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Judas-Lohn in Blei bezahlt: Berlin 1968 Kriminalroman – Band 1

2021 179 Seiten

Zusammenfassung

von Tomos Forrest
(nach Motiven von Guy Brant)

Der Umfang dieses Buchs entspricht 179 Taschenbuchseiten.

Ein gescheiterter Einbruchsversuch mit einem Toten ruft nicht nur die Polizei auf den Plan, sondern auch das BKA. Schließlich geht es bei Romann Electronics um den Hersteller von Elektronikteilen für Kampfflugzeuge der NATO. Bernd Schuster, Privatdetektiv, wird von der Firmenleitung beauftragt, herauszufinden, von wem die Einbrecher so detaillierte Kenntnisse des Gebäudes erhielten. Schon bald überstürzen sich die Ereignisse für Schuster, den zudem noch die Sorge um seine 17jährige Tochter Lucy beschäftigt. Sie ist begeisterte Mitläuferin bei den Anti-Vietnam-Demonstrationen und marschiert gern in vorderster Reihe mit…

Leseprobe

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Judas-Lohn in Blei bezahlt

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Berlin 1968 – Band 1

Kriminalroman von Tomos Forrest

Der Umfang dieses Buchs entspricht 179 Taschenbuchseiten.

Ein gescheiterter Einbruchsversuch mit einem Toten ruft nicht nur die Polizei auf den Plan, sondern auch das BKA. Schließlich geht es bei Romann Electronics um den Hersteller von Elektronikteilen für Kampfflugzeuge der NATO. Bernd Schuster, Privatdetektiv, wird von der Firmenleitung beauftragt, herauszufinden, von wem die Einbrecher so detaillierte Kenntnisse des Gebäudes erhielten. Schon bald überstürzen sich die Ereignisse für Schuster, den zudem noch die Sorge um seine 17jährige Tochter Lucy beschäftigt. Sie ist begeisterte Mitläuferin bei den Anti-Vietnam-Demonstrationen und marschiert gern in vorderster Reihe mit...

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Copyright

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Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

Cover: Nach Motiven und Grischa Georgiew 123rf – Steve Mayer, 2021

Titel/Charaktere/Treatment © by Marten Munsonius & Thomas Ostwald, 2021

Roman – Nach Motiven – by Tomos Forrest, 2021

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1.

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Wieder einmal warf Bernd Schuster einen unruhigen Blick auf seine Armbanduhr, während er in seinem Büro mit schnellen Schritten hin und her lief. Jetzt fiel sein Blick auf einen weißen, breitrandigen Sommerhut, unter dem die langen, blonden Locken hervorquollen. Vom Gesicht war nicht sehr viel zu erkennen, denn die große Sonnenbrille verdeckte es weitgehend.

Aber die geblümte Bluse, einfach nur unter der Brust zusammengebunden, und das extrem kurze, dunkelblaue Miniröckchen, aus dem die langen, braun gebrannten Beine ragten, dazu die modischen Holzclocks – das war zweifelsohne seine Tochter Lucy, der er unter Tausenden sofort erkannt hätte. Auch, wenn diese Tausend alle ähnlich gekleidet waren wie Lucy. Seine Lucy!

Fast wurde er schon wieder weich, aber dann riss er sich zusammen.

Es ging nicht an, dass sie schon wieder unpünktlich war.

Erst, als er sie über die Straße kommen sah, bemerkte er die Einkaufstüten in ihrer rechten Hand.

‚Natürlich! Einkaufsbummel, und wahrscheinlich gleich nach der großen Demonstration gegen den Krieg in Vietnam, die seit dem Februar in ungeahnter Größe unsere Stadt lahmlegen. Meine Güte, ich darf gar nicht darüber nachdenken! 12.000 waren es bei der Februar-Demo, inzwischen finden alle paar Tage neue Demonstrationszüge statt, werden von der Polizei häufig genug mit Gewalt auseinandergetrieben. Und meine Lucy immer in den vordersten Reihen. Klar, wir müssen demonstrieren, damit die Amis den Krieg in Vietnam beenden. Und meine Tochter marschiert vorweg! Aber das hört jetzt auf, mein Schätzchen! Als dein Erziehungsberechtigter...‘

Seine Gedankengänge wurden unterbrochen, als Lucy die Ladentür aufriss und die damit verbundene Glocke anschlug. Schuster hatte sein Büro in der Kurfürstenstraße in einer Ladenzeile eröffnet. Hier war früher ein Laden mit Modellbausätzen gewesen, Bastelpackungen nannte er diese bei den Kindern und Jugendlichen so beliebten Kartons. Aber die Konkurrenz war wohl zu groß, und dieser Teil der Kurfürstenstraße gehörte nicht zu den stark frequentierten Fußgänger Bereichen, auch wenn am Ende des Häuserblocks Bauhaus eröffnet hatte und es deshalb auch ein Parkhaus gab.

Es war eine glückliche Fügung, als er das Schild im Schaufenster entdeckte, dass den Ausverkauf wegen Geschäftsaufgabe ankündigte. Bernd Schuster wurde mit dem Vermieter schnell handelseinig, denn er hatte schon vor Jahren, nach der Trennung von seiner Frau, hier im vierzehnten Stock eine Drei-Zimmer-Wohnung mit Lucy bezogen.

Lucy!

Da stand sie vor ihm, nahm die Sonnenbrille ab und schenkte ihm ihr bezauberndstes Lächeln. Aber so leicht machte es ihr Bernd nicht.

Demonstrativ drehte er sein Handgelenk zu ihr und deutete auf die Armbanduhr.

„Ich weiß, Daddy!“, sagte die Siebzehnjährige lächelnd, nahm auch den großen Hut ab und ging zu dem Kühlschrank hinüber, der direkt hinter seinem Schreibtisch stand.

„Nicht schon wieder eine Cola!“, rief er rasch aus, als sie schon mit einer dreieckigen Verpackung in der Hand zurückkehrte, den Strohhalm durch die dafür vorgesehene Öffnung stieß und sog daran.

„Na gut, gegen Sunkist ist nichts zu sagen. Aber trotzdem muss ich...“

Lucy hatte sich erhoben, griff die KaDeWe-Tüte und öffnete sie.

„Ja, ich weiß, Daddy, dass ich um vier Uhr zurück sein sollte. Aber der Demozug ging nun mal bis fast vor die Haustür, und da nutzte ich rasch die Gelegenheit und bin ins Kallewuppdich, Daddy. Und ehe du etwas sagst, probiere doch bitte mal das neue Jackett über. Du kannst es sonst zurückgeben.“

Verblüfft schwieg Bernd Schuster, denn er hatte mit allem gerechnet – nicht aber damit, dass seine Tochter ein Jackett für ihn kaufte. Rasch zog er es über und prüfte den Sitz.

„Einwandfrei, und das Ding gefällt mir auch. Aber wieso hast du für mich Geld ausgegeben? Ich wollte doch sowieso demnächst...“

Ein lautes Lachen seiner Tochter unterbrach ihn.

„Ach Papa, redest du nicht schon seit letztem Weihnachten davon? Es war ein Sonderangebot, 68,—DMchen, die ich gern bar von dir hätte.“

„Was? Wieso – ja, natürlich!“

Schuster war verwirrt, ging aber zum Schreibtisch und nahm aus der Schublade einen Fünfziger und einen Zwanziger, die er seiner Tochter in die Hand drückte.

„Danke, der Rest ist für ein Eis!“

„Ui, so viel, Daddy, du bist ja heute großzügig wie Onkel Dagobert! Zwei ganze Mark, da kann ich ja gleich die Klasse noch ins Kino einladen!“

„Soweit kommt’s noch, und jetzt zurück zu unserer Abmachung...“

„Daddy – um einen genauen Zeitplan aufzuführen: Demo-Ende war drei Uhr und ein paar Zerquetschte. Dann ins KaDeWe, Herrenabteilung, suchen, bezahlen, nach Hause laufen. Reicht das als Entschuldigung?“

Bernd musste schlucken. Sein Groll war vollkommen verflogen. Mehr noch, er fühlte sich fast schon schuldig, dass er sich nicht ausreichend bedankt hatte. Das konnte er nur noch wieder gutmachen, indem er das Jackett sofort anzog und seine Tochter an die Hand nahm.

