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Schicksale im Haus an der Ecke #31: Hanna ist verschwunden

2021 109 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Hanna ist verschwunden

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

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Hanna ist verschwunden

Schicksale im Haus an der Ecke #31

von G. S. Friebel

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 109 Taschenbuchseiten.

 

Voller Spannung wartete sie auf das, was kommen würde. Um doch ein wenig Zeit zu gewinnen, hielt sie die Augen geschlossen. Vielleicht würde sie die Menschen an der Stimme erkennen. Dann öffnete sich die Tür, und als sie eine Stimme hörte, lief es ihr kalt über den Rücken.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Hanna - Hauptmädchen aus dem Haus an der Ecke, ist plötzlich spurlos verschwunden.

Bärbel - wird von einem Freier zur Party eingeladen und macht am Morgen eine erschreckende Entdeckung.

Stefan Sauer - hat seinen kranken Bruder aufgenommen, was niemand wissen soll.

Dazu die Bewohner vom Haus an der Ecke.

 

 

 

1

Deike hätte sich gern länger in München aufgehalten. Als Bordellmutter hatte sie gewöhnlich sehr wenig Zeit für sich selbst. Doch die Pflicht rief sie, und sie wusste, es stand viel auf dem Spiel. Außerdem war es im Augenblick in München nicht gerade lustig. Marek, der King von Hamburg, fand dies ebenfalls. Er war gekommen, um sich an einem anderen Zuhälter zu rächen. Er hatte geglaubt, dieser habe ihm bewusst ein Mädchen untergejubelt, das ein farbiges Kind in sich trug. Er hatte Cäcil geheiratet, weil er glauben musste, es sei sein Kind, Marek war inzwischen in ein Alter gekommen, in dem auch ein Großlude begriff, dass Geld und Macht nicht alles waren. Die Jahre strichen dahin, und eigentlich wurde das Leben sehr traurig. Mit dem vielen Geld, das er in jungen Jahren angehäuft hatte, konnte er sich keine Geborgenheit kaufen.

Sicher, da war Deike! Sie hatten sich mal wieder für einen kurzen Augenblick finden dürfen. Doch sie war und blieb spröde. Für den Großluden war das einfach unfassbar. Hatte er ihr denn noch immer nicht genug gezeigt, dass es ihm nichts ausmachte, dass ihr Körper durch eine Operation entstellt war? Warum hatte sie noch immer so große Zweifel? Auch wenn er es ihr nicht zeigte, so fühlte er doch, was sie bewegte. Vielleicht war das der Grund, warum Deike noch immer so hin und hergerissen war! Sie musste ja annehmen, dass es nicht so war! Dass er nur Mitleid für sie empfand. Sicher, sie hatte auch seine Zuneigung gespürt! Trotzdem! Es war wirklich nicht ganz so einfach. Vor gut fünf Jahren hatte sich Deikes Leben grundlegend geändert. Man hatte Krebs bei ihr festgestellt. An ihr, der besten Startülle von Hamburg, war dann eine Brustamputation vorgenommen worden. Jetzt, nach fünf Jahren wusste sie über diese Erkrankung viel mehr. Sie hätte ihre Einwilligung zur Operation nicht mehr gegeben! Doch sie konnte es jetzt nicht mehr rückgängig machen, sondern musste sich damit abfinden, dass die Schönheit ihres Körpers zerstört war. Viele Millionen Frauen teilten dieses Schicksal mit ihr. Manche zerbrachen ganz langsam daran. Manchmal fragte sie sich verzweifelt: Können die Ärzte überhaupt ermessen, was das für eine Frau bedeutet? Wie oft las sie in Zeitungen, dass Frauen die Krebserkrankung schon deswegen besser in den Griff bekamen, weil sie nach behutsamerer Behandlung eine positive Grundeinstellung hatten.

Deike saß neben Marek im Flugzeug und dachte daran. Sie hatte mal wieder einen Artikel in der Zeitung gelesen. Marek hatte die Augen geschlossen. Er war müde. Sie betrachtete ihn zärtlich und dachte: Wenn ich doch ganz offen mit ihm reden könnte! Meine Güte, warum ist das so schwer? Warum? Warum habe ich eine Scheu davor? Fürchte ich, dass er mir ausweicht? Oder weil er ein Mann ist? Ihr Körper sehnte sich nach Liebe und Zärtlichkeit. Sie selbst hatte ja gelernt, sich anzunehmen. Täglich wurde sie an ihre Krankheit erinnert. Wie schön war ihr Körper gewesen! Ja, dachte sie ein wenig verzweifelt, so ist das halt im Leben. Man wird immer dort getroffen, wo es besonders weh tut. Immer packt das Schicksal uns am Genick und rüttelt uns. Ich habe meinen Körper zu sehr geliebt! Ich war auch sehr stolz. Ganz hoch wollte ich hinaus. Mit meinem Körper sozusagen die Welt erobern.

