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Graingers Kampf für die Sklavenmädchen

©2021 141 Seiten

Zusammenfassung


Immer wieder werden Indianercamps überfallen und junge Mädchen entführt, um später in irgendwelchen Spelunken und Bordellen wieder aufzutauchen. Es ist Graingers Aufgabe herauszufinden, wer dahinter steckt. Eine große Sache für einen einzelnen Mann, doch er bekommt unerwartete Hilfe. Eines der entführten Mädchen kann fliehen und will Rache für sich und ihre geschundene Schwestern.

Leseprobe

Table of Contents

Graingers Kampf für die Sklavenmädchen

Copyright

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Graingers Kampf für die Sklavenmädchen

Western von Jasper P. Morgan

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 141 Taschenbuchseiten.

 

Immer wieder werden Indianercamps überfallen und junge Mädchen entführt, um später in irgendwelchen Spelunken und Bordellen wieder aufzutauchen. Es ist Graingers Aufgabe herauszufinden, wer dahinter steckt. Eine große Sache für einen einzelnen Mann, doch er bekommt unerwartete Hilfe. Eines der entführten Mädchen kann fliehen und will Rache für sich und ihre geschundene Schwestern.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER WERNER ÖCKL

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Die beiden Zweiachser, die langsam durch die Talsenke rumpelten, erinnerten an Gefängniswagen. Begleitet wurden sie von einem halben Dutzend Reitern, die bis an die Zähne bewaffnet waren.

»Wie weit ist es noch bis zu diesem verdammten Lager?«, fragte einer der Männer den Führer des Trecks, der genauso heruntergekommen aussah wie die anderen.

Der Anführer werkelte einen Batzen Kautabak zwischen den Zähnen herum und spuckte einen Strahl schmutzigbraunen Tabaksaft aus. »Sei doch nicht so ungeduldig«, nuschelte er. »Du wirst es noch früh genug...« Ein lautes Stöhnen aus dem hinteren Wagen unterbrach ihn. »Sieh nach, was da los ist!«, reagierte der Tabakkauer sofort.

Durch das Sichtfenster in der Tür war nichts zu erkennen. Der Reiter öffnete deshalb das Vorhängeschloss und zog die schmale Tür auf. Im selben Augenblick schoss ein bronzefarbener Schemen auf ihn zu und riss ihn aus dem Sattel!

Das Pferd wieherte erschrocken und tänzelte nervös, während der Reiter auf den Boden krachte. Sofort war die bronzefarbene Gestalt über ihm, versetzte ihm einen harten Hieb und schwang sich auf den Pferderücken.

Zwei weitere dunkelhäutige Gestalten sprangen aus dem Wagen und rannten los. Der Anführer des Trecks zügelte sein Pferd und drehte sich überrascht um. »Passt auf, die Weiber hauen ab!«, rief er im nächsten Moment seinen Begleitern zu, riss den Revolver aus dem Gürtel und galoppierte den fliehenden Gestalten hinterher.

Es waren junge Indianerinnen. Alle drei splitternackt. Die auf dem Pferd reichte einem der beiden anderen Mädchen die Hand und zog sie hinter sich in den Sattel. Das dritte Mädchen versuchte zu Fuß zu flüchten.

Der Anführer des Trecks zügelte sein Pferd, zückte seinen Revolver und feuerte in die Luft. Der Schuss bellte trocken auf. Das Indianermädchen, das eben in den Sattel gezogen worden war, zuckte vor Schreck zusammen, warf unbewusst die Arme in die Höhe und fiel vom Pferd. Dabei verletzte es sich schwer.

Ohne den reglosen Körper eines Blickes zu würdigen, verfolgte der Schütze die fliehende Reiterin. Hinter sich hörte er Geschrei. Die dritte Indianerin war von den Treckbegleitern eingeholt worden. Angriff sollte ihre Verteidigung sein. Sie sprang an einem Pferd hoch, riss den Reiter aus dem Sattel und versuchte, auf dem Pferderücken zu landen, doch einer der Reiter bekam die Zügel zu fassen. »Du bleibst schön hier, Schätzchen, und leistest uns Gesellschaft!«, zischte er. Ein breites Grinsen lag dabei auf seinem unrasierten Gesicht.

Der Treckführer folgte der Reiterin in Richtung der Talsohle. Er bemerkte, dass die Flüchtende zu einer Hügelkette strebte, wo ihr die Felsen genügend Deckung und Versteckmöglichkeiten boten. Der Mann sah ein, dass er die Indianerin unmöglich einholen konnte, bevor sie zwischen den Felsen untertauchte. Er zügelte deshalb seinen Braunen, zog die Winchester aus dem Scabbard und atmete langsam aus. »Du hast mich eine gute Squaw gekostet. So was macht man nicht ungestraft mit Del Nolan, Mädchen!«, flüsterte er und zog den Stecher durch. Der scharfe, peitschende Knall des Schusses brach sich zwischen den Felsen. Mit einem schrillen Wiehern stürzte das Pferd der Indianerin.

Katzengleich sprang die Nackte aus dem Sattel, rollte über den Boden, kam auf die Beine und jagte geduckt weiter. Nolans zweiter Schuss traf einen Felsen und sprengte Gesteinssplitter ab. Die dritte Kugel furchte dicht hinter der Indianerin in den Boden. Dann verschwand die Frau zwischen den Felsen; sie hatte sich von dem Gewehrdonner nicht zur Aufgabe zwingen lassen.

Nolan fluchte und spuckte vor lauter Zorn den ganzen Pfriem aus. Langsam ritt er zurück. Neben der Indianerin, die aus dem Sattel gestürzt war, stieg er ab und drehte den reglosen Körper mit der Stiefelspitze um. Der hasserfüllte Blick der Squaw traf ihn, als er auf sie niederschaute.

