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Ein Buch für Mörder: N.Y.D. – New York Detectives

2021 111 Seiten

Zusammenfassung

Harvey Wilburn meint, dass es eine fabelhafte Idee ist, bei dem Buchverleger Garret Evans vorzusprechen, um ihn ein brisantes Manuskript anzubieten. Der wittert ein gutes Geschäft, das ihm jedoch durch die Lappen geht, denn kurz nach Wilburns Besuch bei ihm fliegt dieser mitsamt seinem Wagen in die Luft. Evans will trotz dieser Tatsache das Manuskript in die Hände bekommen und engagiert den Privatdetektiv Bount Reiniger …

Leseprobe

Table of Contents

Ein Buch für Mörder: N.Y.D. – New York Detectives

Copyright

Die Hauptpersonen den Romans:

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Ein Buch für Mörder: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von Cedric Balmore

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten.

 

Harvey Wilburn meint, dass es eine fabelhafte Idee ist, bei dem Buchverleger Garret Evans vorzusprechen, um ihn ein brisantes Manuskript anzubieten. Der wittert ein gutes Geschäft, das ihm jedoch durch die Lappen geht, denn kurz nach Wilburns Besuch bei ihm fliegt dieser mitsamt seinem Wagen in die Luft. Evans will trotz dieser Tatsache das Manuskript in die Hände bekommen und engagiert den Privatdetektiv Bount Reiniger …

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen den Romans:

Harvey Wilburn — Er will auf ganz besondere Art reich werden, aber es gibt ein paar Leute, die

damit nicht einverstanden sind.

Arlaine Hopkins — Sie wirkt auf Männer wie ein Magnet, und ganz besonders auf den, der ihren

Tod beschlossen hat.

Nick Corzon — Er hat etwas dagegen, auf üble Weise vermarktet zu werden und tut auf seine

Weise etwas dagegen.

Frank Bercovici — Er muss auf sehr schmerzliche Weise die Erfahrung machen, dass Wissen

tödlich sein kann.

June March – ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger – ist Privatdetektiv.

 

 

 

1

„Ein Mr. Harvey Wilburn wünscht Sie zu sprechen, Sir“, meldete die Sekretärin. „Er sagt, er sei der gesuchteste Millionendieb der Vereinigten Staaten von Amerika.“

Der Buchverleger Garret Evans lehnte sich in seinem Drehsessel zurück und nahm sich Zeit mit seiner Antwort. Er war an den Umgang mit Halbverrückten gewöhnt. Leute, die ihm angeblich todsichere BestsellerAutobiographien anzudrehen versuchten, traten oft mit exzentrischen Behauptungen auf.

„Okay“, seufzte er schließlich. „Ich sehe mir den Burschen an. Schicken Sie ihn herein, Miss Potter.“

Harvey Wilburn betrat das Privatbüro des Erfolgsverlegers mit der Gelassenheit eines Mannes, der sich unter Prominenten zu bewegen weiß. Er war hochgewachsen und schlank, nicht älter als vierzig und recht gut aussehend. Ihn umgab das Flair eines Mannes, der auf Rennplätzen ebenso zu Hause ist, wie im Sattel eines Polopferdes. Seine Aufmachung war von salopper Eleganz. Er hatte hellblaue Augen und ein gewinnendes Lächeln. Dem Menschenkenner Evans war damit nicht zu imponieren. Er spürte auf Anhieb, dass Wilburn seinen Aufstieg nicht einem reichen Elternhaus, sondern der eigenen Cleverness verdankte.

„Nehmen Sie Platz, mein Lieber“, sagte Evans. Er neigte dazu, seine Besucher mit altväterischer Jovialität zu behandeln, „Um welche Million geht es denn?“

„Sie machen sich über mich lustig“, stellte Wilburn fest und ließ sich in dem bequemen Besucherstuhl nieder. „Ich kann meine Memoiren auch anderen Firmen anbieten.“

„O ja, gewiss“, meinte Evans unbeeindruckt. „Es gibt viele Verlage, die so etwas drucken, aber wer sicher sein möchte, dass sie den Markt erobern, wendet sich an mich. Sie haben meiner Sekretärin gegenüber behauptet, ein Millionendieb zu sein. Davon gibt es in diesem schönen Land ein paar Dutzend. Erkannte und solche, die noch gesucht werden. Ist es erlaubt zu fragen, welcher Kategorie Sie angehören?“

Wilburn lächelte belustigt.

„Mir kann nichts passieren“, sagte er.

„Wie Sie selbst wissen, verjährt Diebstahl nach sieben Jahren – egal, ob fünfzig Cents oder eine Million Dollar gestohlen wurden.“

„Diebstahl ohne die sogenannten erschwerenden Umstände“, sagte Evans kopfnickend und legte einen Finger an die Lippen. „Lassen Sie mich nachdenken“, fuhr er fort. „Wenn ich mich richtig erinnere, war der größte Coup des Jahres 1972 der spektakuläre Exzon-Raub. Seine mysteriösen Begleitumstände haben bis zum heutigen Tag Artikel und Buchschreiber inspiriert. Es hat über Hintergründe und Ausführung des Verbrechens eine Menge skurriler, gewagter und auch gescheiter Spekulationen gegeben.“

Wilburns Lächeln vertiefte sich.