Ja, da hatte es mal einen Mann gegeben. Einen Politiker. Genauer noch, er war im Botschaftsdienst gewesen. Er hatte sie heiraten wollen. Sie, die Startülle von Hamburg, hatte in die obersten Kreise gelangen sollen. Wie hatte sie diesen Mann geliebt! Aber sie war auch mächtig stolz auf ihren Aufstieg gewesen. Leicht hätte sie alles fallengelassen. Die alten Freunde, das Umfeld. Sie hätte sich womöglich nie mehr an ihre Wurzeln erinnern wollen. Sie hätte einfach ihr früheres Treiben nicht mehr wahrhaben wollen. Ja, dachte sie, das war es also! Deswegen wurde ich aus meinen Träumen geholt. Dieser Mann, der mir ewige Liebe geschworen hatte, hat mich sofort verlassen, als er von meiner Krankheit erfuhr. Er hat ja auch nur meinen schönen Körper geliebt. Wollte mit mir angeben!

Schön war sie auch jetzt noch immer. Sie sah sich im Flugzeug um. Natürlich bemerkte sie die bewundernden Blicke, die man ihr zuwarf. Sie lächelte ganz dünn! Sie alle wissen ja nichts, dachte sie unwillkürlich. Der Schein trügt.

Sie hatte ihr Schicksal angenommen. Marek hatte ihr eine Chance gegeben und ihr die Leitung des Bordells angeboten. Das Haus an der Ecke war ihre neue Heimat geworden. Sie hatte in der Gesellschaft nicht hoch aufsteigen dürfen. Vorher waren ihr brutal die Flügel gestutzt worden. Doch sie hatte dafür viele, viele Freunde gewonnen! Freunde, die man nicht mit Geld kaufen konnte.

Ich bin nicht unzufrieden, dachte sie. Nein, das bin ich wirklich nicht. Nur traurig. Ich finde nicht zu mir selbst! Ich habe doch solche Angst! Marek kann nicht anders sein! Er wird wie alle anderen Männer sein. Außerdem weiß ich auch, dass er sich nach Kindern sehnt. Die kann ich ihm nicht mehr geben. Dafür hat die Medizin auch gesorgt. Die Nachbehandlung der Krankheit war furchtbar gewesen. Später hatte sie dann einfach alles abgebrochen und sich dann selbst kuriert. Und sie lebte noch immer! Ihr eiserner Wille hatte ihr letztendlich den richtigen Weg gezeigt.

Ich muss in der Gegenwart leben, dachte sie entschlossen. Ich vergesse es immer wieder und denke zurück. Das ist nicht gut. Ich werde dann immer so traurig. Ich habe das bekommen, was ich wollte, weswegen ich ausgezogen bin. Ich habe Marek wieder! Heil und gesund, und er hat keine Dummheiten gemacht.

Darüber sollte ich mich freuen, statt trüben Gedanken nachzuhängen. Alles läuft weiter wie bisher.

Sie sah zu dem Mann auf dem Platz schräg gegenüber. Er bemerkte ihren Blick und drehte sich leicht herum. Johannes Böttcher, Mareks neuer Sekretär, lächelte wohlwollend. Er wusste noch nichts über Deike. War auf der Hut. Fand sie wundervoll und einmalig, und doch ahnte er nicht, welche Macht sie besaß. Wer sie wirklich war. Marek hatte in seinen schwärzesten Stunden Johannes Böttcher aus der Gosse aufgelesen. Er war eine verkrachte Existenz. Ein Rechtsanwalt, der selbst mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Deswegen war er aber noch lange kein schlechter Anwalt. Deike lächelte zurück. Sie dachte: Ich bin mal gespannt, was die anderen zu ihm sagen werden. Leicht wird er es sicherlich nicht haben. Eifersüchteleien werden aufkommen.

Marek öffnete die Augen.

»Sind wir schon da?«

»Gerade ist durchgegeben worden, dass wir uns anschnallen sollen.«

Sie taten es.

Später saßen sie dann im Taxi. Marek grinste. »Hast du Ida angerufen?«

»Nein!«

»Hoffentlich fällt das alte Mädchen nicht vor Schreck tot um, wenn wir so plötzlich in ihrer Küche auftauchen.«

Johannes Böttcher konnte einfach nicht verstehen, dass man wegen einer Köchin so viel Aufhebens machte. Er hatte schon erfahren, dass sie früher einmal eine alte, abgetakelte Hure gewesen war.

»Hast du so wenig Macht!«, fragte er jetzt ein wenig spöttisch.

Deike und Marek blickten sich lächelnd an.

