteten Raum betrat, erkannte er auf einem langen Tisch die Umrisse eines menschlichen Körpers unter einem Tuch. Zahlreiche Instrumente und Laborgeräte, Schalen und Mullverbände umgaben den Arbeitsplatz des Mediziners, der sich eben von einem Schemel neben dem Tisch erhoben hatte.

Der Arzt hatte ein von einem Vollbart umrahmtes, rundes Gesicht mit frischer Gesichtsfarbe und begrüßte seinen Besucher mit einem fröhlichen Lächeln und kräftigem Händedruck.

„Polizeidetektiv Thomas Faust – ich komme wegen des tragischen Unfalles beim Fußballspiel und wollte mit dem Arzt sprechen, der sich den Jungen angesehen hat.“

„Dr. Klaus Wagner“, sagte der Arzt und lachte plötzlich laut los. Gleich darauf wurde er jedoch wieder ernst und schüttelte noch einmal die Hand des Polizisten.

„Entschuldigen Sie meinen Heiterkeitsausbruch, aber das ist doch einfach göttlich – Sie heißen Faust, ich Wagner – aber Ihr Famulus möchte ich doch nicht sein!“

Ein kurzes Lächeln huschte jetzt auch über das Gesicht des Polizisten.

„Danke, Herr Doktor, ein Humunculus ( siehe J.W.v. Goethe, Faust I. Der Gehilfe des Gelehrten, der Famulus Wagner, erzeugt in einer Phiole einen künstlichen Menschen, den Homunculus ) wie bei Goethes Faust würde mir jetzt zu meinem Glück auch noch fehlen.“

Die beiden Männer schmunzelten noch einen Moment über den kleinen Scherz, dann wandte sich Dr. Wagner mit ernster Miene zu dem Tisch.

„Tja – der unglückliche junge Mann – ein seltsamer Fall, kann ich nur sagen.“

Faust trat neben den Mediziner, der eben das Tuch von dem Toten herunterzog.

„Wieso seltsam? Er bekam während des sehr turbulenten Spieles einen Lederball mit großer Wucht gegen den Kopf und brach zusammen. Wir hatten zuerst eine Ohnmacht angenommen, mussten dann aber feststellen, dass er nicht mehr atmete.“

Dr. Wagner nickte bestätigend dazu.

„So musste das auch im ersten Moment auf den Laien gewirkt haben, und auch ich hatte zunächst nichts anderes angenommen. Aber als ich seinen Kopf näher untersuchte, entdeckte ich in der stark blutenden Kopfwunde einen Gegenstand.“

„Einen Stein?“

Der Arzt schüttelte den Kopf. Zunächst schob er seine Arme unter den Toten, hob ihn scheinbar mühelos an und drehte den Körper auf die Seite.

„Sehen Sie sich einmal die Wunde mit dem Vergrößerungsglas dort an!“, forderte er den Polizeidetektiv auf.

Faust griff die Lupe von einem kleinen Tisch und beugte sich über den Toten.

„Mich hat es verwundert, dass ein runder Lederball eine solche Wunde verursacht haben soll. Es handelt sich um ein richtiges Loch im Schädel, und Sie werden gleich erkennen, dass es sehr tief ist.“

Als Faust sich mit erstauntem Gesicht wieder aufrichtete, lächelte ihn der Mediziner zufrieden an.

„Na? Was halten Sie davon, Herr Faust?“

„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich von einer Schussverletzung ausgehen. Eine derartige Wunde ist typisch dafür, aber trotzdem ist das in diesem Fall wohl vollkommen ausgeschlossen, Doktor Wagner.“

„Da wäre ich nicht so sicher, schauen Sie, was ich mit einer Sonde aus der Wunde herausgeholt habe!“

Dr. Wagner streckte Faust seine offene Hand entgegen, und der Polizist pfiff durch die Zähne.

„Eine Bleikugel, gar kein Zweifel. Aber, bester Herr Doktor Wagner, das ist doch gar nicht möglich – ich stand nur wenige Schritte neben dem Fußball-Kaiser, als der Ball ihn traf – einen Schuss hätte ich unmöglich überhören können!“

Faust hatte die etwas verformte Bleikugel dem Arzt aus der Hand genommen und starrte sie an.