„Danke, das war wirklich toll von dir. Und jetzt schließe ich den Laden ab, und wir gehen um die Ecke zum Griechen, in Ordnung?“

„Ui – Onkel Dagobert hat doch die Spendierhosen an! Einverstanden, aber heute ist mir mehr nach dem Spanier gegenüber. Dann los, ich habe schon Kohldampf!“

Sie hatten mehrere Lokale in unmittelbarer Umgebung.

Bernd Schuster ging sehr gern zu dem Griechen an der Ecke, aber die Paella beim Spanier gegenüber war auch in Ordnung. Einen Moment lang dachte er an die gut aussehende Bedienung, als er die Ladentüre abschloss.

Sein Blick fiel auf sein Spiegelbild.

‚Vielleicht sollte ich mal wieder zum Frisör. Meine Haare reichen schon über den Kragenrand, und auch der Bart könnte mal wieder gestutzt werden. Aber wenn Lucy dazu nichts sagt...‘

„Ach, übrigens Daddy – du könntest ruhig mal wieder deinen Bart etwas stutzen lassen. Oder willst du mit deiner Schlaghose, der neuen Cordjacke und deinem todschicken Nyltesthemd jetzt auf Hippie machen?“

„Und warum nicht? Schließlich laufen eine Menge Leute in meinem Alter mit noch längeren Haaren und Bärten herum!“, antwortete er gut gelaunt.

„Und sehen dabei aus wie unsere spießigen Lehrer!“, lachte Lucy. „Denk ruhig darüber nach Daddy, was es an der Uni heißt: Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren! Das fegt man nicht einfach mit Schlaghose und Plateausohlen weg, weißt du!“

„Frechdachs!“, rief er lachend, zog Lucy zu sich heran und drückte sie. „Ich glaube nicht, dass du dich über einen spießigen, alten Vater ärgern musst, oder?“

„Nein, schon gar nicht, wenn du bereits zum Frühstück Magical Mystery Tours rauf und runter dudelst!“

Bernd lachte fröhlich.

„Der Film läuft übrigens schon die dritte Woche. Wollen wir ihn uns nicht endlich gemeinsam ansehen?“

Lucy zog einen Schmollmund und drehte sich vor dem Restaurant um.

„Ach Daddy, eigentlich wollte ich doch mit Ekki ins Kino gehen!“

Das versetzte ihm zwar einen leichten Stich, aber er ließ sich deshalb seine Laune nicht verderben.

„Mit Ekki. Das ist doch der Typ mit der Kreidler Florett, oder?“

Täuschte er sich oder war da ein leichter, rötlicher Hauch auf ihren Wangen?

Jedenfalls drehte sich Lucy rasch zur Seite und rief zurück: „Ja, weißt du doch. Nun komm, der Duft hier macht mich hungrig wie einen Wolf!“

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2.

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Wilhelm Frantzen gähnte und blätterte die Zeitungsseite mit den Sportergebnissen um. Die Leistungen der Bundesliga wurden immer schlechter. Er schraubte eine Thermosflasche auf und genehmigte sich eine weitere Tasse Kaffee. Der Wachdienst im Kontrollraum war doch eine verflucht langweilige Angelegenheit.

Von Zeit zu Zeit warf er einen Blick auf die Doppelreihe der Fernsehmonitore, die verschiedene Ausschnitte des Werksgeländes zeigten. Alles war ruhig. Es war kurz nach Mitternacht.

Bis zum nächsten Kontrollgang hatte er noch Zeit. Die Ziffern der Uhr an der Stirnseite des Kontrollraumes waren noch nicht weit genug vorgerückt.

Frantzen legte die Beine auf den Tisch und verschob den breiten Gürtel mit dem Pistolenhalfter, bis er bequemer saß. Er schob hier schon eine ruhige Kugel. Aber mit seinen sechzig Jahren war es genau das richtige für ihn. Er wunderte sich zwar über die umfangreichen Sicherheitsvorkehrungen, die man bei Romann Electronics getroffen hatte, aber er interessierte sich nicht weiter dafür. Frantzen hatte keine Ahnung, was bei Romann Electronics eigentlich produziert wurde.

Eine winzige Bewegung erregte plötzlich seine Aufmerksamkeit. Er drehte seinen Rollstuhl herum und schob sich vor die Monitore. Er hatte sich bestimmt getäuscht, aber sicher war sicher.

Mit der rechten Hand betätigte er den Knopf, mit dem sich die betreffende Kamera schwenken ließ. Das Bild begann über den Schirm zu wandern.

Frantzen gab einen erschrockenen Laut von sich und hielt die Kamera an. Es gab keinen Zweifel. Die Gestalt im dunklen Overall kniete vor der Panzertür der Konstruktionsabteilung und machte sich am Schloss zu schaffen. Selbst Frantzen wusste, dass die Geheimnisse hinter dieser Tür ganz besonders zu schützen waren. Das hatte ihm der Leiter der Werkschutzabteilung oft genug eingeschärft.

Seine Hand schwebte schon über dem zentralen Alarmknopf, aber dann überlegte er es sich anders. Er würde die Konstruktionsabteilung in zwei Minuten erreichen und den Einbrecher selbst stellen. Das würde ihm ganz bestimmt eine Belobigung einbringen. Vielleicht sogar eine Extraprämie. Denn seines Wissens war überhaupt noch niemand in dieses Werk eingedrungen, seit er hier beschäftigt war.

Frantzen erhob sich und überprüfte seine Pistole. Die Walther PPK lag schwer in seiner Hand. Zwar hatte er ihn das letzte Mal bei einem Übungsschießen vor zwei Jahren benutzt, aber der Anblick der Waffe würde vermutlich schon reichen, um den Eindringling zu stellen.

Frantzen schlich den langen Gang hinunter, stieg eine Treppe tiefer und blickte vorsichtig um die Ecke. Fast automatisch prüfte er zuerst die Fernsehkamera, die in ihrer schwenkbaren Halterung unter der Decke befestigt war. Sie zeigte in eine Richtung, die er von seiner Position aus nicht sehen konnte.

Langsam schlich er weiter, bis er den gleichen Blickwinkel wie die Kamera hatte. Der Pistole wurde in seiner schweißnassen Hand immer schwerer. Er blickte auf den Rücken eines Mannes, der mit einem merkwürdig aussehenden Instrument in dem komplizierten Schloss der Panzertür herumfummelte.

Frantzens Kehle war wie zugeschnürt. Die Waffe in seiner Faust zitterte leicht. „Machen Sie keine Bewegung!", stieß er hervor.

Der Mann erstarrte.

„Drehen Sie sich langsam herum!" Frantzen wurde ruhiger. Schließlich gehorchte der Mann.

Frantzen sah eine Strumpfmaske, unter der die Gesichtszüge des Eindringlings unkenntlich waren. Dann bemerkte er nur noch eine blitzschnelle Bewegung, eine Pistole mit einem überlangen Lauf  und die spitze Feuerlanze, die auf ihn zustach.

Frantzen spürte einen heißen, brennenden Schmerz in der Brust, dann nichts mehr.

Der Schütze richtete sich auf und murmelte: „Verdammter Mist!“

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3.

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Freddy, genannt „das Frettchen“, rannte um die Ecke und starrte mit seinem spitzen Gesicht auf den toten Wachmann. „War das nötig?“ fragte er scharf.

Skotty zuckte mit den Schultern und schob die Pistole mit dem aufgeschraubten Schalldämpfer unter seinen Overall. „Ich hatte keine andere Wahl. Er hat mich überrascht,  und er hatte eine Pistole in der Faust. Eine Sekunde später hätte er mich über den Haufen geknallt.“

Freddy blickte verächtlich auf den Toten. „Ein alter Mann? Er hatte keine Chance gegen dich. Aber wir haben jetzt Probleme. Denn du weißt nicht, ob er vor seinem Auftauchen noch Alarm gegeben hat.“

„Dann lass uns hier schnellstens verschwinden, ehe die Bullen oder andere Wachen hier auftauchen.“ Freddy musterte die immer noch verschlossene Panzertür. „Die ganze Mühe war also umsonst. Du hast die Tür noch nicht aufgekriegt."