»Vor Ida haben wir alle schreckliche Angst!«

»Warum schickt ihr sie dann nicht zum Teufel?«

Marek blickte Deike ernst an. »Ja, Deike, warum tun wir das nicht einfach?«

Sie kicherte.

»Soll ich das Ida erzählen?«

»Bloß nicht! Dann träume ich wieder schlecht.«

Johannes Böttcher, der Anwalt, dachte: Die beiden ärgern mich nur. Das ist alles nur Quatsch. Die Alte ist nur ein Vorwand, um mich ein wenig auf die Schippe zu nehmen.

Munter machte er also das Spielchen mit, im Glauben, gleich würde er selbst erleben dürfen, wie mächtig der King hier in Hamburg war. Bis jetzt hielt er sich ja bedeckt, ging es Johannes durch den Sinn. Doch jetzt werde ich seine ganze Macht kennenlernen. Ich bin wirklich neugierig, wie mein Leben an seiner Seite sich gestalten wird. Er soll bloß nicht denken, dass er mich für krumme Geschäfte einspannen kann, so etwas mache ich nun doch nicht. Ich habe trotz allem noch Rückgrat. Auch wenn ich Finanziell von ihm abhängig bin, denke ich nicht daran, ihm meine Seele zu verkaufen.

 

 

2

Es war noch sehr früh.

So früh, dass noch kein Mädchen auf der Straße stand oder im Fenster hing. Sie schliefen alle nach einer anstrengenden Nacht. Die Putzfrauen hatten jetzt das Sagen im Viertel. Die Bars waren geschlossen. Seifenlauge floss aus den Türen. Deike und Marek sprangen zur Seite, wenn eine neue Ladung herausgekippt wurde.

Ungeniert konnten sie jetzt durch die Straßen gehen. Ein paar streunende Katzen und ein jämmerlich aussehender Hund schaukelten um die nächste Mülltonne.

Johannes Böttcher hatte sich auch schon einmal in diesem Viertel aufgehalten. Aber nur nachts. Da sah alles ganz anders aus. Erschrocken sah er sich um.

»Hier wohnst du?«

Marek schmunzelte: »Hast du Angst?«

Deike sagte: »Will er mit Frauen nichts zu tun haben? Du, das mag ich aber nicht. Davon habe ich die Nase voll.«

Sie dachte sogleich an Lorenz. Er hatte sehr viel Schwierigkeiten wegen seiner Veranlagung gehabt. So starke Schwierigkeiten, dass er vor Schreck wieder normal geworden war. Übrigens hatte er dies Deike zu verdanken.

Johannes wurde fast ärgerlich.

»Sehe ich so aus?«

»Man darf doch wohl noch mal fragen«, sagte Deike zuckersüß.

Johannes dachte: Mag sie noch so vornehm wirken, so tolle Kleider tragen, sie ist auch nur eine Tülle gewesen und kennt nicht das wirkliche Leben hinter der Mauer. Die meiste Zeit verbringt sie ja hier! Das färbt ab. Warum habe ich nicht früher darüber nachgedacht? Unter Dirnen, Strichjungen und Kleinstluden zu leben wird nicht ganz einfach sein. Bisher habe ich mit Pennbrüdern gelebt. Meine Zelte unter Brücken und in Hausfluren aufgeschlagen. Das war irgendwie immer noch anständig.

Sie bogen in eine Toreinfahrt und standen wenig später in einem Kontakthof. Er war auch leer.

Sie stiegen das Treppchen hinauf, und schon befanden sie sich im Innern des großen Hauses. Was Johannes Böttcher zu sehen bekam, machte ihn nachdenklich. So ein schönes Bordell hatte er noch nicht zu Gesicht bekommen. Sehr geschmackvoll und sehr sauber wirkte die Halle. Viele Pflanzen belebten den Raum. Eine feine Sitzgruppe stand neben dem Telefon.

Deike achtete jetzt nicht mehr auf Johannes, sondern ging auf eine Tür zu und schob sie auf. Marek folgte ihr sogleich, Johannes ebenfalls.

Ida stand in der Küche am Tisch und ließ ihre ganze Wut mal wieder an einem Teig aus. Deike sah, es sollten Brötchen werden. Wenn Ida selber welche backte, hieß das entweder, sie war wütend, oder sie hatte sich mal wieder mit dem Bäcker zerstritten.

»Tür zu, mein Teig fällt zusammen«, rief Ida, ohne aufzublicken. Schließlich war es ein Hefeteig, und er brauchte eine gleichmäßige Temperatur.

»Dürfen wir denn wenigstens eintreten?«, hörte sie da eine sehr sanfte Stimme.