„Tja, Herr Faust – ich fürchte, das ist jetzt Ihr Problem – ich bin nur der Pathologe. Für mich steht es fest, dass der junge Mann erschossen wurde. Wie das geschah, müssen Sie herausfinden.“

Faust schwieg einen Moment, dann zuckte er die Schultern.

„Ist es denn auch möglich, dass die Kugel auf irgendeine Weise in dem Lederball steckte und auf diese Weise beim Zusammenprall in den Kopf getrieben wurde?“ Kaum hatte er ausgesprochen, war ihm schon die Unmöglichkeit dieses Gedankens bewusst.

„Niemals könnte ein Stein oder gar eine Bleikugel, die auf welche Weise auch immer auf einem Lederball sitzt, mit solcher Wucht und so tief in den menschlichen Schädel eindringen.“

Faust schüttelte leise den Kopf, schließlich wandte er sich zur Tür.

„Sie werden da wohl recht haben, Doktor Wagner, aber ich begreife es nicht. Die Kugel nehme ich mit, ich muss dringend noch einmal zum Exerzierfeld, das nun ein Tatort geworden ist. Es will mir nicht in den Kopf, wie dort draußen jemand unbemerkt schießen konnte.“



6.


Missmutig stapfte der Polizeidetektiv in seinem Büro im herzoglichen Polizeipräsidium auf und ab. Die erneute Fahrt zum Exerzierplatz hatte keine Hinweise ergeben, und Faust war nicht gerade in bester Laune zurückgekehrt. Ein junger Mann wurde auf mysteriöse Weise von einem Geschoss getroffen, er befand sich nur wenige Meter von dem Opfer entfernt und hatte keinen Schuss gehört – und offenbar auch niemand der anderen Zuschauer.

Wieder und wieder hatte er den Ball peinlich genau untersucht, dabei Zentimeter für Zentimeter das Leder nach innen gedrückt und nichts anderes festgestellt, als dass der Ball aus Leder war und die Luft offenbar von einer Gummiblase gehalten wurde. Schließlich nahm er ein kleines Federmesser und lockerte damit die Lederverschnürung. Mit einiger Mühe gelang es ihm, die Luft entweichen zu lassen, danach zog er die Gummiblase heraus. Jetzt lagen die Einzelteile des Fußballes auf seinem Schreibtisch, und Faust war kein Stück in seinen Ermittlungen weitergekommen.

Was als sein freier Tag begonnen hatte, schien in einem Chaos zu enden. Faust sah aus dem Fenster auf die Münzstraße hinunter und wollte sich gerade eine Zigarre anzünden, als ein Mann die Straße überquerte, der ihm bekannt erschien. Zwar verdeckte der große Hut noch sein Gesicht, aber er war sich sicher, dass Professor Konrad Koch auf dem Weg zu ihm war.

Gleich darauf hörte er Stimmen auf dem Flur und nur einen Augenblick später wurde angeklopft. Der Wachthabende steckte seinen Kopf herein und meldete den Professor.

„Herein mit ihm – das trifft sich gut!“, rief Faust aus.

Sofort stürmte Konrad Koch in das Amtszimmer. Er riss sich den Hut vom Kopf und sprudelte heraus:

„Der arme Heinrich geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Ich kann nicht so zu Hause herumsitzen und – um Himmels willen, was ist da passiert?“

Der Professor hatte sich unterbrochen und deutete mit fassungsloser Miene auf den zerlegten Fußball.

„Nehmen Sie doch Platz, Herr Professor, wir müssen noch ein paar Dinge besprechen.“

Faust schüttelte dem immer noch auf den Tisch starrenden Besucher kräftig die Hand, was ihn schließlich aufsehen ließ.

„Der Ball – warum ist er zerlegt worden? Ich meine, wir benötigen …“

„Verehrter Herr Professor, so nehmen Sie doch erst einmal Platz und lassen Sie mich die neuesten Ergebnisse berichten.“

Der Polizeidetektiv wies nachdrücklich auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch, und Koch nahm mit irritierter Miene schließlich Platz.

