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Schlacht um den Höllenthron: Vincent Drago 8

2021 120 Seiten

Zusammenfassung

VINCENT DRAGO – Der Höllendämon Band 8

von Bernd Teuber

Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.

Die Welt der Menschen steht vor der endgültigen Vernichtung. Dämonenhorden durchbrechen die letzte Verteidigungslinie und töten jeden, der sich ihnen in den Weg stellt. Währenddessen findet zwischen Vincent Drago und dem Höllenfürsten, die entscheidende Auseinandersetzung um den Thron statt. Wird es dem Dämon gelingen, die Herrschaft über die Hölle an sich zu reißen?

Leseprobe

Schlacht um den Höllenthron: Vincent Drago 8

VINCENT DRAGO – Der Höllendämon Band 8

von Bernd Teuber


Der Umfang dieses Buchs entspricht 82 Taschenbuchseiten.


Die Welt der Menschen steht vor der endgültigen Vernichtung. Dämonenhorden durchbrechen die letzte Verteidigungslinie und töten jeden, der sich ihnen in den Weg stellt. Währenddessen findet zwischen Vincent Drago und dem Höllenfürsten, die entscheidende Auseinandersetzung um den Thron statt. Wird es dem Dämon gelingen, die Herrschaft über die Hölle an sich zu reißen?




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Alfred Bekker

© Roman by Author

Cover: nach Motiven von Pixabay Bearbeitung - Steve Mayer, 2021

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Die Vorboten der Apokalypse waren Erdbeben und extreme Wetterphänomene. Dann folgte eine weltweite Hungersnot. Im Fernsehen wurde täglich über die Folgen von Energiekrisen gesprochen. Die Vorräte wurden knapp, und die Angst der Menschen wuchs. In ihrer Not wandten sie sich an die von ihnen gewählten Abgeordneten. Aber niemand, der politische Verantwortung trug, fand den Mut zur Wahrheit.

Trotzdem gab es noch Optimisten. Sie sagten: „Die Regierung wird es schon schaffen.“

Andere vertrauten auf Gottes Hilfe. Beide Seiten wurden enttäuscht. In allen Teilen der Welt flackerten die Feuer kriegerischer Auseinandersetzungen auf. Immer zahlreicher wurden auch die Berichte über Terror-Anschläge. Um ihre Ziele zu verwirklichen, war den Attentätern jedes Mittel recht. Neben Feuersbrünsten, Erdbeben, technischen Pannen, Meerestürmen, ungewöhnlicher Feindseligkeit von nationalen Führungspersonen, Massen von unheilvollen Missgeburten und Missbildungen, die alle ein weltweites Gefühl des Unwohlseins und der bevorstehenden Katastrophe hervorriefen, kam es auch noch zu einer verheerenden Seuche. Die verantwortlichen Behörden versuchten alles zu vertuschen, doch es gelang ihnen nicht.

Viele Gerüchte waren im Umlauf. Eines davon besagte, dass todbringende Bakterien aus einem Geheimlabor entwichen waren. Von offizieller Seite wurde diese Geschichte nie dementiert. Vielleicht lag es daran, dass niemand sehr viel über diese Seuche zu wissen schien, außer Doktor Andre Sheremet. Jeder hatte von ihm gehört. Sheremet war einer jener seltenen Männer, von denen es in jeder Generation nur wenige gab und die ein Überbleibsel aus einer längst vergangenen Zeit zu sein schienen.

Man konnte sich jedoch nicht darauf einigen, welchem vergangenen Zeitalter Sheremet angehörte, denn eigentlich war er trotz seiner Individualität, seinem Erfindungsgeist, seiner Hinterhältigkeit, seiner Aufschneiderei, ein Mann, der einzig und allein seiner Zeit angehörte. Vor allem war Sheremet Arzt, ein Mann mit dem Geist und den Wertvorstellungen des 21. Jahrhunderts. Sowohl in Fachkreisen als auch sonst wurde Sheremet als der größte Diagnostiker der Welt angesehen.