„Von mir“, erklärte er, „hört die Öffentlichkeit die Fakten. Im Übrigen muss ich Sie korrigieren. Es war kein Raub. Es war Diebstahl. Laut Polizeibericht verließen die Guards ihr Panzerfahrzeug vor dem Exzon-Building. Als sie zurückkehrten, war der Wagen immer noch ordnungsmäßig verschlossen - aber aus seinem Inneren fehlten mehr als achthundertfünfzigtausend Dollar.“ Wilburn lachte kurz. „Nicht ganz eine Million“, schränkte er ein. „Ich habe übertrieben. Die Polizei fand weder Spuren noch Zeugen.“

„Sie können das Ding nicht allein gedreht haben“, erklärte der Verleger.

„Das ist richtig, aber ich habe es geplant - perfekt geplant“, schloss Wilburn selbstgefällig.

Evans beulte mit der Zunge seine rechte Wange aus. Er war sehr ernst geworden. Sein gebräuntes, faltenreiches Gesicht mit den klaren, steingrauen Augen und dem dünnen, silbergrauen Haar gab jede Gemütsregung sehr intensiv wieder.

„Es gab in den letzten Jahrzehnten kaum einen Kriminalfall, der die Öffentlichkeit im gleichen Maße bewegte wie der sogenannte Exzon-Raub“, sagte er. „Selbst wenn es juristisch gesehen kein Raub war, sollten wir an dem Wort festhalten. Sie stehen hier nicht vor Gericht, sondern Sie erwägen die Herausgabe eines Buches. Raub klingt dramatischer und zugkräftiger als Diebstahl. Sind Sie bereit, die ganze Wahrheit zu enthüllen?“

Wilburns Mundwinkel zuckten spöttisch.

„Die ganze Wahrheit?“ Er lachte. „Die gibt nicht einmal der offenste Memoirenschreiber preis. Ihnen muss es genügen, dass ich imstande bin, eine brisante und spannende Geschichte zu liefern. Nein, keine Geschichte, sondern einen Tatsachenbericht.“

Wilburn zündete sich eine Zigarette an. Der Verleger sah interessiert zu.

Wilburn hatte schmale, feingliedrige Hände mit manikürten Nägeln. Dem intelligent anmutenden Gesicht war zu entnehmen, dass sein Besitzer allen Lebensfreuden zugetan war. Es zeigte aber auch, dass er diese Freuden in jüngerer Zeit als zunehmend fragwürdig empfand. Über dem Ausdruck liebenswürdiger Verschlagenheit lag ein Hauch von Resignation.

Evans versuchte sich vorzustellen, wie Harvey Wilburns Foto sich auf Plakaten und Bucheinbänden machen würde und kam zu dem Schluss, dass Wilburns Gesicht durchaus geeignet war, den Buchverkauf zu fördern.

„Sie werden mir vorab beweisen müssen, dass Sie kein erfindungsreicher Schwindler sind“, sagte Evans. „Ob Sie schreiben können oder nicht ist von untergeordneter Bedeutung. Wir beschäftigen ausgezeichnete Ghostwriter.“

„Ich kann schreiben“, versicherte Wilburn. „Und was die von Ihnen gewünschten Beweise angeht, so kann ich sie selbstverständlich liefern.“

Evans räusperte sich.

„Da ist noch ein Punkt, den wir nicht unerwähnt lassen sollten. Das Finanzamt. Selbst wenn das Verbrechen nicht mehr von den Gerichten gesühnt werden kann, hat der Staat immer noch die Chance, Sie zur Rechenschaft zu ziehen. Sie haben Ihre ,Einnahme‘ nicht versteuert.“

„Die Frist ist dabei, abzulaufen. Es ist klar, dass das Buch vorher nicht erscheinen darf.“

Evans lächelte.

„Sie sind ein Fuchs“, lobte er. „Der Raub hat Sie um achthundertfünfzigtausend Dollar reicher gemacht. Wenn Sie die Geschichte dieses Verbrechens vermarkten, können Sie unter Umständen ein vielfaches der gestohlenen Summe einnehmen.“

Wilburn erwiderte das Lächeln.

„Wenn dem nicht so wäre, säße ich nicht hier.“

Das Telefon klingelte. Evans griff stirnrunzelnd nach dem Hörer. Miss Potter hatte den Auftrag, keine Gespräche durchzustellen, wenn sich Besucher in seinem Privatoffice befanden.

„Was gibt’s?“, fragte Evans gereizt.