„Der Fußball gilt gewissermaßen als Tatwaffe, Herr Professor, und deshalb musste ich ihn sehr gründlich untersuchen. Ich denke, er wird nicht unersetzlich sein. Die Firma Dolffs & Helle wird doch noch liefern können?“

„Selbstverständlich. Ich war nur etwas irritiert, als ich den Ball so zerlegt auf ihrem Tisch gesehen habe. Aber weshalb reden Sie von einer Tatwaffe – es handelte sich doch um einen traurigen Unglücksfall?“

Faust lehnte sich zurück und musterte sein Gegenüber nachdenklich.

„Das hatten wir alle angenommen, Herr Professor. Leider handelte es sich nicht um einen Unfall.“

Der Polizist schwieg erneut, und Koch sprang wie von einer Feder losgeschnellt auf.

„Was sagen Sie da? Kein Unfall? Aber wieso – ich meine, wie sollte denn …“

„Wie Heinrich ums Leben gekommen ist? Das wüsste ich auch gern, aber meine Ermittlungen haben bislang noch nichts erbracht.“

Faust wies auf die Zigarre hin, die er unangezündet auf dem Schreibtisch abgelegt hatte.

„Darf ich Ihnen eine Zigarre anbieten, Herr Professor?“

„Nein, besten Dank, aber rauchen Sie ruhig, mich stört das nicht weiter. Wenn ich Sie richtig verstanden habe, wurde Heinrich also ermordet?“

Faust hatte ein Streichholz angerissen, zog an der Zigarre und stieß ein paar kräftige Wolken aus. Zufrieden betrachtete er gleich darauf das glimmende Ende und ließ sich Zeit mit der Antwort.

„Alles spricht dafür, Herr Professor. Nachdem ein Arzt im Elisabeth-Hospital die schwere Kopfwunde untersucht hat, müssen wir davon ausgehen, dass eine Bleikugel den unglücklichen jungen Mann traf.“

Koch zog erstaunt die Augenbrauen hoch, erwiderte aber nichts. Der Polizist nahm einen kleinen Gegenstand von der Schreibtischplatte auf und präsentierte ihn auf seiner offenen Handfläche.

„Eine Bleikugel, und aller Wahrscheinlichkeit nach ein Geschoss. Da ich keinen Schuss gehört habe, wäre ich auch niemals auf den Gedanken gekommen, dass auf Heinrich ein Anschlag verübt wurde.“

Koch war erneut aufgesprungen, beugte sich über die offene Hand des Detektivs, anschließend zog er einen Kneifer aus der Rocktasche, setzte ihn sich umständlich auf die Nase und musterte die Kugel erneut.

„Unglaublich, unfassbar – wer sollte denn einen meiner Fußballspieler erschießen? Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass hier eine Absicht vorliegt, Herr Faust.“

„So wollte es mir auch scheinen, selbst noch, als ich die Bleikugel sah. Deshalb habe ich den Ball auseinandergenommen in der Hoffnung, dort etwas zu finden, das uns weiterführt. Leider vergeblich.“

„Das ist eine Katastrophe, mehr noch, ein Skandal, Herr Faust! Und das gerade jetzt, wo wir in Kürze ein wichtiges Spiel haben, ja, ich gehe sogar so weit zu behaupten, das wichtigste Spiel überhaupt!“

Koch war erregt auf und ab gegangen und blieb jetzt vor dem Polizisten stehen. Faust rauchte scheinbar ruhig seine Zigarre, aber er war nicht weniger angespannt als sein Besucher.

„Ich fürchte, Sie werden das Spiel zunächst verlegen müssen, Herr Professor. Solange die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind, wird es mit Sicherheit keine Möglichkeit geben, auf dem Kleinen Exerzierplatz zu spielen, das werden Sie verstehen.“

„Natürlich, natürlich. Da gelten natürlich ganz andere Dinge als unser Spiel – nur, es ist so ungeheuer wichtig, und Durchlaucht selbst … Verstehen Sie meine Sorgen richtig, Herr Faust, ich finde den Tod meines besten Spielers sehr, sehr tragisch, aber zu diesem Zeitpunkt …“

Koch schwieg, zuckte schließlich verzweifelt die Schultern und wollte gehen.