„Das verdammte Ding ist schwieriger, als ich gedacht habe. Hier hilft nur ein Schlüssel oder eine Kiste Dynamit. Wir können doch später noch einen Versuch machen, jetzt weiß ich ja, worauf es ankommt.“

Freddy schüttelte den Kopf. „Sie werden die Sicherheitsmaßnahmen eher verstärken, und der tote Wachmann wird ziemlich viel Staub aufwirbeln. Wir gehen auf Tauchstation."

„Und unser Honorar?", fragte Skotty.

Freddy nickte. „Unser Auftraggeber wird für unsere Bemühungen etwas springen lassen. Er hat uns nicht genügend über die Sicherungsmaßnahmen informiert. Mal sehen, was wir herausholen können.“

Skotty hatte inzwischen seine Sachen zusammengepackt. „Ich bin fertig. Wir können abhauen.“

Freddy warf einen letzten Blick auf den Toten. „Okay. Wir nehmen den gleichen Weg. Wenn unser Auftraggeber recht hat, gibt es um diese Zeit nur einen einzigen Wächter im Kontrollraum, und der liegt hier. Wenn die Bullen kommen sollten, hören wir sie schon von weitem. Denn sie werden sich nie angewöhnen, ihre Sirenen abzuschalten."

Sie lachten beide und verließen den Trakt ohne besondere Eile. Schließlich war dies nicht ihr erster nächtlicher Einbruch. Man schätzte die beiden in Fachkreisen sehr, denn sie lieferten zuverlässige Arbeit. Skotty war der Techniker, Freddy der Denker. Und außerdem benützten sie beide ihre Pistolen ohne jede Hemmung.

Bei der zuständigen Polizeibehörde besaßen sie dicke Akten. Es hatte zahlreiche Anklagen gegeben, aber nur wenige Verurteilungen. Im Notfall konnten sie auf die besten Anwälte zurückgreifen, denn sie zahlten die höchsten Honorare.

Allerdings mussten auch die potentiellen Auftraggeber tief in die Tasche greifen. Sie gehörten zweifelsohne zu den teuersten Fachleuten auf ihrem Gebiet. Freddy und Skotty arbeiteten grundsätzlich allein, und sie erledigten die Aufträge auf ihre Weise. Um Werbung brauchten sie sich keine Sorgen zu machen. In ihrem Falle reichte die Mundpropaganda völlig.

Diesmal hatte es nicht so richtig geklappt. Nun, sie würden den Auftrag schon noch erfüllen. Das gehörte mit zu dem Ruf, den sie verteidigen mussten. Denn auch in ihrem Fach gab es nachdrängende Konkurrenz. Jüngere und billigere Burschen, die den einen oder anderen Auftrag wegschnappten. Meist versauten sie ihn zwar, aber davon hatten Freddy und Skotty auch nichts.

Sie verließen das Gebäude durch den Haupteingang, den sie hinter sich wieder ordnungsgemäß verschlossen. Den Nachschlüssel dafür hatte ihnen ihr Auftraggeber zur Verfügung gestellt.

Rasch liefen sie über den kleinen Vorplatz, der während der Arbeitszeit mit parkenden Wagen vollgestellt war. Schon nach wenigen Metern hatten sie den Lichtkreis der starken Lampen verlassen, die die Fassade beleuchteten.

Nach wenigen Sekunden erreichten sie das Tor zum Werksgelände. Es bestand aus massiven Metallstäben und besaß ein elektrisches Schloss. Aber natürlich konnte man ohne größere Mühe hinüberklettern, wenn man vorher die deutlich sichtbare Überwachungskamera ein wenig zur Seite drehte, so dass sie nur noch einen Teil des Tores zeigte.

Andere Sicherheitsvorkehrungen gab es hier nicht, hatte man ihnen versichert, und ihr Auftraggeber machte durchaus den Eindruck, als wüsste er genau, wovon er sprach.

Sie überkletterten das Tor an der gleichen Stelle, an der sie hereingekommen waren. Die Kamera befand sich noch an der gleichen, leicht verschobenen Stelle. Ihr Wagen war in der Nähe geparkt.

„Denkst du auch, was ich denke?", fragte Skotty nach wenigen Metern.

„Ja. Keine Sirene weit und breit. Der Wächter hat keinen Alarm ausgelöst. Wir hätten weitermachen können.“

Skotty schüttelte den Kopf. „Wir hätten zu viel Zeit gebraucht. Allein für die Panzertür noch zwanzig Minuten. Und drinnen mindestens noch einmal so lange. Das wäre zu riskant gewesen.“

Freddy nickte. „Du hast wahrscheinlich recht. Wir werden einen weiteren Versuch starten, wenn sich alles beruhigt hat."

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4.

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Die Panzertür zur Konstruktionsabteilung war immer noch verschlossen. Eigentlich hatte die Arbeitszeit bereits begonnen, aber die Techniker würden heute später anfangen müssen, denn vor der Tür herrschte Hochbetrieb, der sonst nicht hierhergehörte.

Zwei Männer hoben den toten Wachmann in einen Zinksarg und brachten ihn weg. Nur die Kreidestriche zeigten, wo er gelegen hatte. Der Fotograf schoss seine letzten Aufnahmen und verzog sich dann ebenfalls. Die Beamten der Mordkommission unterhielten sich flüsternd.

Ein etwa vierzigjähriger Mann lehnte mit blassem Gesicht und verklebten Haaren an der Wand. Er starrte auf seine Schuhspitzen und vermied ängstlich, auf die Kreideumrisse zu blicken.

Aus der Polizeigruppe trat ein Mann auf ihn zu. „Herr Romann?“

Der andere hob verwirrt den Kopf. „Ja, der bin ich. Karsten Romann. Ich ... ich kann es noch nicht fassen.“

„Ja. Das ist verständlich. Mein Name ist Kerner, Fabian Kerner. Ich habe ein paar Fragen an Sie.“

„Natürlich. Kommen Sie, wir gehen in mein Büro. Ich nehme an. Sie gehören auch zur Mordkommission. Ich habe Ihren Kollegen schon alles erzählt, was ich weiß. Es ist nicht besonders viel."

Kerner schüttelte den Kopf. „Ich gehöre nicht zur Mordkommission. Ich bin vom BKA!“

Romann zuckte nervös mit einem Augenlid. „BKA?“

Kerner nickte.

„Sehen Sie, dieser Fall hat sicher eine besondere Bedeutung, die uns über das normale Polizeiinteresse hinaus beschäftigt. Ihr Unternehmen hat auch eine gewisse Bedeutung, die eventuell mit diesem Fall in Zusammenhang steht.“

„Ich verstehe nicht“, krächzte Romann. „Es war ein versuchter Einbruch, der nicht gelungen ist, und der Mord an dem Wächter ist doch keine Angelegenheit für das BKA.“

Kerner änderte seinen Tonfall kaum.

„Die Romann Electronics unterliegen in bestimmten Bereichen der höchsten Geheimhaltungsstufe. Sie wissen besser als ich, dass Ihr Unternehmen gewisse Zubehörteile für die Rüstungsindustrie liefert, die anderen Entwicklungen um Jahre voraus ist.“

Romann erschrak und zerrte den BKA-Beamten mit sich. „Kommen Sie in mein Büro“, flüsterte er. „Ich hatte keine Ahnung, dass Sie darüber informiert sind. Ihre Kollegen von der Polizei brauchen es aber wirklich nicht zu wissen. Ich darf darüber nichts sagen.“

Erst in seinem modern und großzügig ausgestatteten Büro ergriff Karsten Romann wieder das Wort. „Sie werden verstehen, dass ich sehr überrascht war, dass Sie Bescheid wissen. Einiges, was hier entwickelt wurde, gehört zu den geheimsten Dingen dieses Landes. Es sind elektronische Bauteile für Nato-Kampfflugzeuge. Mehr möchte ich dazu im Augenblick nicht sagen.“

Kerner nickte. „Ich verstehe. Aber Sie begreifen sicher auch unsere Besorgnis, wenn offensichtlich jemand versucht, an diese Geheimnisse heranzukommen. Bei uns haben sämtliche Alarmglocken geklingelt.“

„Sie glauben nicht, dass es sich um einen normalen Einbruch handeln könnte? Die Zahl der Eingeweihten ist sehr klein.“

Zum ersten Mal lächelte Kerner. „Sie ist sicher groß genug. Nein, wir sind sicher, dass es sich um einen ganz gezielten Einbruch handelte. Glücklicherweise ohne Erfolg, aber es kann eine Wiederholung geben. Die Einbrecher sind kein Risiko eingegangen. Sie haben den Wächter, der sie überrascht hat, einfach erschossen. Ein normaler Einbrecher geht ein solches Risiko kaum ein.“

„Sie mögen recht haben."