»Du hättest nicht abhauen sollen, Schätzchen«, giftete er und fuchtelte mit dem Colt herum. Die Indianerin gab keinen Laut von sich.

Als Nolan zu den Wagen zurückkehrte, hatten seine Begleiter die dritte Squaw an ein Wagenrad gefesselt. »Wir schlagen hier unser Nachtlager auf!«, bestimmte der Treckführer, eilte zu der Squaw und schlug ihr mit dem Handrücken ins Gesicht. »Das war dumm, meine Kleine. Holt die anderen raus!«, rief er seinen Männern zu.

Wenig später standen vier weitere, nackte Indianerinnen vor dem gefesselten Mädchen. Nolan schnitt einen frischen Pfriem ab und schob ihn sich in den Mund, während er vor den Squaws auf und ab ging. »Ich hoffe für euch, Mädchen, dass ihr nicht auch auf solche verrückten Gedanken kommt!«, rief er. »Ich reiße mir hier schließlich nicht den Arsch auf, um euch dann von hinten zu sehen. Also fügt euch!« Er wandte sich der gefesselten Squaw zu, die neben dem Wagenrad kauerte und ihn voller Verachtung anstarrte. Ein dicker Strahl Tabaksaft spritzte vor ihren Beinen auf den Boden. »Sie gehört euch!«, rief er den Männern zu. »Damit die anderen sehen, was passiert, wenn sie abzuhauen versuchen.«

 

 

2

Der Regen hatte nachgelassen, als Grainger seinen Weg durch die Schlammstraßen im Westen von Tucson suchte. Er hatte in seinem Hotel eine Nachricht der U.S. Government Squad erhalten. Man hatte ihn angewiesen, sich bei einem Rechtsanwalt zu melden.

Er erreichte eine ruhige Wohngegend, wo vor den Häusern kleine Gärten angelegt waren. Nach einigem Suchen fand Grainger ein weißgetünchtes Haus, an dem ein Schild mit der Aufschrift Augustus B. MelRosie, Rechtsanwalt angebracht war. Grainger betätigte den Türklopfer.

Eine farbige Dienstmagd öffnete. »Bitte, Sir?«

»Ich möchte zu Mr. MelRosie«, sagte Grainger. »Er erwartet mich.«

Die Schwarze musterte Grainger von oben bis unten, rümpfte die breite Nase und verschwand in einem der Räume, die von der Diele abzweigten. In Windeseile war sie wieder zurück und hielt die Tür auf. »Kommen Sie rein.«

Grainger betrat das Haus. Seine Stiefel hinterließen feuchte Lehmspuren, was die Magd zu heftigem Gezeter veranlasste. Wütend schob sie sich an ihm vorbei. »Dass ihr Cowboys euch nie die Füße abtreten könnt«, moserte sie und deutete auf das Büro.

Grainger klopfte.

»Treten Sie näher!«, ertönte eine Stimme. Grainger folgte der Aufforderung und sah sich einem hageren Männlein hinter einem monumentalen Schreibtisch gegenüber.

»Nehmen Sie Platz, Mr. Grainger«, bat ihn der Rechtsanwalt.

Nachdem Grainger sich gesetzt hatte, fragte er: »Ich sollte mich bei Ihnen melden. Worum geht es?«

Anstatt einer Antwort griff Augustus B. MelRosie nach einer kleinen Silberglocke, die auf dem Schreibtisch stand, und läutete. Sofort war das farbige Hausmädchen zur Stelle. »Sie wünschen, Sir?«

»Bringen Sie uns bitte Brandy und zwei Gläser.«

Während Grainger die goldbraune Flüssigkeit im Glas schwenkte und daran schnupperte, zog der Anwalt einen Ordner aus der Schublade seines Schreibtisches. »Es geht um Menschenhandel.«

Grainger ließ genießerisch den Brandy durch seine Kehle rinnen. »Großartig«, sagte er anerkennend.

MelRosie hob die Augenbrauen. »Sie finden es großartig, was mit diesen bedauernswerten Mädchen geschieht?«

»Was? Nein, Ihren Brandy finde ich ausgezeichnet«, erwiderte Grainger.

Der Anwalt räusperte sich. »Jaaa... Nun, wie gesagt, es geht um Menschenhandel. Indianerinnen werden entführt...« Augustus B. MelRose blätterte in der Akte. »Offensichtlich sucht eine Bande Mädchenhändler die Staaten im Süden und Südwesten heim.« Er räusperte sich. »Sie überfallen Indianerdörfer, innerhalb und außerhalb der Reservate und entführen junge Frauen und Mädchen. Die landen dann in Bordellen und üblen Spelunken.«

»Hat man noch keine Spur von diesen Bandidos gefunden?«, erkundigte sich Grainger.

MelRosie hob die schmalen Schultern. Es wird zwar ermittelt, doch alle Spuren verliefen im Sande, oder die Suche wurde nur halbherzig durchgeführt.«

»Weil es sich nur um Indianer handelt«, brummte Grainger. »Ich weiß. Für viele Bürger immer noch Menschen zweiter Klasse. Wo soll ich also mit meinen Ermittlungen ansetzen?«

»Chestnut Creek«, sagte der Anwalt. »Ein kleiner Ort an der Grenze zu New Mexico. Sie haben dort einen Trupp Indianer überfallen, der auf dem Weg in die Stadt war.