„Da war gerade ein Mann am Telefon, der seinen Namen nicht nennen wollte, Sir. Er hat ... er hat etwas zutiefst Schockierendes geäußert.“

„Ist er Ihnen zu nahe getreten?“

„Es ging nicht um mich, Sir.“

„Kommen Sie zur Sache!“, drängte Evans ungeduldig.

„Ich kann nur hoffen, dass es sich bei dem Ganzen um einen dummen Scherz handelt“, meinte die Sekretärin. „Wenn nicht, dann ...“ Miss Potters Stimme brach. Sie holte hörbar Luft und rang um Fassung.

„Sie sind keine Kaffeetante mit schwachen Nerven, sondern ein Mädchen, das mit beiden Beinen fest im Leben steht“, sagte Evans ärgerlich. „Was, zum Teufel, ist passiert?“

„Ich soll Mr. Wilburn eine Botschaft übermitteln, Sir“, sagte die Sekretärin.

„Okay, dann tun Sie es!“

„Es wäre mir lieber, wenn Sie das übernehmen würden. Es handelt sich nämlich um sein Todesurteil.“

Evans schluckte.

„Das ist starker Tobak“, sagte er.

„Das finde ich auch. Natürlich habe ich versucht, nachzuhaken. Ich wollte Einzelheiten erfragen, aber der Mann legte auf. Er sprach mit künstlich verfremdet klingender Stimme. Es hörte sich an, als hielt er sich etwas vor den Mund. Ein Tuch oder etwas Ähnliches.“

„Danke“, meinte Evans und legte den Hörer aus der Hand. Er blickte Wilburn an. Der hatte sich kaum merklich gestrafft. Ihm war offenbar klar geworden, dass das Gespräch sich um ihn gedreht hatte.

„Ein hübscher Trick“, meinte Evans ebenso mürrisch wie anerkennend.

„Was soll das heißen?“

„Das kann ich nur vermuten. Ihr Komplize hat meine Sekretärin angerufen. Sie haben dem Mann aufgetragen, das arme Mädchen zu erschrecken. Sie wollen damit den Eindruck erwecken, als sei Ihr Leben aufs Höchste gefährdet. Mir wäre es lieber, wenn wir ohne Mätzchen dieser Art zu einem für beide Teile befriedigendem Ergebnis gelangen könnten. Ein guter Mann und eine gute Geschichte brauchen keine Verkaufsförderung dieser Art.“

„Ich verstehe kein Wort“, sagte Wilburn.

„Ein Mann hat soeben angerufen und meine Sekretärin darum gebeten, Ihnen ein Todesurteil zu übermitteln. Ihr Todesurteil, um genau zu sein. Ich finde das ziemlich geschmacklos und absurd.“

In Wilburns Gesicht zuckte kein Muskel, aber der Ausdruck seiner Augen veränderte sich. Sie wurden hellwach und zeigten jähe, lauernde Spannung. Er stand auf.

„Sie hören von mir“, sagte er und wandte sich zum Gehen.

Evans begriff, dass seine Deutung des Anrufs falsch gewesen war. Er stand gleichfalls auf.

„Warten Sie doch!“, forderte er den Besucher auf. „Wir haben noch tausend Dinge zu besprechen.“

Wilburn befand sich auf dem Weg zur Tür. Er blieb stehen und wandte sich um, als er antwortete: „Ich melde mich bei Ihnen, sobald ich mich mit meinem Gegner arrangiert habe“, versprach er.

„Was haben Sie vor, um Himmels willen?“

„Keine Angst, ich bringe niemand um“, sagte Wilburn. „Wie ich über Gewalt denke, verrät Ihnen meine beim Exzon-Raub praktizierte Methode. Guten Tag, Sir.“

 

 

2

Harvey Wilburn grinste matt, als er das Vorzimmer passierte, und die angstvollen Blicke der aschfahlen Miss Potter auf sich gerichtet sah. Er durchquerte zwei weitere Büroräume, ehe er den Korridor erreichte und auf die Lifts zustrebte. Als er am Fahrstuhl stand, überzeugte er sich davon, dass ihm niemand aus Evans Büro gefolgt war.

Wilburn atmete auf, als er die Straße erreicht hatte. Evans Verlagsgebäude lag an der 5th Avenue, nur zwei Häuserblocks vom Plaza Hotel entfernt. Wilburn blickte auf seine Uhr. Es war kurz vor zwölf Uhr mittags. Er begab sich zum Plaza und ließ sich vom Headwaiter im Edwardian Room einen Tisch anweisen. Nach zwei Cocktails fühlte Wilburn sich besser, aber keinesfalls wohl. Er wusste, wie ernst die telefonische Drohung zu nehmen war.

Er orderte die Tagessuppe und eine mit Mandeln überbackene Forelle, die er ohne Beilagen verzehrte. Er hatte einen empfindsamen Magen und war darauf bedacht, ihn nicht übermäßig zu belasten.