Da war zum Beispiel die Geschichte von der Party in Washington D.C., wo Sheremet ziemliches Aufsehen erregte, als er plötzlich erschien und nach einem kräftigen Händedruck dem Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten mitteilte, dass er eine Kalziumablagerung in der Schulter hätte, die entfernt werden müsste. Ein anderes Mal soll Sheremet, während er aus dem Fenster eines Passagierflugzeugs blickte, von den rhythmischen Dröhnen der Maschine beim Durchbrechen der Wolkendecke erkannt haben, dass der Pilot an einer Mittelohrentzündung litt. Daraufhin hatte er empfohlen, dass der Copilot die Landung übernimmt.

Soweit allgemein gesagt werden konnte, lebte Sheremet die meiste Zeit von der Öffentlichkeit zurückgezogen. Hier und da sah man ihn an verschiedenen Orten rund um die Welt, wo er seine Fähigkeiten in der medizinischen Forschung verbesserte. Das ließ ihn geheimnisvoll erscheinen und damit umso interessanter, wenn er von Zeit zu Zeit seine Anonymität mit einer öffentlichen Erklärung durchbrach.

Man hatte Sheremet in verschiedenen Teilen der Welt gesehen. Sri Lanka, Afghanistan, Togo, Kolumbien, Senegal, die Dominikanische Republik, Russland und Liechtenstein. Sie alle waren genau in dieser Reihenfolge Stationen der Zickzack-Reiseroute von Sheremet. Ein Londoner Korrespondent der Times stellte in der Gesellschaftskolumne fest, dass irgendjemand Sheremet in all diesen Ländern immer kurz nach der relativ verlässlichen Nachricht über den Ausbruch der Seuche dort entdeckt hatte.

In allen bisher nachgewiesenen Fällen begann es mit einem schweren Kopfekzem. Ganz gleich was für eine genetische Herkunft oder was für Haare der Patient hatte – die Schuppen fielen ihm wie Schneeflocken vom Kopf. Die Haut wurde allmählich ganz schuppig, und zwar am ganzen Körper. Manchmal dauerte es nur wenige Stunden. Wenn der Patient nicht gleich eingeliefert, festgebunden und mit großen Dosen Schmerzmittel behandelt wurde, kratzte er sich ganze Hautschichten vom Körper. Ob der Patient nun am Kratzen gehindert wurde oder nicht, nach spätestens drei Tagen sah er aus wie ein Vampir, der zulange in der Sonne gelegen hatte. Nach fünf Tagen ebbte der Juckreiz wieder ab und hinterließ scheußliche Narben.

Doch bald kristallisierten sich einige merkwürdige Fakten heraus. Mit dem weltweiten Ausbruch der Krankheit wuchs auch die Anzahl der Selbstmorde. Bereits nach einem Monat war sie fünfmal so hoch wie im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Das schien spektakulär genug zu sein, um den meisten Zeitungen als Schlagzeile zu dienen. Auch die Tatsache, dass die Seuche Symptome an den Tag legte, wie sie der Medizin bisher unbekannt gewesen waren, wurden auf den Titelseiten erwähnt und bot Anlass für zahllose Überlegungen. Viele Boulevardzeitungen äußerten den Verdacht, dass es zwischen dem Ausbruch der Seuche und den Selbstmorden eine statistische Beziehung gäbe.

Diese Idee löste unter Wissenschaftlern, religiösen Führern, Psychologen und schlichten Spinnern eine Kettenreaktion aus. Sie waren der Ansicht, dass jeder Mensch gut beraten sei, nur noch in seiner Wohnung zu leben und diese unter keinen Umständen zu verlassen. Einige standen sogar zu ihrer Überzeugung. Sie verließen ihre Wohnung nicht mehr und verhungerten. Die Psychologen und Psychiater waren nicht so schnell bereit, die Steigerung der Selbstmordrate mit der Seuche in Verbindung zu bringen – hauptsächlich aus dem Grund, weil Seuchen nicht zu ihrem Gebiet gehörten.