Vier Frauen wurden entführt, drei Männer erschossen. Seitdem fehlt von der Bande jede Spur.«

»Gut, dann mache ich mich am besten gleich auf den Weg«, meinte Grainger. »Danke für die Drinks. So einen Tropfen bekommt man nicht alle Tage.«

 

 

3

Der sintflutartige Regen, der Tucson heimgesucht hatte, war längst vergessen. Unbarmherzig brannte die Sonne vom Himmel, und Graingers Kehle war ausgetrocknet. Er verhielt sein Pferd auf einer Hügelkuppe,hob die Wasserflasche und schüttelte sie. Bis auf ein, zwei Schlucke brackiges Wasser war die Flasche leer. Grainger ließ die warme Flüssigkeit in seine Kehle rinnen und verzog angewidert das Gesicht. Prüfend schaute er zum Himmel. Nach seiner Schätzung musste er noch im Laufe des Nachmittags in die Nähe von Chestnut Creek kommen. Vielleicht traf er auch vorher auf eine Farm oder eine Ansiedlung, wo er sich mit frischem Wasser versorgen konnte.

Gegen Abend sah Grainger weit vor sich ein flaches Gebäude, aus dessen Schornstein eine dünne Rauchfahne stieg. Vor dem Blockhaus standen einige Pferde. Ein kleiner Corral, ein Brunnen mit Windrad und ein Wassertrog vervollständigten das Bild. Mit einem Zungenschnalzen trieb der große Mann sein Pferd an.

Langsam ritt er auf den Platz vor dem Gebäude. Die Pferde am Haltebalken schnaubten zur Begrüßung. Das rostige Windrad quietschte leise. Sonst regte sich nichts. Grainger ließ sich aus dem Sattel gleiten und führte sein Pferd zum Trog. Am Brunnen kippte er sich frisches, kühles Wasser über den Kopf, während sein Pferd gierig trank. Als er die Veranda betrat, flog die Tür des Hauses auf, und eine schmächtige, schwarzgekleidete Gestalt prallte gegen ihn. »Verzeihung, mein Sohn!«, brachte der Mann eilig hervor.

Jetzt erst bemerkte Grainger, dass er einen Prediger vor sich hatte. Der Mann war etwa Mitte Fünfzig, hatte ein wettergegerbtes, von unzähligen Furchen durchzogenes Gesicht, und unter seinem flachen, breitkrempigen Hut schauten graue Haarsträhnen hervor. »So ziehet nun hin, die ihr dem Schwert entronnen seid, und haltet euch nicht auf«, deklamierte der Prediger, schüttelte die Faust gegen die Eingangstür und hastete zu den Pferden.

»Wieso Schwert?«, fragte Grainger. »Hat Sie jemand angegriffen?«

»Nein, mein Sohn. Aber dort, wo der Teufel Alkohol die Menschen heimsucht, wird er wie ein Schwert unter all jenen wüten, die ihm nicht widerstehen!« Der Prediger ächzte, als er sich in den Sattel eines Rappen zog. »Hüte dich vor jenen, die dich verblenden, mein Sohn. Die Strafe des Herrn wird grausam sein!«

»Ich glaube, ich kann ganz gut auf mich aufpassen«, gab Grainger zurück.

Der Prediger richtete seinen Blick zum Himmel und schüttelte den Kopf. »Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun«, seufzte er, zog das Pferd herum und trieb es an. Grainger zuckte die Achseln und betrat das Haus. Der riesige Raum lag im Dämmerlicht. Staub tanzte im letzten Licht des Tages, das durch die schmutzigen Fenster drang.

Der Raum war eine Mischung aus Gemischtwarenladen und Saloon. Vor der linken Wand befand sich ein gewaltiges Maschenregal, davor der grob gezimmerte Schanktisch. An den übrigen Wänden standen Regale mit Waren. In einer Ecke lag ein Stapel Pelze. Die Mitte des Raumes wurde von einem gewaltigen Kanonenofen beherrscht, durch dessen Türgitter Grainger die Glut erkennen konnte. Auf der Ofenplatte stand eine große Blechkanne mit Kaffee.

»Howdy, Mister!«, begrüßte ihn der Wirt, ein feister, schmieriger Kerl, der eben einen gehäuften Teller vor einem seiner Gäste abstellte. Der Wirt wischte eilfertig seine fettigen Hände an seiner verdreckten Schürze ab und wieselte auf Grainger zu. »Was wünschen Sie?«

»Einen Platz, wo ich mein Pferd unterstellen kann, ein kühles Bier und was für den Magen«, sagte Grainger.

»Bringen Sie Ihren Gaul in den Corral«, sagte der Wirt. »Wenn Sie wiederkommen, warten das Bier und das Essen auf Sie.«

Grainger versorgte sein Pferd. Als er den Sattel auf die Corralstangen hievte, hörte er ein leises Wimmern. Er schaute sich um. Schräg hinter dem Haus bemerkte er einen windschiefen Anbau, der durch eine Holztür versperrt war. Grainger schlenderte zu dem Schuppen und versuchte, durch die Ritzen in der Tür und in den Wänden etwas zu erkennen, doch es gelang ihm nicht.

Als er die Eingangstür des Gebäudes knarren hörte, kehrte er mit eiligen Schritten zum Corral zurück. Er bemerkte den Wirt, dessen dicke Gestalt sich im Eingang abzeichnete. »Mister, Ihre Mahlzeit wartet!«, rief der Wirt. Grainger winkte kurz, führte sein Pferd zur Futtertraufe und beeilte sich dann, ins Haus zu kommen.

»Haben Sie was Bestimmtes hinterm Haus gesucht?«, fragte der Wirt beiläufig, als er den Teller und das Bier vor Grainger abstellte. Seine Stimme hatte etwas Lauerndes.

Grainger nickte. »Sicher. Einen Platz zum Austreten. Aber außer diesem Schuppen gibt es da hinten ja wohl nichts.«

Der Wirt lachte, und Grainger glaubte, Erleichterung herauszuhören. »Sie hätten auf der anderen Seite vom Haus nachsehen sollen, Mister«, sagte er und zog sich hinter seinen Schanktisch zurück.