Nach dem Mokka begab er sich zur 56ten Straße, dort hatte er seinen Wagen auf einem bewachten Parkplatz abgestellt, der sich unmittelbar hinter dem Ziegfeld Theater befand. Er kannte den Mann im Kassenhäuschen und wechselte ein paar Worte mit ihm.

„Heute Morgen haben sie hinten auf unserem Platz einen Toten gefunden, Sir“, verriet der Kassierer.

Wilburn schüttelte den Kopf.

„Das ist schlimm“, sagte er. „Mord?“

„Ich habe keine Ahnung. Der Junge sah aus wie ein Fixer. Vielleicht hat er sich 'ne Überdosis gespritzt.“

„Haben Sie ihn gefunden?“

„Nein, ein Kunde, der zu unseren Dauerparkern gehört. Er hat das Field 11.“

Wilburn entrichtete seine Parkgebühren und legte zwei Dollar hinzu.

„Haben Sie auf meinen Wagen geachtet?“, wollte er wissen.

„Aber ja, Sir“, versicherte der Kassierer. „Wie Sie sehen, steht er in meinem Blickfeld. Es war niemand dran.“

„Danke“, sagte Wilburn und strebte auf seinen Chevy zu. Der Wagen gehörte seiner Frau, wurde aber hauptsächlich von ihm benutzt. Ehe Wilburn den Schlag öffnete, überzeugte er sich davon, dass keine verdächtigen Drähte zu sehen waren. Er setzte sich hinter das Lenkrad und ließ den Zündschlüssel einrasten.

Er zögerte eine Sekunde, bevor er sich entschloss, den Zündschlüssel herumzudrehen. Er kannte dieses kurze, quälende Angstgefühl, dem der Moment der Befreiung zu folgen pflegte, das Lachen und Kopfschütteln über die immer währende Furcht vor einem tödlichen Anschlag.

Wilburn startete die Maschine. Sie war sofort da und blubberte sanft im Leerlauf. Wilburn stieß die Luft aus. Er merkte, dass Schweißperlen auf seiner Stirn standen und wischte sie mit dem Jackenärmel ab. Er fuhr los. Der Kassierer ließ die rotweiß markierte Schranke hochgehen.

Das war das Letzte, was Wilburn von dieser Welt sah.

Eine krachende Explosion riss ihn und den Wagen buchstäblich in Stücke.

Die Druckwelle der Detonation fegte das Dach von der Kassiererbox und zertrümmerte die Scheiben. Die hoch aufragenden Häuserwände, die den Parkplatz säumten, sorgten für ein donnerndes Echo der Explosion.

Der Kassierer fand sich auf dem Boden wieder. Er fand sekundenlang nicht den Mut, aufzustehen und aus den Fensterhöhlungen zu blicken. Als er es schließlich doch riskierte, sah er, dass seinem Kunden nicht mehr zu helfen war.

 

 

3

Bount Reiniger blickte an der verschnörkelten Hausfassade empor und bewunderte deren vergoldete Ornamente. Sie waren im Jugendstil gehalten und hoben sich kontrastreich von dem schwarzen, gußeisernen Untergrund ab. Der effektvoll einbezogene Name Evans bewies, dass der Verlag schon seit fast einem Jahrhundert existierte, und bereits vor dem ersten Weltkrieg zu den renommierten Häusern seiner Branche gezählt hatte.

Der Fahrstuhl mit seiner Palisandertäfelung atmete den gleichen noblen Charakter. Bount, dessen Office in einem sehr viel prosaischer gehaltenem Gebäude lag, liebte diese Relikte aus längst vergangenen Tagen. Sie gaben der in Glas und Beton ausufernden City eine gewisse Atmosphäre, sie sorgten für belebende und nostalgische Akzente.

Wenige Minuten später saß Bount dem Mann gegenüber, der ihn zu sich gebeten hatte. Garret Evans kam sofort zur Sache.

„Ich nehme an, Sie haben davon gehört, dass gestern in der 56ten Straße, unweit von hier, ein Wagen mitsamt Insasse explodierte. Trauen Sie sich zu, herauszufinden, wer die Tat begangen oder befohlen hat?“

Bount lächelte.

„Ich bin mit meiner Erfolgsquote zufrieden, aber ich arbeite nun mal in einer Branche, die keine Garantien gibt.“

Evans nickte ungeduldig.

„Sie sind mir empfohlen worden. Ich brauche einen Spitzendetektiv. Beweisen Sie mir, dass Sie einer sind. Der Mann, der auf so hinterhältige Weise ermordet wurde, saß eine Stunde vor seinem Ende in diesem Büro vor mir. Er offerierte mir seine Memoiren.“

Bount sah erstaunt aus.

„Wenn es stimmt, was die Zeitungen schreiben, gehörte Harvey Wilburn in keiner Weise zur Prominenz. Ich war bislang der Auffassung, dass Sie sich nur für die Memoiren sehr bekannter Leute interessieren.“

Evans zuckte mit den Schultern.