Sie wählten einen esoterischen Ansatz und begannen mit Ausdrücken wie „Befreiung der kollektiven Todessehnsucht“ oder „emotionale Reinigung“ um sich zu werfen. Die Selbstmorde waren offenbar klar zu entschlüsseln. In einer Welt, in der die Vorstellung eines Krieges immer wahrscheinlicher wurde, sahen viele Menschen offenbar nur noch einen Ausweg. Mit der Zeit lieferten die Psychologen und Psychiater so viele plausible Erklärungen, dass der Eindruck entstand, sie hätten die Selbstmorde heraufbeschworen.

Die religiösen Fanatiker sahen die Sache viel einfacher. Ihrer Ansicht nach war es eine schreckliche Warnung, die Gott geschickt hatte. Während die Spinner der verschiedensten Richtungen ihre Lieblingsphilosophien hinausposaunten und entsprechend sinnlose Allheilmittel erfanden, waren einige wenige intelligente Leute damit beschäftigt, Tatsachen zusammenzustellen. Vor dem Ausbruch der Seuche war die Selbstmordrate ungefähr normal, aber danach steigerte sie sich rasant.

Jene Leute, denen es nicht gelungen war, sich umzubringen, oder die rechtzeitig gerettet wurden, berichteten, dass sie kurz vor dem Selbstmordversuch extrem starke Empfindungen von Frieden und einer Identifikation mit einer Sache verspürt hätten, die größer sei als sie selbst. Ein gemeinsamer Punkt ihrer Berichte war die weitverbreitete Überzeugung, dass durch den Tod dieses Gefühl absolut oder permanent werden würde. Diese Tatsachen sorgten dafür, dass die Verkaufszahlen von Bibeln, Beruhigungsmitteln und alkoholischen Getränken stark anstiegen.

Die Wissenschaft und der menschliche Erfindungsgeist produzierten eine bemerkenswerte Anzahl von Lösungen. Keine war befriedigend und manche sogar gefährlich. Ein Medikament, das von den Pharmakonzernen in aller Eile auf den Markt gebracht wurde, war für mehr als hunderttausendfache Fehl- und Frühgeburten verantwortlich und trug in erheblichem Maß zu einer Steigerung der Selbstmordrate bei. Ein anderes Medikament war zwar effektiver, sorgte bei den Menschen jedoch für die Erzeugung von Größenwahn und belastete das Herz.

Tausende von Sekten, Kulten und esoterischen Gruppen wurden gegründet. Aus der religiösen Wiederbelebung entwickelte sich eine bedeutende Industrie. Trotz allem hatten sich inzwischen mehrere Millionen Menschen das Leben genommen. Und mittlerweile zeigten sich auch die ersten Löcher im Gewebe der Gesellschaft. Die Transportmittel waren bis zum Zusammenbruch überlastet. Nahrungsmittel und Treibstoff wurden rationiert und der Strom für Haushalte nur noch zu bestimmten Stunden eingeschaltet. Im Eiltempo verabschiedeten viele Regierungen neue Gesetze, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Sie halfen ein wenig, konnten den unvermeidlichen Zusammenbruch jedoch nicht aufhalten.

Immer noch bemühte sich die stark dezimierte Zahl der Wissenschaftler, irgendeinen wirksamen Schutz gegen die Seuche zu finden, obwohl ihre Arbeit mittlerweile sinnlos geworden war. Es gab keine gewöhnliche Welt mehr. Das Gewöhnliche existierte nicht mehr. Überall auf der Welt herrschte das Chaos. Bizarre Massenriten wurden gefeiert, zu denen auch Orgien und Tieropfer gehörten, eine Art liturgische Beschwörung eines vorgeschichtlichen Kults unter Nichtbeachtung jeglicher Normen.