Romann zündete sich eine Zigarette an, und Kerner bemerkte, dass seine Hände zitterten.

„Es gibt ein paar merkwürdige Dinge bei dieser Sache“, erklärte der BKA-Mann. „Die Täter sind offensichtlich mit einem Nachschlüssel in das Gebäude eingedrungen. Das Werktor haben sie überklettert, aber sie müssen genau gewusst haben, in welchem Winkel man die Kamera zur Seite drehen muss. Es ist so wenig, dass es einem Beobachter im Kontrollraum kaum auffällt, wenn er nicht besonders aufmerksam ist. Das heißt, die Täter hatten sehr genaue Kenntnisse von den Sicherheitsanlagen."

„Aber der Wächter hat sie offensichtlich überrascht", warf Romann ein.

„Ja, wahrscheinlich haben die Täter einen winzigen Fehler gemacht. Denn der Wächter, Frantzen ist, glaube ich, sein Name, war sich seiner Sache nicht ganz sicher, sonst hätte er bestimmt Alarm gegeben. Er hatte einen Verdacht und wollte sich die Stelle ansehen, an der etwas nicht zu stimmen schien. Immerhin hatte er seine Waffe gezogen, aber er hat keinen Schuss abgefeuert. Die Eindringlinge haben ihn sofort getötet."

Romann machte ein bekümmertes Gesicht. „Es waren mehrere, sagen Sie.“

„So genau ist das nicht festzustellen. Ich schätze aber, dass es mindestens zwei waren, vielleicht auch drei."

„Trotzdem, die Panzertür haben sie nicht aufbekommen“, stellte Romann befriedigt fest.

Kerner lächelte. „Das hätten sie schon, wenn sie mehr Zeit gehabt hätten. Aber durch das Auftauchen des Wächters wurden sie gestört. Sie konnten nicht wissen, ob Alarm ausgelöst worden ist oder nicht. Also mussten sie abhauen. Auch das ist ein Indiz dafür, dass sie genaue Kenntnis der Sicherheitseinrichtungen besessen haben. Alles spricht dafür, dass es einen Komplizen geben muss, hier im Werk.“

Romann wurde wieder blass. „Das glaube ich nicht. Meine Leute sind alle auf Herz und Nieren überprüft. Von Ihnen, vom BKA selbst. Nein, es muss noch andere Erklärungen geben.“

Kerner hob die Schultern.

„Auch unsere Überprüfungen sind nicht lückenlos. Es wäre nicht das erste Mal, dass jemand durch die Maschen unseres Netzes schlüpft. Leider können wir nicht alle Ihre Beschäftigten noch einmal mit der Lupe prüfen. Ich muss mich auf die notwendigsten Nachforschungen beschränken, um zu verhindern, dass es einen zweiten Versuch gibt. Aber Sie müssen uns helfen.“

„Natürlich, das will ich gerne tun.“

„Sie sind nach Ihren Verträgen dazu auch verpflichtet“, bemerkte Kerner völlig humorlos.

Romann zuckte leicht zusammen. „Was soll ich tun?“

„Überprüfen Sie Ihre Leute noch einmal gründlich. Alle, die in der Lage sind, die Einbrecher in dieser Form zu unterstützen. Glauben Sie mir, man findet immer etwas. Und wenn Sie den leisesten Verdacht haben, informieren Sie mich. Den Rest übernehmen wir dann.“

„Und wie soll ich das machen?“

„Es gibt Leute, die von diesen Dingen etwas verstehen. Gute Privatdetektive zum Beispiel.“

„Ich habe noch nie etwas mit Privatdetektiven zu tun gehabt“, gab Romann leicht pikiert zurück.

Kerner grinste. „Seien Sie froh. Aber warten Sie. Mir fällt einer ein, der einen ziemlich guten Ruf für verzwickte Fälle hat. Er lebt hier in Berlin, irgendwo in der Nähe vom Zoo. Sie finden seine Adresse im Telefonbuch.“

Kerner schrieb ein paar Worte auf einen Zettel und schob ihn über den Schreibtisch. „Er heißt Bernd Schuster.“

Romann nahm den Zettel, als sei es ein giftiges Insekt. „Na schön, ich werde mich mit diesem Mann in Verbindung setzen.“

„Sie können auch einen anderen nehmen. Es wäre nur ganz gut, wenn wir wissen, dass Sie unsere Arbeit ein wenig unterstützen."

„Das habe ich schon begriffen“, knurrte Romann. „Trotzdem bin ich der Ansicht, dass Sie mit Ihrer Meinung auf dem Holzweg sind. Wenn sich jemand für dieses Werk interessiert, können es nur ausländische Spione sein. Auf keinen Fall einer meiner Mitarbeiter.“

Kerner gönnte sich wieder ein schwaches Lächeln. „Es gibt auch deutsche Spione, die für andere Leute arbeiten. Aber wer auch immer den Einbruch verübt hat, er hat Unterstützung bekommen. Ich will, dass wir diese undichte Stelle stopfen, sonst wird es immer wieder Versuche geben, an Ihre Geheimnisse heranzukommen.“

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5.

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Bernd Schuster schlürfte eine viel zu heiße Tasse Kaffee. Die Schlagzeilen der Zeitungen schienen immer die gleichen zu sein. Katastrophen, Kriege. Terroranschläge, Erdbeben, Mord und Totschlag. Dazu die ständigen Demos in Berlin.

‚Berufs-Revoluzzer!‘, nannte Schuster sie in Gedanken. ‚Da wächst uns ‘was heran, nach dem Bombenanschlag auf die Kaufhäuser in Frankfurt wird es nicht lange dauern, und diese Typen werden sich auch bei uns bemerkbar machen. Wenn nur nicht meine Lucy ständig bei diesen Demos mitlaufen würde! Meine Lucy in the sky, wie sie sich gern seit dem Beatles-Song vom letzten Jahr nennt! Ha! Lucy... war schon verrückt, ihr damals diesen Namen zu geben. Und ich habe mich gegen alle Widerstände durchgesetzt...‘

Er seufzte und legte die Zeitung zur Seite.

Das Telefon klingelte. Er seufzte noch einmal und hob ab. „Büro Schuster“, meldete er sich und klopfte eine Roth Händle aus der Packung, natürlich filterlos. Er liebte die kräftigen Tabaksorten und wechselte gelegentlich zur Gauloises.

„Spreche ich mit Herrn Schuster persönlich?“, fragte die männliche Stimme am anderen Ende.

„Ja, das tun Sie. Aber wie wäre es, wenn Sie sich erst mal vorstellen. Das ist unter Gesprächspartnern so üblich.“

„Und Sie sind wirklich Bernd Schuster, der Privatdetektiv?“

„Hören Sie, wenn Sie ein scherzhaft veranlagter Mensch sind, sollten Sie Ihre Witze anderswo ausprobieren. Ich habe keine Zeit, mein Telefon mit diesem Unsinn zu blockieren.“

Die Stimme am anderen Ende wurde aufgeregt. „Warten Sie! Ich möchte Sie engagieren. Und mein Name ist Romann."