„Das Buch würde Wilburn mit einem Schlag berühmt gemacht haben“, sagte er. „Der Bursche hat den Exzon-Raub geplant und durchgeführt. Das jedenfalls hat er mir gegenüber glaubhaft versichert.“

„Wo ist das Manuskript?“

„Betrüblicherweise existierte es nur in seinem Kopf. Es sollte erst noch geschrieben werden.“

„Ich beginne zu verstehen. Seine Komplizen waren damit nicht einverstanden.“

„Der Mord an Wilburn lässt kaum einen anderen Schluss zu“, meinte Evans. „Nehmen Sie sich der Sache an! Das ist eine brandheiße Story. Ich möchte sie bringen. In Buchform, versteht sich. Besorgen Sie mir das notwendige Material! Wilburn hat eingeräumt, dass er das Ding nicht allein gedreht hat. Spüren Sie seine Freunde auf, seine Komplizen. Ich brauche alle Einzelheiten. Offen gestanden geht es mir keineswegs darum, den armen Wilburn zu rächen. Er war mir zwar nicht unsympathisch, aber er muss sein Risiko gekannt haben.“

„Warum warten Sie nicht einfach ab, was die Polizei ermittelt? Das ist für Sie der schnellste, billigste und sicherste Weg. die gewünschten Informationen zu erhalten“, meinte Bount.

„Die Polizei wird nichts herausbekommen, absolut gar nichts“, meinte Evans. „Wie sollte sie auch? Sie hat keine Ahnung, wer sich hinter Harvey Wilburn verbarg.“

„Ihr kann es nicht gleichgültig sein, wenn ein Bürger dieser Stadt auf einem City-Parkplatz in die Luft gepustet wird“, sagte Bount.

„Ich kenne die Bullen. Die sind völlig überlastet und werden nach ein paar Routinefragen rasch aufstecken. Für die war das Ganze vermutlich ein Versehen. Oder ein Racheakt. Sie werden ein bisschen in der Affäre herumstochern, ohne zu wissen, worum es geht.“

„Dem können Sie abhelfen, indem Sie der Polizei Ihr Wissen zur Verfügung stellen.“

„Ich bin doch nicht verrückt. Sie und ich werden den Fall auf unsere Weise klären. Ich bin nicht bereit, unseren Vorsprung an die Polizei abzugeben. Ich will die Story ganz exklusiv für mich haben. Das dürfte auch Wilburns Intentionen entsprechen. Er wäre sonst kaum zu mir gekommen.“

„Soviel mir aus dem Polizeifunk bekannt ist, war Wilburn verheiratet. Weiß seine Frau, dass er das Exzon-Ding geplant und gedreht hat?“

„Keine Ahnung. Wir haben nicht darüber gesprochen“, sagte Evans schulterzuckend. „Ich überlasse es Ihrem Geschick und Ihrer Intuition, die Verhandlungen mit der Witwe zu führen. Mir ist klar, dass Sie einen Vorwand brauchen, um sich an die Frau heranzumachen. Erzählen Sie ihr einfach, dass Sie den Fall als Versicherungsdetektiv bearbeiten!“

Eine Stunde später saß Bount seinem Freund Toby Rogers im Police Headquarters gegenüber. Captain Rogers leitete das Morddezernat. Rogers' nervenaufreibende, strapaziöse Tätigkeit hatte es bislang nicht geschafft, seinen beachtlichen Bauch zu reduzieren. Der Captain aß viel, gern und gut. Zuweilen behauptete er, nur aus Kummer und Wut zum Gourmet geworden zu sein, wohl auch, um zu vergessen, was diese Stadt an Brutalität und Gemeinheiten hervorbrachte. Bount sah in diesen Erklärungen aber nur Schutzbehauptungen, für ihn war der Captain ein Mann, der es gelernt hatte, das Berufliche scharf vom privaten Vergnügen zu trennen.

„Wilburn?“, brummte Rogers. „Ja, der Fall liegt in meinen Händen. Was interessiert dich daran?“

„Alles“, erwiderte Bount.

„Wer ist dein Klient?“

„Evans, der Verleger. Wilburn hat ihm ein Manuskript angeboten“, sagte Bount.

„Ein Manuskript?“, murmelte Rogers und bekam kleine, aber sehr interessiert wirkende Augen. „Wilburn war kein Schriftsteller. Er hat von der Hand in den Mund gelebt.“

„Vielleicht hat er versucht, darüber ein Buch zu schreiben“, meinte Bount.

„Der Mann war vorbestraft. Ein kleiner Ganove, wie ich glaube. Vielleicht auch ein großer. So genau weiß ich das noch nicht”, meinte Rogers, der nicht aufhörte, Bount lauernd anzusehen. „Du weißt mehr, als du ausspuckst“, fuhr er fort. „Warum interessiert sich ein Mann wie Evans für Wilburn?“

„Evans war einer der Letzten, der mit Wilburn gesprochen hat“, sagte Bount. „Das ist ihm wohl unter die Haut gegangen.“

„Veröffentlicht Evans nicht vornehmlich Skandal-Memoiren?“, fragte der Captain.