Dazu kamen die Phänomene, riesige ektoplastische Erscheinungen, lokale Unwetter und Erdbeben, unerklärliche Geräusche aus der Erde. Die Seuche breitete sich unaufhaltsam aus. Und die Massenorgien begünstigten ihr furchtbares Fortschreiten. Die Menschheit war dem Untergang geweiht. Kaum jemand kannte die Wahrheit, denn hinter all diesen Ereignissen steckte der Herrscher der Hölle. Er hatte seine Dämonenarmee ausgesandt, um alles für die letzte Schlacht vorzubereiten: Die Apokalypse.



2

Gewaltige Dämonenhorden überfielen Städte und Dörfer, löschten wahllos Menschenleben aus. Und diejenigen, die im immer verzweifelter werdenden Abwehrkampf gegen die Angreifer fielen, wurden selbst in Dämonen verwandelt, reihten sich in die Phalanx der höllischen Mörder ein und kämpften gegen die, mit denen sie gerade noch Seite an Seite versucht hatten, das Unheil aufzuhalten.

Die Truppen des Höllenfürsten überrannten eine Verteidigungslinie der Menschen nach der anderen. Es herrschte ein blutiger, erbarmungsloser Vernichtungskrieg. Vulkane, die Hunderte oder Tausende von Jahren inaktiv gewesen waren, brachen plötzlich ohne Vorwarnung aus. Gigantische Wolken aus Asche, Stein und Gasen stiegen bis zu 20.000 Meter auf und verdunkelten den Himmel. Erdstöße brachten Mauern zum Einsturz, Steinbrocken durchschlugen die Dächer der Häuser. Der Tag wurde endgültig zur Nacht. Viele Menschen versuchten zu fliehen, doch sie hatten keine Chance. Pyroklastische Ströme entstanden, als die Kraterwände und Eruptionssäulen in sich zusammenstürzten. Der Gluthauch tötete in Sekunden und verkohlte alles organische Material.

Tödliche Flammenlinien aus Lava und aufreißender Erdscholle pflanzten sich fort, erschütterten Gebirgsformationen, zerrten Ebenen auseinander. Überall brachen Glutströme aus dem Erdinneren hervor. Der Prozess war unumkehrbar. Der Herrscher der Hölle hatte sein Ziel erreicht. Die Welt war im Belagerungszustand. Die Dämonen hatten beschlossen, die Erde den Händen der Menschheit zu entreißen. Und sie hatten es fast geschafft. Bald würden diese Menschenhände kalt und tot sein. Und es gab niemanden, der die Dämonen aufhalten konnte. Sie verwandelten die ganze Welt in ein Flammenmeer. Freund wie Feind. Niemand blieb von diesen endlosen Angriffen verschont. Die verschiedenen Völker waren endlich geeint. In Vernichtung und Verzweiflung.



3

Das Gebäude am Stadtrand von Brüssel war auf einer leichten Anhöhe erbaut worden, umgeben von einem dichten Ring uralter, knorriger Eichen. Ein schmaler, staubiger Weg schlängelte sich zwischen den Stämmen hindurch. Die Baumkronen waren so dicht, dass stellenweise kein Mondlicht bis auf den Boden drang. Hier und da gab es Unterholz. Nur an einer Stelle war eine Art Schneise, durch die man das Gebäude sehen konnte. Es war ein mächtiger, langgestreckter Bau. Er mochte etwa in der Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet worden sein.

Der große Platz vor dem Haus war leer. Nichts deutete daraufhin, dass jemand in dem Gebäude wohnte. Es wirkte heruntergekommen. Der einst weiße Anstrich war grau geworden und an vielen Stellen aufgeplatzt. Teilweise bröckelte der Mörtel ab. Das Dach war eingesunken. Einige Fenster hingen windschief im Rahmen. An den meisten fehlten die Scheiben. Einige Leute wollten wissen, dass in dem einsamen Haus eine Satanssekte schwarze Messen abhielt, bei denen auch Blutopfer dargebracht wurden. Abwegig war diese Erklärung nicht, denn Gerüchte über die Umtriebe einer Gruppe von Satansanhängern hielten sich schon seit einigen Monaten in der Gegend. Aber das waren reine Vermutungen. Konkrete Beweise fehlten.