„Also schön, Herr Romann. Ich möchte Ihnen aber gleich sagen, dass ich für Ehescheidungen und Ähnliches nicht zuständig bin.“

„Nein, nein! Es dreht sich um eine völlig andere Sache. Ich habe Ihren Namen vom BKA. Man sagte mir, dass Sie der richtige Mann für eine solche Aufgabe sind.“

Bernd wurde aufmerksam. Das BKA? Er hatte gar nicht gewusst, dass man dort so viel von ihm hielt. Vielleicht wollte man ihn aber auch mit einem albernen Fall ärgern. Wie auch immer, sein Interesse war geweckt.

Er blickte auf seinen Terminkalender. Heute stand überhaupt nichts darauf. Franziska hatte nur vermerkt, dass sie eine Zeitlang unterwegs sein würde.

„Sie haben Glück, Herr Romann. Ich hätte im Augenblick Zeit für einen weiteren Fall. Erzählen Sie mir aber erst, worum es geht.“

Romann senkte seine Stimme. „Das kann ich nicht am Telefon sagen. Es geht um sehr vertrauliche Dinge."

„Im privaten Bereich?“

„Nein, es geht um mein Unternehmen, Romann Electronics.“

Bernd schwieg einen Moment, um die unerwartete Information zu verarbeiten. Der Name dieser Firma klang in der Tat interessant. Er hatte ihn zwar noch nie gehört, aber das hatte nichts zu bedeuten. Neben den Giganten der Branche gab es in den Vereinigten Staaten zahlreiche mittlere und kleinere Firmen, die oftmals in der Forschung und Entwicklung in bestimmten Spezialbereichen weiter waren als die Großen. In diesem Zusammenhang gab auch die Erwähnung des BKA einen Sinn.

„Ich werde zu Ihnen kommen", sagte Bernd endlich. „Wo finde ich Sie?“

Romann freute sich offenbar. Er gab einen glucksenden Laut von sich. „Mein Werk liegt in Spandau.“ Dann nannte er ihm die genaue Adresse.

Bernd notierte sich die Anschrift. „Ich bin in einer Stunde bei Ihnen.“ Dann hinterließ er eine Nachricht für seine Sekretärin Franziska und fuhr in die Tiefgarage.

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6.

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Romann Electronics bedeckte ein ziemlich weitläufiges Areal, ohne dabei ein riesiges Unternehmen zu sein. Eine ganze Reihe von Gebäuden fügten sich harmonisch in eine parkähnliche Umgebung ein. Die Geschäftsleitung war offensichtlich daran interessiert, den Angestellten ein angenehmes Arbeitsklima zu vermitteln. 

Bernd parkte seinen Wagen vor dem Hauptgebäude, in dem die Verwaltung untergebracht war. Er hatte sich am Haupttor anmelden müssen, aber sein Name war bereits bekannt und man zeigte ihm den weiteren Weg.

Er ließ seinen Blick über das Gelände schweifen. Eines war ihm jetzt schon klar: Ein Eindringen am helllichten Tage war kein Problem. Ein fingierter Name für die Anmeldung, und man konnte auf das Gelände fahren. Es gab zwar stellenweise Fernsehkameras, aber die Überwachung schien bei weitem nicht lückenlos. Es war bestimmt ohne weiteres möglich, sich auf dem Gelände zu verstecken und sich abends einschließen zu lassen.

Bernd hatte aus Romanns wenigen Worten entnommen, dass es gewisse Unregelmäßigkeiten in diesem Betrieb geben musste. Was lag näher als Diebstahl oder Werkspionage?

Bernd ging zum Eingang hinüber und drückte die Tür auf. Dahinter befand sich ein kleiner Verschlag für den Pförtner. Ein älterer Mann in einer uniformähnlichen Fabiane, wie sie gelegentlich auch ein Chauffeur trug, sah ihm aufmerksam entgegen.

„Sie sind Herr Schuster", stellte er fest. „Warten Sie hier einen Augenblick. Sie werden abgeholt."

Bernd nickte und nahm auf einer Sitzgruppe Platz, die sich in einer Ecke der Empfangshalle befand. Der Pförtner telefonierte.

Es dauerte nur wenige Minuten, bis ein außerordentlich attraktives Wesen aus dem Lift trat. Das Mädchen war Mitte Zwanzig und besaß eine Figur, nach der sich die Männer auf der Straße umdrehten. Mit einer lässigen Kopfbewegung schwang sie sich eine vorwitzige Haarsträhne aus dem Gesicht. Dann entdeckte sie Bernd, der sich erhoben hatte, und kam auf ihn zu.

Ihre Stimme klang leicht rauchig. „Sie sind bei Herrn Romann angemeldet. Folgen Sie mir bitte.“

„Ich wüsste nicht, was ich lieber täte."

Sie strafte ihn mit einem Seitenblick. Als sie in den Lift traten, drückte sie stumm auf einen Knopf und fuhren schweigend in die Chef-Etage.

Ein bisschen zu arrogant‘, dachte Bernd. Dann stoppte der Lift.

Der Korridor war mit einer flauschigen Teppichware ausgelegt, zu dessen Farbe die Textiltapete passte. Gedämpftes Licht sorgte für eine abgestimmte Beleuchtung. Bernd schloss daraus, dass Romann einen hervorragenden Innenarchitekten besitzen musste.

Sie betraten ein Büro, das sich stilistisch an das Bisherige anschloss. Für Bernds Geschmack war es ein bisschen zu modern. Aber über Geschmack ließ sich bekanntlich streiten.

Ein etwa vierzigjähriger Mann erhob sich hinter einem riesigen Schreibtisch, dessen Platte fast völlig leer war. Der Mann trug einen Tweedanzug aus teurem englischen Stoff und machte ein grämliches Gesicht.

„Mein Name ist Karsten Romann. Ich freue mich, dass Sie so schnell kommen konnten.“

Bernd stellte sich vor, und sie schüttelten sich die Hände. Das Mädchen verzog sich lautlos wieder, nachdem sie sich nach Getränkewünschen erkundigt hatte. Doch Bernd hatte jetzt noch den Eindruck von Verbrennungen zweiten Grades, wenn er an seinen eigenen Kaffee dachte.

Sie ließen sich in zwei Sesseln nieder und Bernd zündete sich eine Roth Händle an. „Ich denke, es wäre am besten, wenn Sie mir ausführlich schildern, weshalb Sie meine Hilfe brauchen.“

Romann nickte. „Gestern haben Einbrecher versucht, in die Konstruktionsabteilung einzudringen. Es gelang ihnen zwar nicht, die Panzertür zu knacken, aber sie haben einen meiner Wächter erschossen, der sie offensichtlich überrascht haben muss. Die Polizei hat natürlich sämtliche Spuren gesichert. Sie ist der Überzeugung, dass nur Profis für diesen Einbruch in Frage kommen. Nun hat sich außerdem das BKA eingeschaltet. Der Beamte, ein gewisser Fabian Kerner, nimmt an, dass die Täter Hilfe aus dem Unternehmen gehabt haben müssen. Sie besaßen vermutlich einen Nachschlüssel zu dem Hauptgebäude und kannten sich überdies bei den Sicherheitseinrichtungen gut aus. Ich glaube jedoch nicht, dass einer meiner Leute solchen Verbrechern helfen würde. Sie werden alle gut bezahlt.“

Bernd lächelte schwach.

„Was hat die Einbrecher an Ihrer Konstruktionsabteilung interessiert?“

Romann wand sich unbehaglich. „Das darf ich Ihnen im Einzelnen nicht sagen. Wir stellen bestimmte Bauteile elektronischer Art für Nato-Kampfflugzeuge her. Wir entwickeln diese Teile selbst in unseren Laboren. Sie gehören zu den Modernsten, was zurzeit auf dem Markt ist, und unterliegen natürlich der höchsten Geheimhaltungsstufe.“

„Ich verstehe. Also haben vermutlich ausländische Agenten ein Interesse an diesen Dingen. Deshalb hat sich auch das BKA eingeschaltet, das für diese Dinge zuständig ist. Da wäre zuerst zu klären, wie viele Leute informiert sind über das, was Sie produzieren.“

Romann zuckte die Schultern.

„Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Es müssen Tausende sein, die darüber Bescheid wissen. Vom Pentagon über unser Verteidigungsministerium bis zum Flugzeugtechniker, der mit diesen Dingen zu tun hat. Dazu kommen natürlich noch meine eigenen Leute, die aber vom BKA überprüft werden, bevor ich sie einstelle.“

„Wie gut sind denn Ihre Geheimnisse gesichert?“, wollte Bernd wissen.

„Ich habe eine Werkschutzabteilung, die von einem pensionierten Polizisten geleitet wird. Er hat etwa ein Dutzend Leute unter sich, die im Schichtdienst arbeiten. Einige von ihnen sind ständig bewaffnet. Sie kontrollieren die zentrale Sicherheitsanlage, die Tore und die einzelnen Gebäudeeingänge. Nachts sind sämtliche Türen verschlossen. Es handelt sich um spezielle Sicherheitsschlösser. Es gibt keine ungesicherten Eingänge in die einzelnen Gebäude."

„Aber mit einem Nachschlüssel ist das Eindringen kein Problem", meinte Schuster ruhig.

Romann wurde rot. „Ich verstehe nicht, wie jemand an einen Nachschlüssel kommen kann. Das ist völlig ausgeschlossen.“

„Darum werde ich mich kümmern. Wer besitzt überhaupt einen Schlüssel?"

„Es gibt drei Zentralschlüssel", erklärte Romann. „Einen habe ich, den zweiten besitzt der Leiter des Werkschutzes oder der jeweils Wachhabende, und der dritte liegt als Reserve in meinem Banktresor. Es ist ein sehr komplizierter Schlüssel. Man hat mir gesagt, dass man ihn mit einem einfachen Abdruck nicht fälschen kann."

Bernd nickte. „Ich kenne diese Art von Schlüsseln. Sie werden auch von Banken verwendet. Sie sind so präzise, dass ein einfacher Abguss sinnlos wäre. Trotzdem bleibt die Tatsache, dass ein Nachschlüssel verwendet wurde. Also müssen wir die Frage klären, wer in der fraglichen Nacht an einen der drei Schlüssel herankommen konnte.“

„Meiner war es nicht“, sagte Romann rasch. „Ich habe ihn immer bei mir getragen. Der zweite Schlüssel liegt auch noch sicher im Tresor, das habe ich bereits überprüft.“

„Bleibt der dritte Schlüssel“, ergänzte Bernd.

Erst nach einer kleinen Pause sagte Romann. „Sie finden Herr Klein genau unter mir in der Sicherheitszentrale. Er ist der Leiter des Werkschutzes. Sie können mit ihm reden.“

„Das werde ich auch tun. Ich habe noch ein paar Fragen. Es ist richtig, dass nur mit diesen drei Schlüsseln sämtliche Eingänge zu den Gebäuden und zu einigen besonders geheimen Abteilungen geöffnet werden können?"

Romann nickte.

„Die Konstruktionsabteilung ist die einzige, die mit einer ebensolchen Panzertür ausgerüstet ist wie die Gebäude. Das liegt daran, dass diese Abteilung sich hier im Hauptgebäude befindet. Das Hauptgebäude hat als einziges keine Panzertür am Eingang. Es sähe auch für Besucher etwas komisch aus. Deshalb haben wir diese Lösung gewählt.“

„Das sehe ich ein. Aber weshalb haben Sie diese besonders gefährdete Abteilung hier untergebracht, wo doch fremde Leute ein und ausgehen?“

„Die Konstrukteure und Techniker, die dort arbeiten, sind meine wichtigsten Leute. Ich brauche den ständigen Kontakt zu ihnen. Deshalb sind sie hier in meiner Nähe.“

„Was könnte ein Eindringling in diesen Räumen denn entdecken? Sind die geheimen Unterlagen nicht zusätzlich in einem Tresor gesichert?“

Romann machte eine fahrige Handbewegung.

„Doch, selbstverständlich. Aber es liegen immer noch genügend Pläne herum, aus denen sich etwas ablesen lässt. Außerdem befinden sich Bauteile dort, die viele Einzelheiten verraten können.“

Die Erklärung klang für Bernd nicht besonders überzeugend. Er fragte sich, ob jemand, der sich überdies auszukennen schien, einen Einbruch riskierte, nur um ein paar Pläne oder Bauteile besichtigen zu können. Interessant waren doch nur die Dinge im Tresor! Vielleicht besaßen die Täter auch einen Nachschlüssel zum Tresor?

Bernd lehnte sich zurück.

„Können Sie mir erklären, weshalb die Täter die Panzertür nicht aufbekamen, wenn sie einen Nachschlüssel besaßen?“

Romann lächelte. „Sie haben mich missverstanden. Sie besaßen keinen der zentralen Hauptschlüssel, sondern einen Nachschlüssel für das Hauptgebäude. Das ist ein Unterschied. Denn es besitzt ein anderes Schloss, ein viel leichter zu knackendes.“

Bernd hatte den Eindruck, als hätte Romann vor wenigen Minuten etwas Anderes gemeint. Wollte er ihn auf eine falsche Spur locken? Er verwarf den Gedanken wieder. Schließlich handelte es sich bei Romann um seinen Auftraggeber und den Besitzer der Firma.

„Sind Sie Alleininhaber von Romann Electronics?"

„Nicht ganz“, erwiderte Karsten Romann. „Es ist ein Familienunternehmen. Es wurde kurz nach dem Krieg von meinem Vater gegründet, der vor drei Jahren starb. Ich habe das Unternehmen mit einem Mehrheitsanteil geerbt, aber ich habe noch zwei Brüder und eine Schwester, die ebenfalls Anteile besitzen. Meine Funktion ist hier die eines Geschäftsführers. Ich trage die volle Verantwortung für alles.“

„Und Ihre Brüder und Schwestern kümmern sich nicht um die Firma? Sie haben auch keine Schlüssel irgendwelcher Art.“

Romann schüttelte den Kopf.

„Die sind froh, wenn sie einen großen Bogen um die Firma machen können. Sie bekommen ihren monatlichen Scheck und können die Hände in den Schoß legen. Sie leben von meiner Arbeit.“

Bernd hatte den Eindruck, dass in diesen Worten eine gewisse Emotion mitschwang, auch wenn sie ganz kühl vorgebracht worden waren. Er beschloss, sich mit diesen Tatsachen noch auseinanderzusetzen. Die Familie Romann schien nicht gerade ein Herz und eine Seele zu sein.

„Ich werde dann damit beginnen, das Personal unter die Lupe zu nehmen. Denn irgendwo müssen wir schließlich anfangen. Dazu benötige ich die Personalkartei.“

Romann nickte. „Ich habe den zuständigen Mann bereits unterrichtet. Denn das ist der Zweck Ihres Auftrages. Das BKA sieht sich aus Personalmangel nicht in der Lage, die hier Beschäftigten erneut zu überprüfen. Dafür habe ich Sie engagiert. Allerdings nehme ich an, dass Ihre Nachforschungen nichts erbringen werden.“

Bernd lächelte. „Das werden wir sehen. Wenn man etwas überprüft, findet man eigentlich immer etwas."

Romann erhob sich ruckartig. Sein Gesicht war schlagartig ernst geworden. „Ich will Sie nicht länger aufhalten. Das Finanzielle regeln Sie bitte mit meiner Sekretärin. Wenn Sie Fragen an mich haben, wird Ihnen die Dame ebenfalls behilflich sein und einen Termin nennen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.“

Bernd verbeugte sich leicht. „Danke.“

Diesmal gaben sie sich nicht die Hand, und Bernd hatte den Eindruck, dass die Atmosphäre frostiger war als zu Beginn. Er fragte sich, woran das wohl liegen mochte. Romann schien über seine Nachforschungen nicht sehr begeistert zu sein. Es hatte den Anschein, als hätte er ihn nur engagiert, weil das BKA es ihm empfohlen hatte.

Der Männertraum im Vorraum sah ihn aus großen Augen an. Sie erinnerte Schuster an die Barbie-Puppen seiner Tochter Lucy, und sogar an die Vorgänger-Figur konnte er sich noch immer beim Anblick langbeiniger Blondinen erinnern. Sein Großvater kaufte regelmäßig die Bild, und das Einzige, das ihn damals in dem Blatt interessierte, war die langbeinige Lilli in einem Cartoon von Reinhard Beuthien. Schuster trauerte noch immer ein wenig dieser witzigen Blondine nach, die es seit 1961 nicht mehr gab. Dafür machte sich ihre Nachfolgerin aus den USA immer mehr in den Kinderzimmern breit.