„Was meinten Sie mit Ihrem Hinweis auf Durchlaucht? Sprachen Sie vom Herzog?“

„In der Tat, Herr Faust. Herzog Wilhelm selbst hat sich endlich überzeugen lassen, dass das neue Fußballspiel alles andere ist als eine Englische Krankheit und hatte sein Erscheinen zum nächsten Spiel angekündigt. Wir wollen am Sonntag in einer Woche gegen eine Schüler-Gespielschaft aus Göttingen spielen, und da wäre es natürlich … Aber wir müssen das Spiel sofort absagen, und ich muss zudem mit August Hermann sprechen, was wir jetzt unternehmen werden.“

Damit verabschiedete sich Konrad Koch und war so schnell aus der Amtsstube, dass Faust kaum seinen Gruß erwidern konnte.

Der Professor war eine sympathische Erscheinung und wirkte in seinem sauberen Gehrock, mit dem blütenweißen Hemdkragen und dem elegant geknoteten Tuch erheblich destingierter als ihn Faust gerade auf dem Spielfeld erlebte hatte, wo er wie ein großer Junge zwischen den Schülern lief und das Spielgeschehen leitete.

Was war eigentlich ein Fußball-Kaiser? Ärgerlich über sich selbst schlug der Detektiv auf seinen Tisch, weil er vergessen hatte, nach weiteren Details zu fragen.



7.


„Das nimmst du sofort zurück!“

Die Stimme überschlug sich fast, und auf dem Schulhof blieben mehrere Schüler stehen.

„Niemals – jeder weiß doch, was du willst!“

Die zweite Stimme war nicht weniger laut, und gleich darauf rempelten sich zwei Schüler mit den Schultern an.

„Pass bloß auf, dass ich dich nicht vermöble, du Spinner!“

„Selber Spinner! Und Streber!“

Jetzt flogen Fäuste hoch, die Umstehenden begannen zu johlen, und die beiden Gegner schlugen mit hochroten Gesichtern aufeinander ein.

„Jonathan! Wolfgang! Schämen Sie sich! Ist das ein würdiges Verhalten für Oberprimaner?“

Der Lehrer mit dem breitrandigen Hut riss die Kämpfenden auseinander und hielt sie für einen kurzen Moment am Hemdkragen fest, bevor er sie freiließ und dabei seine Rockärmel wieder herunterzog.

„Sie benehmen sich flegelhaft und sollten für das nächste Spiel ausgeschlossen werden! Was sollte das? Können Sie Ihre Rivalität auf dem Spielfeld nicht wenigstens in der Schule unterdrücken? Man sollte doch glauben, dass man es mit jungen Männern aus gutem Haus zu tun hat, und nicht mit irgendwelchen Rüpeln von der Straße!“

August Hermann musterte die beiden Streithähne, die jetzt beschämt zu Boden sahen. Jonathan zog sein Taschentuch heraus und drückte es gegen seine blutende Nase.

„Es tut mir leid, Herr Hermann, aber dieser Kerl hier kann einfach nicht verwinden, dass ich der bessere Fußballspieler bin!“

„Ha – das werden wir ja sehen!“, kam die Antwort gepresst zurück, weil Jonathan noch immer das Taschentuch gegen die Nase drückte.

„Es ist mir egal, wer von Ihnen der bessere Spieler ist. Wenn Sie sich nicht der Schulordnung anpassen, werden Sie überhaupt nicht mehr zum Spiel zugelassen, haben Sie mich verstanden? Und jetzt geht es zurück in die Schule, die Pause ist beendet!“

Hermann wies mit strenger Miene und ausgestrecktem Arm nachdrücklich auf den Schuleingang, und mit hängenden Köpfen schlurften die Kontrahenten hinüber.

„Haben die beiden schon wieder gestritten?“, vernahm der Turnlehrer in diesem Moment eine vertraute Stimme und drehte sich lächelnd um.