Auf den ersten Blick schien nichts daraufhin zu deuten, dass sich in diesem Haus Menschen aufhielten, doch das war ein Irrtum. Im Keller gab es einen sehr großen Raum. Die Decke und Wände waren mit schwarzer Farbe gestrichen. Die spärliche Beleuchtung stammte von zwei Dutzend schwarzer Kerzen. Das einzige Mobiliar bestand aus zwei seltsamen Gebilden etwa in der Mitte des Raums. Das eine war einen halben Meter hoch, gut zwei Meter lang und etwas weniger als einen Meter breit. An der Seite des steinernen Opferaltars befanden sich zwei Haken, ähnlich einer Gürtelschnalle.

Das andere Gebilde war eine mannhohe Gestalt, die auf einem flachen Sockel thronte. Die Plastik aus glänzendem, schwarzem Material stellte eine Mischung aus Mensch, Ziegenbock und Reptil dar. Wer auch immer sie geformt haben mochte, hatte es an Realismus nicht fehlen lassen. Die Augen des unheimlichen Wesens, das den Höllenfürsten darstellen sollte, bestanden aus roten Glassteinen. Im Schein der Kerzen sah es so aus, als seien sie von Leben erfüllt und würden jede Bewegung im Raum wahrnehmen. Edmond Vauthier, der Anführer der Sekte, trat vor die Figur und begann leise zu sprechen.

Die Tür wurde geöffnet. Zwei Kuttenträger betraten den Raum und führten eine blonde Frau herein. Ihrem leeren Blick und ihren schlafwandlerischen Bewegungen konnte man ansehen, dass sie mit Drogen gefügig gemacht worden war. Sie näherte sich Vauthier, der vor dem Altar stand. Die Kuttenträger, die sie hineinbegleitet hatten, gesellten sich zu den anderen und formierten sich zu einem Halbkreis hinter dem Sektenführer. Vauthier hob seine Arme und legte sie der willenlosen Frau auf die Schulter.

Im gleichen Moment stimmten die Kuttenträger einen leisen, monotonen Singsang an. Vauthier redete leise auf die Frau ein. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich. Sie riss die Augen auf und sah ihr Gegenüber erstaunt an. Dann wanderte ihr Blick durch den Raum und blieb schließlich an dem Altar hängen. Sie zuckte zusammen, doch als sie fliehen wollte, hielt der Sektenführer sie am Arm fest. Er zog sie zu sich herum und redete wieder auf sie ein. Gleichzeitig schwoll der unheimliche Singsang immer weiter an. Die Frau geriet erneut unter Vauthiers Einfluss. Sie würdigte den Altar keines Blicks mehr. Vermutlich hatte sie seine Existenz inzwischen völlig vergessen.

Plötzlich griff Vauthier mit beiden Händen zu. Ein rascher Ruck ließ den Umhang der Frau zu Boden gleiten. Darunter trug sie nur einen knappen BH und einen Slip. Gierig starrte der Sektenführer auf den schlanken Körper. Ihre Haltung versteifte sich. Als sie einen Schritt zurückweichen wollte, stieß sie mit den Kniekehlen an die Kante des Altars. Vauthier kam langsam auf sie zu, bis er dicht vor ihr stand. Er streckte die Arme aus. Ehe die Frau, in deren Augen jetzt die Furcht aufflackerte, reagieren konnte, hatte er ihr die Hände auf die Schultern gelegt.

Mit sanftem Druck zwang er sie, sich auf den Opferstein zu setzen. Mit ängstlichem Blick sah sie zu ihm auf. Vauthier redete leise auf sie ein. Ihr Blick wurde wieder ausdruckslos. Langsam ließ sie sich nach hinten sinken, bis sie ausgestreckt auf dem Altar lag. Der Sektenführer beugte sich über sie. Sein Gesicht hatte sich zu einer gierigen Fratze verzerrt. Vauthiers Körper versteifte sich einen Moment. Es sah aus, als würde ihm auf einmal bewusst, was er tat, als würde ihn eine unhörbare Stimme zur Ordnung rufen. Ein Ausdruck der Enttäuschung legte sich auf sein Gesicht.