‚Und selbst die bei jeder Demonstration mitlaufende Lucy konnte sich noch nicht entschließen, ihre Barbies aus dem Jugendzimmer zu verbannen!‘, dachte Bernd Schuster und musste lächeln.

„Herr Romann hat mir gesagt, dass Sie immer für mich da sind!“, sagte er gut gelaunt zu der Vorzimmerdame.

Ihre Augen verwandelten sich in glitzernde Eisbrocken.

„Das hat Herr Romann bestimmt nicht so gemeint."

Bernd grinste sie an.

„Sie scheinen eine merkwürdige Fantasie zu haben. Ich meinte natürlich nur für den Fall, dass ich einen Termin mit Herr Romann haben will. Was haben Sie denn gedacht?“

Sie schnaubte unwillig. „Von einem Privat-Schnüffler kann man eben kein besseres Benehmen erwarten.“

„Sie kennen sich aus, wie? Schönes Kind, Sie sollen auch noch für mein Honorar zuständig sein.“

Sie schob ihm einen Block hin. „Schreiben Sie Ihre Kontonummer auf und den Betrag, den Sie pro Tag bekommen. Ich hoffe, er hält sich in Grenzen. Wir schmeißen hier nicht gerne Geld zum Fenster hinaus."

Bernd verlor seine gute Laune nicht.

„Sie haben eine spitze Zunge. Passen Sie auf, dass Sie noch einen Mann abkriegen.“

Ihr Gesicht wurde von dunkler Röte übergossen. Sie verschluckte sich fast an einer Entgegnung. Und Bernd verließ fröhlich pfeifend das Büro.

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7.

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Er fand die Sicherheitszentrale ohne weiteres. Auf den Gängen begegnete ihm kaum ein Mensch. Er konnte völlig frei herumwandern. Und wieder wunderte er sich, dass die Sicherheitsbestimmungen eigentlich nicht besonders beeindruckend waren.

Die Tür zum Kontrollraum stand offen. Bernd sah die Doppelreihe der Fernsehmonitore und wusste, dass er hier richtig war. Er stieß die Tür ein Stück weiter auf und trat ein.

Ein älterer, grauhaariger Mann blickte überrascht auf. Er saß hinter einem Tisch, auf dem ein Gurt mit einer Pistolentasche lag. Allerdings steckte keine Waffe darin.

„Sie müssen Herr Klein sein“, sagte Bernd.

Der Mann nickte.

„Richtig, Manfred Klein. Sie sind der Detektiv, den mir Susi angekündigt hat.“

„Susi?“ ,

„Susanne Wille. Die Sekretärin von Herrn Romann. Sie hat eben bei mir angerufen und mich von Ihrem Kommen verständigt.“

„Natürlich.“

Eine gewisse Kontrolle gab es doch, stellte Bernd für sich fest. Damit wusste er auch den Namen der eiskalten Traumfrau.

„Nehmen Sie doch Platz“, sagte Klein. „Die Polizei hat zwar schon alles durch den Wolf gedreht, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es doch immer wieder neue Erfahrungen gibt, wenn man nur hartnäckig genug ist.“

Bernd nickte. Der Mann machte einen guten Eindruck, ruhig und selbstsicher. Wahrscheinlich war er mal ein guter Polizist gewesen.

„Das ist der erste Einbruchsversuch, seit ich hier Leiter des Werkschutzes bin. Und auch vorher hat es nie einen ernstlichen Zwischenfall gegeben. Der gute Frantzen hat wohl im Traum nicht daran gedacht, dass er es mit richtigen Gangstern zu tun haben könnte, sonst hätte er sich wohl anders verhalten."

„Frantzen war der Name des ermordeten Wächters?" fragte Schuster.

„Ja. Und das ist sein Pistolengurt. Die Pistole ist noch bei der Polizei zwecks technischer Untersuchung. Jedenfalls hat Frantzen keinen Schuss abgegeben. Er hat die Waffe zwar gezogen, aber sie nicht benutzt.“

„Damit können wir ausschließen, dass Frantzen ein Verbündeter der Eindringlinge gewesen ist.“

„Wieso?“, fragte Klein verblüfft.

„Sonst hätte er wohl kaum seine Waffe gezogen. Ich nehme vielmehr an, dass er versucht hat, die Einbrecher zu überraschen, aber die haben sofort geschossen. War Frantzen ein guter Mann?“

Klein nickte. „Sehr zuverlässig. Er ist schon lange hier.“

„Hat er in dieser Nacht den Zentralschlüssel gehabt?“

„Nein. Ich sehe schon, dass Herr Romann Sie informiert hat. In der Nacht habe ich den Schlüssel bei mir gehabt, da ich am nächsten Morgen die Türen selbst aufschließen wollte.“

Sie starrten sich schweigend an.

Schließlich brach Bernd die Stille. „Eines verstehe ich nicht. Die Gangster haben zwar einen Nachschlüssel für die Tür des Hauptgebäudes besessen, aber keinen für die Panzertür, also keinen der Zentralschlüssel. Das lässt einen interessanten gedanklichen Schluss zu.“

„Welchen?“ Klein beugte sich gespannt vor.

Bernd winkte ab. „Es ist noch zu früh, bereits Vermutungen anzustellen. Ich brauche mehr Informationen. Ich denke, ich beginne damit, die Personalkartei durchzusehen. Das dürfte eine ziemlich langwierige Aufgabe werden."

„Sagen Sie mir, wenn ich Ihnen helfen kann."

Klein strich gedankenverloren über das Leder des Pistolengurtes.

„Ich komme gern darauf zurück. Und jetzt sagen Sie mir, wie ich zur Personalabteilung komme."

„Ich zeige Ihnen den Weg.“

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8.

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Bernd lenkte seinen Mercedes vom Parkplatz herunter und steuerte auf das Haupttor zu. Die beiden letzten Stunden seiner Arbeit für Karsten Romann waren mit die langweiligsten seiner Laufbahn gewesen. Er hatte zahlreiche Personalakten durchgesehen, wobei er genau wusste, dass er dabei nichts finden würde. Wenn sich jemand hier einschleichen wollte, würde er ganz besonders auf eine saubere Akte achten, denn jedes Kind wusste, dass ein Unternehmen dieser Art vom BKA überprüft wurde.

Romann Electronics beschäftigte mehrere hundert Mitarbeiter. Wenn Bernd einen anderen Fall gehabt hätte, hätte er diese Sache bereits abgelehnt. Aber er musste schließlich seine Brötchen verdienen, und Franziska musste auch ihr Gehalt bekommen. An Lucys manchmal recht ausgefallene Wünsche wollte er gar nicht denken. Die Inflationsrate war auch nicht gerade klein. Also blieb ihm wohl nichts Anderes übrig, als diesen Fall weiter zu bearbeiten, auch wenn nichts dabei herauskam außer seinem Tagessatz.

Eine schwarze Limousine rollte an ihm vorbei. Er erkannte Uniformen und die Abzeichen hoher Offiziere. Die Gesichter der Militärs wirkten verkniffen. Vielleicht hatten sie von dem Einbruchsversuch gehört und wollten sich vergewissern, dass ihre kostbaren Geheimnisse noch alle vorhanden waren. Er musste sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass vielleicht auch bald die Sicherheitsorgane der Militärs herumschnüffelten.

Neben dem Tor stand ein Mann, der ihm aufmerksam entgegenblickte. Bernd ging mit der langsamen Geschwindigkeit noch weiter herunter, als der Mann mitten auf die Fahrbahn trat und eine Hand hob.

Bernd stoppte. „Was gibt’s? Ich habe mich ordnungsgemäß abgemeldet. Im Übrigen habe ich ein strammes Tagewerk hinter mir. Ich wollte eigentlich nach Hause.“

„Das können Sie auch gleich."