„Kann schon sein. So genau weiß ich das nicht. Warum fragst du?“

„Ich will herauskriegen, wer Wilburn ins Jenseits geblasen hat. Als ich hörte, dass Wilburn den Wagen seiner Frau benutzte, dachte ich, der Anschlag könnte ihr gegolten haben. Aber seitdem ich sie kenne, bin ich von dieser Theorie abgewichen. Sie ist bieder. Hübsch, aber nicht aufregend. Sie ist einfach nicht der Typ, der Bombenleger zum Handeln animiert. Ich suche ein Motiv, Bount. Evans könnte es mir liefern. Ich muss mit dem Burschen sprechen.“

„Niemand hindert dich daran. Kann ich Harvey Wilburns Adresse haben, bitte?“

„Greenwich Village, Jane Street 89. Das Haus gehört den Wilburns. Soviel ich weiß, hat die Frau es mit in die Ehe gebracht“, erwiderte Rogers.

Das Haus war, wie Bount fünfzig Minuten später feststellte, ein recht hübsches Gebäude, schmal und einstöckig, ziegelrot gestrichen und im Stil der nachkolonialen Zeit gebaut. Mit schmalen, hohen Fenstern und einer Treppe, die zum Eingang hochführte. Der Vorgarten war winzig und gepflegt.

Bount betätigte den messingnen Klopfer und wartete. Die blonde junge Frau, die ihm öffnete, hatte verweinte Augen. Auf den ersten Blick wirkte sie ziemlich nichtssagend, aber beim genaueren Hinsehen zeigte ihr Gesicht durchaus positive Seiten. Die lang bewimperten Augen waren blau und ausdrucksvoll, und die schwellenden Lippen hatten eine starke, sinnliche Ausstrahlung. Die junge Frau trug einen schwarzen Rock und eine weiße Bluse. Ihre Füße steckten in hochhackigen Pumps.

„Ich bin Bount Reiniger, Privatdetektiv. Ich habe ein paar Fragen, die den Tod Ihres Mannes betreffen.“ Er reichte der jungen Frau die Hand. „Mein Beileid. Darf ich eintreten?“

„Tut mir leid, Sir, aber das ist im Augenblick nicht zu machen. Ich habe Besuch.“

„Darf ich später noch einmal vorbeikommen?“

Die junge Frau zögerte mit der Antwort.

„Ich fühle mich ziemlich miserabel“, sagte sie. „Ist es denn so eilig?“

„Es muss erledigt werden.“

„Gut, kommen Sie in einer Stunde nochmals vorbei“, meinte sie und schloss die Tür.

Bount machte kehrt und überlegte, womit er eine Stunde lang die Zeit totschlagen könnte. Ihm fiel ein gutes japanisches Lokal ein, das sich ganz in der Nähe befand und für seine rohen Fischspeisen berühmt war. Aber schon im nächsten Augenblick entdeckte er sein Interesse für das schmale Alley, das zwischen dem Wilburnschen Haus und dem Nachbargebäude lag. Es erfüllte vor allem Feuerschutzbestimmungen, aber Bount bot es die Möglichkeit, ein bisschen mehr über die Umgebung und Mrs. Wilburns Besucher zu erfahren.

Er betrat das Alley. Der kleine Hinterhof, der zu dem Wilburnschen Haus gehörte, war durch einen aus dicken Holzbohlen gefertigten Zaun abgesichert. In dem Zaun befand sich eine Tür. Sie war verschlossen.

Der Zaun war hoch, aber nicht unbezwingbar. Bount zögerte dennoch, hinüberzuklettern, denn er konnte leicht von den Fenstern der Häuser aus beobachtet werden, deren Rückfronten an die Hinterhöfe der Jane Street grenzten. Während er noch überlegte, wie er sich verhalten sollte, hörte er den Schrei.

Er kam aus dem Wilburnschen Haus.

 

 

4

Bount sprang den Zaun an, umspannte mit seinen Händen die Oberkante, zog sich kraftvoll und routiniert daran hoch und schwang sich über die Bohlenenden. Mit federnden Knien landete er auf der Innenseite des kleinen Hofes.

Eine eiserne Treppe führte hoch zur Küchentür. Eine zweite Treppe verband den Hof mit dem Keller. Beide Türen waren mit soliden Eisenstäben ausgerüstet. Auch die Fenster des Erdgeschosses waren auf diese Weise gegen eventuelle Einbruchsversuche abgeschottet.