„Guten Tag, Konrad. Ja, ich fürchte, die neue Situation macht ihnen schwer zu schaffen. Jetzt flogen sogar die Fäuste, und Jonathan hat den Kürzeren gezogen.“

„Ein unmögliches Benehmen. Da ist ihr gewählter Fußball-Kaiser noch nicht einmal beerdigt, und schon streiten sich die beiden darüber, wer sein Nachfolger werden kann.“

Die beiden Lehrer schüttelten sich die Hände, und Hermann erkannte an der sorgenvollen Miene und den dunklen Ringen um die Augen, wie sehr sein Freund litt. Natürlich war der Tod des Fußballspielers sofort das Schulgespräch. Keiner der Lehrer konnte verhindern, dass die Schüler am Martino-Katharineum von etwas anderem sprachen und achteten nur darauf, dass im Unterricht die Aufmerksamkeit davon nicht beeinträchtigt wurde.

„Du machst dir unnötige Vorwürfe, Konrad. Keiner von uns ist schuldig am Tod des jungen Menschen, es war ein sehr, sehr tragischer Unglücksfall, aber der hätte auch überall …“

„Nein, so war es nicht!“, unterbrach ihn mit scharfem Tonfall sein Freund. „Du kannst nicht wissen, was ich gestern am späten Nachmittag noch von Polizeidetektiv Faust erfahren habe. Ich wollte gleich zu dir eilen, musste aber vorher noch zu Direktor Gravenhorst, um ihn in Kenntnis zu setzen. Als ich dann bei dir eintraf, sagte mir deine Frau, du wärst schon seit einer Stunde bei den Kleidersellern ( Die „Ehrlichen Kleiderseller zu Braunschweig“ waren eine gesellige Vereinigung, zu der auch Wilhelm Raabe gehörte. Konrad Koch und August Hermann waren ebenfalls Mitglieder, man traf sich regelmäßig donnerstags im Restaurant „‚Zum grünen Jäger“ in Riddagshausen.) – und da stand mir nun wirklich nicht der Sinn danach, dich dort herauszuholen.“

„Was meinst du denn – spann mich nicht länger auf die Folter, Konrad, was hat dir Faust erzählt?“

Hermann war stehen geblieben und sah den Freund verwundert an.

„August – es ist leider furchtbare Wahrheit – aber der Schüler Heinrich wurde ermordet!“

„Was sagst du da? Ermordet? Es war doch ein Unfall beim Spielen, hast du mir gesagt, als wir uns nach dem Spiel getroffen haben – wieso sprichst du von Mord?“

Konrad Koch musste sich einen Moment sammeln. Er schien zu taumeln, und besorgt legte sein Freund den Arm um ihn.

„Konrad, mein Gott – was ist geschehen?“

„Bei der ärztlichen Untersuchung im Hospital hat man eine Bleikugel aus dem Schädel geholt – Heinrich muss während des Spiels erschossen worden sein – allerdings hat niemand der Anwesenden einen Schuss vernommen.“

„Erschossen?“ Hermann ließ den Arm erschrocken sinken. „Aber das ist doch vollkommen unmöglich, wer sollte denn …“

„Ich weiß es nicht, ich habe keine Ahnung, August. Ich weiß nur, dass seine armen Eltern furchtbar leiden, und dass unser Spiel die Ursache für alles war.“

„Wie kannst du das sagen, Konrad – unser Spiel die Ursache? Wenn jemand Heinrich erschießen wollte, hätte er es überall tun können, weshalb …“

„Hätte er – aber erschossen wurde er während unseres Spieles. Begreifst du nicht, was das für uns bedeutet, August?“

Konrad Koch hatte sich zu seinem Freund gedreht und sah ihn mit unendlich traurigem Gesicht an.

„Gerade fassen wir Fuß mit unserer neuen Spielidee, es gibt unseren Schülerverein, immer mehr möchten das neue Spiel kennenlernen, schließlich hat Herzog Wilhelm selbst zugesagt, sich unser nächstes Spiel anzusehen – und dann passiert dieser grauenhafte Mord!“

Die beiden Männer sahen sich schweigend an, schließlich gingen sie langsam auf das Schulgebäude zu.

„Wir müssen das Spiel absagen. Ich weiß nicht, ob ich jemals wieder bei einem Fußballspiel dabei sein kann“, sagte Konrad Koch leise.



8.