Der Mann kam an den Wagen heran, riss die Beifahrertür auf und setzte sich ohne weitere Umstände in den Wagen.

„Sie können mich ein Stück mitnehmen.“

„Ich nehme prinzipiell keine Anhalter mit“, bemerkte Bernd und machte keine Anstalten weiterzufahren.

Der andere zog einen Ausweis aus der Tasche, klappte ihn auf und sagte: „Kerner, BKA. Ich möchte mich nur ein bisschen mit Ihnen unterhalten."

Bernd zuckte die Schultern, legte den Gang ein und fuhr los. „Wie ich hörte, sind letztlich Sie dafür verantwortlich, dass man mich mit diesem Fall beauftragt hat. Für Empfehlungen bin ich zwar immer dankbar, aber ich hätte schon gern gewusst, wie Sie auf mich gekommen sind. Denn ich habe von Ihnen noch nichts gehört.“

Kerner lächelte. „Wir haben eine ziemlich gute Kartei, in der die meisten Detektive irgendwie erfasst sind. Aber das ist Ihnen sicher nichts Neues. Sie können beruhigt sein. Ich habe Ihren Namen von Kollegen, und inzwischen habe ich ein paar Erkundigungen eingezogen, die meine Empfehlung bisher nur bestätigt haben. Sie haben zwar bei der Polizei nicht nur Freunde,  aber die Serie Ihrer Erfolge dürfte der beste Beweis sein.“

„Vielen Dank für die Blumen. Aber was wollen Sie jetzt von mir?“

Kerner machte ein nachdenkliches Gesicht. „Dieser Fall ist nicht astrein. Ich kann mich auf mein Gefühl verlassen. Und es sagt mir auch, dass dieser missglückte Einbruch nicht der letzte Versuch war, an die Geheimnisse von Romanns Electronics heranzukommen. Trotzdem: So manches passt nicht zusammen. Sie können sich denken, dass meine Vorgesetzten größten Wert darauf legen, dass Romanns Panzertüren geschlossen bleiben. Da wir aber leider nicht in der Lage ist, mehr Leute einzusetzen, habe ich Romann empfohlen, einen Privatdetektiv hinzuzuziehen. Er kann manche Routinearbeit übernehmen."

„Sie haben Glück, dass meine Zeit im Augenblick nicht durch einen anderen Fall blockiert ist, sonst hätte ich diese Angelegenheit schon am ersten Tag hingeschmissen. Es gibt kaum etwas Schlimmeres für mich, als den ganzen Tag in Akten zu wühlen.“

Kerner seufzte.

„Was glauben Sie wohl, woraus unsere Hauptbeschäftigung besteht?“

Bernd grinste und wich einem entgegenkommenden Wagen aus, der unglaublich dicht an seine Fahrspur geriet.

„Deshalb bin ich ja nicht beim BKA. Ich wollte mir meine Fälle selbst aussuchen.“

„Das tun Sie ja auch. Aber glauben Sie mir: Die Geschichte bei Romann ist keine Routine. Dies war erst der Anfang. Ich habe ein Gespür für diese Dinge. Vielleicht liegt es an meiner ungarischen Großmutter, die das zweite Gesicht gehabt haben soll."

Schuster lachte. „Sie hätten besser einen Hellseher auf diesen Fall ansetzen sollen.“

Kerner streckte den Arm aus. „Setzen Sie mich dort vorne ab. Ich nehme die S-Bahn. Sie werden erlauben, dass ich mich mit Ihnen wieder in Verbindung setzen werde.“

Bernd bremste, und der Beamte stieg aus.

„Wer steckt denn dahinter?“ fragte Bernd hinterher. „Wenn ich recht habe, werden Sie das bald merken.“

Kerner winkte und verschwand im Untergrund.

Bernd fuhr rasch weiter, weil hinter ihm schon ein Hupkonzert einsetzte. Er durfte hier nicht halten, und er wollte keinem Polizisten den Triumph gönnen, ihm ein Strafmandat auszustellen.

Die rätselhafte Bemerkung von Kerner gab ihm zu denken. Offensichtlich wusste oder ahnte der BKA-Mann mehr als er zugeben wollte. Es lag natürlich auf der Hand, dass fremde Mächte an den Geheimnissen von Romann Electronics höchst interessiert waren. Handelte es sich bei den Einbrechern möglicherweise um Spione?

Bernd schüttelte unwillig den Kopf. Auch ihn störten einige Dinge an der Sache, ohne dass er wusste, was es genau war. Morgen würde er sich zunächst einmal weiter mit den Akten beschäftigen. Es würde ein staubiger Tag werden.

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9.

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Freddy schenkte sich einen Fingerbreit Whisky ein und schüttete das Getränk mit einem Schluck hinunter. Er schüttelte sich leicht und wischte sich über den Mund. „Das tut gut.“

Skotty rauchte und stieß den Rauch ringförmig aus. Es gelang ihm jedoch nicht, einen halbwegs anständigen Ring hinzubekommen.

„Du kannst doch meinen guten, schottischen Whisky nicht wie Wasser runterschlucken!“, sagte er mit beleidigtem Tonfall.

„Hör mal, Skotty, ich weiß ja, dass du deinen Spitznamen deiner Vorliebe für den Stoff verdankst. Ich habe das Zeug aber nur getrunken, weil es leider keinen Irish Whiskey in dieser Kaschemme gibt!“

Skotty lag auf dem Bett und hatte die Arme hinter dem Kopf verschränkt. Nach einem verächtlichen Schnauben erkundigte er sich:

„Hast du eine Idee, wie es weitergehen soll?“

Freddy sah sich in dem leicht schäbigen Hotelzimmer um. Sie hätten sich zwar ein besseres Hotel leisten können, aber hier stellte niemand dumme Fragen.

„Wir warten ab. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass jemand uns im Verdacht hat, aber das werden wir ja bald wissen. Ich erfahre sofort, ob ein Bulle uns nachschnüffelt.“

„Und was ist mit unserem Honorar?"

„Unser Auftraggeber wird sich melden. Ganz sicher. Er dürfte inzwischen auch wissen, dass die Sache nicht geklappt hat. Er wird es noch mal versuchen wollen.“

Skotty verfolgte den Rauch seiner Zigarette, der sich unter der nachgedunkelten Zimmerdecke sammelte, bevor er sich auflöste. „Ich finde es merkwürdig, dass wir es mit zwei Leuten zu tun haben. Unser Auftraggeber ist nicht der Empfänger der Ware.“

„Das finde ich überhaupt nicht merkwürdig. Unser Auftraggeber verkauft die Ware an einen anderen. Wir sind nur diejenigen, die ihm das Zeug beschaffen. Er will sich nicht selber die Finger schmutzig machen, das ist doch nichts Neues. Wir kriegen von ihm Geld und Unterstützung, um die Ware zu besorgen. Dann übergeben wir sie dem Käufer. Unser Auftraggeber kommt mit dem Käufer also nicht mehr in Kontakt."

Skotty nickte. „Das begreife ich schon. Aber wenn es so ist, dürften die Sachen, die wir dort holen sollten, doch eine ganze Menge Geld wert sein. Wir kriegen bestimmt nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes. Das größte Geschäft macht doch unser Auftraggeber!“

Freddy nagte an seiner Unterlippe. „Da hast du natürlich recht, Skotty. Wir sollten uns die Sachen genau ansehen, wenn wir sie haben.“

„Dazu müssten wir erst die verdammte Panzertür aufkriegen.“

Freddy nickte. „Ich bin sicher, dass unser Auftraggeber beim nächsten Mal etwas mehr Hilfestellung geben muss. Er schien mir sehr daran interessiert zu sein, dass die Sache klappt. Wahrscheinlich ist er auf das Geld angewiesen.“

„Wir könnten auch wieder mal einen warmen Regen gebrauchen", meinte Skotty. „Also warten wir, bis sich unser Freund meldet.“

Details

Seiten
179
Jahr
2021
ISBN (ePUB)
9783738953688
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (Mai)
Schlagworte
judas-lohn blei berlin kriminalroman band

Autor

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Titel: Judas-Lohn in Blei bezahlt: Berlin 1968 Kriminalroman – Band 1