Bount hastete die Treppe hinauf und erfasste ohne große Hoffnungen die Türklinke. Zu seiner Überraschung war die Tür unverschlossen. Er betrat ein kleines Zimmer, das dunkelbraun gestrichene Wände hatte. Die wenigen Möbel, die darin standen, waren ultramodern. Ein Schreibtisch mit Schreibmaschine und Arbeitslampe machte klar, dass der Hausherr vorgehabt hatte, hier seine Memoiren zu schreiben.

Bount lauschte.

Im Haus war es jetzt totenstill.

Bount pirschte sich auf Zehenspitzen an die Tür. Er riss sie auf. Vor ihm lag das Wohnzimmer. In seiner Mitte stand ein Mann. Er wirbelte auf den Absätzen herum, als er hörte, dass sich hinter ihm etwas tat.

Der Mann war schätzungsweise fünfunddreißig. Er war mittelgroß und leicht untersetzt. Sein rundes, glattrasiertes Gesicht war kaum dazu angetan, Sympathien zu erwecken. Es hatte kleine, weit auseinanderstehende Augen von dunkler Tönung, einen schiefen Mund und ein Kinn, das so aussah, als könnte es eine Menge verkraften.

Hinter dem Mann lag Mrs. Wilburn auf dem blassgrünen, weichen Teppichvelours. Ihr Gesicht war nicht zu sehen, es war in einen angewinkelten Ellenbogen gedrückt.

Mrs. Wilburn rührte sich nicht. Es lag auf der Hand, dass sie nicht freiwillig zu Boden gegangen war. Der Mann, der in der Zimmermitte stand, hatte Mühe, seine Überraschung zu verkraften. Er hatte keine Ahnung, wer durch die Hintertür hereingekommen war. Er stellte keine Fragen, er griff einfach an.

Bount antwortete mit einem Sidestep. Er riss die Rechte hoch. Sie explodierte auf dem kräftigen Kinn des Mannes, hinterließ jedoch keine Wirkung.

Der Mann attackierte Bount mit beiden Fäusten. Er schlug rasch und unorthodox.

Bount konterte, ohne die Deckung zu vernachlässigen. Der Fight hatte etwas Unwirkliches, er lief zunächst ab wie ein Stummfilm, aber schon bald wurde das Atmen der Männer lauter. Die Schläge kamen härter, dumpfer und präziser, der Kampf strebte seinem Höhepunkt zu.

Bount hatte rasch begriffen, dass er einem Profi gegenüberstand, der das Boxhandwerk beherrschte. Wie die meisten Profis hielt der Mann sich nicht an die Regeln. Er war darauf aus, zu gewinnen. Um dieses Ziel zu erreichen, war ihm jedes Mittel recht, Leberhaken und Tiefschläge inbegriffen.

Bount hatte nicht die Absicht, sich auszählen zu lassen. Er steckte ein paar Brocken ein, die nur schwer verdaubar waren, dann sah er eine Lücke in der Deckung seines Gegners und schoss die Linke ab. Sie traf genau den Punkt. Der Mann kippte um. Er fiel quer über die am Boden liegende junge Frau und machte nicht den Eindruck. als habe er vor, an dieser Position etwas zu ändern.

Bount zerrte den Mann von der Witwe herunter, klopfte ihn nach Waffen ab und nahm, als er keine fand, seinem Widersacher die Brieftasche ab. Der Führerschein, der sich darin befand, lautete auf den Namen Merlin Warren. Warnen war jünger, als er aussah. Er war vor zwei Wochen 29 geworden.

Bount prägte sich die Daten ein, dann zählte er die Banknoten, die sich im Geldfach der Tasche befanden. Er kam auf stattliche vierhundertvierzig Dollar. Bount schob die Brieftasche mitsamt Inhalt zurück an ihren Platz und blickte sich in dem Zimmer um.

Es war geschmackvoll und gutbürgerlich möbliert. Nirgendwo gab es Hinweise darauf, dass Harvey Wilburn seine Beute aus dem Exzon-Raub in spektakuläre Anschaffungen gesteckt hatte. Die Einrichtung enthielt kein Stück von erkennbar hohem Wert.

Bount beugte sich über die Frau. Er drehte sie behutsam auf die Seite. Mrs. Wilburn seufzte leise. Ihre Augenlider bebten, aber sie öffneten sich nicht. Bount überzeugte sich davon, dass sie nicht ernsthaft verletzt war, dann ließ er sich in einen Sessel fallen und wartete.

Die junge Frau kam Sekunden später zu sich. Sie richtete den Oberkörper auf, sah blinzelnd um sich und erschrak, als sie Bount in dem Sessel sitzen sah.

„Wie kommen Sie in mein Haus?“, murmelte sie.

„Durch die Hintertür“, erwiderte er und wies mit seinem Daumen über die Schulter. „Ich hörte Ihren Schrei und hielt es für eine gute Idee, Ihnen unter die Arme zu greifen.“

Er erhob sich und half der Witwe auf die Beine. Sie sah erst jetzt den Mann am Boden liegen, zuckte zusammen und stieß ein unterdrücktes „Mein Gott!“ aus.