Auch der Tag nach dem Mordanschlag war ein sonniger, angenehm warmer Oktobertag. Konrad Koch hatte nach Schulschluss noch einmal die Eltern des ermordeten Heinrich aufgesucht und ein längeres Gespräch mit dem Vater, Wilhelm von Bredow, geführt. Die Mutter war bei der Hiobsbotschaft am vergangenen Tag zusammengebrochen und wurde in einem völlig abgedunkelten Zimmer von einer Pflegerin versorgt. Sie weigerte sich strikt, das Zimmer zu verlassen und nahm auch keinerlei Nahrung zu sich. Nachdem Koch die bislang bekannten Fakten berichtet hatte, saßen sich die beiden Männer an dem großen, schweren Eichentisch im Esszimmer der Familie schweigend gegenüber.

Von Bredow hatte ihnen jeweils ein Glas mit Cognac eingeschenkt. Während Koch sein Glas nicht anrührte, schenkte sich von Bredow bereits zum dritten Mal nach.

Nach einer Weile war Koch gegangen, er hatte den Anblick des gebrochenen Vaters nicht länger ertragen, und das Schweigen im Raum war geradezu eisig gewesen. Mit keinem Wort hatte von Bredow den Lehrer angeklagt, ihm keine Vorwürfe gemacht, das Fußballspiel überhaupt nicht erwähnt. Er hatte die Leidenschaft seines Sohnes stets gefördert, war großzügig an den Turnlehrer August Hermann mit einer Spende herangetreten und sorgte dafür, dass weitere Lederbälle gekauft werden konnten. Nichts deutete darauf hin, dass er dem neuen Spiel und den Lehrern, die es ihren Schülern beigebracht hatten, eine Schuld am Tod seines Sohnes zuweisen würde.

Als Koch sich beim Gehen stumm vor dem zusammengesunkenen Vater verbeugte, hatte der nur geflüstert:

„Er war ein guter Junge, der Heinrich, ja, das war er wirklich. Ein guter Junge.“

Dabei standen ihm die Tränen in den Augen, und hastig verließ Koch den Raum.

Auf dem Heimweg wurde er die Bilder der letzten Stunden nicht wieder los, erlebte noch einmal die Szene auf dem Exerzierplatz und die Abschiedsworte des Vaters klangen ihm in den Ohren, als er die Schleinitzstraße erreicht hatte. Hier war es schon sehr dunkel, die Gaslaternen leuchteten kaum bis zu seinem Hauseingang, als er den Schlüssel aus der Tasche nahm.

Als er ihn in das Schloss steckte, vernahm er ein seltsames, trockenes Knacken und hatte im gleichen Moment das Gefühl, dass ihm jemand von hinten den Zylinder vom Kopf schlug.

Als er sich umdrehte, knackte es erneut, und Koch spürte einen Schlag gegen den rechten Oberarm, der ihn herumriss und gegen seine Haustür warf. Die schon heruntergedrückte Klinke noch in der Hand, stieß er dabei die Tür auf und fiel in seinen Hausflur.

Ein brennender Schmerz strahlte von seinem Oberarm bis in die Fingerspitzen hinunter, und benommen rappelte sich der Lehrer auf. Als er endlich wieder auf den Beinen stand, vernahm er auf der Straße deutlich Hufschlaggeräusche. Eine Kutsche rollte davon, und Koch sah sich nach beiden Seiten um. Niemand befand sich auf der Straße, und die Kutsche war bereits um die nächste Hausecke verschwunden.

Vom Lärm angelockt, kam das Hausmädchen mit einer Lampe in der Hand und leuchtete den Professor verwundert an.

„Herr Professor!“, schrie sie auf und hätte um ein Haar die brennende Lampe fallen gelassen.

„Hilfe!“, krächzte Koch mit trockenem Hals, stützte sich mit der linken Hand an der Wand ab und blieb für einen Moment keuchend stehen. „Hol den Hausknecht, Lisa, rasch!“, presste er hervor. Als das Mädchen rasch nach hinten in der Küche verschwand, tastete sich der Professor an der Wand entlang und erreichte mit weichen Knien das Wohnzimmer, wo er sich schwer atmend in seinen Sessel fallen ließ.

„Konrad, um Gottes willen, was ist dir geschehen?“, vernahm er die besorgte Stimme seiner Frau, die zu ihm eilte.