Ida hörte ruckhaft mit dem Kneten auf. Ihr Kopf ging hoch! Sie starrte blicklos aus dem Fenster. Dann wandte sie sich ganz langsam um. Ihr Gesicht wirkte müde und sehr alt, die Augen eingefallen. Ein Zeichen, dass sie sehr viel Dienst getan hatte. Deike ging auf sie zu und legte liebevoll den Arm um Ida.

»Liebes, altes Mädchen, wir sind wieder da«, sagte sie leise und drückte Ida an sich.

Ida war so überrascht, dass sie sich diese Zärtlichkeit ohne weiteres gefallen ließ. Deike sah sogar, wie ihr ein paar Tränen aus den Augen rannen.

»Alles in Ordnung! Alles in Ordnung, Ida!«

Johannes Böttcher stand nur einfach da und hatte im Augenblick ein leeres Gefühl im Kopf. Doch es kam noch schöner. Selbst Marek, der King von Hamburg, ging jetzt auf die beiden Frauen zu und umarmte sie zusammen. Ja, er küsste die alte Frau sogar auf die Stirn.

Das wiederum war zu viel für Ida.

Sie war plötzlich hellwach und kreischte gleich los: »Hast du ein paar Schrauben locker? Gehst du wohl zum Teufel! Du Satansknochen, von dir lasse ich mich nicht küssen. Da ziehe ich ja noch den Leibhaftigen vor.«

Marek duckte sich geschwind und hatte wenige Sekunden später den Tisch zwischen sich und die rasende Ida gebracht Denn hätte er das nicht getan, wäre ihm wohl der Hefeteig um die Ohren geknallt worden. Etwas anderes hatte Ida im Augenblick nicht zur Hand.

Deike lachte leise auf.

»Aber Ida, wir sind doch so froh, wieder bei dir sein zu dürfen!«

»Wieso erst jetzt?«, kreischte sie los. »Warum hast du nicht angerufen, dass du jetzt kommst?«

»Damit du dann eine Abordnung zum Flugplatz schickst, nicht wahr? Nein. Wir wollten dir keine Umstände machen. Wie du siehst, sind wir ganz wohlbehalten zurück.«

Ida schniefte, wischte sich mit den Mehlfingern über die Stirn und sah nun wie ein Zebra aus. Natürlich sagten Deike und Marek nichts.

»Ist wirklich alles in Ordnung? Muss dieser blöde Hammel nicht gesiebte Luft atmen?«

»Ich konnte ihn noch gerade davon zurückhalten, Ida. Er ist uns wiedergegeben worden.«

»Schade!«, brummte sie und heulte noch ein wenig. Natürlich war der Luftzug daran schuld.

»Wir können weitermachen. Die anderen Zuhälter müssen leider noch warten. Wir fangen gleich wieder das alte Leben an.«

»Ach, Deike, die Mädels werden sich aber mächtig freuen.«

Ida fing sich nur mühsam. Das sollte wirklich etwas heißen, wo sie sonst so schlagfertig war.

Marek runzelte sofort die Stirn.

»Wieso? Wie soll ich das verstehen? Haben sie vielleicht nicht gut gearbeitet? Haben sie vielleicht die ganze Zeit hier ein laues Leben gemacht?«

»Quatsch! Doch nicht unter meiner Leitung. Im Gegenteil, sie haben geschuftet, um zu vergessen.«

»Was wollten sie denn vergessen?«

»Na, du bist ja gut. Die Kumpels lagen doch schon die ganze Zeit auf der Lauer und wollten sich das Haus an der Ecke unter den Nagel reißen. Das fanden die Mädchen überhaupt nicht lustig. Ich konnte mich nur noch wundern, dass sie es den Kerls nicht gezeigt haben. Haben einen guten Schnitt gemacht.«

Deike wandte sich an Marek. »Ich habe dir doch gesagt, Frederic wurde direkt unangenehm. Heute ist die Frist abgelaufen.«

»Schön, das zu erfahren. Ich werde ihn mir zur Brust nehmen.«

Schon wollte er Einzelheiten über diese Sache wissen, als Ida endlich Johannes Böttcher bemerkte. Sie blickte ihn starr an. Sie musste ja annehmen, es hätte sich in früher Morgenstunde ein Kunde eingeschlichen. »Willst du wohl raus? Bist du noch nicht draußen? Was fällt dir ein, dich hier einzuschleichen? Wenn es auch bei dir brennen mag, das ist noch lange kein Grund, dich so früh hier einzuschleichen. Mach, dass du fortkommst, oder ich zerbreche den Besen über deinem Schädel.«

Ida, das angeblich alte Mädchen, machte ihre Drohung blitzschnell wahr. Johannes spürte den ersten Schlag und sackte fast in die Knie. Wenn es nämlich darum ging, das Haus an der Ecke sauberzuhalten, war Ida noch immer flink. Der Besen stand immer bereit.