Grainger beendete seine Mahlzeit, die aus einem zähen Steak und vor Fett triefenden Bratkartoffeln bestand, und brachte das leere Glas zum Tresen. »Zapfen Sie noch mal voll, Keeper«, bat er.

»Kann ich sonst noch was für Sie tun, Mister?«, wollte der Wirt wissen. »Wenn Sie Proviant brauchen, suchen Sie sich ruhig zusammen, was Sie benötigen.« Er deutete auf die Warenregale.

Bevor Grainger antworten konnte, ertönte von einem der Tische ein grölendes Gelächter. »He, Dicker, lass mal was zum Anfassen rüberwachsen!«, rief einer der Männer, die sich dort zu einem Pokerspiel versammelt hatten. »Aber nicht so ein Klappergestell wie das letzte Mal!« Der Wirt warf Grainger einen raschen Blick zu, doch im Gesicht des großen Mannes regte sich nichts. »Los, mach schon, Dicker! Und bring gleich noch eine neue Flasche mit!«, drängte der Pokerspieler.

Der feiste Wirt verzog sich durch eine schmale Tür und kehrte kurz darauf mit einer Frau zurück, die er an den langen, schwarzen Haaren neben sich herschleifte. Im Schankraum zerrte er das widerspenstige Mädchen nach vorn, versetzte ihr einen harten Stoß und trieb sie auf den Pokertisch zu, wo sie dem großmäuligen Spieler auf den Schoß fiel. »He, Täubchen, das ist aber eine Überraschung! Lass dich mal ansehen!«, schrie der Spieler, packte die Frau am Kinn und drehte ihr Gesicht ins Licht. »Gar nicht übel für eine Rothaut«, brummte das Großmaul anerkennend. Er ließ seine schwielige Hand über den Körper des Mädchens gleiten, der nur von einem verschmutzten Wildlederkleid verdeckt wurde. »Mal sehen, was sich unter dem Fetzen verbirgt!«

»Aber so wie immer, Harvey!«, rief ein anderer Spieler dazwischen. »Wer das beste Blatt hat!«

Grainger hielt sich zurück. Das Ganze ging ihm zwar gewaltig gegen den Strich, aber noch wusste er nicht, wie weit die Männer im Raum gehen würden.

»Nichts als Ärger hat man mit seinen Angestellten«, murmelte der Wirt und wischte über die Thekenplatte.

»Was wollte denn der Prediger hier?«, fragte Grainger, um den Wirt auf andere Gedanken zu bringen. Der Keeper hob den Kopf und blinzelte Grainger an. »Wie? Ach, der Pfaffe! Was wird der schon gewollt haben? Was zu essen und ein Bier. So wie Sie, Mister.«

»Er war aber ziemlich aufgeregt, als er mir in die Arme lief«, meinte Grainger. »Hielt mir fast eine Moralpredigt.«

»Nun, äh, er hat natürlich auch versucht, hier drin eine Predigt zu halten. Aber keiner hat ihm zugehört. Dann fing er an rumzustänkern. Ich hab ihn rausgeworfen.«

»Sie können wohl von Glück sagen, dass er das nicht mitgekriegt hat«, sagte Grainger und nickte zum Pokertisch hin. Dort war ein handfester Streit entbrannt, wer die Partie gewonnen hatte. Das Großmaul hielt die Indianerin um die Hüften gepackt und wollte sie an sich drücken, doch das Mädchen wehrte sich.

»Ich habe gewonnen. Und der Gewinner hat zuerst das Vergnügen!«, rief er. »So sind die Regeln! Also haltet euch dran, Jungs!« Er fiel wieder auf den Stuhl zurück, zog das Indianermädchen zu sich heran und presste seine schmierigen Lippen auf ihren Mund. »Du hast gehört, dass ich gewonnen habe! Also runter mit dem Fetzen!«

Die Indianerin wich zurück und schüttelte den Kopf. Da zog das Großmaul ein Messer aus dem Gürtel. »Soll ich nachhelfen?«, fragte er. Wieder schüttelte die Squaw den Kopf. Zögernd löste sie die Lederschnüre am Hals und im Nacken und schob das Lederkleid langsam nach unten. Splitternackt und zitternd stand sie neben dem Tisch und versuchte ihre Blöße zu bedecken.

Das Großmaul zerrte ihre Hände vom Körper weg. Seine schwielige Hand glitt über ihre Brüste. Das Mädchen verzog angewidert das Gesicht und versuchte den Kerl zu beißen.

»Ho, die Wildkatze zeigt die Zähne!«, schrie er. »Dir werde ich schon die Beißer ziehen!« Ein harter Schlag warf das Mädchen auf einen Fellstapel. Sofort stand der großmäulige Kerl über ihr und fummelte an seinem Gürtel herum.

Plötzlich war es ruhig geworden. Angespannt warteten die Männer auf das Schauspiel, das ihnen gleich geboten werden sollte.

Eiseskälte lag in Graingers Blick, als er langsam hinter den großmäuligen Mann trat, der sich gerade auszog. »Schluss jetzt! Lass sie in Ruhe!«, durchschnitt Graingers Stimme die Stille.

 

 

4

Das Großmaul erstarrte. Die Indianerin schaute ungläubig auf Grainger. Dass ihr ein Weißer zu Hilfe kam, schien sie gar nicht glauben zu können.

»Hör mal, Mister. Ich habe die Rothaut gewonnen, und deshalb habe ich zuerst meinen Spaß mit ihr. Du wartest, bis du dran bist!«, rief der großspurige Kerl über die Schulter und fuhr fort, an seiner Hose zu fummeln.

Grainger packte ihn an der Schulter, drehte ihn herum und versetzte ihm einen Schwinger, der den Kerl rückwärts taumeln und gegen ein Regal krachen ließ. Grainger beugte sich zu der Squaw und reichte ihr die Hand.