Aber dieser Moment war nicht von langer Dauer. Das Schicksal gewährte der Frau nur einen Atemzug Gnade. Blitzschnell griff Vauthier unter seine Kutte. Als die Hand wieder zum Vorschein kam, umklammerten seine Finger ein Messer mit beidseitig geschliffener Klinge, in der sich das Licht der Kerzen brach. Sekunden lang verharrte es in der Luft und fuhr dann nieder. Tief bohrte sich der Stahl in die Brust der Frau. Sie riss die Augen auf. Ungläubiges Staunen verzerrte ihr Gesicht.

Zwei röchelnde Atemzüge, dann begriff sie, was geschehen war. Ihr schmerzerfüllter Schrei brach sich schaurig hallend an den Wänden. Ein Blutstrom quoll aus ihrem Mund, als der Kopf zur Seite fiel, lief über die Kante des Altars und tropfte auf den Boden. Sekundenlang verhielt der Sektenführer in seiner Stellung, dann richtete er sich auf. Das Messer zog er aus dem Körper seines Opfers und ließ es achtlos zu Boden fallen. Unvermittelt stieß er einen wilden Schrei aus.

Seine Anhänger brachen ihren Singsang abrupt ab und verbeugten sich stumm vor ihrem Anführer. Vauthier benetzte seine Fingerspitzen mit dem Blut und strich sich über Stirn und Wangen. Er fühlte, wie ihm die warme Nässe über den Hals rann; am Schlüsselbein floss ein einzelner Tropfen nach hinten und kroch einige Zentimeter nahe der Wirbelsäule nach unten, ehe er vom Stoff seiner schwarzen Kutte aufgesogen wurde. Er reckte die Arme in die Luft. In dieser ein wenig theatralischen Pose verharrte er eine Weile, ehe er langsam und mit lauter Stimme zu sprechen begann.

Im Namen aller Dämonen der samtenen Dunkelheit“, rief Vauthier. Würde es ihm heute endlich gelingen, den Kontakt zum Bösen selbst herzustellen? Einige der niederen Höllenkreaturen waren bereits anwesend. Sie wandelten als dunkle, seelenlose Schatten im Beschwörungsraum des Altbaus. Vauthier staunte über den großen Erfolg des heutigen Tages. Nie zuvor waren derart viele Höllenwesen zu einer Beschwörungszeremonie der Sekte gekommen. Kaum hatte er die Eröffnungsworte gesprochen, begann ein wildes und düsteres Treiben.

Ein Wind fegte durch den Raum und stieß etliche Kerzen um, die für das schattige Zwielicht sorgten. Die Flammen leckten über das schwarze Wachs und verzehrten es in Sekundenschnelle in einer eruptiven Feuerlohe. Geisterhafte Gestalten krochen aus dem Feuer. Es mochten Geister sein oder Irrwische. Sie heulten, kicherten und leckten das Blut der bereits geschlachteten Opfertiere. Keine Sekunde verharrten sie an einem Ort, huschten mal hierhin, mal dorthin. Einmal hatte Vauthier geglaubt, eine dunkelhaarige Gestalt durch den Raum schweben zu sehen. Sie war in einen schwarzen Umhang gehüllt und gehörte einem hünenhaften Mann.

Unter dem Umhang, der sich vorn ein wenig geöffnet hatte, sah Vauthier einen dunklen Anzug mit gestärktem Hemd und schwarzer Krawatte. Sein Gesicht wirkte kraftvoll und befehlsgewohnt. Von seiner Erscheinung ging eine selbstverständliche Autorität aus. Die Ohren waren tief angesetzt und reichten bis weit über die Kopfseiten hinauf, wo sie in zugespitzten Enden ausliefen. Über den dunklen Augen befanden sich buschige Augenbrauen. Die Lippen waren nicht imstande, sich über die dolchartig verlängerten Eckzähne zu schließen, die einander von oben und unten überschnitten.