Deike und Marek brachen in helles Gelächter aus, doch dann begriffen sie, dass sie dem armen Kerl zu Hilfe kommen mussten.

»Halt, Ida, bist du wahnsinnig! Du schlägst ja meinen neuen Sekretär tot. Dann wirst du es sein, die gesiebte Luft atmen muss.«

Ida, die jetzt so richtig in Fahrt gekommen war, konnte nur schwer gebremst werden. Marek fiel ihr in die Arme, und schon erhielt er einen Schlag, der ihm nicht gegolten hatte.

Ida starrte ihn wild an.

»Was sagst du? Was ist dieses Subjekt?«

»Mein Sekretär.«

Sie blickte den keuchenden Johannes verächtlich an.

»Dieses ängstliche Würstchen? Mit dem kannst du aber wirklich keinen Staat machen.«

Marek rieb sich die Schulter.

»Hoffentlich hast du mir nicht mein Schlüsselbein zerdeppert!«

Ida sagte unbeeindruckt: »Geschieht dir recht!«

Johannes Böttcher stieß hervor: »Sie muss bestraft werden! Die ist ja nicht mehr ganz normal.«

Marek riskierte sein zweites Schlüsselbein und hinderte Ida so daran, aus Johannes Mus zu machen. Dann wies er seinen Sekretär zurecht. Er sagte kalt: »Du wirst dich bei ihr entschuldigen müssen.«

Der Rechtsanwalt glaubte, nicht richtig gehört zu haben.

»Was soll ich?«

»Das ist Ehrabschneidung«, rief Ida. Sie war erleichtert, so ihre aufgestaute Rührung über das Zurückkommen der beiden Lieben abreagieren zu können. Marek und Deike kannten sich sehr wohl in diesen Spielchen aus und wussten, sie mussten Ida die Genugtuung geben, sonst würde sie noch den ganzen Tag wie ein Topf kurz vor dem Überkochen sein.

»Los, mach schon! Johannes, das hättest du wirklich nicht sagen dürfen. Ida ist die Seele des Hauses!«

»Wie müssen dann erst die anderen sein!«, sagte Johannes Böttcher, der noch immer nicht begriff, wohin das führen sollte. »Ich bin Akademiker, ich habe mich noch nie bei einer Köchin entschuldigt.«

Jetzt wurde Deike wirklich ärgerlich.

»Dann wird es aber höchste Zeit«, sagte sie ruhig. »Wenn du das nicht kannst, dann hast du hier bei uns nichts zu suchen, wir sind eine große Familie und halten unser Nest sauber.«

Johannes blickte den Großluden an und dachte voller Hoffnung: Der wird den beiden Schachteln doch jetzt wohl zeigen, wer hier der Herr im Haus ist. Das ist ja wirklich das Letzte. Warum sind wir dann Männer, wenn wir keine Rechte haben? Außerdem hat die Alte doch nun wirklich einen Webfehler.

Doch er hörte nur Marek sagen: »Tu, was Deike von dir verlangt hat.«

»Ich soll das wirklich?« Er wurde schneeweiß im Gesicht.

Ida war eigentlich nicht nachtragend. Zumal sie sich auch nicht gut entschuldigen konnte, fühlte sie jetzt, wie sehr der Kerl leiden musste. Aber sie wollte es so. Nur dann begriff er, wer hier das Sagen hatte.

Für ihn war das keine ganz leichte Sache, über den eigenen Schatten zu springen. Doch dann sagte sich Johannes: Was vergebe ich mir denn schon? Die werde ich bestimmt nicht mehr wiedersehen, also kann sie es auch nicht ausnutzen.

»Tut mir leid. So habe ich es wirklich nicht gemeint. Ich bin noch ein wenig durcheinander. Alles ist so neu für mich. Ich wollte niemanden damit verletzen. Das ist nicht meine Art.«

Jetzt erlebte der Mann eine ganz andere Ida.

Sie reichte ihm die Hand und grinste zugleich freundlich. »Na, war nicht einfach, wie? Kenn ich nur zu gut. War nett von dir. Wir werden schon noch Freunde. Bist in Ordnung. Wenn Deike dich mag, dann mag ich dich auch.« Eine warme, feste Hand lag in der seinen. Er war sich noch nicht ganz schlüssig über die Alte. Der erhabene Augenblick war auch schon wieder vorbei.

Ida schimpfte sogleich den Großluden aus. »Ihr wart diese Nacht nicht im Bett, wieso lässt du dann Deike hier noch so lange rumstehen? Sicher ist sie todmüde. Oder seid ihr schon länger hier und kommt von Lotte?«

Deike kannte die gute Ida und sagte: »Wir sind zuerst zu dir gekommen. Das ist doch klar!«

Ida hatte schon wieder feuchte Augen und fauchte: »Lotte ist rein verrückt geworden. Ihr hättet wirklich zuerst zu ihr fahren sollen. Schließlich ist sie deine Mutter!«

Der Anwalt war mal wieder baff. Er hatte den Versuch aufgegeben, die Spielchen zu durchschauen. Verrücktes Huhn, dachte er bei sich. Mit der kommt man ja nie zurecht. Erst ist sie normal, dann freut sie sich, und dann wieder passt es ihr gar nicht.