Die beiden Partner des Großmauls wollten sich von ihren Stühlen erheben, aber Grainger hatte bereits den Remington in der Faust. »Wir wollen doch nicht voreilig sein, Gentlemen.« Graingers Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass er zu allem entschlossen war. »Zieh dich an«, sagte er zu der Squaw und trat zurück, um auch die beiden Männer am Nachbartisch im Auge behalten zu können.

Der dicke Wirt bewegte sich langsam bis zur Mitte der Theke und ergriff die abgesägte Schrotflinte, die er unter dem Schanktisch verborgen hatte. Grainger reagierte blitzschnell. Bevor die Schrotflinte auf ihn zielen konnte, war er am Schanktisch und bohrte dem überraschten Wirt die Mündung seiner Waffe in die Falten seines dicken Halses. »Nimm die Finger von der Schrotspritze!«, zischte er, ohne die Männer im Schankraum aus den Augen zu lassen. »Hoch mit den Pfoten, damit ich sie sehen kann!«

Der feiste Wirt wollte etwas sagen, doch nur ein heiseres Krächzen kam aus seinem Mund. »Ich sehe deine Hände immer noch nicht, Dicker. Ich warte nur noch, bis das Mädchen fertig angezogen ist!«, sagte Grainger kalt. Der Wirt holte tief Luft und ließ seine Hände auf die Theke fallen. Grainger nickte der Indianerin zu. Die Squaw kam an seine Seite. »Und jetzt, mein Freund, gibst du ihr den Schlüssel«, forderte Grainger leise.

»Welchen Schlüssel? Ich weiß nicht, wovon du redest, Mister!«, protestierte der Dicke.

Sofort verstärkte sich der Druck des Revolverlaufs an seinem Hals. »Ich rede von dem Schlüssel zu dem Schuppen, in dem du die anderen Mädchen gefangenhältst.«

»Ich hatte gleich ein komisches Gefühl, als du hier reinspaziert kamst, Mister«, murmelte der Barmann. Er brachte einen Schlüsselbund zum Vorschein. Grainger warf ihn der Squaw zu. »Hol deine Schwestern, Mädchen.«

Während sie in den schmalen Durchgang hinter der Theke huschte, wandte sich Grainger wieder an die Männer im Schankraum. »Ihr könnt jetzt gehen, Gentlemen«, sagte er. »Einer nach dem anderen. Und haltet eure Hände dort, wo ich sie sehen kann!« Nur zu gern kamen die Männer Graingers Aufforderung nach. Die beiden unbeteiligten Zuschauer verschwanden zuerst. Danach schoben sich die beiden Partner des Kartenspielers an Grainger vorbei. Der große Mann ließ sie an der Tür warten, bis er draußen rasch leiser werdenden Hufschlag vernahm. Dann wies er die Männer an, den Raum zu verlassen.

Das Großmaul schnappte sich seinen Waffengurt und hastete seinen Freunden nach. Graingers Fuß versperrte ihm den Weg. »Du nicht, Sonny!«, sagte der große Mann leise.

»Was willst du denn noch, Mister?«, fauchte ihn das Großmaul an.

»Dir beibringen, dass man Frauen Achtung entgegenbringt«, erwiderte Grainger und schaute kurz zu den vier Squaws, die hinter der Theke aufgetaucht waren. Auch die drei Leidensgenossinnen des Mädchens, dem Grainger geholfen hatte, waren schmutzig und machten einen geschundenen Eindruck. Sie brauchten keine Aufforderung von Grainger, um die Schrotflinte unter der Theke hervorzuholen und damit den Dicken in Schach zu halten.

Grainger schob den Revolver ins Leder und zog den Fuß zurück. Das verächtliche Grinsen des Großmauls ging ihm gewaltig gegen den Strich. Ohne Warnung zog er ihm den Handrücken über die schmierigen Lippen, und dann grinste das Großmaul nicht mehr. Bevor der Kartenspieler zum Revolver greifen konnte, setzte Grainger nach und verpasste dem Mann einen Hieb, wie er wohl lange keinen mehr bekommen hatte. Wimmernd sackte der Kartenspieler neben dem Fellstapel zusammen.

Grainger ging zum Schanktisch, nahm sein Bierglas und schüttete dem jammernden Kerl den Gerstensaft ins Gesicht. Dann packte er ihn am Kragen, schleppte ihn zur Tür und warf ihn hinaus. »Ich denke, der hat seine Lektion verstanden«, sagte der große Mann und wandte sich an den feisten Wirt. »Und jetzt zu dir.«

»Was willst du denn von mir, Mister? Ich hab doch mit der ganzen Sache nichts zu tun!«, stammelte der Barmann. Schweiß lief in dicken Bächen über sein Gesicht.

»Ich könnte mir denken, dass die Ladies einige wichtige Dinge mit dir zu klären hätten«, sagte Grainger.

Das Gesicht des Wirtes wurde bleich. »Nein, Mister, bitte nicht! Sie werden mich skalpieren oder mir die Haut vom Leib ziehen! Mister, das dürfen Sie nicht zulassen!« Der Wirt fiel zitternd auf die Knie und faltete die fetten Hände. »Mister, ich flehe Sie an. Wenn Sie einen Funken Menschlichkeit in sich haben, liefern Sie mich diesen Wildkatzen nicht aus!«

Graingers kalte Augen richteten sich auf den Dicken. »Menschlichkeit? Wie kannst du dieses Wort in den Mund nehmen? Wo war deine Menschlichkeit, als du diese Mädchen wie Tiere eingesperrt hattest, Dicker?« Er packte den Wirt am Kragen, riss ihn hoch und trieb ihn vor sich her in den Schankraum und gegen ein Warenregal, das unter dem Gewicht des Mannes ächzte.