Im Namen aller Dämonen der samtenen Dunkelheit“, hörte der Sektenführer dieselben Worte, die er vor wenigen Augenblicken selbst ausgesprochen hatte. Für die Mitglieder seiner Sekte waren sie die Herren – so wie er wiederum der Hölle diente.

Was willst du?“, fragte Vauthier unwirsch.

Er mochte es nicht, während der Zeremonie gestört zu werden. Er erkannte, wer ihn zu sprechen wünschte. Pierre Ferrand – eines der ältesten Mitglieder seines Kults. Ferrand hatte in den vergangenen Monaten einige sowohl zahlungskräftige als auch in ihrem Umgang mit den Mächten der Finsternis und ihren Forderungen skrupellose Anhänger rekrutiert. Diese Verdienste stimmten Vauthier milde.

Es … es ist uns eine große Ehre widerfahren.“ Ferrands Stimme zitterte.

Was meinst du damit?“

Sieh selbst.“

Plötzlich spürte es Vauthier, ohne das er sich umdrehte. Etwas war in den großen Raum gekommen. Etwas Gewaltiges, Böses. Langsam wandte er sich um und sah … nicht etwas, sondern Jemanden. Es war nicht nötig, dass der Besucher seinen Titel nannte. Vauthier erkannte ihn an seiner Ausstrahlung, obwohl er ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Die Luft flimmerte. Die Konturen des Altars verschwammen. Gleichzeitig drang ein hohes, summendes Geräusch beinahe schmerzhaft an seine Ohren. Aus dem Nichts heraus war der Herrscher der Hölle in den dunklen Kellerraum erschienen.

Herr!“

Vauthier warf sich zu Boden. Seine Stirn berührte den kühlen Stein. Schmutzpartikel vermischten sich mit dem Blut der Frau. Der Herrscher der Hölle, seit Jahren erhoffter Ehrengast der Zusammenkunft, zeigte sich in seiner dämonischen Gestalt. Aber er wirkte müde und erschöpft. Doch keiner der Anwesenden nahm davon Notiz.

Steh auf, Mensch“, hallte seine dumpfe Stimme durch den Raum. „Du darfst mir einen Dienst erweisen.“

Jawohl“, versicherte der Sektenführer. „Ich werde alles tun, was Ihr verlangt.“

Die Stimme seines Herrn jagte ihm einen Schauer des Grauens über seinen Rücken. Sein Blick verharrte auf dem Gesicht des Herrschers. Die Pupillen leuchteten rot, die Iriden waren schwarz und die Augäpfel grau, als seien sie aus Stein. Dieser Blick schien Vauthiers Herzschlag stoppen zu wollen. Nun mischte sich Ferrand ein.

Wie kann ich Euch dienen? Habt Ihr auch einen Auftrag für mich?“

Der Herrscher wandte sich dem Menschen zu. „Habe ich mit dir geredet, elender Wurm?“ Er näherte sich Ferrand, hob die Hände und streckte sie ihm entgegen. Der Mann begann zu zittern. Er öffnete den Mund. Würgende Geräusche drangen daraus hervor. Seine Hände fuhren an seinen Hals, als versuchten sie, einen unsichtbaren Griff zu sprengen. Ferrands Augen weiteten sich. Noch immer drang kein verständlicher Laut aus seiner Kehle. Er brach in die Knie. Dann ertönte ein knackendes Geräusch. Ferrand stürzte haltlos auf den Boden und blieb mit seltsam verrenkten Gliedern liegen. Der Herrscher warf einen kurzen, geringschätzigen Blick auf die Leiche und wandte sich danach wieder Vauthier zu.

Niemand hat das Recht, mich zu unterbrechen, verstanden?“

Details

Seiten
120
Jahr
2021
ISBN (ePUB)
9783738953992
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (Mai)
Schlagworte
schlacht höllenthron vincent drago

Autor

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Titel: Schlacht um den Höllenthron: Vincent Drago 8