Deike sagte: »Ich habe Geschenke mitgebracht Sie kommen noch. Ich konnte sie nicht alle mitnehmen.«

»Wieso Geschenke?«

»Darf ich das nicht?«

»So sollen wir also alle zu dir kommen, um sie abzuholen?«

»Nein, wie kommst du denn darauf? Sie werden vom Flughafen gebracht!«

Ida runzelte die Stirn: »Du warst noch nicht daheim bei dir?«

»Nein, wir haben es dir doch schon gesagt, wir kommen direkt vom Flugplatz zu dir.«

Ida legte den Kopf schief: »Wie zum Teufel bist du dann in das Haus gekommen?«

»Wie?« Deike lachte auf. Auch Marek fand, dass Ida nun ein wenig tüddelig wurde.

»Vorne, über die Rampe. Durch die Tür! Ich habe mich schon ein wenig gewundert, dass sie offen ist.«

»Die Tür war offen?«

»Das sage ich doch!«

»Ich habe sie nicht aufgeschlossen. Ich dachte, du hättest den Schlüssel geholt«

»Warum sollte ich, ich hätte ja dann den Hintereingang nehmen können, wenn vorne nicht auf ist.«

Ida lehnte sich gegen den Tisch.

»Das ist ja was!«, murmelte sie und blickte starr vor sich hin.

Deike warf dem Großluden einen Blick zu. Dieser hatte schon eine abwehrende Geste parat.

Deike blickte Ida scharf an. »Wer sollte denn das Haus verschließen, Ida?«

»Hanna, das weißt du doch. Wenn du nicht da bist, dann hilft sie doch, alles in Ordnung zu halten.»

Hanna war eine der besten und zuverlässigsten Tüllen, die das Haus an der Ecke vorzuweisen hatte. Deike konnte sich immer auf das Mädchen verlassen.

»Ida, was ist los?«

»Das verstehe ich jetzt wirklich nicht. Ich habe sie die Treppe herunterkommen sehen. Mit dem Kerl. Ich habe ihr noch gesagt, du kannst jetzt abschließen. Die anderen liegen schon in ihren Betten. Ich gehe jetzt auch schlafen.«

»Was hat sie geantwortet?«

»Sie hat mir gesagt: Ich mache das. Du kannst dich auf mich verlassen.«

»Nun gut, wenn das so ist, dann wollen wir doch mal Hanna selbst fragen! Sie wird dann wohl einen Grund haben, warum sie es nicht getan hat.«

Ida sagte: »Ich gehe gleich nach oben.«

»Lass nur, das mache ich schon. Kümmere du dich um deine Brötchen. Die Mädchen wollen ja etwas zu essen haben, wenn sie herunterkommen. Sie werden wie üblich großen Hunger haben.«

Marek grinste Ida an: »Wieder Krach mit dem Bäcker?«

Ida gab keine Antwort

 

 

3

Wieso hatte die Bordellmutter plötzlich so ein ungutes Gefühl? Wieso wollte sie nicht, dass Ida mitging? Hatte sie vielleicht Angst, etwas zu sehen, was schrecklich war? Wieso hatte Marek so wütend ausgesehen? Nein, nicht schon wieder Ärger, dachte Deike. Ich habe auch ein wenig Ruhe verdient. Es soll alles ganz normal sein. Vielleicht ist es gar nicht so schlimm. Vielleicht ist schon ein Mädchen fortgegangen. Kann ja sein!

Sie klopfte an Hannas Tür. Sie meldete sich nicht. Als Deike die Klinke, hinunterdrückte, ließ sich die Tür sogleich öffnen. Deike sah mit einem Blick, Hanna war nicht da. Sie sah auch sofort, dass sie nach dem letzten Kunden das Zimmer nicht mehr betreten hatte. Sie hatte die Bettwäsche nicht gewechselt. Jede Dirne hatte für ihre Kunden ganz bestimmte Wäsche aufliegen. Wenn sie dann selbst schlafen ging, zog sie sie ab.

Sonst aber sah alles ganz normal aus. Ja, nur das Licht brannte noch! Das Dienstlicht! Die kleine rote Lampe! Auch die Gläser waren noch nicht fortgeräumt. Das war sonst nicht Hannas Art.

Deike ging sofort wieder nach unten und teilte den dreien in der Küche mit, was sie vorgefunden hatte.

Ida wurde schneeweiß.