»Das war ein Fehler, Mister!«, wimmerte der Wirt. »Jeder macht doch mal Fehler! Wollen Sie sich hier zum Richter aufspielen?«

»Nein. Ich bin nur der Ankläger.« Grainger wechselte das Thema. »So, Freundchen, jetzt mal raus mit der Sprache! Wer hat dir die Mädchen verkauft?«

»Es waren drei Männer. Sie kamen vor ein paar Wochen hier vorbei und boten mir die Mädchen an. Sie sagten, die vier seinen widerspenstig und aufsässig, und sie könnten sie sonst nirgends loswerden«, sprudelte es aus dem Wirt hervor. »Ich wollte erst nicht, aber das Angebot war günstig...«

»Du hast die Mädchen gekauft und in den Schuppen gesperrt«, beendete Grainger die Erzählung des Dicken. »Wer waren die Männer, die dir die Mädchen angeboten haben?«

»Ich weiß nicht, wer sie waren! Aber ich habe einen Namen aufgeschnappt. Nolan! Sie haben von einem Kerl namens Nolan gesprochen!«

»Wo wollten sie von hier aus hin?«

»Über die Grenze. Das haben sie jedenfalls gesagt.«

Grainger zog den Dicken von der Wand weg und stieß ihn zu den Squaws hinüber. Schreiend fielen die Indianerinnen über den unwürdig wimmernden Mann her. Eine Squaw kniete sich auf ihn und zückte eine Flaschenscherbe.

»Halt!«, rief der große Mann. »Er hat euch nicht entführt. Er ist zwar ein Schwein, aber die Männer, die euch in diese Lage gebracht haben, sind die wahren Schuldigen.«

Die Squaw schüttelte heftig den Kopf. »Dieser weiße Mann wird sterben. Er verdient es nicht, am Leben zu bleiben!«

»Ihr straft ihn schwerer, wenn ihr ihm alles nehmt, was er besitzt«, empfahl Grainger. Die Indianerin funkelte ihn aus dunklen Augen an, dann huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. »Du sprichst kluge Worte, großer Mann!«, sagte sie, sprang auf und warf die Scherbe weg. Sie besprach sich kurz mit ihren Gefährtinnen, dann zerrten sie den Dicken nach draußen. Zwei Squaws holten Pferde aus dem Corral.

Grainger schaute sich ein letztes Mal in dem Laden um, packte vier Messer, ein Gewehr, Munition und Decken zusammen und schob alles in die Mitte des Raumes. Eine Squaw schaffte die Sachen hinaus. Grainger folgte ihr. Kurz darauf züngelten Flammen hinter dem Schanktisch hoch, fanden rasch Nahrung und fraßen sich an den Wänden entlang. Die Indianerin verließ das Haus und ging zu dem Pferd, das die anderen Squaws für sie bereithielten.

»Mein Laden!«, jammerte der Wirt. »Ihr habt meinen Laden angesteckt, verdammte Rothäute!«

»Sei froh, dass du noch lebst, Dicker!«, meinte Grainger und schwang sich in den Sattel. Die Indianerin kam herangeritten. »Wir haben dir viel zu verdanken, großer Mann!«, sagte sie. »Wo wird dich dein Weg hinführen?«

»Rüber nach New Mexico. Dorthin wurden viele deiner Schwestern entführt und verkauft.«

»Möge der Große Geist deinen Weg begleiten. Unsere Gedanken werden bei dir sein«, sagte sie und hob grüßend die Hand.

Kurz darauf trennten sich ihre Wege. Die Indianerinnen galoppierten nach Westen. Grainger trieb sein Pferd an dem lichterloh brennenden Gebäude vorbei nach Osten, der Grenze zu.

 

 

5

»Mister, ich kann nicht gleich in jedem Fremden, der hier vorbeikommt, einen Banditen vermuten«, sagte der Sheriff und schaute Grainger scharf an. »Wenn ich das täte, müsste ich Sie auch verdächtigen.«

Grainger war am frühen Morgen in der kleinen Ortschaft Chestnut Creek eingetroffen, hatte sein Pferd im Mietstall untergestellt und sofort das Büro des Sheriffs aufgesucht. Er hatte den Gesetzesmann beim Frühstück gestört. Der Sheriff hatte ihm trotzdem einen Kaffee angeboten und tunkte nun ein Stück Brot in den Dotter seiner Spiegeleier. »Warum interessieren Sie sich eigentlich für irgendwelche Sattelstrolche, die sich hier in der Gegend herumtreiben sollen? Sind Sie ein Kopfgeldjäger?«

»Nein, Sheriff«, murmelte Grainger und schlürfte den heißen Kaffee. »Ich stieß unterwegs zufällig auf einen Kerl, der Indianermädchen kaufte, gefangen hielt und sie seinen Gästen zum Zeitvertreib anbot. Die Frauen wurden schlimm misshandelt. Bei so was geht mir die Galle hoch, das ist alles.«

Der Sheriff, ein Mittvierziger mit dichtem Henkelschnurrbart und Schmerbauch, konzentrierte sich ganz auf sein Frühstück. »Wo sind Sie dem Kerl begegnet, sagten Sie?«, hakte er kauend und schmatzend nach.

»Ich hatte es zwar noch nicht erwähnt, aber Sie können es gerne erfahren. Es war in einem Handelsposten westlich von hier.«

Der Sheriff hob nachdenklich den Kopf, nickte dann und ließ ein weiteres Stück Brot in den Teller fallen. »Den Laden kenne ich. Das war beim dicken Jennings. Wusste gar nicht, dass der Mädchen im Angebot hat.«

»Hat er auch nicht. Nicht mehr. Das heißt, er hat überhaupt kein Angebot mehr. Die Bude ist abgebrannt.«

»Irgendwie habe ich den Eindruck, dass Sie nicht mal traurig darüber sind, Mister«, meinte der Sheriff.