„Ich … ich habe keine Ahnung. Ich bin vor der Haustüre überfallen worden und …“

„Du blutest – dein Gesicht ist ganz rot und dort – auf dem Ärmel – mein Gott, was ist passiert?“, rief seine Frau. Aber im nächsten Augenblick war die resolute Dame schon dabei, ihm die Haare aus der Stirn zu streichen und die Kopfwunde zu untersuchen. Dazu hatte sie eine Petroleumlampe genommen, den Schirm entfernt und den Docht höher gedreht, um besser sehen zu können.

„Scheint nur eine Schramme zu sein, die nicht sonderlich tief ist. Aber Kopfverletzungen bluten nun einmal stark, das haben wir ja bei unseren Kindern oft genug erlebt. Lisa – sofort saubere Lappen, etwas Leinen und heißes Wasser – nun rasch, steh’ nicht so hilflos herum! Hierher, Egon, hilf mir, meinem Mann den Rock abzustreifen, aber vorsichtig – der rechte Oberarm ist verletzt!“

Der Hausknecht, der zugleich auch Gärtner und Kutscher bei Kochs war, griff beherzt zu. Koch stöhnte, als der Rockärmel vorsichtig heruntergezogen wurde. Das schneeweiße Hemd war auf der Seite stark vom Blut gerötet und bot einen schrecklichen Anblick. Seine Ehefrau konnte einen leichten Aufschrei nicht unterdrücken, aber jetzt war keine Zeit für einen Schwächeanfall. Nachdem man auch das Hemd entfernt hatte, wusch sie die Wunde vorsichtig aus, anschließend versuchte sie, mit mehreren Lappen das Blut zu stoppen. Schließlich presste sie ein blütenweißes Leinentuch darauf und schlang ein zweites kunstvoll darum und verknotete es.

„Lisa, lauf sofort hinüber zu Dr. Grimm und klingele ihn heraus. Die Blutung scheint für das Erste gestoppt zu sein, aber die Wunde muss richtig versorgt werden.“

Koch saß kreidebleich mit zusammengepressten Lippen in seinem Sessel und versuchte, trotz seiner Schmerzen seine Frau anzulächeln.

„Mir geht es schon sehr viel besser, Liebes, ich habe nur keine Ahnung, was eigentlich passiert ist.“

„Das ist jetzt auch völlig unwichtig, Konrad. Zunächst einmal musst du richtig versorgt werden, und Dr. Grimm wird jeden Moment hier sein – dann sehen wir weiter.“

Koch hatte für einen Moment das Gefühl, ohnmächtig zu werden und atmete tief durch. Als er die Augen wieder aufschlug, weil ihm ein starker Geruch in die Nase stieg, hielt ihm seine Frau ein Glas an die Lippen.

„Danke, das brauche ich wirklich nicht, ich …“

Zusammenfassung

Dieses Buch enthält folgende Krimis:
(999)

Cedric Balmore: Trevellian und die rechte Hand des Henkers

Tomos Forrest: Konrad Koch und der Tote auf dem Fußballfeld

Thomas West: Eine Ärztin und Stunden der Angst

Alfred Bekkker: Die nackte Mörderin

Wolf G. Rahn: HK Greiff - In der Hitze des Gefechts

Thomas West: Ärztin mit Herz für Gängster

Tomos Forrest: Mord auf offener Straße

Alfred Bekker: Der Finale Absturz

Ein großer Mafia-Deal soll über die Bühne gebracht werden. Es geht um unvorstellbar große Summen - und unvorstellbar dreckige Geschäfte. Ein verdeckter Ermittler wurde eingeschleust und riskiert Kopf und Kragen. Als er auf einer Party des Syndikats-Bosses einem nackten Showgirl gegenübersteht, ahnt er nicht, dass er eine skrupellose Killerin vor sich hat...

Details

Seiten
1000
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738956009
ISBN (Buch)
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (Oktober)
Schlagworte
morde krimi-paket

Autoren

  • Alfred Bekker (Autor:in)

  • Tomos Forrest (Autor:in)

  • Wolf G. Rahn (Autor:in)

  • Cedric Balmore (Autor:in)

  • Thomas West (Autor:in)

Zurück

Titel: 8 außergewöhnliche Morde: Krimi-Paket