»O nein, warum bin ich nicht so lange in der Halle geblieben, bis sie nach oben gegangen ist?«

»Du brauchst dir nun wirklich keine Vorwürfe zu machen. Ida. Es führt auch zu nichts.«

»Verdammter Mist!«, sagte der Großlude. »Ich will nicht schon wieder Ärger haben. Ich bin müde.«

Deike sah ihn ruhig an und meinte: »Hör zu, fahr du jetzt zu deiner Mutter! Ich bleibe hier. Ich verständige dich, wenn ich dich brauche. Es ist sinnlos, wenn wir zusammenhocken. So finden wir Hanna auch nicht.

»Aber du hast auch Ruhe verdient! Imka dreht mir den Hals um, wenn sie das erfährt.«

Deike drängte die beiden Männer zur Tür.

»Du kriegst Ärger mit Lotte! Also, teilen wir uns den Ärger! Los, geh schon!«

»Soll Johannes nicht bleiben?«

Der Anwalt blickte seinen Brötchengeber verdutzt an. »Was soll ich denn hier?«

»Der kennt sich nicht aus«, sagte Deike. »Der weiß doch gar nichts von uns.«

»Ihr seid ein Bordell!«

»Dann weißt du ja schon eine ganze Menge«, sagte Ida trocken und erhob sich ächzend. »Hanna ist kein junges Ding mehr. Sie weiß sich zu helfen. Sicher ist sie nur mitgegangen, weil es sich einfach so ergeben hat. Um Hanna brauchen wir uns nicht so große Sorgen zu machen.«

Marek sah jedoch die Blässe in ihrem Gesicht und dachte sich sein Teil. Dann nickte er Deike zu und sagte: »In ein paar Stunden bin ich wieder hier.«

»Du musst dich bei den Luden sehen lassen. Da ist doch die Sache, dessentwegen Frederic mir die Zehen abtreten wollte. Bring das in Ordnung, ja?«

»Schön. Ich melde mich, so schnell ich es kann!«

Deike war froh, als der Zuhälter verschwunden war.

»So, Ida, nun wollen wir mal ganz normal und nüchtern die Sache überdenken. Wir schauen zuerst einmal in dem Ausgangsbuch nach. Dort wird sie sich eingetragen haben. Hanna ist ja sehr gründlich. Dort werden wir dann erfahren, wie lange sie fortbleibt.«

Deike wusste im Herzen, diese Überprüfung ist überflüssig. Wenn es normal abgelaufen wäre, dann hätte sie das Licht gelöscht und die Gläser nach unten gebracht.

Es war nichts eingetragen.

Ida sagte: »Was glaubst du?«

»Was hast du für ein Gefühl gehabt?«

Ida erinnerte sich nur, dass sie mit ihren Gedanken bei Deike gewesen war. Außerdem war sie selbst müde gewesen und hatte sich nur noch kurz um Fritzchen, den unmöglichen Bobtail, gekümmert.

»Ich kann dir nichts sagen«, meinte sie leise. »Gar nichts! Deike, es ist doch nichts Schlimmes, nicht wahr?«

Deike beruhigte sie.

»Dich trifft keine Schuld.«

»Ich hatte die Aufsicht!«

»Ida, Hanna ist die vernünftigste. Wenn es ein anderes Mädchen wäre, dann vielleicht. Aber auch nur vielleicht! Jede ist für sich selbst verantwortlich. Als Dirne weiß jede, dass man bestimmte Spielregeln einhalten muss. Sonst gerät man in Gefahr. Das habe ich den Mädchen oft genug eingebläut. Mir kann man also wirklich nicht mit Ausreden kommen.«

»Eben«, sagte Ida düster. »Eben, also muss etwas passiert sein.«

»Schauen wir mal draußen nach.«

Auf der Rampe standen zur Zeit ein paar Blumentöpfe. Ida hatte sie im Großhandel erstanden. Sie machten sich sehr gut. Zwei Töpfe, die in unmittelbarer Nachbarschaft der kleinen Treppe standen, waren umgeworfen.

»Es sieht gar nicht gut aus«, flüsterte Ida.

»Fragen wir doch mal Renate. Sie liegt doch neben Hanna. Auf Renate ist gewöhnlich auch Verlass.«

Ida und Deike stiegen nach oben und trommelten Renate aus ihren Träumen. Das hatte die Dirne gar nicht gerne, war sie doch erst gegen fünf ins Bett gekrochen. Sie hatte eine anstrengende Nacht mit allen Schikanen hinter sich. Als sie dann ihre verklebten Augen aufriss, die Tür öffnete und Deike erkannte, war sie sogleich munter.

»Hei, du bist wieder da. Das ist ja fein. Aber musst du mich deswegen so früh wecken? Mann, ich bin groggy!«

Ida schob Deike einfach zur Seite.