„Kennen Sie ihn?“, fragte Bount.

„Ob ich ihn kenne? Er ist mein Bruder!“, antwortete die junge Frau erregt.

 

 

5

Bount ließ Mrs. Wilburn los. Es war offenkundig, dass sie sich aus eigener Kraft aufrecht halten konnte. Sie starrte immer noch auf den Mann am Boden.

„Er hat Sie bewusstlos geschlagen“, stellte Bount fest.

Mrs. Wilburn setzte sich. Sie strich sich ein paar blonde Strähnen aus der Stirn und murmelte: „Er ist so schrecklich spontan. Ihm ist die Hand ausgerutscht. Er hat mich unglücklich getroffen.“

„Worum ging es denn?“, wollte Bount wissen.

„Das braucht Sie nicht zu interessieren. Es ist allein unsere Sache“, machte die junge Frau ihm klar. Sie griff nach einem Zigarettenpäckchen. Ihre Hände zitterten stark. Bount gab ihr Feuer. „Was haben Sie bloß mit ihm gemacht?“, flüsterte die Frau. „Das wird er Ihnen niemals verzeihen. Merlin kann nicht verlieren. Das ist seine schlimmste Schwäche.“

„Er scheint noch Schlimmere zu kennen. Sie haben verweinte Augen. Trotzdem hat er Sie geschlagen. Ich finde das nicht sehr brüderlich.“

„Ich muss mich wieder erholen. Merlin hat das nicht gewollt. Er wird sich dafür bei mir entschuldigen.“

„Na, großartig“, spottete Bount und setzte sich. „Und damit wird alles wieder in Butter sein?“

Mrs. Wilburn inhalierte tief, blickte Bount in die Augen und fragte: „Was wollen Sie eigentlich von mir? Sie führen sich auf wie ein Polizist. Ich kann nicht behaupten, dass mir das gefällt. Sie hatten kein Recht, hier einzudringen!“

„Ihr Mann wurde das Opfer eines Mordanschlages“, sagte Bount scharf. „Wie hätte ich mich denn wohl verhalten sollen, als ich Ihren Schrei hörte? Er klang nicht gerade wie eine Demonstration der Freude.“

„Entschuldigen Sie bitte, aber ich bin mit meinen Nerven völlig am Ende“, sagte die junge Frau.

„Ich bin Privatdetektiv und arbeite unter anderem für ein paar Versicherungen“, sagte Bount. „Sie werden, wie ich wohl zu Recht vermute, die Lebensversicherung Ihres Mannes abrufen und eine Menge Geld kassieren. Die Gesellschaft wird sich verständlicherweise an demjenigen schadlos halten wollen, der das Ende Ihres Mannes verschuldete. Es ist meine Aufgabe, ihr in diesem Bemühen behilflich zu sein. Deshalb bin ich hier.“

„Harveys Lebensversicherung ist keineswegs überhöht“, sagte die junge Frau. „Mit zweihunderttausend Dollar entspricht sie einem Normalabschluss.“

„Mehr haben Sie nicht zu erwarten?“, wunderte sich Bount.

„Keinen Cent.“

„Besitzen Sie Eigenvermögen?“

„Ein paar hundert Dollar auf dem Sparbuch - sonst nichts“, antwortete Mrs. Wilburn. „Harvey war kein Großverdiener. Er nahm manchmal viel ein, aber er gab es auch wieder aus. Ach ja, das Haus gehört mir, aber ich beabsichtigte nicht, es zu verkaufen. Ich bin darin aufgewachsen. Zusammen mit Merlin.“

Bount fischte sich ein Päckchen Pall Mall aus der Tasche und schob sich eine Zigarette zwischen die Lippen.

„Was hat Ihr Bruder denn geerbt?“, fragte er, zündete sich die Zigarette an und inhalierte genussvoll.

„Ein Grundstück. Es hat den gleichen Wert wie dieses Haus“, erwiderte Mrs. Wilburn.

Warren begann zu brummen. Er stemmte die Lider hoch, dann setzte er sich auf und schüttelte leicht benommen den Kopf. Er massierte sich das Kinn. Mrs. Wilburn sah ängstlich aus. Sie schien weiteren Ärger zu befürchten. Warren kam auf die Beine. Er schwankte leicht.

„Du verdammte Laus“, ging er Bount an. „Dich mache ich fertig.“

„Merlin!“, schrillte Mrs. Wilburn.

„Du hältst dich raus“, giftete er. „Was ist das überhaupt für'n Kerl? Er ist über den Hof gekommen, wie'n alter Hausfreund. Hast du was mit ihm?“

„Er ist Detektiv, Merlin.“

Details

Seiten
111
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738953930
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (Mai)
Schlagworte
buch mörder york detectives

Autor

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Titel: Ein Buch für Mörder: N.Y.D. – New York Detectives