Grainger hob die Schultern und trank seinen Kaffee. Der Sheriff lehnte sich zurück und deutete mit der Gabel auf den großen Mann. »Wenn Sie was mit der Sache zu tun haben, sehen Sie besser zu, dass Sie aus der Stadt verschwinden!«, brummte er. »Chestnut Creek ist eine ruhige kleine Stadt. Und ich will, dass es so bleibt. Für Unruhestifter ist hier kein Platz, verstehen Sie?«

»Klar, Sheriff. Sie reden ja schließlich laut genug«, antwortete Grainger und schenkte sich Kaffee nach. »Aber keine Sorge. Ich habe nicht die Absicht, Ihre friedliche kleine Stadt in Aufregung zu versetzen. Wenn ich erfahren habe, was ich wissen will, sind Sie mich sofort los.«

»Hoffentlich erfahren Sie es bald, was immer es auch ist«, meinte der Sheriff und kümmerte sich wieder um sein Frühstück.

»Sagen Sie mal, Sheriff, sind in Ihrem Bezirk in den letzten Wochen Indianerinnen verschleppt worden?«, fragte Grainger vorsichtig.

Der Schmerbauch seufzte. »Mister, es ist zwar bedauerlich, dass sich irgend jemand ein paar rote Bräute geschnappt hat, aber ich kann mich nicht um alles kümmern. Ich habe noch genug an dem Überfall auf die Postkutsche zu knabbern.«

»Wann war das?«

»Vor knapp einer Woche. Die Kerle haben die Kutsche außerhalb der Stadt angehalten und einen Passagier und den Kutscher erschossen. Ich habe zwar gleich einen Suchtrupp zusammengestellt, aber außer einem Indianercamp mit ein paar toten Rothäuten haben wir nichts gefunden.«

»Hat sich der Überfall wenigstens gelohnt?«

»Kaum, wenn man davon absieht, dass sie die Postsäcke geraubt und zwei Frauen als Geiseln genommen haben.«

Grainger wurde hellhörig. »Zwei Frauen? Und sie wurden noch nicht freigelassen?«

Der Sheriff schüttelte den Kopf und strich mit dem Zeigefinger über seinen buschigen Schnauzbart. »Keine Spur von ihnen. Sie sind wie vom Erdboden verschluckt, genau wie die Banditen. Wahrscheinlich sind sie schon längst über die Grenze nach Neu Mexiko.«

»Was war mit den Indianern?«, kam Grainger auf sein Anliegen zu sprechen.

»Sie gehörten zu einem kleinen Camp, das in der Nähe der Stadt am Creek aufgebaut worden war. Als wir die Postkutschenräuber verfolgten, wurden wir von ein paar alten Rothäuten aufgehalten. Wir folgten ihnen zum Camp und sahen die Toten. Soweit ich sie verstanden habe, überfiel jemand das Lager und entführte drei oder vier junge Squaws. Wir konnten nichts mehr für sie tun. Außerdem war der Überfall auf die Kutsche wichtiger.«

»Wann wurde das Indianerlager überfallen?«

»Das müsste ungefähr zur Zeit des Postkutschenüberfalls gewesen sein oder kurz davor«, sinnierte der Sheriff. Er beobachtete Grainger, der nachdenklich im Büro herummarschierte. »Ich weiß, was Sie denken, Mister. Aber schlagen Sie sich das aus dem Kopf. Ich sehe absolut keinen Zusammenhang zwischen den beiden Überfällen.«

»Waren kurz vor dem Überfall Fremde in der Stadt?«

»Und wenn schon. Ich hab Ihnen schon mal gesagt, dass ich nicht jedem Fremden gleich böse Absichten unterstellen kann, nur weil ich ihn hier noch nie gesehen habe. Ein paar Cowboys kamen hier durch, genehmigten sich einen Drink und zogen weiter.«

Der große Mann unterbrach seinen Marsch und starrte den Sheriff an. »Was gedenken Sie im Hinblick auf die Überfälle zu unternehmen?«

Scheinbar hilflos hob der Sheriff die Arme und ließ sie wieder sinken. »Schlagen Sie was vor, Mister. Ich bin für jede gute Idee zu haben. Schauen Sie sich um! Chestnut Creek ist ein verschlafenes Städtchen in einer trostlosen Gegend wenige Meilen vor der Grenze. Und gleich hinter der Grenze fängt die Wüste an. Also, was glauben Sie wohl, könnte ich unternehmen? Allein nach Osten reiten und warten, bis mich eine Kugel aus dem Hinterhalt trifft, oder mein Pferd unter mir zusammenbricht?«

»Das Schicksal dieser Frauen bedeutet Ihnen wohl nicht besonders viel, Sheriff«, äußerte Grainger vorwurfsvoll.

»Jetzt gehen Sie aber verdammt weit, Mister!«, ereiferte sich der Sheriff. »Wenn Sie es genau wissen wollen, macht mich der Gedanke fast verrückt, dass sich die beiden Ladies in der Gewalt dieser blutrünstigen Banditen befinden. Was die Squaws angeht, werden Sie hier niemanden finden, der sein Leben für die Rothäute riskieren würde!« Der schnauzbärtige Ordnungshüter deutete zur Tür. »Es steht Ihnen frei, sich mit diesen Entführern anzulegen. Wenn Sie sich für ein paar Rothäute eine Kugel einfangen wollen, bitte. Niemand hindert Sie daran.«

Grainger warf dem Sheriff einen verachtenden Blick zu, knallte den Kaffeebecher auf den Tisch, dass die Brühe überschwappte, und ging zur Tür. »Danke für den Kaffee, Sheriff. Ich wünsche Ihnen, dass Ihr Städtchen noch lange so friedlich bleibt, wie es jetzt ist. Wenn nicht, tun mir die Menschen jetzt schon leid, die sich auf Ihren Schutz verlassen«, sagte er und stand bereits auf der Straße, bevor der Schmerbauch Zeit zu einer wütenden Erwiderung hatte.