»Wir müssen dich sprechen! Also werde wach. Komm runter, dann kriegst du einen Kaffee!«

»Und wenn ich nicht will?«

»Hanna ist verschwunden«, sagte Deike mit ruhiger Stimme.

Renate blickte erschrocken drein.

»Natürlich komme ich sofort runter. Ich zieh mir nur meinen Morgenfummel über. In ein paar Minuten bin ich unten. Ich werf mir noch ein wenig Wasser ins Gesicht. Damit ich wach werde.«

Deike spürte wieder heiße Zärtlichkeit in sich hochsteigen. Das hatte sie in den Jahren wirklich erreicht, dass eine Dirne für alle stand. Wenn man sie brauchte, achteten sie nicht mehr auf Eigennutz. Sie waren wirklich eine schöne Gemeinschaft geworden. Das alles durfte jetzt auch weiterlaufen. Marek war ja auch wieder da. Keiner durfte die Hand nach ihnen ausstrecken und alles zerstören.

Was macht es mir da schon aus, dass wir jetzt wieder Sorgen haben. Wir müssen nur einfach dankbar sein, das ist es! Dankbar auch den Schicksalsschlägen gegenüber. Nur daran können wir reifen. Nicht wenn alles seinen normalen Gang läuft.

Ida brühte den Kaffee auf und schob die ersten Brötchen in den Ofen. »In zehn Minuten können wir sie essen«, verkündete sie. »Dann sind sie fertig.«

Renate erschien in der Küche und setzte sich vor die dampfende Kaffeetasse.

»Was ist los? Hanna verschwunden? Wie denn das?«

Deike erzählte nun, dass man es daran entdeckt habe, dass die Tür nicht abgeschlossen war.

»Und was habe ich damit zu tun?«

»Vielleicht hast du etwas gehört?«

»Du meinst auf der Rampe?«

»Ja, auch da!«

»Nun, da habe ich nicht mit ihr gestanden. Ich war schon oben und hatte meinen letzten Kunden in der Mache.«

»Hast du vielleicht aus dem Zimmer etwas gehört?«

»Denke nach!«, sagte Ida eindringlich.

»Das tu ich ja!«

Renate starrte vor sich hin.

»Es ging bei ihr ziemlich hoch her«, sagte Renate zögernd. »Ich habe noch gedacht, schau mal an, unsere stille Hanna, die kann aber loslegen.«

Deike horchte auf. »Renate, hast du das richtig gehört? Hanna ist laut geworden?«

»Und wie!«

»Hanna und laut, das kann wirklich nicht angehen«, sagte jetzt auch Ida.

»Ist sie aber«, sagte Renate.

»Zuletzt?«

»Da liegt der Hund begraben«, meinte Renate ein wenig kleinlaut. »Daran kann ich mich jetzt im Augenblick nicht erinnern. Ich meine, dass es zum Schluss war. Mensch, ich habe doch nicht auf die Uhr geschaut. Wenn man einen Kunden hat, dann will man zu Rande kommen. Man hat anderes zu tun. Mensch, Deike, das kennst du doch von früher. Ich habe mich nur gewundert, mehr nicht.«

»Und Hannas Kunde?«

»Du meinst, ob ich auch eine laute Männerstimme gehört habe?«

»Ja, verdammt noch mal. Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen, Renate. Wo kommen wir denn da hin?«

»Kann ich nicht mehr so genau sagen. Möglich! Zusammen vielleicht! Meine Güte, ist doch manchmal so. Man hat doch wirklich komische Typen hin und wieder. Jeder hat doch eine kleine Macke. Vielleicht war auch Musik dabei. Ja, jetzt erinnere ich mich wieder. Das Radio wurde dann angestellt.«

»Laut?«

»Ja, Deike, verdammt laut. Ich wollte schon gegen die Wand deppern. Aber mein Kunde war scharf auf die Melodie, da hab ich es dann gelassen. Der hat auch gedacht, die machen dort drüben Gruppensex und so. Er war richtig geil bei dem Gedanken, Wand an Wand mit solchen Leuten zu liegen. Dann hab ich nichts mehr gesagt. Hatte dann sehr wenig Arbeit mit ihm.«

Renate grinste vor sich hin.

»Und was hast du dann gemacht?«

»Ihn runtergebracht. Wie wir es alle tun.«

»Und dann?«

»Dann? Verdammt, ich war müde, todmüde, kann ich dir sagen, Deike.«

»Na also, dann haben wir es ja. Dann war es dein letzter Kunde und Hannas auch!«

Details

Seiten
109
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738954142
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1032511
Schlagworte
schicksale haus ecke hanna

Autor

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Titel: Schicksale im Haus an der Ecke #31: Hanna ist verschwunden