Der große Mann ging mit gemächlichen Schritten die kurze Main Street entlang und betrat den Saloon, wo er sich ein Frühstück bestellte. Eigentlich war ihm nach dem Gespräch mit dem Sheriff der Appetit vergangen, aber er musste sich für den bevorstehenden Ritt stärken.

Außer Grainger war nur ein Gast im Schankraum. Er war offenbar nach einer durchzechten Nacht nicht mehr in der Lage gewesen, den Saloon zu verlassen. Sein Oberkörper lag quer über einem Tisch im hinteren Teil des Raums. Das Gesicht des Mannes war auf die gekreuzten Arme gebettet, und nur sein blondes Haar war zu sehen.

»Hatte der Hombre letzte Nacht einen Drink zu viel?«, fragte Grainger, als der Wirt den Teller und eine Kaffeetasse vor ihm abstellte.

»Nicht nur einen Drink, Mister«, gab der Wirt zurück. »Der Kerl kam hier rein, fing an zu saufen und hörte nicht mehr auf, bis er am Tisch einschlief. Hat hier ziemlich wilde Geschichten erzählt!« Der Wirt schüttelte verwundert den Kopf. »Ich bin nun schon über zwanzig Jahre in dem Geschäft, Mister, aber ich wundere mich immer noch, dass manche Leute nicht merken, wenn sie genug haben.«

»War wenigstens was Interessantes dabei? Bei den Geschichten, die der Hombre erzählt hat, meine ich«, sagte Grainger. »Das Frühstück ist übrigens ausgezeichnet.«

»Freut mich, wenn es Ihnen schmeckt, Mister. Ich werde es meiner Frau ausrichten.« Der Wirt strahlte über das ganze Gesicht. »Wissen Sie, meistens sind es immer dieselben Geschichten, die man als Barkeeper zu hören kriegt. Aber dieser Junge gab ziemlich an. Er prahlte damit, dass er jederzeit eine Frau besorgen könnte, wenn nur der Preis stimmen würde.«

»Und Ihre Gäste haben ihm geglaubt?«

»Ach was. Kaum jemand hat ihn ernst genommen. Und je mehr er getrunken hatte, desto wilder wurden seine Prahlereien. Indianersquaws wollte er verschachern. Am Schluss war er sogar bereit, einige von ihnen zu verschenken. Aber da hörte ihm schon niemand mehr richtig zu.«

Grainger ließ sich die Kaffeetasse erneut füllen und schob den Teller zurück. Er schlenderte zu dem Blonden und bat den Wirt, einen zweiten Kaffee zu bringen. Grainger beobachtete den Schlafenden eine Zeitlang, dann rüttelte er ihn. »Wach auf, mein Junge. Du verschläfst die beste Zeit des Tages!«

Der Blonde murmelte nur etwas Unverständliches.

Grainger versuchte erneut, ihn wachzurütteln, hatte aber keinen Erfolg. Schließlich packte er den Blonden sanft bei den Haaren, zog seinen Kopf nach hinten und hielt ihm die Kaffeetasse an die Lippen. »Trink das, damit du wieder auf die Beine kommst!«

Hustend und spuckend bäumte sich der Blonde auf und wand sich aus Graingers Griff. »Verdammt, willst du mich mit dem braunen Zeug vergiften?«, stieß er hervor.

»Sieh an, du kannst ja doch reden! Für einen Moment hatte ich da so meine Zweifel«, sagte Grainger ruhig.

Der Blonde blinzelte ihn an und schaute sich dann irritiert in dem Raum um. Er hatte sichtlich Schwierigkeiten, sich zu orientieren. »Was willst du?«, fragte er dann mürrisch.

»Ich hab gehört, du kannst Frauen besorgen, Hombre.«

Der Blonde schaute Grainger misstrauisch an. »Wer behauptet so was?«

»Du selbst, Hombre. Letzte Nacht, hier im Saloon.«

»Scheiße!« Der Blonde vergrub sein Gesicht in den Händen.

»Also, was ist nun mit den Weibern? Hast du welche für mich?«, bohrte Grainger.

Der Blonde schreckte hoch. »Nein. Ich muss ziemlich besoffen gewesen sein. Woher sollte ich die Weiber denn nehmen? Versuch es in den großen Rinderstädten. Dort hast du sicherlich mehr Glück«, fügte er hastig hinzu.

»Ich bin nicht an billigen Flittchen interessiert, sondern an etwas Besonderem. An Indianermädchen.«

Misstrauen lag wieder im Blick des Blonden. »Bist du verrückt, Mann? Wie soll ich denn an die roten Katzen rankommen?«

»Letzte Nacht hast du noch damit angegeben«, erinnerte Grainger ruhig.

Der Blonde wurde blass, als ihm bewusst wurde, dass er unter Alkoholeinfluss einiges ausgeplaudert haben musste. »Ach, lass mich in Frieden. Such dir deine Weiber doch selbst. Ich hab jedenfalls keine für dich!«, maulte er, leerte die Kaffeetasse, sprang auf und rannte aus dem Saloon.

»Was ist denn mit dem los?!«, rief der Wirt, als der Blonde aus dem Saloon regelrecht flüchtete.

Details

Seiten
141
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738954050
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (Mai)
Schlagworte
graingers kampf sklavenmädchen

Autor

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Titel: Graingers Kampf für die Sklavenmädchen